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00:01Geld, Status, Anerkennung – davon träumen viele in der Gen Z.
00:07Ein vermeintlich sicherer Weg dahin, eine fette Karriere als Banker.
00:11Wir wollen eintauchen in eine Szene, in der Ehrgeiz kein Schimpfwort ist und richtig
00:16Kohle verdienen, das erklärte Ziel. Was motiviert junge Leute, sich so für einen
00:20Top-Job in der Finanzbranche aufzureiben?
00:25Meine größte Angst wäre tatsächlich, durchschnittlich zu sein.
00:28Dass ich wirklich in 30 Jahren sagen kann, ich hab's richtig gerissen.
00:31Ich glaub, das Schöne ist Erfolg. Das Schöne ist, wenn du dir Ziele setzt, dafür hart arbeitest.
00:35In der Bankenmetropole Frankfurt gibt es eine Babel junger Menschen, für die steht ihr Ziel
00:40im Leben fest. Erfolg um jeden Preis.
00:43Du bist da auch in so einem Umfeld, wo es einfach normal ist, abzuliefern. Der Schwächste verliert.
00:51Wie hart ist der Weg nach ganz oben wirklich? Reichen Fleiß und Intelligenz aus für eine
00:56Karriere in der Finanzbranche? Und wie hoch ist der Preis für den Erfolg?
01:03Wir wollen rein in die exklusive und ehrlicherweise auch total verschlossene Welt der jungen Banker
01:08und Finanzleute in Frankfurt. Und dafür sind wir heute Abend bei einem klassischen Afterwork-Event.
01:13Hier trifft sich Frankfurts Bankenszene zum Networken. Und wir sind auch dabei.
01:28Und echt spannend, hier scheinen alle Altersklassen zusammenzukommen. Von Praktikanten bis zur Chefetage.
01:38Dankeschön.
01:39Danke.
01:40Ja, der Blick ist der Wahnsinn.
01:42Aber wenn das meine View wäre bei Afterwork, dann würde ich es glaube ich auch öfter mal machen.
01:46Schon so ein geiler Lifestyle, du gehst so nach der Arbeit irgendwo hin und trinkst und isst umsonst.
01:52Madeleine und ich treffen auf eine Gruppe Studierender von der Uni Mannheim. Alle wollen hier in Frankfurt
01:56mal Karriere machen im Finanzsektor.
02:02Direkt seid ihr schon sehr okay, wir gehen auf so ein Event, weil es anscheinend super wichtig ist zu networken.
02:06Der Finanzsektor lebt inzwischen wirklich davon, dass du jemanden kennst oder dass nicht jemand kennt.
02:10Du kannst super qualifiziert sein, wenn du aber nicht mit Leuten reden kannst oder du kennst jemanden,
02:15ganz ehrlich gesagt, dann bringt dir das auch nichts.
02:18Bei mir in Maße, wenn man das mal umschaut. Jeder hat gute Noten, jeder braucht ein Auslandssemester,
02:23jeder hat gute Praktika, jeder hat irgendwie ein GMAT geschrieben, jeder kann super Englisch.
02:28Also jeder ist schon mal auf dem Level gleich und dann muss man ja wieder irgendwie rausstrichen,
02:33um hier Jobs zu kriegen und so.
02:36Viele erzählen uns an diesem Abend, das Geile an den Top-Jobs in der Finanzbranche sei die Abwechslung
02:41und die Kohle, die man hier verdient, sei auch nicht schlecht.
02:45Irres Setting auch einfach. Da können wir uns gut vorstellen, dass man sich wichtig und auch
02:49besonders fühlt, wenn man Teil dieser Bubble ist.
02:56Viele starten ihre Karrieren hier, an der Frankfurt School of Finance. Eine private Hochschule
03:02und eine der Kaderschmieden für den angehenden Finanznachwuchs.
03:07Wow, das ist mal eine Uni, ey. Moin, hallo, das ist Madeleine. Hallo, freut mich.
03:17Und ich bin Tim, wir haben gesprochen. Hi, freut mich euch mal zu treffen.
03:20Ling und Maite sind beide 20 Jahre alt und studieren im dritten Semester Dual Business Administration.
03:26Heißt, sie arbeiten Teilzeit bei Banken und bekommen die etwa 8.000 Euro Studiengebühren
03:31von ihnen pro Semester bezahlt.
03:32So wie alle im Film wollen sie nicht, dass ihnen Nachname genannt wird.
03:35Dass hier einiges anders abläuft als an den Unis, an denen Tim und ich waren, checken wir sofort.
03:40Wird sich noch umgezogen für uns?
03:43Das kann man so sagen. Ich habe ja um 15 Uhr noch einen Workshop mit der City Group und da
03:49würde ich gerne ein Hemd anziehen.
03:50Ich hatte allerdings zu Hause nicht daran gedacht, mir ein Hemd anzuziehen.
03:53Ich habe dementsprechend da hinten im Studentenwohnheim mit einem Kommilitonen gefragt, ob er mir eins ausleihen kann.
03:58Und mir jetzt schnell noch mal eins geholt.
03:59Ist das schon so, dass in den Workshops dann schon darauf geachtet wird, wie man angezogen ist?
04:03Da ist natürlich der Auftritt schon relativ wichtig.
04:05Also da fängt es beim Aussehen bei den Klamotten an und dann kommt es auch natürlich auf die Performance an.
04:11Aber der erste Eindruck ist ja auch wichtig.
04:13Ja, hey, spannend. Ich würde sagen, gebt uns mal eine kleine Tour, oder?
04:16Ja, gerne. Ich bin neugierig, wie es dir aussieht.
04:18Lass uns direkt mal Richtung Glück gehen.
