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Europa wird von einer Hitzewelle nach der nächsten geplagt. Inzwischen sind die Böden und Wälder so ausgetrocknet, dass es nicht nur zu Dürren kommt, sondern auch die Waldbrandgefahr immer weiter steigt. Wie gefährlich die derzeitige Lage ist und was da noch auf uns zukommen könnte, erklärt der Meteorologe Manuel Kelemen von der PULS4/ATV Gruppe.
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NewsTranskript
00:00Temperaturen weit über 30 Grad, Dürren, unkontrollierbare Waldbrände und Feuerstürme,
00:05die man eigentlich so nur aus Amerika kennt.
00:08Hinzu kommen Todesopfer durch die Extrembelastung auf den Körper.
00:12Derzeit jagt eine Hitzewelle die nächste und es ist kein Ende in Sicht.
00:16Was kommt da noch auf uns zu?
00:18Werden unsere Sommer jetzt künftig immer so werden?
00:20Und wie können wir uns schützen?
00:22Darüber sprechen wir heute.
00:24Ich bin Daniel Retschitz-Egger, das ist Thema des Tages, der Nachrichten-Podcast, der Standard.
00:33Und vorab auch noch ein riesengroßes Dankeschön an euch alle, die uns zuhören und auch auf YouTube zuschauen.
00:38Wir können kaum glauben, wie sehr unsere Community wächst.
00:41Und wenn ihr unsere Arbeit unterstützen wollt, dann geht das am besten mit einem Standard-Abo.
00:45Wir haben da auch ein exklusives Angebot für euch.
00:47Die ersten drei Monate gibt es jetzt für nur je drei Euro.
00:50Damit finanziert ihr nicht nur diesen Podcast hier, sondern erhaltet auch die weitere Arbeit des Standards.
00:56Die ersten drei Monate um drei Euro.
00:58Link in den Shownotes. Und jetzt geht's los.
01:00Und der Meteorologe Manuel Keleman heute hier im Standard-Podcast.
01:04Ich grüße dich, Manuel.
01:06Servus, Daniel. Schön, dass es vier Hitzewellen braucht, dass wir uns wiedersehen.
01:11Ja, vielleicht kurz ein Disklaimer für die Zuhörerinnen und Zuhörer.
01:14Wir haben wie lange? Sechs, sieben Jahre gemeinsam gearbeitet.
01:17Deswegen tut's man uns auch.
01:18Und danach hat man eigentlich relativ wenig zu tun.
01:20Aber ich glaube, der Klimawandel macht es jetzt einfach nötig, dass wir miteinander sprechen.
01:25Umso besser, dass du da bist.
01:27Vielleicht zu Beginn ein Überblick von deiner Seite.
01:31Wir befinden uns in der nächsten Hitzewelle, gefühlt irgendwie die 25. in diesem Sommer.
01:35Wie gestaltet sich die dieses Mal?
01:37Wie können wir uns das erklären?
01:41Ja, es ist nicht die 25., es ist Hitzewelle Nummer 4.
01:45Das reicht eigentlich auch schon.
01:48Und wieder, muss man sagen, leider wieder mit Rekordtemperaturen.
01:52Die heißesten Juli-Tage der Messgeschichte liegen da hinter uns.
01:56Es gab da wirklich wieder eine Flut an Hitzerekorden.
02:00Sowohl tagsüber als auch in den Nächten.
02:03Vor allem, nicht nur, aber vor allem im östlichen Flachland.
02:07Und wie gesagt, es ist Hitzewelle Nummer 4.
02:10Die erste hatten wir schon im Mai.
02:12Das haben viele bereits vergessen.
02:14Aber auch die war bereits herausragend.
02:16In manchen Regionen war es im Frühling überhaupt noch nie so lang so heiß wie heuer im Mai,
02:23österreichweit, neun Tage.
02:25Die zweite hat man im Juni.
02:26Die war schlicht historisch.
02:28Da brauchen wir nicht lange herumdiskutieren, was da abgegangen ist.
02:32Wäre vor kurzem de facto unmöglich gewesen.
02:35Denn in den meisten Regionen hat sie so um die zwei Wochen gedauert.
02:40Dann hatten wir eine im Juli.
02:42Die war weniger extrem.
02:45Weder im Punkto Extremwerte noch im Punkto Dauer.
02:49Also Dauer rund eine Woche.
02:50Und jetzt, wie gesagt, sind wir in der vierten.
02:54Und es stellt jetzt wieder so ziemlich alles auf den Kopf.
02:57Die Klimabücher werden wärmwürzt.
02:59Da sprechen wir auch schon wieder neu geschrieben.
03:02Dauer dieser Hitzewelle ungewiss.
03:04Minimum jetzt bis zum kommenden Wochenende.
03:08Aber die jetzige Hitzewelle, wenn man es vergleichen möchte mit der zum Juni.
03:13Sie unterscheiden sich nämlich in einem wesentlichen Punkt.
03:17Im Juni hatten wir eine sogenannte Omega-Wetterlage.
03:20In manchen Medien, Sie werden es sicher mitbekommen haben, ist auch der Begriff Heat-Dome des Öfteren gefallen.
03:27Also Hitze-Glocke, Heat-Dome, der Begriff kommt aus einem amerikanischen Raum.
03:32Der war eigentlich bis vor kurzem hierzulande außerhalb des Meteorologenkreises praktisch unbekannt.
03:38Also wir haben in der Vergangenheit immer von Omega-Wetterlage gesprochen.
03:44Und so eine Omega-Wetterlage zeichnet sich halt durch ein stationäres Hochdruckgebiet aus.
03:48Und was passiert in einem Hoch?
03:50Die Luft wird großräumig zum Absinken gezwungen, komprimiert dabei.
03:54Und durch diese Kompression erwärmt sich die Luft.
03:57Das kann man sich vorstellen wie mit einer Fahrradpumpe.
04:00Wenn man vorhin zuhält und pumpt, dann wird man merken, die Pumpe selbst wird warm.
04:04Das ist der gleiche Effekt.
04:08Und wenn man so will, war die Juni-Hitze hausgemacht, de facto.
04:13Und jetzt haben wir aber ein etwas anderes Setting.
04:16Jetzt kommt subtropisch heiße Luft aus Nordafrika über Spanien zu uns in den Alpenraum.
04:22Wir Meteorologen sprechen da von einer Heißluft-Advektion.
04:26Die Auswirkung aber ist am Ende die gleiche.
04:29Es ist heiß mit einem wesentlichen Unterschied.
04:31Die Luft jetzt ist deutlich gewitteranfälliger, als sie Juni war.
04:37Manuel, du hast einen Punkt schon angesprochen.
04:40Reden wir über den auch ganz kurz, dass wieder das östliche Flachland Österreichs betroffen ist.
04:44Warum eigentlich erneut?
04:46Oder drückt da der Eindruck, denn die Niederösterreicher, die Wiener und die Burgenländer
04:49hätten sicher nichts dagegen, wenn das mal zumindest halbwegs viel aufgeteilt wird
04:53und nicht immer sie drankommen?
