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00:00Der eine gewann 1997 die Tour de France und man kann schon sagen, er hiefte damals ganz
00:07Deutschland aufs Fahrrad. Da wurde Deutschland zu einer Radsportnation. Der andere wuchs mit
00:14genau dieser Begeisterung auf. Er bewunderte den einen, der Jan Ullrich heißt. Der andere
00:20ist ein Influencer des Radsports. Gemeinsam machen sie einen Podcast und wir begrüßen
00:25noch einmal Jan Ullrich und Rick Zabel.
00:37Strampeln, Strampeln, Strampeln heißt der Podcast, den ich sehr ans Herz legen kann. Der
00:41kommt wöchentlich raus und ist höchst empfehlenswert, wenn Sie sich für Radfahren und Radsport
00:46interessieren. Seid ihr es manchmal schon leid, dieses Strampeln, Strampeln, Strampeln?
00:50Ihr müsst das auf T-Shirts schreiben, auf Schuhe schreiben, in Bücher schreiben. Geht es
00:54euch auf die Nerven, das, was ihr da erfunden habt?
00:56Ich würde sagen eher im Gegenteil. Also da können wir stolz drauf sein, dass wir
00:59was kreativ gemacht haben, dass die Leute so annehmen. Und das wird auch gut
01:03angenommen. Und ich finde das immer toll, wenn die Leute uns auf dem Podcast
01:07ansprechen. Und auch das Strampeln, Strampeln, Strampeln ist unser
01:10Markenzeichen geworden. Sie senden ja seit letztes Jahr im Mai, also jetzt fast ein
01:15Jahr. Und ich bin eher stolz drauf, als es irgendwie andersrum ist.
01:21Rick, ihr seid ja auch ständig in Bewegung. Das sagt ja schon dieser Titel. Fällt es euch
01:25eigentlich schwer, hier still zu sitzen? Zwei Stunden lang einfach in einem Sessel zu
01:30sitzen?
01:30Ach nö, das geht schon gut. Wer viel Sport macht, der muss sich auch ausruhen. Von daher
01:36sind wir auch mal entspannt, wenn wir sitzen können.
01:39Wir sind, wir haben es vorhin schon gesagt, Frühling in Leipzig. Ja, so es ist ein schönes
01:42Gefühl hier. Frühling heißt aber auch, dass die Radfahrsaison anfängt. Für so viele
01:46Menschen. Puppen ihre Räder auf, sie reparieren, wenn noch was zu reparieren ist. Sie bekommen
01:50keinen Termin im Fahrradladen um die Ecke, weil das im Moment alle wollen. Kennt ihr das?
01:55Nö.
01:58Ja, dann antwarte du.
02:01Ich kann mir das gut vorstellen. Wir kennen es natürlich nicht, weil die Profi-Szene,
02:05wo Rick ja letztes Jahr noch da drin war, die fängt ja viel früher an. Die fängt eigentlich
02:11schon im Winter an. Also im Winter wird der Radfahrer gemacht, so hieß es bei uns immer.
02:14Sehr viel Training und so weiter.
02:16Auf Bautraining.
02:16Und dann hatten wir auch immer Mechaniker. Ich kann es jetzt ein bisschen nachvollziehen,
02:20weil mir geht es jetzt genauso. Also ich bin auch eher ein Schönwetterfahrer geworden,
02:24muss ich sagen. Also das Winter-Training lasse ich weg.
02:28Wie viel fährst du noch?
02:29Und wenn die Sonne rauskommt, so wie du jetzt gerade gesagt hast, dann juckt es mich auch
02:34und dann gehe ich aufs Rad.
02:35Wie viel fährst du noch? Oder wie oft?
02:37Ich sage mal, was ich mir dieses Jahr vorgenommen habe, sind so 10.000 Kilometer.
02:41Aber du hast einen Trainingsrückstand, hast du in eurer letzten Folge gesagt.
02:44Wenn man so jetzt über die Monate den Schnitt nimmt, habe ich einen Trainingsrückstand.
02:48Aber jetzt kommen ja die guten Monate. Also jetzt fahre ich wieder mehr.
02:52Und ich mag halt einfach die Sonne und ich mag auch mit Leuten zu fahren, eine kurze Hose anzuhaben.
02:57Den Wind zu spüren und so weiter, die Sonne vor allem zu spüren.
