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00:01Was ist Liebe? Der von Platon erzählte Mythos besagt, dass am Anfang des Universums alle Menschen kugelförmig waren.
00:11Sie hatten zwei Köpfe, vier Arme und vier Beine und waren so mächtig, dass sie die Götter angriffen.
00:20Als Strafe teilten die Götter die Menschen in zwei Hälften und schwächten sie dadurch in ihrer Kraft.
00:28Dies führte dazu, dass seitdem alle Menschen unter ihrer Unvollständigkeit litten und ihr Leben mit der Suche nach der verlorenen
00:37anderen Hälfte verbrachten.
00:40Gibt es also wirklich eine andere Hälfte, die uns geistig und körperlich ergänzt?
00:47Wird unser Leben vollständig sein, wenn wir diesen Menschen gefunden haben?
00:53Wie fühlt sich das an? Ist das Liebe?
01:06Im Bett habe ich meinen Mann halt mal ganz ohne irgendwelche Hilfsmittel dazwischen.
01:13Da ist aber mehr Kontaktfläche möglich.
01:17Ich wollte nicht schnarchen, das tut mir leid.
01:44Das war einfach der Mensch, in dem ich mich verliebt habe und den ich klasse fand.
01:54Das finde ich so wunderbar unanstrengend, dass ich weiß, dass Kai sagt, was er will.
02:05Und ob man jetzt nur irgendwie einmal mehr aufs Klo oder nicht oder das ist mir so wurscht, das gehört
02:12so zum Leben dazu.
02:13Ich überlege mir ja auch nicht, jetzt habe ich Hunger zwischendurch.
02:17Oh nee, ist es anstrengend, mir jetzt ein Brot zu schmieren oder so.
02:21Ja, das macht man doch einfach und denkt da gar nicht so drüber nach.
02:25Und so denke ich auch nicht drüber nach.
02:28Oh.
02:30Oh
02:59What are you doing?
03:00I'm going to have to stand up for a monster.
03:04Oh, Klee-Poo.
03:07Yes.
03:31Kai kriegt morgens halt schon mal seinen Tee auf dem Klo.
03:36Da werde ich noch ein kleines Stückchen wacher oder auch nicht.
03:40Und dann läuft meistens auch dort im Bad ein kleines Radio noch so irgendwie.
03:44Das hilft mir ganz gut so in den Tag zu kommen, wenn da irgendwas dudelt.
03:50Und ja, und dann verschwinden wir in der Dusche gemeinsam.
03:54Ach, das haben wir ja schon immer so gemacht.
03:56Das ist erstens praktisch und zweitens schön.
04:01Ja.
04:02Manchmal ist es dann auch so, wenn ich irgendeinen Termin habe und Kai alleine dusche,
04:08das hat schon irgendwie sowas Professionelles.
04:12Also unglaublich unprivat und so auf Abstand, weil man ja nicht nass werden will.
04:20Wenn eine Person angezogen ist und die andere nicht, das ist irgendwie für mich inzwischen so seltsam geworden.
04:26Früher mit Pflegediensten war das der Normalfall.
04:29Aber inzwischen habe ich mich so gewöhnt an dieses Zusammenduschen und dabei quatschen und sich austauschen.
04:35Und ein bisschen weiter kuscheln und einfach das Duschen genießen.
04:41Und ja, und dann unterhalten wir uns dann doch weiter, während, weiß ich, ja, Körperpflege anziehen.
04:57Aufgrund meiner Körperbehinderung, die ich seit Geburt habe, konnte ich noch nie stehen, ich konnte noch nie gehen.
05:03Ich konnte mich nie selber anziehen, ausziehen, auf der Toilette versorgen.
05:07Das heißt, mein ganzes Leben lang machen das andere Menschen für mich.
05:10Am Anfang natürlicherweise waren es die Eltern und später dann eben Freunde, Bekannte, aber vor allem Zivildienstleistende.
05:19Und Teil von der Muskeldystrophie ist eben, dass es ein stetiger Kraftverlust ist.
05:26Die Muskeln, die sowieso schon von Anfang an nicht richtig aufgebaut worden sind, die bauen sich dann zusätzlich auch noch
05:33immer weiter ab.
05:34Dadurch, dass die Behinderung halt fortschreitend ist, werden auch die Bedürfnisse immer mehr.
05:43Eigentlich ist es egal. Man kann sowieso nichts machen. Es gibt keine Heilung, keine wirklich helfenden Dinge.
05:50Was man tun kann, ist einfach die Lebensqualität mit Physiotherapie noch ein bisschen zu stabilisieren.
06:00Es gibt einen Pflegedienst, also der auch den Schlüssel hat.
06:04Und der wird bei Bedarf dazu gerufen, also aber wenn ich nicht da bin oder wenn ich krank bin.
06:12Wir hatten aber auch mal den Fall, da lag ich dann im Bett und ich fand es anstrengender, dass der
06:16Pflegedienst kam und da rumgemacht hat und es so lange dauerte,
06:22wo ich dachte, nein, in der Zeit hätte ich den Kai aber auch fünfmal aufs Klo setzen können, ausziehen können
06:28und ins Bett legen können.
06:29Es hat mir echt wenig gebracht. Es fand ich störender, als wenn ich das selber gemacht hätte.