04:56Es gibt schon auch Wetterlagen, wo andere Regionen in Österreich betroffen sind.
05:01Denken wir an Südföhn-Wetterlagen.
05:03Da sind dann klassische Föhntäler betroffen.
05:06Inntal zum Beispiel, Raum Innsbruck.
05:08Aber das stimmt.
05:09Während der großen Hitzewellen hat häufig der Osten das Nachsehen, das östliche Flachland.
05:14Das liegt im Wesentlichen an drei Gründe.
05:18Erstens, der Osten Österreichs hat panonisches Klima, ist also im kontinentalen Einfluss.
05:26Kontinentaler Einfluss bedeutet sonnig heiße Sommer, mäßig kalte Winter.
05:31Der Westen Österreichs ist eher auf der atlantischen Seite.
05:35Und das bedeutet halt auch, dass es Änderungen im Niederschlagsmuster, in der Niederschlagsverteilung gibt.
05:42Der Osten bekommt ja prinzipiell weniger Niederschlag als der Westen.
05:48Das betrifft jetzt nicht nur den Osten Österreichs, auch die ungarische Tiefebene zum Beispiel.
05:52Eben, weil der kontinentaler Einfluss trockener ist.
05:55Und gleichzeitig die Gewitterwahrscheinlichkeit im Flachland auch geringer ist als im Bergland.
06:01Wenn wir uns vorstellen, in einem Alpental hat es nachmittags 34 Grad und dann zieht ein Gewitter durch.
06:09Dann sackt natürlich die Temperatur lokal ab und man geht bei 22 Grad am Abend aus der Haus.
06:15Das passiert halt im östlichen Flachland seltener, dass wir die Chance auf Hizegewicht haben.
06:21Und der dritte Punkt, der ist natürlich die Seehöhe.
06:24Der Osten Österreichs ist von der Seehöhe niedriger als der Westen.
06:28Also die östlichen Bezirke Wiens, das Weinviertel, Machfeld, Nordburgenland, die sind ja teils unter 200 Meter.
06:34Wenn man sich anschaut, Innsbruck liegt auf knapp 600.
06:37Also die brauchen Höhenmeter, 100 Meter machen da schon einen Unterschied aus.
06:42Natürlich, klar, sobald man in die Berge fährt, wird es auch etwas kühler und angenehmer.
06:47Vielleicht auch noch ein Begriff oder einen Punkt, den wir erklären müssen, der sicher auch in den Kommentaren sonst aufkommen
06:53wird.
06:54Und ich stelle jetzt einfach mal diese Frage, ist das denn noch normal?
06:58Oh nein.
06:59Okay, gut, ich formuliere meine Frage trotzdem fertig, nur der Vollständigkeit halber.
07:04Fällt es noch unter die Kategorie, naja, im Sommer ist es halt heiß?
07:11Sagen wir es so, es ist jetzt nicht sonderlich überraschend, so ehrlich muss auch ich sein, dass es Ende Juli,
07:18Anfang August heiß wird.
07:19Wir stecken nun mal in der thematologisch heißesten Zeit des Jahres, Stichwort Hundstage.
07:24Viele Hitzerekorde in der Vergangenheit stammen von Ende Juli, Anfang August.
07:30Ich darf da zum Beispiel das Jahr 1983 erwähnen.
07:34Die Älteren unter uns können sich vielleicht erinnern, Ende Juli knapp 40 Grad zum ersten Mal in Österreich, damals in
07:41Kärnten, in Bernd am Trautal, 39,7 Grad.
07:44Das war jetzt lange Zeit eigentlich der österreichische Hitzerekord, 1983.
07:50Das haben wir erst dann 2013, am 8. August, übertroffen.
07:55Damals waren es 40,5 Grad in Bad Deutscher Altenburg-Kanuntum, 40,3 Grad in Neussiedl am See, wie auch
08:0340 Grad in Güssing.
08:06Dazwischen aber gab es auch extreme Hitzewellen, Ende Juli, Anfang August, zum Beispiel das Jahr 1994.
08:14Das ist vielerorts, hat es da die bis heute längste Hitzewelle überhaupt gegeben.
08:19Das hat in vielen Regionen drei Wochen gedauert, aber es gibt dann zum Beispiel auch das Jahr 2015 war extrem
08:26Anfang August oder das Jahr 2003.
08:29Also insofern ist diese Hitzewelle jetzt für sich gesehen zwar ein Extremereignis, keine Frage, aber das kommt vor.
08:37Das Problem ist nur, ich habe es am Anfang erwähnt, wir haben eine Vorgeschichte.
08:42Das ist ja nicht die erste Hitzewelle und gerade jene im Juni war schlicht eine Zäsur in der Klimageschichte Österreichs.
08:52Das, was wir da im Juni erlebt haben, hat es in unserem Land niemals zuvor gegeben.
08:58Und Österreich hat bekanntlich einer der längsten Messreihe in der Welt.
09:01Wenn ich da ganz kurz nur mal zusammenfassen darf.
09:05Go, Freud.
09:06Erstmals haben wir 40 Grad im Frühsommer, bitteschön, gemessen und zwar zwei Tage hintereinander.
09:12Diese zwei Tage hat es nicht einmal im Hochsommer gegeben in Folge.
09:16In acht Bundesländern haben wir einen Juni-Hitzerekord.
09:19An 66 Stationen, bitteschön, einen Allzeithitzerekord.
09:23Im Juni.
09:25157 Stationen haben einen Juni-Hitzerekord.
09:28Viele Stationen haben die wärmste Nacht überhaupt erlebt.
09:31Auch Österreich war etwas die wärmste Nacht, wie zum Beispiel in Wien, über 27 Grad auf der Jubiläumswarte.
09:40Und zusammengefasst war es in vielen Orten, vielen Städten die schwerste je aufgetretene Hitzewelle.
09:47Unter anderem in Wien, in Linz, in Innsbruck, in Bregenz.
09:51Ich könnte diese Liste jetzt fortführen.
09:53Aber das, was im Juni, ich habe mir die Mühe gemacht in der Vorbereitung, ich habe mir mal die Mühe
10:01gemacht und habe mir die Wahrscheinlichkeit ausgerechnet,
10:04die Wahrscheinlichkeit, dass wir in Wien auf der Warte im Juni die 40-Grad-Marke knacken.
10:10So ehrlich muss ich jetzt sein.
10:12Wir haben auf der Unwarte in Wien nicht die 40 Grad geknackt, sondern wir waren bei 39,7.
10:16Aber diese 0,3 Grad geschenkt, die machen statistisch gesehen jetzt nicht zu dem großen Unterschied.
10:22Und die Wahrscheinlichkeit, dass das im Juni passiert, liegt bei 1 zu 4.000 oder anders ausgedrückt 0,025%.
10:31Das ist nichts. Das ist verschwindet gering.
10:33Und jetzt ist es aber passiert.
