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  • il y a 52 minutes
In dieser vierten Vorlesung der Reihe „Einführung in die Ethik“ beschäftigen wir uns mit der geometrischen Methode, einem der zentralen Ansätze in der rationalistischen Philosophie, insbesondere bei Baruch de Spinoza.
Wir erklären, was unter der geometrischen Methode zu verstehen ist, warum sie aus Definitionen, Axiomen und Beweisen besteht und welches Ziel sie in der Ethik verfolgt.
Die Vorlesung zeigt, wie moralische Fragen mit der gleichen Strenge behandelt werden sollen wie mathematische Probleme und welche Chancen, aber auch Grenzen dieser Methode bestehen.

Ideal für Studierende der Philosophie, Ethik-Interessierte und alle, die einen klaren, systematischen Zugang zu moralischen Fragen suchen.

Catégorie

📚
Éducation
Transcription
00:00Bonjour et bienvenue à notre réunion de l'analyse.
00:03Tu as nous quelles à Spinoza,
00:06c'est basé sur un livre de Dr. Adel Hadjami.
00:10Et ça fait une question, qui est au premier moment très intéressant.
00:15Pourquoi s'il y a un livre de l'Ethique,
00:18un livre sur l'Ethique, un livre sur l'Ethique,
00:21comme un livre sur l'Ethique, un livre sur l'Ethique ?
00:23Oui, c'est un livre de l'Ethique.
00:26C'est un livre de l'Ethique, un livre sur l'Ethique,
00:29et on a eu Lance, un livre sur l'Ethique, un livre sur l'Ethique.
00:35La plus simple
00:54pourquoi il a fait ça,
00:56ce qu'il y a cette méthode
00:58avec sa radicale Sicht
01:00sur la réalité,
01:02et comment elle nous aide
01:04ses pensées sur le monde
01:06et la nature.
01:08La forme ici
01:10est l'Inhalt.
01:12Ok, nous allons
01:14l'historique.
01:16Cette Faszination
01:18pour Mathematique
01:20dans la philosophie,
01:22man kennt ja diesen Spruch
01:24von Platon, der über seine
01:26Akademie gestanden haben soll,
01:28kein der Geometrieunkundiger
01:30trete hier ein.
01:32Aber viel näher dran ist ja Descartes.
01:34Für den war die Mathematik
01:36der Goldstandard, also für absolute
01:38Gewissheit.
01:40Klingt für mich aber erst einmal sehr sehr ähnlich.
01:42Descartes wollte doch auch
01:44alles auf ein felsenfestes
01:46mathematisches Fundament stellen.
01:48Wo ist da jetzt der Unterschied zu
01:50Spinoza? hat er das einfach
01:52C'est une super question, parce qu'elle s'est pas de question en ligne.
01:58Il pourrait vraiment penser que Spimosa était un, on dit, un « un radicale Radekart ».
02:04Mais son goal était un autre chose.
02:06Et donc ?
02:07Descarte voulait conscience.
02:10Il se l'a demandé « ce que je suis tout le savoir ? ».
02:13Et il se relia dans son « je pense, alors bin je ».
02:17Spinoza ne allait pas seulement pour cette sorte de conscience.
02:21Il a utilisé la forme de la géométrie pour un génial un
02:50Je pense qu'il y a deux grandes concepts de vérité.
02:54C'est l'antique modèle par Aristoteles, c'est plutôt biologique.
03:00Biologique?
03:01Oui.
03:02Il y a la société, classifiqué, il y a la société.
03:07C'est la vérité, c'est l'intention de l'on pense,
03:11de l'on pense, de l'on pense, de l'on pense.
03:14Ok.
03:15Je pense que c'est rot.
03:18Schaue hin, der Apfel ist rot, also stimmt die Aussage.
03:21Genau.
03:22Das klingt doch erst mal ziemlich vernünftig, alltagstauglich.
03:24Ist es auch.
03:25Aber die Neuzeit, und da vor allem Descartes,
03:29bringt eben ein neues Konzept ins Spiel.
03:32Plötzlich geht es nicht mehr um die Übereinstimmung
03:35mit einer Außenwelt, bei der uns unsere Sinne ja täuschen können.
03:39Ah, ok.
03:40Sondern es geht um die innere Stimmigkeit des Denkens selbst.
