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00:04Das Leben als Schäferin ist hart. Aber so hart?
00:14Doch Johanna kämpft und es gibt noch Hoffnung.
00:21Ein krasser Beruf, den sie und ihr Mann Heiner sich ausgesucht haben.
00:25Völlig egal, was man selber irgendwie für Pläne hat. Die Schafe, die gehen immer vor.
00:31Es gibt kaum noch junge Schäfer in Deutschland.
00:33So, guck mal.
00:34Ich bin auf einem Hof aufgewachsen, aber ich habe mich später für die Großstadt entschieden.
00:39Schafe treffe ich nur noch, wenn ich aus Hamburg raus war.
00:44Schon ganz lustig, die laufen hier echt quer über den Weg. Muss man auch ein bisschen ausweichen.
00:49Ich will wissen, warum man sich heute noch für ein Leben mit den Schafen entscheidet und
00:53warum Marco meint, dass Wolle das geilste Textil überhaupt ist.
00:57Würdest du jetzt damit auch ins Bergheim kommen?
01:00Weiß ich nicht.
01:01Heute sehe ich so, wenn ich damit nicht ins Bergheim komme, dann habe ich alles richtig gemacht.
01:08Das Schäferleben ist ganz schön bunt.
01:10Dann irgendwann kam die Frage, gibt es eigentlich auch schwule Schafe?
01:13Und dann habe ich gesagt, na klar gibt es auch schwule Schafe.
01:15Das ist auch das Patenschaf von Bill Kaulitz.
01:17Die beiden mochten sich und dann hat er sich das ausgesucht.
01:20Zur Wahrheit gehören aber auch schwierige Fragen, die uns alle betreffen.
01:24Also jeder, der tierische Produkte isst, der muss diese Bilder ertragen.
01:37Wir sind in Niedersachsen bei Heiner Hemsooth.
01:40Sein Vater hat hier auf dem Hof mit den Schafen angefangen.
01:43Vor zwei Jahren ist Heiner mit eingestiegen, zusammen mit Johanna.
01:46Die beiden sind 28 und haben gerade geheiratet.
01:49Sie wollen den Biobetrieb nach und nach übernehmen.
01:52Das sind unsere Arbeitshunde.
01:54Aber die finden es halt gerade super langweilig.
01:57Lammzeit ist die schlimmste Zeit des Jahres für Hütehunde.
01:59Es gibt nichts zu tun, ja.
02:02Wenn im Frühjahr die Lämmer purzeln, sind die Hunde im Zwinger und die Schafe im Stall.
02:07Und Heiner und Johanna meistens auch.
02:10Mindestens alle halbe Stunde geht man durch und guckt einmal.
02:13Einige Tiere sind schon kurz vorm Platzen.
02:16Die schwankt schon ganz schön von rechts nach links mit ihrem dicken Bauch.
02:20Das ist wieder Morlin und die knabbert sehr gerne an Schnürsenkeln.
02:24Aber ein bisschen liebeschaf, ne?
02:27Außer Morlin sind Heidschnucken sehr scheu.
02:30Eine sehr alte Schafsrasse mit Hörnern und langen Haaren über der Wolle.
02:34Bei der Geburt sind sie noch ganz dunkel.
02:38Das ist, wenn die dann ordentlich Milch kriegen und da ist dann ordentlich Energie drin.
02:43Dann kann das schon mal sein, dass so ein Popo ein bisschen verklebt.
02:51Und machen damit dann die Popos sauber.
02:54Damit das dann nachher alles wieder gut funktioniert, ne?
02:58Innerhalb von sechs Wochen kommen hier 500 Lämmer zur Welt.
03:01Vor Ostern ist die heftigste Zeit des Jahres.
03:12Hebammel, Tierarzt und auch Piercings.
03:15Als Schäfer muss man einiges drauf haben.
03:17Das muss man halt immer machen, ob man jetzt irgendwie Urlaub geplant hat oder sowas, der
03:23dann kurzfristig ins Wasser fällt, weil bei den Tieren irgendeine Katastrophe ist.
03:26Hattet ihr schon, oder?
03:28Das war letztes Jahr.
03:29Wir haben letztes Jahr komplett durchgeackert.
03:32Wochenende gibt es auch nur in Ausnahmefällen.
03:34So viel zur Work-Life-Balance.
03:37Aber das ist schon so.
03:38Also vieles, was man halt auch irgendwie absagt oder wo man nicht hingeht, weil halt einfach
03:45irgendwie die Arbeit bzw. die Tiere vorgehen.
03:49Aber dafür wenig lohnt.
03:52Den darf man sich nicht ausrechnen.
03:5580 Stunden in der Woche, jetzt zur Lammzeit gerne auch mehr.
04:00Zumal auch heute eine Überraschung dazu kommt.
04:02Die hat geworfen.
04:04Was?
04:04Was ist das denn?
04:06Och Mäuschen, du hast ja witzige kleine Babys.
04:09Kleiner Schreihals.
04:10Komm mal mit, Ina.
04:12Du hast doch gesagt, es ist Geburtenzeit.
04:14Es ist Geburtenzeit, aber nicht von Hundewelpen.
04:17Gott sei Dank ist ja nur einer.
04:20Guck mal, hier ist dein Baby.
