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00:00.
00:08Achtung, Kontrolle!
00:10Ja, das glaub ich geht.
00:12Ihr seid schon richtig weit, das ist super.
00:14Das kann ich mir ein bisschen einteilen darüber.
00:16Es ist immer noch ein Lernprozess.
00:19Mich selber zu lieben ist echt schwierig.
00:22Ich weiß selber, was ich für Macken hab.
00:26Und denke mir dann oft, es ist unglaublich.
00:29Es kann bestimmt auch bezaubernd sein.
00:33Aber ich hab schon viele Macken, die man ertragen muss.
00:39Vor 20 Jahren sind wir auch da.
00:42Aber vor 20 Jahren bin ich aufgetreten und da hergegangen.
00:49Dass sie einmal Schauspielerin werden würde,
00:52hat Corinna Binzer weder geplant noch erhofft.
00:57Es war in erster Linie einmal für diese Geschichte.
01:00Haben wir gesagt, das machen wir.
01:02Ob sich das dann für sie als richtigen Beruf entwickelt,
01:07das war nicht abzusehen.
01:09Hat man schon gemerkt, dass das eine Entwicklung nimmt.
01:11Genau.
01:12Dass da immer mehr, da kam immer mehr Spielfreude.
01:15Es war sehr unbeschwert,
01:16weil es war nicht der ernsthafte Gedanke, dass es wirklich spielt.
01:20Mit 36 Jahren stand Corinna zum ersten Mal
01:24mit Sepp Schauer und Hans Schuler auf der Bühne.
01:30Ganz kurz vor der Premiere hab ich mir gedacht,
01:32was tust du da eigentlich?
01:34Was machst du dir an?
01:36Du als Chefsekretärin, als Organisatorin,
01:39gehst jetzt da einfach auf die Bühne.
01:40Hey, wo bin ich?
01:42Wo geht's noch hin?
01:45Warum sitz ich da und sieg einfach vor mich hin?
01:51Mach diesen Sinn zu dieser Schicksalsmelorie.
02:02Corinna ist ein Münchner Kindl.
02:04Am 17. Januar 1967 im Münchner Osten geboren,
02:09wächst sie in einfachen Verhältnissen auf.
02:12Ihre Viertel sind Heidhausen und Berg am Leim.
02:23Die Trambahnhaltestelle Amfingerstraße,
02:26früher gelegen am Münchner Milchhof,
02:28ist der Verkehrsknotenpunkt der Kindheit.
02:31Corinnas Oma mütterlicherseits
02:33besitzt einen kleinen Lebensmittelladen.
02:35Der Opa ist Taxifahrer.
02:45Hier habe ich die ersten Jahre meines Lebens verbracht.
02:48Als ich auf die Welt kam, waren meine Eltern noch nicht verheiratet.
02:50Also haben sie auch noch nicht zusammen gewohnt.
02:52Und da oben, im dritten Stock, waren meine Uroma,
02:57meine Omi und mein Opa, meine Mama.
02:59Und ich haben da zu viert gewohnt.
03:02Ihre Mutter Helga ist erst 21,
03:05ihr Vater Reinhard 25, als Corinna geboren wird.
03:09Sie fühlen sich noch nicht reif für ein Kind.
03:11Erst nach der Heirat 1970
03:13ziehen die Eltern zusammen.
03:15Nach Unterhaching.
03:17Jedoch ohne Corinna.
03:18Ihre dreijährige Tochter lassen sie unter der Woche
03:21bei den Großeltern in Berg am Leim.
03:23Sie arbeiten beide ganztags und gehen abends gerne aus.
03:27Das da gegenüber, wo das so bewachsen ist,
03:31sicht man von hier noch zwei Balkone.
03:34Und der oberste Balkon, wo so ein Rankengitter ist,
03:36das war der Balkon von meiner Omi.
03:39Und der Balkon war auch mein Kinderzimmer.
03:41Meine Omi, die hatte schon eine gewisse Strenge
03:44und hat mir auch nicht alles durchgelassen.
03:46Also diese Verwöhn-Omas.
03:51Da waren die Garagen.
03:53Und immer, wenn mein Opi heimgekommen ist,
03:55der hat dann, nachdem er Taxifahrer war,
03:57in der Großmarkthalle gearbeitet,
03:59dann ist er reingefahren und hat gehupt.
04:01Dann sind die ganzen Hausfrauen runter zum Auto,
04:03weil er von der Großmarkthalle mitgebracht hat.
04:05Salat und Eier.
04:07Obwohl sie bei den Großeltern aufwächst, vermisst Corinna nichts.
04:12Im großen Innenhof sind jede Menge Spielkameraden,
04:16die das impulsive Mädchen als Anführerin anerkennen.
04:20Uroma, Oma und Mama, alle sind blutjung Mutter geworden.
04:25Die Großmütter übernehmen die Kindererziehung.
04:28Corinna lebt daher in zwei Welten.
04:30Nur am Wochenende ist sie bei den Eltern in Unterhaching,
04:33wo ihre Mutter heute noch in derselben Wohnung lebt.
04:38Bist du brav da drin? Da störst du keinen, gell?
04:42Magst du ein Halberts oder ein Kleins? So?
04:46Ich bin zum Friseur gegangen
04:48und mein Mann ist mit dem Kinderwagen dabei gefahren.
04:51Der durfte nicht stehen bleiben.
04:53Da hat die geschrien.
04:54Wenn er wieder losgefahren ist, war wieder Ruhe.
04:57Der ist eineinhalb Stunden bloß um meinen Nachttag.
05:00Scheint hat man Respekt vor mir.
05:02Auch wenn sie Angst haben vor dir.
05:03Das schadet nicht.
05:04Mein Vater war die Ordnung,
05:07also wenn Ordentlichkeit einen Namen hatte,
05:10dann Reinhard Binzer.
05:11Da gab es das Kinderzimmer
05:12und da hab ich gespielt nicht im Wohnzimmer,
05:16weil das hieß ja Wohnzimmer.
05:18Das Empfinden als Kind war das schon der strengste von allen.
05:22Meine Mama war dann immer die Harmoniebedürftig
05:26und dann öfter hab ich gesagt, ja, dann lass sie halt und so.
05:30Und ja, also mein Dad war schon der strengere.
