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00:28Untertitelung des ZDF, 2020
00:58Untertitelung des ZDF, 2020
01:29Untertitelung des ZDF, 2020
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04:26Untertitelung des ZDF, 2020
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05:27Untertitelung des ZDF, 2020
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07:02Untertitelung des ZDF, 2020
07:06Untertitelung des ZDF, 2020
07:25Dieser Geruch, ist dir schon mal aufgefallen?
07:26Es riecht in allen Heimen gleich, so nach miefigen Socken und Pubertät.
07:33Hallo?
07:34Hallo.
07:35Wenn Sie zur Heimleitung wollen, Frau Giesbert müsste so in 10 Minuten zurück sein.
07:38Möglicherweise können Sie uns auch weiterhelfen.
07:40Mein Name ist Lars Englen, Kripo Lübeck.
07:42Finn Kiesewetter, mein Kollege.
07:44Oh, Polizei, gibt's Probleme?
07:45Ja, wir hoffen nicht.
07:46Wir haben nur ein paar Fragen, Herr...
07:48Ah, verzeihen, Thorsten Petersen, ich bin hier der Therapeut.
07:51Um was geht's denn?
07:52Frau Wittling, kennen Sie eine Frau Wittling?
07:55Wittling, Wittling, äh, ich bin hier noch nicht so lange tätig.
07:58Das ist so eine ältere Dame, die unterstützt ihr Heim, die organisiert hier Basare und Flohmärkte.
08:03Ah, stimmt natürlich, die habe ich tatsächlich erst vor kurzem kennengelernt.
08:06Vor kurzem, das heißt, wann?
08:07Vor zwei, nein, vor drei Tagen.
08:09Ich war mit ein paar Jungs aus meiner Gruppe was einkaufen und da haben wir sie zufällig auf der Straße
08:13getroffen.
08:13Haben Sie mit ihr gesprochen?
08:14Kurz.
08:15Die Jungs erzählten mir danach, dass sie schon mal stundenlang mit ihr Mensch ärgere dich nicht spielen mussten.
08:19Das war eigentlich so ihr Ding.
08:20Können wir die Jungs vielleicht mal sprechen?
08:23Ja, klar.
08:24Was, was ist denn mit der Dame?
08:25Sie wurde Opfer eines Gewaltverbrechens.
08:27Was?
08:27Frau Wittling ist tot.
08:29Und ihre Wohnung wurde ausgeraubt.
08:32Aber Sie glauben doch nicht, dass das einer von meinen Jungs...
08:35Wir wollen nur mit Ihnen reden.
08:37Ja, sicher.
08:38Ich bring sie zu Ihnen.
08:42Kommen Sie.
08:44Florie?
08:49Hi.
08:49Ist Markus auch da?
08:51Wir müssten mal mit euch sprechen.
08:55Leon, Sie, die kommen wir auch gleich.
08:56Können wir reinkommen, Florie?
08:57Geht nicht, wir lernen.
08:59Die Herren sind von der Polizei.
09:01Ach nee.
09:03Busi, die Bullen.
09:04Busi?
09:05Kein Busen.
09:06Bus.
09:06Die Schnaps.
09:07Das ist Markus Spitzner.
09:09Damit dürfen Sie raten.
09:10Warum?
09:10Kommen Sie.
09:16Wir untersuchen hier eine Raubüberfall, Jungs.
09:19Frau Wittling, das Opfer ist tot.
09:20Na ja, die Alten interessiert mich doch nicht.
09:22Was ist denn das für ein Scheiß?
09:23Frau Wittling, Schmuck wurde geklaut.
09:25Guck doch! Hier ist kein Schmuck.
09:27Ich weiß nicht.
09:33Oh.
09:33Ich hab' nicht gesagt, ich hab' keine Ahnung.
09:40Ich hab' nicht gesagt, ich hab' keine Ahnung.
09:41Na ja, auch nicht.
09:41Ich hab' nicht gesagt, ich hab' keine Ahnung.
09:45Aber er hat aber Kontakt, oder nicht.
09:50Hallo, Lens.
09:50Leon, Kripo-Lübe, können wir kurz mit dir sprechen?
09:53Na, ich muss los.
09:54Hey, hey, hey, hey, hey, warte mal.
09:56Hast du noch was unter der Jacke?
09:57Was?
09:58Ja, komm, zeig mal her.
09:59Ja, komm, lass los.
10:11Woher hast du den Schmuck, Leon?
10:13Hört ihr Frau Wittling?
10:15Wem?
10:17Kenn ich nicht.
10:17Kennst du nicht?
10:18Du hast mal einen ganzen Nachmittag mit ihr verbracht
10:20und vor drei Tagen hast du sie wieder getroffen mit deinen Kumpels.
10:24Keine Ahnung, ich bin doch direkt weg, als sie kam.
10:26Ach, richtig, klar.
10:27Weil du die Alte so ätzend fandest, nicht wahr?
10:29Hast du zumindest zu Flori und Busi gesagt?
10:32Ich war das nicht.
10:34Was warst du nicht?
10:38Weiß nicht.
10:39Nichts.
10:41Frau Wittling ist überfallen worden, meinst du das?
10:44Ich hab der Alten nichts getan, echt nicht.
10:46Wo hast du den Schmuck her?
10:47Wem gehört der?
10:49Hab ich gefunden, hinten im Müllcontainer.
10:51Im Müllcontainer?
10:52Wieso wühlst du im Müllcontainer?
10:54Weil da manchmal Pfandflaschen drin sind.
10:56Die sammle ich an, dann bring ich die weg.
10:57Oh, Pfandflaschen.
10:59Okay, also nochmal von vorne.
11:01Wo warst du gestern zwischen drei Uhr nachmittags und neun Uhr abends?
11:07Was weiß ich, Mann, auf meinem Zimmer.
11:08Nein, da warst du nicht.
11:10Du warst nicht im Heim.
11:12Wo warst du, Leon?
11:14Dann bin ich irgendwo rumgelaufen.
11:15Beim Bahndamm da an der Trave.
11:20Was?
11:21Das mach ich auf.
11:22Ich bin gern allein.
11:23Die Jungs dürfen raus, wann immer sie wollen.
11:25Nein, natürlich nicht.
11:26Nach 18 Uhr müssen sie zurück im Heim sein.
11:28Sofern keine anderen Absprachen getroffen wurden.
11:31Und Leon war gestern ab 18 Uhr da?