03:01Und im Regen bin ich oft genug gefahren.
03:02Rick, fährst du noch oder bist du es eher light nach all den Jahren als Profi?
03:07Nö, ich habe total die Leidenschaft am Radfahren wiederentdeckt.
03:11Also ich habe ja im Mai 2024 meine Karriere beendet.
03:14Und zum Leidwesen deines Vaters.
03:17Du warst 30.
03:19Es war vergleichsweise früh für einen Radsportprofi.
03:21Dein Vater, stimmt das, dass er zwei Wochen lang nicht mit dir geredet hat?
03:24Ja, der war jetzt nicht so begeistert von der Entscheidung.
03:26Der Vater, Sie werden es wissen, ist Erik Zahm.
03:28Man sollte es einmal aussprechen.
03:30Ja, mein Papa ist, glaube ich, Vollblutprofi und der liebt Radsport immer noch über alles.
03:40Und ich glaube, für den war das natürlich eine totale Erfüllung, auch dass ich irgendwie Radprofi war.
03:45Und der fand es jetzt nicht so cool, als ich gesagt habe, okay, irgendwie das Profisport-Dasein ist für mich
03:49vorbei.
03:49Auf zu anderen Ufern.
03:51Übrigens, wenn ich mal Probleme am Rad habe, dann rufe ich schon noch den an, der repariert das dann, der
03:55kann das.
03:55Moment, dein Vater repariert kein Rennrad.
03:57Mein Papa ist mein Mechaniker, das kann man schon so sagen.
04:00Wenn ich mal Probleme habe, dann kommt er rum.
04:03Der kennt sich besser aus als ich.
04:04Können wir das auch machen, wenn wir mal einen komplizierten Platten haben, dann rufen wir deinen Vater.
04:07Ich gebe dir die Nummer später, dann kannst du anrufen.
04:11Ich muss halt sagen, zum Radfahren, ich war dann 2025, das letzte Jahr war ich viel auf Achse, da habe
04:16ich viel gemacht, wenig Rad gefahren.
04:17Und habe genau in der Zeit eigentlich gemerkt, okay, das fehlt mir sehr.
04:22Also ein bisschen so wie in die Ex wieder verliebt, kann man sagen.
04:26Und so war das.
04:27Also ich habe wirklich alles ausprobiert und wollte so auf zu anderen Ufern und schauen, was mir gefällt.
04:32Und habe dabei eigentlich erkannt, okay, es ist nicht mehr das Profisportler-Dasein, sondern irgendwie eine andere Funktion.
04:37Aber Radfahren ist schon die große Liebe in meinem Leben.
04:40Also dieses ganz disziplinierte, tägliche, ja auch wirklich hammerharte Training der Radsportler, warst du leid gewesen?
04:47Und dann hast du es wieder entdeckt, die Schönheit des Radfahrens danach.
04:50Kann man das so sagen?
04:52Ja, ich glaube, ich war schon auch als Profi ein kleiner Lebemann.
04:54Also ich war jetzt nie der disziplinierteste.
04:56Ich wollte schon auch immer so ein bisschen...
04:58Jan lacht, wissend.
04:59Immer ein bisschen das Leben mitnehmen.
05:01Und wer den Profiradsport verfolgt, der weiß auch, dass das jetzt in den letzten Jahren super professionell geworden ist.
05:07Und da ist jetzt für Typen wie mich, glaube ich, kein Platz mehr.
05:11Aber...
05:11Ist das wirklich so?
05:12Also ich glaube, mit Höhentrainingslager, Ernährungsplan, tägliches Training.
05:16Also ich habe mich hinten rausgefühlt wie ein Roboter einfach, der nicht mehr so richtig Mensch sein kann.
05:21Das war auch einer der Gründe, warum ich so früh aufgehört habe.
05:24Und umso schöner ist es ja jetzt, dass ich keine Wettkämpfe mehr fahren muss,
05:27sondern einfach Fahrradfahrer aus Spaß.
05:29Ja, Rick, der Podcast, den ihr beide macht, führt natürlich auch immer wieder zu der Ebene zwischen euch beiden.
05:37Du hast als Kind den Weltstar, den Radsportstar Jan Ullrich erlebt.
05:42Wer lernt heute von wem?
05:43Fang du mal an.
05:44Bist du derjenige, der Jan in diese Welt des Podcasts geführt hat und er lernt von dir?
