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Abenteuer, Antike ,Mythologie

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Transkript
00:03Dies ist das Reich der Toten. Und das ist sein Herrscher.
00:12Hades. Ein Gott, der so gefürchtet war, dass niemand es wagte, auch nur seinen Namen auszusprechen.
00:19Sein Mythos gibt Zeugnis von der Todesauffassung der antiken Griechen. Eine schreckliche Vision des Schicksals aller Sterblichen.
00:26Diese dunkle Welt hat ihre Ursprünge in der Wirklichkeit der griechischen Antike.
00:32Flüche, Geister und geheime Kulte.
00:36Begeben Sie sich auf eine Reise in die Unterwelt, um diese aus der Antike überlieferte Geschichte hautnah zu erleben.
00:44Dies ist die Wahrheit hinter dem Mythos des Hades.
00:59Auf einer üppig grünen Wiese pflückt eine wunderschöne junge Frau Blumen.
01:06Ihr Name, Persephone. Sie steht unter Beobachtung.
01:15Wenn eine junge Frau in der griechischen Mythologie auf einer Wiese Blumen pflückt, geschieht immer etwas Schreckliches.
01:27Plötzlich öffnet sich der Boden.
01:32Eine Hand greift aus der Finsternis nach ihr und zerrt sie hinunter in die Unterwelt.
01:42Hades, der Gott der Toten, hat seine Königin auserkoren.
01:56Hades ist der mythologische Herr des Totenreichs.
02:00Alle Sterblichen, sowohl die Guten als auch die Bösen, mussten nach ihrem Tod sein riesiges und schreckliches Herrschaftsgebiet betreten.
02:09Er sorgte dafür, dass keiner entkam.
02:13Er ist der Gott der Toten und kein Mensch will sterben.
02:17Er ist gefürchtet und seine Macht ist unermesslich.
02:22Die Griechen wollten nichts mit Hades zu tun haben. Nur die Toten kannten ihn.
02:30Die Griechen bildeten Hades so gut wie nie ab. Es gab kaum Tempel, die ihm geweiht waren.
02:36Er wurde auf Distanz gehalten, wie ein Onkel, der finstere Geschäfte betreibt, über die man nicht sprechen will.
02:42Für die antiken Griechen war der Tod keine besonders schöne Aussicht.
02:51Der Mythos des Hades wurde erschaffen, um das Leben nach dem Tod zu erklären.
02:59In diesen Geschichten spiegelt sich das menschliche Streben nach Unsterblichkeit wieder.
03:04Hier können wir die Hoffnungen und die Ängste der Griechen angesichts des Todes erkennen.
03:13Viele religiöse Traditionen versuchen dem Menschen, zu einer Existenz im Jenseits zu verhelfen.
03:21So auch die religiöse Tradition der Griechen.
03:31Der Mythos besagt, dass tote Seelen eine riesige und finstere Unterwelt betraten.
03:37Ein Schattenreich, das nach seinem Herrscher Hades genannt wurde.
03:43Der Hades war die antike griechische Entsprechung von Himmel, Hölle und Vorhölle.
03:49Alles unter einem Dach.
03:52Im christlichen Kontext glaubt man, dass das Schicksal eines Menschen nach seinem Tod von seinen Taten auf Erden bestimmt wird.
04:01Wenn man gut war, kommt man in den Himmel und wenn man schlecht war, in die Hölle.
04:06Für die Griechen war das ein und derselbe Ort.
04:09Die Unterwelt.
04:13Es handelt sich um einen Ort, den man niemals sehen kann.
04:16Man kann Geschichten erfinden und überstrafen und andere schreckliche Dinge mutmaßen, die dort geschehen.
04:21Doch man kann es nicht sicher wissen.
04:28In der Mythologie gibt es drei Bereiche des Hades.
04:32Die meisten Toten stiegen zum Asphodelien-Grund herab, dem trostlosen Ruheplatz der namenlosen Massen.
04:39Das Schicksal eines Menschen in der Unterwelt war, als grauer Schatten herumzuwandern und keine besonders aufregende Existenz zu führen.
04:47Ein ziemlich trister Ort.
04:49Es entspricht der katholischen Auffassung der Vorhölle, eines zwielichtigen Ortes, der still und friedlich und mit Trauerweiden bestanden war und
04:59an dem die Seele ziellos umherirrte.
05:07Dann gab es noch einen Ort für die größten Gotteslästerer.
05:13Ein tausend Kilometer tiefer Abgrund.
05:17Ein Verlies voller Leid und unendlicher Qualen, das von einem flammenden Fluss umgeben war.
05:24Dieser schreckliche Ort hieß Tartaros.
05:27Die Seelen sehr schlechter Menschen wurden dorthin verbannt. Er entspricht der christlichen Auffassung der Hölle.
