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  • vor 5 Stunden
"Es ist auf jeden Fall der letzte Schritt in einer zunehmenden Spirale zur Abscheulichkeit." Das sagt der Schauspieler Florian Teichtmeister im September 2023 vor Gericht. Gemeint sind damit seine selbstverfassten, pädo-sadistischen Texte, die er über Fotos und Videos von zigtausenden Missbrauchsdarstellungen legt und so einen der größten Skandale der österreichischen Kulturszene auslöst. In dieser Folge von "Schuldfrage" blicken wir hinter die Kulissen, diskutieren, ob das Urteil härter hätte ausfallen müssen und welche Rolle die Öffentlichkeit dabei spielte.

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Transkript
00:00Dann wurde eine Debatte gestartet, darf der das denn, als er eingeklagt hat, er in ein paar Wochen Verhandlungen hat,
00:04das Leben offenbar genießen?
00:06Die Bilder, sagte er, die er dann verwendet hat und teilweise weiterverarbeitet hat, hatte er aus dem Darknet.
00:11Und was uns wichtig ist, vielleicht vorweg in diesem Podcast, wir sprechen bewusst nicht von Kinderpornografie.
00:17Das ist jetzt ein Zitat, der sagt, das sind Datenmengen, die man normalerweise in einem Unternehmen erwarten würde, aber nicht
00:25bei einer Privatperson.
00:26Ich bin hier der Chef, ich bin die Sitzungspolizei, wenn Sie sich nicht an die Spielregeln halten, raus aus dem
00:31Saal.
00:31Teichtmeister hat damals angegeben, bei der Polizei angegeben, dass er nicht froh war, dass er endlich erwischt worden ist, damit
00:37diese Situation für ihn vorbei war.
00:40Kann man Pädophile wie Teichtmeister je resozialisieren?
00:51Es ist auf jeden Fall der letzte Schritt in einer zunehmenden Spirale zur Abscheulichkeit.
00:57Das sagt der Schauspieler Florian Teichtmeister im September 2023 vor Gericht.
01:02Gemeint sind damit seine selbstverfassten pedosadistischen Texte, die er über Fotos und Videos von zigtausenden Missbrauchsdarstellungen von Kindern legt und
01:12so einen der größten Skandale der österreichischen Kulturszene auslöst.
01:17Und damit herzlich willkommen zu unserem Podcast Schuldfrage.
01:20In diesem Podcast werfen wir einen Blick hinter die Kulissen wahrer Kriminalfälle, erklären, wie Strafrecht funktioniert und wo es an
01:28seine Grenzen stößt.
01:29Mein Name ist Magdalena Puntz von Puls4.
01:32Und mein Name ist Jan-Michael Machert vom Standard.
01:35Wir begrüßen Sie ab jetzt regelmäßig gemeinsam mit den Strafverteidigerinnen David Jodlbauer oder Anna Mayer, um gemeinsam Ermittlungen, Prozesse und
01:44Urteile zu beleuchten.
01:46Heute ist David Jodlbauer bei uns zu Gast. Hallo David.
01:49Hallo Jan. Hallo Magdalena.
01:51In dieser Folge nehmen wir den Fall Florian Teichtmeister juristisch unter die Lupe.
01:55Wir stellen uns heute die schwierigen Fragen. Ist der Besitz von Missbrauchsdateien ein reines digitales Delikt ohne reale Opfer oder
02:04ein Verbrechen, das härter bestraft werden muss?
02:07Wir blicken außerdem auf die Aktualität. Wie gut funktioniert eine bedingte Strafe mit Therapie bei prominenten Tätern?
02:14Gerade angesichts seines Kokainrückfalls am Münchner Oktoberfest im Herbst 2025.
02:21Und dann wollen wir noch klären, wann hat eine öffentliche Hexenjagd Auswirkungen auf ein Urteil?
02:28Aber ich würde mal sagen, wir fangen am Beginn an.
02:31Jan, erzähl uns doch mal die Geschichte dieses gefallenen Stars.
02:35Ja, Florian Teichtmeister war, das ist mir auch erst durch diesen Fall bekannt geworden,
02:39oder war dann für mich deutlich ein gefeierter Burgtheaterschauspieler und TV-Star.
02:44Und sein Absturz, der begann 2021 mit einer Meldung bei der Wiener Polizei, damals wegen häuslicher Gewalt.
02:52Aber wie wir dann erfahren haben, medial erfahren haben und generell auch in der Schauspielszene erfahren haben,
03:00gesteht er damals dem Beamten etwas anderes, nämlich, dass er Missbrauchsdarstellungen von Kindern besitzt,
03:06in einer schieren Anzahl und er händigt damals auch der Polizei einen Datenstick aus,
03:12auf dem auch diese Missbrauchsdarstellungen drauf waren.
03:14Und die Exekutive findet damals auch bei ihm illegale Suchtmittel, Drogen.
03:21Und was damals auch sehr auffällig ist, darüber werden wir dann später auch noch intensiver sprechen,
03:25ist, dass Teichtmeister eigentlich von Anfang an kooperiert mit der Justiz.
03:29Er ist von Anfang an geständig, ist auch kooperativ eben, was den Datenstick anbelangt,
03:35was die Daten, die darauf befindlich sind, anbelangt, kooperiert eben mit der Justiz.
03:39Und im September 2023, das war dann der Schlussakt der ganzen Geschichte,
03:44wird er zu zwei Jahren bedingter Haft verurteilt und zu einer Einweisung in ein sogenanntes forensisch-therapeutisches Zentrum.
03:50Dort kommen Personen hin, von denen eine Gefahr ausgeht, beziehungsweise die eine Therapie brauchen.
03:55Und, was jetzt auch klar ist sozusagen, aus dem gefeierten Star ist dann sozusagen ein Verurteilter geworden
04:04und seine Zeit als Star war damit vorbei.
04:08Und dazu muss man vielleicht auch sagen, dass er das alles bedingt nachgesehen bekommen hat.
04:12Das heißt, er war keinen Tag im Gefängnis und auch diese Einweise, von der du gesprochen hast,
04:17wurde eben bedingt nachgesehen.
04:18Aber bevor wir jetzt hier ins Detail gehen, haben wir natürlich eine Frage an dich, David.
04:23David, denn dieser Fall, der hat natürlich für sehr viel Aufsehen gesorgt.
04:27Und du hast ihn klarerweise auch beobachtet.
04:29Du warst zwar nicht als Anwalt involviert, also du hast jetzt Teichnmeister nicht selbst vertreten,
04:34aber du hast den Fall beobachtet.
04:36Was war denn so deine erste Wahrnehmung?
04:37Wie hast du denn diesen Fall wahrgenommen?
04:40Es war auf jeden Fall libidiale Berichterstattung.
04:42Gerade im Ermittlungsverfahren war das ja, glaube ich, eine Besonderheit,
04:44dass es das so viel und so umfassende Berichterstattung gegeben hat.
04:47Gerade mit so einer starken Meinung.
04:49Teilweise wurde dann auch ein bisschen Politik gemacht damit.
04:51Ich kann mich sicher erinnern, die erste Kontaktaufnahme, die ich in dieser Sache hatte,
04:58war über die Medienberichterstattung.
04:59Was mir ganz eindrücklich in Erinnerung geblieben ist,
05:01das war, glaube ich, einige Wochen vor der Hauptverhandlung,
05:04da wurde der Herr Teichnmeister fotografiert,
05:05wie er in einem Innenstadtlokal in einem Gastgarten sitzt mit Freunden, was trinkt.
05:09Und das wurde fotografiert, an einem Medium gespielt,
05:11dann wurde eine Debatte gestartet,
05:12darf der das denn als Eingeklager, der in ein paar Wochen Verhandlung hat,
05:16das Leben offenbar genießen?
05:18Diese Vorverurteilung gerade aus manchen Teilen des Volkes
05:21wird hier in diesem Fall eine sehr große Rolle spielen.
05:24Aber schauen wir uns den Fall einfach mal ein bisschen genauer an.
05:26Jan, was wurde denn Florian Teichnmeister genau vorgeworfen?
05:30Also konkret, das haben wir schon ein bisschen skizziert vorhin.
05:33Einerseits war das die Herstellung und auch der Besitz
05:36von sogenannten Missbrauchsdarstellungen von Kindern.
05:39Die Bilder, sagte er, die er dann verwendet hat und teilweise weiterverarbeitet hat,
05:44hatte er aus dem Darknet.
05:46Das ist sozusagen ein, wie soll man sagen, ein etwas düstereres Internet.
05:51Ich glaube, so würde ich es am ehesten erklären,
05:53das außerhalb der Legalität teilweise funktioniert.
05:58Und was uns wichtig ist, vielleicht vorweg in diesem Podcast,
06:00wir sprechen bewusst nicht von Kinderpornografie.
06:03Einerseits, weil das Strafgesetzbuch diesen Begriff nicht kennt,
06:07beziehungsweise es einfach kein juristischer Begriff ist.
06:09Und weil wir finden und auch, glaube ich, dass das Expertentum so sieht,
06:14dass das eine gewisse Verharmlosung in sich trägt, dieser Begriff,
06:18und eine gewisse Freiwilligkeit insulieren würde,
06:21was so einfach nicht der Fall ist.
06:22Es geht um Missbrauch.
06:24Genau.
06:24David, hier brauchen wir eine erste juristische Einordnung.
06:27Der Jan hat jetzt schon gesagt,
06:28der war nicht nur angeklagt wegen des Besitzes und des Konsums
06:31von Kindesmissbrauchsdarstellungen,
06:33sondern auch wegen der Herstellung.
06:35Was macht es dann juristisch für einen Unterschied
06:38bei einem digitalen Delikt?
06:41Also wie schaut es da auch mit dem Strafrahmen aus?
06:43Im Detail ist das relativ kompliziert.
06:45Die gesetzlichen, strafgesetzlichen Regelungen
06:47zu Missbrauchsdarstellungen sind einer der kompliziertesten Paragraphen,
06:51würde ich fast meinen, im Strafgesetzbuch.
06:53Das liegt daran, dass da wahnsinnig viel technisches Wissen
06:55und technische Hintergrundinformationen verarbeitet werden.
06:57Es ist auch einer der Paragraphen,
06:59der am öftesten reformiert und überarbeitet wird.
07:01Da geht es um verschiedene internationale Vorgaben,
07:04hauptsächlich die umgesetzt werden.
07:05Konkret ist es so, dass der Grund,
07:08man könnte sagen, der Grundstrafbestand,
07:10ist der Besitz von Missbrauchsdarstellungen.
07:12Da wird unterschieden nach der Menge der Missbrauchsdarstellungen.
07:15Das wird unter Strafe gestellt,
07:16grundsätzlich mit einem Strafrahmen bis zwei Jahre.
07:19Dann kann man verschiedene andere Dinge tun
07:21mit den Missbrauchsdarstellungen.
07:22Das wird härter bestraft.
07:23Eins davon ist die Erzeugung von Missbrauchsdarstellungen,
07:28auch mit verschiedenen Strafrahmen.