05:33Der hat in den 70ern schon ein bisschen was von Tarantino gehabt.
05:37Weil mein Dad war klar in seinen Ansagen und in seinem Verboten,
05:43ist man als Kind irgendwann so überdüber und das hat dann nicht so gepasst,
05:48während die Familie schaufgekopft hat.
05:49Da war es dann einfach zu laut und dann kam die Ansage,
05:51da sitzt ich halt, ich mach Pulver aus dir.
05:54Und dann setzt du dich als Kind da hin und traust dich nicht mehr atmen,
05:57weil du Angst hast, dass du das restliche Leben in einer Dose verbringen musst.
06:01Es ist schon so, dass ich eine Burg um mich rum hab mit Zugbrücken,
06:06die ich dann runter lass, wenn ich meine, dass ich jemandem zutrittgewehre.
06:11Doch ich bin schon eine sehr empfindsame Seele.
06:14Ich kann mich sehr schnell eigentlich verletzen,
06:20was ich dann aber in dem Moment vielleicht auch gar nicht zugib.
06:25Aber ich bin schon ein sehr sensibler, empfindsamer Mensch.
06:31In der Grundschule ist Corinna eine aufgeweckte, fröhliche Schülerin.
06:36Sie verehrt ihre Klassenlehrerin, Fräulein Bauer, die sie fördert
06:40und die sie schließlich als erste ihrer Familie aufs Gymnasium schickt.
06:47Dort muss sie sich umstellen.
06:49Viele verschiedene Lehrende, neue Fächer, viele ältere Mitschüler.
06:56Ich bin dann ins Gymnasium gekommen,
06:58da war ich dann auch immer noch bei meiner Omi.
07:00Da gab's dann Jugendliche, da war halt niemand daheim Nachmittag.
07:04Und die haben dann immer gesagt, das ist total cool,
07:05da muss man nicht lernen und so.
07:06Da hab ich mir gedacht, ja, das war für mich auch eigentlich cool.
07:11Und dann war das irgendwie nur ein Telefonanruf,
07:17wo ich dann zu meiner Omi gesagt hab, dass ich nicht mehr kommen möchte.
07:20Das würd ich vielleicht gern rückgängig machen,
07:22weil das hat das sie einfach nicht verdient.
07:28Ich hab's auch nicht mehr geschafft, dass ich mich entschuldige,
07:30was mir auch wahnsinnig leid tut.
07:32Bei diesem Anruf ist Corinna 14 Jahre alt.
07:35Sie stößt damit ihre wichtigste Bezugsperson von sich
07:38und ist von da an unter der Woche auf sich allein gestellt.
07:43Vier Jahre später ist ihre Oma tot.
07:47Ich glaub, ich bin's jetzt nicht mehr so,
07:49aber ich war früher schon eine Davonläuferin.
07:54Also so Vogelstrauß-Taktik vielleicht.
07:58Wenn man einen Kopf in den Sand steckt,
08:00dann wird man selber nicht gesehen und dann sieht man nicht die Kummer.
08:06In der Schule ist das schon angegangen,
08:09wenn ich einen Verweis gekriegt hab oder schlechte Noten gehabt hab.
08:13Corinna verändert sich.
08:15Rotzlöffler, aufnüpfiger Rotzlöffler.
08:17Also ich möchte kein Lehrer von mir selber gewesen sein.
08:21Respekt schon, aber immer diskutiert, alles hinterfragt.
08:25Und ich hab gemerkt, das unterhält die Klasse,
08:28dass ich mir selber dabei ins eigene Fleisch schneide.
08:31Dann hab ich natürlich wieder einen Verweis gekriegt.
08:33Und alle anderen haben gelacht,
08:35aber das war mir eigentlich wichtiger als das,
08:37dass ich dann einen Verweis gekriegt hab.
08:38Nach zwei Direktoratsverweisen und zu schlechten Noten
08:42wird Corinna der Schule verwiesen.
08:46Das ist dem rebellischen Teenager nur recht.
08:49Sie wechselt auf die Mädchenrealschule
08:51und ins wilde Teenager-Leben.
08:54An ihrer Seite Freundin Andi, mit der sie die Diskotheken unsicher macht.
08:58Heute noch besuchen die beiden gerne 80er-Jahre-Partys.
09:02Die Corinna, wenn sie den Raum betreten hat,
09:05das war immer lustig mit ihr.
09:07Es war immer was los.
09:09Die konnte einfach ganze Tische unterhalten damals schon.
09:13Und sie kommt gut an bei den Jungs.
09:17Die ersten, mit denen ich zusammen war,
09:19die haben alle Motorradl gehabt, mit denen bin ich rumgefetzt.
09:23Dann war ich auch Teil einer damaligen Rocker-Clique.
09:28Das war für mich ein Abenteuer.
09:29Ich hab nie als Jugendliche die Vorstellung,
09:33mal eine Braut zu sein, Kinder zu haben,
09:37so das klassische Familienbild.
09:49Wir waren dann aus und da gab's jemanden,
09:53der mir vom Aussehen her genau nah an meinem Traummann war.
09:59Diesen Mann will sie, um jeden Preis.
10:04Ich hab ja, wie man auf gut bayerisch sagt,
10:06schon immer recht große Goschen gehabt,
10:08die ganze Bar unterhalten.
10:10Und dann hat mit ihr gesagt,
10:11bist du wirklich so oder tust du nur so?
10:14Und dann hab ich gesagt, musst du halt dann ausprobieren.
10:19Das war diese Anziehung in diesem Moment.
10:23Und das musste einfach passieren.
10:25Da hat sich irgendwas, wenn man entladen sagt,
10:29das ist ja schon wieder so furchtbar,
10:31da hat sich was entladen.
10:32Und ich wollt's genauso wie er.
10:33Das war mit dem einzig so eine Sache,
10:37die nie wieder mit irgendjemand anders so in der Form passiert ist.
10:42Ja, wohl hat er eine sehr durchschlagende Wirkung,
10:47weil dabei die Miriam entstanden ist.
10:53Die 17-jährige Corinna wird schwanger.
10:56Von einem einzigen Mal.
10:57Sie macht die mittlere Reife und will eine Lehre beginnen.
11:01Bei einer Routineuntersuchung fällt auf,
11:04dass sie schon im siebten Monat ist.