11:32Ja, natürlich, sonst wäre das aufgefallen.
11:34Die Jungs haben zwischen 15 und 18 Uhr drei Stunden zur freien Verfügung.
11:38Da können sie das Heim natürlich auch verlassen, wenn sie wollen.
11:40Könnte aber trotzdem mit der Tatzeit übereinkommen.
11:41Ich bin mir ganz sicher, dass gerade Leon niemals gewalttätig würde.
11:45Er ist schon mal wegen schwerer Körperverletzung angezeigt worden.
11:47In einem völlig anderen Zusammenhang.
11:49Er hat sich gegen rivalisierende Gangmitglieder gewährt.
11:51Einer davon hatte sogar ein Messer.
11:53Ein besagtes Gangmitglied musste für drei Wochen ins Krankenhaus,
11:55nachdem Leon sich verteidigt hatte.
11:57Ja, weil der Typ eine Treppe runtergestützt ist.
11:59Das war ein Unfall.
12:00Hast du bei einem einsamen Spaziergang an der Trave vielleicht jemanden getroffen,
12:03der dich gesehen hat?
12:05Nein.
12:06Hab mir fast gedacht.
12:09Leon, warum willst du uns nicht die Wahrheit erzählen?
12:11Du bist zu Frau Wittling gegangen, weil du genau wusstest,
12:14wie viel Schmuck sie immer trug.
12:15Nein, will ich nicht.
12:16Und weil du sie nicht ausstehen konntest.
12:18Total ätzend fandest du die.
12:19Warum mir also nicht einen kleinen Schrecken anjagen
12:21und sich um ein paar Klunker erleichtern?
12:23Das hab ich nicht. Ich mach sowas nicht.
12:24Das musste sich die alte Vettel auch mit so viel Schmuck behängen.
12:27War ja praktisch eine Aufworderung.
12:28Sag ich's gar nicht mehr. Lauf, nur Scheiße.
12:30Kompletze Scheiße. Ich glaub mir ja sowieso nichts.
12:33Leon, setz dich wieder hin.
12:34Nein.
12:35Ja.
12:36Setz dich wieder.
12:37Ja.
12:43Wir machen jetzt mal ne kleine Pause.
12:49Komm.
12:53Drehen Sie so lange an ein Café.
12:55Automatisch hinten im Flur.
12:58Warum haben Sie abgebrochene Käsewetter?
13:00Sie hatten ihn schon so weit.
13:00Der Junge brauchte eine Auszeit.
13:02Keine Sorge, Frau Zogel.
13:04In einer halben Stunde sagt uns der Junge alles, was wir wissen wollen.
13:06Wenn die Tochter bestätigt, dass der Schmuck der Mutter gehört,
13:08ist er doch sowieso dran.
13:09Natürlich. Sie haben ja recht.
13:10Wissen Sie, ich erwarte den Anruf von Frau Weiß jede Minute.
13:13Ich habe ihr die Fotos von dem gestohlenen Schmuck auf ihr Handy geschickt.
13:17Was ist, wenn er die Wahrheit sagt?
13:18Was? Dass er den Schmuck gefunden hat?
13:20Du Komiker.
13:21Was glaubst du, in wie viel übiger Müllcontainer ein Goldschmuck rumliegt?
13:23Ist ja gut, ihr habt recht.
13:25Es ist schwer vorstellbar, dass er ihn einfach nur gefunden hat.
13:27Aber nicht ausgeschlossen.
13:28Wir machen jetzt erst mal weiter. Komm.
13:29Ganz ruhig. Wir holen die Jungen erst mal einen Kaffee.
13:31Ich komme gleich nach.
13:33Rufen Sie mir mal Leons Akte auf. Ich muss was nachschauen.
13:37Machen Sie mir auch eine Tasse, Frau Zogel?
13:41Ich meine, ich kann mir den natürlich auch selbst...
13:50Frau Dr. Zogel kommt gleich.
13:53Der Junge ist doch noch ein halbes Kind.
13:56Mit elf verliert er seine Mutter.
13:58Und mit zwölf war er schon in einer Gang.
14:00Da hatte der doch gar keine Chance.
14:02Ja, das stimmt ja alles.
14:03Aber das gibt nur lange nicht das Recht, alte Frauen zu überfallen.
14:06Ja.
14:08Hey.
14:09Moment mal.
14:11Jetzt weiß ich, warum du ihn so verteidigst.
14:13Ja, wieso?
14:14Du warst doch auch früh voll, weiß ich nicht, war?
14:16Ins Heim gekommen und so weiter.
14:17Ach, du meinst, dass er mich an meine eigene Geschichte erinnert?
14:22Wenigstens bist du nicht kriminell geworden.
14:23Na ja, sagen wir mal so, ich bin früher weniger beim Klauen erwischt worden.
14:27Aber im Grunde hast du recht.
14:29Du, wenn sich meine Tanten nicht so um mich gekümmert hätten, wer weiß, wo ich gelandet wäre.
14:32Ich habe da so eine Vermutung.
14:34Wahrscheinlich würdest du Maßanzüge tragen und Lackschuhe.
14:36Und die Lübecker Unterwelt müsste dir den Siegelring küssen.
14:40Idiot.
14:41Idiot?
14:41Du, jetzt bin ich ein Idiot.
14:42Warum bist du so in das Berg?
14:44Ich bin gleich da.
14:49Ja, ich weiß, dass ich die Fotos hier irgendwo habe.
14:53Alles gut.
14:54Lassen Sie sich Zeit.
15:03Ja, ich bin noch verletzt.
15:26Hier.
15:27Doch wenn ich keine Ahnung habe, was Sie damit wollen.
15:30Danke.
15:30Ja, Sie könnten mir leider nicht sagen, ob der Schmuck aus dem Besitz Ihrer Mutter stammt.
15:33Ich dachte, vielleicht finde ich dann was auf einem Foto.
15:37Bitte.
15:41Ich kenne unsere Familienwählen auch noch richtig gut.
15:44Ich habe es als Kind so sehr geliebt, mich zu verkleiden und Prinzessin zu spielen.
15:47Meine Mutter hätte mich umgebracht, wenn ich ihren Schmuck auch nur angefasst hätte.
15:51Naja, es war mir halt irgendwann egal.
15:53Ich habe nicht mehr darauf geachtet, was sie sich alles umgehängt hat.
15:55Da war Ihre Mutter sehr streng.
15:56Streng?