06:38Und ansonsten, also ich vermeide es eigentlich, dass der Pflegedienst kommen muss, weil ich von Kai einiges weiß, wie belastend
06:49es für ihn ist.
06:50Aber das muss er selber sagen. Also das ist für mich so ein Grund, dass ich Kai, also dass ich
06:57mein Leben ein bisschen um Kais Leben rum bastle.
07:00Ach, was heißt belastend? Also nicht wirklich belastend, aber ich empfinde es einfach als einen ungemeinen Luxus, eine echte Intim
07:06- und Privatsphäre zu haben.
07:08Aber es ist einfach was anderes, ob jemand jobmäßig daherkommt oder ob da eine enge persönliche Beziehung da ist und
07:15das Ganze ist nicht nur Arbeit,
07:17sondern einfach auch eine normale menschliche Begegnung, wo man miteinander redet und die Zeit zusammen genießt.
07:25Und zieht sie immer mal am Kopf.
07:29Die darf nicht an den Stellen drücken, wo du drücken darfst.
07:33Nee.
07:39Das ist komisch.
07:49Seit ich mit Anne zusammen bin, lebe ich gleich doppelt und dreifach so gerne in diese Leerstelle, wo so ein
07:56kleines Fragezeichen war so, hm, was mache ich jetzt mit meinem Leben?
08:02Da war plötzlich riesig viel Platz und Anne kam an und ich konnte es nicht fassen, es hat einfach gestimmt
08:11und es war für mich wie nach Hause kommen.
08:15Und das Gefühl war dann ganz stark auch bei unserer Hochzeit nochmal wirklich so auf einen Moment konzentriert, dieses tiefe,
08:25innere, seelische Durchatmen, so jetzt bin ich zu Hause.
08:28Ich hatte auch dieses Gefühl von nach Hause kommen oder eigentlich noch stärker, endlich fehlt mir jemand nicht mehr.
08:39Ich hatte mein ganzes Leben das Gefühl, mir fehlt ein Mensch.
08:43Dann habe ich Kai getroffen und dann war dieses Gefühl nicht mehr da.
08:48Da dachte ich so, jetzt habe ich ihn wohl gefunden.
08:52Wir beide sind in diese Beziehung reingegangen mit dem Bewusstsein, wir wissen nicht, auf wie viel Zeit es angelegt ist.
08:58Aber gut, das weiß ja niemand, das weiß kein Paar.
09:01Nur bei mir ist es halt schon eher vorgezeichnet, weil es hieß ja ganz am Anfang meines Lebens, ich würde
09:07wohl nicht älter als zwei werden.
09:09Und ja, jetzt werde ich dieses Jahr 50, also ich hatte schon viele Bonus-Tracks jetzt darüber hinaus.
09:14Wir sprechen ganz oft über den Tod und ich weiß auch von Kai, dass er vielleicht irgendwann mal einen Zeitpunkt
09:23ausmacht, wo er nicht mehr leben möchte.
09:26Also wo er wirklich nicht mehr leben möchte und wo er sich dann wünscht, dass der Tod eintritt.
09:32Und da weiß ich, dass ich ihn begleiten werde, egal wie er das dann gestalten möchte.
09:41Also für mich gehört das einfach zum Kai dazu.
09:58Ja, wollen wir da hin.
10:01Ei, wo ist sie denn?
10:03Meine Brille.
10:14Nimmst du doch mal das Etui, bitte.
10:18Equipment.
10:23Nach wenigen Metern betraten sie das Gebäude erneut.
10:27Durchquerten eine Art Abstellkammer, dann einen von flackerndem Neon erhellten Korridor, um schließlich ein paar lose Treppenstufen hinaufzugehen.
10:38Attilio immer dem Mann folgend, ohne dass ein Wort gesprochen wurde.
10:44An den Wänden saßen auf unbequemen Stühlen aus Metallgestellen junge Frauen mit sehr langen Fingernägeln, sehr kurzen Röcken und gegelten
10:54Haaren und warteten geduldig.
10:56Also ich finde es sehr spannend.
10:58Ich finde es einfach spannend, wie Kai vorliest und ich höre ihm wahnsinnig gerne zu.
11:03Und Anne ist eine sehr, sehr, wie soll ich sagen, engagierte Mithörerin und man kann sich dann auch so schön
11:11austauschen danach.
11:13Und was ich auch besonders genieße, ist, wenn es Bücher sind, wie das jetzt gerade, was wir beide noch nicht
11:19kennen, dann hat keiner einen Wissensvorsprung oder so, sondern wir steigen dann gemeinsam in so eine Geschichte ein.
11:26Also für mich ist es sehr wichtig. Mir fehlt auch sehr schnell was, wenn wir das eine Weile nicht tun.
11:34Es ist intensiver als zum Beispiel zusammen einen Film zu gucken, weil es über längere Zeit geht.
11:41Und jeder entwickelt beim Vorlesen seine eigenen inneren Bilder und über die sprechen wir dann auch. Und das verbindet sehr
11:56stark.
11:57War der Sonnenaufgang nicht einmal zu erahnen gewesen.
12:04Wir sind die idealen Blickableiter füreinander, sagen wir immer. Also wenn ich allein unterwegs bin, gaffen die Leute nicht an.