05:35Tatsächlich ist der Tartaros so wesensverwandt mit der christlichen Hölle, dass er sogar im Neuen Testament genannt wird.
05:43Im zweiten Brief des Apostels Petrus wird der Tartaros in diesem Kontext genannt.
05:49Es gab nur wenige, die so furchtbar böse waren, dass sie im Tartaros bestraft wurden.
05:54Das ist meines Erachtens der Ursprung der christlichen Hölle.
06:03Auf die wenigen Glücklichen wartete im dritten Bereich des Hades ein Paradies.
06:09Die Insel der Seligen.
06:11Das Elysion ist die antike griechische Entsprechung des Himmels.
06:19Alles wächst dort von selbst und man bekommt ohne zu arbeiten reichlich zu essen. Dort herrscht Freude.
06:25Es wird im Kreis getanzt, es gibt Flüsse und ungetrübte Freundschaft.
06:34Berühmte und ruhmreiche Menschen weilten dort bis in alle Ewigkeit.
06:41Nach dem Mythos müssen früher oder später alle Menschen den Befehlen des Hades gehorchen.
06:47Für manche kommt dieser Tag viel zu früh.
06:54Hades hat eine junge Maid namens Persephone entführt und hält sie in der Unterwelt gefangen.
07:01Er führt sie in sein Schattenreich und nimmt sie zur Frau.
07:07Doch Persephone wird vermisst.
07:11In der Welt der Lebenden sucht ihre mächtige Mutter nach ihr.
07:15Ihr Name ist Demeter, Göttin der Fruchtbarkeit.
07:20Sie ist die Ernährerin der Welt.
07:26Das ist ein Mythos, der den wichtigsten Aspekt des Universums definiert.
07:30Demeter kann die Menschheit vernichten, sie kann die Welt zerstören.
07:38Die antiken Griechen glaubten, dass Demeter für den Wechsel der Jahreszeiten verantwortlich war und dass der Raub der Persephone diesen
07:45Zyklus auslöste.
07:49Sie wusste nicht, was ihrer Tochter widerfahren war.
07:52Sie wandelte also über die Erde und vergaß in ihrer Trauer über den Verlust der Tochter, das Land zu befruchten.
07:59Pflanzen verdorrten und es wurden keine Babys mehr geboren.
08:02Die Erde versank in tiefstem Winter.
08:09Die Aussicht auf einen endlosen Winter veranlasst die anderen Götter, Hades zur Herausgabe der Persephone aufzufordern.
08:19Doch Hades hat einen Plan.
08:24Hades wusste, dass sie zu einem Teil der Unterwelt werden würde, wenn sie die Nahrung dieses Ortes zu sich nahm.
08:33Er bietet Persephone die Samen eines Granatapfels zum Verzehr an.
08:38Sie nimmt sie in ihrer Naivität an und besiegelt damit ihr Schicksal.
08:42Ein Fehler, für den die ganze Welt bezahlen muss.
08:51Sie muss von nun an jedes Jahr vier Monate in der Unterwelt verbringen.
08:55Einen Monat für jeden Samen, den sie verspeist hat.
08:59Den Rest des Jahres darf sie bei ihrer Mutter bleiben.
09:03Sobald Persephone wieder in der Unterwelt walte, gab Demeter der Erde keine Fruchtbarkeit.
09:09Damit erklärten die Griechen den Winter.
09:12Die jährliche Rückkehr der Persephone zur großen Freude ihrer Mutter sind unser Frühling und Sommer.
09:21Die antiken Griechen glaubten, dass Persephone's Reisen in die Unterwelt und ihre Rückkehr dem Wechsel der Jahreszeiten entsprachen.
09:29Wie gelangte sie aber dorthin?
09:37Die Antwort liegt in der Nähe der griechischen Stadt Eleusis, nordwestlich von Athen verborgen.
09:42Für die antiken Griechen war das keine gewöhnliche Höhle. Hier befand sich die Pforte zur Unterwelt.
09:49Dem Mythos zufolge traf sich Demeter hier mit ihrer Tochter. Persephone entstieg durch diese Höhle der Unterwelt.
09:58Ein Grenzbereich zwischen der Welt der Lebenden und der Toten.
10:04Zwischen Realität und Mythos.
10:08Doch dies war nicht die einzige Pforte zum Hades.
10:12Es herrschte eine Art Wettstreit, vergleichbar mit der Behauptung vieler Amerikaner, dass George Washington an einem bestimmten Ort geschlafen habe.
10:21Jede Ortschaft reklamierte ihre eigene Pforte zur Unterwelt für sich.
10:26Diese Höhle war für die antiken Griechen äußerst wichtig.
10:31Tatsächlich sind die Ruinen in der Nähe des Höhleneingangs als Überreste eines Tempels identifiziert worden.