15:58Jetzt trifft es nicht wirklich.
16:00Sie war einfach nicht besonders an mir interessiert.
16:04Sie hatte lieber einen Sohn gehabt.
16:05Warum hat sie dann nicht versucht, einen zu bekommen?
16:07Naja, sie war ja schon ziemlich alt, als ich kam.
16:09Schon über 30.
16:10Und irgendwann war das Kapitel Liebe und Kinder wohl abgeschlossen.
16:15Sie lebte überhaupt sehr zurückgezogen.
16:17Hatte sie denn gar keine Freundinnen, denen sie keinen anderen Kaffee getrunken hat?
16:21Null.
16:21Noch nicht mal welche aus der Kirche.
16:23Obwohl sie da mindestens fünfmal die Woche hingegangen ist.
16:26Dann war sie doch sehr, sehr einsam.
16:28Oder gab es einen Mann?
16:29Nee, wie gesagt.
16:31Außerhalb ihrer kirchlichen Aktivitäten saß sie meistens alleine vorm Fernseher.
16:36Weswegen ich auch nicht glaube, dass sie denjenigen, der ihr das angetan hat, kannte.
16:39Hm.
16:40Ist möglich, ja.
16:42Ist das eigentlich Ihre Praxis oder wohnen Sie auch hier?
16:46Ich wohne auch hier.
16:48Meine alte Wohnung wurde mir gekündigt.
16:51Wegen Eigenbedarfs.
16:52Sehr unangenehm.
16:53Ja.
16:55Aber es ist nur vorübergehend, bis ich was Neues gefunden habe.
16:59Naja, dann habe ich es wenigstens nicht weit zur Arbeit.
17:07Ich glaube, das hier könnte eine der Ketten sein, die wir sicherstellen konnten.
17:15Ja.
17:16Ich muss mal kurz telefonieren.
17:18Dann schweigen wird dir nicht viel nutzen, Leon.
17:21Besser, du kooperierst mit uns.
17:23Was soll ich jetzt noch sagen, Mann?
17:24Ich habe doch schon alles gesagt.
17:25Erzähl uns doch mal, wie das abgelaufen ist vor drei Tagen mit Frau Wittling.
17:29Ich bin in sie reingelaufen, das war es.
17:31Punkt.
17:31Mehr ist auch nicht zu erzählen.
17:33Und wie haben Markus, beziehungsweise Busi und Flori auf sie reagiert?
17:37Konnten die dir auch nicht leiden?
17:38Ach komm, Leon, das kann doch nicht so schwer sein.
17:40Jetzt raus mit der Sprache.
17:47Ja, wir sind aus dem Laden gekommen.
17:52Und es stand sie da.
17:53Wir sind in sie reingelaufen.
17:55Oh, jetzt mal.
17:56Oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, halt.
17:59Könnt ihr nicht aufpassen?
18:01Was ist denn hier los?
18:02Ey, ihre Tasche war untergefallen, wirklich jetzt.
18:05Die Bengel haben mich fast umgerannt.
18:09Haben wir uns schon kennengelernt?
18:11Nicht, dass ich wüsste.
18:13Petersen, unser neuer Gruppenleiter.
18:15Roswitha Wittling, angenehm.
18:18Dann sind wir ja fast so etwas wie Kollegen.
18:20Ich bin nämlich eine langjährige Förderin ihres Heims.
18:23Ach, tatsächlich?
18:24Ja, wir vier Hübschen haben erst neulich einen reizenden Nachmittag miteinander verbracht.
18:30Ich glaube, sie nehmen mich vernichtend beim Mensch ärgerlich nicht geschlagen.
18:33Oh, ich wette, das mochten sie gar nicht.
18:35Das stimmt.
18:36Ihr wollt doch sicher eine Revanche, oder?
18:40Vielleicht Anfang nächster Woche bei Kaffee und Kuchen?
18:44Ich kratze gleich mal.
18:45Was sagst du?
18:47Leon, du nimmst dich vielleicht mal.
18:49Wir müssen dann weiter verbittigen.
18:50Tschüss.
18:58Sie hat also die Jungs für gestern oder vorgestern eingeladen?
19:01Wenn Leon es sagt, ich weiß es nicht mehr genau.
19:04Es war ja auch egal.
19:05Es kam ja sowieso zu keiner Verabredung.
19:07Auch nicht mit den beiden anderen Jungs.
19:08Nein, ich habe ihr gesagt, dass die gerade wahnsinnig viel für die Schule lernen müssen.
19:12Florian und Busi waren mir echt dankbar, dass ich sie abgewimmelt habe.
19:16Sie könnten aber Frau Wittling später trotzdem angerufen und zugesagt haben.
19:24Frau Weiß konnte eine der Ketten als Eigentum von Frau Wittling identifizieren.
19:29Die Wittling trug dieses Schmuckstück auf einem alten Foto.
19:32Ja, dann sollten wir so schnell wie möglich in einen Abgleich zwischen Leons DNA und der Täter-DNA in Auftrag
19:36geben.
19:37Haben Sie was rausgefunden?
19:39Ja.
19:41Der Schmuck, den Leon bei sich trug, stammt eindeutig von Frau Wittling.
19:44Nein, nein, das kann nicht sein.
19:46Hören Sie, Sie haben uns selber gesagt, Sie arbeiten erst seit kurzer Zeit im Miner-Rüdiger-Haus.
19:50Sie können Leon gar nicht so gut kennen.
19:52Ich arbeite seit sechs Wochen mit ihm, das reicht ja wohl.
19:55Trotzdem, ich muss leider untersuchungshaft für Leon beantragen.
19:58Das dürfen Sie gar nicht, erst 16 nach dem Jugendgerichtsgesetz dürfen...
20:01Herr Peterson, ich kenne das Gesetz.
20:03Und bei Leon besteht eindeutig Fluchtgefahr.
20:05Und er wäre jetzt schon über alle Berge, wenn Kollege Kiesewetter ihn nicht gestoppt hätte.
20:09Ich verbirg mich für ihn.
20:10Tut mir leid.
20:12Wir müssen ihn hier behalten, bis er in die JVA kommt, ja?
20:15Leon ist nicht gewalttätig. Schauen Sie in seine Akte, Sie werden es sehen.
20:18Das habe ich.
20:19Es steht aber nicht zweifelsfrei fest, ob der Junge von alleine die Treppe runtergefallen ist.
20:24Oder ob Leon ihn geschubst hat.