12:12Wenn Anne allein unterwegs ist, gaffen die Leute sie an, weil sie auch sehr unkonventionell wirkt.
12:17Und wenn wir gemeinsam unterwegs sind, dann haben wir den Eindruck, da wissen die Leute gar nicht, wo sie zuerst
12:22hingucken sollen.
12:24Und ja, Blickableiter.
12:28Also spießiger Erdbeeren.
12:30Spießiger Erdbeeren.
12:31Dann nehme ich einen spießigen Erdbeeren.
12:33Hast du was für dich gefunden?
12:35Mit Baiser.
12:37Rhabarber Baiser.
12:37Das dachte ich mir.
12:39Ich genieße es sehr, mich mit ihm auch so zusammen zu zeigen.
12:47Ich finde, das gehört einfach auch zu uns dazu.
12:50Und wenn das mal länger nicht ist, dann vermisse ich es sehr.
12:55Also ich finde, da fehlt mir einfach was.
12:58Also mir fehlt einfach ein Stück von mir selber, habe ich so das Gefühl.
13:02Meine bessere Hälfte, sagt man doch.
13:04Ja, ich genieße es natürlich auch.
13:10Ungemein.
13:11Zumal das jetzt wirklich für mich was sehr Besonderes ist, dass sich meine Frau mit mir auch gerne sehen lässt.
13:18Ja, und jetzt diese Selbstverständlichkeit.
13:22Es ist so selbstverständlich, dass ich jetzt erst, wo ich das erzähle, merke, ja, es ist wirklich was, was mir
13:29einen besonderen Wert darstellt.
13:54Ich bin jetzt schon seit längerer Zeit dabei, immer mal wieder in eine Retrospektiv-CD zu produzieren.
13:59Ich habe früher mal 20 Jahre lang sehr intensiv Musik gemacht, eigene Lieder geschrieben, bin auch damit aufgetreten.
14:06Kann ich jetzt aufgrund meiner Behinderungsentwicklung nicht mehr machen.
14:09Aber mir lag jetzt doch was daran, meine eigenen Lieblingsstücke von damals nochmal zusammenzufassen auf einer CD.
14:21Da hat sie das Saxophon mehr in den Hintergrund gerückt und etwas mit Hall, als wäre das, käme das so,
14:25weiß ich, aus einer Höhle, die nebendran liegt oder so.
14:28Entsteht halt eine ganz andere Stimmung, als wenn das so gleichwertig im Studio ist.
14:32Und ich dachte, es käme der Stimmung von dem Song wirklich sehr entgegen, auch gerade im Anschluss an Track 1,
14:38kommt sie dann als Track 2.
14:39Hier kommt die Stimme.
14:40Die Schatten starten ihren Lauf, vom Licht vorausgesandt. Die Bürger steigen.
14:49Immer noch raus.
14:49Die Stimme.
14:50Ja, ja.
14:52Immer noch.
14:53Der neue Tag erhebt sich sacht und schaudert.
14:58Auf dem Gesang?
14:59Ja.
15:00Probieren.
15:00Also ich glaube, die Textverständlichkeit leidet dann noch nicht drunter.
15:04Es war für mich eine Überlebensstrategie auch, weil es ist natürlich auch das Alter, wo alle anderen Kumpels unterwegs sind
15:10mit den Mädels im Schwimmbad oder sonst wo auf lauschigen Waldspaziergängen und dann auf einmal auf dem Hochsitz miteinander verschwinden.
15:18Das war jetzt nicht so ganz mein Ding.
15:21Und ja, so saß ich einfach zu Hause und hab Texte geschrieben, Lieder geschrieben.
15:27Also aus heutiger Sicht würde ich sagen, es war für mich wirklich auch eine Art, über diese nicht ganz leichte
15:31Zeit zu kommen, die für niemand leicht ist, aber es war dann halt mein Weg.
15:35Und ich will jetzt nicht sagen, dass alle meine Lieder nur Therapie waren oder so.
15:39Also ich glaube, ich habe es im Lauf der Jahre geschafft, dass es auch noch darüber hinaus eine gewisse eigene
15:45Qualität noch erreichen konnte.
15:47Aber der Antrieb am Anfang war ganz bestimmt, einfach irgendwie mit mir und der Welt klar zu kommen.
15:58Hallo Susanne.
15:59Danke für die Einladung.
16:00Aber sehr gerne.
16:01Hallo.
16:02Hallo Heike.
16:03Hallo.
16:04Jetzt komme ich zu dem ersten Lied, was sozusagen zur neuen Generation der Lieder gehört, wo ich sage, das ist
16:11mein erstes Lied, zu dem ich stehen kann.
16:16Und was ich auch immer noch singen würde.
16:19Und zu der Zeit hatte die Anne gerade drüben in der Wohnanlage, wo ich wohnte, angefangen zu arbeiten als Krankenschwester.
16:28Und hat durch die Tür hindurch, durch meine Wohnungstür hindurch gehört, dass da Musik war.
16:34Und dann hat Anne mich später, als ich mal irgendwie wegen pflegerischer Sachen mich gemeldet habe beim Pflegedienst, hat Anne
16:40gefragt, was war denn das für Musik?
16:42War das irgendwie Konserve oder war das Livemusik oder was?
16:45Da habe ich ihr erzählt, ja, ich habe da mit einem Bekannten gerade eine Aufnahme gemacht von einem ganz neuen
16:49Lied.
