- vor 17 Minuten
Abenteuer, Antike ,Mythologie
Kategorie
📺
TVTranskript
00:00Schon immer waren die Menschen von Gegenständen fasziniert, die verflucht sein sollen.
00:06Manche Schauergeschichten verbreiten noch heute Angst und Schrecken.
00:17So soll einem ganz besonderen Edelstein eine unheimliche Kraft inne wohnen, dessen Fluch niemand brechen kann.
00:32Es schien, als habe er einen eigenen Willen und wolle Heron Allen für den Rest seines Lebens verdammen.
00:39Ein mysteriöses Wesen versetzt die Bewohner New Jerseys in Angst und Schrecken.
00:47Es schien Hörner und Hufe zu haben.
00:51Sämtliche Hausbewohner kamen ums Leben.
00:54Oder der Fluch eines schottischen Abts, der ganze Generationen belegt haben soll.
01:03Alle sollten für die Taten ihres Vorfahren büßen.
01:08Schwarze Magie, Flüche. Der Abt stellte sich gegen alles, woran die Kirche glaubte.
01:15Die Kirche glaubte.
01:39London, 1972.
01:42Im Natural History Museum entdeckt ein Mitarbeiter im Archiv eine geheimnisvolle Schatulle.
01:49Vorsichtig hebt er den Deckel und erblickt weitere ineinander verschachtelte Kassetten.
01:57Die siebte enthält schließlich ein Schmuckstück.
02:05Ein wunderschöner, tiefvioletter Edelstein in einer silbernen Fassung.
02:11Auf den ersten Blick war der Stein nicht außergewöhnlich.
02:15Aber seine Fassung und die Art der Aufbewahrung waren bemerkenswert.
02:21In der Schatulle liegt ein Brief mit dem Namen des kostbaren Steins.
02:26Der violette Deli Saphir.
02:28Die Bezeichnung war irreführend.
02:33Denn die Mineralogen des Museums stellten fest, dass der Edelstein ein Amethyst war.
02:44Warum wurde er so aufbewahrt?
02:47Um ihn zu schützen?
02:50Oder um den Menschen vor dem Stein zu beschützen?
02:56Die Antwort findet sich in dem Brief seines letzten Eigentümers.
03:01Eindringlich warnt der vor dem Besitz des Juwels.
03:05Dieser Stein ist dreifach verflucht.
03:08Befleckt mit dem Blut und der Schande all jener, die ihn je besaßen.
03:12Wer die Schatulle öffnet, soll erst diese Warnung lesen und dann nach eigenem Ermessen mit dem Juwel verwahren.
03:19Und er zeichnet Edward Heron Allen.
03:25Edward Heron Allen war ein viktorianischer Universalgelehrter.
03:32Er war Anwalt, Musiker und Schriftsteller.
03:38Heron Allen war schon zu Lebzeiten eine berühmte Persönlichkeit.
03:43Heute gibt es eine nach ihm benannte Gesellschaft, die sich mit seinem Werk beschäftigt.
03:52Was bringt einen Gelehrten wie Edward Heron Allen dazu, an den Fluch des lilafarbenen Edelsteins zu glauben?
04:06Stimmte es, was in dem Brief stand?
04:09Woher hatte der Stein diese bösen Kräfte?
04:14Dem Begleitbrief zufolge wurde der Amethyst aus einem Tempel in Indien gestohlen.
04:23In Delhi und anderen Teilen des Landes wurden Edelsteine verwendet, um Tempel zu dekorieren.
04:30Ein Zeichen dafür, dass sie den Göttern gehörten.
04:36Edelsteinen wird einer besondere Kraft zugesprochen.
04:39Sie sind nicht nur kostbar und schön, ihr immaterieller Wert geht darüber hinaus.
04:45In seinem Brief beschreibt Heron Allen, wie der Amethyst aus einem Tempel gestohlen wird.
04:51Der Kavallerist Colonel Ferris soll ihn nach England gebracht haben.
04:58Es gibt viele Geschichten über gestohlene Reliquien, die mit einem Fluch belegt sind.
05:05Eine Art göttliche Vergeltung für begangenes Unrecht.
05:10Zurück in England bekommt Colonel Ferris gesundheitliche Probleme.
05:15Mehrere Fehlinvestitionen treiben seine Familie in den finanziellen Ruin.
05:20Als Ferris' Sohn den Amethyst erbt, wird auch der krank und verarmt.
05:30Flüche auszusprechen ist wie eine Art Warnung vor Dieben.
05:34Damit sagt man, du kommst nicht ungestraft davon.
05:37Es gibt diese höhere Macht, die dich beobachtet und für deine Tat büßen lässt.
