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00:07Es grenzt an ein Wunder, dass sie in dieser Dimension und Schönheit noch heute existiert.
00:15Die Dübener Heide, östlich von Bitterfeld, der ehemals schmutzigsten Stadt Europas.
00:24Täglich hunderte Tonnen Flugasche, Chlor und Schwefeldioxid rieselten zu DDR-Zeiten auf dem Mischwald, den größten in ganz Mitteldeutschland.
00:37Und trotzdem hat er nichts von seiner magischen Anziehungskraft verloren.
00:42Das Besondere daran ist die Artenvielfalt. Hier kann man viel beobachten. Man muss natürlich Zeit mitbringen, aber selbst wenn es
00:52nicht kommt, dann bist du hier in völliger Ruhe, Einsamkeit und das ist schon einzigartig.
01:00Seit 1992 steht die Dübener Heide als Naturpark unter Schutz. Es ist der erste Naturpark in Deutschland, der aufgrund einer
01:10Bürgerinitiative entstand.
01:12Und noch heute ist Naturschutz hier eine Herzenssache.
01:21Nach längerer Zeit war der Biber mal wieder aktiv und hat den Damm aufgebaut. Und damit wir hier nicht völlig
01:28versinken, muss ich das immer mal ein bisschen runternehmen.
01:34Biberdämmer auf dem Grundstück sind nicht jedermanns Sache. Hier hat man sich mit den Tieren arrangiert.
01:41Mittlerweile ist der Biber zum Wappentier der Dübener Heide avanciert.
01:46Zu DDR-Zeiten war er lukrativer Exportartikel in den Westen.
01:54Der Ursprung war, dass die Holländer das erste Mal in Dressi angezeigt haben, wollten Biber kaufen, 30 Stück.
02:01So, Baluta und haben gesagt, pro Biber 1400 Baluta, pro Altier. Und das war natürlich eine Bombe.
02:26Obwohl sie schon längst nicht mehr gefangen werden, halten die Biber die Menschen in der Dübener Heide auf Trab.
02:32Es gibt kaum ein Fleckchen, wo sie nicht zu finden wären. Spuren überall.
02:41Lange müssen Jörg Flemmig und Axel Mitzka nicht suchen. Der eine ist Fischer, der andere Naturschützer.
02:48Was sie beide verbindet, ist die Sorge um das Wasser. Denn das wird immer knapper.
02:55Doch jeder braucht es dringend. Der eine für seine Teiche, der andere für die Biber.
03:00Ja, theoretisch muss ich jetzt hier drauflegen. Du musst den. Ja, das ist ein halber Zentimeter vielleicht. Einer?
03:06Anderthalb. Anderthalb.
03:08Diesen Zentimeter gibt man in eine komplexe Formel ein und dann kriege ich den Durchfluss berechnet.
03:14Also wie viel Liter pro Sekunde oder pro Minute.
03:16Aber das ist schon extrem wenig jetzt. Das ist jetzt wenig, ja.
03:19Das ist extrem wenig, ja.
03:21Der heiße Sommer hat nicht viel übrig gelassen. Dabei muss Wasser fließen.
03:28Die beiden haben eine spezielle Pumpe installiert, die hier draußen im Wald, ohne Strom, Tag und Nacht das Wasser in
03:37Bewegung hält.
03:40Das ist eine Gravitationspumpe. Die nutzt die Energie des Wassers, um einen Teil des durchströmten Wassers anzuheben.
03:47Also gibt es viel in den Alpen zur Vielversorgung oben auf der Alm und auch in Entwicklungsländern zur Wasserversorgung.
03:53Wir nutzen das hier, um einen Teil des Wassers des Heidemühlgrabens auf eine höhere Ebene zu pumpen und dann läuft
03:59das in einen anderen Teich.
04:01So zumindest der Plan.
04:02Doch in der Dübener Heide kommt das Wasser oft nicht weit, nicht dort an, wo es gebraucht wird.
04:10Immer wieder blockieren Dämmer aus Ästen, Zweigen und Schlamm den Weg von Bächen und Gräben.
04:22Die Architekten der bis zu zwei Meter hohen und zehn Meter langen Bauwerke sind oft nicht weit und arbeiten im
04:30Frühjahr täglich an neuen Wassersperren.
04:37Denn Biber sind schlecht zu Fuß, haben oft große Mühe, an Land voranzukommen.
04:47Um ihr Revier bequem und ohne viel Energieaufwand zu passieren, brauchen sie das Wasser.
04:53Biber sind Faulpelze.
04:58Sie nutzen die Strömung und den Auftrieb des Wassers zum Transport.
05:08Damit können sie ihre Nahrungsquellen äußerst kräftesparend erreichen oder auch schweres Baumaterial aus dem Wald in ihre Burg transportieren.
05:20Gleichzeitig verschafft ihnen das Wasser enorme Sicherheit.
05:24Droht Gefahr, tauchen sie einfach ab.
05:31Wo dem Biber das Wasser fehlt, staut er es sich an.
05:35Wo sein Bibersee zu klein geworden ist, um weiter abgelegene Nahrungsquellen zu erschließen, legt er seinen Damm samt Biberburg einfach
05:44höher.
05:48Damit gelingt es dem Biber, sein Reich weiter und weiter auszudehnen.
