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  • vor 1 Woche
Abenteuer, Antike ,Mythologie

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Transkript
00:01In dieser Folge Mysterien der Menschheit.
00:05Ein rätselhaftes Amulett, das mit den rituellen Orgien und dem Tod Christi zusammenhängt.
00:14Es verschwand vor dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland.
00:19Die Annahme, ein Teil des Christentums könnte heidnischen Ursprungs sein, ist sehr provokant.
00:27Dieser Mann ist dem Orpheus-Amulett auf der Spur.
00:35Doch zuerst. Excalibur. Mit Zauberkraft durch einen Stein getrieben. Nur ein wahrer König Englands kann es herausziehen.
00:45Beherbergt dieses romanische Kloster in Italien möglicherweise einen alten Schatz?
00:51Beeindruckend!
00:53Es gehört zu einer der bekanntesten Legenden Englands.
00:58König Arthus und das Schwert im Stein.
01:24Hoch über den Klicken Cornwalls im Süden von England befinden sich die Burgruinen von Tintacho.
01:32Der Legende nach ist dies der Geburtsort von König Arthus.
01:47Dr. Luca Radulescu von der Bangor University in Wales ist Expertin auf dem Gebiet der Arthus-Dichtung.
01:57Unter den Fachleuten herrscht keine Einigkeit darüber, ob es sich bei Arthus, Kamelot und der Tafelrunde bloß um eine Geschichte
02:06handelt oder ob diese nicht doch auf echten historischen Figuren beruht.
02:13Nichtsdestotrotz inspirierte die Geschichte von Arthus und dem Schwert Dichter über Jahrhunderte hinweg.
02:20Als der junge Arthus das Schwert herauszog, wurde er unwissentlich zum rechtmäßigen König von England.
02:33Die Legende von König Arthus wurde zum ersten Mal 1135 von Geoffrey von Monmouth aufgeschrieben.
02:40In seiner Geschichte der Könige Britanniens.
02:44Doch hier wird kein Schwert in einem Stein erwähnt.
02:54Monmouth berichtet von Arthus' Kriegsführung in ganz Europa.
02:59Dr. Radulescu macht sich auf den Weg nach Italien.
03:13Sie hat von einem bemerkenswerten Schatz in einem italienischen Kloster gehört.
03:18Sie reist nach Mailand im Norden Italiens, um sich selbst ein Bild zu machen.
03:27Beeindruckend. Es sieht wirklich aus wie ein Schwert im Fels.
03:31Nicht nur der Anblick ist faszinierend.
03:33In der Arthus-Sage gibt es auch eine Verbindung zu Italien.
03:40Viele Leute wissen nicht, dass neben der Schwertgeschichte auch Berichte über seinen Aufenthalt in Italien zum Arthus-Mythos gehören.
03:551135 beschrieb Monmouth, wie Arthus die Insel verlässt, um gegen Rom in den Kampf zu treffen.
04:05Der Text von Sir Thomas Mallory aus dem 15. Jahrhundert beschreibt, wie Arthus' Mailand passiert.
04:14Die Einwohner flehten ihn an und boten ihm Geld, damit er ihre Stadt nicht plündert.
04:27Vielleicht steht das Schwert aus dem Kloster damit in Zusammenhang.
04:32Von Mailand aus reist Dr. Radulescu in die Lombardei.
04:37Dort trifft sie sich mit Professor Mario Moiragi, einen Fachmann für das Mittelalter in Italien.
04:44Es ist faszinierend, dass es hier in Italien ein im Stein steckendes Schwert gibt. Können Sie mir mehr darüber sagen?
04:53Das Schwert ist beeindruckend, mystisch und sehr interessant, weil es viel mit dem Schwert von König Arthus gemeinsam hat.
05:04Man nimmt an, dass es im 12. Jahrhundert einem Ritter namens Galgano di Montesiepe gehörte.
05:16Die Geschichte erzählt von einem Ritter aus der Gegend namens Galgano di Montesiepe.
05:22Er entsagte dem Kriegstreiben und der Gewalt, um ein frommes Leben zu führen.
05:32Galgano wird verehrt, weil er dem Kriegerdasein entsagte und Mönch wurde.
05:40Er nahm sein Schwert und rammte es in den Fels.
05:45Da erkannte er in dem Schwert ein Kreuz.
05:49So begriff er, dass sein Leben sich ab diesem Moment ändern musste.
05:56Er verließ den Pfad der Gewalt und betat den Pfad des Glaubens.
06:04Es ist eine beeindruckende Geschichte über Krieg, Frieden und Glauben.
06:09Dr. Radulescu fragt sich jedoch, wie viel davon wahr ist.
