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Wir sprechen über den Systemwechsel in Ungarn, wie Viktor Orbán nach 16 Jahren die Macht entgleiten konnte und was der neue Mann an der Spitze vorhat.
Peter Magyar beendet nach 16 Jahren die Ära von Viktor Orbán. Der Kandidat, den viele bis vor kurzer Zeit nicht einmal kannten, schafft das nahezu unmögliche und entreißt Orbáns FIDESZ-Partei bei den Wahlen am gestrigen Sonntag die absolute Mehrheit. Der Langzeit-Regierungschef hat die Niederlage schon am Sonntag eingestanden und seinem Kontrahenten gratuliert. Wir analysieren heute den Ausgang der Wahl im Detail, schauen uns an, was dazu geführt hat und wie der neue Mann an der Spitze, Peter Magyar, jetzt regieren will. Die inhaltliche Analyse liefert heute STANDARD-Journalistin Melanie Raidl aus Budapest.
Peter Magyar beendet nach 16 Jahren die Ära von Viktor Orbán. Der Kandidat, den viele bis vor kurzer Zeit nicht einmal kannten, schafft das nahezu unmögliche und entreißt Orbáns FIDESZ-Partei bei den Wahlen am gestrigen Sonntag die absolute Mehrheit. Der Langzeit-Regierungschef hat die Niederlage schon am Sonntag eingestanden und seinem Kontrahenten gratuliert. Wir analysieren heute den Ausgang der Wahl im Detail, schauen uns an, was dazu geführt hat und wie der neue Mann an der Spitze, Peter Magyar, jetzt regieren will. Die inhaltliche Analyse liefert heute STANDARD-Journalistin Melanie Raidl aus Budapest.
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NewsTranskript
00:00Nach 16 Jahren beendet der Oppositionspolitiker Peter Modja die Ära Viktor Orban.
00:05Jener Kandidat, den bis vor zwei Jahren so gut wie kaum jemand kannte,
00:09hat das fast Unmögliche möglich gemacht und Viktor Orban an den Wahlurnen geschlagen
00:14und auch die extrem wichtige Zweidrittelmehrheit erreicht.
00:17Wir sprechen heute über diesen historischen Ausgang der Parlamentswahl in Ungarn
00:22und auch darüber, wie schwer es für Modja jetzt wird, zu regieren.
00:26Ich bin Daniel Retschitz-Ecker, das ist Thema des Tages, der Nachrichten-Podcast des Standards.
00:35Melanie Reidl, zugeschaltet aus Budapest, Standardjournalistin.
00:39Grüß dich Melanie.
00:40Hallo.
00:42Melanie, die Ära Viktor Orban ist gestern nach 16 Jahren in Ungarn zu Ende gegangen.
00:47Wir erreichen dich in Budapest, du kommst mehr oder weniger direkt von der Wahlberichterstattung.
00:51Die Oppositionelle TISA-Partei kommt da tatsächlich auf die Zweidrittelmehrheit,
00:55die er so als extrem wichtig gilt.
00:57Wie ist dem Oppositionskandidaten Peter Madjer das gelungen?
01:02Ja, das Ergebnis ist auf jeden Fall sehr historisch.
01:05Also er hat auch selber gesagt, Ungarn hat Geschichte beschrieben und das würde ich auch so sagen.
01:11Weil, also TISA hat jetzt 138 von den 199 Siebten im ungarischen Parlament bekommen
01:18und sie haben eine klare Zweidrittelmehrheit und das hätten sich viele, glaube ich, so nicht gedacht,
01:24aber es ist tatsächlich passiert und damit ist das echt historisch.
01:28Wie ihm das gelungen ist, also da gibt es ein paar Punkte.
01:33Also Peter Madjer hat geschafft, dass er eine sehr, sehr starke Opposition im Gegensatz zum Beispiel zur Wahl 2023 aufstellt.
01:43Und da war es eine sehr versprittete Koalition zwischen rechts und links.
01:48Das hat irgendwie den Wählern nicht so ganz getaugt.
01:51Und Peter Madjer hat eine Alternative geschaffen,
01:55keine, die extrem anders ist als jetzt der Orban von seinen Einstellungen her,
01:59aber eine, die dem Ungarn so gefällt, einem an Land, das doch recht konservativ ist,
02:07aber eben nicht das alteingesessene Regime sozusagen ist.
