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TierweltTranskript
00:05Dieser Film wird uns in die nördliche Polarzone entführen, von Moskau zur großen Ljachov-Insel,
00:11einem Eiland verloren im arktischen Eismeer der Labtevsee.
00:16Mammuts sind schon seit langer Zeit ausgestorben.
00:20Stoßzähne, Skelette und selbstgefrorene Kadaver findet man jedoch noch immer in regelmäßigen Abständen.
00:25Im gefrorenen Boden Sibiriens werden solche außergewöhnlichen Funde am häufigsten gemacht.
00:31Einige Wissenschaftler mutmaßen, dieses Gebiet beherberge die Überreste von etwa 10 Millionen Mammuts.
00:38Seit die Elefantenjagd verboten ist, hält Russland das Monopol auf Elfenbein.
00:536000 Kilometer von den Forschungsstätten im hohen Norden entfernt, treibt Nikolai in der russischen Hauptstadt Handel mit dem Mammut-Elfenbein.
01:01Er sucht nach Kunden in Asien, die Rohelfenbein kaufen wollen, lässt aber auch in Russland oder China alle erdenklichen Objekte
01:09aus diesem kostbaren Rohstoff fertigen.
01:173,80 ist er hier lang.
01:21Der wiegt 100 Kilo.
01:27250, 300 Dollar das Kilo.
01:33Dieser ragte bis hier hervor, als er rausgewaschen wurde.
01:37Er hat lange so rausgeragt und ist entsprechend verwittert.
01:49Dieser hier kommt auf 900 bis 1000 Dollar.
01:57So ein Kleiner wiegt fast 10 Kilo.
02:03Ich mache das alles offiziell.
02:05Für so eine Berechtigung muss man an die 50 Unterlagen zusammensuchen.
02:08Manche machen es auch anders.
02:10Sie schmuggeln.
02:13Es ist kein einfaches Geschäft.
02:15Unsere Arbeit trägt dazu bei, dass die Elefanten in Afrika in Frieden leben können und niemand sie mehr tötet.
02:23In seinem Moskauer Büro treffen wir Nikolai wieder, diesmal im Business-Look.
02:29Er pendelt zwischen Computer und zahlreichen Geschäftstreffen.
02:35Jetzt werden paläontologische Funde und Mammutknochen auch schon über das Internet verkauft.
02:40Legt man einen Durchschnittspreis von 50 Dollar zugrunde und multipliziert das mit 50 Tonnen,
02:45dem Minimum, das Russland liefert, kommt man auf etwa 2,5 Millionen, mindestens.
03:06Ich liebe Moskau und Hongkong.
03:09Alles passiert mit Tempo und Energie.
03:16In Russland Geschäfte zu machen ist kompliziert, aber möglich.
03:20Dafür springt auch was dabei heraus.
03:24Nikolai ist immer in Eile.
03:26Um schneller zu sein, fährt er auch gerne mal auf den Gleisen der Straßenbahn.
03:29Heute ist er mit seinem Partner verabredet.
03:32Der Paläontologe Dimitri organisiert die Expeditionen in die Arktis.
03:53Darf ich vorstellen?
03:54Dimitri Suming, einer der besten Paläontologen.
04:00Er ist Wissenschaftler.
04:02Sein Interesse ist akademischer Natur.
04:04Wir haben uns zusammengetan, eine Verbindung von Geschäfts- und Forschungsinteressen.
04:16Dieser Schädel wiegt 90 Kilo.
04:20Und jeder Stoßzahn noch einmal 90 Kilo.
04:24Dieses Skelett wurde auf den Ljachow-Inseln gefunden.
04:27Es ist so gut wie vollständig.
04:29Und das hier ist ein kompletter Knochenfund.
04:31Alles stammt von ein und demselben Tier, einschließlich der Stoßzähne.
04:37Die Mammutjäger verdienen damit zwar ihr Geld, aber ihre Tätigkeit aus kommerziellen Gründen ermöglicht zugleich eine recht umfangreiche Sammeltätigkeit im
04:49Interesse der Wissenschaften und der Museen.
