- vor 23 Stunden
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00:00Guten Abend, meine Damen und Herren.
00:04Geld aus aller Herren Länder, spanische Peseten, Dollar, italienische Lira,
00:14ungarische Forint, türkische Lira und vieles andere mehr.
00:20Der wachsende internationale Reiseverkehr, an dem die Deutschen, wie bekannt, maßgeblich beteiligt sind,
00:26bringt es mit sich, dass der Umgang mit ausländischen Währungen für viele nichts Außergewöhnliches mehr ist.
00:33Dadurch wird aber nicht nur manches schöne Urlaubserlebnis möglich.
00:36Das fremde Geld birgt natürlich auch Risiken und Gefahren.
00:41Da passiert es zum Beispiel, dass einem ungültige oder falsche Banknoten angedreht werden
00:46oder dass man mit dem Wechselkurs hereingelegt wird.
00:50Über eine besondere Variante haben uns in neuerer Zeit Zuschauer berichtet,
00:54die im Ostblock Urlaub gemacht haben.
00:56Denn dort gibt es noch eine bedeutsame Besonderheit,
01:00den Unterschied zwischen dem offiziellen Wechselkurs und dem zwar günstigeren, aber verbotenen Schwarzmarktkurs.
01:07Einem Zuschauer erging es zum Beispiel so.
01:13Im Sommer 86 war ich für eine Woche in Budapest.
01:16Als ich an einem späten Nachmittag noch Geld wechseln wollte, bin ich ein paar Minuten zu spät gekommen.
01:21Die Bank hatte schon zu.
01:31Ganz offensichtlich hat das einer beobachtet.
01:41Und als ich dann zum Hotel zurückgehen wollte, da kann man ja immer Geld wechseln,
01:45er ist da hinterher gekommen und hat mich angesprochen.
01:58Er konnte übrigens ganz gut Deutsch.
02:02Jona Potki war noch besser im Majorum.
02:04Bitte?
02:05Ah, Sie kommen aus Bundesrepublik?
02:07Ja.
02:08Entschuldigung, bitte.
02:09Möchten Sie tauschen?
02:11Tauschen?
02:12Wie kommen Sie denn da drauf?
02:13D-Mark, verstehen Sie?
02:15Ja, ich mache Ihnen ein gutes Angebot.
02:192.600 Forint für 100 Westmark.
02:23Ist das gut?
02:252.600?
02:26Das ist ja viel besser als auf der Bahn.
02:28Viel mehr.
02:29Ja, ich wollte eigentlich 300 Mark tauschen.
02:32So viel kann ich nicht, aber 200, das geht.
02:36Ich bin selber Kaufmann und habe gleich gemerkt, dass das ein guter Kurs war.
02:41Im offiziellen Umtausch bekommt man nur etwa 2.000 Forint für 100 Mark.
02:48Und es war für mich natürlich auch einfach, weil ich nicht mehr zurückbrauchte ins Hotel.
02:53Polizei.
02:55Nein.
02:55Wir müssen gehen.
02:57Überall Polizei.
03:00Gehen wir ganz langsam, ganz normal, wie Kollegen.
03:04Natürlich wusste ich, dass die Sache nicht erlaubt ist.
03:06Und ehrlich gesagt hatte ich auch ein bisschen Angst, dass wir erwischt werden.
03:10Aber dem anderen ging es auch nicht viel besser.
03:13Er war sogar ziemlich nervös.
03:15So, hier geht es.
03:16Machen wir schnell, bitteschön.
03:20Gehen wir.
03:22Gehen wir, dann fällt nicht auf.
03:24Der Umtausch kam erst im zweiten Anlauf zustande.
03:28Aber dann ging alles ganz schnell.
03:29Ich habe gar nicht mehr so genau hingeguckt.
03:32Ich hatte ja einen Mordsbammel.
03:35Also, das ist genau die Summe, meine Damen und Herren, die unser Urlauber in diesem Fall wirklich bekommen hat.
03:41Ganze 250 Forint anstelle der versprochenen und vorher auch gezeigten 5.200.
03:49Der Trick funktioniert deshalb so gut, weil sich die 10 und die 1000 Forint Note oberflächlich betrachtet ähnlich sehen.
04:00Noch zumal, wenn die Geldübergabe mit Absicht hektisch inszeniert wird.
04:06Aus dem vermeintlich guten Geschäft mit dem besonders günstigen Wechselkurs ist also für unseren Zuschauer ein ziemlicher Reinfall geworden.