16:50Ja, lass mal hören.
16:51Und dann habe ich ihr also genau diese Aufnahme vorgespielt, die ihr auch gleich hören werdet.
16:57Ausgerechnet ein Liebeslied.
16:58Also man könnte es in einem Film nicht besser inszenieren.
17:06Und dann fand Anne das so schön, dass sie fragte, gibt es da noch mehr davon, von diesen Liedern?
17:12Da habe ich gesagt, ja, natürlich schon.
17:14Oh, komm, lass uns mal verabreden und so und dann Lieder anhören.
17:17Das war ein bisschen eine heikle Sache, weil eigentlich sollte kein Privatkontakt bestehen zwischen Pflegepersonal und Einwohnern.
17:23Aber, na Gott, wir waren groß und es war uns dann auch wurscht.
17:27Dann haben wir uns also ein, zwei Wochen später verabredet.
17:30Anne kam zu mir, mal eines frühen Abends.
17:34Und ich habe mir, so wie ich euch jetzt auch etwas vorspiele und erzähle, auch einfach erzählt und eine Aufnahme
17:39vorgespielt.
17:41Und dann sind wir zusammen essen gegangen.
17:43Da drüben, gerade in die damals noch existierende Pizzeria.
17:47Danach wieder zurück in die Wohnung, weiter Musik angehört.
17:49Und am Ende des Abends waren Anne und ich ein Paar.
17:53Ist doch schön.
17:56Der Schlüssel zu dem Ganzen war dieses Lied ausgerechnet ein Liebeslied.
18:00Und jetzt kommt der Hammer.
18:02Der Titel von diesem Lied ist ausgerechnet auch noch gefunden.
18:08Kai, ich weiß, du glaubst ja nicht an sowas, aber ich glaube ja an sowas.
18:12Oder?
18:13Ja.
18:14Da ist was.
18:14Also entweder, man kann so rum oder so rum denken.
18:17Entweder habe ich was geahnt und habe es vorweggenommen oder ich habe es vorweggenommen und habe es damit herbeigezaubert.
18:23Von woanders her.
18:24Es kam von woanders.
18:26Ich weiß, was ich meine.
18:29Ich habe es nicht im Internet bestellt.
18:31Nee, das ist nichts im Internet.
18:35Also, jetzt dieses Lied mit dem Titel gefunden.
18:38Eine Aufnahme von 2001 und wirklich aufgenommen und just den Nachmittag, wo Anne das dann gehört hat, durch die Tür.
19:12Ja.
19:15Ja.
19:16Ja.
19:16Ja, das muss ich nicht im Unfall an Leid verbringen.
19:19Was sein wird, das wird sich von selber ergeben, an Wege sind wir nicht gebunden.
19:27Was ich schon suchte, solange wir leben.
19:30Heute Nacht haben wir es gefunden.
19:35To live with Anne, is for me my life. So should it be, so and not different.
19:47Cheers!
19:49And you are good.
19:50You are good.
19:52And you are good.
19:52And you are good.
19:56It was very special to marry us, because it was first of all that was not natural.
20:01It was very obvious.
20:03I had it before not for necessary.
20:06I thought, if I find my partner, then...
20:08No, heiraten must not be.
20:10So was Spießiges.
20:12And it goes without it.
20:13And when Anne was there,
20:15I found it the naturalest and entschiedenest in the world.
20:22Also, I was not so long geschieden.
20:26And I thought, so heiraten is a Schwachfug.
20:28So was Bescheuertes.
20:31Wie kann man das machen?
20:32Ist es mehr Ärger als sonst irgendwas?
20:36Ja, und dann bin ich Kai begegnet.
20:39Und als er mich anschwurbelte nach ein paar Tagen,
20:45als wir an dem netten Abend des einen Liedes ein Paar wurden,
20:53dachte ich so, was will er eigentlich?
20:54Es ist doch klar.
20:56Ich dachte aber, was schwurbelt er dann so rum?
20:59Er ist...
21:00Klar würde ich den heiraten.
21:03Ich...
21:04Ja, das ist dann einfach so.
21:05Ich kann es auch leider nicht erklären.
21:08Und dass er keine Behinderung hatte,
21:11na und.
21:11Das ist was von Wurscht.
21:24Ja.
21:25Ja.
21:28Immer wenn wir mal hier vorbei laufen,
21:32nochmal Ja zu sagen.
21:34Also, zu dem Kurs gehört immer auch ein Ja.
21:38Und das ist einfach schön.
21:39Und das gilt immer noch.
21:41Ja.
21:51Ja, das ist ein ganz besonderes Jahr.
21:54Jetzt...
21:55Ich bin in diesem Sommer 50 geworden.
21:58Ein Jahr, von dem ich nie gedacht hätte,
21:59dass ich es erreichen würde.
22:01Und ich habe das auch wirklich wunderbar gefeiert.
22:03Es war einerseits sehr, sehr schön und sehr berührend alles.
22:09Aber ich habe danach dann wirklich gemerkt,
22:12jetzt ist die Kraft endgültig weg.
22:14Also, es hat mich dermaßen geschlaucht alles.
22:18Also, ich war ja vorher schon sehr angegriffen,
22:20kräftemäßig.
