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  • vor 2 Tagen
Wir berichten in Thema des Tages ja viel und ausführlich über den Mann, der das Weiße Haus aktuell sein zu Hause nennen darf. Dabei darf aber nicht vergessen werden, welche Botschaft und welchen Wert die USA seit Jahrzehnten in die Welt hinaustragen.
Wir sprechen heute mit einem Gast, der den Glauben in die USA noch nicht verloren hat. Florian Danner ist seit 18 Jahren Moderator bei Café Puls auf PULS 4 und berichtet regelmäßig aus den Staaten. Jetzt zieht er für ein Jahr in die USA, um ein Stipendium zum Thema Künstliche Intelligenz an der Stanford University wahrzunehmen.

Mit ihm sprechen wir darüber, ob der amerikanische Traum wirklich tot ist, warum wir die USA einfach nicht verstehen und warum er immer noch an eine positive Zukunft des Landes glaubt.

Moderation: Daniel Retschitzegger; Video von: Tobias Holub; Head of Video beim STANDARD: Zsolt Wilhelm

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News
Transkript
00:00Wir berichten hier im Thema des Tages ja sehr viel über die USA und über jenen Herrn, der das Weiße
00:05Haus derzeit sein Zuhause nennen darf.
00:07Wir sprechen da über besorgniserregende Trends, über Entwicklungen, die Kopfweh bereiten und über Dinge, die uns große Sorge machen.
00:15Dabei dürfen wir nicht vergessen, über welches Land wir hier eigentlich sprechen und welchen wichtigen Einfluss es auf uns und
00:22unsere Vorfahren beispielsweise hatte.
00:24Wir stellen heute die Frage, ob man Amerika immer noch lieben darf und ob der amerikanische Traum immer noch existiert.
00:31Dafür haben wir uns heute Florian Danner von Puls 4 eingeladen.
00:34Seit 18 Jahren ist er Moderator für Kaffee Puls, unterhält und informiert die Österreicher und beim Wahlwandern ist er tausende
00:41Kilometer durch dutzende US-Swing States gereist.
00:45Jetzt zieht er für ein Jahr wegen eines Stipendiums in die USA.
00:49Wir sprechen heute mit einem und so viel können wir im Vorfeld verraten, der die Hoffnung in die USA noch
00:54nicht verloren hat und positiv und optimistisch in die Zukunft des Landes blickt.
00:59Ich bin Daniel Retschitz-Egger, das ist Thema des Tages, der Nachrichten-Podcast, der Standard.
01:08Florian Danner ist heute hier im Standard-Podcast.
01:10Grüß dich Florian.
01:11Hallo.
01:12Ganz kurze Information für unsere Zuschauerinnen und ZuhörerInnen.
01:15Wir sitzen ja normalerweise externe Personen, aber wir haben sechs Jahre miteinander zusammengearbeitet, immer mal mehr, mal weniger.
01:23Und waren selten per sie.
01:24Wir waren sehr selten per sie, deswegen lassen wir es jetzt gleich bleiben, weil es wäre auch irgendwie ein bisschen
01:27unnatürlich.
01:28Sehr gern.
01:29Aber der Grund, warum ich dich eingeladen habe, Flo, ist, du verbringst ab August 2026 ein Jahr in den USA.
01:36Du bist da an der Stanford University, hast ein Stipendium bekommen, bist erst der vierte Österreicher, der das geschafft hat.
01:41Und ich muss dir ganz ehrlich sagen, so vor der Wahl von Donald Trump hätte ich da wahrscheinlich jetzt irgendwie
01:46wahnsinnig euphorisch auf die Schulter geklopft.
01:49Der hätte gesagt, super, Mann, das wird total toll.
01:50Ich freue mich wahnsinnig für dich und ich freue mich immer noch wahnsinnig für dich.
01:53Aber irgendwie ein bisschen Sorge schwingt da jetzt wahrscheinlich schon auch mit.
01:58Wie blickst du jetzt auf dieses Abenteuer in dieser neuen Donald-Trump-Welt?
02:00Abenteuer trifft sich perfekt. Das ist genau das Wort, nachdem sich das gerade anfühlt.
02:05Ja, das ist eine extrem spannende Zeit.
02:08Politisch in Amerika, im Rennen um künstliche Intelligenz, da wo ich hingehe, nämlich im Silicon Valley.
02:14Also in dem Land tut sich gerade sehr viel, wie wir in diesem Podcast und in vielen weiteren Medien immer
02:20hören.
02:21Also ich sehe es aufgeregt, aber nicht so dramatisch wie du, glaube ich.
02:27Vielleicht ist die Außenbetrachtung auch immer ein bisschen so, dass man das für dramatisch erhält, dass es wirklich ist.
02:32Du warst ja bei der Wahl im November 2024 in den USA.
02:35Wir haben gerade im Vorgespräch auch noch gesprochen.
02:36Du warst in Pennsylvania am Wahltag und am Abend dann in Washington.
02:39Du berichtest ja regelmäßig mit deinen Wahlwandern, machst Live-Entstieg etc.
02:44Informierst die Österreicherinnen und Österreicher, was da so abgeht.
02:47Und hättest du dir damals ahnen können oder hast du damals geahnt, was für ein Wahnsinn da auf dieses Land
02:52zukommt?
02:53Ich weiß nicht, ob du dazwischen nochmal dort warst.
02:54Ja, also was für ein Wahnsinn ist natürlich, Wahnsinn ist ein gefährliches Wort in der ganzen Sache.
03:01Ich würde sagen, wir haben ein bisschen schon gewusst, was auf Amerika zukommen könnte durch dieses Project 25 und so,
03:10das es damals schon gegeben hat.
03:12Dass es so schnell geht, glaube ich, hat die allermeisten überrascht, auch viele seiner Wählerinnen und Wähler.
03:17Also für mich war nicht klar, dass Donald Trump so gut vorbereitet in seine zweite Amtszeit geht und da einfach
03:25einen ganz genauen Plan hat.
03:27Oder ob er den Plan hat oder ob seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Plan hat, darüber kann man natürlich spekulieren.
03:34Ich tippe eher auf Letzteres.
03:35Aber dass die so gut darauf vorbereitet waren, dass sie ihre Agenda umsetzen, das hat mich überrascht.
03:42Aber man sieht ja jetzt auch schon wieder, man könnte schon annehmen, der Peak ist vielleicht auch schon wieder überschritten.
03:48Und jetzt bröckelt schon seine Coalition, wie es immer heißt, also seine Wählerkoalition, die ihn wieder ins Amt gehievt hat.
03:56Woran machst du das fest?
03:57Also ich meine, es ist ja, glaube ich, für sehr viele, auch für die Republikaner und für Trump-Gegner ein
04:01großer Wunsch, dass das mal bröckelt.
04:03Aber woran machst du das fest?
