Skip to playerSkip to main content
  • 19 hours ago

Category

📺
TV
Transcript
00:01Tatjana Granowska stellt die ersten Weichen, wenn Wrocław noch schläft. Ihre Schicht beginnt um 4 Uhr morgens.
00:09Täglich fährt sie vorbei an renovierten Fassaden, grünen Oderufern, hinein in die Wohnblöcke der Moderne. Heute steuert sie die Linie
00:191.
00:21Ich verbringe jeden Tag mehrere Stunden in der Stadt, die ich liebe. Ich schaue sie mir an, beobachte diese Stadt,
00:29wie sie pulsiert.
00:31Du sitzt in der kleinen Kabine, bist so ein kleiner Mensch und siehst so ein großes Fahrzeug, eine solche Raupe
00:38hinter dir her. Das macht schon Eindruck.
00:44Wer Breslau verstehen will, fährt mit der Linie jeden. Der Linie 1. Sie erzählt die Geschichte einer Stadt, die sich
00:52ständig verändert. Tag für Tag, Fahrt für Fahrt.
01:10Wrocław, etwa 300 Kilometer südöstlich von Frankfurt-Oder entfernt. Es ist die drittgrößte Stadt Polens und eines der spannendsten kulturellen
01:21Zentren des Landes.
01:23Unsere erste Station, die Mustersiedlung Wuwa. Erbaut vor knapp 100 Jahren im Bauhausstil.
01:33In dem halbrunden Pavillon gibt es ein Café und Infos über die Anlage. Ein Traumjob für Julia Urwanek.
01:45Von all den Cafés in Wrocław wünschte ich mir am meisten, in der Wuwa zu arbeiten. Eben wegen des kulturellen
01:52Erbes hier.
01:55Ich beobachte, dass unsere Kunden nicht nur einfach zu uns ins Café kommen. Sie bestellen Kaffee to go und machen
02:02einen Spaziergang durch die Siedlung.
02:05Wuwa heißt Wohnung und Werkraum. Eine Ausstellung im deutschen Breslau der 1920er Jahre. Die Mustersiedlung war ein Teil von ihr.
02:15Sie wurde gebaut, um der Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg entgegenzuwirken. Ein Konzept, das Julia und ihre Freundin Sarah beeindruckend
02:23finden.
02:29Hier haben wir ein Hotel, das für alleinstehende und kinderlose Menschen gebaut wurde.
02:36Die Wuwa hatte das Ziel, die Menschen zusammenzubringen, einen kollektiven Raum für sie zu schaffen.
02:47Und einen bezahlbaren Wohnraum anzubieten.
02:54Lass uns weitergehen, Sarah, okay?
02:58Es ist unfassbar, dass die ganze Siedlung in nur drei Monaten gebaut wurde.
03:03Ein Wohnkonzept mit flachen Dächern, großen Gärten und Materialien, die damals als innovativ gelten.
03:10Erst 2010 begann die Stadt mit umfassenden Sanierungsarbeiten.
03:15Rund anderthalb Millionen Euro flossen in die Anlage.
03:19Heute werden fast alle Häuser bewohnt.
03:24Schade, dass man als Besucher hier nicht rein darf, dass man es nicht besichtigen kann.
03:29Das stimmt.
03:34Ich studiere im dritten Jahr Kunstgeschichte und habe Sarah dort kennengelernt.
03:39Ich komme aus Lodz und bin hier, weil mich Wroclaw absolut verzaubert hat.
03:46Diese Stadtteile sind so charakteristisch und ich mag diese deutsche Bauart, die mir in Lodz sehr gefehlt hat.
03:53Diese deutsche Ordnung.
03:59Auch Tatjana Granovska kennt die deutschen Spuren in der Stadt.
04:03Seit 17 Jahren lebt die gebürtige Kasachin in Rozwaw und spürt den Wandel in der Stadt beinahe jeden Tag.
