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00:23Very nice, Rosas Abschied, yeah, that is
00:26doch wunderbar, ja, ich verabschiede mich gern. Es gibt ja diese Abschiedstourneen
00:31von Sängern, die sich endlos hinziehen. Das kann ja mir auch passieren,
00:37dass ich also vielleicht mich zehn Jahre verabschiede oder so.
00:44Es ist ganz schön, wenn man jetzt Abschied nehmen muss von allen,
00:48und das wird ja irgendwann passieren. Dann, wer ist mir liebgewonnen,
00:52welche Menschen sind mir am wertvollsten, wovon nehme ich Abschied?
00:58Von meiner Kunst, von meinen Ideen, von meinen Fantasien,
01:01von der Welt, die ja momentan schrecklich ist.
01:05Der Titel dieses Films beschlossen.
01:09Einen Tag später, Nachricht von Rosa. Ziemlich dringend.
01:14Ja, also Rosas Abschied finde ich nicht gut,
01:16weil dann kriege ich ja keine Aufträge mehr, weißt du.
01:19Weil ich muss ja noch arbeiten, um zu überleben,
01:24und kann es mir nicht leisten, zu sterben.
01:27Ich würde natürlich gerne sterben.
01:29Also ich finde, Glückskind ist sehr gut.
01:33Ich habe auch meine Memoiren, die ich in Arbeit habe,
01:37die siebten sozusagen, habe ich Glückskind genannt.
01:54Musik
01:55Musik
01:55This song. You got what I want. You got what I need. Shoot your shout. You know how I feel.
02:07I'll make it real. Shoot your shout.
02:14Auf dem alten Berliner St. Matthäus Friedhof können historische Gräber neu genutzt werden. Rosa und seine beiden Männer haben sich
02:23eins ausgesucht.
02:26Was soll das jetzt? Probelegen, bitte. Nein. Doch, bitte, Mike. Das ist voller Steine. Ach, das macht doch nichts. Idiotisch.
02:40Na ja, so ist das, wenn man stirbt. Ja.
02:45Vielleicht kommt meine Mutter noch mal rein. Ach ja? Ja, Wolfgang, ist das möglich, dass Ollis Mutter?
02:52Ich freue mich wahnsinnig auf den Tod. Ich finde das sehr befreiend, denn ich glaube, mein ganzes Leben habe ich
02:59unter so einem Zwang gelebt.
03:01Ich muss arbeiten, ich muss sehr viel tun. Ich war in der letzten Zeit sehr depressiv und ich dachte, warum
03:09wache ich immer auf mit diesem Gefühl,
03:11ich will nicht mehr leben, ich will nicht mehr leben. Das ist so lästig.
03:15Und dann habe ich meine Psychologin befragt und die sagt, ja, das gehört zu dir als Künstler, das muss ich
03:20zulassen.
03:21Also insofern bin ich momentan noch nicht sterbensmüde, aber das kommt immer wieder.
03:28Das ist ja das schöne Friedhöfe. Du hast hier eine Ruhe und es gibt Eichhörnchen.
03:33Ich liebe Eichhörnchen, obwohl man sagt, dass die einen bösartigen Charakter haben, aber sie sehen halt niedlich aus.
03:49Also das ist mir alles scheißegal. Berühmt und weiß nicht was. Es gibt so viele tolle Leute, muss ich sagen,
03:55so viele tolle Künstler.
03:56Ich bewundere so viele. Ja, was nehme ich denn heute? Die Bild-Zeitung nehme ich heute.
04:02Worauf ich vielleicht stolz bin, dass ich der produktivste Schwulenfilmer der Welt bin.
04:08Also ich glaube, niemanden der Welt hat so viel dokumentiert über Homosexualität, über Schwule, Lesben, Transgender und das eben über
04:17viele Jahrzehnte.
04:18Darauf bin ich stolz, dass ich das machen durfte.
04:23Also ich merke einfach an meinen Zeichnungen, dass ich friedlicher bin oder auch an meinen Gedichten.
04:28Es ist ganz erstaunlich. Früher, mit 20, habe ich meine Beerdigung gefeiert und habe ermordete Könige gemalt und erstochene Prinzessinnen
04:39und so weiter.
04:40Und jetzt plötzlich ist das alles so fröhlich geworden. Ich male Blumen und Penisse und alles ist bunt und vergnügt.
05:00Das ist mein Hintern, wahrscheinlich kurz bevor Rosa ihn bekam.
05:06Also die meisten Leute, die diesen Dokumentarfilm sehen, fragen sich vielleicht, warum Rosa sich zu mir hingezogen fühlte.
05:13Aber das war ein guter Hintern. Also ich bin sehr stolz auf diesen Arsch.
05:24Rosa war einfach umwerfend. Ich war sehr glücklich, ihn zu haben. Und ich glaube, der Sex war gut.
05:29Ich meine, wenn du mit ihm im Bett warst, hat er dich einfach gefögelt.
05:33Er ging auf und ab, auf und ab, auf und ab.
05:37Du konntest das Bett verlassen und er hat es nicht gemerkt, dass du weg bist.
05:41Er hat immer noch gestoßen. Und wenn du dann wieder ins Bett zurückgingst, machte er weiter.
05:52Naja, weißt du, Rosa ist ein Mülleimer. Also Rosa genießt ja nicht.
05:56Und ich glaube auch nicht, ich meine, ich habe ihn nie beim Sex erlebt, aber ich glaube auch nicht, dass
06:00er Sex genießt oder genossen hat,
06:03wenn er den am Tag mit drei verschiedenen Männern hatte. Das ist, also wie denn?
06:07Also ich stehe da ratlos gegenüber und denke so, wow, wäre nicht meins.
06:15Ich habe da ein anderes Tempo oder so. Und ansonsten frisst er alles in sich rein. So macht er auch
06:21Filme.
06:22Also frisst er und scheißt die Filme aus.
06:40Ich weiß nicht, ob ich ihn hübsch fand damals.
06:45Rosa hat ein ganzes Gebäude gebaut, ein rosa Gebäude mit ganz vielen Zimmern und Fluchten und Kellergebäuden und was weiß
06:55ich.
06:56Und da gibt es auch peinliche Räume, aber er spielt ja damit. Was ist denn überhaupt peinlich?
07:03Rosa ist natürlich nicht jemand, der egal ist. Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn.
07:11Und das ist seine Qualität und auch sein Problem. Also er ist nicht so für alle nett.