04:23Ist alles gut.
04:25Guck mal, da ist dein Baby.
04:32Ja, unverhofft kommt oft, ne?
04:34Also ihr könnt Nachwuchs gebrauchen.
04:35Ja, wir brauchen auf jeden Fall Nachwuchs.
04:37Es war auch geplant nochmal Nachwuchs zu holen.
04:39Aber noch nicht jetzt.
04:41Und auf einmal passiert auch was im Stall.
04:44Alles gut, Mädels.
04:45Bei zwei Schafen geht's jetzt los.
04:47Es passiert was, ja.
04:49Jetzt kommt der Kopf.
04:56Die Mütter machen das eigentlich alles selbst.
04:58Ich bin da jetzt nur gerade einmal hingegangen, weil ich dachte, der Kopf liegt unterm Körper.
05:01Aber es war auch alles gut.
05:05Nach wenigen Minuten schon die ersten Gehversuche.
05:12Aber leider läuft nicht jede Geburt so gut.
05:15Wach werden.
05:18Das Lamm atmet kaum.
05:22Genau, husten.
05:24Ganz viel husten.
05:27Aufwachen.
05:30Ist gut, Mäuschen.
05:31Geh mal weg.
05:34Scheiße, ey.
05:34Also, gucken.
05:37Was ist da los?
05:39Es war in der Fruchtblase eingewickelt.
05:42Ich hab halt drüben nach der anderen geguckt und ich dachte, das dauert hier noch.
05:46Und jetzt hat es halt Fruchtwasser eingeatmet.
05:49Diese Schleudern, das bewirkt halt, dass man es probiert rauszukriegen.
05:52Aber es kämpft gerade ein bisschen mit dem Luftkriegen.
05:57Johanna gibt wirklich alles.
05:59Eine halbe Stunde lang.
06:01Also, der atmet noch, aber das wird nichts.
06:04Das dauert jetzt schon zu lange.
06:07Der stirbt gerade.
06:17Doch so langsam kommt die Atmung in Schwung.
06:22Und die geballte Erfahrung von Johannas Schwiegervater Jörg sagt, das Lamm kommt durch.
06:27Ich auch.
06:28Das passt schon.
06:29Alles gut.
06:30Alles gut, ey.
06:36Ja, du kommst so mit.
06:41Und dann kommt gleich die nächste Überraschung.
06:44Da kommt Nummer zwei.
06:45Guck, da kommt jetzt das zweite Lamm hier bei ihr.
06:48Sogar Zwillinge.
06:51Leute.
06:55Ein kleines Happy End.
06:57Ja, Lammzeit ist ja auch eine schöne Zeit.
06:59Es ist eine sehr schöne Zeit.
07:00Sowas zieht einen runter.
07:02Aber es ist eine sehr schöne Zeit.
07:05Und sie sind süß.
07:13Morgen.
07:15Bis sechs Uhr durften wir ausschlafen heute.
07:20Die allererste Frühschicht um drei, die haben wir ausgelassen zum Glück.
07:25Guten Morgen.
07:26Na?
07:29Wie war die Nacht?
07:30Kurz.
07:32Hast du überhaupt geschlafen?
07:33Äh, nein.
07:35Doch.
07:35Also, zwei Stunden.
07:37Wir waren nicht mal noch mit Jörg bis zwei Uhr da.
07:39Mit dem Lamm am Punkt zu tütteln.
07:41Und es haben dann tatsächlich noch vier heute Nacht abgelammt.
07:43Und zwei heute Morgen.
07:45Und heute top motiviert.
07:46Ja.
07:48Neben dem Hof von Heiners Vater haben die beiden ihren eigenen.
07:52Den hier haben sie vor kurzem gekauft.
07:55Im Stall stehen nochmal 90 Muttertiere.
07:58Leinescharfe mit heller Wolle und sehr süßen Lämmern.
08:02Auf in den Kampf.
08:05Einige Lämmer kriegen nicht genug Milch von der Mutter und brauchen die Flasche.
08:09Besonders die zwei kleinen Weisen.
08:11Der dicke Sven.
08:12Und dann ist hier der Willi.
08:14Das war eigentlich unser kleinster Stöpsel, den wir hier rumrennen hatten.
08:17Der ist mittlerweile aber auch schon ganz schön gewachsen.
08:20Die kriegen jetzt einmal jeweils einen halben Liter, eine komplette Flasche.
08:24Und den Rest, den wir haben, den teilen wir dann nachher unter den anderen hier auf.
08:27Das ist ja ein Hauen und Stechen hier.
08:29Ja, ja.
08:31So schön kann der Schäferjob eben auch sein.
08:33Wenn man sich hier nachher reinsetzt und die kommen alle an und knabbeln an einem rum.
08:38Also ich glaube, wer da nicht irgendwie ein bisschen Zufriedenheit und Glück und sowas spürt, der ist dann schon irgendwie,
08:45weiß ich nicht.
08:46Kann ich mir nicht vorstellen.
08:47Für die Zukunft setzen sie mehr auf Heidschnucken.
08:50Denn Leineschafe sind eine Fleischrasse.
08:53Die Tiere schmecken aber nur, wenn sie jung geschlachtet werden.
08:56Und davon will Heiner weg, zumindest langfristig.
