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Eine 40-Jährige beschließt, spontan auf eine Kreuzfahrt zu gehen, ohne ihre Familie zu informieren. Als sie in der zweiten Nacht der Kreuzfahrt verschwindet, muss ihre Familie nach Antworten suchen und wird schließlich die Art und Weise ändern, wie Vermisste auf See gemeldet werden. (Text: Craction TV)
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TVTranskript
00:04Marion Carver, die ehemalige Investmentbankerin aus Cambridge, Massachusetts, liebt es zu reisen und Gedichte zu schreiben.
00:13Marion war eine wunderschöne, rothaarige Frau. Sie war sehr ehrgeizig, aber auch sensibel.
00:20Sie liebte Gedichte, sie hat sogar selber welche geschrieben. Und sie reiste gern.
00:26Sie war verrückt nach Abenteuern und hat lange Reisen unternommen.
00:29Marion ist geschieden und lebt allein in Cambridge.
00:33Ihre 13-jährige Tochter verbringt den Sommer in England bei ihrem Vater, Marions Ex-Mann.
00:40Mutter und Tochter haben regelmäßig Kontakt und telefonieren mindestens einmal am Tag miteinander.
00:49Doch die beiden ahnen nicht, dass dies ihr letztes Gespräch sein sollte.
00:59Marion macht sich auf den Weg zum Flughafen, ohne ihrer Familie von ihren Plänen zu erzählen.
01:06Niemand weiß, wo sie hin will und was sie vorhat.
01:12Da sie allein lebte und auch allein verreiste, war es sehr gefährlich, dass sie niemanden von der Reise erzählt hatte.
01:20Sie hat nicht mal jemanden gebeten, auf ihre Wohnung aufzupassen.
01:23Und das ist schon sehr merkwürdig für jemanden, der allein lebt.
01:30Sie scheint das Ganze auch nicht geplant zu haben.
01:32Sie hat das Reiseangebot gesehen, hatte gerade Zeit, wollte etwas erleben und ist spontan aufgebrochen.
01:40Wenn man von niemandem abhängig ist, dann ist das natürlich leichter, so eine Reise anzutreten.
01:45Sicher wollte sie nicht, dass jemand ihr die Reise wieder ausredet.
01:50Es liegt eine weite Reise vor ihr.
01:52Sie steigt in Boston in einen Flieger nach Seattle.
01:55Dort geht sie an Bord eines Kreuzfahrtschiffes.
01:59Marion ist nun auf dem 264 Meter langen Schiff.
02:03Hier finden auf zwölf Decks 2000 Passagiere Unterkunft.
02:07Ihre Reise führt nach Alaska.
02:09Marion macht diese Kreuzfahrt bereits zum zweiten Mal.
02:13Marion war 40 und gern für sich allein.
02:16Und sie liebte es zu reisen.
02:27Marion hatte diese Kreuzfahrt schon einmal mit ihrer Tochter gemacht.
02:32Daher waren ihr die Strecke und das Schiff vertraut.
02:39Ihre Kabine war auf dem neunten Deck.
02:42Dort konnte man die Panorama-Aussicht genießen.
02:46Marion hatte einen überwältigenden Ausblick aufs Meer.
02:54Wenn die eigenen Kinder älter werden, dann brauchen sie mehr Freiraum und Zeit für sich.
03:00Wir waren nicht überrascht, als wir irgendwann erfuhren, dass sie eine Kreuzfahrt machte.
03:04So war sie eben.
03:06Sowas tat ihr gut.
03:12Bereits in ihrer ersten Nacht an Bord findet Marion Zeit, etwas auszuspannen.
03:16Sie fühlt sich wohl.
03:20Menschen, die allein leben, sind anderen Risiken ausgesetzt.
03:24Da sie ihre Freunde und Familie, die oft Sicherheit gewährleisten, nicht ständig um sich haben.
03:35Marion versucht, den Kontakt zu anderen zu meiden.
03:38Doch manche suchen ihre Nähe, ob sie will oder nicht.
03:46Meistens werden Verbrechen von uns nahestehenden Personen begangen.
03:50Daher fällt der erste Verdacht oft auf den Ehepartner.
03:54Doch manchmal ist der Täter auch ein Fremder.
03:57Die Tat mag dann aus Neid, wegen Geld oder aus einem kriminellen Antrieb heraus begangen werden.
04:11Marion will auf der anderen, weniger belebten Seite des Schiffes etwas Ruhe finden.
04:25Auch wenn wir gern mal eine Reise allein machen wollen, ist es für Frauen wesentlich gefährlicher,
04:32weil dies unter anderem auch Sexualstraftätern in die Hände spielt.
04:36Als Autorin hatte Marion wahrscheinlich eine bessere Intuition als die meisten Leute.
