- vor 8 Minuten
Erinnert sich noch jemand an den "Burger-Sager" des ehemaligen Bundeskanzlers Karl Nehammer?
Der hat eins als Wundermittel gegen Kinderarmut einen Burger von McDonalds empfohlen und damit einen veritablen Shitstorm ausgelöst.
Sein Parteikollege und Nachfolger Bundeskanzler Christian Stocker hat jetzt ein ganz eigenes Burger-Gate am Hals. Er meint auf offener Bühne, dass Kinderbetreuung ja keine Arbeit sei.
Das ganze fliegt ihm aktuell um die Ohren und überhaupt kommt die ÖVP mit ihm absolut nicht vom Fleck und versinkt im Umfragetief.
Wir stellen daher heute die Frage: Kann es Christian Stocker vielleicht einfach nicht? Ist er der Falsche an der Spitze der Volkspartei, oder tun wir ihm vielleicht unrecht?
Mehr zum Thema und die neuesten Updates auf https://www.derstandard.at.
Der hat eins als Wundermittel gegen Kinderarmut einen Burger von McDonalds empfohlen und damit einen veritablen Shitstorm ausgelöst.
Sein Parteikollege und Nachfolger Bundeskanzler Christian Stocker hat jetzt ein ganz eigenes Burger-Gate am Hals. Er meint auf offener Bühne, dass Kinderbetreuung ja keine Arbeit sei.
Das ganze fliegt ihm aktuell um die Ohren und überhaupt kommt die ÖVP mit ihm absolut nicht vom Fleck und versinkt im Umfragetief.
Wir stellen daher heute die Frage: Kann es Christian Stocker vielleicht einfach nicht? Ist er der Falsche an der Spitze der Volkspartei, oder tun wir ihm vielleicht unrecht?
Mehr zum Thema und die neuesten Updates auf https://www.derstandard.at.
Kategorie
🗞
NewsTranskript
00:00Erinnert sich noch jemand an den Burger-Saga vom ehemaligen Bundeskanzler Karl Nehammer?
00:05Der hat ja als Mittel gegen Kinderarmut einfach einen Hamburger von McDonald's empfohlen
00:09und damit einen veritablen Shitstorm ausgelöst.
00:13Sein Parteifreund und Nachfolger Christian Stocker hat jetzt ein ganz eigenes Burger-Gate am Hals.
00:18Er sagt auf offener Bühne nämlich, dass Kinderbetreuung keine Arbeit sei.
00:22Die Reaktionen sind ebenfalls sehr negativ und überhaupt versinkt die ÖVP ja derzeit im Umfragen-Tief.
00:29Wir stellen heute daher die Frage, kann es Christian Stocker vielleicht einfach nicht?
00:33Ist er der Falsche an der Parteispitze der Volkspartei?
00:36Oder braucht die Partei eine gänzliche Neuorientierung, um irgendwie in Zukunft noch erfolgreich zu sein?
00:42Ich bin Daniel Retschezeker, das ist Thema des Tages, der Nachrichten-Podcast des Standards.
00:50Und bevor es losgeht, noch ein kurzer Hinweis.
00:52Wir haben noch einige wenige Tickets für unseren Live-Auftritt am 14. September
00:56beim Terre-Time-Park beim Schloss Belvedere zu verkaufen.
01:00Zu Gast sind Sandra Navidi und Erik Frey.
01:02Wir sprechen über Amerikas Schicksalswahl, die anstehenden Midterms.
01:06Link und alle Tickets gibt's in den Shownotes.
01:08Und jetzt geht's los.
01:09Petra Stuhlbauer, stellvertretende Chefredakteurin vom Standards heute hier im Podcast.
01:13Grüß dich, Petra.
01:13Ja, hallo, servus.
01:14Petra, ich glaube, es gibt kaum jemanden, der uns heute zuhört,
01:18der vom neuesten Skandal von Christian Stocker noch nichts mitbekommen hat
01:22oder von der Kontroverse, in der er gerade schwebt.
01:25Aber vielleicht gab es ja doch ein paar Zuhörer,
01:27die sich jetzt in den heißen Tagen irgendwo in einer Berghütte ohne Internet verkrochen haben.
01:31Und für die müssen wir es, glaube ich, nochmal wiederholen.
01:33Es geht um das Thema Kinderbetreuung und um eine Aussage,
01:35die Christian Stocker da getätigt hat, die ihm gerade wirklich um die Ohren fliegt.
01:38Was hat er denn gesagt?
01:40Ja, Daniel, für all jene, die hoffentlich von diesem Sommeraufreger nichts mitbekommen haben,
01:45weil sie sich gerade verdientermaßen erholen, irgendwo im Kühlen, einmal kurz aufgerollt.
01:51Was ist denn da passiert?
01:53Also Christian Stocker ist gerade auf einer Tour, wo er die Menschen trifft
01:58und nah bei den Menschen in Österreich sein möchte.
02:01Das hat sich seine Partei so ausgedacht.
02:03Das nennt sich Österreich im Gespräch.
02:05Er besucht in allen Bundesländern Veranstaltungen,
02:09wo Bürgerinnen und Bürger mit ihm in Kontakt treten können.
02:13Und da war er eben vergangene Woche in Salzburg in einem Hotel
02:17und hat dort, das ist eine moderierte Veranstaltung,
02:20hat dort auf Bürgerinnenfragen geantwortet
02:24und eine Frau hat den Bundeskanzler damit konfrontiert,
02:27dass sie gesagt hat, Frauen leisten bis zu 96 Stunden pro Woche unbezahlte Arbeit,
02:34keine Sonntagszuschläge, keine Überstundenzuschläge, kein Urlaubsgeld,
02:38indem sie sich um die Kinder kümmern.
02:40Was er denn dazu sagt?
02:41Worauf ihn der Bundeskanzler im Wesentlichen gemeint hat,
02:45er verwahre sich dagegen, dass man Kinderbetreuung als Arbeit definiere.
02:50Und damit war sozusagen der Grundstein für diese Aufregung gelegt.
03:01Es haben dann die Leute im Publikum zu raunen begonnen.
03:03Die Moderatorin hat dann irgendwie gesagt, ja, das kann man so nicht sagen,
03:09das ist doch sehr wohl Arbeit, Herr Bundeskanzler.
03:12Und das sagt sie auch als Mutter und so weiter.
03:14Die Kronenzeitung hat das Ganze aufgegriffen.
03:17Dann haben wir uns im Standard auch mit dieser Sache beschäftigt.
03:22Und irgendwann hat das Ganze auch eine Dynamik bekommen,
03:25eine mediale Dynamik und damit auch eine politische Dynamik.
