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00:01Seit jeher haben die Menschen zu den Sternen geschaut.
00:06Seit jeher hat uns das Universum fasziniert und Fragen aufgeworfen.
00:12Was ist noch da draußen? Wie ist das alles entstanden? Wo kommen wir her?
00:21Sie ist das Zentrum unseres Planetensystems. Die Sonne.
00:25Eine kosmische Energiequelle. Ein riesiger Fusionsreaktor.
00:304,7 Milliarden Jahre alt.
00:32In ihrem Inneren verschmelzen jede Sekunde 600 Millionen Tonnen Wasserstoff zu Helium.
00:38Bei einer Temperatur von 15 Millionen Grad.
00:42Von ihrer Oberfläche aus schickt sie ihr Licht und ihre Wärme ins All und zu unserer Erde.
00:49Herzlich willkommen bei Space Time mit Ulrich Walter, Astronaut und Wissenschaftler.
00:55Er weiß, im Weltraum wartet Unglaubliches auf uns.
01:04Die Sonne. Ohne sie gäbe es kein Leben auf der Erde.
01:09Sie ist der Stern, von dem wir leben. Der Stern, der unserem Planeten Wärme und Licht spendet.
01:16Doch am Ende wird die Sonne die Erde vernichten.
01:23Sie wird es sein, die alles von ihr erschaffene Leben auch wieder zerstört.
01:29Unwiederbringlich und nicht aufzuhalten.
01:32Unsere Sonne. Wir brauchen sie ganz einfach zum Leben. Wir brauchen ihre Energie.
01:54Aber irgendwann wird sie uns umbringen.
01:58Denn sie wird mit der Zeit immer heißer.
02:00Die Temperaturen auf der Erde werden über 100 Grad Celsius ansteigen.
02:05Das bedeutet, die ganzen Ozeane werden zerkochen.
02:09Und damit wird sie auch größer werden. Immer größer.
02:13Sie wird irgendwann mal mit ihrem äußeren Rand die Erde erreichen und verschlingen.
02:17Und dabei wird sie explodieren und damit auch weg sein.
02:22Und das ist natürlich nicht nur das Ende unseres Sonnensystems, sondern auch das Ende der Menschheit.
02:30Die Geschichte unserer Sonne beginnt mit dem Urknall vor knapp 14 Milliarden Jahren.
02:36Es war der Anfang aller Dinge. Die Entstehung von Raum und Zeit und Materie.
02:42Die Geburt des Universums.
02:44Sekundenbruchteile nach der Genesis bildeten sich winzige Elementarteilchen.
02:51Aus ihnen formten sich neue Materiebausteine, Wasserstoff und Helium.
02:57Die leichtesten aller Atome.
03:00Durch die Schwerkraft und Abkühlung des sich ausdehnenden, noch jungen Universums
03:05entstanden aus dieser Materie die ersten Galaxien.
03:09In diesen sich immer mehr verdichtenden Wolken aus molekularem Gas wurde die erste Generation von Sternen geboren.
03:17Extrem massereich, extrem heiß und auch extrem kurzlebig.
03:22Die ersten Sterne hatten nur eine Lebensdauer von wenigen Dutzend Millionen Jahren, bevor sie kollabierten.
03:29In diesen Supernovae-Explosionen setzten sie die Bausteine für eine nächste Sternengeneration frei.
03:35Geboren etwa acht Milliarden Jahre nach dem Urknall, entstand auch unsere Sonne aus dem Material,
03:42das ein sterbender Stern ins All geschleudert hatte.
03:44Ich finde die Sonne extrem faszinierend aus verschiedenen Gründen.
03:48Zum einen ist sie ein Schlüssel, um all die Abermilliardensternen, die es auf dem Himmel gibt, zu verstehen.
03:57Die sind alle ähnlich wie die Sonne.
03:59Die Sonne ist ein ganz normaler Stern.
04:01Aber es ist der einzige Stern, den wir auflösen können, wo wir viele der physikalischen Prozesse,
04:05die auch bei den anderen Sternen stattfinden, wo wir die im Detail studieren und auch verstehen können.
04:11Zum anderen ist die Sonne unser Stern, das Stern des Sonnensystems, das ist unser Lebensspender.
04:19Die Sonne formte mit ihrer Energie unseren Planeten über Milliarden von Jahren.
04:27Sie bestimmt unser Klima und unsere Zeit.
04:30Für mich persönlich ist es natürlich ein sehr interessanter Stern, weil der direkt vor der Haustür steht.
04:38Man sieht ja den Durchmesser, man sieht, dass es nicht nur ein Punkt ist, wie bei den anderen Sternen.
04:44Man kann die Scheibe sehen und man kann Flecken auf der Sonne sehen und die Sonne leuchtet ja auf die Erde.
04:48Das ist ja das Wichtige. Sie ist der Ausgangspunkt für die Energie, die wir hier haben.
04:53Ohne die Sonne würde hier alles Leben sofort untergehen.
04:56Auch die Erde ist aus dem Material entstanden, das unsere Sonne geformt hatte.
05:02Staub und Materieteilchen verklumpten zu immer größer werdenden Körpern.
05:09Aus den schweren Elementen bildeten sich die Planeten.
05:13Es gibt Orte im Weltraum, die etwas dichter sind, wo es mehr Gas und Staub hat.
05:23Das sind sogenannte interstellare Wolken.
05:26Und so eine Wolke kann unter den richtigen Bedingungen, kann kollabieren, kann in sich zusammenfallen.
05:32Und daraus entstehen dann verschiedene Sterne.
05:35Und einer davon war dann vor circa viereinhalb Milliarden Jahren die Sonne.
05:40Unser Planetensystem entstand durch dieselbe kosmische Katastrophe, die auch die Geburt unserer Sonne einleitete.
05:50Eine Supernova.
05:52Die Explosion eines Sterns von großer Masse.
05:56Ihr Aufleuchten im All markiert das Ende eines Sterns und gleichzeitig die Geburt neuer Himmelskörper.
06:03Die Explosion schleudert riesige Massen an Materie ins All.
06:10Neben Wasserstoff und Helium besteht die sich ausbreitende Gas- und Staubwolke hauptsächlich aus Sauerstoff, Kohlenstoff, Silizium und Eisen.
06:20Die Grundbausteine für Planeten in einem Sternensystem.
06:24Durch die eigene Schwerkraft kann diese Gas- und Staubwolke kollabieren, in sich zusammenfallen.
06:29Aber auch durch eine erneute Schockwelle kann sie sich verdichten.
06:34Im Zentrum bildet sich dann eine Verdickung, an der sich immer mehr Material ansammelt.
06:40Dies ist der Geburtsort für einen neuen Stern.
06:43Nun, wie entstand eigentlich unser Sonnensystem?
