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00:01When yes is good and when no is also good.
00:04Then I get through well.
00:10If the film is blaming me here, it's good.
00:14And if not, it's good.
00:35Eigentlich heißt er Horst Eckert.
00:38Zu Janusz wurde er durch seinen ersten Verleger.
00:41Die Sekretärin hat gesagt, da draußen steht ein Irrer.
00:47Die sagte Irre, dann hol ihn rein.
00:50Ich weiß auch nicht, wie kam die da drauf?
00:53Das macht doch keinen irren Eindruck, oder?
00:55Nee, überhaupt nicht.
00:58Bei ihm war angemeldet ein gewisser Janusz.
01:01Der sollte kommen.
01:04Auf den hat er gewartet.
01:06Aber dann kam ich.
01:08Und dadurch hat er gedacht, dass ich der bin.
01:11Und er sagte, jetzt heißt du so, das ist egal.
01:14Und so kam das dann.
01:20Janusz.
01:20Die meisten kennen ihn als Schöpfer der Geschichte
01:23Oh, wie schön ist Panama.
01:24Über 300 Bücher hat er geschrieben.
01:28Mit Millionen Auflagen.
01:30Seit 50 Jahren wachsen Kinder mit seinen Geschichten auf.
01:33Und auch Erwachsene kennen seine Figuren.
01:36Allen voran die Tigerente.
01:48Janusz hat viele Gesichter.
01:51Er ist tiefsinniger Maler und Schriftsteller.
01:54Erfinder von liebevoll anarchischen Kinderbüchern.
01:57In vielen seiner Figuren und Bilder steckt er selbst.
02:14Am auffälligsten in Onkel Popov.
02:17Der kann nämlich die Grenzen der Wirklichkeit überschreiten und sogar fliegen.
02:23Vielleicht auch in Larifari Mogelzahn.
02:26Bei dem man nie so genau weiß, welche seiner Geschichten war und welche erfunden sind.
02:34Janoschs Weg beginnt im damaligen Oberschlesien, wo über die Hälfte der Einwohner Polen sind.
02:39Hier kommt er am 11. März 1931 in der Stadt Hindenburg zur Welt.
02:46Heute gehört der Ort zu Polen und heißt Sabze.
02:51Genau da ist das Haus gewesen an dieser Stelle.
02:55Ich habe Kräfte.
03:02Da liegt noch ein Stück von meinem Hemd von meinem Großvater.
03:10Tierisch guter.
03:14Und wenn man jetzt hier so fünf Meter nach oben geht, da wurde ich geboren.
03:21Können Sie uns beschreiben, wie es damals aussah?
03:24Wie waren die Häuser angeordnet?
03:26Eins neben dem anderen.
03:29Total verkommen.
03:30Kein Wasser, kein Licht.
03:37Und da war ein Klo draußen.
03:42So mit einem Brett.
03:46Und jedes Stockwerk hatte ein eigenes Klo.
03:49Und an dem Klo konnte man immer erkennen, ob die Leute Schweine sind oder nicht.
03:53Wenn sie die Scheiße nicht weggewischt haben auf dem Brett, dann waren sie Schweine.
04:01Aber unser Klo war immer sauber, weil die Leute haben sich ein Stück Zeitung unter den Arsch gelegt und sich
04:06drauf gesetzt haben.
04:09Und da unten war die Grenze, kleines Tal und ein Grenzfluss.
04:17Sie sind also auf der damals deutschen Seite, direkt an der Grenze geboren?
04:20Das war hier Deutschland, da unten war die Grenze und das war das letzte Haus vor der Grenze.
04:26Unvermeidlich kommen hier die Erinnerungen an den Vater hoch.
04:30Das vergesse ich nie, wie der nach Hause kam, hat gesagt, ab heute wird das Kind erzogen und wickelte aus
04:36einem Zeitungspapier eine lederne Peitsche.
04:40Ja, aber er schlug nicht richtig, er schlug nur so ein bisschen.
04:44Also keine Striemen, nur um zu zeigen, dass das Leder ein bisschen wehtut.
04:49Also dann so, bist du gleich ruhig? Machst du das?
04:52Und dann schluck er so ein bisschen da drauf und dann fing ich an unheimlich zu schreien und dann hört
04:57er auf.
04:59Mit dem Vater verbindet Janosch nur wenig Gutes. Prügel und Unfreiheit. Und dass er Vögel fängt und in Käfige sperrt.
05:15Noch schwieriger ist die Beziehung zur Mutter.
05:21Als ich noch klein und schwach war, da war sie natürlich schlecht. Da konnte sie mich prügeln, weil sie die
05:26Macht hatte.
05:28Ich glaube, das tat ihr später auch leid, dass sie mich immer gehauen hat.
05:31Dann hat sie versucht, das wieder gut zu machen, aber sie hat weiterhin solche Fehler gemacht,
05:35also Charakterfehler, die ich ertragen konnte, die ich ihr aber nicht übel nehmen, weil jeder Mensch macht halt sowas, was
05:42nicht in Ordnung ist.
05:43Der Vater ist Kleinhändler. Die Mutter träumt davon, Schauspielerin zu sein.
05:49Sie zog sich an wie Sarah Leander und sie ging auch so.
05:54Ein Mädchen wollte sie aus mir machen, also das Kind von Sarah Leander.
05:58Dann hat sie mir so eine blöde Mädchenmütze gekauft, die musste ich tragen. Das war grausig.