08:59Bei denen jetzt hier ist es tatsächlich so, die werden sieben, acht, neun Monate alt.
09:05Das heißt, die sind hier dieses Jahr zur Welt gekommen und werden auch dieses Jahr dann schon irgendwo auf dem
09:11Teller landen.
09:13So böse sich das anhört, das ist so.
09:15Das war ein bisschen tragisch, aber das wisst ihr noch nicht, ne?
09:18Ne, das wissen die noch nicht.
09:20Für die Zucht brauchen Schäfer vor allem weibliche Tiere.
09:23Das Schicksal der allermeisten Böcke werden wir nachher erleben, wenn Johanna zum ersten Mal beim Schlachten ihrer Tiere dabei ist.
09:34Auch Michael Stücke ist Schäfer. Auch er hat hunderte Tiere und auch seine Schafe werden geschlachtet.
09:40Der letzte macht das Tor zu.
09:41Es gibt aber eine große Ausnahme. Und zwar diese Herde hier.
09:51Die freuen sich, wenn du kommst?
09:53Ich denke schon.
09:54Sieht so aus, ne? Ja.
09:55Und die sind alle schwul?
09:56Die sind alle schwul.
09:58Wenn du die jetzt fragen würdest, dann würden sie dir ehrlich eine Antwort geben.
10:02Wie äußern die das?
10:03Man sieht das auch manchmal. Ja, also nicht nur durch den Deckakt praktisch untereinander gegenseitig, sondern eben sie verweigern den
10:12Deckakt mit den weiblichen Tieren.
10:15Also das ist dann, danach ist es dann eindeutig, ne? Ja. Du kommst auch an, willst Streicheleinheiten haben, ne? Ja.
10:23Ja, die mögen dich auch schon.
10:25Ich wollte gerade sagen, ist das normal, dass sie so zufrieden sind? Ja, ja, ja.
10:29Also das kenne ich jetzt von anderen Schafen nicht so.
10:31Tatsächlich ist Homosexualität bei Schafen relativ gut erforscht.
10:36Für mich war das auch ein bisschen fremd, also dass es natürlich schwule Tiere gibt.
10:40Das ist ganz klar, das haben wir immer wieder beobachtet.
10:43Und es sind wohl fünf bis zehn Prozent aller Tiere, die in diesen Bereich reinfallen.
10:48Und für die wäre ja die Chance, weiterzuleben, jetzt gar nicht da im Normalfall, ne?
10:54Ein Bock, der nicht deckt, wird geschlachtet.
10:56Stattdessen dürfen diese 23 Tiere hier sich austoben und grasen.
11:01Und damit auch einen Beitrag zur Artenvielfalt leisten.
11:04In dem Schafdunkt, der hier auf der Fläche liegt, kann man sehen, dass Mücken, Gnitzen und so kleines Geflierzeug,
11:12also Insekten, Nahrung finden in diesen Schafkötteln, die hier auf der Wiese sind.
11:16Und die Vögel gehen im Tiefflug über diese Schafköttel und packen sich praktisch Mücken und Gnitzen weg, ne?
11:23Und verspeisen die.
11:24Und nur wenn das Ökosystem in diesem Gleichgewicht ist, dann funktioniert die Natur.
11:30Damit Michael und sein Mann nicht auf den Kosten sitzen bleiben, vermittelt eine Agentur Patenschaften für die Böcke.
11:36Und Karl, der hat das ganz Große losgezogen.
11:39Hey, ich bin Bill und das ist Karl.
11:41Und guess what?
11:42Karl ist schwul.
11:45Bill Kaulitz auf seinem Hof. Für den Schäfer Michael war das ganz schön irre. In seinem Hofladen hängt noch ein
11:52Andenken.
11:52Ja, er hat also diesen Anzug an. Das ist so ein Einteiler. Den haben zwei Designer aus Berlin entworfen, aus
11:59der Schafwolle der schwulen Böcke.
12:00Und das ist handgesponnen und dann so hergestellt worden. Also das ist sehr transparent mit großen Löchern gearbeitet.
12:09Wie fanden die Böcke das Outfit dann von ihm?
12:13Sehenswert.
12:14Für eine Kollektion reicht die Wolle der schwulen Böcke nicht. Aber daraus entstehen zum Beispiel solche Aufnäher.
12:21Die Einnahmen gehen an queere Projekte.
12:23Also 40 Euro für zwei Schnürsenkel, das ist dann ein Liebhaberprodukt, aber es ist keine Massenware dann, ne?
12:30Ne, eine Massenware nicht. Aber ich würde sagen, wer sich so bewusst solche Schnürsenkel trägt, der hat auch eine Wertschätzung
12:37für das, was wir tun und was daraus hergestellt wird.
12:40Genau diese Wertschätzung könnte Michael auch für die Wollprodukte seiner anderen Schafe gut gebrauchen.
12:46Denn die Aufarbeitung von Wolle ist extrem aufwändig.
12:50Die Wolle muss zuerst gewaschen und dann in dieser Maschine gekämmt werden.
12:54Das Ding ist 100 Jahre alt. Michael hat alle Teile selbst wieder zusammengebaut.
12:59Also das Ziel ist letzten Endes hier eine ganz feine, dünne, gerade Faser zu haben.
