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Transkript
00:00Es löst ein Gefühl der Angst aus.
00:02Es ist auch von Holocaust-Überlebenden, die das mitgekriegt haben, die Heulkrämpfe bekommen haben.
00:06Also es hat eine Auswirkung, gerade weil das von einer offentlichen Polizeidienststelle kommt.
00:11Einfach weil wir wissen, wie es unseren Vorfahrenen damals ergangen ist.
00:15Es hat mit ähnlichen Statements der Exekutive begonnen.
00:18Dass hier in Parndorf gerade eine Gruppe Rom am Dieren Wohnwegen steht,
00:21nahm die Polizei Neusiedl zum Anlass, um in einer rassistischen Aussendung vor Romnia und Sintize zu warnen.
00:27Die Polizei schrieb, Angehörige des fahrenden Volkes seien im Bezirk,
00:30man solle keine Geschäfte mit ihnen abschließen und seine Haustüre verschlossen lassen.
00:34Die Kronenzeitung übernahm diese Aussendung fast wortwörtlich
00:36und verschaffte ihr so hunderttausendfache Reichweite in sozialen Medien.
00:40In Neusiedl am See hat eine Gruppe von Roma und Sinti wieder ihr Lager aufgeschlagen.
00:45Diesmal bei Parndorf nahe dem Outlet-Center.
00:48Die Polizei warnt jetzt die Bevölkerung ganz klar.
00:52Keine Arbeiten wie Dach- und Reinigungsarbeiten annehmen.
00:55Und keine fremden Personen ins Haus lassen.
00:59Ein Wahnsinn.
01:00Also wir haben teilweise Unternehmer, die sich bei uns gemeldet haben,
01:02wo sich Klienten direkt auch an dieses Video berufen haben und gesagt haben,
01:05ihr müsst gar nicht mehr vorbeikommen.
01:06Die bekommen Aufträge abgesagt.
01:08In dem Reel und in der Polizeiaussendung wurden ganz viele antiziganistische Stereotypen und Vorurteile wieder aufgerollt.
01:16Ich kann es gar nicht in Worte fassen, was das in mir auslöst.
01:18Und auch angstechnisch, weil man sich dann halt denken könnte, was, wenn ich jetzt wirklich erkannt werde als eine Person
01:25der Community?
01:26Bin ich in Gefahr? Bin ich nicht in Gefahr?
01:28Dass im Grunde dazu aufgerufen wird mit dem sogenannten fahrenden Volk, was ja schon eine sehr schwierige Bezeichnung ist,
01:34aber natürlich durch die Blume Sinti und Roma gemeint sind, keine Gerechtsgeschäfte, keine Waren mehr,
01:39nichts dergleichen mehr abzuschließen, das kannten wir nur aus den 1930er Jahren.
01:42Ich meine, in der NS-Zeit hat es begonnen mit Boykotten.
01:45Das kann schneller kommen, wie man sich vorstellen kann, wenn man nicht jetzt schon dagegen aufschreit,
01:49eintritt und sagt, es ist eine Grenze jetzt wieder einmal erreicht.
01:51Von den BewohnerInnen der Wohnwagensiedlung wollte leider keiner vor der Kamera sprechen.
01:55Ein Mann sagte uns, man glaube ihnen ja ohnehin nicht, dass sie keine Diebe und keine Verbrecher seien.
01:59Eine Frau erzählte uns, sie seien von der Polizeiaussendung überrascht worden.
02:02Es hätte keine Konflikte mit AnwohnerInnen gegeben.
02:05Jedes Jahr reisen 200 bis 300 Gruppen durch ganz Österreich und davon machen vielleicht vier bis fünf Probleme.
02:11Und dann kann man vor einzelnen Personen oder UID-Nummern warnen,
02:15aber nicht pauschal vor einer Gruppe an Menschen, die einfach in ihrem Wohnwagen stehen.
02:21Man weiß gar nicht mehr wirklich, was Sinti und Roma sind.
02:23Man gibt alles in einen Topf, darüber steht das Wort ganz groß Zigeuner.
02:26Ich habe mich einfach sehr so gefühlt, als würde vieles, was ich in meinem aktivistischen Leben tue, gar nichts bringt,
02:34weil es gibt immer noch so viele Menschen und es ist so normalisiert, dass man uns diskriminiert.
02:40Wir reden hier nicht von einzelnen Leuten, die in den Kommentaren großartig durchdrehen,
02:43sondern wir reden davon, dass die breite Mehrheitsgesellschaft diese Vorurteile einfach seit Jahrzehnten mit sich trägt.
02:48Die Zuschreibung als fahrendes Volk gilt als stigmatisierendes Klischee.
02:52Seit Jahrhunderten werden Romnia und Sinti Zer systematisch in Europa ausgegrenzt, verfolgt und vertrieben.
02:57Deshalb waren sie oft zur Weiterreise gezwungen.
02:59Viele arbeiten bis heute als fahrende HändlerInnen und HandwerkerInnen.
03:02Also meine Familie wurde in KZs abgeschleppt, einen Großteil ermordet.
03:08Zum Glück sind ein paar wieder nach Wien zurückgekommen.
03:11Die konnten sich dann eben auch durch hausieren und Marktfahren und solche Berufe irgendwie ein Leben wieder aufbauen.
03:20Als Sinti oder Roma ist es ein Ding der Möglichkeit, eine Wohnung zu finden.
03:24Also allein schon auf dem Arbeitsmarkt, auf dem Wohnungsmarkt.
03:26Was auch immer noch dazu führt, dass sich ganz viele Leute nicht trauen, sich als Roma und Sinti zu outen.
03:35Was wiederum alles schwieriger macht, weil wir weniger Repräsentation an Schulen, Unis, in den Medien, in der Politik etc. haben.
03:43Wenn eine öffentliche Politeistinstelle sowas machen, so einen Schaden setzt.
03:47Ich will mir gar nicht vorstellen, wie viel Geld das braucht an Antidiskriminierungsarbeit, dass man diese ins Kopf gesetzte Diskriminierung
03:54ansatzweise wieder ausarbeiten kann.
03:57Ich glaube, Konsequenzen für die zuständigen Personen, die diese Warnungen ausgesendet haben, sollten auf jeden Fall passieren.
04:04Aus unserer Sicht ist es unmöglich, dass da eine Unschuldigung reichen kann.
04:08Also uns wird es nie reichen.
04:09Der Schaden ist angerichtet.
04:10Was für mich persönlich viel wichtiger ist, ist ein aufklärendes Statement.
04:15Weil wenn man das einfach so stehen lässt, dann haben das Leute gesehen, internalisieren das.
04:20Da muss Aufklärungsarbeit passieren, auf ganz vielen Ebenen.
04:24Bitte auch wirklich was dagegen vorzutun.
04:26Da zählen nicht nur schlaflose Nächte dazu, sondern man hat wirklich Angst, wie die Zukunft ausschaut.
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