03:44Die Wahrheit einer Idee liegt in ihrer logischen Kohärenz.
03:48Also darin, dass man sie aus ersten, unzweifelhaften Prinzipien ableiten kann.
03:53Und genau hier setzt Spinoza an.
03:56Er nimmt diese Idee der inneren Stimmigkeit des Denkens
04:00und macht etwas radikal Neues daraus.
04:03Ok, packen wir das mal aus.
04:05Was bedeutet es denn konkret, diese geometrische Methode anzuwenden,
04:09wenn wir jetzt von Dreiecken auf, sagen wir, menschliches Glück schließen?
04:13Der Gewinn dabei ist die Unabhängigkeit von externer Bestätigung.
04:17Nehmen wir das klassische Beispiel aus den Quellen.
04:20Die Winkelsumme im Dreieck.
04:22Die beträgt 180 Grad.
04:24Stimmt.
04:25Um das zu wissen, muss ich nicht rausgehen und tausende von Dreiecken vermessen.
04:29Nein, das leitet man ja ab.
04:30Richtig.
04:32Diese Wahrheit ergibt sich zwingend aus den Definitionen von Dreieck, Winkel und so weiter.
04:38Es ist ein in sich geschlossenes, logisches System.
04:42Die Wahrheit dieser Aussage wird im Kopf erzeugt, nicht in der Welt gefunden.
04:46Der Verstand ist also kein Fotoapparat, der die Welt nur abbildet,
04:50sondern eher ein Motor, der aus sich selbst heraus Wahrheiten produzieren kann.
04:54Genau das ist der Punkt.
04:56Und das führt uns direkt zu einem seiner berühmtesten Sätze.
04:59Veritas est index sui.
05:02Die Wahrheit ist ihr eigener Maßstab.
05:04Genau.
05:05Eine wahre Idee, so Spinoza, braucht kein externes Prüfsiegel.
05:10Sie beweist sich selbst.
05:11Wenn du eine wahre Idee hast, dann weißt du nicht nur, dass sie wahr ist.
05:16Du weißt auch, dass du es weißt.
05:18Es ist ein Zustand der zweifelsfreien Einsicht.
05:21Das ist ein schöner Gedanke, aber ist der nicht auch ein bisschen gefährlich?
05:25Ich meine, woher weiß ich, dass meine wahre Idee nicht einfach nur eine besonders hartnäckige Überzeugung ist?
05:33Es gibt ja genug Menschen, die sich ihrer Sache absolut sicher sind und trotzdem komplett daneben liegen.
05:38Exzellenter Einwand.
05:39Das ist der Punkt, an dem viele bei Spinoza hängen bleiben.
05:43Seine Antwort darauf ist recht subtil.
05:46Eine bloße Überzeugung ist für ihn isoliert und oft emotional aufgeladen.
05:52Eine adäquate Idee, wie er es nennt, erkennst du daran, dass sie sich lückenlos in ein größeres System von Ideen einfügt.
06:00Okay, sie steht also nicht für sich allein?
06:02Richtig. Sie ist nicht nur für sich genommen klar, sondern du verstehst auch ihre Ursachen und ihre Folgen.
06:09Du siehst ihre logische Notwendigkeit.
06:11Die Überzeugung eines Fanatikers zum Beispiel hält einer logischen Überprüfung ihrer Grundlagen und Konsequenzen nicht stand.
06:19Die Wahrheit, dass 2 plus 2, 4 ist hingegen schon.
06:23Ihre Evidenz ist in das gesamte System der Mathematik eingebettet.
06:27In den Quellen wird dafür die Metapher des Lichts benutzt.
06:30Ja, die ist super.
06:31Das Licht macht nicht nur die Dunkelheit und die Gegenstände darin sichtbar, sondern es macht auch sich selbst sichtbar.
06:38Man braucht kein zweites Licht, um das erste zu sehen.
06:41Eine perfekte Analogie. Genauso ist es mit der wahren Idee.
06:46Sie trägt ihre eigene Erleuchtung in sich. Sie beleuchtet das Thema, über das sie spricht, und sie beleuchtet sich selbst als wahre, logisch stimmige Idee.
06:56Für Spinoza ist der Verstand eben keine passive Leinwand, die Abbilder empfängt, sondern ein aktives System, das Wahrheit erzeugt.