22:20Und dann bin ich wirklich zusammengeklappt einfach.
22:25Also, dann ging gar nichts mehr.
22:27Mich schreckt das nicht.
22:30Also, ich rechne damit, dass es so kommen wird.
22:36Ich habe auch so das Gefühl, wir haben eine Riesenchance,
22:39dass wir uns so kennen, wie wir uns kennen.
22:44Weil wir...
22:45Also, ich musste mich nie fragen,
22:47oh, möchte ich den Kai mal pflegen, wenn er pflegebedürftig ist?
22:52Stimmt.
22:52Was sich viele Paare fragen jetzt in unserem Alter,
22:57wenn sie sich zum Beispiel kennenlernen.
22:58Sie sind schon so über 50.
23:02Oh, könnte ich das?
23:05Ich habe schon oft von Freundinnen gehört,
23:08also, wenn mein Mann mal pflegebedürftig wird.
23:11Nee, das halte ich nicht aus.
23:12Und Kai und ich, wir haben jetzt schon den großen Vorsprung
23:16vor anderen Menschen.
23:18Wir wissen, wie es ist.
23:20Und es ist nicht schlimm.
23:23Und...
23:27Also, auch umgehen mit Schwäche von dem anderen.
23:31Kai hat mich auch schon total schwach erlebt.
23:33Der hat mich auch schon mit einem Burnout erlebt
23:36und mit einer Depression.
23:38Ja, ich...
23:39Das ist so ähnlich, wie wenn man sich irgendwann mal nackt sieht.
23:43Ja, dann weiß man, ah ja, der andere sieht so aus.
23:45Und so sieht halt eine depressive Seele aus von dem Liebsten.
23:52Also, wenn es so kommt, dass ich immer schwächer werde und schwächer werde
23:58und irgendwann sterbe und Anne ist bei mir und bleibt bei mir.
24:06Dann gibt mir das Sicherheit, Geborgenheit.
24:11Weil in der...
24:13In so einer extremen Schwächephase kann man einfach nicht mehr gut entscheiden.
24:17Und dann muss man andere für sich entscheiden lassen.
24:20Und das haben wir sowieso schon sehr gut geregelt.
24:24Und...
24:25Ähm...
24:26Nie deswegen schreckt es mich nicht so.
24:29Also, ich weiß, dass ich Kai begleiten werde.
24:32Egal, was kommt und wie es kommt.
24:37Ähm...
24:37Und...
24:38Dann geht es darum, dass Lebensqualität noch da ist.
24:42Und um mehr eigentlich nicht.
24:44Ich glaube, es kann einem nichts Besseres im Leben passieren,
24:48als dass man einen Menschen hat, der so zu einem steht.
24:55Das ist die stärkste Form oder der größte Beweis von Liebe.
25:00Aber, ähm, da...
25:00Ich merke immer, da werde ich dann ganz zögerlich noch viele Worte zu verlieren.
25:04Weil...
25:06Weil...
25:06Ich habe so das Gefühl, der...
25:08Ich kann der Größe dieses Geschenkes dann gar nicht gerecht werden mit Worten.
25:21Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben.
25:23Also, ich glaube, ich glaube, da kommt auch wieder was.
25:26Ich muss mir nur echt Zeit geben.
25:28Wenn ich jetzt eine Weile lang so zur Ruhe komme und wieder Stück um Stück Kraft sammeln kann,
25:33dann wird es irgendwann auch wieder gehen.
25:35Und dann platzte, just in diese tiefste Phase der allergrößten Schwäche,
25:42platzte dann die eigentlich freudige Nachricht,
25:45dass wir eine Wohnung kriegen können.
25:52Also, es war sehr, sehr anstrengend.
25:54Und ich spüre immer noch die Anstrengung in mir.
25:58Und bin völlig fertig abends.
26:01Also, ich habe...
26:01Ich nehme mir ganz viel vor, weil ich mich morgens noch ganz fit fühle.
26:04Und dann bin ich abends dermaßen fertig.
26:09Wir sind auch beide irgendwie dünnhäutiger geworden.
26:13Und es ist dann auch so, dass wir uns dann gegenseitig oft dann so diese Vorwürfe machen.
26:18So, ah, haben wir doch schon alles besprochen?
26:21Und nee, ist jetzt wieder anders geworden.
26:23Und das gehört natürlich dazu.
26:26Also diese Dünnhäutigkeit und dann so diese dazugehörigen Kommunikationsprobleme.
26:32Aber eigentlich brauchen wir es nicht.
26:34Also, da würde ich auch gerne manchmal so über meinen Schatten springen.
26:39Und dann kann ich das aber nicht.
26:40Dann bin ich einfach nur erschöpft.
26:44So, das habe ich.
26:46Habe ich.
26:47Habe ich.
26:49Habe ich.
26:50Das machen wir später.
26:52Das müssen wir auch nicht.
26:53Bauhaus lasse ich heute.
26:56So.
26:57Sperrmüll habe ich auch rausgestellt.
26:59Also dann.
26:59So.
27:06So.
27:07I'm going down one.
27:32So, I'm going to do a good one.
27:34Oh, that's cool.
27:35Du, ich glaube, ich gehe doch in die Küche am besten.
27:37Ja, wo?
27:39Ja.
27:40Oder meinetwegen ins Bad.
