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Reisen
Transkript
00:00Seit einiger Zeit sieht es Experten und Besuchergruppen aus der ganzen Welt
00:14in einen Winkel des Kingau, der bislang eigentlich nur bei Segelfliegern als Geheimtipp galt.
00:30Es ist eine erstaunliche Erfolgsgeschichte in Sachen Nachhaltigkeit, die sich im Achental erzählen lässt.
00:56Begonnen hat sie Anfang der 90er Jahre in der kleinen Gemeinde Schleching,
01:02deren Bewohner immer den Ruf hatten, ein wenig hinterweltlerisch zu sein.
01:09Und das ist der Mann, ohne den es diese Geschichte nicht gäbe.
01:13Fritz Irlacher, 18 Jahre lang Bürgermeister von Schleching.
01:26Fritz Irlacher erinnert sich, dass die Zukunft des Tals damals in den 90ern eher düster aussah.
01:32Durch den Klimawandel gab es immer weniger Schnee.
01:35Auch der Sommertourismus stagnierte.
01:38Und wegen des Strukturwandels in der Landwirtschaft drohte ein Hofsterben.
01:42Es gab kaum noch etwas, das die Gegend aus damaliger Sicht attraktiv machte.
01:52Weder für Touristen noch für Einheimische.
01:55Eigentlich nur weitgehend intakte, idyllische Natur.
01:59Geprägt von Wiesen, Hochmooren, Bergwäldern, Almen und kleinen Orten wie Schleching,
02:04in denen es eher ruhig zu ging.
02:06Das Schlechinger Volk wurde, dass ich 90 Bürgermeister geworden bin.
02:17Und dann ist man natürlich schon noch so weit, dass man sagt, man soll irgendwas erreichen.
02:23Nicht gerade das Amt absitzen, sondern auch was draus machen.
02:27Fritz Irlacher hatte eine Idee, die zunächst ganz simpel klang.
02:31Warum nicht die scheinbaren Nachteile des Tals in lauter nachhaltige Tugenden verwandeln?
02:39Von Anfang an ist er sich darüber im Klaren, dass seine kleine Gemeinde so etwas nicht allein stemmen kann,
02:44sondern nur zusammen mit anderen.
02:47Und es gelingt ihm tatsächlich, auf einer Bergwanderung die meisten Bürgermeister aus dem Tal von seiner Idee zu überzeugen.
02:54Im Sommer 1999 gründen sie dann den Verein Ökomodell Aachental.
03:00Unter dessen Dach bis heute neun Gemeinden zusammenarbeiten.
03:05In den Bereichen Naturschutz, sanfter Tourismus, ökologische Landwirtschaft und erneuerbare Energie.
03:12Wir haben nicht einen Arbeitskreis gegründet, sondern einen Initiativkreis.
03:19Wenn wir irgendein Projekt angegangen sind, sind sämtliche Bürger der Gemeinde Schlechen da eingebunden worden.
03:25Es waren oft 100 Leute in einem Saal drin, die haben die Ideen entwickelt, auch in Arbeitsgängen.
03:32Und dann sind die auch zum Teil, was machbar war, umgesetzt worden.
03:35Und dann hat jeder gesagt, das ist meine Idee auch, da war ich auch dabei.
03:40Also das ist das Allerwichtigste, dass man die Menschen einbindet.
03:4315 Jahre nach der Gründung.
03:54Wir sind in Grassau, im sogenannten Biomassehof Aachental.
04:00Und hier zeigt sich vielleicht am deutlichsten, wie nachhaltig das Ökomodell die Energieversorgung bereits verändert hat.
04:06Zum Heizen greift man immer mehr auf das überreichlich vorhandene einheimische Holz zurück,
04:13um sich allmählich aus der bisherigen Abhängigkeit vom importierten Erdöl zu befreien.
04:24Das ist Wolfgang Wimmer, Geschäftsführer des Biomassehofs und zugleich auch Geschäftsführer des Ökomodells.
04:32Er hatte sich gleich nach der Gründung um den Job beworben, weil das Konzept ihn so überzeugte.
04:38Inzwischen hat er Fritz Erlacher auch als Motor und treibende Kraft des Ökomodells abgewischt.
04:44Wenn viel Betrieb ist, muss Wolfgang Wimmer schon mal selber in den Radlader steigen,
05:02damit dem Fernheizwerk nicht die Hackschnitzel ausgehen.
05:09Das Heizwerk ist das eigentliche Herzstück des Biomassehofs.
05:14Es versorgt inzwischen mehr als 600 Haushalte und Betriebe in Grasau mit umweltfreundlicher Fernwärme.
05:22Eine zuverlässige Versorgung der Anlage mit Hackschnitzeln ist langfristig gesichert,
05:27denn etwas mehr als die Hälfte der Achental-Region besteht aus Wald.
05:31Wolfgang Wimmer ist stolz darauf, dass er und seine Mitarbeiter es in kürzester Zeit geschafft haben,
05:44einen Stamm von etwa 3.500 Kunden aufzubauen,
05:48die mit regional produzierten Holzpellets für ihre Heizungen beliefert werden.
05:52Wie erklärte sich den bisherigen Erfolg des Ökomodells?
05:58Das Geheimnis ist Nachdruck von allen Anfang an,
06:02dass es ein paar Personen braucht, die hier einfach anschieben und Überzeugungsarbeit leisten.
06:08Und insgesamt war es hier nicht besonders schwierig,
06:11weil über die jahrelange Vorarbeit und Bewusstseinsbildung über das Ökomodell
06:15ein sehr gutes Fundament, der im Achental in den Mitgliedsgemeinden vorherrscht.