06:46Nun, es ist Teil einer riesigen Galaxie, die wir Milchstraße nennen.
06:50Und schauen wir uns mal unsere Milchstraße an.
06:52Das ist sie.
06:53Nein, das ist nicht ganz richtig.
06:55Das ist die sogenannte Galaxie M31.
06:58Aber wir wissen, dass sie ziemlich genauso aussieht wie unsere Milchstraße.
07:02Übrigens, diese Milchstraße enthält etwa 100 Milliarden Sterne und hat einen Durchmesser von etwa 100.000 Lichtjahren.
07:09Wie entstand nun diese Milchstraße?
07:12Nun, wir wissen, dass es am Anfang nur eine riesige Gaswolke gab, die weit größer war als das, was wir hier sehen.
07:18Und irgendwann zog dunkle Materie in diesen Bereich und zog damit auch diese sichtbare Materie nach sich.
07:26Damit kondensierte diese Gaswolke zu diesem Bereich, den wir hier sehen.
07:32Gleichzeitig begann sich diese Gaswolke zu drehen und dabei kollabierte sie zu einer Scheibe.
07:37Und das ist genau das, was wir sehen.
07:39Aber bisher noch ohne Sterne.
07:41Es gab nur ab und zu mal Supernovas.
07:43Und diese Supernovas, die erzeugten einen Knall und diese Druckwelle des Knalls kondensierte dann lokal die Gaswolke nach.
07:54Und dort entstanden dann die einzelnen Sterne und damit auch unsere Sonne.
07:59Wo in unserer Milchstraße liegt denn nun unsere Sonne?
08:03Nun, ganz grob gesprochen, am äußeren Rand, ungefähr hier unserer Milchstraße.
08:08Ist es Zufall, dass an diesem Punkt dann auch Leben entsteht?
08:12Nein, überhaupt nicht.
08:14Denn wäre unsere Sonne zum Beispiel mehr in der Mitte entstanden, dann wissen wir, gäbe es dort kein Leben.
08:20Denn hier in diesem Bereich gibt es so viele Supernova-Explosionen, dass Leben sofort ausgelöscht würde.
08:26Wir würden gar nicht lange leben.
08:27Auf der anderen Seite würde unsere Sonne hier draußen existieren, dann wissen wir, dort draußen gibt es keine schweren Elemente.
08:36Also Elemente, aus denen unser Körper überhaupt die Erde besteht, nämlich Kohlenstoff oder Eisen.
08:41Es gäbe keine Planeten dort draußen.
08:43Also gäbe es dort draußen auch kein Leben.
08:46Es gibt nur einen ganz schmalen Bereich, die sogenannte habitable Zone.
08:49Ein Bereich, wo es wenig Supernova-Explosionen gibt und wo Planeten entstehen können und damit auch unser Leben.
08:57Und da können wir nur sagen, da haben wir ein Riesenglück gehabt.
09:03Die erste Voraussetzung für die Geburt eines neuen Sterns ist eine zufällige Ansammlung von Materie im All.
09:11Unter der eigenen Gravitationskraft fällt diese Materiewolke in sich zusammen.
09:17Der kleinere Teil wird durch die anfängliche Drehung außen gehalten und bildet die kreisenden Planeten.
09:23Der weitaus größere Teil der Wolke sammelt sich nach und nach im Zentrum an.
09:29Die Masse und Dichte steigen dort immer weiter. Es entsteht ein Prästellarer Kern.
09:37Mit seiner Dichte erhöht sich auch die Temperatur im Inneren dieses Babysterns.
09:43Druck und Hitze steigen unaufhörlich. Ein Vorgang, der über etwa 100 Millionen von Jahren abläuft.
09:50Es bildet sich ein Riesenfusionsreaktor. Ein Fusionsreaktor ist, wenn Wasserstoffatome mit solcher Wucht aufeinanderprallen, dass sie verschmelzen.
10:09Und sobald diese Kernreaktionen im Kern gestartet sind, sagt man, jetzt ist ein Stern geboren.
10:16Der Stern hat gezündet. Das Sonnenfeuer brennt. Bei 15 Millionen Grad verschmilzt im innersten Kern der Sonne Wasserstoff zu Helium.
10:26Die dabei entstehende Energie strahlt der Stern nach außen ab. Das Sonnenlicht.
10:30Wenn sie Energie in der Sonne produzieren, dann dauert das eine Million Jahre, bis es an der Oberfläche ist.
10:36Also das merkt man beim kleineren Stern erst nach vielleicht 100, 200.000 Jahren, dass da überhaupt was passiert ist im Inneren.
10:43Und so ist die Zündung eigentlich ein sehr geheimnisvoller, stiller Vorgang, der erst nach vielen Jahren überhaupt sichtbar wird.
10:49Die Photosphäre ist die für uns sichtbare Oberfläche der Sonne. Etwa 400 Kilometer dick und mit knapp 6000 Grad Celsius vergleichsweise kühl.
11:03Darüber befindet sich die Sonnenatmosphäre, bestehend aus Chromosphäre und der Sonnen-Corona.
11:09In der Corona steigt die Temperatur wieder auf mehrere Millionen Grad an.
11:15Ein Phänomen, das die Wissenschaftler bis heute noch nicht erklären können.
11:21Gut erforscht sind hingegen die Flecken auf der Sonne.
11:26Sonnenflecken konnte man allerdings mit dem Teleskop relativ einfach beobachten.
11:29Einer der ganz großen Fortschritte war als Herr Schwabe, ein Amateur-Astronom, der in seiner Wohnung ein Teleskop stehen hatte.
11:44Unten im Erdgeschoss führte er eine Apotheke und es in jeder freien Minute, wenn es hell war und die Sonne geschienen hat, ist er raufgerannt und hat die Sonne beobachtet und hat schön brav die Flecken gezählt.
11:56Jeden Tag, wie viele Flecken er hat und hat dann nach 20-jähriger Fleißarbeit dann ein Diagramm gemacht und gemerkt, oh, die Zahl der Flecken ist aber nicht immer gleich.
12:08Die nimmt zu und die nimmt ab. Und so hat er auch den Sonnenzyklus, den berühmten elfjährigen Sonnenzyklus gefunden, was ein großer Fortschritt war.
12:19Die Sonnenflecken entstehen und verschwinden. Sie sind der Gradmesser für die Aktivität der Sonne.
12:25Die Verdunkelungen wurden bereits vor mehr als 2000 Jahren beobachtet.
12:36Die Sonne. Generationen vergötterten oder fürchteten sie.
12:41Wenn sie sich verdunkelte, befürchteten die Menschen Pest, Tod oder den Weltuntergang.
12:50Die Sonne wurde angebetet, zur Gottheit erhoben und Menschen wurden ihr geopfert.
