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In dieser dritten Vorlesung zur Philosophie Spinozas befassen wir uns mit einer grundlegenden Frage:
Was ist der Unterschied zwischen Moral und Ethik?
Ausgehend von Spinozas Ethik wird gezeigt, warum Ethik bei ihm nicht aus Geboten, Verboten oder moralischen Urteilen besteht, sondern aus dem rationalen Verständnis der menschlichen Affekte, der Natur und der Notwendigkeit.
Die Vorlesung dient als Einführung in die spinozistische Ethik und klärt zentrale Begriffe wie:
Moral vs. Ethik
Notwendigkeit und Freiheit
Affekte und Vernunft
Der Mensch als Teil der Natur
Diese Einheit richtet sich an Studierende, Philosophie-Interessierte und alle, die Spinozas Denken systematisch und verständlich kennenlernen möchten.
Was ist der Unterschied zwischen Moral und Ethik?
Ausgehend von Spinozas Ethik wird gezeigt, warum Ethik bei ihm nicht aus Geboten, Verboten oder moralischen Urteilen besteht, sondern aus dem rationalen Verständnis der menschlichen Affekte, der Natur und der Notwendigkeit.
Die Vorlesung dient als Einführung in die spinozistische Ethik und klärt zentrale Begriffe wie:
Moral vs. Ethik
Notwendigkeit und Freiheit
Affekte und Vernunft
Der Mensch als Teil der Natur
Diese Einheit richtet sich an Studierende, Philosophie-Interessierte und alle, die Spinozas Denken systematisch und verständlich kennenlernen möchten.
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ÉducationTranscription
00:00Bonjour et bienvenue. Aujourd'hui nous avons une telle des questions qui ont été mis en place.
00:05Nous avons ici une sorte de philosophie de criminale.
00:10Le Angeklagé Baruch de Spinoza, un Denk du 17th.
00:15Ce vermeintliche Verbrechen ?
00:18Il dit qu'il est en fait, il dit qu'il n'y a pas de la loi,
00:22qu'il n'y a pas de freie, qu'il n'y a pas d'un.
00:24Il y a tout en nature, qu'il n'y a pas d'un.
00:27Richtig.
00:28Et donc il écrit un grand dix bûl
00:30de commenter,
00:31comment nous pouvons
00:31les personnes
00:32de la Freiheit
00:32de l'arrière.
00:33C'est vrai.
00:34C'est une conclusion
00:35de notre mission
00:37basé sur sesquels
00:39de savoir
00:39si Spinoza
00:41se peut-être
00:41ou si nous
00:42peut-être
00:43quelque chose
00:43d'un peu
00:44de la liberté
00:45de la liberté
00:46est correcte.
00:46Il y a une
00:47l'accent
00:48de la chanson
00:49de la chanson
00:49de la chanson
00:50de la chanson
00:51de la chanson
00:52de la chanson
00:53du le chanson
00:53d'un
00:54le chanson
00:55de la chanson
00:55de la chanson
00:55de la chanson
00:56Ok, alors fangen wir mal mit der Spurensicherung an.
01:23Das Buch heißt Ethik. Ihre Quelle erklärt, dass Wissen damals im 17. Jahrhundert einen sehr praktischen Zweck hatte.
01:31Es ging um die Veredelung des Menschen. Das Ziel von Spinosas Buch ist also nichts Geringeres als die menschliche Befreiung.
01:38Aber genau hier, so die Quelle, stoßen wir sofort auf zwei riesige Probleme.
01:42Genau. Probleme, die das ganze Projekt zum Scheitern bringen könnten, bevor es überhaupt anfängt.
01:48Richtig.
01:48Das erste Problem ist eine direkte Herausforderung für den Rationalismus, dem Spinoza ja angehörte.
01:55Die Grundidee ist doch, wenn ich etwas verstehe, wenn ich die Ursachen erkenne, dann kann ich mich davon befreien.
02:02Ja.
02:03Aber Ihre Quelle stellt die absolut berechtigte Frage, reicht reines Verstehen wirklich aus?
02:08Und das Beispiel, das da kommt, ist so gut.
02:11Das ist brillant und jeder kennt das wahrscheinlich aus eigener Erfahrung.
02:14Ich kann intellektuell haargenau verstehen, warum meine unglückliche Liebe zu einer Person irrational ist.
02:20Absolut.
02:21Ich kann die psychologischen Mechanismen analysieren, die frühkindlichen Prägungen, alles.