06:05In seinen Büchern spiegelt Janosch die erlebten Erziehungsmethoden und stellt sie auf den Kopf.
06:12Da wird ein Junge zu einem Bären und kann so der strengen Mutter entfliehen.
06:26Auch andersrum funktioniert die fantasievolle Verwandlung.
06:30In der Geschichte »Ich sag, du bist ein Bär« macht der Junge seinen Vater zu einem Bären und zeigt ihm,
06:37wie abhängig Kinder von ihren Eltern sind.
06:41Wenn der Vater heimkommt, muss er nun mit dem Sohn spielen, Quatsch machen und ihm immer helfen.
06:48Alles, wovon Janosch als Kind nur träumen kann.
06:53Und da bekam ich einen Tuschkasten, so einen mit viereckigen Dingern da drin, Farben, aber keinen Pinsel dazu.
07:03Natürlich scheiße, konnte ich nicht benutzen.
07:06Aber es waren doch auch bestimmte Farben, die gefehlt wurden.
07:08Ja, Gold und Silber, klar. Aber die haben da gefehlt.
07:12Dann habe ich den ganzen Tuschkasten weggeworfen und wollte er mich wieder fast totschlagen.
07:20Der brüllte immer, ich schlag dich tot, ich schlag euch alle tot.
07:23Und da er immer besoffen war, wusste man nicht genau, macht er das oder macht er das nicht.
07:28Meint er das ernst oder meint er es nicht ernst.
07:32Aber das interessiert mich jetzt schon mit den Farben. Welche Farben waren das genau?
07:37Rosa fehlt noch. Rosa, Gold und Silber. Das ist interessant. Die habe ich heute noch im Kopf.
07:45Woher kommt das? Vom Leben Gott. Von den Engeln.
07:51Das war unsere Eisenbahn, mit der meine Großmutter immer Geflügel und Gemüse.
08:00Da war die Endstation.
08:04Jetzt riecht es, hier riecht es wieder wie bei mir zu Hause aus an der Stelle.
08:20Das ist das, das ist mein Seelengeruch.
08:28Ungefähr 1936, die Leute haben hier immer geschmuggelt.
08:32Von da rüber und da hinten war ein Zollhaus.
08:35Und dann haben sie einen erschossen und der ist mit dem Kopf da reingefallen und hat dann so senkrecht mit
08:42den Beinen geschmuggelt.
08:42Da sind alle Leute hergekommen und haben sich den angeschaut.
08:47Und je länger er da drin war, umso steifer wurde er.
08:50Gab es viele Schmuggler?
08:52Jede Nacht vielleicht drei.
08:56Einer war mein Vater.
08:59Was hat er geschmuggelt?
09:01Das habe ich nie rausgekriegt.
09:06Die Kindheit in Polen fließt später in seine Romane ein.
09:22Den einfachen, bitterarmen Menschen setzt Janusz darin ein Denkmal.
09:27Er beschreibt sie als Verzweiflungsklowns und zugleich als Helden.
09:36Der Roman Cholonek oder Der liebe Gott aus Lehm ist eine Hymne an den Lebensmut dieser Menschen.
09:51Und auch Polsky Blues von 1991 ist eine Liebeserklärung an die oberschlesisch-polnische Heimat.
10:03Was ich jetzt sagen wollte, in dem Haus da hinten wohnte meine erste große Liebe.
10:09Und die hieß Traudi und war so schön dick.
10:12Die war schon sieben und ich war erst sechs.
10:15Und dadurch kamen wir nicht zusammen.
10:17Man darf hier nie eine ältere Frau nehmen, oder?
10:20Die Frau muss immer ein bisschen jünger sein.
10:24Also in dem Haus da hinten da, mit den grünen Fenstern liegen.
10:31Da hat sich seit damals nichts verändert, das ist doch genau wie vor 100 Jahren.
10:36Aber Traudi, ich weiß nicht, wo Traudi jetzt ist.
10:41Jetzt ist sie wahrscheinlich noch dicker, ist ja auch nicht schlecht.
10:48Mit sieben hatte ich da noch eine Braut, die wohnte da in dem Haus.
10:53Die war erst fünf, aber sie wusste es nicht, dass ich so hinter ihr her war.
10:59Die war wieder ganz dünn.
11:00Ich kann also nicht sagen, ob dünn oder dick besser ist.
11:07Die hat dann einen anderen geheiratet, ein bisschen später.
11:13Sandka, das ist die Sandka, war die Sandstraße. So hieß die.
11:20Das ist meine Klasse.
11:26Gewesen.
11:28Und da wurde ich immer geprügelt von den Jungs.
11:30Ich kam aus der Schule raus, da haben sie schon gewartet aus der Tür.
11:34Da haben sie mich geprügelt.
11:36Warum gerade sie?
11:39Die dachten, ich bin reich oder sowas.
11:41Weil ich hatte Schuhe und die hatten keine Schuhe, die kamen auch im Winter mit.
11:45Barfuß.
11:49Sein Schultrauma setzt Janosch später in seinen Büchern und Bildern um.
11:54Die Figur Hannes Strohkopp erlebt die Schule ebenfalls als Qual.
11:59Doch dem Hannes gelingt es, mit Hilfe eines geheimnisvollen Feuerpulvers
12:03aus dem prügelnden Lehrer einen brauchbaren Menschen zu machen.
12:13Anders als seine Figuren kann Janosch der Trostlosigkeit seiner Kindheit jedoch nicht entkommen.
