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00:00hands
00:29close to their death
00:30They showed a very different picture.
00:34We were completely perplexed over what we saw.
00:38He was also very fremd on these photos.
00:41As a person, which we didn't even know,
00:44it was very surprising that photo,
00:49in which he sits with a Maschinenpistole
00:55and is often at a great italian party.
00:59That was in the front of the front.
01:05That had neither me nor my sisters
01:10nor my children or my wife reported.
01:13It was a secret.
01:15It was his life.
01:19This is the story of Heinz Brauers, Rudolf Jacobs
01:24and Willi Sitte.
01:26Three German soldiers,
01:28who decided to change the sides.
01:31A decision,
01:33which should change their life forever.
01:51Claudia Höft und ihr Schwiegersohn Benjamin Hansen
01:55gehen in Ligurien auf Spurensuche.
01:57Vor 80 Jahren
01:59gab er Watens Großvater Rudolf Jacobs hier stationiert,
02:02um für Nazi-Deutschland die Front im Süden zu verteidigen.
02:13Norditalien im Sommer 1943,
02:16am oberen Ende des Stiefels,
02:18wo die Alpen in die Po-Ebene übergehen.
02:23Deutschland schickt fast eine Million Soldaten in den Süden,
02:27um die italienische Armee zu entwaffnen
02:29und den Vormarsch der Alliierten aufzuhalten.
02:32Für Adolf Hitler sind die Italiener Verräter.
02:35Kurz zuvor haben sie kapituliert.
02:37Die Waffenbrüderschaft mit Deutschland ist beendet.
02:42Die deutsche Wehrmacht kämpft im Süden des Kontinents,
02:45nunmehr frei von allen Hemmungen, weiter für die Freiheit Europas.
02:53Deutsche und alliierte Soldaten liefern sich heftige Gefechte.
03:00Immer mehr Wehrmachtseinheiten werden in das Frontgebiet verlegt.
03:04Die Küste wird mit Artilleriestellungen und Bunkern ausgebaut.
03:13Einer dieser Soldaten ist Rudolf Jakobs aus Bremen.
03:17In den 30er Jahren hat er seinen Wehrdienst als Matrose geleistet
03:21und will eigentlich zur See fahren.
03:24Dann aber entscheidet er sich für ein Ingenieurstudium,
03:27heiratet und gründet eine Familie.
03:32Jakobs ist Vater von zwei Söhnen,
03:34als er im Frühjahr 1944 noch einmal eingezogen wird.
03:38Im kleinen Küstenort Lerici soll der Ingenieur
03:41den Bau der Befestigungsanlagen beaufsichtigen.
03:48Über seine Unterbringung kann sich der Marine-Gefreite nicht beschweren.
03:52Mit einer Handvoll Kameraden residiert er in einer feudalen Villa
03:56direkt oberhalb von Lerici.
04:00Auf dem Foto ist er ganz links zu sehen.
04:08Die Villa gibt es noch heute.
04:10Sie wird geradezu einem Museum umgebaut.
04:14Claudia und ihr Schwiegersohn Benjamin dürfen sich umschauen,
04:17auf den Spuren des Großvaters.
04:24Viel hat sich hier nicht geändert.
04:28Ich habe noch ein Foto zu Hause.
04:30Da sitzen sie an diesem Tisch.
04:33Man kann das genau sehen.
04:35Und haben gegessen.
04:37Sie haben sogar gefeiert.
04:53Ist denn die Stelle markiert, wo das Foto aufgenommen wurde?
04:57Mhm.
05:00Ich muss natürlich auch drüber nachdenken, wie es ist.
05:03Die sind hierhergekommen und haben sich so als Besatzer
05:06hier dieses große Haus genommen, wie die sich wohl gefühlt haben.
05:11Richtig stark und mächtig und haben alles kontrolliert.
05:14Dachten sie jedenfalls.
05:23Doch der Soldat Rudolf Jakobs ist mehr als ein Besatzer.
05:27Er hat in Lerici Spuren hinterlassen.
05:30Noch heute kennen sie hier seinen Namen und nennen ihn einen Buon Tedesco,
05:34einen guten Deutschen.
05:35Auch weil er sich damals für eine gerechte Bezahlung der italienischen Arbeiter einsetzt.
05:42Das bleibt den örtlichen Partisanen nicht verborgen.
05:45Vielleicht kann so ein deutscher Jahr noch einmal nützlich sein.
05:52Drei Autostunden weiter ist Willi Sitte stationiert.
05:56In Montecchio Maggiore, einem kleinen Ort in der Nähe des Gardasees.
06:02Hier wartet der 23-jährige Gefreite auf seinen Kampfeinsatz.