04:15Der Unbekannte, mit dem er sich eingelassen hat, hatte ganz einfach zwei Geldbündel dabei, die er in der Hosentasche ausgetauscht
04:22hat.
04:25Dieser sogenannte schwarze Geldumtausch im Ostblock ist, wie jeder Tourist weiß, verboten.
04:30Wer sich trotzdem darauf einlässt, macht sich strafbar.
04:33Und wenn er dann bei einer solchen Gelegenheit übers Ohr gehauen wird, kann er kaum zur Polizei gehen und Anzeige
04:38erstatten.
04:41Der nächste Fall. Er stammt wieder aus den Akten der Kriminalpolizei.
04:46Orte und Namen sind aber, wie immer in unserer Sendung, geändert.
04:49Sie wissen es ja. Es geht uns nur darum, vor den Tricks und Maschen zu warnen und nicht vor bestimmten
04:54Personen.
04:55Und wenn einzelne Branchen oder Berufszweige angesprochen werden, dann betreffen unsere Hinweise und Warnungen nur jeweils die schwarzen Schafe, die
05:04es ja leider überall gibt.
05:06Hintergrund der nächsten Geschichte ist der Immobilienmarkt.
05:10Im Allgemeinen und hier der Bereich der gehobenen Mietobjekte im Besonderen.
05:15Da hat sich ja in den vergangenen Jahren einiges geändert.
05:18Es ist gar nicht mehr so leicht, teure Wohnungen und Häuser an den Mann zu bringen.
05:27Frau Konietzki?
05:28Ja, die bin ich. Und dann sind Sie wohl Dr. Waldschmidt.
05:31Genau. Da habe ich ja Glück gehabt, dass ich es gleich gefunden habe.
05:34Sagen Sie, kann ich den Magen hier stehen lassen?
05:36Ja, ja natürlich. Für Anlieger gilt hier kein Halteverbot.
05:40Hildegard Konietzki will ihr Haus am Stadtrand von Bremen vermieten.
05:43Mit allem drum und dran. Sogar mit dem größten Teil der Möbel.
05:46Denn nach dem unerwarteten Tod ihres Mannes ist Frau Konietzki zu ihrer Tochter in ein anderes Stadtviertel gezogen.
05:53Seit einem halben Jahr sucht sie deshalb nach einem geeigneten Mieter für das nicht gerade billige Objekt.
05:58Der Interessent, der an diesem Tag zur vereinbarten Besichtigung vorfährt, hat sich am Telefon als Computerfachmann vorgestellt.
06:05Er sei von seiner Firma abgeordnet, um hier in Bremen bei einem Unternehmen die Umstellung des gesamten Produktionsbetriebes
06:12auf moderne Prozessrechner vorzubereiten, durchzuführen und anschließend auch für einige Zeit zu überwachen.
06:26Also wirklich, ich muss schon sagen, das gefällt mir alles auf Anhieb sehr gut. Wirklich sehr geschmackvoll.
06:31Ja wissen Sie, wenn man selbst drin wohnt, dann macht man sich sehr möglichst hübsch und möglichst gemütlich.
06:36Danke. Eigentlich schade, dass Sie das alles nicht mitnehmen konnten.
06:39Das stimmt schon. Aber bei meiner Tochter im Haus habe ich eben nicht genug Platz dafür.
06:45Tja, wenn Sie Sehnsucht haben, dann besuchen Sie uns eben.
06:49Ich wäre schon froh, wenn das Haus in gute Hände käme.
06:53Wissen Sie, man hängt eben doch sehr dran. Fast 20 Jahre haben wir hier gewohnt. Die Kinder sind hier groß
07:00geworden.
07:00Das kann ich Ihnen gut nachfühlen, Frau Konietzki. Wir geben unser Haus im Taunus ja auch nicht auf.
07:05Wie lange werden Sie denn hier?
07:07Das ist übrigens unser Haus im Taunus. Tja, wie lange? Das Projekt ist auf zwei Jahre terminiert. Kann schneller gehen,
07:12kann länger dauern.
07:13Das ist aber sehr hübsch. Und süße Kinder haben Sie. Zwei Jahre. Naja.
07:21Ich weiß, Sie würden wahrscheinlich lieber längerfristig vermieten, aber...
07:25Ach, wenn wir sonst übereinkommen, soll es daran nicht scheitern.
07:27Was hätten Sie denn als Monatsmiete gedacht?
07:29Tja, wir haben uns mal umgehört, meine Tochter und ich. Was sonst so verlangt wird. Und das ist ja meistens
07:37unmöbliert.
