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00:0124. März 2015.
00:04Flughafen Barcelona.
00:06Lina hat Spanisch gelernt und dann gab es halt diesen Spanisch-Austausch.
00:13Ich hatte ihr morgens eine WhatsApp geschickt.
00:16Da schrieb sie, sie meldet sich, wenn sie dann gelandet sind.
00:19Das waren die letzten Nachrichten von ihr.
00:25Wir waren in dem Flight Operations Gebäude der Lufthansa, als ein Kollege sagte,
00:30wir haben den Kontakt zu einem German Wings Flugzeug verloren, den Funkkontakt.
00:45Der Absturz der deutschen Maschine ist ein Schock, der uns in Deutschland in tiefe Trauer stürzt.
00:55Alles war pulverisiert, die Maschine, aber auch alles, was im Flugzeug war.
01:02Bei dem Unglück sind heute vermutlich alle 150 Menschen an Bord ums Leben gekommen.
01:0716 Schüler und Schülerinnen und zwei Lehrerinnen aus einem Gymnasium der Kleinstadt
01:12halternd waren an Bord des German Wings Fliegers.
01:15Das war sicherlich einer der schlimmsten Momente meines Lebens, Eltern die Nachricht zu überbringen, dass die Kinder nicht zurückkommen.
01:25In ganz Deutschland gab es nur eine Frage. Was ist da passiert und wie konnte ein voll funktionsfähiges Flugzeug abstürzen?
01:35Wir hatten sowas noch nie erlebt, das konnten wir uns alle nicht vorstellen, was da wirklich eigentlich hinter steckt.
01:43Er heißt Andreas, das ist sein Vorname. Und Lubitz, das ist sein Nachname.
01:51Die Medikamente, die er bekommen hat, die hätte ein Pilot der Lufthansa sicher nicht einnehmen dürfen, während er fliegt.
01:58Am ersten Tag an will ich, dass hier wer Verantwortung vernimmt.
02:03Verantwortung für dieses Unglück und nicht alleine der Mörder.
02:07Der Mörder ist neig.
02:43It was actually a alarm, that a flight from the radar is gone. We immediately had our Hubschrauber
02:49immediately. At first we couldn't believe it. A Airbus A320, that was unmuted. But that
02:57was the first flight. The Airbus A320 is, if you will, the VW Golf der Lüfte, also one of the
03:08most popular flights, worldwide. And that this, without a doubt, suddenly suddenly
03:15in a beautiful weather, was very strange.
03:21It began for me as a normal day. I was with a colleague,
03:27to dinner, and we had just our dinner, when the phone rang and I got the message
03:32that in the French Alps a flight from Germanwings was injured and that we had to go out.
03:41And from there, of course, the situation changed. And we were back to the
03:45station and then planned the operation.
03:55It was already a big deal, what happened here. We didn't have to go out there.
04:03My name is Thomas Kostschäffer. I am a sogenannte Flugunfall-Untersucher at the BFU. That
04:08means that my job is to take all the Fakten to go out and then further
04:13out of the way, to make an agreement with the goal of such events.
04:21We must develop the information from the
04:23information, which we have, plausible scenarios and look at what was going on and what we can
04:29conclude.
04:34At the end of the day, at about 11am, the BFU reported that a German flight after the flight
04:42in Barcelona with the Düsseldorf mission was missed and was probably gone from the
04:48Laderschirme.
04:52My name is Johan Reus and I am Director of the International
04:57Task Force in the Ruhestand.
04:59At the time of the event, I was an officer for the Major Investigation.
05:06Formal to say, I was the leader of the state, in which the flight was registered, also Germany.
05:21Der Morgen des 24. März 2015 war für uns tatsächlich so, wie jeder Morgen angefangen hat, wenn man
05:31berufstätig ist und zwei kleine Kinder hat.
05:34Patrick hat das Haus früh verlassen.
05:36Das ging immer sehr fix, er hat sich einen Kaffee gemacht und dann ging es los zum Flughafen
05:42und ich habe die Kinder in den Kindergarten gebracht und bin dann auch selber zur Arbeit gefahren.
05:50Ich habe damals ja im Landtag gearbeitet.
05:53Ich habe eine Nachricht von Patrick bekommen.
06:00Er hat gefragt, wie es mit den Kindern morgens geklappt hat und dass sie jetzt in Barcelona wären
06:08und jetzt gleich da wieder ablegen würden und genau wir uns später sehen würden.