05:46Doch das Unglück beschränkt sich nicht nur auf den Dieb und dessen Angehörigen.
05:51Nachdem Colonel Ferris' Sohn den Amethyst einem Freund schenkt, begeht dieser wenig später Suizid.
06:00In seinem Testament verfügt er, der Edelstein soll an Ferris' Sohn zurückgehen.
06:05So beginnt eine Reihe mysteriöser Ereignisse, die als Fluch des Violetten Saphirs von Delhi geschehen sein sollen.
06:18Warum glaubten die Menschen an den Fluch?
06:20Hatten sie Schuldgefühle, weil sie wussten, dass der Edelstein von einem heiligen Ort stammte?
06:27Ferris Jr. ist schwer vom Tod seines Freundes getroffen.
06:31Er will den Amethyst so schnell wie möglich loswerden und verkauft ihn 1890 an den Sammler Edward Heron Allen.
06:42Es wundert nicht, dass jemand mit so vielen Interessen von der Geschichte des Edelsteins fasziniert war.
06:49Und auch von den Tragödien, die dem Stein zugeschrieben wurden.
06:54Die meisten Menschen glauben erst dann an Flüche, wenn sie selbst betroffen sind.
07:04Der universalgelehrte Edward Heron Allen glaubt nicht an die Existenz von Flüchen und erkauft Ferris den Amethyst ab.
07:16Doch schon bald darauf, so behauptet Heron Allen, bekommt er die unheimliche Energie des Steins, am eigenen Leib zu spüren.
07:27In einem Brief schreibt er.
07:32Sobald er in meinem Besitz war, verfolgte mich das Unglück.
07:38Wie Colonel Ferris vor ihm, habe er gesundheitliche und finanzielle Schwierigkeiten bekommen.
07:49Seine Probleme schienen unmittelbar mit dem Amethyst zusammenzuhängen.
07:57Heron Allen hielt die Sünden des Vorbesitzers für den Auslöser des Fluchs.
08:06Um den Fluch zu brechen, brachte er den Stein zu einem Juwelier.
08:12Dort lässt er das Juwel in Silber fassen.
08:15Glaubte er, Silber wirke gegenüber natürliche Kräfte?
08:20Im okkulten Weltbild kann Silber das Böse abwehren.
08:25Der neue Besitzer geht noch einen Schritt weiter.
08:30Heron Allen versuchte, die Wirkung des Juwels mit religiösen und esoterischen Symbolen zu neutralisieren.
08:401902 glaubte Heron Allen, der Fluch des Edelsteins sei gebannt.
08:47In den folgenden Jahren bleibt er von weiterem Unglück verschont.
08:51Doch dann, so berichtet Heron Allen, habe er eine unheimliche Begegnung.
08:56Ihm erscheine der Geist eines Hindus, der nach dem gestohlenen Edelstein suche.
09:04Später schreibt er, der Mann habe in einer Ecke seiner Bibliothek gekauert und versucht mit den Händen den Boden aufzuwühlen.
09:12Was geht da vor sich? Ist dies etwa eine Folge des Fluchs?
09:16Der Wissenschaftler glaubt nicht daran.
09:22Als der Fluch gewandt schien, lieh er das Juwel einer Freundin.
09:27Kaum hatte sie ihn an sich genommen, hatte sie eine Pechsträne.
09:34In seinem Brief schreibt Heron Allen, ihr seien alle möglichen Katastrophen widerfahren. Welche verschweigt er?
09:45Er fragte sich, ob der Fluch zurückgekehrt war und jetzt jeden verfolgen würde, der den Stein berührte.
09:53Um den Amethyst loszuwerden, wirft Heron Allen ihn 1903 in den Regents Canal.
10:04Überraschenderweise wurde er drei Monate später gefunden und zu einem Juwelier gebracht.
10:10Diese erkannte das Schmuckstück und brachte es Heron Allen zurück.
10:17Was für ein Zufall. So kehrte der Stein zurück zu Heron Allen.
10:23Eine unglaubliche Geschichte. Heron Allen hatte den Edelstein weggeworfen.
10:28Trotzdem kam er zu ihm zurück.
10:31Als habe er einen eigenen Willen und wolle den Besitzer für den Rest seines Lebens verfluchen.
10:39Dann leidt Heron Allen den Amethyst einer befreundeten Sängerin.
10:47Der versagt bei ihrem nächsten Auftritt die Stimme.
10:55Laut Heron Allens Brief singt sie danach nie wieder.
11:04Aaron Allen wusste nicht, was er mit dem Juwel machen sollte.
11:08Nach der Geschichte mit dem Kanal behielt er ihn weitere 40 Jahre.