27:42Aber ich fürchte, ich werde sonst immer im Weg sein.
27:49Anne geht's auch oft nicht gut.
27:51Sie ist ja auch gesundheitlich nicht so ganz hundertprozentig fit.
27:56Und da gibt's auch zurzeit immer mal wieder schlechtere Phasen.
27:59Da mache ich mir um mich jetzt genauso Sorgen.
28:01Und dann reagiere ich irgendwie darauf oder versuche zu reagieren.
28:06Und dann ist Anne nicht zufrieden mit dem, wie ich reagiere.
28:10Oder dass ich überhaupt reagiere, weil es ihr lieber wäre.
28:12Ich ignoriere es einfach.
28:15Also, Anne kann am besten mit ihren Leiden umgehen,
28:18wenn man sie überhaupt nicht darauf anspricht.
28:20Was ich schwierig finde als Partner.
28:24Weil ich nehme ja auch Anteil und fühle mit.
28:26Und dann so zu tun, als wäre nichts.
28:29Fällt mir schwer.
28:30Also, Fiona sagt schon, im Schlafzimmer zusammenbauen.
28:34Es ist egal, wo sie sind.
28:35Ja, ich sag's dir nur.
28:36Ich sag's dir nur.
28:40Wir haben so verschiedenen Umgang damit.
28:43Ich steck dann da so in dieser Zwickmühle.
28:46Ich möchte es schon Anne würdigen in dem, was sie möchte.
28:51Halte am besten den Mund.
28:53Und gleichzeitig denke ich, ich will aber doch irgendwie auch unser Gemeinsames fühlen lassen.
28:59Und auch es benennen dürfen.
29:04Ich hatte mich ja sehr gefreut nach dem Umzug.
29:08Irgendwie neues Leben beginnend.
29:09Und ich wollte so richtig dann neu durchstarten.
29:12Und leider ging's in die andere Richtung dann.
29:14Ich bin pflegeintensiver geworden.
29:17Ich brauch einfach Anne viel mehr.
29:21Ja, das geht auch dann wirklich sehr rein in die Tagesplanung auch von Anne.
29:26Weil früher konnte sie problemlos viele Stunden auch mal weg sein.
29:29Und was unternehmen, erledigen oder so.
29:32Und jetzt müssen wir wirklich genau timen und so.
29:34Oh nee, da brauch ich dich wieder, weil das und das und das ansteht, notwendig ist.
29:42Ich hab das Gefühl, dass ich Kai noch viel näher bin als vorher.
29:54Vielleicht, weil ich einfach auch ahne, dass er mir abhanden kommen kann.
29:58Ich weiß jetzt im Moment wirklich nicht, wie sich das weiterentwickelt.
30:02Ob das jetzt ein Dauerzustand wird, dass einfach das bloße Sitzen schon ein Riesenproblem darstellt.
30:09Ich weiß es nicht.
30:12In manchen Tagen geht's in die Richtung, dass ich denke, und an anderen Tagen schöpfe ich wieder Hoffnung.
30:20Es ist grad wirklich so auf der Kippe.
30:23Wenn ich mir vorstelle, das Leiden wird immer mehr und immer mehr und immer mehr.
30:27Und ich weiß auch, wie zäh ich bin.
30:29Also einfach mal so eben von alleine sterbe ich nämlich dann doch nicht.
30:34Sondern man kaut da an diesem Leiden herum.
30:38Und ja, das ist nicht so meine Wunschvorstellung.
30:43Und natürlich, ich weiß nicht, ob ich Angst habe in dem Sinn.
30:47Aber es ist, was ist es eigentlich?
30:54Ein Unwillen, ein Zorn, eine Wut, ein Genervtsein und einfach ein, ich mag das jetzt nicht mehr.
31:03Und dann zwischendurch ganz große Traurigkeit.
31:08Es ist zwar nicht so, dass ich jetzt noch furchtbar viel zu tun hätte, das nicht.
31:12Oder ich habe nicht noch irgendwelche Projekte oder so, wo ich denke, oh je, ich hätte doch noch so gerne
31:16das und das gemacht.
31:17Das ist bei mir nicht so Thema.
31:20Aber einfach so mit Anne zusammen, das ist so schön.
31:23Und das zu lassen und zu verlieren, macht mich traurig.
31:28Ich vermisse Kai viel schneller, wenn ich, auch wenn ich nur bei der Nachbarin bin oder einkaufen bin.
31:40Dann ist so Kai, ich nehme ihn quasi mit und finde es unglaublich schade, dass er jetzt nicht da ist.
31:49Also so.
31:50Ich gehe in die Stadt und denke, habe aber auch so eine große Sehnsucht mit Kai zu sein
31:57oder mal wieder durch die Stadt zu schlendern.
32:01Und so ist es eigentlich so.
32:05Ich muss ihn schon ein bisschen in Gedanken mitnehmen.
32:08Und ich hoffe sehr, dass es wenigstens noch mal ein bisschen anders wird, sodass wir es noch mal machen können.
32:16Oder vor ein paar Tagen hatte Anne einen Termin, der einfach gar nicht verlegt werden konnte oder verändert werden konnte.
32:23Und da hatte ich eben jemanden hier, während ich im Bett lag.