12:56In manchen Kulturen galt sie als die Schöpferin der Welt.
13:03Ihr Lauf am Himmel wurde verfolgt und berechnet.
13:07Die Sonne bestimmt die Tageszeiten und steuert das Klima.
13:13Nur ihr Licht und ihre Wärme ermöglichen die Existenz des Menschen.
13:17Die Sonne hat die Menschheit von jeher fasziniert und die Ersten, die die Sonne beobachtet haben oder etwas genauer angeschaut haben,
13:29waren sehr oft Astrologen, weil sie versucht haben, vom Stand der Gestirne etwas über die Zukunft zu sagen.
13:37Richtig ernsthaft hat man angefangen, sich mit der Sonne auseinanderzusetzen nach der Erfindung des Teleskops.
13:45Es ist das Urbedürfnis des Menschen, seine Welt zu erforschen und erklärbar zu machen.
13:51Der Philosoph und Naturforscher Aristoteles vertrat ein geozentrisches Weltbild.
13:56Die Erde als Ursprung und Mittelpunkt allen Seins.
14:00Auch der griechische Philosoph Ptolemäus sah die Erde im Mittelpunkt des Universums.
14:06Erst knapp 1500 Jahre später wandelte sich dieses Bild.
14:10Nikolaus Kopernikus erkannte die Sonne als das Zentrum, um das sich die Erde und die anderen Planeten bewegen.
14:23Erst eine bahnbrechende Erfindung untermauerte seine Theorien.
14:27Das Teleskop.
14:28Es war Galileo Galilei, der als erster ein Fernrohr zur Beobachtung des Himmels nutzte.
14:36So entdeckte er die vier grössten Monde des Jupiters und beobachtete,
14:41dass es sich bei der Milchstraße nicht um ein nebliges Gebilde, sondern um eine Anhäufung von Sternen handelt.
14:46Galilei beschrieb auch die Flecken auf der Sonne.
14:55Dies ist der Ursprung der modernen Astronomie und der Anfang der wissenschaftlichen Erforschung der Sonne.
15:01Die Sonne ist einfach zu groß, die kann ich nicht ins Labor holen.
15:07Es ist auch zu heiß. Ich kann auch nicht dorthin gehen und ein Stück von der Sonne holen.
15:13Da verbrennen unsere Sonden.
15:17Man kann einen Teil der Sonne schon direkt untersuchen,
15:21indem man in den Weltraum geht und ein Stück vom Sonnenwind abfängt.
15:26Und das wird auch gemacht.
15:27Der Sonnenwind ist ein beständig von der Sonne ausgestoßener Teilchenstrom.
15:34Doch aus dem Wind kann ein wahrer Sturm erwachsen.
15:37An der Sonnenoberfläche brodelt es ständig, enorme Massen werden bewegt.
15:43Ähnlich wie bei der Erde entstehen durch die Rotation der flüssigen Sonne riesige Magnetfelder,
15:49die verwickelte Schleifen bilden.
15:52Wenn sich diese Verwicklungen an der Oberfläche auflösen,
15:54entstehen enorme Energiemengen und dadurch massive Auswürfe von Materie.
16:01Von der Erde aus gesehen sieht ja die Sonne ziemlich harmlos aus.
16:05Aber sie hat es wirklich in sich.
16:07Sie erzeugt nämlich gigantische Eruptionen.
16:10Hier können wir das deutlich sehen.
16:12Schauen Sie mal, da wird wirklich viel Masse aus der Sonne herausgerissen.
16:16Und im Vergleich zu diesem Durchmesser ist ja die Erde nur etwa so groß.
16:20Das heißt, sie haben wirklich gigantische Dimensionen.
16:23Und bei diesen Auswürfen wird sehr viel Gas herausgeworfen.
16:26Und dieses Gas besteht aus Protonen, also geladenen Elementarteilchen.
16:31Und die schießen nun mit einer riesen Geschwindigkeit,
16:35nämlich mehreren hundert Kilometer pro Sekunde Richtung Erde zum Beispiel.
16:39Wenn sie die Erde sind, werden sie von dieser Strahlung getroffen.
16:43Wenn die Erde allerdings woanders steht, nehmen wir an dort oder hier,
16:47dann wird man glücklicherweise nicht getroffen.
16:49Aber jetzt stellen Sie sich mal vor, diese ganzen Massen strömen auf die Erde ein
16:53mit dieser riesen Geschwindigkeit.
16:55Die gemessene Strahlung ist dabei tausendmal mehr als normalerweise.
16:59Und die trifft dann auf die Erde, allerdings über die Pole,
17:02weil nämlich das Magnetfeld diese geladenen Ströme ablenkt.
17:06Und dort an diesen Polen entstehen diese wunderschönen Nordlichter.
17:10Je nach Stärke beeinflusst der Sonnenwind unser irdisches Magnetfeld.
17:15Seine elektrisch geladenen Partikel werden zu den Polen abgeleitet.
17:19In deren Nähe stoßen sie mit unserer Atmosphäre zusammen
17:23und erzeugen eines der schönsten Naturschauspiele, Polarlichter.
17:29Diese Strahlung ist für die Erde gefährlich.
17:32Das merken wir im täglichen Leben nicht, weil es nicht so häufig passiert.
17:35Aber 1869 gab es einen Vorgang.
17:40Da hat die Sonne einen solchen extremen Sonnenwind
17:42auf die Vereinigten Staaten von Amerika losgeschickt.
17:46Damals gab es nicht so eine hochentwickelte Infrastruktur wie heute
17:49mit Internet, elektrischen Netzen und so weiter.
17:52Aber es gab Telegrafennetzen.
17:53Und die sind zusammengebrochen unter diesem Einfluss dieses Solar Flares,
17:58wie wir das nennen.
17:59Und es gab in ganz USA, im gesamten Bereich der USA,
18:04konnten Nordlichter beobachtet werden.
18:07Wenn viele Milliarden Tonnen an Plasma in das Sonnensystem hinaus katapultiert werden,
18:13können die elektrisch geladenen Teilchen einen regelrechten geomagnetischen Sturm auslösen.
18:18Es wird inzwischen befürchtet, dass die ganze elektrische Vernetzung der Welt
18:21uns anfällig macht für solche Extremschwankungen der Sonnenaktivität.
18:25Und es könnte also sein, dass wir in Zukunft darauf achten müssen,
18:29ob die Sonne irgendwelche Kapriolen schlägt.
18:32Im Extremfall entstehen in den Stromnetzen Spannungsspitzen,
18:36die zu deren Ausfall führen können.
18:38Wir merken jetzt, dass insgesamt unsere Infrastruktur doch auch empfindlich und gefährdet ist.
18:45Und je mehr wir Internet haben, je mehr wir alles vernetzt haben,
18:50umso mehr sind wir an der Stelle empfindlich.
