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00:00There were two Tote. In the one case, there were Schüsse on the Tatopfer.
00:06And in the other case, there was a Drücker to Tode quail, over Stunden away.
00:12The Morde are happening in the so-called Drücker-Milieu.
00:16It's going to be the end of the day-to-abonnements.
00:22The Drücker-Kolonne is a community.
00:26Over there is always the fear. The fear of attacks, the fear of Repressalien.
00:34That milieu is male, with a few exceptions.
00:38A woman is at the same time.
00:40She comes from the Porno-Branche.
00:43She had no perspective. In this Drücker-Milieu, she had someone to show.
00:48We had an Auftritt. We took it out. Lady Kalashnikov.
00:54She leads a life in a parallel world.
00:57In this context, she developed Größen-Fantasien and Allmachts-Fantasien.
01:04She thought, she could be about the Schicksals of other people,
01:08and at the end, about life and death.
01:09She would decide.
01:14I believe that this Mord in Westerwald
01:18is from Morddust.
01:19It just goes on!
01:37And it's all!
01:46It's all!
01:49All the light
02:06All the light
02:08September 1997.
02:11In a place in Ahlen
02:13It is found a life of a 47-year man.
02:17The police have been found in the case of Volkmar Granz.
02:27The man was just looking for the man.
02:34The man was just looking for it.
02:37The Spuren is clear.
02:43The police set a commission to explain the murder.
02:51Volkmar Granz has not only in the house
02:53but with a number of young men, sometimes also women.
03:04Who was this man and what was his life?
03:12The police begin their reports in the case of the inhabitants of the house.
03:16In the case of a brutal crime, a man, young, young and a man.
03:23The police close to this time.
03:30Volkmar Granz wurde in his own house erschossen.
03:35From someone who knew exactly how he came to the house,
03:39namely through the Veranda, and who he knew exactly how he knew about it.
03:45Did someone sue his boss?
03:47The police say the police are under the young men.
03:51They are called Drücker.
03:53They live by him and sell in his office Zeitschriften-Abonnements.
04:04Das Drückermilieu, soweit wir das ermittelt haben, ist quasi so eine Welt für sich.
04:10Über allen schwebt immer die Angst. Die Angst vor Schlägen, die Angst vor Repressalien.
04:18Anfang der 1990er Jahre leitet Manfred Hudala eine Sonderkommission,
04:23die gegen kriminelle Strukturen in der Drückerszene ermittelt.
04:26Die Verbindungen ziehen sich quer durchs Land, bis in den Westerwald und nach Süddeutschland.
04:34Und die Spuren von damals reichen bis in die Gegenwart.
04:43Volkmar Granz, das Opfer, war der Anführer mehrerer Drückergruppen und ein sogenannter Kolonnenführer.
04:50Es war meistens so eine Kolonne, so fünf bis sieben Mann stark.
04:55Es waren ja wirklich meistens Männer.
04:56Und der Kolonnenführer, der hat eigentlich nichts getan.
04:58Der hat halt einfach geguckt, wie das Geld dann reinkam.
05:03Und Volkmar Granz war eine Type, er hat nur ein Bein gehabt.
05:07Er hat nur auf einem Stuhl gesessen, auf einem Lehnstuhl.
05:11Und rumgeschrien, jedes Getränk, jedes Essen und so weiter.
05:14Und hat wie so ein König, so ein einbeiniger König hat er da geherrscht in seinem Imperium.
05:27Mein Name ist Verena Lugert, ich bin freie Journalistin.
05:30Und für Sterncrime habe ich die Geschichte über Lady Kalaschnikow geschrieben.
05:34Ich habe den Mitte 2018 angefangen zu recherchieren.
05:38Das ist also so, dass es 20 Jahre zurück lag damals schon.
05:42Verena Lugert konnte 2018 Ermittlungsakten und psychologische Gutachten auswerten.
05:48Aus mehreren Gründen wurden unsere Anfragen nach Akteneinsicht von der zuständigen Staatsanwaltschaft abgelehnt.
05:55Auch weil der Fall, Zitat,
05:57heute keinerlei Öffentlichkeitsinteresse mehr hat.
05:59Dass sie an dem Verfahren dennoch weiterhin ein spezifisches Interesse haben, kann an dieser Gewichtung aus meiner Sicht nichts ändern.
