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00:00Seit jeher haben die Menschen zu den Sternen geschaut.
00:06Seit jeher hat uns das Universum fasziniert und Fragen aufgeworfen.
00:12Was ist noch da draußen? Wie ist das alles entstanden? Wo kommen wir her?
00:21Nie war uns das Weltall näher. Nie konnte die Menschheit mit ihren Teleskopen und Sonden weiter in die Tiefen des Universums blicken.
00:30Nie besser uraltes Licht analysieren. Die neuen Erkenntnisse und Aufnahmen sind faszinierend und werfen doch auch gleichzeitig immer wieder neue Fragen auf.
00:41Wie begann das Universum? Wo strebt es hin? Und was ist eigentlich Sternenlicht?
00:49Herzlich willkommen bei Space Time mit Ulrich Walter, Astronaut und Wissenschaftler.
00:55Er weiß, im Weltraum wartet Unglaubliches auf uns.
01:05Licht bedeutet Kraft. Ohne die Energie unserer Sonne kann nichts existieren.
01:10Zumindest nicht in unserem Sonnensystem.
01:12Doch unser Powerstern ist nur eine Kraftquelle unter vielen im Universum.
01:17Allein in unserer Milchstraße gibt es 100 Milliarden Sterne.
01:21Aber unser Auge kann nur einen Bruchteil davon am Nachthimmel sehen.
01:25Und doch sind da draußen Billionen Sterne.
01:27Sie haben alle ihre Geschichte.
01:29Und genau diese Geheimnisse wollen ihnen die Wissenschaftler entlocken.
01:32Mehr denn je und immer intensiver späht die Menschheit in die Tiefen des Alls.
01:38Erkundet Licht und Dunkelheit.
01:42Was ist eigentlich Licht?
01:53Der alte Kirchenvater Augustinus hätte es so gesagt.
01:57Wenn ich nicht dran denke, ist es mir total klar.
01:59Aber wenn ich es erklären soll, weiß ich es nicht.
02:02Also Sie sehen daran, es ist verdammt schwierig.
02:05Ein Physiker würde sagen, Licht im Vakuum ist die Anregung des Raumes.
02:10Das hört sich kompliziert an, ist tatsächlich noch viel komplizierter.
02:14Was aber relativ einfach ist, wie man Licht erzeugen kann.
02:18Denn meistens geht es so.
02:20Ich erhitze eine Materie, sei es nun Gas oder Festkörper.
02:25Damit werden die Atome erregt und die senden dann Licht aus.
02:30Licht gibt es in sehr unterschiedlichen Formen.
02:31Im sogenannten infraroten, dann auch sichtbaren Bereich.
02:35Das ist das, was wir sehen.
02:37Aber dann gibt es noch sehr anderes Licht.
02:39Ultraviolettes Licht, Röntgenlicht, Gammalicht.
02:42Also sehr unterschiedliche Formen.
02:44Und, und das haben die Physiker auch herausgefunden,
02:47Licht ist eine Welle.
02:48Genauso wie eine Oberflächenwelle.
02:51Und deswegen bewegt sie sich fort.
02:53Licht läuft.
02:54Es wandert.
02:55Deswegen ist es auch so, dass Licht, weil es eine endliche Geschwindigkeit hat,
03:02irgendwo beginnt, dann läuft und zu uns kommt.
03:06Das heißt, Licht, was wir sehen, erzählt uns die Geschichte von dem Zeitpunkt an, wo es entstanden ist.
03:13Die europäische Südsternwarte der ESO in Chile.
03:17Von hier aus gelingen fantastische Blicke in die Vergangenheit.
03:21Denn von der Atacama-Wüste lässt sich aus einer Höhe von mehr als 2000 Metern ungetrübt in die Weiten des Alls blicken.
03:29Für die Wissenschaftler ideale Voraussetzungen.
03:32Seit 2013 spähen hier 66 Teleskope im ALMA-Projekt, gemeinsam in den Weltraum und lassen die Astrophysiker ins Schwärmen geraten.
03:45Wir haben Bilder, die mit den besten Millimeter-Teleskopen vor ALMA gemacht wurden.
03:50Und da sieht man einfach einen Klecks.
03:51Und mit ALMA sehen wir dann zum Beispiel einen tollen Ring drumherum.
03:55Und das ist jedes Mal, wenn wir ein neues Teleskop oder eine neue Technik, ein neues Instrument, um die Daten zu erfassen, haben,
04:03ist es so, dass unser Verständnis davon komplett auf den Kopf gestellt wird eigentlich.
04:07Und wir immer weitergehen können.
04:09Und ich denke, das wird auch in Zukunft so bleiben.
04:16Mit dem LACIA-Observatorium der ESO in Chile
04:20ließen sich bereits die Bewegungsmuster von mehr als 14.000 sonnenähnlichen Sternen in der Nachbarschaft unserer Sonne bestimmen.
04:28Sie leuchten dort so hell wie sonst nirgendwo auf der Erde.
04:31Doch ansonsten ist der Blick ins All meist weniger imposant.
04:35Längst ist Dunkelheit auf unserem Planeten vielerorts rar.
04:41Die Milchstraße mit bloßem Auge zu sehen, ist wegen der vielen künstlichen Lichtquellen in unserer Zivilisation kaum mehr möglich.
04:49Nur sogenannte Sternenparks garantieren in Deutschland absolute Finsternis.
04:55Das ist optimal, um die Sterne ähnlich gut sehen zu können wie in Chile.
05:00In der Rhön und bei Berlin scheinen die Sterne in klaren Neumundnächten ganz nah.
05:05Und immer mehr Menschen schätzen genau das, die Dunkelheit als Naturspektakel.
05:10Der funkelnde Nachthorizont macht jedem Betrachter unmissverständlich klar, dass unsere Erde nur ein Staubkorn in den Weiten des Kosmos ist.
05:20Was wir sehen, ist bereits Millionen und Milliarden Erdenjahre alt, hat sich längst verändert oder existiert möglicherweise gar nicht mehr.
05:28Und auch wenn Dunkelheit immer knapper wird, um in die Sterne zu sehen, suchen immer mehr Interessierte den direkten Blickkontakt mit unserer galaktischen Umgebung.
05:39Allmählich setzt sich das Bewusstsein durch, dass auch unser Nachthimmel Weltkulturerbe ist und als Teil unserer Natur entsprechend schützenswert.
05:47Unser Universum ist ja praktisch unendlich groß.
05:54Aber die Anzahl der Lichtpunkte am Himmelszelt, die ist nur endlich.
05:58Das ist das, was wir mit unseren Teleskopen sehen können.
06:01Der sogenannte einsehbare Teil unseres Universums.
06:04Und diese Anzahl beträgt 100 Milliarden Galaxien.