10:38Unter den dort gefundenen Artefakten befindet sich ein Steinrelief mit der simplen Inschrift Gott und Göttin geweiht.
10:47Diese Worte richteten sich an einen Gott, der nicht genannt werden durfte. Jener Schrein war dem Hades geweiht.
10:56Dem Gott Hades geweihte Tempel waren nicht üblich. Aufgrund seiner Eigenschaften baute man keine Tempel, um ihn zu verehren.
11:05Wenn man seine Aufmerksamkeit wollte, schlug man auf die Erde und rief, hey Hades!
11:11Deshalb ist dieser Tempelfund bei Eleusis so erstaunlich.
11:21Eleusis war auch der Ort, an dem sich die größte antike griechische Kultgemeinde traf. Ein Geheimbund der vom Tod Besessenen.
11:33Wir kennen historische Persönlichkeiten, die dort initiiert wurden.
11:39Plato, Sokrates, Cicero. Daran erkennt man die große Bedeutung dieses Bundes.
11:49Texte belegen, dass die Mitglieder der Kultgemeinde auf der Suche nach einer Abkürzung ins Paradies hierher kamen.
11:57Sie suchten nach dem Pfad zur ewigen Glückseligkeit im Schattenreich des Hades.
12:03Kulte gaben einem die Informationen, die man benötigte, um seinen Weg ins Reich der Seligen zu finden.
12:09Dort lebte man glanzvoll, hatte reichlich zu essen und der Wein floss.
12:17Experten vermuten, dass der Kult in Eleusis eine andere Religion beeinflusst haben mag, die ein Leben nach dem Tod verspricht.
12:24Das Christentum.
12:28Wir wissen, dass dieser Kult Menschen von ihrer Todesangst befreien sollte.
12:34Interessanterweise säte dieser Vorläufer des Christentums die Samen eines universellen Kultes, bei dem es um das Besiegen des Todes ging.
12:50Für die antiken Griechen trug der Tod dieses Gesicht.
12:56In der Mythologie ist Hades ein gnadenloser Herrscher über die Seelen der Verstorbenen.
13:02Doch das war er nicht von Anfang an.
13:06Er entwickelte sich auf dramatische Weise vom verlassenen Kind zu einem gefürchteten Gott.
13:12Schon von Geburt an lastete ein Fluch auf ihm.
13:16Damals wurde er von seinem eigenen Vater bei lebendigem Leide verspeist.
13:25Hades ist der antike griechische Gott der Unterwelt.
13:29Herrscher über das Schattenreich der toten Seelen.
13:37Doch er war nicht von Anfang an so bedrohlich.
13:48Im Palast der Götter durchbricht das Schreien eines Babys die Stille.
13:53Der Name des Neugeborenen ist Hades.
14:01Sein Vater heißt Kronos.
14:04Er ist der König des herrschenden griechischen Göttergeschlechts der Titanen.
14:11Kronos soll laut einer Prophezeiung von einem seiner Kinder ermordet werden.
14:16Er versucht seinem Schicksal zu entgehen.
14:19Der Vater fürchtet vom Sohn ersetzt zu werden.
14:23Das ist menschliche Psychologie.
14:24Kronos beschließt also seine Kinder zu verschlingen.
14:35Kronos verspeist seinen neugeborenen Sohn.
14:47Kindesmord war im antiken Griechenland nicht üblich.
14:50Deshalb muss die Vorstellung eines Vaters, der absichtlich seine Kinder tötet, sehr schockierend gewesen sein.
15:00Doch seine Kinder sind natürlich unsterblich und leben im Bauch des Kronos weiter.
15:10Hades und die meisten seiner Geschwister wachsen im Bauch ihres Vaters heran.
15:15Nur eines der Kinder kann dem Zorn des Vaters entgehen.
15:18Sein Name ist Zeus.
15:24Dieser kehrt als erwachsener Gott zurück und befreit seine Brüder und Schwestern.
15:36Die Geschwister vereinen sich darauf hin, um den Olymp zu gründen und nach einer siegreichen Schlacht gegen die Titanen ihren
15:44Eltern die Herrschaft über das Universum zu entreißen.
16:00Nach der Entmachtung der Titanen müssen die Götter des Olymp eine neue Ordnung herstellen.
16:08Hades, Poseidon und Zeus, die drei männlichen olympischen Götter, einigen sich darauf, das eroberte Reich zu teilen.
16:17Dieser Moment ist entscheidend für das Schicksal des Hades.
16:21Die Machtverteilung der Götter wird für immer festgelegt.
16:28Hades ist der älteste Sohn und hat nach der vorherrschenden griechischen Gesetzgebung jener Zeit das Vorrecht des Erstgeborenen.
16:38Im Großteil der griechischen Welt galt das Vorrecht der Erstgeborenen.