04:43Vielleicht hatte sie eine gewisse Ahnung, wenn irgendwas mit jemandem nicht stimmte.
04:48Sie hat vermutlich gespürt, wenn sie in Gefahr war.
04:51Das könnte der Grund sein, warum sie sich sogar noch mehr zurückzog.
04:57In ihrer Kabine will sie ihre Gedanken neu sortieren und schreibt daher ein wenig.
05:04Auf einem Kreuzfahrtschiff können die Leute zur Ruhe kommen und mal entspannen.
05:07Man kann aber auch viel unternehmen. Es gibt Drinks und ein gutes Unterhaltungsprogramm.
05:13Die Leute wollen eine unbeschwerte Zeit haben und den Alltag etwas hinter sich lassen.
05:20Marion will früh ins Bett, als es an der Tür klopft.
05:25Es ist der Schiffs-Stewart.
05:28Er bringt ihr die Handtüche, um die sie früher am Abend gebeten hatte.
05:44Die Crew auf Kreuzfahrtschiffen achtet sehr darauf, was die Passagiere mit an Bord bringen.
05:50Alkohol zum Beispiel wird ausschließlich von der Crew ausgegeben.
05:54Zudem passen die Kellner und Barkeeper auf, dass die Passagiere nicht zu viel trinken.
06:02Man will nicht, dass die Leute außer Kontrolle geraten.
06:06Auf einem Schiff kann man sich schlecht aus dem Weg gehen.
06:09Und wenn Alkohol im Spiel ist und man kaum noch Hemmungen hat, können die Dinge schnell mal aus dem Ruder
06:15laufen.
06:24Die Türen auf dem Schiff schließen elektronisch.
06:27Sie haben keinerlei Türriegel, mit denen man die Tür zusätzlich sichern könnte.
06:34Marion ist etwas besorgt, da sie die Tür nicht verriegeln kann.
06:51Alkohol kann ein Brandbeschleuniger sein, wenn viele unterschiedliche Leute aufeinandertreffen.
06:57Man kennt sich nicht. Der Alkohol lässt die Hemmungen sinken.
07:01Das kann zu Streit und Gewalt führen.
07:03Und sowas kann schon mal böse ausgehen.
07:11Marion kriegt vor Sorge kaum ein Auge zu.
07:20Die Besatzung an Bord hat zu fast allen Orten auf dem Schiff Zugang.
07:24Den Passagierkabinen, den Gepäckräumen.
07:27Es ist daher zwingend notwendig, dass die Crewmitglieder keine kriminelle Vergangenheit haben.
07:40Mit unserer Enkelin hat sie schon mal eine Kreuzfahrt gemacht.
07:43Dass sie wieder eine Fahrt machte, war keine Überraschung.
07:46Aber dass so etwas passieren würde, wir wissen nicht mal, ob sie alleine war oder nicht.
08:07Die frühere Investmentbankerin Marion Carver lebt allein in Cambridge, Massachusetts.
08:15Am Morgen des 26. August 2004 verlässt sie ihr Zuhause, um eine Kreuzfahrt anzutreten,
08:22von der sie ihrer Familie und Freunden nichts erzählt hat.
08:30Sie beobachtet ihre Mitmenschen gern, bleibt sonst aber lieber für sich.
08:36Am Abend geht sie früh zu Bett, doch wird sie auch allein bleiben.
09:06Auf dem Schiff gibt es keinen Handyempfang.
09:08Daher weiß Marion auch nicht, dass ihre Tochter vergeblich versucht, sie zu erreichen.
09:14Weder ihre Eltern noch ihre Tochter wissen, wo Marion steckt.
09:23Auch nach einem Tag auf dem Schiff und einigen Gesprächen mit Fremden bleibt Marion für sich.
09:32Sie verbringt ihre Zeit mit Schreiben und Spaziergängen an Deck.
09:39Marion liebte Gedichte und Abenteuer und sie reiste gern.
09:43Sie war eine sehr ernste Person.
09:50Sie wollte so wenig Kontakt wie möglich mit anderen unter Schiffsbesatzung haben.
09:58Die Crew achtet auf ungewöhnliches Verhalten einzelner Passagiere, um Schlimmeres zu verhindern.
10:09Natürlich gelten auch für die Crew an Bord Regeln.
10:12Sie soll zum Beispiel eine professionelle Distanz zu den Passagieren wahren.
10:18Es könnte sonst zu Problemen führen, wenn sich Affären zwischen Crew und Passagieren entwickeln.
10:27Auch auf einem Kreuzfahrtschiff muss eine gewisse Professionalität gewahrt werden.
10:37Die Crew an Bord hat viel Erfahrung darin, die Passagiere und ihre Bedürfnisse zu verstehen.
10:43Sie kann selbst Passagiere, die sich kaum mit ihr unterhält, anhand von Kleinigkeiten gut einschätzen.
