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Transkript
00:00Seit jeher haben die Menschen zu den Sternen geschaut.
00:06Seit jeher hat uns das Universum fasziniert und Fragen aufgeworfen.
00:12Was ist noch da draußen? Wie ist das alles entstanden? Wo kommen wir her?
00:20Am Anfang war der Knall, der Urknall, The Big Bang.
00:25Es war der Startschuss zur Entstehung unseres Universums.
00:29Doch was war davor und was passierte direkt nach dem Knall?
00:33Wir sind fasziniert von den unendlichen Weiten des Kosmos.
00:37Eine Ausdehnung, die für unsere Gedankenwelt nicht vorstellbar ist.
00:41Und wir lernen immer mehr über die Form, Größe und Gestalt des Universums und über seine Entstehung.
00:49Herzlich willkommen bei Space Time mit Ulrich Walter, Astronaut und Wissenschaftler.
00:55Er weiß, im Weltraum wartet Unglaubliches auf uns.
01:03Heute schätzen Forscher, dass im für uns sichtbaren Universum rund zwei Billionen Galaxien mit je 100 Milliarden Sternen existieren.
01:12Wissenschaftler suchen nach Erklärungen, wie all dies scheinbar aus dem Nichts entstehen konnte.
01:21Die Kosmologen verfolgen die Spuren des Universums zurück.
01:25Bis zu seinem Anfang.
01:28Bis zum Urknall.
01:30Dem Moment, in dem Raum und Zeit geboren wurden.
01:33Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin?
01:51Eine der Urfragen der Menschheit, die sich schon die alten Griechen vor etwa 2500 Jahren gestellt haben.
01:57Und eins kann ich Ihnen schon sagen, wir wissen heute, wir sind aus Sternenstaub geboren.
02:04Aber fangen wir ganz am Anfang an mit dem berühmten Urknall, der vor etwa 13,8 Milliarden Jahren stattgefunden hat.
02:11Und es wird oft gefragt, ja wo hat er denn stattgefunden?
02:15Wo hier im Raum?
02:17Nun, das ist eine falsch gestellte Frage.
02:20Nicht ein Urknall im Raum, sondern der Raum wurde mit dem Urknall geboren.
02:26Und genauso die Frage, was war denn vor dem Urknall, ist total falsch gestellt.
02:32Denn Einstein konnte mit seiner allgemeinen Relativitätstheorie zeigen, dass mit dem Urknall nicht nur der Raum, sondern auch die Zeit entstand.
02:42Vor dem Urknall gab es keine Zeit.
02:46Aber eine Frage bleibt trotzdem, was kam denn direkt nach dem Urknall?
02:51Unser Universum entstand vor etwa 13,8 Milliarden Jahren.
02:56Es begann mit dem Urknall.
02:59Aller Anfang steckte in einem unendlich kleinen mathematischen Punkt, einer Singularität.
03:06Aus diesem Punkt entstanden gemeinsam Energie, Materie, Raum und Zeit.
03:12Und mit ihnen auch die Naturgesetze.
03:15Es war der absolute Beginn.
03:17Davor gab es nichts.
03:18Mittlerweile kann der Mensch tief in die Vergangenheit zurückblicken.
03:23Bis zur Entstehung der ersten Galaxien.
03:27Ich glaube, der tiefe Antrieb, wissen zu wollen, wie das Universum überhaupt entstanden ist, liegt daran, dass es sich natürlich um den wirklichen Anfang von allem letztlich handelt.
03:37Also da ist alles entstanden.
03:40Da ist auch die Zeit entstanden.
03:42Da ist der Raum überhaupt erst entstanden.
03:44Das sind natürlich Fragen, die uns natürlich im gewissen Sinne überfordern.
03:48Vielleicht ist unser Gehirn gar nicht dafür gemacht, so etwas zu verstehen.
03:51Aber es ist wirklich der Anfang von allem.
03:53Deswegen ist auch die Frage, was zum Beispiel vor dem Urknall eigentlich gewesen sein soll, fast schon eine Frage, zu der ein Physiker sagen muss, die Frage ist eigentlich sinnlos.
04:04Weil die Zeit ist ja erst im Urknall entstanden.
04:06Also kann es ja gar nichts davor geben.
04:09So würde man die Frage eigentlich beantworten müssen.
04:11Es gibt auch, es gibt einfach sinnlose Fragen in der Wissenschaft.
04:15Das muss man sich immer wieder klar machen.
04:18Die Physik kann bis heute nur das beschreiben, was nach dem Urknall geschah.
04:23Eine gute Frage ist natürlich beim Urknall, was war genau am Anfang los?
04:31Und wo kommt eigentlich die Energie und die Masse her?
04:34Wer hat die da immer reingesetzt?
04:36Die Frage müssen Physiker seriöserweise unbeantwortet lassen.
04:40Vielleicht im Moment, weil genau das unsere Theorien im Moment nicht erklären können.
04:44Unsere Theorien können übrigens auch nicht erklären, was im Inneren eines schwarzen Loches passiert.
04:48Weil auch da die Theorie, wie der Physiker sagt, eine Singularität hat.
04:52Und man nicht in das schwarze Loch reingucken kann.
04:54Also im Augenblick zumindest noch nicht.
04:57Deswegen muss ein seriöser Physiker sagen, wo die Masse und die Energie herkommt, kann er ihnen nicht sagen.
05:03Im 20. Jahrhundert entdeckte man, dass sich das Universum stetig ausbreitet.
05:08Daraus schließen die Forscher, dass alles aus einem Ausgangspunkt entstanden ist.
05:12Der eigentliche Anfang ist nicht Bestandteil einer physikalischen Erklärung.
05:18Da ist also ein Bruchteil einer Sekunde Unterschied.
05:21Und dann erst fängt der Astrophysiker, der Kosmologe an zu überlegen, wie geht es jetzt weiter.
05:28Der Urknall selber ist nicht Teil dieser Welt, will ich mal sagen.
05:31Wo der herkommt, das wissen wir nicht.
05:33Wir sehen ihn als Ergebnis, aber wissen nicht, was es ist, weil wir nicht mit den physikalischen Gesetzen dahin kommen.
05:39Und es mag ja etwas ganz anderes gewesen sein, aber erst wenn er da ist, können wir sagen,
05:46okay, jetzt gelten alle Gesetze und jetzt geht es weiter.
05:49Das Urknallmodell gilt heute als die allgemein anerkannte Erklärung zur Entstehung des Kosmos.
05:55Den Big Bang selbst kann die Theorie allerdings nicht beschreiben.
05:59Nur das geschehen unmittelbar danach.
06:02Was passierte jetzt also direkt nach dem Urknall?
06:05Nun, eigentlich mit dem Urknall begann die sogenannte Inflationsphase, eine gigantische Ausdehnungsphase.