06:08Doch die Missstände von damals wirken bis heute fort. Einige Firmen sind nach wie vor aktiv. Darum leben bis heute
06:15Menschen in Angst.
06:17Drücker sind damals in ganz Deutschland unterwegs. In Gruppen, sogenannten Kolonnen, verkaufen sie Zeitschriftenabos an Haustüren.
06:26Scheine machen heißt das im Drückerjargon.
06:34Einer, der die Drückerszene kennt, auch wenn er nicht für Volkmar Granz gearbeitet hat, ist Tobi. So will er genannt
06:40werden.
06:44Ich bin hier nach Griechenland gekommen. Und zwar, weil ich einfach zu viel Angst hatte, in Deutschland zu leben.
06:51Über eine Zeitungsannonce gerät Tobi in eine Drückerkolonne.
06:55Sehr früh erkennt er, dass sein neuer Job und Chef ungewöhnlich sind.
07:01Ich wurde abgeholt und musste direkt meinen Ausweis abgeben.
07:05Dann war das das erste Mal so nach sechs Wochen, wo er dann schon eine andere Tonart gesprochen hat,
07:13dass ich jetzt anfangen muss, fünf Scheine pro Tag zu schreiben.
07:18Und das war so, wo ich gesagt habe, okay, hier stimmt was nicht.
07:22Weil zu dem Zeitpunkt hatte ich meinen Ausweis immer noch nicht.
07:24Und den habe ich auch nie wieder bekommen.
07:27Weil das ist von vornherein Menschenhandel.
07:29Sobald du deinen Ausweis abgibst und in das Auto einsteigst, ist Menschenhandel.
07:33Ja, Menschenhandel ist zunächst mal ein ziemlich großes, großes Wort.
07:37Aber ich denke, wenn Menschen gegen ihren Willen festgehalten werden und an einen anderen Ort gebracht werden oder gar verkauft
07:50werden,
07:51ja, dann ist das schon ein Handel. Und wenn sie so wollen, ja, Menschenhandel, ja.
07:59Auch Volkmar Granz sammelt die Ausweise seiner Verkäufer ein und übt Druck aus.
08:05Die Art des Mordes an ihm lässt vermuten, dass jemand aus seinem unmittelbaren Umfeld Rache üben wollte.
08:13Volkmar Granz wurde von hinten erschossen, wurde in den Rücken geschossen.
08:17Dann brach er zusammen, dann gab es drei Schüsse in den Kopf.
08:23Und dann wurde noch mit dem großen Küchenmesser, also jemand musste auch genau wissen, wo in der Küche das Küchenmesser
08:29war,
08:29mit dem großen Küchenmesser einmal die Kehle draufschnitten und so ist Volkmar Granz aufgefunden worden.
08:36Wer aber könnte einen Grund haben, sich zu rächen?
08:40Die Hausbewohner berichten der Polizei von Gewalt und Grausamkeit.
08:45Wer nicht gut arbeitet, bekommt nichts zu essen, darf nicht schlafen, sondern muss Strafarbeit leisten.
08:53Nächtelang müssen die Drücker Sprüche aufschreiben.
08:55Das ist üblich in der Branche, dass man also mit dem Drücker verkaufsfördernde Sprüche einübt.
09:03Dann muss er halt diese Sprüche, ich bin ein entlassener Strafgefangener, es wird auf die Tränendrüse gedrückt und appelliert an
09:11Mitleid und ähnliches.
09:13Muss dann diese Sprüche seitenlang aufschreiben, bis er die im Kopf hat.
09:20Strafaktionen sind auch in der Kolonne von Mordopfer Volkmar Granz üblich.
09:24Er gilt in der Szene als besonders brutal.
09:27Auch in anderen Drückerkolonnen ist Gewalt an der Tagesordnung.
09:33Natürlich habe ich einige Tage keine Scheine geschrieben und wurde dann extrem verprügelt, wo es dann zu einem Lungenriss, also
09:41zu einem Pneumothorax kam, wo mein Lungenflügel zusammengefallen ist.
09:45Das hieß, ich kam in einem Krankenhaus, wo ich in einer Einzelstube war.
09:50Ich war komplett abgeschirmt und da lag ich ungefähr zwei Monate drin.