07:30In dem konkreten Fall war es so,
07:31dass letztendlich eine Strafdrohung von bis zu drei Jahren
07:35maßgeblich war für den Herrn Teichbeister.
07:36Wann fängt so eine Herstellung an?
07:39Wann bewege ich mich dann in diesem Bereich?
07:41In dem Fall war die Besonderheit,
07:42dass die Herstellung gar nicht das Fotografieren gemeint hat
07:45oder eine sonstige Herstellung,
07:46sondern das Verarbeiten von bereits existierenden Bildern.
07:48Ich glaube, es ging darum,
07:49dass Textzeilen hinzugefügt wurden auf die Bilddateien.
07:52Das hat man gesagt, ja, das ist auch eine Erzeugung.
07:55Genau, darüber sprechen wir dann eh auch noch im Detail.
07:57Aber ist es vielleicht sogar auch diese Unterscheidung
08:00der Grund gewesen, warum es so lange gedauert hat,
08:03bis es letztlich zu einem Verfahren kam?
08:04Also einfach auch, weil es sehr aufwendig ist.
08:06Es war dann ja auch zusätzlich so,
08:08dass Teichmeister wegen einer akuten Erkrankung
08:11dann den ersten Prozesstermin damals nicht wahrnehmen konnte.
08:14Wenn ich mich jetzt richtig erinnere,
08:15war das im Februar 2023.
08:17Und letztlich kam es zum Prozess im September 2023.
08:21Also sind diese,
08:22oder vor allem auch der Aufwand sozusagen,
08:24hat das möglicherweise dafür gesorgt,
08:26dass das so lange gedauert hat?
08:28Also solche Verfahren,
08:29gerade mit größeren Datenmengen,
08:30sind oft mit einem wahnsinnigen Ermittlungsaufwand verbunden.
08:33Das sieht man eigentlich auch oft bei diesen Fällen,
08:35dass das sehr, sehr viele technische Ermittlungen,
08:37Sachverständigen, Gutachten, Auswertungsberichte
08:39und so weiter notwendig sind.
08:41Ich glaube, in dem Fall war es ja auch so,
08:42dass ursprünglich der Vorwurf war,
08:44dass nur der Besitz von Missbrauchsausstellungen
08:46eingeklagt wurde.
08:47Und dann wurde quasi diese erzwungene Verhandlungspause
08:49dazu genutzt, um die Hintergründe,
08:51die technischen noch weiter zu ermitteln.
08:53Und dann wurde der Strafantrag modifiziert
08:55oder die Einklageschrift.
08:56Also eigentlich sehr smart vom Staatsanwalt,
08:58dass er sich dann noch die Zeit genommen hat,
09:00um das alles nochmal ganz genau mit Forensikern anzuschauen
09:02und dann eben zu sehen,
09:04das ist eben nicht nur der Besitz gewesen,
09:05sondern auch die Herstellung,
09:07dadurch auch der höhere Strafrahmen,
09:08der hier möglich war.
09:09Aber ich erinnere mich noch gut,
09:11dass das wirklich wahnsinnig viel diskutiert wurde.
09:13Warum dauert das so lange?
09:14Das kann ja nicht sein.
09:15Das macht man sicher nur,
09:16damit er sich noch schonen kann.
09:18Man wusste ja damals auch nicht genau,
09:20warum dieser Termin verschoben wurde.
09:22Der erste Prozesstermin, du hast gesagt,
09:23wegen akuter Erkrankung.
09:24Da gab es ja dann auch ganz viele Ideen.
09:26Was ist das jetzt?
09:27Was steckt da dahinter?
09:28Hat er vielleicht sogar einen Selbstmordversuch
09:30hinter sich gehabt?
09:30Also all das wurde ja dann auch medial spekuliert.
09:33Aber am Ende hat die Staatsanwaltschaft
09:35einfach weiter ermittelt
09:36und dadurch eigentlich einen höheren Strafrahmen
09:38anklagen können, oder?
09:39Ich glaube, das hätte ich auch so verstanden.
09:41Ja, es wurden dann in der Zwischenzeit
09:43noch Gutachten eingeholt,
09:44die zweifelsfrei festgestellt haben
09:46oder relativ zweifelsfrei,
09:47dass die Bearbeitungen tatsächlich
09:48von den Angeklagten
09:49durch den Herrn Teichtmeister stattgefunden haben müssen.
09:52Ja, du hast jetzt schon angesprochen,
09:53auch die Zeit, die man aufgebracht hat,
09:56um diese Datenmengen sich anzuschauen
09:58und durchzuschauen.
09:59Da ist vielleicht wichtig zu wissen,
10:01von welcher Datenmenge sprechen wir hier?
10:03Also ich glaube,
10:04von einer unvorstellbaren.
10:05Also einerseits,
10:06was den Zeitrahmen anbelangt,
10:07also wann das stattgefunden hat,
10:10nämlich von 2008 bis 2021,
10:12also ein enormer Zeitraum einmal.
10:15Und dann von einer Datenmenge,
10:16glaube ich,
10:16die sich von uns keiner am Tisch vorstellen kann,
10:1976.000 Dateien.
10:20Das muss man sich auch mal vorstellen,
10:23das zu sammeln einerseits
10:24und auch dann eben weiter zu verarbeiten.
10:27Und 47.500 Dateien,
10:30was ja eine enorme Menge ist,
10:32von dieser Menge,
10:33betraf Kinder unter 14 Jahren.
10:35Also ich glaube,
10:36ich weiß nicht,
10:37ob sich jemand auf dem Tisch
10:38wirklich vorstellen kann,
10:38wie viele Dateien das sehen,
10:39wie lange man sich die auch als Forensiker,
10:43wie lange man sie anschauen muss,
10:45durchsuchen muss,
10:46wie lange es auch dauert,
10:48diese Dateien herzustellen
10:49beziehungsweise auch zu sammeln.
10:51Ja, es ist eine unfassbare Menge.
10:53Das hat man damals auch im Gericht festgestellt.
10:56Da hat nämlich der Gutachter gesagt,
10:58und das ist jetzt ein Zitat,
10:59der sagt,
10:59das sind Datenmengen,
11:01die man normalerweise
11:02in einem Unternehmen erwarten würde,
11:05aber nicht bei einer Privatperson.
11:07Absolut.
11:10Ja, die Auswertung,
11:11wir haben es jetzt schon angesprochen,
11:12die hat viele Monate gedauert.
11:14Da würde uns jetzt natürlich interessieren,
11:15David, das weißt du wahrscheinlich besser,
11:16wer ist denn für sowas überhaupt zuständig?
11:18Wer muss denn diese Mengen
11:19an Kindesmissbrauchsdarstellungen sichten?
11:22Da gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen.
11:25Das wird dann Fall zu Fall unterschiedlich entschieden.
11:27Grundsätzlich macht die Polizei die Ermittlungsarbeit
11:29und arbeitet für die Staatsanwaltschaft
11:31auch diese Dinge auf.
11:32Ganz oft passiert es dann aber in der Praxis so,
11:34dass man dafür jemanden Externen verwendet,
11:36einen Forensiker, einen IT-Techniker,
11:38der die Polizei unterstützt,
11:39die Staatsanwaltschaft unterstützt
11:40für die Aufarbeitung dieser Datenmengen.
11:43Oft geht es ja auch nicht nur
11:44um die reine Sichtung des Missbrauchsmaterials
11:45und die Einordnung,
11:47was könnte das für einen Paragraphen erfüllen,
11:48sondern es geht auch um technische Hintergründe.
11:50Wann wurde das zuletzt gespeichert?
11:52Wann wurde das runtergeladen?
11:53Wann wurde das weitergeschickt?
11:54Solche Fragen sind da oft zu klären.
11:56Aber du hast ja das Anwalt ja auch damit zu tun,
11:58also zumindest in Fällen,
12:00die sexuellen Missbrauch zum Beispiel betreffen,
12:03gerade beim Thema Jugendliche zum Beispiel in letzter Zeit.
12:06Du hast ja auch immer wieder solche Bilder,
12:08entweder im Akt oder du siehst sie auch vor Gericht,
12:10wenn beispielsweise die Öffentlichkeit ausgeschlossen wird,
12:13also wir und du im Gerichtssaal sitzen bleibst.
12:15Wie geht es dir eigentlich damit,
12:16wenn du solche Bilder siehst?
12:18Tatsächlich spielt das weniger Rolle,
12:20als man sich das vorstellen würde.
12:21Also in vielen Fällen weiß man,
12:22es gibt diese Missbrauchsteuerstellungen,
12:23man muss sie sich aber eigentlich nicht selber anschauen,
12:25weil das keine Rolle mehr spielt.
12:26In manchen Fällen natürlich muss man das persönlich
12:28nochmal sichten,
12:29um vielleicht die Einordnung der Staatsanwaltschaft
12:30unter 14, über 14 sonst etwas nachvollziehen zu können.
12:35Ich kann mich persönlich ganz gut abgrenzen davon,
12:37wenn einem da Probleme entstehen
12:41oder wenn man das vielleicht nicht so gut verkraftet.
12:42Ich glaube, dann wird dieser Teil der Arbeit einem auch nicht liegen.
12:45Dann sollte man sich was anderes suchen.
12:48Für Staatsanwaltschaften, für Richterinnen,
12:50Richter, für Anwälte, für Polizisten
12:52gehört das ein bisschen zum Job.
12:53Ja, für mich wäre das jedenfalls sicherlich kein Job.
12:56Mir reicht das schon,
12:57wenn man das ansatzweise in Gerichtsprozessen mitbekommt.
13:01Aber ich würde sagen,
13:01wir öffnen jetzt mal die Türen zum großen Schwurgerichtssaal
13:05am Wiener Straflandesgericht
13:06und springen zum 5. September 2023.
13:10Da war ja damals ganz schön was los.
13:12Genau, Magdalena.
13:13Und du warst ja damals vor Ort.
13:15Wie hast du die Stimmung damals vernommen?
13:16Die Stimmung war im Vorfeld schon extrem angespannt,
13:21denn da hat sich da ja tatsächlich ein Mob gebildet,
13:24also eine Schar an Demonstrantinnen und Demonstranten,
13:27die gemeint haben,
13:28sie müssten schon vor diesem Prozess ihr Urteil fällen.
13:31Und die auch davon ausgegangen sind,
13:33dass dieses Urteil ohnehin nicht streng oder scharf genug sein könnte.
13:38Also die haben ja zum Teil wirklich die Todesstrafe für Teichtmeister gefordert.
13:41Und dementsprechend war die Stimmung im Vorfeld schon extrem angespannt.
13:45Ich erinnere mich da,
13:46dass kurz vor Prozessbeginn,
13:48dass auch zu einer Demonstration im Heimatort
13:50von Teichtmeisters Mutter gekommen ist.
13:52Und die sind dort aufmarschiert
13:54und haben da ja wirklich ihre Slogans laut geschrien,
13:59vorgelesen und haben sogar einen Galgen mit dem Namen Teichtmeister dabei gehabt.
14:04Und das ist natürlich eigentlich wirklich ein Wahnsinn, oder?
14:07Absolut.