06:20Und auf dem gilt es dann einfach aufzusetzen und möglichst viel in die Umsetzung zu bringen.
06:35Das ist der Landwirt Josef Moritz, aus dem kleinen Ort Pettendorf bei Marquardstein.
06:41Obwohl er konventionelle Landwirtschaft betreibt, hat ihn das Ökomodell von Anfang an überzeugt.
06:49Wegen der Energie und wegen des Tourismus.
06:53Denn Josef Moritz ist nicht nur Landwirt, sondern auch Chef des Hotelrestaurants Wessner Hof.
07:03Moritz hatte ein besonderes Interesse an dem neuen Konzept, mitzuarbeiten,
07:08weil sich die Urlaubsgewohnheiten der Gäste in den letzten Jahren
07:12nicht zuletzt durch das Internet rasant verändert hatten.
07:17Viele kommen spontaner als früher und bleiben oft nur noch ein paar Tage und nicht mehr zwei bis drei Wochen.
07:25Darauf eine Antwort zu finden, ist nicht leicht.
07:29Josef Moritz versucht das, indem er seinen Gästen eine Qualität bietet,
07:33die sie woanders so schnell nicht finden können.
07:35Es stellt immer was Gutes drauf, meistens von uns.
07:43Rudi, ist die Spofarke aus dem Haus schon fertig?
07:47Ja, wir sind gerade beim Einladen, wir fahren gleich weg damit.
07:50Und fährt der Rudi weg, oder?
07:51Ja.
07:51Alles klar, danke.
07:53Servus.
07:54Ein zentraler Punkt des Ökomodells war von Anfang an,
07:58möglichst viele Lebensmittel vor Ort oder in der näheren Umgebung herzustellen und zu verkaufen.
08:03Und genau das ist eine der Stärken vom Wessner Hof.
08:12Fast das gesamte Fleisch, das in der Küche verarbeitet wird, stammt aus der eigenen Landwirtschaft.
08:18Darauf legt Josef Moritz großen Wert.
08:21Und es gelingt ihm auch immer besser, das seinen Gästen zu vermitteln.
08:24Ich glaube, der Kern vom Ökomodell ist, dass wir ganz intensiv über unsere Gegend und uns selber nachdenken.
08:38Das ist ganz, ganz wichtig.
08:39Wir haben durch das Ökomodell eigentlich gelernt, wieder auf die Natur, auf unsere Gegend ein bisschen besser zu schauen.
08:49Das war das Allerwichtigste, dass man das lernt.
08:52Und man hat sich vielleicht auch von diesem Massentourismus, wie er im Nachbarland Österreich ist, ein bisschen verabschiedet.
08:59Und heute gibt es das Wort sanfter Tourismus.
09:01Man hat gesagt, es geht vielleicht auch anders.
09:04Und es ist uns auch ein bisschen gezeigt worden, dass nicht unbedingt der höchste oder der größte Berg das Entscheidende ist,
09:11sondern dass wir den Leuten das nahe bringen, wie der Berg eigentlich ist, wie die Natur auf diesem Berg ist.
09:17Und nicht unbedingt, wie viele Kilometer da man runterfahren kann.
09:19Ruhige Momente gibt es im Alltag des Josef Moritz nur wenige.
09:33Denn neben der Arbeit im Hotel und in der Landwirtschaft steht er mehrmals in der Woche ab morgens um sechs in der eigenen Metzgerei.
09:41Die genau zwischen dem Schweinestall und dem Kuhstall lebt.
09:49Alles zu seiner Zeit.
09:58Ich bin gern Gastwirt, bin aber genauso gern Landwirt, muss ich sagen.
10:01Und bin genauso gern von Schlachthaus hin, weil der Metzger macht die Wurst und so.
10:05Du musst das alles machen, sonst haut das nicht hin.
10:19So oft er kann, kümmert sich Josef Moritz selber um die 100 Mastbullen im Stall des Wessner Hof.
10:28Er betrachtet diese Arbeit eher als eine Erholung von der Hektik der Gastwirtschaft.
10:33Das Kraftfutter für seine Tiere baut er auch selber an, weil er immer genau wissen will, was die Tiere zu fressen bekommen.
10:40Dieser Kreislaufgedanke ist bei uns sehr stark ausgeprägt, weil es einfach bei uns geht es mit dem Fleisch an oder mit dem, was auf den Feldern wächst.
10:50Das, was auf den Feldern wächst, füttern wir an unsere Tiere.
10:52Die Tiere verarbeiten wir, gehen bei uns in die Metzgerei.
10:56Das Fleisch geht in die Gastwirtschaft.
10:59Die Abfälle werden in der Biogasanlage wieder zu Strom verwertet.
11:02Die Gülle kommt auf die Felder.
11:03Mit der Gülle düngt man die Felder.
11:06Es entsteht wieder eine neue Frucht und der Kreislauf beginnt wieder von vorne.
11:10Auch wenn er die Landwirtschaft noch nicht ökologisch betreibt, so arbeitet Moritz im Energiebereich geradezu vorbildlich.
11:22Außer der Gülle seiner Tiere und Grünzeug aus der Umgebung verwertet er in seiner Biogasanlage auch noch die Speisereste aus der Gastwirtschaft.
11:31Er lehnt es kategorisch ab, die Anlage mit der extra dafür angebauten Mais zu füttern.
11:36Zusammen mit den Solarzellen auf seinen Dächern schafft er es immer öfters, fast 100% seines Bedarfs an Strom und Wärmesilber zu erzeugen.
11:48Die Motoren der Biogasanlage laufen schon seit vielen Jahren.