04:58Das Wollhaar-Mammut ist eines der Tiere, die unsere Vorstellung von der Urgeschichte prägen.
05:04Es lebte in Sibirien und verschwand vor etwa 10.000 Jahren.
05:07Bis auf einige Exemplare, die auf einer Insel im Nordosten Sibiriens bis 3700 Jahre vor unserer Zeitrechnung überlebten.
05:17Diese Entdeckung verlängert seine Existenz um 6000 Jahre.
05:21Dieser Zeitzeuge der altsteinzeitlichen Jäger und Sammler lebte also bis in die Zeit der ägyptischen Pharaonen hinein.
05:29Wir sind in Tixi. Diese kleine Stadt liegt strategisch günstig an der Küste des arktischen Eismeers.
05:35Zu Sowjetzeiten erlebte sie ihren Höhepunkt.
05:39In den 40er Jahren hatte Tixi über 42.000 Einwohner. Heute sind es weniger als 10.000.
05:50Von diesem kleinen Marktflecken am Ende der Welt bricht Dimitri mit seinen Expeditionen auf.
05:59Mehrere Tonnen Ausrüstung hat der Militärhubschrauber geladen.
06:03Dimitri muss zu Ljahov-Insel fliegen, wo sein Team schon seit zwei Wochen arbeitet.
06:12Die Wetterbedingungen sind gut und innerhalb von zwei Stunden Flug werden sie die 250 Kilometer mehr hinter sich bringen,
06:18die sie noch von ihrem Zielort trennen.
06:28Der Hubschrauber ist bis oben hin vollgestopft mit verschiedenen Gerätschaften und Lebensmitteln.
06:33Eine Flugstunde kostet 1000 Dollar. Da wird alles so berechnet, dass möglichst wenige Flüge notwendig sind.
06:55Basisstationen, könnt ihr mich hören?
06:56Wir haben eine gute Ausbeute gemacht und planen weiter, nachdem wir den Geländewagen in Ordnung gebracht haben.
07:09Wir sind landebereit.
07:26Der Hubschrauber setzt auf dem schlammigen Boden der Ljahov-Insel auf.
07:31Die Genehmigung für eine Expedition müssen zuerst die hiesigen Behörden erteilen
07:36und auch das Ministerium für natürliche Ressourcen muss zustimmen.
07:46In diesen schnell zusammengezimmerten Baracken wohnen die Elfenbeinjäger während der beiden Sommermonate.
07:59Wenn Dimitri auch Expeditionen organisiert, um an das Elfenbein heranzukommen,
08:03so bleibt er doch immer ein begeisterter Wissenschaftler.
08:06Er weiß, diese Insel stellt einen der bedeutendsten Mammut-Friedhöfe der Welt dar.
08:13Während der Eiszeit war hier im Sommer eine trockene Steppe mit Unmengen von Gräsern,
08:18also eine einzige große Wiese und im Winter fiel sehr viel Schnee.
08:23Um an Nahrung zu gelangen, benutzte das Mammut seine gewaltigen Stoßzähne wie eine Art Schneepflug.
08:28Es senkte sie ab und schob den Schnee zur Seite.
08:33Da hinten liegen viele Tierkörper, es muss hier also jede Menge Leben gegeben haben.
08:37Hier sieht man, was passiert, wenn der Dauerfrost nachlässt, wenn der Boden taut und das Wasser abfließt.
08:52Hier, wie würden Sie das nennen? Matsch?
08:55Hier sagt man Miascha dazu.
08:57Das ist das, was übrig bleibt, wenn das Eis schmilzt.
09:00Die Tundra taut auf und setzt sich ab.
09:02Und dann kommt es oft vor, dass Stoßzähne und Knochen, die ja härter als alles andere sind, herausragen.
09:08Sie dann aus dem Eis herauszuholen, ist eine komplizierte Angelegenheit.
09:19Da wäre ich wieder draußen.
09:24Heute teilen sich die Männer in Teams auf. Jedes fährt ein Stück der vereisten Küste entlang.