18:52Wir können nichts dagegen machen, wir können die Sonne nicht abstellen.
18:55Aber wir können Frühwarnung machen, also so wie eine Wettervorhersage.
18:59Satelliten beeinflussen unser tägliches Leben.
19:02Wir leben in einer digitalen Welt.
19:04Unsere Kommunikation und unsere gesamte Infrastruktur sind mittlerweile abhängig
19:10von den räumlich und zeitlich hoch aufgelösten Datenströmen aus dem All.
19:19Zunächst erstmal trifft es die Satelliten.
19:21Das heißt, wir müssen auch aufpassen, dass zum Beispiel unsere Navigationssatelliten
19:23davon nicht dann beschädigt werden.
19:26Das heißt, man muss dann unter Umständen Systeme herunterfahren für den Moment,
19:30um sie nicht kaputt gehen zu lassen.
19:31Also man wird natürlich auch versuchen, in Zukunft Systeme stabiler zu bauen
19:36für diese Angriffe, die wir nicht verhindern können.
19:39Aber vor allen Dingen, wenn wir genau wissen, jetzt kommt etwas,
19:42dann kann man auch reagieren, um Systeme kurzfristig dann eben herunterzufahren,
19:46um hinterher wieder raufzufahren.
19:48Die Sonne wird heute rund um die Uhr beobachtet und überwacht.
19:52Von der Erde aus, aber vor allem von Sonden im All.
19:551995 starteten die ESA und die NASA das Sonnenobservatorium SOHO,
20:02das Bilder von Sonneneruptionen in Echtzeit liefert.
20:10SOHO führt eine ganze Reihe von Instrumenten mit sich
20:13und untersucht so die Sonne von ihrem inneren Kern bis zur äußeren Corona.
20:18Der Satellit liefert Erkenntnisse und Daten über die Sonne
20:21in einer noch nie dagewesenen Qualität.
20:26Vor SOHO war die Sonne im Großen und Ganzen eigentlich ein eher langweiliger Stern,
20:32ein statischer Stern.
20:33Man hat gewusst, dass sie verschiedene Schichten hat.
20:36Man hat auch gewusst, dass es hin und wieder mal einen Ausbruch gibt.
20:42Aber seit SOHO und den Instrumenten, die nachher kamen,
20:46wissen wir, dass es ständig brodelt, da irgendwas immer explodiert,
20:51überall auf der Sonne, es gibt nichts Ruhiges, nirgends.
20:55Und da muss man wirklich unser ganzes Verständnis und so,
21:00wie wir die Sonne betrachten und völlig umstellen, dank SOHO.
21:06SOHO ist bereits mehr als zwei Jahrzehnte im Einsatz,
21:10gehört aber immer noch zu den wichtigsten Sonnenbeobachtern im All.
21:19Wo muss denn jetzt diese Sonde stehen,
21:21damit sie einen besonders guten Blick auf die Sonne hat?
21:24Nun, zunächst erstmal muss sie natürlich auch den gleichen Blickwinkel haben wie die Erde
21:28und auf der anderen Seite muss sie gut mit der Erde kommunizieren können.
21:33Und dafür gibt es einen ganz ausgezeichneten Punkt zwischen Sonne und Erde
21:37und den schauen wir uns jetzt mal an.
21:41Ich zeichne Ihnen das mal auf.
21:44Nehmen wir mal an, hier in der Mitte ist jetzt unsere Sonne
21:46und in 150 Kilometer Entfernung steht ja unsere Erde.
21:52Wenn wir denselben Blickwinkel haben wollen,
21:55muss natürlich die Sonne in der Nähe der Erde sein.
21:58Außerdem soll sie mit der Erde gut kommunizieren können
22:01und dazu muss sie jetzt an folgendem Punkt stehen.
22:03Wenn ich hier die Verbindungslinie zwischen Erde und Sonne einzeichne,
22:07dann muss sie auf dieser Verbindungslinie stehen.
22:10Und zwar etwa an diesem Punkt.
22:12Das heißt, die Entfernung von der Erde darf gar nicht zu groß sein.
22:16Typischerweise 1,5 Millionen Kilometer.
22:20Und dieser besondere Punkt hat noch weitere schöne Eigenschaften.
22:23Er nennt sich L1-Punkt, der erste Lagrange-Punkt.
22:28Lagrange war ein alter französischer Physiker,
22:30der mal gezeigt hat, dass dieser Punkt weitere wichtige Eigenschaften hat.
22:34Denn wenn ich eine Sonde hier an diesem Punkt platziere,
22:38dann bleibt die Sonde dort.
22:39Sie bewegt sich nicht weiter.
22:41Und das ist natürlich sehr schön,
22:43denn ich brauche dann nicht Treibstoff, um diese Sonde dort zu halten.
22:47Dieser Punkt hat aber einen großen Nachteil.
22:50Und den schauen wir uns jetzt mal anders an.
22:51Wenn ich auf die Sonne schaue, und zwar jetzt von der Erde gesehen,
22:56dann wäre ja die Sonde genau in der Mitte der Sonne zu sehen.
23:00Also ich schaue jetzt von der Erde auf die Sonne.
23:03Und das ist ein Riesennachteil.
23:06Denn wenn jetzt die Sonde mit mir kommuniziert,
23:09dann überstrahlt die Sonne mit ihrer Strahlung diese Kommunikation.
23:13Ich würde gar nichts von der Sonde hören können oder sehen können.
23:17Und deswegen müssen wir diese Sonde leicht aus dieser Mitte herausnehmen.
23:21Und dieser L1-Punkt hat eine besondere Schönheit, möchte ich sagen.
23:25Er hat nämlich einen sogenannten Hallo-Orbit.
23:27Das heißt, ein Orbit um diesen Punkt, ich zeichne es mal hier ein,
23:32also ein Orbit um diesen Punkt, und zwar so,
23:35dass er nicht in der Mitte der Sonne steht, sondern außerhalb.
23:38Wenn ich jetzt mit der Antenne auf diesen Orbit zeige,
23:41dann kann ich gut mit ihm kommunizieren.
23:43Aber trotzdem kann die Sonde sehr schön unsere Sonne sehen.
23:48Und deswegen ist dieser L1-Punkt so ganz hervorragend.
23:51Und deswegen steht auch so hoch an diesem Punkt.
23:53Auch die neue Raumsonde Solar Orbiter der Europäischen Weltraumagentur ESA soll die Sonne erforschen.
24:04Darüber hinaus soll die Sonde dazu beitragen,
24:07dass die Auswirkungen der Sonne auf die Erde besser verstanden werden.
24:13Solar Orbiter soll auch den Sonnenwind und das Weltraumwetter beobachten.