11:53Die alte Ölheizung hält er nur noch für Notfälle in Reserve.
11:57Auch ein Gedanke des Ökomodells war es ja eigentlich, dass das Tal energieautark und auch von der Ernährung her einigermaßen autark wird und einfach in der Region auch das Geld bleibt.
12:09Das ist ja auch entscheidend, dass in der Region das ganze Geld gehalten wird.
12:14Und da gehört mein Baustein auch dazu, ich möchte selber meinen Betrieb relativ weit autark aufstellen, damit man auch gegen Zeiten gewappnet ist, wo nicht alles so gerade läuft, dass man da fest dasteht und unser Betrieb ist relativ breit aufgestellt.
12:29Ortswechsel. Wir sind wieder in Schleching, dem Ausgangspunkt des Ökomodells.
12:43Damals war hier die Gefahr besonders groß, dass die kleinen Höfe keinen Nachfolger mehr finden und aufgeben müssen.
12:49Mit viel Überzeugungsarbeit und finanzieller Unterstützung aus nationalen und europäischen Programmen gelang es allmählich, die meisten Milchbauern zur Umstellung auf ökologisches Wirtschaften zu bewegen.
13:09Parallel dazu wurde der sanfte Tourismus gefördert, um dem Bauern ein zusätzliches Einkommen mit Urlaub auf dem Bauernhof zu ermöglichen.
13:19Der Heiderhof wurde 1920 am Ortsrand von Schleching vom Urgroßvater des heutigen Hausern Georg Stöger erbaut und hat sich seit damals kaum verändert.
13:42Georg Stöger war einer der ersten im Ort, der auf biologisch-dynamische Landwirtschaft umstellte.
13:48Und er hat es bis heute nicht bereut.
13:50Der Preis, den er für die Demeter-Milch seiner 15 Kühe erzielt, liegt deutlich höher als der für konventionell erzeugte Milch.
14:03Georg Stöger ist es aber auch wichtig, dass er mit seiner Art zu wirtschaften aktiv zum Erhalt der natürlichen Umgebung und der Artenvielfalt im Aachental beiträgt.
14:14Verena, die jüngste Tochter, hat ökologische Landwirtschaft studiert.
14:22Sie will auf jeden Fall eines Tages den elterlichen Hof übernehmen.
14:26Du kannst nicht mit Masse mithalten.
14:38Also, dass du jetzt sagst, du, wenn ich zum Beispiel, der war von 20 Jahren draußen, sagen wir, im Land draußen, 25, 30 Kühe, das war damals in Schleching schon gewaltig, die haben jetzt 60, 70 Kühe oder was.
14:53Und du kannst, also wir müssen eine Nische haben, wie ich mir überlegen, ich muss eine Nische finden, da ich sag, du, mit dem, ohne mit meiner Struktur, mit meiner Größe und das, da ich auch überleben kann, da ich auch existieren kann.
15:07Wir wollten was Vernünftiges machen. Wir haben erkannt, wir haben einen kleinen Hof, größer können wir nicht werden. Und wir haben gute Freunde gehabt, die waren schon beim Demeter verbauen. Das hat uns gefallen. Und deswegen sind wir dazu gegangen.
15:23Grundsätzlich finde ich uns toll wichtig, dass so etwas wie eine Landwirtschaft schon, also ökologische Landwirtschaft schon im Vordergrund steht.
15:32Weil die halt auch, sag ich jetzt mal, viel Umweltleistungen auch wieder vollbringen.
15:37Und gerade jetzt, wenn die Strauwiesen machen, die immer bewirtschaften, das ist ja auch viel, teils Kulturlandschaft, wo da geschaffen wird, aber halt auch schon im gewissen Maße auch Umweltschutz.
15:49Und das kann es uns keiner leisten.
15:53Die Stögers fürchten aber nach wie vor, dass sie eines Tages den Hof aufgeben müssen.
16:01Wegen der immer strengeren EU-Auflagen zur Tierhaltung und weil mehr und mehr neue Häuser um den Hof herum gebaut werden.
16:10Deswegen könnten eines Tages auch die Feriengäste ausbleiben, die doch gerade die bäuerliche Idylle in Schleching so schätzen.
16:17Das Besondere ist, dass eigentlich die Menschen, die speziell zu uns kommen, auch genau unsere Wellenlänge haben.
16:27Die leben auch sehr bewusst, die ernähren sich viele vegetarisch, die kaufen biologische Produkte, die möchten eher Ruhe haben, denen macht es auch nichts aus, wenn es einmal ringt.
16:36Die lesen, die sind äußerst angenehme Gäste.
16:42Die Gäste bringen das auch, dass wir auch da sind.
16:45Wir arbeiten da am Hof.
16:47Wir müssen uns nicht jetzt ständig mit denen beschäftigen, aber das gefällt denen.
16:50Dann dürfen die bei mir in den Garten gehen, dürfen sie Kräuter holen oder Beeren, wenn ich halt hab, so zum Frühstück und kriegen ein Obst, was umeinander liegt.
17:01So, dann sagen sie, ach, ist das schön hier.
17:05Und zu mir haben einmal Gäste gesagt, ach, haben sie gesagt, sie haben es schön, sie haben keinen Stress.
17:14Dann hab ich gesagt, ja, vielleicht in anderer Weise, gell.
17:17Ich vermiete jetzt seit 27 Jahren, eigentlich mit wachsender Begeisterung, muss ich sagen, ich mach das total gern.
17:27Und das ist natürlich für uns jetzt eine wichtige Einkommensquelle, zu den landwirtschaftlichen Erzeugnissen dazu.