06:14Und um Ihnen zu zeigen, was damals passierte, habe ich Ihnen diesen Luftballon mitgebracht.
06:18Den blase ich Ihnen jetzt mal auf.
06:26Stellen Sie sich vor, das war das anfängliche Universum.
06:30Und tatsächlich war es ungefähr nur so groß.
06:34Was jetzt begann, ist unvorstellbar oder fast unvorstellbar.
06:39Dieses kleine Universum mit diesen kleinen Punkten, und die sollen sozusagen die Urpartikel in diesem Universum darstellen.
06:47Also dieser Luftballon dehnte sich innerhalb einer extrem kurzen Zeit, um genau zu sagen, in 10 hoch minus 32 Sekunden auf gigantische Dimensionen aus.
07:01Um genau zu sein, auf etwa 100 Milliarden Lichtjahre.
07:06Ein Raumbereich, den wir mit heutigen Teleskopen gar nicht einsehen können.
07:10Was dehnte sich damals aus?
07:14Nun, es dehnten sich nicht die Teilchen gegeneinander aus, sondern der Raum selber dehnte sich aus.
07:22Und damit die Teilchen im Raum.
07:25Also mit dem Urknall entstand der Raum, und danach dehnte sich der so entstandene Raum explosionsartig aus.
07:34Das ist das Wichtige an der gesamten Inflation.
07:39Nach der Inflation dehnte sich das Universum weiter aus.
07:43Aber nur ziemlich gemächlich.
07:45Und genau das ist der augenliche Zustand, in dem wir im Universum leben.
07:50Der Blick in den Nachthimmel ist ein Blick in die Vergangenheit.
07:55Wir sehen die Sterne so, wie sie zu der Zeit aussahen, als das Licht sie verließ.
08:00Immer tiefer richten die Wissenschaftler den Blick in die Unendlichkeit des Universums.
08:07Je weiter sie schauen können, desto näher kommen sie dem Urknall.
08:12Die Teleskope werden immer grösser und ihr Auflösungsvermögen immer höher.
08:17Das Superauge der Menschheit entsteht gerade in der chilenischen Atacama-Wüste.
08:31Das ELT, das Extremely Large Telescope.
08:362024 soll das grösste Teleskop der Welt in Betrieb genommen werden.
08:41Ich war in der Atacama-Wüste in Chile.
08:46Da gibt es das European Southern Observatory, eine befreundete Organisation, die hier aus Europa kommt, die dort Teleskop hat.
08:54Und wenn Sie da die Milchstraße dann sehen, wenn Sie die über sich sehen, dann, also wer da einfach still sitzen bleibt,
09:02also mit dem habe ich kein Verständnis.
09:04Also ich bin da nachts nochmal extra aufgestanden.
09:06Ich konnte einfach nicht schlafen.
09:07Ich bin nochmal rausgerannt, habe gesagt, das musst du dir nochmal angucken.
09:10Und habe da nur gestanden und mundoffen und gestaunt und habe gesagt, boah.
09:14Unsere Milchstraße besteht aus mehr als 100 Milliarden Sternen.
09:19Um diese genau beobachten zu können, müssen die Forscher sich möglichst weit von der Zivilisation
09:24und ihrem immer scheinenden künstlichen Licht wegbewegen.
09:29Und genau ein solcher Ort ist die Atacama-Wüste.
09:32Deshalb stehen hier die größten Teleskope der Welt.
09:37Doch die schärfsten Augen der Astronomen befinden sich im All, so wie das Hubble-Weltraumteleskop.
09:44Mit dem 1990 in den Erdorbit geschossenen Observatorium brach ein goldenes Zeitalter der Astronomie an.
09:51Niemals zuvor haben Menschen so tief ins Weltall geschaut.
09:56Hubble blickt bis an den Rand des Universums und liefert bis heute Bilder von einer bizarren, faszinierenden und verwirrenden Schönheit.
10:04Landschaften aus Licht und Sternenstaub und Gaswolken, geformt von kosmischem Wind und Strahlung.
10:11Und die Wissenschaft arbeitet bereits an einer neuen Generation von Himmelssperren.
10:19Das James Webb Weltraumteleskop wird eineinhalb Millionen Kilometer von der Erde entfernt, im All schweben.
10:26Es ist das teuerste Messinstrument, das Menschen jemals gebaut haben.
10:30Ein Gemeinschaftsprodukt der NASA, der Europäischen Weltraumagentur ESA und der kanadischen Weltraumbehörde.
10:36Sein aus 18 Segmenten zusammengesetzter Hauptspiegel hat einen Durchmesser von sechseinhalb Metern.
10:47Von seiner Umlaufbahn aus soll das Teleskop den bisher tiefsten Blick in die unendlichen Weiden des Alls werfen.
10:55Erst im Weltraum entfaltet sich das Teleskop zu seiner wahren Größe.
11:00Ein Tennisplatzgroßer Schirm wird es vor der Sonneneinstrahlung schützen und kühlen.
11:06Das James Webb Teleskop soll die Entstehung von Sternen und Galaxien beobachten und bis zum Beginn unseres Universums zurückblicken.
11:20Was will der Mensch eigentlich da? Warum guckt der da hin?
11:23Aber wenn man mal in die Geschichte der Menschheit zurückguckt, das ist menschlich.
11:27Es ist menschlich, neugierig zu sein. Das ist die stärkste Triebfeder, die wir haben.
11:31Die beobachten wir auch heute noch.
11:32Kleine Kinder sind unglaublich neugierig, die Welt um sich drumherum zu erkunden.
11:37Und wenn das Erwachsene immer noch machen, dann werden die irgendwie so gesagt, ja, das sind diese Forscher.
11:42Ich glaube, es ist wirklich eine starke Triebfeder, die wir nicht unterschätzen sollten,
11:46die auch für die Gesellschaft ganz wichtig ist, Neues zu erkunden.
11:48Ob das nun im Weltraum ist oder auf der Erde oder in der Gesellschaft.
11:53Milliarden Jahre tief können die Wissenschaftler mit Hilfe ihrer Teleskope ins All sehen.
11:58Doch bei diesem Blick ins Universum, beim Blick in die Vergangenheit, stoßen sie irgendwann an eine Grenze.
12:05Ab etwa 200 Millionen Jahren nach dem Urknall endet das sichtbare Licht.
12:10Dieser Zeitraum von den ersten 200 Millionen Jahren nach dem Urknall bleibt uns noch verborgen.
12:17Optische Teleskope sind hier nutzlos. Sie können nichts sehen.
12:21Am Anfang war nur Finsternis.
12:26Ja, da hat die Bibel recht, das wissen wir heute.
