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  • vor 2 Tagen
Seit die USA und Israel den Iran angegriffen haben, ist ein Name auf der ganzen Welt bekannt: Die Straße von Hormus, also die schmale Meeresenge zwischen dem Iran und dem Oman im Nahen Osten.

Ein enormer Teil der weltweiten Öl- und Gaslieferungen muss diesen Punkt passieren, bevor er von Golfstaaten wie Saudi Arabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten in die ganze Welt verschifft werden kann.

Doch seit sowohl der Iran als auch die USA eine Blockade dieses Seewegs nutzen wollen, um politisch und im Krieg die Oberhand zu gewinnen, heißt es für die Frachtschiffe: Endstation! Und die Folgen bekommen nun auch wir durch höhere Preise an der Tankstelle oder beim Flugzeugticket zu spüren.

Wie kann es sein, dass die Weltwirtschaft so abhängig ist, von einem einzigen kleinen Seeweg? Warum haben sich die Golfstaaten nicht schon lange eine Alternative überlegt? Und ist die Straße von Hormus vielleicht nur der Anfang unserer Probleme?

Darum geht es in dieser Folge von "DER STANDARD erklärt".

Zu Gast: Nicolas Dworak (Wirtschaftsjournalist); Video von: Tobias Holub; Gestaltung: Yasaman Hasani; Sounddesign: Christoph Neuwirth; Head of Video des STANDARD: Zsolt Wilhelm