10:36Und jetzt könnte man hergehen und sagen, na gut, das ist Zufall, weil die Wahrscheinlichkeit lag ja nicht bei 0%.
10:42Das wäre jetzt quasi die etwas wissenschaftlichere Interpretation der Aussage.
10:49Also Zufall.
10:50Oder aber es hat sich fast im System Erde geändert.
10:56Die statistische Rechnung basiert ja auf Klimabedingungen der Vergangenheit.
11:00Wenn sich jetzt das Klimasystem an sich ändert, dann ändern sich eben auch diese Wahrscheinlichkeiten.
11:06Und genau hier kommt jetzt der Klimawandel ins Spiel.
11:08Er bedeutet keineswegs, dass jedes extreme Ereignis automatisch durch den Klimawandel verursacht wurde.
11:17Aber er verschiebt die Temperaturverteilung und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit für zum Beispiel sehr hohe Temperaturen.
11:27Kurzum, etwas, das bisher unwahrscheinlich war, wird in Zukunft wahrscheinlicher.
11:33Wenn wir da jetzt beim Beispiel Wien bleiben.
11:35Bisher lag die Wahrscheinlichkeit, wie schon erwähnt, bei 40 Grad auf der hohen Warte im Juni, bei 1 zu 4
11:42.000.
11:42Und aufgrund des Ereignisses jetzt, aufgrund der Juni-Hitzewelle, steigt diese Wahrscheinlichkeit auf 1 zu 167.
11:51Die Wahrscheinlichkeit hat sich also mitteuer für über 25-fach.
11:57Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
12:00Manuel, wir sprechen hier also von Wahrscheinlichkeiten.
12:03Ganz banal gesagt, wenn ich mir einen Lottoschein kaufe, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering.
12:07Wenn ich mir 5.000 kaufe, ist sie wahrscheinlich ein bisschen höher.
12:09Genau das beobachten wir jetzt.
12:11Die Natur hat sich einfach mehr Lottoscheine gekauft für die Hitzewelle.
12:17Definitiv.
12:18Hitzewellen werden nicht noch häufiger, sondern auch intensiver.
12:22Also wir müssen damit in Zukunft halt mehr und mehr rechnen.
12:30Bei dieser Hitzewelle im Juni, ich habe es schon erwähnt, auf der hohen Warte wurden 39,7 Grad verzeichnet.
12:35Der bisherige Rekord lag bei 36, irgendwas.
12:41Also der Rekord wurde um 3,5 Grad fast überboten.
12:46Das ist in der Meteorologie, das sind Welten in der Meteorologie.
12:49Und wer sagt, dass das nicht in Zukunft wieder passiert?
12:53Genau in diesem Ausmaß.
12:54Das wird den alten Rekord um 3,5, 4 Grad überbieten.
12:58Dann sprechen wir das nächste Mal schon von 44, knapp 45 Grad im Juni.
13:03Und ja, das ist im Bereich des Möglichen.
13:06Geht das einfach immer weiter nach oben?
13:08Also ganz banal gesagt?
13:12Nein, physikalisch nicht.
13:13Also es gibt nach oben dann schon eine Grenze.
13:15Also es wird jetzt nicht so sein, dass wir dann im Alpenraum irgendwann 56 Grad haben werden.
13:21Also es gibt nach oben schon eine Grenze.
13:23Aber die extremen Ereignisse verschieben sich natürlich im Zuge des Klimawandels.
13:28Sie werden häufiger und sie werden intensiver.
13:31Nicht nur bei der Temperatur, auch bei anderen Parametern.
13:35Und genau über diese Parameter sprechen wir jetzt, wobei ich nicht weiß, ob das wirklich unter Meteorologie fällt.
13:39Aber du kennst dich da natürlich trotzdem aus.
13:40Sprechen wir über Dürren, die ja derzeit Europaheim suchen, wenn man in meinem Heimatbundesland in Oberösterreich derzeit die Zeitung einaufschlägt.
13:48Dann sieht man immer wieder Berichte darüber beispielsweise, dass gewisse Orte schon mit Tankwagen versorgt werden müssen,
13:54weil ganz banal gesagt einfach aus der Wasserleitung inzwischen zu wenig rauskommt.
13:58Oder das, was rauskommt, ist einfach so verkalkt oder beziehungsweise so veralgt, dass man es nicht mehr genießen kann.
14:03Wie kritisch ist die Situation denn tatsächlich, Manuel?
14:10Dramatisch.
14:11In einem Wort zusammengefasst dramatisch.
14:15Die Hitze verschärft das Problem, keine Frage.
14:18Aber die Hitze ist natürlich nicht jetzt der Auslöser.
14:21Auch, dass ein Sommer jetzt mal etwas trockener daherkommt, ist jetzt eigentlich nicht der Grund für die Dramatik.
14:28Ein trockener Sommer ist freilich nie lauernd, aber trockene Sommer kommen vor.
14:34Wir haben in der Vergangenheit des Öfteren schon sehr, sehr trockene Sommer erlebt.
14:39Wir haben allerdings auch hier wieder eine Vorgeschichte.
14:41Wir haben den niederschlagsärmsten Frühling der Messgeschichte hinter uns.
14:47Gebietsweise lag das Minus bei unglaublichen 80 Prozent, die da an Niederschlag gefehlt haben.
14:53Der Winter war einer der trockensten der Messgeschichte.
14:55Der Herbst davor war auch nicht der niederschlagsreichste.
14:58Wir haben also mittlerweile einen Minus, einen Mangel an Niederschlag, der sich über die Momente hinweg ausumiert, kumuliert.
15:07Man muss sich vorstellen, die letzte niederschlagsreiche Jahreszeit war der Herbst 2024 mit der Hochwasserkatastrophe im September damals.
15:15Und seit dieser Hochwasserkatastrophe ist das Gros aller Monate unterdurchschnittlich.
15:24Ergebnis, wir sehen es, historische Trockenheit nahezu katastrophal ist die Situation mittlerweile, du hast das angesprochen,
15:31nicht nur bei dir in Oberösterreich, auch im Salzburger Flachgau zum Beispiel, im weiten Teil Niederösterreich,
15:36in Wien, in Teilen der Oberstrahmark, in Salzburg zum Beispiel, Salzburg-Stadt, in Zwettl oder auch Mariazell,
15:43fehlen im Jahresvergleich, also von Jänner bis jetzt, gute 50 Prozent an Niederschlag.
15:51Und das tut wirklich weh, das merkt man.
15:53Manuel, wenn man jetzt besonders provokant sein will, könnte man sagen, naja, Düren gab es in der Vergangenheit auch schon
15:58mal.
15:59Jetzt wissen wir natürlich, wenn wir in unserem Leben jemals eine Zeitung aufgeschlagen haben,
16:02dass solche Düren natürlich durch den Klimawandel aber häufiger werden. Wie?
16:07Du hast in beiden Punkten recht. Also richtig ist, Düren gab es immer wieder.
16:13Nur macht das die Situation jetzt nicht weniger dramatisch.