04:05Also ich glaube, die Beliebtheitswerte waren noch nie so schlecht für Donald Trump in der Zeit,
04:09seit er damals von dieser berühmten Rolltreppe im Trump Tower in New York runtergekommen ist und gesagt hat,
04:13ich will Präsident werden.
04:15Also so unbeliebt wie jetzt war er noch nie.
04:17Das liegt halt auch einfach daran, dass er Amerika versprochen hat, ich werde die Inflation senken und so weiter.
04:22Und er hat bisher das nicht erfüllt, zumindest in den Augen auch von vielen seiner Wählerinnen und Wähler.
04:29Und ich bin natürlich mit vielen immer noch in Kontakt über WhatsApp oder über FaceTime oder irgendwie so
04:37und schaue immer wieder einmal, wie es denn denen so geht.
04:40Und da gibt es einfach schon eine signifikante Zahl an Menschen, die ihn entweder wirklich aus Überzeugung
04:46oder auch als notwendiges Übel gewählt haben und jetzt schon sehr enttäuscht sind von ihm.
04:53Und da, glaube ich, spürt dann schon Trump selbst auch, dass jetzt der Machtpeak wahrscheinlich schon überschritten ist
05:02und das jetzt eher zurückgeht.
05:03Im November sind ja dann die nächsten Wahlen, werden wir sicher auch noch darüber reden.
05:07Dann, ja, da können ihm auch seine Gegner dann einen Riegel vorschieben.
05:12Du hast gesagt, Wahnsinn ist ein gefährliches Wort.
05:14Ich finde es recht passend, aber was stört dich dran?
05:17Weil ich glaube, dass ungefähr die Hälfte Amerikas das noch nicht als Wahnsinn sieht.
05:24Ich habe einfach mit so vielen Wählerinnen und Wählern von Donald Trump gesprochen
05:28in diesen vielen Wahlwanderaktionen, wo ich dort war, wo ich aus den verschiedensten Swing States auch berichtet habe.
05:35Und da, glaube ich einfach, dass Wahnsinn nicht das objektive Wort ist.
05:40Das ist ein bisschen das Wort, das wir uns als Europäer zurechtgelegt haben mit Amerika.
05:45Aber wir dürfen ja trotzdem nicht vergessen.
05:48Ja, ich bin unerschütterlicher Optimist, aber Donald Trump ist nicht Amerika.
05:53Wir machen als Europäer immer den Fehler, dass wir entweder das Hollywood Amerika sehen
05:57oder das Trump Amerika. Beides ist einfach falsch.
06:02Amerika ist so viel mehr, das besteht aus 50 Bundesstaaten, die so unterschiedlich sind,
06:06die sich untereinander ja auch teilweise nicht verstehen,
06:10weil sie nicht alle Englisch sprechen würden,
06:11aber die einfach unterschiedliche Ausgangsbasen haben.
06:16Also ich glaube, wir sollten uns nicht zu einfach mit Amerika machen
06:21und jetzt nur sagen, weil Donald Trump gerade Präsident ist,
06:25ist dieses Land wie Donald Trump. Das ist es ganz sicher nicht.
06:29Da sprichst du ja, finde ich, einen durchaus interessanten Punkt an,
06:31denn als Europäer ist man ja schnell mal beleidigt oder das ist so ein Klischee,
06:35die Amerikaner haben keine Ahnung von Europa,
06:36die können Frankreich und Deutschland nicht auseinanderhalten auf der Landkarte.
06:39Wenn man den Gegenversuch anstellt, Pennsylvania und Wisconsin,
06:43ich glaube, ich würde es auf der Karte auch nicht finden.
06:46Sind wir da wirklich, sind wir da einfach auch irgendwie, weiß ich nicht,
06:50haben wir da einfach zu wenig Verständnis oder einfach kapieren wir dieses Land vielleicht einfach nicht?
06:55Also ich würde sagen, Amerika kapiert Europa ja genauso wenig wie Europa.
06:59Amerika kapiert no, no, net.
07:01Ja, Außenpolitik ist jetzt, wenn es nicht so showmäßig wie von Donald Trump gestaltet ist
07:06oder wie es vielleicht einmal auch von einem Macron oder so gestaltet worden ist,
07:11ist halt dann auch nicht das, worüber die ganze Zeit berichtet wird
07:15und dann beschäftigen wir uns halt immer nur mit so kleinen Schnipseln.
07:18Ich finde ein gutes Beispiel, jetzt glaube ich, letzte Nacht hat Donald Trump wieder einmal auf seiner Plattform abgesondert.
07:25Er macht jetzt Venezuela zum 51. Bundesstaat Amerikas
07:29und wieder wirft Donald Trump das Stockerl und alle springen wieder wahnsinnige Dackel auf
07:34und da kritisiere ich auch uns als Medienmacherinnen und Medienmacher,
07:39dass wir da sofort eine Riesengeschicht draus machen.
07:41Der hat halt das Geschäft auch verstanden
07:44und bestimmt damit halt seine Agenda.
07:47Also ich finde, da müssen wir einfach ein bisschen differenzierter denken, als wir das oft tun.
07:55Thema des Tages hat ja auch sehr viele Trump-Podcasts.
07:57Ich weiß nicht, ob dir das aufgefallen ist, den Zuhörerinnen und Zuhörern fälls auf.
08:01Das ist auch immer wieder ein Feedback.
08:02Und natürlich, auch wir springen manchmal, wenn man es ganz selbstkritisch sagen will,
08:06nach diesem Stockerl, weil er wirft uns halt einfach so viel Wahnsinn entgegen.
08:10Und ich habe schon wieder das Wort Wahnsinn verwendet, aber er wirft uns sehr viel entgegen,
08:13sagen wir es etwas neutraler.
08:14Wie soll man denn darauf reagieren?
08:16Ich meine, Ignorin ist ja auch immer schwierig.
08:17Natürlich.
08:18Ich habe jetzt auch nicht die Antwort und sage, um Gottes Willen, das müssen wir eigentlich so und so.
08:21Ja, dann diskutieren wir darüber.
08:25Also ich finde einfach, dass wir es, das Entscheidende finde ich immer,
08:29wir dürfen Amerika nicht nur als Trump sehen.
08:32Ja, das ist ein Teil Amerikas, aber de facto gewählt haben ihn ein bisschen mehr als 25 Prozent der Menschen,
08:40die in den USA leben.
08:42Das liegt auch an der Wahlbeteiligung und so weiter.
08:45Aber es gibt jetzt nicht nur diese Make-America-Great-Couple-Typen,
08:51die mit ihm durch Himmel und Hölle gehen.
08:54Es gibt ganz viele andere auch.
08:56Genauso wie ja bei uns in Österreich nicht sich jeder mit der Partei zu 1000 Prozent identifiziert,
09:03die er oder sie wählt.
09:04Genauso ist es in den USA.
09:06Also da dürfen wir offener sein, finde ich.
09:09Was hast du für ein Gefühl, in was für ein Land kehrst du zurück?