06:25Ich bin Annika Sondenheimer, ich bin die Frau von Patrick Sondenheimer und Patrick war der Kapitän
06:33der Germanwings-Maschine, die am 24. März 2015 abgestürzt ist.
06:47Ich glaube, wie viele andere Lufthansaer hatten, werde ich diesen Moment nie vergessen.
06:54Zufälligerweise saß ich gerade mit meinem Flight Operations Management Team zusammen,
06:59als ein Kollege von der Verkehrszentrale in das Meeting kam.
07:03Herr Knorr, wir sind gerade in Kontakt mit der Flugsicherung in Frankreich
07:08und wir haben den Kontakt zu einem Germanwings-Flugzeug verloren, den Funkkontakt.
07:14Mein Name ist Werner Knorr, im Frühjahr 2015 war ich als Chefpilot der Lufthansa
07:20für die gesamte Operation der Lufthansa verantwortlich
07:24und aus dieser Rolle heraus war ich auch Leiter des Krisenstabes der Lufthansa.
07:32Es hat nicht mehr allzu lange gedauert, dass immer mehr Informationen uns erreicht haben,
07:37dass wir davon ausgehen mussten, dass es einen schwerwiegenden Unfall gegeben hat.
07:42Aber wir hatten natürlich überhaupt keine Ahnung, was genau passiert ist.
07:47In Südfrankreich ist ein Flugzeug des Typs A320 abgestürzt.
07:51Sie kam vom Mittelmeer, verliert über Frankreich an Höhe und stürzt dann in den Alpen ab.
07:56Warum? Das ist noch unklar.
07:58Medienberichten zufolge befanden sich 142 Passagiere an Bord, zwei Piloten und vier Flugmitglieder.
08:08Ich saß, als ich von dem Absturz erfahren habe, in der Fraktionssitzung der SPD-Landtagsfraktion als Referentin
08:16und irgendwann sagte Hannelore Kraft, dass gerade über einen Ticker laufen würde,
08:25dass eine Germanwings-Maschine bei den Französischen Alpen abgestürzt ist.
08:32Und da ich wusste, dass Patrick auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf war
08:39und man ja auch im Laufe der Zeit so einige Flugrouten im Kopf hat
08:45und dass vom zeitlichen Ablauf her alles passen musste, hatte ich direkt das Gefühl, dass es die Maschine war.
08:56Der Germanwings-Flug 4U9525.
09:00Der Airbus 320 der Lufthansa-Tochter Germanwings war auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf.
09:07Bei dem Unglück sind heute vermutlich alle 150 Menschen an Bord ums Leben gekommen.
09:12Darunter wohl auch eine Schülergruppe aus Westfalen.
09:16Also ich bin Steffi Assmann und unsere Tochter heißt Linda, Linda Bergjürgen.
09:24Linda war 15, als sie zusammen mit ihrer Schulklasse mit dem Flugzeug abgestürzt ist.
09:47Ich hatte ihr morgens eine WhatsApp geschickt, ob sie schon auf dem Weg sind.
09:52Da schrieb sie aus dem Bus heraus, dass sie jetzt eben auf dem Weg zum Flughafen sind
09:57und dass sie sich später meldet, wenn sie dann gelandet sind.
10:03So dass das waren die letzten Nachrichten von ihr.
10:09Für all das, was all diejenigen jetzt durchmachen, die heute Morgen voller Vorfreude zum Flughafen gefahren sind,
10:16um ihre Kinder, ihre Eltern, ihre Geschwister oder Freunde abzuholen und die dann erfahren mussten, dass die Maschine abstürzte.
10:23Für dieses Gefühl gibt es wohl keine Worte.
10:27Ich habe gearbeitet. Ich war ganz normal im Büro, bis mein Mann dann reinkam und sagte, das Flugzeug ist abgestürzt.
10:38Ja, dann, ich habe noch gedacht, ja, ich glaube, ganz viel gedacht habe ich gar nicht mehr.
10:45Also für mich war auch klar, alles klar, da war Linda drin, die ist jetzt tot.
10:51Also ich habe jetzt nicht gedacht, die ist jetzt tot, aber es war natürlich irgendwie klar, ja, was ist jetzt
10:57passiert.
10:59Ich habe nur zu meinem Sitznachbarn gesagt, ich glaube, das ist das Flugzeug von Patrick.
11:08Ich kann mich daran erinnern, dass es einem heiß und kalt und alles gleichzeitig wird und dass man natürlich nervös
11:17wird.