06:14Woher wissen wir, dass das nicht nur eine Legende ist?
06:17Wir haben schriftliche Beweise.
06:26Es gibt eine Menge Dokumente, die über sein Leben berichten.
06:31Und im Großen und Ganzen hat niemand Zweifel an seiner Existenz und seinem Leben.
06:40Doch gibt es einen Zusammenhang zwischen Galgano und dem Schwert von Arthus?
06:46Galgano wurde 1148 geboren.
06:50Er starb mit 33 im Jahr 1181.
06:54Vor seiner Geburt gibt es in den Schriften über König Arthus keinen Hinweis auf ein Schwert in einem Stein.
07:02Das Motiv taucht erst nach Galganos Tod in Roberto Borons um 1200 verfassten Werk Merlin auf.
07:11Seitdem ist das Schwert ein Teil der Arthus-Legende.
07:17Doktor Radulescu möchte das Schwert mit eigenen Augen sehen.
07:22Zister-Zienser-Mönche haben hier im 12. Jahrhundert eine Kapelle um das Schwert errichtet.
07:29Heute kümmert sich Don Vito Albergio um die San Galgano-Kapelle.
07:36Der Priester will Doktor Radulescu zunächst noch etwas Grausiges zeigen.
07:52In einer kleinen Seitenkapelle liegen menschliche Hände in einer Vitrine.
07:59Ihr einstiger Besitzer soll versucht haben, das Schwert aus dem Stein zu ziehen.
08:06Im nahegelegenen Wald lebten zwei Wölfe.
08:10Eines Tages beobachteten sie einige Räuber, die versuchten, das Schwert abzubrechen.
08:15Die Wölfe fielen sie an und bissen ihnen die Arme ab.
08:22Diese Hände wurden an der Universität Pavia untersucht.
08:25Die radiometrische Datierung ergab, dass sie aus der Lebzeit des heiligen Galgano stammen.
08:35Das Schwert befindet sich in der Kapelle nebenan.
08:43Hier ist das Schwert.
08:49Beeindruckend. Wie kann ein Schwert so in einem Fels stecken? Ist das ganze Schwert drin?
08:55Das ganze Schwert steckt drin.
08:57Wie können Sie sicher sein, dass es echt ist?
09:03Dafür gibt es verschiedene Gründe.
09:07Von 1300 an wurden viele Darstellungen davon angefertigt.
09:12Es war schon immer hier. Da sind wir sicher.
09:17Wurde das Schwert schon von jemandem untersucht?
09:21Ja, an der Universität Pavia.
09:24Dort haben sie einige Proben getestet und herausgefunden, dass es aus der Zeit des heiligen Galgano stammt.
09:31Dr. Radulescu hat sowas noch nie zuvor gesehen.
09:41In der alten Abtei am Fuße des Hügels will sie mehr über die Zisterzienser-Mönche herausfinden, die die Kapelle gebaut
09:48haben.
09:53Der Zisterzienser-Orden wurde im 11. Jahrhundert in Frankreich gegründet.
09:58Bald waren die sogenannten Weißen Mönche in ganz Europa aktiv.
10:09Nach dem Tod des heiligen Galgano pilgerten die Mönche hierher.
10:14Sie bauten diese Abtei zu seinem Gedenken.
10:17Die Kapelle errichteten sie, um sein Schwert darin zu verwahren.
10:25Dr. Radulescu möchte herausfinden, warum Galgano so wichtig für die Zisterzienser war und warum das Schwert sie so faszinierte.
10:39Durch Professor Moiragi weist sie von einer mittelalterlichen Abbildung des Schwertes, im 35 Kilometer entfernten Siena.
10:51Hier ist Dr. Radulescu mit dem Kulturanthropologen Professor Alessandro Falassi verabredet.
10:58Falassi führt sie zu einem Relief der Zisterzienser an einer Mauer.
11:03Es zeigt ein im Felsen steckendes Schwert.
11:11Das Relief stammt aus einer Renaissance-Kirche.
11:15Und hier sehen Sie wieder das wunderbare Symbol.
11:18Das Schwert im Stein, das unverwechselbare Zeichen des heiligen Galgano.
11:22Selbst wenn die Leute nicht wussten, wer er war oder wie sie es verstehen sollten,
11:26haben sie es begriffen.
11:28Der Grundgedanke wurde durch diese Abbildung deutlich.
11:31Es ist ein eindrucksvolles Zeichen, selbst heute.
11:34Krieg wandelt sich zufrieden.
11:36Ein Schwert, das Werkzeug des Todes, wird zum Kreuz, dem Zeichen der Erlösung.
11:41Es gibt weitere Darstellungen des Schwertes in Siena.