11:12Allerdings bewahrte er ihn nach der Geburt seiner Tochter nicht mehr zu Hause auf.
11:16Das erschien ihm zu gefährlich.
11:18Die einzige Lösung war, ihn wegzuschließen.
11:20Er verwahrte den Stein in einem Bankschließfach, das über seinen Tod hinaus versiegelt bleiben sollte.
11:29Ich spüre, dass er einen bösen Einfluss auf meine Tochter ausübt.
11:34Also lege ich den Stein in sieben Schatullen, die erst 33 Jahre nach meinem Tod geöffnet werden durften.
11:421904 wandert der Amethyst zusammen mit dem Brief Heron Allens in ein Schließfach.
11:48Rund 40 Jahre später, im Jahr 1943, stirbt Edward Heron Allen eines natürlichen Todes.
11:56In den Jahrzehnten, in denen der Amethyst weggeschlossen ist, bleiben er und seine Familie von weiteren Tragödien verschont.
12:06Der Stein sollte bis 1976 unter Verschluss bleiben, aber seine Tochter Aether hielt sich nicht dran.
12:15Keine zwölf Monate nach Heron Allens Tod nimmt sie den Amethyst aus dem Schließfach.
12:24Seine Tochter schenkte den Edelstein dem Natural History Museum, wo er in den Archiven verschwam.
12:32Die Jahrzehnte ziehen ins Land. Bis im Jahr 2000 die Heron Allens Society, das Natural History Museum, kontaktiert.
12:42Sie wollen den Amethyst für ihr jährliches Symposium ausleihen.
12:48Ab 2000 versuchte der Kurator John Whittaker vom Natural History Museum mehrmals den Stein zur Heron Allens Society zu bringen.
12:58Doch jedes Jahr kam etwas dazwischen. Einmal erkrankte er, ein anderes Mal geriet er in ein schweres Unwetter.
13:07Im dritten Jahr hatte er schlimme Krämpfe. Er litt an Nierensteinen. Ein Beweis dafür, dass der Fluch bis heute wirkt?
13:19Die Geschichte des Edelsteins ist der perfekte Stoff für einen Film oder einen Roman.
13:24Deshalb glauben manche, Heron Allens habe alles frei erfunden. Denn die einzige Informationsquelle ist sein Brief.
13:341921 erscheint das düstere Buch, der purpurne Saphir.
13:41Es erzählt die Geschichte eines verfluchten, violetten Edelsteins, der den Besitzern Unglück, Leid und Tod bringt.
13:50Autor ist ein gewisser Christopher Blair, zufällig das Pseudonym Edward Heron Allens.
14:02Die Frage ist, imitiert hier die Kunst das Leben oder das Leben die Kunst?
14:11Hatte er alles frei erfunden, um seinem Buch Glaubhaftigkeit zu verleihen?
14:16Um die Leute neugierig auf den Edelstein zu machen?
14:22Oder basierte das Buch auf wahren Unglücksfällen, aus dem Umfeld des Amethysten?
14:31Wir werden es nie erfahren, denn alles, was wir haben, ist sein Brief.
14:36Es gibt gute Gründe, in der Geschichte zu zweifeln.
14:40Aber es haben sich auch Leute an das Museum gewandt und berichtet, wie der Fluch ihre Vorfahren getroffen hat.
14:47Und Heron-Erons Familie will bis heute nichts mit dem Stein zu tun haben.
14:54Zumindest in den Köpfen vieler Menschen lebt der Fluch also fort.
15:00Heute kann der violette Deli Saphir im Natural History Museum in London bestaunt werden.
15:06Fluch oder pure Fantasterei?
15:10Die Wissenschaft ist überzeugt, dass an der Legende um den Edelstein nichts Wahres ist.
15:21Unsere nächste Geschichte ereignet sich im US-Bundesstaat New Jersey.
15:27Winter 1909.
15:29Eine seltsame Kreatur hinterlässt ihre Spuren.
15:32Es häufen sich Berichte über eine lange, zurückliegende Legende aus dem 18. Jahrhundert, dem Jersey Devil.
15:42Rätselhafte Hufspuren erscheinen auf Feldern, in Gärten und sogar auf Hausdächern.
15:48Sie können keiner bekannten Tierart zugeordnet werden.
15:52Die Spuren waren mysteriös.
15:55Sie fanden sich nicht nur am Straßenrand oder auf Feldern, sondern auch in Hinterhöfen, auf Dächern und an anderen merkwürdigen
16:03Orten.
16:04Die ersten Berichte kommen aus der Stadt Woodbury.
16:08Sie beschreiben Spuren, die aussehen, als stammten sie von einem kleinen, allerdings zweibeinigen Pferd.