10:50Daher wissen sie auch schnell, ob man alleine ist.
10:53Das merken sie am Zustand der Kabine oder an anderen Dingen, die man aufs Zimmer bestellt.
11:09Kreuzfahrtschiffe sind riesig.
11:11Und wenn einem das Ganze mal zu viel wird, dann findet sich immer ein Plätzchen, wo man vor all dem
11:15Trubel sicher ist.
11:17Auf so einem Schiff ist es nicht schwer, auch mal allein zu sein.
11:23Marion hat vor, ein Schläfchen in ihrer Kabine zu machen.
11:31Sie will lieber für sich bleiben, anstatt zum ersten Schiffsbank herzugehen.
11:37Am Abend des zweiten Tages, einem Samstag, kam der Steward zwischen 8 und 8.30 Uhr in Marions Kabine.
11:46Zu dieser Zeit wohnten die meisten Passagiere dem Bankett bei.
11:55Er entschuldigte sich bei ihr für die Störung und fragte, ob sie auch zum Bankett käme, was Marion aber nicht
12:02vorhatte.
12:05Stattdessen bat sie ihn, ihr etwas zu essen zu bringen.
12:13Er kam rein und nahm die Bestellung entgegen.
12:21Die Schiff-Stewards haben die Aufgabe, die Passagiere zufriedenzustellen.
12:26Sie sind sowohl Concierge als auch Kellner.
12:29Und sie sollen die Zeit an Bord möglichst angenehm gestalten.
12:36Ich verstehe das mit den Sandwiches nicht.
12:40Nicht eins, sondern zwei.
12:46Sie geht nicht zum Bankett, bestellt zwei Sandwiches und liest in ihrer Kabine.
12:53Vielleicht hatte sie großen Hunger.
12:56Entweder hat sie den ganzen Tag nichts gegessen oder, und das frage ich mich, hat sie noch jemanden erwartet?
13:04Der Steward ist sehr höflich und zuvorkommend.
13:08Daher will Marion ihm etwas Trinkgeld geben.
13:11Das lehnt er dankend ab.
13:13Es sei nun mal seine Aufgabe, alles zu tun, damit sie ihre Reise vollauf genießen kann.
13:21Marion kann die laute Musik vom Partydeck hören.
13:25Sie isst und stellt ihren Teller dann vor die Tür.
13:38Bevor sie schlafen geht, legt Marion etwas Geld für den Steward beiseite.
13:45Sie legt sich ins Bett und versucht einzuschlafen.
13:50Das Geld will sie dem Steward am nächsten Morgen geben.
13:54Doch wird es dazu überhaupt kommen?
14:24Marion Kava befindet sich an Bord.
14:26Der Steward ist ein Kreuzfahrtschiff, wo sie eigentlich etwas Zeit für sich haben will.
14:32Der Steward fragt, ob Marion irgendetwas braucht.
14:37Doch das sieht sein Supervisor gar nicht gern.
14:40Die Passagiere sollen nur auf deren ausdrücklichen Wunsch hinbedient werden.
14:45Marion will zurück in ihre Kabine.
14:48Der Steward betritt ihr Zimmer und ist überrascht, sie dort anzutreffen.
14:53Er entschuldigt sich und fragt, ob sie zum Bankett kommen wolle.
14:57Das will sie nicht, bittet ihn aber, ihr etwas zu essen zu bringen.
15:03Auf ihren Wunsch hin bringt der freundliche Steward ihr zwei Sandwiches.
15:07Sie will ihm Trinkgeld geben, was er ablehnt.
15:11Nach dem Essen stellt Marion ihren Teller vor die Tür.
15:17Zudem legt sie trotzdem etwas Trinkgeld für den Steward beiseite.
15:25Der Steward traf Marion in ihrer Kabine am Samstag zwischen 8 und 8.30 Uhr an.
15:32Am nächsten Morgen merkte er, dass Marion nicht in ihrer Kabine war.
15:36Er sammelte ihr schmutziges Geschirr ein, hat sie dort aber nicht angetroffen.
15:44Man redet natürlich nicht gern darüber, dass Menschen auf Kreuzfahrten verschwinden.
15:49Manche wollen sich dort das Leben nehmen.
15:52Andere rutschen an Deck aus und fallen über Bord.
15:55Das ist tragisch und passiert öfter, als man denkt.
16:03Der Steward sucht das Schiff ab, kann Marion aber nicht finden.
16:09Nachdem er alle möglichen Orte abgesucht hat, geht er zu seinem Supervisor und berichtet, dass Marion verschwunden ist.
16:19Als der Supervisor von Marians Verschwinden erfuhr, war er recht entspannt.
16:24Es gibt ein spezielles Protokoll, an das man sich in so einem Fall halten muss,
16:28damit sichergestellt werden kann, dass die Ermittlungen so schnell wie möglich beginnen können.