16:42Also hätte Hades nach dem Gesetz den größten Anteil erben sollen.
16:51Doch Zeus, der jüngste Bruder, will über die Welt herrschen.
16:57Dem Anspruch des Zeus steht das Geburtsrecht des Hades gegenüber.
17:02Die Brüder beschließen, Lose zu ziehen.
17:06Wer den Himmel gewinnt, soll König der Götter werden.
17:15Nach antikem griechischem Brauch war das Ziehen eines Loses das typische Verfahren, um etwas Strittiges zu regeln.
17:23Es muss allen legitim erschienen sein, so zu entscheiden.
17:31Die Götter ziehen ihr los.
17:39Poseidon erhält die Mähre.
17:42Zeus gewinnt den Himmel und wird der mythologische Herrscher des Olympen.
17:49Hades hingegen zieht den Kürzeren und muss sich mit dem Reich der Toten begnügen.
17:58Er hat es sich nicht ausgesucht.
18:01Dieses Schicksal hat ihn gewissermaßen gebrochen und einen unglücklichen Gott aus ihm gemacht.
18:11Das ist eine tragische Wendung für Hades, der über das Universum hätte herrschen können.
18:17Stattdessen ist er ins Totenreich verbannt.
18:23Die Einstellung zum Tod im antiken Griechenland unterschied sich nicht wesentlich von unserer heutigen.
18:33Man verehrte Hades also weniger als Poseidon oder Zeus.
18:45Andere Götter besuchen ihn nicht, weil der Tod für sie etwas Verhasstes ist.
18:55Das neue Zuhause des Hades ist ein dunkler, trostloser Wohnort trauriger Seelen.
19:04Antike Texte beschreiben diesen Ort als ein unangenehm feuchtes Höhlen- und Flussreich.
19:11Dieser Ort ist dunkel und trist.
19:15Seine Flüsse sind neblig und er ist von Verwesungsgestank erfüllt.
19:21Von diesem äußerst unfreundlichen Ort gibt es keine Rückkehr.
19:30Doch könnte es einen realen Ort geben, der diesem mythologischen Reich entspricht?
19:44Das ist Diros, ein unterirdisches Höhlenlabyrinth in Griechenland, das sich über Kilometer erstreckt und mit seinen Flüssen ziemlich genau den
19:54antiken Beschreibungen des Hades entspricht.
19:58Höhlen wurden als Zwischenräume betrachtet. Sie waren offensichtlich potenzielle Zugänge zur Unterwelt.
20:07Höhlen sind in der griechischen Welt äußerst wichtig.
20:11Die ersten Menschen lebten dort in Höhlen.
20:15Sogar nachdem sie diese verlassen haben und Ackerbau betreiben, behalten diese Höhlen ihre heilige Bedeutung.
20:31Solch triste Orte zu betreten und sich dort aufzuhalten, war eine Erfahrung, die das griechische Weltbild und die Vorstellung von
20:39der Beschaffenheit des Hades entscheidend geprägt haben muss.
20:55In der griechischen Mythologie herrscht der Gott Hades über eine finstere und feuchte Unterwelt der Toten.
21:06Er verwandelt das Jenseits in ein Königreich.
21:11Und die Aufgabe eines Monarchen ist die Bestrafung der Bösen und die Belohnung der Guten.
21:21Hades heuert eine Gruppe von Handlangern an, um über seine toten Seelen zu wachen.
21:28Zerberus, ein furchterregender, dreiköpfiger Wachhund.
21:34Die Hekatoncheiren, hundertarmige Wächter des Tartaros.
21:39Sowie den Fährmann Charon, seines Zeichens die rechte Hand des Hades.
21:46Als solche überwacht er Styx, den Unterweltfluss, den Fluss des Hasses.
21:55Charons Aufgabe ist es, die Toten von der Welt der Lebenden zum unterirdischen Reich der Toten am anderen Ufer des
22:02Flusses Styx zu bringen.
22:06Er ist eine skelettartige, sehr dämonische und finstere Erscheinung.
22:11Er symbolisiert die Grenze zwischen Leben und Tod sowie den Verfall.
22:21Er entspricht dem geläufigen Bild des Sensenmannes und ist derjenige, der auf einen zeigt und einen mitnimmt.
22:33Es gibt keinen Weg in den Hades, der an Charon vorbeiführt.
22:39Und keiner kann den Fluss Styx umsonst überqueren.
22:43Jeder Tote muss für die Überfahrt mit einer Münze bezahlen.
22:48Wenn die Seele kein Geld hat, um den Fährmann zu bezahlen, muss sie am Ufer des Styx ewig umherirren und
22:54findet keine Ruhe.
22:59Deshalb legten die antiken Griechen eine Münze unter die Zunge oder auf die Augenlider der Verstorbenen.