11:46Falassi zeigt Radulescu ein wichtiges Gebäude der Zisterzienser.
11:49Dort schmückt ein Schwertheft, das an ein Kreuz erinnert, die Fassade.
11:55Dieses Motiv findet sich hier immer wieder.
12:04Falassi glaubt, Galgano könnte als Inspiration zu der Schwertgeschichte gedient haben.
12:09Doch wie sie Teil der Arthus-Legende werden konnte, ist bis heute unklar.
12:16Radulescu will herausfinden, ob die Zisterzienser-Mönche zu Lebzeiten Galganos
12:21die Geschichte von König Arthus gekannt haben.
12:32Die Antwort darauf könnte sie im 200 Kilometer entfernten Modena finden.
12:41Hier trifft sie Renato Cavani, den Leiter der Kathedrale.
12:58Er zeigt ihr ein Portal der Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert.
13:06Über dem Eingang befindet sich ein fast 1000 Jahre altes, bogenförmiges Steinrelief.
13:14Was wir hier sehen, ist die Darstellung der Stürmung einer Burg.
13:19In der Burg befindet sich eine Gefangene, eine Prinzessin, die von etwas Bösem bedroht wird.
13:26Möglicherweise ist es eine allegorische Darstellung.
13:30Alles, was wir hier sehen, stammt aus der gleichen Zeit, um 1120, 1130.
13:39Cavani macht Radulescu auf eine Inschrift über der Darstellung eines bärtigen Ritters aufmerksam.
13:47Sehr außergewöhnlich ist, dass der Name darüber Arthus von Britannien lautet, ohne den Titel König.
14:01Er war zu dieser Zeit noch nicht als König Arthus bekannt.
14:05Als König Arthus wird er erstmals 1135 erwähnt.
14:10Man könnte also sagen, dass dieses Relief hier der Geschichte vorgreift.
14:17Wirklich spannend ist, dass wir hier eine Schilderung der Arthus-Legende sehen,
14:21die Jahrzehnte jünger ist als der heilige Galgano, wenn wir das hier in die 1120er Jahre datieren.
14:28Das Relief zeigt das Interesse an der Arthus-Legende, das anscheinend in Italien sehr verbreitet war.
14:35Es weist auch darauf hin, dass die Geschichte bereits bekannt war und von vielen Menschen weitergegeben und besungen wurde.
14:42Das ist also König Arthus in Italien.
14:50Geschichten über Arthus gab es in Italien also bereits mindestens 20 Jahre vor der Geburt des heiligen Galgano.
14:58Doch das Steinrelief enthält keinen Hinweis auf das Schwert im Fels.
15:04Dr. Radulescu entdeckt ein Detail im Relief.
15:07Über einen der Ritter ist der Name Galvagin gemeißelt.
15:14Galvagin, das ist Gawain, ein Ritter der Tafelrunde und Arthus' Neffe.
15:20Der Legende nach war Gawain zudem auch der treueste und mutigste Ritter des Königs.
15:27Im ersten schriftlichen Beleg der Arthus-Legende von Joffrey von Monmouth aus dem Jahre 1135 taucht Gawain unter der lateinischen
15:36Form Galganus auf.
15:42Radulescu fällt die große Ähnlichkeit zwischen den Namen auf.
15:46Galganus, das klingt doch ganz nach Galgano oder Galvano.
15:50Perhaps Galvano, Galgano.
15:54Die Ähnlichkeit der Namen könnte Zufall sein.
15:58Vielleicht besteht aber auch eine über die Jahre in den Hintergrund gerückte Verbindung zwischen Gawain, Galvagin, dem legendären Ritter der
16:07Tafelrunde, und dem echten Ritter Galgano.
16:17Könnte der heilige Galgano sich einen der treuesten Ritter von König Arthus zum Vorbild genommen,
16:24Gawains Namen Galganus angenommen, das Leben eines Ritters gelebt und schließlich zum wichtigsten Teil der Geschichte, dem Schwert im Stein,
16:33beigetragen haben?
16:45Das wäre nur möglich, wenn das Schwert auf die Lebenszeit des heiligen Galgano datiert werden kann.
16:52Nun muss durch wissenschaftliche Analysen der Verdacht ausgeschlossen werden, dass das Schwert eine Nachbildung ist.
17:04Radulescu fährt zur Universität Pavia.
17:12Sie trifft sich dort mit Luigi Galaschelli, dem einzigen Wissenschaftler, der das Schwert untersucht hat und für weitere Lügengeschichten verantwortlich
17:21ist.
17:23So muss man sich das Ganze vorstellen. Und hier haben wir ein Loch gebohrt.
17:29Bei der Untersuchung der Klinge wurde eine Bruchstelle gefunden.