17:36Also, wenn wir nicht vermieten würden, dann würden wir so mehr schlecht als recht über die Runden kommen.
17:43Also, reich werden wir sowieso nicht.
17:45Und gut, also leben tut man deswegen, weil man ja wahrscheinlich nicht so viel braucht ansonsten.
17:53Urlaub fahren, sowas kann man eh nicht so viel, und Freizeit hat man auch nicht so viel.
17:58Von dem her spart man sich da halt auch viel Geld.
18:00Also, von dem allein leben, sicher nicht.
18:03Aber ich hoffe halt, dass ich davon leben kann und dass der ganze Hof überleben kann.
18:10Und wenn so viel Geld erwirtschaftet wird, dann hat mir das für die nächsten 20 Jahre schon gelangen.
18:24Im kleinen Weiler Langensbach bei Grabenstedt, unweit der Mündung der Tiroler Aache in den Chiemsee,
18:31begegnen wir Bernhard Hennes.
18:34Auch er ist gelernter Landwirt, auch er beim Ökomodell ein Mann der ersten Stunde.
18:39Bernhard Hennes ist Herr über 30.000 Legehennen und leidenschaftlicher Verfechter des Kreislaufkonzepts.
18:59Das bedeutet, so viel wie nur irgend möglich in der Region zu erzeugen, zu vermarkten und auch zu verbrauchen.
19:06Er hat es im Laufe der Jahre geschafft, sich hochzuarbeiten von einem kleinen Betrieb mit 1.000 Legehennen zu einer regionalen Größe.
19:18Mein Vater hat mit den Legehennen angefangen.
19:20Der hat damals ja im Freiland begonnen.
19:24Und dann ist halt immer der Preisdruck immer schlimmer geworden.
19:29Und immer billiger hat das Eis reingemessen.
19:31Und dann ist man natürlich, ist ganz klar, dann sucht man nach Alternativen.
19:37Wir können ja ein billiges Eis erzeugen und das billigste Eis kann ich einfach im Käfig erzeugen.
19:42Das ist eine ganz klare Sache.
19:44Und jetzt ist es halt so, dass der Verbraucher wirklich sagt, mir ist das was wert,
19:49dass ich ein bisschen mehr tiefer in die Tasche klang und dann kann man auch sowas machen.
19:53Bernhard Hennes freut besonders, dass seine Söhne Bernhard Junior und Wolfgang den elterlichen Hof weiterführen wollen.
20:05Beide haben ihren Meister gemacht.
20:07Der eine in Geflügelhaltung und der andere in Landwirtschaft.
20:11Eigentlich die perfekte Ergänzung, denn etwa zwei Drittel des Futters für die Legehennen produziert die Familie auf ihren eigenen Feldern.
20:23Das ist dann eigentlich auch durch das Ökomodellachental ist das alles so ein bisschen ins Laufen gekommen,
20:31dass dann einfach die Nachfrage nach Bio-Bodenhaltung Eier oder Freilandeier allweil geressen worden ist.
20:40Und dann haben wir natürlich gesagt, ja gut, da müssen wir natürlich schauen, dass wir mitmachen.
20:44Dann haben wir, durch das, weil ich da auch im Ausschuss noch mit dabei war, beim Ökomodell und auch im Gemeinderat,
20:52und dann haben wir gesagt, ja gut, dann tun wir da ein bisschen mit und wir stellen auch auf die Richtung um.
20:57Und die Geschäfte sind dann auf einmal auf uns zugekommen und haben gesagt, ja, das habt ihr doch Eier, könnt ihr ja nicht uns Eier liefern.
21:05So um die 25.000 Eier sind es, die hier Tag für Tag vollautomatisch nach Größe sortiert und teilweise noch in Handarbeit verpackt werden.
21:19Die Tatsache, dass dies keine zertifizierten Bio-Eier sind, tut ihrem Erfolg keinen Abbruch.
21:34Den meisten Verbrauchern ist es offenbar besonders wichtig, dass die Eier regional produziert werden und das Hühnerfutter garantiert genfrei ist.
21:43Bernhard Hennes ist im Landkreis seit langem bekannt für seinen Widerstand gegen die Gentechnik.
21:52Und die Söhne sehen das nicht anders als der Vater.
21:58Man muss halt den Kunden selber ansprechen und die Kunden auch darauf sensibilisieren, dass sie sagen, hey, wir kaufen es da bei uns.
22:05Und nicht jetzt billig einen Discounter drin, 99 Cent, jawohl, da hab ich mir wieder einen Haufen gespart.
22:10Und das ist einfach das, was man den Leuten vermitteln muss, dass sie nicht zum Discounter rennen, sondern bei uns einkaufen.
22:20Nicht unbedingt bei uns, aber bei allen, die regional produzieren.
22:24Da geh ich da hin, da weiß ich, wer ist das, was macht der.
22:28Und das Geld bleibt bei uns und nicht bei irgendeinem Großkopfharten.
22:33Um auch noch all jene frischen Eier zu verwerten, die für den Verkauf zu klein sind, produziert Vater Hennes in einer alten Tenne fast nebenbei.
22:49Monat für Monat drei Tonnen Eiernudeln.
22:53Insgesamt 13 Familien sind es, die mittlerweile am Langensbacher Hof ihren Lebensunterhalt verdienen.
22:59In seiner freien Zeit experimentiert Bernhard Hennes schon seit Jahren,
23:23wie er mit Hilfe von Holzkohle, die er dem Hühnermist aus seinen Ställen beimischt,
23:29den Gestank verringern kann, wenn er den Mist auf die Felder ausbringt.