09:12Ich meine, du hast gesagt, die USA sind nicht Donald Trump,
09:15sind vielleicht etwas anders als noch vor zwei Jahren,
09:18auch wenn es natürlich je nach Bundesland unterschiedlich ist.
09:22Aber was für ein Land wirst du das kommende Jahr deiner Heimat nennen?
09:27Darauf bin ich auch gespannt.
09:29Es ist ja, ich habe dort meine Homebase in Kalifornien.
09:32Und Kalifornien ist eher ein liberaler Bundesstaat.
09:36Einer der liberalsten in den USA.
09:38Silicon Valley, sagt man auch, ist grundsätzlich eher liberal.
09:42Dort ist aber auch Big Tech und die sind wiederum sehr Trump-freundlich.
09:45Also ich bin selbst gespannt, was ich dort erleben werde.
09:49Ich weiß, dass es viel Austausch von Stanford zum Beispiel mit der University of Nevada in Reno gibt.
09:56Nevada ist ein Swing State, ein klassischer Battleground State.
10:00Also da geht es dann wirklich um viel.
10:02Auf den Austausch bin ich schon wieder gespannt,
10:04weil eben, das müssen wir uns hinter die Ohren schreiben,
10:08Amerika ist nicht nur New York und Kalifornien,
10:12sondern da ist ganz viel dazwischen.
10:14Und das sind auch verdammt viele Menschen, die dieses Land repräsentieren.
10:18Und mit denen reden ist einfach das, was ich liebe.
10:21Du hast Pennsylvania angesprochen.
10:23Ein tolles Land, musst da mal hin.
10:24Ich war doch nicht in den USA, ich kann überhaupt nichts sagen.
10:28Oh Gott, ich sollte mich hier jetzt nicht outen.
10:30Ein Grund, warum vielleicht sehr viele nicht hinfahren,
10:32ist ja durchaus auch, dass sich immer wieder die Geschichten häufen,
10:36dass man als Ausländer am Flughafen gebieserkt werden würde,
10:39dass es teilweise auch wirklich gefährlich werden könnte.
10:42Ich meine, ja natürlich, das sind Einzelgeschichten
10:44und in der Zeit, wo eine von diesen Geschichten auftaucht,
10:46sind Zehntausende einfach ganz normal eingereist.
10:48Das ist schon klar.
10:49Aber schwingt das irgendwie mit in deinem Kopf?
10:52Also die Immigration am Flughafen in den USA,
10:54wann immer ich da drüben war, ist immer ein Pain in the Ass,
10:57um ehrlich zu sein.
10:58Weil man wartet ewig in der Schlange
11:00und dann werden manche rausgefischt.
11:02Als wir damals während der Pandemie
11:04eine Ausnahmegenehmigung bekommen haben,
11:06in die USA zu fahren,
11:08um vom damaligen ersten Biden gegen Trump Wahlkampf zu berichten,
11:15war es besonders intensiv.
11:17Da wurde wirklich jeder in eine Extrakammer gebracht.
11:19Das ist natürlich mühsam.
11:22Aber die zwei Stunden habe ich ausgehalten.
11:24Es war aber auch jetzt niemand unfreundlich zu mir
11:26oder irgendwie sowas.
11:27Ich kenne die Geschichten auch,
11:28dass es manchmal mehr als Unfreundlichkeiten geben soll.
11:34Aber ich bin mir jetzt auch nicht sicher,
11:36ob es das nicht auch für Menschen,
11:38die nach Europa kommen,
11:40bei uns irgendwo geben kann.
11:42Ich glaube, in Stubhaft wird kein amerikanischer Tourist
11:45bei uns genommen, oder?
11:47Möglicherweise nicht, ja.
11:50Aber andere schon, ja.
11:51Aber du siehst es einfach auch,
11:52du siehst es entspannt, sagen wir es.
11:54Was hilft es, ja.
11:55Ja, das ist richtig.
11:56Weil du ja schon die University of Stanford angesprochen hast,
11:59das ist ja auch sein durchaus sehr interessanter Punkt
12:01in den letzten Wochen und Monaten gewesen,
12:03Trumps Umgang mit Universitäten,
12:05beispielsweise Harvard.
12:06Aber ich habe es nachgeschaut,
12:07auch bei Stanford gibt es beispielsweise Druck von Donald Trump,
12:10was Diversitätsprogramme angeht.
12:11Das ist sie da bekanntlich nicht so gerne.
12:14Wie blickst du auf das?
12:16Hättest du dir jemals gedacht,
12:17dass du für eine Forschung in die USA reist
12:19und dich dann mit Politik beschäftigen musst?
12:21Aber ich kann nicht für Stanford sprechen.
12:24Also dazu weise ich einfach zu wenig darüber.
12:27Das mit Harvard habe ich natürlich auch mitbekommen.
12:30Von Stanford relativ wenig im Vergleich.
12:33Ich höre auch immer wieder,
12:33dass Stanford zum Beispiel viel weniger auf Geld
12:38von der Bundesregierung,
12:39also von der Trump Administration angewiesen wäre.
12:43Woran auch immer das liegt.
12:44Ich nehme an,
12:44an den vielen potenten Spenden von Big Tech
12:47an die Universität.
12:50Ja, natürlich ist das wild,
12:53wenn ein Präsident da eingreifen muss.
12:57Aber es ist ja auch nicht so,
12:59also ich muss wieder dazu sagen,
13:01ich will Trump weder verteidigen
13:03noch dämonisieren.
13:04Aber dass alles nur gut war vor Trump
13:08an amerikanischen Unis,
13:10ist vermutlich auch nicht so.
13:12Also da gab es ja davor auch schon Kritik.
13:14Er greift halt dann auf die für ihn übliche Art durch,
13:18die halt dann Brechstange ist,
13:21statt die freundlichen Worte zuerst einmal
13:26oder die freundlichen Hinweise.
13:27Ja, sollte so natürlich nicht sein,
13:30aber so ist halt Donald Trump auch.
13:34Und Donald Trump wird auch nicht ewig im Amt sein.
13:37Das wissen die ja auch.
13:38Und glaube ich,
13:39diese Unis können auch damit kalkulieren,
13:42dass es da vielleicht auch wieder mal eine Änderung gibt.
13:46Du wirst dich mit künstlicher Intelligenz beschäftigen.
13:49Hast du vorher auch schon gesagt,
13:50das ist so dein Ding.
13:51Künstliche Intelligenz ja
13:53hat auch eine politische Ebene,
13:55sagen wir es mal so,
13:55eine ganz große,
13:56das Big Tech schon angesprochen,
13:57gerade was deren politische Ausrichtung betrifft.
14:00Ganz kurz vielleicht auch,
14:01was wirst du da genau machen
14:02und was ist quasi das Forschungsziel?
14:06Mein Hauptthema ist,
14:07seit vielen Jahren verlieren wir als Medien
14:12Zuschauerinnen, Zuschauer, Leserinnen, Leser,
14:14weil Menschen keine Nachrichten mehr lesen,
14:18sehen oder hören wollen.