24:18Solar Orbiter wird die Erdumlaufbahn um die Sonne verlassen,
24:28wird in eine sehr eierförmige Umlaufbahn um die Sonne gehen,
24:32die an einem Ende sehr nahe an die Sonne rankommt,
24:35am anderen Ende dann weiter weg ist.
24:37Und gleichzeitig wird sie auch die Ekliptik, also die Bahnebene der Erde, verlassen,
24:43so dass Solar Orbiter zum ersten Mal mit Teleskopen auf die Pole der Sonne schauen kann.
24:51Die Sonde soll der Wissenschaft völlig neue Erkenntnisse über unser Zentralgestirn liefern.
24:58Zum ersten Mal wird die Rückseite der Sonne erkundet werden
25:01und die an Bord befindlichen Instrumente sollen ein 360-Grad-Bild des Sonnenmagnetfeldes erstellen.
25:08Die Daten, die Solar Orbiter den Wissenschaftlern liefert,
25:13sollen es ihnen ermöglichen, besser zu verstehen, wie die Sonne funktioniert
25:17und welchen Einfluss sie auf die Erde und die anderen Planeten des Sonnensystems hat.
25:27An der Mission beteiligt ist auch das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen.
25:34Die gesamte Vielfalt der Sonne und der Heliosphäre,
25:38dem vom Sonnenwind beeinflussten interplanetaren Raum, wird hier erforscht.
25:43Und das nicht nur mit Satelliten.
25:45Mit dem Projekt Sunrise beschreiten die Forscher aus Göttingen ganz neue Wege.
25:51Sunrise ist ein an einem Stratosphärenballon aufgehängtes Sonnenobservatorium.
25:56Viele Geheimnisse der Sonne offenbaren sich nur im ultravioletten Licht,
26:00das die Sonne ins All abstrahlt.
26:02Die Erdatmosphäre filtert jedoch einen Großteil dieser Strahlung heraus.
26:07Eine exakte Beobachtung vom Boden aus ist so nicht mehr möglich.
26:12Getragen von einem riesigen Heliumballon steigt Sunrise in eine Höhe über 35 Kilometer
26:18und beschert den Wissenschaftlern einen einzigartigen Blick auf unsere Sonne.
26:23Während seiner Forschungsflüge liefert das Teleskop detailreiche Einblicke in die Sonnenoberfläche.
26:29In dieser Höhe ist man oberhalb 99 Prozent der Luftmasse.
26:36Also es ist fast Vakuum.
26:38Man ist fast im Weltraum.
26:40Der Himmel ist brandschwarz, nichts mehr von blau.
26:44Und man hat auch praktisch die ganze Luftunruhe unter sich gelassen.
26:48Da kann man ganz, ganz scharfe Bilder machen.
26:51Und unser Ziel war, circa 50 Kilometer auf der Sonne aufzulösen.
26:57Und wir haben es geschafft.
26:59Das bedeutet ungefähr, wie wenn man eine 1 oder 2 Euro Münze in circa 100 Kilometer Entfernung auflösen kann.
27:08Mit Sunrise haben die Wissenschaftler eine ideale Beobachtungsposition über der störenden Atmosphäre geschaffen.
27:18Allerdings ohne die weitaus höheren Kosten einer Weltraummission.
27:22Übrigens, der Abgang eines Sterns kann sehr unterschiedlich aussehen.
27:32Er hängt von der Endmasse ab.
27:34Wenn diese Endmasse größer ist als drei Sonnenmassen, dann gibt es eine gigantische Explosion.
27:40Und die kennen wir alle, die berühmte Supernova.
27:43Was bleibt zurück?
27:44Nun dieses kleine schwarze Loch, was man nicht sehen kann.
27:47Dann gibt es noch die zweite Möglichkeit.
27:50Wenn die Masse irgendwo zwischen 1,5 und 3 Sonnenmassen liegt, dann gibt es auch eine gigantische Explosion.
27:57Aber zurück bleibt ein sogenannter Neutronenstern.
28:01Das ist etwas, was man mit dem Teleskop durchaus sehen kann.
28:04Aber er ist sehr, sehr klein.
28:05Nur 15 Kilometer Durchmesser und er strahlt sehr hell.
28:08Und er ist so dicht gepackt wie der Kern eines Elements.
28:12Und dann gibt es eben noch die dritte Möglichkeit.
28:15Nämlich das, was mit unserer Sonne passieren wird.
28:17Die äußeren Höhlen werden abgesprengt und zurück bleibt ein weißer Zwerg, der ganz hell glüht.
28:25Woraus besteht er? Fast nur aus Kohlenstoff.
28:28Im Prinzip genauso wie ein Diamant.
28:31Aber er funkelt nicht wie ein Brillant, sondern ist einfach nur ein Klumpen ungeordneter Kohlenstoffatome.
28:39Aus der Beobachtung des Sternenhimmels ziehen die Wissenschaftler auch Rückschlüsse auf die Geschichte und Zukunft unserer Sonne.
28:47Die Observation verschiedenalter Sterne dient als eine Art Blaupause, mit der wir auch unsere Sonne besser verstehen können.
28:56Wieso wissen wir denn so viel über wie die Sonne entsteht?
29:04Das wissen wir aus anderen Beobachtungen von anderen Sternen.
29:06Wir können Orte anschauen, nicht vom gleichen Stern, sondern von sehr vielen verschiedenen Sternen.
29:13Wir können Orte anschauen, wo Sterne gebildet werden.
29:18Wir sehen aber auch Sterne in ihrem Endstadium, die aufgebläht sind, rote Riesen sind.
29:23Wir sehen auch den Zeitpunkt, wo sie die Hülle abwerfen.
29:28Das sieht wunderschön aus im Teleskop. Das sind sogenannte planetare Nebel.
29:33Aber wir sehen auch den Zentralstern, die weißen Zwerge, wie sie zunächst innerhalb dieser Hülle sind,
29:40aber später, als die Hülle verflogen ist, nur der einzelne weiße Zwerg weiterlebt und später auch solche, die fast erloschen sind.
29:49Die Forscher befinden sich auf einer nie endenden Reise an die Grenzen des Wissens.
29:56Sie sind auf der Suche nach dem Bauplan des Ganzen.
30:00Eine Reise aber, die in immer kürzeren Zeitabständen immer mehr Erkenntnisse bringt.
30:05Je tiefer der Blick ins All, desto mehr Informationen sammeln die Wissenschaftler über unser Planetensystem.
30:12Und um die Sonne direkt zu beobachten, ersann der Mensch immer präzisere und spezialisiertere Instrumente.
30:21Der 1920 auf dem Telegrafenberg in Potsdam vom Architekten Erich Mendelssohn errichtete Einsteinturm
30:29beherbergt das einst wissenschaftlich bedeutendste Sonnenteleskop Europas.