04:21Hier studieren, das bedeutet für Ling und Malte eine Sechstagewoche. Drei Tage Uni, drei Tage Bank. Am Sonntag wird gelernt.
04:29Denn um die Klausuren zu schaffen, muss durchgepowert werden. Und dabei hat Malte noch Glück.
04:34Für die Lernphasen wird er von seiner Bank immerhin freigestellt.
04:38Manche, die haben gar keine Tage, nicht mal Klausurtage frei. Das heißt, die müssen sich Urlaub, also wirklich so einen
04:43gesetzlichen Urlaubstag nehmen,
04:45um lernen zu können oder zur Klausur zu kommen. Ich habe da eigentlich nur drei Tage.
04:49Das heißt, so richtig Urlaub, Urlaub hat man einfach nicht?
04:52Nein. Also ich habe 30 Tage und ich muss eigentlich 24 aufwenden für Klausurenphasen im gesamten Jahr.
04:58Das heißt, ich habe sechs eigentlich qualitativ. Also das ist schon, ja.
05:01Alter, krass.
05:03Aber kann man dann überhaupt mit Leuten außerhalb eurer Bubble, eurer Branche so richtig Beziehungen führen?
05:09Weil ich denke mir, ihr alle versteht das ja, bei euch ist das ähnlich, ihr seht euch hier.
05:13Bei uns im Track gab es total viele, die hatten eine Freundin, einen Freund, bevor sie an die Uni gekommen
05:17sind oder auch mit dem dualen Studium.
05:19Also ich glaube, 90 Prozent davon sind nicht mit ihren Partnern zusammen.
05:23Für das Ziel, Karriere in den Banken zu machen, muss man also eine extreme Motivation mitbringen.
05:29Praktisch, dass Ling ihr Traumbüro immer vor Augen hat.
05:32Die DB, wenn du die UBS siehst, also dieses helle Gebäude mittendrin, dann auf der rechten Seite, ja.
05:39Spannend. Und in welchem Stock arbeitest du da?
05:41Am 30.
05:42Ja, schon richtig geil.
05:43Wie fühlt sich das an?
05:45Richtig. Also ich fühle mich jeden Abend so richtig mächtig.
05:47Echt?
05:48Ja, komplett.
05:48Komplett.
05:49Die Tage der beiden an der Uni hier sind lang. Die perfekte Vorbereitung für eine Finance-Karriere später. Aber irgendwie
05:56nehmen sie das erstaunlich gelassen.
05:59Ich muss mich eher sogar davon abbremsen, weiter zu machen und mal schlafen zu gehen und mal Pause zu machen,
06:05Zeit für mich zu nehmen.
06:06Aber habt ihr Freizeit? Also habt ihr Zeit für Hobbys, für vielleicht auch Feiern gehen?
06:12Wenn jetzt nicht Klausurenphase ist, dann ja. Also dann kann man sich auch schon die Zeit nehmen, dann hat man
06:17entweder seine Aktivitäten bei irgendwelchen Initiativen hier an der Uni oder man arbeitet halt nebenbei.
06:24Aber das ist ja keine...
06:25Aber man hat schon die Möglichkeit sich Zeit zu nehmen.
06:27Dann ist in einer Initiative arbeiten oder am Start sein ja irgendwie auch...
06:31Ist eigentlich Freizeit, also das kann man schon sagen.
06:33Das ist Freizeit für euch, ja.
06:34Ja, natürlich.
06:35Das wäre jetzt für mich schon irgendwie einfach...
06:37Arbeit.
06:37Arbeit.
06:38Noch mehr Arbeit.
06:40Hätte ich jetzt nicht gesagt. Also besonders wenn man sich irgendwie, wenn man irgendwie in einer Politikinitiative aktiv ist, dann
06:44ist das ja jetzt keine Arbeit per se.
06:46Da ist man dann teilweise entweder da und debattiert mit Leuten oder, weiß ich nicht, arbeitet an irgendwelchen Veranstaltungen oder
06:52so.
06:52Also ich würde das schon als Freizeit bezeichnen.
06:55Eine wirklich ganz andere Definition von Freizeit. Ling und Malte merken, dass sie dieser Lifestyle von ihren Friends aus der
07:01Heimat entfernt.
07:03Natürlich verändere ich mich auch. Also ich bin jetzt nicht mehr die Ling, die jetzt in Mannheim aufgewachsen ist.
07:07Sondern jetzt bin ich halt in Frankfurt seit einem Jahr und natürlich verändern sich auch meine Ziele, meine Werte.
07:12Und dann ist es schon manchmal schwieriger mit den Freunden aus der Heimat, weil das so ein ganz anderes Tempo
07:16ist und mal eine ganz andere Weltvorstellung.
07:20Weil die Klausuren bald anstehen, ist heute für beide Nachtschicht angesagt. Für ihre Karriereziele nehmen sie das offenbar gern in
07:27Kauf.
07:30Meine größte Angst wäre tatsächlich, durchschnittlich zu sein. Also wirklich nur gemäßigt gelebt zu haben.
07:36Aber ich sage schon, dass meine Ambition und auch mein Ehrgeiz, dass ich nach vorankommen möchte.
07:43Dass ich wirklich in 30 Jahren sagen kann, boah, ich habe es richtig gerissen.
07:45Und das ist auch so ein bisschen der Anspruch an mich selbst, dass man eben die extra Meile geht.
07:50Ling's Eltern sind aus Vietnam eingewandert und führen mittlerweile mehrere Restaurants. Malte kommt aus einer mittelständischen Familie.
07:58Sein Vater leitet auch ein kleines Unternehmen. Beide sind also mit einem gewissen Unternehmergeist aufgewachsen.
08:04Und haben Visionen von ihrem eigenen Erfolg.
08:07So die Kulisse von New York nachts und dann irgendwie ganz oben in einem Apartment.