14:20Ja, sage ich jetzt mal.
14:2140% sind das momentan in Österreich
14:24und das sind viel zu viele,
14:26wie ich aus demokratiepolitischer Sicht glaube,
14:29wie ich aber auch aus ökonomischer Sicht
14:31als Medienmacher sehe.
14:33Und mein Ansatz ist der,
14:35dass wir Journalismus,
14:37dass wir Medien,
14:38dass wir Nachrichten wieder so machen müssen,
14:40dass sie auch diese 40% ansprechen.
14:43Das heißt nicht anbiedern,
14:44aber wenn wir den Menschen zuhören,
14:46warum sie Nachrichten aktiv vermeiden,
14:48News-Fatigue ist da immer oder News-Avoidance
14:51ist immer das Stichwort,
14:53dann können wir auch lernen daraus
14:54und mein Ansatz ist der,
14:57wir können mit neuen Technologien Medien bauen,
15:00die viel stärker auf die Bedürfnisse
15:03unserer Leserinnen, Hörerinnen,
15:06Seherinnen eingehen.
15:08Und da habe ich Prototypen gebaut,
15:10die sollen jetzt durch den Stanford-Stresstest gehen.
15:13Dort gibt es wahnsinnig viele Bright Minds,
15:17die den Prototyp entweder brechen
15:20oder wir vielleicht weiterhelfen,
15:22wo wir da im Journalismus generell weiterkommen.
15:25Da hätte ich gern mehr Details.
15:26Was ist das für ein Prototyp?
15:27Was kann das Ding?
15:27Da gibt es viele Ansätze
15:29von vereinfachten Dingen,
15:32also die Arbeit von Journalistinnen
15:34und Journalisten vereinfachen,
15:36bis hin zu Avataren,
15:40mit denen ich über Nachrichten diskutieren kann.
15:43Da gibt es viele Ansätze.
15:45Ich will noch nicht alles verraten,
15:47weil möglicherweise wird da einiges
15:48auch nicht funktionieren.
15:49Das ist natürlich auch eines der Ziele,
15:52das herauszufinden,
15:53ob es funktioniert oder ob die gleich sagen,
15:56das wird krachend in die Hose gehen.
15:58Ich finde es ja interessant,
15:59weil Social Media, Big Tech etc.
16:02und Journalismus,
16:03das ist ja ein Spannungsfeld.
16:05Medienhäuser auf der ganzen Welt versuchen,
16:07dort irgendwie Fuß zu fassen,
16:08dort Geld zu verdienen.
16:09Es gibt ein Gegenargument,
16:10das ich an sich nicht schlecht finde.
16:11Das ist nämlich Social Media oder Big Tech
16:14und Journalismus verträgt sich
16:15aus Prinzip nicht,
16:17weil diese maximale Aufregung,
16:18diese maximale Aufmerksamkeitsspanne
16:20ja eigentlich dem Grundsatz
16:22eines ausgewogenen Journalismus widerspricht.
16:25Jetzt haben wir in den USA
16:26Big Tech Unternehmen,
16:27die politisch ganz klar positioniert sind.
16:29Du hast Peter Thiel schon angesprochen,
16:31aber ich glaube,
16:31Meta und Co. sind da inzwischen
16:33auch relativ klar in ihrer Schiene.
16:35Wie kann man damit umgehen?
16:37Ich glaube,
16:38das Problem ist eher,
16:39wenn wir es jetzt selbstkritisch
16:40wieder aus Mediensicht sehen,
16:42wir sind halt auf diesen Drang
16:44nach der permanenten Aufmerksamkeit
16:46auch aufgesprungen,
16:47weil wir diesen Trend
16:50von Social Media verschlafen haben.
16:522005 hat sich bei uns, glaube ich,
16:54niemand über eine Social Media Strategie
16:56eines Medienhauses
16:58Gedanken gemacht.
17:00Da wäre es halt dann schon Zeit gewesen.
17:02Deswegen ist für mich jetzt auch so spannend,
17:03wir dürfen nicht wieder denselben Fehler,
17:05den wir als Medien
17:06mit Social Media gemacht haben,
17:08jetzt mit AI,
17:09mit künstlicher Intelligenz machen.
17:11Wir müssen am Tisch sitzen,
17:13wenn diese großen Open AI's
17:16dieser Welt
17:16auch unsere Zukunft mitbestimmen,
17:19bevor das nur die Investoren
17:20und die Techniker dort machen.
17:21Wenn da wir als Journalistinnen
17:23und Journalisten,
17:24als Medienmacherinnen mitreden können,
17:27dann haben wir vielleicht eine Chance,
17:29dass wir nicht wieder
17:30late to the party sind.
17:31Aber kann künstliche Intelligenz
17:33unpolitisch ausgewogen überhaupt sein?
17:35Weil auf das wollte ich eigentlich hinaus.
17:36Du hast es ja hier mit Unternehmen zu tun,
17:39die eigentlich das,
17:41was du machst als Journalist,
17:44mehr oder weniger eigentlich verachten.
17:46Ich habe mit einem extrem klugen
17:48österreichischen AI-Spezialisten
17:50neulich gesprochen,
17:51über einen dieser Prototypen
17:52und einen dieser Ideen.
17:53Und der hat gesagt,
17:54das wäre faszinierend,
17:55dann wären Medien endlich einmal
17:57wirklich objektiv.
17:59hat dieser sehr kluge,
18:02sehr studierte Mensch
18:03mit großer internationaler Erfahrung
18:05zu mir gemacht.
18:06Also das ist bei weitem
18:07kein Verschwörungstheoretiker gewesen.
18:09Und das fand ich
18:09einen spannenden Ansatz.
18:11Bringen wir es hin,
18:12dass wir vielleicht,
18:13wir haben alle unsere blinden Flecken
18:15und alle unseren Bias,
18:16bringen wir es hin,
18:17vielleicht objektiver zu werden.
18:19Das wäre auch ein spannender Ansatz,
18:21mit dem ich mich noch gar nicht
18:21so beschäftigt habe.
18:24Ich schicke dir die Hohne noch an.
18:26Danke, okay.
18:27Ich gebe es ja an den Herrn Thiel weiter.
18:30Nein, aber bitte.
18:32Also was ist der Ansatz?
18:35Medien werden dann wirklich objektiv?
18:38Oder wie kann man das verstehen?
18:38Wirklich objektiv?
18:39Da fangen wir grundsätzlich an.
18:40Wir diskutieren jetzt natürlich an.
18:42Aber vielleicht ist es schon möglich.
18:44Also ich habe an einem Tool
18:45vor eineinhalb Jahren gearbeitet,
18:47der einfach mir sagt,
18:49bevor ich irgendein Interview
18:51oder wenn ich ein Interview vorbereitet habe,
18:54wo meine blinden Flecken sind,
18:55wo ich einfach nicht objektiv war,
18:57weil ich irgendwo in meiner Echo
19:00scheinbar drinnen war
19:01und da nicht wirklich ausgewogen gedacht habe.