30:34Das Observatorium wurde vom Astrophysiker Erwin Finley freundlich
30:43zur Überprüfung der erst ein paar Jahre alten Relativitätstheorie von Albert Einstein erschaffen.
30:50Und so trägt der Turm auch dessen Namen, Einsteinturm.
30:54Die Überprüfung der Relativitätstheorie gelang hier zwar nicht,
31:04doch Einstein wurde auf Lebenszeit zum Vorsitzenden des Kuratoriums, des Observatoriums ernannt.
31:18Jetzt müssten wir im Prinzip die Kuppel so ausrichten, dass das Sonnenlicht auf den Spiegel fallen kann.
31:25Dieser Spiegel fängt das Sonnenlicht ein.
31:27Man sieht, er hat hier eine Achse, die ist parallel zur Rotationsachse der Erde.
31:32Das heißt, wenn sich die Sonne übers Himmelszelt bewegt in die Richtung,
31:38verfolgen wir die Sonne mit diesem Spiegel.
31:40Der Spiegel schickt dann das Licht zu dem zweiten Spiegel.
31:44Und der hat eigentlich nur die Aufgabe, das Licht hier runter in das Turm-Teleskop zu schicken,
31:49wo das Licht dann durch eine 60 cm große Linse fällt.
31:52Diese Linse hat eine Brennweite von 14 Metern.
31:56Und diese Linse macht dann ein Sonnenbild, etwa von dieser Größe, 14 cm,
32:01im Optiklabor, im Kellerlabor vom Einsteinturm.
32:06Die Spiegel unter der Kuppel leiten das Sonnenlicht in das eigentliche Teleskop im Turm.
32:12Die Höhe des Turms bestimmt dabei die Brennweite des Teleskops.
32:22Dann kann das Sonnenlicht in das Kellerlabor.
32:25Das Teleskop steht dabei schwingungsfrei auf einem eigenen Fundament.
32:32Der Turm umgibt es als schützende Hülle.
32:35Das umgelenkte Sonnenlicht fällt durch das Turm-Teleskop hinab in Richtung Keller.
32:39Das Licht trifft dann auf diesen Spiegel.
32:48Und der lenkt das Licht jetzt hier über diese optische Bank, wo wir hier Instrumente testen können.
32:54Und dann fällt das Licht auf diese Wand.
32:57Hier befindet sich der Spektrografen-Spalt.
33:01Im Keller des Turms befindet sich das eigentliche Forschungslabor.
33:04Hier angekommen, wird das Licht der Sonne erneut umgelenkt.
33:10Der Spektrograf ist das Herzstück des Observatoriums.
33:14Das Sonnenlicht wird hier in seine Wellenlängen zerlegt.
33:18So können die Forscher anhand der Spektrallinien die chemische Zusammensetzung der Sonne bestimmen.
33:29Der Einsteinturm mit seinem Sonnenteleskop gehört zum Leibniz-Institut für Astrologie.
33:34Elektrophysik in Potsdam.
33:37Die Wissenschaftler arbeiten bis heute mit den Daten der jahrzehntelangen Beobachtungen.
33:42Hier stehen drin die Uhrzeiten, mit welchen Kameras beobachtet worden ist.
33:49Das sind also im Prinzip die Laborprotokolle vom Einsteinturm, die uns dann auch ermöglichen,
33:55die Daten, die hier gewonnen worden sind, auszuwerten, auch heute noch.
34:00Das hier sind Fotoplatten, wo jeden Tag, wenn es das Wetter erlaubt hat,
34:05Aufnahmen der gesamten Sonnenscheibe aufgenommen worden sind.
34:08Wir sehen hier also die Sonnenflecken, die sich längs des Äquators, der von Ost nach West verläuft, aufreihen.
34:17Dann hier kleinere Gruppen, die vom Sonnenrand dann bis hier über die Sonnenmitte sich erstrecken.
34:22Das Teleskop im Einsteinturm ist auch heute noch voll funktionstüchtig.
34:28Hier werden Instrumente zur Sonnenbeobachtung entwickelt und getestet.
34:33Die eigentliche Sonnenbeobachtung findet mittlerweile aber mit wesentlich moderneren Instrumenten statt.
34:39Und weit weg von menschlichen Ansiedlungen.
34:41Europas momentan größtes Sonnenteleskop steht auf einem Vulkan auf der Insel Teneriffa und heisst Gregor.
34:52Die klare und ruhige Luft über den Wolkenschichten bietet ideale Bedingungen für die Sonnenbeobachtung.
34:59Mitentwickelt wurde Gregor von den Wissenschaftlern des Instituts für Astrophysik in Potsdam.
35:04Die große Lichtsammelfläche des Teleskops ermöglicht Aufnahmen der Sonne mit bislang unerreichter Qualität und Auflösung.
35:15Für ein Sonnenteleskop ist es wichtig, einen großen Spiegel zu haben, in diesem Fall anderthalb Meter groß.
35:22Und erstmal braucht man einen großen Spiegel, um sehr viel Licht einzusammeln,
35:25weil unsere Instrumente sehr genau Messungen durchführen müssen und dafür braucht man viel Licht.
35:30Je größer der Spiegel, desto kleinere Details kann man auf der Sonne sehen.
35:35Seit dem Jahr 2012 nimmt Gregor die Sonne ins Visier und liefert Bilder, die von Deutschland aus nicht möglich gewesen wären.
35:48Ausschlaggebend für die Platzierung eines Sonnenteleskops sind die atmosphärischen Bedingungen.
35:54Erstens muss die Sonne scheinen, je häufiger sie scheint, desto besser.
35:58Das deutet schon darauf hin, dass man besser in den Süden geht, wo die Sonne ja etwas mehr scheint als in unseren Breiten.
36:04Zum anderen ist es gut, auf einem Berg zu sein, weil je mehr man von der Erdatmosphäre unter sich hat, umso besser, umso genauer, umso klarer sieht man.
36:17Eine ganz neue Generation von Sonnenteleskopen ist bereits in Planung.
36:22Dazu gehört auch das IST, das neue europäische Sonnenteleskop.
36:32Der Spiegel des Teleskops wird einen Durchmesser von vier Metern haben.
36:37Eine ganz neue Größendimension für ein Sonnenobservatorium.
36:41Dieser Spiegel soll die fundamentalen Prozesse auf und unter der Sonnenoberfläche in einer deutlich höheren Auflösung zeigen.
36:54Die Wissenschaftler erhoffen sich ganz neue Erkenntnisse von der tieferen Photosphäre bis zur oberen Chromosphäre unserer Sonne.
37:02Übrigens, wussten Sie, dass unsere Sonne schwingt?
37:13Nun, das liegt daran, weil unsere Sonne mit etwa 5000 Grad Celsius so heiß ist, dass sie durch und durch flüssig ist.