09:54Und natürlich hat man oft mit dem Gedanken gespielt, irgendeine Arzt oder einer Krankenschwester was zu sagen.
10:01Aber es wurde auch gedroht. Er kennt die Ärzte, hat er gesagt.
10:05Und man kann dir ganz einfach irgendwas einflüssen, wovon du nichts weißt und dann bist du nicht mehr.
10:13Das Milieu ist brutal. Mit Einschüchterung wird Kontrolle ausgeübt.
10:34Und dann wurde ich eben angesprochen von so einem Typen, ob ich arbeiten will.
10:38Der hat mir so ein bisschen erklärt. 3.200 Mark, 3.600 Mark monatlich. So auf die Hand.
10:45Das große Geld landet nicht bei den Drückern. Dafür viele Probleme.
10:50Das größte, über kurz oder lang, wie kommt man aus dem Milieu wieder heraus?
10:55Der Bahnhof in Mannheim wird zum Ort der Hoffnung.
10:58Die Fahrkarte ist oft wirklich die einzige Lösung, dass sie aus diesem Gebiet rauskommen.
11:02Denn oft sind die Kolonnenführer, die nachsetzen und gucken, wo die geblieben sind und versuchen sie wieder hier aus dem
11:08Bahnhof rauszuholen.
11:10Über die Bahnhofsmission in Mannheim gelingt mehr als 400 Drückern die Flucht.
11:17Der Mann, dessen Engagement fast 15 Jahre lang den Drückern einen Weg aus dem Milieu ermöglichte, ist heute Rentner.
11:26Mein Name ist Roland Knüppel. Ich war Leiter der Bahnhofsmission in Mannheim und habe dadurch viele Drücker helfen können.
11:35Nachdem sich immer mehr junge Leute mit der Bitte um eine Fahrkarte an ihn wenden, will Roland Knüppel mehr über
11:41das Drückermilieu wissen.
11:45Ich habe versucht mit Leuten Kontakt zu kommen und da kam ein Kollege und unterstützte mich beim Recherchieren von Drückeraussteigern
11:54und so weiter und hat dann darüber einen Artikel gemacht.
11:58Und der wurde dann veröffentlicht und bundesweit bekannt.
12:01Roland Knüppel, Leiter der Bahnhofsmission, ist bundesweiter Drückerspezialist.
12:05Und auch meine Aufgabe wurde mir aufgetragen. Ich habe sie angenommen, obwohl ich wusste, dass es nicht leicht sein wird.
12:16Ich habe wenig Unterstützung bekommen, auch nicht bei den Kirchen. Die haben alle gesagt, da mischen wir uns nicht ein.
12:25Auch wenn dies nicht aktenkundig ist, so berichten einige Drücker von guten Verbindungen der Kolonnenführer und Drückerbosse zu kriminellen Kreisen.
12:37Das ist schon sehr gefährlich. Gerade weil die eben im Rotlichtmilieu tätig sind, in Großstädten mit den Hells Angels zu
12:44tun haben und wissen ganz genau, wen sie bestechen können.
12:47Und die können eine Person verschwinden lassen. Wer vermisst dich denn, wenn du alleine bist? Es vermisst dich keiner.
12:54Sie brauchen nicht nur mal über Grenze fahren oder sonstiges, an irgendjemand anders verkaufen.
12:58Natürlich ist es einfacher, Frauen zu verkaufen als Männer. Da habe ich auch genug von gehört, dass einige weibliche Drücker
13:04dann in andere Länder gelandet sind.
13:08Frauen im Drückermilieu sind abhängig von ihren meist männlichen Kolonnenführern und oft ganz besonders gefährdet.
13:24Wenn die Mädchen ihre 15 Stück am Tag nicht schafften, dann wurden die eben vergewaltigt von den Kolonnenführern. Da durfte
13:32jeder mal drauf.
13:34Auch in der Kolonne von Volkmar Granz gibt es Frauen.
13:42Eine davon ist Diana Alt, eine unscheinbare Frau.
13:47Doch ausgerechnet sie wird später in der Drückerszene für Aufsehen sorgen.
13:51Dabei beginnt ihre Laufbahn dort als stilles Mauerblümchen.
13:56Diana Alt ist 1976 geboren und war sehr, sehr jung damals.