19:05Das kann ich annehmen
19:06und kann es auch gut nicht annehmen.
19:08Aber ich finde,
19:09wenn uns sowas hilft,
19:10ist KI doch auch im Journalismus
19:12absolut nicht zu verteufeln,
19:14sondern kann uns da
19:15extrem viel weiterhelfen.
19:17Dass dahinter weiße Männer
19:18mit sehr viel Geld stecken,
19:20die vielleicht selbst
19:21nicht objektiv ist,
19:22das dürfen wir natürlich
19:23auch nicht vergessen.
19:24No, no, no.
19:24No, no, no.
19:26Absolut richtig.
19:28Jetzt sind wir ein bisschen
19:29vom Thema abgekommen.
19:29Wir wollten eigentlich
19:30über deine Zeit in den USA
19:31und generell eigentlich
19:31über die USA sprechen.
19:32Du hast zu Beginn dieses Gesprächs
19:34schon gesagt,
19:35du hast es schon angeteasert,
19:36die Midterms.
19:37Du bist mitten in dieser Zeit dort.
19:40Diese finden im November statt.
19:41Ab August wirst du in den USA sein.
19:43Es gibt die Vermutung,
19:44dass die Regierung Trump
19:46oder seine Partei
19:46dort hart abgestraft werden könnten.
19:48Die sogenannte Blue Wave
19:49könnte sich aufbauen.
19:51Was erwartest du dir
19:52von dieser Zeit in den USA?
19:53Ich glaube,
19:54dass die kommen wird.
19:55Das ist Donald Trump klar,
19:56auch wenn man sie jetzt so sieht,
19:57wie er sich gerade verhält.
20:00Man darf halt nie vergessen,
20:01in Amerika gibt es dann
20:0250 einzelne Wahlen.
20:04Also in allen 50 Bundesstaaten
20:05finden Wahlen statt,
20:07weil immer darüber diskutiert wird,
20:09kann Donald Trump
20:10diese Wahlen absagen oder sowas.
20:11Das ist so gut wie unmöglich,
20:14wenn man da ins Detail schaut,
20:15weil das ist Sache der Bundesstaaten
20:17und die demokratischen Bundesstaaten
20:19werden diese Wahl abhalten.
20:21Da kann Donald Trump machen,
20:22was er will.
20:23Und auch seine Parteifreunde,
20:25Freunde unter Anführungszeichen,
20:26die Parteikollegen,
20:27sind da nicht so wahnsinnig
20:29auf seiner Seite.
20:30Also diese Wahlen,
20:31glaube ich,
20:32werden stattfinden.
20:33Da müsste schon
20:34wirklich was Orges passieren,
20:37dass er da wirklich
20:38einen Grund findet,
20:39da was zu verschieben.
20:40Und dann wird nicht wahnsinnig
20:42viel für ihn übrig bleiben,
20:44weil in Amerika ist,
20:46wir haben schon darüber gesprochen,
20:47ist er nicht wahnsinnig beliebt.
20:49Viele sind enttäuscht von ihm
20:51und wenn Donald Trump
20:52nicht am Wahlzettel steht,
20:54gehen ja viele seiner Hardcore-Anhänger
20:56auch gar nicht zu den Wahlen hin.
20:58Also da deutet schon
20:59sehr viel darauf hin,
21:00dass diese Midterm-Elections
21:02nicht gut für ihn ausgehen.
21:03Ich nehme an,
21:04deswegen hat auch seine Regierung
21:05jetzt in den ersten
21:06eineinhalb Jahren,
21:07wo wir jetzt ungefähr stehen,
21:09so ein hohes Tempo vorgelegt,
21:11damit sie möglichst viel durchbringen,
21:12und bevor sie nicht mehr
21:13in allen Kammern
21:14die Mehrheit haben.
21:17Aber wenn du sagst,
21:18er kann machen,
21:19was er will,
21:19die Demokraten werden
21:20ihre Wahl abhalten,
21:23sorgt dich
21:25die viele Berichterstattung
21:26rund um mögliches
21:27Gerrymandering,
21:28also das Neunziehen
21:28von Wahlkreisen,
21:29unfaire Bedingungen,
21:31eine Pflicht für Personalausweise,
21:33in Österreich irgendwie
21:34eh unvorstellbar,
21:34dass das ein Thema ist,
21:35aber in den USA
21:36ist es ein Thema.
21:37Sorgt dich das gar nicht?
21:39Ich versuche deinen Optimismus
21:40zu brechen,
21:40es tut mir leid.
21:41Ja, aber mich wundert er,
21:43also wenn ich ins Wahllokal gehe,
21:44muss ich mir natürlich ausweisen,
21:46dass ich da meine Stimme abgeben darf,
21:48obwohl in meinem Dorf
21:49der Herr Bürgermeister
21:50mich schon ein paar Mal gesehen hat,
21:51also der könnte mich
21:53quasi auch so zur Wahl zulassen.
21:55Dass das in Amerika
21:56noch nicht so der Fall ist,
21:57ist ja eigentlich eher Wahnsinn.
21:59Also ich will es jetzt
22:01auch nicht verherrlichen,
22:02aber dass man da
22:05etwas auf einen gewissen Standard bringt,
22:07ist schon auch irgendwo nachvollziehbar.
22:09Dass dahinter
22:10politisches Kalkül steckt,
22:12no, na, nicht.
22:13Aber so fair müssen wir dann
22:14nur auch sein,
22:15Herr Trump ist bei weitem
22:16nicht der Einzige,
22:17der Wahlkreise neu ziehen lässt.
22:19Dieses Gerrymandering gibt es
22:20seit, ich weiß nicht,
22:22seit der Gründung der USA
22:24wahrscheinlich.
22:26Und hat ja auch einmal
22:27objektiv funktioniert,
22:28funktioniert in einigen
22:29Bundesstaaten auch
22:30durch eigene Vorschriften
22:32objektiv.
22:33Donald Trump reizt halt,
22:35wie so vieles,
22:36auch das sehr aus.
22:37Und seine Gegner,
22:38die Demokraten,
22:39ja genauso.
22:40Da gab es ja vor einigen Monaten
22:42ja auch entsprechende Abstimmungen.
22:44Und in Kalifornien
22:45haben sie ja auch
22:46die Wahlkreise neu gezogen.
22:47Und das sogar
22:48nach einer Volksabstimmung,
22:50die positiv ausgegangen ist
22:52da für den Governor dort.
22:54Also das ist halt immer so
22:55ein Schlagabtausch,
22:57den es gefühlt irgendwie auch schon
22:59und ich war zum ersten Mal
23:01unter George W. Bush
23:03berichtend aus den USA
23:04bei Wahlen.