13:08Das ist praktisch die gekämmte Faser.
13:11Und aus den fertigen Fasern wird dann ein Garn gesponnen, das dann aber noch gestrickt oder gehäkelt werden muss.
13:18Also ich glaube, man versteht besser, wenn man sieht, wie viele Arbeitsschritte da nötig sind, warum es so schwer ist,
13:25die Wolle auf den Markt zu bringen.
13:27Aber Michael will weitermachen, auch mit der Wolle seiner schwulen Böcke.
13:31Was macht ihr daraus? Den nächsten Einteiler für Bill Kaulitz?
13:34Ja, das wird noch nicht verraten. Ein paar Geheimnisse müssen wir hier auch noch haben.
13:41Wolle als Nischenprodukt, das funktioniert. Aber es gibt auch Leute, die Wolle auf cool machen wollen.
13:47Das Image von Wolle ist hardcore, alternativ, selbstbestrickt, Achselhaar, 68er-Müsli-Kartoffelsack-Image.
13:55Und das versuchen wir aufzubrechen.
13:57Wie das klappt, das sehen wir später.
14:03Zurück zu Johanna. Einmal pro Woche schlachtet ihr Schwiegervater Jörg. Heute sind es sechs Schafe.
14:10Die sind jetzt 15 Monate ungefähr alt. Die Lämmer vom letzten Jahr, alle männliche Tiere, weil die weiblichen Tiere behalten
14:16halt auch zum Großteil für unsere eigene Zucht.
14:18Und dann das ungeschorene Tier, das ist ein Alttier. Und mit elf Jahren ist die schon echt alt. Und ab
14:22jetzt wird die auch anfangen abzubauen. Deswegen ist jetzt Schluss.
14:26Verabschiedet man sich noch?
14:27Ja, ihr müsstet da jetzt einmal weggehen, sonst laufen die nicht raus.
14:32Kurzer Transport und hier im Schlachthaus wenig Wartezeit für die Tiere. Aber die wenigsten Schäfer schlachten selbst.
14:38Die Tiere haben mir schon leidgetan da eben.
14:42Hat der schon mal bei einer Schlachtung dabei?
14:45Äh, ich war noch nie bei einer Schlachtung dabei, nee. Aber du ja auch nicht, oder?
14:51Äh, also hier tatsächlich nicht. Aber ich war im Rahmen des Studiums auf dem Rinderschlachthof und auf dem Geflügelschlachthof.
14:59In ihrem Betrieb macht der Fleischverkauf nur einen kleinen Teil des Gewinns aus. Aber das Schlachten wird auch in Zukunft
15:05dazugehören.
15:06Deshalb will Johanna bald den Schlachtschein machen.
15:09An Händler geben wollen wir nicht. Nix gegen Viehhändler und alle anderen, die das machen, ist es ja alles in
15:14Ordnung.
15:15Äh, so funktioniert das halt. Aber das wollen wir einfach nicht.
15:19Wir wollen die halt gerne selbst schlachten, die Kontrolle bis zum Ende behalten.
15:23Es wird ernst. Wir zeigen nicht alle Momente. Aber wenn ihr bei dem Thema sensibel seid, solltet ihr die nächsten
15:28dreieinhalb Minuten skippen.
15:37Nach der Betäubung durch Elektroschock wird das Schaf mit einem Kehlschnitt getötet. Das Bild ersparen wir euch.
15:44Das war's schon. Diese Zuckung, das ist normal. Das sind einfach so Maidbewegungen, heißt nie.
15:53Das ist nicht, weil das Tier noch lebt. Das ist schon tot.
15:56Boah, krass, wie schnell das geht vor allem, oder?
15:59Ist doch gut so, oder?
16:01Also das Tier, klar, das rausziehen, ist das alles doof. Kennt es hier nicht, da muss man sich jetzt nichts
16:05vormachen.
16:05Aber es geht sehr schnell und es ist dann schnell vorbei und...
16:09Genau.
16:14Kannst du das nicht sehen?
16:15Ist halt so ungewohnt, wenn man so Knachten dann auf einmal so durchbrechen kann.
16:20Also es ist einfach so...
16:21Also es ist das Gelenk, deswegen kann man das da...
16:25Es geht Schlag auf Schlag. Jörg hat schon tausende Schafe geschlachtet.
16:30Aber abstumpfen, das will er niemals.
16:33Den Respekt vorm Tier, den muss man auch beim Schlachten haben. Das ist ganz wichtig.
16:39Da darfst du nicht einfach sagen, ja das ist Routine, ich mach die weg oder so.
16:43Im Handwerk Routine ja, aber da geht es nicht darum, dass einem das nachher egal ist.
16:49Auch emotional egal ist. Das darf nicht passieren.
16:55Heidschnucke schmeckt feiner als die meisten anderen Schafe.
16:58Und zwar auch, wenn das Tier alt geworden ist.
17:01Seit wann isst du Fleisch wieder?
17:05Äh...
17:06Seit ich hier bin.
17:07Du warst ja Veganerin, hast du erzählt.
17:09Ich war mal Studentin und da sind alle Veganer.
17:13Nein.
17:13Wir können uns das einfach nicht leisten, dass wir alle diese Fleischmengen essen, einfach umwelttechnisch.