02:12Und dann kommt halt noch dazu, dass er selber eben aus dem Fides-System stammt.
02:16Er ist der Eckmann von der Ex-Justizministerin Judith Borger
02:19und er kennt das System von innen, er kennt Orban, er kennt seine Partei
02:24und deswegen hat er sich hinstellen können und sagen können, ich komme aus diesem System,
02:28ich weiß, wie kaputt das ist und deswegen bin ich jetzt hier und ihr habt eine Alternative.
02:33Und dann ist natürlich auch überhaupt nicht das eracht zu lassen,
02:36dass die gewungen Leute ihn sehr, sehr stark gewählt haben.
02:41Es sind sehr viel mehr, außerdem, wie wir ja gesehen haben, Leute wählen gegangen.
02:46Die Wahlbeteiligung war sehr, sehr hoch historisch.
02:49Die lag bei fast 80 Prozent, also 79 Prozent ungefähr und das ist schon sehr, sehr hoch
02:55und vor allem die Unter-30-Jährigen haben sich stark mobilisiert
03:00und vor allem auch im Gegensatz zu 2023 und das hat Peter Moitler wirklich sehr geworfen.
03:06Ganz kurze Information für alle, die uns jetzt hier beim Podcast mitverfolgen.
03:11Sie hören es natürlich, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer und Zuschauerinnen und Zuschauer.
03:16Melanie spricht Ungarisch, ich nicht, deswegen spricht sie auch die Namen.
03:19viel schöner aus, ich hoffe, mir wird verziehen, dass ich das irgendwie so gut wie möglich
03:23irgendwie über die Bühne bringe.
03:25Wir haben jetzt, Melanie, stand Montagmittag.
03:26Das ist voll okay, schwerer Spaß.
03:28Ich hoffe es, ich hoffe es, ich kann es nicht besser.
03:30Wir haben jetzt, es stand Montagmittag, wie sieht denn der Auszählungsgrad jetzt aus
03:34beziehungsweise kann sich da noch irgendetwas ändern oder geht es da wirklich nur noch um ein paar zerquetschte?
03:40Ich würde eher sagen, es geht um ein paar zerquetschte.
03:42Also es ist, er ist wirklich, er liegt wirklich sehr weit vorne.
03:46Es war eigentlich, haben ja viele, die nicht gedacht haben, dass er gewinnen wird, dachten
03:51sich, dass vielleicht am Sonntag, also außen wird, dass Bidus gewinnt und sich dann eben
03:56durch die Wahlbriefe und die Stimmen, die eben nicht direkt abgegeben wurden, sondern erst
04:04verschickt wurden, sich die Lage dann noch ändert.
04:06Und zum Beispiel dann in Gunsten für Mordjahr.
04:10Aber das Ding ist, dass er jetzt eben sehr stark vorne liegt und die Stimmen, die jetzt
04:14noch reinkommen nach diesen Wahlurnenabgaben, die werden wahrscheinlich auch eher ihm zugute
04:20kommen.
04:20Von daher sehe ich da keine große Veränderung mehr.
04:26Du hast schon die extrem hohe Wahlbeteiligung angesprochen, die war historisch hoch.
04:30Hat sich das im Vorfeld irgendwie abgezeichnet beziehungsweise kann man das schon analysieren,
04:34woher das kam?
04:36Ja, also das hat sich schon abgezeichnet.
04:39Also wie gesagt, die jungen Leute haben sich sehr stark mobilisiert und es gab auch einige
04:43Umfragen, dass das unabhängige Meinungsforschungsinstitut Median hat errechnet, dass unter den unter 30-Jährigen
04:54zwei Drittel oder zwei Drittel der Personen Mordjahr wählen.
04:58Und es ist auch so, dass, das hat auch ein ungarischer Politologe errechnet, dass im Gegensatz
05:07zu 2022 haben sich die Stimmen, die durch Wahlbriefe eingegangen sind, um 40 Prozent erhöht.
05:15Und das heißt, es hat sich schon angezeichnet, dass einfach viel, viel mehr Leute, die davor
05:23vielleicht nicht im Ausland gedacht haben, naja, warum sollen wir das gehen?