06:07Dass er später mal ein bekannter Künstler wird, ist da noch ganz weit weg.
06:14Willi Sitte kommt 1921 im böhmischen Kratzau auf die Welt.
06:19Sein Vater ist Landwirt und Kommunist.
06:22Auf dem Geschwisterbild bekommt Willi die Nummer 5.
06:26Mit 15 beginnt er eine Ausbildung zum Musterzeichner,
06:30darf im Anschluss sogar Malerei studieren.
06:331941 wird er zur Ostfront eingezogen.
06:37Drei Jahre später schickt ihn die Wehrmacht nach Italien.
06:46In Montecchio Maggiore ist er verantwortlich für die Poststation der deutschen Kommandantur.
06:52Heute das Rathaus.
06:58Aaron Burks ist angehender Journalist und recherchiert in eigener Sache.
07:03Willi Sitte war sein Urgroßonkel.
07:06Überall in Montecchio hat er Spuren hinterlassen.
07:16Er hat wahrscheinlich auch im Krieg hier gearbeitet und hier hat er seine Bilder hinterlassen.
07:28Bis heute sind sie erhalten. Skizzen des Soldaten Willi Sitte entstanden in einer Schreibstube.
07:36Und er hat es mit Bleistift an der Wand gemacht. Direkt.
07:44Und er war ein Sekretär hier und hat die Post hier Wehrmacht quasi...
07:48Ja, also hier war, er meint, hier war Wehrmacht-Kommando und das war wahrscheinlich sein Zimmer.
07:54Denn er brauchte auch Zeit, um solche Bilder zu machen.
07:58Während der Arbeit hat er noch Zeit, diese Bilder zu machen.
08:01Ich finde es krass, diese Bilder hier, weil die sind ja wirklich mit dem Ort verbunden.
08:06Also ich dachte immer, das sind...
08:08Papiere.
08:08Papiere, ja.
08:09Sieht so aus und das ist diese alte Wand.
08:12Den Namen Willi Sitte, den kannte ich schon ziemlich lange eigentlich in meiner Familie.
08:17Der tauchte immer mal wieder auf.
08:19Ich habe dann 2021 selber mitbekommen, dass sein 100. Geburtstag anstand.
08:26Und habe dann meine Oma ganz aufgeregt angerufen.
08:28Und ich war total erstaunt, weil sie auf einmal ganz viele Geschichten hatte und ganz viele Erlebnisse.
08:33Und ich fand das total spannend und wollte diese Geschichte dann weitergehen.
08:37Dieser Mann, den ich eigentlich nur aus Wikipedia kannte, wo Erich Honecker die Hand schüttelt.
08:43Gleichzeitig gab es dann meine Oma, die ganz viele persönliche Geschichten erzählt hat zu ihm.
08:47Und das wurde dann erst zu einer emotionalen Geschichte.
08:52Zur gleichen Zeit ist in Turin der SS-Polizist Heinz Brauers im Einsatz.
09:03Noch weiß sein Sohn Hans wenig über dieses letzte Kriegsjahr des Vaters.
09:11Heinz Brauers kommt am Niederrhein in einer Arbeiterfamilie auf die Welt.
09:17Die älteren Brüder sind bei der Luftwaffe.
09:20Heinz entscheidet sich gegen eine Soldatenlaufbahn und geht zur Polizei.
09:25Für seinen Vater eine gute Idee.
09:28Da hätte der Sohn schließlich eine ordentliche Anstellung, wenn der Krieg mal vorüber sei.
09:441943 werden viele Polizeieinheiten in die SS eingegliedert.
09:49Heinz Brauers kommt ins 15. SS Polizeiregiment.
09:53Im Frühjahr 1944 wird seine Einheit nach Turin verlegt.
09:57Dort soll sie gemeinsam mit italienischen Faschisten gegen Partisanen vorgehen.
10:02Im Nazi-Jargon heißt das Bandenbekämpfung.
10:08Der Kampf gegen Banden hat seine eigenen Methoden. Hinter großen Felsbrocken haben sie ihre letzte Zuflucht gesucht.
10:17Nun, da ihnen der Weg abgeschnitten ist, nehmen sie die Hände hoch und ergeben sich.
10:28Überall in Mittel- und Norditalien verstecken sich Menschen in den Bergen.
10:33Viele haben Angst, für die italienischen Faschisten kämpfen zu müssen.
10:37Andere befürchten, dass man sie nach Deutschland zum Arbeitsdienst deportiert.
10:41Die Resistenza entsteht.
10:44Es gibt anfangs wenige kleine Partisanengruppen in Mittel- und Norditalien hauptsächlich.