05:53Ganze Wälder setzt er unter Wasser und schafft so neue Lebensräume für sich und unzählige andere Tierarten, die an das
06:01Leben im und am Wasser gebunden sind.
06:12Biber sind die Architekten der Dübener Heide und prägen ihr besonderes Gesicht.
06:18Doch das bringt hin und weder auch Probleme mit sich.
06:27Wenn man sich den Damm ansieht und man sieht, wenn der Damm voll bespannt ist mit Wasser, dann gab es
06:32einen Rückstrau bis auf die Grünländereien im Hintergrund und ein Grundstück.
06:37Also hier sind ja auch noch im Wald mitunter Wohngrundstücke, alte Mühlen, in dem Fall die Schmelzermühle.
06:42Mittlerweile ist das Problem gelöst. Eine Drainage im Biberdamm sorgt für den nötigen Abfluss, lässt aber gleichzeitig dem Biber noch
06:51genügend Wasser übrig.
07:00Wassermanagement ist in der Dübener Heide ein komplexes Thema, nicht nur aufgrund der vielen Arbeit mit dem Biber.
07:07Denn die Landschaft besteht aus einem breit gefächerten System von Gräben, Bächen, Teichen und Mooren, eines schöner als das andere.
07:17Mit botanischen Raritäten wie dem Wollgras oder einer der wenigen fleischfressenden Pflanzen in Deutschland, dem Sonnentau.
07:33Mit 77.000 Hektar ist die Dübener Heide fast so groß wie die Insel Rügen.
07:39Sie liegt etwa 50 Kilometer nordöstlich von Leipzig, zwischen Elbe und Mulde.
07:48Sie ist der größte zusammenhängende Mischwaldkomplex Mitteldeutschlands.
07:53Ihr größter Teil erstreckt sich in Sachsen-Anhalt, ihre südlichen Ausläufer bis nach Sachsen.
08:02Das Außergewöhnliche an der Dübener Heide ist, dass sie eigentlich gar keine Heide ist.
08:09So wie beispielsweise die Lüneburger Heide.
08:11Sie ist vielmehr eine Heide im ursprünglichen Wortsinn.
08:15Ein wildes, unbebautes Land.
08:21Im Zentrum ist sie nahezu komplett mit Wald bedeckt.
08:26Nur im Norden und Süden wird die geschlossene Waldlandschaft von Äckern und Wiesen unterbrochen.
08:31Hier prägt noch traditionelle Landwirtschaft den Alltag.
08:35Mit Weidevieh, das nicht im Stall, sondern tatsächlich noch auf der Weide grast.
08:48Die Dübener Heide ist ein Land, in dem die Zeit stehen geblieben scheint.
08:53Doch genau das macht sie so reizvoll und zum Touristenmagneten.
08:58Vor allem für viele Menschen aus dem Großraum Leipzig und Halle, die Ausflüge in die Heide machen.
09:05Einer, den es immer wieder von Leipzig in die Heide zieht, ist Knut Fischer.
09:10Und immer wieder gibt es dafür nur einen Grund.
09:18Im Wappenzeichen der Dübener Heide ist der Biber.
09:21Also bin ich auf die Idee gekommen, fährst du mal in die Dübener Heide, um einen Biber zu fotografieren.
09:26Aber ich habe gleich feststellen müssen, dass es gar nicht so einfach ist.
09:30Biber sind nachtaktiv, dämmerungsnachtaktiv.
09:35Und tagsüber lassen die sich fast überhaupt nicht sehen.
09:38Aber ich habe die Reviere gesehen, die die Biber geschaffen haben, die Habitate.
09:44Die Erlenbrüche. Und musste feststellen, dass dort die Kraniche brüten.
09:48Und seit 13 Jahren begleitet mich der Kranich.
09:51Ich bin ständig auf Kranich, Pirsch.
09:54Mein ganzes Fotojahr richtet sich im Prinzip nach dem Kranich.
10:00Die sumpfigen Erlenbrüche der Dübener Heide sind für Kraniche ein Paradies.
10:06Denn anders als Störche oder Fischreier brüten sie am Boden.
10:10Um im Frühjahr ihre Kinderstuben einzurichten, brauchen sie Flächen, die gute Deckung bieten, zugleich aber auch eine ausreichende Rundumsicht ermöglichen.
10:21Die vielen kleinen, von Wasser umgebenen Waldinseln aus Schilf und alten Baumstuppen sind dafür ideal.
10:29Und auch für Feinde wie Füchse oder Wölfe nur schwer erreichbar.
10:40Doch damit man ihnen hier so nahe kommen kann wie Knot Fischer, braucht es viel Geduld und vor allem jede
10:48Menge Glück.
10:52Es gibt die Arten, die man besser fotografieren kann, einfacher fotografieren kann.
10:56Beim Kranich ist es ein bisschen anders. Der hat eine Fluchtdistanz von 300 Metern.
11:00Das Wichtigste ist, den ein paar Tage vorher zu beobachten.
11:03Sich Notizen zu machen, diese vergleichen vielleicht sogar mit dem Vorjahr.
11:07Und dann natürlich muss man vor dem Kranich da sein.
11:11Also das heißt, wenn man ein Versteck hinstellt, dann früh bei Zeiten möglichst vor so einem Aufgang da sein im
11:17Versteck.
11:17Und dann gilt es warten. Und ich habe selbst schon 13 Stunden in so einem Versteck gesessen und nicht einmal
11:22den Auslöser getätigt.
