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1938: Das Schicksalsjahr für die Jüdinnen und Juden, die sich noch im Dritten Reich aufhielten. Erfahrt, wie eine Flut antijüdischer Gesetze das Leben der Jüdinnen und Juden in Deutschland radikal veränderte. Von der Zwangsanmeldung des Vermögens über die Einführung der Kennkarte mit dem "J" bis hin zum Ausschluss aus dem Wirtschaftsleben. Der erschütternde Höhepunkt: Die Pogrome am 9. und 10. November, die zeigten, dass ein Leben in Frieden in Deutschland nicht mehr möglich war. Doch welche kleinen Schritte gab es bis zur physischen Vernichtung des jüdischen Volkes im Zweiten Weltkrieg? Findet es in diesem Video heraus. #geschichte #juden #gegenrassismus #wirsindmehr #gegendasvergessen #gedenken #jewishhistory #history #mutzurwahrheit

Beitrag der Bundeszentrale für politische Bildung:
https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/izpb/juedisches-leben-in-deutschland-304/7687/1933-1945-verdraengung-und-vernichtung/

Und zu den "Rechtsprinzipen" des Dritten Reichs:
https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/archiv/532737/rechts-prinzipien-des-nationalsozialistischen-staates-am-beispiel-der-verfolgung-andersdenkender/

Zur Quellenedition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945":
https://zeithistorische-forschungen.de/2-2021/5968

Das sind meine Themen:
00:00 Intro
00:09 Juden & ihre Ehepartner müssen ihr Vermögen melden
00:26 Kennkartenzwang
00:45 Entzug Approbation jüdischer Ärzte
01:00 Jüdische Straßennamen geändert
01:10 Zwangsnamen Sara & Israel
01:31 Reisepässe werden mit "J" gekennzeichnet
01:42 Verbot als Patentanwalt zu arbeiten
01:57 Der November-Pogrom
07:18 Juden-Vermögensabgabe & Folgen des Pogroms
07:59 Gesetze gegen Juden in deutscher Wirtschaft
08:27 Ausschluss jüdischer Schüler vom Schulunterricht an deutschen Schulen
08:41 Verbot sich an bestimmten Tagen draußen aufzuhalten
08:55 Verbot Brieftauben zu halten
09:11 Gesetz über Einsatz des jüdischen Vermögens
09:29 Juden verlieren Führerschein & KFZ-Papiere