04:16Die ganze Zeit wird hier etwas renoviert und gebaut, egal ob es um Altbauten, Häuser oder sonstiges geht.
04:25Die Stadt wird schöner, das sieht man eindeutig. Es sind viele positive Veränderungen.
04:32Unsere nächste Station, die Jahrhunderthalle. Erbaut 1911, heute UNESCO-Weltkulturerbe.
04:41Auf ihrem Vorplatz findet an Wochenenden der traditionsreiche Trödelmarkt statt.
04:46Hier in der Westerwower Straße 1 trifft man Schnäppchenjäger wie diesen Mann.
04:52Für rund fünf Euro hat er vier Uhren gekauft.
04:56Schauen Sie, wie schön sie sind. Die Zeiger werden angezeigt und funktionieren dann wie eine Quarz-Uhr.
05:04Tick, tick, tick. Ich weiß nur nicht, ob sie funktionieren.
05:12Hier begegnen sich Nostalgie und Leidenschaft. Liebhaber polnischer Autos feiern ihre Legenden.
05:19Alle drei.
05:21Drei?
05:24Die drei Bleche.
05:2890 ist richtig.
05:31Ich werde sie in der Garage schön neben meinem Fiat Polski aufhängen. Er war schon immer bei uns. Ich war
05:37überall mit ihm.
05:39Er war wie ein Laster. Wir haben alles mit ihm transportiert und wurden nie enttäuscht.
05:44Unsere Tochter sagte mal nach einer Fahrt, ist das toll, alle schauen uns hinterher.
05:53Andere jagen nach echten Vintage-Stücken.
06:00Das ist eine Gasmaskentasche.
06:03Hier habe ich unterschiedliche Anhänger.
06:07Ein selbstgemachtes Auge.
06:10Solche Sachen findet man nicht im Laden.
06:13Sie sind schön.
06:15Moderne Sachen haben weniger Akzente, weniger Accessoires.
06:20Ich liebe kleine Details, die kaum jemand wahrnimmt. Hier findet man sie.
06:26Die Jahrhunderthalle.
06:28Ein Monumentalbau aus Stahl und Beton.
06:31Geschaffen vom Architekten Max Berg als Symbol einer neuen Zeit.
06:36Ihre Kuppel, 42 Meter hoch, vierfach gestuft, spannt sich weiter als je zuvor gewagt wurde.
06:4365 Meter im Durchmesser.
06:47Der Architekt hat sie als Kathedrale der Demokratie bezeichnet.
06:51Vielen gilt sie als Perle der Breslauer Moderne.
06:55Heute finden hier, neben einer Dauerausstellung, Veranstaltungen statt.
07:00Tomasz Mischkowolski arbeitet im Kommunikationsbereich und führt uns durch das Haus.
07:06Guten Tag, ich brauche Schlüssel für den Kranz, für die Türen ganz oben.
07:14Er zeigt uns die Ecken der Halle, die für Besucher nicht zugänglich sind.
07:19Der sogenannte Kranz ist unseren Technikern vorbehalten.
07:23Da dürfen keine unbefugten Personen hin.
07:26Wir klettern die schmale Treppe hinauf.
07:2950 Stufen sind es bis zur höchsten Ebene der Halle.
07:36So, ihr habt euch einen super Ort gewünscht.
07:41Seid vorsichtig, hier ist ein Rohr.
07:46Ah ja, ich muss an der Tür rütteln, einfach so.
07:51Passt auf hier bei der Treppe.
07:54Dieser Ort wird von der Technik genutzt.
07:56Hier werden alle Arten von Beleuchtung installiert.
07:58Ein Teil ist fest installiert.
08:00Wir können eigentlich alles aufbauen.
08:02Die Tragkraft dieser Kuppel ist gigantisch.
08:09Die Fenster der Halle entsprechen erst jetzt den Plänen des deutschen Architekten.
08:18Diese Fenster sind einzigartig.
08:20Sie wurden aber erst nach der Renovierung 2009 eingebaut.
