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Die Nazis kamen 1933 an die Macht und begannen sofort, Jüdinnen und Juden systematisch auszugrenzen und aus dem gesellschaftlichen Leben zu verdrängen. Doch welche Gesetze wurden zuerst erlassen und wie schnell folgten diese aufeinander? In diesem Video erkläre ich euch die ersten antijüdischen Maßnahmen von 1933 bis 1934.
Erfahre mehr darüber, wie die Nazis schrittweise jüdische Menschen aus Berufen wie dem Staatsdienst, der Anwaltschaft, dem Arztberuf, dem Journalismus und dem akademischen Bereich drängten. Wie sie Jüdinnen und Juden aus dem kulturellen Leben ausschlossen.
Dieses Video zeigt das hohe Tempo, mit dem die Nationalsozialisten von Anfang an deutlich machten, dass für Jüdinnen und Juden kein Platz mehr in dieser Gesellschaft war. Wer verstehen will, wie Ausgrenzung auf staatlicher und Gesetzesebene funktioniert, sollten jetzt reinschauen.
#geschichte #juden #gegenrassismus #wirsindmehr #gedenken #gegendasvergessen #history #jewishhistory #mutzurwahrheit

Beitrag der Bundeszentrale für politische Bildung:
https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/izpb/juedisches-leben-in-deutschland-304/7687/1933-1945-verdraengung-und-vernichtung/

Und zu den "Rechtsprinzipen" des Dritten Reichs:
https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/archiv/532737/rechts-prinzipien-des-nationalsozialistischen-staates-am-beispiel-der-verfolgung-andersdenkender/

Zur Quellenedition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945":
https://zeithistorische-forschungen.de/2-2021/5968

Das sind meine Themen:
00:00 Intro
00:09 Boykott gegen jüdische Geschäfte
00:54 "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums"/ "Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft"
01:15 Ausschluss jüdischer Sportler von deutschen Vereinen
01:26 "Arierparagraph"
02:02 Entzug kassenärztlicher Zulassung für Juden
02:28 Zahl jüdischer Schüler & Studenten an deutschen Schulen & Hochschulen wird begrenzt
02:59 Jüdische Steuerberater verlieren ihre Zulassung
03:09 Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit osteuropäischer Juden
03:35 "Reichskulturkammergesetz"
03:48 "Reichserbhofgesetz"
04:25 "Schriftleitergesetz"
04:40 Keine Zulassung zu Prüfungen in Preußen
04:53 Kein Lehramtsstudium für Juden in Preußen
05:08 "Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit"
05:20 "Reichsfluchtsteuer"
05:46 Keine Professur für Juden in Preußen
06:07 Warum Sonderregelungen in Preußen?
06:28 Fazit