06:09Und eine Galaxie daraus ist ja unsere Milchstraße.
06:13Wie viele Sterne gibt es in so einer Galaxie?
06:16Nun, im Mittel gibt es typischerweise auch 100 Milliarden Sterne.
06:21Was für ein Zufall.
06:23100 Milliarden, wie viel ist das?
06:26Nun, das ist die Anzahl von Sandkörmern ungefähr in einem Kubikmeter.
06:31Wie zählt man denn sowas?
06:32Nun, das machen sich die Astronomen ganz einfach.
06:35Sie nehmen einen gewissen Teil daraus.
06:37Das heißt, sie schauen in einen gewissen Teil unseres Himmelszeltes und zählen dann die einzelnen Sterne.
06:42Genauso wie man zum Beispiel hier die einzelnen Sandkörner zählen kann.
06:47Und dann erweitert man das eben auf den gesamten Himmelsraum.
06:51So zählt man das halt.
06:52Es gibt übrigens noch einen schönen zahlmäßigen Zufall.
06:57Die Anzahl der Neuronen in unserem Gehirn sind nämlich auch zufälligerweise 100 Milliarden Zellen.
07:03Insofern ist eigentlich unser Gehirn ein kleiner Kosmos.
07:07Während in Chile am Boden Radioteleskope zu ganzen Antennensystemen ausgebaut und zusammengeschaltet wurden,
07:20kamen Ende des vergangenen Jahrhunderts die ersten Weltraumteleskope auf,
07:25die auch den ultravioletten und Infrarotbereich beobachten können.
07:29Die Zentrale der europäischen Südsternwarte ist in München-Garching.
07:33Für Susanna Randall, Astrophysikerin und Astronautenanwärterin, gehört Licht zum Arbeitstag.
07:40Wenn man Licht definiert, es ist jetzt hell draußen, dann wollen wir natürlich möglichst wenig Licht,
07:44weil wir ja die Sterne beobachten wollen zum Beispiel.
07:47Aber die Informationen, die wir von den Sternen und Galaxien, Exoplaneten und so weiter bekommen, das ist alles Licht.
07:53Also wir bezeichnen, Licht ist für uns elektromagnetische Strahlung, die hat unterschiedliche Wellenlängen.
08:01Das Licht, was wir jetzt mit unserem Auge sehen können, ist nur ein ganz, ganz kleiner Bruchteil des gesamten elektromagnetischen Spektrums.
08:09Das heißt, wir sind in der Astronomie vollkommen auf Licht angewiesen.
08:12Ohne Licht würden wir im wahrsten Sinne des Wortes nichts sehen.
08:16Irgendwo mittendrin in diesem Lichtgewimmel sind also wir und unser überschaubares Planetensystem.
08:21Mit unserem Powerstern, der Sonne.
08:26Um sie dreht sich buchstäblich alles.
08:28Sie ist vergleichsweise gut erforscht.
08:30Ihre Energie beschert unserem Planeten seit Jahrmilliarden Leben.
08:34Wenn wir zum Beispiel die Sonne beobachten, dann ist das Licht, was von der Sonne kommt, acht Minuten alt.
08:40So lang braucht das Licht, um von der Sonne bis zu uns zu kommen.
08:43Aber wenn wir die ältesten Galaxien beobachten, dann kann deren Licht fast so alt sein wie das Universum selber.
08:49Und das sind fast zwölf Milliarden Jahre.
08:51Also sehr altes Licht.
08:53Wenn man wirklich darüber nachdenkt, wie groß das Universum ist, wie alt es ist, dann ist das für das menschliche Gehirn komplett unvorstellbar.
09:01Alpha Centauri beispielsweise, unser Nachbarstern außerhalb unseres Sonnensystems, ist etwa vier Lichtjahre von uns entfernt.
09:0940 Billionen Kilometer.
09:11Aber viele andere Sterne lassen sich nicht so einfach aufspüren.
09:14Ich würde sagen, die Mischung macht's.
09:18Wir brauchen alle unterschiedlichen Wellenlängenbereiche, um das Universum wirklich zu verstehen.
09:23Das ist wie wenn man ein Schwarz-Weiß-Foto hat.
09:25Da kann man etwas sehen, man sieht die Konturen, aber es ist auch so viel Information, die einfach verloren geht dabei.
09:30Und so ist es genauso, wenn man sich jetzt das Universum zum Beispiel nur im sichtbaren Wellenlängenbereich anschaut.
09:36Dann weiß man gar nicht, was drumherum ist.
09:38Man sieht die Sterne, aber den Staub darum vielleicht gar nicht.
09:42Und das heißt, man weiß dann auch gar nicht, wie diese Sterne entstanden sind.
09:45Man sieht nur das sichtbare Licht.
09:46Deswegen haben wir Teleskope in unterschiedlichen Wellenlängenbereichen, damit wir auch das unsichtbare Universum beobachten können.
09:54Die europäische Südsternwarte ESO hat weitere große Pläne.
09:59Für 2023 ist geplant, ein neues Superteleskop in Chiles Höhen in Betrieb zu nehmen.
10:06Es soll im sichtbaren und Infrarotbereich arbeiten und die sogenannte heiße Materie beobachten.
10:12Aber geht nicht auch im All irgendwann buchstäblich das Licht aus?
10:16Im Moment gibt es elektromagnetische Strahlung in allen Wellenlängenbereichen.
10:24Allerdings wird es irgendwann so sein, dass alle Sterne erloschen sind.
10:28Und dann werden wir am Ende wirklich kein Licht mehr haben.
10:31Wir werden sicherlich noch niedrigfrequenzige Hintergrundstrahlung haben, wie die kosmische Hintergrundstrahlung, die man ja kennt.
10:38Aber das Licht, wie wir es kennen, wird irgendwann nicht mehr existieren im Universum.
10:42Vorerst aber gibt es noch reichlich Licht, das uns erreicht.
10:45Und mehr denn je versuchen wir deshalb, das Licht unserer Sonne effektiv in Energie umzusetzen.
10:51Licht, um genau zu sein, Lichtteilchen, sind reine Energie.
10:59Sie haben überhaupt keine Masse.
11:01Und diese Energie würde man gerne benutzen, um daraus direkt Strom zu erzeugen.
11:06Und das geht auf zwei Möglichkeiten.
11:08Entweder direkt, das macht man mit Solarzellen.
11:11Das ist zwar relativ leicht, aber die Effizienz ist nicht so toll.
11:15Oder es gibt die andere Möglichkeit, in sogenannten Solargeneratoren oder Solarkraftwerken.
11:21Dort erhitzt man zunächst erstmal Wasser.
11:24Und diesen Wasserdampf, der dabei entsteht, den leitet man in Turbinen und die erst erzeugen Strom.