10:52Viele entscheiden sich für die Resistenza, für die Partisanenbewegung und gehen dann in die Berge.
10:57Und insofern wird ab Frühling 1944, Sommer 1944 die Bewegung stark.
11:01Und zählt am Ende des Krieges mehrere hunderttausend Kämpfer.
11:07Bis heute ist es schwierig, genaue Statistiken, auch was die Partisanenbewegung angeht, zu führen.
11:14Weil, wann ist man denn Partisan? Insofern ist es natürlich schwierig, da Statistiken zu erstellen.
11:21Aaron Burgs, Willi Sittes Urgroßneffe, hat einen Termin im Ortsverband der italienischen Partisanenvereinigung.
11:29Die ist immer noch aktiv. 80 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg.
11:50Der Präsident Michele Santuliana ist Lehrer im Ort. Vieles über Willi Sittes Zeit in Montecchio weiß er von seinen Großeltern.
11:59Sie waren Partisanen.
12:05Montecchio war ein kleines Dorf. Und natürlich kannten sich hier alle.
12:10Dazu kam, dass die deutschen Soldaten bei mehreren Familien untergebracht waren. Die redeten natürlich miteinander.
12:21Oft genügte da ein ganz bestimmtes Wort. Dann spürte man, wenn jemand kein Nazi war. Und das sprach sich schnell
12:28herum.
12:34Einen deutschen Soldaten wie Willi Sitte auf seiner Seite zu haben, der interne Informationen aus dem Kommando liefern konnte, war
12:42dabei natürlich ganz entscheidend.
12:47Willi Sitte wohnt mit einem Kameraden bei einer Familie im Ort. Sie freunden sich an.
12:55Zu dieser Familie gehört auch Giuseppe Moraro, der Anführer der Partisanen von Montecchio.
13:07Das war extrem gefährlich. Aber Willi Sitte hatte sich da schon gegen die Nazis entschieden. Er hatte das auch öfter
13:14bewiesen, musste aber sehr vorsichtig und aufmerksam sein.
13:22Und auch auf unserer Seite hatte man immer nur sehr behutsam versucht, die zu gewinnen, die für die Sache der
13:28Freiheit waren.
13:30Natürlich ist es erstmal überhaupt eine unglaubliche Entscheidung, genau das Gegenteil zu tun, was man zehn Jahre lang eingetrichtert bekommen
13:38hat, was einem beigebracht worden ist.
13:39Diese Menschen fällen eine Entscheidung und springen ins kalte Wasser und wissen nicht mal, ob sie schwimmen können.
13:48Natürlich war ein Grund, dass Deutschland dabei war, den Krieg zu verlieren.
13:52Dass das Lügenkonstrukt der Nazis zusammenbrach und einigen Leuten einfach auch die Augen geöffnet hat.
13:59In einigen Fällen war es Freundschaft zur italienischen Zivilbevölkerung, die unter der deutschen Besatzung gelitten hat, unglaublich.
14:10Und wenn es dann freundschaftliche Beziehungen gibt und man halb auf der anderen Seite steht, dann will man das irgendwann
14:17nicht mehr mitmachen.
14:18Zu den Partisanen zu gehen, das ist schwierig. Es ist wirklich schwierig, weil das ist eine sehr harte Entscheidung, weil
14:27das Leben der Partisanen hart und voller Risiken gewesen ist.
14:32Und deutsche Soldaten wussten, was ihnen geblüht hätte, wenn sie bei einer Aktion der Deutschen wieder gefangen worden wären.
14:43Also sie wussten, dass sie dann erschossen wären.
14:50Im Sommer 1944 verüben SS-Soldaten furchtbare Massaker an der Zivilbevölkerung.
14:57Nur wenige Kilometer vom Standort des Marinesoldaten Rudolf Jakobs entfernt.
15:06Claudia Höft und Schwiegersohn Benjamin lassen sich von Roberto Oliggeri erzählen, was damals geschah.
15:13Hier in San Terrenzo Monti hatte sein Vater eine Trattoria.
15:26Im ersten Stock lebte die Familie meines Vaters.
15:30Major Reda war da und sein Adjutant Paul Albers.
15:36Reda bestellte das Mittagessen.
15:38Für jeden mindestens ein Brathähnchen und natürlich Wein.
15:43Bei diesem Mittagessen, das man heute das Mittagessen des Todes nennt, entschied sich das Schicksal von 160 Personen zwischen Brathähnchen
15:53und Rotweinflaschen.
15:56Man muss sich dieses Mittagessen vorstellen.
15:59Es war eine Atmosphäre des Grauens.
16:07Bandenbekämpfung im italienischen Grenzgebiet.
16:13Die sich noch wehrenden Reste der Banditen werden im Nahkampf niedergemacht.