08:24Max Berg hat sie entworfen.
08:26Die Stadtverwaltung von Breslau hatte aber damals keine Mittel, um den Entwurf zu realisieren.
08:31Seine Idee war es, hier gelbe Scheiben einzubauen, die dafür sorgen, dass wir unabhängig vom Wetter draußen eine Beleuchtung wie
08:37bei Sonnenuntergang haben.
08:42Als die Halle 1911 errichtet wurde, war die Skepsis groß.
08:47Das Bauprojekt nannten viele Breslauer spöttisch die Hutschachtel.
08:52Selbst die Arbeiter misstrauten der Konstruktion und weigerten sich, die ersten Spannschrauben der Schalung für die mächtigen Rippen zu lösen.
09:00Früher verspottet, heute ein architektonisches Wahrzeichen, mit Platz für über 10.000 Menschen.
09:08Ich will nur Bescheid sagen, dass wir runterkommen. Lass die Rollläden runter. Super, danke.
09:16Ja, jetzt lassen wir sie herunter. Dankeschön.
09:25Die Akustik in der Halle ist herausfordernd. Ein guter Akustiker kommt aber wunderbar damit klar.
09:36Als die Halle gebaut wurde, war Tageslicht für die Veranstaltungen und Ausstellungen wichtig, deshalb die vielen großen Fenster.
09:46Sie reflektieren aber stark den Schall und verursachen einen halligen Klang.
09:55Wir müssen Rollläden und Vorhänge nutzen, um den Raum richtig zu bescheuen.
10:01Aber für gute Akustiker ist das alles kein Problem.
10:09In wenigen Minuten senken sich die 600 Rollläden an den Fenstern. Die Stimmen im Raum wirken leiser und gedämpfter.
10:34Tatjanas Fahrt durch verschiedene Stadtviertel ist wie das Blättern in einem Geschichtsbuch.
10:38In seiner wechselvollen Geschichte war Wroclaw böhmisch, österreichisch, preußisch. Der Zweite Weltkrieg hinterließ tiefe Spuren.
10:4890 Prozent der Stadt lagen in Trümmern. Aus dem deutschen Breslau wurde das polnische Wroclaw.
10:57Die Straßenbahn Nummer eins war die erste, die damals wieder fuhr. Durch Trümmer, Hoffnung und einen Neuanfang.
11:08Das war ein richtiges Fest. Polen und Deutsche, die damals die Straßen von den Trümmern befreiten, ließen alles stehen und
11:15liegen und schauten auf diese Straßenbahn wie auf etwas Unglaubliches.
11:19Denn mit der Straßenbahn kehrte für sie wieder Normalität in die Stadt zurück.
11:26Auf ihrer Fahrt rollt Tatjana Granowska immer wieder über die Oder.
11:31Wroclaw breitet sich auf zwölf Inseln aus und wird von 112 Brücken verbunden.
11:42Kamil Zaremba wohnt anders als die meisten Menschen in Wroclaw.
11:46Er hat sich ein schwimmendes Haus gebaut. Die Oder ist das Fundament seines Hauses und zugleich sein Schutz.
11:54Zaremba lebt mitten im Stadtzentrum von Wroclaw, im Einklang mit der Natur.
12:03Hinter unseren Fenstern liegen die schwimmenden Gärten. Dort bauen wir unsere eigene Minze ein.
12:10Wir trocknen sie, brühen daraus Aufgüsse und trinken sie, wenn uns der Magen zwickt.
12:17Es tut gut, dieses Miteinander mit der Natur. Hier ist sie so greifbar, man muss nur die Hand ausstrecken.
12:23Die Vögel, die Fische, das ganze Ökosystem des Flusses, alles um uns herum.
12:32Auf die Genehmigung für sein Hausboot musste Kamil Zaremba acht Jahre warten.
12:37Und nach dem Einzug konnte er sich nicht ummelden.
