- il y a 8 mois
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00:00Bonjour et bienvenue.
00:01Aujourd'hui nous avons une des grandes questions.
00:06Une des questions que vous avez peut-être aussi déjà fait.
00:08Est-ce qu'il y a un sens ?
00:11Est-ce qu'il y a quelque chose d'un rote Faden ?
00:13Une l'objet d'une logique d'un chaos, des Krieges, des révolutionaux
00:17et du l'Aufstieg et d'un fall d'imperien ?
00:21Tu as nous nous avons une ganze Reihe de Quelles geschickantes,
00:24qui se déclenent de la philosophie.
00:26Et on merkt très vite, c'est qu'il n'est pas une académique debate.
00:31Non, pas.
00:32C'est la question de la question,
00:35si nous sommes dans un processus,
00:40ou nous sommes dans un processus.
00:42Et notre mission pour la semaine,
00:47c'est pour toi d'écouter.
00:49Nous regardons deux radikal-gegensätzliches Lagers.
00:52La question de l'on est un système-d'un.
00:54Hegel, Marx.
00:56La question de l'on est une question,
00:57qui ont fait le code de l'écoute.
00:59La question de l'on est un peu,
01:01qui ont fait l'on est un peu,
01:03qui ont fait le plus de l'on est un peu,
01:06qui ne signifie pas,
01:08C'est-ce que c'est-ce que nous avons eu l'écouté ?
01:20C'est-ce que nous avons eu.
01:21Ok, alors, in deinen Quellen
01:23wird als erstes
01:23une ganz grundlegende
01:25Trennung gemacht.
01:25Wie man überhaupt
01:26über das Verhältnis
01:27von Philosophie
01:28und Geschichte
01:28nachdenken kann.
01:30Ja, da gibt es
01:30anscheinend
01:31zwei völlig
01:32verschiedene Ansätze.
01:33Der erste sagt,
01:34die beiden
01:35sind ein unzertrennliches
01:36Team.
01:37Genau, das ist
01:38die moderne Sichtweise,
01:39die man vor allem
01:40mit Denkern
01:41wie Hegel
01:42verbindet.
01:43Die Philosophie
01:43braucht die Geschichte,
01:44um nicht im
01:45luftleeren Raum
01:46zu schweben.
01:46Also, um nicht
01:47nur eine leere
01:48Idee zu sein.
01:49Richtig.
01:50Was nützt
01:51die schönste Idee
01:52über Freiheit
01:53oder Gerechtigkeit,
01:54wenn sie sich
01:55nicht in der realen Welt,
01:57also in der Geschichte,
01:58zeigt und bewährt?
02:00Die Geschichte
02:00ist sozusagen
02:01das Labor,
02:02in dem die
02:03philosophischen Ideen
02:04getestet werden.
02:05Und umgekehrt
02:06braucht die Geschichte
02:07dann die Philosophie,
02:08um nicht nur
02:09eine lose
02:10Ansammlung
02:11von Daten
02:12zu sein.
02:13Also,
02:141066
02:15Schlacht bei Hastings,
02:161492
02:17Kolumbus,
02:181789
02:18Französische Revolution,
02:20das alleine
02:21gibt ja noch
02:21keinen Sinn.
02:22Exakt.
02:23Ohne einen
02:24philosophischen Rahmen,
02:25ohne eine Idee
02:26davon,
02:27was menschlichen
02:28Fortschritt
02:28ausmacht
02:29oder welche
02:30Kräfte
02:31da am Werk
02:31sind,
02:32ist Geschichte
02:32halt nur
02:33eine endlose
02:34Liste von Fakten.
02:35Die Philosophie
02:36liefert die
02:37Werkzeuge,
02:38um in diesem
02:38Wust
02:39Muster
02:39zu erkennen,
02:40um zu fragen,
02:41was bedeutet
02:42das alles?
02:43Wohin
02:43bewegt sich
02:44das?
02:44Okay,
02:45das leuchtet
02:46ein.
02:46Aber was ist
02:47dann die
02:47Gegenposition?
02:48Die klang in der
02:49Vorbereitung ja fast
02:50schon feindselig.