Thumbnail-Credits: AFP/Kent Nishimura; IMAGO/Abacapress

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Transkript
00:00Der Krieg im Iran hat sicherlich vor Augen gehalten, wie stark die Abhängigkeit immer noch ist von Öl.
00:05In diesem Fall muss man sagen, hat der Iran einfach diese geografische Meeresenge,
00:11ich meine das sind 50 Kilometer an der engsten Stelle, einfach beinahe ausgenutzt, um geopolitisch Druck auszuüben.
00:24Mein Name ist Nikolaus Dworak und ich bin Redakteur im Wirtschaftsressort der Standard.
00:30Der Krieg im Iran hat sicherlich vor Augen gehalten, wie stark die Abhängigkeit immer noch ist von Öl,
00:36aber auch von Gas, aber vor allen Dingen von Öl.
00:38In dieser Meeresenge, die da sehr stark betroffen ist von den Blockaden immer wieder mal,
00:43da fließen 20, 25 Prozent der global gehandelten Ölmengen durch.
00:48Und das spürt man selbst in Europa, also selbst bei uns.
00:51In Österreich spürt man an den Tankstellen beim Auftanken von Diesel, von Benzin,
00:56bei der Flugreise, die man buchen möchte beispielsweise, dass die Kerosinpreise und damit auch die Ticketpreise einfach höher sind.
01:03Und das ist insofern interessant, als Europa eigentlich nicht wahnsinnig abhängig ist,
01:08direkt betrachtet von den Golfstaaten, die jetzt die Öl dann nicht mehr durchschiffen können.
01:13Das heißt, wenn man sich ansieht, die 27 EU-Staaten importieren über 200 Milliarden Euro an Öl jährlich
01:20und nur ungefähr 8, 9 Prozent aus den Golfstaaten.
01:25Das heißt, der ganze Rest kommt dann aus Nordafrika, aus dem Westen Afrikas, aus Libyen zum Beispiel, aus Algerien,
01:32aber auch zum Beispiel aus Kasachstan, aus Norwegen und den USA.
01:36Und obwohl diese direkte Abhängigkeit so gering ist, steigen bei uns die Preise massiv mit,
01:41weil es immer um internationale Preisnotierungen geht im Ölhandel, in dieser globalisierten Welt.
01:45Und aufgrund dessen haben wir auch diese Preissteigerungen, weil es ist ganz einfach erklärt,
01:51wenn 20 Prozent oder sagen wir 15 Prozent der globalen Ölmengen fehlen,
01:56dann hat man ein geringeres Angebot und eine immer noch hohe Nachfrage.
02:00Und das bedeutet natürlich steigende Preise, da braucht man jetzt kein begnadeter Volkswirt dafür sein.
02:04Das ist quasi, glaube ich, eingängig für jeden, aber natürlich sehr unangenehm.
02:11In diesem Fall, muss man sagen, hat der Iran einfach diese geografische, meeresenge,
02:17ich meine, das sind 50 Kilometer an der engsten Stelle, einfach beinahe ausgenutzt,
02:21um geopolitisch Druck auszuüben.
02:23Der Krieg wurde ja gestartet von den USA gemeinsam mit Israel aus sehr diffusen Gründen.
02:28Das hat man eigentlich nie wirklich gut argumentiert.
02:31Es ging dann meistens eigentlich in der Argumentation vor allen Dingen darum,
02:35dass man gesagt hat, die nukleare Aufrüstung ist das Problem.
02:39Gleichzeitig hat man natürlich davor schon gesehen, in Venezuela beispielsweise,
02:42wo es geeißen hat, da braucht es einen Regierungssturz.
02:44Da hat man dann einen Staatspräsidenten entführt, kurzerhand.
02:47Da ging es letzten Endes trotzdem doch ums Öl für die USA.
02:51Und da hat dann Trump gemeint, na gut, die ganzen Ölfirmen in den USA
02:54sollen dort nach Venezuela gehen und dort eine Ölinfrastruktur aufbauen und Geld daraus machen.
02:58Krude-Oil-Exports are up by hundreds of thousands of barrels a day.
03:03That's what we've taken and it's great for Venezuela and it's great for us.
03:07Das heißt, der Iran stand da unter Zugzwang und hat eigentlich einen Schritt gewagt,
03:11den es so in der Form wahrscheinlich noch nicht gab davor.
03:14Hat nämlich diese eigentlich offene, dieses internationale Gewässer kurzand blockiert.
03:20Hat das ausgenutzt, dass eben die Küste da entlang läuft vom Iran.
03:24Und hat dann mit Raketen, mit Schnellbooten und so weiter wirklich auch physische Angriffe getätigt.
03:29Und natürlich eine irrsinnige Drohkulisse aufgebaut, die auch sehr effektiv war.
03:33Dem Iran hat es zu Beginn nicht wahnsinnig geschadet.
03:36Es sind zwar auch vom Iran viele Schiffe nicht mehr durchgekommen.
03:39Sie haben zwar einige Schiffe dann weitergeleitet oder durchgeleitet von den eigenen Produzenten.
03:45Haben die dann größtenteils nach Asien verschifft, nach China verschifft, nach Indien, nach Russland zum Teil auch.
03:51Und haben da eigentlich noch immer ein florierendes Geschäft gehabt,
03:54obwohl alle anderen eigentlich darunter gelitten haben.
03:56Das ist dann irgendwann auch zu Ende gegangen, als die USA begonnen haben, die Häfen zu blockieren im Iran.
04:01Aber bis dahin hat es eigentlich ganz gut für den Iran funktioniert.