11:24Also mit Plan ist da nichts. Man muss das nehmen, was man bekommt und das als Geschenk betrachten.
11:32Und manchmal versteckt sich in den Geschenken eine ganz große Wundertüte.
11:44Fast auf den Tag genau, einen Monat nach Bootbeginn, schlüpfen junge Kraniche.
11:52Da sich Knut Fischer den exakten Bootbeginn des Weibchens notiert hat, kann er diesen einzigartigen Moment einfangen.
12:04Kraniche sind Nestflüchter. Bereits nach 24 Stunden können sie laufen und werden mit ihrer Mutter das Nest für immer verlassen.
12:17Ja, das Schöne ist natürlich, es ist ja nicht nur die Fotografiererei, man beobachtet ja auch die Tiere.
12:23Dann ist es meistens so, dass nach 24 Stunden das zweite Kranich schlüpft, weil die auch in dem Zeitabstand gelegt
12:30werden, die Eier.
12:30Ja, aber ich habe schon gehabt, innerhalb von zwei Stunden war der zweite Pulli, nennt man das ja bei den
12:36Kranichen, war dann da.
12:37Wenn man das immer so vergleicht, das ist mal ganz interessant und natürlich ist es auch schön zu sehen, wie
12:42die dann groß werden und dass sie es wirklich schaffen.
12:44Dass sie nicht vom Fuchs geschnappt werden oder vom Seeadler, das macht schon Spaß.
12:51Ab Mitte Mai verlassen die jungen Kraniche den schützenden Auenwald und ziehen zur Nahrungssuche auf die Wesen der Dübener Heide.
13:04Immer mit dabei, die Alttiere.
13:08Kraniche sind besonders fürsorgliche Eltern und begleiten ihre Kinder ein ganzes Jahr, vom Schlupf bis zur nächsten Brut.
13:17So stehen die Jungvögel auch während des Zuges in den Süden und zurück unter dem Schutz der Alten.
13:29Die gefährlichste Zeit sind die ersten Monate nach dem Schlupf, denn noch sind die Jungvögel flugunfähig und damit eine leichte
13:37Beute für Adler oder Füchse.
13:43Etwa 80 Prozent der Kraniche sterben im ersten Lebensjahr.
13:49Glück und eine höhere Lebenserwartung haben diejenigen, deren Eltern nicht nur zu zweit sind.
13:58Denn normalerweise gelten Kraniche als loyale Vertreter der Monogamie, leben ein Leben lang mit demselben Partner, bis dass der Tod
14:08sie scheidet.
14:09Doch neueste Beobachtungen belegen, dass es auch romantische Dreiecksbeziehungen gibt.
14:28Sobald sie Anfang März zur Paarung schreiten, verlässt der dritte Partner die werdenden Eltern.
14:34Erst im Frühjahr, nach dem Schlupf der Jungen, kehrt er zurück, um als eine Art Au-pair bei der Versorgung
14:43der Küken zu helfen.
14:49Etwa 20 Kranich-Brutpaare leben heute in der Dübener Heide.
14:54Dass sie sich hier so wohlfühlen und mittlerweile auch so zahlreich geworden sind, liegt jedoch nicht nur an den vielen
15:00bereits vorhandenen Feuchtbiotopen.
15:06Denn in der Dübener Heide entstehen jährlich neue Kranich-Reviere.
15:12Dafür sorgen die Biber, in mittlerweile großer Zahl.
15:17Sie stauen Wasser an, überfluten zuvor trockene Waldbereiche und zimmern sich und den Kranichen neue Lebensräume.
15:30Doch das war nicht immer so.
15:33Anfang der 1980er Jahre gibt es in der Dübener Heide nicht einen Biber.
15:39So wie nahezu überall in Europa ist er auch hier ausgerottet.
15:48Dass er heute hier wieder heimisch ist, liegt unter anderem an ihm, Prinz Bernhard, dem Vater der niederländischen Königin Beatrix.
16:00Gemeinsam mit Naturschützern will er seinerzeit in Holland wieder Biber ansiedeln, denn hier sind die Tiere gänzlich ausgestorben.
16:09Anfang der 80er Jahre schickt er deshalb Spezialisten in die DDR.
16:14Denn an der Mitterelbe bei Dessau gibt es noch genügend Biber, die letzten ihrer Art in ganz Europa.
16:22Es ist der Beginn einer fast unglaublichen Handelsgeschichte zwischen Ost und West.
16:27Und zugleich einer abenteuerlichen Wiederbesiedlung der Dübener Heide mit dem Biber.
16:36Der Ursprung war, dass die Holländer das erste Mal in Dressi angezeigt haben, wollten Biber kaufen, 30 Stück.
16:43So, Valuta, und haben gesagt, pro Biber 1400 Valuta, pro Altier.
16:49Und das war natürlich eine Bombe, weil für Valuta haben sie alles gemacht.
16:53Da haben sie auch ein Schongebieter gefangen, Hauptsache wir kriegen 30 Biber zusammen.
16:57Also ich muss jetzt das nicht weiter kommentieren, Valuta war Valuta.
17:01Ulrich Kujat arbeitet damals beim staatlichen Forstbetrieb in der Dübener Heide und betreut die niederländischen Kollegen vor Ort.