12:20Noch schlimmer als Schule und Elternhaus erlebt er die Regeln der katholischen Kirche.
12:25Wir sehen hier den Ort des Grauens.
12:29Ich hatte ein Riesenproblem.
12:32Ich kam hier rein und da stand auf der Wand gegenüber, da hatte jemand hingeschrieben Ficken.
12:39Also ich hatte da hingeguckt und hatte Unkeusches gelesen.
12:42Ich war sieben Jahre alt.
12:44Also hatte ich eine Sünde.
12:45Dann habe ich gebeichtet, ich habe Unkeusches gelesen.
12:50Der Pfarrer, der schlief, der hat also nicht zugehört.
12:52Aber der andere, was hast du gelesen?
12:55Und nur konnte ich nicht sagen, ich habe Ficken gelesen, weil das ist wieder eine Sünde, Unkeusches aussprechen.
13:02Irgendwie kam ich dann so durch.
13:04Und wenn ich jetzt aber wieder rausgegangen wäre, dann stand das an der Wand.
13:07Ich habe zwar die Augen zugemacht, aber ich wusste, was da stand.
13:11Also habe ich Unkeusches gedacht.
13:13Es gibt etwa 24 Möglichkeiten, Unkeusches zu tun.
13:17Dann habe ich versucht, hier meine Gedanken nicht mehr an das Wort an der Wand zu, sondern ich habe versucht,
13:23dann hier durch dieses Tor abzuhauen.
13:26Aber musste wieder so rumgehen.
13:28Und dann stand da an der Wand Ficken, ja.
13:31Also hatte ich schon wieder eine Sünde und mit einer Sünde kann man nicht zur Kommunion gehen.
13:36Dann bin ich den Umweg gegangen und dann war überall in den Häusern waren Sauer reingezeichnet.
13:42Also ein Kreis mit einem Strich durch und ringsherum Haare.
13:45Ich wusste, was das ist, das ist ein Pitschka.
13:48Da durfte ich auch wieder nicht hingehen, dann musste ich hinschauen, musste ich die Augen, das war ein Wahnsinn.
13:53Ich wäre fast ins Irrhaus gekommen damit.
13:55Die katholische Erziehung wird eine erdrückende Last.
13:59In Janoschs einzigem Theaterstück, zurück nach Uskov, erkennt ein alter Mann kurz vor dem Tod, dass er sein ganzes Leben
14:06gebraucht hat, um sich davon zu befreien.
14:11In seiner Heimatstadt erlebt Janosch die Nazi-Zeit.
14:14Bedrückende Bilder kommen hoch.
14:16Der jüdische Friedhof, die Verbrechen des Dritten Reiches, die Erinnerung an die Hitlerjugend, der er beitreten musste.
14:27Die hat mich auf dem Kieker, weil ich ein bisschen, wie soll man sagen, krank oder behindert war durch eine
14:34Operation, konnte ich nicht alles mitmachen.
14:37Ich fiel also ganz bald zusammen und dann haben sie mich geschliffelt bis zum Umfallen, hinlegen, auf, an den Zaun
14:45war Schmarsch.
14:47Die haben die Gnese in der Goga, haben sie angebrannt, dann haben sie den Judenstern aufgeklebt, haben sie aus der
14:53Straßenbahn rausgeworfen.
14:54Die durften nicht Straßenbahn fahren und einer nach dem anderen wurde dann abgeholt.
14:59Man konnte ja sehen, die wurden in solche Gütertransport-Waggons getrieben und zugenagelt mit Stacheldraht.
15:10Und einer hat einmal gesehen, wie er, ja das war ein russischer Gefangener, da hat die Hand rausgestreckt mit einem
15:16Becher, mit einem Konserven, mit einer Konservendose und wollte den Regenwasser auffangen zum Trinken.
15:23Und dann kam ein Ritterkreuzträger, ein Kriegsheld, vorbei, der ein bisschen verwundet war, am Bein und also eine Krücke hatte
15:30und da hat er mit dem eichen Knüppel die Hand abgeschlagen.
15:35Mit einem Schlag.
15:36Wie haben Sie denn den Untergang der Nazis erlebt?
15:40Ja, da war, unser Haus war abgebrannt, wir hatten gerade das, was wir in der Hand hatten. Ich empfand das,
15:47also für meine Person als eine große Befreiung.
15:53Weil ja auch die Kirche angezündet wurde. Es gab also niemanden mehr, der mit mir machen konnte, was er wollte.
15:58Mein Vater konnte mich nicht prügeln, weil er weg war. Meine Mutter hatte anderes im Kopf.
16:04Die AJ prügelte mich, also unterdrückte mich nicht mehr. Nazis gab es keine. Also mir gefiel das gut.
16:14Nach dem Krieg. Der Vater schafft es nach Hause. Doch dann Abschied und Flucht.
16:20Die Familie Eckert landet 1946 im Westen, in der Nähe von Oldenburg.
16:26Es gelingt ihnen, in der Not zu überleben. Dank des Vaters.
16:31Also er hatte noch einen Ring, einen goldenen Ring, was weiß ich, übrig geblieben.
16:35Und dann kauften wir eine Eismaschine, die taten wir da hinten in so eine Bude rein.
16:41Und er drehte Eis und ich verkaufte es. Ich war der beste Eisverkäufer, den wir hatten, weil ich konnte ganz
16:45schnell Portionen machen.