16:22Die SS-Männer ermorden unweit von San Terrenzo Monti mehr als 100 Zivilisten.
16:27Im Blutrausch.
16:29Die Opfer sind fast ausnahmslos Frauen und Kinder.
16:32SS-Major Walter Reda, der den Befehl gegeben hat, sitzt da noch zu Tisch.
16:40Meiner Güte, wie kann man sowas tun?
16:44Roberto Oliggeri hat von seinem Vater Fotos geerbt.
16:48Sie zeigen die Dorfbewohner.
16:50Keiner von ihnen hat den 19. August 1944 überlebt.
17:00Alle wurden ermordet von diesen SS-Männern mit Kindergesichtern.
17:05Sie töteten im Sommer 1944 allein hier in der Umgebung weit mehr als 1000 Frauen und Kinder.
17:13Die wenigsten von ihnen wurden später dafür zur Verantwortung gezogen.
17:28Die Ruinen des Tatorts existieren noch immer.
17:32Als eine Art Mahnmal für die Verbrechen der Deutschen.
17:40Ganze Familien wurden damals ausgelöscht.
17:43Von ihnen bleiben nur noch Namen auf einer Gedenktafel.
17:56Vom Ort des Massakers in San Terenzo Monti sind es nur wenige Kilometer bis zum kleinen Partisanendorf Canepari.
18:07In dieser Geschichte spielt es eine wichtige Rolle.
18:16Jedes Jahr am 25. April feiern die Italiener den Jahrestag der Befreiung mit Wanderungen zu den alten Verstecken der Partisanen.
18:30Heute mit dabei, Nachfahren der Partisanen, eine Schulklasse und Carlo Greppi, ein Freund der Familie aus Turin.
18:52Es geht bergauf nach Canepari.
18:57Genau vor 80 Jahren hatten die Partisanen dort einen Deutschen versteckt.
19:01Und deshalb wird heute auch besonders an ihn gedacht.
19:12Anfang September 1944 wird Rudolf Jakobs vermisst.
19:16Sein Major notiert, dass er wahrscheinlich von Partisanen entführt worden sei.
19:21Was der Major nicht weiss, der Soldat aus Bremen ist desertiert, wird bei einer Familie versteckt, von Partisanen überprüft und
19:31Wochen später in die Berge gebracht, nach Canepari zu ihrem Kommando.
19:36Rudolf Jakobs ist jetzt Partisan.
19:48Der Historiker Carlo Greppi hat diese Geschichte recherchiert und ein Buch darüber geschrieben, mit dem Titel Il Buon Tedesco, Der
19:57gute Deutsche.
19:58Oh Pia!
19:58Oh Pia!
19:58He's the leader!
19:59Na mattina, ha appena alzato, oh bella ciao, bella ciao, bella ciao, ciao, ciao, ciao.
20:14Na mattina, ha appena alzato, ho trovato l'invaso.
20:28Oh, partizano, portami via, oh bella ciao, bella ciao, bella ciao, ciao, ciao, partizano, portami via, e mi sento di
20:46morire.
20:48E questo è il fiore del partiziano, oh bella ciao, bella ciao, bella ciao, ciao, ciao, questo è il fiore
20:59del partiziano, morto per la libertà.
21:07E questo è il fiore del partiziano, morto per la libertà.
21:26Hört alle mal kurz her, ich wollte euch noch etwas erzählen. Dauert nur eine Minute.
21:32Kommt näher, dann versteht ihr mich besser.
21:36Genau an diesem Ort war das Kommando. Hier wurde die große Aktion von Jacobs geplant.
21:42Obwohl seine Kameraden alle an ihn glaubten, wollten sie ihn davon abhalten, denn sie meinten, dass Deutschland später einmal Leute
21:49wie ihn brauchen würde.
22:02In Italien gibt es eine lange Spur des Blutvergessens.
22:05Es gibt die Massaker in Mittelitalien, sodass er mit Sicherheit erfahren hat, wie der Krieg gegen die Zivilbevölkerung in dem
22:12Gebiet aussieht, in dem er sich befindet.
22:15Aus der Sicht der Partisan ist dieser gute Deutsche, wie er wegen seines menschlichen Verhaltens gegenüber der Bevölkerung genannt wird,
22:22so besonders, dass er sofort auffällt.
22:25In der Tat ist diese Annäherung absolut gegenseitig.
22:29Das Kennenlernen findet über mehrere Wochen statt, Schritt für Schritt.
22:32Irgendwann desertiert er aus der Villa, in der er stationiert ist und wird in einem Haus in der Nähe versteckt.
22:38Er gilt als vermisst.