07:21Viele Leute können ihn nicht ertragen. Und viele von meinen Freunden zum Beispiel,
07:25sie wollen nicht in eine Filmpremiere von Rosa kommen. Sie sagen, nein, es hat immer das Gleiche, immer das Gleiche.
07:32Aber ich versuche zu erklären, wie Rosa, weil es wichtiger für die heutige Gesellschaft ist.
07:47Kinos sagen auch nicht schon wieder einen Film, wenn jedes Jahr ein neuer Film rauskommt.
07:50Ich meine, man kann ja, es ist einfach diese unglaubliche Produktivität.
07:54Es ist einfach, das ist ja Rosas Leben und er hat sein Leben in einer gewissen Weise vermarktet.
08:01Auch, ich meine, das ist ja eigentlich im Prinzip hochmodern, was heute Influencer machen oder auf Instagram.
08:05Das hat er ja damals schon gemacht und hat gesagt, das Private ist öffentlich und hat sozusagen eigentlich die private
08:14Figur Rosa abgeschafft,
08:17die es natürlich gibt, aber in der Wahrnehmung ist natürlich nur diese öffentliche Figur Rosa,
08:23die auch viel Privates inkludiert sozusagen, vermeintlich Privates auch.
08:33Für mich, für meine Generation hat er gekämpft, dass wir ein offen schwules Leben leben können,
08:44mein Mann und ich, ohne dafür diskriminiert zu werden.
08:48Er hat ein Thema damals in die Gesellschaft gebracht, das keiner wissen wollte, das war tabu, das war in der
08:55Ecke,
08:55das war am Rande der Gesellschaft und schmuddelig.
09:01Davon habe ich ja sogar wiederum profitiert, viel später, dass ich da eigentlich schon in ein gemachtes Bett kam,
09:08obwohl ich auch Widerstände gespürt habe.
09:15Aber es gab eine Szene schon und die hatte Humor und die war dankbar, dass ich kam und Comics machte.
09:20Und da war Rosa nicht unbeteiligt, weil er halt vorher schon den Acker geflüchtet hat.
09:36Weil er hat ja immer noch diese Underground-Attitüde.
09:40Er tut ja immer noch so, als ob er der Warhol von Deutschland wäre.
09:43Aber er schafft es natürlich immer wieder noch, mit bestimmten Geschichten immer noch in die Schlagzeilen zu geraten,
09:51zumindest, dass man ihnen überberichtet, dass man eben jedes Jahrzehnt seiner Geburtstage wahrnimmt
09:58und jeder Sender meint, wir müssen nochmal ein Porträt dieses Mannes machen.
10:07Deswegen würde mich persönlich interessieren, die queere Szene, wie gehen die mit Rosa von Braunheim um?
10:13Der Name müsste Ihnen eigentlich noch was sagen, aber was sagt er Ihnen und wie sehen Sie ihn?
10:20Sehen Sie ihn auch, wie wir noch als ein Idol, als einer, der uns vorausgeschritten ist und einen Weg gebahnt
10:31hat?
10:31Oder sehen Sie ihn eher als ein Fossil, als einen alten, schwulen Zissmann, der ganz lustig ist, wie er mit
10:40rosa Zylinder noch in der Talkshow sitzt?
10:56Lieber Brandon, wie läuft es in der Schule und mit deiner Gesundheit?
11:01Ich hoffe, du bist inzwischen wieder ein gesunder Ficker.
11:04Ich fühle mich großartig. In Berlin ist es schrecklich kalt, aber die Wohnung ist toll.
11:09Ich habe fünf alte Damen zu mir nach Hause eingeladen und habe Tag und Nacht gefilmt. Es war unfassbar.
11:16Dann fährt er fort. Wie sieht es mit der Filmemacher-Kooperative aus? Hast du die Kopie aus Kanada bekommen? Hast
11:23du die 60 Dollar bezahlt?
11:25Hast du das Geld von Rob Baker bekommen, das Pressematerial aus Minneapolis?
11:29Es geht weiter mit ungefähr 20 Dingen, die ich tun soll. Bitte schreibe mir zu meinem Geburtstag, dem 25. November.
11:36Alles Liebe und Küssen.
11:42Ich habe mich eher als kleines Mädchen gesehen, mein Leben lang, das immer erobert werden musste.
11:48Meine Männer mussten mich immer jagen und erobern. Und dann habe ich mich auch gerne erobern lassen.
11:55Mike und Rosa kennen sich seit über 40 Jahren, waren mal ein Paar.
12:03Mike schneidet Rosas Filme.
12:07So eine Art Sandkasten-Liebe?
12:10Nein, nein.
12:18Rosa war nie im Leben monogam. Aber ich meine, die Verbindung war sehr stark.
12:26Aber da, ja, nach fünf Jahren, ging die Beziehung auf der Ebene nicht mehr. Das passiert.
12:38Das Thema Sex wird ihn immer begleiten. Das geht, also das ist, oder wie Penisse.
12:45Also Penisse, das, ich weiß auch nicht. Penisse sind ja quasi seine Maskottchen.
12:55Ja, der geht immer noch irgendwie, die Zeitung holen. Und das dauert ein bisschen länger.
13:03Aber was er da macht, bin ich nicht sicher.
13:06Die Tagebücher versuche ich nicht zu lesen. Ehrlich gesagt.
13:12Besonders die alten.
13:29Ich meine, Sex hat mir für mich immer eine große, große Rolle gespielt.
13:33Ich glaube, dass es für viele Schwule, also nicht nur Schwule, sondern Heterosexuelle genauso eine große Rolle spielt.
13:38Aber Schwule haben sich eben mehr sexuelle Freiheiten genommen.
13:42Das ist ja das Schöne, dass wir sozusagen unserer Lust leben konnten.
13:48Und nicht jetzt eingezwängt in Ehe und so wie deine hier Ton- und Kameraleute,
13:53die eben ein tragisches Leben haben mit den Zwangsehen und Zwangsfamilien, ne?
14:00Kinder, die die Eltern anspucken und so weiter, ne?
14:03Das ist uns allen sozusagen als Schwulen nicht so, äh, das brauchen wir nicht.
14:19Ich meine, ich bin froh, dass ich in meinem Leben als schwuler Mann wunderbare Beziehungen hatte.
14:25Tolle, tolle Männer.
14:28Und das, ja, und vor allen Dingen jetzt im Alter.