11:30Das ist zwar komplexer, aber dafür wesentlich effizienter.
11:33Die südostspanische Provinz Almeria.
11:43Hier steht das größte europäische Forschungszentrum für sogenannte konzentrierende Solartechnologien.
11:50Auf dem 100 Hektar großen Areal nutzen Wissenschaftler die geballte Kraft der Sonne,
11:55um Hochtemperatur-Solartechnologie zu testen und zu optimieren.
11:59Mehr als 20.000 unterschiedlich geformte Spiegel lassen sich hier in bestimmte Formationen bringen
12:06und erzeugen so gemeinsam extrem hohe Temperaturen.
12:10Die Sonnenstrahlung lässt sich bis zu 1000-fach konzentrieren.
12:14Mitentwickelt wurde die Einrichtung von dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.
12:19Die Technik hat weltweit Schule gemacht.
12:21Mehr als 90 Prozent der weltweit heute installierten Anlagen arbeiten nach dem Prinzip dieses sogenannten Parabol-Rinnen-Kraftwerks.
12:33Eine andere ungewöhnliche Eigenschaft ist, dass das Licht eben aus Wellen besteht.
12:38Und diese Wellen kann man abändern, jedenfalls die unterschiedlichen Eigenschaften wie Amplitude oder Phase.
12:44Man nennt sowas Modulieren.
12:47Und das kann man nun ausnutzen, um Informationen zu übertragen.
12:51Ich gebe Ihnen ein Beispiel.
12:53Hier haben Sie einen Laser und der erzeugt einen Strahl.
12:56Hier sehen Sie es.
12:57Und jetzt kann man am einfachsten folgendermaßen modulieren.
13:01Ich schalte einfach nur den Laserstrahl an und aus.
13:05Und jedes Mal an- oder ausschalten ist ein Bit.
13:09Und das kann ich sehr schnell machen, bis über eine Milliarde Mal pro Sekunde.
13:14Und genau darauf basiert das Beamen.
13:17Was bei der Besatzung des Raumschiffs Enterprise zu fantastischen Reisemöglichkeiten per Beamen führt,
13:23ist mit einer modernen Realisierung der Quantenteleportation komplizierter.
13:28Denn Licht kann man auch als winzige Teilchen verstehen, die Photonen.
13:32Sie können sich auch beliebig weit voneinander entfernt in einem gekoppelten Zustand befinden,
13:36der sogenannten Quantenverschränkung.
13:39Sie kann man für Teleportation ausnutzen.
13:41Mit einer solchen Quantenteleportation übertrugen Physiker Informationen von La Palma nach Teneriffa.
13:48Spektakulärer war allerdings der Versuch chinesischer Wissenschaftler.
13:53Sie konnten Informationen durch Quantenverschränkung sogar im erdnahen Weltraum bewerkstelligen.
14:00Die Verschränkung funktionierte auch noch zwischen einem Satelliten zu 1400 Kilometer entfernten Bodenstationen in Tibet.
14:07Aber bei nur einem von sechs Millionen Verschränkungen funktionierte die Übertragung tatsächlich.
14:19Je näher wir an die Lichtgeschwindigkeit rankommen, umso mehr reisen wir in der Zeit.
14:25Wie ist das zu verstehen?
14:27Nun, dazu müssen wir ein bisschen die Relativitätstheorie verstehen.
14:31Keine Sorge, ich mache es jetzt nicht kompliziert.
14:33Aber das ist jetzt sehr wichtig.
14:35Einstein sagt folgendes.
14:38Meine Zeit, wie ich sie erlebe, geht immer, egal was passiert, egal wie schnell ich fliege, immer gleich schnell.
14:48Tick, tick, tick, tick, tick.
14:54Aber jemand, der mich sieht, der sieht bei mir eine andere Zeit und ich sehe die Außenwelt anders.
15:01Konkret, nehmen wir an, dieser externe Beobachter auf der Erde würde mich als Astronaut in der Rakete mit einem Teleskop sehen und würde meine Uhr sehen.
15:11Was würde er sehen?
15:13Er würde eine langsamere Zeit sehen.
15:16Also, tick, tick, tick, tick, und das bedeutet bezüglich seiner Eigenzeit ist meine Zeit schneller.
15:29Wenn ich jetzt also fast Lichtgeschwindigkeit fliege zu irgendeinem Stern und dann wieder zurückkomme und nach seiner Zeit vielleicht tausend Jahre vergangen sind, dann ist nach meiner Zeit vielleicht nur zehn Jahre vergangen.
15:45Ich lande also in der Zukunft seiner Zeit und damit in der Zukunft der Erde.
15:52Und je schneller ich fliege, umso weiter fliege ich in die Zukunft.
15:56Das ist die Essenz von der Relativitätstheorie und das sagt Einstein, wir können immer in die Zukunft fliegen, aber nie in die Vergangenheit.
16:05Wer schnell unterwegs ist, dessen Zeit vergeht langsamer und er altert daher langsamer.
16:12Wer gar mit Lichtgeschwindigkeit fliegt, verbraucht gar keine Zeit.
16:15Einsteins Relativitätstheorie und seine Formel setzte universelle Maßstäbe.
16:20Die zentrale Entdeckung der Menschheit war, dass die Lichtgeschwindigkeit endlich ist.
16:27Sie ist zwar schnell, 300.000 Kilometer in der Sekunde, aber endlich. Sie ist nicht unendlich groß.
16:32Denn lange Zeit haben die Menschen gedacht, Licht ist ja sofort da, ist unendlich schnell.
16:36Wenn Licht unendlich schnell wäre, dann hätte das dramatische Konsequenzen.
16:40Dann würde sozusagen Raum und Zeit wirklich völlig entkoppelt sein.
16:45Dann hätten sie auf der einen Seite die Zeit und auf der anderen Seite den Raum.
16:47Da Licht aber jetzt eine endliche Zeit braucht, um eine Strecke zu überbrücken,
16:54braucht auch jede Art von Information, eine endliche Zeit, um von A nach B zu kommen.
16:59Und deswegen ist die Zeit mit dem Raum verknüpft.
17:03Und die Lichtgeschwindigkeit vermittelt die Verbindung zwischen Raum und Zeit.
17:09Und das ist sozusagen der zentrale Gedanke in der Physik gewesen von Albert Einstein 1905,
17:15das erste Mal in seiner speziellen Relativitätstheorie dargelegt.
17:18Aber darauf basiert auch unsere ganze Struktur des Universums und auch die Art und Weise,
17:22wie wir unser Universum entdecken bzw. untersuchen können.
17:26Jeder Beobachter sieht Licht mit derselben Geschwindigkeit, nämlich Lichtgeschwindigkeit.