07:39Also, 2000 im Monat sollten es schon sein.
07:422000 im Monat ist eine Menge Geld. Aber es ist ja wirklich sehr schön.
07:47Und ich muss ja auch was nehmen, was zu unserem Standard passt.
07:49Wie sieht es mit der Kaution aus?
07:51Zwei Monatsmieten, hatte ich gedacht.
07:54Zwei, vier... Das wären dann quasi 6000 Mark, wenn ich die erste Miete gleich mitrechne bei Vertragsabschluss.
08:00Ja, so hatten wir das gedacht. Sie können es ja überweisen.
08:03Das geht schon in Ordnung, Frau Konietzki.
08:05Ich bekomme eine Aufwandsentschädigung von meiner Firma. Die wissen ja, dass ich ein Haus brauche für meine Familie.
08:10Gut, dann bin ich froh, dass alles in Ordnung ist. Ich werde die Verträge dann vorbereiten.
08:13Hildegard Konietzki ist froh, endlich den, wie sie glaubt, richtigen Mieter für ihr Haus gefunden zu haben.
08:19Deshalb fragt sie nicht mehr, als ihr schicklich erscheint.
08:22Wollt ihr so verbleiben? Um welche Zeit?
08:2420 Uhr?
08:24Ich hole sie ab.
08:25Gut.
08:26Von ihrer Tochter, mit der sie am Abend über den ersten Kontakt mit dem in Aussicht genommenen neuen Mieter spricht,
08:32muss sie sich dafür sogar ein paar Vorhaltungen machen lassen.
08:34Wunderbar.
08:35Hast du dir denn überhaupt keine Papiere oder irgendwelche Unterlagen von seiner Firma zeigen lassen?
08:40Ach was, Papiere. Der hat einen so guten Eindruck gemacht.
08:43Guten Eindruck gemacht.
08:45Das sagt doch gar nichts, ob er dir die Miete bezahlt.
08:48Ich bitte dich, ein bisschen Menschenkenntnis wirst du mir doch wohl noch zutrauen.
08:52Aber darum geht's doch gar nicht, Mutti.
08:54Das mag ja ein netter und sympathischer Mann sein.
08:58Aber ob er die 2000 Mark im Monat zahlen kann?
09:01Und da kommen ja auch noch einige Nebenkosten dazu.
09:04Das ist doch eine ganz andere Frage.
09:06Schön, was schlägst du vor?
09:07Soll ich mir vielleicht sein Sparbuch zeigen lassen?
09:09Natürlich nicht.
09:11Aber man kann sich doch mal erkundigen, ob das alles stimmt, was er dir erzählt hat.
09:15Dass er abgeordnet ist, um sich bei Steinmeier und Co. um die neuen Computer zu kümmern.
09:21Also weißt du, als Detektiv eigne ich mich nun wirklich nicht.
09:26Und wenn Dr. Waldschmidt merkt, dass ich ihm nachschnüffle, dann wird er ganz schnell sagen,
09:30Dankeschön und auf Wiedersehen.
09:32Aber Mutti.
09:33Ich würde das an seiner Stelle so machen.
09:35Sei jetzt bitte nicht gleich eingeschnappt.
09:37Ich finde, hier geht's ja um was.
09:39Und du solltest schon genau wissen, wem du unser Haus anvertraust.
09:42Sicher.
09:43Du weißt ja, dass ich bei zwei anderen Interessenten schon Nein gesagt habe.
09:48Aber glaub mir, hier ist das was anderes.
09:50Na, hoffentlich behältst du recht.
09:56Frau Konietzki scheint tatsächlich recht zu behalten.
09:59Ihr künftiger Mieter erweist sich schon bei der nächsten Zusammenkunft als Mann mit Stil und Lebensart.
10:04Denn zum Vertragsabschluss lädt er sie in ein elegantes Speiselokal ein.
10:14Sehr zum Wohl, Frau Konietzki.
10:16Auf gutes Einvernehmen.
10:17Zum Wohl.
10:18Und alles Gute im Haus für Sie und Ihre Familie.
10:25Miete und Kaution überweist meine Frau heute noch von zu Hause aus.
10:29Ich werde sie gleich anrufen und ihr sagen, dass alles geklappt hat.
10:33Ach ja, meine Frau wollte am Wochenende schon mal kommen.
10:36Da bräuchte ich dann einen Schlüssel.
10:38An alles schon gedacht.
10:40Vielen Dank.
10:42Dann haben wir uns jetzt ein gutes Manü verdient, meine Frau.
10:45Wenn Sie bitte wählen wollen.