12:29Denn erst 200 Millionen Jahre nach dem Urknall entstanden die ersten Sterne,
12:34die Licht aussandten und damit das Universum erhellten.
12:37Um das ein bisschen besser zu verstehen, schauen wir uns mal diese Darstellung an.
12:41Hier auf der X-Achse läuft die Zeit.
12:45Und was wir hier sehen, ist ein Tubus.
12:47Und jede Scheibe durch diesen Tubus stellt den Zustand unseres Universums zu einem bestimmten Zeitpunkt dar.
12:54Und wenn man genau hinschaut, dann sehen Sie hier einen Bereich, der stockdunkel ist.
12:58Das ist genau diese Zeit, der Finsternis.
13:01Und hier bei 200 Millionen Jahren nach dem Urknall begann erst diese Erhellung,
13:06weil hier diese Sterne entstanden, die dann wieder vergingen, aber dann kamen auch wieder neue Sterne.
13:13Die Frage, die noch bleibt, ist, ist unser Universum unendlich groß oder nur endlich?
13:20Und welche Form hat es?
13:21Um zu verstehen, dass unser Raum, in dem wir leben, eine Form haben kann, brauchen wir das Verständnis von Krümmung des Raumes.
13:32Stellen Sie sich die Oberfläche unserer Erde vor.
13:34Die ist gekrümmt.
13:35Wenn wir eine Ameise wären, die in dieser Oberfläche leben, dann würden wir diese Krümmung gar nicht sehen.
13:42Und genau so könnten wir in einem Raum leben, der gekrümmt ist, aber weil wir Teil dieses Raumes sind, merken wir die Krümmung gar nicht.
13:51So, und was wir jetzt noch machen müssen, wir müssen uns vorstellen, dass unser dreidimensionaler Raum zweidimensional wäre.
13:59Und wenn wir uns das vorstellen, dann könnte es grundsätzlich drei typische unterschiedliche Universen geben.
14:06Nämlich eines, und das sehen Sie hier, das sogenannt positiv gekrümmt ist, also in sich geschlossen.
14:13Das würde bedeuten, wenn ich mich in eine Rakete setze und in dieser Richtung losfliege, käme ich nach vielen Milliarden Jahren aus dieser Richtung wieder an.
14:21Ich würde eine geschlossene Schleife fliegen.
14:24Oder ein sogenanntes hyperbolisches Universum, das so gekrümmt ist und Sie sehen sofort, das ist eine ziemlich komplizierte Krümmung.
14:32Und vor allen Dingen, es wäre unendlich groß.
14:35Und es gibt noch diese dritte Möglichkeit, ein absolutes flaches Universum.
14:40Und auch das wäre natürlich unendlich groß.
14:43Die einzige Frage, die jetzt noch zu beantworten ist, wie sieht unser Universum wirklich aus?
14:52Sterne und Planeten entstehen.
14:54Sonnensysteme füllen Galaxien.
14:56Gas und Staubwolken bewegen sich durch den Raum.
15:00Energie durchdringt das Weltall in Form von Strahlung.
15:03Doch da muss es noch etwas geben.
15:05Etwas, das nicht greifbar ist.
15:07Das aber dennoch das ganze Universum beeinflusst.
15:11Ein Stoff, den noch kein Wissenschaftler gesehen hat und wie wir heute wissen, nie direkt sehen wird.
15:17Dunkle Materie.
15:19Dunkle Materie klingt natürlich sehr bedrohlich, ist aber nicht bedrohlich.
15:23Dunkel ist hier gemeint in Form von, wir wissen es nicht.
15:26Alles, was im Dunkel liegt, ist etwas, was man nicht weiß.
15:30Trotzdem gehört die dunkle Materie zu den Sachen in der Physik, von denen man zwar nicht weiß, was es ist, man weiß aber, dass es es gibt.
15:38Und zwar aus folgendem Grund.
15:40Wir sehen, wenn wir durch Fernrohre gucken, wie sich die Sterne in Galaxien bewegen.
15:45Und dann kann man sich überlegen, naja, wenn die sich alle unter dem Einfluss ihrer Schwerkraft bewegen,
15:50dann müsste sie sich mit bestimmten Geschwindigkeiten um das galaktische Zentrum bewegen.
15:55Man hat jetzt aber herausgefunden, das passiert nicht.
15:58Das sieht ganz anders aus.
16:00Es muss also eine Kraft geben, die zusätzlich auf die Bewegung der Himmelskörper einwirkt.
16:06Eine Masse, die selbst im Verborgenen bleibt, deren Gravitation aber spürbar ist.
16:15Da muss es irgendwas geben, das nicht leuchtet, was aber diesen Prozess der Bewegung beeinflusst.
16:20Und deswegen können wir tatsächlich auf diese dunkle Materie schließen.
16:23Deswegen sagt man, die muss es irgendwie geben.
16:26Wir können ihre Auswirkung messen.
16:28Aber was jetzt diese dunkle Materie sein könnte, also welche Teilchen das sind, da haben die Physiker bisher überhaupt keine Antwort drauf.
16:34Es müsste viel von der dunklen Materie geben.
16:36Es müsste sogar fünfmal mehr dunkle Materie als helle Materie, als normale Materie geben, kommt aus den Modellen raus.
16:43Und das ist natürlich etwas besonders Erstaunliches.
16:49Das heißt, die dunkle Materie müsste der Normalfall sein und wir, unsere Materie, ist der absolute Spezialfall.
16:55Mit anderen Worten, wir müssten eigentlich immer über die dunkle Materie stolpern, tun es aber nicht.
17:00Dunkle Materie. Sie durchzieht also das gesamte Universum.
17:05Wenn die Sterne außen schneller laufen, vielleicht stimmt dann die newtonsche Gesetze nicht.
17:11Ja, wenn sie sich mit Newton anlegen, dann haben sie die meisten der Physiker gegen sich.
17:16Das machen die nur ganz umgekehrt. Ja, die fundamentalen Gesetze der Natur infrage zu stellen.
17:21Und dann fragt man sich, was könnte es denn dann noch sein?
17:23Damit sich die Sterne außen schneller bewegen, als sie eigentlich nach Newton sollten, muss man postulieren, dass da noch Materie ist, die sie anzieht.
17:35Es ist also Materie, die zwar eine Anziehungskraft erzeugt, aber die man nicht sieht.
17:41Und das Dumme ist nur, bereits auf dem Abstand von dem Zentrum unserer Milchstraße, wo die Sonne steht, muss es diese dunkle Materie geben.
17:49Die Sonne bewegt sich schon schneller, wie wir heute wissen, als sie es eigentlich sollte.
17:53Und wir wissen nicht, was es ist im Augenblick.
17:56Das ist relativ peinlich, weil es sozusagen in unserer Umgebung existiert und wir haben keine Ahnung, was es ist und wir haben auch nichts beobachtet.