17:34Auch zeigt sich, dass erst kürzlich flüssiges Blei und Zement in die Risse des Steins gegossen wurden.
17:42Wir haben mit einem Fibroskop in das Bohrloch geschaut, um festzustellen, ob wir den Rest der Klinge oder was von
17:48dem Blei finden.
17:49Aber außer Fels konnten wir nichts sehen.
17:52Also haben wir etwas von dem Beton hier abgetragen, der das abgebrochene Stück mit dem Rest der Klinge zusammenhält.
18:00Dabei konnten wir tatsächlich feststellen, dass das ganze Schwert im Stein steckt.
18:04Wir haben den Anfang der zweiten Hälfte gesehen.
18:08Konnten Sie das Schwert auch datieren?
18:14Metalle lassen sich nur schwer datieren.
18:17Aber die Optik des Schwerts entspricht der eines mittelalterlichen Schwerts.
18:22Und wir haben auch ein kleines Eisenfragment analysiert.
18:31Die eingeschlossenen Verunreinigungen belegen für uns, dass es sich nicht um ein zeitgenössisches, sondern um ein altes Eisen handelt.
18:39Aus dem Mittelalter?
18:40Ja, Mittelalter. Das kommt hin.
18:47Das Schwert könnte also aus der Zeit des heiligen Galgano stammen.
18:52Dr. Radulescu möchte herausfinden, wie das Schwert in den Stein gelangte.
19:01Glauben Sie, jemand hat es absichtlich?
19:04Vielleicht die Zisterzienser, als sie nach Siena kamen und die Abtei erbauten.
19:09Ja, sie ließen sich ja dort nieder.
19:14Sie verehrten Galgano und vielleicht haben sie tatsächlich den Stein mit dem Schwert hierher gebracht.
19:22Möglicherweise ist das Schwert eine frühe Fälschung, welche den Mönchen half, ihr eigenes Ansehen...
19:28Zu steigern, ja.
19:30Genau.
19:31Aber nach Entstehungszeit, Aussehen und Form stammt es definitiv aus dem 12. Jahrhundert.
19:36Ja, aber...
19:37Wie es in den Stein kam, ist unklar.
19:47Man wird wahrscheinlich nie herausfinden, wie ein Schwert aus dem Mittelalter in diesen Fels geraten ist.
19:56Und ob es die Zisterzienser-Mönche waren oder der heilige Galgano selbst.
20:04Radulescu hat jedoch möglicherweise geklärt, wie das Schwert Teil der Arthus-Legende werden konnte.
20:15Die Lösung des Rätsels ist eher in Italien als in Großbritannien zu finden.
20:22Nach Galganos Tod verfassten die Zisterzienser-Mönche ihre eigene literarische Abhandlung über König Arthus.
20:35Darin ist auch die Geschichte vom Schwert im Stein enthalten.
20:39Diese Handlung wurde dann von Autoren des Mittelalters in der höfischen Dichtung aufgegriffen.
20:46Der Name des heiligen Galgano ging dabei verloren.
20:50Aber dank dieses Schwertes lebt der Name von König Arthus für Generationen weiter.
21:22Ein antikes Amulett bringt Heidi in die Welt.
21:26Er war in der Welt, die in der Welt war mit der Geburtsstunde des Christentums in Verbindung.
21:33Es verschwand während der Nazi-Zeit und ging vermutlich nach Hitlers Tod hinter dem eisernen Vorhang verloren.
21:43Nun möchte ein Mann das Geheimnis des Orpheus-Amuletts lüften.
22:02Mark Gaskin ist Experte für Sprachen des Altertums und erforscht umstrittene religiöse Artefakte wie das Turiner Grabtuch.
22:15Jetzt ist er auf der Suche nach einem weit weniger Bekannten, jedoch genauso umstrittenen Gegenstand.
22:22Man nennt es das Orpheus-Amulett.
22:28Man sieht einen gekreuzigten Mann und über ihm einen Halbmond und sieben Sterne.
22:35Auf den ersten Blick sieht es nach einer frühchristlichen Reliquie mit einer Darstellung von Jesus am Kreuz aus.
22:43Doch nicht der Name Jesus ist eingraviert, sondern der der mythologischen Figur Orpheus.
22:49Die alten Griechen verbanden seinen Namen mit Dunkelheit, denn Orpheus soll in die Unterwelt hinabgestiegen sein.
23:01Es gibt sehr wenige Abbildungen des Amuletts und diese muss Gaskin nun aufspüren.
23:08Das Amulett tauchte erstmals in einer italienischen Privatsammlung auf und gelangte dann Anfang des 20. Jahrhunderts durch Schenkung nach Deutschland,
23:18ins Kaiser Friedrich-Museum.
