00:08Der Boykott jüdischer Geschäfte war die beste Maßnahme, die die Nazis gegen die Juden offiziell und für alle sichtbar durchführt.
00:1762 Tage nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler postierten sich SA-Männer vor jüdischen Gefäften und versuchten, Kunden und Kundinnen
00:27davon abzuhalten, in die Geschäfte zu gehen.
00:39Was die Propagandabilder uns hier nicht zeigen, ist, dass die Aktion ein Misserfolg war, denn die meisten ließen sich nicht
00:47davon abhalten, weiterhin ihre Lieblingsgeschäfte, die zum Teil halt auch jüdische Geschäfte waren, zu betreten.
00:53Nur eine Woche später, am 7. April, folgte auch schon das erste anti-jüdische Gesetz.
00:58Mit dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums und dem Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft wurden erste jüdische Beamte in
01:08den Ruhestand versetzt und aus dem Staatsdienst entfernt.
01:11Und jüdischen Rechtsanwälten wurde die Zulassung entzogen.
01:15Einen Tag später, am 8. April, folgte dann, dass jüdische Sportler und Turner aus nicht-jüdischen Sport- und Turnvereinen
01:23ausgeschlossen wurden.
01:25Und am 11. April wurde dann schon mit der ersten Verordnung zur Durchführung des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums der
01:33sogenannte ARIA-Paragraf und ARIA-Nachweis eingeführt.
01:36Danach galten alle Personen als nicht-arisch, die jüdische Eltern oder Großeltern hatten.
01:43Es reichte schon ein Verwandter.
01:46Nicht-jüdische Deutsche, also ARIA, mussten einen Nachweis über ihre arische Abstammung vorweisen.
01:53Das heißt, sie mussten solche Ahntafeln erstellen.
01:56Generell mussten alle Deutschen nachweisen, dass sie halt nicht jüdisch waren.
02:01Elf Tage später folgte dann die Verordnung über die Zulassung von Ärzten zur Tätigkeit bei Krankenkassen.
02:08Damit wurden jenen Ärzten, die nicht-arisch waren, also jüdischen Ärzten und Ärztinnen und solche, die sich kommunistisch betätigten oder
02:16kommunistisch betätigt hatten, die kassenärztliche Zulassung entzogen.
02:20Sie konnten also keine Patienten mehr, die bei Krankenkassen waren, behandeln, was einem Berufsverbot gleich kam.
02:27Drei Tage später gab es dann das Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen.
02:33Die Zahl der Neuaufnahmen jüdischer Schüler und Studenten wurde auf 1,5 Prozent beschränkt und die Gesamtzahl aller jüdischer Schülerinnen
02:42und Schüler und Studentinnen und Studenten wurde auf 5 Prozent begrenzt.
02:47Ausgenommen waren aber damals noch Kinder von ausländischen Staatsbürgern und Frontkämpfern sowie sogenannte jüdische Mischlinge, die also nur ein jüdisches
02:57Elternteil hatten.
02:58Am 6. Mai folgte dann schließlich das Gesetz über die Zulassung von Steuerberatern, womit auch den jüdischen Steuerberatern die Zulassung
03:07entzogen wurde.
03:08Am 14. Juli 1933 kümmerte man sich dann mit dem Gesetz über den Wiederruf von Einbürgerung und die Aberkennung der
03:17deutschen Staatsangehörigkeit um jene jüdischen Mitbürger,
03:21die nach dem Pogrom in Russland oder Osteuropa nach Deutschland emigriert waren.
03:26Das betraf vor allem die osteuropäischen Juden aus Polen und Russland, denen die Staatsangehörigkeit entzogen wurde.
03:33Am 22. September wurde das Reichskulturkammergesetz verabschiedet.
03:38Die Voraussetzung für die Mitgliedschaft war ein Arianachweis.
03:41Faktisch bedeutete das für Jüdinnen und Juden ein Arbeits- und Auftrittsverbot im kulturellen Bereich.
03:48Wieder eine Woche später, am 29. September, kam dann das Reichserbhofgesetz.
03:53Das schloss Jüdinnen und Juden davon aus, landwirtschaftliche Betriebe zu erwerben.
03:58Ihr merkt, wie schnell die Maßnahmen aufeinander folgten.