16:35Wenn jemand auf einem Kreuzfahrtschiff verschwindet, muss eine enorme Fläche abgesucht werden.
16:41Je früher die Suche also beginnt, desto eher weiß man, was dieser Person zugestoßen sein könnte.
16:56Der Steward hat das gesamte Schiff nun mehrmals abgesucht, aber Marion nicht gefunden.
17:02Das macht ihn nervös.
17:04Er fragt andere Crew-Mitglieder, ob sie Marion heute schon gesehen haben.
17:10Glücklicherweise scheint sich der Steward echte Sorgen um Marion zu machen.
17:14Er kannte sie besser als jeder andere an Bord.
17:17Er ahnte, dass etwas nicht stimmte.
17:19Die Reaktion auf das Verschwinden einer Person kann viel aussagen.
17:23In diesem Fall gab es vermutlich wirklich einen Grund für die Besorgnis des Stewards.
17:37Plötzlich ruft der Supervisor die Stewards in sein Büro.
17:43Dort sollen sie ein offizielles Schreiben unterzeichnen.
17:51Wenn der Supervisor will, dass man eine Verschwiegenheitserklärung unterschreibt, nachdem jemand verschwunden ist, dann ist das ein Alarmsignal.
17:59Es scheint, als wolle er sich der Verantwortung entziehen und habe gar kein Interesse daran, den Fall aufzuklären,
18:06weil er gemerkt hat, dass es ein Fehler war, das Verschwinden nicht sofort zu untersuchen.
18:15Es gab interne Mails, die beweisen, dass sie Marians Verschwinden vertuschen wollten.
18:21Einfach unglaublich.
18:29Marians Tochter hat seit einer Woche nicht mit ihrer Mutter gesprochen.
18:34Sie macht sich Sorgen und ruft ihre Großeltern an.
18:38Unsere Enkelin rief an, weil sie Marians nicht erreichen konnte.
18:42Zu der Zeit war unsere Enkelin in London.
18:47Wir ahnten noch nichts.
18:49Wir riefen Marians dann selbst an.
18:53Ken Carver beruhigt seine Enkelin und verspricht, dass er Marians kontaktieren wird.
18:58Er ruft sie auf dem Handy an.
19:01Doch es ist besetzt.
19:03Daraufhin versuchte er es mehrmals auf ihrer Festnetznummer.
19:07Auch dort geht sie nicht ran.
19:09Wir haben dann die Polizei in Cambridge gebeten, in Marians Wohnung nach dem Rechten zu sehen.
19:18Marians besorgte Eltern melden sie bei der Polizei in Cambridge als vermisst.
19:24Die Polizei nimmt sofort die Ermittlungen auf.
19:28In Marians Wohnung suchen sie nach Hinweisen für einen Einbruch.
19:34Die Polizei fuhr zu ihrer Wohnung.
19:37Alles war ganz normal.
19:40Nur Marion war nicht dort.
19:47Den Polizisten fällt in der Wohnung nichts Ungewöhnliches auf.
19:51Marians Laptop und einige andere Gegenstände nehmen sie für weitere Untersuchungen mit.
19:58Sie befragen Marians Nachbarn, ob jemand sie gesehen hat.
20:02Doch ohne Erfolg.
20:11Auf dem Revier versucht die Polizei vergeblich, durch Marians Laptop an nützliche Informationen über ihren Aufenthaltsort zu gelangen.
20:24Auch auf dem Schiff ist die Lage unverändert.
20:32Die Schadensmanagerin und der Hotelmanager treffen den Stewart-Supervisor.
20:41Marion Stewart möchte der Schadensmanagerin sagen, was er mitbekommen hat.
20:52Wenn man als Zeuge etwas Verdächtiges beobachtet und es meldet, kann es einen schon verwundern, wenn diese Bedenken unbeachtet bleiben.
21:01Man erwartet, dass daraufhin eine Untersuchung stattfindet.
21:08Der Stewart kontrolliert Marians Kabine ein letztes Mal.
21:14Am Abend war der Stewart nochmal in ihrer Kabine.
21:18Doch dort hatte sich nichts verändert.
21:37Am Morgen des 29. August 2004 bemerkt ein Schiff Stewart, dass die Passagierin Marion Carver nicht in ihrer Kabine ist.
21:45Er sucht allerlei Plätze an Bord, an denen sie sein könnte, ab.
21:51Als er sie aber nirgendwo finden kann, geht er völlig ratlos in das Büro seines Vorgesetzten, um ihm Bericht zu
21:57erstatten.
21:59Marians Tochter ist besorgt, da sie seit einer Woche nicht mit ihrer Mutter gesprochen hat.
22:05Völlig aufgelöst ruft sie ihren Großvater Ken Carver an.