14:32Ich meine, dass ich den wunderbaren, süßen, intelligenten, etwas geisteskranken Oliver zum Freund habe, ist großartig.
14:42Also, der ist, macht tolle Sachen.
14:45Alles, was der macht, ist immer sehr, sehr gut.
14:47Und er beschützt mich und er meint es gut mit mir.
14:56Ich leide ja nun an Depressionen und Ängsten und Zwängen.
15:02Also, Rosa ist ja ein verrückter Künstler, also ist es ein verrückter Typ.
15:08Ich bin ja amtlich verrückt, also ich bin ja wirklich verrückt, verrückt.
15:15Also, Rosa wirkt definitiv wie ein gutes Medikament.
15:18Rosa ist mein Schutz und mein Schirm und mein Halt.
15:22Ich kann mir, wie gesagt, ein Leben ohne Rosa gar nicht vorstellen.
15:26Rosa ist alles für mich.
15:40Völlig besoffen rief sie an.
15:42Sie hat angerufen nachts um elf und hat gesagt, bilde dir nicht ein, dass du ewig lebst.
15:48Ja, und dann habe ich gesagt, naja, wann sterbe ich?
15:50Und dann sagte sie, also das war vor einem Jahr, zweieinhalb Jahren.
15:54Und dann sagte ich, wie sanft, sagt sie.
15:57Ja, das ist doch schon mal schön.
16:15Das sind hier alles Requisiten noch von meinem Theaterstück, die noch nicht aufgebaut sind.
16:21Und ich habe ja Anfang der 60er Jahre Malerei studiert.
16:31Ich glaube, das ist sogar ein Selbstbildnis von 61.
16:34Also Film kam gar nicht in Frage.
16:36Film ist ja blöd, also es sind ja nur für Dumme.
16:39Das ist ein minderwertige Kunst, Filme.
16:43Ich dachte, Malerei und Literatur ist die höhere Kunstform.
16:48Na, das ist dann schon surrealer.
16:53Also das kommt dann schon eher zu dem näher, zu dem, was ich dann jetzt mache oder so.
16:59So fantasievolle Figuren.
17:03Das sind wieder Ermordete, die ich gern gemalt habe.
17:10Rosa, der damals noch Holger Mischwitzki hieß, fiel auf, dadurch, dass er extravagant gekleidet war.
17:19Er hatte einen smaragdgrünen, glänzenden Anzug an und wilde, schwarze Haare.
17:26Ich kann mich an seine rote Brille erinnern, an rote Schuhe, an etwas Extravagantes und auch etwas, was mich erschreckt
17:35hat.
17:36Weil es war ungewöhnlich, auf unserem Straßenbild so ein Exhibitionistisches und so eine Show schon herzustellen mit Kleidung, mit Gestik,
17:49mit Körpersprache.
17:51Und ich fand es aber ganz, ganz toll, dass ich die Gelegenheit hatte, meine Angst darin zu verlieren, vor diesem
18:00Extrovertierten, weil ich bin ja eher andersrum.
18:04Rosa, Holger. Holger hat uns immer ein bisschen geärgert und hat gesagt, er ist der Einzige, der berühmt werden wird.
18:13Und da haben wir natürlich dann auch großmütig gelächelt und haben gesagt, lass ihn reden.
18:19Wir glaubten, dass wir die wahren Künstler sind und was überhaupt wahre Kunst ist.
18:24Im Rückblick ist das natürlich sehr komisch.
18:26Wir haben uns dann besoffen und dann natürlich noch mehr übersteigerte Fantasien gehabt, wie toll wir sind.
18:32Es war ein schönes Gefühl mit Gleichgesinnten.
18:35Die kamen ja alle, meistens aus bürgerlichen Familien.
18:38Wir waren da sozusagen alle kleine Revolutionäre und kleine Außenseiter und haben uns gegenseitig bestärkt.
18:46Und das war ein unheimlich schönes Gefühl.
18:48Ein Gefühl von Freiheit, von Fantasie, von Anarchismus.
18:51Das war eine tolle, tolle Zeit.
18:54Zurückblickend war das so eine Aufbruchsstimmung.
19:04Er hat angefangen zu tanzen, ja, auf dem Asphalt, auf der Straße, mitten auf der Straße.
19:10Er hat Leute angesprochen und wir haben halt mitgemacht.
19:13Und ich habe Videos gemacht und zum Teil eben auch mitgetanzt.
19:17Und das war so eine spielerische Form, wie, möchte ich sagen, es auch Kinder machen.
19:27Wie entdecken die die Welt?
19:28Und Rosa hat damit nicht aufgehört.
19:30Das war so eine spielerische Form, wie, möchte ich sagen, es auch Kinder machen.
20:00Dietmar, ist Dietmar fertig?
20:02Bin da.
20:03Ah ja, sehr schön.
20:0550 Jahre nach seinem Kultfilm hat Rosa die Bettwurst neu geschrieben.
20:09Als Musical.
20:11Ruhe bitte.
20:12Ist dir das nicht zu viel?
20:14Das nennt man Haltung.
20:15Wir tanzen in die Liebe hinein.
20:20Ich habe eine Unruhe, sicher eine Grundunruhe als Mensch.
20:23Die war sozusagen im Triebhaften, die habe ich erotisch ausgelebt, die habe ich aber auch künstlerisch ausgelebt.
20:29Und die Neugier, die Neugier auf Neues und immer wieder kreativ was zu machen.
20:36Mir ist nie der internationale große Durchbruch gelungen, den habe ich auch nie angestrebt, dadurch, weil ich nicht realistische Filme
20:44machen kann.
20:44Ich kann nicht diesen Realismus herstellen oder psychologisch arbeiten kann oder so.
20:49Das ist mir nicht gegeben, sondern ich bin zu sehr Künstler, ich bin zu sehr Arthaus und vor allen Dingen
20:54auch interessiert an schrägen Themen.
20:56Luzi, ich liebe dich.
20:58Ich liebe dich, wie die Luft, wo ich atme.
21:00Ich liebe alles an dir.
21:01Deine Haare, liebe ich, deinen Busen.
21:03Ich liebe dich unwahrscheinlich.
21:05Luzi, du bist alles für mich.
21:07Ich liebe dich, Luzi.
21:09Ich liebe dich unwahrscheinlich.
21:10Ich soll Liebe auf den ersten Blick.
21:12Und ich will immer, dass du bei mir bleiben sollst.
21:14Du musst immer so bleiben wie heute.