12:40Denn das polnische Recht sieht eine Flussadresse nicht vor.
12:48Es war manchmal schmerzhaft. Nichts ging schnell, nichts einfach so holterdiepolter.
12:54Wie groß der Aufwand tatsächlich war, erkenne ich an der Zahl der Ordner, die sich im Laufe der Jahre angesammelt
12:59haben.
13:00Acht prall gefüllte Bände. Mittlerweile sind sie verstaubt und ich habe Demut gelernt vor dem Verwaltungsverfahrensgesetz.
13:08Es ist die Bibel, auf die sich jeder Beamte beruft.
13:16Schließlich wurde sein Hausboot ins Schiffsregister eingetragen und er bekam eine Postadresse.
13:21Zarembas Investition hat sich gelohnt. Er mietet lediglich 300 Quadratmeter des Flussbettes, für umgerechnet 20 Euro jährlich.
13:29Komm du, komm, komm. Ein guter Hund. Los, wir gehen.
13:35Okay.
13:38Seine Frau Majena unterstützt ihn von Anfang an.
13:43Einige Meter weiter an Katsarembas zweites Hausboot. Sein Arbeitsplatz und Lebensprojekt zugleich.
13:50Das Odra-Zentrum erforscht die Ökologie und Geschichte des Flusses, der immer wieder unberechenbar ist.
13:58Das Jahr 1997 war eine Zäsur. Das war das Jahr des Jahrhunderthochwassers in Wurzhoff und in der ganzen Region.
14:05Die Odra hat mir so gut wie mein ganzes Hab und Gut genommen. Mein ganzes Fotostudio war weg. Damals habe
14:11ich mich mit Werbefotografie beschäftigt.
14:14Zarembas Fotostudio versank in den Fluten. Doch seine private Sammlung blieb verschont, weil sie in seiner Wohnung untergebracht war.
14:22Jetzt zeigt er die 30 wertvollen Sammlerstücke, darunter die deutsche Agfa.
14:29Format 6x6. Das ist einer meiner ersten Einkäufe. Eine Kamera mit Aufziehmechanismus.
14:34Früher wurden Fotos mit Handkameras gemacht. Und das sind meine Kameras, die ich über viele Jahre lang benutzt habe.
14:46Kameras, alte Barometer, Kajaks, Relikte vergangener Zeiten. Zwischen ihnen Schiffslampen aus dem deutschen Breslau.
14:57Dies ist eine unglaubliche Sammlung von Schiffslampen aus alten Oderschiffen, die ich über viele Jahre hinweg gesammelt habe, um sie
15:05zu erhalten.
15:05Damit sie nicht verschrottet werden.
15:14Diese Aufnahme ist faszinierend. Sie zeigt das frühere Zentrum von Breslau. Zwei Ausflugsschiffe voll besetzt mit Passagieren.
15:23In dem Boot sieht man die Vertiefer. Den Beruf gab es früher. Es sind Menschen, die die Fahrrinne vertiefen.
15:34Kamil Zaremba hat den Fluss 1997 als eine vernichtende Kraft erlebt.
15:41Dutzende Menschen starben während der Jahrhundertflut und er konnte die Rettungsaktionen damals beobachten.
15:52Auf dem Bild sieht man, wie das Militär Menschen evakuiert.
15:57Immer wenn ich einen solchen Hubschrauber sehe, kommen Erinnerungen aus der Vergangenheit hoch.
16:02Ich denke dann an das Jahr 1997 zurück. Damals musste ich dringend nach Wroclaw zurückkehren.
16:08Überall hörte man Hubschrauber starten und landen. Sie brachten die Flutopfer aus den umliegenden, überfluteten Städten in Sicherheit.
16:19Hier sehen wir Bilder, die nach dem Hochwasser entstanden sind. Alles musste weggeworfen und abtransportiert werden.
16:29Heute hat Kamil Zaremba keine Angst mehr vor der großen Flutwelle.