08:16Viertigstes Stockwerk, ja.
08:18Okay, Whirlpool muss nicht mal sein.
08:19So ein Cocktail trinken.
08:20Ich brauche eigentlich nur wirklich die Aussicht und vielleicht eine Couch.
08:23Davon träumst du, dass das mal deins ist?
08:25Absolut, ja. Dass man es geschafft hat.
08:28Also was bei mir glaube ich, wenn dann das Ziel ist, ist einfach irgendwann sagen zu können, auch vor der
08:34Rente.
08:34Ich habe jetzt vielleicht keine Lust mehr darauf, ich möchte jetzt etwas ganz anderes machen.
08:38Ich habe aber finanziell nicht mehr das Problem.
08:40Spannend, ja.
08:41Ist schon irgendwie wild, oder?
08:42Ich meine, es ist jetzt wirklich später Abend und die beiden starten eigentlich jetzt erst mit Lernen.
08:47Safe auch, weil wir sie heute den ganzen Tag abgelenkt haben.
08:49Aber die Uni ist einfach voll von Leuten, die jetzt in die Nachtschicht starten, sich Pizzain bestellen und lernen.
08:53Alle sitzen da noch und machen das.
08:55Aber ja, einer der für diesen krassen Hustle-Lifestyle ja total steht, den auch ehrlicherweise total abfeiert,
09:01ist Influencer David Döbel.
09:03Und den treffen wir morgen früh zum Klischeesport, schlechthin zum Golf.
09:09Und durchschwingen am besten, nicht aufhören danach, sondern einfach durchschwingen.
09:11Genau.
09:12Komm, ich kriege es hin, Leute.
09:15Ab hier?
09:16Ja.
09:17Guck mal.
09:19Das Wichtige ist, dass er nach vorne geht.
09:21Okay, warte, ich mag noch einmal.
09:22Jetzt habe ich keine Werte mehr.
09:23Damit.
09:24Ich kriege das heute noch hin, Leute.
09:26Heute schaffe ich einen, der so richtig fliegt.
09:28Komm.
09:29Geil, danke.
09:30Ich mache das heute zum ersten Mal und es ist absolut nicht so easy, wie es aussieht.
09:35Hä?
09:35Der ist geflogen.
09:36Der ist ein bisschen geflogen.
09:37Das ist wirklich sehr, sehr gut, dass du zwei von zwei getroffen hast.
09:40Das war bei mir am Anfang anders, wirklich.
09:42Echt?
09:42Ja, ja.
09:44Hör mal, Leute, jetzt habe ich Bock.
09:46David Döbel ist Influencer mit über 100.000 Followern, war selbst aber nie Banker.
09:51Trotzdem ist er mit seinen 28 Jahren das Gesicht der jungen Finanzbranche.
09:55Denn er vernetzt Berufseinsteiger mit Entscheidern in den Banken und pusht so Karrieren.
10:00Wie viel muss man eigentlich wirklich als Investmentbanker arbeiten?
10:03In Extremsituationen, wo du wirklich lange unter der Woche immer da bleiben musst,
10:06am Samstag und am Sonntag auch durcharbeiten musst,
10:09kann das aber auch mal in die Richtung 100 bis 120 Stunden pro Woche gehen.
10:12Welchen Schnitt sollte ich im Abi haben, um die bestmöglichen Chancen zu haben?
10:17In diesem Fall solltest du anpeilen, einen Schnitt von 0,67 zu schreiben,
10:21sprich in jeder Klausur 15 Punkte.
10:24Business-Meetings verlegt er gern auf den Golfplatz.
10:27So wie heute mit Investmentbanker Andreas Wegerich.
10:32Also der Andreas zum Beispiel wurde mir vermittelt von wegen,
10:35hey, der sucht Praktikanten Richtung Investmentbanking Wirtschaftsprüfung.
10:39Andreas ist deutlich besser als ich, aber trotzdem können wir zusammen spielen,
10:42ohne dass es für den einen frustrierend ist.
10:44Aber ich wurde schon auch regelmäßig eingeladen von irgendwelchen Banken
10:47für Golfturniere oder so, wo die dann zum Beispiel auch ihre Kunden einladen.
10:51Oder dann bist du in einem Golfcard mit dem Head of Investment Banking von der und der Bank.
10:55Aber dann ist es natürlich auch gut, wenn man es dann auch kann.
10:58Genau, das habe ich mir halt auch gedacht.
10:59Das heißt, ich rechtfertige, dass hier und da mal golfen geht,
11:03auch so ein bisschen mit, das ist vermutlich schon nicht verkehrt.
11:06Wer beim Spiel gewinnt, ist also gar nicht so wichtig.
11:09Was genau reizt David und so viele andere junge Leute an der Finanzbranche?
11:15Also ich glaube, das Schöne ist halt Erfolg.
11:17Also das Schöne ist halt, wenn du dir Ziele setzt, dafür hart arbeitest
11:19und du weißt, du hast selber dafür gesorgt, dass du das Ziel erreicht hast.
11:21Dann kannst du stolz auf dich sein.
11:23Du kannst dir selbst Anerkennung zollen,
11:25du bekommst vielleicht auch von deinem Umfeld Anerkennung.
11:27Das ist ein tolles Gefühl.
11:28Und ich kann mir natürlich vorstellen, dass es irgendwie gewisse Statussymbole auch dafür sorgen,
11:33dass man dann auch irgendwo Anerkennung bekommt.
11:36Und das ist dann vielleicht nochmal ein tolles Gefühl.
11:38Aber ich glaube, viel kommt irgendwie von innen.
11:41Hast du das Gefühl, das ist die Hauptmotivation dafür?
11:44Das melden sich ja viele junge Leute bei dir, die sagen,
11:46ich möchte auch in diese Branche, ich möchte auch so ein Leben führen.