17:18Aber wir brauchen Nutztiere und wenn die gut gehalten werden, die Tiere und anständig am Ende mit denen umgegangen wird,
17:26dann muss man sie auch irgendwo verwerten.
17:28Also jeder, der tierische Produkte isst, der muss diese Bilder ertragen, weil wenn man das nicht erträgt, dann sollte man
17:34sich Gedanken machen, ob man das essen möchte.
17:36Tja und hier ist Tradition, wenn der Inhaber der Schlachterei, Jörg Runge, dienstags um 10 frische Würstchen aus dem Kessel
17:43holt, dann wird mit seinem Kumpel Jörg Pause gemacht.
17:46Das ist das einzige Mal, wo ich noch sein muss.
17:49Hier bin ich hier in der Würstchen, kriegt mein Start.
17:54Ich esse wirklich selten Fleisch. Aber jetzt ausgerechnet hier?
17:58Also der hat's jetzt gerade eben frisch gemacht, ne?
18:00Der ist jetzt gerade frisch zubereitet, ja.
18:02Dann hab ich's jetzt irgendwie als normal empfunden, das dann auch mal zu probieren.
18:05Aber ja, es fühlt sich ein bisschen komisch an.
18:09Aber ich glaube, ich krieg's einigermaßen.
18:11Oh je, das geht mir ja los.
18:17Aber jetzt noch mal in diese Wurst reinzubeißen, fühlt sich tatsächlich ...
18:24Ich lerne ja. Ich hab gesagt, es fühlt sich ein bisschen makaber an.
18:29Ach so.
18:30Jetzt hier ...
18:32Fühlt sich makaber an.
18:33Stimmt, haben Sie ja.
18:34Sagen Sie einigen Jahren selber auch.
18:37Aber machen Sie auch.
18:40Schafe großziehen und sie eines Tages töten, das gehört für Johanna als Schäferin dazu.
18:46Natürlich nimmt das einen mit, das Tier stirbt. Man guckt den vorher in die Augen, aber das kann nicht ab.
18:50Man muss sich damit auseinandersetzen, wenn man Tiere isst, dass das passiert.
18:54Genau deshalb wollte ich mal dabei sein. Und seitdem habe ich noch mehr Respekt vorm Tier, wenn es als Fleisch
19:00auf dem Teller liegt.
19:07Im Frühjahr müssen die Schafe geschoren werden.
19:12Zum ersten Mal dabei Frieda, inzwischen sieben Wochen alt.
19:16Boah, die ist aber ganz schön groß geworden.
19:18Stopfen wir los.
19:19Ja, mittlerweile ist sie nämlich echt erzielt, sonst wirklich die Puschen auszuhauen.
19:261200 Schafe scheren sie in den nächsten Wochen. Heute helfen Praktikant Manuel und die Auszubildende Isolde.
19:32Du schnappst dir die einmal, klemmst dir das andere Horn so ein bisschen hinters Bein.
19:38Eine Hand hier so ein bisschen an eine Keule ran und dann kannst du die eigentlich immer zu dir ziehen.
19:44Zum Scheren werden die Schafe auf den Hintern gesetzt.
19:46So, mein Hase, dann geht's los.
19:58Ich habe mir das halt bei Papa angeguckt, wie das funktioniert.
20:03Er hat mir das gezeigt.
20:08Und der Rest ist dann irgendwie learning by doing.
20:13Hauptsächlich, dass das Tier nachher nicht geschnitten ist und ich alle nicht geschnitten bin.
20:17Das ist so das Wichtigste.
20:19Ist das eine große Zumutung für die Tiere?
20:21Die gewöhnen sich daran.
20:23Das ist ja nicht, dass wir die jetzt in Panik versetzen.
20:26Wir können sie gar nicht halten.
20:28Das wird ja gar nicht gehen.
20:31Nach einem Jahr ohne Schuhe kommt da einiges runter.
20:34Bis zu drei Kilo pro Tier.
20:36Wird er seinen Pullover wieder haben?
20:38Ich glaube, der ist ganz froh, dass er den los ist.
20:41Heute Abend kriegt er dann vielleicht nochmal ein bisschen Sehnsucht.
20:43Wenn das nochmal ein bisschen kälter wird.
20:45Da müssen sie sich dann jetzt erstmal drauf einstellen.
20:49Und blöde Frage, wie würden das die Schafe machen ohne den Menschen?
20:52Um die Wolle loszuwerden?
20:55Die haben wir Menschen ja letztlich so dahin gezüchtet, dass sie ihre Wolle behalten.
21:00Weil wir die letztlich als Pullover, als Kleidungsstücke ja haben wollten.
21:06Ich dachte auch immer, dass Schäfer mit der Wolle ihr Geld verdienen, aber keine Chance.
21:10Heiner ist froh, wenn sie die Wolle überhaupt loswerden.
21:14Da bleibt nichts über, eigentlich nicht. Das ist ein dickes Minusgeschäft.
21:17Vor allem, weil wir die Wolle ja auch noch wegbringen.
21:19Also die wird ja nicht mal abgeholt.
21:21Die fahren wir dann auch noch einige Kilometer.
21:23Bei den Heidschnucken hat man eben diese, diese langen Haare.