16:36Hier sehen wir den September 2024, den Höhepunkt der Flutwelle in Wroclaw.
16:43Ich hatte nie Zweifel daran, dass das Hausboot eine gute Entscheidung war.
16:482024 hat sich das für mich bestätigt. Mein Haus und das benachbarte Odra-Zentrum stiegen um 1,70 Meter an,
16:56also bis zu meiner Nasenhöhe.
17:00Wir saßen zu Hause und erlebten diese Flut außen. Wir schwammen mit. Um uns herum schwammen irgendwelche Gegenstände.
17:08Seltsame Dinge schwammen vorbei. Und wir saßen sicher und ruhig zu Hause.
17:16Heute weiß ich, dass das ein bisschen arrogant war, Freude zu empfinden, während andere geweint haben.
17:29Die Straßenbahnfahrerin Tadjana unterwegs zu ihrem zweiten Job.
17:33Am Nachmittag steigt sie oft erneut in eine ganz andere Tram.
17:41In der alten historischen Straßenbahn fahre ich als Reiseführerin mit.
17:45Ich erzähle über Frotsmaf, fahre die Tram aber nicht selbst.
17:53Hallo, noch jemand da?
17:55Noch nicht, aber oft sind die Fahrten rappelvoll.
17:59Ah, trotz der Hitze.
18:07Tadjana braucht den Nebenjob, um als alleinerziehende Mutter von zwei Kindern über die Runden zu kommen.
18:15Danach habe ich noch eine Stadtführung ab 18 Uhr. Um 17 Uhr sind wir fertig, oder?
18:21Ja, ja, schon.
18:23Die Fahrt führt durchs Stadtzentrum. Von der Oper bis zur Jahrhunderthalle.
18:30Guten Tag, herzlich willkommen. Ich werde Sie heute bei der Fahrt durch Frotsmaf begleiten und Ihnen etwas über die Stadt
18:37erzählen.
18:42Wir beginnen unsere Reise mit der alten Tram, die in Wroclaw im Jahr 1929 hergestellt wurde. Von der Firma Linke
18:50Hoffmann.
18:52Sie war noch bis in die 70er Jahre in Betrieb. Den Krieg hat sie gut überstanden.
18:58Die Reiseführerin erzählt von den historischen Highlights der Stadt.
19:07Unterwegs auf den Schienen, die über 140 Jahre die Stadt verbinden. Im Straßennetz, das zum ältesten Europas gehört.
19:25Ja, leider fahren häufig Autos auf unsere Schienen.
19:35Ich mag meinen Job. Ich denke, ein Job soll nicht ruhig sein. Er sollte spannend, aufregend, faszinierend sein.
19:42Ich denke, jede Tätigkeit, die ich tagtäglich mache, gibt mir Kraft und Energie, Motivation und auch Freude.
19:54Hier gibt es Häuser auf dem Wasser. Das erste, das wir sehen, ist das Odra-Zentrum.
20:00Dort können Sie einiges über die Oder erfahren, über die Wasserinfrastruktur und ein schönes Café gibt es dort auch.
20:20Die Idee entstand 2012. Ich saß im Sessel in meinem Hausboot. Alles hat gut geklappt.
20:29Ich überlegte, was man für die Stadt machen kann, für Wroclaw machen kann.
20:34Meine Tochter besuchte damals die Oberschule.
20:38Das brachte mich auf die Idee, eine Schule auf dem Wasser zu bauen.
20:42Eine Einrichtung, die Respekt vor dem Fluss und einen sinnvollen Umgang mit dem Fluss vermittelt.
20:50Das Odra-Zentrum ist ein nachhaltiges Hausboot, das fast lautlos auf dem Wasser liegt und voller Energie steckt. Im wahrsten
20:59Sinne des Wortes.
21:04Gerade findet hier ein Workshop zum nachhaltigen Umgang mit Wasser statt. Martena leitet ihn.
21:13Wir sprechen hier sehr viel über einen sparsamen Umgang mit Wasser.