05:25Oder eben junge Leute, die vielleicht einfach resigniert waren, die jetzt gedacht haben,
05:29okay, ich kann jetzt wirklich einen Unterschied machen, deswegen gehe ich jetzt doch gegen.
05:32Also es hat sich schon abgezeichnet.
05:35Jetzt haben wir diesen 45-jährigen Peter Mordjahr, der diese Wahl gewonnen hat.
05:39Wie hat er sich denn gestern geäußert?
05:41Ich habe nur, wie viele andere hier in Österreich, die Aufnahmen gesehen aus Budapest, die feiernden
05:46Menschen.
05:47Das hat ja irgendwie ausgeschaut, dass hätten wir die Fußball-WM gewonnen.
05:49Was hat er gesagt?
05:51Ja, also er hat auch das so gesehen, dass er gewonnen hat natürlich.
05:56Er hat gesprochen, nachdem ihm Orban schon gratuliert hat per Telefon.
06:01Und das hat er auch verkündet.
06:03Und dann hat er selber dann eine Ziegelsrede gehalten danach.
06:06Und er hat davon gesprochen, dass das System jetzt gestürzt wurde.
06:10Wir haben es geschafft.
06:11Wir haben das System sozusagen verbrochen.
06:15Wir haben Ungarn zurückerobert.
06:18Wir haben es geschafft.
06:19Wir haben uns befreit.
06:20Also er hat wirklich so diese Ziegelsmentalität gezeigt.
06:24Und er hat dann auch noch dazu den Präsidenten zum Beispiel zur Rücktritt aufgefordert
06:30und auch noch einige andere Bides-Politiker und Politikerinnen.
06:35Und genau.
06:35Und das war so seine Ziegelsrede.
06:39Du hast es schon gesagt, Viktor Orban hat ihm gratuliert.
06:41Auch das ging ja gestern bereits durch die Medien.
06:44Das heißt aber, Viktor Orban hat es eingesehen.
06:46Er gibt sich tatsächlich geschlagen.
06:49Ja, Viktor Orban sieht sich tatsächlich als geschlagen.
06:52Er hat auch gratuliert.
06:54Er hat gesagt, sie wollen uns einfach quasi das Z-Bahn nicht mehr in die Hand geben.
07:00Wir akzeptieren das.
07:02Das Ergebnis ist eindeutig.
07:04Also er hat sich jetzt nicht wie, wenn man das zum Beispiel von Donald Trump kennt,
07:09also er hat sich jetzt nicht so gezeigt, wie das anfechten oder er erkennt das Ergebnis nicht an.
07:13Er hat eigentlich, kann man sagen, relativ respektvoll reagiert.
07:18Aber man hat ihm schon angemerkt, dass er etwas angeschlagen war auf jeden Fall.
07:24Es hat sich aber im Vorfeld schon natürlich abgezeichnet alles.
07:28Und es kommt ja nicht von irgendwo her.
07:31Also es waren dann schon die Stunden vor den Ergebnissen.
07:33Haben schon gezeigt, okay, es gibt nicht mehr so viel Chance.
07:37Und Orban hat sich auch schon die Tage vor der Wahl eigentlich,
07:41das hat auch die New York Times zum Beispiel so analysiert,
07:46sich als ziemlich ein bisschen erschöpft gezeigt.
07:49Und vielleicht hat er das einfach auch schon gewittert.
07:52Melanie, du hast jetzt schon gesagt, wie wichtig es ist,
07:54dass Peter Mordia diese Zweidrittelmehrheit erreicht hat.
07:57Warum gilt das denn überhaupt als so entscheidend?
08:00Ja, das ist tatsächlich eben sehr spannend,
08:02weil Orban 2010, wie er an die Macht gekommen ist,
08:05eben das Wahlrecht geändert hat.
08:08Und somit kann man jetzt, das hat er eben so verändert,
08:12mit einer Zweidrittelmehrheit die Verfassung ändern.
08:15Das heißt, Peter Mordia könnte das jetzt im Grunde auch machen.
08:18Aber was er damit jetzt anfangen wird, das wird sich natürlich erst zeigen.
08:23Das heißt auch, er ist im ungarischen Parlament nicht auf die Fidesz-Partei von Viktor Orban angewiesen
08:27und kann eigentlich mehr oder weniger machen, was er will.