11:17Die Hände sind schwitzig und irgendwie hat man das Gefühl, man muss los und muss rauskriegen, was passiert ist.
11:31Die Unfalluntersucher in der BfU, die sind auf einen Ad-hoc-Einsatz dieser Art vorbereitet, haben ihre Koffer bereitstehen
11:39und es geht dann nur darum, dass man möglichst schnell eine Transportmöglichkeit zum Unfallort findet.
11:46In so einer Situation ist die Stimmung natürlich gedrückt.
11:49Es ist ein Ereignis, man weiß noch überhaupt nicht genau, was es war, wie das Ausmaß ist, was die Hintergründe
11:56sind.
11:56Und für jeden Beteiligten ist das eine sehr ungewöhnliche Situation.
12:02Und dann ging es los. Wir sind dann in Braunschweig am Flughafen von einem Hubschrauber der Bundespolizei abgeholt worden.
12:12Wir sind nach Frankfurt geflogen und von dort aus dann mit einem Flugzeug der Lufthansa nach Marseille geflogen.
12:24Jede Airline ist auch verpflichtet, nach internationalen Regularien sich vorzubereiten auf verschiedene Krisenfälle.
12:35Und natürlich gibt es auch das Szenario eines Flugunfalls.
12:39Insofern wussten wir, was zu tun ist bei einem Flugunfall.
12:45Und natürlich musste unser Vorstandsvorsitzender Carsten Spohr informiert werden.
12:50Und ich habe ihn angerufen und gesagt, Carsten, ich glaube, wir haben ein Flugzeug verloren.
12:59Wir sind hier alle zutiefst erschüttert und bestürzt.
13:07Das Flugzeug unserer Tochter Germanwings ist gegen 11 Uhr Ortszeit über den französischen Alpen verunglückt.
13:15Und zunächst einmal sind unsere Gedanken, unsere Gefühle und auch unsere Gebete bei den Angehörigen,
13:22unserer Passagiere und natürlich unserer Crew in dieser schwarzen Stunde unseres Unternehmens.
13:30Über den Unfallhergang können wir derzeit noch keine Angaben machen.
13:35Ich versichere Ihnen aber, dass wir Angehörigen und allen Betroffenen jede erdenkliche Hilfe in dieser schweren Stunde leisten werden
13:44und wo immer möglich auch zur Seite stehen.
13:55Mein Name ist Klaus Radner und ich bin der Vater von Maria Radner, der Großvater von Felix.
14:03Die beiden und Marias Partner Sascha Schenk sind bei dem Flugzeugunglück ums Leben gekommen.
14:14Die Maria war in Barcelona an der Oper, hat Siegfried von Wagner gesungen, also sie hat die Erde gesungen.
14:23Gerade jetzt war sie praktisch am Höhepunkt ihrer Karriere und ihr Partner und mein Enkel haben sie eine Woche vorher
14:30besucht
14:31und waren dann eine Woche praktisch da in Barcelona zusammen und dann eben zusammen nach Hause zu fliegen.
14:46Ich war auf dem Weg zum Flughafen und bin sofort an die Information und habe um Auskunft gebeten,
14:54ob eben Maria Sascha und Felix in der abgeschützten Maschine sind.
15:02Es kamen sofort zwei Leute auf mich zu, haben mich im Arm genommen und haben mich in einen Raum geführt.
15:07Und da wurde mir so eigentlich klar, dass die drei vom Absturz betroffen waren.
15:17Wir sind auch zum Flughafen gefahren, aber auch das war ja merkwürdig,
15:22weil es gab eigentlich kaum weitere Informationen, außer dass wir uns dann im Laufe des Tages immer sicherer wurden,
15:28dass das das Flugzeug war.
15:30Ich habe mit meinen Kindern darüber gesprochen.
15:32Und ich habe gesagt, dass wir davon ausgehen müssen, dass dem Papa was passiert ist,
15:36dass das Flugzeug nicht in Düsseldorf angekommen ist.
15:40Wir sind in Gedanken bei denen, die heute Menschen, die sie lieben, verloren haben.
15:47Und verspreche nochmal, sobald wir mehr Informationen haben, werden wir sie und die Öffentlichkeit informieren.
15:52Und ich selbst werde mich jetzt mit Mitgliedern der Bundesregierung auf den Weg zur Unfallstelle machen.
16:00Frank-Walter Steinmeier, damals noch Außenminister, und Alexander Dobrindt als Verkehrsminister,
16:06sind auch an dem Nachmittag noch runtergereist.
