00:00Es ist schwierig geworden. Eigentlich die Sommerzeit ist eine gute Zeit.
00:04Hitze, Fliegen, Mäuse und Ratten, die dann auch manchmal Klientinnen anknabbern,
00:10da ist man schon anderen Gefahren ausgesetzt als im Winter.
00:14Bevor ich mit armutsbetroffenen Menschen und denen, die ihnen helfen, gesprochen habe,
00:18war mir nicht klar, dass für viele Obdach- und wohnungslose Menschen
00:21die Hitze im Sommer inzwischen viel schlimmer ist als die Kälte im Winter.
00:25Mit der Klimakrise werden Hitzewellen und Wetterumschwünge häufiger und intensiver.
00:30Wer keinen sicheren Rückzugsort, wenig Geld oder keinen sicheren Schlafplatz hat,
00:34den treffen die Folgen besonders hart.
00:36Letztes Jahr im Sommer, glaube ich, waren es 20 aufeinanderfolgende Tage mit über 30 Grad.
00:42Dehydrierung, Kreislaufprobleme, das sind alles Sachen, die man voll unterschätzt,
00:46weil es jetzt erst so richtig aufkommt mit den steigenden Temperaturen.
00:49Man erlebt auf der Straße sehr viele Schicksalsschläge, man sieht sehr viele traurige Sachen.
00:56Da zu verarbeiten und normal zu bleiben, das ist sehr schwierig.
01:02Natürlich entwickelt man auf der Straße ein Suchtproblem, entweder Alkohol oder andere Drogen.
01:07Ich habe ein Alkoholproblem, zu dem stehe ich.
01:11Das Trinken ist ganz wichtig.
01:14Viele denken sich, ich trinke eh genug Wein und genug Bier.
01:16Aber das entzieht alles die Flüssigkeit und sie vergessen dann wirklich Wasser zu trinken.
01:21Also ich gehe nie ohne Getränke aus dem Haus, nie ohne Kopfbedeckung, nie ohne Sonnencreme eingecremt,
01:28die mir Gott sei Dank von verschiedenen Stellen wie Kare das zum Beispiel geschenkt kriegen.
01:33Ja, ich bin die Ellie und bin 61 Jahre alt und bin seit Dezember 25 teilweise auf der Straße oder
01:42viel auf der Straße unterwegs,
01:44weil ich eine Schwarzschimmelwohnung habe.
01:46Was ich immer mithabe, ist ein nasser Waschlappen fürs Gesicht zum Abwischen und eine Babywindel, eine Stoffwindel mache ich mir
01:53auch nass.
01:54Die tue ich dann da rauf hängen und die tue ich mir dann drüberlegen, überall und vor allem auf meine
01:59Füße tue ich dann kühlen,
02:01weil sonst komme ich nicht durch den Tag.
02:03Ich kriege, wie wenn man im Wechsel ward, Hitzewallungen.
02:06Ich begleite die Caritas auf Streetwork.
02:09Wir finden aufwendig gebaute Lager in Grünflächen, versteckt zwischen Bäumen und Sträuchern,
02:13mit deutlichen Anzeichen, dass diese Plätze noch genutzt werden.
02:17Die BewohnerInnen treffen wir dort jedoch nicht an.
02:19Im Sommer halten sich deutlich mehr Menschen bis in die Abendstunden im öffentlichen Raum auf.
02:24In Tonau treffen FreundInnen, treiben Sport.
02:26Für obdachlose Menschen bedeutet das, dass sie ihre Schlafplätze oft erst spät aufsuchen können,
02:30wenn die Parks und Uferpromenaden leerer werden und sie dort ungestört schlafen können.
02:34Gleichzeitig gibt es im Sommer weniger Notquartiersplätze als im Winter.
02:38Die Caritas fordert deshalb mehr Möglichkeiten, damit Menschen auch in den heißen Monaten Schutz vor der Hitze finden können.
02:43Vor allem im urbanen Raum ist man der Sonneneinstrahlung und dann durch den erhitzten Beton einfach so ausgesetzt.
02:49Wir suchen jetzt einen Platz, wo wir im Schatten liegen.
02:53Sie schlafen oft irgendwo ein, wo Schatten ist, wo keine Sonne ist und rachen dann auf mit einem riesen Sonnenbrand.
03:00Weite suchen im Grünen ist oft schwierig und dann auch wieder mit langen Fahrten in Verbindung.
03:05Und die Leute leiden. Du gehst den ganzen Tag mit so einem Wagerli, habe ich ja geklickt, dass ich eins
03:12gekriegt habe.
03:13Andere haben schwere Rucksäcke, wenn ihr seht, die waren da Rucksäcke 20 Kilo, zwei Säcke links und rechts.
03:21Die Winter sind mild, die gehen schon besser als wie der Sommer. Der Asphalt ist heiß, es regnet.
03:27Ich merke, das ist total schwül. Das ist echt unangenehm, wenn man denkt, dass die Klientinnen hier schlafen.