37:22Stellen Sie sich also unsere Sonne als einen gigantischen Wassertropfen vor, der wie jeder Wassertropfen natürlich in der Schwerelosigkeit schwingen kann.
37:30Nur, diese Ausschläge sind so klein, dass man sie von der Erde aus gesehen gar nicht sehen kann.
37:38Das können wirklich nur ganz besondere Sonnen, die ganz genau hinschauen.
37:42Und weil alle anderen Sterne ähnlich heiß sind wie die Sonne, schwingen sie natürlich genauso wie unsere Sonne.
37:50Die Astrophysiker befinden sich auf einer Forschungsreise in die Unendlichkeit.
37:55Alleine unsere Milchstraße beherbergt mehr als 100 Milliarden Sterne.
37:59Unser Sonnensystem ist nur eines unter Myriaden.
38:05Die Erforschung der Sonne bestimmt in großem Maße die Astrophysik.
38:10Sie ist die Grundlage für das Verständnis vom Aufbau der Sterne.
38:13Gibt es den perfekten Stern, der biologisches Leben ermöglicht?
38:21Ja, den gibt es.
38:24Aber um das zu verstehen, müssen wir uns erstmal einen stinknormalen Stern anschauen.
38:28Zum Beispiel Trappist 1.
38:31Das ist der Stern, den wir da ganz links außen sehen und der erst vor kurzem entdeckt wurde.
38:35Dieser sogenannte rote Zwerg hat zusätzlich die Eigenschaft, dass er viele Planeten hat.
38:41Die sehen wir hier insgesamt sieben Stück.
38:43Aber nur zwei davon liegen genau im richtigen Bereich.
38:47Das sind diese beiden Planeten.
38:49Und Sie sehen, die sind blau.
38:51Sie sind blau, weil sie flüssiges Wasser haben.
38:53Das heißt, die Oberflächentemperaturen liegen irgendwo zwischen 0 und 100 Grad Celsius.
38:58Und dabei kann natürlich Leben entstehen.
39:02Die anderen Planeten, die hier weiter außen sind, die sind bereits schon zu kalt.
39:06Dort gibt es nur Eis.
39:08Und die, die weiter innen drin liegen, die sind bereits schon zu heiß.
39:11Sie haben über 100 Grad Celsius.
39:13Und dann kann natürlich auch kein Leben entstehen.
39:15Also wir brauchen Planeten in der sogenannten habitablen Zone.
39:20Das große Problem bei diesen Trappist 1 und überhaupt bei allen roten Zwergen ist,
39:25dass die Röntgenausbrüche haben.
39:27Das heißt, starke Ausbrüche, die Röntgenstrahlen zu diesem Planeten schicken
39:32und alles Leben zum Erlöschen bringen.
39:35Wir brauchen also einen gutmütigen Stern in der Mitte.
39:38Einen sogenannten G-Stern.
39:41Und unsere Sonne ist ein G-Stern.
39:43Ein sehr zufriedener Stern, der ohne Ausbrüche vor sich hin blubbert.
39:47Und das für viele Milliarden Jahre.
39:50Und dazu, die Erde liegt genau in der Mitte dieser habitablen Zone.
39:55Insofern passen Erde und Sonne perfekt zusammen für biologisches Leben.
40:00Viele Jahre waren die dunklen Flecken in unserer Milchstraße und in anderen Galaxien ein Rätsel für die Wissenschaft.
40:10Ein dunkles Band, das den Sternenteppich unserer Milchstraße durchteilt.
40:16Wolken aus derart dichter Materie, die für das Licht von Sternen undurchdringlich ist.
40:21Aber genau diese Wolken enthalten das Material und die Grundbausteine für neue Sterne.
40:28In solchen Sternenfabriken können tausende neuer Sterne entstehen.
40:34Das der Erde am nächsten gelegene Entstehungsgebiet ist der Orionnebel in unserer Milchstraße.
40:40Eine Geburtsstätte besonders für sehr massereiche Sterne.
40:431.344 Lichtjahre ist die riesige Wasserstoffwolke von uns entfernt.
40:54Für kosmische Verhältnisse also direkt in unserer Nachbarschaft.
41:01Das Alter des Orionnebels etwa drei Millionen Jahre.
41:06Im Zentrum befindet sich eine Ansammlung junger Sterne.
41:10Mit Infrarot- und Röntgenteleskopen verfolgen die Astronomen die Entstehung von neuen Sternen in dieser galaktischen Kinderstube beinahe live.
41:25Rund 1500 Nebel gibt es in unserer Galaxie der Milchstraße.
41:30Alles Gebiete, in denen Sterne entstehen.
41:33Und das Prinzip ist immer das gleiche.
41:36Der Tod massereicher Sterne fördert die Geburt einer neuen Generation von Sternen.
41:43Wenn ein Stern stirbt, dann gibt er einen Teil seiner Masse wieder zurück an das interstellare Medium.
41:52Im Fall der Sonne wird es die gesamte Hülle sein.
41:56Es ist vielleicht die Hälfte, vielleicht mehr als die Hälfte der Masse, die wieder zurück an das interstellare Medium gegeben wird.
42:03Noch mehr von ihrer Masse geben noch massivere Sterne zurück.
42:07Also Sterne, die vielleicht zehn oder zwanzig Mal so schwer sind wie die Sonne.
42:11Sie leben keine zehn Milliarden Jahre, sondern sie leben nur im Bereich von 100 Millionen, 10 Millionen oder noch weniger Jahre.
42:20Sehr kurzledige Sterne.
42:21Ganz am Schluss explodieren sie.
42:24Sie werden zerfetzt.
42:25Es bleibt nur wirklich ein Teil, der Kern, zurück.
42:29Aber die gesamte Hülle wird rausgeworfen mit enormer Geschwindigkeit.
42:38Seit dem Urknall formen sich aus diesem Staub zugrunde gegangener Sterne neue Himmelskörper.
42:44Insbesondere die erdähnlichen Planeten.
43:00Sind alle Sterne eigentlich Einzelkinder?
43:04Nein, überhaupt nicht.
43:05Viele Sterne haben Geschwister.
43:07Und die meisten sogar ein Geschwisterteil.
43:10Und warum das so ist, das möchte ich Ihnen jetzt erklären.
43:12Alles beginnt ja immer mit dieser riesen Gaswolke, die kollabiert.
43:17Und die dreht sich.
43:19Und die Physik muss jetzt diesen Drehimpuls erhalten beim Kollaps.
43:23Und das macht sie am besten mit zwei Sternen.
43:26Malen wir uns das mal auf.
43:27Wir haben hier auf der einen Seite den einen Stern,
43:31der eine unterschiedliche Größe haben kann von dem anderen Stern.