21:16Luzi, bitte.
21:17Ich möchte dich nie verlieren.
21:19Ich liebe dich.
21:20Du bist die erste Frau, die ich so liebe, Luzi.
21:24So bin ich auch Filmemacher geworden.
21:25Ich habe darauf angelegt, so verrückte Filme zu machen, im völlig anderen Stil als alle anderen.
21:32Ich habe mich nicht angepasst.
21:33Ich hätte nie gedacht, dass ich daraus einen Beruf machen kann.
21:36Und genau das ist passiert, weil ich so unangepasst war und das nicht wollte.
21:40Weil alles getan hat, gegen den Strom zu schwimmen.
21:43Die Bettwurst ist in zehn Tagen gedreht worden.
21:46Ich habe einen Assistenten gehabt, der mir die Belichtung eingestellt hat.
21:50Und die Rollen gewechselt hat.
21:53Und ich habe die Kamera gemacht.
21:55Ich meine, das war also der direkteste Ausdruck, mein direkteste persönlicher Ausdruck, den man sich eben vorstellen kann.
22:07Es waren Außenseiter, die selbstbewusst gelebt haben.
22:12Dietmar als schwule Tunte und meine Tante Luzi als schrille ältere Frau mit bunten Kleidern, bunten Tapeten.
22:19Und mit einem Selbstbewusstsein.
22:21Die sagte, was gehen mich die anderen an?
22:23Hauptsache, ich bin glücklich.
22:24Das heißt, die alle ihre Kritiker, die sie ungewöhnlich, nicht angepasst bürgerlich fanden, hat sie ignoriert.
22:31Und die haben improvisiert.
22:33Ich habe denen einfach nur wiedergegeben, was sie sonst auch machen.
22:36Und dass das ein Kultfilm wurde bis heute, das weißt du vorher nicht.
22:41Ja, ich habe keine Schauspiel-Schullehrer hinter mir, sondern ich mache das einfach aus dem Gefühle heraus.
22:48Okay, ja, jetzt hol die Zigarette, hast du die Zigarette, steckst du dir in den Mund, steckst du dir in
22:53den Mund.
22:53Hol jetzt die Streichhölzer, lass sie da kleben im Mund.
22:56Lass sie ein bisschen hängen, kannst sie hängen lassen.
22:58Natürlich fand ich die zum Teil ganz furchtbar schlecht gedreht und das Schauspiel und alles und das Amateurspiel, aber ich
23:06habe es geliebt.
23:07Also ich gehöre einfach zu denen, die das auch toll finden.
23:09Da ist mir dann die Form, da ist die Form nicht das, was mich jetzt am meisten daran bezaubert hätte
23:17vielleicht, sondern eher die Gedanken, die das dann entwickelt oder so.
23:22Nichtsdestotrotz ist die sozusagen selbstgemachte Form, die hergestellte, das hergestellte Format immer ein befreiendes auch gewesen, für andere Filmemacher auch.
23:37Und Rosas Filme haben mir Mut gemacht, weil ich dachte, okay, wenn du so schräg drauf bist und du musst
23:44gar nicht hundertprozentig das Handwerk beherrschen,
23:47du musst nur mit viel Leidenschaft und Energie an die Sache gehen und deine Welt irgendwie kreieren und in die
23:57Kamera bringen und so, dann kann ich auch Filmemacher sein.
24:00Also mich haben auch Rosas dilettantischste Filme bestärkt und beglückt auch.
24:08Ja, jetzt fall ein bisschen rückwärts, fall rückwärts.
24:11Ja, lass dich fallen, lass dich einfach fallen, ja.
24:14So, und jetzt knie dich nach vorne, knie dich nach vorne.
24:17Ich habe ihn auch gequält, ich weiß das.
24:20Wenn ich dann präzise Licht machen wollte und er sagt, brauche ich nicht, sehe ich nicht oder was auch immer
24:25er da sagt.
24:27Oder mit dem Ton, ja, das mache ich später oder diese Sachen, ja.
24:32Und das ist seine Ungeduld, er ist ein vehement, ungeduldiger Mensch.
24:39Das ist jemand, der, der, also zum Beispiel die Grenzen der Disziplin jetzt überhaupt gar nicht wahrnimmt oder sie zumindest
24:48anders wahrnimmt.
24:49Also wo hört Filmemachen aus, wo fängt Schauspielerei an, wo fängt Gedichte schreiben an, wo hört das auf, das ist
24:57dem völlig egal.
24:58Versuch ein bisschen mehr im Gesicht, du warst am Anfang besser, du stehst, du wachst jetzt auf und jetzt muss
25:03ich, jetzt juckt dich irgendwas oder geh nochmal mit der Zigarette, die Zigarette.
25:08Er hat angefangen und hat aber die Filme gemacht, die keiner erwartet hat und ist langsam wahrgenommen worden und auch
25:17anerkannt worden.
25:19Also natürlich hat er nicht immer Freunde gehabt, aber hat ja auch provoziert.
25:25Und wenn man provoziert, kann man nicht davon ausgehen, dass man immer gute Laune erzeugt.
25:31Sein Name ist politisch Rosa von Braunheim.
25:34Er wollte etwas, eine Botschaft schicken.
25:37Und leider, zum Beispiel seine Filme, manchmal sind er technisch nicht auf der Ebene von der modernen Technik oder von,
25:49aber für ihn war immer wichtiger, welche Botschaft schicken und was für ein, äh, ein Inhalt den Film hat.
26:09Ich hatte meine ersten Erfahrungen mit Männern hatte ich schon als Teenager in Frankfurt.
26:16Da gab es, ähm, äh, da gab es, äh, ein Mitschüler sagte mir, da gibt es eine Toilette, wo sich
26:24Schwule treffen.
26:25Und da bin ich, äh, heimlich mal hin aus Neugierde und da standen die dicht gedrängt im Dunkeln im Toilettenraum
26:32und zupften an ihren Schwänzen.
26:33Und dann kam die Polizei.
26:34Licht an und alle Personalien und da hatte ich Glück, dass das nicht weitergeleitet wurde, sondern das war ein irrsinniger
26:42Schock.
26:43Aber da war schon ein Interesse da.
27:01Hast du gut geschlafen, Mike?
27:03Mit wem.
27:04Mit wem?
27:05Ja, mit wem.
27:10Die Folge einer gewaltsamen Unterdrückung von Sexualität ist die Bindung des irrationalen Triebes an Gewaltsamkeit, Verbrechen, Perversion und Anarchie.