22:08Nachdem auch er sie nach mehreren Versuchen telefonisch nicht erreichen kann, meldet er seine Tochter bei der Polizei in Cambridge
22:15als vermisst.
22:18Weder ihre Eltern noch ihre 13-jährige Tochter wissen, wo Marion ist.
22:22Die Schadensmanagerin und der Hotelmanager treffen sich mit dem Stewart-Supervisor.
22:31Währenddessen versucht Marion Stewart weiter, sie zu finden.
22:42Marion ist nun schon seit einigen Tagen verschwunden.
22:47Ihr Stewart geht erneut zu seinem Supervisor, um ihm zu sagen, dass Marion nach wie vor nicht aufgetaucht ist.
22:53Der Stewart war beunruhigt, da Marion verschwunden war.
22:58Er hat seinem Supervisor jeden Tag Bericht erstattet.
23:01Der hat ihm aber nur gesagt, vergessen Sie es, gehen Sie wieder an die Arbeit.
23:10Sein Supervisor sagt ihm, er soll einfach seinen Aufgaben nachgehen und ihm die Angelegenheit überlassen.
23:22Daran hält sich der Stewart.
23:24Er macht Marians Bett, legt Schokolade und Blumen auf ihr Kissen.
23:29Dennoch macht er sich Sorgen und will wissen, was Marion widerfahren ist.
23:35Er sucht nach Hinweisen und überlegt, was wohl passiert ist.
23:41Marians Kabine war auf dem neunten Deck.
23:44Wenn man mit dem Fahrstuhl zwei Decks nach oben fährt, steht man sofort am Schiffsrand.
23:49Da kann man sehr leicht über die Reling fallen.
23:52Man könnte auch in den Fahrstuhl steigen und von Deck neun zu Deck sechs, wo der Fahrstuhl als nächstes hält,
23:59fahren.
24:00Und auch dort könnte man, ohne dass es jemand mitkriegt, einfach so über Bord gehen.
24:08Wenn sie in den frühen Morgenstunden von Bord gefallen ist, dann wird das wohl niemand an Deck gemerkt haben.
24:15Marians Eltern sind verzweifelt. Inzwischen ist ihre Tochter seit drei Wochen verschwunden.
24:27Sie haben das FBI um Mithilfe gebeten und viel mit der Polizei in Cambridge telefoniert.
24:34Doch ohne Erfolg.
24:37Marians Tochter leidet mehr als alle anderen darunter, dass ihre Mutter bisher nicht gefunden werden konnte.
24:44Die Polizei ist auf Informationen von anderen Behörden angewiesen.
24:49In diesem Fall konnte man durch die Kontoauszüge von ihrer Bank einsehen, wo Marion hinwollte.
25:01Die Suche ging dann weiter.
25:05Die Polizei in Cambridge konnte dank der Genehmigung durch die Bank ihr Konto durchforsten.
25:12Sie stellten fest, dass sie ein Ticket für eine Kreuzfahrt nach Alaska gebucht hatte.
25:17Sie riefen mich also an und sagten, Marion hat eine Kreuzfahrt gebucht.
25:28Ken kontaktiert das Kreuzfahrtunternehmen, um an weitere Informationen zu kommen.
25:35Ich fragte sie, ob unsere Tochter auf ihrem Schiff war.
25:41Sie sagten, sie war auf dem Schiff.
25:44Aber sie wissen nicht, ob sie das Schiff auch wieder verlassen hat.
25:50Ken beendet das Gespräch.
25:52Doch ihm bleiben Zweifel.
25:54Er spürt, dass etwas nicht stimmt.
25:56Er gibt diese Informationen ans FBI weiter.
26:00Bei Kreuzfahrtschiffen ist es nicht anders als bei Flugzeugen.
26:04Ohne Ticket und gültige Dokumente kommt man nicht an Bord.
26:07Ganz einfach.
26:08Auch Marion konnte nur so an Bord gelangen.
26:15Das Kreuzfahrtunternehmen kann also sehr wohl nachverfolgen,
26:18ob sie auf einem ihrer Schiffe war und wann sie dieses wieder verlassen hat.
26:30Unsere erste Frage war, gibt es ein Video von Marion auf dem Schiff?
26:36Sie sagten uns, nein, es gibt kein Video.
26:39Nach inzwischen drei Wochen wurde das Material bereits gelöscht.
26:48Kreuzfahrtschiffe haben keine eigene Polizeieinheit an Bord.
26:51Aber einige Crewmitglieder sorgen für Sicherheit.
26:55Manche von ihnen achten darauf, wann die Passagiere das Schiff verlassen und wann sie zurückkommen.
27:00Wieder andere haben das Treiben an Bord im Auge.
27:03Aber sie sind eben nicht die Polizei.
27:11Ken Carver will herausfinden, was seiner 40-jährigen Tochter Marion widerfahren ist.