02:51Das ist sie
02:52gewissermaßen auch.
02:53Diese Haltung geht
02:54zurück auf die Antike,
02:56auf Platon
02:56und Aristoteles.
02:58Für die war klar,
02:59Philosophie
03:00beschäftigt sich
03:01mit dem Ewigen,
03:02dem Unveränderlichen,
03:04den universellen
03:05Wahrheiten.
03:06Genau,
03:07denk an die Welt
03:07der Ideen
03:08bei Platon,
03:09die perfekte Idee
03:10eines Kreises
03:11oder die Idee
03:12des Guten.
03:13Das sind Dinge,
03:14die sich nie ändern.
03:15Und die Geschichte
03:16ist dann das
03:17genaue Gegenteil
03:18davon.
03:18Das Reich des Zufalls,
03:20des Wandels,
03:21der schmutzigen Details.
03:23Genau,
03:24aus dieser Perspektive
03:25ist die Geschichte
03:26das rein Zufällige,
03:28das Vergängliche,
03:29das Partikuläre.
03:30Warum sollte
03:31sich ein Philosoph,
03:32der die ewigen
03:33Gesetze des Kosmos
03:34sucht,
03:34mit den kurzlebigen
03:36Intrigen
03:36irgendeines
03:37römischen Kaisers
03:39beschäftigen?
03:39Ja,
03:40verstehe.
03:40Das ist
03:41Zeitverschwendung,
03:42bloßes Rauschen,
03:43das vom Wesentlichen
03:44ablenkt.
03:45Es ist die klare
03:46Trennung
03:47zwischen der reinen
03:48zeitlosen Wahrheit
03:49im Elfenbeinturm
03:50und dem chaotischen
03:51lauten Tagesgeschäft
03:52da draußen.
03:53Wenn wir also
03:54bei der Idee
03:54bleiben,
03:55dass Philosophie
03:56und Geschichte
03:56doch zusammengehören,
03:58dann landen wir
03:59ja bei zwei Giganten,
04:00die versucht haben,
04:01das ultimative
04:01Drehbuch der Geschichte
04:03zu schreiben.
04:04Und das führt uns
04:05direkt zu Hegel
04:06und seinem schärfsten
04:07Kritiker Marx.
04:09Beide waren überzeugt,
04:10dass die Geschichte
04:11auf ein Ziel
04:11zusteuert.
04:12Aber sie waren sich
04:13absolut uneinig darüber,
04:15was der Motor
04:16dieses Prozesses ist.
04:18Fangen wir mal
04:18mit Hegel an.
04:20Dessen Konzept
04:21vom Weltgeist
04:22klingt ja erst mal
04:23ziemlich esoterisch.
04:25Das klingt es ja,
04:26aber die Idee
04:27dahinter
04:28ist faszinierend.
04:29Hegel stellt sich vor,
04:31dass die Geschichte
04:31von einer übergeordneten
04:33Vernunft,
04:33dem Weltgeist,
04:34angetrieben wird.
04:35Okay.
04:36Stell dir das wie
04:37ein globales Bewusstsein vor,
04:39das im Laufe der
04:39Jahrtausende langsam
04:40zu sich selbst findet,
04:41sich seiner eigenen Freiheit
04:43bewusst wird.
04:44Und wir Menschen,
04:45ganze Völker,
04:46ja sogar die größten Kriege,
04:47sind letztlich nur
04:49unbewusste Werkzeuge
04:50in diesem riesigen Prozess.
04:51Moment mal,
04:52das klingt aber
04:53extrem deterministisch.
04:55Wenn der Weltgeist
04:56alles steuert,
04:57wo bleibt da
04:58die menschliche Freiheit?
05:00Sind wir dann
05:00nur Marionetten,
05:01die denken,
05:02sie würden am eigenen
05:03Faden ziehen,
05:04aber in Wahrheit
05:05tanzen wir alle
05:06nach der Pfeife
05:06dieses Geistes?
05:07Das ist der entscheidende
05:09Einwand.
05:09Und Hegel hat
05:10eine clevere Antwort darauf.
05:12Er spricht
05:13von der List der Vernunft.