20:3023 Stunden am Tag mit erwachsenen Tätern in einer Zelle, das hält Leon nie durch.
20:34Es gibt immer noch den Ermessensspielraum des Richters.
20:36Vielleicht sieht er es anders als die Staatsanwaltschaft.
20:38Ja, und wenn nicht, kann ich ihn wenigstens nochmal sehen, ihn psychisch drauf vorbereiten.
20:43Pass.
20:45So ein bisschen Hilfe täte die Mion gut.
20:47Ich weiß das aus eigener Erfahrung.
20:50Ich kann das nicht entscheiden.
20:51Das muss die Zobel entscheiden.
20:53Also, ich denke, nein.
21:00Tut mir leid.
21:02Kommen Sie, ich fahre Sie zurück ins Heim.
21:06Obertraberweg 8B.
21:07Okay.
21:09Und wissen Sie, wer das verwaltet?
21:12HHL.
21:13Okay, alles klar.
21:14Ja, vielen Dank.
21:14Tschüss.
21:19Schönen guten Tag, Kiko Lübeck hier.
21:20Weiß mein Name.
21:21Verbreute ich eine Auskunft über eine frühere Mieterin von Ihnen.
21:24Heidrun Kanterreich.
21:25Schon gehört?
21:27Heute können Sie bestimmt früher Feierabend machen.
21:29Ja.
21:29Der Fall Wittling ist gelöst.
21:32Genau.
21:33Alles klar.
21:33Ja.
21:34Tschüss.
21:36Sind wir schon durch mit der Befragung der Nachbarschaft?
21:38Gut, wie bislang keine Ergebnisse.
21:40Aber hat sich doch sowieso erledigt, jetzt wo wir wissen, dass...
21:43Nicht jetzt, wo wir wissen.
21:43Nee, nee, nee.
21:45Solange es kein Deal in Abgleich gibt, können wir nicht hundertprozentig sicher sein.
21:48Stimmt.
21:4999 Prozent sind aber auch nicht übel.
21:52Frau Weiß?
21:53Bravo.
21:54Es war eine hervorragende Idee, nach den Familienfotos zu fragen, um den Schmuck zu identifizieren.
21:59Danke.
22:00Danke.
22:00Ich würde allerdings trotzdem gern noch mehr über die Tochternerfahrung bringen.
22:03Warum?
22:04Sie hat mich angelogen, in Bezug auf ihre Wohnsituation.
22:07Inwiefern?
22:08Sie ist aus ihrer alten Wohnung rausgeflogen, weil sie monatelang keine Miete gezahlt hat.
22:12Mir hat sie aber erzählt, dass sie wegen Eigenbedarfs gekündigt worden ist.
22:15Warum lügt sie?
22:15Vielleicht ist es ihr peinlich.
22:17Und in ihrem Kalender waren insgesamt nur elf Patiententermine in den letzten vier Tagen verzeichnet.
22:22Das heißt, sie hätte genug Zeit gehabt, ihre kranke Mutter zu besuchen.
22:25Ganz offenbar hatten die beiden kein besonders ähnliches Verhältnis.
22:28Nee, ganz sicher nicht.
22:29Und ich würde gern noch einen Blick in Frau Wittlings Unterlagen werfen.
22:32Wir wissen zum Beispiel noch nicht, wer eigentlich ihr Vermögen erbt.
22:34Okay, gut.
22:35Machen Sie das.
22:36Ist eine gute Idee, in eine andere Richtung zu ermitteln, solange der Abgleich noch nicht da ist.
22:47Das ist eine gute Idee, in eine andere Richtung zu ermitteln, solange der Abgleich noch nicht da ist.
23:28Das ist eine gute Idee, in einer anderen Richtung zu ermitteln, solange der Abgleich noch nicht da ist.
23:33Das ist eine gute Idee, in einer anderen Richtung zu ermitteln.
23:39Sie müssen doch solche Fälle schon öfter erlebt haben.
23:41Schon, aber bei ihm ist es anders.
23:44Warum?
23:45Vielleicht, weil ich selbst keine einfache Kindheit hatte. Ich komme aus einem winzigen Kaff, Kleinbergheide.
23:50Nie gehört.
23:51Sehen Sie? Und alle dort wussten, dass meine Eltern Alkoholiker waren. Wir galten als Asoziale.
23:56Ja, wenigstens hatten sie Eltern.
23:58Ja, aber denen war ihr Schnaps wesentlich wichtiger als ihr Sohn.
24:02Tut mir leid für Sie.
24:04Sind Sie deshalb Therapeut geworden, um Menschen wie Leon helfen zu können?
24:07Ja, aber auch, um mich selbst besser zu verstehen.
24:11Nur wer seine Dämonen kennt, kann sie bekämpfen.
24:17Um wieder auf Leon zurückzukommen.
24:20Leons Eltern waren auch suchtkrank.
24:22Er hat Ähnliches erlebt. Ein extrem sensibler Junge, der aufgrund von seiner Biografie niemandem vertraut, der sich völlig einkapselt.
24:29Und daraus folgern Sie?
24:30Wenn er gewalttätig wird, dann am ehesten gegen sich selbst, nicht gegen andere.
24:35Es sei denn, er fühlt sich bedroht.
24:37Halten Sie ihn für Suizid gefährdet?
24:41Bislang gibt es keine Anzeichen dafür.
24:44Gut, mit 13, 14 hat er sich eine Zeit lang geritzt.
24:47Geritzt? Ich dachte, das machen nur Mädchen.
24:50Laut Statistik verlassen sich Mädchen ungefähr doppelt so häufig wie Jungs.
24:53Aber auch bei denen nimmt diese Form der Autoaggression immer mehr zu.
24:56Das wusste ich nicht.
24:57Wir können nicht vorhersagen, wie Leon reagiert, wenn er derartig unter Druck gerät.
25:01Wenn ich ihn wenigstens drauf vorbereiten könnte, was ihn erwartet.
25:04Ich kann Sie ohne das Okay von Frau Zobel nicht zu ihm lassen.
25:07Aber er ist erst 16. Ich mache mir wirklich sehr große Sorgen um ihn.
25:10Ich mache mir wirklich sehr große Sorgen um ihn.
25:29Was ist das?
25:31Was ist das?
25:31Was ist das?
25:34Was ist das?
26:19Ich, Osmita Wittling, setze die Kirche Sankt Jakobi als Alleinerben ein.