08:30Und ich glaube, das war ja auch irgendwie mit ein Grund,
08:33weil man wirklich Kooperation von Orban ja nicht erwarten konnte.
08:36Genau.
08:36Also wie die jetzt zusammenarbeiten, ist natürlich die nächste Frage.
08:41Ich glaube, es wird eine schwierige Zusammenarbeit,
08:45aber er ist nicht auf ihn angewiesen, das ist klar.
08:49Jetzt gab es in der Vergangenheit in Ungarn schon mehrere aussichtsreiche Kandidaten,
08:53aber Viktor Orban hat sie alle geschafft, wie man so schön sagt.
08:56In Peter Mordia hat er jetzt aber offensichtlich seinen Meister gefunden.
08:59Ich würde gerne noch einmal darauf eingehen, warum das denn tatsächlich so war.
09:02Denn so wie wahrscheinlich jeder in Österreich, der keine Verbindungen zu Ungarn hat,
09:07kannte ich diesen Namen bis vor kurzem eigentlich überhaupt nicht.
09:10Genau.
09:11Also ich habe es anfangs ein bisschen erwähnt, er kommt selber aus der Fidesz-Partei.
09:15Also man muss auch wissen, Peter Mordia ist jetzt kein liberaler, linker oder grüner Politiker,
09:21der jetzt völlig anders das Lebensstück von Viktor Orban ist,
09:25sondern er kommt eben selber aus seiner Partei.
09:28Und er war Teil des Fidesz-Systems.
09:30Er war zwar eine Randfigur, aber er war da drinnen.
09:33Und er war mit Judith Borger verheiratet.
09:35Und Judith Borger war unter Orban Justizministerin.
09:38Und sie war auch in einen Skandal verwirklicht damals, den Peter Mordia sozusagen aufgedeppt hat.
09:46Bei Dinge ist es darum, dass eine Person von einem Kindermissgoss-Skandal begnadigt wurde.
09:52Er wurde von der Präsidentin damals begnadigt und auch von Judith Borger.
09:56Und das war ein Rundenskandal im Land.
10:00Und anfangs war es auch so, dass viele Peter Mordia auch ein bisschen skeptisch gegenübergeschaut haben,
10:08weil er halt Judith Borger, also seine Ex-Frau damals aufgezeichnet hat in einem Gespräch,
10:14wo sie ihm gerade quasi Korruptions-Skandal aus dem System mitgeteilt hat.
10:21Und dieses Gespräch hat er danach veröffentlicht.
10:23Also es war ein riesengroßer Juni.
10:26Und natürlich war es auch ein bisschen eine eigenartige Sache,
10:30für eine eigene Frau quasi aufzuzeichnen, das nachher zu veröffentlichen.
10:32Deswegen standen viele anfangs auch ein bisschen skeptisch gegenüber.
10:38Diese Skepsis hat er uns natürlich jetzt in zwei Drittel der Parlamentssitze umgewandelt.
10:43Auch ein ziemlich kometenhafter Aufstieg.
10:44Wie ist es dann weitergegangen?
10:46Also wie ist ihm das gelungen?
10:49Genau, also weil er eben aus diesem System kommt, kennt er das System ganz genau
10:53und weiß deshalb auch, wie man die Wählerinnen und Wähler von Ides ansprechen kann,
10:58die ja, wie man auch noch 2022 gesehen hat, einen sehr großen Zuspruch noch hatten.
11:03Und das heißt, er hat Dinge angesprochen oder nicht angesprochen, sagen wir mal,
11:10die ihn vielleicht auch dann den Sieg vielleicht verwehrt hätten.
11:13Also es gibt so ein paar Themen, die halt einfach in der ungarischen Gesellschaft
11:18ein bisschen schwierig sind noch.
11:20Also so ein paar von liberalen Themen, das gibt es zum Beispiel auch Migration,
11:25das Thema LGBTQ-Rechte, die Themen hat er eigentlich im Wahlkampf gar nicht angesprochen
11:30und konnte damit dann halt auch viele Wählerinnen und Wähler,
11:33die eben vielleicht umsteigen würden, weil sie auch nicht mehr so zufrieden sind,
11:38konnte er dann halt auch nicht abschrecken.