17:31Egal wie schnell der Beobachter selbst fliegt.
17:33Ein zentraler Punkt von Einsteins Relativitätstheorie.
17:36Lichtgeschwindigkeit ist nicht gleichzusetzen mit Zeit, denn das Licht braucht eine Zeit, um eine Strecke zurückzulegen.
17:43Lichtgeschwindigkeit ist sozusagen die Vermittlerin.
17:46Ich gucke mir einen Stern an und das Licht braucht vier Jahre, um zu uns zu kommen.
17:52Der Stern ist in vier Lichtjahren entfernt, das wäre Alpha Centauri.
17:55Und deswegen sehe ich diesen Stern, wie er vor vier Jahren ausgesehen hat.
18:01Das heißt also, die Lichtgeschwindigkeit ist sozusagen die Verzögerung, die diese vier Jahre Zeitverzögerung einbaut.
18:07Und diese Zeitverzögerung kommt dadurch zustande, dass der Stern sich eben in einer Entfernung befindet von 40 Billionen Kilometern, nämlich vier Lichtjahren.
18:16Die Lichtgeschwindigkeit ist sozusagen die Vermittlerin zwischen Raum und Zeit.
18:18Auch bei der deutschen D1-Weltraummission 1985 im Space Shuttle Challenger wurde mit hochpräzisen Zeitmessern diese Grundannahme der Physik überprüft.
18:34Auf dem letzten Orbitalflug der später verunglückten Raumfähre haben die Astronauten, unter ihnen der deutsche Nutzlastspezialist Ernst Messerschmidt,
18:43ständig die Abweichung der Uhr an Bord mit einer identischen auf der Erde gemessen.
18:48Die Versuche halfen auch, die spätere GPS-Satelliten-Navigationstechnik vorzubereiten.
18:55Erstmals wurde die Wissenschaftsmission dabei vom Deutschen Raumfahrtkontrollzentrum im bayerischen Oberpfaffenhofen mit überwacht.
19:02Insgesamt sieben Tage, 54 Minuten und 51 Sekunden war das Shuttle-Team im Einsatz.
19:08Auch hier zeigte sich nach der Landung auf der Edwards Air Force Base in Kalifornien,
19:17nicht die Uhren gingen anders, sondern die Zeit selbst an Bord, die die Uhr Mars ging langsamer.
19:23Daher blieb die Crew jünger, als wenn sie auf der Erde geblieben wäre, auch wenn es nur 0,2 Millisekunden waren.
19:30Die Ultrapräzisionsatomuhr Pharao soll dieses Phänomen ebenfalls bestätigen.
19:36Das Wunderwerk soll in 300.000 Jahren nicht mehr als eine Sekunde variieren.
19:41An der Außenwand des europäischen Forschungslabors Columbus, an der ISS befestigt,
19:46überprüft es in bisher nicht möglicher Genauigkeit die Grundannahmen von Einsteins Physik.
19:50Das Zeitsignal der Uhr wird über eine Mikrowellenverbindung zur Bodenstation gesendet,
19:56wodurch die Uhrzeit im All und auf der Erde ständig verglichen werden kann.
20:01Nach Einstein hängt die Zeit eines Raumschiffs von seiner Geschwindigkeit ab.
20:05Je schneller es fliegt, umso langsamer läuft, relativ zu einem externen Beobachter, die Uhr an Bord.
20:11Misst die Uhr an Bord des stationären Schiffs 12 Sekunden,
20:15erfährt man an Bord eines fast mit Lichtgeschwindigkeit fliegenden Schiffes etwa nur 9 Sekunden.
20:19Denn eigene Zeit und auch äußere Abstände sind, so Einstein, verkürzt für Raumschiffinsassen.
20:26Weil wir heute immer mehr von unserem Universum wissen wollen,
20:29müssen wir immer weiter entfernte Galaxien sehen können.
20:33Aber je weiter sie von uns entfernt sind, desto lichtschwächer sind sie und umso kleiner sind sie.
20:39Und deswegen brauchen wir immer größere Teleskope.
20:43Denn je größer die Eingangsöffnung, die sogenannte Apertur, umso mehr Licht sammeln wir ein.
20:48Und je länger der Strahlengang im Teleskop, umso genauer können wir schauen.
20:54Der alte Galileo mit seinem ersten Fernrohr konnte gar nicht so gut sehen.
20:59Sein Fernrohr war ungefähr nur so groß und hatte so eine Eingangsöffnung.
21:03Damit konnte er so gerade die Monde des Jupiters sehen.
21:05Heutzutage haben wir gigantische Teleskope und können damit nicht nur scharf und sehr intensiv schauen,
21:12sondern wir können sogar Licht sehen, was wir mit dem normalen Auge gar nicht sehen können.
21:16Nämlich im Infrarotbereich und Ultraviolettbereich.
21:20Wir haben aber noch ein Problem.
21:22Denn wenn unsere Teleskope auf der Erde stehen, dann verschwimmt vor dem Teleskop die Schärfe,
21:28weil nämlich die Atmosphäre fluktuiert, sagt man.
21:32Und deswegen müssen wir unsere Teleskope in den Weltraum bringen, damit es eben nicht mehr fluktuiert.
21:37Und eins der wohl bekanntesten Teleskope im Weltraum ist das Hubble-Teleskop.
21:43Das Hubble-Teleskop der NASA hat Geschichte geschrieben.
21:47Unser Universum dehnt sich kontinuierlich aus.
21:50Dank einer Messung des Hubble-Teleskops noch schneller als erwartet.
21:53Mit dem Sternensperr im All wollten Wissenschaftler die Einschränkungen der Erdatmosphäre umgehen,
22:00denn die Moleküle unserer irdischen Luftschichten begrenzen das Auflösungsvermögen von Teleskopen auf der Erde.
22:06Wir gehen für den Hauptengang starten, T-6, 5, 4, 3, 2, 1.
22:14Und den Erdbeeren von der Space-Huttle-Discovery mit dem Hubble-Teleskop, unser Fenster auf der Erde.
22:201990 hatte die Discovery das Weltraumteleskop ins All gebracht.
22:25Wenig später stellte sich heraus, dass es wegen eines falsch geschliffenen Hauptspiegels kaum zu gebrauchen war.
22:31Es lieferte unscharfe Bilder.
22:35Erst eine Reparaturmission im Jahre 1993 führte zur geplanten Genauigkeit.
22:40Hubble deckt mit seinen Aufgaben alle wesentlichen Objekte und Phänomene des Universums ab.
22:47Von Planeten im Sonnensystem bis zu sogenannten Exoplaneten.
22:52Es peilt Sterne und Nebel aller Art an, fixiert schwarze Löcher und Galaxien in fast beliebiger Entfernung in einer unglaublichen Brillanz.