17:10Er organisiert den Fang und den Export.
17:14Schon bald schickt er LKW-Ladungen mit DDR-Bibern in den Westen.
17:21Nicht nur in die Niederlande, sondern auch nach Belgien oder in die Bundesrepublik.
17:26Pro Kiste ein Biber für jeweils 1400 Westmark.
17:35Habe ich extra bauen lassen, nach Maas.
17:37Hier hatten wir so einen, hier und so ein Tischler, der hatte dann so die Dinger, das ist auch nicht
17:43so einfach.
17:44Hier die Bleche, die habe ich Prestara Ragun, das war ein Jäger, ein Yachtleiter, den ich kannte durch meinen Yachtjob.
17:50Da sage ich, du, ich brauche noch so ein paar Stanzfläche, kriegst du, sonst wäre ja das ja nicht möglich
17:54gewesen.
17:54Aber die waren gefragt, die Kisten. Die Höhen, da waren ganz heiß drauf, blieben ja auch da. War ein Preis
17:59mit drin.
18:00Dabei ist die Aufschrift auf den Kisten eine Mogelpackung.
18:05Denn die Biber kommen anfangs noch aus dem Biosphärenreservat Mittelelbe.
18:09Dort gibt es aber weder genügend Personal, noch ausreichend Technik, um das lukrative Westgeschäft zu stemmen.
18:19Deshalb entscheidet man sich, Fang und Export der Biber über den benachbarten staatlichen Forstbetrieb in der Dübener Heide abzuwickeln.
18:28Ein Großunternehmen mit 800 Leuten.
18:321984 baut der Forstbetrieb sogar eine eigene Käfiganlage, um die Biber zwischen Fang und Export zwischenzulagern.
18:43Viele Biber wehren sich allerdings vehement gegen ihre Ausreise in den Westen.
18:48Und einigen gelingt das scheinbar Unmögliche, die Flucht aus den gut gesicherten Stahlkäfigen.
18:59Und das war knapp einen Meter, waren die tief.
19:02Und jetzt haben die da, wie gesagt, es gibt, wie bei Menschen, es gibt aggressive Tiere, es gibt liebe Tiere.
19:07Und da waren welche, die haben gleich gebissen.
19:09Wenn sie da mit den Ringen gegangen, mit den Besen, da war der Besenstiel durch mit den Haps.
19:12Ein Kollege war abgestellt von den Biberfängern, der hat gefüttert.
19:15Da wurden eben extra vom Holzfäller, ein Pferdehänger voll Weiden, wurde da gefällt.
19:19Und da hat er jeden Tag in den Kram das Zeug reingeschmissen und das haben die reingeschleppt.
19:24Und so haben die so lange gefressen, Späne, die fressen ja nicht, die fressen ja nur die Rinde, hauptsächlich.
19:29Das Holz nehmen sie ja nur zum, so bis das Ding immer höher wurde, bis sie oben an den Deckel
19:33kam.
19:34Und früh kamen wir hin, Loch drinnen, Wiedersehen.
19:38Es ist die Geburtsstunde der heutigen Biberpopulation in der Dübener Heide.
19:43Innerhalb weniger Jahre gelingt es den ausgebüxten Tieren, weite Teile des Waldes zu erobern.
19:51Ende der 80er Jahre sind es schon so viele, dass auch sie gefangen und in den Westen exportiert werden.
20:02Doch während die Wiederansiedlung der Dübener Heide mit Bibern in der DDR nahezu unbekannt bleibt,
20:09ist die Ankunft der ersten Biber in den Niederlanden ein öffentliches Großereignis.
20:17Dank vieler finanzieller Spenden ist der Biber wieder definitiv zurück in den Flüssen und Gräben des Biesbosch.
20:27Südöstlich von Rotterdam, im Nationalpark Biesbosch, werden 1984 die ersten sechs Biber aus der DDR ausgesetzt.
20:38Tierarzt Jörg Röder kann sich noch heute an jeden Einzelnen persönlich erinnern.
20:43In seiner Tierarztpraxis in Tornau hat er den Tieren vor ihrer Westreise noch einen Funksender implantiert.
20:52Und dann kam es an, eine riesengroße Kiste und da drinnen war ein Biber, 35 Kilo.
20:58Und der war so groß wie der Tisch ist.
21:00Das heißt, bisher war praktisch der Körper, Biberkörper.
21:05Und hier war dann die Kelle, bei dem ersten Biber, den wir operiert haben.
21:08Und das ist hier zum Abfluss für Sekret und alles, Blut und so weiter.
21:13Um ihre ersten Biber nicht aus den Augen zu verlieren, wollen die Holländer sie per Telemetrie überwachen.
21:21Doch Erfahrungen damit hatte bis dato noch niemand.
21:24Vor allem nicht, wie man einen Biber operiert und ihm einen Sender einpflanzt.
21:32Der Sender war ja praktisch drei Zentimeter mal sechs Zentimeter und ein Zentimeter hoch.
21:38Wie eine Streikolzschachtel, soll ich sagen.
21:41Und den konnte ich nicht unter der Haut verpflanzen.
21:44Da hätte der Biber ja wieder einen Buckel gehabt.
21:46Das geht ja nicht.
21:48Und da haben wir den in die Bauchhöhle verpflanzt.
21:52Und das war gar nicht so einfach.
21:55Rasieren den Biber ganz schlecht.