02:26Aber dieses Wissen allein, es lässt das Gefühl nicht verschwinden.
02:31Das Herz macht einfach weiter, was es will.
02:33Moment mal. Also das erste Problem mit dem reinen Verstehen leuchtet mir ein. Aber das zweite Argument, der Determinismus, das ist doch ein K.O.-Schlag für das ganze Projekt, oder?
02:45Ah.
02:46Wenn Spinoza sagt, es gibt keine Willensfreiheit und alles ist vorherbestimmt, warum sollte ich dann überhaupt ein Buch über Ethik lesen?
02:54Ja?
02:54Dann ist es doch völlig egal, was ich tue oder verstehe. Das klingt nach purem Fatalismus.
02:59Das ist der entscheidende Trugschluss, denn fast jeder macht, wenn er zum ersten Mal auf Spinoza trifft.
03:04Okay.
03:04Es rückt wie ein K.O.-Schlag, weil wir von unseren gewohnten Definitionen von Freiheit ausgehen.
03:10Aber Spinoza löst das nicht mit einem rhetorischen Trick, sondern indem er, wie gesagt, die Spielregeln ändert.
03:16Wie denn?
03:17Er beginnt mit der radikalen Aussage, dass der Mensch kein Reich im Reiche ist.
03:22Kein Reich im Reiche? Was heißt das?
03:23Wir sind keine magischen Ausnahmen von den Naturgesetzen, die für Planeten, Pflanzen und Tiere gelten.
03:30Wir sind Teil dieses Systems, durch und durch. Und genau von diesem Ausgangspunkt aus müssen wir Freiheit völlig neu denken.
03:38Okay, ich bin gespannt. Wie fängt er an, diesen Knoten zu entwirren? Die Quelle deutet an, der Schlüssel liegt im Titel selbst. Im Wort Ethik.
03:46Ja, und das ist keine bloße Wortklauberei. Er geht zurück zur griechischen Wurzel Ethos.
03:52Ethos.
03:53Das bedeutet ursprünglich nicht Moral oder eine Sammlung von Regeln, sondern so etwas wie Ort des Lebens, Lebensraum, charakteristische Verhaltensweise.
04:03Also eher biologisch fast.
04:05Genau. Eine Ethik ist für ihn also eher wie eine Art Gebrauchsanweisung für ein Lebewesen.
04:11Sie fragt nicht, welchen göttlichen Geboten sollst du gehorchen, sondern wie funktioniert dieses Wesen namens Mensch optimal in seinem natürlichen Lebensraum?
04:20Ah.
04:20Und hier kommt die wichtigste Unterscheidung, die Ihre Quelle herausarbeitet. Der fundamentale Unterschied zwischen Spinozas Ethik und der traditionellen Moral.
04:31Ich muss zugeben, das klingt für mich erstmal nach einer eher akademischen Unterscheidung. Ethik, Moral, wo ist da der riesige Unterschied?
04:38Der Unterschied ist gewaltig. Die Quelle beschreibt das sehr bildlich. Stellen Sie sich die traditionelle Moral als ein vertikales, hierarchisches System vor.
04:48Von oben nach unten.
04:49Genau. Oben ist eine transzendente Macht, Gott, das Gesetz, eine Idee des Guten. Von dort oben kommen Befehle, Gebote und Verbote nach unten zum Menschen.
05:01Okay.
05:02Der Mensch wird an einem externen Ideal gemessen und für Abweichungen bestraft. Oft mit dem Versprechen auf eine Belohnung im Jenseits. Die zentrale Frage der Moral ist, bin ich schuldig oder unschuldig? Gehorche ich oder nicht?
05:16Es geht also um ein Urteil von außen. Man soll so sein, wie es eine höhere Instanz vorschreibt.
05:23So ist es.
05:24Und die Ethik nach Spinoza?
05:26Die ist das genaue Gegenteil. Eine horizontales, immanentes System. Es gibt kein Oben und kein Unten.
05:32Sondern?
05:33Es gibt nur uns und die anderen Dinge in der Welt. Menschen, Ideen, Situationen. Die entscheidende Frage hier ist nicht, gehorchst du? Sondern, wozu bist du fähig?
05:43Wozu bin ich fähig?
05:44Ja. Es geht darum, die eigene Existenzkraft, seine Handlungsmacht, zu steigern. Der entscheidende Punkt hier ist, Spinoza wirft die gesamte Grundlage unserer westlichen Moralvorstellung über Bord.
05:57Wow.