11:07Das glaube ich war auch mit meiner Schwangerschaft,
11:10dass ich das auch sehr spät, wirklich sehr spät erst gemerkt hab.
11:14Aber dann auch einen vielleicht nicht merken wollen und verdrängen.
11:18Also das kann ich schon sehr gut verdrängen.
11:21Und vor allem ganz viele Sachen
11:22morgen mit mir selber ausmachen zu müssen.
11:26Zuerst haben wir es ja lange nicht gewusst.
11:28Die hat das gut verheimlichen können.
11:30Wie meinen Sie, dass sie es gewusst hat?
11:33Ich glaube schon.
11:36Oder wollte es auch nicht wahrhaben.
11:37Aber ich denke schon, irgendwie merkst du es ja.
11:40Aber das schien wir weg.
11:42Ich glaube, so war das.
11:43Und so war das ja bis zum siebten Monat,
11:46wo es aus ihrem Zimmer kaum rausgegangen ist,
11:48dass wir nichts merken.
11:51Bis dann hat es zu meinem Mann gesagt,
11:52das stimmt ja, irgendwas stimmt nicht.
11:54Das hast du ja dann angesehen.
11:56Aber da hat es bloß so rübergeschaut,
11:59dass wir es ja nicht sehen.
11:59Als meine Mama dann da war und der Arzt dann gesagt hat,
12:03ja, jetzt freuen Sie sich halt drauf.
12:05Also vertraut sie sich ihrer Mutter an.
12:08Die reagiert gefasst auf die Schwangerschaft
12:10der minderjährigen Tochter.
12:12Doch was wird der strenge Vater sagen?
12:15Wir haben uns dann am Abend getroffen
12:17und haben dann so beratschlagt,
12:19weil es gab ja da meinen Dad um Gottes willen.
12:23Mein Dad hat nie den Ausspruch getätigt,
12:25du, wenn du mal ein Kind heimbringst, musst du ausziehen.
12:28Ich schmeiß die raus.
12:29Aber selber ...
12:29Jetzt sag ich meinem Dad, ich bin schwanger.
12:31Dann sagt er, pack deine Koffer und schleich die.
12:34Sie bittet ihre Mutter, mit dem Vater zu sprechen.
12:39So, und jetzt geht gleich die Tür auf
12:42und mein Dad donnert rein.
12:43Und dann ist das alles ganz schlimm.
12:47Ich bin so am Badewanen reingesessen.
12:49Irgendwann muss ich aus dem Bad wieder raus.
12:52Und dann werde ich meinem Vater begegnen,
12:54weil er sitzt in der Küche mit Blick zum Bad
12:56und ich kann ihn ja nicht ignorieren.
12:58Und dann bin ich nach einer gefühlten Ewigkeit
13:01raus aus dem Bad und hab einen Versuch gestartet,
13:05ihn zu ignorieren und wieder in mein Zimmer zu gehen.
13:07Und das hab ich dann so zwei Schritte geschafft.
13:09Und dann hat er gesagt, geh einmal her.
13:11Und dann bin ich in die Küche rein.
13:16Und dann zieht er mich so auf seinen Oberschenkel zum Hinsetzen.
13:21Und dann setzte ich mich hin und dann hat er gesagt,
13:24was glaubst du eigentlich, wie ich bin?
13:27Ha? So Vorwurf und so.
13:30Mir die Tränen schon runtergelaufen.
13:33Und dann hat er gesagt, bis jetzt haben wir drei durchgefodert,
13:36dann werden wir vier auch durchgefodern.
13:38Das war's.
13:40Am 21. Januar 1985 bringt Corinna ihre Tochter Miriam zur Welt.
13:46Der leibliche Vater will keinen Kontakt zu seiner Tochter.
13:50Corinna fällt es schwer, sich auf ein Leben mit Kind einzustellen.
13:54Ich glaub, dass das für meine Mama eine katastrophale Situation war,
14:01als sie's erfahren hat, dass sie schwanger ist.
14:04Weil, also realistisch gesehen, und ich bin auch alt genug,
14:08dass ich damit wirklich gut umgehen kann,
14:10ist man in dem Alter einfach keinen Wunschkind.
14:13Das ist so tief verankert in der menschlichen DNA.
14:16Ja, das ist genau so.
14:18Nach Miriams Geburt empfindet Corinna keine große Mutterliebe.
14:23Hast du mich an den Füßen aufgehangen, an der Wäscheleine,
14:27um zu schauen, ob dieser Klammerknopf ...
14:29Nein, das war am Abend, gleich nach der Geburt.
14:33Ganz anders ihr Vater.
14:35Seine neugeborene Enkelin ist sein Engele.
14:38Für Mama Helga wird Miriam wie eine zweite Tochter,
14:41für die sie sogar ihren Beruf aufgibt.
14:43Sie ermöglicht Corinna, damit eine Lehre zu beginnen.
14:47Zusammen mit dem Baby wohnt Corinna weiterhin in ihrem Kinderzimmer.
14:52Sie sehnt sich nach einem eigenen Leben und einer Partnerschaft.
14:56Im Sommer 1985 begegnet sie dem Schauspieler Sepp Schauer.
15:03Ich glaub, das war bei mir im Lokal in Grünwald.
15:06Das hab ich sie zum ersten Mal bewusst wahrgenommen.
15:09Es war so ein Opala, da schau her.
15:13Und dann kommt dieser Sepp aus der Tür raus.
15:16Und dann hab ich mir auch ich, Corinna, sprachlos.
15:18Erstens einmal ist sie ja nicht klein.
15:22Und große Frauen ist einfach schon was Schönes irgendwie.
15:26Und dann hat er gesagt, ja, servus, wer bist denn du?
15:29Und ich bin mir vorgekommen, ich bin die Corinna.
15:34Ich hab halt einfach in erster Linie mal nur Grösgott gesagt.
15:37Weil ich zu allen Gästen ja immer Grösgott gesagt hab.
15:40Und dann war der Blick vielleicht um fünf Sekunden länger.
15:45Ich war selig.
15:48Dann denk mir, das ist er.
15:50Mit 13 Jahren hatte Corinna den Schauspieler das erste Mal
15:54auf einer Münchner Bühne gesehen und für ihn geschwärmt.
15:58Schnell entwickelt sich eine leidenschaftliche Affäre.