21:27Und das kann man halt eben sehr, sehr schlecht nachher verarbeiten, sehr schlecht spinnen.
21:32Deshalb ist das, ja, so traurig das ist, Nebenprodukt oder sogar Abfallprodukt.
21:37Immerhin wurde im letzten Jahr die Wolle der Leineschafe abgenommen.
21:40Aber 88 Euro für 130 Tiere, was soll man dazu sagen?
21:46Es ist schon absurd, denn gleichzeitig gibt es einen kleinen Hype um Wolle.
21:49Mit Stricken und Häkeln, vor allem auf Insta.
21:54Aber Wolle aus Deutschland, die landet meist in der Tonne.
21:58Da könnte man sich drüber aufregen.
22:00Alles gut. Langsam, gut, weiter.
22:04Und ich treffe jemanden, der bekannt geworden ist, weil er sich so schön aufregen kann.
22:10Wir können nicht alle mit einem Macbook und einem Chai Latte in Berlin in einem Coworking-Space sitzen und die
22:17zehnte Dating-App erfinden.
22:19Marco Scheel hält in Mecklenburg selbst ein paar Schafe.
22:22Vor allem hat er eine Vision.
22:24Er will die Wolle von deutschen Schäfern wieder groß machen.
22:27Das sind halt reinrassige, pommersche Landschafe.
22:30Und das ist für dich Hobby oder für wer?
22:33Na ja, klar, die Wolle geht auch bei uns mit rein, aber wir verarbeiten im Jahr die Wolle von ungefähr
22:37100.000 Schafen.
22:39Marco produziert Kleidung aus Wolle und braucht dafür eine Menge Material.
22:43Deshalb sind wir unterwegs zu Detlef, der gerade geschoren hat.
22:47Weißt du, Schäfer, man muss noch mal ein bisschen streicheln und so.
22:50Wie geht's dir denn so? Und wie läuft denn das Jahr? Und es ist alles so trocken und so weiter
22:54und so fort.
22:55Also musstest du dir erstmal die Land-Credibility aneignen?
22:58Na ja, ich komme hier ein. Ich bin auf Rüben geboren und aufgewachsen. Deswegen, Gott sei Dank, das Vokabular habe
23:04ich drauf.
23:05Und was ist die da mit dem weißen Kopf? Das sind so alte Weißkopf-Rassen oder was?
23:10Da siehst du doch, da ist Fuchs drin.
23:11Ja, die mit dem weißen Kopf hier. Ja, ich hatte ja auch mal, ja, ich hatte mal Texel hab ich
23:18mal reingekreuzt.
23:19Ah, da weht der Wind.
23:22Detlef Mohr ist gerade am Impfen. Er züchtet verschiedene Schafrassen. Seine Tiere stehen das ganze Jahr draußen.
23:29Ihre Wolle ist relativ rau, aber gerade das findet Marco so gut.
23:33Für Unterwäsche, für den Schlüpfer, nicht wahr? Da ist die Merino-Wolle aus Australien die beste Phase auf der Welt.
23:40Gebe ich alles, gibt's nichts Besseres. Punkt, gebe ich rein.
23:43Aber für alle anderen Anwendungen ist die nordische Mischwolle, die zwar grober ist und direkt auf der Haut nicht so
23:50angenehm ist, ist aber in ihrer Funktion superior.
23:52Wenn die Wolle das Schaf vor Wind und Regen schützt, funktioniert das auch bei einer Jacke für uns. Genau das
23:59ist Marcos Idee.
24:04Wie viele Tiere hast du jetzt geschoren?
24:082237.
24:10Detlef liefert seine Wolle schon einige Jahre an Marco. Aber die Qualität muss stimmen.
24:15Da ist ein Sack weiße Wolle.
24:20Ist schon ein bisschen verfilzter hier. Aber das kriegen wir noch wieder auf. Das ist okay.
24:24So ist, sag ich mal, Grenze. Weißt du, was ich meine? Für so eine verfilzte Fliese. Weißt du wie?
24:29Das geht aber.
24:32Jede Rasse und jede Wolle ist anders.
24:35Das ist natürlich der absolute Goldstaub für uns. Guck mal hier. Was ist das für eine lange Faser? Siehst du
24:42das? Guck dir das mal an.
24:43Und das ist natürlich, da geht dir einer feucht in die Hose. Ja, das kann ich nicht anders sagen. Und
24:48es liegt hier rum. Und bei anderen Schäfern liegt es rum und keiner will das irgendwie. Das ist doch eine
24:55irre Situation.
24:56Für die Wolle zahlt Marco etwa 9000 Euro an Detlef. Zwar geht ein Teil davon für die Schafscherer drauf, aber
25:03es bleibt etwas übrig.
25:04Und das habe ich die letzten Jahre nicht gehabt. Da habe ich dann 2000 Euro in Sand gesetzt. Wegen der
25:09Wolle. Das ist jetzt nicht so viel, aber es ist immerhin Gewinn. Vorher habe ich Minus gehabt.
25:17Jetzt will ich aber mal sehen, was Marco aus der Wolle von Detlef und anderen Schäfern herstellt. In seiner Produktionshalle
25:23bei Wismar.