27:17Ist sie vom Schiff gesprungen?
27:19Ist sie über die Reling gestürzt?
27:21Oder hat sie jemand von Bord geworfen?
27:24Ken kontaktiert Brian Branley, den zuständigen Detective in Marians Fall.
27:29Wenn das eigene Kind verschwindet, dann will man einfach Antworten haben.
27:33Was ist passiert?
27:34Wo und wie ist es passiert?
27:37Irgendwann wollen die Eltern damit abschließen können und dafür braucht man Antworten.
27:43Branley kann bestätigen, dass Marion an Bord war.
27:46Aber mehr kann er für Ken Carver nicht tun.
27:49Da die Polizei aus Cambridge und das FBI nicht befugt sind, auf dem Schiff zu ermitteln,
27:54engagiert Ken den Privatdetektiv Tim Schmolder.
27:59Ich kann verstehen, dass Marians Vater noch nicht aufgeben wollte und deshalb einen Privatdetektiv eingeschaltet hat.
28:08Die Polizei und das FBI können Ken nicht helfen.
28:12Also sieht er sich gezwungen, einen Privatdetektiv zu engagieren.
28:19Ihre Familie wusste zuerst nicht, dass sie auf einem Kreuzfahrtschiff war.
28:23Aber sie wussten, dass Marion verschwunden ist.
28:29Tim darf endlich an Bord gehen.
28:31Dort trifft er jedoch nur die Schadensmanagerin.
28:37Ich hatte darauf gehofft, Marians Schiff-Stewart sprechen zu können.
28:41Der hat seinen Dienst aber bereits auf einem anderen Schiff angetreten.
28:45Also konnte ich ihn nicht mehr befragen.
28:48Auch der Hotelmanager und der Stewart-Supervisor waren nicht zugegen.
28:56Die Schadenmanagerin teilte mir mit, dass ich niemand anderen sprechen müsse,
29:01da sie alle wichtigen Informationen für mich hätte.
29:05Ihr musste doch aber klar sein, dass sie nicht alles über Marians Verschwinden wissen konnte.
29:16Ich fand diese Aussage von ihr recht unverschämt.
29:20Aber was sollte ich machen?
29:22Ich musste ja an Bord kommen für weitere Informationen.
29:25Die Carvers wollten antworten.
29:27Aber man wollte mich unbedingt davon abbringen, an Bord zu gehen.
29:31Man versuchte mir klarzumachen, dass es dort eh keine Antworten für mich gäbe.
29:39Tim Schmolder findet heraus, dass Marians Kabine auf dem Panoramadeck war.
29:44Die Fenster darin sind verriegelt.
29:46Er fragt die Schadensmanagerin Katie nach den Aufnahmen der Überwachungskameras.
29:52Ihre Aussage zufolge werden diese alle zwei Wochen gelöscht.
29:56Dann möchte er den Sicherheitsoffizier sprechen.
29:58Auch hier hat er kein Glück.
30:00Die Crew erhält gerade eine Mitarbeiterschulung.
30:04Ich bin lange genug dabei, um zu wissen, dass Marion sehr wohl geplant haben könnte, sich an Bord umzubringen.
30:12Oder aber, sie ist einem Verbrechen zum Opfer gefallen.
30:24Marion Carver-Stewart berichtet seinem Supervisor jeden Tag, dass Marion weiterhin verschwunden ist.
30:32Die Polizei informiert ihren Vater Ken Carver darüber, dass Marion nach Seattle flog, um von dort eine Kreuzfahrt nach Alaska
30:39zu machen.
30:41Ken kontaktiert daraufhin die Reederei.
30:43Diese sagt ihm, dass Marion zwar an Bord ging, aber ob sie das Schiff auch wieder verlassen hat, wissen sie
30:49nicht.
30:50Von Polizei und FBI enttäuscht, engagiert Ken in seiner Verzweiflung einen Privatdetektiv.
30:55Nach zwei Monaten voller Telefonate und E-Mails schafft das Privatdetektiv Tim Schmolder endlich an Bord.
31:03Für weitere Informationen musste ich irgendwie an Bord kommen.
31:07Ihre Familie wollte endlich antworten.
31:09Doch am Ende bleiben für Tim mehr Fragen als Antworten.
31:14Aufgebracht engagiert Ken Carver Anwälte aus Massachusetts und Florida.
31:23Nach monatelanger Arbeit schaffen es seine Anwälte, Crewmitglieder vorzuladen.
31:29Sie wollen erreichen, dass die Reederei Licht ins Dunkel bringt.
31:37Wir wollten jemanden sprechen, der unsere Tochter an Bord gesehen hatte.
31:42Ihr Schiff, Stuart, war da natürlich die erste Adresse.
31:50Zwei Crewmitglieder sagen am Telefon aus.