32:27Und als ich merkte, so jetzt geht es zu Ende mit den vier Stunden, habe ich mich auch richtig so
32:31auf Anne gefreut wie in den ersten Tagen,
32:33wo man so ganz, ganz frisch verliebt ist.
32:37Diese Freude, die da in mir hochkam, war ja wie früher.
32:46Ja, wir wissen es einfach nicht.
32:49Ich glaube, kein Mensch weiß, was nach dem Tod kommt oder mit dem Sterben.
32:54Ich weiß nur, dass meine Toten, die wohnen alle bei mir im Herzen.
33:02Und da wird auch Kai einen Platz, einen ganz großen Platz einnehmen, wenn er mal tot ist.
33:09Deswegen bin ich so auch sehr gelassen.
33:17Und es gibt mir viel Kraft.
33:19Anne's Gelassenheit gibt mir total viel Kraft, weil mir die Gelassenheit in den meisten Momenten zurzeit fehlt.
33:38Ich habe ihm immer gesagt, egal was du mal vorhast, ich begleite dich.
33:44Was, glaube ich, beiden Seiten hilft, ist es erlauben, es zulassen, sagen, du darfst jetzt gehen, gute Reise.
33:54Unter diesem Abend leuchten und vor allen Dingen
34:01Wollen wir sie auf schauerfolgten Feldern neu verbringen
34:08Was sein wird, das wird sich von selber ergeben
34:11An Wegen sind wir nicht gebunden
34:15Ich habe ehrlich gesagt, bis einen Tag bevor Kai gesagt hat, jetzt geht es nicht mehr,
34:21auch immer noch gedacht, es wird ja noch ein bisschen besser.
34:26Also ich habe noch einen Tag vorher die Luft in dem neuen Rollstuhl ein bisschen weicher,
34:35also die Luft ein bisschen abgelassen, damit es ein bisschen weicher wird.
34:40Und dieses noch gemacht und jenes noch gemacht.
34:43Und ich dachte, ja, die nächsten Tage wird es nett, wir machen noch einen Ausflug.
34:49Ich sah uns wirklich schon draußen spazieren in der Stadt, im Café.
34:53Und dann kommt Kai an und sagt, geht nicht mehr.
34:58Und dann hat er mich gebeten, ganz schnell alles zu organisieren.
35:04Und innerhalb von etwa einer Woche hatten wir das organisiert.
35:10Da einen Termin, dass ich bei dem Schmerzarzt war.
35:13Also Kai konnte schon gar nichts mehr selber regeln, kein Telefonat mehr, nichts mehr.
35:19Es geht nur der eine Weg, auf Essen und Trinken zu verzichten.
35:24Es ist die einzige Möglichkeit.
35:27Und ich hatte ja auch alle Medikamente.
35:29Also ich konnte ihn, so wie er irgendwie merkte, jetzt leidet er zu sehr an Grübeln oder irgendwas.
35:40Dann konnte er mir sagen, du, ich will jetzt wieder mehr schlafen.
35:45Und dann hat er wieder was mehr zum Schlafen gekriegt.
35:48Oder ich habe ihm gesagt, du, ich glaube, ich leg dich mal schlafen noch.
35:52Und dann war er so ganz einverstanden.
35:55Also er ist oft auf die Sachen dann gar nicht mehr so gekommen.
35:58Da musst du an ihm schon vorschlagen oder so.
36:01Du, ich glaube, deine Schmerzen fangen wieder an. Ich gebe dir mal wieder was.
36:06Und dieses Zusammenspielen.
36:12Und das kann man, ja, das hat was mit einer Nähe zu tun, wo es einfach stimmig ist.
36:21Also wo es auch nicht bevormundend ist.
36:25Das muss man vorher gut absprechen, dass es nicht von meiner Seite aus nie bevormundend ist.
36:32Sondern das, und ich muss auch den Wunsch hören, unterstütze mich in dieser oder jener Weise.
36:39Es ist einfach wichtig, dass man es vorher abspricht.
36:43Sonst, ich hätte mich sonst nicht gut gefühlt.
36:46Ich hätte mich sonst bei jeder Morphium-Spritze in Frage gestellt.
36:51Will er das jetzt eigentlich wirklich?
36:54Oder will er wirklich so tief schlafen?
36:58Und es gehört natürlich Mut dazu, jemanden Morphium zu spritzen, wo man nicht weiß, stirbt der ja sofort davon?
37:11Oder lebt der noch ein bisschen damit?
37:14Das ist auch so eine Geschichte.
37:17Das weiß man vorher auch nicht.
37:21Aber ich konnte auch mit der begleitenden Ärztin alles besprechen.
37:26Ich konnte die immer anrufen.
37:29Sie hat sich regelmäßig gemeldet.
37:32Sie kam regelmäßig zu Hause besuchen.
37:34Und ich konnte wirklich alles, auch alle meine Sorgen besprechen.
37:44Ich war so einverstanden mit Kais' Entscheidung.
37:50Also ich nehme es einfach ernst, was mir jemand sagt, wie schlecht es ihm geht.
37:55Jeder hat die Freiheit, den Tod anders anzuschauen als Erlösung, als Freund, als Schwelle zu einer anderen Ebene.
38:07Die Beziehung hört ja nicht auf. Die ist ja da.
38:10Sie findet nur nicht mehr jetzt hier mit einem Körper statt.