16:15In den folgenden Tagen berichten immer mehr Zeitungen darüber.
16:19Auch aus dem Nachbarstaat Pennsylvania gibt es Meldungen.
16:29Doch schon bald bleibt es nicht allein bei den Hofspuren.
16:38E.P. Whedon, ein Stadtrat aus Trenton, erzählte Reportern, er sei von einer riesigen Kreatur geweckt worden.
16:47Sie habe vor seinem Schlafzimmerfenster mit den Flügeln geschlagen.
16:53Am nächsten Morgen habe er gespaltene Hufabdrücke im Schnee entdeckt.
16:58Die Zeitung Trenton Times berichtet über die seltsamen Vorfälle.
17:05Ein unbekanntes Tier, das Anwohner für einen einbeinigen Vogel halten, treibt sich in der Stadt herum.
17:15Angst macht sich breit. Für eine Woche ist ganz New Jersey im Ausnahmezustand.
17:21Einige machen sich auf die Suche, um die rätselhafte Kreatur zu finden.
17:26Andere verbarrikadieren sich zu Hause.
17:30Es war nicht das erste Mal, dass in der Gegend seltsame Wesen gesichtet wurden.
17:35Seit Jahrhunderten gab es Gerüchte über mythische Kreaturen.
17:38Gibt es vielleicht einen wahren Kern?
17:42Viele glauben, bei dem Wesen handele es sich um ein Kind, das sich durch einen Fluch in eine Bestie verwandelt
17:48habe.
17:49Bekannt ist die Kreatur heute als Jersey Devil.
17:58Vor dem 20. Jahrhundert wurde der Jersey Devil auch Leeds Devil oder Devil of Leeds genannt.
18:06Die Geschichte des Leeds Devil hatte ihren Ursprung in Leeds Point, wo der Nachname Leeds weit verbreitet war.
18:14Der Name könnte sich also auf den Ort oder eine Familie beziehen.
18:19In fast allen Versionen der Erzählung geht es um eine Frau, die aufgrund eines Fluchs ein monströses Kind zur Welt
18:28bringt.
18:29Die Details der Legende variieren.
18:35Eine Version der Geschichte spielt im Jahr 1778, zur Zeit der amerikanischen Revolution.
18:43Eine Amerikanerin soll sich in einen britischen Soldaten verliebt haben.
18:49Daher wurde sie von ihrer Gemeinde verflucht.
18:53Als sich die amerikanischen Kolonien von Großbritannien lossagen, werfen die Bewohner von Leeds Point der jungen Frau Verrat vor.
19:00Als sie von dem britischen Liebhaber schwanger wird, eskaliert die Situation.
19:05Sie wird verflucht und bringt dem Mythos nach einen Dämon zur Welt, den Leeds Devil.
19:13Wie so häufig in der Geschichte mussten Frauen oft als Sündenböcke herhalten.
19:20Die Frage ist, wird auch in diesem Fall eine Frau für das Unglück einer Stadt verantwortlich gemacht?
19:31Diese Variante der Geschichte ist eigentlich eine Metapher.
19:35Das Kind war für viele monströs, weil es aus der Verbindung einer Amerikanerin mit einem britischen Soldaten hervorging.
19:44Auch in einer anderen Version der Erzählung soll eine Frau das Böse in die Welt gebracht haben.
19:53Darin war eine Frau als Mother Leeds bekannt. Sie lebte mit ihren zwölf Kindern in bitterer Armut.
19:59Ihr Mann war ein Trinker.
20:051735 ist jene Mother Leeds zum 13. Mal schwanger. Sie ist verzweifelt.
20:15Dass das 13. Kind als Monster gesehen wird, entspricht numerologischen Vorstellungen.
20:23Die Zahl 13 gilt in vielen Kulturen als Unglückszahl.
20:31Es heißt, Mother Leeds streckt die Hände zum Himmel und schreit,
20:35möge dieses Kind der Teufel sein.
20:40Wird sie ihre Worte bald bereuen.
20:45Nach der Geburt wirkte das Kind zunächst menschlich.
20:52Um Mother Leeds standen der Ehemann, mehrere Hebammen und die zwölf Kinder, als Nummer 13 zur Welt kamen.
21:00Für einen kurzen Moment war alles ruhig.
21:07Doch dann soll sich das Neugeborene vor den Augen der Anwesenden verändert haben.
21:19Als sie das Kind ansah, verwandelte sich der Kopf in den eines Pferdes.
21:27Der Körper war mit Fell bedeckt und auf seinem Rücken wuchsen Fledermausartige Flügel.
21:35Dann bildete sich ein Schwanz.
21:38Es schien Hörner und Hofe zu haben.