16:09Und die drei und der französische Amtskollege sind dann noch am selben Tag im Hubschrauber über die Unfallstelle geflogen.
16:15Und ich glaube, jeder der in diesem Hubschrauber saß, wird das sein Leben lang nicht vergessen.
16:34Herr Dobrindt, was für ein Bild bot sich Ihnen heute dort, als Sie über die Unglücksstelle geflogen sind?
16:39Die Absturzstelle, die in sehr steilem, bergigem Gelände sich befindet, ist übersät mit Trümmerteilen.
16:50Das sind sehr kleine Teile, die sich über eine größere Strecke, wie gesagt, im steilen Gelände dann auch verteilen.
16:59Je mehr Zeit vergeht, umso mehr Leute bekommen dann ja auch Zugang zu der Unfallstelle.
17:06Aber am Anfang war das sehr restriktiv, sodass wir am Anfang selber und auch die Kollegen von der BfU meines
17:12Erachtens
17:13nicht sofort an die Unfallstelle konnten, sondern das waren nur die französischen Behörden.
17:23Wir mussten erstmal zum Absturzort gelangen, um zu verstehen, was überhaupt passiert war.
17:32Und dann den Ort abriegeln, wie einen Tatort.
17:38Es war uns klar, dass es keine Überlebenden gibt. Es gab niemanden mehr zu retten.
17:43Und deswegen wurde es ein Fall für die Kriminalpolizei.
17:49Ich bin Kolonel Christophe Brochier. 2015 war ich Kommandant der Gendarmerie von Alpes-de-Haute-Provence.
18:00Es war eine Szene der Verwüstung. Es war nichts mehr da.
18:06Wissen Sie, das Flugzeug ist mit 750, 700 Kilometern pro Stunde am Boden aufgeschlagen.
18:15Absolut alles ist zerschmettert. Alles zerstört. Nur noch Verwüstung.
18:20Eine Kriegsszene grauenvoll.
18:22Es ist eine Saison der Krieg. Es ist schrecklich.
18:47Es ist schrecklich.
18:51Wenn die Nase des Flugzeugs auf den Berg trifft, schlägt auch schon das Heck auf.
18:58Das ist eine ungeheure kinetische Energie.
19:02Alles war pulverisiert. Die Maschine, aber auch alles, was im Flugzeug war.
19:09Vor Ort waren daher nur noch Teile, nur noch Trümmerstücke.
19:24Ich bin Stabsfeldwebel Benjamin Roux. 2015 war ich bei der Hochgebirgseinheit der Gendarmerie von Alpes-de-Haute-Provence.
19:33Wir sind zuständig für die Bergrettung.
19:52Unsere Aufgaben bestanden darin, die menschlichen Überreste einzusammeln und nach Dingen zu suchen, die die Ursache erklären konnten.
20:02Die größten Teile waren Trümmerstücke der Maschine.
20:09Aber wir haben auch persönliche Gegenstände der Passagiere befunden.
20:18Und letztlich waren es diese Dinge, die uns die Menschen an Bord nähergebracht haben.
20:39Wir haben uns alle den Kopf zermattert, wie so ein Unfall passieren könnte.
20:44Und ich glaube, niemand von uns wäre auf die Lösung gekommen, die sich am Ende herausgestellt hat.
21:04Wir wussten nicht, was wir jetzt machen sollen.
21:06Wir standen hier und hatten dann diese Hotline angewählt, aber da sind wir nicht durchgekommen.
21:14Und ja, da waren wir erstmal hilflos.
21:17Und dann haben wir uns dann irgendwann überlegt, dass wir am besten zur Schule fahren.
21:24Weil da die anderen Eltern möglicherweise auch hinkommen.
21:31Das war ein Raum für uns vorbereitet schon, als wir ankamen.
21:36Und so Stück für Stück kamen auch immer mehr Angehörige rein.
21:41Viele Eltern, längst nicht alle, waren schon sofort zur Schule gekommen.
21:45Die waren in einem Raum, wurden dort betreut von Kolleginnen und Kollegen.
21:49Ich bin dann direkt hochgegangen, um den Eltern halt diese fürchterliche Nachricht zu überbringen.
22:00Mein Name ist Ulrich Wessel. Ich bin als Schulleiter in Haltern am Josef-Kündig-Gymnasium tätig.
22:08Das war sicherlich einer der schlimmsten Momente meines Lebens, Eltern die Nachricht zu überbringen, dass die Kinder nicht zurückkommen.