11:40Das haben viele an ihm zwar auch kritisiert, aber es hat ihm, dadurch,
11:45dass er sich gegen die Themen Korruption gestellt hat,
11:49gegen das Thema sich so sehr gegen die EU zu stellen,
11:53er hat sich halt eben als proeuropäisch gezeigt
11:55und auch als sehr stark gegen Korruption.
12:00Und das hat ihm geholfen.
12:01Also diese Themen sind ja nicht den Ungarn und Ungarinnen einfach sehr, sehr wichtig geworden.
12:05Und die Wirtschaft schwächelt, das Gesundheitssystem ist marot,
12:10das Bildungssystem ist einem sehr stark absteigenden Arzt.
12:14Und diese Themen hat er dann eben auch angesprochen,
12:16dass er wirklich sehr viele Leute sehr abgeholt,
12:19die halt vor allem, was das Gesundheitssystem betrifft,
12:21zum Beispiel schon sehr, sehr verzweifelt sind.
12:23Und diese Themen hat Orban eben nicht angesprochen.
12:27Er hat jetzt in seinem Wahlkampfland im Endeffekt eher auf den Außenpolitik konzentriert.
12:32Melanie, was für ein Land hinterlässt Viktor Orban denn jetzt Peter Mardia,
12:36dass er künftig wohl regieren wird?
12:39Also viele sehen es als ein sehr beschädigtes Land.
12:43Es ist wirtschaftlich ziemlich angeschlagen und das ist schon ziemlich lange so.
12:50Die Inflation war zum Beispiel in 2022 und auch bis 2024 eigentlich in der gesamten EU am höchsten.
12:58Und es gab auch, also der Vorwind hat auch zum Beispiel massiv an Wert verloren.
13:02Und gleichzeitig hat Orban auch quasi ausgelöst oder ja ausgelöst,
13:10dass 22 Milliarden Euro an Fördergeldern von der EU eingefroren werden.
13:14Es wurde zwar teilweise auch was ausgezahlt,
13:18aber eigentlich ist noch das Allermeiste immer noch eingefroren,
13:22weil die EU halt mangelnde Rechtsstaatlichkeit diagnostiziert hat sozusagen in Ungarn.
13:28Und dadurch fehlt Ungarn halt sehr, sehr viel an Fördergeldern,
13:32was aber sehr, sehr wichtig wäre, halt eben gerade für das Gesundheitssystem oder für die Bildung.
13:38Dann gilt Ungarn einfach auch noch immer als das korrupteste Land in der EU oder in Europa.
13:45Es werden öffentliche Aufbringe im Land an Orbans Freunde vergeben,
13:50beziehungsweise war das nicht jetzt so.
13:52Und da kommt die Person Lörens Nezaros ins Spiel.
13:57Das ist Orbans Jugendfreund eigentlich und der bekannteste Wirtschaftsmann in Ungarn sozusagen.
14:03Und der ist eben durch Orbán so groß geworden und so ein Militär.
14:07Und spannend fand ich in einem Gespräch im Vorfeld zur Wahl,
14:11da habe ich mir die Frage gestellt, kann man dieses Oligarchensystem,
14:15so wie viele das nennen, dann mit Peter Moldauer direkt wieder stoppen.
14:23Und ein Experte hat mir dann dazu gesagt, er sieht eigentlich in Ungarn kein Oligarchensystem.
14:28Es ist eigentlich kein Oligarchensystem, so wie man es in Russland kennt.
14:31Denn es ist nicht so, dass die Leute aus der Wirtschaft beeinflussen, was in der Politik passiert,
14:41sondern umgekehrt.
14:41Nämlich Orbán hat seinen besten Freund sozusagen zum größten Wirtschaftsmann gemacht.
14:47Und da wird sich natürlich zeigen, wie sich das ändert.
14:50Aber es wird sehr sicher so sein, dass das Peter Moldauer direkt an Orbans Freunde nicht weiterführen wird.
15:00Und interessant ist natürlich auch, was mit dem Mediensystem passieren wird,
15:03weil jetzt ist es ja noch so, dass ca. 80% der Medien im Umgang von regierungsnahen Institutionen gehören.
15:15Und Peter Moldauer hat ja angekündigt, dass er auch die Pressefreiheit eigentlich,
15:20also dass er eben auch die mehr Pressefreiheit vorangeht.