16:16Wenn ich da kurz einmal zusammenfassen darf, über 90 Prozent aller Grundwasserpegelstellen in Österreich
16:22haben aktuell ein sehr niedriges oder rekordniedriges Niveau.
16:27Drei Viertel aller Flüsse führen Niedrigwasser.
16:29Wir kennen mittlerweile sogar Bilder vom Bereich der Donau mit abgetrockneten Uferzonen.
16:39Selbst tiefe Seen, die tiefsten Seen, die wir in Österreich haben, selbst die reagieren mittlerweile.
16:45Bodensee, Attersee, kurzzeitig sogar der Zellersee, der hat sich jetzt wieder ein bisschen erholt.
16:52Jetzt also mit dem Schmäh gab es schon immer zu kommen, das ist zynisch.
16:58Es tut mir leid. Und wie du richtig sagst, im Zuge des Klimawandels werden Trockenperioden und oder Dürren,
17:06wir Meteorologen unterscheiden da zwischen Trockenperiode und Dürre,
17:10aber beides wird im Zuge des Klimawandels zunehmen.
17:13Einerseits, weil sich Wetterlagen ändern. Es ist nun mal Fakt, dass im Alpenraum immer sonniger wird.
17:19Ist so. Und zweitens, weil es im Zuge des Klimawandels immer wärmer wird.
17:23Und mit dem Anstieg der Temperatur steigt auch die Verdunstung.
17:27Sprich, eigentlich müsste es zukünftig mehr regnen.
17:31Also unsere Sommer müssten eigentlich niederschlagsreicher werden.
17:34Das tun sie aber nicht.
17:35Die Gesamtjahresniederschlagsbilanz, die ist in Österreich relativ stabil über die letzten Jahrzehnte.
17:42Jetzt hat es aber im Juni ja durchaus Regen gegeben und es hat auch viel geregnet.
17:46Warum reicht das offensichtlich nicht?
17:50Naja, wie ich schon erwähnt habe, es sind jetzt viele Monate, die ein markantes Niederstagsdefizit aufweisen.
17:59Der Juni selbst, ja, hat gebietsweise etwas niederstark gebracht, aber kein übergroßes Niederstagsplus.
18:06Und selbst wenn der Juni ein Niederstagsplus gehabt hätte, würde das natürlich nicht ausreichen,
18:11da monatelange Trockenheit davor auszugleichen.
18:14Und das funktioniert einfach nicht.
18:17Also wir bräuchten jetzt eigentlich, wenn man es hochrechnet, müssten jetzt eigentlich bis zum Jahresende,
18:23ja, Pi mal Daumen, jeder Monat überdurchschnittlich niederschlagsreich ausfallen,
18:29damit wir da halbwegs wieder die Bilanz ausgleichen können.
18:34Wohlgemerkt, der Niederschlag darf natürlich nicht innerhalb von 72 Stunden fallen,
18:38weil es dann immer wieder auf einer Katastrophe wie im Herbst 2024.
18:41Also der Niederschlag muss sich wirklich gleichmäßig über die Tage verteilen.
18:46Diese Katastrophe, das ist, wenn die Boden so trocken sind und so viel Wasser kommt,
18:49dass er es nicht mehr aufnehmen kann und dann muss das Wasser irgendwo hin, oder? Ist das das?
18:54Ja und nein, also die Hofwasserkatastrophe im September hatte eine andere Ursache,
18:59aber prinzipiell hast du natürlich recht und das sehen wir immer wieder im Zuge von Gewittern,
19:04siehe auch vor kurzem letzte Woche im Ötztal, was da abgegangen ist,
19:08vorübergehend Zivilschutzalarm, Menschen mussten evakuiert werden.
19:11Warum? Ein Gewitter, ein durchaus heftiges Unwetter bringt viel Niederschlag innerhalb kurzer Zeit
19:18an einem gewissen Ort. Das kann der Boden nicht aufnehmen und jetzt nur viel weniger.
19:23Warum? Weil der Boden brettelhart ist.
19:27Das Wasser fließt oberflächlich ab und die Folgen sind dann halt leider allzu häufig
19:32oder immer häufiger Murenabgänge, Stammlawinen etc.
19:38Fürchterliche Situation für alle, die in diesen Gebieten natürlich leben,
19:41wie wir es eben im Ötztal gesehen haben.
19:43Es gibt noch einen weiteren wichtigen Wert, über den ich gerne mit dir sprechen würde
19:47und der nennt sich PET, also eigentlich geschrieben wie diese Plastikflaschen,
19:50wie PET-Flaschen und auch der soll sehr kritisch aussehen
19:54und ich habe gelesen, das ist so eine Art Durst der Atmosphäre.
19:57Kannst du uns damit erklären, was es damit auf sich hat?
20:02Ja, der PET übersetzt oder ausgeschrieben die potenzielle Evapotranspiration,
20:12ein bisschen sperrig, man könnte auch einfach sozusagen potenzielle Verdunstung,
20:18beschreibt die Wassermenge, die von einer Bodenoberfläche mit Glitation im Idealfall,
20:25also wenn die Pflanze ausreichend Wasser hat, an die Atmosphäre abgegeben werden kann,
20:30also verdunsten kann.
20:31Warum interessiert uns das?
20:33Weil für die Verdunstung wird Energie aufgewendet
20:37und diese Energie muss ja von irgendwoher kommen,
20:40in der Regel aus der Umgebungsluft,
20:43was in Folge zur Abkühlung führt.
20:45Das wird in der Physik als Verdunstungskühlung bezeichnet.
20:49Das kennen viele, eigentlich alle.
20:51Wenn man schwitzt, warum schwitzt man?
20:54Ja, weil der Schweißfilm verdunstet und das kühlt.
20:58Das ist diese Verdunstungskühlung.
21:03Jetzt, wenn wir nichts mehr da haben zum Verdunsten,
21:07weil wir eine Türe haben,
21:09dann verschärft das in Folge eine jene Hitzewelle.
21:11Gleichzeitig, und da kommt jetzt ein angesprochener Durst der Atmosphäre ins Spiel,
21:17kann warme Luft mehr Wasserdampf aufnehmen.
21:20Also eine wärmere Luft verlangt direkt nach mehr Feuchtigkeit.
21:25Wir sind da jetzt also in einem Teufelskreislauf.
21:27Es ist nichts mehr da zum Verdunsten,
21:29weil Dürre, das verschärft die Hitzewelle.
21:31Gleichzeitig wird die Atmosphäre aufgrund der Hitze immer durstiger,
21:36will also noch mehr Wasser haben.
21:38Und deshalb gilt, Dürre ist der Hitzeschwester.
21:42Vielleicht kennt der eine oder die andere diesen Ausspruch.
21:45Übrigens, ich habe vorher die Schwüle erwähnt,
21:47was für uns eher schlecht ist, ist in dem Fall eher gut,
21:52weil umso schwüler die Luft,
21:54umso schlechter funktioniert die Verdunstung,
21:57sprich umso weniger Wasser wird dem Boden entzogen.
22:01Das ist ein Vorteil.