03:28Und übrig geblieben ist der Sager, der Bundeskanzler behaupte,
03:32Bundeskanzler und ÖVP-Chef behaupte, dass Kindererziehung oder das Aufziehen von Kindern an sich keine Arbeit sei.
03:40Und ja, das wurde natürlich politisch schwer kritisiert.
03:46Über die politischen Reaktionen sprechen wir gleich.
03:48Bleiben wir noch ganz kurz beim Inhaltlichen.
03:50Denn du hast beispielsweise in einem Text geschrieben,
03:52dass die pure Empörung oder Aufregung über diese Aussage von Christian Stocker zu kurz greifen würde.
03:57Wo liegt denn deiner Einschätzung nach tatsächlich der Kern des Problems?
04:01Meine Meinung ist, dass man endlich einmal sozusagen dieser ganzen Sache auf den Grund gehen sollte.
04:07Es ist ja so, ja, es gibt hohe Familienleistungen in Österreich.
04:12Ja, es gibt großzügige Karenzregelungen.
04:15Und dennoch ist es so, und das ist ja das, was vor allem der ÖVP auch so zu schaffen macht,
04:21als Familienpartei, dass die Geburtenraten in Österreich extrem niedrig sind.
04:27Woran kann das liegen? Was ist der Grund dafür?
04:29Der Grund dafür ist meiner Ansicht nach, dass es insgesamt einen sehr starken Druck auf Österreichs Frauen gibt.
04:37Einen Druck von Seiten der Arbeitswelt.
04:40Also wenn sie jung sind, bekommen sie die guten Jobs nicht, weil sie schwanger werden könnten.
04:47Wenn sie sich gegen Kinder entscheiden, dann machen sie trotzdem oft nicht denselben finanziellen und karriere-technischen Aufstieg,
04:55wie in gleichaltrige Männer machen.
04:57Da gibt es Studien dazu.
04:59Sind sie über das gebärfähige Alter hinaus, dann werden sie oft nicht angestellt,
05:03weil sie als zu alt, zu teuer und überhaupt zu schwierig gelten.
05:06Und dann wird ihnen vorgeworfen, dass sie in Teilzeit sind und dadurch schlechtere Pensionen bekommen.
05:14Auch das soll sich ändern.
05:16Also Frauen stecken in Österreich in einem tendenziell frauenfeindlichen Klima,
05:21in einem gesellschaftlichen Schraubstock.
05:23Und was ist der Effekt davon?
05:25Dass immer mehr junge Frauen sich tatsächlich überlegen, ob sie sich Familie, Partnerschaft,
05:31all diese Dinge, die sie letztlich dann auch so in diesen Schraubstock hineinstecken, aussetzen wollen.
05:38Das ist jetzt sehr zugespitzt formuliert und übertrieben formuliert.
05:42Aber es ist natürlich so, dass man sich, also es ist ja schön, wenn der Bundeskanzler die romantische Ansicht vertritt,
05:50Kinder sind doch mehr als nur eine finanzielle Überlegung.
05:55Ja, eh, natürlich.
05:57Aber auf der anderen Seite, ohne die finanzielle Überlegung wäre es verantwortungslos, Kinder in die Welt zu setzen.
06:02Was glaubst du denn, wo hat Österreich im Vergleich vielleicht auch zu anderen europäischen Ländern
06:08oder wie auch immer wirklich noch Aufholarbeit in diesem Thema?
06:11Du hast das jetzt gerade schon sehr gut skizziert und das klingt nach einem veritablen Problem,
06:16in dem Österreich auch als Gesellschaft steckt, weil eine niedrige Geburtenrate ist ja auch für eine Gesellschaft nicht gut.
06:20Ich meine, darüber haben wir unzählige Texte beim Standard auch schon veröffentlicht.
06:23Was muss sich denn ändern?
06:26Wie du weißt, Daniel, habe ich ja auch einen Podcast, den sogenannten CEO-Podcast,
06:31und da habe ich Manuela Vollmann vor kurzem zu Gast gehabt, die ein Social Business leitet.
06:37Und ich habe sie gefragt, wo ihrer Meinung nach die Problematik ist, nach wie vor auf dem Arbeitsmarkt für Frauen.
06:43Und sie hat gesagt, das ist immer noch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
06:47Wir müssen uns mit der Tatsache auseinandersetzen, dass wir in einem tendenziell konservativen Land leben,
06:53dass wir immer noch wahnsinnig viel Aufholbedarf haben in Sachen Kinderbetreuung.
06:59Vielleicht gar nicht so sehr quantitativ, zumindest ab drei Jahren ist das schon viel geschehen in den letzten Jahren,
07:05aber auch bei den kleineren Kindern ist Aufholbedarf und wir müssen es qualitativ verändern.
07:10Es ist keine Mama, kein Papa will sein Kind in eine Gruppe mit 25 bis 30 Kindern hineinstecken
07:18oder hineinstopfen, wenn das 18 Monate alt ist oder zwei Jahre alt ist, sondern du willst eine kleine, eine individuelle,
07:26eine gute Betreuung.
07:27Dafür brauchst du aber Betreuungspersonal, du brauchst Elementarpädagoginnen und Pädagogen.
07:33Wir haben in diesem Beruf Frauen, die den Beruf kurz ergreifen und wieder verlassen, weil sie zu wenig verdienen.
07:41Wir haben viel zu wenig Männer, die den Beruf schon gar nicht angreifen, eben weil der Verdienst gering ist,
07:48weil die soziale Anerkennung eine geringe ist, weil es gibt ganz viele Argumente,
07:56warum viele Elementarpädagoginnen und Pädagogen an allen Ecken und Enden fehlen.
08:03Wir müssten endlich einmal, außerdem sind die Regelungen vom Bundesland zu Bundesland unterschiedlich,
08:10was Urlaubszeiten betrifft und was Einkommen betrifft und so weiter.
08:13Das gehört alles vereinheitlicht, das gehört massiv angehoben.
08:17Das ist nicht nur ein Investment in die Frühbildung unserer Kinder,
08:21sondern das ist auch ein Investment in unsere Volkswirtschaft letztlich.
08:26Das ist aber genau ein Punkt und lass uns darauf auch noch ganz kurz zu sprechen kommen,
08:31den ich aus Sicht der ÖVP eigentlich noch nie verstanden habe,
08:34denn ja, die ÖVP ist eine konservative Familienpartei, geschenkt.
08:38Aber gleichzeitig gibt sich die ÖVP auch als Wirtschaftspartei
08:41und im ihren Sinne wäre es doch auch, wenn es eine Kinderbetreuung gibt,
08:44damit eben junge Mütter auch wirklich Vollzeit arbeiten können.