18:05Und ich sage so, das ist so, als wenn wir unsere Hausaufgaben nicht gemacht haben.
18:09Ja, da sagen die anderen, ihr spinnt wohl, ihr beobachtet alles und jetzt beobachtet ihr was, was ihr nicht erklären könnt.
18:13Und es muss hier in der Umgebung irgendwo sein und ihr findet es nicht.
18:17Ja, was sollen wir denn jetzt glauben?
18:18Und leider ist dieses Problem noch nicht gelöst.
18:23Und ich denke, wenn jemand systematisch erklären kann, um was es sich handelt, da wird einen großen Preis damit gewinnen.
18:31Dunkle Materie.
18:33Man kann sie also weder sehen, noch sie anfassen.
18:38Und nur durch diese dunkle Materie können die Bewegungen der Himmelskörper und der Galaxien erklärt werden.
18:45Diese unsichtbare Masse sorgt für den Zusammenhalt des Universums.
18:50Wie ging es nach der Inflation mit unserem Universum weiter?
19:00Nun schauen wir uns das mal an diesem Tubus an.
19:03Hier war der Urknall.
19:04Und dann kam ja diese ganz lange Zeit der Finsternis von etwa 200 Millionen Jahren.
19:10Und dann kamen so ziemlich plötzlich die ersten Sterne, die unser Universum erleuchtet haben.
19:15Aber die haben nicht so lange gelebt, nur ein paar Millionen Jahre.
19:19Und dann erloschen sie, aber sie feuerten diesen ganzen Sternstaub in die Tiefen des Universums.
19:25Und damit entstand die nächste Generation von Sternen, die dann schon 10 Millionen Jahre lebte.
19:30Aber auch die feuerten dann ihren Sternstaub hinaus und damit entstand die nächste Generation von Sternen.
19:37Und jeder kosmische Zyklus von Sternen, Entstehung und Vergehen dauerte immer etwas länger.
19:43Nach etwa 9 Milliarden Jahren entstand unsere Galaxie mit unserer Sonne.
19:49Wir sind so eine Art Spätzünder.
19:51Aber das ist gut so.
19:53Denn wären wir früher geboren, hätte es noch gar nicht so viel Sternstaub gegeben.
19:57Und deswegen hätte es vielleicht gar nicht unsere Erde gegeben.
20:01Und vielleicht wären wir dann noch gar nicht entstanden.
20:05Auch die Geschichte unseres Sonnensystems beginnt mit dem Urknall vor knapp 14 Milliarden Jahren.
20:12Sekundenbruchteile nach der Genesis bilden sich winzige Elementarteilchen.
20:18Aus ihnen formten sich neue Materiebausteine.
20:21Wasserstoff und Helium.
20:24Die leichtesten aller Atome.
20:26Durch die Schwerkraft und Abkühlung des sich ausdehenden, noch jungen Universums entstanden aus dieser Materie die ersten Galaxien.
20:36In diesen sich immer mehr verdichtenden Wolken aus molekularem Gas wurde die erste Generation von Sternen geboren.
20:43Extrem massereich, extrem heiß und auch ziemlich kurzlebig.
20:48Die ersten Sterne hatten nur eine Lebensdauer von wenigen Dutzend Millionen Jahren, bevor sie kollabierten.
20:56Supernovae-Explosionen setzten die schwereren Elemente frei für die Planeten der nächsten Sternengeneration.
21:03Es ist immer eine kosmische Katastrophe, die die Geburt neuer Sterne einleitet.
21:11Eine Supernova.
21:12Die Explosion eines Sterns von großer Masse.
21:16Ihr Aufleuchten im All markiert das Ende eines Sterns.
21:19Gleichzeitig ist dies der Ausgangspunkt für neue Himmelskörper.
21:23Einzig durch die Kraft einer Supernova können sich auch Elemente bilden, die schwerer als Wasserstoff und Helium sind.
21:30Was wir heute an Blei auf der Erde finden oder Uran, ist nicht in der Sonne entstanden, sondern kommt von Supernova-Explosionen her.
21:42Da sehen Sie schon, dass wir in einem R bestehen, das also sehr gewalttätig war.
21:48Also es hat Sonnen gegeben, die haben Eisen produziert, aber es hat auch Supernovae gegeben, die Blei und Uran und andere schwere Elemente, Wismut und so, erzeugt haben.
21:57Nur aus den schweren Elementen können Gesteinsplaneten wie unsere Erde entstehen.
22:05Eine Supernova-Explosion schleudert riesige Massen an Materie ins All.
22:11Sie bestehen hauptsächlich aus Sauerstoff, Kohlenstoff, Silizium und Eisen und bilden zusammen mit dem interstellaren Gas Staubwolken, die sich mit Teleskopen beobachten lassen.
22:23Aus diesen Wolken bilden sich zum größten Teil neue Sterne.
22:29Aber einige Staubteilchen kollidieren miteinander.
22:34Sie klumpen zusammen und aus den immer größer werdenden Brocken entstehen anfangs Embryoplaneten und schließlich die festen Planeten.
22:43In der Frühzeit unseres Sonnensystems drehte sich auch um die gerade erwachte Sonne eine Scheibe aus Gas und Staub.
22:56Wie ein gigantisches Rad umkreiste diese Scheibe unser Zentralgestirn.
23:02Die Geburtsstätte unseres Planetensystems.
23:05Aus dem Gas entstanden die Gasplaneten Jupiter und Saturn.
23:13Die zwei Riesen, die so wichtig für die Entwicklung unseres Sonnensystems waren und sind.
23:21Die Entdeckung solcher Staubscheiben um junge Sterne untermauerte das Verständnis zur Entstehungsgeschichte unseres Sonnensystems.
23:29Wir wissen eben nicht, was da draußen los ist. Wir wissen noch nicht mal, was in unserem Sonnensystem los ist.
23:37Alleine unsere Planeten sind schon so unterschiedlich. Gasplaneten, Gesteinsplaneten, Planeten mit Ring und ohne Ring.
23:43Planeten, die sich so rumdrehen, die sich andersrum drehen.
23:46Ich glaube, es ist einfach Neugier, zu verstehen, was ist los.
23:49Und wenn man dann aus unserem Sonnensystem herausgeht, in dieses riesige Universum und zu überlegen, woher kommt das eigentlich eigentlich?
23:57Gibt es da einen Ursprung? Gibt es diesen Urknall, diesen Big Bang?
24:01Und dann stellt sich immer wieder die Frage, was war da vor?
24:05Da sagen die Physiker, das ist eine unzulässige Frage.
24:08Aber das sind doch spannende Fragen, zu verstehen, was da los ist.