14:08Ich meine, auch zur Einordnung muss man vielleicht dazu sagen,
14:09dass ja Teile der rechten Szene da damals sehr aktiv waren und mobilisiert haben.
14:13Und ich sage mal, vorgebliche Kinderschützer,
14:17also die das Thema einfach benutzt haben,
14:19um ihre Politik voranzutreiben.
14:21Das kam eben damals sehr stark aus der rechten Szene.
14:23Und ich glaube,
14:23darum hat es auch für ordentlich Wirbel gesorgt.
14:26Also darum konnte man überhaupt Personen dafür mobilisieren letztlich.
14:29David, dieses Ausmaß eines öffentlichen Protests vor einem Gerichtsprozess,
14:36hast du das in dem Ausmaß schon mal erlebt,
14:38in deiner persönlichen Erfahrung?
14:40Tatsächlich nicht mit so starken Anfeindungen gegen einen Angeklagten.
14:43Es gibt natürlich viele medial beachtete Verfahren.
14:45Es gibt auch immer wieder Verfahren,
14:47die politisch inszeniert werden
14:48oder wo der Gerichtssaal als Bühne genutzt werden soll
14:50für die eine oder für die andere Sache.
14:52In dem Ausmaß,
14:53dass sich die Aggression des Volkes
14:55oder der Demonstration gegen den Angeklagten selbst richtet,
14:58wäre mir kein anderer Fall in Erinnerung.
15:00Ja, dieser Galgen, den ich schon angesprochen habe,
15:02der wurde dann damals auch am Prozesttag
15:06vor dem Landesgericht aufgestellt,
15:08was auch ungewöhnlich war.
15:10Daran erinnere ich mich noch gut,
15:11war sehr, sehr viel Polizei,
15:13die diesen Saal einerseits,
15:15aber auch die Eingänge beim Landesgericht gesichert hat.
15:18Die sind einfach davon ausgegangen,
15:20es könnte sein,
15:20dass es dort zu Ausschreitungen kommen könnte,
15:23dass dort Demonstrantinnen und Demonstranten auftauchen,
15:25die wirklich zur Gefahr für Teichtmeister werden könnten.
15:29Vorweggenommen kann man sagen,
15:30es sind dann am Ende Gott sei Dank
15:31nur eine Handvoll Demonstrantinnen erschienen
15:34vor dem Landesgericht,
15:35aber der Galgen, wie gesagt, der war dabei.
15:37Ja, und vor allem auch 20 Leute
15:38können eine gewisse Gefahr ausstrahlen.
15:41Wie ist eigentlich Teichtmeister
15:42letztlich ins Gericht gekommen, Magdalena?
15:44Ja, der hat das recht smart gemacht.
15:45Er ist nämlich schon lange vor Prozessstart
15:48zum Landesgericht gekommen,
15:49nämlich schon über zwei Stunden,
15:51hat da einen Seiteneingang genommen.
15:53Das machen gerne prominente Angeklagte,
15:57dass sie früher kommen,
15:58vor allem auch um den Medien zu entkommen.
16:01Ganz gelungen ist es dem Teichtmeister da aber nicht,
16:04weil es waren schon einige Medien da
16:05und haben versucht,
16:07hier das erste Bild zu bekommen.
16:09Und dementsprechend wissen wir auch,
16:10dass er eben schon gegen 7.30 Uhr
16:12beim Seiteneingang des Landesgerichts
16:13in Wien reingegangen ist,
16:15dass er mit seinen beiden Anwälten gekommen ist
16:17und sogar mit Personenschützern,
16:20was ja auch dafür spricht,
16:21dass man damit gerechnet hat,
16:23dass es eventuell zu Ausschreitungen kommen könnte.
16:25Ich meine, das klingt ja nach reichlich Trubel,
16:27würde ich sagen.
16:28Und ich meine, wir kennen ja auch die Situation
16:30beim Straflandesgericht Wien.
16:31Man steht ja oft, gerade bei größeren Prozessen,
16:33draußen lange an in der Schlange beim Sicherheitscheck.
16:36Wann hat das Verfahren dann eigentlich begonnen?
16:38Ich kann mir vorstellen,
16:39dass es wahrscheinlich nicht pünktlich war.
16:41Es war nicht ganz pünktlich.
16:43Es hat ein bisschen verspätet begonnen,
16:45kurz nach 9.45 Uhr.
16:47Es hat einfach gedauert,
16:49diese Masse an Leuten in diesen Saal reinzubekommen.
16:51Es waren ja nicht nur Journalistinnen und Journalisten,
16:53sondern es waren viele Prozessbeobachter da drinnen.
16:57Und eben auch diese Meute,
16:59von denen wir gesprochen haben.
17:00Ich habe recht weit hinten einen Platz gefunden,
17:03Gott sei Dank gerade noch,
17:04und saß da eben unter diesen Menschen,
17:06die da im Vorfeld schon kundgetan haben,
17:09dass ihnen hier diese Strafe ohnehin nicht ausreichen wird.
17:12Also die Stimmung im Saal,
17:14das hat man auch gespürt,
17:15sie war angespannt.
17:17Wie dann alle Platz gefunden haben,
17:19ist dann auch Florian Teichtmeister reingekommen.
17:22Er hatte an so einen grauen Dreiteiler,
17:24eine Krawatte,
17:26ein Stecktuch,
17:27so eine randlose Brille.
17:29Und er hat sehr ruhig gewirkt,
17:31sehr demütig.
17:33Es hat sich auch so durch den ganzen Prozess durchgezogen.
17:36Und er war auch,
17:37ist mir aufgefallen,
17:38vor allem dann nachher auch auf Fotos,
17:40relativ durchgeschwitzt schon von Beginn an.
17:42Und das war nicht besonders heiß in diesem Saal.
17:45Und auch kein sehr warmer Tag.
17:46Ist davon auszugehen,
17:47dass er wahrscheinlich selbst sehr, sehr nervös war.
17:48Ich meine,
17:49jetzt klingt schon der gesamte Tag sehr ungewöhnlich.
17:51Also vom Galgen bis zur Masse an Menschen,
17:55die in diesem Gerichtssaal strömen.
17:57Das erste Wort gehörte immer dem Richter.
17:59Was hat er damals gesagt?
18:01Ja, das war ein Zitat,
18:03das man so auch nicht so oft hört.
18:05David, das wirst du uns dann
18:06vielleicht auch aus deiner Erfahrung sagen können.
18:08Der sagt nämlich ganz am Anfang,
18:11wir sind uns bewusst,
18:12dass Störnfriede im Saal sind.
18:14Sollte etwas in die Richtung probiert werden,
18:17werden sie sofort aus dem Saal verwiesen.
18:21Das ist tatsächlich eher ungewöhnlich.
18:22Passiert allerdings immer wieder.
18:24Es gibt oft Verhandlungen,
18:25wo die eine oder andere Seite
18:26viele Sympathisanten im Zuschauerraum hat,
18:29die dann vielleicht ihre Meinung kundtun möchten
18:30zum Prozessgeschehen,
18:31zu den Prozessbeteiligten,
18:33über das Urteil, sonst etwas.
18:34Und natürlich ist der Richter da wahrscheinlich gut beraten,
18:36wenn er schon weiß,
18:37da gibt es Demonstrationen,
18:38die stellen einen Galgen auf,
18:39dass er schon im Vorhinein sagt,
18:40ich bin hier der Chef,
18:41ich bin die Sitzungspolizei.
18:42Wenn sie sich nicht an die Spielregeln halten,
18:44raus aus dem Saal.
18:45Ich meine,
18:46so Prozesse sind ja meistens emotional aufgeladen,
18:49je nachdem, um was geht.
18:50Natürlich, aber hast du das schon einmal erlebt,
18:52dass der Richter tatsächlich dann Leute
18:53aus dem Saal verwiesen hat
18:54und gesagt hat, raus,
18:55weil ihr könnt es euch nicht benehmen?
18:57Ja, tatsächlich.
18:58Kommt selten vor,
18:59aber ab und zu kommt das vor.
19:00Was war das?
19:01Kannst du das ein bisschen erzählen?
19:02Ich glaube,
19:02das waren damals Angehörige vom Opfer.
19:05Ich habe einen Eingeklagten vertreten,
19:06der dem irgendwas eingemacht haben soll
19:08und die waren sehr unzufrieden
19:09mit seiner Aussage
19:10und haben immer reingerufen,
19:11ah, der lügt doch und Wahnsinn.
19:12Und haben das nicht so gutiert,
19:14wie das Gericht mit ihm umgegangen ist
19:16und dann hat die Richterin damals entschieden,
19:18nein, so tue ich mir das nicht mehr weiter an.
19:20Das beeinflusst die Verhandlungsführung
19:21und ich entferne jetzt die Angehörigen des Opfers
19:23aus dem Verhandlungssaal.
19:24Also durchaus emotionale Szenen,
19:26die man dann immer wieder bei Gericht auch mitbekommt.
19:29Im Fall Teichtmeister
19:31haben wir jetzt ein ganz gutes Stimmungsbild bekommen.
19:33Wir haben auf der einen Seite
19:34die aufgebrachte Meute vor dem Saal
19:38und auch im Saal
19:39und einen sehr demütigen, nervösen,
19:41aber auch sehr kooperativen
19:43Florian Teichtmeister auf der Anklagebank.
19:45Nach dem Richter,
19:46nach diesen Worten des Richters
19:48legt dann die Staatsanwältin los
19:50mit ihrem Eröffnungsplädoyer.
19:52Jan, was hat sie denn gesagt?
19:53Auch dieses Zitat, glaube ich,
19:56war sehr emotional gewählt
19:58beziehungsweise habe ich so als emotional empfunden.
20:01Sie hat nämlich damals gesagt,
20:02ich habe so etwas in 16 Jahren nicht gesehen.
20:05Der Angeklagte hat zigtausende Daten
20:07mit pedosatistischen Texten versehen.
20:10Sie hat dann auch Teile daraus vorgelesen,
20:12aus diesen Auszügen,
20:13auf die wir bewusst nicht näher eingehen
20:17beziehungsweise die wir bewusst nicht ebenfalls verlesen,
20:19weil auch nicht ohne Grund im Saal
20:21dann Entsetzen ausgebrochen ist.
20:22Ich glaube, jeder und jede,
20:24die damals diese Texte mitbekommen hat,
20:26ein Medium hat sie dann ja auch veröffentlicht.
20:29Blöderweise,
20:30man hat sie dann auch ein Bild davon machen können,
20:32sie sind ja wirklich grauslich.
20:34Also von dem her braucht es auch nicht die Öffentlichkeit
20:36in dieser Bandbreite hören.
20:39Die Staatsanwaltschaft hat damals bei Teichtmeister
20:42neben diesem Delikt
20:45oder neben diesem großen Problem
20:47über diese schwere Drogensucht attestiert
20:50beziehungsweise einen zwanghaften Pornokonsum.
20:52Danach ist dann einer der beiden Anwälte zu Wort gekommen.
20:56Er hat gesagt und das auch bewusst betont,
20:59das Ganze seien ja nur fantasiehafte Texte
21:02und er hätte seine Neigung nie in die Tat umgesetzt.