09:31Wir werden später zurückkehren und zwei Männer werden am Ufer arbeiten.
09:39Wenn wir etwas aus dem Eis rausgucken sehen, zeichnen wir es auf der Karte ein.
09:44Und später fahren wir mit dem nötigen Werkzeug gemeinsam hin, um es rauszulösen.
09:48Dann werden wir sehen, wie seine Qualität ist.
09:51Und dann nehmen wir es mit.
10:22Der Tag bricht eben erst an.
10:24Fedja, der Leiter des Camps, bringt Dimitri zu einer Stelle mit einem herausragenden Fund.
10:29Vor zwei Wochen wurde ein Stoßzahn an der Küste entdeckt.
10:32Die Erosion hat ihren Teil getan und nun ist es möglich, den Zahn ganz aus seinem eisigen Grab zu befreien.
10:48Dafür hat Fedja das erforderliche Material mitgebracht.
10:57In dieser Phase der Extraktion wird ein starker Wasserstrahl mit Hilfe einer Motorpumpe auf die Stelle gerichtet, um das Eis
11:04zu schmelzen, das den Stoßzahn gefangen hält.
11:15Die Männer müssen mit ihren Gummistiefeln die Wand aus Eis und Schlamm hinaufklettern.
11:19Diese Arbeit ist heikel.
11:21In jedem Augenblick kann ein instabiler Erdüberhang über den Köpfen der Jäger einstürzen.
11:26Überdies darf bei den Arbeiten die Spitze des Stoßzahns nicht beschädigt werden.
11:43Die Spitze des Stoßzahns nicht beschädigt werden.
12:01Nachdem er mit Wasser abgespritzt worden ist, lässt der Stoßzahn seine herrliche Farbe erkennen.
12:08Den Kopf werden wir später herausholen.
12:10Mit Wasser ist dem Eis nicht beizukommen, da muss man mit Dampf ran.
12:16Es läuft mal so, mal so.
12:18Im Schnitt haben wir einen pro Tag, manchmal auch gar nichts.
12:21Die Qualität ist unterschiedlich.
12:23Eine Qualität wie die hier ist eine Seltenheit.
12:26Das ist wirklich ein guter Stoßzahn.
12:28Es läuft nicht immer gut.
12:29Das ist ein Glücksfall.
12:31Es läuft nicht immer gut.
12:31Das ist eine gute Glück.
12:34Das ist eine gute Übung.
12:37Das ist alles.
12:53Dieses Sammlerstück wiegt über 80 Kilo.
12:56Vorsichtig wird es zum Camp getragen und zusammen mit den anderen Stoßzähnen im Sand vergraben.
13:01Zum Schutz gegen Verwitterung durch Wind und Wetter.
13:30Die Jäger nutzen das Abendessen, um sich gemeinsam über ihre Funde und die Ereignisse des Tages auszutauschen.
13:45Das ist ja wohl für mich etwas mehr Bescheidenheit.
13:50Wie viele Kilometer sind wir da gegangen?
13:55Etwa vier, stimmt's? Ab dem Basislager?
13:59Ungefähr zwei Kilometer haben wir im Bach zurückgelegt.
14:01Als ich näher ans Ufer ging, da ragten so 20 bis 30 Zentimeter von einem Stoßzahn raus.
14:09Anfangs war er ungefähr so groß und er war schon ziemlich abgewetzt.
14:13Wenn man an dem längere Zeit herum arbeitet, kommt es auf der Oberfläche zu einer Art Korrosion.
14:2250 bis 60 Zentimeter waren das.
14:31In den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts machen sich Männer und Frauen auf in den hohen Norden,
14:36in die neuen Städte und Häfen, die die UdSSR ohne Rücksicht auf die Kosten errichten lässt.
14:41Der Seeweg im Nordosten soll eröffnet werden.
14:44Er ist nicht nur für Russland wichtig, sondern auch für den internationalen Handel,
14:49denn er ist der kürzeste Weg von West nach Ost.
14:59Geologen und Geografen werden auf die meisten Inseln in der russischen Arktis entsandt.