05:57Moral fragt, bin ich ein guter Mensch? Das ist eine Frage des Urteils. Spinozas Ethik fragt, bin ich ein leistungsfähiger Mensch? Das ist eine Frage der inneren Kraft.
06:09Leistungsfähig.
06:10Er ersetzt das Gerichtsurteil durch eine ärztliche Diagnose. Schlecht sein ist für ihn keine Sünde, sondern eine Krankheit, ein Zustand der Schwäche, der Traurigkeit.
06:21Ah, okay. Das ist ein gewaltiger Perspektivwechsel. Es geht also gar nicht darum, ob ich gut oder böse bin, sondern ob ich stark oder schwach bin. Ob meine Lebenskraft gerade steigt oder sinkt.
06:32Ganz genau.
06:33Aber was passiert dann mit so klassischen Konzepten wie Tugend und Laster?
06:37Sie werden radikal neu definiert und sozusagen vom Himmel auf die Erde geholt. Die Belohnung der Tugend ist nicht das Himmelreich.
06:46Sondern?
06:46Und die Strafe für das Laster?
06:59Das ist das Leid, das man hier und jetzt erfährt, wenn die eigene Kraft gemindert wird. Die Quelle nennt das brillante Beispiel des hasserfüllten Menschen.
07:09Ja, das war stark.
07:10Seine Strafe ist nicht die Hölle. Seine Strafe ist der Hass selbst, der ihn von innen zerfrisst, ihn schwächt und ihn in einen Zustand permanenter Traurigkeit versetzt. Er leidet an seiner eigenen Bosheit.
07:23Das leuchtet ein. Und das alles hängt, glaube ich, mit seiner Idee der Begehrde zusammen.
07:28Mhm.
07:28Die Quelle zitiert diesen unglaublichen Satz, wir begehren ein Ding nicht, weil wir es für gut halten, sondern wir halten es umgekehrt für gut, weil wir es begehren.
07:37Ja.
07:37Das stellt ja wirklich alles auf den Kopf. Bisher dachte ich immer, es gibt objektiv gute Dinge und deswegen will ich sie haben.
07:44Exakt. Und hier führt er diesen zentralen Begriff ein, den Konatus.
07:49Konatus.
07:49Das ist viel mehr als nur Begierde oder Verlangen. Stellen Sie sich das wie den Überlebenswillen einer Pflanze vor, die sich unaufhaltsam zum Licht streckt, egal was kommt.
07:59Okay.
07:59Es ist ein fundamentaler Drang, jedes Dings in seinem Sein zu verharren und seine Macht zu entfalten. Für uns Menschen ist dieser Konatus die Grundlage von allem, unsere Lebenskraft.
08:12Und gut und schlecht sind dann?
08:13Ganz einfach. Spinoza sagt, gut ist alles, was diesen Drang stärkt und unsere Macht zu handeln vergrößert. Schlecht ist alles, was ihn schwächt. So einfach und so radikal ist das.
08:25Die Begierde ist für ihn nicht ein Mangel, der gefühlt werden muss.
08:29Sondern der Motor.
08:30Sondern der Motor des Lebens selbst.
08:31Ah, jetzt verstehe ich. Es geht also gar nicht darum, die Begierden mit reiner Vernunft zu unterdrücken, wie ein Stoiker das vielleicht tun würde.
08:38Nein, überhaupt nicht.
08:39Wenn ich mich richtig erinnere, haben wir damit ja das erste Problem von vorhin noch offen. Wie überwindet man ein starkes Gefühl wie Liebeskummer, wenn reines Wissen nicht reicht?
08:48Genau. Hier schließt sich der Kreis. Spinoza sagt, ein Affekt, also eine passive Emotion, eine Leidenschaft, kann nicht durch eine bloße Idee oder durch reines Verstehen aufgehoben werden.
09:00Okay.
09:01Ein Affekt kann nur durch einen anderen, stärkeren Affekt verdrängt oder kontrolliert werden.
09:06Und jetzt kommt der Clou. Das Verstehen, die Einsicht in die wahren Zusammenhänge, ist für Spinoza nicht nur eine kalte, intellektuelle Übung. Echte Einsicht ist selbst ein Affekt.
09:17Wie?
09:18Das ist die Freude, die daraus entsteht, die eigene Macht zu spüren, wenn man die Dinge klar und deutlich erkennt.
09:24Man bekämpft also einen passiven, schwächenden Affekt wie den Hass oder die Hoffnungslosigkeit mit einem aktiven, stärkenden Affekt, nämlich der Freude am Verstehen.