21:17In unserem Workshop versuche ich aufzuzeigen, wie viel Wasser benötigt wird, um einfache Kleidungsstücke herzustellen.
21:23Wir bitten die Teilnehmer, Kleidungsstücke mitzubringen, die sie nicht mehr tragen wollen, um ihnen ein zweites Leben zu schenken.
21:32Carolina Collage ist 16 und lebt eigentlich in Großbritannien.
21:37In Wroclaw besucht sie ihre Verwandten.
21:39Okay, es ist eine lustige Aktivität. Ich gebe meinen Klamotten ein neues Leben und ich versuche zum ersten Mal in
21:45meinem Leben mit dem Boot zu fahren.
21:47Eigentlich habe ich große Angst vor tiefem Wasser. Ich stelle mich meiner Angst.
21:53Die Workshop-Teilnehmer paddeln zu einer kleinen Oase, unweit vom Odra-Zentrum.
22:05Big up! Wir stoßen sonst zusammen!
22:08Abbiegen!
22:11Ich habe ein bisschen Angst, aber ich habe eine Schwimmweste und Menschen um mich herum, die mich retten würden.
22:16Komm, save me!
22:22So, jetzt sind wir nebeneinander.
22:26Ich habe keine Lust mehr.
22:29Nur eine kurze Pause, dann geht's weiter.
22:32Schließlich tun sich vor ihnen die ersten Umrisse der Oase am Fluss Owawa auf.
22:45Tatjana Kranowska ist am nächsten Tag wieder unterwegs.
22:48Sie hat einige Jahre im Reisebüro gearbeitet, bevor sie Straßenbahnfahrerin geworden ist.
22:57Mittlerweile ist es das fünfte Jahr, dass ich Straßenbahn fahre. Ich mache das schon sehr lange.
23:05Die Stadt begeistert mich immer wieder. Täglich entdecke ich etwas Neues und treffe spannende Menschen.
23:12Kein einziger Tag in diesem Job gleicht dem anderen.
23:18Kein Tag gleicht dem anderen.
23:27Entspannt ist die Arbeit von Tatjana Kranowska nicht.
23:30Die Bahn muss sich die Straße mit den Autos teilen.
23:36Die Leute checken es einfach nicht. Wozu haben sie überhaupt Rückspiegel im Auto? Und jeden Tag kommt sowas vor.
23:46Auf Tatjanas Strecke liegt das Stadtviertel Nadoce und die wohl buntesten Höfe Niederschlesiens.
23:53Hier wohnen viele Menschen mit geringem Einkommen, die sich in der wandelnden Metropole nicht zurechtfinden.
23:59Das Projekt begann vor elf Jahren. Die Stadt wollte der sozialen Verwahrlosung im Viertel entgegenwirken.
24:06Mariusz Mikowajek gehört zu den Künstlern, die das Projekt begleiten.
24:13Es gab überall Ecken voller Kot und Urin. Spritzen lagen herum und allerlei anderer Dreck.
24:20Hier in der Ecke, dort in der Ecke. An drei Stellen wurde nur gesoffen.
24:27Die Kunstaktion veränderte die Gegend.
24:30Zenon Dejombowski, gelernter Schlosser, entdeckte hier sein Kunsttalent.
24:35Und auch, wie gemeinsame Aktivitäten Polen und Roma-Familien einander näher bringen können.
24:43Mit den Roma sind wir immer aneinander geraten. Streitereien, Schlägereien, naja, andere Kulturen, andere Sitten.
24:53Ein Grund hat sich immer gefunden. Und es krachte.
24:57Aber als wir die Wand gemalt haben, kamen die Roma-Kinder zu uns und machten mit.
25:03Und jetzt sind die Roma schon unsere Freunde.
25:08Zuerst waren namhafte polnische Künstler an der Aktion beteiligt.
25:12Sie malten Porträts der Bewohner und viele machten später mit, erinnert sich Zenon Dejombowski.