11:48Ist das die Motivation, so den eigenen Erfolg zu sehen?
11:50Oder was treibt diese jungen Menschen vor allem an, in die Finanzbranche zu gehen?
11:56Leidenschaft. Es ist Leidenschaft.
11:57Du bist dann gut, wenn du mit Leidenschaft was machst.
12:00Aber wofür Leidenschaft? Also was ist es dann?
12:02Du musst doch leidenschaftlich Banker sein.
12:04Es war meine Leidenschaft. Ich stand mit 13 in der Bank und wollte Aktien kaufen.
12:08Das war, fuck nochmal, meine Leidenschaft.
12:10Und die Leute, die ich einstelle, die sind genauso leidenschaftlich.
12:13Gestern kam einer von deinen Leuten, der kam mittags aus Wien zurück.
12:16Der kam ins Büro, der ist nicht in die Taunus.
12:18Weil er im Team sein wollte. Die haben volle Leidenschaft.
12:22Also die Leute haben da einfach Lust drauf.
12:24Es macht extrem viel Spaß, mit anderen Leuten zu arbeiten, die auch für den Job brennen.
12:27Das ist jetzt nicht so, dass da Leute arbeiten, die irgendwie sich zur Arbeit schleppen müssen
12:31und sie haben überhaupt keine Lust drauf.
12:32Da sind alle hungrig, alle haben Bock Gas zu geben.
12:36Und insbesondere jetzt aktuell, wo wir hier auch irgendwie, was den Wirtschaftsstand dort angeht,
12:41wirklich große Probleme haben, finde ich, dass es schon auch in die Köpfe von jungen Leuten reingehen sollte.
12:47Dass man auch stolz drauf sein kann, wenn man was leistet.
12:49Aber profitiert er am Ende nicht auch vom Druck, der in der Branche auf jungen Leuten lastet,
12:55möglichst schnell große Karriere-Schritte zu machen?
12:58Immerhin ist aus seinen Karriere-Tipps auf Social Media längst ein Geschäftsmodell geworden.
13:02In Coachings seiner Beratungsagentur lernen Teilnehmende, wie man Bewerbungen schreibt oder networked.
13:08Aber Kritiker sagen, Döbele normalisiere in seinen Videos auch eine ungesunde Arbeitseinstellung,
13:14in der ständige Top-Leistung das Ideal ist.
13:18Seine Fans feiern ihn dafür ab.
13:20Ich habe einfach ganz oft draufgedrückt.
13:23Alles klar, super nett.
13:24Dankeschön, viel Spaß.
13:27Das passiert wahrscheinlich sehr oft, wenn du in Frankfurt bist, dachte ich mir.
13:31Und sein Business scheint zu laufen.
13:35Und stehst du auch manchmal noch hier, weil wir kommen so rein und man ist schon sehr beeindruckt
13:40einfach von diesem Setting von der Skyline. Hast du das auch noch?
13:43Ja, ist schon cool. Also zum Beispiel auch hier der Schreibtisch.
13:46Ich habe den extra hier so hingestellt, dass wenn ich quasi dann so hier sitze und rausschaue,
13:51man so auf die Skyline schaut. Das ist schon, ich muss sagen, immer noch cool.
13:56Hi, grüß dich, mein Lieber.
13:58David hat Leon eingeladen, dazu zu kommen.
14:00Leon ist ein ehemaliger Coaching-Teilnehmer.
14:03Er war CDU-Politiker und hat mit Mitte 20 nochmal neu gestartet.
14:07Ich glaube, ich würde ganz kurz, wollen wir mal ganz kurz?
14:09Ich würde hier das Hemd um...
14:11Aber das sieht man nicht.
14:13Egal.
14:13Ja, nee, muss schon gut aussehen, aber sieht gut aus.
14:17Heute, mit 28, ist er bei einer renommierten internationalen Gesellschaft.
14:22In der Finance-Welt ist es vor allen Dingen wirklich so, und das merkt man jetzt auch bei Kolleginnen und
14:25Kollegen,
14:26auch bei Mandanten, die Leute sind unglaublich jung.
14:29Die haben schon, weiß ich nicht, welche Abschlüsse wo gemacht und Praktika und da fällt man echt vom Stuhl manchmal,
14:34wenn man das so hört.
14:35Und was macht das dann aber zum Beispiel mit deinem Selbstbewusstsein, wenn du da jetzt in so einem Setting bist
14:39und merkst, ey, die sind gerade vielleicht sogar fünf Jahre jünger als du und genau so weit oder was auch
14:45immer?
14:45Also, irgendwann in meinem vorherigen Beruf habe ich gemerkt, dass ich so einer der Schlauesten am Tisch war, ohne mich
14:51da jetzt arrogant darstellen zu wollen.
14:52Und ich bin jetzt tatsächlich so als eine Art Underdog eingestiegen in den Fachthemen und habe dann auch schnell gemerkt,
14:58dass ich extrem viel davon lernen kann.
15:00Wir treffen Leon morgen wieder. Mit zu seinem Kunden dürfen wir nicht. Zu groß sind die Sorgen, dass wir Betriebsgeheimnisse
15:06mitkriegen.
15:07Wir wollen trotzdem checken, wie so ein Alltag in der Finanzbranche aussehen kann und treffen dafür Warna, morgens um sechs.
15:14Die 24-Jährige ist Bankerin und wir starten heute mit ihr in den Tag.
15:18Hi. Hallo, ich bin Marie. Hi, Warna.
15:22Freut mich, hallo. Schön, dich kennenzulernen.
15:23Das ist unser Kamerateam. Wir marschieren einfach mal rein, ne?
15:26Genau, kommt einfach rein.