05:15Die List der Vernunft?
05:16Ja.
05:17Die großen
05:18historischen Persönlichkeiten,
05:19ein Alexander der Große,
05:21ein Cäsar,
05:22ein Napoleon,
05:23glauben,
05:24sie würden nur
05:24ihre eigenen
05:25egoistischen Ziele verfolgen.
05:27Macht, Ruhm,
05:28Reichtum,
05:29klar.
05:29Aber in Wahrheit
05:31benutzt der Weltgeist
05:32ihre Leidenschaften,
05:33um die Geschichte
05:34auf die nächste Stufe
05:35zu heben.
05:36Ohne,
05:36dass sie es merken.
05:37Sie verwirklichen
05:39einen höheren Plan,
05:40während sie denken,
05:41sie verwirklichen
05:42nur ihren eigenen.
05:43Wir sind also frei
05:44in unseren kleinen
05:45Entscheidungen,
05:46aber die große Richtung,
05:47der historische Trend,
05:49ist vorgegeben.
05:50So kann man das sagen,
05:51ja.
05:51Das ist harter Tobak.
05:53Diese Idee,
05:55nur ein Rädchen
05:56in einem großen
05:57kosmischen Getriebe
05:58zu sein,
05:58ich kann verstehen,
05:59warum jemand wie Karl Marx
06:01da radikal
06:01gegensteuern wollte.
06:02Absolut.
06:04Er hat ja bekanntlich
06:05gesagt, Hegel würde
06:06auf dem Kopf stehen
06:07und er,
06:08Marx,
06:09würde ihn wieder
06:10auf die Füße stellen.
06:12Was genau
06:13meinte er damit?
06:14Also Marx
06:14übernimmt von Hegel
06:15die Grundidee,
06:16dass die Geschichte
06:17ein logischer Prozess ist,
06:19der auf ein Endziel
06:20zusteuert.
06:21Darin sind sie sich einig.
06:23Aber,
06:24aber,
06:24er dreht die Ursache-Wirkungskette
06:26komplett um.
06:27Für Hegel
06:28formen die Ideen
06:29der Geist
06:30die materielle Welt.
06:31Für Marx
06:31ist es genau andersherum.
06:33Die materiellen,
06:34wirtschaftlichen Verhältnisse
06:35formen unsere Ideen.
06:37Also,
06:38nicht der Geist
06:39erschafft die Welt,
06:40sondern die Art und Weise,
06:41wie wir unser Brot verdienen,
06:43wie die Fabriken
06:44organisiert sind,
06:45wem die Produktionsmittel
06:46gehören,
06:47all das bestimmt,
06:48wie wir denken,
06:49woran wir glauben,
06:50welche Gesetze
06:51wir uns geben.
06:52Exakt.
06:52Für Marx
06:53sind Philosophie,
06:55Religion,
06:56Recht und Kultur
06:57nur der ideologische Überbau.
06:59Sie sind ein Spiegelbild
07:01der ökonomischen Basis.
07:03Aha.
07:04Der wahre Motor
07:05der Geschichte
07:05ist für ihn
07:06der Klassenkampf,
07:07der Konflikt
07:08zwischen denen,
07:09die besitzen
07:10und denen,
07:10die arbeiten.
07:11Dieser Konflikt
07:13treibt die Geschichte
07:13von einer Epoche
07:15zur nächsten,
07:15von der Sklavenhaltergesellschaft
07:17über den Feudalismus
07:19zum Kapitalismus
07:20und,
07:20so seine Prophezeiung,
07:22genau,
07:23zur klassenlosen
07:24kommunistischen Gesellschaft.
07:25Genau.
07:26Der Motor
07:27ist also ein anderer,
07:28aber die Reise
07:29hat immer noch
07:29ein festes,
07:30vorbestimmtes Ziel.
07:32Okay,
07:32wir haben also
07:33diese beiden
07:33gewaltigen Erklärungsmodelle.
07:35Aber einer
07:36der provokantesten
07:37Gedanken in den Quellen,
07:38die du uns geschickt hast,
07:39ist der Vorwurf,
07:40dass diese großen
07:41Geschichtsphilosophien
07:42am Ende
07:42nur getarnte Religionen sind.