27:24So langsam kriegte ich dann raus, dass mich Männer mehr interessieren.
27:28Aber als exzentrischer Künstler in Berlin, wenn ich dann mit Kunstpelz und Barfuß irgendwie in eine Schwulenbar kam, das war
27:37bei den bürgerlichen Schwulen nicht sehr angesagt.
27:40Die fanden das furchtbar.
27:42Ich will kein Osterhase sein, obwohl ich sensibel und anlehnungsbedürftig bin.
27:47Und es hat lange gedauert, bis ich den ersten Freund hatte oder so.
27:51Also das musste ich erst mal rauskriegen, wie man sozusagen einen Freund findet und wie man attraktiv gefunden wird.
27:59Und obwohl ich gut aussah, war ich denen zu stark in der Persönlichkeit, zu wild als Künstler und musste das
28:05auch langsam lernen, mich so zu benehmen, wie sich Schwule zu benehmen hatten.
28:25Schwule wollen nicht schwul sein.
28:28Sie wollen nicht anders sein, sondern sie wollen so spießig und kitschig leben wie der Durchschnittsbürger.
28:35Ich wollte keinen lieben, angepassten Schwulenfilm machen, der sagt, ihr Schwulen seid ja wunderbar und so und endlich könnt ihr
28:41frei leben.
28:42Sondern ich wollte einen kritischen Film machen, der auch ein bisschen die Verantwortung den Schwulen gibt und sagt, ihr müsst
28:49selber für eure Rechte auch kämpfen.
28:52Ihr müsst politischer werden und nicht nur schwulenpolitisch, sondern auch mit anderen Minderheiten zusammen.
28:56Und forderte dann eben auch, dass alle sich outen und sagen, seid offen und steht dazu, damit andere auch den
29:03Mut kriegen und damit wir eine freiere Gesellschaft haben.
29:06Da die Schwulen vom Spießer als krank und minderwertig verachtet werden, versuchen sie noch spießiger zu werden, um ihr Schuldgefühl
29:15abzutragen mit einem Übermaß an bürgerlichen Tugenden.
29:19Sie sind politisch passiv und verhalten sich konservativ, als Dank dafür, dass sie nicht totgeschlagen werden.
29:28Wir Schwulen-Säue wollen endlich Menschen werden und wie Menschen behandelt werden.
29:33Raus aus den Toiletten, rein in die Straßen. Freiheit für die Schwulen.
29:45Ich habe gehört von dem Film und habe den gesehen und für mich war das eine Eröffnung in dem Sinne,
29:52weil ich jetzt wusste, dass ich nicht der Einzige bin oder die Einzige bin,
29:57die anders ist und anders denkt und anders fühlt und anders aussieht.
30:02Und es hat mir den Mut gegeben, dass ich mich geoutet hatte, als ich zwölf war.
30:10Wir wollen, dass sich wirklich Leute zusammenschließen in Aktionsgruppen und das sind ja nach dem Film, sind ungefähr 40 Aktionen
30:16oder im Zusammenhang mit dem Film, 40 Aktionsgruppen.
30:19Ja sagen Sie doch mal, was da rausgekommen ist bei den 40 Aktionsgruppen.
30:22Ach, sie haben es 40 gewonnen.
30:24Der hat ja damals sowohl die Schwulen wütend gemacht als auch alle anderen und das ist, glaube ich, gut.
30:29Und wenn die Szene selber sich so gespiegelt sieht, dass sie sich kaum ertragen kann, dann ist ja irgendwas im
30:37Argen und das hat er geschafft.
30:41Ich meine, entweder nach dem Film versteckt sich der Schwule noch mehr und sagt, also ich kriege jetzt ganz hinter
30:46den Ofen und lass mich nicht mehr sehen.
30:48Und morgen bricht also Wahnsinn jetzt aus und die schlagen mich tot.
30:56Wir haben ja dann sehr bald die ersten Demos gemacht in Berlin und da waren ja lief und rechts schwule
31:01Läden sozusagen, also Läden mit homosexuellen Angestellten, sagen wir mal so, und Besitzern.
31:06Und da guckten die dann hinter den Schaufensterpuppen auf die Straße und zogen zum Teil die Vorhänge zu.
31:12Die Friseure, die später dann als Gallionsfiguren kamen der Schwulenbewegung, die waren damals noch gar nicht für jemanden, der da
31:21das Boot zum Wackeln bringt, indem man selber gerade so ein Plätzchen gefunden hat.
31:27Und wir hatten dann also wirklich die bösen Leute am Straßenrand, die halt das Übliche gerufen haben, man hat vergessen,
31:34euch zu vergasen.
31:42Der Großteil der homosexuellen Männer mochte den Film überhaupt nicht.
31:46Das war eine ganz klare Nestbeschmutzung und deswegen wollten die auch Leute, von denen sie dachten, das sind genauso Leute
31:52wie Rosa, nicht in ihren Kneipen haben.
31:54Also ich stand schon vor einigen Türen damals und kam einfach nicht rein, weil ich so aussah, wie ich aussah
31:59und eben den Stempel dann von dem Türsteher bekam.
32:03Du bist doch einer von Rosas Jüngern. Du kommst hier nicht rein.
32:08Ich würde mich freuen, wenn er dazu führt, zu einem größeren Verständnis für andersartige Minderheiten.
32:14Sagen Sie bitte, wer was andersartig an uns ist. Sagen Sie das bitte.
32:18Ja, aber entschuldigen Sie mal, dass Homosexualität und Heterosexualität was Verschiedenes ist, genau wie blonde und schwarze Haare, ist doch
32:27klar.
32:27Was ist dann das Verschiedenes?
32:28Gell?
32:28Was ist denn das Verschiedenes?
32:34Ändlich kann ich das, was ich politisch richtig finde, das kann ich jetzt auch sozusagen mit meinem Leben, mit mir
32:41selber zusammenbringen.
32:43Dass es nicht nur abstrakt ist und die Arbeit der Klasse und wir müssen dieses machen und jenes machen und
32:49Vietnam und so,
32:50sondern das hatte wirklich, wirklich sozusagen, war ein Weg da, die eigene Situation zu verbinden mit einer politischen Aussage, mit
33:00nach außen, mit Demonstrationen, mit allem Möglichen.
33:02Und das war wirklich, das war wie eine Befreiung. Wirklich wahr, dass man das wirklich machen konnte.