15:04Die Männer werden zu Helden der Epoche, denn ohne ihre Begeisterung für das Unbekannte,
15:08ohne ihren Mut, hätte der hohe Norden in jener Zeit nicht annähernd diese Bedeutung erlangt.
15:20Sie richten Polarkamps und die Funknavigation ein.
15:23Sie führen Bohrungen durch, installieren Leuchtfeuer und nehmen die Forschungen über die Mammuts wieder auf.
15:29Neue Exemplare werden gefunden und in die Museen des Landes gebracht.
15:42Dank der ersten russischen und sowjetischen Polarexpeditionen können Dimitri und sein Team heute hierher kommen,
15:48sechs Zeitzonen von Moskau entfernt.
16:10Im Paläontologischen Museum von St. Petersburg treffen wir Alexei Tikhonov, einen von Dimitris Kollegen.
16:16Die russische Akademie der Wissenschaften befürwortet den Handel mit Mammut-Elfenbein,
16:22da dieser die wissenschaftlichen Expeditionen finanziert.
16:31Zu den interessantesten Funden gehören fraglos diejenigen, durch die wir neue Informationen erhalten,
16:37also mehr über die Lebensweise und die Ernährungsgewohnheiten des Mammuts erfahren.
16:45Sehr aufschlussreich hinsichtlich der Ernährungsgewohnheiten sind pflanzliche Überreste im Verdauungstrakt,
16:51wie zum Beispiel diese hier aus dem Darm des Schadrinschen Mammuts.
17:02Ein wirklich vollständiger Körper eines ausgewachsenen Mammuts wurde nur einmal gefunden, und zwar 1799.
17:09Das ist das Skelett des Adams-Mammuts.
17:11Später wurden nur noch Jungtiere gefunden, darunter das Mammutbaby von Magadan.
17:15Wir reden jetzt von kompletten Körpern.
17:18In den anderen Fällen handelt es sich wohl eher um Skelette mit Anteilen von Gewebe.
17:41Die Wissenschaftler fahren sozusagen mit ihrer Liebe zur Sache in die Tundra.
17:47Für sie geht es um ihre Forschungen.
17:52Für viele der Elfenbeinsammler ist es eine Quälerei.
17:56Denn die Ausbeute an Stoßzähnen ist genau proportional zur Anzahl der zurückgelegten Kilometer.
18:01Je mehr Kilometer man am Ufer des Meeres entlangläuft, desto mehr Stoßzähne findet man.
18:06Es kann schlimm enden.
18:07In der vergangenen Saison zum Beispiel hat sich ein unerfahrener Sammler auf einer der Inseln verirrt und ist umgekommen.
18:17Für das Verschwinden des Mammuts sind zweifellos die klimatischen Veränderungen verantwortlich.
18:22Seine langen Schneidezähne waren gefährliche und wehrhafte Werkzeuge.
18:27Einzige Nahrungsquelle waren Gras- und Zweigspitzen.
18:30Und in Anpassung an das kalte Klima war sein Körper bedeckt mit einem dichten Wollpelz und Haaren, die bis zu
18:3750 Zentimeter lang werden konnten.
18:39Vor 10.000 Jahren beginnt sich die Erde zu erwärmen.
18:42Die Steppe verkümmert, die Tundra wird sumpfig, Bäume wachsen.
18:47Daran konnte sich das Mammut nicht anpassen.
18:50Die Veränderung seiner Umgebung war zweifelsohne fatal für das Wollhaar-Mammut.
18:55Sein Aussterben ist jedoch nach wie vor rätselhaft.
19:11Fedja und sein Team sitzen auf der abgelegenen Ljachov-Insel.
19:15Der oftmals orkanartige Wind rüttelt an allen Ecken und Enden.
19:19Für sie hat sich seit jenen Heldentagen nichts geändert.
19:22Ihre Ausrüstung ist veraltet und sie müssen ständig ihre verschiedenen Maschinen reparieren.
19:37Tundra ist Tundra. Der Sand und so weiter.
19:44Die Kette wird stark beansprucht. Da kann sie schon mal reißen.