22:17Ich hatte auch erfahren, dass man davon ausgeht, es gibt keine Überlebenden.
22:21Das war also nicht die Nachricht vom Unglück, sondern die Gewissheit, dass die Kinder verstorben sind.
22:43Irgendwann kamen natürlich ganz viele Angehörige dahin. Es war viel, viel Weinen und Schreien im Raum.
22:50Und da weiß ich, dass ich konnte das nicht so, das konnte ich nicht haben. Und dann sind wir halt
22:56auch gegangen.
23:10An solchen Tagen funktioniert man nur. Es gab sehr viele Dinge zu regeln.
23:18Die Polizei lief auf, Schulpsychologen kamen, man musste die nächsten Tage planen.
23:35Ich bin von der Polizei Düsseldorf um die Mittagszeit informiert worden, dass das Flugzeug abgestürzt ist.
23:42Im Zusammenhang mit einem Flugzeugabsturz war natürlich klar, die Personen, die an Bord dieses Flugzeugs waren, sind sicherlich keines natürlichen
23:50Todes verstorben, sodass klar war, hier muss nun ein Todesermittlungsverfahren durchgeführt werden.
23:58Mein Name ist Christoph Kumpaer, ich bin Staatsanwalt bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf.
24:04Es war ein ausgesprochen aufwendiges Verfahren, was den Umfang der Ermittlungen anging, was die Intensität der Ermittlungen anging.
24:13Wir standen von Anfang an im Fokus der Weltpresse.
24:19Wir und insbesondere ich hatten mit einem Mediendruck und einem Medieninteresse umzugehen, auf die wir gar nicht vorbereitet waren.
24:34Es war ja damit zu rechnen, dass dann sehr viele Journalisten und Fernsehteams kommen.
24:39Und dann haben wir dann gesagt, gut, wir müssen jetzt erstmal sehen, dass wir die Schule schützen, dass also jetzt
24:44keine Teams hier auf den Schulhof kommen.
24:49Da haben wir dann sehr schnell die Entscheidung getroffen, dass wir eben die komplette Pressearbeit, alles was damit zu tun
24:56hat, ins Rathaus verlegen, nicht weit vom Gymnasium entfernt.
25:03Mein Name ist Bodo Klimpel, ich bin der Landrat des Kreises Recklinghausen und war zum Zeitpunkt des Unglückes Bürgermeister der
25:11Stadthaltern am See.
25:13Man hat auch sofort in der ganzen Stadt so eine Stille, so eine, ich habe das damals, glaube ich, Schockstarre
25:22bezeichnet, gemerkt.
25:29Das war damals wirklich eine richtig kollektive Trauer.
25:38Wir waren dann allerdings damit beschäftigt, das alles irgendwie in Bahn zu lenken und haben uns dann halt darauf konzentriert,
25:48dass wir dann eben Pressearbeit machen.
25:52Ich möchte mich zunächst, oder ich möchte zunächst sagen, dass die Stadt tief betroffen ist.
26:00Es ist, wenn Sie so wollen, einen Schockzustand überall zu spüren.
26:07Das ist so ziemlich das Schlimmste, was man sich vorstellen kann.
26:24Wir selber sind wirklich, wirklich gut abgeschirmt worden, muss ich sagen, von der Polizei hier in Haltern.
26:31Das Gymnasium wurde über die ganze Zeit abgeschirmt und wir hatten Hinterausgänge, wo wir raus konnten.
26:38Und also ich persönlich wurde kein einziges Mal blöd angesprochen oder so.
26:45Wir hatten sehr viele mediale Anfragen von Zeitungen, von Fernsehsendern, von allem.
26:52Und das hat mich natürlich überfordert.
26:58Und das war natürlich auch etwas, wo ich nicht gut mit umgehen konnte und wo ich auch nicht wusste, wie
27:04ich mich richtig verhalte.
27:06Mein privates Handy war den entsprechenden Reportern die Handynummer bekannt.
27:12Die ist natürlich weitergegeben worden.
27:14Ich bin zu jeder Tages- und Nachtzeit angerufen worden.
27:18Sonntags morgens beim Rasieren.
27:20Was können Sie zu der neuesten Mitteilung auf der Webseite der Washington Post sagen?
27:26Das war ein ausgesprochen einzigartiges Verfahren in jeder Hinsicht.
27:37Wir haben hier in Deutschland im Rahmen dieses Ermittlungsverfahrens ziemlich hart gearbeitet.