23:08Dieses Ritual war für die antiken Griechen wesentlich.
23:11Wer keine Münze bei sich hatte, fand als Toter niemals Frieden.
23:18Zweifellos nahmen die Menschen der Antike das sehr ernst.
23:21Viele Staaten hatten Gesetze zur Bestrafung von Angehörigen, wenn diese ihre Toten nicht ordnungsgemäß begruben.
23:29Die Familie musste dafür sorgen, dass die Toten von dieser Welt in das Jenseits gelangten.
23:35Sonst würden sie das Leben aller im Diesseits als Geister beeinträchtigen.
23:43Die Toten konnten zurückkehren, einen Heim suchen, um etwas bitten, weinen, sich beklagen, jemanden verletzen oder zerstören.
23:52All diese Vorstellungen tauchen schon in unseren frühesten Quellen auf.
23:59Das ist der Mythos. Doch gibt es dafür auch Beweise?
24:08Die Griechen hinterließen als Hinweis auf ihren Geisterglauben eine Art von Voodoo-Puppen.
24:17Archäologen haben bei der Freilegung von Gräbern in Griechenland winzige Bleifiguren gefunden, deren Hände und Füße in Fesseln gebunden dargestellt
24:25sind.
24:27Sie befinden sich alle in kleinen Särgen mit eingravierten Flüchen.
24:33Bei diesen Inschriften handelt es sich um magische Formeln, mit denen die Toten und die Götter der Toten aufgerufen werden,
24:40Lebende zu quälen.
24:45Wenn man an einem Boxkampf teilnahm, konnte man die Toten bitten, den Arm des Gegners zu behindern.
24:52Sie wurden auch oft in der Geschäftswelt eingesetzt.
24:55Ein Gerber konnte die Toten bitten, einem anderen, erfolgreicheren Gerber das Geschäft zu verderben.
25:04Diese Voodoo-Puppen wurden in die Gräber der Toten gelegt, die wahrscheinlich niemals in den Hades gelangen würden.
25:11Sie waren als die ruhelosen Toten bekannt.
25:14Leute, die zu jung oder gewaltsam gestorben waren, weil sie zum Beispiel ermordet wurden, oder Leute, die nie ordnungsgemäß begraben
25:22wurden.
25:24Diese Geister durften die Unterwelt nicht betreten und waren ruhelos, unglücklich und zornig.
25:30Es war also einfacher, einen von ihnen mit etwas Niederträchtigem zu beauftragen.
25:37Seelen, die in die Unterwelt gelangten, waren auf immer und ewig dort eingesperrt.
25:43Die Strafe des Hades für Flüchtige war unerbittlich.
25:51Dennoch gab es Fluchtversuche.
26:00Ein alter, schwacher Mann steht erschöpft am Fuße eines Berges.
26:05Der Schweiß fließt ihm übers Gesicht. Seine Venen treten hervor.
26:11Sein Name ist Sisyphos. Er ist die erste Seele, die jemals den Willen des Hades zu brechen versuchte.
26:18Kurz vor seinem Dahinscheiden schmiedete Sisyphos Pläne, wie er den Tod überlisten könnte.
26:26Sisyphos sagt zu seiner Frau, bitte begrabe mich nicht.
26:28Er weiß, dass er auf diese Weise nicht ganz auf die andere Seite in den Hades gelangt.
26:32Er wird im Niemandsland hängen bleiben.
26:38Jeder hat sich wohl schon mal überlegt, wie er den Tod überlisten kann.
26:43Sisyphos gelingt es, mit seiner Rhetorik, seiner Intelligenz und seinem scharfen Verstand den Tod zu überlisten und der Hölle zu
26:52entfliehen.
26:58Sisyphos wusste, dass er den König der Toten nicht hintergehen konnte.
27:02Deshalb ging er zur Königin.
27:07Sisyphos beschwerte sich bei Persephone, dass seine Frau ihn sehr schlecht behandelt habe.
27:11Wie konnte sie seinem Körper so etwas Furchtbares antun?
27:16Persephone zeigte Sympathie, ärgerte sich über die Frau und gab Sisyphos die Erlaubnis, ins Diesseits zurückzukehren, um seine Frau zu
27:23schelten.
27:29Natürlich hatte er nie die Absicht, wieder in den Hades zurückzukehren.
27:38Sisyphos hatte das Unmögliche getan.
27:41Er hatte den Tod überlistet und den natürlichen Lebenszyklus auf den Kopf gestellt.
27:47Doch den Herrn der Unterwelt dürstete es nach Rache.
27:50Niemand betrügt Hades und kommt mit dem Leben davon.
28:01Hades, der Gott der Toten, lässt niemanden wiederziehen.
28:07Doch die Seele des Sisyphos ist ihm entkommen.