21:42Einige sagen, die Ablehnung der Mutter für ihr 13. Kind sei der Grund für die Verwandlung gewesen.
21:49Andere glauben, die Götter haben Mother Leeds eine grausame Lektion erteilen wollen.
21:55Nach der Verwandlung soll das Wesen über seine Eltern und Geschwister hergefallen sein und sie allesamt getötet haben.
22:04Einige meinen, dass die Bestie anschließend in Richtung der Pine Barons flüchtet.
22:09Ein bewaldetes Gebiet an der Atlantikküste New Jerseys.
22:13Dort, im Schatten der dichten Kiefern, soll sich die Kreatur bis heute verstecken.
22:25Im Laufe der Zeit verbreitete sich diese kleine lokale Geschichte in der ganzen Region.
22:37Allmählich häuften sich die Meldungen über den Jersey Devil im ganzen Staat.
22:42Selbst wenn ein Huhn von einem Fuchs gerissen wurde, verdächtigte man nun den Jersey Devil.
22:47Die Presse sorgte für eine Art Massenhysterie.
22:52Ereignisse mit natürlichen Ursachen wurden nun dem Jersey Devil zugeschrieben.
23:02Im Laufe der Zeit wird die Legende vom Jersey Devil zum festen Bestandteil der lokalen Überlieferung.
23:10Im 18. und 19. Jahrhundert gab es vereinzelt Berichte über den Jersey Devil.
23:18Die Leute sahen huschende Schatten, hörten grässliche Schreie.
23:25Eine Sichtung galt als schlechtes Omen.
23:27Es hieß, der Jersey Devil würde das Vieh reißen.
23:33Die Leute machten ihn aber auch für schlechte Ernten, Kriege oder andere schreckliche Ereignisse verantwortlich.
23:44Die Legende des Jersey Devils ist eng mit der Region verknüpft.
23:50Einer der Orte, die mit dem Jersey Devil in Verbindung gebracht wurden, sind die Pine Barrens.
23:58Die Pine Barrens im Südosten New Jersey sind ein schwer zugängliches, von Sümpfen umgebenes Gebiet.
24:07Früher versteckten sich in dieser Gegend entlaufene Sklaven.
24:12Auch für Kriminelle war sie ein Zufluchtsort.
24:14Wer nicht von hier stande, sah auf diese Menschen herab.
24:21Sie waren Verstoßene.
24:26Einige Bewohner der Pine Barrens nutzen ihren zwielichtigen Ruf.
24:30Sie erfinden Schauermärchen und Gerüchte, halten Fremde auf Abstand.
24:39In den Pine Barrens versteckten sich Gesetzlose und Kriminelle.
24:43Vielleicht wollten sie mit der Legende vom Jersey Devil die Polizei und andere Menschen fernhalten.
24:49Die Pine Barrens waren ihr Revier.
24:55Es gibt die Theorie, dass die ausgegrenzten Bewohner der Pine Barrens das Fabelwesen aus Selbstschutz erfanden.
25:06Damit drohten sie der Gesellschaft, kommt nicht hierher.
25:14Ich bin in New Jersey aufgewachsen.
25:17Als Kinder drohte man uns mit dem Jersey Devil, damit wir uns nicht zu weit in die Wildnis wagten.
25:22Wenn man Angst hatte, schaute man sich um und vermutete bald überall Gefahren.
25:30Dann, 1909, greift eine regelrechte Jersey Devil Panik um sich.
25:36Innerhalb einer Woche erscheinen mehr als 1000 Berichte über mögliche Sichtungen der Kreatur.
25:48Es kam zu einer Art Hysterie in den Pine Barrens, wo der Jersey Devil besonders oft auftauchte.
25:57Immer mehr Leute fanden Hufabdrücke, zertrampeltes Getreide oder glaubten sogar, den Jersey Devil selbst gesehen zu haben.
26:05Davon erzählten sie dann ihren Nachbarn oder der Presse.
26:09An den Häusern endet die Spur abrupt, als hätte das Wesen sich in Luft aufgelöst.
26:20Die ganze Woche lang gab es Berichte über gerissenes Vieh.
26:24Die Schulen blieben geschlossen, alle hatten Angst, ihr Haus zu verlassen.
26:30Dann befasst sich die Wissenschaft mit dem Phänomen.
26:33Ein Experten-Team des Smithsonian-Institutes hält den Jersey Devil für ein prähistorisches Wesen aus der Blüterzeit der Dinosaurier.
26:44Hat es womöglich in den nahegelegenen Kalksteinhöhlen überlebt?
26:52Wissenschaftler aus New York glauben gar, es handele sich um ein fleischfressendes Tier.