10:50Die gefüllten Wachteln kann ich sehr empfehlen.
10:53Oder wenn Sie lieber Fisch mögen.
10:55Der Steinbuth ist hier wirklich exzellent.
10:59Frau Konietzki ist zufrieden.
11:02Was sich dann aber, ohne dass sie etwas davon bemerkt, an ihrem gerade vermieteten Haus abspielt,
11:07entspricht überhaupt nicht ihren Erwartungen.
11:09Der Lastwagen, der dort an einem der nächsten Tage vorfährt, bringt nicht etwa, wie zu vermuten wäre, die Sachen des
11:15neuen Mieters.
11:45Im Gegenteil.
11:46Er hat nicht mehr aufgelöst, sondern dass er auch noch das ganze Haus ausgeräumt hatte.
11:51Der Fall zeigt, dass man Betrüger eben leider nicht an der Nasenspitze erkennt.
11:56Und dass es sehr gefährlich ist, sich auf seine vermeintliche Menschenkenntnis zu verlassen.
12:01Deshalb sollte man sich in einem Fall wie diesem schon etwas besser informieren, als es Frau Konietzki getan hat.
12:08Dazu gehört zunächst einmal, dass man sich Ausweispapiere zeigen lässt und dass man dann auch Referenzen erbittelt.
12:15Etwa vom früheren Vermieter oder der Firma, bei der der künftige Mieter beschäftigt ist.
12:21So viel zu diesem Thema.
12:27Meine Damen und Herren, vor einem halben Jahr ist ein neues Verbraucherschutzgesetz in Kraft getreten.
12:33Danach haben Kunden, denen an der Haustür etwas verkauft worden ist, eine Rücktrittsfrist von einer Woche.
12:39Allerdings gibt es da eine bedeutsame Ausnahme, für die diese Rücktrittsfrist nicht gilt.
12:45Nämlich für Versicherungsverträge, die ja ebenfalls sehr häufig bei Haustürgeschäften abgeschlossen werden.
12:53Das sollte man wissen, denn der nächste Fall, den wir Ihnen jetzt vorstellen wollen, gehört in die Spachte faule Tricks
13:00mit Versicherungen.
13:02Angewendet werden diese Tricks von einigen Vertretern, die ganz gezielt bei Leuten vorsprechen, die vor vielen Jahren eine Lebensversicherung abgeschlossen
13:10haben.
13:11An die notwendigen Adressen kommen Sie auf nicht ganz legalem Wege.
13:17Sie tauschen einfach Ihr Adressenmaterial mit dem anderen Vertreter vorher aus.
13:26Ja, bitte.
13:27Guten Tag, Frau Holzheimer.
13:29Guten Tag.
13:29Ich komme vom Beratungsdienst der Vitalitas Versicherung.
13:32Mein Name ist Bechthold.
13:34Versicherung?
13:34Danke, da haben wir schon genug davon.
13:36Ich weiß, Frau Holzheimer.
13:37Es geht doch nur um eine Überprüfung, ob noch alles stimmt.
13:41Wieso? Warum?
13:42Was soll denn da nicht mehr stimmen?
13:43Na, da ändert sich doch so manches im Laufe der Zeit. Adresse, Telefon, Laufzeiten oder die begünstigten Personen.
13:52Ach, hören Sie, sprechen Sie da besser mit meinem Mann, der versteht da mehr davon.
13:56Ist er denn da?
13:57Ja, kommen Sie ruhig rein. Der ist ganz stolz, ob sein Papierkram.
14:01So.
14:01Bitte, die zweite Tür.
14:03Danke.
14:05Ein Routinebesuch, so scheint es.
14:07Doch hinter dem harmlosen Ansinnen steht ein ganz bestimmter Plan.
14:10Nein, nein, bei uns hat sich nichts geändert. Nur älter sind wir geworden.
14:15Naja, das ist der Lauf der Zeit.
14:17So, ich habe uns inzwischen eine Tasse Kaffee gemacht.
14:20Oh, vielen Dank, Frau Holzheimer. Die kann man immer vertragen.
14:23Unsere Hauptfrage bei dieser Aktion ist eigentlich immer, ob sich an der Begünstigung etwas verändert hat.
14:28Wieso? Begünstigung? Was heißt denn das?
14:31Naja, wer das Geld bekommen soll, wenn der Versicherungsfall eintritt.
14:34Bei uns bleibt alles beim Alten. Im Todesfall geht die Versicherungssumme zu 50 Prozent an meine Frau.