16:47Hier haben wir beide ein bisschen viel getrunken, er und ich.
16:51Der Vater trinkt und prügelt. Und trotzdem bricht Janosch nie ganz mit ihm.
16:57Ja, das musste er machen. Was sollte er sonst tun? Das ist polnische Folklore, die Kinder zu prügeln und zu
17:03saufen.
17:04Man kann sich doch nicht gegen das Gesetz auflehnen.
17:10Ein Vogel muss fliegen und ein Pole muss saufen.
17:14Aus Polen, sagt Janosch, habe er diese Gene des kleinen Wahnsinns und viele seiner Geschichten.
17:20Im Norden Deutschlands sammelt er Eindrücke, die er später malt.
17:24Er sieht sich als Aufschreiber und Abzeichner.
17:28Das ist das Haus von Tiger und Bär.
17:37Hast du abgemalt?
17:39Abgemalt, ja genau abgemalt.
17:43Also nicht erfunden, sondern alles vorgefunden?
17:45Nein, alles abgemalt. Das ist ja nicht nötig.
17:48Wenn was sowieso schon dasteht, muss man das ja nicht erfinden.
17:52Das sind so meine Orientierungshäuser. Wenn ich an ein Haus denke, dann denke ich an sowas.
17:58Da wohnt sich gut drin, da sind in einem Raum Häuser, da ist nichts anderes, alles in einem Raum dringend.
18:05Es gibt keine Öfen in dem Haus, zündet man in der Mitte ein Feuer an und der Rauch zieht durch
18:10das Dach weg und um das Feuer herum setzt man sich dann.
18:19Magst du Kinder?
18:21Manche, die meisten, sagen wir alle.
18:24Ich möchte bloß kein Kind sein, weil ich euch Eltern nicht ertragen kann.
18:28Ausgenommen du natürlich als Mutter.
18:32Das heißt Anarchie für die Kinder, totale Freiheit?
18:35Glaube ich nicht, glaube ich nicht. Das können die nicht richtig machen von sich aus.
18:40Machen die auch alles falsch.
18:42Die müssten irgendein Tier zum Vater und zur Mutter haben, weil die Hunde wissen, wie man hier die Kinder erzieht
18:48und die Katzen wissen das auch.
18:52Moin!
18:54Wo ist sie hier?
18:56Besuch in Augustveen, in Janoschs ehemaliger Schule.
19:03Helgert, ich begrüße Sie ganz herzlich. Mein Name ist Barbara Thaler Ludewigs und ich bin hier die Schulleiterin.
19:08Und ich bin der Täter.
19:09Sehr schön, das ist Kimberley, eine Schülerin von uns.
19:12Ja, wir freuen uns, dass Sie hier sind und dass wir Sie endlich mal persönlich kennenlernen können.
19:20Wo wohnst du?
19:28Die Grundschule ist inzwischen nach ihm benannt. Als erfolgreicher Autor und Maler kehrt er nach über 60 Jahren zurück.
19:43Die Schüler und Lehrer haben ihm eine Hymne geschrieben. Ganz nach Janosch geht es darin um die Stärke der Kinder.
19:50Alle zusammen, jeder macht mit. Ja, jetzt geht mein Bestes. Wir sind fit. Ja, los von Schule. Jetzt geht's los.
20:07Gemeinsam sind wir ganz groß.
20:11Wir haben ganz viele Bücher in unserer Bücherei von Ihnen. Und als wir dann den Brief von Ihnen bekamen, dass
20:18wir den Namen benutzen durften, haben wir uns alle sehr, sehr gefreut.
20:23Aber ich kann heute noch nicht lesen und schreiben so ganz richtig.
20:27Wir auch noch nicht so richtig.
20:31Mit 18 geht Janosch an eine Textilfachschule nach Krefeld. Danach arbeitet er in einer Weberei.
20:38Aber die Kunst ist sein eigentliches Ziel. Anfang der 50er Jahre zieht er weiter nach München. An der Akademie der
20:46Bildenden Künste will er studieren.
20:52Ich hatte eine Probezeit von zwei Semestern. Aber ich bin schon nach dem ersten rausgeflogen.
20:58Und dann habe ich noch eine Probezeit gekriegt von noch einem Semester. Dann bin ich nochmal rausgeflogen.
21:04Dann habe ich noch eine Probezeit gekriegt und dann bin ich endgültig rausgeflogen.
21:08Und warum?
21:10Unbegabung. Nicht geeignet für Gunst. Und zu Recht bin ich ausgeflogen.
21:18Hat Sie das damals getroffen?
21:20Ja, ich habe mich sehr getroffen. Ja, ich hätte lieber malen gelernt, wie man das macht.
21:27Aber es gibt ja den giganten Janosch Zitterstrich, den Sie alle nachmachen wollen.
21:32Ja, weil ich wirklich zitter. Ich bin nämlich draufgekommen, als ich das erste Buch gemacht habe.
21:36Und dann habe ich mich davor gefürchtet und dann habe ich erst einen getrunken, ein bisschen.
21:43Und dann habe ich angefangen zu kritzeln und weil ich dann schon sehr betrunken war, fing das an zu zittern.
21:50Und dann machte ich in einer Nacht das erste Buch, das hieß Wallek mit V.
21:57Die Geschichte von Wallek dem Pferd, die 1960 erscheint, wird ein Misserfolg.
22:02Und auch mit dem Kinderbuch Der Jossa mit der Zauberfiedel hat Janosch kein Glück.