23:05Das ist also über 20 Jahre her
23:07und da hat es diese
23:08Gerrymandering-Diskussion
23:09auch schon gegeben.
23:10Was glaubst du,
23:11was passiert nach diesen Midterms?
23:13Wenn wir diesen Gedanken
23:14weiterspinnen,
23:15wie du gesagt hast,
23:16du glaubst,
23:16diese Blue Wave kommt.
23:18Donald Trump wäre dann,
23:19wie man es so nennt,
23:20eine Lame Duck,
23:21also ein Präsident,
23:22der keine Mehrheiten mehr hat.
23:23Ein typisches Schicksal
23:25für die letzten zwei Jahre
23:27eines Präsidenten.
23:28Vor allem,
23:28wenn er nicht wiedergewählt werden kann.
23:29Was glaubst du,
23:30wird er auf die USA zukommen?
23:32Ich meine,
23:32außenpolitisch kann er ja
23:33zum Beispiel immer noch viel machen.
23:34Er kann noch immer viel machen.
23:35Bei den Kriegen
23:36wird er sich deutlich schwerer tun,
23:38auch weil er das Geld
23:39einfach vom Kongress
23:40genehmigt werden,
23:42genehmigt haben muss.
23:44Das kommt ein bisschen darauf an,
23:45auch wie sich seine Gegner
23:46da positionieren.
23:47Da gibt es dann
23:48die Hardcore-Demokraten,
23:49die sagen dann,
23:50impeachen wir Donald Trump,
23:51also versuchen ihn dann
23:54aus dem Amt zu entheben.
23:55Andere sagen wieder,
23:56beschäftigen wir uns doch
23:57dann nicht mehr
23:58mit dem Donald Trump,
23:59weil der ist nach zwei Jahren
24:00dann wirklich Geschichte,
24:01also politisch Geschichte.
24:03Und beschäftigen wir uns
24:04eher damit,
24:06uns auf die Wahl dann
24:072028,
24:08nämlich die Präsidentenwahl,
24:09vorzubereiten.
24:10Da gibt es
24:11wahnsinnig viele Szenarien.
24:13Mein Gefühl ist,
24:14dass wirklich nach diesen Midterms
24:16Donald Trump
24:17deswegen an Bedeutung verliert,
24:19weil auch jetzt schon viele
24:21einfach Rätsel raten,
24:22wer tritt denn in seine Fußstapfen
24:24bei den Republikanern
24:25oder eben nicht in die Fußstapfen,
24:27sondern gibt es dann wieder
24:28die früheren Republikaner.
24:30Who knows?
24:31Die klassischen Falken beispielsweise.
24:32Oder die klassischen Neocons,
24:35die Konservativen,
24:37so wie sie unter Bush waren
24:38oder wie sie unter Reagan waren,
24:40wie auch immer,
24:41je nachdem,
24:42welche Strömung man da
24:42in dieser Partei
24:43dann wieder an die Macht lässt.
24:45Ich würde darauf tippen,
24:46dass Marga jetzt nicht
24:47verschwinden wird,
24:48aber ob es wirklich
24:50J.D. Vance wird
24:51oder vielleicht dann doch nicht,
24:52weil er keine Chance hat,
24:54who knows?
24:54Aber es ist nicht irgendwie
24:56auch schwer vorstellbar,
24:57dass der nächste US-Präsident,
24:59sollte er denn ein Republikaner sein,
25:01so ein klassischer,
25:02unter Anführungszeichen,
25:04langweiliger, älterer Herr ist,
25:06der klassischer Konservativer
25:08halt einfach repräsentiert.
25:09Man kann sich das ja irgendwie
25:09jetzt nach diesen schrillen Jahren
25:11schwer vorstellen.
25:11Aber was wäre die Alternative?
25:13Heißt das,
25:16Alexandria Ocasio-Cortez,
25:18AOC,
25:19diese berühmte linke
25:21Galleonsfigur,
25:23aber auch eine
25:25für viele Amerikaner
25:27schrille oder schillernde Frau?
25:29Ja, natürlich,
25:29aber das meine ich ja gar nicht.
25:30Ich meine eher,
25:31die Frage war ja eher,
25:32die wäre ziemlich eine Ausnahme.
25:34Ich glaube,
25:35das wäre auch sehr interessant
25:36zum Berichten,
25:37aber ich meine eher so
25:37ein klassischer,
25:39republikanischer,
25:40älterer Herr.
25:41Kann man sich das noch vorstellen?
25:42Wenn du jetzt eben sagst,
25:43Donald Trump ist weg
25:44oder vielleicht doch eher
25:44ein schrillerer J.D. Vance,
25:46ein Tucker Carlson
25:47möglicherweise sogar.
25:48Es gibt ja durchaus noch
25:49einige schillernde Persönlichkeiten,
25:51die dieses Erbe übernehmen könnten.
25:52Ich glaube,
25:53Tucker Carlson hat es ausgeschlossen,
25:55dass er jemals in die Politik geht.
25:56Ja, gut,
25:57das haben schon viele gemacht.
25:58Okay,
25:58ich weiß es nicht.
25:59Keine Ahnung.
26:00Ich weiß es auch nicht,
26:02wer sich da ins Rennen werfen könnte,
26:04aber wer hätte gedacht,
26:05dass ein vergleichsweise
26:07langweiliger Kandidat
26:08wie Joe Biden
26:09ins Rennen geht,
26:10die Vorwahlen
26:11bei den Demokraten
26:122019 gewinnt
26:13oder 2020 gewinnt
26:15und dann 2021
26:17auch Präsident wird
26:18gegen einen schillernden
26:21Kandidaten
26:22wie Donald Trump.
26:24Also so weit
26:26würde ich mich nicht
26:26in die Glaskugel
26:27schauen.
26:28Ich glaube,
26:29die Republikaner,
26:30genauso wie die Demokraten,
26:31werden das sehr genau abtesten,
26:33wo die Stimmung
26:34bei den Menschen
26:35daheim ist.
26:36Ich kann mich noch erinnern,
26:37nach den ersten vier Jahren
26:38von Donald Trump
26:39haben alle so gedürstet
26:40danach,
26:41nach wieder
26:41ein bisschen mehr
26:43Langeweile
26:43in der Politik,
26:44ein bisschen mehr Normalität.
26:45Das wird wohl
26:47Joe Biden geholfen haben.
26:48Vielleicht ist das
26:49in zwei Jahren
26:49auch wieder so.
26:50Aber wir wissen doch
26:52beide,
26:52zwei Jahre
26:53in der politischen
26:54Zeitrechnung,
26:55das kann keiner
26:56seriös
26:57vorhersagen.
26:58Ja gut,
26:59du hast leider
27:00absolut recht.
27:01Diese Glaskugel
27:02wird wahrscheinlich
27:02weiterhin etwas
27:03undurchsichtig bleiben.