16:01Doch nach ein paar Monaten macht Sepp Schluss.
16:04Ich war damals 36, die Corinna war 18.
16:08Also das ist eigentlich keine Basis für eine ernsthafte Beziehung
16:14in diesem Alter.
16:16Weil die Interessen sind doch sehr unterschiedlich.
16:20Und wenn man ein bisschen ein Verantwortungsbewusstsein hat,
16:24dann muss man das für sich auch so sehen.
16:26So schön, wie das auf der einen Seite ist.
16:29Aber auf der anderen Seite muss man halt sagen,
16:31du darfst diesen Menschen jetzt mit 18 nicht einsperren.
16:34Das geht nicht.
16:36Corinna ist wieder die junge Single-Mutter.
16:39Sie bemüht sich, für Miriam da zu sein,
16:41will aber auf ihr eigenes Leben nicht verzichten.
16:45Natürlich ist es eine ganz schwierige Situation,
16:49wenn es eh nur einen Elternteil gibt.
16:54Und meine Mama hatte ja zum Glück dann auch die Möglichkeit,
16:58dass sie ihre Ausbildung und ihr Leben dann doch auch
17:01ein Stück weiter verfolgt, weil meine Großeltern halt auch so
17:04da dahinter gestanden sind.
17:06Es hat ja halt die Möglichkeit dann gegeben.
17:08Und dann bei den Großeltern zu sein,
17:10ist sehr schwierig zu verstehen in dem Alter.
17:14Heute kann ich das alles nachvollziehen.
17:16Aber natürlich war es da sehr schwierig,
17:18wenn auch die Mama nicht da war.
17:22Genauso wie früher Corinna wird auch Miriam
17:24von ihren Großeltern aufgezogen.
17:271989, Miriam ist gerade vier Jahre alt,
17:31bekommt Corinna von ihrem Chef ein tolles Angebot.
17:34Wenn sie in die Filiale der Firma nach Niederbayern wechselt,
17:38kann sie Chefsekretärin werden.
17:42Jetzt musste ich das natürlich auch mit meinen Eltern besprechen,
17:44weil da war die Miriam ja noch klein.
17:47Mein Chef hat in mich grenzenloses Vertrauen gehabt.
17:50Ich konnte mich einfach weiterentwickeln.
17:51Ich war Chefsekretärin und hab wirklich viel,
17:54viel selbstständig auch entscheiden dürfen.
17:58Sie zieht nach Münchsdorf in Niederbayern.
18:01Der Wechsel von der Großstadt aufs Land schreckt sie nicht ab.
18:05Zweimal die Woche fährt sie heim.
18:07Die neuen Kollegen nehmen Rücksicht darauf,
18:09dass sie eine kleine Tochter hat.
18:13Maria, Corinna.
18:16Schön, dass man zieht.
18:18Wir waren ja damals eine eingeschworene Truppe,
18:21kann man sagen, bei uns da in Münchsdorf.
18:24Und sie hat von Anfang an reingepasst.
18:26Sie war ja nicht aufs Mai gefallen,
18:29wie man mir in Niederbayern sagt.
18:31Sie hat auch rausgegeben können
18:32und hat wirklich sofort von Anfang an da reingepasst.
18:35Und selbst wenn sie mal irgendwie Reibereien gegeben hat,
18:41man hat ja einfach nicht böse sein können und nix.
18:43Über dem Dach ist das Chefbüro, oder?
18:46Ja, das ist das Chefbüro, das Linke.
18:47Das Linke.
18:48Und da, wo das Fenster auf ist,
18:50da bin ich gesessen vor seiner Tür.
18:53Wie der Zerberus.
18:54Es gab keinen Weg an mir vorbei.
18:58Aber man tat und sofort wieder.
19:00Ist der Karrieresprung auch eine Flucht vor Verantwortung?
19:04Danke.
19:05Ciao, ciao.
19:06Bitte, bitte.
19:07Wir sehen uns.
19:08Ganz grüß.
19:09Dankeschön.
19:18Auch wenn Corinna das Leben in Niederbayern gefällt,
19:22die Entfernung zu Miriam macht ihr zu schaffen.
19:25Ich bin einmal die Woche dann auch heimgefahren.
19:27Ich bin mittwochs meistens nach München gefahren.
19:30Eigentlich immer ein schlechtes Gewissen gehabt.
19:33Und die Miri hat mir dann aber immer ganz liebe Briefe geschrieben
19:36und Beudel gemalt.
19:37Dann habe ich nur ein schlechtes Gewissen gehabt.
19:39Aber das war dann so, dass das Wochenende ihrs war.
19:42Ich war dann am Freitagnachmittag daheim.
19:44Und sie hat dann bestimmen dürfen, was wir machen.
19:47Und meine Mama und meine Eltern waren dann so,
19:50wenn ich den Tag mit der Miriam verbracht habe,
19:52und die hat abends geschlafen, dann haben sie gesagt,
19:55du, und jetzt hau ab und jetzt geh fort.
19:57Es hat wehgetan und da war sehr viel Sehnsucht dabei.
20:01Und es gab eine Situation in der dritten Klasse,
20:05wo dann wirklich jemand auch gesagt hat, ja, wer mag dich denn,
20:10wenn nicht mal deine Eltern da sind.
20:13Diesen Schmerz kann Corinna ihr nicht nehmen.
20:21In Niederbayern wartet eine neue Liebe auf Corinna.
20:25Ein Mann, der sie faszinierend findet.
20:32Es war eine bisschen komplizierte Beziehung,
20:35weil er hat mir gesagt, er lebt in Trennung.
20:38Und er wird sie für mich trennen.
20:40Und er ist eigentlich schon getrennt, was man ja dann glaubt.
20:44Und wenn man dann auch verliebt ist, dann wartet man.
20:48Und dann wartet man.
20:50Und dann wartet man immer noch.
20:52Und irgendwann weiß ich nicht, ob ich dann das Gefühl hatte,
20:57ob ich mir nur beweisen wollte, dass ich es wert bin,
21:00dass sich ein Mann trennt.
21:02Und das hat er letztendlich nicht getan.
21:06Aber es war vielleicht schon für mich auch ein Grund,
21:11dass aus dem drei Jahr vielleicht Arbeit hier,
21:15dass da dann fünf Jahre draus geworden sind.