07:05Und die Geometrie ist für ihn das reinste, klarste Beispiel für diese Fähigkeit.
07:09Hier wird es jetzt richtig interessant. Unser Kopf produziert ja nicht nur so glasklare geometrische Wahrheiten, meistens ist es doch ein ziemliches Chaos da oben.
07:19Meinungen, Vorurteile, Halbwissen. Hat Spinoza dafür auch eine Erklärung? Es kann ja nicht alles Wissen von dieser leuchtenden Qualität sein.
07:28Absolut. Und das ist einer der, finde ich, praktischsten Teile seiner Philosophie. Er unterscheidet ganz klar drei Stufen des Wissens. Eine Hierarchie des Verstehens sozusagen. Und du hast recht, ganz unten fängt es mit dem Chaos an.
07:43Fangen wir mal ganz unten an. Was ist die erste Stufe?
07:46Die unterste Stufe nennt er Imaginatio, also die Einbildungskraft oder bloße Meinung.
07:53Das ist alles Wissen, das wir aus Hörensagen, aus zufälligen, ungefilterten Erfahrungen oder aus reiner Gewohnheit beziehen.
08:01Und jetzt kommt's, das ist für Spinoza die einzige Quelle des Irrtums.
08:06Moment, die einzige?
08:08Die einzige. Nicht die Vernunft irrt, sagt er, sondern nur die Einbildungskraft.
08:13Okay, da erkenne ich mich sofort wieder. Wenn mein WLAN einmal ausfällt, denke ich sofort, dieser Anbieter ist der unzuverlässigste der Welt.
08:21Ja.
08:22Das ist ja reines Imaginatio. Eine zufällige, einzelne Erfahrung, die ich zu einer universalen Wahrheit aufblase.
08:28Ein perfektes Beispiel. Dein Urteil kommt aus einem externen, zufälligen Ereignis, nicht aus einer inneren, logischen Analyse.
08:37Die Quellen nennen ja noch andere gute Beispiele. Die Kaufleute, die die Dreisatzformel benutzen.
08:44Mhm.
08:45Sie wenden sie an, weil ihr Lehrer es ihnen so beigebracht hat oder weil sie gemerkt haben, dass sie meistens funktioniert.
08:52Aber sie verstehen den mathematischen Beweis dahinter nicht.
08:55Ihr Wissen ist also rein praktisch, basiert auf Autorität und Gewohnheit.
09:00Genau. Es ist Wissen ohne Verständnis. Oder das berühmteste Beispiel. Das ptolemäische System der Astronomie.
09:08Ah, das System, bei dem die Erde im Zentrum des Universums steht?
09:12Genau. Das hat ja jahrhundertelang scheinbar funktioniert. Man konnte damit Sonnenfinsternisse und Planetenbewegungen voraussagen.
09:20Aber es war fundamental falsch, weil es nur die äußere Erscheinung beschrieb, also das, was wir mit unseren Sinnen am Himmel sehen und nicht die wahren kausalen Zusammenhänge dahinter. Die Gravitationsgesetze.
09:31Okay. Der entscheidende Fehler dieser ersten Stufe ist also immer, dass die Wissensquelle extern und ungeprüft ist.
09:38Ruhe Daten, die von außen auf uns einprasseln.
09:41Und die wir ungeordnet miteinander verknüpfen, ja.
09:44Das ist also die Quelle allen Übels, sozusagen. Die Stufe, auf der die meisten von uns die meiste Zeit verbringen. Wie kommen wir da raus? Was ist die zweite Stufe?
09:54Die zweite Stufe ist die Ratio, die Vernunft. Das ist die Ebene des rationalen deduktiven Denkens, die Ebene der Wissenschaft und eben der Philosophie.
10:02Hier arbeiten wir mit dem, was Spinoza gemeinsame Begriffe und adäquate Ideen nennt, also klare Definitionen und logische Schlussfolgerungen. Die geometrische Methode, über die wir die ganze Zeit sprechen, ist das Paradewerkzeug dieser zweiten Stufe.
10:19Die Ethik ist also quasi eine riesige Übung, um den Leser von der ersten auf die zweite Stufe zu heben.
10:25Exakt. Und dieses Wissen ist für ihn notwendigerweise wahr, weil es eben nicht auf den trügerischen Sinneseindrücken von außen beruht, sondern seinen eigenen strikten, inneren Regeln folgt.