15:27Sie duftet es aber schon gut. Aber schön, wow.
15:30Aber schön, wow.
15:30Wohnungen in so einem Tower kosten in Frankfurt oft über 3.000 Euro Miete im Monat.
15:40So ein Aufwachen jeden Morgen.
15:43Ja, ich muss ehrlich sagen, ich habe mich auch noch nicht dran gefühlt.
15:47Echt?
15:48Also ich gucke jeden Tag immer noch gerne daraus.
15:51Warna teilt ihren eng getakteten Alltag auf TikTok.
15:55Hunderttausende sind da fasziniert von ihrem Lifestyle als Corporate Girl.
15:59Wir hatten einen Kundentermin, wo wir über geplante Akquisitionen gesprochen haben und über verschiedene Finanzprodukte.
16:04Und ich habe tatsächlich auch noch einiges gelernt.
16:06Gehört das denn noch so ein bisschen dazu für dich, sich morgens schick zu machen für die Arbeit?
16:09Klar, dass du repräsentativ aussiehst, ist in einem Job, wo du mit Kunden zu tun hast, definitiv wichtig.
16:16Was bei mir jetzt der Fall ist, deswegen natürlich gucke ich, dass ich zurecht gemacht bin und jetzt irgendwie keinen
16:21ungepflegten Eindruck hinterlasse.
16:24Ich würde jetzt einmal ganz kurz was hier für meinen TikTok aufnehmen.
16:30Zeit dafür ist nur vor der Arbeit. Gerne zeigt sie ihren Lebensstil. Was sie verdient, will sie uns nichts sagen.
16:37Aber es sei auch nicht das Wichtigste für sie.
16:40Also ich würde sagen, gerade in der wirtschaftlichen Situation, die wir uns einfach zeitbedingt aktuell in Deutschland oder auf der
16:47Welt befinden, kann ich ruhig schlafen, dass ich in der Bank arbeite.
16:52Ich würde aber sagen, dass es gefährlich ist, wenn es dein Hauptmotivator ist.
16:55Warum sagst du das gefährlich?
16:57Weil ich meine, du kannst Burnout bekommen, du kannst krank werden, wenn der Alltag für dich einfach nicht tragbar ist.
17:05Und ich glaube, viele Leute merken das auch erstmal lange nicht.
17:10Facken dich manche Klischees über die Finanzbranche ein bisschen ab?
17:14Ja, gibt es tatsächlich. Also was mich schon ein bisschen nervt, ist, dass das so ein bisschen, diese Bubble so
17:21ein bisschen auf den Podest gestellt wird.
17:25Erstens mal, dass wir alle krasser sind als der Rest irgendwie in anderen Jobs und anderen Branchen.
17:30Aber ich frage mich, kommt das nur von außen oder ist das was, was auch innerhalb der Branche einfach so
17:35reproduziert wird?
17:35Ich glaube, der eine oder andere wird sauer sein, dass ich das jetzt hier so sage, weil ich glaube, es
17:39ist auch intern ein Klischee, was gerne aufrechterhalten wird.
17:43Gerade von denen, die halt in diesen super krassen Jobs arbeiten. Es wird auch gerne so High Finance genannt, also
17:48gerade dieses Investment Banking, Private Equity.
17:50Was ich total bewundere, wie gesagt, die Leute, die das machen, das ist ein harter Job. Ich würde es hier
17:54gar nicht irgendwie kleinreden.
17:57Entweder arbeitest du als Banker am Schalter bei irgendeiner Sparkasse.
18:01Oder du bist so Wall Street-mäßig unterwegs.
18:03Genau, oder du bist halt Investment Banker.
18:05Oder machst was mit Aktien. Das sind so die Bereiche, die es gibt. Aber dazwischen ist halt so eine krasse
18:10Bandbreite von Jobs.
18:12Und das wird dann auch so ein bisschen abgetan, von wegen, du bist ja nicht krass.
18:18Obwohl das genauso smarte Leute sind und genauso anspruchsvolle Karrieren sein können.
18:24Warner arbeitet im Corporate Banking einer Großbank. Ihr Job? Große Unternehmen mit dem Geldversorgen, das sie brauchen.
18:30Ob für neue Maschinen, laufende Kosten und andere Investitionen.
18:34Aber wenn ich was mache, dann fordert mich das natürlich, weil es oft um Zahlen geht. Und die müssen natürlich
18:40auch akkurat sein.
18:40Also was ich mir jetzt zum Beispiel in meinem Arbeitsalltag oft anschaue, sind irgendwie Zahlen von Jahresabschlüssen oder Bilanzen.
18:48Und da muss man natürlich schon ein bisschen aufpassen, dass man sich jetzt nicht verzettelt.
18:53Mit ihrem Job nimmt sie maßgeblich Einfluss auf Erfolg und Misserfolg von Unternehmen, sagt sie.
19:02Ja, top.
19:04Schön. Ready.
19:05Ist das so ein normaler Office-Look für das?
19:08Ja, also ich würde sagen, gerade wenn ich jetzt irgendwie ins Büro gehe und generell auch irgendwie die Möglichkeit besteht,
19:16dass ich Kollegen oder meinen Chef oder so sehe, dann schaue ich schon, dass ich relativ, ja, so vernünftig für
19:22eine Bank angezogen bin.
19:23Ja, dann auch zur Arbeit, ne?
19:25Genau, ja.
19:26Meine Tasche.
19:28Ja, und Warna, morgen, wenn wir feiern gehen, gibst du uns ja auch ein bisschen Fashion-Advice, oder?
19:34Wir brauchen offensichtlich Hilfe, um in die Koffel einzuschreiten.
19:36Ja, weil wenn ich mich das so angucke, könnte ich jetzt so wahrscheinlich nicht unterwegs sein.