14:42Den Rest kriegt mein Sohn.
14:44Bestens, Herr Holzheimer. Dann bin ich auch gleich wieder fertig.
14:48Ich fülle nur gerade noch eine kleine Urkunde aus, als Dokument, das wir die Erdberechtigung überprüft haben.
14:57Das Original lasse ich Ihnen dann da für Ihre Unterlagen.
15:01Das muss ja alles seine Ordnung haben.
15:03So, dann brauche ich gerade noch mal genau Name und Anschrift Ihres Sohnes.
15:08Georg Holzheimer, Bismarckplatz 33.
15:12Genau darauf kam es dem Mann an. Name und Adresse eines Erdberechtigten.
15:19Dort, beim Sohn Georg Holzheimer, zieht der Ganova dann schon am nächsten Tag seine raffinierte Masche ab.
15:25Es freut mich, in die Bewilligungsurkunde aus der Lebensversicherung Ihre Eltern überreichen zu können.
15:31Schönen Dank, Herr Ralf.
15:33Ehrlich gesagt, ich verstehe die Sache nicht ganz.
15:36Meine Eltern leben doch Gott sei Dank noch.
15:39Das ist ja der springende Punkt, Herr Holzheimer.
15:41Es ist uns endlich gelungen, beim Bundesaufsichtamt für das Versicherungswesen durchzusetzen,
15:46dass die Gelder aus diesen Altversicherungen von den Erdberechtigten bis zu einer Höhe von 75 Prozent abgerufen werden können,
15:54auch ohne, dass der Versicherungsfall eingetreten ist.
15:57Wie? Da bekomme ich schon Geld, bevor mein Vater tot ist?
16:00Ja.
16:01Nun setzen Sie sich doch erst mal.
16:02Schönen Dank.
16:03Sie müssen nur einen Antrag stellen. Formular habe ich dabei.
16:06Das ist ja toll.
16:07Also, da gibt es in drei Raten bis zu 75 Prozent, wie gesagt.
16:13Ich kann Ihnen das gleich genau sagen.
16:16Versicherungssumme bei Ihrem Vater ist 50.000 Mark.
16:19Und Ihr Anspruch daraus 25.000.
16:22Davon 75 Prozent.
16:24Das sind 18.750 Mark.
16:28Die können Sie in drei Raten zu je, Moment, 6.250 Mark abrufen.
16:36Dazwischen müssen allerdings jeweils sechs Kalendermonate liegen.
16:39Finde ich ja toll.
16:41Also ehrlich, endlich mal eine Versicherung mit einer guten Idee.
16:44Und das Geld kommt mir wie gerufen.
16:46Ich will sowieso eine Garage anbauen.
16:47Das schaffe ich dann sogar ohne Kredit.
16:49Tja, dann wollen wir gar keine Zeit verlieren.
16:51Mache ich Ihnen den Antrag doch gleich fertig.
16:54Und wie lange wird es dann dauern, bis das Geld kommt?
16:56Ach, das geht relativ zügig, Herr Holzheimer, wenn Sie es mir heute gleich unterschreiben.
17:00Spätestens in vier Wochen haben Sie es auf dem Konto.
17:05Herr Holzheimer Junior hat, beinahe ist man geneigt zu sagen, selbstverständlich unterschrieben.
17:11Und er hat in der Hochstimmung, in die ihn die frohe Botschaft versetzt hat, auch gar nicht weiter auf das
17:16geachtet, was er da unterschrieben hat.
17:19In Wirklichkeit hat er nämlich eine neue Lebensversicherung abgeschlossen.
17:23Die versprochene vorzeitige Auszahlung der Lebensversicherung seines Vaters erwies sich dann als Seifenblase.
17:29Diese Geschichte hatte der Vertreter ganz einfach erfunden.
17:34Für den neuen Vertrag aber muss Herr Holzheimer die entsprechenden Prämien bezahlen.
17:38Denn, wie schon gesagt, Versicherungsabschlüsse sind von dem neuen gesetzlichen Rücktrittsrecht grundsätzlich ausgenommen.
17:47Streng genommen könnte er den Vertrag zwar wegen arglistiger Täuschung anfechten, das aber bedeutet eine Menge Papierkrieg und Scherereien.
17:54Und es ist letztlich nie ganz sicher, wie so ein Streit ausgeht.
18:00Die Hoffnung auf das große Geld, meine Damen und Herren, schwer hat sie nicht.
18:06Die einen setzen aufs Roulette, die anderen auf Rennpferde und Millionen hoffen Woche für Woche auf den Sechser im Lotto.