38:14Sie ist ja trotzdem noch da.
38:17Ich finde halt so ein Abschied grundsätzlich viel gnädiger als Kai morgens tot im Bett zu finden, das ist für
38:27mich so etwas ganz Grundlegendes.
38:31Dass ich so ein Abschied, der geplant ist, von dem man weiß, der ist einfach, ich finde der gnädig.
38:43Von allen Dingen für die Hinterbliebenen und ich glaube auch für die Menschen, die sterben, weil so glücklich, so erlöst,
38:52wie ich Kai in dieser Woche erlebt habe, ist es einfach schön.
38:59Also wenn ein Mensch, der jahrelang Schmerzen hatte, mal sagt, es ist so toll, ich habe jetzt mal keine Schmerzen
39:06und danke, dass ich so sterben darf, das ist doch einfach wunderbar.
39:10Ja, ja, was will man mehr?
39:20Da ist Kai als Person und unsere Liebe und mehr ist da nicht.
39:29Alles drumherum ist abgefallen, wie ein verstaubtes Buch, was man findet und dann mal schüttelt und dann ist der Staub
39:38weg und dann ist das wieder schön.
39:48Never habe ich irgendetwas in meinem Leben für Kai geändert. Nie. Gar nie.
40:00Und wenn andere Menschen das anders sehen, dann ist es denen ihr Problem. Ich weiß, dass das andere Menschen anders
40:08sehen, aber das ist mir auch egal. Ich weiß, wie es gewesen ist. Und Kai weiß das auch.
40:22Es ist jetzt über ein Jahr her und komme jetzt nach einem Jahr eigentlich erst so zur Ruhe, dass ich
40:31merken kann, was das für Veränderungen in meinem Leben eigentlich bedeutet.
40:36Wie erschöpft ich bin. Und diese Erschöpfung hat natürlich was mit Zusammenleben mit Kai zu tun, aber es fing schon
40:47sehr viel früher an.
40:49Ich habe sehr viel Scheu gehabt, das mal genau anzugucken, weil ich dachte, wenn ich da so hingucke, dann verrate
40:58ich Kai.
41:01Ich möchte nicht, dass irgendjemand sagt, der Kai, ich hätte das alles nur für Kai getan. Das hat wenig damit
41:09zu tun.
41:10Ich würde es heute genauso wieder machen, so wie ich mit Kai gelebt habe.
41:19Und es ist eigentlich, ich habe gar nicht jetzt das Gefühl, dass ich Kai verraten würde dadurch, sondern es tut
41:26gut.
41:27Das ist aber der Wahrheit, der Realität, der auch vergangenen Realität ins Auge zu schauen, mir anzuschauen, um zu gucken,
41:39was ist denn noch für mich und mein neues Leben möglich.
41:44Und ich glaube, dass ich erstmal ganz viel ausruhen muss, wenn so erschöpft.
41:50Ich denke, dass Kai mich sehr gut eingeschätzt hat und wahrscheinlich auch den Berg an Energieschulden, die ich so aufgeräuft
42:00habe, dass er den auch gesehen hat.
42:02Ich bin ihm so dankbar für seine Entscheidung.
42:05Also wenn ich unterwegs bin, dann ist er eigentlich immer dabei. Er ist aber viel mehr in mir dabei als
42:12früher.
42:12Also was mir natürlich fehlt, sind seine Gedanken, sein Blick auf die Welt, dieser Austausch, der fehlt mir einfach.
42:23Und jetzt denke ich immer so mit meiner neuen Frisur, wenn er die erlebt hätte, erstens mal hätte es ihm
42:29saugut gefallen.
42:30Und er hätte immer einfach meinen Kopf streicheln wollen.
42:38Da denke ich auch dran.
42:46Lieber Ingo, lieber Heine, ich schreibe euch noch als lebendige Anne.
42:52Wenn euch diese Zeilen erreichen, bin ich bereits verstorben.
42:57Meine Schwestern, die mich in meinen letzten Lebenstagen auf meinem letzten Weg begleitet haben, verschicken diese Mail mit der Anzeige
43:06im Anhang.
43:08Wenn ich an die Zeit denke, die wir miteinander verbracht haben, so erinnere ich eine Fülle und Dichte in unseren
43:16Begegnungen.
43:17Danke für eure Zeit.
43:20Ich bin sicher, dass wir miteinander verbunden bleiben.
43:24Vielleicht ist etwas ungesagt geblieben, aber es wird auf einer anderen Ebene einen Austausch geben.
43:32Diese Erfahrung habe ich seit Kai's Tod wiederholt erfahren dürfen.
43:37Innige Verbindungen bleiben über den Tod hinaus bestehen.
43:43In Gedanken und aus der Ferne und doch ganz nah und mit euch verbunden grüße ich euch.
43:49Anne
43:57Es ist Zeit für mich zu gehen.
44:01Zuzzeitig?
44:02Rechtzeitig?
44:03Für mich ist es die richtige Zeit, Abschied zu nehmen, denn meine Lebenskräfte sind aufgebraucht.
44:10So gehe ich selbstbestimmt und in Würde und blicke dankbar auf ein erfülltes Leben mit euch lieben Menschen und schönen
44:19Aufgaben zurück
44:22und schließe es ab.
44:29So
44:44Win
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