23:36Und er träumt davon, eines Tages die gesamten organischen Abfälle des Aachentals an einem zentralen Platz zu sammeln.
23:45Und daraus mit Holzkohle und den sogenannten effektiven Mikroorganismen einen natürlichen Dünger zu gewinnen.
23:53Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.
24:00Das Ökomodell ist auch ein Projekt, an dem gearbeitet werden muss.
24:04Das muss man mal ganz ehrlich sagen.
24:06Wenn wir da nicht aktive Leute von dort hätten, dann würde da nichts passieren.
24:11Das ist schon mit dem Irlacher losgegangen.
24:14Der hat einfach, das war ein richtiger, ja, das war einfach ein Mensch, der einen auch begeistern kann.
24:19Und das war eigentlich das Tolle.
24:21Und jetzt mit dem Herrn Wimmer ist das Gleiche, der kümmert sich da drum.
24:25Und sie schauen halt einmal wieder und die Bürgermeister helfen alle gut zusammen.
24:29Jetzt klappt es wieder ganz gut.
24:30Das war auch schon mal eine schwierige Zeit.
24:32Das ist ja nicht alles, es kommt nicht alles von heute auf morgen.
24:35Der Dienstwagen des Ökomodells ist seit einigen Monaten ein Elektroauto.
24:45Wolfgang Wimmer arbeitet daran, alle Gemeinden davon zu überzeugen, ihre Dienstfahrzeuge auf Elektroantrieb umzustellen.
24:52Was aber schon aus finanziellen Gründen gar nicht so einfach ist.
24:59Schwierigkeiten, Hindernisse und Rückschläge hat es seit der Gründung des Ökomodells immer wieder gegeben.
25:06So ist Wolfgang Wimmer heute auch unterwegs zu einem Termin mit dem Bürgermeister von Grassau, Rudi Jantke,
25:12der zugleich zweiter Vorsitzender des Ökomodells ist.
25:15Sie treffen sich auf dem Gelände des Biomassehofs zu einer Besichtigung ihres derzeit größten Sorgenkinds.
25:24Anfang Mai 2012 hatte in diesem Gebäude der Probebetrieb einer Hightech-Anlage begonnen,
25:31die bis dahin weltweit einmalig war.
25:35Sie basiert auf dem von der TU München weiterentwickelten Verfahren des Holzvergasers
25:39und stellt eine Revolution bei der Gewinnung von Strom und Wärme aus Biomasse dar.
25:47Völlig überraschend ging aber die Herstellerfirma in die Insolvenz,
25:50bevor die Anlage fehlerfrei lief.
25:53Und seitdem steht sie still.
25:56Jetzt sind wir in der obersten Etage und wie du siehst, ist es noch in einem ganz guten Zustand,
26:01auch wenn natürlich Verbrauchsspuren da sind.
26:03Ja, ist klar, wenn die Anlage nicht läuft, die werden nicht besser.
26:07Das ist logisch.
26:08Wichtig war halt auch, dass sie irgendwann einmal was bewegt,
26:11dass sie irgendwas tut mit der Anlage.
26:13Und wie geht es denn jetzt weiter?
26:15Ja, mein Ziel war, dass wir bis zum Herbst soweit sind.
26:19Wir führen momentan Sondierungsgespräche mit den ganzen Akteuren.
26:22Und das sind halt nicht wenig.
26:24Und dann soll möglichst bis spätsommer-Herbstentscheidung gefolgt werden.
26:27Das war gut, weil natürlich auch die Bevölkerung darauf war,
26:30dass sie an der Anlage irgendwas rührt.
26:34Ja, am Anfang natürlich waren wir ungläubig.
26:38Ich persönlich habe mir gedacht, das darf nicht wahr sein jetzt, dass das nicht funktioniert.
26:42Eben wegen der großen Euphorie zu Beginn haben wir uns gedacht,
26:46das wird also ein Technologiezentrum da in Grassau, wo man diese Modellanlage dann auch herzeigen kann,
26:52wo viele aus den umliegenden Regionen, ja sogar aus den umliegenden Ländern,
26:57vielleicht europaweit, vielleicht sogar weltweit zu uns herkommen
27:00und diese Anlage dann bewundern, wenn es funktioniert.
27:03Und so ist es leider nicht gekommen.
27:05Das ist schon ein herber Rückschlag gewesen.
27:08Auch für mich persönlich.
27:10Also wenn ich drüber nachdenke, bin ich sehr gespalten.
27:13Zum einen die tiefe Bedauerung, dass so ein hoffnungsvolles Projekt sich nicht realisieren hat lassen.
27:20Und zum anderen natürlich die Hoffnung, der Blick nach vorne, dass es einfach weitergehen muss.
27:25Und so bin auch ich gepolt, dass wenn Probleme irgendwo auftreten, dann muss man es analysieren.
27:30Aber dann gleich den Blick nach vorne richten und schauen, was kann man jetzt draus machen und wie kann es weitergehen.
27:36Trotz des herben Rückschlags hält Wolfgang Wimmer an dem Ziel fest,
27:45das Aachental bis zum Jahr 2020 vollständig aus der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu befreien.
27:54Dabei hat er neben der Suche nach den neuen Investoren für die Holzvergaseranlage
27:57alle Hände voll zu tun mit der Erweiterung des bestehenden Heizwerks.
28:01Denn die Möglichkeit, ihre alte Ölheizung gegen einen Fernwärmeanschluss auszutauschen,
28:08kommt bei den Grassauern derart gut an,
28:11dass die Kapazität des Heizwerks nun noch einmal verdoppelt werden muss.