21:18Miriam mag diesen Mann nicht und reagiert sehr sensibel auf ihn.
21:24Sie war immer auch nicht gut drauf und nicht unbefangen,
21:28wenn wir zusammen waren.
21:29Das hätte mir eigentlich schon eher zu denken geben können.
21:32Aber ich war da sehr ignorant und egoistisch.
21:34Und das tut mir jetzt, wenn ich das alles so Revue passieren lasse,
21:38dann tut's mir eigentlich unglaublich leid.
21:41Corinna nimmt unverhältnismäßig zu.
21:43Sie kann ihrem Freund nichts recht machen.
21:45Und sie fühlt sich unglücklich.
21:49Um sich abzulenken und wieder ins Leben zu stürzen,
21:53sucht sich Corinna einen Nebenjob als Kellnerin
21:55am drittgrößten Volksfest Bayerns,
21:58in Karpfam in Niederbayern.
22:03Ich war das letzte Mal tatsächlich da, 1994.
22:08Das ist schon gut irgendwie.
22:10Ich geh eigentlich nicht gern auf Volksfester,
22:13weil ich auch keinen Alkohol trink und so.
22:15Aber jetzt, wenn ich so da bin,
22:17das Arbeiten auf einem Volksfest, das war schon ...
22:20Das hat schon was.
22:22Hier lernt sie Henrike kennen,
22:24die als Wirtin auf dem Volksfest ein eigenes Zelt hat
22:27und mit der sie noch heute befreundet ist.
22:29Ah, da muss ich gleich warnen.
22:33Ah, Marina, her!
22:38Natürlich ist das immer interessant,
22:40wenn man neue Mitarbeiter dabei hat,
22:43und dann haben wir gedacht,
22:44nein, das ist eine gestandene Frau,
22:48die bringt bestimmt da schon einiges raus.
22:52Und ich kann mich tatsächlich noch total gut erinnern,
22:55ihre ersten 14 Masse, die es wegtragen hat,
22:58mit einem Urschrei von der Theke weg.
23:00Also Wahnsinn!
23:03Im Festzelt ist sie stark und positiv.
23:07Doch im Privatleben sieht es ganz anders aus.
23:10Die Beziehung bringt Corinna an ihre emotionalen Grenzen.
23:14Ihr Freund lebt weiterhin sein Doppelleben
23:16und will sich nicht trennen.
23:18Ihr Wunsch nach einer gemeinsamen Familie mit Miriam
23:21rückt in weite Ferne.
23:24Ich wurde dann nochmal schwanger.
23:26Ich hab ihn dann natürlich angerufen und gesagt,
23:27ich bin schwanger.
23:28Und dann kam die Frage, von wem?
23:31Und das war für mich so ein Schlag ins Gesicht eigentlich,
23:35wo ich mir gedacht hab,
23:37man kann mir viel nachsagen, wirklich viel.
23:39Aber ich bin ungefähr die treueste Seele,
23:41die es gibt und in einer Beziehung auch die ehrlichste.
23:45Diese Frage, von wem, die hat ja alles impliziert,
23:48dass ich bloß, weil ich schon mal ein Kind gekriegt hab,
23:52alle fünf Minuten mit einem anderen ins Becken.
23:54Das hat mich so verletzt.
23:56Da hab ich mich dann ganz bewusst gegen das Kind entschieden.
23:59Dann noch ein Kind von einem Vater,
24:01der dann auch nicht bereit ist, für das Kind da zu sein.
24:05Das wollte er nicht.
24:06Und das war ganz eine schnelle, emotionslose Entscheidung.
24:13Endlich schafft sie es, sich zu trennen.
24:15Sie geht zurück nach München
24:18und macht einen weiteren Karrieresprung.
24:20In ihrer Firma wird sie Abteilungsleiterin
24:22für Messen international
24:24und hat ein eigenes Budget von zwei Millionen D-Mark.
24:28In ihrer Mitarbeiterin Tosca
24:29findet sie eine wirkliche Freundin.
24:32Ich hab in der Firma angefangen,
24:33es war mein erster Arbeitstag und stand da am Empfang
24:36und wurde so eingewiesen.
24:37Und dann ist die Lifttür aufgegangen.
24:41Ja, und dann kamen eigentlich erst mal nur Haare aus dem Leben aus.
24:46Viele, viele Haare.
24:48Und eine Frau dazu.
24:50Und die ist dann an uns vorbei gerauscht.
24:51Und am Donnerstag in der Früh erst dann reinkommen.
24:53Und er sagt, ich hab dich am Dienstag gar nicht begrüßt.
24:55Ich bin die Corinna, wo kommst du her?
24:57Und ich sag, sie aus Unterhaching, ja, sie auch.
24:59Von dem Moment an hat's passt.
25:01Zusätzlich zu ihrem Job kellnert Corinna am Oktoberfest.
25:05Sie bezieht eine Wohnung unter ihren Eltern.
25:09Doch mit Miriam gibt es ständig Streit.
25:14Eines Abends sieht sie im Fernsehen ihre Jugendliebe Sepp.
25:18Kann man Ihnen helfen?
25:20Nee, danke.
25:22Ich glaube, ich muss nur meine Geheimwaffe einsetzen.
25:25Alte Gefühle werden wach.
25:29Lachen Sie nur.
25:31Als ihre Mutter sie kurze Zeit später bittet, sie aus einem Lokal in Grünwald abzuholen, erschrickt sie.
25:37Es ist die Kneipe von Sepp.
25:40Corinna und Sepp Schauer begegnen sich nach 13 Jahren wieder.
25:46Das war im November 1999.
25:49Da ging's wieder los.
25:51Und zwar, indem sie nach Grünwald in mein Lokal kam.
25:54Ich hab was mitgebracht.
25:55Ich weiß nicht, ob du dich daran erinnerst.
25:58Oh, das weiß ich natürlich, was das ist.
26:03Das hast du auch gehabt, wie du gekommen bist.
26:05Sie stand da und ich kam aus der Küche und hab sie im ersten Moment gar nicht wahrgenommen.
26:10Dann hab ich gesagt, guten Abend, Herr Schauer.
26:13Also früher bin ich da anders begrüßt worden.
26:15So hab ich sie auch noch im Gedächtnis.