23:22Auf der Suche nach weiteren Informationen ruft Gaskin in Berlin an.
23:28Laut einer Abbildung ist es in ihrem Museum.
23:32Es gibt eine Eintragung von 1922, als das Amulett katalogisiert wurde.
23:38Die nächste Erwähnung stammt von 1926.
23:42Da deklarierte man es als Fälschung.
23:46Dann verliert sich die Spur.
23:49Es gibt keinen Hinweis darauf, dass das Amulett aus der Sammlung entfernt wurde.
23:54Es verschwindet einfach.
23:59Die Nazis hatten Schatzjäger, die nach Gegenständen suchten, denen man übernatürliche Kräfte zuschrieb.
24:06Sollte das Amulett noch vor dem Krieg in Berlin gewesen sein, ist es gut möglich, dass die Nazis es an
24:13sich nahmen.
24:21Doch 1945 marschierte die Rote Armee in Berlin ein und viele Schätze fielen den Sowjets in die Hände.
24:29Gaskin rufte russische Museen an.
24:31Ich habe Einträge, Katalognummern, Fotos und Zeichnungen.
24:36Aber die wurden alle vor dem Krieg in Deutschland gemacht.
24:42Sie haben überhaupt keine Einträge?
24:45Gar nichts?
24:48Solange das Amulett verschwunden bleibt, ist nicht feststellbar, ob es sich dabei um eine Fälschung handelt oder nicht.
24:55Die alten Fotos zeigen jedoch genügend Details.
24:59Diese ermöglichen Gaskin, zumindest die Symbole zu untersuchen und ihre Bedeutung zu entschlüsseln.
25:06Er ruft den Autor Peter Gamby an.
25:10Er ist Experte für die Beziehung zwischen heidnischen Religionen wie dem Orphismus und abrahamitischen Glaubensrichtungen wie dem Christentum.
25:21Hallo Peter, hier ist Mark.
25:24Hallo Mark, wie geht's?
25:27Gut, ich versuche gerade alles über dieses Amulett zu erfahren.
25:31Ich würde gern wissen, was du davon hältst.
25:34Wenn man die Figur auf dem Amulett betrachtet, sieht sie aus wie der gekreuzigte Jesus.
25:40Aber darunter steht auf Griechisch, dass es sich um Orpheus handelt.
25:44Solche Abbildungen von Orpheus waren in der heidnischen Welt allgegenwärtig.
25:48Die Katakomben unter Rom zum Beispiel sollen den Christen als Beisetzungsstätte gedient haben.
25:53An den Wänden findet man jedoch sehr viele heidnische Motive, auch viele Abbildungen von Orpheus.
26:00Die Christen behaupten aber, es wären Bilder von Jesus.
26:10Orpheus wurde als Musiker verehrt.
26:12Viele Abbildungen zeigen ihn als Leiherspieler, umringt von Tieren.
26:19Kunsthistoriker glauben, dass man Orpheus auf diesen Bildern einfach zu Jesus, dem guten Hirten, erklärte,
26:26nachdem das Christentum zur römischen Staatsreligion erhoben wurde.
26:35Gaskin ist fasziniert von der möglichen Verbindung zwischen Orpheus und Jesus und möchte mehr erfahren.
26:45Er kontaktiert die bulgarische Schriftstellerin Ludmila Filipová.
26:50Sie hat ein Buch über das Amulett geschrieben und viele mit der Legende verknüpfte Orte erforscht.
27:02Es geht mir um das Orpheus-Amulett.
27:06In Bulgarien finden sich viele Spuren, zum Beispiel ein Tempel voller orphische Geheimnisse und auch eine sehr interessante Höhle, der
27:14sogenannte Teufelsschlund.
27:19Sie sollten wirklich nach Bulgarien kommen und die Höhle besichtigen.
27:24In der griechischen Mythologie steigt Orpheus hinab in die Unterwelt.
27:29Der Weg, den er gemäß der Legende dorthin nahm, befand sich damals im alten Griechenland.
27:35Heute gehört die Gegend zu Bulgarien.
27:40Gaskin landet in Sofia.
27:43Von dort aus reist er Richtung Süden, tief in die Rhodopen.
27:48Musik
27:54Filippová hat Gaskin empfohlen, den Eingang eines Höhlenkomplexes aufzusuchen.
28:02Von hier aus stieg Orpheus der Legende nach hinab in die Unterwelt.
28:08Musik
28:15Gaskin erreicht die Trigrad-Schlucht, die von Marmorfelsen gesäumt wird.
28:26Hier ist er mit Filippová verabredet.
28:31Wow, das geht ja ganz schön tief runter.