26:24Hiermit enterbe ich meine Tochter.
26:27Miststück.
26:31Sie haben fünf Minuten, ich hol mir einen Kaffee und dann war's das.
26:34Danke, vielen Dank.
26:35Was ist mit der Kamera?
26:36Er wird mir nicht vertrauen, wenn er sich beobachtet fühlt.
26:38Die ist aus.
26:39Die läuft nur während der Familie.
26:43Alter, endlich, Mann!
26:45Die scheiß Wichser hat mich einfach eingesperrt!
26:55Frau Kanterheit?
26:56Hallo!
26:58Hey!
27:00Hey!
27:22Sind Sie okay?
27:24Ja.
27:24Wo ist der hin?
27:25Rausgerannt.
27:33Scheiße!
27:40Bei dieser Ermittlung wird wirklich Großes geleistet von einem Team.
27:46Die Kanterheit findet Zugang zum Tatort.
27:49Und Sie lassen unseren Hauptverdächtigen entkommen.
27:52Ja, tut mir leid.
27:53Wird nicht reichen, Herr Kiesewetter.
27:55Herr Kiesewetter hat den Petersen und Leon fünf Minuten allein gelassen.
27:59Fünf Minuten?
28:00Woher sollte er wissen, dass der Junge in der Lage ist, einen erwachsenen Mann niederzuschlagen?
28:03Er hätte Petersen überhaupt nicht zu Leon bringen dürfen!
28:08Okay.
28:10Was machen wir jetzt?
28:12Alle Dienststellen in der Umgebung sind informiert, der Busbahnhof und der Bahnhof werden überwacht.
28:17Der Junge hat weder Ausweis noch Geld dabei.
28:19Frau Dr.
28:19Herr Kiesewetter, der kann gar nicht so weit kommen.
28:21Herr Sade, dafür kriecht sich irgendwo und wartet ab, bis die Aufmerksamkeit nachlässt.
28:25Wir befragen alle Personen im Heim und gehen alle Informationen durch, die wir überwählen kriegen können.
28:30Und alles, was wir bisher im Fall Wittling wissen.
28:32Okay.
28:34Gibt es irgendeinen Hinweis, was die Kanterheit überhaupt in der Wohnung ihrer Mutter gesucht haben kann?
28:38Nein.
28:39Nein.
28:39Möglicherweise gibt es da in der Wohnung ein Versteckt, was die KTU nicht entdeckt hat.
28:43Das wäre eine Möglichkeit.
28:43Oder es gab da irgendwas Belastendes gegen Sie?
28:45Die KTU ist gerade dabei, die Wohnung erneut zu durchsuchen.
28:48Ach, kein Reizwagen wird ebenfalls gesucht.
28:50Ich habe einen Kollegen vor ihrer Praxis postieren lassen und der bringt sie zu uns, sobald sie da auftaucht.
28:53Was mit dem Handy?
28:54Ist ausgeschaltet.
28:56Gut.
28:57Legen Sie los.
28:58Komm.
28:59Herr Kiesewetter.
29:03Sie werden sich für Ihr eigenmächtiges Verhalten vor der Dienstaufsichtsbehörde verantworten müssen.
29:08Ja, ist klar.
29:10Und wenn Leon auf der Flucht noch weitere Personen gefährdet oder Schlimmeres?
29:14Dann habe ich ein Riesenproblem, ich weiß.
29:16Ich weiß.
29:18Ich weiß.
29:32Ich weiß.
29:35Ich weiß.
30:03Moin.
30:04Moin.
30:05Morgen.
30:06Durchgemacht?
30:07Ja, Strahl hat gestern Nacht angerufen wegen der Ergebnisse.
30:12Die Fingerabdrücke am Hals der Toten stammen nicht von Leon.
30:14Das hat der Abgleich einwandfrei erwiesen.
30:17Das heißt, der Junge war es nicht?
30:19Ist ja ein Ding.
30:21Aber wie ist er dann zu dem Schmuck gekommen?
30:23Ja, das fragen wir uns auch.
30:24Vielleicht kennt er den oder die Täter.
30:26Allerdings wäre er dann jetzt mehr in Gefahr, als er sonst schon ist.
30:29Was ist denn mit der Tochter?
30:30Habt ihr die inzwischen?
30:32Die ist nicht wieder aufgetaucht.
30:34Ich glaube, da steht das Wasser richtig bis zum Hals.
30:35Sie hat überall Schulden und ist kurz vorm Offenbarungseid.
30:38Das Geld der Mutter wäre ihre Rettung.
30:40Also, ihr meint, sie hat das Siegel zerschnitten, um nach Geld zu suchen?
30:43Ja, oder um irgendwas Belastendes aus der Wohnung zu holen.
30:46Ich meine, wir hatten sie ja bislang nicht als mögliche Täterin auf dem Schirm.
30:48Dass man das der eigene Mutter antut, ist doch schwer vorstellbar.
30:51Ja, die hat aber ein starkes Motiv und kein Alibi.
30:55Ja, die Würgemale, als Physiotherapeutin hat die schon Kraft in den Händen und den Überfall kann sie vorgetäuscht haben.
31:00Und das Mutter-Tochter-Verhältnis war jetzt auch alles andere als liebevoll, das hat sie selbst gesagt.
31:04Und jetzt ist sie weg.
31:06Vielleicht bei Freunden untergekrochen.
31:07Wir haben nichts über ihr Privatleben in Erfahrung bringen können.
31:10Und ihr Mann hat sie das letzte Mal seit der Scheidung vor zehn Jahren gesehen.
31:13Wo ist sie denn zur Schule gegangen?
31:14Zu alten Schulfrönen hat man noch ewig Kontakt.
31:17Ist sie in Lübeck geboren?
31:19Das habe ich noch gar nicht geguckt.
31:27Nein, 1975 in Kleinbergheide.
31:30Wo soll das denn sein?
31:32Wie heißt der Ort?
31:34Kleinbergheide.
31:35Petersen hat gesagt, dass er daherkommt.
31:37Er hat gesagt, es wäre ein ganz winziges Kaff.
31:39Petersen ist doch auch ungefähr im gleichen Alter wie Heidrun Kanterreit.
31:41Kennen die sich?
31:42Geben Sie mal die Akte von der Wittling.
31:49Ausrichter Wittling, geboren 44, von 74 bis 90, wohnhaft in Kleinbergheide, arbeitete nach dem Tod ihres Mannes 77, als Haushälterin
31:57bei dem Pastor Walter Becker, zog 91 dann mit ihrer Tochter Heidrun nach Lübeck.