26:18Und dann hab ich mir gedacht, du, wenn du jetzt hinter deiner Theke rumgehst und mich in den Arm nimmst,
26:23dann wär ich ohnmächtig.
26:24Und so war's.
26:25Also ich bin fast ohnmächtig geworden, aber das weiß ich noch ganz genau.
26:29Und wie lässig ich dir dann, wo wir gegangen sind, meine Visitenkarten hingeschoben hab und gesagt hab,
26:35wenn du mal Zeit hast auf einen Kaffee, dann kannst du ja anrufen, muss nicht sein.
26:41Und von da ab hab ich mir das Telefon an den Körper transplantiert und du hast am Mittwoch drauf erst
26:47angerufen.
26:47Das waren viele Tage.
26:48Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn.
26:51Nach diesem Anruf kommt es zu einem Treffen und dann zu vielen weiteren.
26:55Doch Sepp erzählt Corinna schnell, dass er gerade aus einer langen Beziehung kommt und sich jetzt nicht festbinden will.
27:06Ist es wieder eine einseitige Liebe?
27:14Ein Rückzieher deswegen, weil ich ja keine feste Beziehung wollte.
27:19Der kann so viele Frauen haben, warum ausgerechnet ich?
27:24Das war ja ganz interessant, weil ich gesagt hab, ja, ich will aber keine Beziehung oder so.
27:29Nein, ich auch nicht, das ist mir nicht wichtig.
27:32Und dann fahr ich nach Hause und dann liegt vor der Haustür eine rote Rose, da liegt ein Zahnbürstchen und
27:39dieses Gefäß, wo die Kontaktlinsen rein kommen.
27:42Wenn du dich dann mit einem anderen Menschen näher beschäftigst, merkst du schon, was der alles hat und ob das
27:51passt oder in der heutigen Zeit sagt man, ob das matcht.
27:55Und ich hab mich dann auch mit ihr sehr wohl gefühlt, wenn wir unterwegs waren.
28:01Das geht schleichend.
28:02Ich war einfach total glücklich und hab mir gewünscht, dass das jetzt wirklich so bleibt und dass wir jetzt zusammen
28:13können.
28:13Und dann war es gleichzeitig so unglaublich, der Sepp, also dieser Sepp, den ich immer angeschaut hab in der Kellerschenke
28:22und dann einmal im Fernsehen und der sitzt jetzt da wirklich mit mir auf der Couch und wir haben jetzt
28:27gerade beschlossen, dass wir eine Beziehung haben werden.
28:31Kaffee kommt.
28:33Danke.
28:34Seit 15. März 2000 sind Corinna und Sepp ein Paar.
28:40Hätten Sie gedacht, dass der Christoph Salfeld so gewissenlos ist?
28:452009 ziehen sie in eine gemeinsame Wohnung.
28:49Sie führen eine Beziehung auf Augenhöhe, trotz des Altersunterschieds.
28:55Ja, fangen wir noch mal an.
28:56Das sind meine Töne manchmal, tatsächlich.
28:58Sie unterstützen sich gegenseitig, nicht nur, wenn sie mit ihm den Text für seine Rollen lernt.
29:06Corinna findet endlich eine eigene Familie.
29:08Wie sie es sich insgeheim immer gewünscht hat.
29:12Hi.
29:14Hi.
29:14Magst du was Süßes?
29:15Ja.
29:16Ernsthaft?
29:17Ja.
29:18Schau nicht hin.
29:20Die Sonntage gehören ihrer Tochter Miriam, deren Ehemann Marco, Sepp und Corinnas Mama Helga.
29:27Oh.
29:29Oh.
29:29Oh.
29:29Das ist ja noch nicht so richtig warm.
29:33Ja.
29:34Ja.
29:35Ihr Vater, dessen Liebling Miriam war, verstirbt 2010 an einem Herzinfarkt.
29:42Wenn sich die Familie trifft, ist der Vater in Gedanken dabei.
29:47Lesen.
29:47Die Verbindung von Corinna und Sepp ändert auch für Miriam Grundlegendes.
29:52Ja.
29:53Der Sepp ist nicht der Sepp, sondern der Sepp ist mein Papa.
29:57Deswegen sind es auch nicht Mama und Sepp, sondern es sind meine Eltern.
30:00Und ich bin so froh, dass die Mama einen Sepp hat, dass sie auch geheiratet haben.
30:09Und dass er jetzt halt, also er will zum Glück glaube ich gar nicht auskommen, aber jetzt
30:14kann er es sowieso nicht mehr und mich würde er auch nie wieder loswerden.
30:19So sehe ich das auch.
30:21Und auch als sie geheiratet hat, da habe ich ihr ein Vater-Tochter-Lied gesungen und solche
30:27Sachen.
30:28Also das ist von mir schon genauso.
30:31Wenn du ein Kind mit 15 kriegst, dann ist ja das Schwierigste, denkt man, schon ausgestanden.
30:40Und das Schwierigste war ja in der Pubertät wirklich die Mutter-Tochter-Beziehung, die
30:46jetzt wieder sensationell gut ist.
30:48Aber damals war es halt schwierig.
30:50Und da war es für mich relativ gut und relativ einfach mit ihr umzugehen.
30:57Mutter und Tochter haben sich ausgesprochen.
31:01Deswegen meine Mama bedeutet unheimlich viel für mich.
31:05Und ich freue mich, dass wir, klar hatten wir nicht das engste Verhältnis, als ich klein
31:11war, weil es auch von der Distanz her nicht so möglich war.
31:14Und haben es aber geschafft und da bin ich sehr froh darüber, dass wir es über die Jahre
31:20einfach so richtig aufbauen und gut aufbauen und jetzt wirklich vielleicht sogar ein besseres
31:27Mutter-Tochter-Verhältnis haben wie andere.
31:32I know it all.
31:36Ich hoffe, es schmeckt.
31:39Ich hab's mich dieses Mal ein bisschen anders gemacht.
31:42Also, einen guten.
31:45Einen guten.
31:45Einen guten.
31:46Dankeschön.
31:47Ernsthaft.
31:48Wenn's euch nicht schmeckt, kriegt ihr's mit home.
31:51Doch während privat das Glück einzieht, kommt sie beruflich in eine Krise.
31:55Corinna verliert ihren gut bezahlten Job.