27:47Aber das, was die französischen Kollegen da geleistet haben, das war unglaublich.
28:03Meine eigenen Söhne waren zu diesem Zeitpunkt 13 und 11 Jahre alt.
28:08Natürlich versetzt man sich da in die Lage der Eltern aushaltern.
28:11Und da wird einem plötzlich klar, dass keine schockierenden Bilder auftauchen dürfen.
28:15Wir mussten also vermeiden, dass Personen mit schlechten Absichten zum Absturzort kommen.
28:30Wir haben den Ort eingefroren, so nennt man das.
28:35Damit wird vermieden, dass die Unfallstelle verändert wird.
28:40Es wurden also sofort Gendarmen und Soldaten als Wachposten hergebracht, die dort unter schwierigen Bedingungen bleiben mussten.
28:48Es war Ende März, auf 1800 Meter Höhe.
28:51Da sind die Nächte lang und manchmal noch sehr kalt.
29:02Wir sind dann nach Sain-les-Alpes gefahren, am kleinen Ort in der Nähe der Einsatzstelle.
29:07Wir haben uns dort mit dem deutschen Team getroffen.
29:11Es sind ja dann auch Vertreter von der Airline dort gewesen.
29:15Es sind auch die französischen Kollegen, also von der französischen Flugunfalluntersuchung dort gewesen.
29:20Und es sind Vertreter vom Flugzeughersteller dorthin gekommen, vom Hersteller der Triebwerke des Flugzeugs.
29:27Und wir alle haben uns in einem kleinen, winzigen Konferenzzentrum des Dorfes getroffen und haben dort quasi unsere Arbeitszentrale eingerichtet.
29:45Meine Aufgabe war es hier, weil ich ja eben auch den Hintergrund als Systemingenieur habe, nach möglichen technischen Ursachen zu
29:52gucken.
29:53Ob irgendwelche Sachen da sind, die das irgendwie erklären könnten.
29:57Wir haben Kleinigkeiten gefunden, die eben sind, dass zum Beispiel eine Toilettenspülung nicht ganz einwandfrei funktionierte,
30:02die aber was ziemlich sicher damit nichts zu tun hat.
30:06Man muss dazu wissen, dass diese Instandhaltungsunterlagen, das sind halt viele, viele tausend Seiten Dokumente,
30:13die man halt durchsehen muss und gucken muss, gibt es irgendwelche Anhaltspunkte, wo man weitermachen kann.
30:28Dann war es so, dass wir zu diesem Zeitpunkt eine erste Information hatten von der Flugsicherung aus Frankreich.
30:37Es war eine sehr vereinfacht dargestellte Skizze über den Flugverlauf.
30:47Das Flugzeug ist nicht wie ein Stein aus dem Himmel gefallen, sondern es hat einen etwas längeren Sinkflug gehabt.
30:55Dieser Sinkflug sah nahezu normal aus.
30:58Das hat uns natürlich sehr stutzig gemacht.
31:00Was könnte dazu führen, dass so etwas aus Versehen passiert, dass man sich irgendwie vertut,
31:05dass man statt vielleicht 10.000 Fuß, 100 Fuß einstellt oder so aus irgendwelchen Gründen.
31:13Oder ob auch eine technische Fehlfunktion dahinterstehen kann.
31:17Aber es war eigentlich sehr unwahrscheinlich, weil ein solch gleichmäßiger Sinkflug eigentlich darauf hindeutet,
31:22dass genau das Gegenteil der Fall ist, nämlich dass alle Systeme ganz sauber und einwandfrei funktionieren.
31:36Es war so, dass der Cockpit-Voice-Recorder schnell gefunden wurde am ersten Tag.
31:42Der wurde am ersten Tag auch geborgen.
31:45Voice-Recorder sind hilfreich, weil hier die verbale Kommunikation im Cockpit aufgezeichnet wird.
31:51Der Cockpit-Voice-Recorder ist nach Paris transportiert worden.
31:57Und am ersten Abend hat der Untersuchungsleiter der BEA mich beiseite genommen und hat mir gesagt,
32:04er hätte so eine Erstinformation vom Auslesen des Voice-Recorders in Paris
32:09und es gäbe Anzeichen dafür, dass einer der Piloten alleine im Cockpit gewesen sei.
32:28Voice-Recorder ist in Paris und in Paris und in Paris und in Paris.
32:48Voice-Recorder ist in Paris und in Paris und in Paris und in Paris.
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