21:57Das Fell und Unterfell, das war ja richtig extrem.
22:02Haben wir rasiert alles und dann ging es los.
22:05Haben wir den Bauch aufgeschnitten.
22:07Dann habe ich den Sender in die Bauchhöhle gelegt.
22:10Die müssen ja, wenn die Junge kriegen, haben die ja auch Platz.
22:13Und das ist gut gegangen.
22:14Dann haben wir den zugenäht und dann haben wir den nächsten reingeholt.
22:18Und so haben wir es gemacht.
22:19Und es hat gut geklappt.
22:20Und da denke ich auch noch dran hier.
22:23Das war doch eine Zeit, die eigentlich in der Praxis nicht gemacht werden durfte.
22:28Sondern in der Uni oder irgendwo im Klinik.
22:31In jedem irgendwo haben wir das ja auch nicht gefragt.
22:33Er kam ein und fragte, ob wir das machen können.
22:36Ich sagte, klar, das schieben wir rein.
22:38Oder da.
22:41Heute leben wieder etwa 1.600 Biber in den Niederlanden.
22:46Alles nachkommende 30 Exemplare aus der Dübener Heide.
22:52Hier endet 1989 der Biberfang.
22:57Doch in Sicherheit sind die Tiere trotzdem nicht.
23:02Denn weite Teile der Heide sollen ab 1990 abgebaggert werden.
23:09Die Wende war das große Glück.
23:11Also es war ja zu der Artenvielfalt und zu der Perle, die die Dübener Heide immer war, auch als großes
23:15mitteldeutsches Waldgebiet, war ja immer diese am Horizont, tauchten ja die Braunkohlenbagger auf bei Bitterfeld und bei Gräfenhainchen.
23:22Da hat man natürlich großes Glück mit der Wiedervereinigung, dass damit Schluss war.
23:26Also das war ja sozusagen die 1. Energiewende und der 1. Kohleausstieg, den wir hier miterlebt haben.
23:31Und dann kam die Idee da bei den Diskussionen, das waren die sogenannten grünen Tische in Bad Düben.
23:35Man traf sich an den grünen Tischen, überall gab es runde Tische, hier gab es einen grünen Tisch.
23:39Lasst uns dann doch die Dübener Heide bewahren und entwickeln und wir wollen Naturpark werden.
23:44Das war gleich im März, April 1990.
23:47Zwei Jahre später unterzeichnen auf Burg Düben die Umweltminister von Sachsen und Sachsen-Anhalt die Gründung des Naturparks Dübener Heide.
23:58Es ist der erste Naturpark in Deutschland, der aufgrund einer Bürgerinitiative entsteht.
24:03Und noch heute bestimmt ein tiefes Miteinander zwischen Mensch und Natur den Alltag in der Dübener Heide.
24:13Auch dann, wenn der Biber wieder zugeschlagen hat.
24:19Das macht er immer mal und wenn, dann macht er es regelmäßig.
24:25Und damit wir hier nicht völlig versinken, muss ich das immer mal ein bisschen runternehmen, ohne ihn total zu stören,
24:33aber um die Überschwemmung ein bisschen in den Griff zu haben.
24:38Bei Steffi Schenk ist eine ganze Biberfamilie aufs Grundstück gezogen und das sorgt für so manche Probleme.
24:46Vor allem dann, wenn die Biber ihren Damm wieder einmal zu hoch aufgetürmt haben.
24:54Und er ist ein sehr geschickter Baumeister und macht das alles dicht mit Erde und Laub.
25:03Und dann lasse ich das ein bisschen abfließen und morgen wird es wahrscheinlich wieder genauso aussehen,
25:09weil er bringt das nachts wieder in Ordnung.
25:11Und das ist nur ein Bruchteil von dem. Entschuldigung.
25:17Also er ist unheimlich fleißig und stark und wenn er baut, dann baut er richtig.
25:25Und dagegen muss Steffi Schenk hin und wieder ankämpfen.
25:28Wenn ihr Garten droht zu überfluten, lässt sie etwas Wasser ab.
25:35Es läuft ein bisschen ab und morgens früh ist es wieder da.
25:42Und trotzdem, sie möchte ihre Plagegeister nicht missen.
25:46Denn wer kann schon von sich behaupten, einen Biber als Nachbarn zu haben?
25:54Und ein bisschen fühlt man sich ja auch geehrt, wenn er da ist.
25:59Dann ist ja ein bisschen die Natur in Ordnung. Das fühlt sich gut an.
26:06Seit mittlerweile 30 Jahren lebt Steffi Schenk in friedlicher Koexistenz mit dem Biber.
26:12Alles in ihrem Garten ist darauf abgestimmt.
26:15Dazu gehören auch dicke Stahlmanschetten um die Bäume.
26:20Und manche Bäume, die will man nicht, dass die umfallen.
26:23Da hinten aber, da waren mal große Weiden und die hat er umgelegt.
26:28Er hat hier schon ordentlich was weggeschnurpt.
26:30Aber wir leben hier draußen fast im Wald.
26:33Ich will hier nichts Gelecktes und Glattes haben.
26:36Das soll so natürlich wie möglich sein.
26:39Und den Biber und den Eisvogel zu haben, die Ringelnatter und viele Wildtiere,
26:45die hier keine Angst haben müssen, dass denen was passiert.