08:48Weil die Teilzeitdebatte ist ja auch eine, die in Österreich schwelt und die die ÖVP wahnsinnig aufregt.
08:52Warum macht man es nicht?
08:53Ich erinnere mich, 2017 war es, glaube ich, kann ich ein Bundesland aufhetzen.
08:56Es gab einen Plan für eine flächendeckende Kinderbetreuung
08:59und jetzt sind acht, neun Jahre später und es ist eigentlich nicht wirklich was passiert.
09:03Ja, also es ist schon was passiert.
09:06Es sind Milliardenpakete auch unter dem Kanzler Nehammer zumindest in die Wege geleitet worden,
09:13dass es hier einen Ausbau gibt und so weiter.
09:15Dazwischen war eine Wirtschaftskrise, viele Gemeinden, die ja für den Erhalt von Kinderbetreuungseinrichtungen verantwortlich sind,
09:23sagen, wir können uns das gar nicht mehr leisten.
09:25Da muss ein Undenken geben, da müssen Gemeinden zusammenhelfen und so weiter und so fort.
09:30Das ist eine schwierige und nicht ganz einfache Problematik, aber zu deiner Frage.
09:39Die ÖVP ist eine Wirtschaftspartei, das stimmt.
09:42Die ÖVP ist auch eine Familienpartei, aber sie hat eben ein sehr konservatives Familienbild.
09:47Über das kommt man nicht zurück.
09:49Also mit Wirtschaft meint die ÖVP immer noch tendenziell Männer.
09:55Die Männer, die die Wirtschaft aufrechterhalten sollen.
09:58Und die Frauen sollen sich bitte um die Familien kümmern.
10:01Sie können eh ausgebildet werden, sie können hochqualifiziert sein,
10:07aber wenn dann Kinder da sind und so weiter, wäre es schon gut,
10:09wenn sich die Frau da mehr um die Familie kümmert, weil ein Kind gehört zur Mutter und so.
10:15Ich glaube, dieses Denken spuckt immer noch in vielen Köpfen herum.
10:19Und das ist keine Generationenfrage, weil wenn man sich zum Beispiel unsere Familienministerin Bauer ansieht,
10:25die ja eigentlich die Enkelgeneration unseres Bundeskanzlers ist, die sagt ja ähnliche Dinge.
10:31Also da wird es jetzt einen Börtenaufschrei geben, wenn ich so etwas sage.
10:35Und es gibt auch viele konservative Politikerinnen von Ingrid Korosek über Maria Roch-Kaller bis hin zu Martha Schulz,
10:43die sich wirklich Zeit ihres politischen Lebens bemüht haben,
10:48hier auch in Sachen Kinderbetreuung etwas weiterzubekommen.
10:51Es gibt viele wirtschaftstreibende Frauen in der Wirtschaft, die sich dafür einsetzen.
10:59Aber letztlich ist die ÖVP immer noch männlich dominiert und von diesem Gedanken dominiert,
11:05dass eigentlich die Frauen maximal mit gemeint sind.
11:10Ja gut, wie sinnvoll das im Jahr 2026 ist, wenn man auf 50 Prozent der Wirtschaftsleistung mehr oder weniger verzichten
11:15will,
11:15auch in Konkurrenz zu anderen Ländern steht.
11:17Gut, sei mal dahingestellt.
11:18Kommen wir zu ÖVP-Chef Stocker selbst und der politischen Kritik.
11:23Du hast das vorher schon kurz angeschnitten, reden wir im Detail drüber.
11:26Ich finde ja zum Beispiel interessant, dass sowohl die Parteichefin der Grünen, Leonore Gewessler,
11:31als auch der Parteichef der FPÖ, Herbert Kickl, fast wortgleich auf Stockers Aussage reagiert haben.
11:36Sie sprechen nämlich von einer Verhöhung der Frauen.
11:39Ich meine, die beiden Parteien haben relativ wenig gemeinsam, aber da ist man auf einmal auf einer Wellenlänge?
11:43Ja, natürlich. Was sie eint, ist der Oppositionsreflex.
11:46Also wer diesen Elfmeter liegen lässt, dem ist ja wirklich nicht zu helfen.
11:51Also natürlich kommen Leonore Gewessler und Herbert Kickl von zwei ideologisch völlig unterschiedlichen Seiten,
11:57aber das ist etwas, was man natürlich aufgreifen muss.
12:00Ich würde das jetzt auch nicht überbewerten, aber selbstverständlich muss man diese Gelegenheit nützen,
12:06um die Regierung entsprechend zu kritisieren, um die ÖVP entsprechend zu kritisieren.
12:12Was wird das Motiv von Herbert Kickl sein?
12:14Primär das, dass er ja sozusagen der ÖVP und dem ÖVP-Kanzler diesen Anspruch auf die Kanzlerschaft absprechen will
12:24und ihn selber erhebt. Also insofern kann er das nicht liegen lassen.
12:29Wie ernst er das meint, ist die Frage.
12:31Die Partei der Herdprämien, das ist wahrscheinlich der Hintergrund doch ein anderer als vielleicht bei Leonore Gewessler.
12:37Was ich auch interessant gefunden habe, das war dann im Morgenscharnal, ich glaube ein, zwei Tage später,
12:41dass die Arbeiterkammerpräsidentin Renate Andal oder Mittagsjournal von einer Hundsarbeit spricht,
12:46wenn es um die Kinderbetreuung geht. Auch natürlich von einer schönen, aber trotzdem es sei eine Hundsarbeit, meint sie.
12:51Ein Kollege von uns im Blatt meint, auch dafür hätte sie sich einen Shitstorm verdient.
12:55Was ist da dran?
12:56Da muss ich dem Kollegen recht geben. Ich finde, auch das ist eine völlig überzogene und vor allem verfehlte Wortwahl.
13:03Ich weiß nicht mal, was das sein soll, eine Hundsarbeit.
13:06Eine Plackerei, glaube ich.
13:07Gemeint ist Plackerei. Ja, natürlich ist es so, dass es gibt Phasen, wenn man Kinder hat,
13:17besonders wenn sie klein sind, aber auch wenn sie größer sind. Es gibt immer wieder Phasen, wo es einfach schwierig
13:22ist,
13:23wo man sehr gefordert ist und wo man am Ende des Tages irgendwie gar nicht mehr weiß,
13:29wo man für den nächsten Tag die Energie aufbringen soll. Aber das wollte sie, glaube ich, ausdrücken.
13:37Und sie hat es ehrlich gestanden, ähnlich verunglückt formuliert, wie zuvor der Bundeskanzler Christian Stocker,
13:43den sie ja kritisieren wollte damit.