05:49Ist es umgekehrt?
05:51Ehrlich gesagt hat Jan mich gefragt, ob wir den Podcast machen wollen.
05:54Deine Idee.
05:54Das war natürlich für mich eine große Ehre und ich glaube, er hat vielleicht mich gefragt,
05:59weil ich natürlich in diesen sozialen Medien und im Podcast-Game ein bisschen fitter bin.
06:03Aber ehrlicherweise, Jan ist ein liebevoller Boomer, aber da helfe ich ihm ein bisschen.
06:10Wie bist du der Boomer?
06:12Nee, aber im Endeffekt analysieren wir ja den Profiradsport und da muss man schon sagen,
06:16ich meine, ich war auch 13 Jahre lang Profi, ich kann vielleicht über die Sprint- und Flachetappen viel mitreden,
06:20aber wenn wir die Großen aktuell über Pogacar, über Wingegard reden,
06:24da muss man ja schon sagen, in der Situation bei Jan, Jan hat die Tour de France mal gewonnen.
06:28Das kann er schon besser einschätzen als ich.
06:30Deswegen bin ich sehr froh, einen absoluten Radsport-Experten an meiner Seite zu haben.
06:33Ja, das sagt der Radsport-Experte.
06:43Jan, wie beschreibst du eure Beziehung?
06:45Was lernst du von Rick?
06:47Sehr viel, muss ich sagen.
06:48Also wir ergänzen uns sehr gut.
06:50Deswegen ist es, glaube ich, die Mischung ist eine gute Ebene.
06:52Ich erzähle manchmal von früher, wie es war und so weiter.
06:54Habe auch noch Kontakte jetzt zum Profiradsport.
06:58Aber das ist auch so entstanden, weil ich war sehr, sehr viel eingeladen,
07:02wo der Podcast noch nicht, wo wir noch keinen Podcast hatten,
07:04war ich sehr viel im Sport-Podcast eingeladen.
07:06Und ich wurde immer viel gefragt, auch von Fans viel und so weiter.
07:09Und da habe ich mal gedacht, Mensch, mach doch einen eigenen Podcast.
07:12Und der beste Partner dafür ist Rick.
07:15Und er hatte auch einen Podcast, ich war auch bei ihm eingeladen.
07:17Und da kamen so die ersten Ideen.
07:19Und wir fanden das beide gut dann.
07:21Und ich glaube, dieses Ergänzen, also er mit seiner jungen, frischen Art,
07:26ich bin der Oldtimer sozusagen, der trotzdem noch den Radsport liebt über alles.
07:32Und ich fühle mich so ein bisschen als Botschafter auch des wunderschönen Radsports.
07:36Und das versuchen wir zu vermitteln.
07:39Aber ich bin jetzt kein typischer Podcaster.
07:42Da kann ich noch sehr, sehr viel vom Rick lernen.
07:44Und wir ergänzen uns, glaube ich.
07:46Das ist eigentlich so die Mischung.
07:47Mit dem typischen Podcast, da meinst du das Wortgewandte, das Schönelle?
07:50Ich habe zum Beispiel immer meine Unterlagen dabei.
07:52Ich muss mir immer sehr viele Notizen machen und so weiter.
07:54Rick guckt da einmal drauf und dann macht er das so aus dem Kalten raus,
07:57weil er es einfach auch im Kopf hat.
07:59Und ich habe immer meine Notizen dabei und so weiter.
08:01Brauche ich die auch als Unterstützung.
08:04Aber ich fühle mich jetzt mittlerweile auch wohler und wohler.
08:07Also zum Anfang war ich wirklich aufgeregt.
08:09Wie vor dem Rennen so ein bisschen.
08:11Aber wenn man über die Sache spricht, die man ja liebt und wo man sich auch ein bisschen auskennt,
08:15wo ja mein Bereich auch ist, wo ich auch Experte bin, dann fällt einem das leichter und leichter.
08:20Jan, genießt du auch die Reputation dadurch, auch die Rückkehr in die Öffentlichkeit,
08:25wenn wir uns erinnern?
08:27Und man muss ja gar nicht so weit zurückgehen.
08:29Wir alle hier im Studio wissen das und man muss es einmal aussprechen.
08:32Es gab ja auch Niederlagen in deinem Leben.
08:33Und es waren sehr, sehr öffentliche Niederlagen.
08:36Es gab die Doping-Enthüllungen.