26:47Und das ist in Ordnung, so möchte ich es gerne haben.
26:50Ich brauche hier keine, das ist hier keine Stadt, das ist eben Natur.
27:15Ein besonderes Geheimnis der Dübener Heide zeigt sich in den frühen Morgenstunden.
27:20Dichter Nebel hüllt die Landschaft ein.
27:24Er entsteht über der sehr feuchten und wärmespendenden Erde der Heide.
27:29Einem Boden, der ganz besondere Kräfte besitzt.
27:39Die natürlichen Wirkstoffe, die in der schwarzen Moorerde der Dübener Heide stecken,
27:44besitzen heilende und schmerzlindernde Eigenschaften bei Rheuma, Gicht, Osteoporose
27:50und vielen Erkrankungen des Bewegungsapparates.
27:53Aber auch bei Kinderwunsch oder in der Frauenheilkunde werden sie therapeutisch eingesetzt.
28:05Ein Moorbad zu nehmen ist etwas ganz Wunderbares.
28:09Es ist einmal natürlich wirksam gegen Schmerzen.
28:13Die Prostaklandinsynthese wird gehemmt.
28:16Das ist also schmerzlindernd.
28:18Man kann eigentlich sagen, ein Moorbad wirkt wie eine Ibuprofen-Tablette.
28:22Seit 1878 werden diese natürlichen Ibuprofen-Tabletten in Bad Schmiedeberg appliziert.
28:31An Churgäste aus ganz Deutschland.
28:35Einzigartig für das Eisenmoorbad im Herzen der Dübener Heide
28:39ist dabei die Kombination des natürlichen Wirkstoffs Moor mit Heilwasser und Radon.
28:48Doch erst die richtige Aufbereitung und Mixtur entscheidet über den Erfolg einer solchen Moorbehandlung.
29:03Hans-Jürgen Hoffmann hat den wahrscheinlich seltensten Beruf, den es gibt.
29:08Er ist Moorkoch.
29:11Hauptzutat für seine Rezepte ist der Torf.
29:14Eine äußerst schwere und klebrige Masse.
29:18Ähnlich wie flüssiger Asphalt.
29:20Sie besteht aus Jahrtausende altem Pflanzenmaterial, das unter Luftabschluss verrottet ist.
29:27Hans-Jürgen Hoffmann macht daraus Medizin.
29:30Entfernt alte Wurzeln und Steine und mischt dem Torf Heilwasser bei, damit sich der Torf verflüssigt.
29:42Wenn ich gut bin und das klappt alles, dann habe ich ungefähr pro Tag kann ich einen Behälter voll machen.
29:48Und dann, wie gesagt, wird es dann rübergepumpt in den Sandfang und dann in die anderen Behälter.
29:52Und dort suche ich dann nochmal raus, was alles so.
29:55Da habe ich ja noch einen Sandfang, hinten auch nochmal ein Gitter dran und da kommt nochmal das Körper raus.
30:01Mehrere Tonnen Torf verarbeitet Hans-Jürgen Hoffmann wöchentlich zu Moorpackungen oder heißen Wannenbädern.
30:08Bis Anfang der 60er Jahre wurde dazu noch der Torf in der Dübener Heide gewonnen.
30:14Mittlerweile hat man den Abbau eingestellt und die Rohstoffgewinnung auf eine nachhaltige Produktion umgestellt.
30:24Nach jedem Moorbad kommt das Moor zurück ins Moor und lagert hier 20 Jahre lang in speziellen Becken bis zur
30:33nächsten Therapie.
30:38So konnten die Moore der Dübener Heide bis heute überdauern.
30:44Das größte und vielleicht schönste ist das Presseler Heidewald- und Moorgebiet nahe Leipzig.
30:52Bundesweit ein Biotop der Spitzenklasse.
30:5535 Säugetierarten und 169 Vogelarten leben hier.
31:01So wie die seltene Bekassine oder der Fischotter.
31:12Um den besonderen Lebensraum in dieser Schönheit zu erhalten, wurde hier 27 Jahre lang geschuftet.
31:20Im Rahmen eines Naturschutz-Großprojektes wurden das Moor renaturiert,
31:25kleine Bäche wieder zum Laufen gebracht, Entwässerungseinrichtungen zurückgebaut und große Flächen wiedervernässt.
31:36Seit 2022 lässt sich das Presseler Heidewald- und Moorgebiet wieder in seine ursprünglichen Gestalte erleben, mit allem, was dazugehört.
31:50Während jedoch Biber ihr Zuhause in Wald und Moor kaum verlassen, gehen Kraniche im Sommer auf Wanderschaft.
32:00Überall auf den Waldwiesen der Dübener Heide kann man ab Ende Juni junge Kranichfamilien beobachten.
32:08Denn hier finden die Vögel einen reich gedeckten Tisch mit Insekten, Würmern und Sämereien.
32:20Vier Wochen alt sind diese beiden Jungtiere.
32:24Mittlerweile können sie schon fast allein ihre Nahrung suchen, nur hin und wieder muss ihnen die Mutter noch helfen.
32:34Fliegen können sie jetzt allerdings noch nicht und sind deshalb, nicht nur für Füchse, eine leichte Beute.
32:49Kurz bevor Kraniche flugfähig sind, kann man sie für die Wissenschaft noch leicht fangen, wenn man flinke Füße hat.