13:46Jetzt haben wir gerade zu Beginn darüber geredet, dass eigentlich diese Aufregung relativ wenig bringt.
13:50Wir sollten über das Inhaltliche reden. Jetzt sind wir trotzdem wieder dort gelandet.
13:53Ich meine, das gehört auch irgendwie dazu bei der Innenpolitikberichterstattung.
13:56Aber wenn man jetzt ganz milde sein will in Richtung Christian Stocker und sagt,
13:59na gut, er ist ein älterer Parteichef einer konservativen Partei, das ist einfach deren Einstellung,
14:04man muss sie ja nicht wählen, Thema beendet. Kann man das irgendwie so stehen lassen?
14:09Natürlich kann man das so stehen lassen. Ich meine, wir sind eine liberale Demokratie
14:13und jeder soll seine Einstellungen pflegen. Die Problematik ist halt, dass die ÖVP selbst in Wahrheit zerrissen ist in dieser
14:23Frage.
14:24Ich glaube nämlich schon auch, dass es die modernen Konservativen eben gibt,
14:30die sagen ja, sowas geht ja gar nicht. Und dass es aber die Traditionalisten gibt,
14:35die sagen ja, durch irgendetwas müssen wir uns ja unterscheiden von den anderen Parteien.
14:39Also lass uns doch das irgendwie herausheben. Und es wird ja viele geben, die auch so traditionell denken wie wir.
14:49Ich glaube, das Problem für die ÖVP ist, dass das vielleicht sogar stimmen mag,
14:55dass es viele Leute gibt, die so traditionell denken. Aber das kann sich ja auch kaum mehr jemand leisten.
15:00Also auf das Einkommen einer Frau zu verzichten innerhalb einer Familie,
15:10das muss man sich mal leisten können. Und in Zeiten der Treuerung ist ja das auch ein zusätzlich sich verschärfendes
15:20Problem.
15:20Ich glaube außerdem, dass gerade in konservativen Kreisen eben, wie gesagt,
15:25in bürgerlichen Kreisen, wo viel auf Bildung Wert gelegt wird,
15:29dann hat die Tochter irgendwie die tolle Ausbildung vielleicht mit Auslandsaufenthalten,
15:34mit Postgraded-Studien und so weiter. Und dann sagt sozusagen die Partei, der ich nahe stehe,
15:40sagt dann, naja, aber wenn sie dann Kinder hat, sollte sie schon daheim bleiben.
15:43Also da machen ja auch viele Frauen nicht mit.
15:44Es gibt sich auch die anderen, die sagen, nein, ich will mir diesen ganzen Wahnsinn in der Wirtschaft
15:51mit Konkurrenzkampf und mühsamen Karrierebestrebungen nicht antun und anders denken
15:58und lieber sozusagen zu Hause bleiben und mich dort entfalten.
16:04Jeder, der es machen will, soll es machen. Aber ich glaube, es ist ein Problem für eine Partei wie die
16:08ÖVP.
16:09Die müssten das einmal, und auch das habe ich gemeint mit meinem Kommentar auch einmal,
16:13grundsätzlich durchdiskutieren. Wofür genau stehen sie?
16:18Was ist denn das traditionelle Familienbild?
16:24Welches Bild kann es denn im Jahr 2026 überhaupt sein, damit man nicht den Boden zur Realität verliert?
16:33Sehr guter Punkt an dieser Stelle. Wir haben ja wieder dieses Gefälle zwischen eben der Wirtschaft
16:37und dem konservativen Familienbild und wie das unter einen Hut zu bringen ist.
16:41Ich glaube, das wird die ÖVP selbst lösen müssen, ob wir da wirklich alle Antworten für sie haben.
16:46Ich meine, könnte man wahrscheinlich sehr viel Geld verdienen, wenn Sie damit erfolgreich sind.
16:49Wir sind ja keine Politikberater, wir sind ja nur Journalisten.
16:52Deswegen sind wir nur Journalisten und verdienen auch nicht so gut wie Politikberater.
16:56Petra, kommen wir vielleicht zu Christian Stocker selbst.
16:58Über den wollten wir heute natürlich auch im Detail sprechen.
17:00Ich finde, er hat ja eine durchaus sehr interessante Karriere hingelegt,
17:04sein Aufstieg zum Parteichef. Ich glaube, wenn es ein Spielfilm wäre, könnte man irgendwie sagen,
17:07plötzlich Parteichef statt plötzlich Prinzessin.
17:10Ich glaube, es wird ihm nicht gefallen, dieser Vergleich.
17:12Nimm uns vielleicht noch einmal mit ins Jahr 2025 in den Anfang für alle,
17:16die vielleicht auch in dieser Zeit auf einer Berghütte waren und von diesem Drama nichts mitbekommen haben
17:20nach der Nationalratswahl.
17:21Wie ist denn dieser langjährige Vizebürgermeister von Wiener Neustadt
17:24und sehr treuer Parteisoldat Christian Stocker plötzlich an der Spitze gelandet?
17:28Naja, wenn man es gemein formuliert, könnte man sagen, weil halt niemand anderer gerade da war.
17:37Wenn man es positiv formuliert und freundlich gesinnt ist, was man schon sein sollte,
17:45weil man muss schon auch Respekt haben vor seiner Lebensleistung, muss man sagen.
17:51Er war halt dann derjenige, der da war, als es wirklich schwierig geworden ist.
17:55Wir erinnern uns, es gab ja zunächst einmal die Koalitionsverhandlungen zwischen der FPÖ und der ÖVP
18:04und das hat sich ja hingezogen und das wurde ja sozusagen nichts.
18:13Diese Koalitionsverhandlungen musste einer führen.
18:15Karl Nehammer wollte es nicht führen, er ist zurückgetreten.
18:19Christian Stocker hat gesagt, okay, mache ich, wir reden darüber und so weiter und so fort.
18:24Und er hat, glaube ich, in diesen Koalitionsverhandlungen, tatsächlich, er war ja vorher Generalsekretär der ÖVP,
18:34er war sehr nah dran, schon längere Zeit und er hat in diesen Koalitionsverhandlungen schon auch gesehen,
18:41was sich da abspielt und wie ein Land ausschaut, das möglicherweise von Herbert Kittel geführt wird.
18:48Und das hat ihm, glaube ich, einen Motivationsschub gegeben.
18:51Er sagt jetzt auch immer auf seiner Österreich-Tour, ich müsste das alles nicht machen, aber ich mache es für
18:57sie,
18:58zu seinem Publikum, weil ich glaube, dass das wichtig ist fürs Land.
19:02Und ich glaube, dass das wirklich seine tiefe innere Überzeugung ist.