21:05Ich glaube, das ist ein Thema,
21:07was wir besprechen müssen, David.
21:08Wir sprechen hier von Hands-on und Hands-off Delikten.
21:12In dem Fall ist es so,
21:14dass Teichtmeister Videos, Bilder konsumiert
21:19und verarbeitet hat oder bearbeitet hat,
21:22aber selbst nie einen Übergriff auf ein Kind gemacht hat.
21:27Was ist denn da juristisch der Unterschied?
21:28Das macht einen ganz, ganz großen Unterschied natürlich.
21:32Genau wie du gesagt hast,
21:33ich meine, Teichtmeister ist ja nie vorgeworfen worden
21:35und da gab es auch nie Anhaltspunkte dafür in diese Richtung,
21:37dass er tatsächlich selbst Kinder
21:38oder Jugendliche missbraucht haben soll.
21:41Es wurde ihm lediglich unter Anführungszeichen bitte
21:43der Besitz und die Verarbeitung
21:46von Missbrauchsdarstellungen vorgeworfen.
21:48Das würden wir als rein digitales Delikt bezeichnen,
21:50weil er selbst niemanden angegriffen hat,
21:52im Gegensatz zu tatsächlichen Übergriffen.
21:54Das wären dann natürlich ganz andere Delikte,
21:56viel höhere Strafrahmen, viel höhere Strafen.
21:58Also da macht man tatsächlich juristisch auch einen Unterschied,
22:01ob man das jetzt nur unter Anführungszeichen konsumiert
22:05oder selbst auch für diese Bilder verantwortlich ist.
22:09Natürlich, ja.
22:11Wir haben das in und wieder auch in diversen Prozessen
22:15schon mitbekommen und gehört,
22:17dass es jetzt auch offenbar ein Trend ist,
22:21KI-generiertes Missbrauchsmaterial von Kindern zu besitzen.
22:26Gerade auch in manchen Prozessen,
22:27wo es um Jugendliche geht.
22:30Siehst du das auch bei Mandanten hin und wieder,
22:33dass es das gibt?
22:34Ja, das wird ganz eindeutig mehr.
22:36Also die technischen Möglichkeiten steigen einfach.
22:38Das wird immer einfacher,
22:39mit irgendwelchen KI-generierten Modellen
22:43Missbrauchsdarstellungen oder auch sonstige Darstellungen
22:45zu erzeugen.
22:46Und das wird natürlich auch dafür genutzt,
22:48dass Missbrauchsdarstellungen künstlicherweise hergestellt werden.
22:51Der österreichische Gesetzgeber hat sich das überlegt
22:54oder hat das offen gelassen.
22:55Also das ist eine technisch neutrale Bestimmung.
22:57Auch solche KI-generierten Bilder sind derzeit,
23:00sofern sie realitätsgetreu genug sind,
23:02absolut erfasst von der Straftat.
23:05Aber ich glaube,
23:05da muss man sich jetzt zwei Dinge stellen.
23:08Einerseits könnte man sagen,
23:09na ist das nicht für Personen,
23:10die eine pädophile Neigung haben
23:12oder eben auch pädophil sind,
23:14ein guter Katalysator,
23:16dass man sagt,
23:16die können sich so KI-generiertes Missbrauchsmaterial anschauen,
23:20ohne dass hier tatsächlich jemand zu Schaden kommt.
23:22Oder,
23:23das wäre jetzt eine weitere Überlegung,
23:25ist das sozusagen auch vielleicht der Einstieg,
23:27dass man sagt,
23:28man schaut sich das erst mal mit KI-generierten Material an
23:31und will dann aber vielleicht mehr?
23:33Ich halte auch beides für möglich.
23:35Grundsätzlich finde ich es einen sinnvollen Ansatz,
23:36dass man sagt,
23:37es gibt eine Ventilmöglichkeit,
23:38es gibt auch in anderen Ländern Forschung in diese Richtung,
23:40Bemühungen in diese Richtung,
23:41dass das im Rahmen einer Therapie zum Beispiel eingesetzt wird,
23:44natürlich unter ständiger Supervision,
23:46unter Begleitung durch Therapeutinnen und Therapeuten.
23:48In Österreich ist die Rechtslage aber ganz klar,
23:50nein, das ist verboten.
23:52Und ich kann auch der Gegenmeinung sehr viel abgewinnen.
23:55Oft sieht man das ja auch in diesen Fällen,
23:56dass eine Abwärtsspirale beginnt,
23:58mit vielleicht sogar noch legalem Material
23:59und das wird immer härter und immer härter
24:01und immer härter
24:02und irgendwann ist man tief in der Strafbarkeit drinnen.
24:04Jan, wie siehst du das,
24:06gerade wenn wir uns so Fälle anschauen,
24:08wo Jugendliche zum Teil dieses Material auf ihren Händen haben?
24:12Also ich kann eigentlich dem letzten,
24:14was du gesagt hast, sehr viel abgewinnen.
24:15Das besprechen wir dann ja auch eh noch,
24:17diese Abwärtsspirale,
24:18die auch bei Teichtmeister stattgefunden hat.
24:19Ich meine, da gehen wir auch dann noch näher darauf ein.
24:22Ich glaube, dass es eine Einstiegsdroge sein kann,
24:23nämlich genau so, wie ich es gesagt habe.
24:26Also ich glaube, dass das erst der Beginn von etwas sein kann
24:30und ich glaube, dass man das eher rigoroser strafen sollte als weniger.
24:34Wobei ich da noch einmal kurz einhaken möchte.
24:36Ich vertrete auch viele Jugendliche,
24:37denen der Besitz von Missbrauchsdarstellungen vorgeworfen wird
24:40und das erklärt sich einfach daraus,
24:41dass ein vielleicht 13-jähriges Mädchen
24:44ihrem 15-jährigen Freund Nacktbilder von sich selbst
24:46völlig freiwillig, völlig einvernehmlich schickt.
24:48Das ist ganz klar verboten nach österreichischer Rechtslage
24:51und deswegen bin ich ein bisschen skeptisch,
24:53wenn man so hart sagt, härtere Strafen.
24:55Man muss schon auch mitbedenken, es gibt auch Fälle,
24:57wo das vielleicht nicht gerechtfertigt sein wäre.
25:00Herr Teichmeister sagt jedenfalls über die Bilder,
25:02die er besessen und zum Teil eben auch bearbeitet hat,
25:05dass er sich damit getröstet hätte,
25:08nicht an der Herstellung beteiligt gewesen zu sein
25:10und er hätte sich diese Bilder schön gelogen.
25:14Vielleicht so viel auch noch dazu.
25:16Jetzt haben wir schon gehört, was die Staatsanwältin gesagt hat,
25:18was der Anwalt von Teichmeister gesagt hat,
25:21aber danach ist er eher zu Wort gekommen.
25:24Er hat sich damals schuldig bekannt,
25:26hat gesagt, die Vorwürfe seien korrekt
25:28und er sagt auch, Zitat,
25:30niemand aus meiner Umgebung wusste das Geringste von all dem.
25:35Aber wie ist es denn überhaupt zu dem tiefen Fall
25:38von Florian Teichmeister gekommen?
25:40Was war da der Auslöser, Jan?
25:41Das hat Teichmeister vor Gericht ja auch ein bisschen skizziert.
25:44Er hat gemeint, am Anfang der 2000er Jahre
25:46hat er eine ausgeprägte Pornografiesucht entwickelt.
25:50Sein Unrechtsbewusstsein, hat er erzählt,
25:51da wären wir jetzt bei der Abwehrspirale,
25:53hat immer weiter abgenommen.
25:55Und da parallel dazu hat sich eine veritable Drogen-
25:58und Alkoholsucht dazu ergeben.
26:02Und 2019, sagt er, war sein Drogenkonsum so intensiv
26:05oder eigentlich krisenhaft, kann man sagen,
26:07weil er täglich, das muss man sich vorstellen,
26:10drei Gramm Kokain täglich eben konsumiert hat.
26:13Und er sagt, ich war nie nüchtern zu dieser Zeit.
26:16Und jetzt haben wir, wie auch, ein Rechenbeispiel davor angelegt,
26:19nämlich nicht nur den Konsum an sich zu problematisieren
26:23oder uns damit zu beschäftigen, wie viel das eigentlich ist,
26:25sondern wie viel das eigentlich auch kostet.
26:27Wir haben es zwar mit einem Burgtheaterschauspieler
26:29und TV-Star zu tun, der wahrscheinlich schon
26:31eine ganz gute Gage verdient hat.
26:33Aber wenn man sich das genauer anschaut,
26:35ein Gramm Koks hat zumindest der Drogenbericht 2023,
26:38das waren die letzten Zahlen, die wir gefunden haben,
26:4090 Euro gekostet.
26:41Wir haben das jetzt einmal für drei Monate,
26:43weil es ja hieß, dass er das ja wirklich über Monate durchgezogen hat.
26:48Über drei Monate uns ausgerechnet,
26:50das waren 22.700 Euro rund,
26:53die er dafür ausgegeben haben muss in etwa.
26:56Also ich schätze einmal,
26:57das ist selbst für den Burgtheaterschauspieler sehr viel Geld.
27:00Ja, absolut.
27:01Und ich meine, drei Gramm Kokain täglich,
27:04das ist ja eine irre Menge, oder?
27:07Also ich meine, was macht das auch mit einem?
27:09Schwer zu sagen, was wir, glaube ich, aus vielen Verfahren,
27:12die vielleicht vergleichbar sind oder auch nicht vergleichbar sind,
27:14kennen, ist, dass Kokain enthemmt,
27:16gerade gemeinsam mit Alkohol,
27:17das führt ganz sicher dazu,
27:18dass die Hemmschwelle heruntergesetzt wird
27:20für Deliktsbegehung in alle möglichen Richtungen.
27:23Aber was man vielleicht noch dazu sagen muss,
27:25ich meine, er sagt ja, ich war nie nüchtern in dieser Zeit
27:27und man muss ja auch wissen,
27:28zu dieser Zeit war er eben noch Burgtheaterschauspieler und TV-Star,
27:31das heißt, er war noch aktiv,
27:33also dieses Doppelleben aktiv durchzuführen
27:37mit drei Gramm Koks täglich.
27:40Ich glaube, jeder kann sich so ein bisschen vorstellen,
27:41was Kokain mit dem Körper macht,
27:44in etwa zumindest.
27:46Ja, wird auf jeden Fall eine orge Zeit gewesen sein,
27:49würde ich sagen.
27:50Ja, definitiv.
27:51Leichtmeister gibt ja auch zu im Prozess hinterher,
27:54dass er sich Hilfe hätte suchen müssen,
27:56aber die Krankheit war stärker als die Vernunft.
27:59Er gibt auch zu, dass ihn diese Missbrauchsdarstellungen
28:03sexuell erregt haben.
28:04Und Jan, das hast du auch schon angesprochen,
28:06dass die Kinder auf diesen Bildern immer jünger geworden sind.