31:57Dabei erfahren Marians Eltern, dass die Besatzung an Bord von ihrem Verschwinden wusste, sich sogar Sorgen um sie machte.
32:05Aber es wurde nichts unternommen.
32:08Marians Stuart berichtet davon, wie er sie getroffen hat und wie er zwei Tage später bemerkte, dass sie verschwunden war.
32:17Das meldet er unverzüglich seinem Supervisor.
32:21Doch der Stuart soll einfach weiter seiner normalen Arbeit nachgehen.
32:25In Marians Kabine findet er 107 Dollar, die sie dort für den Stuart zurückgelegt hatte.
32:31Er nimmt das Geld nicht, sondern macht nur das Bett, legt Blumen und das Tagesprogramm auf das Kopfkissen und geht.
32:39Nachts geht er erneut in die Kabine.
32:42Dort ist alles unverändert.
32:44Das Geld liegt auf der Kommode, die Blumen auf dem Bett.
32:48Er schüttelt das Bett erneut auf und legt Schokolade aufs Kissen.
32:52Am nächsten Morgen liegt die Schokolade noch dort.
32:55Auch das Geld wurde nicht genommen.
32:57Wieder geht er zu seinem Supervisor.
33:00Der Stuart erzählt, dass er Marion in ihrer zweiten Nacht an Bord das letzte Mal gesehen hat, als er ihr
33:06zwei Sandwiches brachte.
33:09Zudem erzählt er, dass sie auf ihn weder traurig, nervös oder gar wütend wirkte.
33:14Sie verhielt sich ganz normal.
33:17Und er sagt, dass Marians Kleidung und Habseligkeiten am letzten Tag der Reise noch immer dort waren, wo Marion sie
33:23hingelegt hatte.
33:27Der Stuart fragte seinen Supervisor, was er mit ihren Sachen machen sollte.
33:32Alles war noch da.
33:34Er sagte ihm dann, er solle die Sachen in eine Tasche und die dann in den Supervisor-Spind packen.
33:40Sie haben ihre Sachen einfach entsorgt, ohne dass wir es wussten.
33:48Eigentlich hat man zu Beginn einer Ermittlung recht schnell eine Spur.
33:52Aber in diesem Fall folgte Hindernis auf Hindernis.
33:55Es gab keine genauen Hinweise darüber, wer wirklich verdächtig sein könnte.
34:01Sowas ist sehr frustrierend.
34:06Der Schiffskapitän, der Stabskapitän und der Hotelmanager hatten alle Zugang zu den Schlüsseln an Bord.
34:13Sie konnten also auch Marians Kabine im Notfall öffnen.
34:18Natürlich könnten auch andere, womöglich über Umwege, an diese Schlüssel gekommen sein.
34:30Die Carver sind am Ende.
34:32Sie können nicht fassen, dass man Marians Sachen einfach entsorgt und ihnen noch nicht mal vom Verschwinden ihrer Tochter erzählt
34:38hat.
34:44Auch der Hotelmanager des Kreuzfahrtschiffs sagt aus.
34:50Die Besatzung an Bord hat sich zwar nicht darum bemüht, Marians tatsächlich zu finden,
34:54doch laut dem Hotelmanager hätte die Reederei interne Ermittlungen eingeleitet
35:00und den Steward-Supervisor für sein Versagen in diesem Fall gefeuert.
35:06Die Untersuchungen beginnen Ende September, nachdem der in Cambridge ermittelnde Detective Branly die Reederei kontaktierte.
35:14Diese hatte Marians nie als vermisst gemeldet.
35:18Doch fünf Wochen nach ihrem Verschwinden unterrichtet das Kreuzfahrtunternehmen endlich das FBI von dem Vorfall.
35:29Laut dem Hotelmanager wurde der Steward-Supervisor für sein Versagen in diesem Fall gefeuert.
35:34Er habe nicht vorschriftsmäßig gehandelt.
35:38Etwas an diesem Fall ist besonders eigenartig.
35:41Anstatt Marians Sachen ihrer Familie zu geben, was eigentlich der Normalfall ist,
35:46hat man ihre Sachen aufgehoben und später gespendet.
35:49Das ist komplett absurd. Warum haben sie die Sachen nicht einfach ihrer Familie gegeben?
35:56Für die Carvers sieht das Ganze nach Vertuschung aus.
36:01Sie fragen sich, welche Details noch verheimlicht wurden.
36:06Daher schreibt Ken Carver dem Vorstand des Kreuzfahrtunternehmens.
36:10Er will endlich antworten.
36:15Ein Monat später bekommt er eine Kopie des Sicherheitsberichts.
36:19Der Bericht der Flottensicherheit vom 30. September sagt, dass die Firmenrichtlinien missachtet wurden.
36:26Der Schiffskapitän, das Brücken- und Sicherheitspersonal hätten unmittelbar nach Marians Verschwinden davon unterrichtet werden müssen.