19:41Also tatsächlich, in den Laden, in den wir morgen gehen, würden die dich wahrscheinlich so nicht reinlassen.
19:46Irgendwie so ein bisschen, ja, jetzt nicht super schick, aber so ein bisschen irgendwie so fürs Ambiente passend sollte man
19:53sich schon anziehen.
19:53Dann probieren wir ein bisschen was aus und schicken dir Bilder und du sagst, ob wir klar gehen.
19:57Ob wir klar gehen.
19:58Ja, können wir so machen.
20:00Ja, top.
20:00Dann geht's jetzt mal los zur Arbeit.
20:02Wir haben nicht lange genug aufgehalten.
20:04Warna wohnt mitten im Bankenviertel.
20:08Du musst dich manchmal so selber zwicken, wenn du so aus dem Hochhaus rauskommst und denkst,
20:12krass, ich hab's auch ein bisschen geschafft.
20:13So, ich bin da, wo ich hin wollte.
20:16Man sieht eher super viele Menschen, die noch ganz anderes erreicht haben und es eher inspiriert und denkt sich so,
20:22krass, ich bin eigentlich ganz am Anfang und sieht, was möglich ist und das motiviert mich auch.
20:27Hört sich alles easy an, aber gibt es auch Schattenseiten des Erfolgs?
20:33Ich glaube, der größte Abstrich, den ich mache, dass ich einfach nicht so viel Zeit mit meiner Familie verbringe.
20:38Also das ist zum Beispiel mit meinen Geschwistern ganz anders.
20:40Die telefonieren mittags mal mit meiner Mutter oder treffen sich und machen einen kleinen Ausflug oder so am Nachmittag.
20:47Und bei mir ist es wirklich so, dass ich schaue, dass ich am Wochenende mal anrufe und wenn es geht,
20:53dann sieht man sich vielleicht alle paar Monate mal, weil ich auch noch einen Partner habe, mit dem ich auch
20:57noch Zeit verbringe.
20:58Ich meine, wir sehen uns zwar schon genug, aber man ist dann doch sehr in seinem Ding und arbeitet und
21:04ist beschäftigt.
21:06Für uns schwer vorstellbar, dass es ihr gar nichts auszumachen scheint, Familie komplett hinten anzustellen.
21:11Dafür hat sie sich mit 24 schon ein Leben aufgebaut, das andere trotz harter Arbeit nie erreichen werden.
21:19Ja und Timmy, was sagst du? So jetzt so nach der Bude und hier so dem ganzen Setting?
21:25Ja, ich fühl mich ein bisschen erschlagen von, das ist schon ein krasser Luxus einfach.
21:28Selbst wenn das für mich zum Beispiel nie ein Karriereweg war, den ich wählen würde oder wollte.
21:33Aber man checkt ein bisschen, dass dieser ganze Lifestyle schon auch einen anziehen kann.
21:38Einen anziehen kann, voll.
21:39Das ist eine Begeisterung. Aber wenn du als Krankenschwester oder als Pfleger im Krankenhaus arbeitest,
21:45arbeitest du dir auch den Arsch ab und du wirst auf keinen Fall in so einem Tower, in so einer
21:48krassen Bude leben.
21:49Das ist schon ein dicker Luxus, den diese Branche dir ermöglichen kann.
21:54Gern hätten wir gefilmt, wie es am Arbeitsplatz der Banker tatsächlich abläuft, durften wir aber nicht.
22:00Wir treffen Leon daher auch außerhalb der Bank zum Mittagessen.
22:03Ich hab das Arbeitshandel trotzdem dabei, falls was ist.
22:06Aber ich sag mal, die eineinhalb Stunden habe ich jetzt auch im Kalender geblockt.
22:09Ganz normal in einer Branche, in der man zu jeder Tages- und Nachtzeit für den Kunden bereit sein muss.
22:15Leon steht heute ziemlich unter Strom.
22:18Also man muss funktionieren und man muss wirklich einen klaren Kopf haben.
22:22Man muss immer klar bei der Sache sein.
22:25Aber wenn ich jetzt nach dem Lunch wiederkomme, kann es sein, dass ich jetzt ad hoc etwas übernehmen muss an
22:28Themen, die brennen.
22:29Oder es ist irgendwas aufgeploppt bei anderen Teams, wo ich ein Schnittstellenthema habe.
22:34Aber da musst du sofort alles stehen und liegen lassen und quasi dann das andere Thema machen.
22:39Aktuell prüft er mit seinem Team die Jahresabschlüsse großer Banken.
22:42Das heißt, gerade hat er richtig Druck oder wie er sagt, Busy Season.
22:47Das bedeutet lange Arbeitstage am Schreibtisch und viele Kundentermine.
22:50Das fordert ihn, aber erfüllt ihn auch, wie er sagt.
22:54Der Job, den ich tue, der hat quasi einen Impact in der Welt.
22:58Also das ist für mich auch immer wichtig.
22:59Also das, was ich tue, sollte sich in der Gesellschaft, das zeigt sich jetzt nicht sofort, aber es ist auf
23:05jeden Fall ein großer Impact.
23:07Ich bin auch so eine Person, ich will gerne Dinge machen, die die breite Masse nicht machen könnte.
23:11Wenn er jetzt irgendwie auf die Straße geht draußen und irgendwen frage, setz dich jetzt vor den PC und mach
23:15das, was ich mache.
23:17Das ist vielleicht dann nochmal was anderes.
23:19Es geht schon auch darum, irgendwie besonders zu sein.
23:24Ja, sich abzuheben.
23:25Sich abzuheben.
23:26Ja, genau.
23:28Also geht es ums Ego dabei?
23:30Das Ego ist immer mit dabei.
23:32Also vom Klischee kann man sich da auch nicht lösen.