19:52So plagt man sich herum. Was bleibt einem übrig? Von irgendwas muss man schließlich leben.
20:09Stopp! Es hat sich im Gummi verfangen. Gleich reißt der Gummi.
20:24Trotz miserabler Wetteraussichten bricht ein Team mit einem Geländepanzer zu einer Stelle der Tundra auf,
20:30an der vor kurzem ein Stoßzahn gesichtet wurde.
20:33Die Kabine des Fahrzeugs bietet nicht allen Männern Platz.
20:36Einige fahren auf dem Dach mit, trotz des Regens.
20:53Nach einer mehrstündigen Strecke bleibt der seltsame Konvoi stehen.
21:09Dieses Mal bedienen sich die Elfenbeinjäger einer anderen Technik, um den Stoßzahn zu bergen.
21:14Nachdem sie seine Spitze freigelegt haben, bringen sie einen kleinen Holzofen in Stellung.
21:19Um das Feuer zu entfachen, benutzen sie Benzin.
21:26Die Leute sind am Oberlauf raus aus dem Jeep und in dem Flüsschen zu Fuß mit der Strömung gegangen.
21:30Plötzlich fanden sie was.
21:33Ein Ende ragte heraus.
21:45Sie haben nun einen halben Meter Erde weggeschaufelt und setzen den Ofen ein.
21:49Er erhitzt Wasser und Dampf entsteht.
21:52Mit diesem Dampf wird der gefrorene Boden rund um den Stoßzahn nach und nach zum Schmelzen gebracht.
22:00Im Laufe dieses Tages werden sie dieselben Handgriffe ständig wiederholen und dann, wenn die Nacht hereingebrochen ist, zum Camp zurückfahren.
22:42Ich hatte von den Mammuts und dem ganzen Drumherum gehört und da wollte ich mir das einfach mal selbst ansehen,
22:49wollte etwas finden.
22:51Natürlich ist das eine Freude. Man selbst freut sich, alle freuen sich, wenn man solche Überreste findet.
22:57Das ist etwas ganz Einmaliges.
23:03Es ist etwas für Leute mit Courage. Wer keine Courage hat, hält es hier nicht aus.
23:08Das hier ist etwas ganz anderes.
23:10Hier am Ufer entlang zu gehen, das bringt nicht jeder. Die Steilhänge sind riesig.
23:14Wenn da was runterstürzt, dann war's das. Ende.
23:17Das sind Brocken von 10, 20 Tonnen.
23:22Jedenfalls hat jemand, der das nie erlebt hat, viel verpasst.
23:26Und man kann ihm nur raten, es in Zukunft mal auszuprobieren.
23:31Es ist schön, es ist großartig.
23:45Wir haben Ende August. Das Wetter ändert sich hier schnell und jeden Augenblick kann sich der Winter einstellen.
23:51Die Jäger haben jedoch ihre Quote noch nicht erreicht.
24:02Hallo Pasha. Er ist dort. Heißt das, dass du nicht kommst?
24:07Natürlich wäre es super, wenn du dabei wärst.
24:12In Moskau verkauft Nikolai Rohelfenbein. Seine wahre Passion gehört jedoch den Schachspielen.
24:22In Russland haben Elfenbeinschnitzereien eine lange Tradition.
24:26Mehrere Künstler arbeiten für Nikolai.
24:29In ihrem Atelier fertigen sie einzigartige Stücke, die später in China zu geringeren Kosten und in größerer Auflage produziert werden.
25:00Am Schluss arbeitet man mit einem feineren Werkzeug.
25:03Hier benutzen wir noch den Bohrer.
25:05Das ist so üblich.
25:10Das feinere Werkzeug braucht man, um Einzelheiten herauszuarbeiten, die man mit dem Bohrer nicht hinbekommt.
25:27Aus diesem Stück hier, um ein komplettes Schachspiel herzustellen, braucht man so ein Stück.
25:37Das hier wiegt etwa 17 Kilogramm.
25:45Ich habe vergessen, dir zu sagen, Timotschuk am Apparat.