09:33Man bekämpft Feuer mit Feuer, nicht mit Wasser. Man braucht ein stärkeres Gefühl, um ein schwächeres zu verdrängen.
09:39Genau so ist es.
09:40Das löst tatsächlich das erste Problem. Okay, wenn also unsere Begierden der Motor sind und die Ethik die Landkarte ist, um uns zu stärken, dann müssen wir jetzt trotzdem zurück zu diesem riesigen Widerspruch vom Anfang.
09:52Mhm.
09:52Wie kann ich die Richtung bestimmen, wenn doch angeblich das ganze Auto auf Schienen fährt? Wie kann ich frei sein in einer total determinierten Welt?
10:00Und hier macht Spinoza seinen genialsten und radikalsten Schritt, den ihre Quelle perfekt auf den Punkt bringt.
10:08Und der wäre?
10:09Er definiert den Gegner neu. Der wahre Gegensatz zur Freiheit ist für ihn nicht die Notwendigkeit, also die Tatsache, dass alles nach Gesetzen abläuft.
10:17Sondern?
10:17Der wahre Gegensatz zur Freiheit ist Zwang oder Knechtschaft. Und was ist Knechtschaft? Es ist der Zustand, in dem wir von äußeren Ursachen bestimmt werden.
10:27Wenn wir von unseren passiven Affekten, unseren Leidenschaften herumgestoßen werden.
10:32Geben Sie mir mal ein Beispiel.
10:34Wenn ich also dem Drang nachgebe, eine wütende E-Mail sofort abzuschicken, weil mein Chef mich geärgert hat, dann bin ich laut Spinoza ein Sklave.
10:43Exakt. In diesem Moment bist du nicht die wahre Ursache deiner Handlung.
10:47Sondern mein Chef ist die Ursache.
10:49Die Ursache ist eine äußere, die E-Mail deines Chefs. Deine Reaktion ist nur ein passiver Affekt, ein Reflex. Du reagierst, anstatt zu agieren. Du bist ein Spielball.
11:00Und Freiheit wäre?
11:01Echte Freiheit bedeutet für Spinoza, aus der Notwendigkeit der eigenen Natur zu handeln.
11:07Frei ist, wer die adäquate, also die hinreichende Ursache seiner Handlungen ist.
11:13Dessen Handeln aus ihm selbst heraus entsteht und nicht nur eine Reaktion auf die Welt ist.
11:18Aber Handeln aus der Notwendigkeit der eigenen Natur klingt so passiv, so als müsste ich mich einfach meinem Schicksal ergeben.
11:25Das ist der entscheidende Trugschluss, den wir überwinden müssen. Ihre Quelle spricht von der Einsicht in die Notwendigkeit. Stellen ihr sich einen Surfer vor.
11:34Er kann die Welle nicht kontrollieren. Ihre Kraft, ihre Höhe und ihre Richtung sind eine gegebene Notwendigkeit.
11:40Der unfreie Mensch, der Sklave seiner Affekte, wäre der, der panisch gegen die Welle ankämpft, von ihr herumgeworfen wird und schließlich untergeht.
11:50Der freie Mensch, der Spinozist, studiert die Welle. Er versteht ihre Dynamik, ihre Notwendigkeit.
11:57Und indem er diese Notwendigkeit versteht, kann er seine eigene Kraft mit der Kraft der Welle in Einklang bringen und elegant auf ihr reiten.
12:05Er bricht die Gesetze der Physik nicht. Er handelt in perfektem Einklang mit ihnen. Das ist Spinozas Freiheit.
12:12Nicht die Abwesenheit von Zwang und Naturgesetzen, sondern die Meisterschaft im Umgang mit ihnen.
12:18Das Surferbeispiel ist fantastisch. Das klickt bei mir total. Freiheit ist also die Fähigkeit, auf den Wellen der Notwendigkeit zu reiten, statt von ihnen ertränkt zu werden.
12:27Genau.
12:28Aber eine Frage bleibt für mich noch. Wie kann denn das Verstehen der Welle ein rein mentaler Akt mehr die Kraft geben, auf ihr zu reiten?
12:36Was ja ein total körperlicher Akt ist. Wie schlägt die Brücke vom Geist zum Körper?
12:41Ah, das ist die finale und vielleicht tiefste Einsicht von Spinoza, die in ihren Quellen auch erwähnt wird. Der Monismus.
12:49Monismus.