36:35Ebenso hätte man Marians Habseligkeiten nicht entfernen dürfen.
36:39Sie hätten Beweismittel sein können und solche müssen unverändert am Ort des Geschehens bleiben.
36:45Laut Vorschrift ist die Schiffssicherheit dazu angehalten, den möglichen Tatort abzusperren.
36:50Damit keinerlei Spuren und Beweise vernichtet werden, bis ein Ermittlerteam den Tatort sichern kann.
37:00Die Familie Carver will Marion ohne Trauerfeier gedenken.
37:05Ken Carver bringt Marion Sachen aus ihrer Wohnung.
37:08Der Großteil davon wird der Wohlfahrt gespendet.
37:12Lediglich ein paar Sachen von hohem emotionalem Wert behält die Familie.
37:17Bei all den diffusen Informationen, die sie erhalten haben, weiß Ken nicht, was er glauben soll. Bis heute.
37:27Das Unternehmen versichert die Wahrheit zu sagen. Aber für mich ist das alles kompletter Unsinn.
37:34Ken Carver gibt die Suche nach seiner Tochter nicht auf. Regelmäßig kontaktiert er die Küstenwache, die Polizei und das FBI.
37:43Ich habe jeden Tag mit jemandem gesprochen. Und in Massachusetts waren unsere Anwälte an dem Fall dran.
37:50Ken Carver verklagt das Kreuzfahrtunternehmen wegen ihres verantwortungslosen und fahrlässigen Verhaltens.
37:58Im August 2005 wird ihr Rechtsstreit auch der Öffentlichkeit bekannt.
38:02Die Reederei gibt eine Erklärung ab, die die Familie Carver entsetzt.
38:07Denn sie erklären Marion für tot.
38:15Hätte man uns damals gesagt, dass auf einem Video zu sehen ist, wie Marion gesprungen ist, dann wäre es eben
38:21so gewesen.
38:24Sie schreiben, Mrs. Carver hatte schwere emotionale Probleme, unternahm bereits mehrere Selbstmordversuche und scheint sich an Bord unseres Schiffes das
38:34Leben genommen zu haben.
38:37Der Tod von Marion Carver ist eine Tragödie.
38:40Doch weder Hotels noch Kreuzfahrtschiffe sind in der Lage, einen Selbstmord zu verhindern.
38:49Das ist nichts als ein Standardschreiben.
38:52Wenn Sie wissen, dass es Suizid war, dann sollen Sie uns die Beweise dafür zeigen.
38:57Wenn jemand auf einem Schiff verschwindet, ja, dann muss es wohl Selbstmord gewesen sein.
39:03Nichts als eine Standardantwort.
39:10Diese Antwort ergibt für Ken einfach keinen Sinn.
39:13Warum sollte sie diese Reise buchen, nur um sich an Bord umzubringen?
39:18Sie hatte so viel Freude am Schreiben.
39:20Sie war so lebensfroh.
39:22Suizid stand für Ken also außer Frage.
39:28Ich schätze, jeder kann an diesen Punkt gelangen.
39:31Aber nichts in Marians Leben sprach dafür, dass sie sich umbringen wollte.
39:39Für Familie Carver ist die Stellungnahme ein Schlag ins Gesicht.
39:44Frustriert durch die vergebliche Suche nach ihrer Tochter, richten sie sich jetzt an den Gesetzgeber, damit so etwas nie wieder
39:51passiert.
39:52Es ist schrecklich, wenn das eigene Kind verschwindet.
39:55Aber nie zu erfahren, was dem Kind eigentlich widerfahren ist, das ist für Eltern wahrscheinlich am schlimmsten.
40:02Ohne Gewissheit können sie keinen Frieden schließen.
40:07Aber ohne Leiche wird man nie eine Antwort auf diese brennenden Fragen bekommen.
40:15Nach der Verhandlung dachte ich mir, dass diese Branche ein gewaltiges Problem hat.
40:21Es gibt viele Fälle wie Marians.
40:25In der Verhandlung saßen ganze vier Familien mit solchen Fällen.
40:29Deshalb gründeten wir den Verband International Cruise Victims.
40:35Bis heute, im Jahr 2019, versuchen wir die Fehler und Vertuschungen der Unternehmen aufzudecken,
40:41die im Falle von möglichen Verbrechen nicht richtig gehandelt haben.
40:44Und zwar nicht nur die Begründung, wenn die Krise stattfindet, wenn die Krise stattfindet.
41:00Wenn das Gefahr stattfindet, wird das Gefahr nicht gewaltig.
41:06Im Jahr 2019, in der Verhandlung des Gefahr Strafsitzenden
41:12in der Verhandlung des Gefahrenslanden
41:20Untertitelung des ZDF, 2020