24:12Seit Anbeginn will der Mensch seine Welt verstehen und für sich erklärbar machen.
24:18Es waren die Religionen, die ihr Weltbild und damit auch ihre Lehre durchsetzen wollten.
24:24Ursprungsmythen und frühe Kulturen sehen die Welt als eine Scheibe.
24:28Doch bereits in der Antike setzt sich die Erkenntnis einer kugelförmigen Erde durch.
24:33Es gibt keinen Weltenrand, über den alles hinabstürzt.
24:37Doch über die Position der Erde im Universum wird lange gestritten.
24:42Dass die Stellung der Erde eigentlich mit der Theologie nichts zu tun haben muss, das haben wir erst hinterher gelernt.
24:51Damals war das nicht so klar.
24:53Da dachte man, der Mensch muss natürlich im Zentrum allen geschehen sein, er ist die Krone der Schöpfung.
24:58Das kommt natürlich auch so ein bisschen von Aristoteles her, der so dieses hier reiche Universum liebte.
25:05Und man hat das natürlich gerne aufgenommen und den Menschen ins Zentrum gesetzt und da war auch nicht viel Platz für anderes.
25:11Der Naturforscher und Philosoph Aristoteles propagierte ein geozentrisches Weltbild.
25:18Für ihn war die Erde Ursprung und Mittelpunkt des Universums.
25:21Die christlichen Kirchen übernahmen dieses Weltbild und verteidigten es entschieden.
25:31Erst knapp 1500 Jahre später wandelt sich dieses Bild.
25:36Im 16. Jahrhundert rückt Nikolaus Kopernikus die Sonne in das Zentrum, um das sich die Planeten und so auch die Erde bewegen.
25:44Galileo Galilei benutzt am Anfang des 17. Jahrhunderts dann als erster ein Fernrohr zur Beobachtung des Himmels.
26:04Es ist der Beginn der modernen Astronomie.
26:07Die Sonne gerät ins Zentrum und dann beginnt eine völlig neue Sicht der Dinge und ein neues Verhältnis.
26:16Und man hat natürlich dann auch mit den Fernrohren zum ersten Mal die Möglichkeit rauszugucken und zu schauen, was ist da überhaupt.
26:21Bis dahin wurde ja nur eher spekuliert und mehr so ein geisteswissenschaftlicher Kontext gesehen.
26:29Und auf einmal konnte man alles das sehen, was man vorher nicht gesehen hat.
26:33Man konnte die Phasen der Venus angucken, man konnte die Jupiter-Monde sehen, wie sie um den Jupiter kreisen.
26:38Man konnte auf einmal viele andere Dinge sehen, die man vorher nicht gesehen hat.
26:41Und alleine das Hingucken, was ist da, das ist schon Astronomie.
26:46Der nächste Schritt war dann nicht nur zu sagen, was ist denn da, sondern zu sagen, können wir das verstehen?
26:52Die Astronomie hat unser Weltbild entscheidend geprägt.
26:56Sie gilt als die älteste der Naturwissenschaften.
26:59Der Lauf der Sonne über den Himmel bei Tag, die leuchtenden Sterne am Nachthimmel, die Mondphasen und die Bewegung der Planeten in unserem Sonnensystem erweckten seit jeher die natürliche Neugierde des Menschen.
27:16Unser Wissen über das Universum steigt ja ständig enorm an.
27:25Und es steigt in einer Geschwindigkeit an, dass Sie die ganzen Lehrbücher über Astronomie im Grunde alle paar Jahre wieder neu schreiben müssen.
27:32Der Vorstoß ins All und die Möglichkeit, von dort aus die Beziehung der Erde zu unserem Planetensystem und zum ganzen Universum zu sehen, eröffnet ganz neue Möglichkeiten.
27:46Astronomen platzieren inzwischen Observatorien im Weltraum.
27:49Und forschen dabei nicht nur im sichtbaren Licht.
27:54Instrumente, die in den Spektralbereichen Röntgen, Gamma oder Infrarot beobachten können, ermöglichen ganz neue Einblicke ins Universum.
28:05Jeder Spektralbereich öffnet ein ganz eigenes Beobachtungsfenster ins All und ermöglicht so den Forschern immer neue Erkenntnisse.
28:13Diese Teleskope sollen vor allem Phänomene am Ende der Sternenentwicklung beobachten.
28:19Explodierende Sterne, Supernovae, Neutronensterne und schwarze Löcher.
28:27Mit dem NASA-Röntgenteleskop Newstar konnten Wissenschaftler sogar einen Blick auf zwei miteinander kollidierende Galaxien werfen.
28:35Wie sehen die Galaxien in unserem Universum aus?
28:40Nun, sie sind typischerweise scheibenförmig.
28:42Genau so, wie wir es hier sehen.
28:45Also, wie begann das damals?
28:46Nun, man muss sich eine riesengroße Wolke vorstellen, die in sich kollabiert ist, die dabei rotierte.
28:53Und während der Rotation kollabierte diese Wolke in eine Scheibe hinein.
28:57Also das, was wir hier jetzt gerade sehen.
29:00Und in dieser Scheibe gibt es nicht nur Sterne, sondern auch viele dunkle Wolken.
29:04Das ist das, was wir hier sehen.
29:06Und diese Wolken bestehen aus diesem Sternenstaub.
29:09Aber die meisten Sterne gibt es hier in dieser Beule, in der Mitte. Und die ist rund.
29:15Warum? Nun, weil dort die meisten Sterne versammelt sind.
29:19Und genau im Mittelpunkt dieser Beule existiert in jeder Galaxie ein riesiges, dickes, fettes, schwarzes Loch von Millionen von Sonnenmassen.
29:29Ein schwarzes Loch ist die kompakteste Form von Materie, die es gibt, die wir uns überhaupt vorstellen können.
29:381974 wurde im Mittelpunkt unserer Galaxie eine starke Radioquelle entdeckt.
29:44Sagittarius A-Stern.
29:46Doch der Nachweis, dass sich dort wirklich ein schwarzes Loch befindet, gelang erst in den 90er Jahren.
29:53Schwarze Löcher kann man nicht direkt beobachten.
29:57Doch sie üben deutliche Einflüsse auf ihre Umgebung aus.
30:01Und diese sehen und analysieren Astronomen und Astrophysiker.
30:05Man sieht einfach, dass Sterne im Zentrum der Milchstraße, im Sternbild Sagittarius, sich auf elliptischen Bahnen um einen Punkt bewegen.
30:16Aber da ist nichts.
30:18Normalerweise bewegt sich ja ein Planet um einen Stern.
30:21Und dann sieht man den Stern und dann sagt man, okay, der Planet wird von der Gravitation dieses Sterns auf die elliptische Bahn gezogen.