22:41Das ist eine absolut glückliche Verbindung von unterschiedlichen Seelen.
22:45Und ich meine nicht nur die Nationalität.
22:49Hier die absolut radikalen und rebellischen Kommunisten und dort ein wohlhabender Bürger aus Bremen, der bis zu diesem Moment ein
22:56ruhiges Leben geführt hat.
22:58Ein gutes Beispiel für die Residenza in Italien.
23:02All diese unterschiedlichen Menschen haben es gemeinsam geschafft, etwas wirklich Einmaliges, etwas Historisches zu schaffen.
23:18Hans Brauers will wissen, was damals in seinem Vater vorgegangen ist.
23:23Im Museum der Resistenza in Turin sieht er, was Heinz Brauers bei der SS mitbekommen haben muss.
23:32Die Partisanenkämpfe in Norditalien nahmen überhand und sollten eben durch deutsche Einheiten vermindert werden.
23:43Er hat mal formuliert, dass es darum gegangen sei, Partisanen abzuknallen.
23:49Er hat aber mitgeteilt, er habe nie jemanden erschossen.
23:54Die Italiener hatten aus seiner Sicht nichts getan.
23:57Es war ein unbescholtenes Volk.
24:00Und er hat sich da massiv entgegen ausgebrochen.
24:05Und hat auch nie verstanden, warum das stattgefunden hat.
24:12Das Museum erzählt von den Verbrechen der Faschisten gegen die Zivilbevölkerung.
24:18Von Plünderungen, Folter und Willkür.
24:25Irgendwann konnte Heinz Brauers das alles nicht mehr ertragen.
24:29Im Herbst 1944 trifft er in einem Café den Partisanenoffizier Alvaro Camosso.
24:36Kurz darauf wird Heinz Brauers von den Partisanen festgenommen.
24:39Sein Sohn vermutet, dass das arrangiert war.
24:44Aus den amtlichen Papieren wissen wir, dass er gestellt worden ist von Alvaro in einer Situation,
24:54als ein Einsatz der Deutschen scheiterte in Turin.
25:00Sein Einsatzleiter sagte, jeder rette sich, wer kann.
25:05Und dann kam die Partisanenheit schon um die Ecke.
25:09Es kam zu einem Gespräch und in diesem Gespräch hat Heinz, also mein Vater,
25:19wie sein Kompanion Hans Jürgens, das Gewehr auf die Rückbank des Fahrzeugs von Alvaro gestellt
25:30und gesagt, das gebe ich jetzt ab, aber die Pistole behalte ich am Gürtel.
25:40Er hat sich ihm angedient, aber gleichberechtigt, auf Augenhöhe, wie es so schön heißt.
25:48Und so werden Heinz Brauers und sein Freund im November 1944 zu Partisanen ernannt,
25:55als offizielle Mitglieder der kommunistischen Brigade Leo Lanfranco.
26:00Das ist alles gut belegt.
26:03Und doch gibt es bis heute offene Fragen, was damals genau geschah.
26:08Auch Barbara Berrutti, Professorin für Geschichte an der Universität Turin,
26:13hat nicht auf alle Fragen eine Antwort.
26:19Ja, was er sagt, ist eigentlich sehr plausibel.
26:23Vor allem, wenn wir über den Spätherbst 1944 sprechen.
26:26Sicherlich war da auch eine große Müdigkeit, der Krieg ging zu Ende.
26:31Ich denke, für ihren Vater, der ja seit September 1943 in Italien war, war das ein endloser Krieg.
26:39Man kann gut verstehen, dass sich ab einem bestimmten Punkt er und auch andere zunehmend distanziert haben.
26:47Wahrscheinlich ist das persönliche Aufeinandertreffen dieser zwei Männer von grundlegender Bedeutung.
26:53Und so entstand sicherlich eine besondere Beziehung zwischen ihnen.
26:58Wahrscheinlich auch, weil Brauers Dinge tat, die für die Partisanen sehr nützlich waren
27:03und objektiv zum piedmontesischen Widerstand beitrugen.
27:08Und so entstands die Prismontation.
27:17Während Heinz Brauers in Turin mit den Partisanen kämpft,
27:21bereitet sich Rudolf Jacobs im Bergdorf Canepari auf einen Einsatz vor.
27:27Am Morgen des 3. November will er mit ein paar Kameraden zur Küste hinuntergehen
27:31und in der Stadt Sarzana ein Hotel überfallen, in dem sich italienische Faschisten einquartiert haben.
27:38Es ist ein Himmelfahrtskommando.
27:41Sein Partisanenführer versucht, ihn davon abzuhalten.
27:44Aber Rudolf Jacobs, der noch nie mit einer Waffe gekämpft hat, meint es ernst.