28:19Ja, es ist schon so, mein Weg hätte anders verlaufen sollen.
28:22Ich hätte ja zu Hause den elterlichen Betrieb übernehmen sollen
28:25und nach der ganzen Ausbildung wollte ich einfach nochmal was anderes machen.
28:29Und hab hierherin die Perspektive und auch eine große Chance gesehen,
28:33die meinen Neigungen sehr entgegenkommt.
28:36Und das ist eben das Zusammenbringen der Leute und auch mitzuhelfen zur Weiterentwicklung der Region.
28:41Und mir war diese Perspektive immer schon sehr bewusst.
28:47Wolfgang Wimmer war es auch,
28:49der bei einer jungen Beratungsfirma in Prien am Chiemsee eine Studie in Auftrag gegeben hatte,
28:54in der die derzeitige Energiesituation des Achentals sehr detailliert unter die Lupe genommen wurde.
29:10Die Studie dokumentiert,
29:13dass der Anteil an erneuerbaren Energien bereits deutlich über den bundesweiten Durchschnitt liegt.
29:18Aber sie zeigt auch auf,
29:21dass es noch viel zu verbessern gibt.
29:23Zum Beispiel beim Ausbau der Solarenergie.
29:26Seit fast 100 Jahren.
29:28Sprich, also auf Naturschutz sehr viel Wert gelegt wahrscheinlich.
29:30Genau.
29:31Also wie Hochwasserschutz.
29:32Enormes ungenutztes Potenzial
29:34liegt nach Ansicht der Experten auch in der Wasserkraft.
29:37... diese Techniker, wenn man sich überlegt,
29:39an welchen Stein da lädt es sich dann auch...
29:42Theoretisch könnten vier hochmoderne Kraftwerke
29:45in die Tiroler Aache gebaut werden,
29:47die weitere 20 Prozent des Strombedarfs im Tal erzeugen würden.
29:52Die Pläne, über die hier gerade diskutiert wird,
29:56sorgen aber für Unruhe in der Bevölkerung.
29:59Es gibt zum Teil heftigen Widerstand.
30:00...gewässer in der Regel spricht oder über große Strecken.
30:03Und da auch die Möglichkeit hat, dann auch wieder was zu verbessern.
30:06Zunächst einmal muss man sagen,
30:08dass aus meiner Sicht die Wasserkraft eigentlich ein relativ schlechtes Image hat.
30:15Wobei ich ehrlich gestehen muss, ich weiß nicht, wieso das so ist.
30:20Weil sie eine Technologie ist,
30:22die über viele Jahrzehnte ja in Land auf Land ab zum Einsatz kommt.
30:27Und vor allen Dingen wir im voralpinen Bereich
30:30oder auch im Aachental im Speziellen
30:32ein großes Reservoir haben an Fließgewässern,
30:36die hierfür zunächst einmal geeignet sind.
30:39Nicht zuletzt das Jahrhunderthochwasser vom Sommer 2013
30:48hat die Ängste vor dem Kraftwerksprojekt erst so richtig geschürt.
30:53Die Fischer und viele Bauern sind dagegen.
30:56Auch Beate Rutkowski vom Bund Naturschutz.
30:59Obwohl sie das Ökomodell eigentlich sehr gut findet.
31:02Aus meiner Sicht ganz persönlich ist es ein absoluter Wahnsinn.
31:07Die Tiroler Aachen ist ein noch relativ freifließender Gebirgsfluss.
31:12Und das alles verschwindet.
31:14Denn wenn hier ein Kraftwerk gebaut wird,
31:16dann haben wir einen Aufstau um mehrere Meter.
31:19Und die Stauwurzel, das heißt diese Staulänge,
31:21wird weit über einen Kilometer zurückreichen.
31:23Da wird jede Kiesbank verschwunden sein.
31:27Es kommen sehr viele Schwebstoffe mit der Aachen mit.
31:30Das heißt, das Kiesbett des Flusses wird verschlammen.
31:35Alle Laichbereiche für die Kiesleicher verschwinden.
31:39Wir haben heute schon 100% aller Kiesleicher auf der roten Liste.
31:43Aus genau diesen Gründen.
31:45Das heißt, da blutet mir das Herz als Naturschützer.
31:48Schon seit beinahe 100 Jahren wird im Aachental
31:53mit Hilfe von Wasserkraft Strom erzeugt.
31:56Es sind meist kleine Anlagen,
31:58die das starke Gefälle der Berghänge ausnutzen.
32:02Fritz Irlacher hat als 12-jähriger Bub
32:04den Bau eines Kraftwerks miterlebt,
32:06das heute noch in Betrieb ist.
32:09Dann haben ein paar schlaue Kämpfe gesagt,
32:12wir bauen da ein Kraftwerk oben auf der Rossalm.
32:16Da liegt im Sommer immer noch Schnee.
32:18Es ist fast wie ein Gletscher, hat immer Wasser.
32:21Und da speichern wir hier unten dieses Wasser
32:23und betreiben dann in Schleching im Tal das kleine E-Werk.
32:28Da wurde eine Genossenschaft gegründet.
32:30Und alle, die arbeiten konnten,
32:33haben sogenannte Schichten gemacht.
32:35Die werden heute noch angerechnet.
32:37Also die kriegen die Dividende ausgezahlt.
32:41Und das ist unglaublich, was da geleistet wurde.
32:45Alles mit der Hand, mit Pickel und Schaufel,
32:48wurde diese Leitung zwei Kilometer über den ganz steilen Berg darauf.
32:53Und die Rohre auch mit der Hand.