27:00Forschende der Akademie der Naturwissenschaften in Philadelphia kommen zu dem Schluss,
27:05die Beschreibung des Jersey Devils passe zu keiner lebenden oder ausgestorbenen Spezies.
27:12Der Jersey oder Leeds Devil ist ein sogenannter Kryptid, also ein Wesen, für dessen Existenz es nur schwache Beweise gibt.
27:19Oft werden sie mit bestimmten Orten in Verbindung gebracht, wie das Ungeheuer von Loch Ness.
27:28Wie bei anderen Kryptiden sind einige Merkmale des Jersey Devil biologisch plausibel und passen zu einem echten Tier.
27:36Dazu kommen dann übernatürliche Aspekte. So soll er schlechtes Wetter verursachen oder Ernten verderben.
27:45Skeptiker führen das Jersey Devil Phänomen auf die Verachtung der Städter gegenüber der Landbevölkerung zurück.
27:51Möglich sind Verwechslungen mit anderen Tieren. Doch welches Wesen haben die Menschen beobachtet?
28:07Der wahrscheinlichste Kandidat ist der früher in New Jersey heimische Kanada-Kranich.
28:14Ein großer, schlanker Vogel mit einer Flügelspannweite von zwei Metern.
28:21Er hat zwei kräftige Beine, kann aber auch fliegen, was die Spuren in Feldern und auf Hausdächern erklären würde.
28:34Die Kranich-Theorie ist durchaus plausibel. Wenn man diesem Vogel im Dunkeln begegnet, könnte man ihn tatsächlich für ein Fabelwesen
28:43halten.
28:48Soziologen führen die Jersey Devil-Hysterie im Januar 1909 auf ein kollektives psychologisches Phänomen zurück.
29:01Handelte es sich um eine Art Massenhysterie?
29:06Glaubten die Menschen wirklich, dass der Jersey Devil existierte und in der Gegend sein Unwesen trieb?
29:19Als soziale Wesen sind wir emotional miteinander verbunden. Wenn Mitglieder einer Gruppe in Panik geraten, stecken sie andere damit an
29:27und die Angst breitet sich immer weiter aus.
29:33Bis heute gibt es Menschen, die auf der Suche nach dem Jersey Devil nachts durch die Wälder der Pine Barrens
29:38streifen.
29:42Doch das, was wie der Schrei einer mystischen Kreatur klingt, ist wohl nur das Heulen des Windes.
29:55Ob tief in unserer Psyche oder tief in den Wäldern, in New Jersey lauert der Teufel. Und so wird es
30:03immer bleiben.
30:13Schauplatz der nächsten Legende ist der Ort Stirling in Schottland.
30:17Mitte des 16. Jahrhunderts schickt der einflussreiche Adlige Earl of Mar, Lord Erskine, Soldaten und Steinmetze zu der Abtei Cambus
30:25Kenneth.
30:26Sie sollen die baufällige Anlage bis auf die Grundmauern abtragen.
30:32Cambus Kenneth Abbey ist eine von vielen Klosterruinen, die die britische Landschaft prägen.
30:41Im 12. Jahrhundert war das Kloster ein Zentrum des Augustiner Ordens, eines Bettelordens, der den Regeln des heiligen Augustinus folgte.
30:51Als der Abt von den Plänen erfährt, ist er zutiefst verärgert.
30:56Schon während der schottischen Reformation wird das Bauwerk schwer beschädigt.
31:00Nun sind er und die verbliebenen Mönche obdachlos.
31:06Lord Erskine nutzte die Steine des Klosters für den Bau eines neuen Herrenhauses.
31:12Doch für den Raub der Steine soll der Erskine-Clan einen hohen Preis zahlen.
31:17Einer Legende nach wird das Herrenhaus Mars Walk mit einem Fluch belegt, der die Familie über Generationen hinweg verfolgt.
31:27Den Erskins wird ein kometenhafter Aufstieg vorhergesagt, auf den der Untergang folgen werde.
31:34Mit jedem Stein, den Lord Erskine von der Abtei abtragen lässt, besiegelt er das Schicksal seiner Nachfahren.
31:44Von wem ging dieser Fluch aus? Was genau sagte er voraus? Und wird die Familie ihn je wieder loswerden?
31:56Bei der schottischen Reformation Mitte des 16. Jahrhunderts werden Kirchen und Klöster im ganzen Land zerstört.
32:03Auch die Abtei Cambus Kenneth erleidet schwere Schäden.
32:09Während der schottischen Reformation wurde die Macht der römisch-katholischen Kirche gebrochen.
32:15An ihrer Stelle trat der Protestantismus mit kalvinistischer Ausprägung.
32:21Der Papst, Abte und Bischöfe verloren ihre Autorität.