23:34Es ist immer das Ego mit dabei, es ist auch immer Geld mit dabei.
23:37Ich persönlich, gerade jetzt, erlebe jetzt keine große Konkurrenz.
23:41Ich persönlich würde jetzt nichts sagen, ich hätte da irgendwie jemanden groß, der an meinem Stuhl sägt.
23:45Und gib mal dein Selbstbewusstsein, ja.
23:48Ja, mein Selbstbewusstsein, da mangelt es mir nicht dran.
23:50Aber das ist halt so.
23:52So bin ich.
23:52Das ist meine Persönlichkeit.
23:54Was ist, wenn man nicht so ein großes Ego hat?
23:57Kann man dann in der Finanzszene überhaupt bestehen und gesund bleiben?
24:01Es ist halb elf Uhr abends und Tim und ich will auch nicht gerade durchs Baden-Viertel.
24:05Und das ist so krass, Leute, weil überall brennt einfach noch Licht.
24:08In jedem Gebäude sind noch Leute am Ackern.
24:11Da sieht man es ganz gut und am krassesten eigentlich hier hinter mir in dem Tower.
24:15Da sehen wir teilweise Leute auch noch in den Büros sitzen.
24:18Es ist einfach mittwochs um halb elf.
24:19Also die sind auf jeden Fall noch krass fleißig.
24:23Aber welchen Preis zahlt man für das Leben, von dem Leon und Warner träumen?
24:28Davon berichten kann Stefan Beismann.
24:30Er ist Vorstand der Firmenkundensparte der DZ-Bank, Deutschlands zweitgrößter Bank.
24:35Zum Flexen geht's nach ganz oben.
24:39Also was nicht schön ist, ist, wenn man hier mal stecken bleibt.
24:41Das ist mir wirklich einmal passiert.
24:42Oh Gott.
24:43Und alleine Licht aus.
24:45Genau.
24:47Vor allem, sagt Beismann, müsse man am Privatleben sparen.
24:51Also bei unseren heute älteren Kindern, 26 und 30, da war ich schon nicht oft bei Feiern vom Kindergarten dabei.
25:00Und da hätte ich gern mehr teilgenommen.
25:02Ich glaube, das ist heute besser möglich.
25:06Und das kann man nicht zurückholen.
25:08Das ist einfach weg.
25:10Als seine erste Tochter geboren wurde, war er der erste Mann im Unternehmen, der überhaupt Elternzeit nehmen wollte, um sich
25:16um seine Kinder zu kümmern.
25:18Und da hat mir mein Chef damals gesagt, also, sind Sie sicher, dass Sie Elternzeit nehmen wollen?
25:24Sie wollen noch Karriere machen, Sie sind noch ein toller, toller Mensch, Sie haben alles und so.
25:28Und dann sag ich, ja, ich muss Elternzeit nehmen, weil meine Frau hat den Fuß gebrochen.
25:33Und dann meinte er, ja, also unterstützt er nicht, unterschreibt er nicht.
25:36Und dann hab ich gesagt, ist mir egal, ich mach's trotzdem.
25:39Und dann war irgendwie, ich bin aus dem Büro raus, hab gedacht, jetzt ist alles vorbei.
25:42Also es hat sich erledigt.
25:44Heute sei die Branche deutlich familienfreundlicher.
25:47Trotzdem bleibt der Handel.
25:48Private Zeit gegen Karriere.
25:50Ich stehe um 5.20 Uhr auf.
25:52Heute zum Beispiel.
25:53Dann geh ich mit unseren Hunden spazieren.
25:55Dann mach ich mit unseren Kindern noch ein Pausenbrot.
25:58Und dann fahr ich zur Arbeit.
25:59Und wann sind Sie dann abends zu Hause an so einem Tag wie heute, wenn Sie um 7.30 Uhr
26:02angefangen haben?
26:03Also heute werde ich so gegen 18.30 Uhr so was zu Hause sein.
26:07Aber gestern war ich um 23.30 Uhr zu Hause und hab auch um 7 Uhr angefangen.
26:10Trotz der langen Arbeitstage, für Stefan Beismann ist die Faszination an seinem Beruf ungebrochen.
26:16Das Schönste seien für ihn die Einblicke in ganz verschiedene Bereiche.
26:19Von der Beratung von Firmen bei den nächsten strategischen Schritten bis zu Kreditentscheidungen,
26:24die über das Schicksal der Mitarbeiter entscheiden.
26:27Aber ist es der Hasse wirklich wert?
26:30Wir suchen lange nach jemandem, der offen über Stress und Überlastung spricht.
26:34Und finden Mario.
26:36Er war Investmentbanker.
26:38Mittlerweile wohnt er nicht mehr in Frankfurt und arbeitet heute als Physiotherapeut.
26:44Okay, wie geil ist denn das Skelett da bitte hinter dir?
26:48Hast du das rein? Ich dachte so, vielleicht Timmer.
26:50Ja, das ist schon irgendwie lustig.
26:53Jahrelang hat er auf den Top-Job hingearbeitet.
26:56Als er ihn endlich hat, merkt er, ich pack das einfach nicht.
26:59Der Kopf wird so dermaßen beansprucht und diese psychische Belastung,
27:04dass sich das eben auch ganz klar so auf dein körperliches Wohlbefinden auswirkt.
27:10Und entsprechend war eigentlich bis auf so Grundbedürfnisse decken und dann nochmal einkaufen gehen,
27:15war bei mir persönlich nicht mehr viel drin.
27:18Der Konkurrenzkampf war riesig.
27:21Also da war es gefühlt bei mir eben noch mehr Ellbogen-Mentalität.
27:28Ich will gewinnen und was du machst, ist mir eigentlich total egal.