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Transkript
00:001938 gab es dann eine große Fülle an Maßnahmen und Gesetzen, die als anti-jüdisch zu bezeichnen sind.
00:08Den Auftakt machte der 26. April mit der Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden.
00:14Damit wurde geregelt, dass alle Jüdinnen und Juden im Dritten Reich ihr Vermögen angeben mussten
00:19und auch die Deutschen, die mit Juden verheiratet waren, mussten ihr Vermögen offenlegen.
00:25Am 23. Juli gab es dann die erste Maßnahme, um Juden zu kennzeichnen, mit der Bekanntmachung über den Kennkartenzwang.
00:34Alle Jüdinnen und Juden im Deutschen Reich mussten jetzt eine Kennkarte sozusagen als Ausweis im Inland tragen,
00:42der mit einem großen J versehen war.
00:45Zwei Tage später, am 25. Juli, mit der vierten Verordnung zum Reichsbürgergesetz,
00:50wurden jüdischen Ärztinnen und Ärzten die Approbation entzogen.
00:54Jüdische Ärzte durften jetzt nur noch als sogenannte Krankenbehandler jüdische Patientinnen und Patienten behandeln.
01:01Zwei Tage später, am 27. Juli, wurden dann Straßennamen, die nach jüdischen Personen benannt wurden, umbenannt.
01:10Am 17. August, mit der zweiten Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die Änderung von Familiennamen,
01:16mussten Juden dann schließlich ab dem 1. Januar 1939 die Zwangsnamen Sarah und Israel annehmen,
01:24die dann auch im Pass ihren Geburtsnamen hinzugefügt wurden.
01:28Die wichtigsten Maßnahmen in diesem Jahr geschahen jedoch im Herbst.
01:31Am 5. Oktober wurde dann die Verordnung über Reisepässe von Juden ergänzt.
01:37Damit wurden auch Reispässe mit einem J gekennzeichnet.
01:41Am 31. Oktober, mit der sechsten Verordnung zum Reichsbürger gesetzt,
01:46wurden Jüdinnen und Juden auch verboten, als Patentanwalt tätig zu sein.
01:51Also es war noch die letzte Möglichkeit, um als Anwalt arbeiten zu können.
01:55Die wurde jetzt auch verboten.
01:57Das schlimmste Ereignis in diesem Jahr für viele Jüdinnen und Juden
02:00war sicherlich der 9. und 10. November mit der sogenannten Reichskristallnacht,
02:05also den Programmen gegen Juden in Deutschland und Österreich.
02:08Die meisten wissen gar nicht, dass die Übergriffe in kleineren Städten,
02:12also außerhalb Berlins oder anderer Großstädte, am 10. November stattfanden.
02:17Denn die Zerstörung jüdischer Geschäfte und das Anzünden der Synagogen
02:21war natürlich von den Nazis organisiert.
02:23Und die Befehle mussten erst einmal an die kleineren Dienststellen übermittelt werden.
02:28So fanden die Pogrome in Kleinstädten, wie zum Beispiel meiner Heimatstadt Bonn,
02:32am helllichten Tag und nicht in der Nacht statt.
02:35Das durfte alles gemacht werden.
02:36Wir waren freiwillig geworden und man durfte mit uns anfangen, was man wollte.
02:41Am 7. November 1938 erschießt ein polnischer Jude einen deutschen Diplomaten in Paris,
02:48weil seiner Familie die Deportation droht.
02:51Ein willkommener Vorwand für die Nazis.
02:54Die NS-Führung gibt das Signal zum Losschlagen,
02:57mit Befehlen an die Gefolgschaft der Partei.
03:00Synagogen und jüdische Geschäfte sollen brennen.
03:02Die Nacht des 9. November wird zur Pogromnacht.
03:08Die Nazis setzen in Hunderten von Orten Synagogen in Brand.
03:12Und auf einmal klirrte das und die Schaufensterscheiben gingen zu Bruch.
03:17Kommandos von SA und SS machen Jagd auf Juden.
03:22Und dann hörte ich auch schreien und dann sah ich nach oben und da wurden Menschen aus dem Fenster gestoßen.
03:29Die Polizei hat den Befehl, nicht einzuschreiten.
03:33Viele Deutsche werden zu Schaulustigen der Gewalttaten.
03:37Da müssen 500, 600 Leute, Deutsche, die geschrien haben, gesungen und haben,
03:44da war eine Dame, ich konnte kein Gesicht sehen, die haben sie mit am Haar die Straße runtergezogen.
03:52Die meisten schauen lieber weg.
03:54Diese Angst war so groß, dass man oft keinen Mut gehabt hat, den jüdischen Mitbürgern zu helfen.
04:03Es wurde viel geholfen, viel mehr als man denken kann, aber alles insgeheim.
04:08Und wir hatten eine Angestellte, die meinen Vater furchtbar geliebt hat, die hat 32 Jahre für uns gearbeitet, die war
04:15nicht jüdisch.
04:16Und die hat gesagt, ich lasse die nicht ins Haus.
04:20Die sind vom Haus zu Haus gegangen und haben die jüdischen Männer genommen.
04:24Und mein Vater war sehr krank.
04:25Und sie hat sich vor das Haus gestellt und hat gesagt, sie können nicht drauf gehen.
04:32Mein Chef ist sehr krank.
04:34Und da haben sie gefragt, ob sie jüdisch ist.
04:37Und da hat sie gezeigt, dass sie nicht jüdisch ist.
04:39Und da haben sie furchtbar geschlagen, haben die Frauen auf den Boden geschmissen.