23:00Das James-Webb-Weltraumteleskop soll bald die Nachfolge von Hubble antreten.
23:07Von ihm erhoffen sich die Forscher noch bessere Ergebnisse.
23:109 Milliarden Dollar verschlangen seine Entwicklung.
23:13Anders als Hubble wird es 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt seine Position einnehmen.
23:19Das Hubble-Teleskop hat einen Durchmesser von 2,2 Meter ungefähr.
23:24Und das James-Webb-Teleskop hat einen Durchmesser, liegt so bei 6 Meter.
23:27Sie haben ein größeres Teleskop, das deswegen alles dreimal schärfer abbilden kann.
23:33Es fliegt nicht um die Erde wie das Hubble-Space-Teleskop, sondern es wird hinter dem Mond positioniert,
23:38sodass die Sonne, die Erde und der Mond immer etwa in der gleichen Richtung stehen.
23:43Und deswegen, anders als Hubble, wird es keinen Lichtwechsel geben.
23:48Hubble fliegt immer durch den Erdschatten und dann wieder Sonne und dann wieder Erdschatten.
23:51Und da kann es dann im Laufe des Jahres den ganzen Himmel beobachten.
23:56Das heißt, es hat eine viel höhere Empfindlichkeit, es hat eine viel höhere räumliche Auflösung.
24:02Und es wird weiter ins Infrarot hineinschauen.
24:08Und das ist deswegen interessant, weil die entfernten Galaxien, die werden ja immer röter.
24:14Das heißt, wir folgen sozusagen den frühen Galaxien und gucken immer weiter raus, indem wir weiter ins Infrarote gehen.
24:23Also dort leuchten die besonders stark.
24:25Das heißt, man hofft sich damit, dass man Galaxien sehen kann, die noch viel weiter weg sind, als die, die Hubble bereits gesehen hat.
24:342021 soll das Teleskop starten und dann das leistungsfähigste überhaupt sein.
24:39Die Forscher sind zuversichtlich, dass das Wunderauge wahre Datenschätze über Planeten außerhalb unseres Sonnensystems aufspürt, auch im ultravioletten Bereich.
24:48Es ist so, dass die Astronomie natürlich mit dem sichtbaren Wellenlängenbereich angefangen hat.
24:54Also die ganzen klassischen Teleskope waren alle im sichtbaren Wellenlängenbereich, einfach weil es das Natürlichste war für uns.
25:00Und weil man das dann auch direkt sehen konnte. Man konnte durchschauen und etwas sehen.
25:03Inzwischen sind wir so weit, dass wir tatsächlich fast das gesamte elektromagnetische Spektrum abdecken mit unseren Teleskopen.
25:10Von der Erde aus können wir allerdings bestimmte Bereiche, wie zum Beispiel die UV-Strahlung, nicht sehen.
25:15Dafür müssen wir dann in den Weltraum gehen, weil uns glücklicherweise unsere Erdatmosphäre vor diesem Licht schützt.
25:23Immer ausgeklügelter werden die Apparaturen, um so viel wie möglich über nahe und ferne Gestirne zu erfahren.
25:29Mit der Sonnensonde Solar Probe bewältigten die Raumfahrtingenieure endlich Hindernisse, die lange Zeit kaum lösbar schienen.
25:54Denn die Hauptfrage war, wie das Weltraumlabor der riesigen Hitze standhalten kann.
26:00Ende 2024 wird die NASA-Entwicklung nun unserem Energiespender am nächsten sein.
26:06Sieben Jahre lang soll sie dann von dort einzigartige Daten senden, ohne in der extremen Hitze Schaden zu nehmen.
26:12Das Sonnenteleskop unterscheidet in zweifacher Hinsicht von einem normalen astronomischen Teleskop, das in der Nacht arbeitet.
26:26Zum einen ist die Sonne hell. Das heißt, das Teleskop ist nicht darauf angewiesen, möglichst viel Licht einzusammeln.
26:34Die Sonne gibt uns viel Licht. Leider bedeutet viel Licht auch viel Wärme.
26:40Und viel Wärme heißt, das Teleskop wird sich sehr aufheizen, es verzieht sich und das Bild wird unscharf.
26:50Man muss irgendwie diese Wärme loswärmen.
26:52Und da gibt es spezielle Einrichtungen, die es nur in Sonnenteleskopen gibt, wie man die Wärme aus dem Teleskop rauskriegt, um trotzdem dann ein scharfes Bild zu haben.
27:04Seit Ende der 1950er Jahre schon hatten sich die Raumfahrttechniker mit der Frage beschäftigt, wie sich überhaupt eine Sonde in der Nähe der Sonne aufhalten könnte.
27:20Es wird nicht die letzte raffinierte Messapparatur sein, die die Menschheit in unser Sonnensystem und darüber hinaus auf die Reise schickt.
27:27Je weiter die Technologie fortschreitet, umso größer wird der Hunger der Wissenschaft sein, noch mehr über den Kosmos zu erfahren.
27:37So unendlich groß die Weiten des Alls sind, so unendlich groß ist auch die Neugier der Astrophysiker,
27:43messbare Erkenntnisse über die Beschaffenheit der Sterne und Planeten zu bekommen.
27:49Mag der Himmelserkunder dafür auch teuer und aufwendig sein.
27:53Manchmal reicht dafür schon eine fliegende Sternwarte, wie das SOFIA-Teleskop, das sich an Bord eines Jumbo-Jets befindet.
28:05Es operiert von der Stratosphäre aus. Sein Einsatzspektrum, der Infrarotbereich.
28:11SOFIA liefert neue Erkenntnisse über entstehende Galaxien und die Staubwolken neuer Sterne.
28:16Die Detektoren an diesem Teleskop, die für Wärmestrahlung empfindlich sind, so vergleichbar diesen Wärmebildkameras,
28:24mit denen man heutzutage Häuser auf ihre Wärmedichtheit überprüft, kann dann tief in diese dreckigen Wolken reinschauen und sehen, wie innen drin, was innen drin abläuft.
28:35Das Messverfahren klingt dabei ganz simpel.
28:38Wir verstimmen das Instrument derart, so wie Sie morgens das Radio auf eine bestimmte Station einstellen,
28:48dass das Spektrometer auf eine Frequenz für den gewünschten Übergang zu der anstehenden astronomischen Frage eingestimmt und empfindlich ist.
28:59Eine erfolgreiche Idee.
29:00Praktisch das gesamte Licht in unserem Universum wird erzeugt durch Hitze.
29:06Und das lässt sich am einfachsten zeigen mit dieser Kerze.
29:10Wenn ich die anzünde, verbrennt das Wachs mit dem Sauerstoff der Atmosphäre.