25:24Seit wann habt ihr das Ding jetzt in Betrieb her? Seit zwei Jahren sind wir jetzt hier.
25:30Marco ist 35. Er hat in Berlin studiert, ist Wirtschaftsingenieur und schon vor zwölf Jahren hat er die Firma Nordwolle
25:37gegründet.
25:37Aus der Wolle machen sie hier Bettdecken, aber vor allem Kleidung.
25:42Und dafür brauchst du Platz. Dafür brauchte ich damals Platz.
25:45So, bisschen shoppen, oder wie? Ja, genau.
25:50Das ist einfach die klassische Funktionsjacke.
25:59Oh, yes, baby.
26:02Marco will den bekannten Outdoor-Marken den Kampf ansagen.
26:05Denn Funktionsjacken sind meistens aus Kunststoff.
26:08Ich will Wolle überall dahin bringen, wo sie einen funktionalen Mehrwert schafft.
26:13Okay? Ich möchte gerne Kunststoff substituieren, wo ich nur kann.
26:16Weil Kunststoffe sind Riesenprobleme.
26:19Also wir finden Kunststoffe, Mikroplastiken überall, auf der ganzen Welt mittlerweile.
26:25Und was sie mit uns und unserer Gesundheit tun, das ist noch gar nicht, da sind wir noch gar nicht
26:29klar.
26:30Ich muss zugeben, ich habe auch Funktionsjacken aus Plastik im Schrank. Und Wolle als Alternative, weiß ich nicht, ob ich
26:36das so stylisch finde.
26:38Das ist jetzt das gleiche wie du? Ein ähnliches? Ja.
26:43Finde ich echt ganz cool, das Hemd. Hat aber einen Haken.
26:48195. 195 für das Hemd? Ja.
26:51Würde ich jetzt spontan sagen, ist aber ganz schön teuer. Sagen wahrscheinlich viele, ne?
26:55Ja, das stimmt. Also das sagen viele. Ähm, 50-50, würde ich sagen. Viele sagen, das ist okay.
27:03Stimmt schon. Denn vom Scheren bis zum Vernähen steckt da echt viel Arbeit drin.
27:07Vielleicht fehlt vielen von uns die Wertschätzung für solche Naturprodukte.
27:12Du hast ja selber fünf Jahre in Berlin gewohnt. Ja. Schlimmste Zeit meines Lebens.
27:16Du hättest ja eigentlich auch in Berlin leben bleiben können und hättest da eigentlich auch ein Startup gründen können und
27:21da irgendwie in einem Co-Working-Space sitzen können.
27:23Aber warum ist das jetzt mit der Wolle so wichtig für dich gewesen und das hier auf dem Land auch
27:26umzusetzen?
27:27Ich möchte gerne die Schäfer unterstützen. Ich bin aber kein Schäfer. Ich habe auch das Charakterprofil nicht, um das mein
27:33Leben lang zu tun.
27:34Ich kann sie unterstützen auf meine Art und Weise. Und das ist, indem ich ihnen ihr Produkt abnehme zu einem
27:40guten Preis und sozusagen immer wieder darüber rede,
27:44um dieses Produkt auch in unserer Gesellschaft wieder in den Fokus zu bringen.
27:57Es ist Mai. Johanna ist mit den Schafen auf dem Weserdeich.
28:02Legen wir los, oder? Legen wir los. Wir koppeln meistens zu zweit oder dritt. Einer trägt immer Zäune.
28:08Das klingt nach einer Aufgabe, die ich machen könnte, oder? Das könntest du auch tun.
28:13Im Frühsommer hauen sich die Schafe hier die Bäuche voll.
28:16Johanna ist jeden Vormittag hier, um den nächsten Abschnitt einzuzäunen.
28:22Unten ist wichtig, dass der Biss einmal durchzieht. Also das kannst du mit dem Fuß so ziehen. Also genau so.
28:29Und dann wäre der Biss so ein Anschlag und dann drückst du ihn fest.
28:33So? Ja.
28:36Und das müssen wir machen wegen Wolfschutz? Genau. Das basiert alles darauf, dass er da erstmal mit seiner feuchten Nase
28:43gegenkommt
28:44und dann 12.000 Volt geballert kriegt und das dann nicht wieder versucht.
28:48Wenn die das einmal lernen, dass das weh tut, dann klappt das auch ganz gut.
28:52Nur wenn die halt einmal, warum auch immer, der Zaun liegt, es ist kein Strom drauf, was auch immer, rüberkommen,
28:56und dann haben die das gelernt, dass auf der anderen Seite schmackhafte Schafe sind, dann ist schlecht.
29:01Aber solange die auf der anderen Seite bleiben, ist okay. Und bis jetzt hatten wir Glück.
29:05Es wird irgendwann kommen, also irgendwann ist es, also das Wunschdenken zu glauben, wir werden nie einen Wolfsruss haben.
29:10Ja, irgendwann wird's passieren.
29:13In Zukunft plant Johanna mit Herdenschutzhunden, die auf dem Deich auf die Schafe aufpassen.
29:18Anders als andere Schäfer meint sie, dass eine Koexistenz von Nutztieren und Wolf möglich ist.
29:24Also der kann hier gerne rumlaufen, der gehört hier hin und ist alles gut. Und nee, nicht wieder ausrotten, weil
29:31man muss halt die Wölfe kriegen, die auch die Weidetüre reißen.