15:24Das heißt aber, wenn die Ehe von der Regierung, und die Regierung will ja jetzt wohl Peter Moldauer sein,
15:30gehören, eben regierungsnahen Organisationen, dann hat er hier tatsächlich die Möglichkeit,
15:34etwas zu ändern und muss nicht damit rechnen, die nächsten vier Jahre
15:38Viktor Orbans Medienwelt ausgesetzt zu sein.
15:40Verstehe ich dich da richtig?
15:42Ja, das stimmt.
15:43Ich meine, es wird jetzt nicht von einem Tag auf den anderen so sein.
15:46Genau, dass die Medien auf einmal, weil es ist ja auch so, dass es nicht der Regierung
15:53per se vielleicht den Medien gehört, sondern einer Institution, die eine Regierungslandfirma
16:00oder so gehören.
16:00Das wird sich jetzt nicht von einem Tag auf den anderen ändern, aber es werden freie oder
16:05unabhängige Medien bestimmt mehr Chancen kriegen.
16:08Jetzt haben wir noch relativ wenig darüber gesprochen, was Moldia eigentlich genau politisch
16:13vorhat.
16:14Und wenn ich die Vorberichterstattung richtig mitverfolgt habe, dann wissen das sehr viele
16:18noch nicht, so ganz genau.
16:20Kannst du uns irgendwie ein bisschen mehr verraten, wo die Reise hingehen wird?
16:23Er gilt, glaube ich, als konservativ, aber das ist ja noch ein sehr breiter Begriff.
16:27Genau, also ich habe es vorhin auch schon ein bisschen angesprochen, er ist eben kein
16:30Leaker.
16:31Er ist eigentlich eher Mitte-Rechts.
16:33Also es ist jetzt nicht so, weil das, auch wenn er uns auch bei liberalen jungen Menschen
16:38liegt, war einfach, weil er auf einem Engineering Change steht, ist er trotzdem kein Leaker.
16:43Er ist eigentlich eher Mitte-Rechts, konservativ, aber so pro-europäisch.
16:47Man kann das bei uns halt eher so mit der ÖVP eigentlich vergleichen oder mit der CDU in
16:52Deutschland.
16:52Also er ist jetzt nicht ganz so recht wie die Tides oder wie die rechtsextreme Partei
16:59Niohsang, aber er ist auf jeden Fall auch kein Linker.
17:02Und er möchte aber mit der EU zusammenarbeiten.
17:05Er zeigt sich pro-europäisch, was schon ein ziemlicher Gegensatz eben zu Orban ist.
17:12Und was er dann noch ähneln, also wofür er vor allem steht, ist in die Korruptionsbekämpfung.
17:17Also darauf will er sich konzentrieren.
17:19Denn dafür ist er auch angeklinken, weil die Korruption im Land unter Orban eben so
17:25groß war.
17:26Er möchte er das jetzt beenden und möchte sehr sicher auch wieder eine unabhängige Justiz
17:32im Land schaffen und den Rechnungshof zum Beispiel stärken.
17:36Er möchte für mehr Transparenz einfach sorgen.
17:38Das sind so die Themen, die er für sich gekapert hat, für das er steht.
17:43Und natürlich auch eben, wie vorhin auch schon gut angesprochen, das Thema Gesundheit und
17:47das Thema Bildung.
17:48Also das ungarische Gesundheitssystem ist, wie gesagt, sehr, sehr schlecht geworden.
17:56Sehr, sehr viele Menschen oder auch junge Menschen, die Kinder, die Kinder studieren, arbeiten dann
18:00nicht im Land, die gehen weg, weil das System in den Krankenhäusern, in den Kliniken einfach
18:04katastrophal ist.
18:06Man muss Monate oder gar Jahre warten auf Behandlungen, auf OPs, man wird weggeschickt
18:11und so weiter und so fort.
18:14Und auch, was die Bildung betrifft, ist es auch so, dass unter Orban ja Lehrpersonen
18:20zum Beispiel immer weniger Geld bekommen haben, sehr, sehr schlecht bezahlt wurden und teilweise
18:26auch einfach Unterrichtsfächern für Unterricht gefährden konnten, in bestimmten Schulen
18:30am Land zum Beispiel, weil einfach keine Lehrpersonen mehr da waren.
18:34Und dadurch ist an manchen Orten in Ungarn ein Bildungssystem einfach wirklich schlecht
18:37geworden und das möchte er auf jeden Fall umklären.