28:13Als Hades herausfindet, dass er hintergangen wurde, ist er sehr wütend.
28:17Er schleift Sisyphos sofort in die Unterwelt zurück.
28:24Sisyphos dachte, er könnte die Götter, den Tod und die Natur überlisten.
28:32Die antiken Griechen hielten diese Einstellung für sehr gefährlich.
28:36Jede Seele, die versuchte, den Tod zu überlisten, war eine Gefahr für die Gesellschaft.
28:41Die Griechen glaubten, dass die Toten an dem ihnen zugedachten Ort bleiben mussten.
28:47Man ging davon aus, dass die Toten das Leben der Lebenden wollten und es einem aussaugen würden, wenn sie ständig
28:54präsent wären.
29:00In der Mythologie ist die Strafe für diesen Versuch, dem Tod zu entkommen, schmerzhaft und unwiderruflich.
29:08Hades verdammt Sisyphos in die Hölle der Antike, in den Tartaros.
29:15Dort muss er bei sengender Hitze einen riesigen Felsblock den Berg hinauffälzen.
29:23Am Ende jedes Tages erreicht er völlig erschöpft den Gipfel und muss hilflos zusehen, wie der Felsblock den Hang wieder
29:32hinunterrollt.
29:34Diese Strafe wiederholt sich Tag für Tag, bis in alle Ewigkeit.
29:42In der Geschichte des Sisyphos geht es um eine Person, die eine endlose vergebliche Arbeit verrichten muss.
29:48Daher stammt die Bezeichnung Sisyphos-Arbeit für Tätigkeiten, die einem sehr beschwerlich und völlig sinnlos erscheinen.
29:57Die Geschichte des Sisyphos enthielt eine klare Botschaft an die antiken Griechen.
30:02Keiner kann den Tod oder dessen Herrn überlisten.
30:07Hades ist verständlicherweise derjenige, den die meisten Menschen überlisten, täuschen oder umgehen wollen.
30:13Doch der Wille und die Macht des Hades sind absolut. Keiner kann durch Verhandlungen dem Tod entkommen.
30:21Doch Sisyphos ist nicht der Einzige, der dies versuchte.
30:35Auch Orpheus, ein Musiker, der die lieblichste Musik der Welt zu spielen vermochte, forderte den Tod heraus.
30:46Musik war seine Waffe gegen den Herrn der Toten.
30:53Orpheus war der Gründer der musischen Tradition. Er war der Erfinder der Dichtkunst und der Musik.
31:00Besonders geschickt war er im Umgang mit der Lyra, einem antiken, u-förmigen Seiteninstrument.
31:13Das Wort Musik bezeichnete im Griechischen sowohl Gesang als auch magische Beschwörungsformel.
31:20Orpheus bediente sich also der Magie, wenn er sang.
31:28Es gibt nur eines auf dieser Welt, das Orpheus mehr liebte als die Musik. Seine betörende junge Braut Eurydike.
31:39Besonders traurig an der Geschichte von Orpheus und Eurydike ist, wie perfekt ihr Glück und ihre Liebe waren.
31:48Bei den Griechen geschieht immer etwas, wenn man glücklich ist, weil Sterbliche kein Anrecht auf perfektes Glück haben.
32:01Eines Tages, als Eurydike in einem Haien Früchte pflückt, wird sie von einem Satyr beobachtet, einem abscheulichen Wesen, das halb
32:10Ziege, halb Mensch ist und einen unkontrollierbaren Sexualtrieb besitzt.
32:16Satyrs repräsentieren die unkontrollierte männliche Potenz. Sie stellen die pure Lust und das Verlangen dar, sich zu vermehren.
32:24Der Satyr stürzt sich auf Eurydike. Sie versucht zu entkommen.
32:34Doch der Satyr treibt sie in die Enge. Sie weicht entsetzt zurück und stürzt in eine Wipangrube.
32:52Dort findet sie Orpheus. Doch er kommt zu spät. Sie ist bereits in den Klauen des Hades.
33:02Orpheus' Liebe zu Eurydike ist so stark, dass er ihren Tod betrauert wie kein Mensch vor ihm.
33:10Orpheus weigert sich, den Tod seiner Frau zu akzeptieren. Er beschließt, Hades herauszufordern und seine Frau lebend zurückzubringen.
33:20Sein Leben macht ohne Eurydike keinen Sinn mehr. Er beschließt nur mit der Lyra bewaffnet, in die Unterwelt hinabzusteigen.
33:35Orpheus beginnt seinen gefährlichen Abstieg in die Tiefen der Unterwelt.
33:40Wenn er versagt, ist seine Frau für immer verloren. Ist er erfolgreich, wird er zum Helden.