22:02Für uns natürlich ein Nachteil,
22:04weil das Schwitzen dann irgendwann nicht mehr funktioniert,
22:07wenn die Luftfeuchtigkeit der Luft zu hoch ist,
22:10also wenn die Schwüle zu extrem ist.
22:13Aber jetzt hast du schon öfter gesagt,
22:14und das liest man ja auch immer wieder,
22:15dass eine wärmere Atmosphäre mehr Wasser aufnehmen kann.
22:19Und dann soll es ja eigentlich auch mehr regnen, oder?
22:21Also warum tut es es dann trotzdem?
22:23Ich blicke nicht ganz durch, um ehrlich zu sein.
22:27Ja, wirklich spannende Frage.
22:30Kurz zum Hintergrund.
22:32Pro Grad Erwärmung, also jedes Grad,
22:35dass die Luft wärmer ist,
22:36pro Grad sind es in etwa sieben Prozent,
22:38das kann man sich merken, einfach eine Merkregel,
22:40sieben Prozent mehr Wasserdampf,
22:43die die Luft aufnehmen kann,
22:45im Zuge von Gewittern sogar deutlich über zehn Prozent.
22:49So, und gleichzeitig aber hinkt die Verdunstung
22:53dieser höheren Aufnahmekapazität hinterher
22:56und liegt nur bei etwa vier Prozent pro Grad Erwärmung.
23:01Also, es dauert also ein Zeitl,
23:05bis die Speicher voll sind.
23:08Wenn das dann aber passiert, dann haben wir den Salat.
23:11Es ist dann mehr Wasser,
23:13das zur Verfügung steht und das ausregnen kann,
23:16was gerade während eines Gewitters dann natürlich fatal ist.
23:20Und jetzt schon, das ist keine Prognose,
23:25bitte, das ist schon Ist-Zustand,
23:28jetzt schon haben wir im Sommer Tage mit starken oder extremen Regenmengen,
23:33wie sie im Zuge von Gewittern halt häufig vorkommen,
23:36jetzt schon haben diese Tage um 30 Prozent zugenommen.
23:41Wohingegen Tage mit moderaten Niederschlägen oder schwachen Niederschlägen,
23:47das klassische Landregen, wo es halt da über mehrere Stunden
23:51so munter vor sich hin runzelt,
23:54das nimmt halt immer mehr ab.
23:56Die Tage mit extremen Regenmengen werden mehr.
24:00Diese extremen Auswirkungen, die wir jetzt derzeit erleben,
24:05neben der Dürre, was gibt es denn noch?
24:07Was macht denn diese Hitzephase, diese Wetteperiode,
24:10die wir derzeit erleben, mit unserer Umwelt und mit uns noch?
24:17Naja, spannend.
24:18Vielleicht ist es dir oder dem einen oder der anderen,
24:24unserer ZuhörerInnen schon aufgefallen,
24:26aber der Holke Sommer ist in einem Gewitterarm
24:29und hier spielt auch, nicht nur, aber auch die Türe mit,
24:34denn, wie schon erwähnt,
24:35wir kriegen einfach unsere Speicher da oben nicht mehr voll.
24:38Die Verdunstung ist schlicht nicht mehr ausreichend
24:41und häufig hatten wir halt auch noch eine Hochdrucklage
24:46und Hochdrucklagen unterdrücken ja schon mal per se
24:49jedwede Gewittertätigkeit.
24:52Auch das zum Beispiel ist eine Auswirkung der jetzigen Dürre,
24:56was nicht heißt, dass es,
24:58das möchte ich vielleicht in einem Nebensatz sagen,
25:00natürlich gab es lokal Unwetter, keine Frage,
25:04aber in der Gesamtbilanz ist der horre Sommer bislang
25:07einer der blitzärmsten der Messgeschichte.
25:12Manuel, eine weitere Auswirkung von Dürren in sehr vielen Ländern
25:15ist tatsächlich, und das ist wirklich dramatisch für alle Menschen,
25:17die in diesen Ländern leben, ein Mangel an Wasser
25:20und natürlich in weiterer Folge auch an Trinkwasser.
25:22Jetzt, wenn man so der Politik und Co. in den letzten Jahrzehnten zugehört hat,
25:28dann scheint das in Österreich immer völlig unmöglich gewesen zu sein,
25:30unsere Wasserversorgung sei sicher,
25:32aber ist sie denn das tatsächlich?
25:34Ich habe vorher schon dieses Beispiel angesprochen,
25:35dass gewisse Gegenden und Häuser mit Wassertanks versorgt werden müssen,
25:40weil es einfach zu wenig gibt.
25:41Stehen wir hier vor einer Katastrophe?
25:47Also, es braucht niemand Angst haben,
25:50dass das Trinkwasser in Österreich zur Neige geht, das nicht,
25:54aber was passieren kann und auch aktuell passiert in manchen Regionen,
25:58dass die Verfügbarkeit vorübergehend eingeschränkt
26:02oder vorübergehend überhaupt nicht mehr vorhanden ist.
26:05Aber was sich im Zuge des Klimawandels nicht ändert,
26:07ist die Orographie.
26:09Wir haben nun mal in Österreich die Alpen
26:11und die Alpen fungieren als Wetterscheide.
26:15Die Alpen können wir nicht wegzaubern,
26:16Klimawandel hin oder her.
26:18Also, es hat ja einen Grund,
26:20warum Österreich als eine der wasserreichsten Regionen der Welt zählt.
26:24Was jetzt freilich nicht heißt,
26:26dass wir mit Wasser urassen sollten,
26:28vor allem während einer Trockenheit oder Dürre.
26:32Also, Wasser sparsam einzusetzen ist Gebot der Stunde,
26:36nicht nur Gebot der Stunde,
26:38sondern gilt eigentlich generell.
26:40Also, es braucht keine Angst haben,
26:42dass uns auf Dauer das Wasser ausgeht, das nicht.
26:45Aber natürlich wird es nicht mehr durchgehen.
26:49Es wird halt Sommer geben,
26:51wo halt so wie im heurigen,
26:54wo halt dann vorübergehend das Wasser knapp wird, das ja.
26:58Kommen wir zu einem weiteren Punkt,
26:59der ebenfalls gerade Europa beschäftigt,
27:01nämlich Waldbrände.
27:03Und ich habe hier ein Zitat von einem spanischen Waldbrandexperten,
27:06und der wird da im Standard so zitiert,
27:07und zwar mit dem Zitat,
27:08Feuer, die mit der Intensität von mehreren Atombomben brennen.
27:13Warum sind diese Feuer im Süden Europas derzeit
27:16einfach so unfassbar schwer in den Griff zu bekommen?
27:21Weil diese Brände mittlerweile einen Ausmaß erreicht haben,
27:24bei dem klassische Brandbekämpfung schlicht unmöglich geworden ist.
27:28Man spricht da von sogenannten Megafeuern.
27:33Löschflugzeuge sind mittlerweile wirkungslos,
27:35weil das Wasser, was sie da oben abwerfen,
27:38den Boden ja gar nicht mehr erreicht.