32:59Kranichforscher Günther Nowald hat seinen schnellsten Läufer losgeschickt.
33:03Er kommt extra aus Frankreich und ist ein Profi in Sachen Kranichfang.
33:11Xavier Chobu arbeitet für ein europaweites Kranichschutzprojekt und unterstützt heute die Arbeit seiner Kollegen in Sachsen-Anhalt.
33:20Und die sind überglücklich.
33:25Denn um die Flugrouten der Kraniche zu erforschen, sollen die Vögel mit einem GPS-Sender ausgerüstet werden.
33:34Drei schlaflose Nächte lösen sich gerade in Rauch auf. Es hat funktioniert.
33:38Viel besser als erwartet. Aber mit solchen Profis zusammenzuarbeiten, ist natürlich auch die helle Freude.
33:43Da geht Kranichfang quasi wie von alleine. Unfassbar. Das ist ja schon das zweite Brutpaar heute.
33:47Also wir sind ja gerade gestartet im Grunde genommen. Und gleich hat es funktioniert. Das ist unfassbar.
33:54Bereits seit 2018 versucht Axel Schonert, Kraniche per Telemetrie zu erfassen.
34:01Doch die Technik erwies sich bisher für die Vögel als ungeeignet. Jetzt soll ein neuer Versuch gestartet werden.
34:1074,6.
34:13Günther Nowald hat dazu bereits in Mecklenburg-Vorpommern, wo es Deutschlands größte Kranichdichte gibt, gute Erfahrungen gesammelt.
34:21Auch wie man die Sender komfortabel und trotzdem sicher an den Vögeln fixiert.
34:27So, das ist jetzt nur so ein Gummiband, damit das sehr bequem ist für den Vogel.
34:33Wir nehmen keine festen Sachen, kein Teflon, damit das auch irgendwann wieder abfällt.
34:38Wir haben Vögel, unsere ersten, die wir besendet haben, 2013. Da funktioniert es noch immer.
34:45Um den Kran nicht etwas ruhig zu stellen, ist sein Kopf mit einer Haube abgedeckt.
34:50Denn mit dem Sender allein ist die Prozedur noch nicht vollbracht.
34:55Um ihn später auch per Fernglas wiederzuerkennen, erhält er noch einen bunten Mix aus Farbringen.
35:06Green, das ist die Individualkombination, also wie ein Ausweis, bekommt er quasi hier jetzt noch diesen Code, das ist im
35:13Rahmen eines europaweiten Projektes.
35:19Die Farbringe sind ganz einfach aufgebaut. Wir haben am linken Bein des Vogels drei Farben, was quasi die Nationalität, also
35:27das Land, aus dem der Vogel kommt, zeigt.
35:30Das ist für Deutschland immer eine Kombination aus blau und braun.
35:33Und am rechten Bein ist die Individualkombination und beides zusammen ist quasi der Ausweis des Vogels, der ist weltweit einmalig.
35:42Nach knapp 20 Minuten hat es der Kran nicht geschafft und kann wieder zurück, zu seinen Eltern.
35:53Ende September, wenn die Nahrungsquellen langsam versiegen, schließen sich die Kraniche der Dübener Heide zu großen Familienverbänden zusammen.
36:03Denn gemeinsam reißt es sich leichter.
36:09Etwa zweieinhalbtausend Kilometer liegen nun vor ihnen.
36:14Ihr Reiseziel ist die Extremadura, wo sie unter der wärmenden Sonne Spaniens den Winter verbringen.
36:27Er kann nicht vor Eis und Schnee flüchten und muss sich deshalb auf die kalte Jahreszeit gut vorbereiten.
36:35Das heißt vor allem viel fressen.
36:40Etwa zwei Kilogramm Grünzeug putzt ein Erwachsener Biber täglich weg und legt sich so eine dicke Speckschicht zu.
36:51Doch um über den Winter zu kommen, reicht das nicht aus.
36:55Denn Biber halten keinen Winterschlaf und sind zudem noch reine Vegetarier.
37:02Ab Anfang November stellt das eine enorme Herausforderung dar.
37:11Um zu überleben, beginnen sich die Tiere schon im Spätsommer große Nahrungsdepots anzulegen.
37:18Erst dann darf der Winter kommen.
37:24Eine Zeit, die Biber vor allem in ihren gut isolierten und bis zu drei Meter hohen Knüppelburgen verbringen.
37:32Zusammen mit der ganzen Familie.
37:36Die im Mai geborenen Jungen werden etwa acht Wochen gesäugt.
37:40Mit einem Vierteljahr sind sie selbstständig.
37:44Doch den ersten Winter verbringen sie noch in der warmen Wohnstube der Eltern.
37:50Denn hier liegt die Temperatur um die 30 Grad höher als draußen.
37:55Etwa bei gemütlichen 20 Grad.
38:05Und trotzdem, hin und wieder müssen die Biber das warme Wohnzimmer verlassen, um zu fressen.
38:11Auch wenn es draußen stürmt und schneit.
38:20Es ist die harteste Zeit des Jahres für die Tiere.
38:23Denn Grünzeug wie Wasserpflanzen sind jetzt mangelbarer.
38:28Um zu überleben, müssen die Biber ihren Speiseplan komplett umstellen und den kargen Gegebenheiten anpassen.