31:58Sie arbeitet in Teilzeit bei einer Agentur und übernimmt die Organisation eines Bühnenstückes.
32:05Ja, das war für mich Aufregung pur, weil es war ja wirklich mein allererstes Mal.
32:12Und klar, Kulissen bauen, da waren wir ja dabei, wie entsteht jetzt da eine Bühne.
32:20Und weißt du, was das Beste ist?
32:21Darf ich's dir zeigen.
32:2520 Jahre Putzen.
32:28Die zwei haben die Kulissen gebaut beim Hans in der Werkstatt.
32:34Auch Sepp durchlebt in dieser Zeit eine berufliche Krise, hat kaum Rollenangebote.
32:40Zusammen mit seinem Schauspielkollegen Hans Schuler will er zwei Tschechow-Stücke auf bayerisch auf die Bühne bringen.
32:47Corinna interessiert, wie Sepp und Hans die Rollen erarbeiten.
32:50Gut, packen wir's.
32:53Bei den Proben liest sie den Text der noch unbesetzten weiblichen Rolle.
32:5920 Jahre nach der Premiere werden nun die beiden Stücke zum letzten Mal gespielt.
33:06Als wir beschlossen haben, dass wir diese beiden Tschechow-Einakter machen, hat uns schlicht und ergreifend eine Frau gefehlt.
33:13Ja.
33:14Und haben immer noch überlegt, wem könnten wir noch fragen.
33:17Dann, die eine haben wir gesagt, nein, die wollen wir nicht.
33:21Die andere hat dann wieder keine Zeit gehabt.
33:24Und du lässt ja dann Namen, Revue passieren.
33:28Und das hat alles nicht so richtig gepasst.
33:31Weil ich gesagt hab, du, wie geht's jetzt raus?
33:34Filmt man überhaupt?
33:36Meinst du, dass wir noch eine Frau finden?
33:37Und währenddessen haben wir aber schon geprobt.
33:40Und die Corinna war immer dabei und hat immer diesen weiblichen Part gelesen.
33:45Hat die Texte immer mehr verinnerlicht und hat sie immer mehr hineingesteigert und hat immer mehr diese Figur, diese Siglinde
33:54gespielt beim Lesen.
33:56Und darum rede ich auch mehr oder weniger von einem Zufall.
33:58Plötzlich hab ich mir gedacht, ja, da haben wir es ja eigentlich, unsere Siglinde.
34:03Und dann hab ich blauäugig gesagt, oh, freilich mach ich das.
34:07Erst später, als das dann gesickert ist, sag ich mal zu mir selber, spinnst du eigentlich?
34:12Was machst du dir da an?
34:14Ich mein, ich hab ja ganz einen anderen Job gehabt.
34:16Ich wollte ja nur das Theater organisieren, wo wir spielen, Einladungen verschicken, aber nicht selber mit auf die Bühne gehen.
34:24Und dann hab ich wirklich Muffensausen gekriegt.
34:26Und ich, mich wo keiner kennt, mit euch zwei, die immer im Fernsehen sind und ich soll auf so eine
34:33Bühne gehen und dann das Proben.
34:35Also mit dir war das Proben ja immer angenehm.
34:38Wenn wir zwei dann geprobt haben, dann hat er, naja, was heißt der Ton schärfer nicht, aber ungeduldiger.
34:44Bis ich dann echt das Buch irgendwann fast durch die Wohnung geschmissen und gesagt habe, dann such da halt doch
34:51eine, die es kann.
34:53Und dann hat er gesagt, ja passt, Drama, Kunst schon, jetzt können wir weiter proben.
35:02Das kennen sie, den Hupfhaufen.
35:04Schnaufen du da auch nicht mehr, schnell, Doktor, schnell!
35:10Jetzt hat er grad ein bissel gelebt.
35:13Ob Schauspielerei einmal ihr Beruf werden könnte, darüber denkt Corinna nicht nach.
35:19Was dieses Stück betrifft, hat sich unsere Spielweise nicht verändert und wir spielen das heute noch so, wie wir es
35:26vor 20 Jahren gespielt haben.
35:29Ich glaub, ich hab alle Gefühlswelten durchlebt. Ich weiß auch gar nicht, ob ich wirklich richtig geschlafen hab.
35:35Ja, ich hab deinen Finger gespielt.
35:36Weißt, ich mein, bei mir geht das mit Gefühl und zack.
35:39So, alles klar.
35:40Er hängt.
35:41Ich weiß, dass wir auch hier waren, aufgebaut haben, Generalprobe gehabt haben. Und da war ja niemand da, nur wir
35:49drei.
35:49Und da hab ich mich eigentlich ganz gut gefühlt. Weil das Schlimmste wäre für mich gewesen, wenn ich meinen Text
35:53nicht kennen hätte. Das weiß ich noch ganz genau. Und dann war das wunderbar.
35:57Ich probier.
35:58Ja, probier.
36:00Gut, und jetzt geht's auch entsprechend streng. So war's gut.
36:03Ist schief genug.
36:04Ja, ja, locker.
36:06Und dann sind wir heim und dann kamen wieder diese Zweifel. Warum tue ich das? Ich kann's ja eigentlich gar
36:13nicht. Und ich glaub, ich hab nicht wirklich gut geschlafen.
36:18Und dann hab ich in der Nacht auch geträumt, wirklich Albträume, dass ich auf die Bühne gehe und der Hans
36:23und der Sepp brennen Französisch.
36:26Und ich kann ja nicht Französisch. Also hab ich dann Angst gehabt, ich kann gar nicht mitspunnen. Also es war
36:30wirklich ein Gefühlschaos pur.
36:36Wie vor 20 Jahren steht Freundin Tosca Corinna auch heute zur Seite.
36:50Die anderen zwei haben halt schon improvisieren können, wenn da mal ein Hänger war oder was.
36:54Und das war natürlich von Corinna komplett schwer als Anfängerin.
36:58Mir sind Sachen durch den Kopf gegangen von, ich geh jetzt einfach nicht raus. Das kann ich nicht machen. Gibt's
37:04noch irgendwo einen Schnaps?
37:06Ich war hinterm Vorhang gestanden und hab mir echt gedacht, ich brauch jetzt glaube ich erst einmal einen Spuckeimer für
37:11Sie.