29:19Bei den Sternen ist das ein bisschen anders, aber auf jeden Fall entsteht eine Menge Energie.
29:23Und diese Energie und damit die Hitze, die aktiviert nun die Atome in dieser Flamme.
29:29Aber nicht eigentlich die Gasatome, sondern tatsächlich den Ruß, der im oberen Teil der Flamme ist.
29:36Und dieser Ruß erglüht nun unter dieser Hitze und das ist das, was wir von der Kerze sehen.
29:42Übrigens, Glühbirnen funktionieren im Prinzip genauso.
29:46Durch die Glühwende geht der Strom und Strom sind ja Elektronen, kleine Teilchen.
29:51Und diese kleinen Teilchen reiben nun an den Atomen, aktivieren sie und damit sendet auch die Glühbirne Licht aus.
30:04Längst ist der natürliche Rhythmus von Tag und Nacht durcheinandergeraten.
30:08Auf der Raumstation geht alle 90 Minuten die Sonne auf.
30:12Dunkelheit ist knapp.
30:15Ein Blick aus der ISS zeigt, wie strahlend sich die Erde auf ihrer Nachtseite gibt.
30:20Doch das künstliche Licht hat auch im wahrsten Sinne des Wortes seine Schattenseiten.
30:26Seit einigen Jahren gibt es den Begriff der Lichtverschmutzung,
30:29erzeugt von dem nach oben abgestrahlten oder reflektierten Anteil des Lichts.
30:34Dieses Streulicht wird dann an den Schichten der Atmosphäre abermals gespiegelt.
30:41Schwebeteilchen in der Luft verstärken den Effekt.
30:44Die Folge, Lichtglocken, die weit hinaus strahlen.
30:48Helligkeit und Dunkelheit sind auf unserer Erde ziemlich unterschiedlich verteilt,
30:53nämlich breitengradabhängig.
30:55Nehmen wir mal die Polarregion.
30:57Dort ist es im Sommer 24 Stunden lang hell und im Winter 24 Stunden lang dunkel.
31:04Das ist dem Menschen manchmal ziemlich egal.
31:07Er hat nämlich seinen inneren Biorhythmus.
31:09Der dauert so zwischen 24 und 25 Stunden.
31:13Und wenn er müde ist, dann schläft er einfach, egal ob es da draußen hell oder dunkel ist.
31:18Wie ist denn das eigentlich auf der Raumstation?
31:20Nun, da versucht man eben auch, den normalen Biorhythmus des Menschen zu unterstützen.
31:26Man macht einen 24-Stunden-Tag.
31:28Was bedeutet?
31:30Acht Stunden schlafen, acht Stunden arbeiten, acht Stunden Freizeit.
31:35Und wenn man schläft, wird das Licht ausgemacht, ansonsten ist es an.
31:39Und wenn die draußen noch arbeiten, dann geht man in seine Koje, macht die Tür zu,
31:44Licht aus und dann wird geschlafen.
31:46Was aber ist mit dem Schlaf, wenn man Tage oder Monate in einem Raumschiff unterwegs sein wird?
31:58Gewöhnt sich ein Mensch beispielsweise auf der Raumstation daran?
32:02Die Schlafdauer von Astronauten ist sehr kurz.
32:08Das war eigentlich schon seit dem Beginn der bemannten Raumfahrt ein Problem.
32:15Und so eine grössere Untersuchung der letzten Jahre von Missionen auf der ISS,
32:23aber auch im Space Shuttle, haben gezeigt, dass die Astronauten im Durchschnitt nur etwa knapp sechs Stunden schlafen.
32:30Von Untersuchungen auf der Erde wissen wir, dass das eigentlich zu kurz ist, um die Leistungsfähigkeit zu erhalten.
32:39Und von dem her ist das ein Problem.
32:43Es ist auch so, dass der Schlafmittelkonsum recht hoch ist bei Astronauten.
32:51Das ist meistens das wichtigste oder das zweitwichtigste Medikament, das in der Raumfahrt benutzt wird.
33:00Schwerelos zu schlafen ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit.
33:04Sich nicht hinzulegen, sondern einfach irgendwo schwebend zur Ruhe zu begeben, ist dem Menschen fremd.
33:10Auf der ISS hilft inzwischen ein simpler Trick, um doch im Einklang mit der inneren Uhr zur Ruhe zu kommen, so gut es eben geht.
33:17Auf der ISS lebt man mit künstlichem Tageslicht.
33:25Die Astronauten liegen auf einem 24-Stunden-Tag.
33:29Und man hat gerade jetzt im letzten Jahr damit begonnen, neue Lichtquellen zu installieren.
33:40Da hat man jetzt die Ergebnisse der modernen Lichtforschung eingebracht und jetzt neue Lichtquellen installiert,
33:49so dass die Astronauten eigentlich auf einem natürlichen 24-Stunden-Rhythmus leben.
34:00Eine Schlafkoje, in die man sich zurückzieht, mag für ein Besatzungsmitglied der Raumstation genügen.
34:05Doch für die kommenden Langzeitmissionen reicht es nicht, einfach nur in den Schlafsack zu gleiten, das Licht auszumachen, für Dunkelheit zu sorgen und dann möglichst gut zu schlafen.
34:15Beim sechs Monate Flug zum Mars kommt auf die Besatzung ein neues Problem dazu.
34:30Wie soll man schlafen, wenn man so lange unterwegs ist?
34:33Könnte Torpor helfen? Ein künstlicher Winterschlaf?
34:37Zwar wäre er effektiv, der Mensch würde kaum Ressourcen verbrauchen und käme ausgeruht in der Umlaufbahn des Roten Planeten an.
34:44Doch der Homo sapiens ist kein Mummeltier.
34:47Man hat sich schon Überlegungen gemacht, ob sowas möglich wäre für Langzeitmissionen, um auch Energie, um Sauerstoff zu sparen,
34:58um die Menschen nicht langer soziale Isolation auszusetzen.
35:04Allerdings gibt es Torpor beim Menschen nicht wirklich.
35:08Man hat gefunden, dass Menschen auch längere Phasen von tiefer Körpertemperatur überstehen können.
35:19Aber man kann das sicher nicht gleichsetzen mit Torpor.
35:22In halbjähriger Nacht unterwegs zum Mars zu sein, wird eine ungeahnte Herausforderung für die Psyche und auch für den Körper sein.
35:32Zwar wäre ein künstlicher Schlafzustand ideal, aber gleichzeitig ist er mit enormen Risiken verbunden.
35:38Wenn so jemand in einem torporähnlichen Zustand wäre, kann er nicht sofort quasi geweckt werden oder aus diesem Zustand gebracht werden.