28:10Und der Richter stellt dann natürlich die Frage,
28:12die wir uns alle stellen und wahrscheinlich immer stellen,
28:15wenn wir über Kindesmissbrauch sprechen,
28:18nämlich die Frage nach dem Warum.
28:19Und da sagt Florian Heichtmeister damals,
28:23Zitat, es geht um das Gefühl einer Machtlosigkeit
28:26und der Grenzüberschreitung, die ich dadurch versucht habe,
28:30zu verarbeiten.
28:32Dazu muss man vielleicht auch kurz sagen,
28:33du hast es angesprochen, es war so 2019 in der Corona-Zeit,
28:36wo es auch nicht so viele Aufträge in die Richtung Schauspieler
28:40und so weiter gab.
28:41Und er hat sich auch nicht wirklich gewollt, gefühlt,
28:45gebraucht, gefühlt.
28:46Also mit dem Engagement hat es zu dieser Zeit offenbar
28:47eben auch nicht so gut geklappt.
28:52Aber kann man das nachvollziehen, was er hier sagt,
28:56mit dieser Machtlosigkeit, dass man sagt,
28:58du versuchst das so zu kompensieren?
29:00Das ist zumindest immer wieder ein Motiv,
29:02das auftaucht in derartigen Verfahren.
29:04Ich glaube, das kann alle möglichen Hintergründe haben.
29:06Aber was man tatsächlich sehr oft hört oder liest,
29:09ist, dass es um die Machtausübung geht,
29:11um die Kontrollausübung,
29:12dass man die Kontrolle über einen Teil seines Lebens erlangt
29:15oder dort Dominanz ausübt,
29:17wenn man in anderen Bereichen vielleicht die Kontrolle verloren hat.
29:20Ja, und es ist ja auch gewissermaßen eine Sucht,
29:23würde ich es bezeichnen, oder?
29:25Weil ich meine, er hat ja auch vor Gericht gesagt,
29:27er hat sich immer wieder vorgenommen, damit aufzuhören.
29:29Also einerseits diese Missbrauchstarstellungen zu sammeln
29:31und gleichzeitig den Drogen abzuschwören.
29:34Ich weiß nicht, wie ihr das seht,
29:36aber ob man da in beiden Fällen eigentlich von gewissen Süchten
29:39auch sprechen kann, die da gestillt werden.
29:42Oder wie siehst du das, David?
29:44Kann man das so bezeichnen,
29:45wenn man über pädokriminelle Täter spricht?
29:48Ich bin natürlich kein Arzt.
29:49Ich weiß nicht, ob die Einordnung als Suchterkrankung so richtig ist.
29:52Ich meine, Pädophilie ist eine anerkannte Krankheit.
29:54Das hat auch eine ECD-Klassifizierung.
29:56Das wird regelmäßig diagnostiziert.
29:58Kann man auch behandeln lassen.
29:59Das ist wie eine Krankheit.
30:01Ob es wie eine Sucht ist, ich weiß es nicht.
30:03Es ist auf jeden Fall etwas, was sehr, sehr schwierig ist,
30:05was die Leute ein Leben lang begleitet,
30:07wenn sie dagegen ankämpfen wollen
30:08oder gegen ihre Dränge ankämpfen wollen.
30:11Und er sagte ja auch damals auf die Frage der Staatsanwältin,
30:14ob er sich selbst als Pädophil bezeichnen würde.
30:17Und da sagt er drauf, ich muss mich Pädophil nennen.
30:20Ich weiß nicht, David, ob du das weißt,
30:22aber gibt es einen Unterschied zwischen Pädophilie und Pädophilerneigung?
30:27Ich weiß nicht, ob man das sprachlich so klar trennen kann.
30:30Aber in solchen Fällen liest man das auf den Gutachten
30:32oder wird das oft thematisiert, ob jemand Kernpädophil ist,
30:34also eine ausschließlich in diese Richtung gerichtete Sexualitätorientierung hat
30:39oder ob das etwas ist, was zusammenkommt
30:41mit einer anderen heterosexuellen oder homosexuellen Orientierung.
30:45Also dass man zum Beispiel auch sich von erwachsenen Menschen,
30:48egal welchen Geschlecht, sexuell angezogen fühlt,
30:50aber zusätzlich auch vielleicht von mündigen oder sogar unmündigen Minderjährigen.
30:54Und das wird unterschieden von Pädasexuellen,
30:56die ausschließlich Pädophil sind.
31:00Keichtmeister hat seine perversen Gewaltfantasien aufgeschrieben
31:04und über Fotos und Videos von Missbrauchsdarstellungen von Kindern gelegt.
31:08Das haben wir jetzt schon besprochen.
31:09Wir haben auch schon gesagt, dass wir diese Gewaltfantasien nicht wiederholen wollen.
31:13Ich war damals im Gerichtssaal und da wurde das wirklich laut vorgelesen.
31:19Also das war sehr präsent in diesem Prozess.
31:22Das war so, dass sowohl die Staatsanwältin als auch die Richter
31:26diese Texte laut in diesem riesigen Saal vorgelesen haben,
31:30wo ja auch die Öffentlichkeit drinnen war, wo Journalistinnen drinnen waren.
31:33Ja, du hast schon gesagt, ein Medium hat sich dann sogar dafür entschieden,
31:35das abzudrucken, wenn auch ein bisschen mit Sternchen und Schwärzen.
31:40Aber jeder hat gewusst, was da drinnen steht.
31:43Und das waren wirklich Abscheulichkeiten.
31:45Und der Richter hat auch in Richtung der Schöffen eine Art Triggerwarnung ausgegeben
31:50und hat gesagt, jetzt wird es grauslich.
31:53Und das wurde es dann auch tatsächlich.
31:55Und da stelle ich mir halt schon die Frage,
31:57warum hat der Richter entschieden, dass das vorgelesen wird?
32:00Weil all jene, die dann am Ende zu diesem Urteil gekommen sind,
32:04das sind die Schöffen, das sind die Richter,
32:06hatten das ja schriftlich in ihrem Akt liegen.
32:08Warum entscheide ich mich, das vorzulesen,
32:10so dass die Öffentlichkeit das erfährt?
32:12Und es war wirklich ein bisschen so,
32:14wie es würde man in einem Burgschauspiel sitzen.
32:16Ja, grundsätzlich gibt das Gesetz da eine sehr klare Vorgabe
32:19für das Gericht, das dann letztendlich entscheidet.
32:21Alles, was dann in der Entscheidung, im Urteil verwendet wird,
32:25soll in der Hauptverhandlung vorkommen, soll da erörtert werden.
32:28In welcher Form man das konkret macht,
32:30ob das zum Beispiel wortwörtlich verlesen wird oder nicht,
32:32das wird großteils dem Richter oder der Richterin überlassen.
32:35Warum der konkrete Richter sich dazu entschieden hat,
32:38das zu verlesen, ich weiß es nicht.
32:39Ich könnte mir aber ganz gut vorstellen,
32:41er wurde natürlich, es gibt großes Interesse,
32:43es ist zu erwarten, dass in der einen oder anderen Form
32:45Kritik am Urteil geübt wird
32:47oder dass er das zumindest rechtfertigen muss oder möchte.
32:51Und dazu kann man das ja ganz gut verwenden,
32:53wenn dann jeder weiß, worüber geredet wird.
32:55Aber du warst im Verhandlungshall,
32:56hast du das Gefühl gehabt, dass das etwas beiträgt?
33:00Also mehr als Schock und Entsetzen wahrscheinlich nicht.
33:04Ja, aber ich glaube, und da gebe ich dir recht,
33:06der Richter wollte schon auch ein bisschen dem vorwegnehmen,
33:10dass es dann nicht heißt, es wird uns etwas verheimlicht.
33:13Es ist ja nicht die ganze Wahrheit ans Tageslicht gekommen.
33:16Das ist ja auch das, was man immer wieder hört von Menschen,
33:18die sich mit Prozessen nicht so gut auskennen,
33:21sondern halt Leute aus dem Volk, die dann sagen,
33:23naja, da stimmt ja irgendwas nicht.
33:24Das war ja sicher alles viel ärger und viel schlimmer.
33:26Und da hatte ich schon das Gefühl,
33:28dass der Richter damit natürlich das auch ein bisschen vorwegnehmen wollte.
33:32Aber wie gesagt, wahrscheinlich hätte man auch darauf verzichten können,
33:36weil es waren wirklich, wirklich scheußliche Dinge,
33:38die wir da gehört haben.
33:39Ich meine, die Frage ist auch tatsächlich,
33:41ob es das gebraucht hätte,
33:42weil ich meine, allein die schiere Anzahl an Dateien
33:44sagt ja schon sehr viel aus.
33:46Und wenn ich es weiterverarbeite und sozusagen auch sage,
33:49okay, das sind abscheuliche Texte, die da dabei stehen,
33:51reicht das ja wohl auch, würde ich meinen.
33:53Also ich glaube, allein schon die Ansammlung,
33:55wir haben ja vorher über die Zahlen geredet,
33:57die Anzahl an Kindesmissbrauchsdarstellungen
34:00reichen ja aus meiner Sicht ja völlig aus,
34:02um das Problem deutlich darzulegen.
34:04Und ich meine, wie du es auch schon gesagt hast,
34:06ich meine, ein Medium hat sich dann dazu entschieden,
34:08das zu veröffentlichen.
34:09Das sehe ich halt als ein riesengroßes Problem.
34:11Also wir haben da schon manchmal vor Gericht
34:13ein bisschen eine, wie soll ich sagen,
34:15eine unterschiedliche Wahrnehmung,
34:17wann die Öffentlichkeit ausgeschlossen wird.
34:20Das wäre vielleicht auch eine Frage an dich,
34:21David, ob man das hätte machen können
34:22und wann nicht.
34:23Also zum Beispiel da hätte ich es für völlig okay gehalten,
34:26in dem Fall, wenn man das tatsächlich verlesen will,
34:28damit es zumindest die Geschworenen hören
34:30und auch die Anwaltschaft.
34:31Chefen.
34:32Chef, Entschuldigung.
34:34Aber es gibt ja viele andere Bereiche,
34:38wo daneben die Öffentlichkeit ausgeschlossen wird,
34:39wo man es vielleicht weniger versteht.
34:41Da hätte ich es einfach für nicht notwendig gehalten,
34:44das in dem Detailgrad zu erklären.
34:47Weil, wie gesagt, ich meine, das Problem ist dann,
34:49dass der Boulevard oder was der Boulevard dann daraus gemacht hat,
34:52auch nicht jede Zeitung in dem Fall,
34:54aber zumindest eine.
34:56Und ich weiß nicht, was die Öffentlichkeit davon hat,
34:58wenn sie diese Texte im Detail kennt, ehrlicherweise.
35:01Weil die Dramatik ist ja eh klar.
35:03Ja, sehe ich grundsätzlich auch so.
35:05Es ist immer ein bisschen schwierig,
35:06aus der Entfernung solche Vorgänge zu beurteilen.
35:10Das Gericht wird sich wahrscheinlich irgendwas Sinnvolles
35:11dabei überlegt haben,
35:12warum die Öffentlichkeit bei manchen Teilen ausgeschlossen ist,
35:15bei anderen Teilen nicht.