27:40Das verdampft.
27:42Zudem wirkt die aufsteigende Heißluft wie ein Kamin.
27:46Da wird die heiße Luft in die Höhe geschossen.
27:50Gleichzeitig muss ja von allen Seiten jetzt die Luft nachkommen.
27:52Es entwickeln sich extreme Eigenwinde.
27:56Das wiederum führt zu enormen Ausbreitungsgeschwindigkeiten
28:02des Feuers an sich.
28:03Also wir reden da von mehreren Kilometern pro Stunde.
28:06Also die jetzige Gefahr ist,
28:09die jetzige Situation ist Gefahr
28:12für die Feuerwehrmänner, Feuerwehrfrauen vor Ort.
28:16Die können diesen Brand gar nicht mehr effektiv bekämpfen.
28:20Und das funktioniert ganz einfach nicht mehr.
28:21Eben weil das Ausmaß so horrend geworden ist.
28:26Ich gehe mal davon aus,
28:27dass natürlich die Düren und der fehlende Niederschlag
28:29ein Auslöser sind.
28:31Ich glaube, da würdest du mir recht geben.
28:33Was ich aber auch gelesen habe,
28:34und das verstehe ich nicht ganz,
28:35ist, dass starke Niederschläge
28:37und Überschwemmungen im Jänner und Februar
28:40ebenfalls einen Anteil daran haben sollen.
28:42Wie passt das jetzt auf einmal zusammen?
28:48Die starken Niederschläge im Frühjahr,
28:50im Winter früher,
28:52anders als bei uns im Alpenraum.
28:53Also bei uns war ja der Winter sehr, sehr schneearm.
28:56Genau, wir reden jetzt von Frankreich, Spanien und Co.
29:00Ich habe schon erwähnt,
29:01das Frühjahr, das Trockense in Österreich im Alpenraum.
29:05Im Westen sieht die Situation etwas anders aus.
29:08Da war es niederstärks reicher.
29:10Und die Vegetation hat da von Anfangs natürlich profitiert.
29:15Also da sind die Pflanzer nur so in die Höhe geschossen.
29:17Alles hat geblüht, alles hat gedeiht.
29:19So eine richtige kleine Traubenwelt.
29:21Mit einsetzender Trockenheit, mit einsetzender Hitze
29:24ist jetzt aber auf einmal sehr viel vertrocknetes,
29:27ausgetrocknetes Material da.
29:29Biomasse, verdauerte Biomasse.
29:32Und die kann sich natürlich dann leicht entzünden.
29:36Aber sie entzündet sich ja nicht von selbst.
29:41Hauptursache für Waldbrände ist und bleibt der Mensch.
29:46Sei es aus Unachtsamkeit oder Absicht.
29:4980 bis 90 Prozent aller Brände weltweit sind Menschen verursacht.
29:57Nur ein Bruchteil geht auf natürliche Ereignisse,
30:01Blitzeinschläge zum Beispiel zurück.
30:04Es gibt noch einen weiteren Begriff,
30:05der derzeit immer wieder fällt.
30:07Und je nach Boulevard-Level eines Mediums
30:10ist dann entweder von Feuergewitter oder Feuersturm
30:13oder auch, und ich hoffe, ich kriege dieses Wort jetzt richtig raus,
30:17von einem sogenannten Pyrocumulonimbus die Rede.
30:22Ich probiere es nochmal.
30:24Pyrocumul...
30:25Vergiss es.
30:25Sagst du einfach.
30:26Was ist das?
30:28Ja, der Cumulonimbus ist eigentlich in der Mythologie
30:33die klassische Gewitterwolke.
30:35Weil Biometrologen haben ja für jede Wolkenart einen eigenen Begriff.
30:39Das kommt aus dem Lateinischen.
30:43Und Pyro, der Zusatz Pyro hier im Pyrocumulonimbus,
30:49das kommt aus dem Griechischen und steht für Feuer.
30:51Es ist also eine feurige Gewitterwolke,
30:55also eigentlich eine Gewitterwolke,
30:57die von der Hitze der massiven Brände ausgelöst wurde.
31:02Wie kommt es dazu?
31:04Müssen wir uns kurz anschauen, ganz kurz.
31:05Wie entsteht generell ein Gewitter?
31:07Warme Luft steigt auf.
31:09Es kühlt ab, je höher die Luft kommt.
31:11Eine Wolke bildet sich
31:12und irgendwann ist die Wolke altmächtig genug,
31:15dass daraus ein Gewitter entsteht.
31:17Also Niederschlag mit allem, was dazugehört.
31:19Blitz, Donner, Sturm.
31:21Nichts anderes passiert jetzt bei einem Waldbrand.
31:24Da haben wir ja jede Menge heiße Luft.
31:26Im Zentrum von solchen Megafeuern
31:29sprechen wir durchaus von 1000 Grad aufwärts.
31:31Also das ist gewaltig.
31:33Und die heiße Luft steigt natürlich auch auf.
31:36Und wenn die Atmosphäre instabil genug ist,
31:40kommt es auch hier dann zur Gewitterbildung
31:43mit allen Gefahren, die da einhergehen.
31:46Stichwort Sturm.
31:47Facht natürlich die Waldbrände an.
31:49Stichwort Blitz.
31:51Blitze können neue Waldbrände entzünden.
31:54Und das oft weit, weit weg vom eigentlichen Brand her.
31:58Also da reden wir wirklich von 20, 30 Kilometern
32:01von der Gewitterwolke entfernt,
32:03entstehen dann aufgrund eines Blitzeinschlags
32:06neue Waldbrände.
32:07Klingt ziemlich dramatisch.
32:08Willst du das Wort noch einmal sagen?
32:10Nein, danke.
32:10Wie heißt die feurige Gewitterwolke?
32:12Ich halte mich da an den Boulevard
32:14und spreche einfach von Feuersturm.
32:16Das klingt aber relativ dramatisch, Manuel.
32:18Was kann man dagegen unternehmen?
32:20Oder ist es gar nicht so schlimm?
32:21Schaut es einfach nur spektakulär aus?
32:25Waldbrand ist Waldbrand?
32:26Oder wie können wir uns das vorstellen?
32:28Ja, was kann man dagegen unternehmen?
32:30So gut es geht,
32:31einen Waldbrand per se zu verhindern.
32:33Und das funktioniert halt am besten
32:35mit Aufklären, mit Sensibilisieren
32:37und vor allem, bitte schön,
32:39drakonische Strafen an Feuerteufel verhängen.
32:42Und zwar präventiv.
32:44Denn nochmal, die Gefahr für Waldbrände
32:47nimmt im Zuge des Klimawandels zu.
32:50Ja, keine Frage.
32:51Aber ob einer ausbricht oder nicht,
32:54das ist Klimawandel unabhängig.
32:57Dafür sind am Ende zum großen Teil
33:00noch immer wir Menschen schuld.