18:15Diese allgemeine Hoffnung auf schnellen Reichtum ist natürlich auch immer wieder ein Anknüpfungspunkt für Betrüger der unterschiedlichsten Schattierungen.
18:23Sehr oft verstecken sie sich hinter solchen Annoncen, in denen aussichtsreiche und gewinnträchtige Spielsysteme angeboten werden.
18:32Und es gibt viele Leute, die für solche Versprechungen ein offenes Ohr haben.
18:38Der 32-jährige Busfahrer Wilfried Berchtl gehört dazu.
18:43Er bewohnt ein kleines Reihenhaus in einer Stadtratssiedlung in Karlsruhe.
18:48Er hat sich auf ein Inserat gemeldet, in dem ein Lottoclub-Mitspieler sucht.
18:53Die Antwort, die er kurz darauf von der Tippgemeinschaft Goldene Sechs bekommt, erscheint ihm recht solide.
19:00Spielregeln, Systemübersichten, Zahlungsmodalitäten, alles in Ordnung.
19:03Keine Frage bleibt offen.
19:05Willst du da wirklich mitmachen?
19:07Schlecht ist es jedenfalls nicht.
19:09Und wie geht das?
19:10Offensichtlich spielen die Systeme.
19:13Da sind dann die Chancen halt noch größer.
19:15Kannst du das nicht auch alleine machen?
19:17Ja, könnte ich schon, aber ein Vollsystem mit zehn Zahlen zum Beispiel kostet schon 210 Mark.
19:22Was? So teuer?
19:25Eben. Wenn da mehrere mitmachen, wird es halt noch günstiger.
19:29Ich schreibe hier, dass der Chef von dem Laden Mathematiker ist.
19:32Der hat eine Kombination von mehreren Systemen ausgeknobelt.
19:36Die kostet über 3000 Mark pro Woche.
19:39Kann man sich halt mit dem 20er beteiligen. Mindesteinsatz.
19:4320 Mark? Das vertippst du doch jetzt auf.
19:45Ja, eben deswegen könnte man das ja mal probieren.
19:48Man hat praktisch mehr Chancen, ohne dass es mehr kostet.
19:51Ach so ist das.
19:52Kann man ja bloß noch die 5 Mark Gebühren dazu holen.
19:55Soll mir die Sache wert sein.
19:58Noch 1 Mark 50 für die Kost, mach dann 26,50.
20:04Wilfried Berkel steigt in die Tipp-Gemeinschaft ein.
20:07Und aus Frankfurt, wo der Club seinen Sitz hat, bekommt er auch diesmal prompt Antwort.
20:11Die Bestätigung seines Einsatzes und die Aufstellung der Zahlen, die gespielt werden sollen.
20:18Drei Wochen später erscheint dann tatsächlich der Briefträger und zahlt einen kleineren Gewinn aus.
20:2856 Mark 50, bitte.
20:33Wilfried Berkel ist zufrieden.
20:35Zuversichtlich erhöht er für die nächsten Wochen sogar seinen Einsatz.
20:41Warten wir also nicht länger, sondern fangen gleich an.
20:45Und dann kommt, wieder ein paar Wochen später, der große Tag.
20:49Wilfried!
20:51Nun komm doch endlich, die Lottozahlen laufen schon.
20:59Was hast du gesagt?
21:01Beeil dich, die Lottozahlen.
21:042, 5, 6, 15, 18, 27 und die Zusatzzahl 33.
21:15Ich wiederhole.
21:172, 5, 6, 15, 18, 27 und die Zusatzzahl 33.
21:273, 3, 8, 3.
21:31Alle Gewinnern herzlichen Glückwunsch.
21:34Das könnte heute noch was werden.
21:35Sag bloß.
21:37Moment, warte mal.
21:39Ich muss das noch vergleichen.
21:40Also drei Stimmen schon.
21:4218.
21:44Nein, nein, das reicht nicht.
21:46Hier sind vier,
21:48fünf.
21:50Ich werde wahnsinnig.
21:51Hier sind alle sechs.
21:53Ehrlich?
21:54Hast du dich auch nicht getäuscht?
21:55Nein, hier, guck her.
21:57Guck du noch mal.
21:58Ich hole schon mal eine Flasche Sekt.
22:09Na also,
22:10hat es sich ja endlich doch gelohnt.
22:11Prost.
22:12Prost.
22:16Was meinst du,
22:17wie viel wir da kriegen?
22:18Kommt drauf an,
22:19wie viel es diesmal gibt,
22:19auf dem Sechser.