27:32Du bist da auch, wie gesagt, ja in so einem Umfeld, wo es einfach normal ist abzuliefern
27:40und der Schwächste verliert.
27:4221 Uhr Laptop zuklappen war okay.
27:47Aber man hat natürlich auch immer so einen leichten Blick drauf gehabt.
27:51Okay, sind die Arbeitskollegen noch online?
27:53Und davon lässt man sich dann natürlich auch so ein bisschen unter Druck setzen.
27:56Wenn du siehst, okay, die sind alle noch da, die haben alle noch die grüne Lampe an.
28:02Und wenn du jetzt dein Laptop zuklappst, dann kannst du sicher sein,
28:08du wirst nicht der Nächste sein, der da die Karriereleiter hochklettert.
28:12Mario geht es immer schlechter.
28:14Er muss die härteste Entscheidung seines Lebens treffen, erzählt er uns.
28:17Er kündigt und fängt bei Null an.
28:20Mario verzichtet auf das Jahresgehalt von knapp 100.000 Euro.
28:24Heute verdient er als angestellter Physiotherapeut weniger als die Hälfte davon.
28:28Aber er bereut nichts.
28:29Geld allein, sagt er, macht einen nicht glücklich.
28:32Ob das auch die so sehen, die noch voll in der Finanzbubble drin sind?
28:36Viele liefern einfach immer weiter ab.
28:38Und nach einem harten Arbeitstag geht's feiern im Gipsenclub.
28:42Wir wollen dabei sein und haben dafür die schicksten Teile aus unseren Kleiderschränken rausgekramt.
28:54Klamotten, die wir sonst eher auf einer Hochzeit tragen würden.
29:01Wir hoffen, wir gehen damit als Banker durch.
29:03Denn in dem Club trifft sich die Frankfurter Finanzszene zum Afterwork feiern.
29:07Und für Banker gibt es sogar freien Eintritt.
29:10Ich wüsste mal gerne, ob da Leute wirklich so richtig auf die Kacke hauen.
29:14Ich auch.
29:14Wie in so Filmen oder so.
29:17Oder ob da wirklich alle so richtig mit angezogener Handbremse sind,
29:20weil die halt morgen arbeiten müssen.
29:21Oder vielleicht auch, weil es ja auch irgendwie ein Branchentreffen ist.
29:24So overdressed würde ich sonst einfach nie feiern gehen.
29:28Ui, schick.
29:30Ich bin so weird.
29:32Willst du?
29:32Ja, ich glaub schon.
29:35Ja, du, Fraueninvestmentbanking, würde ich sagen.
29:38Jetzt müssen unsere Outfits erstmal noch ein Go von Vana kriegen.
29:41Und, was will sie?
29:43Sie sagt, Tim könnte morgen bei uns im Office anfangen.
29:46Yes.
29:46Und sie sagt, ich bin eher Team Clyde.
29:48Das Outfit mit dem Clyde und dem Blazer finde ich top.
29:51Ja, dann.
29:52Okay.
29:53We made it.
29:53Schade.
29:54Keine Chance auf.
29:55Kannst dich nicht durchwissen.
29:56Aber geil, wenn ich morgen im Office anfangen kann, ist doch gut.
29:59Erstmal geht's aber mit Vana und Leon in eine der angesagtesten Bars im Bankenviertel.
30:03Die beiden begegnen sich zum ersten Mal.
30:05Dass sie heute Abend überhaupt Zeit gefunden haben, ist nicht selbstverständlich.
30:11Wenn ich jetzt gesagt hätte, vor drei Wochen, ich will mit Kollegen jetzt um 19 Uhr trinken gehen,
30:16hätte ich den gecancelt.
30:17Also theoretisch würde ich jetzt auch noch arbeiten wahrscheinlich, ja.
30:20Also ich muss morgen bis um 9 Uhr morgens, muss ich die Unterlagen gelesen haben.
30:24Ich habe jetzt nur das Termsheet gelesen und es sind noch ungefähr so 20 Seiten Dokumente.
30:30Aber das schaffe ich auch morgen früh.
30:32Habt ihr auch mal so Momente, wo ihr denkt, boah, also mir ist grad zu viel.
30:38Oder ich mache mir Sorgen, dass ich das vielleicht nicht 10 Jahre durchhalte.
30:42Ja, am laufenden Band.
30:43Ja?
30:43Ja, ja.
30:45Also wenn ich das sagen kann, ich hatte den Moment heute schon.
30:49Ja, ja.
30:50Aber es gibt schon Momente, wo ich dann da stehe und denke mir, wofür denn eigentlich das alles, ne?
30:54Man hat ja schon seine Ziele, seine Wünsche, auch das, was einen dadurch bereichert.
30:59Und was denkst du, was ist dann deine Antwort auf die Frage, wofür mache ich das?
31:02Was antwortest du dir selber?
31:04Vielleicht auch, um sich ein Stück weit selber zu beweisen, dass man das durchhält.
31:08Wir wollen jetzt noch richtig feiern und kommen mit unseren Outfits easy in den Club.
31:13Aber irgendwie dachten wir aus den Erzählungen, die Afterwork-Partys wären krasser.
31:18Hier rastet keiner aus wie bei Wolf of Wall Street.
31:21Und vielleicht ist das wieder nur eins dieser vielen Klischees über die Branche.
31:25Am Ende arbeiten wohl alle so viel, dass keine Energie mehr bleibt, um auch noch auf der Tanzfläche zu performen.
31:30Wir haben hier Leute kennengelernt, die alle unheimlich fleißig sind, manchmal über ihre eigenen Grenzen hinausgehen.
31:37Doch das System, das so viel von ihnen abverlangt, kritisieren sie dabei überhaupt nicht.
31:42Sie haben sich klar entschieden. Für Geld, Anerkennung und Erfolg.
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