33:49Man kann eigentlich gar kein richtiger griechischer Held sein, ohne der Unterwelt einen Besuch abgestattet zu haben.
33:55Das ist in der griechischen Literatur ein sehr beliebtes Thema. Darüber dachte man gerne nach.
34:00Der Tod ereilt alle und alle müssen über ihn nachdenken.
34:05Mit seinem wundervoll traurigen Gesang bezaubert Orpheus den Fährmann Karon und überquert den Fluss Dücks.
34:17Doch ein weiteres furchterregendes Hindernis erwartet ihn am anderen Ufer.
34:24Cerberus, der dreiköpfige Wachhund des Hades.
34:32Cerberus war am Tor zur Unterwelt postiert. Keiner kam rein oder raus, ohne an diesem Hund vorbeizugehen.
34:40Dieser schreckliche Hund hatte drei Köpfe und war viel größer und stärker als gewöhnliche Hunde.
34:48Er ist ein Ungeheuer, bei dessen Anblick man erschaudert.
34:54Mit zittrigen Fingern streicht Orpheus über die Seiten seiner Lyra.
35:00Cerberus ist im Bann der Musik und Orpheus kann eintreten.
35:06Doch die wahre Prüfung erwartet ihn erst hinter jenem Tor, Hades persönlich.
35:13Er tritt auf den großen Gott Hades zu und hofft, dass auch dieser der Magie seine Musik verfällt.
35:21Sein Glaube und sein Selbstvertrauen gründen allerdings nicht auf den eigenen musikalischen Fähigkeiten, sondern auf der Kraft der Musik an
35:30sich.
35:32Orpheus wird versuchen, was kein Sterblicher vor ihm wagte.
35:36Den Herrn der Toten zu bezirzen.
35:42Sein Gesang war so schön und traurig, dass alle, auch Hades, weinen mussten.
35:47Und es war gar nicht so einfach, das Herz des Gottes der Toten zu erweichen.
35:53Er wird von jemandem beobachtet, der im Schatten verborgen zusieht.
35:58Es ist Orpheus' tote Frau Eurydike.
36:07Die Kraft der Musik bewegt Hades dazu, Orpheus eine Chance zu geben, die Freiheit seiner Frau wiederzugewinnen.
36:16Hades erkennt zum ersten Mal die Kraft von Liebe und Verlust.
36:21Er kann nicht verstehen, was es einem Sterblichen bedeutet, jemanden zu verlieren, da er selbst unsterblich ist.
36:27Doch die Kraft des Gesangs erreicht ihn und Orpheus darf Eurydike mitnehmen.
36:39Unter einer Bedingung.
36:42Orpheus muss dem Hades entsteigen und darauf vertrauen, dass Eurydike ihm folgt.
36:49Wenn er aber zurückblickt, um sich zu vergewissern, verliert er sie unwiederbringlich.
36:58Während Orpheus und Eurydike nach oben steigen, beginnt Orpheus zu zweifeln.
37:03Er fragt sich, ob ihm Eurydike wirklich folgt, oder ob es nur ein schrecklicher Trick des Hades ist.
37:12Je näher er dem Ausgang kommt, desto größer werden seine Zweifel.
37:17Und kurz bevor er die Erdoberfläche erreicht, hält er es nicht mehr aus und dreht sich nach Eurydike um.
37:28Als er Blickkontakt mit Eurydike aufnimmt, wird sie sofort in die Unterwelt zurückgesogen.
37:40Hades hat wieder bewiesen, dass seine Macht über die Toten absolut ist.
37:47Doch seine Autorität wird bald von einer Macht heraus gefordert werden, die noch viel größer ist als die seiner.
37:55Von diesem Kampf der Götter wird für alle Zeiten Zeugnis gegeben, im Buch der Offenbarung des Johannes.
38:09Hades, der Gott der Unterwelt, hat sich abermals gnadenlos gezeigt.
38:15Er hat Orpheus' Frau Eurydike zu sich genommen.
38:20Orpheus ist zu Tode betrübt.
38:22Nach seiner Rückkehr aus der Unterwelt zieht sich der Musiker tief in die Wildnis zurück und singt jedem, dem er
38:29begegnet, das tragische Lied des Todes.
38:33So lautet der Mythos.
38:35Doch auf welcher Realität beruht dieser?
38:41Ein erstaunlicher archäologischer Fund wirft neues Licht auf die Vorstellung der antiken Griechen vom Herrn des Todes und seinem Schattenreich.
38:50In den letzten zwei Jahrhunderten wurden rätselhafte Goldinschriften in antiken Gräbern gefunden.
38:57Viele wurden an Stellen gefunden, die darauf schließen lassen, dass man sie ursprünglich auf den Mund der Leiche legte, wenn
39:03man sie begrub.
39:04Sie waren wie Lippen geformt. Es ist fast so, als sollten diese Inschriften auf den Tafeln für die Toten sprechen.