22:21Na Gott sei Dank
22:21habe ich ja vor drei Wochen
22:22auch 50 Mark erholt.
22:24Na prima.
22:24Hast ja einen guten Riecher gehabt.
22:27Gesamteinsatz war ein Lautspielplan
22:28rund 2.500 Mark.
22:30Beträgt mein Anteil also
22:31zwei Prozent vom Gewinn.
22:33Das habe ich mir vorhin schon
22:34genau ausgerechnet.
22:34Und wie viel ist das?
22:36Na bei einer Million zum Beispiel,
22:37das wären, warte mal,
22:3810, 10,
22:39das wären 20.000 Mark.
22:41Und wenn die Quote höher ist?
22:43Die Gewinnquote für sechs Richtige
22:45liegt an diesem Wochenende
22:46tatsächlich bei 1,5 Millionen Mark.
22:49Verständlich,
22:49dass Wilfried Berkel
22:50in den nächsten Tagen
22:51sehnsüchtig auf den Briefträger wartet.
22:54Morgen.
22:55Was dabei für uns?
22:56Guten Morgen.
22:57Ja, ich habe was für Sie.
22:59Bitte sehr.
23:04Na, das muss ja was Wichtiges sein.
23:09Das gibt es doch nicht.
23:12Das darf doch nicht wahr sein.
23:14Das passt nicht.
23:15Wie?
23:15So, nein.
23:16Mit Ihnen hat das nichts zu tun.
23:18Entschuldigung.
23:18Wiedersehen.
23:23Hier ist der Brief,
23:24den Wilfried Berkel
23:25an diesem Tag bekommen hat.
23:27Er kam tatsächlich
23:29von der Tippgemeinschaft
23:30Goldene Sechs in Frankfurt.
23:32Aber er enthielt
23:33keine Gewinnbenachrichtigung,
23:34sondern eine herbe Enttäuschung.
23:37Der Chef des Unternehmens
23:38teilte lapidar mit,
23:40dass er wegen Krankheit
23:41verhindert war,
23:42die Tippscheine
23:43rechtzeitig abzugeben.
23:45Tatsächlich ist wohl
23:46überhaupt nicht getippt worden.
23:49Der Veranstalter
23:50hat die regelmäßigen Einsätze
23:51seiner Mitspieler
23:52ganz offensichtlich
23:53in die eigene Tasche gesteckt.
23:56Da kamen in der Woche
23:57natürlich mehrere Tausend Mark zusammen.
23:59Und von diesem Geld
24:00konnte er auch
24:01kleinere Scheingewinne auszahlen.
24:04Das ging so lange gut
24:05und war für den Chef
24:06der Tippgemeinschaft
24:07auch sehr einträglich,
24:08bis seine ominösen Zahlenreihen
24:10tatsächlich einen Volltreffer brachten.
24:14Damit flog in diesem Fall
24:15die ganze Geschichte auf.
24:17Aber nach wie vor
24:18versuchen betrügerische
24:19Wettveranstalter
24:20mit ähnlichen,
24:21dobiosen Angeboten
24:22neue Kunden anzulocken.
24:24Deshalb prüfen Sie,
24:27mit wem Sie es zu tun haben.
24:29Wettgemeinschaften
24:29mit Fremden
24:30sind nicht frei
24:31von Risiken.
24:35Und nun wieder
24:36zu unserem Experiment.
24:38Dass Nepper,
24:40Schlepper und Bauernfänger
24:41sehr schnell
24:41auf neue Entwicklungen
24:43reagieren,
24:43das wissen Sie sicher inzwischen.
24:45Insoweit
24:46war es eigentlich
24:47fast zu erwarten,
24:48dass üble Geschäftemacher
24:49auch versuchen würden,
24:51aus dem Atomunglück
24:52von Tschernobyl
24:53Profit zu schlagen.
24:55Unsere Mitarbeiter
24:56haben eine dieser Maschen
24:57aus der jüngsten Zeit
24:59ausprobiert,
24:59als selbsternannte
25:01Atomkontrolleure.
25:05Mit einer Umweltplakette
25:07am Revier,
25:07mit einer amtlich
25:08wirkenden Liste
25:09und einem richtigen,
25:10funktionierenden
25:11Geigerzähler im Wagen,
25:12so hatten sich
25:13Bernd Schröder
25:13und Kameramann
25:14Wolfgang Schalong
25:15diesmal für ihren Job
25:16ausgerüstet.