25:49Wir drehen doch gerade einen Film über Schachspiele, über Mammutknochen.
25:55Nikolai hat mich gebeten, es zu machen, aber der Rest ist schon meine eigene Arbeit.
26:01Ich stelle mir vor, wie es mal aussehen wird.
26:06Wir sind gute Schachspieler, wir lieben dieses Spiel und wir haben das beste Design.
26:10Denn das Schachspiel ist Teil der russischen Kultur.
26:14Es spielt in Russland eine wichtige Rolle.
26:17Alle Weltmeister der letzten 100 Jahre waren Russen.
26:23Wir haben Schachspiele gemacht, die von der Odysseo oder der Elias inspiriert sind, vom Bachanal, die aus all den Anregungen
26:30der antiken Kultur schöpfen.
26:34Das hier wird etwa 10.000 bis 15.000 Dollar kosten.
26:37Kommt auf den Kunden an.
26:39Geschäft ist Geschäft.
26:44Nikolai bereitet sich auf einen wichtigen Abend vor.
26:47Er soll mit dem Großmeister des Schachs, Anatoly Karpov, zu Abend essen und ihm seine neue Produktion zeigen.
26:53Diesem Projekt soll Karpov weltweit ein Image verleihen.
27:03Ja gut, Kostja, verstehst du, das ist doch eine ganz andere Kultur. Das ist eben China und überhaupt.
27:11Und das ist die Odyssee.
27:14Wow, einfach wunderschön.
27:18Nicht viele Menschen haben Gelegenheit, Objekte aus einem Material in der Hand zu halten, das Hunderttausende von Jahren alt ist.
27:29Das ist echter Mammutknochen, ganz echt.
27:36Was das Mammut und die Mammutknochen betrifft, das alles ist sozusagen Eigentum der gesamten Menschheit und niemand nimmt dabei Schaden.
27:44Dafür sind die Freude und das Vergnügen daran ungeheuer. Genau das ist unser Metier.
27:50Die ersten kostbaren Schachfiguren wurden wohl aus Elefanten-Elfenball hergestellt.
27:56Das hier aber sind ganz einmalige Exemplare.
28:07Zur gleichen Zeit ist in St. Petersburg eine Künstlerin am Werk, die für Nikolai arbeitet.
28:14Valeria Mukjeva ist in Russland sehr bekannt. Schon ihre Vorfahren waren seit dem 17. Jahrhundert Bildhauer.
28:21Valeria schafft Einzelstücke, deren Preise nicht jedermann bezahlen kann.
28:29Es ist wirklich ein ganz einmaliges Material. Es ist wunderschön. Und wie soll ich mich ausdrücken?
28:37Es ist weich, es ist zärtlich und gleichzeitig kapriziös. Und was das Wichtigste ist, es strahlt Wärme aus und Leben.
28:57Unsere Museen haben nicht allzu viel Geld. Deswegen lasse ich beim Preis etwas nach, damit sie es sich leisten können.
29:04Wenn Sammler aus dem Westen zu mir kommen, die schon verschiedene Arbeiten von mir erstanden haben, nenne ich ihnen natürlich
29:10den vollen Preis.
29:12Die Preise liegen zwischen 7.000 und 16.000, 17.000 Dollar pro Objekt.
29:29In der Kirche der Peter-und-Paul-Festung hat Valeria zusammen mit ihren Mitarbeitern ein apostolisches Kreuz aus der Zeit
29:36Peters des Großen rekonstruiert.
29:38Das Kreuz war unter mysteriösen Umständen verschwunden, doch mit Hilfe des Mammutelfenbeins hat Valeria es wieder zum Leben erweckt.
29:58Nikolai reist nach Hongkong, der Drehscheibe seines Geschäfts.
30:02Mit fertigen Produkten verdient er nicht mehr so viel Geld wie mit dem Verkauf von Ro-Elfenbein.
30:08Er soll nun seine wichtigsten Kunden treffen, Herrn Deng und dessen Bruder.
30:12Die beiden brauchen 10 Tonnen Elfenbein pro Jahr.