22:08In der Geschichte besitzt der junge Jossa ein Instrument, mit dem er alles groß oder klein werden lassen kann, sogar
22:15den Mond.
22:18Den ersten Erfolg bringt die Geschichte das Auto Ferdinand, vier Jahre später.
22:29Janosch lebt zu der Zeit in Greifenberg, einer Dorfgemeinde nördlich des Ammersees.
22:35Nach über 30 Jahren kehrt er zurück.
22:41Ich schon.
22:43Ich schon.
22:44Gebrechlich bin. Das Tor habe ich übrigens gebaut.
22:54Das sind meine Schrauben.
22:57Da wächst noch meine Petersilie.
23:01Da wächst meine Petersilie.
23:10Schade um dieses Ding, den habe ich hier zurückgelassen.
23:13Das ist noch mein Ofen.
23:20Hier ist es tierisch feucht.
23:27Tierisch feucht ist es hier.
23:29Na das ist ja vielleicht eine verlorene Zeit gewesen.
23:36Warum verloren?
23:38Eine verlorene Zeit, weil da wohnt man hier am Arsch der Welt und nichts passiert.
23:47Mause allein, Mutterseelen allein, keine Frauen, Hungersnot, nichts zu essen.
23:56Ob diese Erinnerung so ganz der Wahrheit entspricht?
24:01Frauen spielen bei dem wahrheitsliebenden Flunkerer eine weitaus größere Rolle.
24:07Jedenfalls in seinen Bildern.
24:10Erwachsene stehen da meist als Paar im Mittelpunkt.
24:17Oft sieht Janosch in der Beziehung zwischen Mann und Frau die Quelle von Konflikten.
24:32Die Zeit am Ammersee ist sehr produktiv.
24:35Aber Janosch verkauft wenig.
24:37Er hat kaum Geld, malt und schreibt und trinkt.
24:46Ich hatte die Schnauze voll von Kinderbüchern, keiner kaufte die.
24:50Und da wollte ich ein Racheakt an der Welt landen.
24:53Ich wollte ein Kitschbuch machen.
24:55Ein Kitschbuch, da gibt es ja so paar Regeln.
24:58Es muss ein Kuschelbär dabei sein und der Bär muss eine Reise machen.
25:02Und da muss ein Freund haben und schon fangen die Weiber an zu heulen.
25:07Hab ich angefangen.
25:09Da oben in dem Haus.
25:11Und dann wurde mir das so echt, so blöd.
25:14Und da dachte ich, ach scheiß doch auf das Buch.
25:17Und dann bin ich nach Ibiza stehenden, Fuß ist zum Flugplatz gefahren,
25:20nächsten Fluggründung nach Ibiza gefahren.
25:23Und bin da so auf die übliche Art herumgelaufen.
25:28Und dann saß ich in der Kneipe und besoff mich auch wieder aus Verzweiflung.
25:33Und zwar Kuba-Liebe.
25:34Und nach dem Zeiten Kuba-Liebe, dann fiel es mir ein,
25:37Teddy macht eine Reise, aber wohin?
25:40Und dann hatte ich es, der fuhr wieder zurück.
25:42Und da setzte ich mich sofort ins Flugzeug und flog wieder zurück.
25:45Und das war es dann.
25:47Oh, wie schön ist Panama,
25:49bringt 1978 endlich den internationalen Durchbruch.
25:53Tiger und Bär finden darin eine Kiste mit der Aufschrift Panama.
25:57Die beiden machen sich auf den Weg,
26:00den verheißungsvollen Ort Panama zu suchen.
26:03Der Fuchs schickt sie nach links.
26:05Ebenso die Kuh.
26:10Sie wandern also immer weiter nach links.
26:17Am Ende kommen sie da an, wo sie hergekommen sind.
26:21Zu Hause.
26:22Am schönsten Platz der Welt.
26:29In einem schönen Irrtum lebt man besser als in einer schlechten Wahrheit.
26:36Man muss das, was man gefunden hat, muss man zu Panama erklären.
26:40Haben Sie es gefunden?
26:41Ich, klar.
26:42Wo ist Ihr Panama?
26:43Hier und da, wo ich bin, ja.
26:46Immer da, wo Sie sind.
26:49Tenerife abholen.
26:53Trotz des Erfolgs von Oh, wie schön ist Panama hält es Janosch in Greifenberg nicht mehr aus.
26:59Nach vielen Jahren Alkohol und Ausschweifungen, Ärger mit Verlegern und einer missglückten Operation hat er genug von seinem bisherigen Leben.
27:09Also, ich wurde operiert an der Niere.
27:14Und die Operation war eigentlich nicht gelungen.
27:19Und ich dachte, das dauert jetzt noch zwei Jahre, da hänge ich mich nicht in ein Haus.
27:24Ich habe alles angezündet im Garten, aufgehäuft Bücher.
27:28Und da einen Anzug hatte ich.
27:31Da unten war es.
27:34Was man nicht braucht, das muss man anzünden.
27:38Das rate ich auch jedem.
27:41Dass er das, was er nicht braucht, in den Garten stellt und anzündet.
27:47Zum Beispiel die Ehefrau, den Mann, aber da muss ich halt drauf achten, dass er schon tot ist.
27:52Waren Sie da allein, als Sie das gemacht haben?
27:54Ja, klar.
27:59Und dann sind Sie gleich drauf gegangen?