35:50Das wäre ein Problem sicherer in Notfallsituationen, gerade jetzt bei längeren Missionen wäre das sicher ein Problem.
35:56Dann ist man sich auch nicht im Klaren, ob so ein Zustand nicht dann zum Beispiel Gedächtnisfunktion oder sowas stören könnte.
36:07Früher, als es noch kein künstliches Licht gab, ja, da war die Welt noch in Ordnung.
36:13Der Tag war hell und die Nacht war stockdunkel, jedenfalls bei Neumond.
36:18Aber seitdem verschmutzen wir ja regelrecht die Dunkelheit.
36:22Das sagen jedenfalls die Astronomen.
36:25Denn die brauchen die Dunkelheit, weil sie diese ganz schwach leuchtenden Galaxien noch sehen wollen.
36:31Und deswegen ziehen die weg von den Zivilisationen hin zu Bergen irgendwo in menschenleeren Regionen.
36:38Zum Beispiel auf Inseln, mitten im Ozean oder in menschenleere Wüsten.
36:42Auch nachts leuchtet die Erde. Das Farbenspiel der Polarlichter ist dabei die Ausnahme.
36:49Denn das von Menschenhand erschaffene Kunstlicht verblitzt unseren Nachthimmel.
36:53In Berlin stieg in 150 Jahren die Helligkeit bei klaren Nächten um das Zehnfache.
36:59Die Folge, die Natur tickt aus.
37:02Eine einzige Straßenlaterne lässt im Sommer 150 Insekten verenden, in einer Nacht.
37:07Auch das Pflanzenwachstum und der Orientierungssinn von Vögeln geraten durcheinander.
37:14Man spricht heutzutage von dem Phänomen der Lichtverschmutzung in Städten.
37:20Einerseits ist es natürlich so, Leute, die den Himmel beobachten wollen, die wollen es möglichst dunkel haben.
37:24Das ist, glaube ich, klar.
37:26Es ist auch kein Zufall, dass die Babylonier zum Beispiel sehr viel am Himmel gesehen haben, was wir heute nicht mehr sehen,
37:31weil damals war einfach die Umwelt dunkler als heute.
37:34Aber auch heute ist Lichtverschmutzung tatsächlich ein Thema.
37:38Man bedenke, dass Insekten zum Beispiel sich an der Sonne orientieren.
37:42Und wenn da plötzlich eine helle Lampe in der Nacht sich befindet, denkt ein Insekt, das könnte irgendwie die Sonne sein.
37:47Das gesamte Orientierungssystem von Insekten wird durcheinandergebracht.
37:51Und in der Nähe von solchen hellen Lichten findet man ja auch immer tote Insekten, beispielsweise.
37:57Aber das gilt nicht nur für Insekten, das gilt auch für den Rest der Tierwelt,
38:02dass insbesondere die Tierwelt durch diese Lichtquellen beeinflusst wird, auch verwirrt wird,
38:09weil für ein Tier eigentlich klar ist, wenn das Licht scheint, ist Tag, und wenn das Licht aus ist, ist Nacht.
38:15Und wenn jetzt plötzlich irgendwo eine helle Lampe steht, dann ist ein Tier dadurch aus dem Rhythmus gebracht.
38:20Und deswegen ist die Lichtverschmutzung tatsächlich etwas Reales.
38:23Die Lichtvermüllung, sie stört längst die Himmelsbeobachtung, sie beeinträchtigt unser Wohlbefinden.
38:32Auch wenn leuchtende Straßen und künstliche Helligkeit äußerst praktisch sind.
38:3780 Prozent der Weltbevölkerung leben inzwischen mit künstlichem Licht.
38:41In Europa und den USA sind es sogar 99 Prozent.
38:45Nicht nur Insekten, auch die Menschen geraten damit durcheinander.
38:49Längst sind Störungen im Hormonhaushalt nachgewiesen.
38:53Am Zusammenhang von Kunstlicht und Brustkrebs wird geforscht.
38:58Zurück in einen von Licht ungestörten Schlaf zu finden, wird für viele immer schwieriger.
39:03Seit 2007 setzen sich die Internationale Astronomische Union und die Internationale Beleuchtungskommission dafür ein,
39:11Licht sparsamer und punktueller einzusetzen.
39:14Der Jahrmillionen Jahre alte natürliche Zyklus von Licht und Dunkelheit wird zwar nicht wiederherzustellen sein,
39:22aber dem Takt aus Sonne und Nacht ließe sich so wieder mehr Gewicht verschaffen.
39:27Zum Wohle aller.
39:28Licht ist eine absolut faszinierende Sache.
39:32Ich als Physiker würde sagen, Licht ist die am besten verstandene Sache in der Physik.
39:37Gleichzeitig gibt es, glaube ich, nichts, was man sich schwerer vorstellen kann als das Licht.
39:43Wie passt das miteinander zusammen?
39:45Naja, man kann Experimente durchführen.
39:48Die können wir heute mit einer atemberaubenden Genauigkeit, können wir da Messungen anstellen,
39:52wir können bestimmte physikalische Größen bis auf zehn Nachkommastellen genau messen
39:56und dann machen wir eine physikalische Theorie und können alle zehn Nachkommastellen erklären.
40:00Da würde man sagen, da ist schon eine ganze Menge Wahrheit in so einer Theorie drin.
40:04Auf der anderen Seite können wir uns Licht aber nicht mehr vorstellen,
40:07weil Licht ist eine Welle und ein Teilchen gleichzeitig.
40:10Es gibt Experimente, da verhält sich Licht wie eine Welle
40:13und es gibt Experimente, da verhält sich Licht wie ein Strom aus kleinen Kügelchen.
40:18Und jetzt kann man sich die Frage stellen, ja, was ist es denn?
40:20Da würde jetzt der Physiker sagen, es ist beides gleichzeitig.
40:24Und das ist wieder nicht vorstellbar, muss man auch nicht,
40:27solange man Experimente mit der Genauigkeit beschreiben kann, ist der Physiker voll und ganz zufrieden.
40:34So wichtig, schön und rätselhaft das Licht fernster Sterne und Galaxien für uns auch sein mag,
40:43auf das Universum bezogen, spielt es kaum eine Rolle.
40:46Denn was die Astronomen bisher mit ihren Teleskopen analysieren können,
40:51ist immer noch kaum mehr als die Spitze eines Eisbergs.
40:54Schließlich gibt es fernab unserer Erde einfach unzählige Lichtquellen,
40:59gleichzeitig aber auch viel mehr dunkle als sichtbare Materie.
41:02Das Material, aus dem wir, unsere Sonne, die Planeten und alle Sterne bestehen,
41:08sind nur 16 Prozent der gesamten existierenden Materie.
41:12Der große Rest, die sogenannte dunkle Materie, stellt die Wissenschaftler vor viele Fragen.