08:37Es gab das Doping-Geständnis.
08:39Es gab sehr unschöne Fotos auf der Seite 1 der Bild-Zeitung.
08:43Die müssen ja wehgetan haben.
08:44Ist das jetzt eine Art Comeback in der Öffentlichkeit für dich?
08:48Genießt du es deshalb besonders?
08:51Auf alle Fälle.
08:52Also ist das eine Art Comeback, würde ich mal sagen.
08:54Also mittlerweile ist das jetzt schon sechs, sieben Jahre her.
08:58Also mein absoluter Absturz.
09:00Ich habe mich wieder hochgekämpft.
09:02Ich fühle mich wieder wohl.
09:02Ich habe ja auch mal rausgelassen, was mich so viele Jahre belastet hat.
09:06Habe ich in einer Doku in einem Buch aufgeschrieben und so weiter.
09:09Und damit kam auch so ein bisschen die Leichtigkeit in meinem Leben zurück.
09:12Vor allen Dingen hatte ich wieder einen Sinn und ich hatte wieder meine Identität zurück.
09:16Die hatte ich vorher verloren und dadurch wurde ich auch depressiv und anders.
09:20Aber ich glaube, das habe ich sehr, sehr gut mittlerweile hinter mir gelassen.
09:23Und auch der Podcast hilft mir auch immer, da wieder reinzukommen und mich zu stabilisieren.
09:29Dann der Sport dazu.
09:31Und es ist einfach schön, wenn man über was sprechen kann, wenn man senden kann, was man so selber denkt.
09:37Und wo man sich auskennt, wo man sich wohlfühlt einfach.
09:39Und das ist einfach so.
09:48Blickst du heute ein bisschen staunend oder sogar befremdet auf jene Jahre zurück?
09:54Erkennst du den Mann wieder?
09:55What about your life?
09:58I am a guy who lives in the past.
10:02I am a guy who lives in the past.
10:03I live here and today.
10:05I try to think about it.
10:08I have four children.
10:09It's important to plan and put them in a good way.
10:15But I am often referred to as a tour de France.
10:20I am the only one who has Germany.
10:21I'm so glad to have a trip.
10:25I am a guy who lives in the past.
10:26I am a guy who lives in the past.
10:33I am a guy who lives in the past.
10:37We know he lives in the past.
10:39We live here.
10:42How did you have a child?
10:46You have experienced Jan's name, with the name Zabel to go to the name?
10:55Yes, it was a challenge.
10:57I was four years old when Jan won the Tour.
11:00But my whole life is Radsport.
11:05Grüne Haare passen zum grünen Trikot.
11:08My mother was in the Trendset.
11:10My mother was in the Tour.
11:12He won the Tour.
11:14You were always there.
11:19I was on the Rennstrecke.
11:21My mother took me everywhere.
11:23We were our Glückspringer.
11:27What for a photo.
11:32I was on the Tour.
11:32I was on the Tour.
11:38Dementsprechend bin ich so groß geworden.
11:42Natürlich waren das damals schon Vorbilder für mich.
11:44Ich habe zwar Fußball gespielt, bevor ich mit Radfahren angefangen habe.
11:47Aber als ich mit Radsport angefangen habe, war ich mit Fieber infiziert.
11:52Warum hast du angefangen?
11:53Wolltest du werden wie der Vater?
11:54Was hat dich vom Fußball gezogen?
11:58Ich habe drei Jahre Fußball gespielt.
12:00Ich habe da ein Jahr lang nichts gemacht.
12:01Ich bin ein bisschen pummelig geworden.
12:03Und dann waren meine Eltern gesagt, vielleicht mach es mal wieder ein bisschen Sport.
12:06Und dann war eigentlich sehr gut.
12:07Dann probiere ich mal Radfahren aus.
12:08Und dann war es wirklich der Radsportverein.
12:10Also der Trainer, die Mädchen und Jungs, mit denen ich angefangen habe.
12:14Es war einfach eine Gemeinschaft, in der ich mich wohl gefühlt habe.
12:16Und das war eigentlich der entscheidende Grund, dass ich gesagt habe, ich bleibe da.
12:20Stimmt die Geschichte, dass du einmal wie der Sprinter Cipollini die Arme so hochgerissen
12:25hast und dann ging alles schief?
12:27Ja, ich habe leider keine Geschwister, aber zwei Cousins und zwei Ältere.