25:20Der Albatross ist aus Keramik. Er ist über 3,50 Meter breit.
25:24Ich musste ihn in 128 Stücke aufteilen, um ihn überhaupt anbringen zu können.
25:29Dann musste alles gebrannt und geschliffen werden. Eine ziemlich große Herausforderung.
25:36Die Kunstaktion verändert die Gegend. Die Menschen kümmern sich seither mehr um ihre Höfe.
25:47Tatjana steuert die Plattenbauten am Stadtrand an. Der Traum von vielen Menschen im Sozialismus.
25:53Sie selbst kann sich nur an die langen Schlangen vor den Läden früher in Kasachstan erinnern.
25:59Sie war 17, als der Sozialismus in ihrer Heimat unterging.
26:12Ich persönlich verspüre keine Sehnsucht, was die alte sozialistische Zeit angeht.
26:18Ich finde, jetzt sind die Zeiten besser. Es gibt mehr Möglichkeiten.
26:23Auch Frauen können sich besser verwirklichen, ihre Ziele erreichen und ihren Hobbys nachgehen.
26:35Doch in der Mittagspause taucht Tatjana manchmal gerne in die Relikte des Sozialismus.
26:41Die sogenannten Milchbars, so hießen sie schon in der Volksrepublik Polen, servieren auch heute hausgemachte Küche.
26:48Schnell und günstig.
26:50Die Bar Mich ist ein Kultobjekt auf der kulinarischen Stadtkarte.
27:00Bohnen mit Sauerkraut, passt?
27:03Naja, weiß nicht. Ich hätte lieber einmal russische Piroggen.
27:08Einmal russische und einmal mit Sauerkraut.
27:10Sie haben drei Boxen. Suppe muss sein. Und dann noch zwei Sachen. So mache ich das.
27:18Du bist Ola? Ja, ja. Ja, dachte ich mir. Aber ich habe dich nicht wiedererkannt.
27:27Umgerechnet drei Euro kostet in der Milchbar Mich ein hausgemachtes Mittagessen mit einem Getränk.
27:36Zur Mittagspause bilden sich an Editas Kasse lange Schlangen. Nur wenige Minuten bleiben ihr für eine eigene Pause. Jede Sekunde
27:45zählt.
27:50Jeden Tag gibt es so viele Kunden, weil die Preise so niedrig sind. Deswegen ist hier von morgens bis abends
27:55so viel los. Wir müssen rennen.
27:57Wir kriegen Zuschüsse von der Stadt. Für Fleischprodukte bekommen wir keinen Zuschuss. Aber für alles andere. Für alle Mehlprodukte und
28:04sonstiges sehr wohl. Deswegen sind die Preise so attraktiv.
28:08In der Milchbar kann jeder essen. Ein Ort, an dem sich Studierende, Rentner und Angestellte treffen. Einfach, günstig und wie
28:17früher.
28:21Tatjana Granowska hat gleich Feierabend. Acht Stunden war sie unterwegs durch die niederschlesische Metropole.
28:30Am Stadtrandviertel Biskopin stellt sie die letzte Weiche. Seit fünf Jahren fährt sie diese Wege.
28:37Ihrem Job als Angestellte im Reisebüro trauert sie nicht nach.
28:42Als Tramfahrerin, sagt sie, habe sie das Gefühl, wirklich unterwegs zu sein. Nicht nur für andere, sondern auch für sich
28:49selbst.
28:50Und mit jeder Fahrt wird die Stadt ein Stück mehr zu ihrer eigenen.
28:56Die gebürtige Kasachin ist in Wroclaw angekommen. In der Metropole, die niemals stillsteht.
29:03Lebendig, widersprüchlich und voller Energie.
29:09Die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt,
29:10die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt,
29:11die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt,
29:11die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt,
29:11die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt,
29:11die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt,
29:11die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt,
29:11die Stadt, die Stadt, die Stadt, die Stadt
Comments

Recommended