10:37Okay, die Vernunft ist also das Reich der Wissenschaft. Aber es gibt ja noch eine dritte Stufe, die Scientia intuitiva. Das klingt jetzt fast schon ein bisschen mystisch.
10:46Ja, der Name ist vielleicht etwas irreführend.
10:49Kannst du das greifbarer machen? Ist das wie ein Geistesblitz, bei dem man plötzlich alles versteht, ohne die einzelnen Schritte der Vernunft durchgehen zu müssen?
10:57Geistesblitz trifft es ziemlich gut, solange man es nicht für etwas Übernatürliches hält. Es ist die höchste und am schwierigsten zu erreichende Form des Wissens.
11:08Stell dir die zweite Stufe, die Ratio, so vor. Du beweist einen geometrischen Satz Schritt für Schritt, eine Ableitung nach der anderen. Du kommst am Ende an und weißt, das Ergebnis ist korrekt.
11:21Logisch, nachvollziehbar, aber eben ein Prozess, ein Weg.
11:26Genau. Bei der Scientia intuitiva überspringst du die Schritte. Du erfasst die Wahrheit nicht als Ende einer Kette, sondern als Ganzes. In einem einzigen Akt der Einsicht.
11:37Du siehst nicht nur, dass das Ergebnis wahr ist, sondern du verstehst unmittelbar, warum es im Gesamtgefüge der Realität gar nicht anders sein kann. Es ist, als würdest du ein komplexes Problem nicht durchrechnen, sondern seine Lösung direkt im Wiesen des Problems erkennen.
11:56Spinoza meint, auf dieser Stufe versteht man die Dinge so, wie Gott bzw. die Natur sie versteht, in ihrer ewigen Notwendigkeit und ihrem Zusammenhang mit allem anderen.
12:07Aber das ist nichts für jeden, nehme ich an.
12:09Er gibt selbst zu, dass es selten ist und, ganz wichtig, die harte Arbeit der zweiten Stufe voraussetzt. Man kann da nicht einfach hinspringen.
12:17Puh, okay. Also was bedeutet das alles? Wir haben diese drei Stufen des Wissens. Aber das spielt sich ja alles im Kopf ab. Mir fehlt immer noch die Brücke zur realen Welt da draußen.
12:28Wir haben dieses abstrakte, reingedankliche System der Wahrheit auf der einen Seite und auf der anderen Seite die physische Welt. Wie zum Teufel kommt das bei Spinoza zusammen?
12:37Gibt es da nicht eine riesige Kluft?
12:39Das ist die Millionen-Euro-Frage absolut. Und Spinozas Antwort darauf ist der vielleicht radikalste und eleganteste Zug in der ganzen Philosophiegeschichte. Er löst das Problem, indem er behauptet, dass es nie ein Problem gab.
12:54Okay. Er formuliert das in einem seiner berühmtesten Sätze.
12:58Die Ordnung und Verknüpfung der Ideen ist dieselbe wie die Ordnung und Verknüpfung der Dinge.
13:04Moment mal, das muss ich kurz verarbeiten. Die Ordnung der Ideen, also Logik, Mathematik, unser Denken, soll dieselbe sein wie die Ordnung der Dinge, also Physik, Biologie, das Universum?
13:17Exakt.
13:18Das würde ja bedeuten, dass die Gesetze der Physik und die Gesetze der Logik im Grunde dasselbe sind, nur aus einer anderen Perspektive betrachtet. Das ist eine gewaltige Behauptung. Eine absolut gewaltige Behauptung. Und er kann sie nur aufstellen, weil sein gesamtes System auf einem radikalen Fundament droht.
13:36Erstens. Es gibt für ihn nur eine einzige Substanz. Nicht Gott und die Welt, nicht Geist und Materie als getrennte Reiche. Es gibt nur dieses eine, unendliche Ganze, das er Gott oder die Natur nennt. Deus Sive Natura.
13:51Also keine Trennung zwischen einem Schöpfer und seiner Schöpfung. Alles ist eins, Gottheit ist in allem.
13:56Genau. Und jetzt kommt der zweite, entscheidende Schritt. Das Denken, also die Welt der Ideen, und die Ausdehnung. Die physische, materielle Welt sind für ihn keine zwei verschiedenen Substanzen wie noch bei Descartes.