28:01Dann habe ich eine Tasche übrig behalten.
28:03Mit dieser Tasche bin ich in ein Flugzeug gestiegen und bin nach Teneriffa geflogen.
28:07Und in der Tasche war alles drin, was ich besaß, sonst nichts.
28:11Und das andere war verbrannt.
28:13Das war ein schönes Gefühl.
28:29Man muss eine Sache aufgeben, um sie zu gewinnen.
28:33Das steht auch bei Jesus.
28:35Wer sein Leben aufgibt, der wird es gewinnen.
28:37Und in dem Augenblick, wo man es aufgibt, ist jeder Tag geschenkt.
28:41Das ist ein Traum.
28:44Hier, da, guck mal meine Socken.
28:46Das ist ein Traum.
28:47Das ist ein Traum.
28:48Das ist ein Traum.
28:51Das ist ein Traum.
28:56Das ist ein Traum.
28:56Er geht nach La Gomera.
28:58Damals beginnt für ihn das, was er Lebenskunst nennt.
29:02Er lebt in billigen Pensionen oder am Strand.
29:05Manchmal mit ein paar Hippies.
29:07Nur vom Notwendigsten.
29:12Und er stellt fest, dass sein Leben nicht zu Ende geht.
29:15Im Gegenteil.
29:16Er entdeckt es neu.
29:19Sie wollten das Leben auf Gomera damals auslaufen lassen.
29:23Was hat denn die Wende gebracht?
29:25Was war das?
29:27Das sag ich nicht.
29:29Das ist mehr so weiblicher Natur.
29:34Und dann merkt er eben, dass er doch irgendwie gesund wurde hier.
29:37Ich weiß es ja nicht.
29:38Das Klima und diese ...
29:40Einfach, dass er den ganzen Kram hinter sich gelassen hat.
29:43Es gibt ja auch eine Freiheit dann.
29:46Sag ich nicht.
29:47Der Ines?
29:48Wer ist das?
29:51Ich fühlte mich ihm irgendwie sehr nah.
29:53Schon von Anfang an gleich.
29:56Und ...
29:58Da er ja auch eigentlich so einfach ist.
30:01Also nicht irgendwie so ...
30:03Ich empfinde ihn nicht irgendwie als verschrobenen Künstler.
30:06Oder so.
30:07Mit irgendwelchen Macken.
30:09Und was weiß ich.
30:09Also ich sehe ihn eigentlich gar nicht so.
30:12Er ist einfach ...
30:13Er ist einfach.
30:16Mit Ines ist er seit 1980 zusammen.
30:19Sie leben, zunächst in getrennten Wohnungen, doch nah beieinander,
30:23auf der Insel Teneriffa.
30:25Anders als La Gomera hat diese Insel schon damals einen Flugplatz.
30:30Denn zum Freisein wie ein Vogel gehört auch die Freiheit wieder wegzukommen,
30:35um sich um wichtige Dinge zu kümmern.
30:38Er sammelt Spenden für Spatzen, Hunde und ein Kinderheim.
30:44Und er hat ein Netzwerk für gute Nachbarschaft mitbegründet.
30:52In seinem Siedlung wohnen 3.000 Menschen und 1.000 davon sind Kinder und Jugendliche.
30:56Boah.
30:59Und mehr als 60% sind Ausländer.
31:03Ich bin auch Ausländer.
31:04Ja?
31:05Ja.
31:05Woher kommen Sie denn?
31:06Hier aus Deutschland.
31:07Aber da, wo ich wohne, bin ich Ausländer.
31:09Ah, das ist gut.
31:11Oft besucht er die Bundessieger des Wettbewerbs für gute Nachbarschaft.
31:15Hier die Lenz-Siedlung in Hamburg-Elmsbüttel.
31:18Das ist ja tierisch, ja?
31:22Schön, auf die andere Seite zu gucken, zur Stadt.
31:25Das lohnt sich aber echt.
31:29Wir werfen jetzt einen ganz kleinen Blick auf unsere Bauwagensiedlung.
31:32Da wohnen Leute?
31:33Ja.
31:33Da schmeißt du doch jedes Hochhaus weg.
31:35Hier, sowas hab ich auch noch nie gesehen.
31:40Das ist aber schön, Teufel ist das schön.
31:44Guck doch mal.
31:46Janosch, das ist doch deine ...
31:47Das ist doch das, was ich immer fotografiere und male.
31:51Du musst unbedingt das dann nehmen.
31:54Hier, guck dir das an, das ist doch ein Wahnsinn.
31:58Das sind die schönsten Bilder meines Lebens.
32:00Alles Gute.
32:01Wir sehen uns, wenn ich wiederkomme.
32:03Ja, ja.
32:05Gerne.
32:06Da möchte ich auch wohnen.
32:08Das ist doch eine hochinteressante Wohngemeinschaft, Mensch.
32:21Wenn er nach Deutschland kommt, besucht Janosch stets seinen Drucker.
32:25Zweimal im Jahr ist er bei ihm, auch um seine Bilder zu signieren.
32:37Die Arbeit des Druckers interessiert Janosch bis ins Detail.
32:41Er ist in die gesamte Herstellung eingebunden.
32:44Nimmst du überhaupt keine Druckfarben mehr?
32:47Doch, doch, das mischt sich irgendwie.
32:48Also bei bestimmten Farben ...
32:50Und die verdragen sich.
32:51... zum Beispiel dieses Zinnober, das ist durch absolut nichts zu ersetzen.