27:58Es sind rund 10 Kilometer bis in die Kleinstadt Sarzana.
28:02Jacobs und seine Männer tragen deutsche Uniformen, um nicht aufzufallen.
28:07Zunächst scheint auch alles glatt zu laufen.
28:10Dann kommen sie zu dem Hotel, in dem die Faschisten untergebracht sind.
28:15Jacobs geht voran.
28:16Er will schießen, aber seine Waffe klemmt.
28:19Die Faschisten eröffnen sofort das Feuer.
28:22Jacobs wird tödlich getroffen.
28:27Weil er eine deutsche Uniform trägt, glauben die Faschisten, er wäre von Partisanen erschossen worden.
28:33Das wird später auch auf seiner Grabkarte so eingetragen.
28:44Die Partisanen von Canepari wissen es besser.
28:47Für sie ist der Bremer längst zum Helden geworden.
28:55Ein paar Tage später hat auch Willi Sitte Gelegenheit, sich als guter Deutscher zu beweisen.
29:02In Montecchio wird ein deutscher Feldwebel von Partisanen erschossen.
29:06Die Angst vor Repressalien ist groß.
29:09Dass es dazu am Ende nicht kommt, wird bis heute Willi Sitte zugeschrieben.
29:15Eine Sache, die mich noch bei der ganzen Geschichte um Willi Sitte interessiert, ist es so eine Legende, habe ich
29:23das Gefühl.
29:23Diese Vergeltung, die er verhindert hat.
29:25Ist die gesichert eigentlich? Gibt es dafür Beweise oder ist das eine Legende, die man sich in Montecchio erzählt?
29:31Ja, er hat wahrscheinlich eine sehr wichtige Rolle in dieser Geschichte gespielt.
29:36Ein Partisan war bei einer Schießerei verletzt worden.
29:40Sie hatten ihn ins Krankenhaus von Montecchio gebracht.
29:42Der Mann lag dann dort.
29:45Eine Partisan-Gruppe wollte ihn befreien, traf dabei aber auf einen deutschen Soldaten.
29:52Es kam zu einer Schießerei und der Soldat wurde getötet.
29:56Nach deutschem Militärrecht hätten nun zur Vergeltung Menschen erschossen werden müssen.
30:02Wenn nur ein deutscher Soldat getötet wurde, gab es Rache und Vergeltungsmaßnahmen.
30:10Zwei Tage nach der Schießerei fährt ein Stadtrat aus Montecchio zum SS-Kommandanten.
30:17Mit dabei als Dolmetscher der gefreite Willi Sitte.
30:21Er fabuliert, erzählt dem SS-Offizier, dass es sich nicht um ein Attentat, sondern um private Rache wegen einer Frauengeschichte
30:29gehandelt habe.
30:30Der SS-Mann lacht, berichtet der italienische Stadtrat später. Und erschossen wird niemand.
30:37Für Sitte selbst bleibt sein Einsatz aber nicht ohne Folgen. Im Februar 1945 wird er an die Front versetzt.
30:49Im Süden sind seit Wochen die Anglo-Amerikaner zum Großangriff angetreten, um den Durchbruch in die Po-Ebene zu erzwingen.
31:00Anfang April hat Willi Sitte endgültig genug vom Kämpfen. Er desertiert und schlägt sich durch bis Montecchio.
31:08Am 11. April versteckt ihn Partisanenführer Giuseppe Moraro bis zur Befreiung in seinem Haus.
31:14Hier malt Willi Sitte auch ein Bild, das ihn später bekannt macht. Den Totentanz des Dritten Reichs.
31:42Zwei Töchter des Partisanenführers leben noch heute im Haus der Familie.
31:56Freut mich. Ich bin Daniela.
32:02Ah, der Urgroßneffe. Bravo.
32:08Kannst du dich noch an Willi Sitte erinnern?
32:13Ja.
32:13Ja, er war eine Persönlichkeit, an die man sich gut erinnert.
32:23Auch mein Vater und meine Mutter haben seine Bekanntschaft sehr geschätzt.
32:36Er hatte so wunderbare Hände. Sie waren so fein, sehr subtil und ausdrucksstark.
32:44Aber sie hat ihn ja noch lebend gesehen. Hat sie ihn lebendmalen gesehen?
32:49Ah, er hat sie gesehen, als er schildert?
32:52Ja.
32:53Nicht nur schildert, sondern auch, als er schildert.
32:56Wir waren immer neugierig darauf, ihn malen zu sehen.
33:04Er war sehr interessant.
33:14Willi Sitte bleibt auch nach dem Kriegsende in Montecchio und hofft, hier als Künstler Fuß zu fassen.