18:40Das heißt, wenn ich dich richtig verstanden habe, dass dieser Stein im Schuh der Europäischen
18:50Union, der bei jedem Schritt nach vorne einmal piekst, was ja Ungarn lange war, jetzt auch
18:55Geschichte sein könnte?
18:57Genau, aber was auch wichtig zu sagen ist, er hat auch Ansichten, die in Orban ähnlich
19:04sind zum Beispiel, also in der Migration zum Beispiel.
19:06Er ist trotzdem eher Anti-Migration eingestellt eigentlich, wird sich dann natürlich auch
19:13zeigen, wie er mit der EU da zusammenarbeiten wird.
19:16Er wird sicher kein plötzlich einfacher Partner sein für die EU, er wird sich ja in manchen
19:22Dingen auch überhaupt nicht einstimmen.
19:25Aber er zeigt sich auf jeden Fall arbeitsfähig in der EU.
19:31Also das macht schon mal einen riesen Unterschied, weil das war ja eben Orban, das war unter Orban
19:36ja überhaupt nicht so.
19:37Gibt es schon größere internationale Reaktionen auf diesen Systemwechsel in Ungarn?
19:45Ja, also zum Beispiel der ukrainische Präsident Volodymy Lencki hat ihn gratuliert.
19:53Der war ja auch die große Hassfigur von Orban in dem Wahlkampf.
19:57Also Orban hat sich dann sehr gegen die Ukraine gestellt und gegen den Ukraine-Krieg, so hat
20:04Cesaro und hat das sogar dargestellt in seinem Wahlkampf als wir in Griezel und Kiew in den
20:09Krieg hineinziehen wollen.
20:11Und deswegen glaube ich, ist auch die Reaktion von Selenzi relativ schnell gekommen.
20:18Und er hat ihn gratuliert und gesagt, er möchte, er wollte immer gerne eine gute Zusammenarbeit
20:25mit allen europäischen Ländern haben.
20:29Es kamen auch vom CDU-Chef bzw. Kanzler von Deutschland, dem Friedrich Merz, kamen auch
20:37Grüße.
20:38Und auch von unserem Bundeskanzler Stocker kamen auch Grüße, also eher von politischen
20:46Personen, die ihm relativ ähnlich eingestellt sind, auf jeden Fall.
20:51Jetzt wissen wir, dass Trump, also US-Präsident Donald Trump, Viktor Orban im Wahlkampf ganz
20:57offensiv unterstützt hat.
20:58Er hat sogar noch seinen Vizepräsidenten J.D.
21:01Vance nach Ungarn geschickt als Schützenhilfe quasi für Viktor Orban.
21:05Auch Wladimir Putin hat sich im Vorfeld offensichtlich Viktor Orban gewünscht, ist immer wieder berichtet
21:10worden.
21:10Ist das also ein schwerer Schlag für antieuropäische, antiliberale Kräfte?
21:14Ja, absolut.
21:16Das ist auf jeden Fall eine große Niederlage für die rechtskonservative Community in Europa
21:22sozusagen.
21:23Orban hat ja auch die Koalition Patriots for Europe in der EU, wo auch die FPÖ übrigens
21:32Mitglied ist.
21:33Und es ist schon so, dass er sehr, sehr gut bestellt hat, wie zum Beispiel auch mit der
21:37italienischen Premierministerin Meloni.
21:39Putin und generell hat er sich mit eher rechteren Politikern und Politikern eigentlich sehr gut
21:47gestimmt und war da auch sehr beliebt.
21:49Und man weiß ja eben auch, dass auch in Amerika die Rechten immer sehr ein Vorbild von Orban
21:55gewonnen haben.
21:59Und auch Präsident Putin natürlich war ihm sehr, sehr gut gestimmt.
22:04Wir hatten auch immer eine gute Zusammenarbeit.
22:07Also Orban war ja auch während der EU-Ratspräsidentschaft Ungarns zu Besuch bei Putin.
22:15Er hat auch eine sehr gute Beziehung in ihm gepflegt.
22:18Das liegt ja auch nicht nur daran, dass auch russisches Öl und Gas immer noch sehr, sehr
22:23stark nach Ungarn fließt.
22:25Und ihm ist das natürlich auch eine große Umstellung, die er da hat.