03:34Weil ich vermute, dass auch die Kleidung ein bisschen nass ist und das dann einfach zum Dampfen anfängt.
03:40Obdachlose Menschen haben auch nicht wie wir Handy, wo wir irgendeine Gewitterwarnung bekommen,
03:46sondern das kommt oft für unsere Klientinnen sehr plötzlich. Sie können sich nicht schützen.
03:51Das Wetter ist jetzt aber auch sehr extrem, oder? Jetzt gab es diesen großen Regen und dann ist es wieder
03:56heiß und dann ist es wieder kälter.
03:58Das stelle ich mir.
03:58Warum bin ich auch erkältet und heißer? Tut mir leid.
04:02Ja, wegen dem Wetter, dass Sie krank werden.
04:04Ja, ja, die Temperaturen fallen einmal rund, einmal rauf, dann der Regen.
04:09Bei der Streetwork treffen wir im Wiener Stadtpark auf einen Mann, der über schmerzhafte Wunden an den Füßen klagt.
04:14Durch die Hitze und den Schweiß hat er sich seine Fußaußenseiten in den Schuhen aufgerieben und geht deshalb barfuß.
04:19Die Caritas StreetworkerInnen versorgen ihn, geben ihm Wasser und einen Schlafsack für die Nacht im Park.
04:24Mir wird immer klarer, die Hilfe für Armutsbetroffene muss mit den Herausforderungen des Klimawandels wachsen.
04:30Das hat ein Klient mal gesagt, der bei plus 35 Grad mit dem Bulli herumgelaufen ist.
04:36Das ist ein Schutz vor den Insekten, was natürlich dann auch wieder für Herz-Kreislauf eine Herausforderung ist.
04:42Wenn wir einen Gelsenstich haben, kratzen wir uns, haben hoffentlich Fenestil mit.
04:46Unsere Klientinnen haben das nicht, kratzen die Wunden, entzünden sich.
04:51Die Klientinnen versuchen es dann mit irgendeinem Zeitungspapier abzudecken oder irgendwas und trauen sich dann oft auch nicht ins Krankenhaus,
04:58weil sie vielleicht nicht so sauber sind.
05:00Viele obdachlose Menschen leben vom Müll.
05:03Da sind natürlich auch die Lebensmittel dann oft nicht mehr okay, wenn sie der Hitze ausgesetzt sind, was aber die
05:10obdachlosen Menschen oft nicht mitbekommen.
05:11Früher haben die Obdachlosen auch zusammengehalten und wir waren eine Familie.
05:17Einer hat den anderen geholfen.
05:19Jetzt die Problematik ist wirklich, es wird sehr viel gestohlen, sehr viele Aggressionen, egal ob Winter oder Sommer.
05:28Es gibt halt trotzdem noch Leute, die was loyal sind.
05:33Wir reichen uns die Hände und helfen uns gegenseitig.
05:37Wenn ich ohne Rollator gehe, fliege 100 Prozent und da machen sich Leute über den Rollator lustig und sagen, ob
05:45ich Camping fahre.
05:46Ist es oft so, dass Leute blöd schauen oder respektlos dir gegenüber sich aufhören?
05:51Man gewöhnt sich daran, aber nur ganz, ganz schwer gewöhnt man sich daran.
05:55Ich bin nicht der Einzige, als werden Leute beleidigt, beschimpft, schief angeschaut.
06:03Die Leute gaffen dich an von oben bis unten.
06:07Ich habe eine Technik, ich komme zurück.
06:10Ich sage nichts mehr, weil das sind meine Nerven und ich rege mich auf.
06:14Ich will mich nicht aufregen.
06:15Ich will nicht mit 61 Jahren einen Herzinfarkt auf die Straße kriegen.
06:19Weil die Sonne von unten brennt, von oben brennt und die Leute gemeinsam zu dir.
06:25Das Schöne ist aber noch immer, dass es immer ein paar Leute gibt, die jemandem helfen.
06:32Es gibt unglaublich viele Momente, wenn man der Job glücklich macht.
06:35Einfach ein normales Gespräch mit den Personen führen und irgendwie draufkommen,
06:39ah ok, jetzt fühlt sie sich einmal verstanden.
06:41Das Machtverhältnis ist auf einmal auf Augenhöhe.
06:45Und man redet nicht mit Mitleid, man redet nicht mit Stränge,
06:51sondern einfach ein normales Begegnen.
06:53Und ich finde, das löst oft in Personen einfach so ein schönes Gefühl aus.
06:56Wenn Leute dieses Video sehen, die nicht auf der Straße leben und das noch nie erfahren haben,
07:01was würden Sie den Leuten gerne sagen, was sie vielleicht verstehen sollten
07:05über ihre Lebenssituation zum Beispiel?
07:08Von was bräuchts vielleicht mehr?
07:09Man hat eine Familie und wir sind zusammen und es gibt nur eins, der zusammen landet.
07:22Und das ist das Schönste im Leben.
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