12:32Und wir haben natürlich auch Radrennen nachgespielt.
12:36Und ich war immer der Jüngste.
12:38Das heißt, ich habe meistens verloren.
12:39Und das allererste Mal, als ich unser Trainingsrennen da gewonnen habe, habe ich die Arme hochgerissen.
12:43Leider kam der Holzzaun etwas zu früh.
12:45Und dann bin ich da reingefahren und habe mir den Arm gebrochen.
12:47Also war eine schmerzhafte Erfahrung, aber ich habe mein erstes Rennen gewonnen.
12:51Das war schon cool.
12:52Also du warst schon hinter der Ziellinie?
12:53Genau, genau.
12:54Ich habe mich zu lange feiern lassen und zu spät gebremst dann leider.
12:59Und dein Großvater, dein Opa Manni, hat die Reifen deines Reifen mit Essig eingerieben.
13:07Warum bitte das?
13:09Ja, damit man mehr Grip in den Kurven hat.
13:12Wirklich?
13:12Genau, das ist der Vater von meiner Mutter.
13:15Und irgendwie sind alle in meiner Familie mit Radsport.
13:20Mein Opa Detlef, der Vater von meinem Vater, ist schon die Friedensvater damals im Osten gefahren.
13:24Der war auch Radprofi.
13:25Aber auch mein Onkel und mein Opa von meiner Mama von der Seite, die waren auch alle im Radsport.
13:31Und dadurch, dass ich angefangen habe 2005, da war mein Vater noch drei Jahre selber aktiv,
13:36hat mein Opa mich dann in seine Obhut genommen und ist mit mir zu den Radrennen gefahren.
13:42Und hat natürlich seine ganzen Tricks und die ganze Raffinesse, die er hatte, direkt Reifen eingerieben, dass ich natürlich vorne
13:48mitfahre.
13:49Hat er die Tricks auch deinem Vater verraten?
13:52Ja, mein Papa brauchte keine Tipps mehr.
13:54Er wusste ja, wie es läuft.
13:56Jan, wie ging es für dich eigentlich los?
13:57Was war der Ausgangspiel?
14:00Was war der Ausgangspiel?
14:00Was war der Ausgangspiel?
14:02Ich hatte noch einen älteren Bruder und noch einen jüngeren Bruder.
14:07Und wir waren immer sehr energiegeladen.
14:10Wir mussten immer irgendwas machen, immer draußen sein.
14:12Wir sind ja auch auf dem Land groß geworden.
14:14Mein Bruder war ein sehr guter Leichtathlet.
14:16Der ist zweieinhalb Jahre älter als ich und war da auch schon sehr erfolgreich.
14:19Und die haben auch unter anderem mit dem Rennrad trainiert.
14:22Also die haben dann auch für Läufer sehr viel Rad gefahren.
14:25Und das erste Mal, wo der mit dem Rennrad nach Hause gekommen ist,
14:29da war so ein bisschen die Sonne hinter ihm so gestanden und ging so ein bisschen unter.
14:32Und dann habe ich gedacht, da kommt er auf der Sonne geritten.
14:34Also mich hat das Rennrad interessiert erst mal.
14:36Das war meine erste Motivation.
14:38Du fandest das Rennrad attraktiv?
14:39Ja, das Rennrad fand ich einmal.
14:42Meine Mutter konnte sich eigentlich nicht leisten, uns Rennräder zu kaufen oder sowas ähnliches.
14:48Und deswegen war ich auch erst mal Fußballspieler, so wie jeder Junge anfängt.
14:52Aber das Rennrad hat mich begeistert.
14:54Und dann hat mein Bruder und meine Mutter gesagt, dann geh doch mal mit zum Testrennen.
14:58Und da war ich neun Jahre und das habe ich dann auch gewinnen können.
15:01Und dann bleibt man als Kind dabei.
15:03Dann hat man so ein Rennrad, das wird jeden Tag geputzt und so weiter.
15:06Und so bin ich da praktisch dabei geblieben, weil ich halt auch sehr erfolgreich gleich von Anfang an war.
15:12Und dann über Sportschule und immer so weiter dann praktisch.
15:14Du hattest die Siege von Anfang an.
15:17Ja, Bestätigung eben auch dadurch erfahren.
15:19Genau.