27:05Florian,
27:06wenn wir noch einmal
27:06auf dich zurückkommen
27:07und auf die USA
27:08an sich,
27:08weniger politisch,
27:10was schätzt du
27:11eigentlich an den USA
27:12so sehr,
27:13dass du da jetzt
27:13ein Jahr hinsiehst,
27:14dass du immer wieder
27:15dort bist.
27:16Ich meine,
27:16kulturell kommt man
27:17eh nicht dran vorbei.
27:18Allein die Prägung,
27:19du hast vorher schon
27:19Hollywood angesprochen,
27:20ich meine,
27:21jedes zweite Produkt,
27:22was ich am Tag
27:23in die Hand nehme,
27:24ist irgendwo in den USA
27:25zumindest erfunden worden,
27:26ob es dann noch
27:26dort produziert wird,
27:27ist was anderes.
27:28Aber dieser kulturelle,
27:30politische,
27:30gesellschaftliche Einfluss,
27:31an dem kommt man nicht vorbei.
27:33Aber warum dann hingehen?
27:33Ich habe mich selbst
27:34ein bisschen damit beschäftigt,
27:35weil das eine der Fragen
27:37in den Hearings
27:38für Stanford war.
27:40Und bin ein bisschen
27:41auf ein Hobby
27:42psychologisch
27:43auf den Hintergedanken gekommen,
27:44ich bin zehn Kilometer
27:46vom Eisernen Vorhang
27:47aufgewachsen,
27:47da war wirklich noch
27:48diese Grenze
27:49sehr real.
27:50Und dann ist die aufgegangen,
27:52das weiß ich noch
27:53als Kind
27:53und habe dann
27:54aber immer eher
27:56so von diesem Westen
27:57auch geträumt,
27:58ich bin auf der westlichen Seite
27:59des Eisernen Vorhangs
28:00aufgewachsen.
28:01Ja, aber im Müllviertel
28:03in Oberösterreich.
28:05Aber für mich hat diese Faszination
28:08Amerika als Kind
28:09schon immer begonnen
28:11und die hat sich einfach
28:13mit jedem Besuch
28:14in den USA
28:15mehr und mehr verstärkt
28:17und war dann immer wieder
28:18ein paar Monate
28:19teilweise auch dort
28:20und habe so viele Leute
28:23dort kennengelernt
28:24und finde eben immer
28:26ich versuche immer
28:27Menschen,
28:28die noch nie
28:29in den USA
28:29mitzugeben,
28:30das ist nicht ein Land,
28:32das sind so viele Länder,
28:33die schauen
28:34landschaftlich ganz anders aus,
28:35die Menschen reden anders,
28:36sind anders drauf
28:37in den 50
28:38verschiedenen Bundesstaaten.
28:40Dieser Widerspruch
28:41in sich
28:42finde ich
28:43extrem spannend
28:44und was ich liebe
28:45an Amerika ist,
28:46die jammern nicht so viel
28:47wie wir Österreicher
28:48oder wie wir Europäer
28:49kann man einfach sagen.
28:50Das ist manchmal
28:51schon auch angenehm.
28:52Was für ein Widerspruch?
28:53So gern mal alle ranzen.
28:54Aber es ist einfach
28:55auch cool,
28:57wenn man einmal Dinge
28:58positiv sehen kann.
29:00Was meinst du für ein Widerspruch?
29:01Du hast gerade
29:01einen Widerspruch angesprochen.
29:02Na, der Widerspruch in sich,
29:03weil eben die Bundesstaaten
29:05so unterschiedlich sind
29:07und weil die Menschen
29:08in den Bundesstaaten
29:09auch so unterschiedlich sind.
29:10Ich meine, in dem Land
29:14für, weiß ich nicht,
29:15200, 300 Millionen Menschen,
29:16weiß ich jetzt nicht einmal
29:17ganz genau,
29:18gibt es zwei Parteien,
29:20die ernst zu nehmen sind.
29:21Das ist ja auch
29:22eigentlich ein Wahnsinn.
29:23Das allein ist ja schon
29:24ein Widerspruch.
29:25Bei uns in Österreich
29:26gibt es da wesentlich
29:27mehr Auswahl
29:28in einem 9-Millionen-Land.
29:30Also es gibt so viele
29:32schöne Widersprüche
29:33in den USA.
29:33Ich mag es nicht,
29:34weil es perfekt ist,
29:35dieses Land,
29:36um Gottes Willen.
29:37Ich mag es eher,
29:37weil es eben immer
29:39um die Perfektion ringt.
29:40Aber, glaube ich,
29:42jeder Amerikaner,
29:43jede Amerikanerin weiß,
29:45dass sie nicht perfekt sind.
29:49Jetzt gibt es auch
29:50sehr viel
29:53Wandel,
29:54sagen wir es mal so,
29:54in der Betrachtung
29:55in Europa auf die USA.
29:56Du hast es vorher schon
29:57angesprochen,
29:57du bist nicht im Pugenland,
29:58sondern im Müllviertel
29:59an diesem eisernen Vorhang
30:00aufgewachsen.
30:02Da war eben
30:02wie das Coca-Cola
30:04und Co.
30:04der große amerikanische Traum.
30:05Das war quasi das Land,
30:06wo man hingeblickt hat.
30:07Und ich bin ein bisschen
30:08jünger als du,
30:08aber ich kann es doch
30:09auch irgendwie nachvollziehen,
30:10weil ich war auch mal
30:11noch ein bisschen jünger
30:12als jetzt.
30:13Aber jetzt hat man
30:14so ein bisschen
30:14so das Gefühl,
30:15wenn man so
30:17eher zynischeren
30:18europäischen Ranzern
30:18zuhört,
30:19wie es du vorgesagt hast,
30:20dass dieser amerikanische Traum
30:21zumindest in der
30:22Außenbetrachtung
30:23tot ist,
30:23dass der weg ist.
30:24Das gibt es nicht mehr.
30:24Dieses große Versprechen
30:25dieser Freiheit,
30:26das existiert
30:27dank Donald Trump
30:28nicht mehr.
30:29Wie siehst du das?
30:30Wenn ich europäische Medien
30:31lese,
30:32dann denke ich mir auch,
30:33ja, stimmt,
30:34den amerikanischen Traum
30:35gibt es nicht mehr.
30:36Und jedes Mal,
30:37wenn ich dann wieder
30:37dort bin,
30:38denke ich mir,
30:39Bullshit,
30:39das stimmt halt einfach
30:41auch nicht.
30:41Wir sind natürlich
30:43durch diesen Medienfilter,
30:47sage ich jetzt bewusst
30:48provokant,
30:49auch darauf konditioniert,
30:51nur diesen einen Teil
30:52zu sehen.
30:53Aber wenn wir uns anschauen,
30:56diesen amerikanischen Traum
30:57gibt es für ganz viele,
30:59auch europäische
31:00Sportlerinnen und Sportler,
31:01die in die USA gehen,
31:02dort perfekte
31:03Trainingsbedingungen
31:04und Stipendien bekommen.