04:45Aber sie sind weitergegangen.
04:47Und dadurch ist mein Vater nicht abgeholt worden an dem Tag.
04:53Und eine halbe Stunde später haben wir angerufen bekommen, dass mein Bruder von der Gestapo abgeholt war.
05:00Und dass sie, wir wussten nicht bis zwei Tage vor Weihnachten, ob er liebt ist oder nicht, wo er war.
05:07Und das war das Schlimmste.
05:10Jüdische Mitbürger im ersten Stock und das ganze Inventar wurde quasi auf die Straße geworfen.
05:23Das heißt, die Wohnung wurde gestürmt?
05:25Die ältere HJ-Jungs und SA und SS, die haben die Wohnung quasi gestürmt und haben da alles zerstört.
05:40Und das spielte sich in der Wohnung über eurer Wohnung ab?
05:43Ja. Und meine Mutter und meine Schwester, die waren zwei Jahre älter als ich, also zehn.
05:51Wir hatten natürlich große Angst.
05:55Und dann kamen, ich erinnere mich, ich könnte Namen nennen, was ich aber nicht tun will.
06:02Die kamen zu meiner Mutter und haben gesagt, Frau Frey, Sie müssen keine Angst haben.
06:10Ihnen passiert nichts.
06:12Und es war nicht in der Nacht, es war der Tag.
06:15Ich habe immer gewundert, warum sie sagen Nacht.
06:17Er hat nämlich morgens um fünf Uhr angefangen und es hat nicht aufgehört bis zehn Uhr nachts mindestens.
06:24Also es ist nicht heimlich, weil nachts passiert, sondern im hellensten.
06:27Es war nichts heimlich. Abends haben wir schon gehört, dass es geplant war, aber morgens, wie ich in der Schule
06:34war, es war vielleicht sieben, halb acht, ich weiß nicht genau, am Heimweg.
06:39Dann war alles schon im... Ich nehme an, sie haben so um sieben Uhr morgens angefangen, alles kaputt zu machen
06:45und anzustecken.
06:47Und das ging into die Nacht. Nein, es hat nicht aufgehört, aber wir sind nicht mehr aus dem Haus gegangen
06:52dann.
06:53Wir waren glücklich, dass mein Vater... Den Tag haben sie nur die Männer alle abgeholt.
07:02Über 1400 Synagogen werden in jener Nacht zerstört.
07:07Das war der Wendepunkt. Da kapierten die deutschen Juden, in Deutschland kann man nicht mehr in Frieden leben als Jude.
07:15Das wurde durch diesen Pogromnacht klar.
07:18Dann am 12. November gab es die Verordnung über eine Südeleistung der Juden deutscher Staatsangehörigkeit, die sogenannte Judenvermögensabgabe.
07:27Wegen ihrer feindlichen Haltung gegenüber dem deutschen Volk wurde den Juden eine Südeleistung von einer Milliarden Reichsmark auferlegt.
07:36Heute wären das ungefähr fünf bis sechs Milliarden Euro.
07:40Und nach der Form zur Wiederherstellung des Straßenbildes bei jüdischen Gewerbebetrieben mussten die Jüdinnen und Juden selbst für die Beseitigung
07:48der Schäden des Novemberpogroms,
07:50wofür sie ja eigentlich nichts konnten, bezahlen.
07:52Auch viele jüdische Gemeinden muss die abgebrannten Synagogen auf eigene Kosten abreißen.
07:59Und mit der Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben wurde darauf abgezielt, die Juden jetzt auch wirklich
08:06aus dem Wirtschaftsbild zu entfernen.
08:09Jüdinnen und Juden durften kein Handwerk mehr ausüben.
08:12Sie durften keinerlei Waren mehr verkaufen.
08:15Sie durften nicht an Märkten oder Messen teilnehmen.
08:17Jüdische Gewerbebetriebe wurden geschlossen und sie durften keine leitenden Angestellten mehr sein oder Mitglied in einer Genossenschaft.
08:27Drei Tage später, am 15. November, wurden dann schließlich auch jüdische Schülerinnen und Schüler vom Schulunterricht ausgeschlossen.
08:34Sie durften zwar weiterhin an jüdischen Schulen lernen, aber auch das wurde später eingeschränkt.
08:40Ab dem 28. November durften Jüdinnen und Juden sich an bestimmten Tagen nicht im öffentlichen Raum aufhalten.
08:48Meistens waren das hohe Nazi-Feiertage, aber im Prinzip konnte die Polizei oder die Gemeinde das frei bestimmen.
08:55Einen Tag später, am 29. November, gab es dann ein Verbot, Brieftauchen zu halten für Jüdinnen und Juden.
09:01Das ist eins der Verbote, mehrere werden noch folgen, die halt einfach den Alltag der Juden einschränken sollen und es
09:07ihnen so unangenehm wie möglich in Deutschland machen sollten.
09:10Am 3. Dezember gab es dann schließlich die Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens.
09:16Das führte zu einem Zwangsverkauf jüdischer Gewerbebetriebe.
09:20Wertpapiere mussten veräußert werden und Immobilien.
09:23Natürlich floss das auch wieder in diese Sünderabgabe ein und floss an den deutschen Staat.
09:28Jüdinnen und Juden wurde der Führerschein und die Kfz-Papiere entzogen.
09:33Diejenigen, die Jüdinnen und Juden, die Autos besaßen, konnten dem Auto nicht mehr fahren.
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Kanntet ihr die Kennkarte schon?

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