32:54Und da mit waghalsigen Seilbahnen
32:58wurde da die Rohre an Ort und Stelle hingebracht.
33:00Und dann war die Eröffnung.
33:03Und auf einmal haben wir ein gescheites Lüch gehabt in Schleching.
33:06Das war halt wirklich etwas,
33:09was Schleching da richtig zusammengeschweißt hat.
33:12Darum sind die ganzen Ortsteile eigentlich verbunden.
33:15Oberreitner, Ettenhausner,
33:17die haben durch diese Maßnahme richtig zusammengefunden.
33:21Das war wirklich unglaublich, was da geleistet wurde.
33:38Am Ausgang des Aachen-Tals
33:40liegt eines der größten Hochmoore im süddeutschen Raum.
33:45Die sogenannten Kendelmühlfilzen.
33:47Überall finden sich hier Spuren
33:56der jahrzehntelangen Ausbeutung
33:58und systematischen Zerstörung dieses Moors.
34:01Die zurückgehen auf eine Form der Energiegewinnung,
34:03die aus heutiger Sicht mit Nachhaltigkeit nichts zu tun hat.
34:12In der Notzeit nach dem Ersten Weltkrieg
34:15wurden die Wälder in Deutschland weitgehend abgeholfen.
34:18Brennholz war knapp und teuer.
34:22Und da begann die Geschichte des Torfabbaus im Achental.
34:26Zunächst waren es die Bauern,
34:27die sich mit Brennmaterialen für den eigenen Bedarf versorgten.
34:31Aber bald folgte die Erschließung im großen Stil.
34:35Die Folgen für die Kendelmühlfilzen waren verheerend.
34:38Sie wurden zum großen Teil trockengelegt
34:40und mit einem Netz von Dämmen durchzogen,
34:43auf denen man Schienen für den Abtransport des Torfs montierte.
34:46Ein eigener Torfbahnhof an der Hauptstrecke München-Salzburg wurde gebaut
34:52und Sträflinge aus der nahegelegenen Justizvollzugsanstalt Bernau
34:57dazu abkommandiert, den Torf zu stechen.
34:59Erst in den 90er Jahren gelang es, das gesamte Gebiet unter Naturschutz zu stellen
35:10und ganz allmählich mit der Renaturierung zu beginnen.
35:13Sie sehen auch schon, dass sie so links und rechts der Wald lichtet.
35:23Also nicht mehr so, wie man vorhin im dichten Wald.
35:27Der Naturschutz bildet die vierte Säule des Gesamtkonzepts vom Ökomodell Achental.
35:33Hier bietet man alle paar Wochen Führungen auf einem sogenannten Moorerlebnispfad an.
35:38Ich bin als Gebietsbetreuer Vermittler in jedem Wortsinn.
35:46Das heißt also, zum einen bin ich Vermittler in Konfliktfällen,
35:50die sich aus Naturschutzfragen ergeben würden.
35:53Ich bin aber auch Vermittler von Schönheiten, von Wissen
35:57und von all dem, was uns hier so umgibt.
36:01Das ist ja oft nicht offensichtlich, was sich so in der Natur versteckt und verbirgt.
36:05Der Biologe und Botaniker Stefan Kattari ist seit zwei Jahren beim Ökomodell dabei.
36:16Und er versucht, bei seinen Führungen den Leuten zu vermitteln,
36:19wie wertvoll solche Hochmoore in ökologischer Hinsicht sind.
36:24Und das mit jedem Meter, den man hier in die Tiefe grub,
36:27tausend Jahre Moorgeschichte vernichtet wurden.
36:29Man sieht jetzt da auf die ehemaligen Torf-Abbau-Bereiche der Kändelmüpfilzen,
36:42wo bis Anfang der 80er Jahre noch Frästorf abgebaut worden ist.
36:48Da kann man sich halt zum Glück, muss man sagen, schwer vorstellen,
36:52wie die Landschaft damals ausgesehen hat.
36:54Frästorf ist ein Bestandteil der Blumenerde.
36:57Und hier ist Blumenerde hergestellt worden,
36:59mit einer Ausnahmegenehmigung noch in den 70er und 80er Jahren.
37:04Und das ist in eine ganz interessante gesellschaftspolitische Zeit gefallen,
37:08wo der Umweltschutzgedanke einen enormen Auftrieb erlebt hat.
37:12Und so ist es vielleicht gar nicht so erstaunlich,
37:13dass sie hier eine Bürgerinitiative gegründet hat,
37:16die für den Erhalt der Kändelmüpfilzen gekämpft hat, über zwei Jahrzehnte.
37:24Als Fritz Irlacher seine Idee eines Ökomodells damals einem bekannten Landrat vorgeschlagen hat,
37:31da reagierte dieser mit dem Satz,
37:33Irlacher, wenn Sie das verwirklichen,
37:36dann sind Sie allen anderen um 20 Jahre voraus.
37:40Und nicht mehr 20 Jahre hintendran.
37:42Und was hatte Fritz Irlacher zu Anfang noch gesagt?
37:55Entscheidend für den Erfolg des Ganzen ist, dass man die Menschen einbindet.
37:59Dass sie nicht das Gefühl haben, dass hier etwas von oben herab diktiert wird.
38:05Auf dem Bauernmarkt in Grabenstedt,
38:08der ebenfalls auf eine Initiative des Ökomodells zurückgeht,
38:12lässt sich das gut beobachten.
38:14Im Mittelpunkt steht hier natürlich der Verkauf von regionalen Produkten.
38:18Danke.
38:19Das ist jetzt ein Wild, das ist ein Lamm.
38:24Das sind Pfefferbeißer vom Schwein.