41:18Keiner weiß, woraus sie besteht.
41:20Immerhin, die Sterne lassen sich mittlerweile ganz klar einteilen.
41:24Sterne sind nicht nur gasförmige Kugeln, sie haben auch verschiedene Farben und sie haben verschiedene Geschichten.
41:32Und die erste Einteilung der Sterne ist nach ihrem Alter, also wie alt sind die Sterne und wann sind sie entstanden.
41:38Sie müssen sich vorstellen, dass am Anfang des Universums in der Frühzeit ja nur Wasserstoff und Helium und ein bisschen Lithium,
41:45da waren Sterne, die eigentlich nur aus diesen drei Elementen entstanden sind.
41:49Die Population 1 Sterne, so nennt man die, das sind Sterne, die relativ jung sind, also die relativ viele Metalle haben,
41:55die erst vor kurzer Zeit entstanden sind, also astronomisch kurzer Zeit.
42:00Die Population 2 Sterne, das sind Sterne, die alt sind, die schon länger existieren und deswegen weniger Metallanteil haben.
42:07Solche Sterne finden wir bei uns in der Milchstraße.
42:09Also es gibt dann auch noch Population 3 Sterne, die sollen noch früher entstanden sind, aber die sind noch nicht so wirklich gefunden, da arbeitet man dran.
42:21Schon in der Antike hat der Mensch zu den Sternen geblickt und versucht, ihre Bewegungen zu deuten.
42:27Und noch immer ist das so.
42:29Die Astronomie hat durch viele Messungen in den vergangenen 80 Jahren bereits enorm viel über das Universum in Erfahrung bringen können.
42:37Etwa, dass sich die Galaxien von uns entfernen und sich das Universum ausdehnt.
42:43Bis 1929 hatten die meisten Astronomen das Weltall für völlig unbewegt und ewig gleichaussehend gehalten.
42:51Doch dann zeigte sich, dass sich die Galaxien von uns fortbewegen, und zwar umso schneller, je weiter sie entfernt sind.
42:58Wenn sich aber der Kosmos ausdehnt, so die Schlussfolgerung, muss das All auch einst einen Ausgangspunkt gehabt haben, den berühmten Urknall.
43:07Besser denn je können die Forscher mittlerweile mit ihren Hochleistungsinstrumenten vorhersagen, wie sich beispielsweise unser Sonnensystem entwickeln wird.
43:20Und weiterhin gewinnt die Wissenschaft täglich neue Erkenntnisse über fremde Sonnen und Galaxien.
43:35Gleichzeitig ergeben sich daraus immer wieder neue Rätsel.
43:39Keine Frage, Licht aus fernsten Fernen bleibt faszinierend.
43:45Für Sternenfans gleichermaßen wie für Profis.
43:49Nie war die Erkundung und Analyse des Alls spannender.
43:52Die Astrophysik befindet sich gerade wirklich in einer Blütezeit, weil man sehr, sehr viele Entdeckungen macht.
44:00Wir wissen heute, dass unser Bild vom Universum alles andere als komplett zu sein scheint.
44:06Denn wir wissen, dass zum Beispiel alles um uns herum, die Materie, die wir zur Kenntnis nehmen, offenbar nur 5% des Universums ist.
44:13Das ist ungefähr 5%.
44:14Dann gibt es noch 25%, von denen wir wissen, dass es da ist.
44:20Nämlich das ist die sogenannte dunkle Materie, deren Auswirkungen wir sehen, aber von der wir wirklich nicht wissen, was sie ist.
44:29Da liegt wirklich der Ursprung im Dunkeln.
44:30Die Dunkelheit auf der Erde ist da schneller zu erklären.
44:40Einfach kein Licht.
44:41Zumindest keines, was das menschliche Auge als Licht wahrnimmt.
44:45Ein zu viel an künstlichem, also von uns Menschen produziertem Licht, empfinden mittlerweile ganze Länder offiziell als störend.
44:53Einige Staaten und Regionen haben sogar Dunkelheitsgesetze eingeführt, wie Chile 1999.
45:00Auch in Italien, Tschechien und der Slowakei gelten zum Teil strenge Vorschriften.
45:06Die Dark Sky Association hat weltweit 40 Regionen aufgelistet.
45:11In ihnen ist nachts künstliches Licht verbannt.
45:19Vor allem die fantastischen Bilder vom Hubble Space Telescope haben das Weltall so populär gemacht wie nie.
45:25Vielen Menschen vermitteln die einzigartigen Porträts fremder Sterne und Galaxien auf eindrückliche Weise,
45:33wie geheimnisvoll und eigentümlich schön es irgendwo da draußen ist.
45:37Milliarden und Abermilliarden Kilometer von uns entfernt.
45:40Mit den Bildern fernster Sterne bringen uns die Weltraumorganisationen die bizarrsten Anordnungen und Gebilde fernab unserer Erde plötzlich nahe.
45:56Und sorgen damit für immer mehr Sternenfreunde.
45:59Bei guter Sicht lassen sich am Nachthimmel 6000 Sterne zählen.
46:11Ein eindrucksvolles Meer aus Sonnen, Nebeln und Planeten unseres Sonnensystems.
46:16Schon bei einem Blick durch ein einfaches Sternenteleskop verwandeln sich die funkelnden Gestirne in ein kristallklares Lichtergeflecht.
46:35Und was man dann gerade sieht, ist dabei bereits vor vielen Millionen Jahren entstanden und sogar vielleicht längst erloschen.
46:42Die Bezeichnung Galaxis stammt übrigens aus einer griechischen Sage.
46:47In der Antike interpretierte man das Firmament als Milch der Göttermutter.
46:52Für den universalgelehrten Alexander von Humboldt war unsere Milchstraße eine Welteninsel.
46:58Aus heutiger Sicht zählt sie zu den größeren Galaxien.
47:02Geschätzte 300 Milliarden Sterne leuchten in ihr.
47:07Licht ist wichtig, denn Licht ist pure Energie.
47:11Und wir brauchen Energie für unser Leben.
47:14Also ohne Licht kein Leben.
47:17Das Gleichgewicht zwischen Licht und Dunkelheit zu finden, unfassbar altes Licht zu analysieren und zu verstehen,
47:25Licht zu zähmen und zu entschlüsseln, wird die Menschheit dauerhaft beschäftigen.
47:31Sterne sind Zeitmaschinen.
47:33Sie tragen den Betrachter durch die Geschichte des Weltalls.
47:36Keine Frage, der Nachthimmel ist interessanter als die hellste Stadt.
47:43Untertitelung des ZDF für funk, 2017
47:47Untertitelung des ZDF für funk, 2017
47:49Untertitelung des ZDF, 2020
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