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Transkript
00:08Der Boykott jüdischer Geschäfte war die beste Maßnahme, die die Nazis gegen die Juden offiziell und für alle sichtbar durchführt.
00:1762 Tage nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler postierten sich SA-Männer vor jüdischen Gefäften und versuchten, Kunden und Kundinnen
00:27davon abzuhalten, in die Geschäfte zu gehen.
00:39Was die Propagandabilder uns hier nicht zeigen, ist, dass die Aktion ein Misserfolg war, denn die meisten ließen sich nicht
00:47davon abhalten, weiterhin ihre Lieblingsgeschäfte, die zum Teil halt auch jüdische Geschäfte waren, zu betreten.
00:53Nur eine Woche später, am 7. April, folgte auch schon das erste anti-jüdische Gesetz.
00:58Mit dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums und dem Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft wurden erste jüdische Beamte in
01:08den Ruhestand versetzt und aus dem Staatsdienst entfernt.
01:11Und jüdischen Rechtsanwälten wurde die Zulassung entzogen.
01:15Einen Tag später, am 8. April, folgte dann, dass jüdische Sportler und Turner aus nicht-jüdischen Sport- und Turnvereinen
01:23ausgeschlossen wurden.
01:25Und am 11. April wurde dann schon mit der ersten Verordnung zur Durchführung des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums der
01:33sogenannte ARIA-Paragraf und ARIA-Nachweis eingeführt.
01:36Danach galten alle Personen als nicht-arisch, die jüdische Eltern oder Großeltern hatten.
01:43Es reichte schon ein Verwandter.
01:46Nicht-jüdische Deutsche, also ARIA, mussten einen Nachweis über ihre arische Abstammung vorweisen.
01:53Das heißt, sie mussten solche Ahntafeln erstellen.
01:56Generell mussten alle Deutschen nachweisen, dass sie halt nicht jüdisch waren.
02:01Elf Tage später folgte dann die Verordnung über die Zulassung von Ärzten zur Tätigkeit bei Krankenkassen.
02:08Damit wurden jenen Ärzten, die nicht-arisch waren, also jüdischen Ärzten und Ärztinnen und solche, die sich kommunistisch betätigten oder
02:16kommunistisch betätigt hatten, die kassenärztliche Zulassung entzogen.
02:20Sie konnten also keine Patienten mehr, die bei Krankenkassen waren, behandeln, was einem Berufsverbot gleich kam.
02:27Drei Tage später gab es dann das Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen.
02:33Die Zahl der Neuaufnahmen jüdischer Schüler und Studenten wurde auf 1,5 Prozent beschränkt und die Gesamtzahl aller jüdischer Schülerinnen
02:42und Schüler und Studentinnen und Studenten wurde auf 5 Prozent begrenzt.
02:47Ausgenommen waren aber damals noch Kinder von ausländischen Staatsbürgern und Frontkämpfern sowie sogenannte jüdische Mischlinge, die also nur ein jüdisches
02:57Elternteil hatten.
02:58Am 6. Mai folgte dann schließlich das Gesetz über die Zulassung von Steuerberatern, womit auch den jüdischen Steuerberatern die Zulassung
03:07entzogen wurde.
03:08Am 14. Juli 1933 kümmerte man sich dann mit dem Gesetz über den Wiederruf von Einbürgerung und die Aberkennung der
03:17deutschen Staatsangehörigkeit um jene jüdischen Mitbürger,
03:21die nach dem Pogrom in Russland oder Osteuropa nach Deutschland emigriert waren.
03:26Das betraf vor allem die osteuropäischen Juden aus Polen und Russland, denen die Staatsangehörigkeit entzogen wurde.
03:33Am 22. September wurde das Reichskulturkammergesetz verabschiedet.
03:38Die Voraussetzung für die Mitgliedschaft war ein Arianachweis.
03:41Faktisch bedeutete das für Jüdinnen und Juden ein Arbeits- und Auftrittsverbot im kulturellen Bereich.
03:48Wieder eine Woche später, am 29. September, kam dann das Reichserbhofgesetz.
03:53Das schloss Jüdinnen und Juden davon aus, landwirtschaftliche Betriebe zu erwerben.
03:58Ihr merkt, wie schnell die Maßnahmen aufeinander folgten.
04:02Man war 1933 offensichtlich bemüht, ein großes Tempo hier vorzulegen,
04:07um Jüdinnen und Juden schon von Anfang an klarzumachen, dass kein Platz mehr für sie in dieser Gesellschaft ist.
04:14Und natürlich auch als Zeichen an die sogenannten Aria,
04:18dass dieser Teil der Gesellschaft diskriminiert und aus dem gesellschaftlichen Leben langsam immer weiter herausgedrängt wird.
04:25Und am 4. Oktober schließlich kam das Schriftleitergesetz Jüdische Journalisten aus der Presse ausgeschlossen.
04:31Das betraf ungefähr 1300 Journalistinnen und Journalisten, die ihre Arbeit in Deutschland verloren.
04:39Im Dezember 1933 kümmerte man sich dann wieder um die Studierenden.
04:43Am 15. Dezember wurden in Preußen bis auf wenige Ausnahmen nicht-arische Studierende zu Prüfungen nicht mehr zugelassen.
04:53Vier Tage später, am 19. Dezember, war der Aria-Nachweis in Preußen auch Voraussetzung für ein Lehramtsstudium.
04:59Das heißt, jüdische Studierende konnten auch nicht mehr auf Lehramt studieren.
05:031934 gab es weniger Gesetze gegen die Juden.
05:07Zunächst am 20. Januar das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit.
05:12Damit wurden Jüdinnen und Juden von betrieblichen Führungspositionen ausgeschlossen
05:17und durften auch keine Vertrauensleute mehr sein.
05:20Am 18. Mai folgte dann die Reichsfluchtsteuer.
05:24Das war eine Teilenteignung jüdischer Immigrantinnen und Immigranten.
05:28Es gab jedoch eine Freigrenze von 50.000 Reichsmark, die schon von 200.000 Reichsmark gesenkt worden war
05:35und später immer weiter gesenkt wurde, damit natürlich den Jüdinnen und Juden immer mehr Geld zugunsten des deutschen Staates abgenommen
05:44werden konnte.
05:45Ende 1934, am 13. Dezember, gab es wieder eine Regelung in Preußen.
05:51Dort konnten dann nur solche Personen zu einer Habitulation, also zur Erlangung einer Professur zugelassen werden,
05:58die wieder einen Arianachweis erbringen konnten.
06:00Damit konnten Jüdinnen und Juden kein Professor mehr werden und in preußischen Universitäten nicht mehr arbeiten.
06:07Warum gab es Sonderregelungen in Preußen?
06:09Der Hintergrund ist, dass Preußen das größte und bevölkerungsreichste Land im deutschen Reich war
06:16und eine besondere Verwaltungsstruktur hatte.
06:19Das war aber schon vor dem Dritten Reich so.
06:22Die Maßnahmen wurden dann später auch auf andere Länder übertragen und vereinheitlicht.
06:27Spätestens ab 1935, mit den Nürnberger Gesetzen, die im zweiten Teil kommen, wurden die antijüdischen Gesetze stark vereinheitlicht.
06:36Noch ein Hinweis, weil es über 2000 verschiedene Regelungen der Nazis zu ihrem Staatsfeind Nummer 1 gegeben hat,
06:43habe ich nur eine Auswahl der bedeutendsten oder meiner Meinung nach widerlichsten Regelungen getroffen.
06:48Und um die verschiedenen Phasen der Verfolgung der Jüdinnen und Juden zu verdeutlichen,
06:53werde ich diese Videos in vier Teile gliedern.
06:56Das hier war der erste Teil, mit den ersten Gesetzen bis 1935.
07:01Ab 1935 erfolgt mit den Nürnberger Gesetzen eine tiefgreifende Verschärfung und Professionalisierung der Verfolgung.
07:08Und im Jahr 1938 mit dem Novemberpogrom auch ein stärkerer Fokus auf das Hinausdrängen der jüdischen Mitbürger und Mitbürgerinnen aus
07:17Deutschland.
07:18In die Emigration.
07:19Mit Beginn des Krieges 1939 und dem Beginn der Deportation 1941,
07:24dann schließe ich eine Veränderung der Situation,
07:27hin zur physischen Vernichtung und dem Genozid an der jüdischen Bevölkerung in ganz Europa.
07:31Und dann schließe ich eine Veränderung des Krieges 1935.
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SusansHistoryFacts
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Wusstet ihr, dass der Boykott ein Reinfall war?

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