07:44Quasi säkularisierte
07:46Heilsgeschichten.
07:47Das ist ein sehr starker
07:48und einflussreicher
07:50Kritikpunkt.
07:51Wenn man genau
07:52hinschaut,
07:52ist die strukturelle
07:53Ähnlichkeit zu
07:54jüdisch-christlichen
07:55Erzählungen verblüffend.
07:57Inwiefern?
07:58Weide,
07:58Hegel und Marx
07:59erzählen eine Art
08:01Heilsgeschichte.
08:02Es gibt einen
08:03ursprünglichen Zustand
08:04der Einheit,
08:05eine Art Paradies.
08:06Dann folgt
08:07ein Sündenfall,
08:08eine Entfremdung,
08:09zum Beispiel
08:10die Entstehung
08:10des Privateigentums
08:12bei Marx.
08:12Darauf folgt
08:13ein langer,
08:14leidvoller,
08:15historischer Prozess,
08:16der am Ende
08:17aber zu einer
08:18Erlösung führt.
08:19Genau.
08:19Bei Hegel
08:20wäre das
08:21die volle
08:21Verwirklichung
08:22des Geistes
08:23im preußischen Staat
08:24und bei Marx
08:26die kommunistische
08:26Utopie.
08:27Das klingt
08:28wirklich wie
08:28eine Blaupause.
08:30Paradies,
08:31Vertreibung,
08:31irdisches Leid
08:32und am Ende
08:33die Apokalypse,
08:34die ins Himmelreich
08:35führt.
08:36Genau diese Struktur
08:37ist es.
08:38Die gesamte Idee,
08:39dass die Geschichte
08:40linear verläuft,
08:41also auf ein Ziel
08:42zustrebt,
08:43ist ja selbst
08:44ein Erbe
08:44des jüdisch-christlichen
08:45Denkens.
08:46In vielen
08:47antiken Kulturen
08:48dachte man
08:48Geschichte zyklisch
08:50als ewige
08:51Wiederkehr desgleichen.
08:52Stimmt.
08:52Die Vorstellung
08:53einer Endgeschichte,
08:55eines finalen Ziels,
08:56ist ohne diesen
08:57religiösen Hintergrund
08:58kaum denkbar.
08:59Aber ist dieser
09:00Vergleich nicht
09:01ein bisschen zynisch?
09:02Wollten Marx und Hegel
09:03nicht einfach die Welt
09:04verbessern und verstehen?
09:05Ist jeder Glaube
09:06an Fortschritt
09:07und eine bessere Zukunft
09:08gleich eine Religion?
09:10Das ist eine
09:11sehr wichtige Unterscheidung.
09:12Der Wunsch
09:13nach Fortschritt
09:14ist das eine.
09:15Das Problem entsteht,
09:16wenn dieser Wunsch
09:17zu einer
09:18Gewissheit über
09:19ein vorbestimmtes
09:20historisches Schicksal
09:21wird.
09:21Dann wird es quasi
09:22religiös.
09:24Verstehe.
09:25Und hier liegt die
09:25Gefahr, die die
09:26Kritiker sehen.
09:27Wenn du glaubst,
09:28das Endziel der
09:29Geschichte zu kennen,
09:30dann wird jedes
09:31Mittel, dieses Ziel
09:32zu erreichen,
09:32geheiligt.
09:33Die Opfer der
09:34Gegenwart werden
09:35dann zu einem
09:35bedauerlichen,
09:36aber notwendigen
09:37Brennstoff für das
09:38Feuer der Geschichte,
09:40wie es in einer
09:40deiner Quellen
09:41heißt.
09:42Und das
09:42rechtfertigt dann
09:43potenziell
09:43unvorstellbares Leid
09:45im Namen einer
09:45glorreichen Zukunft.
09:47Wer sich dem
09:48Fortschritt in den
09:48Weg stellt,
09:49stellt sich nicht nur
09:50gegen eine
09:50politische Meinung,
09:51sondern gegen den
09:52Lauf der Geschichte
09:53selbst.