32:02Da muss Petersen die Wittling doch gekannt haben, wenn das so ein kleiner Ort ist. Das hat er bis jetzt
32:07nicht erwähnt.
32:08Super, ich danke Ihnen. Vielen Dank.
32:10Dankeschön.
32:11Gute Nachrichten.
32:12Tut mir leid, hat nichts mit Leon zu tun.
32:14Womit dann?
32:14Mit der Kanterreit, die die gleich zu uns gebracht.
32:17Ein Kollege hat sie vor ihrer Praxis abgefangen.
32:20Bin ich mal gespannt, was die gute Dame zu erzählen hat.
32:23Herr Petersen, gut, dass Sie anrufen.
32:26Nein, wir haben Leon noch nicht gefunden.
32:27Aber ich habe eine Frage an Sie.
32:31Ob ich Frau Wittling von früher kenne? Ich verstehe nicht.
32:36Ach so, die hat auch in Kleinbergheide gelebt, bis 91.
32:40Ja, es kann sein. Ich meine, da weiß ich noch ein Kind, also ein Teenager.
32:44Was ist mit Heidrun, Ihrer Tochter? Die muss doch im gleichen Alter sein wie Sie.
32:49Heidrun, ja, wir hatten mal eine Heidrun in meiner Klasse.
32:52Und deren Mutter ist Frau Wittling, die Frau Wittling.
32:54Und Sie haben Frau Wittling nicht erkannt, weil Sie sie in Lübeck getroffen haben?
32:57Fast 30 Jahre, nein. Ich gebe zu, das ist wirklich ein eigenartiger Zufall.
33:01Aber hilft uns, das Leon zu finden? Ich meine, das sollte doch absolute Priorität haben, oder?
33:06Hat es auch, gerade jetzt. Weil Sie hatten recht, Leon ist unschuldig.
33:10Mehr kann ich Ihnen leider im Moment nicht sagen, aber ich melde mich, wenn es Neuigkeiten gibt.
33:20So ein komischer Zufall.
33:22Sowas kommt vor, ist aber selten. Sehr selten.
33:25Wir haben uns bislang auch null mit der Vergangenheit von Frau Wittling beschäftigt.
33:28Ich meine, es gab auch keinen Grund, aber soll ich das jetzt mal machen?
33:30Ja, unbedingt. Alles, was Sie finden können.
33:35Ja, unbedingt. Alles, was Sie finden können.
34:06Ihnen ist schon klar, dass der Bruch eines polizeilichen Siegels ein Vergehen ist, nicht wahr?
34:11Ich dachte, Sie seien da längst fertig.
34:13Was haben Sie in der Wohnung gesucht, Frau Kanterreit?
34:17Wo waren Sie gestern zwischen 15 und 21 Uhr?
34:20Was?
34:23Sie glauben doch nicht, also, ich meine, ich habe Sie doch gerufen, als ich Sie gefunden habe.
34:28Beantworten Sie doch einfach die Frage, bitte.
34:31In meiner Praxis?
34:33Hatten Sie Patienten?
34:35Zwei.
34:36Einen um vier und einen um sechs.
34:38Und danach?
34:39War ich alleine.
34:40Hören Sie, Sie glauben doch nicht wirklich, dass ich meine Mutter überfallen habe.
34:43Was haben Sie dann in der Wohnung gemacht?
34:45Haben Sie nach Geld gesucht?
34:47Geld, das Ihnen Ihre Mutter vorenthalten will, obwohl Sie Ihre einzige Angehörige waren?
34:51Weswegen Sie zu...
34:52Nein!
34:56Ich habe Ihr Testament gesucht.
35:01Also.
35:02So kommen wir doch einen Schritt weiter.
35:05Haben Sie es gefunden?
35:07Ja.
35:09Sie hat den größten Teil Ihres Vermögens der Kirche vermacht.
35:13Mir bleibt nur der Pflichtteil.
35:15Warum?
35:16Ja.
35:17Das war jetzt keine besonders große Überraschung.
35:20Sie hatte mir es schon mehrmals angedroht.
35:23Sie war wirklich kein netter Mensch.
35:26Ich habe mich so oft für Sie geschämt.
35:29Wusste Ihre Mutter denn tatsächlich von Ihren finanziellen Problemen?
35:32Ja, klar.
35:33Ich habe Sie ein paar Mal regelrecht angebettelt.
35:36Aber nichts zu machen.
35:39Und dann war sie plötzlich tot.
35:41Und dann dachte ich...
35:42Und Sie dachten, Blut ist dicker als Wasser?
35:43Nee.
35:45Aber dass ich ja vielleicht Ihr Testament vernichten könnte.
35:48Was glauben Sie, was ich mich geärgert habe?
35:51Dass mir das nicht eingefallen ist, bevor ich die Polizei gerufen habe.
35:54Ja, dann wären Sie automatisch die Alleinererbin gewesen.
35:57Leider nicht.
35:58Sie hat eine Kopie davon bei Ihrem Anwalt hinterlegt.
36:01Also war das Ganze sowieso eine völlig sinnfreie Aktion von mir.
36:06Ich habe Ihnen nie den Tod gewünscht.
36:09Das schwöre ich.
36:12Und auch nicht, dass sie so sterben muss.
36:15Aber Ihnen jetzt die liebende Tochter vorzuspielen,
36:18das wäre einfach Heuchelei.
36:22Kennen Sie einen Thorsten Petersen?
36:25Thorsten Petersen?
36:27Ich glaube, ein Junge aus meiner Grundschule hieß so.
36:30Wie kamen Sie noch den?
36:31Kannte Ihre Mutter den auch?
36:34Keine Ahnung.
36:36Wir haben keinen Grund, die Kanterheit festzuhalten.
36:38Lassen Sie sie gehen.
36:39Und der Siegelbruch?
36:40Wer dem Bußgeld nach sich ziehen, mehr nicht.
36:43Die Merze glaubt doch wirklich nicht, dass sie es war.
36:45Nein, sie wusste ja vorher,
36:47dass das Testament nicht zu ihren Gunsten sein wird.
36:49Somit fällt das Motiv doch weg.
36:50Tja, und selbst wenn sie das Testament hätte vernichten wollen
36:52und deswegen Ihre Mutter angegriffen hätte,
36:54hätte sie es auch gleich mitnehmen können.