37:12Unmittelbar vor dem Auftritt wollte ich den ersten Satz, den ich gleich sagen muss, einfach für mich nochmal sagen, er
37:18war nicht da.
37:19Also in meinem Kopf war gar nichts und das war eigentlich total schlimm.
37:22Mein Gott, wenn ich da grad besser schlafen könnte, gell.
37:26Komm, geh ins Bett.
37:28Aber was das bloß ist, die Reißerei und das da an den Kopf und Leberweh und Nürnzirn und Lungensteher.
37:36Und neuerdings hab ich da an der Seite auch noch so ein Brennen, gell. Wahrscheinlich ein Mulzbrenner.
37:45Und dann ist er da. Der Moment, in dem Corinna zum ersten Mal vor Publikum spielt.
37:50Der Papst sagt zu mir, die Großkopf an, ich war auf einem Radstuhl, ich hab wohl dabei. Ja, der ist
37:57gut. Ja, Hupfaufbäderl.
37:59Sie merkt, wie sie sich langsam stabilisiert und ins Spielen kommt.
38:05Im Premierenpublikum sitzt auch die Regisseurin Steffi Kammermeier.
38:09Da hab ich die gesehen, da bin ich vor Verzückung fast vom Stuhl gefahren, muss ich wirklich sagen, weil die
38:15so eine Präsenz hatte.
38:17Das war unfassbar. Eine Frechheit, eine Derbheit. Also toll, weil sie diesen Charakter so was von direkt gespielt hat und
38:28Stolz auch.
38:29Und dann bin ich da raus und dann war das, ich bin mir vorgekommen wie eine Hochseilkünstlerin und das war
38:35ein super gutes Gefühl.
38:37Und dann die Verbeugung nach der Premiere, da hab ich mir gedacht, so, und das habt ihr jetzt davon.
38:42Das möchte ich jetzt immer haben und möchte immer mit euch Theater spielen.
38:47Nachdem ich ja die Komödienstadelbücher auch selber schreiben konnte, hab ich mir gedacht, jetzt schreibe ich da was rein.
38:53Und hab sie dann, glaub ich, im Februar 2004, mein ich, hab ich dann gesagt, du, wie wär's, probieren wir's.
39:02Ja, Holly, Spatzl, du musst dich jetzt mal trauen.
39:05Ja, wie denn?
39:06Mein Lieb kennt doch keine Grenzwurst. Hingeh, anpacker, zack, aus die Maus.
39:13Als ich angefangen hab, so mit den ersten Komödienstadel, war ich in einem Alter, das es gar nicht oft gab.
39:22Erstens durch meinen Dialekt noch und dann war ich noch nicht die alte, aber auch nicht mehr die ganz junge.
39:31Das werden sie auch noch nicht lustig machen, Herr Burgermeister.
39:34Für viele von uns ...
39:35Damals war's halt so, dass ein Regisseur auch noch sagen hat können, die hätt ich gern ...
39:39Aber Sie lassen da keine Zweifel aufkommen.
39:41Wie meinst du denn das?
39:42Die hat mir gefallen und hatte da noch mehr Mitspracherecht, wie's ja heut oft eben nimmer ist.
39:48Bistet denn Sie vielleicht jemand, der mir eineinhalb Stunden so was auf Sie aufpassen könnte?
39:52Und dann wirst du so weitergereicht und weiterempfohlen und oft fragst du, wie kommen die jetzt auf mich?
39:57Und das ist ganz toll.
39:59Bis hin, dass du dann mal in einem Münchner Tatort, auch wenn's nur eine ganz kleine Rolle war,
40:05für mich war die so sichtbar und das steht in meiner Vita drin, dass ich in einem Tatort mitgespielt hab.
40:10Also das ist unglaublich.
40:11Darf ich mich kurz setzen?
40:16Dankeschön.
40:19Die Lena ist jedes Wochenende gekommen und hat uns im Stall geholfen.
40:25Sie wollten ihr nach München, sie wollten wieder zurück.
40:30Ich bin bis zu einem gewissen Grad schuld, dass ihr Lebensweg ein ganz anderer geworden ist.
40:36Und wir wissen ja alle, dass Schauspielerei jetzt bei uns nicht was ist, was sehr hoch gelobt und sehr hoch
40:47bezahlt wird.
40:48Also schon, wenn du Arbeit hast.
40:50Das ist der schönste Beruf der Welt, wenn du Arbeit hast.
40:53Wenn du keine Arbeit hast, ist es nicht ganz so schön.
40:56Das ist eigentlich das Schlimmste für mich, dass dieses Nichtwissen kommt Arbeit oder kommt Chorarbeit, weil ich bin ja eine
41:06totale Planerin.
41:07Die Corinna ist Mitte 50.
41:09Schwierig.
41:11Schwierig für, sogar für Stars, mit Mitte 50 Arbeit zu bekommen.
41:17Dann ist sie bayerisch.
41:18Meine Agentin ruft an und sagt im leisen Ton.
41:24Du Corinna, es ist leider nichts geworden.
41:30Die Hauptrollen, die spielt jetzt die Ander.
41:37Ich spiel Verständnis, du nein, das macht mir nichts aus.
41:41Es war ja nur ein Casting und ich bin halt raus.
41:46Mit zwei, drei, vier Drehtagen ist es immer schwierig, so in Erscheinung zu treten, dass irgendjemand sagt, die brauche ich
41:57unbedingt.
41:57Schreiben hilft mir insofern, als dass ich damit immer Lücken füllen kann.
42:03Ich schaffe das, ich schaffe das.
42:06Hat sie keine Engagements, arbeitet Corinna an Soloprogrammen und entwickelt, auch zusammen mit Sepp, eigene Bühnenstücke und Drehbücher.
42:15Sie hat ihre Berufung gefunden.
42:19Viele meiner Träume haben sie bewahrheitet, dass ich mit meinem Traummann zusammen sein darf.
42:27Dann ist natürlich so ein Traum auch, dass aus deinem Kind ein guter Mensch wird.
42:32Und Miriam ist wirklich eine so wünschenswerte Tochter.
42:36Mein Traum ist es einfach auch, dass es so weitergeht mit uns als Familie.
42:41Und ein paar Träume soll man sich ja immer aufbewahren, weil es wäre ja schade, wenn man dann keinen Traum
42:47mehr hat.
42:59Musik
43:06Come on.
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