09:54Und muss dann eben
09:55aus dem Weg
09:55geräumt werden.
09:56Das ist die dunkle
09:57Seite dieses
09:58Denkens.
09:59Der Glaube an
09:59ein Endziel kann
10:01eine dogmatische
10:02Intoleranz erzeugen,
10:03die keine
10:03Abweichung duldet.
10:05Man kämpft nicht
10:06mehr für eine
10:06bessere Welt,
10:07man exekutiert
10:08einen
10:08metaphysischen Plan.
10:10Okay, das sind
10:11also diese beiden
10:11Giganten mit ihren
10:12riesigen Entwürfen.
10:13Aber was ist,
10:15wenn die
10:15Grundannahme,
10:16dass es überhaupt
10:16einen Plan gibt,
10:17komplett falsch ist?
10:18Die Gegenposition
10:19dazu ist ja
10:20radikal.
10:21In deinen
10:22Quellen wird
10:23sie mit dem
10:24berühmten
10:24Shakespeare-Zitat
10:25zusammengefasst.
10:26Die Geschichte
10:26ist eine
10:27Geschichte,
10:28erzählt von
10:29einem Idioten
10:30voller Lärm
10:31und Wut,
10:31die nichts
10:31bedeutet.
10:33Das ist aber
10:34auch eine
10:34ziemlich
10:34deprimierende
10:35Vorstellung,
10:36oder?
10:37Alles nur
10:38sinnlos.
10:39Das klingt
10:40erst mal so,
10:41ja.
10:41Aber sinnlos
10:43ist vielleicht
10:43das falsche Wort.
10:44Die Kritiker
10:45dieser großen
10:46Entwürfe
10:47würden eher
10:47sagen,
10:48die Geschichte
10:49ist unendlich
10:49komplex
10:50und nicht
10:51auf eine
10:51einzige
10:52simple
10:52Logik
10:53reduzierbar.
10:54Okay.
10:54Das Wort
10:55Zufall
10:55bedeutet hier
10:56nicht pure
10:56Willkür,
10:57sondern eine
10:58Kausalkette,
10:59die so
10:59unüberschaubar
11:00und vielschichtig
11:01ist,
11:02dass sie für
11:02uns wie
11:02Zufall
11:03erscheint.
11:04Jedes
11:04noch so
11:05große
11:05Ereignis
11:06ist das
11:06Resultat
11:07von Millionen
11:08kleiner
11:08Ursachen,
11:09die sich
11:10unvorhersehbar
11:11verketten.
11:12Der berühmte
11:12Schmetterlingseffekt.
11:14In den Unterlagen
11:15wird ja das
11:15erschütternde
11:16Beispiel genannt,
11:17was wäre
11:18gewesen,
11:18wenn Adolf
11:19Hitlers
11:19Bewerbung
11:19an der
11:20Wiener
11:20Kunstakademie
11:21angenommen
11:21worden wäre.
11:22Ja,
11:22genau.
11:23Eine winzige
11:23Entscheidung
11:24im Leben
11:24eines Einzelnen
11:25hätte potenziell
11:26den gesamten
11:27Verlauf
11:28des 20.
11:28Jahrhunderts
11:29ändern können.
11:30Genau.
11:31Oder nehmen wir
11:32ein anderes
11:32Beispiel,
11:33den Fall
11:34der Berliner
11:34Mauer.
11:35Das war
11:36keinen großen
11:37Plan
11:37geschuldet.
11:38Es war ein
11:38perfekter
11:39Sturm aus
11:40wirtschaftlichem
11:40Druck auf die
11:41DDR,
11:42Massenprotesten,
11:43Reformen in der
11:44Sowjetunion und
11:46dann kam
11:46Schabowski.
11:47Und dann am
11:48entscheidenden
11:49Abend die
11:49legendär
11:50verpatzte
11:51Pressekonferenz
11:52von Günter
11:52Schabowski,
11:53der auf
11:54eine Frage
11:54hin unsicher
11:55einen Zettel
11:56vorliest und
11:57die sofortige
11:57Reisefreiheit
11:58verkündet,
11:59obwohl das
11:59so nicht
12:00geplant war.