32:28Und all die wohlhabenden, prachtvollen Klöster sollten dem Erdboden gleichgemacht werden.
32:37Für die Mönche in den Klöstern und Abteien ist die Reformation eine Zeit des Schreckens.
32:47Cambus Kenneth Abbey war auch als Stirling Abbey bekannt, da sie in Sichtweite von Stirling Castle lag.
32:57Über den Abriss gibt es verschiedene Versionen. Eine besagt, das Kloster sollte im Zuge der Reformation abgebrochen werden.
33:06Eine andere Version besagt, das Kloster wäre verschont geblieben, hätte John Erskine nicht den Abriss angeordnet, um an Baumaterial für
33:14sein Herrenhaus zu kommen.
33:22Erskine war der Regent von Schottland. Sein neues Anwesen sollte dieser Position gerecht werden. Es sollte sich mit Stirling Castle
33:30messen können.
33:32Als John Erskine sein neu erworbenes Land begutachtete, fiel ihm die Klosterruine auf.
33:39Es erschien ihm sinnvoll, die Steine der alten Abtei für den Bau des neuen Anwesens zu verwenden.
33:50Dass sich die Erskines das Kloster aneigneten, war für die Katholiken ein Sakrileg.
33:58Der Abt von Cambus Kenneth ist fassungslos. Wütend reist er zum Familiensitz der Erskines, wo er den Earl of Marr
34:07zur Rede stellt.
34:14Eines Nachts tauchte Patrick, der letzte Abt der zerstörten Abtei, bei Lord Erskine auf und hämmerte an die Tür.
34:24Der Abt verkündete, welches Schicksal ihn und seine Familie erwarten würde.
34:30Seine obskuren Warnungen sind bekannt als Doom of Marr, Untergang von Marr.
34:38Eure Tat soll die Menschen lehren, dass dem, der sich grausam und hochmütig über die heiligen Ruinen erhebt, kein Erfolg
34:50vergönnt ist.
34:54Es heißt, der Abt verflucht den Erskine-Clan mit mehreren unheilvollen Prophezeiungen.
35:04Er verfluchte nicht nur Lord Erskine, sondern auch dessen Kinder und Enkelkinder.
35:12Generationen von Nachfahren sollten für Erskines Verbrechen büßen.
35:20Er sagte der Familie einen steilen Aufstieg voraus, gefolgt von einem tiefen Fall.
35:26Das Herrenhaus würde nie fertiggestellt werden.
35:30Ihr ganzer Besitz sollte in die Hände Fremder fallen.
35:35Ein Nachfahre werde erleben, wie der Familiensitz mit seiner Frau darin in Flammen aufgehe.
35:41Drei seiner Kinder sollten nie das Tageslicht sehen.
35:44Die große Halle würde zum Pferdestall und das Audienzzimmer zur Webstube.
35:52Der Fluch werde erst gebrochen, wenn nach all dem eine Esche auf dem Familiensitz wachse.
36:02Der Earl of Mar verwahrt sich der Legende nach gegen die Drohungen.
36:06Er verweist ihn ab des Hauses und ignoriert die düsteren Prophezeiungen.
36:15Für ihn sind sie nichts als Wichtigtuerei des verbitterten Klerikers. Sollte er recht behalten?
36:25Es gab keine Katastrophen in John Erskins Leben. Der Fluch schien wirkungslos.
36:32Der Earl of Mar steigt sogar zu einem der mächtigsten Männer Schottlands auf.
36:39König Jakob war noch ein Kind, als er den Thron bestieg.
36:43Er brauchte einen Regenten, jemanden, der die Verantwortung übernahm, bis er alt genug war.
36:48Diese Aufgabe übernahm der Earl of Mar. Und der herrschte dann de facto über Schottland.
36:55Ist die steile Karriere des Lords bereits Teil des Fluchs?
36:59Ihr, Herr von Mar, sollt immer mächtiger werden, bis ihr an der Stelle des Königs sitzt.
37:07Ihr sollt herrschen und zerstören. Doch euer Haus sei verflucht und soll nie vollendet werden.
37:14Und tatsächlich, als der Earl of Mar 1572 stirbt, ist sein Herrenhaus Mars Warg nicht fertiggestellt.
37:25Aber Generationenflüche sind Verwünschungen, die in der Familie weitergegeben werden.
37:34Ihr sollt zu Reichtum und Ruhm gelangen, eurem Herrscher treu sein und sein Banner auf dem Schlachtfeld erheben.
37:45Jahrhundertelang genießen die Erskins Macht und Ansehen.
37:48Dann wendet sich das Blatt, als die im Exil lebende Stuart-Familie Anfang des 18. Jahrhunderts Anspruch auf den britischen
37:56Thron erhebt.