28:35Das ist der Teufelsschlund.
28:38Teufelsschlund, das lässt nichts Gutes erahnen.
28:41Stimmt, von hier aus soll Orpheus die Unterwelt betreten haben, um seine Geliebte zu retten.
28:50Eurydike.
28:50Genau.
28:53Orpheus, einer der Argonauten der griechischen Mythologie, war bekannt für seine wohlklingende Stimme.
29:00Dem Mythos zufolge stieg er hinunter in den Hades, um seine tote Frau zu retten.
29:06Dabei durchlief er einen Wandel.
29:16Orpheus war bereits als großartiger Sänger bekannt, doch dann ging er in die Unterwelt und kehrte als Prophet zurück.
29:25Er ging als Sänger hinunter und kam als Prophet herauf?
29:28Als Prophet mit neuen Überzeugungen und unglaublichem Wissen. Er lehrte diese neuen Gedanken seinem Volk.
29:37So entstand eine sehr frühe Religion. Überreste von Wandmalereien, die auf Orpheker verweisen, stammen aus dem 5. Jahrhundert vor Christus,
29:46der Zeit von Sokrates und Plato.
29:48Könnten wir den Schritten von Orpheus folgen und hinuntergehen?
29:51Versuchen wir es. Folgen Sie mir.
29:55Dieses unterirdische Labyrinth ist groß und gefährlich.
30:02Absperrungen sollen verhindern, dass sich jemand unerlaubt Zugang verschafft.
30:10Der Abstieg ist steil. Tunnel münden in Höhlen, von denen wiederum zahlreiche Tunnel abgehen.
30:19Ganz schön glatt. Vorsicht!
30:22Und es fließt eiskaltes Wasser hindurch.
30:27Der Legende nach trennte es das Reich der Lebenden von dem der Toten.
30:36Filippova hat den Geologen Dr. Javo Schopov als Führer mitgebracht.
30:41Er ist Experte für die Höhlen Bulgariens und soll die Geheimnisse lüften, die diese ungewöhnliche Höhle umgeben.
30:47Hallo, Herr Doktor.
30:48Hallo.
30:49Hallo. Schön, Sie kennenzulernen.
30:51Gleichfalls.
30:54Möchten Sie den Fluss sehen?
30:55Ja, gern.
30:56Schön.
31:00Seien Sie vorsichtig.
31:07Warum glauben die Menschen, das hier sei der Fluss, der durch die Unterwelt fließt?
31:12Von Alters her haben die Leute bemerkt, dass selbst große Dinge, wie etwa runtergefallene Baumstämme, hier zwar verschwanden, aber niemals
31:20auf der anderen Seite der Höhle wieder auftauchten.
31:23Sie fielen ins Wasser und kamen auf der anderen Seite nicht wieder raus?
31:26Ja, richtig.
31:29Dieser unterirdische Strom wird daher mit dem sagenhaften Fluss Dyx verglichen.
31:36Er bildet die Grenze zwischen unserer Welt und der Unterwelt, in der Hades regiert, der Gott der Toten.
31:49Auf dem Amulett steht jedoch nicht nur der Name Orpheus.
31:58Die Inschrift lautet Orpheus Bacchus.
32:04Und wieder gibt es einen regionalen Bezug.
32:11Filippova führt Gaskin höher in die Berge, zu den Ruinen einer alten Stadt.
32:24Perperikon war einmal eine prachtvolle Stadt aus Stein im südlichen Bulgarien, die durch drei Meter dicke Mauern befestigt war.
32:36In den Ruinen sind noch Altäre zu finden.
32:41Einst gehörten sie zu einem Tempel, der dem Gott des Weines und der sexuellen Ekstase geweiht war.
32:47Die Griechen nannten ihn Dionysus und die Römer Bacchus.
32:54Das ist der Hauptaltar des Dionysus.
32:59Möglicherweise hat man hier Wein hineingegossen, bestimmte Rituale durchgeführt und sich in Trance versetzt.
33:10Ein beeindruckender Ort. Was für Rituale mögen das gewesen sein?
33:18Das ist einer der heiligsten Tempel des dionysischen Kultes. Vermutlich fanden hier bachantische Orgien statt.
33:28Der Legende nach wurden hier die außergewöhnlichsten Orgien und Opferungen im Namen des Dionysus abgehalten.
33:38Orpheus war zunächst ein Anhänger von Dionysus, entsagte jedoch seinem Kult und erklärte Apollo, den Gott der Vernunft und des
33:46Verstandes, zum höchsten aller Götter.
33:51Als Ketzer verurteilt, starb er durch die Hände weiblicher Anhänger des Dionysus.