14:03Die hat eine ganz klassische, vorkorkste Kindheit mit Eltern, die komplett wahllos durch die Republik gezogen sind.
14:11Es ist irgendwie komplett unklar, wann die, wo, wie gelebt hat, auch warum diese Umzüge so waren.
14:16Die ist wirklich so hin und her geworfen worden, hatte auch kein Ziel und gar nichts.
14:20Und auf einmal hat sich das Leben geändert mit einer Anzeige, die sie in der Zeitung liest.
14:26Zeitschriftenwerber werden gesucht.
14:27Ganz tolle Verdienstmöglichkeiten. Man möge doch einfach mal an folgende Adresse schreiben.
14:32Und Diana hat einen Brief geschrieben. Und dann hat sie ihr ganzes Leben geändert.
14:38Nach dem Brief meldet sich Volkmar Granz bei ihr.
14:41Er wirbt sie für seine Drückerkolonne an.
14:44Mit Aussicht auf guten Verdienst, freie Verpflegung und kostenlose Unterkunft bei ihm zu Hause.
14:50Diana Alt macht sich auf den Weg nach Aalen und erweist sich als erfolgreiche Drückerin.
14:57Sie hat also ganz schnell ihren Platz gefunden und war ja jung und hübsch und hat also wahnsinnig Scheine gemacht.
15:05Also die konnte ihre Aufsage gut sagen, die war gewieft, die konnte das super.
15:09Die hat ganz schnell gutes Geld gemacht, ihrem Kolonnenchef.
15:15Was ich soweit mitbekommen habe, ist, dass es Frauen, was den Verkauf an der Haustür anbelangt, gar nicht schwerer hatten.
15:25Ganz im Gegenteil. Sie werden als sympathischer empfunden.
15:30Man hat bei Frauen auch nicht unbedingt das Gefühl, dass man da über den Löffel barbiert wird.
15:36Also da hatten sie es durchaus einfacher.
15:41Zu den Drückern kommen meist Menschen mit wenig Perspektive im Leben.
15:58Es handelt sich in der Regel um Verlierer unserer Gesellschaft, um Menschen, mit denen es das Schicksal nicht gut gemeint
16:08hat.
16:08Also Menschen, die keine Familie mehr haben, die überwiegend bindungslos sind, die ohne Geld auf der Straße stehen.
16:18Diese Drücker, das waren meistens Männer, so absolut Versprengte, auch oft Obdachlose, ehemalige Knastis, ehemals Drogensüchtige.
16:27Die haben sich von einem Kolonnenführer anleiten lassen, also denen wurde Essen, Trinken, alles bezahlt.
16:34Und die sind dann so durch die Lande gezogen und haben einfach an Haustüren geklingelt.
16:40Und dann haben die Leute eben ein Abo abgeschlossen oder eben keins.
16:47Das Geschäft an der Haustür ist hart. Die wenigsten Drücker sind erfolgreich.
17:04Mit jedem Tag, den sie nicht genug Scheine machen, wachsen ihre Schulden beim Kolonnenführer.
17:10Das sind also die berühmten Scheine, die ein Drücker backen muss dann an der Tür.
17:15Aber wenn er es nicht schafft, dann wurden die Summen, die er hätte verdienen können, aufgeschrieben.
17:20Und wenn man so ein halbes Jahr dabei ist, dann sammelt sich natürlich ein Betrag an, der schon über die
17:27Tausende geht mit der Zeit.
17:30Offiziell übernimmt der Kolonnenführer Unterkunft und Verpflegung.
17:34In Wahrheit lässt er sich das teuer bezahlen, indem er den Drückern die Einnahmen der ersten fünf Vertragsabschlüsse pro Tag
17:41abzieht.
17:46Auch bei Mordopfer Volkmar Granz haben viele Drücker Schulden.
17:50War Geld das Mordmotiv?
17:59Experten schätzen in den 1990er Jahren die Zahl der Drücker auf rund 100.000.
18:05Viele wollen aussteigen.
18:07Doch je länger sie bleiben, desto tiefer geraten sie in das Milieu.
18:11Eine Welt, die ihre eigenen Regeln hat.
18:15Ein Leben on the road beginnt.