25:25Bevorzugte Objekte,
25:26Häuser am Ortsrand,
25:27wenn möglich mit Garten,
25:29vor allem aber mit Kindern.
25:32Wir kommen vom Umweltamt,
25:33wir sollen hier nochmal
25:34in der Gegend
25:35strahlen,
25:36Kontrollmessungen machen.
25:37Wir würden gerne einmal
25:37im Vorgartenbereich
25:38und einmal
25:39auf der anderen Seite
25:40kontrollieren, ja.
25:41Und zwar müssen wir
25:42gerade mal so ungefähr
25:42ein Quadratmeterchen nehmen.
25:45Die Kontrollmessungen
25:46finden vor
25:47und hinter dem Haus
25:48statt.
25:49Mit einem unsichtbaren
25:50Knopfdruck
25:50wird das Messergebnis
25:52überhöht.
25:53Das ist fast das Zehnfache.
25:55Das ist schon
25:56eine ganze Menge.
25:57Hier würde ich
25:57schon sagen,
25:59dass man da
26:00mal mit einer Lösung
26:01drüber gehen sollte.
26:03Wir haben ja so
26:03ein paar Kanister
26:04noch im Auto.
26:05Die gibt es übrigens
26:05auch übernächste Woche
26:06wahrscheinlich auf den Gemeinden
26:07überall, diese Lösung.
26:09Wir haben jetzt noch
26:09ein paar da.
26:10Wir können den gerne
26:10in Dalle.
26:11Das ist Verdünnung
26:11von 1 zu 10.
26:13Das kostet also
26:1335 Mark.
26:15Das ist der Selbstkostenpreis
26:16wahrscheinlich auf der Gemeinde
26:17nächste Woche mehr.
26:20Die selbsternannten
26:21Umweltschützer
26:21haben für solch schwierige Fälle
26:23die Patentlösung
26:24gleich dabei.
26:26Beobachtet vom Hausherren
26:28und den beiden Kindern
26:28werden die besonders
26:29gefährdeten Stellen
26:30besprüht, zum Beispiel
26:32der Sandkasten.
26:33Dass es sich bei dem
26:34Wundermittel aus dem
26:34Kanister nur um
26:35blankes Wasser handelt,
26:36weiß ja niemand.
27:00Die nächsten Opfer, Mutter und Tochter
27:04mit einem großen Gemüsegarten.
27:17Nach Einschätzung der Lage
27:18bieten unsere Männer
27:19den Anti-Atom-Kanister
27:20hier etwas preiswerter an.
27:25Mit Erfolg, wie man sieht.
27:2718 Mark, ja.
27:30Im dritten Fall geraten sie dann aber
27:33an eine kritische und gut informierte
27:35Hausfrau und Mutter.
27:36Man sieht so viel im Fernsehen,
27:38ob das auch wirklich jetzt...
27:40Wo kann ich mich da erkundigen?
27:42Sie können anrufen.
27:44Es hat auch in der Zeitung gestanden
27:45übrigens, dass wir unterwegs sind.
27:47Ich glaube nicht, dass man
27:48irgendwelchen Sprühmitteln
27:50die Radioaktivität
27:51weder beseitigen noch irgendwie...
27:53Nee, abwaschen.
27:55Ich meine, wenn es wirklich
27:56alles mit der Ellen zugeht,
27:58dann würde ich mich da auch
27:59wirklich nicht verschließen.
28:00Wir sind jetzt also ungleich.
28:02Ich habe sehr viele darüber gelegen.
28:03Ja, sollte man auch.
28:04Es ist mir also zweifelhaft,
28:06dass irgendwie die Möglichkeit besteht,
28:08das zu waschen.
28:09Das geht irgendwo nicht.
28:13Lassen Sie mich zur Erklärung
28:15zunächst sagen, meine Damen und Herren,
28:16dieses Experiment ist im vergangenen Sommer
28:19unternommen worden,
28:20also nur wenige Wochen nach Tschernobyl.
28:23Sieht man einmal von dem letzten Fall ab,
28:25in dem sich die junge Frau
28:26sehr klug und richtig verhalten hat,
28:28so sind, glaube ich,
28:30zwei Dinge deutlich geworden.
28:32Erstens, Betrüger haben immer
28:34einen Vorsprung, wenn sie besser informiert sind
28:36als ihre Opfer
28:37und dann deren Unsicherheit ausnutzen können.
28:39Und zweitens,
28:41ein amtlicher Anstrich
28:42wirkt fast immer Wunder.
28:45So viel für heute
28:46über Nepper, Schlepper und Bauernfänger.
28:49Guten Abend.