30:27Aber da ist es so, wenn Sie hingucken, Sie sehen nichts.
30:31Und das A, da ist also etwas, was Gravitation ausübt, was wir nicht sehen.
30:35Das muss sehr schwer sein, weil es ja ganze Sterne auf diese Bahnen zwingt.
30:39Und man kann sich umgekehrt jetzt von dem Umlauf eines Sterns um dieses Zentrum ausrechnen, wie schwer ist das Zentrum.
30:44Und da kommt dann raus mehrere Milliarden Sonnenmassen.
30:46Also es gibt supermassive schwarze Löcher, die wir in Galaxien bisher vermuten und wo es die Hinweise gibt, dass die dort sind.
30:55Bei der Erforschung des Universums begibt sich der Mensch auf die Suche nach dem eigenen Ursprung.
31:02War unsere Entstehung nur ein Zufall?
31:04Noch vor wenigen Jahrzehnten glaubten viele an die Einzigartigkeit unseres Sonnensystems.
31:14Doch es ist nur eines von Myriaden von Sandkörnern an einem gigantischen kosmischen Sandstrand.
31:19Mittlerweile vermutet man ein Planetensystem um jeden einzelnen Stern.
31:28Und in immer kürzer werdenden Abständen entdecken Forscher immer mehr Planeten mit ähnlichen Bedingungen wie auf unserer Erde.
31:36Das Universum scheint nur so vor Planeten zu strotzen.
31:44Und dann hat man auch Planeten gefunden, die sich im richtigen Abstand von ihrem Stern befinden.
31:48Also da ist es nicht zu kalt und nicht zu heiß. Das ist so ähnlich, so kuschelig wie bei uns.
31:52Auch davon hat man schon sehr viele Planeten nachgewiesen im Universum.
31:56Das heißt, die Bedingungen für das Leben, wie wir es kennen, scheint es an ganz vielen Plätzen zu geben.
32:00Die Grundbedingungen. Jetzt wäre der nächste Schritt, dass man bei diesem Planeten nachguckt, haben die eine Atmosphäre.
32:06Wie ist die Zusammensetzung der Atmosphäre? Ist da in der Atmosphäre Kohlendioxid, Sauerstoff, Methan?
32:12Ein solches Gasgemisch wäre normalerweise instabil.
32:14Es sei denn, es wird durch organische Prozesse, durch Lebensprozesse immer wieder nachgeliefert, so wie es auf der Erde passiert.
32:20Wenn man ein solches Gasgemisch, also in einem Planeten, in der Atmosphäre nachweisen würde, außerhalb unseres Sonnensystems,
32:26dann würde man sagen, man hat Leben entdeckt auf einem anderen Planeten.
32:30Und diese Entdeckung ist, glaube ich, gar nicht so weit entfernt.
32:34Denn die neuesten Teleskope, die ins Weltall geschickt werden, die können Atmosphären von kleinen Planeten nachweisen.
32:40Und das heißt, meine Schätzung ist, wir sind vielleicht von einer solchen Meldung 10 bis 20 Jahre entfernt, maximal.
32:48Und das ist natürlich sehr spannend.
32:50Also in dem Zeitraum wäre meine Prognose, werden wir Leben im Universum nachweisen.
32:55Außerirdisches Leben. Es wäre die größte Entdeckung aller Zeiten.
33:01Und die endgültige Antwort auf eine der ältesten Fragen der Menschheit.
33:05Sind wir alleine im Universum?
33:08Einen der Erde ähnlichen Planeten zu finden, geschaffen, um Leben hervorzubringen.
33:13Das ist es, was die Erkundung des Universums so faszinierend macht.
33:18Um sich ein genaues Bild unserer nahen kosmischen Umgebung zu machen, startet die Europäische Raumfahrtagentur Ende 2013 die Raumsonde Gaia.
33:28Der Satellit führt eine präzise Durchmusterung des gesamten Himmels durch.
33:35Mit den Daten wollen die Astronomen eine dreidimensionale Karte unseres Milchstraßensystems anfertigen.
33:41Und so die Fragen nach Entstehung und Entwicklung unserer Galaxie beantworten.
33:46Die Raumsonde wurde 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, auf einem sogenannten Lagrange-Punkt im All stationiert.
33:56Ein Ort, an dem ein Gleichgewicht in der Himmelsmechanik herrscht.
34:01Hier heben sich die Anziehungskräfte von Sonne und Erde einerseits und die Zentrifugalkraft der Satelliten um die Sonne andererseits auf.
34:09Die Sonde verbleibt so an diesem Ort, ohne dass ihre Lage ständig korrigiert werden muss.
34:17Das spart Treibstoff und macht Lagrange-Punkte zu idealen Parkplätzen im Weltraum.
34:26Gaia scannt die Positionen, Geschwindigkeiten und Helligkeiten von fast 1,7 Milliarden Sternen der Milchstraße.
34:34So entsteht ein exaktes Bild unserer galaktischen Umgebung.
34:39Gaia wird also Milliarden von Sternen genau vermessen und die katalogisieren.
34:46Das wird eine riesen Datenbasis geben.
34:47Der erste Katalog ist schon raus, aber man wird dann das Jahr für Jahr die Positionen vermessen und die Veränderungen sehen können
34:55und auch die Helligkeitsschwankungen ein bisschen sehen können und zum Teil sogar Spektren erzeugen und Signaturen finden.
35:02So dass man eine riesen Datenbasis hat, bei der man sozusagen Big Data hat und darauf statistische Methoden anwenden kann.
35:11Also wie fliegt die Sonne um die Galaxie herum? Welche Dynamik gibt es? Welche Sterne gehen wohin?
35:16Gibt es Sterne, von denen wir noch nichts wussten? Oder gibt es Sterne, die sich auf Kollisionskurs mit uns befinden?
35:21Solche Fragen kann man dann auf einmal stellen. Gaia hat auch einige sehr dunkle Körper gefunden,
35:29also die im Außenbereich unseres Planetensystems sich bewegen und deren Position genau vermessen.
35:35Und dann kann man auch da schauen, kann man die beobachten, jetzt wo man weiß, wo sie sind und wie verraten die sich.
35:41So beeindruckend die Zahl von 1,7 Milliarden katalogisierten Sternen auch ist.
35:50Die Vermessung entspricht damit nur rund einem Prozent aller Sterne unserer Milchstraße.
35:57Doch dieser kleine Ausschnitt vermittelt einen Eindruck der ungeheuren Anzahl von Sternen allein in unserer Galaxie
36:05und macht uns so die unbegreifliche Größe des Universums bewusst.
36:11Wie sieht jetzt die Zukunft unseres Universums aus?
36:17Nun, wir wissen, dass zu jeder Art der Krümmung auch eine bestimmte Zukunft gehört.