30:15Dieses weiße Gold ist überaus gefragt. Gemahlen, sagt man ihm in Asien, sogar eine aphrodisierende Wirkung nach.
30:21Doch, mehrere hundert Jahre schon herrscht in den Ländern Asiens eine starke Nachfrage nach Elfenbein.
30:32Zwei Monate lang ist kein Flugzeug in den Norden Sibiriens gelangt, deshalb konnte ich ihnen nichts liefern.
30:40Aber andere kriegen ja Material.
30:45Wir brauchen mehr Elfenbein.
30:47Ja, ich weiß.
30:50Wir haben einfach zu wenig Material, zum Beispiel für ihn da.
30:57Vor allem für unsere Schnitzkünstler in China.
31:00Wir sind in einer schwierigen Lage.
31:02Ich weiß, für nächsten Monat sichere ich ihnen eine Warenlieferung zu.
31:07Bisher haben wir rund 300 bis 400.
31:11Wir sind immer noch am Sammeln.
31:13Das reicht nicht.
31:15Ich weiß.
31:22Diesen geschnitzten Stoßzahn haben wir schon an einen französischen Kunden in Paris verkauft.
31:28Er kostet
31:3110.000 Dollar.
31:43Wir sind in einem der beiden Ateliers von Herrn Deng.
31:46Hier arbeiten die Angestellten wie am Fließband, für einen weitaus niedrigeren Lohn als in Russland.
31:52Die Chinesen sind seit langer Zeit auf Elfenbeinschnitzerei spezialisiert.
31:56Sie gehört zur altüberlieferten Tradition.
31:59Herr Deng vertreibt seine Erzeugnisse an chinesische Kunden, wie auch an solche aus Amerika oder Europa.
32:22Nikolai ist unser Hauptlieferant aus Russland.
32:26Wenn auch nicht der einzige.
32:35Zurück im Laden verhandeln Nikolai und Herr Deng.
32:38Heftig diskutieren sie über Preise und Qualität des Mammut-Elfenbeins und über die Lieferfristen.
33:00Dieser großartige Stoßzahn wiegt 100 bis 120 Kilo.
33:07Einen Stoßzahn dieser Größe und Qualität findet man selten.
33:13Unsere Künstler werden acht Monate brauchen, um ihn mit geschnitzten Figuren und chinesischen Ornamenten zu versehen.
33:44Nikolai hat sich mit seinen Kunden geeinigt. Eine Fracht Elfenbein soll sie in drei Tagen erreichen.
33:50Wie gewöhnlich ist er in Eile und bricht nach Honolulu auf, zu weiteren Geschäftstreffen.
33:59Der chinesische Markt und Hongkong liegen in weiter Entfernung vom Arbeitsalltag der Elfenbeinjäger.
34:05Heute besteigen sie ihren frisch reparierten Geländepanzer wieder und fahren zu einer Stelle, an der zwei Männer Spuren gefunden haben,
34:12die auf einen ganz besonderen Fund hoffen lassen.
34:15Für diese Männer ist der Fund eines Mammuts nicht etwa alltäglich geworden.
34:19Jedes Mal ist dies ein fantastisches Ereignis, das unter Umständen Auskunft geben kann über die Lebensbedingungen und die Beschaffenheit der
34:26Natur in der prähistorischen Zeit.
34:29An diesem Tag werden die Jäger für ihre Anstrengungen belohnt.
34:36Das ist Mammutfleisch.
34:42Vom Hüftknochen.
34:45Das ist die Stelle, genau. Hier ist was rausgezogen und auch was zerbrochen worden, um zu sehen, was da noch
34:50ist.
34:56Vielleicht ist sogar ein Schädel dabei.
35:21Wir können noch nichts Genaues sagen. Wir haben nur Einzelteile.
35:46Das ist Mammuthaar.
35:52Gleich habe ich's. Mammuthaare sind teuer. Ein einziges Härchen kostet mehrere Dutzend Dollar.
35:58Wer braucht denn sowas?
36:13Das muss gereinigt und beiseite gelegt werden. Lasst uns da mal noch tiefer graben.