29:35Also die Problemwölfe.
29:36Genau, die sogenannten Problemwölfe, weil das sind ja doch häufig die gleichen Wölfe, die das halt einmal gelernt haben.
29:43Aber bei den Deichen ist unser Hauptproblem tatsächlich nicht der Wolf, sondern der Klimawandel.
29:46Also ob wir die Deiche in Zukunft weitermachen, ist jetzt nicht eine Frage des Wolfes, sondern des Wetters.
29:52Hier in Norddeutschland waren es im April schon fast 30 Grad ohne Schatten. An vielen Tagen wird's den Schafen zu
29:58heiß.
29:59Hier ist keine intakte Grasnarbe mehr. Das ist, weil der Deich macht ja hier eine Kurve. Wir sind jetzt pralle
30:04Südseite.
30:05Wir haben jetzt ungefähr mittags wahrscheinlich. Hier knallt jetzt sechs Stunden die Sonne drauf.
30:10Ohne Gras können sie nicht auf die Deiche. Und dann gibt's auch kein Geld.
30:14Denn Johanna wird dafür bezahlt, dass ihre Schafe hier unterwegs sind. Und zwar für den Hochwasserschutz.
30:19Also man merkt, der Boden hier ist steinhart, weil die hier mit den kleinen Trampelfüßchen alles platt treten und die
30:26Oberfläche verdichten.
30:27Und wenn die das immer schön kurz halten, also wir machen die Deiche so drei bis vier Mal im Jahr,
30:30gehen wir hier drauf, dann bildet sich auch ein sehr festes Wurzelwerk aus, wenn die Gräser immer schön kurz gehalten
30:37werden.
30:37Was mir nicht so bewusst war, viele Schäfereien sind Dienstleister für Küstenschutz und bei Johanna und Heiner auch für Naturschutz.
30:46Auf den Flächen, wo sie im Sommer unterwegs sind.
30:55Hallo Frieda! Hallo! Na, du super Hütehund?
31:01Passt ja auch gut. Na? Unglaublich. Alles gut?
31:06Die kleine Frieda ist heute zum ersten Mal beim Hüten dabei. So richtig hat sie die Herde noch nicht im
31:12Griff.
31:13Ja, die wollen dann halt links und rechts irgendwie abhauen. Die Lämmer achten noch nicht so richtig auf die Hunde.
31:19Das heißt, sie kriegen die Signale noch nicht so richtig mit, wann sie Spuren haben und wann nicht.
31:23Hüten heißt, die Schafe zu leiten bei ihrer Arbeit. Sie verhindern, dass die Landschaft zuwuchert. Dabei helfen auch ein paar
31:31Ziegen.
31:39300 Tiere und ihre Lämmer müssen jetzt weiterziehen.
31:42Warum müssen wir sie jetzt gerade bewegen, die Tiere?
31:46Wir haben jetzt hinten die Fläche einmal, ja, so ziemlich abgegrast. Jetzt gucken wir einmal, dass wir zum nächsten ziehen.
31:55Naturschutz mit den Schafen wird aus öffentlichen Geldern bezahlt. Wolle oder Fleisch, für Heiner und Johanna lohnt sich das nicht.
32:02Ihre Bio-Schäferei finanziert sich größtenteils durch Agrarsubventionen. Reich werden die beiden damit nicht.
32:08Und ich finde es echt mutig, dass sie sich trotzdem für den Beruf und die große Verantwortung entschieden haben.
32:14Heiner und ich kommen gut klar. Wir haben jetzt den Hof gekauft. Wir sind jetzt verbunden über Kreditschulden für immer
32:20und ewig.
32:21Also das muss einfach laufen. Also an Aufgaben wird es uns nicht fehlen und ich, also finanziell wird das, glaube
32:27ich, weiterhin gut laufen bei uns.
32:29Es ist halt, bleibt immer die Frage, schaffen wir das alles mit der Arbeitszeiten, mit der mentalen Belastung.
32:36Man muss das wollen, aber es gibt einem sehr, sehr viel zurück. Und ich, also ich und du auch und
32:42Jörg auch.
32:43Es gibt schon Spaß an der Arbeit, sonst würden wir das auch nicht durchhalten. Das macht man nur, wenn man
32:46wirklich dahinter steht.
32:48Man muss morgens mit Spaß aufstehen.
32:49Genau. Und wenn man morgens schon keinen Bock hat, dann sollte man das lassen.
32:55Das Schäferleben ist nicht immer romantisch. Oft stellen sie das Wohl der Schafe über das eigene, müssen auf freie Tage
33:02und Urlaube verzichten und für ihre Tiere kämpfen.
33:06Johanna und Heiner, aber auch Michael mit seinen schwulen Böcken und Marco mit seiner Volt-Produktion.
33:12Das sind alles Idealisten, für die Work-Life-Balance oder 4-Tage-Woche weit entfernt sind, weil sie hier einen
33:18harten, aber auch einen sinnvollen Beruf gewählt haben, der sehr erfüllend sein kann.
33:25Das ist eine große Herausforderung.
33:27Das ist eine große Herausforderung.
33:29Das ist eine große Herausforderung.
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