36:56Ja.
36:58Ich glaube, ich habe es entdeckt.
37:00Kommen Sie rein, Frau Weiß.
37:02Also ich weiß noch nicht genau,
37:03was das mit unserem Fall zu tun haben könnte,
37:05aber es schien mir irgendwie wichtig.
37:08Wenn Sie uns verraten, worum es geht,
37:09könnten wir vielleicht helfen.
37:10Ja, also der Pastor,
37:12für den die Frau Wittling als Haushälterin gearbeitet hat,
37:14der hat sich umgebracht 1991.
37:17Vielleicht ist sie deswegen weg aus Kleinbergheide.
37:19Sie hätte sowieso nicht mehr für ihn arbeiten können.
37:21Gegen ihn wurde nämlich eine Strafanzeige gestellt.
37:24Verdacht auf Missbrauch vom Minderjährigen.
37:25Und dann hat er sich erhängt,
37:27bevor es zum Prozess kommen konnte.
37:30Klar erinnere ich mich an Mutters Chef.
37:32Der tadellose Pastor Becker.
37:35Sie hat ihr Leben lang behauptet,
37:36nichts von seinen Schweinereien gewusst zu haben.
37:38Haben Sie ihr geglaubt?
37:41Für meine Mutter war Becker der liebe Gott persönlich.
37:43Sie hätte alles für ihn getan.
37:45Selbst wenn sie ihn in Flagranti erwischt hätte,
37:48hätte sie ihn nicht verraten, glaube ich.
37:50Aber sie war doch selbst Mutter.
37:52Ich meine, wie kann man denn dazu...
37:54Ich schätze, meine Mutter hätte sogar weggeschaut,
37:57wenn dieser Arsch sich an ihrer eigenen Tochter vergriffen hätte.
38:02Aber es stand wohl nur auf Jungs.
38:04Je jünger, desto lieber hieß es.
38:07War sie in ihn verliebt?
38:10Muss ja, oder?
38:12Obwohl sie auch das niemals zugegeben hätte.
38:15Vielleicht hat sie sich deshalb so sozial engagiert.
38:18Also für die Heimkinder.
38:19Weil sie sich mitschuldig fühlte.
38:20Ich weiß nicht.
38:23Möglich.
38:25Gut.
38:25Danke, Frau Kanzerreiz.
38:26Sie kann dann gehen.
38:27Frau Weißbretz hier raus.
38:29Ja.
38:42Sieht ja so aus, als wäre die Wittlingen
38:44ein handfestem Missbrauchskandal verwickelt.
38:46Und das wäre auch ein starkes Motiv.
38:49Jemand aus ihrer Vergangenheit war womöglich
38:51der Meinung, es wäre Zeit für Buße.
38:54Dann sollten wir so schnell wie möglich
38:55einige der damaligen Opfer ausführlich machen.
38:57Ich fahre zu Petersen.
38:59Wird Zeit, dass wir sein Alibi checken.
39:01Und ich fahre nach Kleinbergheide.
39:03Mal sehen, was ich da rausbekomme.
39:16Däger.
39:17Geiles Teil.
39:19Äh, Finger weg.
39:20Das ist kein Spielzeug.
39:22Habt ihr keine Schule?
39:24Drei Stunden.
39:25Und Sie?
39:25Ich will zu Herrn Petersen.
39:27Ist nicht da.
39:29Dann wo ist er?
39:30Weggefahren.
39:31Leon suchen.
39:32Wie?
39:33Wo will er denn Leon suchen?
39:34Hat er Sie nicht angerufen?
39:36Nein.
39:38Ist aber komisch.
39:40Wieso wollte er mich anrufen?
39:42Weil's Busi gerade eingefallen ist,
39:44wo er sein könnte.
39:45Und wo ist er?
39:47Am Bahndarm.
39:48Das ist so ein Waldstück.
39:49Da musste ich mir letzten Sommer
39:50so eine Hütte bauen.
39:52Leon hat Busi gesagt,
39:53dass er dort immer chillt.
39:55Könnt ihr mir beschreiben,
39:55was ist?
39:56Musik
40:30Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie so unangemeldet überfalle, Frau Nüske.
40:33Worum geht's denn?
40:34Um einen lang zurückliegenden Selbstmord. Pastor Becker.
40:41Sie kannten ihn?
40:44Ja, allerdings, aber das ist fast 30 Jahre her.
40:46Weswegen es auch keine Unterlagen über die Betroffenen gibt.
40:49Ein Prozess gegen Pastor Becker hat ja praktisch nicht stattgefunden.
40:52Nein, weil er sich vorher erhängt hat, das feige Schwein.
40:55Entschuldigung, ich sollte mich nicht so ausdrücken.
41:00Könnten Sie mir Namen der eventuell Betroffenen nennen?
41:03Warum? Ich meine, warum jetzt?
41:04Hören Sie, ich weiß, dass ich altes Leid aufwühle.
41:06Aber ich möchte Sie bitten, mir dabei zu helfen.
41:08Mein Bruder ist einer seiner Opfer.
41:12Ich weiß das erst seit drei Jahren.
41:14Er hat es mir endlich erzählt.
41:17Kommissar Englund, mein Bruder, Jens Nüske.
41:23Günter.
41:23Ich lasse euch dann mal allein.
41:25Ja.
41:26Und vielen Dank.
41:28Bitte setzen Sie sich.
41:29Ja.
41:32Also zuerst möchte ich, dass Sie wissen, dass Sie gesetzt zu schätzen weiß, dass Sie mit mir reden wollen.
41:37Ich habe 25 Jahre geschwiegen.
41:39Und erst dann erst meiner Familie erzählt.
41:41Und wissen Sie was?
41:43Das Reden hat mir unglaublich gut getan.
41:46Also was wollen Sie wissen?
41:48Kennen Sie die Haushälterin von Pastor Becker, Frau Wittling?
41:53Na ja, das tue ich.
41:55Hört sich nicht gerade so an, als wenn Sie ein Fan von ihr wären.
41:59Glauben Sie, die Wittling wusste vom Treiben Ihres Chefs?
42:01Ja, natürlich.
42:02Sind Sie sicher?
42:04Becker hat uns manchmal stundenlang im Kleiderschrank eingesperrt, bevor er dann, na ja, zur Sache kam.
42:12Im Kleiderschrank?