33:21Aber dafür hat im Frühjahr 1945 kaum jemand etwas übrig.
33:33Ich fand es besonders krass, die Frau zu treffen, also Lucia Moraro, die ihn wirklich noch als Letzte vielleicht persönlich
33:45kennengelernt hat als junges Mädchen.
33:47Weil das wirklich wie so eine sichtbare Spur war.
34:00Ende April 1945 wird auch Turin befreit.
34:04Mit großen Paraden der Partisanen, die vier Tage andauern.
34:09Von dieser Befreiungsfeier gibt es zwei Postkarten, die Heinz Brauers neben seinem Kommandanten Alvaro Camosso im offenen Paradewagen zeigen.
34:21Die erste Postkarte schickt Heinz Brauers an seine beiden Schwestern und er grüßt sie als italienischer Garibaldina, als Patriot.
34:32Die andere bekommt er selbst von Alvaro mit einer ganz persönlichen Widmung.
34:381. Mai 1945, Alfidele Heinz für den treuen Heinz.
34:56Der Krieg ist endlich vorbei.
34:59Doch Heinz Brauers weiß nicht, was er jetzt machen soll.
35:02Seine Spuren verlaufen sich in dieser Zeit.
35:07Sohn Hans weiß nur, dass Alvaro Camosso seinen Vater in diesem ehemaligen Kloster untergebracht hat.
35:14In Heinz Brauers Mappe lag ein Foto aus der Zeit nach dem Kriegsende.
35:19Sein Vater mit den Mönchen des Klosters.
35:30Über ein Jahr bleibt Heinz Brauers im Kloster und arbeitet dort als Gärtner.
35:35An seine Familie schreibt er, dass er nie mehr nach Deutschland zurückkehren will.
35:41Doch seine Träume erfüllen sich am Ende nicht.
35:45Im Herbst 1946 kehrt er mit großer Sorge nach Deutschland zurück.
35:50Er hat gehört, dass er als ehemaliger Partisan dort nicht willkommen ist,
35:55während viele Kriegsverbrecher längst wieder unbehelligt in Deutschland leben.
36:02Letztendlich die Geschichte der Verfolgung von den S-Verbrechen in der Nachkriegszeit
36:07ist auch eine Geschichte der Nichtverfolgung der S-Verbrechen in der Nachkriegszeit.
36:11Es hat so gut wie nie gegeben.
36:13Also nur sehr, sehr wenig.
36:16Für die Massaker, die in Italien stattgefunden haben,
36:21Letztendlich haben in Deutschland drei oder vier Prozesse überhaupt stattgefunden
36:30und davon eine einzige rechtskräftige Verurteilung.
36:34Tja, das hat er oft berichtet, dass die alten Säcke, wie er schon mal formulierte,
36:43aus der Nazi-Zeit, eben halt sich Problemfreiheiten rüber retten können in das neue System.
36:51Das hat ihn schon umgetrieben, dass viele Nazi-Säcke, ich darf das nochmal so übernehmen,
37:00in neuen Funktionen besser dastanden als jeder andere,
37:05der nicht den Hitler-Sprüchen gefolgt ist.
37:10Das ist Westdeutschland Ende der 50er noch.
37:13Insofern ist es eine Geschichte, die natürlich weitergeht.
37:18Wiedergutmachung gibt es nicht.
37:19Es gibt zum Teil Verlust der bürgerlichen Rechte.
37:23Und es passiert ja erst nach dem Jahr 2000, nach den 2000er Jahren,
37:28dass die vollständig rehabilitiert werden, die Opfer der NS-Militärjustiz.
37:33Also die Ungerechtigkeit wird jahrzehntelang reproduziert.
37:37Die Deserteure, die zurück nach Deutschland kamen, nach Westdeutschland,
37:44in Ostdeutschland ist es eine ganz andere Geschichte,
37:47aber in Westdeutschland hatten sie natürlich große Schwierigkeiten.
37:53Sie wurden nicht anerkannt.
37:56Sie wurden eher als eine Art von Vaterlandsverräter betrachtet,
38:01sodass sehr viele einfach über ihre Erfahrungen geschwiegen haben.
38:09Heinz Brauers kehrt zurück und meldet sich bei den Behörden.
38:13Aber er erzählt dort nicht alles, was er in Italien erlebt hat.
38:21Er war ja Polizeibeamter von Anfang an gewesen und ist auch in der Polizeidienst wieder zurückgegangen
38:27nach seiner Rückkehr aus Italien in Deutschland.
38:32Und er hatte Sorge, dass er diesen Status verloren hätte.
38:42Er hat die Seiten gewechselt, er ist desertiert, das war strafbar.