14:10Sie sind nur zwei verschiedene Attribute dieser einen Substanz.
14:14Attribute.
14:15Zwei verschiedene Weisen, wie sich diese eine Realität uns zeigt und wie wir sie verstehen können. Stell es dir vor wie eine Münze.
14:23Okay.
14:23Sie hat eine Kopfseite und eine Zahlseite. Es sind nicht zwei Münzen. Es ist dieselbe Münze von zwei untrennbaren Seiten betrachtet.
14:33Das heißt, die Logik in meinem Kopf und ein fallender Stein da draußen sind im Grunde nur Kopf und Zahl derselben Realität.
14:41Ja.
14:41Es gibt gar keine Kluft zwischen Geist und Materie, die man irgendwie überbrücken müsste.
14:47Exakt. Du hast es erfasst. Das Denken ist nicht vom Sein getrennt. Sie sind perfekt parallele Ausdrucksformen derselben zugrunde liegenden Realität.
14:58Und die Konsequenz daraus ist absolut atemberaubend. Unser eigener Geist ist nicht etwas, das der Natur gegenübersteht. Er ist ein Teil der Natur.
15:08Wow.
15:08Wenn wir denken, sind nicht wir es, die als getrennte Subjekte über die Natur nachdenken. Es ist die Natur selbst, die durch die komplexe Struktur unseres Gehirns über sich selbst nachdenkt.
15:21Das stellt wirklich alles auf den Kopf. Das ist dann auch der fundamentale Unterschied zu Descartes, der ja immer dieses Problem hatte.
15:28Das Leibseele-Problem, ja.
15:30Er musste ja immer beweisen, dass seine klaren Ideen im Kopf auch der Wirklichkeit da draußen entsprechen.
15:36Ganz genau. Descartes brauchte eine externe Garantie.
15:40Er sagte, weil es einen guten, nicht täuschenden Gott gibt, kann ich darauf vertrauen, dass meine klaren und deutlichen Ideen wahr sind.
15:47Er brauchte einen Bürgen.
15:49Er brauchte einen Bürgen, ja. Spinoza brauchte ihn nicht.
15:52Wahnsinn. Jetzt schließt sich der Kreis.
16:10Wir haben mit dieser trockenen, fast technischen Frage angefangen, warum Spinoza ein Ethikbuch wie ein Geometriebuch schreibt.
16:18Und die Antwort führt uns zu einer unfassbar radikalen Vision der Wirklichkeit, in der unser Denken und das Universum eins sind.
16:26Genau das ist der Weg. Die geometrische Methode ist kein äußerlicher Stil, kein Gag. Sie ist der zwingende Ausdruck seiner tiefsten Überzeugung.
16:35Dass die logische Struktur des Denkens, die reale Struktur des Universums widerstiegelt.
16:40Weil beides letztlich dasselbe ist.
16:42Genau. Ein korrekt geführter Gedanke ist ein korrekter Ausschnitt der Realität.
16:48Deshalb kann man über Gott, die Natur und das Glück genauso exakt nachdenken wie über ein Dreieck.
16:53Okay, was geben wir dir als Hörer als letzten Gedanken mit auf den Weg?
16:58Der vielleicht provokatieste Gedanke, der aus all dem folgt, ist dieser.
17:03Für Spinoza ist der Glaube, wir stünden als Menschen mit unserem Bewusstsein irgendwie über oder außerhalb der Natur, eine fundamentale Illusion.
17:12Es ist ein Irrtum, der aus der niedrigsten Stufe des Wissens geboren wird, aus der Imaginatione.
17:18Aus der Einbildungskraft.
17:19Genau. Diese alltägliche, tiefsitzende Überzeugung, dass hier ich als denkendes Subjekt bin und da draußen die objektive Natur,
17:28das ist für ihn der grundlegendste aller Irrtümer, aus dem fast alle anderen philosophischen Probleme entstehen.
17:34Ein letzter Gedanke also für dich.
17:37Spinoza dreht den Spieß komplett um.
17:39Wenn wir das nächste Mal eine rein rationale Entscheidung treffen oder ein logisches Problem lösen, könnten wir uns fragen, denke ich hier gerade?
17:47Oder ist das einfach die Natur, die durch die komplexe neuronale Struktur meines Gehirns für einen kurzen Moment lang zu sich selbst findet?
17:54.
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