19:05Er möchte, glaube ich, verhindern, dass mit der FPÖ etwas wie eine Dritte Republik kommt,
19:11wie Herbert Kittel sie sich vorstellt, wo es tatsächlich auf einigen Ebenen sicher einen Rückbau von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit geben
19:22könnte.
19:23Und ich glaube, das will er verhindern.
19:24Das hat ihn zum Parteichef gemacht, letztlich dann auch zum Bundeskanzler gemacht,
19:30weil wir wissen ja, dass die Koalitionsverhandlungen mit der FPÖ gescheitert sind.
19:35Und er versucht hat, diese wirklich schwierig zu führende Dreier-Koalition zu bilden.
19:42Das ist ihm auch gelungen.
19:44Die machen ihre Arbeit.
19:46Über die Qualität dieser Arbeit könnten wir in einem Extra-Podcast mal sprechen.
19:51Aber immerhin, das ist ihm gelungen.
19:56Das hat er geschafft und ich glaube, es ist nach wie vor seine Überzeugung,
20:00dass man verhindern muss, dass Herbert Kickl Bundeskanzler wird.
20:04Und er hat das, glaube ich, für sich auch beschlossen,
20:10dass er seinen Teil dazu tun möchte, um das zu verhindern.
20:15Man kann ihm da jetzt sozusagen quasi eine parteipolitische Motivation unterstellen
20:20und sagen, na ja, eh klar, die ÖVP klammert sich halt an die Macht, solange es geht.
20:25Aber ich glaube, Christian Stocker schon auch,
20:28dass er so etwas wie eine staatspolitische Verantwortung spürt.
20:32Finde ich aber interessant, dass du das sagst, weil er war ja derjenige,
20:34der dann für die ÖVP in die Verhandlungen mit der FPÖ gegangen ist.
20:38Karl Nehammer war da ja eigentlich konsequenter,
20:40weil der hat von Anfang an gesagt, nicht mit der FPÖ.
20:42Und dann ist er auch tatsächlich gegangen.
20:44Also der hat es durchgezogen.
20:45Christian Stocker hat ja eigentlich sein langjähriges Versprechen,
20:48oder langjährig, aber sein langes Versprechen gebrochen,
20:51weil er mit der FPÖ diese Verhandlungen begonnen hat.
20:53Und vorher hieß es ja immer von ihm auch, sicher nicht mit der Kickl-FPÖ.
20:57Ja, ich glaube...
20:58Oder waren die Verhandlungen in Urscheit?
21:01Naja, ich bin mir da nicht so sicher.
21:03Man muss sich ja auch den demokratischen Realitäten stellen.
21:07Und das war nun mal, dass die FPÖ die stärkste Partei geworden ist bei diesen Wahlen.
21:12Das heißt, da sozusagen zu sagen, ich gebe dir die Gelegenheit, versuchen wir es.
21:18Auch wenn ich persönlich nicht davon überzeugt bin,
21:21ich glaube, dass das auch im Einklang mit dem war,
21:23wie der Bundespräsident diese Sondierungs- und Regierungsgesprächsaufträge gesehen hat.
21:33Aber Kickl hat im Nachhinein gesagt, naja, die ÖVP wollte von Anfang an nicht.
21:38Das hat sich ja irgendwie herausgestellt.
21:40Es mag schon sein, dass es vielleicht von Anfang an so angelegt war,
21:43dass man sagt, wir sehen eigentlich keine Gemeinsamkeiten,
21:46aber reden wir halt einmal, weil man miteinander reden muss.
21:51Interessant wird es, also wir wissen alle,
21:54wenn man die derzeitigen Umfragen anschaut, dass die FPÖ weit vorne liegt.
21:57Das heißt, wären jetzt Wahlen, würde sie diese Wahlen höchstwahrscheinlich gewinnen.
22:02Und dann müsste sie aber wieder Koalitionsgespräche führen.
22:05Und die Frage wäre halt schon, mit wem?
22:10Und wie geht sich das dann am Ende aus?
22:12Weil die ideologischen Gräben zwischen ÖVP und FPÖ
22:18und noch viel mehr zwischen FPÖ und SPÖ sind ja riesig.
22:22Man müsste sehen, ob irgendwie eine neue Kraft das Feld betritt.
22:28Zum Beispiel Sebastian Kurz, der ja unserem Bundeskanzler auch einiges zu kauen aufgibt,
22:36weil er ständig in den Medien präsent ist.
22:39Zu der möglichen Nachfolge kommen wir gleich.
22:41Ich verspreche es den Zuhörerinnen und Zuhörern an dieser Stelle.
22:44Ich würde es nur nicht gern vorziehen,
22:45weil ich würde gern noch bei Christian Stocker selbst bleiben.
22:48Wie deine Einschätzung, nachdem dann diese Dreier-Koalition entstanden ist,
22:52wie hat sich Christian Stocker als Bundeskanzler
22:54und Chef dieser Dreier-Koalition deiner Ansicht nach gemacht?
22:58Weil man hat viel gelesen über ihn,
23:00beispielsweise auch aufgrund seines Aussehens.
23:02Ich bin da kein Freund davon, aber ich sage es jetzt trotzdem,
23:04er ist ihm als Politbudda bezeichnet worden,
23:06quasi als Ruhepol in diesem Chaos, das da in Österreich geherrscht hat.
23:09Er könne über die Parteigrenzen hinaus quasi sowohl die SPÖ
23:12als auch die Neos quasi einfangen und gut mit ihnen umgehen.
23:15Hat er diese Rolle erfüllt?
23:18Jein, ein klares Jein.
23:20Also ich habe mir ja auch gedacht,
23:23dass er vielleicht genau die richtige Person zum richtigen Zeitpunkt ist.
23:28Und ich glaube nach wie vor, dass da was dran ist.
23:31Ja, er strahlt eine gewisse Ruhe und Souveränität aus.
23:35Es bringt ihn nicht so leicht aus der Fassung.
23:38Das ist schon mal gut.
23:39Also in so aufgeregten Zeiten, wo ständig irgendwo ein Strohfeuer entsteht,
23:45ein Strohfeuer der Aufregung über irgendetwas,
23:49ist es schon mal gut, wenn einer so gesettelt und mittig in sich ruht und sagt,
23:55okay gut, atmen wir mal durch, reden wir nochmal über die Dinge.
23:58Meinst du jetzt Strohfeuer im politischen Sinne oder tatsächlich Waldbrände?
24:01Die beschäftigen uns ja auch gerade.
24:02Ich meine in dem Fall im politischen Sinne, Entschuldigung,
24:05falls das jetzt gerade so im jetzigen Zeitpunkt das falsche Bild ist.
24:09Aber der Punkt ist der,
24:12und ich glaube, das ist auch die Problematik bei dieser Österreich-Tour,
24:15die er gerade macht.