39:11Sie beinhalten Referenzen auf den Gott Hades und sein Reich.
39:17Sie lesen sich wie Wegbeschreibungen in die Unterwelt von jemandem, der schon dort gewesen ist.
39:24Du wirst links vom Haus des Hades eine Quelle finden.
39:29Sobald die Seele das Sonnenlicht verlassen hat, muss sie nach rechts gehen und sehr vorsichtig sein.
39:39Diese Texte waren so etwas wie Passierscheine in die Unterwelt.
39:44Sie beschrieben, was dort geschehen würde, welche Wächter man treffen würde und was man ihnen sagen musste, um passieren zu
39:50dürfen und die Unterwelt zu erreichen.
39:58Es sind reale Inschriften, die vom Mythos inspiriert wurden.
40:04Visionen des Jenseits, die den mythischen Gedichten des Orpheus entstammten.
40:13Man glaubte, dass er bei seinem Besuch in der Unterwelt viel über die dortigen Verhältnisse erfahren hatte.
40:18Als er ohne seine Frau wieder ins D-Sides zurückkehren musste, schrieb er Gedichte über die Unterwelt.
40:24Diese Gedichte wurden dann über Generationen weitergereicht und gaben eine Anleitung für das richtige Verhalten in der Unterwelt.
40:31Teile jener Gedichte sind tatsächlich auf diesen Goldtafeln verewigt.
40:38Die antiken Griechen verwendeten die Gedichte des Orpheus als Wegweiser für das Leben nach dem Tod.
40:44Er half einem, das Reich des Hades zu verstehen und so sicher dorthin zu gelangen.
40:52Diese griechische Vision des Jenseits hatte jahrtausendelang Bestand.
40:58Doch in den ersten Jahrhunderten nach Christus revolutionierte neues Gedankengut die antike Auffassung vom Tod.
41:07Der Gott Hades sah sich mit einem neuen mächtigen Einfluss konfrontiert.
41:12Jesus Christus.
41:17Die christliche Überlieferung erzählt von einer epischen Schlacht zwischen der alten und der neuen Weltordnung, von einem letzten großen Kampf
41:25der Götter.
41:26Im Mittelpunkt dieser Entscheidungsschlacht steht Hades.
41:32Christus ist gekommen, um dessen Seelen zu befreien.
41:38Es gibt eine Abschrift der Pilatus-Akten mit dem Titel Descensus Christi, die Höllenfahrt Christi in den Hades.
41:45Nach seinem Tod steigt Jesus in den Hades hinab und bietet dem Herrscher die Stirn.
41:50Er kommt als Herr und Erlöser und öffnet die Tore des Hades, um all seine Seelen ins Paradies zu führen.
42:02Im Hades predigt Jesus zu den Seelen der toten Griechen.
42:07Seine Botschaft an lebende Untote ist klar und deutlich.
42:11Weist Hades zurück und begrüßt den neuen Erlöser.
42:17Doch was sollte in dieser neuen Weltordnung aus dem Herrn des Todes werden?
42:22Die letzten Momente des Hades werden im biblischen Buch der Offenbarung des Johannes beschrieben, in dem das Ende aller Tage
42:30angekündigt wird.
42:32Der Offenbarung des Johannes zufolge vernichtet Jesus Hades, um seine Macht über den Tod zu demonstrieren.
42:44Als Christus zum letzten Gericht zurückkehrt, wirft er den Herrn des Totenreichs in einen Feuersee.
42:54Mit der Vernichtung des Totenreichs, Hades, erringt er den Sieg über den Tod.
43:00Nicht für das Individuum, sondern für die gesamte Schöpfung.
43:05Schließlich muss Hades das gleiche Schicksal wie all die Seelen unter seiner Herrschaft erleiden.
43:12Nicht mal er kann den Klauen des Todes entkommen.
43:28Das Faszinierende an den Geschichten über Hades ist die menschliche Sichtweise des Todes, die darin enthalten ist.
43:35Alle Menschen hoffen insgeheim, dem Tod entkommen zu können.
43:39Wir fürchten das Ende unserer Existenz.
43:44Die Unterwelt ist faszinierend.
43:47Man stellt sich gerne vor, was dort geschieht, weil diese Vorstellung schaurig und völlig anders ist als die Realität der
43:52diesseitigen Welt.
43:59Diese Geschichten sind mehr als nur regionale Mythen, mit denen man Kindern Angst machen oder sich Erleichterung verschaffen will.
44:07Darin geht es um eine fundamentale Frage der Menschheit.
44:12Wie geht man mit seiner eigenen Sterblichkeit um?
44:14Um dein Herz zu infalten.
44:17Danke.
44:20Danke.
44:25Danke.
44:26Danke.
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