38:56Noch Jahre nach dem Krieg glaubte die Familie von Rudolf Jakobs,
39:01was auf seiner Grabkarte stand, dass er von Partisanen erschossen wurde.
39:07In Sardzana aber wurde er gleich nach der Befreiung als Held im Ehrengrab der Partisanen beigesetzt.
39:15Nicht als Fremder, sondern als einer von ihnen.
39:23Jahre später fand Sardzanas Bürgermeister die Familie von Rudolf Jakobs in Norddeutschland
39:29und lud sie ein, nach Italien zu kommen.
39:32Hier erfuhren Frau und Kinder endlich die Wahrheit.
39:36In Deutschland aber musste sie ein Geheimnis bleiben.
39:41Also später hat mein Vater gesagt, es wurde nicht darüber gesprochen,
39:45weil meine Großmutter Angst hatte um ihre Rente.
39:48Sie hat ja eine Witwenrente bekommen, von der sie gelebt hat.
39:51Sie war dann ja allein, allein erzielt mit den beiden Jungs.
39:54Und sie hat eine Witwenrente bekommen.
39:57Und es wurde nicht darüber gesprochen, es war kein Thema, damit wir uns eben auch nicht verplappern, damit wir nichts
40:03sagen.
40:04Hätte man ihr dann aberkannt.
40:06Und wovon hätte sie leben sollen.
40:10Willi Sitte geht 1946 zurück nach Ostdeutschland.
40:15Im Gepäck hat er eine Bescheinigung des Partisanenchefs Giuseppe Moraro,
40:20die seine Zusammenarbeit mit den Partisanen bestätigt.
40:23Und seine Flucht zu ihnen zwei Wochen vor der Befreiung.
40:27In Deutschland angekommen, gibt Willi Sitte allerdings an, dass er schon 1944 zu den Partisanen übergelaufen sei.
40:34Was so nicht stimmt, ihm aber in der DDR weiterhilft.
40:38Er bekommt als Verfolgter des Naziregimes den VDN-Ausweis und damit auch Vergünstigungen,
40:44die in der DDR von großem Nutzen sind.
40:47Und so startet der Maler Willi Sitte eine große Karriere.
40:51Mit einer Villa, einem schicken Westauto und mächtigen Freunden.
40:58Natürlich ist es richtig, dass man das nachfragt, dass man Legenden nicht einfach so stehen lässt,
41:04dass man Legenden auch bestaunen kann und Legenden auch weitererzählen kann.
41:07Aber ich weiß auch nicht, vielleicht stimmt sie auch ein Stück weit, ich weiß es einfach nicht.
41:12Und das hat mich sehr aufgewühlt, aber auch zu dem Gedanken gebracht,
41:18dass das vielleicht auch ein Weg ist, sich so einer Zeit hier, wo nicht alles festgeschrieben wurde
41:24und in so einer wirren Zeit einfach näher zu kommen.
41:35Mein Großvater oder das, was er getan hat, war nicht unbedingt für mich immer so positiv.
41:40Dann denke ich immer, okay, ich habe aber diesen großen Großvater sozusagen als Vorbild.
41:47Was mache ich aus meinem Leben? Was mache ich mit dem, was ich eigentlich tun könnte?
41:53Ich wünschte, ich könnte sagen, ich würde auf jeden Fall auch so gehandelt haben.
41:58Ich wäre damals auch übergelaufen, ich hätte das Unrecht erkannt und gesagt,
42:01das geht so nicht, man muss was machen.
42:04Also das ist der Aspekt, der mich, glaube ich, an Rudolf Jakobs am meisten fasziniert.
42:11Dieses einzelkämpferische Durchbeißen, dieses so klar sein und so klar handeln.
42:16Ich kann überhaupt nicht in den Kopf von Willi Sitte reißen und ich kann nur immer wieder versuchen,
42:24mit meinem Kopf seinen Weg nachzuziehen.
42:26Und doch bin ich sehr, sehr froh darüber, dass ich diese Gespräche geführt habe,
42:30weil sie mich immer so ein Stück weiter gefühlt haben, wenn auch sehr im Zickzack
42:35und bin vielleicht trotzdem noch nicht vor der Erkenntnis.
42:39Ja, ich hätte mir gewünscht, dass Vater und Johanna, also meine Mutter, in Italien ihren Weg gegangen wären.
42:50Das wäre wahrscheinlich die bessere und richtige Schlussfolgerung gewesen.
42:56Mein Vater wäre glücklicher geworden, da bin ich mir sicher.
42:59Das hätte ihn freier gemacht, das hätte ihn auch fröhlicher gemacht.
43:04Der war manchmal eben halt verschlossen und nicht so fröhlich.
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