18:21Die Drückerkolonne bildet so eine geschlossene Einheit, eine Zwangsgemeinschaft, die dann in abgelegenen, vielfach heruntergekommenen Hotels untergebracht werden.
18:34Oder in so halbseidenen Pensionen, wo es sonst keine oder kaum Gäste gibt.
18:40Die Abschirmung der Drücker von der Außenwelt hat System.
18:44Auch Volkmar Granz achtet bei der Wahl der Unterkünfte darauf, dass sie möglichst abgelegen sind.
18:49Ohne Busverbindung, ohne Supermarkt, ohne realistische Chance zu entkommen.
18:54Oft teilen sich mehrere Drücker ein Zimmer.
18:57Wenn sie nicht unterwegs sind, wohnen sie bei Volkmar Granz zu Hause.
19:02Dort ist die Kontrolle lückenlos.
19:04Du hattest ja nur deinen sozialen Kontakt in dieser Drückerkolonne.
19:09Und das war einfach, du hast Angst gehabt.
19:13Du hast das überspielt, du hast den Leuten das nicht gezeigt.
19:18Es war auch sehr, sehr oft das Ordnungsamt da, die gefragt haben, alles okay, weil die sind ja auch nicht
19:23doof.
19:23Die wussten natürlich, was wir sind.
19:25Und man hat aber einfach die Angst gehabt.
19:28Und man wartet einfach auf den richtigen Zeitpunkt, wo du einen anderen Schritt gehen kannst, was ich dann später hingemacht
19:35habe.
19:36Erst nach vier Jahren wagt Tobi die Flucht.
19:40Es war schwierig und gefährlich.
19:42Die waren ja in Hotels untergebracht.
19:45Die wurden natürlich abends alle Türen zugeschlossen.
19:51Und meistens war es keine Barterzimmer, sondern im oberen Stockwerk.
19:55Also es gehörte schon viel Mut dazu, aus dem Fenster zu springen.
19:59Aber viele haben es versucht.
20:01Nacht und Nebel, also tagsüber, war es so gut wie keine Chance.
20:04Du warst ganze Zeit unter Beobachtung.
20:06Es wurden Leute bezahlt, die dich beobachten.
20:09Oder es wurde einfach ein Taxifahrer bezahlt, der ein paar hundert Mark gekriegt hat, um da die Kontrolle zu halten.
20:14Und du durftest eben halt niemals alleine weg.
20:17Das hieß, wenn du mal auf Toilette musstest, musste immer einer mit bei.
20:21Du hattest keine Chance abzuhauen oder Sonstiges.
20:26Über allem schwebt immer die Angst.
20:28Und das ist eben auch der Grund, warum Drücker sich nicht an die Polizei wenden.
20:34Und sie wissen auch, wenn sie weglaufen, dann werden wir gejagt, dann werden wir verfolgt.
20:41Und wenn man uns einfängt, setzt es härtere, weitere Schläge.
20:46Sie sind einfach gefangen in diesem Milieu.
20:54Ich hatte einen gehabt, den haben sie in den VW-Bus reingesteckt und auf der Autobahn die Tür aufgemacht, den
21:02Kopf runtergehalten.
21:03Wenn du wieder abbaust, dann fliegst du raus.
21:09Verschuldete, misshandelte, verzweifelte Drücker.
21:12Viele hatten ein Motiv, Volkmar Kranz zu töten.
21:16Doch es gibt noch eine weitere Spur.
21:19Der Kolonnenführer war ein großer Player im Milieu.
21:27Volkmar Kranz kannte alle, wenn man was sehen wollte in der Szene.
21:31Da hat man erst mal bei Volkmar Kranz angerufen, wurde vorstellig, hat sich ein bisschen einweisen lassen,
21:36hat auch irgendwie sich so unterrichten können, über wo was geht und so weiter.
21:41Und Volkmar Kranz, der zwar einer, der so wichtig war, der hat direkt mit den Zwischenhändlern verhandelt.
21:46Also der hat besonders viel verdient.
21:50Wurde er von einem Rivalen getötet oder gab es Revierkämpfe?
21:55Kranz hält sich nicht an die Hierarchie.
21:58Er überspringt die Subunternehmen und hat direkten Kontakt zu Vertriebsfirmen.
22:07Das System hat eine klare Struktur.
22:10Ganz unten stehen die Drücker, über ihnen die Kolonnenführer.