33:02Und leider muss man sagen,
33:04also es gibt ja bei den menschenverursachten
33:08Waldbränden nicht nur die Menschen,
33:13die ihre Chick einfach achtlos weg schnippen,
33:16sondern es gibt halt dann auch wirklich,
33:18die bewusst Brände legen aus irgendwelchen Spekulationsgründen.
33:22Und da muss natürlich die Justiz mit voller Härte durchgreifen.
33:27Ja gut, da sind wir uns auf jeden Fall einig,
33:28das ist wirklich etwas, was gar nicht geht.
33:30Werden wir leider wahrscheinlich in diesem Podcast nicht klären
33:33und auch nicht die Schuldigen finden.
33:34Wir können ja nur über die Auslegung reden.
33:36Aber bitte, selbst das Wegschnippen eines Chick-Stummels
33:42kann auch in Österreich mit Freiheitsstrafe gehandelt werden.
33:47Das Herbeiführen einer Vorjahrsbrunst ist kein Kavaliersblick.
33:50Bitte immer im Hinterkopf behalten.
33:53Ziehen wir das gleich vor,
33:54da wollte ich ja nicht später drüber sprechen,
33:56aber machen wir es jetzt gleich.
33:56Wie hoch ist denn die Gefahr?
33:57Weil so trocken wie es bei uns ist,
33:59könnte ja oder entsteht der Eindruck,
34:00dass eine Chick oder auch nur ein Funke auch ausreicht.
34:03und dann brennen sie irgendwo in der Ecke?
34:05Durchaus, aber wenn man es grob analysieren möchte,
34:10die Citronen ist aktuell in Österreich zweigeteilt.
34:13Richtig extrem ist die Waldbrandgefahr im flachen Tügeljand.
34:17Hier vor allem sprechen wir nicht nur von Waldbränden,
34:22sondern auch von Flurbränden.
34:24Da können dann auch durchaus Felder zum Beispiel
34:26oder niedrigeres Gehölz brennen.
34:29Also im östlichen Flachstand haben wir ja nicht viele Wälder.
34:32Im Bergland ist die Gefahr nicht ganz so extrem,
34:36aber dennoch hoch genug,
34:38dass es schnell zu einem Brand kommen kann.
34:40Die Anzahl der Waldbrände ist ja heuer schon sehr, sehr hoch.
34:44Ihr habt, also mit ihr meine ich,
34:46der Standard hat ja schon mehrmals darüber berichtet.
34:50Also aktuell wurden so 270 Waldbrände heuer schon gezählt.
34:54Im Mittel sind wir bei 150 Waldbränden pro Jahr.
34:58Also die Waldbrandsaison heuer in Österreich ist auch sehr hoch.
35:01Die allermeisten Waldbrände,
35:04aber in Österreich waren zum Glück bislang eher klein.
35:07Ein weiterer Grund für diese Brände in Frankreich beispielsweise
35:09soll auch, und korrigiere mich da gerne,
35:12die sogenannte Landflucht sein.
35:13Das heißt, dass einfach immer mehr Menschen
35:14aus ländlichen Gebieten in große Städte ziehen.
35:17Und deswegen steigt die Waldbrandgefahr.
35:19Ist mir nicht so ganz klar, warum liegt das?
35:25Ja, im Wesentlichen, wenn Eimen zum Beispiel aufgegeben werden,
35:30dann verändert sich auch dort wieder die Vegetation.
35:35Es steht dann im Grunde sehr viel Biomasse wieder zur Verfügung,
35:39die im Falle eines Falles natürlich brennen kann.
35:43Österreich steht da halbwegs gut da.
35:45Wir haben eine funktionierende Eimwirtschaft,
35:49Nutztiere, Grasen da fröhlich vor sich hin,
35:51fressen das trockene Gras, die kleineren Sträucher.
35:53Und das reduziert natürlich die verfügbare Biomasse.
35:58Außerdem stellen so Weideflächen am Ende
36:03natürlich dann auch so eine Art Brandschneise da.
36:07Also wenn der Wald dann eben brennt,
36:10dann ist das, also das macht man jetzt zum Beispiel auch
36:14zum Teil bei den Feuern, bei den Feuern in Frankreich oder Spanien.
36:17Man versucht diese Megafeuer dann zum Beispiel zu Autobahnen zu lenken,
36:23weil Autobahnen natürlich eine Brandschneise dann darstellen.
36:26Dann kann das Feuer de facto nicht mehr weiter,
36:29weil da gibt es dann nichts mehr zu brennen.
36:31Das ist, wenn man es herunterbricht, auch bei Weiden oder Weideflächen,
36:37bei Almen kann man das vergleichen, sage ich mal so.
36:41Aber wichtig ist, auch Überweidung ist nicht förderlich.
36:45Also wenn dann zu viele Viecher grasen und zu viel abgefressen wird,
36:50ist das auch eher kontraproduktiv,
36:52weil dann haben wir andere Probleme wie zum Beispiel Erosion.
36:55Also hier einen schönen Mittelweg finden.
36:58Österreich steht da, wie gesagt, ganz gut da.
37:00Welche weiteren Auswirkungen neben den unmittelbaren Schäden,
37:04die wir natürlich beobachten können,
37:05also es verbrennt einfach einen Haufen Zeug,
37:07haben denn diese Waldbrände sonst noch auf uns?
37:09Ja, unmittelbar ist natürlich der Wald weg.
37:12Auch die Rauchbelastung ist oft ein wirklich unterschätztes Problem,
37:18weil der Brandrauch, der kann ja oft hunderte Kilometer weit weg transportiert werden.
37:24Wir erinnern uns an die gefährlichen Waldbrände in Kanada.
37:28Da ist ja auch die Rauchwolke bis Europa gezogen.
37:31Richtige Wetterlage freilich vorausgesetzt.
37:33Und der Brandrauch beeinträchtigt die Luftqualität,
37:38enthält viel Feinstaub, teils giftige Gase wie Kohlenmonoxid
37:41und hat am Ende auch Einfluss auf das Ozon zum Beispiel.
37:46Also ist alles andere gesundheitsfördernd, würde ich jetzt mal sagen.
37:49Mittelbar sind die Folgen mannigfaltig.
37:53An erster Stelle steht natürlich Artensterben.
37:56Ein Wald per se kann sich zwar regenerieren,
37:59aber diese Regenerationsfähigkeit ist nicht unendlich.
38:05Also irgendwann ist er in der Gelände.
38:08Abgesehen davon, bis ein Wald wieder Wald ist, dauert es.
38:12Der Restbestand, also wenn ein paar fangende Bäumchen überlebt haben,
38:18die stehen natürlich unter Stress, und zwar hochgradig,
38:20und sind dadurch anfällig für Schäden wie Sturmschäden zum Beispiel
38:25oder Borkenkäfer, Schädlinge.
38:28Wenn der Wald weg ist, erhöht das freilich die Bodenerosionsgefahr
38:32und damit also Schlammlawinen zum Beispiel.
38:37Und natürlich, ein Waldbrand hat am Ende auch immer wirtschaftliche Einbußen.