34:00Aber all diese Orgien, Rauschzustände und Menschenopfer scheinen nicht sehr viel mit dem Christentum zu tun zu haben.
34:12Orpheus war eine Art Reformierer. Er hat eine neue Religion, einen neuen Glauben eingeführt.
34:17Der wichtigste Aspekt war dabei, den Menschen zu zeigen, wie ihre Seele Unsterblichkeit erlangen konnte.
34:26Wir hören heutzutage nicht mehr viel über diese orphische Religion. Auch in historischen Quellen liest man selten darüber.
34:32Warum hat sie sich nicht bewährt und weitere Anhänger gefunden?
34:38Als das Christentum sich in Thrakien ausbreitete, waren die Jünger und Priester sehr darauf bedacht, ihren Glauben zu etablieren.
34:45Das war normal und sie begannen nach und nach, die Namen der Götter und Rituale hier zu ändern.
34:54Als das Christentum hier in diesem Landstrich aufkam, übernahm es also bestimmte Elemente der vorherigen heidnischen Religion und machte sie
35:02zu christlichen.
35:07Gaskin sieht in den Geschichten von Orpheus und Jesus eine gewisse Ähnlichkeit.
35:13Doch ein Detail passt nicht.
35:16Orpheus stieg in die Unterwelt hinab, während Christus in den Himmel aufstieg.
35:23Oder?
35:27Gaskin macht sich auf den Weg ins Tal zur Kirche von Karchali.
35:36Das orthodoxe Christentum folgt hierzulande den Grundsätzen des apostolischen Glaubensbekenntnisses.
35:43Es ist eine der ersten Bekenntnisformen des christlichen Glaubens.
35:50Darin wird ausführlich die Höllenfahrt Christi beschrieben.
35:54Dabei steigt Jesus, bevor er in den Himmel aufsteigt, zuerst in die Hölle hinab, um den Teufel zu besiegen und
36:01die Gerechten zu befreien.
36:12In der orthodoxen Kirche, wie in vielen christlichen Strömungen auf der Welt, versammeln sich jede Woche Menschen, um den Tod
36:19und die Auferstehung Christi zu feiern.
36:21Was überraschend dem ähnelt, was wir über Orpheus annehmen.
36:24Der Abstieg in die Unterwelt, die Rückkehr von dort mit Wissen und Erkenntnis, welche dann an die Anhänger des neuen
36:30Glaubens verkündet wurden.
36:40Das Orpheus-Amulett könnte mit all dem in Zusammenhang stehen.
36:48Diese geheimnisvolle Abbildung, die definitiv eine Kreuzigungsszene darstellt, und die Inschrift, die den bachischen Orpheus darauf identifiziert, verstärken diese Theorie
36:57noch.
37:03Einige glauben, das Orpheus-Amulett sei eine Fälschung. Sein wirkliches Alter wurde tatsächlich nie nachgeprüft.
37:11Seine Wurzeln scheinen aber in einer jahrhundertealten Tradition zu liegen.
37:16Der orphische Glauben geht auf das 6. Jahrhundert vor Christus zurück.
37:21Könnte dieser geheimnisvolle Kult den ersten Christen als Inspirationsquelle gedient haben?
37:30Ein antikes Artefakt kann ihm bei dieser Frage helfen.
37:44Gaskin reist nach Nordgriechenland und sucht die alte Stadt Thessaloniki im Gebiet des früheren Makedonien auf.
37:53Hier trifft er die Archäologin Dr. Despina Ignatidou.
38:01Sein Ziel ist eine Grabstätte, die einen einzigartigen Einblick in die Lehre des Orphismus gibt.
38:12Niemand würde hier etwas Besonderes vermuten.
38:17Neben einer belebten Autobahn ist mitten im Gesträuch eine Stahljalousie in den Boden gelassen.
38:34Dieser Betonbunker wurde hier gebaut, um ein 2500 Jahre altes Grab zu schützen.
38:41In diesem Grab liegt ein Anhänger von Orpheus.
38:48Dr. Ignatidou hat Aufzeichnungen dabei, die am Tag der Entdeckung des Grabes gemacht wurden.
38:54Sie wurden in einem Notizbuch festgehalten.
39:04Laut den Aufzeichnungen war das Grab voll mit Bronze, Silber und allerhand Gefäßen, Töpferwaren und Gold, sehr viele Dinge.
39:17Es müsste auch etwas über den Fund einer Schriftrolle drinstehen.
39:24Ja, sie fanden eine.
39:26Aber sie wurde außerhalb an der Deckplatte des Grabes gefunden, wo für gewöhnlich die wenigen Überreste der Feuerbestattung hinterlassen wurden.
39:35Sie wurde also verbrannt?