04:02Man war 1933 offensichtlich bemüht, ein großes Tempo hier vorzulegen,
04:07um Jüdinnen und Juden schon von Anfang an klarzumachen, dass kein Platz mehr für sie in dieser Gesellschaft ist.
04:14Und natürlich auch als Zeichen an die sogenannten Aria,
04:18dass dieser Teil der Gesellschaft diskriminiert und aus dem gesellschaftlichen Leben langsam immer weiter herausgedrängt wird.
04:25Und am 4. Oktober schließlich kam das Schriftleitergesetz Jüdische Journalisten aus der Presse ausgeschlossen.
04:31Das betraf ungefähr 1300 Journalistinnen und Journalisten, die ihre Arbeit in Deutschland verloren.
04:39Im Dezember 1933 kümmerte man sich dann wieder um die Studierenden.
04:43Am 15. Dezember wurden in Preußen bis auf wenige Ausnahmen nicht-arische Studierende zu Prüfungen nicht mehr zugelassen.
04:53Vier Tage später, am 19. Dezember, war der Aria-Nachweis in Preußen auch Voraussetzung für ein Lehramtsstudium.
04:59Das heißt, jüdische Studierende konnten auch nicht mehr auf Lehramt studieren.
05:031934 gab es weniger Gesetze gegen die Juden.
05:07Zunächst am 20. Januar das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit.
05:12Damit wurden Jüdinnen und Juden von betrieblichen Führungspositionen ausgeschlossen
05:17und durften auch keine Vertrauensleute mehr sein.
05:20Am 18. Mai folgte dann die Reichsfluchtsteuer.
05:24Das war eine Teilenteignung jüdischer Immigrantinnen und Immigranten.
05:28Es gab jedoch eine Freigrenze von 50.000 Reichsmark, die schon von 200.000 Reichsmark gesenkt worden war
05:35und später immer weiter gesenkt wurde, damit natürlich den Jüdinnen und Juden immer mehr Geld zugunsten des deutschen Staates abgenommen
05:44werden konnte.
05:45Ende 1934, am 13. Dezember, gab es wieder eine Regelung in Preußen.
05:51Dort konnten dann nur solche Personen zu einer Habitulation, also zur Erlangung einer Professur zugelassen werden,
05:58die wieder einen Arianachweis erbringen konnten.
06:00Damit konnten Jüdinnen und Juden kein Professor mehr werden und in preußischen Universitäten nicht mehr arbeiten.
06:07Warum gab es Sonderregelungen in Preußen?
06:09Der Hintergrund ist, dass Preußen das größte und bevölkerungsreichste Land im deutschen Reich war
06:16und eine besondere Verwaltungsstruktur hatte.
06:19Das war aber schon vor dem Dritten Reich so.
06:22Die Maßnahmen wurden dann später auch auf andere Länder übertragen und vereinheitlicht.
06:27Spätestens ab 1935, mit den Nürnberger Gesetzen, die im zweiten Teil kommen, wurden die antijüdischen Gesetze stark vereinheitlicht.
06:36Noch ein Hinweis, weil es über 2000 verschiedene Regelungen der Nazis zu ihrem Staatsfeind Nummer 1 gegeben hat,
06:43habe ich nur eine Auswahl der bedeutendsten oder meiner Meinung nach widerlichsten Regelungen getroffen.
06:48Und um die verschiedenen Phasen der Verfolgung der Jüdinnen und Juden zu verdeutlichen,
06:53werde ich diese Videos in vier Teile gliedern.
06:56Das hier war der erste Teil, mit den ersten Gesetzen bis 1935.
07:01Ab 1935 erfolgt mit den Nürnberger Gesetzen eine tiefgreifende Verschärfung und Professionalisierung der Verfolgung.
07:08Und im Jahr 1938 mit dem Novemberpogrom auch ein stärkerer Fokus auf das Hinausdrängen der jüdischen Mitbürger und Mitbürgerinnen aus
07:17Deutschland.
07:18In die Emigration.
07:19Mit Beginn des Krieges 1939 und dem Beginn der Deportation 1941,
07:24dann schließe ich eine Veränderung der Situation,
07:27hin zur physischen Vernichtung und dem Genozid an der jüdischen Bevölkerung in ganz Europa.
07:31Und dann schließe ich eine Veränderung des Krieges 1935.
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