33:19Perücke und Make-up von der Mama, Klamotten von der Schwester, Eva outet sich als trans, am Faschingsball in der
33:26Kirchgemeinde.
33:28Als wir auf der Bühne waren und die haben alle geklatscht, habe ich gedacht, das wäre der Moment, perfekte Moment,
33:34ihnen zu sagen, dass ich eben der So und So bin.
33:39Und das haben die erst mich so wahrnehmen können oder wollen und dann hast du wie so eine Shockwave, es
33:46ist durch den ganzen Saal durchgegangen.
33:48Und haben mich natürlich verflucht, haben mich bedroht, haben gesagt, ich bin ein pervaser Schwein, ich bin ein Kinderschänder, ich
33:56bin der Böse, ich bin der Teufel oder alles mögliche Sachen.
34:01Und dass ich zur Hölle gehen werde, weil ich zur Kirche war natürlich.
34:05Von dem Punkt an habe ich immer Make-up getragen und mich als Mädchen angezogen und bin auch so zur
34:11Schule gegangen.
34:11Und das war durch den Film, weil den Mut hatte ich nicht, dass ich jetzt so rausschreien würde oder so.
34:21Clemens Liebe zu Daniel und die Befriedigung, die ihm die Berührung ihrer Körper verschafft, gibt ihm das Gefühl einer Reinheit,
34:29der Schönheit und Reinheit einer Verbindung von Mann zu Mann.
34:33Und zum Beweis möchte er die Fenster aufreißen und aller Welt zeigen, wie schön es sein kann, wenn sich zwei
34:41Männer lieben.
34:43Als mein Film dann 1970 habe ich ihn gedreht, 1971 lief der hier auf der Berlinale und dann gab es
34:49schon Fernsehberichte über den Film.
34:51Und da haben meine Eltern erst aus dem Fernsehen erfahren, dass ich schwul bin.
35:05Ich hatte mich nicht getraut und ich bin nicht der Einzige.
35:08Ich glaube, die größte Scham ist von den meisten Homosexuellen die Angst vor den Eltern, die Liebe der Eltern zu
35:16verlieren.
35:17Das ist, glaube ich, eine große Angst.
35:32Filmpremiere in München. Rosa hat in seinem Leben über 150 Filme gedreht.
35:38Ich glaube, älter werden ist auf jeden Fall eine Sache, der man sich nur entziehen kann, wenn man ständig produktiv
35:45bleibt.
35:46Also man kann sich ja mit Arbeit ablenken von allem.
35:49Ich glaube, das macht Rosa ja eh.
35:51Der lässt ja nichts so doll an sich rankommen.
35:54Deswegen erlebt man den auch selten völlig echt.
36:02Ich weiß gar nicht, ob es diesen ganz echten Rosa gibt.
36:08Weiß ich gar nicht genau.
36:10Oder ob nicht immer irgendwie Show ist.
36:13Howdy! Yeehaw!
36:17Jippie, jai, jai.
36:19Ach, mein Kleiner, ich hab mich lieb.
36:22Richtig.
36:22Rosa nach vorne.
36:28Bitte kommt alle Mitwirkenden bitte nach vorne.
36:33Ich performe unheimlich gern.
36:35Ich hatte immer das Gefühl, dass ich nicht, ich kann nicht selber mehr empfinden.
36:43Auch beim Sex oder der Liebe hatte ich immer das Gefühl, da ist oben eine Kamera, die beobachtet mich.
36:48Also ich möchte nicht Filme machen, um Filme zu machen, sondern Filme ist sozusagen ein Nebenprodukt von der persönlichen Entwicklung
36:54zum Beispiel.
36:55Natürlich sah ich gut aus und es gab Leute, die mir hinterhergelaufen sind, sich vor Aufregung in die Hosen gemacht
37:03haben und weiß nicht was alles.
37:05Aber ich hab mich persönlich nie so toll gefunden als junger Mensch.
37:10Ich hab mich beruflich, war ich überzeugt von mir, dass ich eine Berufung habe.
37:20Wenn ich weg bin, bin ich weg.
37:22Dann ist jemand anderes da.
37:24Schöner, klüger und erfolgreicher.
37:27Und wenn der weg ist, dann ist da ein Strand mit vielen Vögeln und einem Edelstein, der so funkelt wie
37:35ich jetzt.
37:38Ja, das ist doch großartig.
37:40Also ich wundere mich immer, wer sowas Tolles gemalt hat und geschrieben hat.
37:45Also ich bin total begeistert von mir.
37:48Jetzt auch mein Theaterstück, die Bedwurst, das Musical.
37:51Ich frage mich immer, wer hat das Stück geschrieben?
37:53Und dann irgendjemand sagt, ich hätte das selbst geschrieben, das kann ich kaum glauben.
37:58Also ich habe große Freude an mir, das muss ich sagen.
38:01Also, ja.
38:03Er wird ja immer als egozentrisch und profilneurotisch bezeichnet.
38:10Wenn du bei Rosa siehst zum Beispiel, der steckt alles Geld in seine Filme.
38:16Ich wüsste nicht, was der an Luxus hat.
38:19Er ist noch nie in Urlaub gefahren.
38:21Der fährt natürlich weg, wenn er irgendwo dreht.
38:23Er ist aber noch nie im Urlaub gewesen mit seinen 80 Jahren.
38:26Nach dem dritten Tag am Strand würde er durchdrehen.
38:28Der muss irgendwas machen, schaffen, tun, schreiben.
38:33Und wenn es nur Tagebuch ist, das ist sein Lebenselixier und auch sein Lebenssinn.
38:40Ich glaube, ich fühle ihn mehr, als dass ich weiß, wie er ist.
38:44Ja, ich glaube schon.
38:45Ich glaube, dass er viele Ängste hat und auch viel einsam ist.
38:56Irgendwie ist das so mein Gefühl.
38:58Obwohl er tausend Leute um sich hat, glaube ich trotzdem, dass er ganz oft das Gefühl von Einsamkeit in sich
39:04trägt.
39:04Also ich glaube, die allergrößte panische Angst hat Rosa davon, dass seine Welt zusammenbricht.
39:09Dass er nicht mehr arbeiten kann und nicht mehr diese vier Leute finanzieren kann, mit denen er zusammenlebt und sein
39:16kleines Rosa-Imperium in der Konstanzer Straße halten kann.