36:22Schauen wir uns nochmal diese verschiedenen Krümmungen an.
36:25Wenn das Universum wie ein Ball, man nennt es positiv gekrümmt wäre,
36:29dann kann man zeigen, dass sich dieser Ball zwar ausdehnen würde, aber auch wieder zu Null schrumpfen würde, zu einem Punkt.
36:36Sozusagen wieder zurück zum Urknall.
36:38Damit hätten wir ein endlich langes Universum.
36:41Ganz anders bei dieser Sattelform.
36:43Hier wäre es nicht nur unendlich groß, sondern würde sich immer weiter ausdehnen und damit hätten wir ein unendlich langes Universum.
36:51Und hier noch die dritte Möglichkeit, das flache Universum.
36:54Auch von dem wissen wir, es würde sich unendlich lang ausdehnen.
36:59Und jetzt kommt es.
37:00Seit dem April des Jahres 2000 wissen wir, was die Realisierung unseres Universums ist.
37:07Woher wissen wir das?
37:09Durch die sogenannte Hintergrundstrahlung.
37:12Was ist das?
37:13Nun, in den 60er Jahren hat man zum ersten Mal beobachtet, dass überall aus dem Weltraum eine Mikrowellenstrahlung auf die Erde eintrifft.
37:21Und diese Strahlung hat eine innere Struktur.
37:25Das bedeutet, dass aus unterschiedlichen Richtungen, die ich schaue, die Strahlung leicht unterschiedliche Intensitäten hat.
37:34Und wenn ich diese unterschiedlichen Intensitäten farblich darstelle, dann bekomme ich diese Struktur, die man hier sieht.
37:40Und jetzt kommt der entscheidende Punkt.
37:43Die Theoretiker konnten zeigen, dass aus den Abständen dieser Punkte man die Krümmung des Raumes ablesen kann.
37:52Und genau das haben sie im April des Jahres 2000 gemacht.
37:56Und das Ergebnis war, wir leben in einem absolut flachen Universum.
38:02Daraus folgt, dieses Universum wird sich in alle Ewigkeiten ausdehnen.
38:07Die Hintergrundstrahlung wurde 1964 rein zufällig entdeckt.
38:12Die beiden Physiker Robert Wilson und Arno Penzias wollten eigentlich Radioquellen in der Milchstrasse erforschen.
38:19Ein beständiges Rauschen störte ihre Messungen.
38:23Es stellte sich heraus, dass es sich bei dem Störgeräusch um Mikrowellenstrahlung aus dem Weltall handelte.
38:28Die beiden Physiker hatten die kosmische Hintergrundstrahlung gefunden.
38:33Ein Relikt und zugleich Fingerabdruck des frühen Universums, kurz nach dem Ohrknall.
38:38Ein weiterer Meilenstein in der Erforschung der unendlichen Weiten.
38:42Dieser Blick ins Weltall, tief ins Weltall zu schauen, zu sehen, mit welcher Geschwindigkeit, in welche Richtung bewegen sich welche Galaxien,
38:50Was ist mit den Begriffen dunkle Energie, dunkle Materie, schwarze Löcher, wie passt das alles zusammen?
38:57Das sind faszinierende Sachen, die wir noch überhaupt nicht verstanden haben.
39:02Die Wissenschaftler befinden sich auf einer Reise bis an die Grenzen des Wissens.
39:07Sie sind auf der Suche nach dem Bauplan des Ganzen.
39:11In immer kürzeren Zeitabständen gewinnen sie neue Erkenntnisse und stehen dabei doch erst am Anfang.
39:17Das Universum birgt noch viele Rätsel, die gelöst werden wollen.
39:23Wir wissen heute, dass unser Bild vom Universum alles andere als komplett zu sein scheint.
39:29Denn wir wissen, dass zum Beispiel alles um uns herum, die Materie, die wir zur Kenntnis nehmen, offenbar nur 5% des Universums ist.
39:37Ungefähr 5%.
39:38Dann gibt es noch 25%, von denen wir wissen, dass es da ist.
39:43Nämlich das ist die dunkle Materie, deren Auswirkungen wir sehen, aber von der wir wirklich nicht wissen, was sie ist.
39:51Da liegt wirklich der Ursprung im Dunkeln.
39:53Dann bleiben noch 70% und die 70% sind noch mysteriöser.
39:56Physiker haben dazu gesagt dunkle Energie, das hört sich so ganz dunkel an.
40:01Das sorgt eigentlich dafür, dass das Universum sich so ausbreitet, wie wir es sehen.
40:07Es müsste sich normalerweise entweder schneller oder langsamer ausbreiten.
40:11Um die Geschwindigkeit der Expansion des Universums hinzubekommen, müssen sie diese dunkle Energie einführen.
40:18Und das macht immerhin 70% aus von all dem, was wir im Universum vermuten.
40:23Und wenn man das also jetzt zusammenzählt, dann haben wir 5% mit unseren Theorien verstanden und 95% ist noch offen.
40:31Also für Forscherinnen und Forscher ist das ein goldenes Zeitalter.
40:34Am 14. September 2015 fangen Forscher in den USA zum ersten Mal Gravitationswellen auf.
40:43Damit öffnet sich für die Wissenschaft ein ganz neues Fenster zum Universum.
40:48Es ist der Nachweis, dass das Raumzeitgefüge nicht statisch ist, sondern sich verändern kann.
40:55Es ist halt wie immer, Einstein hat Recht.
40:59Auch bei der Gravitationswelle.
41:01Und Sie werden sich fragen, was ist denn das eigentlich?
41:04Nun, es hat etwas mit unserem Raum zu tun.
41:07Und jetzt stellen Sie sich mal vor, unser dreidimensionaler Raum wäre eine zweidimensionale Oberfläche wie diese Wasseroberfläche.
41:15Was ich mit dieser Oberfläche machen kann, ist sie anregen.
41:18Und das mache ich jetzt mal und schauen Sie genau hin.
41:20Bei der Anregung entsteht eine Welle, die weiterläuft.
41:26Und genau so müssen Sie sich das auch bei einer Gravitationswelle vorstellen.
41:31Sie ist eine Anregung eines elastischen Raumes.
41:34Einstein sagt, unser Raum ist elastisch und den kann ich sozusagen anklopfen.
41:40Und es steht diese elastische Dehnungswelle, die dann dreidimensional durch unseren Raum läuft.
41:46Und genau das soll die Gravitationswelle sein, sagte Einstein vor etwa 100 Jahren.
41:52Und vor ein paar Jahren haben wir sie wirklich messen können.
41:56Es gibt sie wirklich.
41:58Albert Einstein hatte solche Gravitationswellen vorausgesagt.
42:03Doch erst ein Jahrhundert später konnten Wissenschaftler ihre Existenz auch nachweisen.