35:17Grundsätzlich ist es so,
35:17es gibt eben die Möglichkeit,
35:18dass die Öffentlichkeit ausgeschlossen wird
35:20für bestimmte Dinge,
35:21die im Verfahren erörtert werden sollen.
35:23Grundsätzlich, wenn es um den höchstpersönlichen Lebensbereich
35:25des Eingeklagten oder auch eines Opfers geht,
35:27bei Jugendlichen strenger wie bei Erwachsenen.
35:29Ich glaube, in diesem Fall sind Teile
35:31unter Ausschluss der Öffentlichkeit erörtert worden.
35:34Da geht es hauptsächlich um das Gutachten,
35:35das eingeholt worden ist.
35:36Wobei auch davon Teile in der Öffentlichkeit erörtert wurden,
35:40weil die Staatsanwaltschaft, glaube ich,
35:41das im Plädoyer schon vorweggenommen hat
35:42und darauf referenziert hat.
35:45Genau.
35:45Teichtmeister selbst hat,
35:47wie diese Texte verlesen wurden,
35:49die Hände vor die Augen,
35:51vor das Gesicht auf den Kopf gelegt.
35:53Er hat sich sichtlich geniert.
35:54Und er hat dann auch gesagt,
35:57diese Texte sind einfach schrecklich.
35:59Ich habe die Grauslichkeit damals in jeder Formulierung
36:03auf die Spitze treiben wollen.
36:05Und genauso, muss man sagen,
36:06haben sich diese Texte auch angehört.
36:08Ich würde sagen, wir sprechen jetzt auch,
36:10weil dieser Fall ja auch ein sehr öffentlicher Fall war,
36:13über die Rolle der Medien,
36:14aber auch über die Reaktion des damaligen Arbeitgebers
36:18von Florian Teichtmeister.
36:19Das war nämlich das Burgtheater.
36:20Aber Jan, kurz vorher noch,
36:23wie ist das Ganze denn überhaupt aufgeflogen?
36:25Ja, das war im August 2021.
36:28Wie schon ganz zu Beginn erwähnt,
36:29ging damals eine Meldung bei der Wiener Polizei ein.
36:32Damals wegen häuslicher Gewalt
36:34gegen die damalige Partnerin,
36:37so mutmaßlich häusliche Gewalt
36:38gegen die damalige Partnerin von Teichtmeister.
36:41Und damals hat er eben was völlig anderes gestanden,
36:44nämlich, dass er diese Kindesmissbrauchsdarstellungen besitzt.
36:48Und Teichtmeister hat damals angegeben,
36:50bei der Polizei angegeben,
36:51dass er eigentlich froh war,
36:52dass er endlich erwischt worden ist,
36:53damit diese Situation für ihn vorbei war.
36:57Da stellt sich schon eine Frage,
36:58kann man ihm das glauben?
36:59Weil wer geht freiwillig gern vor ein Gericht
37:02mit dem Ausblick,
37:04dass ich eventuell ins Gefängnis muss?
37:05Ich glaube, das ist schon etwas,
37:07was immer wieder vorkommt,
37:08dass man das im Verfahren sieht,
37:09dass die Angeklagten berichten,
37:10ich bin so froh, endlich hier zu sein.
37:12Ich bin so froh, endlich mal einen Tag bei Gericht zu haben.
37:14Ich bin so froh,
37:14mit diesem Kapitel meines Lebens abzuschließen.
37:17Das kann oft Prozestaktik sein,
37:18aber ich glaube,
37:19in manchen Fällen stimmt das schon.
37:20Der Druck,
37:21das kann man sich, glaube ich,
37:22schon ansatzweise zumindest vorstellen,
37:23auf Beschuldigten,
37:25kann immens sein,
37:26gerade bei solchen Dingen.
37:27Wir haben es vorher schon einmal angesprochen,
37:28dieses Doppelleben,
37:29das ihr geführt habt,
37:31das nimmt sicher mit.
37:33Also das ist dann wie eine Art Erlösung,
37:35dass man sagt,
37:36jetzt ist mir diese Last genommen,
37:38jetzt kann ich dafür Verantwortung übernehmen?
37:40Möglich.
37:41Und jetzt kann ich Tabula rasa machen,
37:43jetzt beginnt mein neuer Lebensabschnitt.
37:44Und geht es dir vielleicht nicht um ein,
37:45vielleicht potenziell milderes Urteil?
37:48Ich meine,
37:48Teichtmeister ist jetzt,
37:49wie wir schon vorbesprochen haben,
37:51ein bekannter Schauspieler,
37:52ein TV-Star,
37:53jemand,
37:53der, sage ich mal,
37:54einem Milieu angehört,
37:55das vielleicht einschätzen kann,
37:57wenn es vorbei ist,
37:57was das bedeutet,
37:58wenn ich mich am Anfang
38:00nicht reuig zeige.
38:02Kann das vielleicht auch
38:03eine Rolle gespielt haben?
38:04Das kann sicher eine Rolle gespielt haben.
38:06Ich glaube in dem Fall,
38:08ich weiß nicht,
38:09ob das Urteil anders ausgeschaut hätte
38:10oder groß anders ausgeschaut hätte,
38:12wenn er erst später
38:13ein Geständnis abgelegt hätte
38:14oder erst später begonnen hätte
38:15zu kooperieren.
38:16Zu Beginn einer Verhandlung
38:17sagen die Richterinnen
38:18und die Richter immer
38:19den Angeklagten
38:19und bedenken sie,
38:21ein Geständnis ist
38:21der wesentlichste Minderungsgrund
38:22und ich denke mir dann immer leise mit,
38:24ist aber auch der wesentlichste
38:25Verurteilungsgrund.
38:26Ich glaube,
38:26in dem Fall war es ja auch so,
38:27der Herr Teichtmeister hat selbst
38:28den USP-Stick übergeben
38:29an die Polizisten.
38:30Wer weiß,
38:31ob die jemals davon erfahren hätten,
38:32hätte er das nicht gemacht.
38:33Und hättest du Teichtmeister geraten,
38:36diesen Stick herzugeben
38:38von Anfang an
38:39und kooperativ zu sein?
38:41Auch das ist schwer zu beurteilen,
38:43aber tendenziell nein.
38:44Wenn ein Mandant mich anruft
38:45und sagt,
38:45hey, soll ich etwas zugeben
38:46bei der Polizei,
38:47von dem die gar nichts wissen?
38:49Eher nein.
38:52Wir wissen jetzt schon,
38:53wie das Ganze aufgeflogen ist.
38:56Da ging es um die Anzeige
38:58wegen körperlicher Übergriffe,
39:00was die damalige Partnerin gesagt hat.
39:02Das wurde auch nie angeklagt.
39:03Das ist eingestellt worden damals.
39:05Aber wie ist es
39:06an die Öffentlichkeit gekommen?
39:08Genau,
39:08also damals,
39:09dann im September 2021,
39:10gab es dann erste Medienberichte,
39:12nämlich anonymisiert damals noch.
39:15Da hieß es damals,
39:16es gibt Ermittlungen
39:17gegen einen prominenten Schauspieler
39:19wegen Körperverletzung,
39:20Drogen und Kindesmissbrauchsdarstellungen.
39:23Und wir wussten,
39:24also ich glaube,
39:24in der Schauspielszene
39:25war recht schnell klar,
39:26um wen es da geht.
39:27Und wir in den Redaktionen wussten,
39:29ist auch relativ schnell.
39:31Wien ist relativ klein.
39:33Ich sage jetzt einmal auch,
39:34Redaktionen überschaubar sozusagen.
39:37Man redet miteinander,
39:38man findet das relativ schnell raus.
39:41Warum es damals eigentlich nicht
39:42an die Öffentlichkeit kam,
39:44also mit Namen,
39:46hat medienrechtliche Gründe.
39:48Man darf in so einem Stadium,
39:50vor allem mit diesen schwerwiegenden Vorwürfen,
39:52einfach medienrechtlich
39:53den Namen ohnehin nicht schreiben.
39:57Würdest du auch so sehen?
39:58Das ist nicht ganz
39:59beim Thema Medienrecht,
40:00aber ja,
40:00das gibt es ja öfters,
40:01dass in ihre Geschichten
40:02zuerst ohne Namensnennung da sind.
40:05Und natürlich ist es so,
40:05das ist vielleicht ein bisschen
40:06ein österreichisches Spezifikum.
40:08Viele Insider wissen natürlich,
40:10wer gemeint ist
40:11oder wen es betreffen wird.
40:12Ja, das war dann
40:13relativ schnell klar.
40:14Wie hat denn der Arbeitgeber,
40:16das war damals
40:16das Wiener Burgtheater,
40:17reagiert, Jan?
40:18Ja, sehr spät,
40:19auf jeden Fall.
40:21Man hat es sehr lange gewusst,
40:22es ist sehr lange,
40:23ich sage mal,
40:24noch immer unter der Decke geblieben,
40:25der Name dann offiziell.
40:28Es war dann erst Mitte Jänner 2023,
40:31nämlich als der Verhandlungstermin feststand,
40:33hat man dann das Engagement
40:34mit Teichtmeister letztlich beendet,
40:37obwohl auch das Burgtheater logischerweise,
40:39wir haben es eh schon ein bisschen skizziert,
40:41ja natürlich auch schon davon wusste
40:42und die Direktorin auch,
40:45weil die Gerüchte natürlich kursiert sind,
40:48nämlich überall gefühlt in Wien.
40:51Es gab auch Untersuchungen,
40:53damals hat Teichtmeister
40:54aber noch alles bestritten
40:56und hat aber weiterhin Hauptrollen gespielt,
40:58also das heißt,
40:58es ging damals heiter weiter.
41:01Aber man hätte wahrscheinlich
41:02hier nur aus moralischen Gründen
41:03sagen können,
41:04wir nehmen dich jetzt von der Bühne
41:06oder wir geben dir kein Engagement,
41:07weil es gab ja weder eine Anklage
41:09noch ein Geständnis, oder?
41:11Das ist auf jeden Fall
41:12eine wahnsinnig schwer zu beantwortende Frage,
41:14das ist aber tatsächlich etwas,
41:15was regelmäßig vorkommt
41:16in derartigen
41:17oder auch in ganz anderen Fällen
41:20Vorwürfe gegen eine bestimmte Person,
41:21prominent oder nicht prominent,
41:22werden bekannt
41:23und es stellt sich die Frage,
41:25wie geht der Arbeitgeber damit um,
41:26wie geht ein kooperierendes Unternehmen,
41:28wie geht ein Vertragspartner damit um,
41:29wie geht vielleicht ein Werbepartner damit um
41:31und man wird sich das ganz genau anschauen müssen
41:33und eine Einzelfallsbetrachtung vornehmen,
41:36wie konkret sind die Vorwürfe,
41:37wie verantwortet sich die Person dagegen,
41:39wie weit sind die Ermittlungen,
41:40kann da irgendetwas objektiviert werden,
41:42wie groß ist der Schaden
41:43vielleicht für das Unternehmen,
41:44das eintritt.