24:19Ich muss ein bisschen ausholen.
24:21Warum kommt die FPÖ, kommt Herbert Kickl gerade so gut an bei den Leuten?
24:26Ich glaube, es gibt so eine tiefe Sehnsucht bei vielen, vielen Menschen,
24:31dass endlich mal alles anders wird.
24:33Also die Leute haben es irgendwie satt, haben das Gefühl, es ist immer das Gleiche.
24:39Es gibt große Versprechungen vor der Wahl.
24:42Dann wird nachher nichts gehalten oder nur zu wenig gehalten.
24:44Es heißt immer, der Staat, das muss alles modernisiert werden,
24:49alles muss anders werden und so weiter und so fort.
24:51Dann passiert nichts.
24:52Die FPÖ ist wenigstens tringent und sagt, ja, wir würden die Dinge anders machen.
24:58Das kann man jetzt bewerten, wie man will.
25:00Ob jetzt die Lösung des Problems ist,
25:03alle Ausländer rauszuschmeißen und niemanden mehr reinzulassen,
25:07ob das unsere klimatischen Probleme lösen würde,
25:11unsere wirtschaftlichen Probleme,
25:12unsere Probleme, dass wir nicht genug Facharbeiter und Facharbeiterinnen haben und so weiter.
25:18Das sei dahingestellt.
25:19Aber sie geben zumindest ein klares Bild ab.
25:22Auf der anderen Seite steht die Dreier-Koalition,
25:24die zwar viel macht und vieles, quasi so kleinere Dinge auf den Weg bringt,
25:30aber denen fehlt die Gesamterzählung.
25:33Du müsstest der Kickler-Erzählung eine andere Erzählung eines österreichischen Staates der Zukunft entgegensetzen.
25:40Das müsstest du dringend machen.
25:42Du müsstest den Leuten eine Idee geben, wo es hingeht.
25:45Wie soll Österreich in 10, 20, 30 Jahren tatsächlich ausschauen?
25:49Wo sind wir gut?
25:50Was machen wir?
25:51Wo investieren wir?
25:53Wie tun wir?
25:54Und das ist etwas, was von Christian Stocker abwärts in dieser Koalition niemand leistet.
26:01Und das ist das Problem.
26:02Und insofern mein Nein, Christian Stocker macht seine Sache in dieser Hinsicht nicht gut.
26:09Und er kann auch den Leuten auf seiner Österreich-Tour nicht wirklich erklären,
26:14warum es wichtig wäre, die ÖVP zu wählen.
26:17Aber wie könnte diese Vision eines neuen Österreichs dieser Dreier-Koalition aussehen?
26:22Also das ist ja leicht dahingesagt, aber was soll sich denn ändern?
26:26Naja, schau, bleiben wir doch bei der aktuellen Situation.
26:30Wir haben jetzt die zweite Megahitzeperiode hinter uns oder wir sind noch mittendrin.
26:35Die vierte inzwischen sogar.
26:36Oder vierte.
26:38Und es ist evident, dass sich etwas ändern muss.
26:44Wenn wir keine Hitze toten wollen, wenn wir nicht wollen, dass unsere Flüsse ausdrucken und so weiter und so fort.
26:50Es wäre doch tatsächlich das Wichtigste zu sagen, wir bauen unser Wirtschaftssystem so um,
26:58dass es ökologisch verträglich ist.
27:00Wir investieren in Wärmepumpen, in ich weiß nicht was, in Geothermie und so weiter und so fort.
27:07Wir schauen, dass wir die Verbrennermotoren wegkriegen, dass wir wirklich auf Elektromobilität setzen, was auch immer.
27:15Das wäre so eine Vorgabe, die man machen könnte, die man auch machen müsste,
27:19weil dann könnte man nämlich der FPÖ ordentlich das Wasser abgraben,
27:23weil die FPÖ hat überhaupt keine Antworten auf die Klimakrise.
27:26Und glaubt ja immer noch, es ist sein Sommer wie damals und es ist halt einfach ein bisschen heiß.
27:32Was ja jeder vernünftige Mensch sieht, dass dem nicht so ist.
27:37Und das liegen zu lassen thematisch, weil man irgendwie sich denkt,
27:43naja, dann klingen wir ja so wie die Grünen oder da haben wir uns abgearbeitet an Leonore Gewessler,
27:50die unserer Meinung nach viel zu viel bei Klimathemen gemacht hat als Klimaschutzministerin der vorigen Koalition.
27:57Nein, da wollen wir nicht hin und dann gibt es vielleicht ein paar in der Wirtschaft, die sich aufregen.
28:02Ich glaube das gar nicht. Ich glaube, dass die österreichische Wirtschaft einfach nur darauf wartet,
28:07dass es eine Vorgabe gibt, dass man sagt, okay, wir wollen in diese Richtung und da wollen wir gut sein.
28:12Und wir wollen diejenigen sein, die in Zukunft alle Elemente für die Geothermie, für die Bohrungen selbst herstellen.
28:20Die ganze Welt soll bei uns einkaufen und so weiter.
28:22Da gibt es so viele Dinge, die man sich überlegen könnte, dass man auch in diese Richtung die Ausbildungen verstärkt.
28:30Und da rede ich jetzt nicht nur auf der akademischen Ebene, sondern auch eben, wie gesagt, auf der FacharbeiterInnen-Ebene.
28:36Da gibt es so vieles zu tun. Und das lässt man liegen. Und das ist halt wirklich ein Problem.
28:42Kann es sein, dass du gerade die ökosoziale Marktwirtschaft neu belebt hast oder versucht hast, neu zu überleben?
28:48Weil das ist ja eigentlich auch unter Josef Riegler von der ÖVP ja eigentlich ein Urprinzip der ÖVP, könnte man
28:54sagen.
28:54Ist ja nicht einmal neu.
28:55Ja, das war aber ehrlich gesagt, wann war denn das jemals mehr als ein Lippenbekenntnis?
28:59Ja, gut.
29:01Also, aber vom Grundsatz her, ja, natürlich. Und es zahlt auch ein in den Green Deal, den ja die EU
29:09-Kommissarin von der Leyen machen wollte mit ihrer vorigen EU-Kommission,
29:15wovon sie sich jetzt halt dann auch wieder distanziert hat, weil halt andere Themen im Vordergrund standen.
29:20Aber grundsätzlich ist das die richtige Richtung. Wir müssen da hin.
29:23Und gerade in Europa. Europa ist am stärksten von der Klimakrise betroffen.
29:28Ich spiele jetzt einmal die Gegenseite, Petra, und sage, naja, das Gegenargument ist immer, Österreich ist für 0,2 Prozent
29:34des CO2-Ausstoßes verantwortlich.