12:01Wahnsinn.
12:01Eine
12:02Mischung aus
12:02Mut,
12:03tausender
12:03Menschen an
12:04der Grenze
12:04und dem
12:05Zufall
12:06einer
12:06unglücklichen
12:07Formulierung
12:07eines einzelnen
12:08Politikers
12:09hat das Tor
12:10aufgestoßen.
12:11Nicht der
12:11Weltgeist
12:12oder der
12:13unaufhaltsame
12:14Marsch des
12:14Proletariats.
12:16Es ist also
12:16eine Absage
12:17an die
12:17großen,
12:18allumfassenden
12:19Erklärungen,
12:20eine Art
12:21Feier der
12:22Unvorhersehbarkeit
12:23und der
12:23menschlichen
12:24Entscheidungen
12:24im Kleinen,
12:25die dann
12:25große,
12:26unbeabsichtigte
12:27Folgen haben?
12:27Ja,
12:28und es ist
12:29auch ein
12:29ethisches
12:30Statement.
12:30Dieser
12:31Ansatz warnt
12:32davor,
12:32das konkrete,
12:33individuelle
12:34Leid des
12:34Einzelnen
12:35einem
12:35abstrakten,
12:36übergeordneten
12:37Ziel zu
12:37opfern.
12:38Er sagt,
12:40das Leben,
12:40die Freuden
12:41und die
12:42Schmerzen
12:42jedes einzelnen
12:43Menschen
12:43haben einen
12:44Wert an
12:45sich und dürfen
12:46nicht einfach
12:46als Kollateralschaden
12:47für eine
12:48vermeintlich
12:48glorreiche
12:49Zukunft abgetan
12:50werden.
12:50Er nimmt
12:51die
12:51unordentliche,
12:52widersprüchige
12:53Realität ernst
12:54und weigert
12:55sich,
12:55sie in ein
12:55sauberes,
12:56logisches
12:56Schema zu
12:57pressen.
12:57Weil jeder
12:58versucht,
12:59das zu tun?
12:59So die Kritik,
13:01unweigerlich
13:01zur Unterdrückung
13:02all dessen
13:03führt,
13:03was nicht
13:03ins Schema
13:04passt.
13:05Also wenn wir
13:05das jetzt mal
13:06für dich
13:06zusammenfassen.
13:07Wir haben
13:08auf der einen
13:08Seite diese
13:09großen,
13:10sinnstiftenden
13:10Erzählungen
13:11von Hegel
13:12und Marx.
13:12Die sehen
13:13die Geschichte
13:13als einen
13:14logischen,
13:14fast
13:14zwangsläufigen
13:15Prozess,
13:16der auf
13:16ein
13:16klares
13:17Finale
13:17zusteuert.
13:19Im Grunde
13:19ein Drehbuch,
13:20dessen Ende
13:20schon geschrieben
13:21ist.
13:21Genau.
13:22Und auf der
13:23anderen Seite
13:23steht die
13:24radikale
13:25Ablehnung
13:25eines solchen
13:26Drehbuchs.
13:26Die Vorstellung
13:27von Geschichte
13:28als ein
13:28unendlich
13:29komplexes,
13:30chaotisches
13:31Geflecht aus
13:31Zufällen,
13:32unzähligen
13:33kleinen
13:33Ursachen
13:34und
13:35menschlichen
13:35Entscheidungen.
13:37Dass sich
13:37jede
13:38einfachen
13:38Erklärung
13:39entzieht.
13:39Und das
13:40wirft natürlich
13:40eine Frage
13:41direkt an
13:41dich
13:42zurück.
13:42Wenn du
13:43heute
13:43auf die
13:44Welt
13:44schaust,
13:44auf die
13:45Nachrichten,
13:45auf die
13:45großen
13:46Konflikte,
13:47neigst du
13:48eher dazu,
13:48darin
13:49Muster zu
13:49suchen,
13:50eine
13:50übergeordnete
13:51Logik,
13:52eine
13:52Bewegung
13:53in eine
13:53bestimmte
13:53Richtung?