41:45Also ich glaube,
41:45das sind immer Einzelfallsentscheidungen.
41:47Ja, Fakt ist jedenfalls,
41:49dass direkt nach Auffliegen der Tat
41:51Florian Teichmeister mit einer Therapie begonnen hat,
41:54er hat einen Entzug gestartet,
41:55er hat Reue gezeigt,
41:57er hat Entsetzen über sein eigenes Handeln gezeigt
41:59und er hat Verantwortung übernommen.
42:01Er sagt vor Gericht in seinen Schlussworten,
42:04es ist sehr erschreckend zu hören,
42:06was ich geschrieben und gemacht habe.
42:08Ich bereue ehrlich und tief.
42:10Hinter jeder Abbildung steht ein sexueller Missbrauch,
42:12das weiß ich inzwischen.
42:14Ich befasse mich seit zwei Jahren
42:16mit dem Leid der Opfer.
42:17Ich übernehme die Verantwortung für mein Tun
42:19und entschuldige mich bei all den Menschen,
42:22die sich durch mich verletzt und verraten fühlen.
42:26Ich meine ganz grundsätzlich,
42:27David, hätte er überhaupt eine andere Möglichkeit gehabt,
42:29etwas anderes zu sagen?
42:32Natürlich, wir sehen das regelmäßig,
42:34dass Angeklagte relativ unkluge Verantwortungen wählen
42:36oder Sachen sagen im Gerichtssaal,
42:38wo sich der Anwalt denkt,
42:39oh je, das ist ein Blödsinn.
42:41Ich glaube in dem Fall,
42:42das hat so gewirkt,
42:42als wäre er das ja gut vorbereitet,
42:44als wäre er sehr gefasst.
42:45Es klingt nach einem sehr vernünftigen Statement.
42:47Ich glaube, es war aber so,
42:48die Beweislast war ja auch erdrückend.
42:50Also ein Geständnis war naheliegend
42:52und wohl ganz gescheit.
42:53Und er war ja ein Vorzeigeangeklagter,
42:55muss man sagen.
42:56Er war geständig,
42:57er war nicht vorbestraft,
42:59er ist unbescholten,
43:00er hat Reue gezeigt,
43:01er hat schon Therapie gemacht.
43:02Ich nehme mal an,
43:03David, in deinem Alltag
43:04hat man nicht immer solche Angeklagten,
43:07die man vertreten hat?
43:07Solche und Solche natürlich.
43:09Aber ja, es klingt so,
43:10als wäre das ganz angenehm,
43:11mit dem Herrn Deichtmeister zu arbeiten.
43:12Mit dem kann man das wahrscheinlich gut besprechen.
43:14Der wird wahrscheinlich verstehen,
43:15worum es geht,
43:16was wichtig ist,
43:16worauf es ankommt.
43:17Ich kann mich noch zum Beispiel
43:18an die Bilder vom Prozesttag erinnern.
43:21Das hat gut ausgesehen.
43:22Ich kann also den Umständen
43:24entsprechend gut ausgesehen.
43:25Das wird so ganz gut funktionieren,
43:27denke ich mir.
43:28Ja, dann sind wir schon jetzt beim Urteil,
43:30also eigentlich dem Kernpunkt dieses Falls.
43:34Es ist nun circa 12.30 Uhr.
43:36Das sind knapp drei Stunden vergangen
43:40im großen Schwurgerichtssaal.
43:41Der Chefensenat zieht sich jetzt
43:43zur Beratung zurück,
43:44aber davor kommen natürlich noch
43:46die Beteiligten im Prozess zu Wort.
43:48Jan, was sagt die Staatsanwaltschaft?
43:50Genau, die Staatsanwaltschaft fordert
43:53natürlich im Sinne der Anklage
43:54eine beträchtliche Strafe,
43:56ruft auch noch einmal emotional
43:58zum Schutz unserer Kinder auf,
44:01kommt auch nicht jeden Tag vor
44:02und Teichtmeisters Anwalt kontert,
44:05sage ich mal relativ platt.
44:08Mein Mandant hat sich
44:09seine Persönlichkeitsstörung
44:11nicht ausgesucht.
44:12Es braucht keine Gefängnisstrafe,
44:13sondern Heilung.
44:14Ja, und das Gericht sieht das
44:16offenbar ganz genauso.
44:18Um 13.15 Uhr,
44:20nach rund 40 Minuten
44:21Beratung,
44:22wird das Urteil dann auch verkündet.
44:24Es werden zwei Jahre
44:25auf Bewährung,
44:27aber mit Auflagen.
44:28Er muss Therapie machen,
44:30absolutes Drogen- und Alkoholabstinenz
44:33muss er machen.
44:34Und er darf sich auch
44:35die nächsten fünf Jahre
44:36absolut nichts zu Schulden kommen lassen,
44:38sonst wird diese Bewährung
44:39wieder aufgehoben.
44:41Und außerdem,
44:42und das ist wieder das,
44:43was wir am Anfang
44:43schon angesprochen haben,
44:45bekommt er zusätzlich
44:46eine Einweisung
44:48in ein forensisch-therapeutisches
44:49Zentrum auf Bewährung.
44:51Was bedeutet das, David?
44:54Die Unterbringung
44:55in ein forensisch-therapeutisches Zentrum,
44:57also die Maßnahme,
44:58wie man früher gesagt hat,
44:59das wird in Fällen angewendet
45:00oder das sieht der Gesetzgeber vor,
45:02wenn einerseits eine Krankheit
45:03vorliegt beim Angeklagten,
45:05unter deren Einfluss gehandelt wurde
45:07bei der Begehung der Straftat.
45:08Andererseits braucht es
45:09sozusagen eine Gefährlichkeitsprognose.
45:11Also ein Psychiater
45:12macht es im Regelfall
45:13diese Gutachten,
45:14muss zu der Auffassung kommen,
45:16dieser oder jene Angeklagte
45:17ist gefährlich im Sinne von,
45:19der könnte so etwas wieder machen.
45:20Und dann gibt es eben die Möglichkeit,
45:22dass man eine Unterbringung ausspricht
45:24im forensisch-therapeutischen Zentrum,
45:25wo die Behandlung stattfinden soll.
45:27Es besteht aber auch die Möglichkeit,
45:29gerade in solchen Fällen,
45:30wo man das auch ambulant erledigen kann,
45:32dass das bedingt ausgesprochen wird.
45:34War das ein mildes Urteil,
45:36ein hartes Urteil,
45:37über das ist ja auch viel diskutiert worden?
45:39Was sagst du in deiner Erfahrung?
45:41Ich glaube, es ist sehr eingemessen.
45:42Es wirkt aus der Entfernung
45:43wie ein gutes Urteil.
45:46Ja, und warum war diese Einweisung
45:48aus Sicht des Gutachters
45:49überhaupt notwendig?
45:51Dieses Gutachten,
45:52das hast du schon, David, kurz angesprochen,
45:53das wurde ja zum Teil
45:55unter Ausschluss der Öffentlichkeit erläutert.
45:57Die Staatsanwaltschaft hat aber ganz am Anfang
45:59schon ein bisschen was vorweggenommen
46:01und hat hier gesagt,
46:02Teichtmeister habe eine schwerwiegende,
46:05nachhaltige Störung
46:06mit pedosadistischen Neigungen.
46:08Es hätte eine hochdramatische Eskalation
46:11der Perversion stattgefunden,
46:14sowohl bezüglich der Datenmenge
46:15als auch des Inhalts.
46:18Und zur Gefährlichkeit,
46:19da war ja dann die Öffentlichkeit
46:22wieder zugelassen.
46:23David, das hast du dir
46:24ein bisschen angeschaut.
46:26Was sagt der Gutachter da?
46:27Der Gutachter hat gemeint,
46:28in vergleichbaren Fällen kann man
46:30sich das ausrechnen.
46:31Gibt es Daten, gibt es Statistik dazu?
46:33Ich glaube, 4 Prozent oder 4 von 100 Tätern
46:36kommen dann tatsächlich
46:37in einer späteren Eskalation
46:39zu tatsächlichen Übergriffen.
46:40Also begehen tatsächlich
46:42unmittelbaren Missbrauch
46:43an unmündigen Minderjährigen oder Minderjährigen.
46:45Also das heißt, von 100 Personen,
46:48die ungefähr so vergleichbar sind
46:49wie mit dem Fall Florian Teichtmeister,
46:52werden 4 tatsächlich dann über...
46:54Zu unmittelbaren Tätern, ganz genau.
46:56Die große Schwierigkeit ist aber natürlich festzustellen,
46:58wer von den 100 sind denn die 4,
47:00die dann tatsächlich unmittelbare Täter werden?
47:02Ich finde das schon eine recht hohe Zahl.
47:044 von 100?
47:07Ja, in den 4 Schicksalen ist das natürlich furchtbar
47:09und ja, andererseits, es sind auch 96,
47:12die nicht zu unmittelbaren Tätern werden.
47:15Und die kann man natürlich im Vorfeld
47:17nicht herauspicken, das weiß man nicht.
47:19Aber schauen wir uns nochmal die Urteilsbegrünung
47:21im Detail an.
47:22Was galt denn damals als erschwerend?
47:24Also einerseits die lange Deliktdauer,
47:26das haben wir schon vorher ein bisschen besprochen,
47:27von 2008 bis 2021,
47:30wie vielen vergehen und natürlich,
47:31auch das haben wir heute schon sehr intensiv besprochen,
47:34und die immense Anzahl an Daten.
47:36Und als mildernd?
47:37Als mildernd der bisher ordentliche Lebenswandel,
47:40das räumütige Geständnis und, wie es hieß,
47:43die massive gesellschaftliche Vorverurteilung
47:45bis hin zum Galgen vor dem Gericht.
47:47Ja, das zieht sich ja durch den gesamten Prozess
47:49schon im Vorfeld.
47:50Der Mob, der Teichtmeister und seine Familie gejagt hat,
47:52dann während des Prozesses.
47:54Und da gibt es auch ein sehr bemerkenswertes Zitat des Richters
47:57in seinen Schlussworten bei der Begründung des Urteils.
47:59Da sagt er nämlich in Richtung von Florian Teichtmeister,
48:03sie müssen einen Prozess über sich ergehen lassen,
48:06der seinesgleichen sucht.
48:07Wenn sie hier geläutert erscheinen,
48:09als zerstörter Mann und bereit sind, sich zu bessern,
48:12muss man ihnen das zugutehalten.
48:14Und er sagt in Richtung der Demonstranten und Demonstrantinnen,
48:18sie tun hier nichts Gutes.
48:20Die Intensität an sozialer Ächtung und Vorverurteilung
48:23sei hier als mildernd zu werten.
48:26Und er sagt außerdem, und das habe ich noch nie gehört,
48:28wir folgen in unserem Urteil nicht dem Ruf der Straße.
48:34Sicher bemerkenswert, das kommt nicht so oft vor,
48:36dass das so explizit eingesprochen wird.
48:38Aber das bedeutet, dass aufgrund dieser sozialen Ächtung
48:42und all dem, was im Vorfeld berichtet wurde,
48:45was es an Demonstrationen gegeben hat,
48:47dass sich das mildernd auf sein Urteil ausgewirkt hat?