39:19Also wenn du den jetzt rausnimmst aus seinem eigenen System und du packst den in ein Altersheim rein oder so
39:25oder in eine Einraumwohnung, dann geht der ganz schnell ein.
39:29Da bin ich mir ganz sicher.
39:31Weil das kann der nicht.
39:33Das ist aber auch nicht schlimm.
39:35Vielleicht hat er ja auch das Glück und fällt bei der Arbeit tot um.
39:51Er war die große Liebe meiner Jugend.
39:58Ich habe gerade das Tagebuch gefunden, das er mir geschenkt hat.
40:01Ich glaube, ich wurde gerade 27, denn ich schrieb in das Tagebuch, mein erstes Geburtstagsgeschenk ist dieses Buch von Rosa
40:09von Praunheim.
40:13Er liegt auf einer Schaumstoffmatratze im anderen Zimmer.
40:16Wir haben uns La Strada angesehen, aber Rosa meinte, wir sollten beide schlafen.
40:21Und draußen schneit es heftig.
40:23Wir müssen zu diesem Zeitpunkt etwa vier oder fünf Monate zusammen gewesen sein.
40:36Zu dem Zeitpunkt in der Mitte der 80er Jahre oder zu den späten 80er Jahren hin war, glaube ich, New
40:45York noch sehr seine Welt.
40:46Und er hat ja dann auch gefilmt, sagen wir mal, da in der Lower East Side vor meiner Haustür, wo
40:52ich gewohnt habe.
40:53Und das war ja wirklich drastisch.
40:55Also da lagen die Leute mit ihren Nadeln im Arm unter der Treppe, wenn man reinkam.
41:02Es war chaotisch, es war wild und das hat er alles geliebt.
41:13Diese Mischung aus Vitalität und Verzweiflung war, glaube ich, was ihn fasziniert hat an New York.
41:31Überall waren die Schwulen. Es gab schwule Theater, es gab schwulen Clubs, Hinterzimmerbars.
41:41Das war die totale Freiheit. Man konnte meinen, es gäbe eine schwule Welt.
41:47Die Dinge waren sexuell so aufgeladen, dass ich das Gefühl hatte, dass ich als Homosexueller nicht zu Hause bleiben und
41:54schlafen kann.
41:55Du sollst rausgehen und Sex haben. Das muss man tun.
42:02Und so war es auch. Du konntest du selbst sein und offen und schwulen.
42:17Du konntest machen, was du wolltest. Du konntest, egal was du dir vorgestellt hast, was du anstellen wolltest, konntest du
42:26machen.
42:27Da waren keine, wie soll ich sagen, keine prüden Gesetze oder so oder Verbotungen oder so. Das gab es gar
42:36nicht.
42:37Man fühlte sich freier.
42:56Und seit längerer Zeit will er überhaupt nicht mehr hier hin.
42:59Also auch wenn Filme von ihm gezeigt wurden, glaube ich, ist er nicht mehr hierher gekommen.
43:04Also ich glaube, er fliegt auch nicht mehr gerne irgendwie.
43:08Also ich glaube, er hat New York sehr geliebt. Das war für ihn sehr, sehr wichtig am Anfang.
43:21Rosa war gerne im Meatpacking-District. Dort gab es rund um die Uhr Sex. Auch Drogen.
43:28Es ist seltsam. Heute ist dort alles schick und sauber.
43:32Es ist steril geworden.
43:34Hätte ich Kinder, würde ich problemlos den Kinderwagen dort durchschieben, was ich zu Rosas Zeiten niemals gemacht hätte.
43:41Ich glaube, Rosa hielt New York für tot, weil das alles weg war.
43:45Das war es, was er an New York liebte, all die Saunas und die Sexclubs.
43:51Der Underground ist verschwunden und das, was oberirdisch war, wie die schicken Läden.
43:55Ich glaube, er hatte fast einen Hass darauf.
43:59Im Grunde hat er gesagt, New York ist tot. Es ist tot für mich. Die Verbindung war weg.
44:04Es ist tot. Es ist tot. Es ist tot. Es ist tot. Es ist tot.
44:06Es ist tot. Es ist tot. Es ist tot. Es ist tot.
44:15Es ist tot. Es ist tot. Es ist tot. Es ist tot.
44:16Mitten in der Party schwuler Befreiung müssen homosexuelle Männer plötzlich wieder neu auf ihr Leben gucken.
44:22Auf ihr Schwulsein.
44:24Noch blickt die heterosexuelle Welt geschlossen weg, als Anfang der 80er Jahre das große Sterben beginnt.
44:321981 war ja der erste Artikel in der New York Times über Aids, wo die Krankheit, die damals noch nicht
44:38Aids hieß,
44:39sondern irgendwie, also dass verschiedene Schwule eben krank werden durch eine Krankheit, von der man noch nichts weiß.
44:45Die Ansteckung mit Aids erfolgt nur über den direkten Austausch von Körperflüssigkeiten.
44:50Sei es nun Blut mit Urin, Urin mit Sperma, Sperma mit Speichel, Speichel mit Blut, Blut mit Urin und so
44:58weiter.
45:01Im Kampf gegen Aids versucht es Rosa hier mit Humor. Doch nicht nur.
45:07Sehen Sie selbst.
45:13Mit.
45:16Ohne Kondom.
45:18Da haben viele Schwule das nicht ernst genommen.
45:20Ich meine, weil sie der Ansicht waren, die Krankheit ist jetzt, Schwule werden diskriminiert und alle sagen, nur Schwule kriegen
45:29Aids und das lassen wir uns nicht gefallen.
45:32Wir wollen unsere sexuelle Freiheit nicht wegnehmen lassen.
45:35Aber es war eben eine Tatsache, dass die ersten eben wirklich nur homosexuelle Männer waren.
45:43Rosa dreht weiter Filme über Aids, schreibt Artikel in Zeitschriften über das Sterben und Cephas-Sex, die schwule Männerwelt ist
45:52gespalten.
45:56Rosa sah, was in den Vereinigten Staaten geschah, wollte Deutschland warnen.
46:03In diesem Sinne war es heldenhaft, aber er setzte seinen Ruf aufs Spiel und so weiter.
46:14Ich war da in einer unheimlichen Panik. Ich habe aus dieser Angst heraus und diesem Verantwortungsgefühl, etwas zu tun in
46:22der schwulen Community, wurde ich unheimlich radikal.