13:54Oder
13:55akzeptierst du
13:55eher die
13:57unüberschaubare,
13:57oft
13:58widersprüchliche
13:59Komplexität
13:59der Ereignisse?
14:01Gestehst du
14:01dir ein,
14:02dass es
14:02vielleicht
14:02gar keinen
14:03großen
14:03Plan
14:04gibt
14:04und
14:04dass
14:04die
14:04Zukunft
14:05wirklich
14:05offen
14:05ist?
14:06Das ist
14:07der
14:07Punkt,
14:07ja.
14:07Beide
14:07Haltungen
14:08haben,
14:08wie wir
14:09gesehen
14:09haben,
14:10tiefgreifende
14:10Konsequenzen
14:11dafür,
14:12wie wir
14:13handeln
14:13und was
14:14wir von
14:14der
14:14Zukunft
14:15erwarten.
14:16Die
14:16eine
14:16gibt
14:17vielleicht
14:17Halt
14:18und
14:18Orientierung
14:19birgt
14:19aber die
14:20Gefahr
14:20des
14:20Dogmatismus.
14:21Und
14:21die
14:25Zweiflung
14:26führen,
14:26weil
14:26eben
14:27nichts
14:27garantiert
14:28ist.
14:28Und
14:28da
14:28ist
14:29noch
14:29ein
14:29letzter
14:30Gedanke,
14:30den
14:30wir
14:30dir
14:30mitgeben
14:31wollen.
14:32Deine
14:32Quellen
14:33deuten
14:33etwas
14:33an,
14:34was
14:34ich
14:34wirklich
14:35faszinierend
14:35fand.
14:36Nämlich,
14:37dass
14:37die
14:38Stärke
14:38des
14:38heutigen
14:39globalen
14:39Kapitalismus
14:40vielleicht
14:41gerade
14:41darin
14:42liegt,
14:42dass
14:43er
14:43eben
14:43keine
14:43große
14:44Heilsgeschichte
14:44erzählt.
14:45Ein
14:45interessanter
14:46Punkt.
14:47Anders
14:47als
14:47die
14:47großen
14:48Ideologien
14:48des
14:4920.
14:49Jahrhunderts
14:50verspricht
14:50der
14:50Kapitalismus
14:51keine
14:52finale
14:52Utopie,
14:53kein
14:53Endziel
14:53der
14:54Geschichte.
14:54Richtig,
14:55er zwingt
14:56die
14:56Menschen
14:57nicht
14:57in
14:57ein
14:57starres
14:58System,
14:59um
14:59einen
14:59höheren
15:00Plan
15:00zu
15:00erfüllen.
15:01Er
15:01ist
15:01im
15:02Grunde
15:02agnostisch
15:03gegenüber
15:03dem
15:03Sinn.
15:04Er
15:04reagiert
15:05einfach
15:05nur
15:05flexibel
15:06auf
15:06die
15:07Milliarden
15:07von
15:08widersprüchlichen,
15:09irrationalen,
15:10sich
15:11ständig
15:11ändernden
15:12Wünsche
15:12von uns
15:13allen.
15:13Er
15:14verspricht
15:14kein
15:14Paradies,
15:15er
15:15sagt
15:15nur,
15:16was
15:16auch
15:16immer
15:17du
15:17willst.
15:18Ich
15:18liefere
15:18dir
15:19den
15:19Mechanismus,
15:20es
15:20potenziell
15:20zu
15:20bekommen.
15:21Vielleicht
15:22ist
15:22die
15:22wahre
15:23Logik
15:24der
15:24heutigen
15:24Geschichte
15:25ja
15:25genau
15:26diese
15:26Abwesenheit
15:27einer
15:27einzigen
15:28starren
15:29Logik.
15:30Und
15:30stattdessen
15:31eine
15:31ständige
15:32chaotische
15:33unvorhersehbare
15:34Anpassung
15:35an das,
15:36was wir
15:36als
15:36Menschen
15:36im
15:36nächsten
15:37Moment
15:37wollen.
15:38Ein
15:38Gedanke,
15:39über
15:39den
15:39es
15:39sich
15:39nachzudenken
15:40lohnt.