12:50Für ihn gibt es diese Brücke gar nicht, weil es keine zwei getrennten Ufer gibt. Geist und Körper sind keine zwei unterschiedlichen Substanzen, die irgendwie miteinander wechselwirken müssen.
13:02Okay.
13:02Sie sind ein und dasselbe Ding, betrachtet unter zwei verschiedenen Aspekten. Wie die Vorder- und Rückseite einer Münze. Jedes Ereignis im Universum ist gleichzeitig ein körperliches und ein geistiges Ereignis.
13:17Wow, okay. Das heißt, meine Einsicht in die Welle ist bereits eine Veränderung meines körperlichen Zustands.
13:24Genau. Das Verstehen ist nicht etwas, das dann irgendwie auf den Körper einwirkt. Das Verstehen ist die körperliche Veränderung, die dich fähiger macht.
13:34Verstehe.
13:35Eine adäquate Idee im Geist entspricht einer Erhöhung der Handlungsmacht im Körper. Und umgekehrt, es gibt keine Trennung. Wenn du etwas verstehst, wirst du im selben Moment physisch stärker, fähiger, freier.
13:47Und damit löst er den letzten Knoten auf.
13:49Damit löst er ihn auf. Einsicht ist nicht nur Wissen, Einsicht ist Macht. Wortwörtlich.
13:56Puh. Okay. Fassen wir das mal zusammen, damit ich das alles richtig verstanden habe. Die Reise zu Spinozas Freiheit ist also ein kompletter Paradigmenwechsel.
14:05Mhm.
14:06Erstens. Wir ersetzen die Moral von Gut und Böse durch eine Ethik von Stärke und Schwäche. Es geht nicht um Gehorsam, sondern darum, unsere Handlungsfähigkeit zu steigern.
14:19Richtig.
14:20Zweitens. Unser Motor ist die Begierde, der Konatus, der Drang, unsere Kraft zu entfalten.
14:28Ja.
14:28Drittens. Wir bekämpfen schwächende Leidenschaften nicht mit kalter Vernunft, sondern mit dem stärkeren, freudvollen Gefühl, das aus echter Einsicht entsteht.
14:39Absolut.
14:40Und viertens. Freiheit ist nicht Willkür oder das Brechen von Naturgesetzen. Freiheit ist, die Notwendigkeit zu verstehen und so gekonnt mit ihr zu handeln, dass wir selbst zur Ursache unseres Tuns werden, wie der Surfer auf der Welle.
14:57Perfekt zusammengefasst. Und das ist eben, wie Sie sehen, keine trockene Philosophie-Geschichte mehr.
15:02Nein, überhaupt nicht.
15:03Es wird zu einem sehr praktischen Werkzeug für das eigene Leben. Es ist eine Einladung, sich selbst wie ein Physiker zu beobachten und zu analysieren. Welche Begegnungen mit Menschen, mit Nachrichten, mit Essen, mit Ideen steigern meine Kraft und verschaffen mir aktive Freude?
15:20Und welche nicht?
15:21Und welche schwächen mich, machen mich passiv und führen zu Traurigkeit? Es geht darum, ein Leben zu komponieren, das die eigene Leistungsfähigkeit maximiert.
15:30Und genau da knüpft unser letzter Gedanke an, den Sie aus dieser intensiven Auseinandersetzung mitnehmen können. Wir haben gerade über Spinozas Monismus gesprochen, diese radikale Idee, dass Geist und Körper nicht getrennt sind.
15:43Mhm.
15:43Sondern nur zwei Ausdrucksformen derselben Sache. Nehmen Sie diesen Gedanken mal wirklich ernst. Wenn es keine wirkliche Trennung gibt, wie würde das die Art und Weise verändern, wie Sie über die Beziehung zwischen Ihrem mentalen Wohlbefinden und Ihrer körperlichen Gesundheit nachdenken?
15:59Eine gute Frage.
16:00Nicht als zwei verschiedene Dinge, die sich gegenseitig beeinflussen, wie Stress schlägt auf den Magen, sondern als ein einziger Zustand, der sich nur auf zwei verschiedene Weisen ausdrückt.
16:11Was wäre, wenn Ihre Angst nicht die Ursache für Ihre Magenschmerzen wäre, sondern wenn die Angst und die Magenschmerzen einfach nur der geistige und der körperliche Ausdruck desselben einen Ereignisses der Schwächung sind?
16:23Was wäre, wenn Sie das nicht die Ursache für Ihre Magenschmerzen ziehen?
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