46:25Ich habe die EZ-Hilfen beschimpft und habe viele Schwule beschimpft, dass sie Mörder sind, dass sie zu gleichgültig sind.
46:35Die Schwulen haben jetzt zehn Jahre gebraucht zu lernen, Schwulsein zu ihrer Identität zu machen.
46:42Sie wollen jetzt nicht Aids zu ihrer Identität machen müssen.
46:46Ja, so. Und deswegen lehnen sie auch Safer Sex ab, weil es zu sehr verknüpft ist mit Aids.
46:55Und das ist so eine Art Massenselbstmord der Schwulen. Den sehe ich nämlich.
46:59Und da möchte ich nachdenken, warum bringen wir uns wissentlich um?
47:04Wir waren alle Mitte 20, Anfang 30 und waren jeden Tag oder dreimal die Woche mit irgendeinem Sterben konfrontiert, mit
47:14Tod konfrontiert.
47:15Wir mussten auf Beerdigungen gehen, wir mussten Beerdigungsfeiern vorbereiten.
47:20Und ich weiß nicht was, das macht man mit 30 normalerweise nicht.
47:24Und wenn wir dann jemanden wie Rosa erleben, den wir eigentlich auf unserer Seite verorteten, der plötzlich die Seite gewechselt
47:32hatte und auf der Seite der anderen stand und auf der Seite in dem Fall der Spiegel vor allem stand
47:37und mit dem Spiegel Schwule denunzierte.
47:45Wir sind diejenigen, die einfach drauf losvögeln und keine Rücksicht nehmen und nicht aufpassen und deswegen kann sich das Virus
47:53so schnell verbreiten.
47:54Und das haben wir ihm übelgenommen und wirklich ihm nicht verziehen.
48:04Ich wollte wirklich Leben retten. Und da war mir auch Angstmache und Panikmache war mir recht. Das fand ich richtig.
48:12Ganz nach amerikanischem Vorbild, Rosa outet im deutschen Privatfernsehen Prominente als schwul.
48:19Dafür gibt es Ärger und Lob. Wie immer.
48:22Kann ich vielleicht etwas Blut hier auf die Tischplatte, damit die Leute ein bisschen aufwachen und das Glas in der
48:31Scheibe, weil ich reg' mich auf.
48:32Also weiterhin großer Aktionismus, sondern worüber?
48:34Nein, ich reg' mich einfach auf über den Papst zum Beispiel.
48:36War das mutig oder war das feige, was du mit den Leuten gemacht hast?
48:39Wann müssen wir zu Mitteln greifen und uns auch Solidarität erzwingen, sozusagen einem Fall, wo wir verzweifelt sind, bevor wir
48:46sterben und alle zugrunde gehen, müssen wir einfach nochmal, ja, ich meine, wir müssen für unsere Rechte kämpfen.
48:53All diesen Kampf haben wir verloren, sozusagen. Und es ist so gekommen, wie wir es befürchtet haben.
49:00Es gab dann die schwule Ehe und die Schwulen haben sich konservativ den Heterosexuellen angepasst.
49:07Aber wir haben es nicht geschafft, sozusagen uns vielleicht eine neue Moral zu geben, sozusagen einen neuen Standard zu geben.
49:15Wie können wir zusammenleben auf eine menschliche Weise?
49:24Ich meine, das ist ja heute schrecklich, dass du dann im Internet, wenn du irgendeinen Satz sagst, der nicht irgendwie
49:31in irgendein korrektes Konzept passt, dann sofort beschimpft wirst und deine ganze Karriere sozusagen im Arsch ist.
49:40Jetzt kommen wir in eine Zeit, die vielleicht wieder sehr prüde wird, also wo sozusagen diese Wokeness oder so vieles
49:47nicht mehr möglich macht.
49:49Und du musst dann Studenten, wenn du einen Film zeigst, der irgendwie explizite Szenen hat, musst du vorher Triggerwarnungen machen
49:56und so weiter.
49:58Und dann kann sich jeder aufregen, er ist schockiert über den Film und so weiter.
50:02Also das sind alles Sachen, die ich nicht kannte. Und so glaube ich, wäre ich immer schnell in Gefahr, etwas
50:10Dummes zu sagen und mich dann selber auszuschießen.
50:14Ja.
50:19Ich habe ein Kondom geschenkt bekommen.
50:23Historisch ist er verankert, würde ich sagen.
50:28Wäre schade, wenn jemand eine Geschichte ohne ihn schreibt. Das passiert Schwulen natürlich immer wieder.
50:33Wir werden ja traditionsmäßig rausgeschrieben aus der Geschichte.
50:42Bald muss ich sterben. Steht hier.
50:48Und es wurde gesagt, es sind die letzten Dinge.
50:53Und ich werde ihn immer wieder fragen, was er damit meint.
51:01Selbst ich, der ich immer Angst habe vor allen Konflikten oder so, habe von Rosa gelernt, okay, du bist Filmemacher
51:08oder du bist schwul, also stell dich hin und sag es.
51:12Für alle, die aus deiner Geschichte Mut ziehen, ist das von elementarer Bedeutung.
51:22Selbst in der AIDS-Krise, auch wenn ich mit vielen nicht einverstanden war, aber du immer mit deinem Namen und
51:29deinem Gesicht immer bereit standest, für Debatten zu sorgen, in die Öffentlichkeit zu gehen und dich nie hast einschüchtern lassen.
51:38Also das ist etwas, was ich, wie gesagt, auch wenn ich in vielen nicht einverstanden bin, aber immer noch hoch
51:44anrechne.
51:45Und das überwiegt dann zu den anderen Dingen, wo ich sagen muss, mein Gott, Arschlauch.
52:00Weißt du, es gab Zeiten, in denen ich dachte, er sei ein totaler Idiot.
52:05Aber ich meine, er ist gut zu mir gewesen.
52:08Es gibt Leute, von denen ich wünschte, ich hätte sie nie getroffen.
52:12Das würde ich nie über Rosa sagen.
52:31Da oben ist auch ein krass ausgegangen.
52:33Die starre, lang angehaltene letzte Einstellung dieses Films lässt noch einmal an unsere Frage denken, wie bringt man einen Film
52:42plausibel zu Ende.
52:44Für Rosa von Braunheim ist ein logisches Ende schwer denkbar.
52:49Ihr Schluss demonstriert nur die Verlegenheit, fast das Bedauern aufhören zu müssen, wo die Anarchie doch so schön ist.
52:57Anarchie doch nicht.
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