04:05Leidtragende waren dann vor allen Dingen die kleineren Petrostaaten auf der arabischen Halbinsel.
04:10Also Kuwait, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate.
04:14Saudi-Arabien als großes Land war auch stark betroffen, wenngleich etwas weniger stark als die anderen.
04:19Der Irak wurde mehr oder weniger völlig abgeschnitten und hat eigentlich ansonsten 90 Prozent seiner Staatseinnahmen aus dem Ölsektor.
04:27Das sind wirklich massive Auswirkungen für diese Staaten und natürlich auch für die Abnehmer.
04:32Also Europa ist, wie gesagt, als direkter Abnehmer gar nicht so interessant.
04:36Aber Ostasien und Südostasien ist sehr interessant und die sind auch sehr interessiert am Öl aus den Petrostaaten, aus den
04:42Golfstaaten.
04:43Das gilt für China genauso, wie es für Südkorea gilt, wie es für Japan gilt, Vietnam, Thailand und so weiter.
04:49Die sind massiv abhängig.
04:59Die mussten zum Teil auch wirklich Energie rationieren, haben autofreie Tage eingeführt und so weiter.
05:04Also wirklich harte Einschnitte auch für die Bevölkerung und für die Wirtschaft.
05:10Die Meeresenge muss man ein bisschen geografisch auch einordnen, denke ich.
05:14Also es ist die mit Abstand kürzeste Route zu den größten Abnehmern, nämlich nach Ostasien und Südostasien.
05:19Das ist einfach quasi die logische Abfolge einer Logistikkette, dass man das durch diese Straße, durch diese Wasserstraße hindurchführt.
05:26Vor allen Dingen auch, weil die ganzen Petrostaaten auf der arabischen Halbinsel ihre Ölvorkommen vor allem im Osten haben.
05:33Das heißt eben im Persischen Golf.
05:35Und dann ist es natürlich am einfachsten von dort direkt quasi von der Ölförderung auf die Öltanker zu verladen und
05:41dann quasi nach Asien in die östlichen Regionen zu verschiffen.
05:45Man muss schon noch dazu sagen, es gibt alternative Routen auch zu Wasser direkt eigentlich nicht.
05:51Man braucht immer eine Überbrückung.
05:54Saudi-Arabien hat beispielsweise eine Pipeline zwischen dem Osten des Landes und dem Westen, also die East-West-Pipeline wird
05:59sie auch genannt.
06:00Und kann dort eigentlich nennenswerte Mengen auch hinüberfließen lassen zu den nächsten Schiffen, nämlich im Roten Meer.
06:06Das ist das nächste Binnenmeer, aber im Westen von der arabischen Halbinsel.
06:09Auch dort gibt es einen Hafen, der relativ viel Öl abhandeln kann, wenngleich bei weitem nicht so viel wie im
06:15Persischen Golf natürlich.
06:16Also da gibt es keine vergleichbaren Mengen, die man da transportieren könnte.
06:19Der Hafen ist auf vier, viereinhalb Millionen Fass ausgelegt.
06:23Im Persischen Golf mit den Mengen, die durch die Straße von Hormuz gehen, ist man bei 20 Millionen Fass, also
06:29bei einem Vielfachen davon.
06:30Und auch die Pipeline an sich kann eigentlich nicht mehr als sieben Millionen Fass transportieren.
06:34Und Saudi-Arabien behält sich davon zwei Millionen ein für die eigene Produktion, für die eigene Raffineration.
06:39Eine zweite Pipeline gibt es theoretisch auch noch in den Vereinigten Arabischen Emiraten, von Abu Dhabi verlaufend bis zum Hafen
06:46Fujairah.
06:48Das ist dann sozusagen eine relativ kurze Umgehung der Straße von Hormuz.
06:52Die hat also quasi so ein Eck oben und da kann man darunter eigentlich an Land mit der Pipeline zu
06:57einem Hafen, der dann schon außerhalb dieser Meeresenge liegt, hin.
07:01Das Problem ist, die Mengen, die dort transportiert werden, sind noch einmal geringer.
07:04Also da geht es um vielleicht zwei Millionen Fass pro Tag.
07:08Das entspricht ungefähr einem Öltanker.
07:10Das ist jetzt nicht etwas, wo man sagen könnte, das wird den Welthandel jetzt retten und quasi alle Einschränkungen werden
07:16plötzlich weg.
07:16Das kann man so nicht sagen.
07:18Und das große Problem ist, bei jedem Projekt, bei jedem neuen Pipeline ist es verbunden mit massiven Investitionen in Milliardenhöhe,
07:2715, 15 Milliarden für Abschnitte zum Teil.
07:31Das dauert viele Jahre.
07:32Und gerade für Saudi-Arabien und auch für die Vereinigten Arabischen Emirate ist es so, dass die beiden Initiativen haben,
07:38um eigentlich von dieser Ölabhängigkeit wegzukommen.
07:40Die sind ja beide von den Staatseinnahmen her massiv abhängig vom Öl und das möchten sie eigentlich reduzieren in gewisser
07:46Weise, weil sie wissen, das Geschäft ist endlich.
07:49Das wird irgendwann versiegen, sei es aufgrund der Dekarbonisierung, sei es aufgrund geologischer Gegebenheiten.
07:56Und deswegen versucht man sich da breiter aufzustellen.
07:59Und wenn man jetzt dann Milliarden investieren muss, um eine Pipeline hochzuziehen, eine neue, ist das natürlich ein Investment, das
08:04dem eigentlich zuwiderläuft.