22:32Kann man hier von einer generellen Trendwende in Europa sprechen, deiner Meinung nach?
22:36Oder ist Ungarn eine Ausnahme, die wir hier in Österreich eigentlich eh kaum verstehen,
22:40beziehungsweise die man einfach nicht vergleichen kann?
22:45Ich glaube nicht, dass es jetzt eine Trendwende zeigt.
22:48Ich meine, ich möchte es da auch nicht aus dem Fenster lehnen.
22:50Aber ich würde schon sagen, dass Ungarn ein spezieller Fall ist.
22:56Also da geht es ja nicht nur darum oder auch vielleicht gar nicht darum, dass Orban recht
23:02gesünd ist.
23:02Natürlich für viele schon.
23:04Aber es ging eher darum, dass es jetzt einfach 16 Jahre lang eine Partei hier an der Macht
23:12war oder er an der Macht war und dass er die Verfassung geändert hat, sodass es für ihn
23:17passt, dass er die Medien gleichgeschalten hat, dass er die Wirtschaft so gebaut hat, dass
23:25das hauptsächlich seine Leute hier Vorteile haben.
23:28Und das geht jetzt, wie gesagt, schon 16 Jahre lang so und das reicht den Leuten einfach.
23:31Also da geht es gar nicht so sehr um seine politische Einstellungen, sondern um sein System
23:37und ihn als Person eigentlich eher.
23:40Und genau deswegen war für viele eben die Konsequenz oder die einzige Konsequenz ist eben
23:45Peter Mollor zu wählen, selbst wenn viele eigentlich mit ihm und in seinen Ansichten eigentlich gar
23:51nicht so zufrieden sind.
23:52Und deswegen hatte das vor allem eigentlich Signalwirkung und zeigt eigentlich ja auch
24:02irgendwie, was man vielleicht schon auch irgendwie als Signal sehen kann, dass jetzt, wenn Autokraten
24:10halt sehr, sehr lange regieren oder an der Macht sind, dass die Leute irgendwann unzufrieden
24:19finden, dass das Ding ja noch einfach stürzen wollen.
24:24Melanie, vielleicht abschließend.
24:26Viktor Orban hat einmal von der illiberalen Demokratie gesprochen, die seiner Meinung nach
24:30ja das bessere Regierungsmodell sei.
24:33Ist Ungarn jetzt auf dem Weg zurück zur klassischen liberalen Demokratie?
24:40Also ich glaube, der erste Schritt ist getan.
24:43Also Peter Mollor wohnt da ja eigentlich hin, aber wo es die Reise genau hingeht, das will
24:49ich Ihnen natürlich zeigen, weil Mollor hat sehr, sehr viel zu tun.
24:54Er hat eine sehr schwierige Aufgabe.
24:55Er hat jetzt eine Zweidritte Mehrheit und steht vor gewaltigen Herausforderungen, was
25:01in der Gesellschaft ist sehr gespalten und natürlich, also in der Wirtschaft eben
25:09Schwäche, wie gesagt, vor allem gesagt, das Gesundheitssystem, also er hat eine riesige
25:13Aufgabe, aber er darf natürlich jetzt auch seine Wählerinnen und Wähler nicht enttäuschen
25:19und muss das angehen und ob er das jetzt sehr, sehr liberal machen wird oder ob er sich
25:26dann doch als wirklich sehr konservativen Politik zeigt, das werden wir sehen.
25:29Melanie Reitl war das aus Budapest zugeschaltet nach einer sehr kurzen Wahlnacht.
25:34Vielen Dank für deine Berichterstattung und Sie können auch die Texte von meiner Kollegin
25:37dann natürlich auf derstandard.at nachlesen, da werden noch so einige rund um diese Wahl
25:42kommen.
25:42Vielen Dank.
25:44Vielen Dank.
25:44Und wenn euch diese Folge gefallen hat, dann abonniert Thema des Tages auf der Podcast-Plattform
25:49eurer Wahl oder auch auf YouTube, wo wir jetzt immer öfter mit Videopodcasts vertreten
25:53sind.
25:53Einfach Kanal abonnieren und nicht vergessen, die Glocke zu drücken.
25:56Ich bin Daniel Retschitz-Egger.
25:58Vielen Dank fürs Dabeisein.
25:59Bis zum nächsten Mal.
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