29:36Wir können sowieso nichts machen. Parkplätze brauchen wir auch. Und Verbote sind sowieso immer unsexy.
29:41Und warum den Leuten den geliebten Verbrenner wegnehmen?
29:44Ja, Politik ist halt auch nicht immer den Leuten aufs Maul schauen oder denen, die laut sind, aufs Maul schauen
29:52und denen sozusagen quasi nach dem Mund reden.
29:55Sondern Politik ist schon auch etwas wie, ich habe eine Überzeugung und dazu stehe ich und in diese Richtung arbeite
30:03ich.
30:04Und wenn es den Leuten nicht passt, dann werden sie mich wahrscheinlich abwählen.
30:07Das ist halt Demokratie. Und ich denke mal, ja, natürlich kann man sagen, Österreich ist so klein und wir können
30:16eh nichts machen.
30:17Aber wenn sich das jeder denkt, dann wird tatsächlich diese Welt eines Tages zugrunde gehen.
30:24Es muss jeder seinen Teil tun.
30:27Und ich glaube schon auch, dass man, wenn man klein ist, viel Großes leisten kann, wenn man die richtigen Ideen
30:36hat und sie mit Werf vertritt.
30:39Glaubst du, dass unbeliebte Maßnahmen, eben beispielsweise Klimaschutzmaßnahmen, die ja durchaus vielleicht einige Einschnitte haben,
30:45wenn sie dann im Nachhinein einen positiven Effekt erzielen würden, tatsächlich auch honoriert werden?
30:49Also kann man den Österreichern noch Einschnitte oder unbequeme Wahrheiten zumuten?
30:56Ob das noch der Fall ist, kann ich dir nicht sagen, weil ich nicht in die Zukunft schauen kann.
31:00Aber in der Vergangenheit war das doch immer wieder auch, also gehen wir auf die kommunale Ebene.
31:06Was mir spontan einfällt ist, was gab es nicht für schreckliche Kritik, als die Wiener SPÖ die Donauinsel aufgeschüttet hat.
31:15Das ist schon einige Jahrzehnte her, aber das ist ein Wahnsinn und was fällt denen ein und überhaupt und so
31:21weiter.
31:23Jetzt ist es das Freizeitparadies der Wienerinnen und Wiener schlechthin.
31:27Es schützt uns genauso vor Hochwasser, wie es uns die Möglichkeit gibt, heiße Sommer halbwegs gut zu überstehen.
31:33Und Dinge zu tun, von denen man glaubt, dass sie richtig sind und sie dann richtig und gut umzusetzen,
31:39das kann dann am Ende schon dazu führen, dass man jahrzehntelang regieren kann.
31:43Das ist nur so ein kleines Beispiel, aber ich glaube sehr wohl, dass die Wahrheit zumutbar ist und immer noch
31:51die Wahrheit zumutbar ist.
31:53Egal, was sich dann für Shitstorms auf den sozialen Medien tut, da muss man reagieren, das muss man aushalten.
32:01Aber trotzdem, wir können doch nicht aufhören, das Richtige zu tun und das aus Überzeugung zu tun, was wir für
32:10richtig halten.
32:10Ich muss da immer an die Maria-Hilfer-Straße denken, die ja jetzt im Nachhinein, glaube ich, keiner mehr Auto
32:16befahren sehen will.
32:17Also ich kenne zumindest niemanden.
32:20Petra, kommen wir ganz kurz auch zu diesen Sommertouren.
32:23Der Bundeskanzler ist ja gerade auf Tour und der Vizekanzler ebenfalls.
32:27Und ein Gedanke dazu vom Profil tatsächlich vom Kollegen Konstantin Auer, sehr schlauer Kopf, der da die These aufgestellt hat
32:34oder die Frage aufgeworfen hat,
32:36warum denn nicht Babler und Stocker gemeinsam auf Tour gehen, um nicht quasi die ÖVP und die SPÖ zu bewerben,
32:41sondern, wie du vorher gesagt hast, eine gemeinsame Erzählung für die Regierungsarbeit zu finden.
32:45Wäre das nicht was?
32:46Ich finde, das ist eine durchaus gute Überlegung.
32:51Dann sollte man halt Beate Meindl-Reisinger auch gleich mitnehmen und eine Art Regierungs-Sommertour daraus machen.
32:59Ja, das wäre zum Beispiel eine gute Idee gewesen.
33:03Warum denn nicht für diese Regierungsform zunächst einmal werben und sagen,
33:10hey Leute, das machen wir und davon sind wir überzeugt und das finden wir gut
33:15und wäre doch schön, wenn ihr nach Bruno Kreisky ein Stück des Weges mit uns gemeinsam geht.
33:21Warum sie das nicht tun, das ist auch so eine Geschichte, dass halt jeder so ein bisschen seine Partikular-Dinge
33:27ordnet
33:28und versucht unter Kontrolle zu halten, aber dass es in dieser Koalition, glaube ich,
33:33im Grunde genommen relativ wenig Gemeinsamkeiten gibt.
33:38Gewählt wird 2029, regulär zumindest.
33:41Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendeiner von den drei Parteichefs Interesse daran hat,
33:45dass früher gewählt wird, wenn man sich die Umfragen so ansieht.
33:47Was glaubst du, Petra, wird Christian Stocker für seine Partei in die Wahl gehen?
33:51Ich weiß, das ist jetzt ein bisschen Glaskugel, aber du hast es ja vorher schon angeschnitten.
33:56Ehrlich gestanden kann ich es mir nicht ganz vorstellen, er ist ja auch nicht mehr der Jüngste
34:03und ich glaube schon, dass er es ganz gerne auf diese Legislaturperiode begrenzen würde,
34:11wenn er denn einen geeigneten Nachfolger, eine geeignete Nachfolgerin sehen würde.
34:17Und da komme ich jetzt ins Stocken.
34:18Ich weiß nicht, Daniel, vielleicht kannst du mir helfen.
34:20Siehst du jemanden?
34:22Also die logische Wahl, du hast sie schon angesprochen, wäre wahrscheinlich Claudia Bauer, oder?
34:27Also es ist jetzt nur eine Vermutung, junges Gesicht, wäre auch mal eine Frau als Parteichefin bei der ÖVP
34:31und vielleicht auch eher die Nähe zur FPÖ, als sie Christian Stocker wagen würde.
34:37Es hieße dann, dass Claudia Bauer eine Koalition mit einer FPÖ eingehen würde,
34:42wo die ÖVP wieder in den Vizekanzlerposten fällt.
34:48Ja, das ist halt die Frage. Ich glaube, das ist die Problematik.