42:081,3 Milliarden Lichtjahre haben die Gravitationswellen bis zu uns zurückgelegt.
42:17Es sind Schwingungen der Raumstruktur in der Zeit, entstanden durch eine kosmische Katastrophe.
42:24Diese Welle erzeugt Abstandsänderungen von lediglich einem Tausendstel eines Atoms.
42:30Wir wissen ja seit nun geraumer Zeit, dass die Theorie von Albert Einstein, dass beschleunigte Massen auch Gravitationswellen ausstrahlen, dass das ein Fakt ist.
42:43Das ist auf der Erde festgestellt worden durch entsprechende Projekte.
42:47Und wir haben jetzt eine Mission geplant, die heißt ELISA, bei der im Weltraum drei Sonden aufgebaut werden.
42:55Und indem diese drei Sonden dann Gravitationswellen messen, die von irgendeiner Richtung aus angeflogen kommen, können wir zurückfolgen, woher kommt es, mit welcher Geschwindigkeit, von wo und so weiter.
43:07Also ein ganz spannender, neuer Blick ins Weltall.
43:11Im September 2015 beobachten Astronomen die Kollision zweier schwarzer Löcher.
43:16Die beiden Gravitationsmonster, das eine 29, das andere 36 Sonnenmassenschwer, krachen ineinander und vereinigen sich zu einem einzigen schwarzen Loch.
43:27Die dabei freigesetzte Energie verformt kurzzeitig die Raumstruktur und läuft danach als Raumwelle durch das Universum weiter,
43:36bis sie auf der Erde mit Hilfe zweier Lasern nachgewiesen wird.
43:40Die Verformung des Raums zu Gravitationswellen ist so winzig, dass Wissenschaftler zum Nachweis hochpräzise Geräte in einer speziellen Anordnung benötigen.
43:53Eine minimale Abweichung der Laserstrahlen in der Messstrecke beweist das Auftreffen einer Gravitationswelle.
44:01Ihr direkter Nachweis ist ein wichtiger Schritt für die Wissenschaft und bringt den beteiligten Physikern einen Nobelpreis ein.
44:10Die Gravitationswellen-Astronomie verspricht einen völlig neuen Blick auf das Universum.
44:18Mit diesen Gravitationswellen können wir plötzlich, wenn wir sie auffangen, in Bereiche des Universums gucken, die wir sonst so nicht untersuchen könnten.
44:27Und wir werden auf Vorgänge hingewiesen, die wir sonst auch nicht beobachten könnten.
44:32Zum Beispiel das Verschmelzen zweier schwarzer Löcher oder zweier Neutronensterne, Vorgänge, von denen wir bisher nur auch in der Theorie uns denken können.
44:40Ja, klar, wenn es schwarze Löcher gibt, dann kann es auch zwei geben und die können dann auch irgendwie verschmelzen, klarerweise.
44:45In der Theorie kann man sich viel ausdenken, aber das passiert dann auch wirklich im Universum.
44:49Die verschmelzen offenbar. Und zwar auch häufiger, als man so gedacht hat.
44:53Und das kann man dann anhand der dann abgestrahlten Gravitationswellen plötzlich nachweisen.
44:59Konnte man früher nur darüber spekulieren.
45:01Das heißt, Gravitationswellen sind ein neues Fenster. Man kann also ganz neu ins Universum gucken.
45:06Und das wird man in den nächsten Jahren und Jahrzehnten auch tun.
45:10Im August 2017 folgt die nächste astronomische Sensation.
45:14Zwei Neutronensterne treffen aufeinander und verschmelzen.
45:20Zum ersten Mal können die Forscher gleichzeitig Gravitationswellen, Gammablitze und Lichtwellen einer solchen Kollision beobachten und auswerten.
45:31Gravitationswellen sind generell nur nachweisbar, wenn wir riesige Energiemengen haben, die sich dann in Gravitationswellen umwandeln.
45:38Und das passiert halt nur bei irgendwelchen kosmischen Katastrophen, wie Verschmelzen von Neutronensternen, Verschmelzen von schwarzen Löchern.
45:45Die Größenordnung muss es dann schon sagen.
45:48Neutronensterne sind sehr klein, haben zugleich aber eine enorme Dichte.
45:53Trotz einem Radius von nur 10 bis 20 Kilometern sind sie ungefähr zweimal so schwer wie unsere Sonne.
46:00Der Zusammenstoß der beiden Sterne ereignete sich praktisch in unserer Nachbarschaft.
46:05In der Galaxie NGC 4993. Rund 130 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt.
46:13Wie wird es denn jetzt mit unserem Universum weitergehen? Und vor allen Dingen, wie wird es enden?
46:19Nun, darüber sind sich die Kosmologen noch uneins. Sie haben da zwei wesentliche Szenarien.
46:26Beide beginnen mit folgender Situation.
46:27Diese kosmischen Zyklen, ja, die werden zunächst erst nochmal weitergehen, aber nicht beliebig lange.
46:34Vielleicht noch 20 oder 30 Zyklen und dann ist Schluss, weil es keinen Wasserstoff mehr gibt.
46:40Und wenn keine neuen Sterne mehr da sein werden und keine neuen Erden und keine neuen Zivilisationen, dann wird alles absterben.
46:48Das Universum dehnt sich aus, alles wird kühler und alles strebt dem sogenannten Kältetod entgegen.
46:57Das ist das erste Szenario. Das andere Szenario sieht so aus.
47:02Das Universum expandiert weiter, aber nicht nur langsam weiter, sondern immer schneller und immer schneller.
47:09Und weil es immer schneller expandiert, wird hinterher alles zerrissen.
47:14Nicht nur die Erden, die Planeten, alles was ist, selbst kleinste Sandkörner, selbst jedes kleinste Elementarteilchen wird zerrissen.
47:22Und diese große Zerstörung, dieses große Zerreißen, das nennt man den Big Rip.
47:29Das ist das zweite Szenario.
47:31Was immer kommen wird, Kältetod oder Big Rip.
47:35Eins kann ich Ihnen versichern, das dauert noch fast ewig lange.
47:40Sie können also heute Abend noch gut schlafen.
47:44Wähnten wir uns als Menschheit vor ein paar hundert Jahren noch im Mittelpunkt des Universums,
47:50so mussten wir schon seit längerem akzeptieren, dass wir nur ein winziger, unbedeutender Ort in den Tiefen des scheinbar unendlichen Weltalls sind.
47:59Immer weiter können wir in unser Universum blicken.
48:02Und manche seiner faszinierenden Geheimnisse sogar entschlüsseln.
48:07Wir leben in einem goldenen Zeitalter der Astronomie.
48:11Doch wie so oft stehen die Entdecker erst am Anfang.
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