43:34Hier ist er zum Beispiel kleiner.
43:36Um den Drehimpuls zu erhalten, müssen die beiden umeinander kreisen.
43:40Das zeichne ich mal so ein.
43:43Die Frage ist jetzt, wie entstehen dabei überhaupt die Planeten und wo kreisen die?
43:48Nun, da gibt es zwei grundsätzlich unterschiedliche Möglichkeiten.
43:52Die eine ist, der Planet kreist in unmittelbarer Nähe des einen Sterns.
43:57Das zeichne ich mal so ein.
44:00Oder es entsteht ein Planet weiter draußen, der um beide kreist.
44:04Das zeichne ich mal so ein.
44:06Und Sie sehen schon, das male ich etwas wellig.
44:10Woran liegt das?
44:11Nun, während der Planet außen kreist, bewegen sich ja die beiden Sonnen in der Mitte.
44:16Und deswegen sieht dieser Planet dort draußen immer leicht unterschiedliche Anziehungskräfte.
44:21Und deswegen ist diese Bahn nicht kreisrund.
44:24Genauso ist das auch hier.
44:25Denn dieser Planet, der hier kreist, sieht ja ab und zu auch mal die Gravitation des anderen Sterns.
44:30Mal hier, mal da, mal da.
44:33Und deswegen ist auch seine Bahn gedellt.
44:35Und solche gedellten Bahnen sind extrem unwirklich fürs Leben.
44:41Denn die klimatischen Verhältnisse ändern sich dadurch stetig.
44:44Mit anderen Worten, es können vielleicht kleine Bakterien entstehen, die das Klima nicht so viel anhaben können.
44:50Aber höheres Leben, so wie die Menschheit, die braucht über Jahrmillionen ein konstantes Verhalten im Klima.
44:57Und genau das bieten all diese Planetenbahnen nicht.
45:00Und das ist der Grund, warum es höchstwahrscheinlich in solchen Doppelsternsystemen kaum Leben geben wird.
45:08Der zweifache Sonnenaufgang eines Doppelsternsystems inspirierte auch die Macher von Star Wars.
45:17Früher glaubten Wissenschaftler nicht an die Existenz von Planeten in solchen Doppelsternsystemen.
45:23Heute sind sie längst nachgewiesen.
45:30Doppelsternsysteme sind recht häufig.
45:33Es gibt auch Mehrfachsternsysteme, die mehr als nur zwei sind, drei oder mehr sogar.
45:39Das kommt daher, dass wenn Sterne gebildet werden, dann ist das meistens nicht nur ein Stern, der gebildet wird,
45:47sondern wenn so eine Riesenwolke kollabiert im interstellaren Raum,
45:53dann bilden sich sehr viele Sterne, eine ganze Gruppe von Sternen.
45:56Und wenn zwei Sterne nah genug sind und ihre Geschwindigkeiten nicht zu groß,
46:01dann ziehen sie sich an durch ihre Schwerkraft, sodass sie anfangen, umeinander zu kreisen.
46:09Astronomen schätzen, dass bis zu 70 Prozent aller Sterne unserer Galaxie
46:13Bestandteile von Doppel- oder Mehrfachsternsystemen sind.
46:16Die meisten davon wahrscheinlich mit einem eigenen Planetensystem.
46:19Und es könnte durchaus sein, dass es Exoplaneten gibt, die sich auf stabilen Umlaufbahnen um solche Systeme befinden.
46:28Ein Planetensystem wie unseres, mit nur einem zentralen Stern, ist vielleicht nur eine Ausnahme in der Unendlichkeit des Universums.
46:37Unsere Sonne.
46:39Ein riesiger Feuerball, ein Kernreaktor, voll von scheinbar unendlicher Energie.
46:44Ein Stern, den der Mensch hautnah spüren kann und dessen Eigenschaften und Besonderheiten er immer mehr erforscht und entdeckt.
46:54Und doch ist die Sonne nur ein Stern unter Milliarden in unserer Galaxie.
46:59In den unendlichen Weiten des Kosmos völlig unbedeutend.
47:03Und wie jeder Stern am Himmel wird auch die Sonne irgendwann sterben.
47:07Wie sieht denn jetzt das Ende unserer Sonne aus?
47:14Nun, die nächsten 20, 30, 40, vielleicht 50 Millionen Jahre passiert überhaupt nichts.
47:21Die Sonne wird so weiter blubbern, so wie wir sie kennen.
47:24Aber dabei wird sie sich ganz, ganz langsam ausdehnen und dabei auch ganz langsam heißer werden.
47:30Das heißt, die Temperaturen steigen auch auf der Erde an, bis sie nach etwa einer Milliarde Jahre auf etwa 100 Grad Celsius sein wird.
47:39Und das bedeutet, unsere ganzen Ozeane werden verkocht sein.
47:43Und das ist das Ende unserer Menschheit.
47:46Aber wie gesagt, nach einer Milliarde Jahre, also kein Grund zur Sorge.
47:50Das ist aber noch nicht das Ende der Sonne.
47:53Sie wird sich nämlich noch weiter ausdehnen.
47:55Sie wird noch heißer werden.
47:56Und irgendwann wird sie so groß sein, dass sie die Erde in sich verschlingen wird.
48:02Das wird das Ende unserer Erde sein.
48:04Und dann passiert Folgendes.
48:06Die Sonne wird die äußeren Hüllen absprengen, kollabieren und zurück bleibt dieser kleine weiße Zwerg.
48:13Diese äußeren Hüllen, die werden aber Eingang finden in andere Gaswolken, ziemlich weit draußen.
48:21Und unsere Elemente unseres Körpers werden mit dabei sein.
48:25Diese Gaswolken werden wieder neu kollabieren und daraus entstehen neue Sterne und neue Planeten.
48:33Und damit beginnt ein neuer kosmischer Zyklus.
48:37Wir sind umgeben von einer nicht greifbaren Unendlichkeit.
48:43Einem Universum, in dem die Sonne und unser Sonnensystem nur Sandkörner am Strand eines riesigen Ozeans sind.
48:51So wie auch die Sonne einst aus einem Nebel aus Materie entstand,
48:54wird sie an ihrem Ende ihre Hülle abwerfen und wieder ein Teil dieser bizarren, kosmischen Landschaften werden.
49:02Landschaften aus Licht und Gas und Sternenstaub, geformt von kosmischem Wind und Strahlung.
49:13Wenn in etwa sechs Milliarden Jahren unserer Sonne der Brennstoff ausgeht,
49:17die Wasserstoffvorräte zu Ende sind und ihr Sternenfeuer erlischt,
49:21dann wird auch sie ihren Teil zur Erneuerung des Universums beitragen.
49:32Untertitelung des ZDF für funk, 2017
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