38:031715 schloss sich der 6. Earl of Mar, James Stuart, an und wurde Anführer des 1. Jakobitenaufstands.
38:11Doch die Rebellion scheiterte.
38:15Der Fluch des Abts geht weiter.
38:19Euer Untergang kommt, wenn ihr ganz oben seid, auf dem Höhepunkt eurer Macht.
38:25Euer Land wird Fremden übergeben und euer Clan wird in der Bedeutungslosigkeit versinken.
38:34Wegen seiner Verbindung zu den Aufständischen verlor der Earl of Mar sämtliche Titel und seinen Adelsstand.
38:42Ein schwerer Schlag für die Familie.
38:45Dieser Fluch war eine schreckliche Strafe.
38:48Schlimmer als direkt die ganze Linie auszulöschen.
38:51Denn nun mussten alle für die Sünden ihres Vorfahren büßen.
38:55Gemäß der christlichen Überzeugung, die Schuld der Väter rächt sich an den Söhnen.
39:03Einige glauben, man könne einen Generationenfluch nur mit spiritueller Hilfe und Gebeten brechen.
39:08Hier wurden die Gebete offenbar nicht erhört.
39:161801 erfüllt sich eine weitere Prophezeiung, mehr als 200 Jahre nachdem der Abt die Erskins verflucht hatte.
39:24Die Frau des siebten Earl of Mar stirbt bei einem Feuer auf dem Familienanwesen.
39:33Der Zweig, der von euch entspringt, soll sein Haus bei einem Feuer verlieren, dem auch seine Frau zum Opfer fällt.
39:41Drei seiner Kinder sollen nie das Tageslicht sehen.
39:49Mit dem siebten Earl of Mar schien sich der Fluch endgültig zu erfüllen.
39:55Er hatte drei blinde Töchter, die niemals das Tageslicht sehen würden.
40:00Seinen Söhnen gelang es nicht, den guten Ruf der Familie wiederherzustellen, und sie verschuldeten sich.
40:09Fast alle Prophezeiungen des Abtes erfüllen sich. Auch die letzte Weissagung tritt ein.
40:20Der Fluch sagte vorher, das Anwesen werde sich in einen Stall verwandeln.
40:26Wir wissen, dass Kavallerieoffiziere zeitweise in einem Trakt ihre Pferde unterstellten.
40:33Der Familiensitz verkam zum Pferdestall und ein obdachloser Weber fand in der Ruine Unterschlupf.
40:40Es hieß, der Fluch würde enden, wenn eine Esche auf der Ruine sprießt. Acht Generationen später ist genau das passiert.
40:54Im Laufe der Jahrhunderte zieht es immer wieder Neugierige zum sagenumwobenen Familiensitz, die nach einem Eschensprössling Ausschau halten.
41:04Um 1815 ist es soweit. Auf der Ruine des alten Turms sprießt zartes Grün.
41:11Endlich haben sich alle Vorhersagen des Abtes erfüllt.
41:20Es dauerte mehr als 200 Jahre, bis alle Prophezeiungen des Fluchs erfüllt waren.
41:31Einige halten den Fluch für frei erfunden.
41:34Vielleicht von Gegnern der katholischen Kirche, die den Abt und seinen Orden in ein schlechtes Licht rücken wollen.
41:40Vielleicht macht diese Legende aber auch das tragische Schicksal der Erskins für viele erklärbar.
41:51Für andere wiederum hat die Geschichte einen wahren Kern.
41:55Denn in den Ruinen von Mars Walk wurden Steine aus der Abtei Cambus Kenneth gefunden.
42:07Die Geschichte hatte propagandistischen Nutzen. Schaut nur, was die Kirche und ihre Vertreter machen.
42:13Sie verfluchen die Leute und praktizieren Hexerei.
42:20Wir werden nie erfahren, ob die Erskins wirklich verflucht waren. Auf jeden Fall brachte ihnen der Bau des Herrenhauses kein
42:28Glück.
42:30Die Familiengeschichte der Erskins weist erstaunliche Parallelen zu den Prophezeiungen des Abtes auf.
42:37Zufall? Oder ein Beweis für die Wirkmacht eines Fluchs?
42:41Sicher ist, im Stammbaum jeder Familie finden sich Erfolgsgeschichten und Schicksalsschläge.
42:48Und oft ist Aberglaube die Erklärung für das Unbegreifliche.
42:57Ob ich an den Fluch glaube? Für mich haben Orte und Geschichten durchaus eine gewisse Macht. Also, wer weiß.
43:17Untertitelung des ZDF für funk, 2017
Kommentare