38:35Das heißt, von der relativ kohlenhydratarmen, fast nur Ballaststoffe liefernden Baumrinde zu leben.
38:48Im Vergleich zu proteinreichen Blättern und Knospen ist die Baumrinde kalorienmäßig ein Zwerg.
38:56Um dennoch genügend Energie zu tanken, muss der Biber im Winter ein Drittel mehr fressen als im Sommer.
39:03Pro Tag etwa ein Kilogramm Baumrinde.
39:14Seine Schneidezähne sind dafür perfekt gebaut.
39:19Ähnlich wie bei einem Hai wachsen sie ein Leben lang nach und schärfen sich selbst.
39:25Biber beißen mit einem extrem hohen Kaudruck von 120 Kilogramm pro Quadratzentimeter zu.
39:32Sechsmal so hoch wie der Mensch.
39:44Etwa 50 Bäume schafft eine Biberfamilie pro Jahr.
39:50Manchen Tieren in der Dübener Heide gelingt das an einem Tag.
39:55So wie Uli, einem sogenannten Rückepferd.
39:59Es rückt und zieht Bäume aus dem Wald und erledigt das, was sonst nur schwere Maschinen bewältigen.
40:09Diese uralte Tradition hat sich in der Dübener Heide bis heute erhalten.
40:20Ein faszinierendes Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier.
40:26Ich habe da Stimmkommandos.
40:28Ich habe da Stimmkommandos.
40:28Hot heißt rechts, wischt heißt links.
40:31Und der reagiert da auf mich.
40:33Ich kann das auch mal vorführen.
40:35Wischt um, wischt um.
40:39Also sofort dreht er sich um.
40:41Der guckt, was ich mache.
40:44Hopp zurück.
40:45Hopp, hopp, hopp.
40:49Hopp.
40:52Seit zehn Jahren sind die beiden ein eingespieltes Team.
40:56Vor allem Stämme, die mit Maschinen nur schwer erreichbar sind, ziehen sie aus dem Wald.
41:06Aufgrund der Wendigkeit und Präzision werden so die Bäume geschont, die stehen bleiben sollen.
41:13Gleichzeitig bleibt der Waldboden intakt, verdichtet sich nicht wie bei tonnenschweren Erntemaschinen.
41:22Auf den Zentimeter genau legt Uli die Stämme ab.
41:28Dietmar Dietze hat ihn dafür jahrelang trainiert und sich damit seinen Kindheitstraum erfüllt.
41:36Also eine kleine Pferdemacke hatte ich schon immer.
41:38Und ich wollte auch immer im Wald arbeiten, so lange wie ich denken kann.
41:41Und ich habe dann mit 16 hier in dem Betrieb die Lehre zum Holzfäller gemacht, zum Forstwirt.
41:47Aber dann, es gab keine Arbeit hier bei uns in der Gegend.
41:50Dann bin ich in die alten Bundesländer, nach Düsseldorf und habe dort als Forstwirt gearbeitet.
41:57Und dort habe ich das Holzrücken mit dem Pferd gelernt bekommen.
42:00Ja, und dann hat es mich wieder in die Heimat gezogen.
42:02Dann stand ich da mit einer Kettensäge und einem Pferd.
42:04Kein Stall, keine Wiese, nichts.
42:06Aber irgendwie ging es.
42:07Und mittlerweile habe ich einen schönen Stall und drei Stück von dieser Sorte hier.
42:12Und dann hat der Staatsbetrieb Sachsenforst mir hier ein Jobangebot gemacht.
42:16Dann habe ich hier die Lehrausbildung übernommen.
42:17Und kümmere mich jetzt um die Lehrlinge, bringe die ins Holzfällen bei, das Bäume pflanzen.
42:24Denn anders als in Nationalparks oder Biosphärenreservaten ist die Dübener Heide ein Wirtschaftswald geblieben,
42:32bei dem es um Erträge und Gewinne geht.
42:35Und trotzdem gelingt es hier, Holzproduktion und Naturschutz, Ökonomie und Ökologie in besonderer Weise zu verbinden
42:45und so auch der Tierwelt genügend Freiraum zu lassen.
42:49Deshalb finden Forstarbeiten vor allem im Winter statt, dann, wenn die Natur weitestgehend ruht.
42:59Wenn Anfang März die ersten Kraniche mit lautem Trompeten das Frühjahr ankündigen,
43:06sattelt Dietmar Dietze seine Vierbeiner und verlässt den Wald.
43:15Völlig ungestört könne die Kraniche jetzt ihrem Hochzeitstanz nachgehen.
43:20Das Liebesspiel ist ein Paarungsritual.
43:24Das Laufen in Kurven und Hochschleudern von Blättern soll das Weibchen beeindrucken.
43:34Wer es schafft zu überzeugen, wird mit der Partnerin für immer zusammenbleiben.
43:42Das Gleiche gilt auch für das Wappentier der Dübener Heide.
43:48Auch Biber halten ein Leben lang an ihrem Partner fest, genauso wie an ihrem Revier.
43:54Jedes Jahr Ende März beginnt für sie alle eine neue Familiensaison.
44:02Die einjährigen Jungtiere verlassen das Elternhaus und machen Platz für den Nachwuchs
44:08und eine neue Generation an Bewohnern der Dübener Heide.
44:25Die Letzte
44:27Die Letzte
44:53Transcription by CastingWords
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