38:44Ein Wald gehört ja in der Regel jemand.
38:46Man hat also einen finanziellen Verlust.
38:48Das Verbrateholz ist de facto wertlos.
38:50Und gleichzeitig ist man als Waldbesitzer auch verpflichtet,
38:55den Wald wieder aufzuforsten.
38:56Auch das kann natürlich ordentlich ins Geldbörter gehen.
38:59Also es ist wirtschaftlich natürlich auch für den Besitzer fatal.
39:04Kann man schon ein Ende dieser Brandsaison irgendwie prognostizieren?
39:08Nein.
39:09Nein, weil dazu braucht es eine grundlegende Wetterumstellung.
39:13Wir brauchen klassisches Westwetter, mit dem in regelmäßigen Abständen
39:17eine atlantische Front nach der anderen über Europa zieht
39:21und im besten Fall auch Österreich erreicht und Niederschlag bringt.
39:24Nur so eine Wetterumstellung ist bis auf weiteres nicht in Sicht.
39:28Und deshalb sollte man in Österreich dankbar sein, froh sein für jeden Tag,
39:34an dem wir Waldbrand frei bleiben.
39:37Fingers crossed, dass es tatsächlich so bleibt.
39:40Manuel, abschließend.
39:41Die Situation an der Wetter- und Klimafront, abgesehen von Waldbränden und allem Möglichen,
39:46ist ja derzeit wirklich so, dass man sich denkt, wie soll das noch irgendwie gut ausgehen?
39:50Ist es inzwischen vielleicht wirklich an der Zeit, keine Ahnung,
39:53die Hände über den Kopf zu werfen und sich am Grund eines Gartenteichs zu verstecken,
39:58bis das Ganze vorbei ist, falls denn noch Wasser im Gartenteich drin ist?
40:01Ist nicht alles schon verloren?
40:07Um ganz ehrlich zu sein, es gibt Tage, da bin auch ich mittlerweile kurz vorm Resignieren.
40:15Schon allein der Umstand, dass wir Rekordtemperaturen in ganz Europa verzeichnen,
40:19wir unter historischer Dürrelein Flüsse austrocknen,
40:23wir Milliarden Schäden in der Landwirtschaft haben,
40:25unsere Grätscher einen beispiellosen Adalas erleben,
40:29unsere Wälder abfackeln,
40:31die Hitzemortalität auf Anschlag ist.
40:33Erst gestern oder vor wenigen Tagen ist die Meldung rausgekommen in Deutschland,
40:3810.000 Hitzedote, allein bei den bisherigen Hitzewäldern.
40:43Und trotz all dieser Meldungen bekomme ich praktisch täglich Nachrichten,
40:49die zumindest ab und zu strafrechtlich hart an der Grenze sind.
40:55Da sind die Sommernachrichten ja noch vollkommen harmlos.
40:59Und das lässt mich schon ab und zu zweifeln,
41:02ob ich mir das alles eigentlich noch antun möchte.
41:06Also vor allem diese Feindseligkeit mancher.
41:09Aber dann gibt es auch die schönen Momente.
41:12Kurze persönliche Anexote.
41:15Am Donauinselfest erst in Wien hat sich eine Gruppe junger Burschen,
41:22da kommen einfach junge Burschen auf mich zu,
41:24leicht betrunken und ich, oh mein Gott, vorsichtig sein.
41:27Aber nein, die haben sich tatsächlich bei mir bedankt
41:30und dafür, dass ich mich so sehr fürs Klima einsetze.
41:34Das hat mich natürlich immens gefreut.
41:36Und generell, ich bin ja regelmäßig auch in Schulen unterwegs,
41:40junge Leute und deren Zugang zu der Thematik im Allgemeinen,
41:44das macht wirklich Hoffnung.
41:45Also da muss ich ganz ehrlich sagen, das macht Hoffnung.
41:49Und vor allem, das überzeugt mich dann immer wieder,
41:52okay, weitermachen, lass die Wappler Wappler sein
41:57und sollen halt weiter ihren Es-ist-Sommer-Fanatismus anhängen.
42:01Denn es gibt am Ende dann doch auch viele, viele, viele,
42:05vor allem junge, vernünftige Menschen.
42:08Wichtig ist zu verstehen, es ist nicht alles verloren.
42:14Die Scheiße ist natürlich am Dampfen, keine Frage,
42:16aber wir haben es nach wie vor in der Hand.
42:18So ein Sommer wie jetzt wird sicher wiederkommen in naher Zukunft.
42:21Aber wir können verhindern, dass er jedes Jahr wiederkommt
42:25und vor allem, dass es noch heftiger wird.
42:27Ich habe es am Anfang schon erwähnt, wir haben den jungen Rekord auf der hohen Warte
42:31um dreieinhalb Grad überboten.
42:33Wer sagt, dass das in nächster Zeit nicht noch einmal passiert
42:36und dann sind wir bei 44, 45 Grad.
42:39Ich möchte das nicht.
42:40Ich glaube, auch viele Menschen wollen das nicht.
42:44Je länger wir aber warten, umso wahrscheinlicher wird das am Ende.
42:48Und vor allem auch umso feurer.
42:49Das muss man bitte immer im Hinterkopf behalten.
42:51Ja klar, wir können den Klimaschutz und die Maßnahmen dagegen aufschieben
42:55bis ins Jahre Schnee,
42:56aber irgendwann müssen wir es machen
42:58und dann stehen wir erst recht vor dem Problem,
43:00wie umsetzen, weil uns das Geld fehlt.
43:02Also unsere Welt ist im Wandel.
43:05Ich sage es immer wieder
43:05und wir müssen gemeinsam dagegen ankämpfen
43:08und zwar jetzt.
43:11Manuel, ich bin jetzt gar nicht mehr so jung
43:13und leider auch stark nüchtern in diesem Moment.
43:16Ich sage trotzdem auch Danke.
43:18Also auch von mir gibt es dieses Dankeschön für deine Arbeit
43:20und auch natürlich Danke für diesen Podcast,
43:22dass du mit dabei warst.
43:23Ich wünsche dir beste Grüße
43:25und hoffentlich wird es zumindest für dich persönlich
43:27nicht so heiß in den nächsten Tagen.
43:28Alles Gute.
43:30Vielen, vielen Dank
43:31und hoffentlich braucht es dann nicht erst wieder
43:33noch einen Katastrophensommer,
43:34bis wir uns wieder hören oder sehen.
43:36Und wenn euch Thema des Tages gefallen hat,
43:38dann abonniert den Kanal
43:39auf der Podcast-Plattform eurer Wahl
43:40oder auch auf YouTube.
43:41Da sind wir immer öfter mit Videopodcasts vertreten.
43:43Einfach Kanal abonnieren
43:44und nicht vergessen, Glocke drücken.
43:46Ich bin Daniel Retschitz-Öcker.
43:47Vielen Dank fürs Dabeisein.
43:48Bis zum nächsten Mal.
43:49Dabeisein.
43:50Untertitelung des ZDF, 2020
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