08:06Zumal man sagen muss, wenn diese Straße von Hormuz irgendwann wieder befahrbar sein wird, auch längerfristig befahrbar ist und sozusagen
08:14wieder so ist wie vor einigen Jahren,
08:16das war mit einer doch relativ hohen Sicherheit, dass man da durchkommt, dann hat man plötzlich Doppelstrukturen und weiß gar
08:22nicht, was man mit dieser Pipeline überhaupt machen soll.
08:23Zumal natürlich auch im Roten Meer immer wieder Unsicherheiten vorherrschen mit Piraterie, mit zum Teil auch angedrohten Angriffen vom Jemen,
08:31der diese meeresenge Papal-Mandeb im Südausgang des Roten Meeres in gewisser Weise zumindest von der Drohkulisse her mit beeinflussen
08:38kann und kontrolliert.
08:40Und der Jemen hat eben dann auch seine Houthi-Rebellen, die wiederum mit den iranischen Revolutionsgarden sehr gut sind und
08:45da auch einspringen könnten,
08:47wenn es da wieder irgendwann einen Konflikt gibt oder der Konflikt eben länger dauert.
08:52Man muss sich, glaube ich, vor Augen halten, dass es im Welthandel, in dieser globalisierten Welt immer gewisse Abhängigkeiten gibt.
08:59Das ist einfach so. Also da gibt es immer wieder Konflikte zwischen den Ländern und den Weltregionen.
09:05Und natürlich, wenn man sich anschaut die vergangenen Jahre, da sieht man einen zunehmenden Trend, dass geopolitisch mit geoökonomischen Waffen
09:14gekämpft wird.
09:15Dass man eben versucht, ökonomische Abhängigkeiten zu nutzen, um sich geopolitisch dann durchzusetzen.
09:21Und da ist der Iran nicht anders, als beispielsweise, dass China in gewisser Weise macht oder auch die USA zum
09:27Teil machen.
09:27Da gibt es einfach gewisse Abschottungstendenzen. Im Grunde genommen muss man sagen, solange es die Globalisierung gibt, wird es Abhängigkeiten
09:34auch geben.
09:35Es funktioniert die meiste Zeit über sehr gut. Die Straße von Hormuz hat auch lange Zeit gut funktioniert.
09:40Da gab es eigentlich nur in den 80ern mal im Iran-Irak-Krieg Einschränkungen.
09:44Aber ansonsten gab es viele Drohungen, aber eigentlich wenig, das jetzt wirklich den Welthandel eingeschränkt hätte.
09:49Man kann sich das eigentlich so vorstellen, diese Abhängigkeiten, diese Unsicherheit, das wird bestehen bleiben.
09:56Allerdings ist diese Sorge manchmal vielleicht sogar größer als dann die tatsächliche Auswirkung.
10:00Also wenn man jetzt vor jedem Bottleneck, vor jeder Engstelle geografisch irgendwie Angst hätte, dann dürfte man gar keinen Welthandel
10:08mehr betreiben.
10:08Weil es gibt den Suezkanal, es gibt den Panama-Kanal, es gibt die Straße von Hormuz, es gibt die Straße
10:13von Malacca.
10:14Das sind alles Meeresengen, die einfach theoretisch, natürlich auch politisch genutzt werden könnten.
10:21Und wo es dann wirklich um teilweise, gerade bei der Straße von Malacca, die ja nicht so bekannt ist, aber
10:25zwischen Indonesien und Malaysien liegt,
10:27da geht es quasi um die wirtschaftliche Existenz von Japan, Südkorea und Co.
10:31Also das sind noch weiters größere Abhängigkeiten.
10:33Der Weg, wie man aus dieser Abhängigkeit herauskommt, ist jetzt nicht die Globalisierung schlecht zu reden
10:38und alles quasi zurückzuschrauben zu einer Welt von vor 100, weiß nicht wie vielen Jahren.
10:45Das wird nicht das Ziel sein und ist auch einfach unrealistisch.
10:48Aber was man schon machen kann, ist natürlich zu versuchen, die Abhängigkeiten zu reduzieren.
10:54Was ja sowieso getan werden muss, wenn man den Klimawandel ernst nimmt.
10:58Und gerade in der EU zum Beispiel ist es so, wir importieren 98 Prozent unseres Öls aus anderen Staaten.
11:04Das heißt, für das Fass, das wir bekommen, für das Fass Rohöl, müssen wir Geld zahlen.
11:09Das Geld ist weg.
11:10Wenn wir jetzt beispielsweise es schaffen, was wir in den letzten 15 Jahren nicht wahnsinnig gut geschafft haben,
11:15im Großen und Ganzen muss man sagen, wegzukommen vom Öl, in der Industrie für Elektrifizierung zu sorgen
11:21und vor allen Dingen, und das ist der wesentlichste Faktor, im Verkehrssektor zu sorgen,
11:26dass mehr elektrifiziert wird oder von mir aus mit Wasserstoff gearbeitet wird,
11:29aber Hauptsache eben quasi weg von den fossilen Brennstoffen,
11:32dann haben wir eigentlich eine große Chance, nicht nur uns weniger abhängig zu machen,
11:36sondern auch, um im Endeffekt Wertschöpfung zu schaffen im eigenen Land, in der EU,
11:43gerade in Österreich auch, wo wir eigentlich topografisch sehr gut aufgestellt sind,
11:48eine gute Wasserführung haben und entsprechend auch viel Know-how haben,
11:51wie wir aus Wasser Strom erzeugen, wie wir aus Wind Strom erzeugen oder aus der Sonne Strom erzeugen.
11:57Und das ist eigentlich der Way to go für die EU, vor allen Dingen, aber eigentlich für die ganze Welt.
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