34:52Und wir haben nach wie vor auch diese Sebastian-Kurz-Geschichte, die, glaube ich, die ÖVP nimmt Kurz jetzt letztlich
35:04schon sehr übel,
35:05dieses Treffen vor kurzem mit Kickl.
35:09Also da hat das, glaube ich, auch wirklich für viele in der ÖVP, die in sich zurückwünschen, einfach übertrieben.
35:17Magst du das ganz kurz skizzieren, was da passiert ist?
35:19Ich glaube, das haben auch nicht alle mitbekommen.
35:20Na ja, Sebastian Kurz tritt ja immer wieder auf und gibt seine Meinungen zu verschiedenen weltpolitischen,
35:34innenpolitischen Wirtschaftsthemen von sich, wird auch gerne von deutschen Medien dazu interviewt
35:41und hat dadurch eigentlich schon seit Langem immer den Eindruck erweckt,
35:49dass er eigentlich nach wie vor an der Politik sehr interessiert ist und so ein bisschen spekuliert mit seiner Rückkehr.
35:57Und dementsprechende direkte Fragen beantwortet er derartig lustlos, dass man ihm das jetzt auch nicht glauben kann,
36:05dass er es nicht will und er hat sich offensichtlich mit Herbert Kickl getroffen
36:15und man hat sich ausgesöhnt und ausgesprochen, weil zwischen denen gab es ja ein großes Problem,
36:20weil ja Kurz damals die Koalition mit der FPÖ aufgekündigt hat,
36:27weil Strache musste zurücktreten aus den bekannten Gründen nach Ibiza
36:31und Kickl hätte sozusagen quasi aus der Innenministerposition aufsteigen sollen.
36:37Das hat Kurz abgelehnt und seither war man ja angeblich Spinnenfeind
36:41und jetzt gab es diese große Versöhnung und das wurde eben auch medial so von beiden Seiten bestätigt.
36:47Und tja, das glaube ich ist der ÖVP, die ja die Koalition mit der FPÖ jetzt letztgültig abgelehnt hat,
36:59weil sie sagen, Kickl kann Kanzler nicht, darf Kanzler nicht und da spuckt jetzt Kurz sozusagen in die Suppe.
37:07Das wird nicht so freundlich gesehen, aber das heißt noch immer nicht,
37:12dass nicht Kurz vielleicht eine Liste Sebastian Kurz machen könnte außerhalb der FPÖ,
37:17wo er dann einen Kanzler Kickl vielleicht mit einem Wahlergebnis von 12 bis 15 Prozent sogar unterstützen kann.
37:24Also du glaubst wirklich, dass er als Vizekanzler unter einem Herbert Kickl mit seiner Rolle zufrieden wäre?
37:31Ich habe so manchmal ein bisschen das Gefühl und das klingt jetzt ein bisschen böse,
37:33aber er scheint sich ja in seiner Rolle als der österreichische Richard David Precht,
37:37der zu allem irgendwas sagt, dir eigentlich vielleicht auch ganz wohl zu fühlen.
37:39Also wie ernst glaubst du, ist das wirklich?
37:42Ich glaube, naja, wie ernst das ist, weiß ich nicht.
37:44Ich glaube aber schon, dass das immer wieder so damit geliebäugelt wird und dass es eine Möglichkeit ist.
37:52Kurz ist ja einer, der seine Möglichkeiten nach allen Richtungen offen hält
37:57und sich sehr vieles, glaube ich, vorstellen kann und da sehr flexibel darauf reagiert.
38:02Und ich glaube, sollte es tatsächlich zu so einer Konstellation kommen,
38:05das ist jetzt wirklich Kaffeesud lesen, wie man so schön sagt,
38:09aber sollte es wirklich zu so einer Koalition kommen,
38:11dann wäre er, glaube ich, schon sehr davon überzeugt,
38:14dass er bald einmal, egal welche Rolle er hätte in so einer Koalition,
38:18Kickl ausstechen würde, weil rhetorisch begabter, viel beliebter
38:24und viel sozusagen quasi kompatibler für einen größeren Wählerkreis,
38:32ich glaube, da würde sich keine Sorgen machen, in welche Position er da irgendwie hineinkommen würde.
38:39Er, glaube ich, wäre davon überzeugt, dass er die FPÖ, wie man auf Wienerisch sagt,
38:45mit einem anderen Schmäh schon packen würde.
38:48Petra, vielleicht abschließend, wir wollten ja heute über Christian Stocker sprechen,
38:51jetzt haben wir auch ein bisschen Sebastian Kurz angeschnitten.
38:53Was müsste deiner Einschätzung nach Christian Stocker ändern,
38:57an sich oder an der Partei oder generell, damit er noch eine Chance hat,
39:012029 oder zumindest die Chance hat, das Ruder einem Nachfolger zu übergeben,
39:05der bei der Nationalratswahl nicht auf diese unter 20-Prozent-Marke abstürzt,
39:10die derzeit zumindest in Umfang gerade prognostiziert werden?
39:12Ich habe es schon erwähnt und auch Simone Striebel,
39:17die mit den Sommergesprächen jetzt begonnen hat im ORF,
39:21hat das in einem Interview schon gesagt,
39:24man muss diese Koalition tatsächlich erkennen können an den Reformschritten,
39:31die sie jetzt tatsächlich, an den großen Reformschritten,
39:33die sie jetzt tatsächlich einleitet.
39:35Die sind jetzt einige Zeit im Amt, sie haben die notwendigen Dinge gemacht,
39:40um halbwegs die laufende Wirtschaftskrise und die Inflationskrise zu bekämpfen.
39:45Jetzt muss man an die Zukunft denken, jetzt muss man mal schauen, wo geht es hin,
39:50was tun wir tatsächlich mit unserem Gesundheitssystem,
39:53was passiert mit dem Bildungssystem.
39:54Ich glaube, es braucht diese großen oder größeren Würfe,
40:01es braucht diese Idee von einem Österreich von morgen,
40:04wenn Christian Stocker eine Chance haben will.
40:08Petra Stüber war das, sie ist stellvertretende Chefredakteurin hier vom Standard.
40:12Vielen Dank für deinen Besuch im Studio.
40:13Sehr gerne.
40:14Und wenn euch Thema des Tages gefallen hat,
40:16dann abonniert den Kanal auf der Podcast-Plattform eurer Wahl oder auch auf YouTube.
40:19Da sind wir immer öfter mit Videopodcasts vertreten.
40:21Einfach Kanal abonnieren und nicht vergessen, Glocke drücken.
40:24Ich bin Daniel Retschitz-Egger, vielen Dank fürs Dabeisein, bis zum nächsten Mal.
Kommentare