36:18Da, da, eine Schicht Fleisch, hierher.
36:26Mit dem Spaten?
36:27Ja, ich mach's gleich.
36:33Nach und nach werden die Jäger Teile eines Mammut-Skeletts aus dem Eis ziehen.
36:38Sie rekonstruieren ein Bein des Dickhäuters.
36:50Nach einem Arbeitstag an verschiedenen Orten der Insel sind die Jäger ins Camp zurückgekehrt und laden ihre Ausbeute ab.
36:58Die Saison war gut für sie. Jetzt ist es an der Zeit, alle Knochen zu kennzeichnen und die Stoßzähne zu
37:04verpacken.
37:21Was kein Sammlerstück ist, wird zerschnitten. So lassen sie sich leichter transportieren und auch ihre Qualität wird erkennbar.
37:45Das ist ihr Leben. Sie wollen das so. Sie könnten ja auch Handel treiben, könnten kriminell werden.
37:51Aber so ein Leben wollen sie nicht. Ihnen gefällt das hier.
37:57Sie können sagen, was sollen wir mit den Knochen? Die Arbeit bezahlt uns kein Mensch.
38:02Man sieht es an der Bewegung, mit der ein Mensch etwas in die Hand nimmt. Ob er es mit Liebe
38:06tut.
38:22Ich kann wohl sagen, dass ich manches Jahr im Norden gelebt habe.
38:27Man kann unter allen möglichen Bedingungen überleben.
38:32Wer aus dem Norden kommt, kann überall überleben.
38:37Ich sehne mich nicht einmal aufs Festland. Ich habe mich hier vollkommen eingelebt.
38:43Wie man so sagt, ich bin an diesem Ort schon vollkommen festgefroren.
39:12Wenn das Wetter morgen gut ist, wird ein Hubschrauber Dimitri und einen Teil der Ausbeuter
39:17abholen. Anlass zu einer reichlich begossenen Mahlzeit, bevor die Männer auseinander gehen.
39:33Wir haben noch zu tun. Es ist noch jemand aus Moskau gekommen. Der fliegt mit dir zusammen.
39:40Alles klar. Könntet ihr uns vielleicht hier abholen?
39:43Dem Regen und einem heftigen Wind zum Trotz landen die Hubschrauber auf der Insel.
39:48Für Dimitri und einen Teil seines Teams ist dies die Stunde des Abschieds.
39:52Und wenn die Hubschrauber auf der Insel ist, dann geht es um die Hubschrauber.
40:03Und er geht nicht um die Hubschrauber.
40:04Dann geht es um die Hubschrauber.
40:04Ich habe mich nicht mehr gehofft.
40:05Aber ich habe mich nicht mehr gehofft.
40:06Ich habe mich nicht mehr gehofft.
40:07Was ich nicht?
40:24Die Ladung ist schnell verstaut, jetzt geht es zum Festland, nach Tixi.
41:05Untertitelung des ZDF, 2020
41:09Dimitri sitzt in einem Charterflugzeug. Die eine Hälfte gehört den Passagieren, die andere der Fracht.
41:15Linienflüge gibt es nicht mehr.
41:18Dieser klapprige Flieger hat noch viele Flugstunden vor sich. In zwei Tagen wird er die russische Hauptstadt erreichen.
41:25Mit dieser Flugzeugladung wird Nikolai endlich seine chinesischen Kunden beliefern können.
41:38Tixi entschlummert sanft in der Kälte. Bald bricht die Polarnacht herein. Sie wird mehrere Monate andauern.
41:57Der Handel mit Elefanten-Elfenbeinen ist seit 1989 verboten.
42:02Das Mammut kam seinem entfernten Cousin in Afrika zu Hilfe.
42:06Wo einst dieses große, beharrte und gutmütige Tier lebte, in der sibirischen Tundra, streifen heute die Elfenbeinjäger umher.
42:14Immer auf der Suche nach einem Schatz. Verborgen im Kerker des ewigen Eises.
42:48Untertitelung des ZDF für funk, 2017
42:49Untertitelung des ZDF für funk, 2017