39:37Halb verbrannt. Man legte sie auf den Scheiterhaufen zu dem Verstorbenen.
39:42Eine Hälfte wurde dabei völlig zerstört, die andere war verkohlt, wurde aber konserviert.
39:52Ist es möglich, sie zu sehen?
39:54Natürlich, aber dafür müssen wir ins Museum.
39:59Die vielen Grabschätze belegen, dass dies hier die Ruhestätte von einem sehr wohlhabenden Menschen war.
40:06Für die Archäologen war jedoch das verkohlte Papyrusstück die wertvollste Entdeckung.
40:13Es ist die älteste in Europa erhaltene Handschrift.
40:18Hier ist es.
40:25Ein erstaunlicher Fund. Unglaublich, wie alt das ist.
40:28Ich finde es wahnsinnig aufregend, dass ich hier etwas vor mir habe, das fast 2500 Jahre alt ist.
40:35Es ist der älteste erhaltene Text, der in Europa je gefunden wurde.
40:39Das ist wirklich bewegend für jemanden, der sich in seinem Leben vor allem mit sowas beschäftigt.
40:46Das stark verbrannte Schriftstück ist mit bloßem Auge nicht lesbar.
40:51Ein Team von forensischen Archäologen hat mit Hilfe der sogenannten Multispektralbildverarbeitung jedoch sichtbar gemacht, was dort geschrieben steht.
41:02Nach über zwei Jahrtausenden hat Orpheus endlich eine Stimme.
41:08Das Schriftstück enthält ein religiöses Gedicht, das Orpheus selbst geschrieben haben soll.
41:17Gaskin übersetzt den antiken Text in der Hoffnung, dort eine Verbindung zwischen dem Orphismus und dem Christentum zu finden.
41:31Wenn man die verkohlten Reste kennt, ist es wirklich unfassbar, den Text auf den Fotos plötzlich so deutlich zu sehen.
41:37Es ist ein sehr interessantes Gedicht, das tatsächlich mit dem Orphismus zu tun hat.
41:42Es soll wirklich von Orpheus selbst stammen.
41:50Der halb verbrannte Text weist auf eine bemerkenswerte Ähnlichkeit zwischen Orphismus und Christentum hin.
41:59Auch die Orphisten glaubten, dass die Menschen Seelen haben und dass nach dem Tod über sie und ihre Taten gerichtet
42:05wird.
42:07Ähnlich dem christlichen Abendmahl, wo Brot und Wein den Leib und das Blut Christi symbolisieren, glaubten sie an die symbolische
42:15Wandlung von Wasser in Wein.
42:20Der grausame Tod des heidnischen Propheten Orpheus wurde als Opfer für die Sünden der Menschheit gewertet.
42:30Ebenso wie die Bibel die Lehren Christi ausführlich beschreibt, enthält die Schriftrolle die Worte Orpheus für seine Anhänger.
42:40Einige seiner Gedanken könnten von denen der ersten Christen übernommen worden sein.
42:49Die Orphisten haben die Christen nicht nachgeahmt. Die Frage ist, haben die Christen Orpheus' Lehren benutzt?
42:58Das frühe Christentum entwickelte sich im römisch besetzten Judäa.
43:03Während des ersten und zweiten Jahrhunderts war dieser Ort ein religiöser Schmelztiegel.
43:10Neben dem Judentum gab es viele griechisch-römische Kulte, religiöse Splittergruppen und Sekten sowie mystische Glaubensrichtungen.
43:21Der Einfluss dieser sogenannten heidnischen Glaubensrichtungen auf die Entwicklung des Christentums wird heute von vielen Historikern anerkannt.
43:39Das Orpheus' Amulett mag auf den ersten Blick unscheinbar sein.
43:43Es steht jedoch für einen wichtigen Wendepunkt, an dem das Christentum Rituale und Überzeugungen aus dem Heidentum übernommen zu haben
43:51scheint.
43:56Niemand konnte damals ahnen, dass das Christentum sich einmal zur weltgrößten Religion entwickeln wird.
44:07Die Annahme, ein Teil des Christentums könnte heidnischen Ursprungs sein, ist sehr provokant.
44:14Könnte dieses geheimnisvolle und rätselhafte Orpheus' Amulett mit der Abbildung des gekreuzigten Orpheus wirklich das Bindeglied zwischen Christentum und heidnischen
44:24Glaubensrichtungen sein?
44:25Diese Frage könnte weitreichende Konsequenzen haben.
44:29Vielleicht ist das sogar der Grund, warum das Orpheus' Amulett noch heute verschwunden ist.
44:55von Tanakh
44:57Von Tanakh
44:58Untertitelung des ZDF, 2020

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