42:13Ich habe die Wittling mehr als einmal angefläht, mich rauszulassen, aber sie hat immer so getan, als höre sie mich
42:17nicht.
42:18Äh, diese Jungs, gab es unter diesen Jungs auch einen, einen Thorsten Pedersen?
42:23Pedersen war sogar einer von Beckers Lieblingen.
42:25Seine Eltern waren Säufer, weswegen es ihnen nicht aufhiel, wenn er manchmal erst mitten in der Nacht nach Hause kam.
42:30Weil der Pastor nicht genug von ihm kriegen konnte.
42:32Das heißt also, Pedersen kannte die Wittlinge durchaus?
42:35Er hat sie fast noch mehr gehasst als Becker, sofern das möglich ist.
42:38Was? Diese begörte Kuh war eifersüchtig auf Thorsten und hat ihn deswegen noch zusätzlich schikaniert.
42:43Musste er auch in den, in den Kleiderschrank?
42:46Na sicher. Für ihn war es besonders schlimm. Einmal war er dort fast erstickt.
42:51Der Schularzt hat später bei ihm ein psychosomatisches, bronchiales Asthma diagnostiziert.
42:56Mhm. Was er bis heute noch hat.
43:35Was er ja?
43:46Leon!
43:49Leon!
43:58Leon!
44:01Leon!
44:02Leon!
44:03Leon!
44:04Leon!
44:07Leon!
44:10Leon!
44:14Leon!
44:26Leon!
44:35Sie haben Frau Wittling also erkannt, als Sie sie vor dem Laden trafen?
44:40Das Gesicht habe ich nie vergessen.
44:42Ich wusste nicht, dass sie hier wohnte, als ich nach Lübeck gezogen bin.
44:46Sie hat mich nicht erkannt.
44:49Und Sie hatten sich so gut unter Kontrolle bei diesem Wiedersehen?
44:52Ja.
44:55Sonderbar nicht, wahr?
44:55Ja, ich glaube, ich glaube, ich habe mich wieder geschämt.
45:00Erst abends, als ich alleine war, da kam die Wut.
45:04Ich habe die ganze Nacht überlebt, was ich tun soll.
45:07Anzeige nach so vielen Jahren, hätte man mir geglaubt.
45:10Dann haben Sie beschlossen, hier selbst einen Besuch abzustatten.
45:13Ja, ich habe nicht vor, Sie umzubringen.
45:16Ich wollte nur, dass Sie endlich zugibt, dass Sie mir, was Sie uns allen damals mit Ihrem Wegschauen angetan hat.
45:22Aber natürlich tat sie einen Teufel.
45:25Sie leugnete sogar, dass Becker uns jemals missbraucht hat.
45:28Und da verloren Sie die Beherrschung?
45:30Total.
45:32Ich bin auf Sie zu, habe ihr die Hände um den Hals gelegt und zugedrückt.
45:37Aber ich bin nun mal kein Mörder.
45:40Und dann kam Ihnen der Kleiderschrank in den Sinn?
45:43Ja, ich wollte, dass Sie einmal dieselbe Angst hat, wie ich als kleiner Junge.
45:52Deshalb habe ich Sie drin eingeschlossen.
45:55Und dann?
45:56Dann bekam ich einen Anfall.
45:59So nach zehn Minuten, einer Viertelstunde habe ich mich wieder berückt und wollte Sie wieder rauslassen.
46:04Um was mit ihr zu tun?
46:06Ich hatte keinen konkreten Plan.
46:08Ich schätze, ich wollte Ihr Drohnen, Ihr Verhalten von damals öffentlich zu machen, Sie doch noch anzuzeigen, irgend so was.
46:14Aber Frau Wittling war tot.
46:16Ja.
46:19Und dann haben Sie sich entschlossen, einen Raubüberfall vorzutäuschen.
46:23Ich will nichts Besseres ein.
46:26Ich nahm mir den Schmuck ab, schrubste ein paar Möbel um und dann bin ich abgehauen.
46:30Und dann haben Sie den Schmuck einfach weggeworfen in den Müllcontainer Ihres Heims?
46:35Ja.
46:36So habe ich Leon mit in die Sache reingezogen, aber ich war wie benommen.
46:39Sie haben ihm zur Flucht verholfen, richtig?
46:41Ja.
46:42Ich habe nur so getan, als hätte er mich niedergeschlagen.
46:45Aber damit habe ich alles nur noch viel schlimmer gemacht.
46:48Wenn Sie nicht gewesen wären, dann wäre er jetzt tot.
46:55Kommen Sie, Herr Petersen.
46:57Ich glaube, es reicht jetzt.
46:58Kommen Sie.
47:02Würden Sie mal besuchen?
47:03Er braucht so jemanden wie Sie.
47:06Zumindest manchmal.
47:14Ah!
47:17Was machen die morschen Knochen?
47:19Hey, die sind wie neu.
47:21Haben Sie mit Petersens Anwalt gesprochen?
47:23Ja, die Anklage lautet auf Körperverletzung mit Todesfolge in einem minderschweren Fall.
47:28Was heißt das als Strafmaß?
47:30Ein bis zehn Jahre.
47:31Aber das Gericht wird sich aufgrund von Petersens Vorgeschichte für die Strafuntergrenze entscheiden, nehme ich an.
47:37Und was Sie betrifft...
47:39Ah, Sie haben mit der Dienstaufsichtsbehörde gesprochen?
47:42Sache ist vom Tisch.
47:44Sie dürfen Danke sagen.
47:45Ich trinke gerne Pinocchio.
47:47Ist gebockt.
47:53Ah, Besuch.
47:55Ja, dann lassen wir Sie lieber alleine, was?
48:12Was machen wir jetzt Schönes?
48:15Weiß nicht, Kino?
48:17Kino ist eine Möglichkeit, aber das rennt uns ja nicht weg.
48:20Bei dem Wetter und dem Wind fällt mir was Besseres ein.
48:23So lange es nicht Bingo ist.
48:26Schon mal gesegelt?
48:27Nee, wieso? Hast du ein Boot?
48:29Quatsch.
48:29Aber heute gehören Sie uns.
48:31Echt jetzt?
48:31Wollen wir?
48:32Ja, klar.
48:33Na, alles.
48:34Wollen wir uns.
49:04Wir uns.
49:04Wir werden uns.
49:06Wir tier your plate.
49:06Wir geben uns.
49:08Jetzt.
49:08Wir haben uns.
49:10Wir gehen.
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