32:54Das ist einfach so toll.
32:57Hinter der Spaßfassade, die jeder mag und jeder kennt und die wahnsinnig nett und toll ist, steckt ein unglaublich tiefsinniger
33:08Mensch.
33:08Das kann man an den Radierungen, wenn man sie genauer betrachtet, auch sehen.
33:16Herr Janosch gibt mir manchmal, oder ist das Anweisungen, die aus einer gewissen Poesie rauskommen.
33:24Also zum Beispiel kann ich mich an einen Spruch erinnern, der Hintergrund soll leicht sein wie ein Schmetterlingsküsschen.
33:34Ja gut, was fange ich mit sowas an?
33:36Entweder ich habe ihn verstanden oder ich habe ihn nicht verstanden.
33:39Es geht einfach darum, eine bestimmte Stimmung herzuzaubern.
33:46Ich wusste gar nicht, dass der Telfix so lange drüber nachdenkt, was der hier tut.
33:51Ich versuche hier nicht zu denken und du denkst, was das Zeug hält.
33:58Die Technik der Farbradierung ermöglicht Janosch, scheinbar Improvisiertes darzustellen.
34:08In der Kunst, sagt er, gibt es keine Grenzen.
34:13Weder für Tiger und Bär, noch für die Bavaria.
34:20München ist bei seinen Besuchen in Deutschland seine erste Anlaufstelle.
34:25Hier verkauft ein Galerist seine Bilder.
34:27Dieses Bild, das ich selber letztendlich gar nicht begreife.
34:33Ich weiß nicht hundertprozentig, worum es sich handelt, was es ist, aber die Figuren sind sehr magisch.
34:40Schauen Sie erschreckt oder schauen Sie?
34:44Sie müssen in eine Fastenkur gehen, dann geht der Bauch weg, dann können Sie besser denken und dann können Sie
34:50das begreifen.
34:51Dann kann ich das begreifen.
34:53Herr Janosch, Sie helfen ja niemals.
34:55Sie interpretieren Ihre Bilder nicht.
34:57Aber da hat er ja auch recht, weil das Bild muss für sich sprechen letztendlich.
35:01Und auch was offen lassen.
35:03Ich bin unheimlich gemein gegen den.
35:05Das gemeinste Bild über den Handler ist das da.
35:09Ja.
35:10Das nehme ich jetzt ab.
35:12Und dann müssen Sie den Gruß auch sagen.
35:13Das nehme ich jetzt ab und zeige es Ihnen.
35:18Der Titel steht hinten drauf.
35:21Den muss aufs Bild.
35:22Was mein Mann den ganzen Tag faselt.
35:26Aus dem Jahr 2006.
35:30Gesprochen von meiner Frau.
35:34Oft sind es die kleinen Geschichten, die hinter Janoschs Bildern stecken.
35:39Kindliche Malelemente sind enthalten.
35:41Das scheinbar Ungekonnte ist sein Stilmittel.
35:45Vieles soll bewusst unbeholfen wirken.
35:47Die Vorbilder sind Klee und Miro.
35:58Seine Zeichnungen und Bilder hängen nicht nur in Galerien.
36:02Sie sind auch im Alltag zu finden.
36:04Auf Postkarten und banalen Objekten.
36:09Mit seinen Kinderfiguren karikiert er die Welt der Erwachsenen.
36:14Hintergründig, humorvoll und oft provokant.
36:18Damit hat er sich nicht nur Freunde gemacht.
36:25Besonders die Darstellungen von Frauen in vielen seiner Werke
36:28spalten die Öffentlichkeit.
36:30Ihm wird Frauenfeindlichkeit vorgeworfen.
36:35Doch seine Werke dahingehend zu hinterfragen, liegt ihm nicht so.
36:41Ich hab versucht, sie schön zu zeichnen.
36:44Kam dabei nicht so Schönes raus.
36:47Irgendwann gab es ja auch mal Ärger wegen Kasper Mütze.
36:51Ein bisschen, ja.
36:53Die haben sich aufgeregt, dass Kasper Mütze keine Frau ist.
36:55An die zwei Seiten in einer Zeitung hat eine Frau geschrieben.
36:59Warum ist Kasper Mütze ein Mann?
37:05Warum?
37:06Gut.
37:07Warum?
37:08Warum ist er ein Mann?
37:10Weil er keine Frau ist.
37:13Weil Frauen sehen mit dieser roten Mütze ein bisschen blöd aus.
37:18Ist er überhaupt ein Mann?
37:19Nein, ist er Kasper.
37:23Aber man kann es ja zu einem großen Thema aufblasen.
37:29Macht Ihnen eine Provokation Spaß?
37:31Ja.
37:34Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber forderte sogar,
37:40Janoschs Bücher aus den Kinderzimmern zu verbannen.
37:43Angesichts dieses Taufbildes.
37:47Und Sie haben keine Bedenken?
37:49Weil Sie ja mal gesagt haben, Ihr Mutter sei aus dem Weg gehen.
37:53Doch, habe ich Bedenken dagegen.
37:54Aber ich gerate da hinein, ohne es zu wollen.
37:57Ich würde es lieber nicht tun.
37:58Aber wenn er das aufgreift, das ist ja schön.
38:01Dadurch kennt er mich wenigstens.
38:04Und dann sagt der Janosch, raus aus Kinderzimmern.
38:09Was bewirkt das bei Ihnen?