31:06Gibt es nach wie vor,
31:07den gibt es für Künstler,
31:08den gibt es für schon
31:10nach wie vor
31:11sehr viele Menschen.
31:12Das Problem ist eher,
31:13den gibt es halt
31:15nicht für alle.
31:15Das ist eine soziale Frage
31:16in den USA.
31:18Und darauf ist ja
31:18Donald Trump
31:19auch aufgesprungen.
31:20Gerade seine Wählerinnen
31:21und Wähler
31:22haben sich ja
31:23vom sozialen,
31:24oder vom amerikanischen Traum
31:25sozial ausgeschlossen
31:27gefühlt.
31:28Damit hat er Wahlen
31:29sehr erfolgreich
31:30gewonnen.
31:32Ob er es ändert,
31:33dass,
31:34darauf warten,
31:35glaube ich,
31:35auch viele seiner
31:36Wählerinnen und Wähler noch.
31:37Gut,
31:38das erledigt meine nächste
31:39Frage gleich,
31:39ob er ihren Traum
31:40wieder zum Leben erweckt hat
31:41oder nicht.
31:42Ich glaube noch nicht.
31:44Auch da,
31:45ich denke jetzt gerade
31:46an einen Investmentbanker,
31:47bei dem ich auch beim
31:48Wahlwandern,
31:49auf den ich gestoßen bin,
31:50der ist, glaube ich,
31:51glücklich mit
31:52Donald Trump,
31:53zumindest,
31:54wenn er vielleicht
31:55auch vorgewarnt wird,
31:56wann er die Börsen
31:57auf Talfahrt
31:58und dann wieder
31:58auf die Hochschaubahn
32:01schickt.
32:01Entschuldigung,
32:02aber ist das nicht ein Wahnsinn,
32:03dass man das so nebenbei
32:04sagen kann?
32:04Natürlich ist es ein Wahnsinn,
32:06aber die Frage ist immer
32:08aus der Betrachtungsperspektive
32:10seiner Wählerinnen und Wähler,
32:12die werden das ähnlich sehen,
32:14was ein Barack Obama
32:17oder vor allem ein Joe Biden
32:19auch gemacht hat
32:20oder angerichtet hat,
32:21wie die halt dann wieder sagen.
32:23Da ist halt dann trotzdem
32:25das Hemd näher als der Rock
32:27bei jedem.
32:27Also was mir Geld bringt,
32:29der kriegt meine Stimme.
32:31Das ist halt in Amerika
32:32noch einmal deutlich pragmatischer
32:34und kapitalistischer
32:35als bei uns.
32:36Florian,
32:36vielleicht abschließend,
32:38du hast es vorher schon
32:39angesprochen,
32:39eben dieser Filter,
32:41den wir in Europa
32:42durchaus haben,
32:43eben diesen medialen
32:43mit dem Blick auf die USA.
32:44Ich meine,
32:45da kann man uns nicht ausklammen.
32:46Wir berichten auch sehr viel
32:47darüber,
32:48was denn schiefläuft,
32:50über was man Sorgen,
32:50über was man sich Sorgen
32:51machen sollte.
32:52Das ist auch eine gewisse
32:53Medienlogik.
32:54Ich meine,
32:54da kommt niemand vorbei.
32:55Das ist auch bei dir im TV.
32:56Genau dasselbe.
32:58Und Kritik ist wichtig,
32:59um Gottes Willen.
33:00Ja, ja, natürlich.
33:01Nicht, dass das falsch rüberkommt.
33:01Nein, nein, natürlich auch.
33:03Absolut, absolut.
33:03Aber klar,
33:04natürlich berichtet man auch
33:05über die Wetterkatastrophe
33:07mehr als über den
33:08langweiligen Sonnenschein.
33:09Also das ist halt einfach
33:11eine gewisse Logik,
33:12in der wir alle
33:13gefangen sind.
33:14Aber ich habe dich auch
33:15genau deswegen eingeladen,
33:16nun mal,
33:17weil ich kenne dich auch,
33:17um ein bisschen
33:18einen anderen Blick zu bekommen,
33:19ein paar andere Worte
33:20als sonst.
33:22Und da,
33:22deswegen meine Abschließfrage,
33:24wie kann man denn
33:24trotz dieser ganzen
33:25Horrormeldungen,
33:26die uns immer wieder erreichen,
33:27nichts den Glauben verlieren?
33:30Oh Gott,
33:30jetzt soll ich was
33:30philosophisch Kluges sagen,
33:32stimmt's?
33:33Darauf hättest du mich
33:34vorbereiten müssen.
33:35Also ich glaube einfach,
33:36dass wir,
33:37ich habe es ein paar Mal
33:38schon gesagt,
33:39aber wenn wir alles
33:39ein bisschen differenzierter sehen
33:41und nicht nur auf,
33:44ach, den Trump finde ich cool,
33:46weil er alles disruptet,
33:47oder den Trump finde ich
33:48furchtbar,
33:49weil er alles disruptet,
33:50wenn wir ein bisschen
33:51darüber hinaus schauen
33:53und uns ein bisschen mehr
33:55mit Amerika beschäftigen,
33:57glaube ich,
33:57dann braucht man die Hoffnung
33:59noch lange nicht aufgeben,
34:01um Gottes Willen.
34:02Also ich bin jetzt
34:04natürlich ein bisschen
34:05in der KI-Blase
34:06drinnen gerade,
34:07aber was sich da
34:08gerade entwickelt,
34:09ich glaube,
34:09da entwickelt sich
34:10ein ganz neues
34:11Machtzentrum innerhalb
34:12der USA,
34:13abseits von Washington,
34:14nämlich an der anderen Küste.
34:16Ob das jetzt gut ist
34:17oder nicht,
34:18auch das remains to be seen,
34:20ja,
34:20aber da gibt es
34:22schon auch Chancen,
34:23auch für uns
34:23Europäerinnen,
34:24Europäer,
34:25oder gerade für uns,
34:28weil wir vielleicht
34:32verantwortungsvoller
34:32mit manchen Dingen umgehen,
34:34als das über dem großen Teil
34:36in Amerika der Fall ist.
34:38Florian Danner war das.
34:39Vielen Dank für deine Zeit
34:40und viel Spaß in den USA.
34:43Wünsche ich dir.
34:43Dankeschön.
34:44Und wenn euch Thema
34:45des Tages gefallen hat,
34:46dann abonniert den Kanal
34:47auf der Podcast-Plattform
34:48eurer Wahl
34:48oder eben auch auf YouTube,
34:50da sind wir immer öfter
34:50mit Videopodcasts vertreten.
34:52Einfach Kanal abonnieren,
34:53nicht vergessen,
34:53die Glocke zu drücken.
34:54Ich bin Daniel Retschitz-Egger,
34:55vielen Dank fürs Dabeisein,
34:56bis zum nächsten Mal.
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