22:14Diese arbeiten für Drückerbosse, die eigene Werbefirmen betreiben.
22:18Sogenannte Subunternehmen.
22:20An der Spitze stehen die Vertriebsunternehmen, die die Abos im Namen großer Verlage verkaufen.
22:27Die haben sozusagen Deutschland aufgeteilt.
22:29Dann gab es natürlich immer in kleineren oder Großstädten wieder so kleine, die das auch gemacht haben, aber nicht mit
22:36so viel Erfolg.
22:38Viele Firmen versuchen auf dem boomenden Zeitschriftenmarkt ihr Glück als Vertriebsunternehmen für Abos.
22:44Zwei von ihnen machen das große Geschäft.
22:46Eine Firma im Süden und das dominierende Unternehmen, die Wolfgang Klenk KG.
22:53Sie existiert noch heute unter dem Dach der Klenk Group und soll weiterhin in umstrittene Geschäfte verwickelt sein, was sich
23:01noch zeigen wird.
23:03Tobi arbeitete in den 1990er Jahren als Drücker, nicht aber im Umfeld von Wolfgang Klenk.
23:10Diese Drückerbosse, die haben ja nicht nur eine Firma, die haben ja 10, 20 Firmen.
23:15Und die sprechen sich auch untereinander ab.
23:18Wir waren einmal bei einer Veranstaltung, da mussten wir alle hin und das war eine interne Veranstaltung von denen,
23:26dass die sich da erstmal ausgetauscht haben, welches Gebiet nimmst du, in welchem Bereich machst du das, warum stehst du
23:33in meinem Gebiet.
23:34Solche Sachen planen die alle zusammen. Es ist wie eine Mafia eben halt.
23:47Wolfgang Klenk ist einer der größten Player auf dem umkämpften Markt. Ein Mann, der noch öfter auftauchen wird.
23:59Mit Drückermethoden hat Klenk reichlich Erfahrung.
24:03Im Örtchen Meuth im Westerwald ein unscheinbares Gebäude. Klenks Machtzentrale, die Wolfgang Klenk KG.
24:11Von hier aus regiert er unzählige Drückerkolonnen und deren Bosse im ganzen Bundesgebiet.
24:18Das Unternehmen Klenk gibt es bis heute noch im Westerwald. Ebenso wie den Firmensitz in Meuth.
24:32Heute distanziert sich die Klenk Group auf ihrer Homepage von den Missständen im Drückermilieu.
24:39Aufgrund der vielen schwarzen Schafe in dieser Branche und der sehr eingeschränkten Kontrollmöglichkeit haben wir uns von dieser Art von
24:46Werbung distanziert.
24:51In den 1990er Jahren regiert er nicht nur das Drücker, sondern auch das Videothekengeschäft.
24:58Mitte der 1980er Jahre wird der deutsche Videoring gegründet. Klenk wird Geschäftsführer.
25:05Die Boom der Videobranche ist heiß umkämpft.
25:11Den 1. Oktober 1996 wird der Videothekenbesitzer Detlef K. wohl nie wieder vergessen.
25:17In dem Moment hörte ich Schritte hinter mir und einen ersten Schlag auf meinem Kopf,
25:22weil ich so schämhaft sah, dass da Leute auf mich zugelaufen kamen.
25:26Und von der Geräuschkulisse oder von dem Auftrampeln für mich schon klar war, dass sie nichts Gutes im Schilde führen.
25:32Das Schlimmste aber, Detlef K. ist für immer entstellt, die Ohrmuscheln beidseitig quasi amputiert.
25:40Detlef K. kontrolliert damals über 90 Videotheken.
25:44Gerade hatte er sich zum Wortführer einiger Videothekenbetreiber gemacht,
25:48die sich gegen die Geschäftsmethoden von Wolfgang Klenk wendten.
25:52Ihr Vorwurf? Preisdumping und unlauterer Wettbewerb.
25:57Sie wollen ein Gegenmodell zum deutschen Videoring aufbauen.
26:02Schnell steht Wolfgang Klenk im Verdacht, den Angriff beauftragt zu haben.
26:07Denn ihm hätte Konkurrenz am meisten geschadet.