38:27Und das ist die Kaminwurzen vom Rind.
38:29Und dann haben wir noch einen Schnoblauchring.
38:31Eine Frage, der Gutter, das ist also ein Gutter, oder?
38:36Ja.
38:37Nur mehr zwei, wenn ich lache.
38:38Wenn ich lache mal zwei.
38:41Aber die anderen sind fast zu liegen, gell?
38:42Genau.
38:43Das ist nicht so, die bisschen Brädern sind besser.
38:45Die haben auch ein bisschen Piss, gell?
38:49Wolfgang Wimmer und seine Kollegen suchen immer wieder das Gespräch mit den Bürgern.
38:55Organisieren immer neue Aktionstage.
38:57Wie heute, wo sie Kaiserschmarrn verkaufen, um Geld zu sammeln,
39:01das in die Umweltbildung von Aachenthaler Schülern gesteckt werden soll.
39:08Fritz Irlacher ist auch dabei.
39:11Denn von Ruhestand will er nichts wissen.
39:14Vor kurzem hat er wegen seiner besonderen Verdienste um die Umwelt
39:17die Bayerische Staatsmedaille erhalten.
39:20Und sein Ökomodell ist im Laufe der Jahre mit vielen Preisen ausgezeichnet worden.
39:24Ein Vorbild auch für andere Regionen in Bayern.
39:29Ganz Deutschland.
39:31Ja, sogar weltweit.
39:32Die größte Freude ist, wenn ich von zu Hause, von meinem Wohnort,
39:39der ja ganz knapp hinter der Gebietsgrenze ist,
39:42morgens oder abends durchs Gebiet fahre
39:45und fahre dann an vielen der Maßnahmen und Projekte vorbei,
39:49die wir realisieren konnten.
39:50Und dann stelle mir dann selber vor, wie oft, wie schwierig es manchmal war.
39:54Und dann, wenn ich durchfahre, das haben wir geschaffen,
39:57hier konnten wir mithelfen.
39:58Und das ist für mich die größte Freude.
40:01Also mein Traum für die Zukunft wäre,
40:04dass dieser Hof weiter besteht,
40:06dass Schlechingen nicht zugebaut wird
40:08und dass die paar Bauern, die jetzt in Schlechingen sind,
40:10weiter existieren können.
40:12Weil ich finde das ganz wichtig.
40:13Nicht gerade für uns, sondern für alle, die da leben in diesem Achental.
40:18So ein Betrieb aufgekehrt ist, der schnell, das ist nicht das Problem.
40:21Aber es geht ja darum, dass die übernommen werden
40:24und dass die weitergeführt werden.
40:26Und ich bin jetzt schon der Meinung,
40:28dass man es auch wirtschaftlich weiterführen kann,
40:30auch wenn es kein Wachstumsbetrieb ist.
40:32Ich hab 15 Jahre, hab ich mal zu einem,
40:34sag ich, in Schlechingen, die Bauernhöfte, das ist Kultur.
40:41Zum Beispiel, wenn es bei uns ist, bei den Harder,
40:44da ist es bei den Schmittbauer, beim Lutzen, beim Grafen.
40:48Ich sag, wenn es die Tiere nimmer gibt,
40:52wenn es dann heißt, ja, das war einmal beim Harder,
40:54das war einmal beim Grafen, das war einmal da.
40:57Ich sag, jeder Landwirt, der heute aufhört, den haben wir nimmer.
41:01Der geht uns auch in der Gesellschaft ab,
41:03geht uns auch im Dorfleben ab.
41:05Das ist einfach das Schöne im Ökomüde Lachental,
41:08dass die einfach auch ein bisschen schauen,
41:10dass die gleich strukturierte Landwirtschaft noch erhalten bleibt
41:13und dass man einfach da noch was bewegen kann.
41:16Mein größter Wund war, dass wir energieautark sind.
41:19Aber das ist klar, dass wir bei unseren Energie selber machen konnten.
41:23Und nicht immer für die Energie, das Geld, wo es gerade hinschicken müssen.
41:27Aber wir schaffen es, aber es dauert noch ein bisschen.
41:30Der Traum für die Zukunft ist, dass wir es schaffen,
41:32unseren Energieverbrauch so weit zu senken,
41:36dass wir mit den bestehenden Anlagen
41:38einen Großteil unserer nötigen Energie erzeugen können.
41:41Und dass wir so wenig wie möglich Neues bauen müssen.
41:45Und das ist halt die Hoffnung.
41:46Ich sag, die nächste Generation hat mehr Verständnis für die Umwelt,
41:49hat noch mehr Verständnis für die Energie, für die Natur.
41:52Und wenn wir das den Kindern beibringen,
41:53dann führt an dem kein Weg mehr vorbei.
41:56Also das ist unsere Chance.
41:58Unsere Chance ist die nächste Generation,
42:00die was vielleicht uns Alten dann auch noch mitreißt.
42:02Ja, Traum.
42:08Was hab ich für einen Traum?
42:10Dass einfach die Heimat so erhalten bleibt,
42:13dass die Menschen da leben können in dieser wunderschönen Landschaft.
42:18Aber dann nur mit eigenem Zutun.
42:21Das ist ganz wichtig, dass sie sich nicht hinter den Kachelofen setzen,
42:24sondern dass jeder, was er zutun muss,
42:28dass er so die Lebensqualität erhält, erhalten kann im Achenthal.
42:34Und das ist eigentlich mein einziger, aber großer Wunsch,
42:38dass sich den Leuten gut geht.
42:39Und das ist eigentlich mein Zutun.
43:09Und das ist eigentlich mein Zutun.
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