38:11Dass die Leute mir Bücher kaufen.
38:17Die Vermarktung seiner Figuren sieht Janosch zwiespältig.
38:22Obwohl er einige Produkte selbst entworfen hat
38:25und Merchandising nicht grundsätzlich ablehnt,
38:28würden seiner Aussage nach auch minderwertige Artikel produziert,
38:32mit denen er nicht einverstanden ist.
38:39Ja, das ist natürlich ein Dauerärger.
38:41Da kommen solche Scheißbücher, die eine Katastrophe sind.
38:45Und dann steht mein Name drauf.
38:46Und die Leute merken, das ist viel schlimmer.
38:49Die kaufen etwas und schieben mir das in die Schuhe.
38:53Also das tötet mich.
38:57Streit gibt es vor allem auch
38:59wegen der Vermarktung seiner bekannten Figuren auf Lebensmitteln.
39:05Also Sie sagen, es wurde einfach Leberwurst hergestellt.
39:08Und Sie haben nichts davon ...
39:10Die haben mir nicht mal ein Stück davon geschickt.
39:13Ich würde sie auch nicht essen, weil die Tigerenten, Leberwurst,
39:15da kriege ich ja das Kotze.
39:17Also das trifft einen schon.
39:23Wie gehen Sie damit um?
39:26Äh, ich versuche es an mir abgleiten zu lassen.
39:30Gelingt es?
39:31Ziemlich, ja.
39:32Wenn mich einer daran erinnert, dann nicht mehr.
39:34Aber sonst gelingt es mir.
39:37Was ist das schon?
39:38Das Leben ist ohne Ihnen 20, 30 Jahre zu Ende.
39:41Und dann war es gewesen.
39:45Nur zu gern zieht sich Janosch auf seine Insel zurück.
39:48Weit weg von den Ärgernissen in Deutschland.
39:52Vor Kurzem hat er ein neues Haus bezogen.
39:54Einsam gelegen im Hinterland.
39:56Und seine Ines hat er 2013 geheiratet.
40:00Da, wo ich wohne, ich wohne hier so seit drei Wochen ungefähr.
40:09Was heißt Cordius?
40:11Das heißt, hier darf man nicht auf den Boden pinkeln.
40:16Und die Tasche?
40:18Die Tasche, die kommt aus Ibiza.
40:20Schon mein Leben lang schleppe ich die seit 50 Jahren mit herum.
40:28Weil das war damals mein Reisegepäck.
40:30Ich hatte nichts anderes als diese Tasche auf dem Flugzeug.
40:33Sie nehmen wenig mit zum Reisen?
40:35Nichts, meistens nichts.
40:37Braucht nichts zu tragen.
40:39Da hinten ist das Kreuz.
40:41Wo kommt das her?
40:42Mexiko, habe ich auf dem Markt gekauft.
40:45Diese Sicheln, ist das nicht ein Traum?
40:48Die sind mit der Hand geschmiedet.
40:51Die waren alle in dem alten Haus drin.
40:54Schauen Sie sich das an, hier mit der Hand geschmiedet.
40:59Und dieser Vogel da, gell?
41:02Den habe ich Hand gefangen, Hand gefangen.
41:06Hat das was mit der Geschichte zu tun,
41:08dass Ihr Vater die eingesperrt hat?
41:11Ihr Vater hat sie eingesperrt und ein Tuch drüber gemacht
41:15und ein paar sind dabei gestorben.
41:18Und die anderen wollten nicht mehr fliegen.
41:25Es sind nicht nur die vielen kleinen Details aus seinem Leben,
41:30die untrennbar zu Janosch gehören.
41:33Das Einfache, das Wesentliche in den Mittelpunkt zu stellen,
41:37wie in seinen Bildern und Geschichten.
41:40Vielleicht kann er das hier am besten.
42:02Das Positive fing erst nach dem Krieg an, als ich 13 war.
42:08Weil da fängt die Lebenskunst an, dann musste man seine Tricks finden, um zu überleben.
42:13Was ist die Lebenskunst?
42:16Wenn ja ist gut und wenn nein ist auch gut.
42:22Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das?
42:24Mir fallen keine ein. Einen würde ich auf jeden Fall verschenken.
42:28An den, der einen Wunsch braucht.
42:31Ja, aber ich brauche doch nichts. Was soll ich mir wünschen?
42:35Ich würde mir wünschen, dass ich weiter nichts mehr brauche.
42:40Früher haben Sie mal gesagt, Sie würden sich wünschen, nicht mehr geboren zu werden.
42:44Hat sich das verändert?
42:47Ach, muss ich mir das wünschen? Vielleicht ist das von allein.
42:50Ja, also ein bisschen geboren würde ich schon werden, unter guten Umständen, wo es einen Sinn hat.
42:58Aber natürlich, klar, besser nie mehr geboren werden.
43:01Aber Sie haben so viel Glück gehabt und dann sagen Sie das trotzdem?
43:05Ja, das habe ich mir selbst geholt. Das habe ich nicht von Natur gekriegt.
43:10Glück muss man sich holen.
43:12Wie haben Sie das geschafft?
43:16Wenn ich das wüsste, indem ich nichts brauche, dann kann mir überhaupt nichts passieren.
43:31werde ich nicht mitgeividade.
43:33w진 sie auf óptige leben.
43:36Ich habe's предложiert.
43:37Ich bin mit angezogen und verbinden.
43:39Ich mache ein Dyzen bew Hund.
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