26:14Neben seiner Beteiligung am deutschen Videoring und anderen Firmen aus diesem Geschäftswelt
26:19gehört ihm auch eine Produktionsfirma.
26:23Die Goldlight Production. Sie produziert Pornos.
26:28Auch dieses Geschäft lässt er sich nicht entgehen.
26:31Seine Firma Goldlight Filmproduktion in Bad Marienberg im tiefsten Westerwald
26:35produziert billige Massenware.
26:37Klenk drückte sie dennoch zu hohen Preisen ins Sortiment.
26:44Eine von Klenks Porno-Darstellerinnen ist Petra Falb.
26:49Sie hat eine kriminelle Vergangenheit, gilt als hart und rücksichtslos und es gibt eine Verbindung zu Volkmar Kranz.
26:57Könnte sie etwas mit seinem Tod zu tun haben?
27:01Denn sie will ins Drückergeschäft einsteigen.
27:03Die Verdienstmöglichkeiten sind noch verlockender als in der Porno-Branche.
27:14Es waren die 90er, Ende der 90er.
27:17Die Hefte waren dicker, die waren dreimal so dick wie heute, die Zeitschriften.
27:21Sie haben geplatzt vor Werbung.
27:22Die Verlage haben sich über noch und noch mehr Abonnenten gefreut.
27:26Und da hat sich dann auf einmal dieses Gewerbe gebildet.
27:32Vor allem in den neuen Bundesländern entsteht nach der Wende 1989 ein riesiger Markt für Zeitschriftenabos.
27:40Die Vertriebsfirmen wittern neue Absatzmöglichkeiten,
27:43während es zeitgleich zur Massenarbeitslosigkeit in den ostdeutschen Bundesländern kommt.
27:49Viele Jugendliche stehen plötzlich ohne Job oder Ausbildung da.
27:53Und auch im Westen steigt die Zahl der jungen Arbeitslosen Mitte der 1990er Jahre rasant an.
27:59Sie sind die perfekten Opfer.
28:04Auf der Suche nach einem Job landen sie in moderner Sklaverei, in den Drückerkolonnen.
28:10Viele seiner ehemaligen Drücker haben ein Motiv, Volkmar Granz zu töten.
28:18Auch die Drückerin in seiner Kolonne, trotz ihres Erfolgs?
28:22Diana Alt will weg, denn zwischen ihr und Granz kommt es zum Zerwürfnis.
28:31Obwohl es viele Tatverdächtige gibt, ermittelt die Polizei im Umfeld der jungen Männer, die bei Granz wohnen.
28:37Sie kennen sich am besten im Haus aus. Sie alle haben unter ihm gelitten.
28:45Volkmar Granz wurde in den Rücken geschossen und dann wurde noch mit dem großen Küchenmesser einmal die Kehle draufschnitten und
28:53er wurde bestohlen.
28:55Die Lederweste wurde mitgenommen, weil da Geld vermutet worden ist. Und Handys waren da drin.
29:03Für die Polizei eine vielversprechende Spur.
29:07Bargeld war nicht in der Weste, aber diese Handys waren ein bisschen was wert.
29:14Damals, Ende der 90er, da hat nicht jeder noch ein Handy gehabt, aber auch keine großen Wertgegenstände.
29:20Die Handys haben Signale ausgesendet.
29:24Als die Polizei die Handys orten kann, führt sie die Spur in einen kleinen Vorort von Gummersbach.
29:31In die Pension Jäger.
29:36Hier ist eine Drückerkolonne einquartiert.
29:39Die Polizei steht vor einem Durchbruch, die Handys werden sichergestellt.
29:45Während der Durchsuchung finden sie hier auch Waffen, die als Tatwaffen in Frage kommen.
29:52Allerdings rechnet niemand mit dem verstörenden Inhalt eines sichergestellten Koffers.
30:00Es waren Polaroid-Fotos, also in bestem Tageslicht bei Sonnenschein.
30:06Man sieht, wie ein junger Mann nackt ein Grab aushebt und sieht, wie er gefoltert wird.
30:17Das sind einfach Fotos von Folter einem jungen Mann.
30:24Auf den Fotos sind noch weitere Menschen zu sehen.
30:27Unter ihnen eine Frau, die sich als Lady Kalaschnikow einen Namen machen wird.
30:41Untertitelung des ZDF für funk, 2017
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