48:50Das mag überraschen, aber ich kann die Wertung des Richters
48:53da eigentlich ganz gut nachvollziehen.
48:55Es gibt so viele Konsequenzen, so viele negative Konsequenzen,
48:57die mit der Tatsache der Strafverfolgung an sich verbunden sind.
49:01Der musste sein Gesicht in der Zeitung sehen
49:02in Verbindung mit dem Strafverfahren.
49:04Da gab es offenbar Demonstrationen,
49:05die im Heimatort seiner Mutter waren.
49:07Da gab es den Galgen vor der Gerichtsverhandlung.
49:08Der hat massive Einkommensverluste
49:10und wahrscheinlich berufliche Probleme bekommen
49:12in diesem Zusammenhang.
49:13Das kann man wohl mildernd berücksichtigen,
49:16wenn die Tat oder das Verfahren zur Tat
49:18so negative Auswirkungen auf das Leben des Angeklagten hatte.
49:23Aber jetzt ist ja auch wieder was passiert im Fall Teichtmeister,
49:26nämlich 2025 ein Kokainrückfall,
49:30wie es hieß und wie es dann auch berichtet worden ist,
49:31nämlich auf dem Oktoberfest in München.
49:35Und damit hat Teichtmeister gegen seine Auflagen verstoßen,
49:37weil er sich nichts zu Schulden kommen lassen hat dürfen.
49:41Er war sogar in Haft bis jener 2026
49:44und es kam zu einer sogenannten Krisenintervention.
49:47Bevor wir da vielleicht genauer darauf blicken,
49:49David, was ist eine Krisenintervention eigentlich?
49:51Das ist eine Möglichkeit, die der Gesetzgeber vorsieht
49:53für diese Fälle der bedingten Unterbringung,
49:55wenn man merkt, okay, das funktioniert nicht ganz so gut
49:58mit der Therapie auf freiem Fuß.
49:59Da gibt es Anzeichen für Rückfälle,
50:01da gibt es Probleme, die sich anbahnen
50:02oder die auch schon passiert sind.
50:03Gibt es eben die Möglichkeit, dass man mal drei Monate
50:05eine intensive Betreuung im forensisch-therapeutischen Zentrum vorsieht
50:09und dann schaut man, kommt man doch noch aus
50:11mit dem bedingt ausgesprochenen Teil,
50:13also dass das ambulant quasi weitergeführt wird
50:15oder braucht es wirklich die stationäre therapeutische Behandlung,
50:19damit das intensiver sichergestellt werden kann?
50:22Du hast ja gesagt, Jan, das war am Münchner Oktoberfest.
50:24Das ist ja jetzt nicht gerade ein privates Event,
50:26wo man sich mit dem engsten Freundeskreis trifft,
50:30sondern es ist ein Event, wo man auch gesehen wird
50:32und vielleicht auch gesehen werden möchte.
50:35Für mich ist es ein bisschen schwierig vorstellbar,
50:37dass man als ein verurteilter Sexualstraftäter
50:40auf so ein großes Event geht
50:42und er war ja auch nicht alleine.
50:45Also sein Freundeskreis oder sein Bekanntenkreis
50:48hat offenbar nicht vollständig mit ihm gebrochen, oder?
50:51Scheint so.
50:51Also ich kenne jetzt sein Privatleben nicht im Detail,
50:53aber scheint so, als würde es ein Umfeld
50:57oder es würde es noch ein gewisses Umfeld geben,
50:59das sich um ihn schaut.
51:01Ich bin mir jetzt ehrlich gesagt nicht sicher,
51:02ob es das gesamte Umfeld von früher ist,
51:05aber es dürfte auf jeden Fall noch Personen geben,
51:06die mit ihm aufs München im Oktoberfest gehen.
51:09Für jemanden, der Alkohol- und Drogenabstinent sein sollte,
51:12laut gerichtlicher Weisung,
51:13ist es vielleicht nicht der beste Ort, um sich aufzuhalten.
51:15Dass er dort tatsächlich noch war,
51:17dass es soziale Kontakte hat,
51:18dass es noch ein Umfeld gibt, das zu ihm hält,
51:20das finde ich allerdings sehr, sehr positiv.
51:22Das sehen wir auch in vergleichbaren Fällen.
51:23Das ist einer der rückfallbegründenden Faktoren, glaube ich,
51:27wenn das soziale Umfeld wegbricht,
51:28wenn es niemanden gibt, der einem Halt gibt.
51:31Aber kann so jemand wie Florian Teichtmeister
51:33jemals wieder in einen alten Job als Schauspieler,
51:37als Person des öffentlichen Lebens zurückgehen?
51:39Ich glaube, das ist ganz schwer zu sagen.
51:41Ich glaube, das sind auch weniger Rechtsfragen,
51:43das ist eher eine moralische Frage.
51:44Aber natürlich, der Zweck vom Strafverfahren
51:46ist ja auch die Resozialisierung des Eingeklagten.
51:49Wenn dieser Prozess abgeschlossen ist,
51:51dann glaube ich, ja, das sollte möglich sein.
51:54Also, Teichtmeister hat 2025 gegen seine Auflagen verstoßen,
51:58das haben wir hier schon angesprochen.
52:00Da hat er sich offenbar nicht daran halten können
52:02und hat wieder Drogen konsumiert.
52:04Und da stelle ich mir jetzt halt auch die Frage,
52:06kann man Pädophile wie Teichtmeister je resozialisieren?
52:12Ich glaube, das funktioniert in vielen Fällen relativ gut,
52:15dass die vielleicht einmal straffällig geworden sind,
52:18dann die Therapie begonnen haben oder weitergeführt haben
52:20und den Rest ihres Lebens ohne Strafen oder ohne Taten verbringen, ja.
52:25Wir haben es schon kurz angesprochen,
52:27diese 4 von 100, die hier quasi noch im Fall
52:32oder vergleichbar mit dem Fall Teichtmeister sind,
52:36könnten dann eben auch wirklich übergriffig werden bei Kindern.
52:41Jetzt haben wir schon gesagt,
52:42es ist schwer, diese zu identifizieren.
52:44Das heißt also im Umkehrschluss,
52:46dass das Risiko für einen Rückfall nie bei Null liegt, oder?
52:49Das ist anzunehmen, dass es in dem Fall so ist, ja, ganz sicher.
52:53Was mich da auch noch interessieren würde,
52:54jetzt ist es ja so, dass ja die Drogensucht
52:56beziehungsweise die Alkoholsucht ja unmittelbar mit dem zusammengehangen ist.
53:00Es hat ja Teichtmeister auch selbst gesagt,
53:02dass er Kindesmissbrauchsmaterial gesammelt hat.
53:04Das heißt, es ist auf jeden Fall eine Gefahrenstufe
53:06oder eine Möglichkeit,
53:08dass er sozusagen rückfällig wird, auch in anderer Hinsicht.
53:11Jetzt gab es diese Krisenintervention.
53:13Jetzt rein hypothetisch betrachtet,
53:15was passiert, sollte Teichtmeister wieder rückfällig werden,
53:18ich sage jetzt mal mit Kokain, mit Alkohol.
53:20Was wäre dann die zweite Instanz sozusagen in diesem Fall?
53:23Grundsätzlich gäbe es die Möglichkeit,
53:24dass man das noch einmal versucht,
53:26dass man das noch einmal sich anschaut,
53:27ob es nicht doch notwendig ist,
53:30dass er das Ganze in der Info-Renzis-Theraportischen Zentrum absolviert,
53:34dass er dort intensiver betreut wird.
53:36Käme es zu einem erneuten Rückfall,
53:38das wäre wohl ein Zeichen dafür,
53:39dass es eine intensivere oder vielleicht auch andere Betreuung benötigt,
53:42andere Unterstützungsmöglichkeiten.
53:44Man darf das, glaube ich, aber auch nicht überdramatisieren.
53:47Das ist natürlich etwas,
53:48was wir im Zusammenhang mit Suchterkrankungen immer wieder sehen.
53:50Der Rückfall in die Sucht, das ist Teil des Krankheitsbildes, denke ich.
53:54Aber es könnte auch passieren, dass man ihn einsperrt, oder?
53:57So wie er ja jetzt auch kurzfristig weggesperrt wurde.
53:59Ja, natürlich.
54:00Da muss man sich halt schon die Frage stellen,
54:01da hat man so ein großes Glück unter Anführungszeichen,
54:04dass man mit einer bedingten Haft
54:05und einer bedingten Einweisung bei diesem Urteil rausgeht
54:09und dementsprechend natürlich mit großen Auflagen,
54:11aber man geht nach Hause.
54:12Das ist schon ein Glück.
54:14Und dann riskiert man das für einen Drogenrausch
54:19und auch noch auf einer öffentlichen Veranstaltung?
54:21Ja, ich glaube, das sind genau die Anzeichen dafür,
54:24dass das eben mit einer ernsthaften Suchterkrankung einhergeht.
54:26Es ist nicht so einfach.
54:28Oft werden ja die bedingten,
54:30die bedingt ausgesprochenen Freiheitsstrafen
54:32oder sonstigen Maßnahmen quasi als Freispruch empfunden.
54:34Jetzt sind wir davon gekommen und Larifari.
54:36Aber genau so ist es nicht.
54:38Es gibt ja Maßnahmen,
54:39es gibt Dinge, an denen man sich halten muss.
54:40Und dass das zum Teil ganz schön schwer ist,
54:42das zeigen auch Fälle wie dieser.
54:44Ein Herr Teichtmeister, der wohl sehr intelligent ist,
54:46der offenbar gut situiert ist,
54:48der gut mit seiner Situation grundsätzlich umgehen kann
54:50und orientiert ist,
54:51auch dem fällt es offenbar sehr, sehr schwer,
54:53sich an die gerichtlichen Auflagen zu halten.
54:56Ja, ein spannender Fall,
54:57der uns auch noch ein bisschen weiter beschäftigen wird.
55:01Der Fall Teichtmeister zeigt,
55:03dass das Strafrecht keine moralische Instanz ist,
55:06sondern ein Regelwerk.
55:07Es schützt den Bürger vor Willkür,
55:09aber er zwingt uns als Gesellschaft auch dazu,
55:12Urteile zu akzeptieren,
55:13die dem eigenen Gerechtigkeitsempfinden manchmal widersprechen.
55:17Danke David,
55:19dass du uns heute hier juristisch eingeordnet hast
55:22und uns hier einen Einblick auch in deine Arbeit gegeben hast.
55:25Immer gerne, danke.
55:26Und danke Jan natürlich dir auch für deine Analysen
55:30und für den Einblick hier gemeinsam in unseren Podcast.
55:33Und natürlich auch für Sie.
55:35Vielen Dank fürs Zuhören und Zuschauen.
55:38Wir würden uns sehr freuen,
55:39Sie auch nächstes Mal wieder bei unserem Podcast
55:41Schuldfrage begrüßen zu dürfen,
55:43wenn es wieder heißt,
55:44keine Strafe ohne Schuld.
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