15:19Hattest du so etwas oder so jemanden wie den Opa, der dich geführt hat, der dir Tipps gegeben hat,
15:26der Rituale mit dir entwickelt hat, gab es so eine Figur für dich?
15:29Eigentlich eher mein Bruder, war so mein Vorbild und auch mein Opa Fritz.
15:33Von der mittaglichen Seite aus, der war auch öfters mal beim Radrennen dabei, war mein größter Fan.
15:39Und der hat auch immer mich begleitet.
15:42Und dann war es dann nicht mal so die Trainer, die wir dann in Berlin hatten auf der Sportschule.
15:46Da waren wir dann zu Hause weg.
15:48Das war auch nicht so leicht, mit 13, 14 Jahren dann von zu Hause auszuziehen, auf die Sportschule zu gehen.
15:54Und dann war halt der Ansprechpartner der Trainer.
15:56Das war so auch mein Vaterersatz, weil mein Vater war ja, meine Eltern haben sich relativ früh scheiden lassen.
16:02Und dann war so, die Trainer haben dann den Job übernommen.
16:07Und ich hatte auch meine Vorbilder, muss ich sagen.
16:10Also Vorbilder sind ganz wichtig für Kinder, muss ich sagen.
16:12Das hört man auch immer wieder, auch für meine Kinder jetzt sehe ich das.
16:16Und ich hatte immer auch Radsport-Vorbilder, auch in der DDR natürlich.
16:20Olaf Ludwig, aber auch Teve Schur und so weiter.
16:22Also die ganz großen Namen, die dann auch den Radsport-Boom auch im Land ausgelöst haben.
16:29Und dann halt habe ich auch heimlich dann schon Tour de France geguckt und so weiter.
16:33Da war dann der Spanier Miguel Indorein ein Vorbild von mir.
16:36So wollte ich immer werden.
16:37Und das war für mich auch ganz wichtig, ja.
16:40Haben wir eigentlich, wir haben über den Frühling gesprochen.
16:42Haben wir eine Radfahrrunde hier?
16:44Simon, fährst du Rad?
16:46Nein, gar nicht.
16:48Nein, nein, nein.
16:49Ich durfte als Kind gar nicht Fahrrad fahren, weil damals gab es natürlich noch nicht die Radwege.
16:56Und mein Vater hat immer gesagt, wenn du auf dem Fahrrad bist, auch wenn du Recht hast,
17:01das Auto ist wie ein Panzer, das überfährt dich.
17:04Also alle meine Freunde durften Fahrrad fahren, ich nicht.
17:07Und dann mein letztes Erlebnis war vor drei Jahren, da war ich in einer Premiere mit Stöckelschuhen,
17:13hatte wohl auch ein kleines Glas Wein getrunken, bin ich auf das Fahrrad gestiegen,
17:17auf der anderen Seite runtergefallen und haben mir Arm und Fuß gebrochen.
17:21Und seitdem bin ich nicht mehr auf dem Fahrrad gewesen.
17:23Nein, das wirkt.
17:26Beatrice, hast du eine Radsport-Begeisterung?
17:28Ja, ich biken in den Bergen und mittlerweile finde ich es auch toll, wenn ich nicht so fit bin,
17:33dann gibt es ein E-Bike dazu.
17:35Und ich finde, das ist wirklich was ganz, ganz Tolles.
17:38Man kann zu jeder Verfassung gerade, wie man fit ist oder auch nicht,
17:42aber man geht raus und vor allem alle Generationen können miteinander starten
17:47und egal welcher Hügel noch kommen wird, man schafft die gemeinsam.
17:50Und ich finde, das ist ganz was Tolles.
17:52Und ja, ich bin natürlich auch immer auf dem Fahrrad gewesen.
17:55Fahrrad zur Schule, Fahrrad in die Berge, also das ist schon was Tolles.
17:59Und ich finde, der Fahrtwind tut jedem gut.
18:01Ja, super.
18:02Ja, klar.
18:03Genau.
18:06Jan, dein Tour de France-Sieg jährt sich im nächsten Jahr zum 30. Mal.
18:11Was macht das mit dir?
18:13Macht es dich sentimental?
18:14Macht es dich traurig?
18:15Oh Gott, wie schnell die Zeit vergeht.
18:16In erster Linie merke ich, wie alt ich geworden bin.
18:17Ja, ja.
18:18Mach an.
18:1830 Jahre her.
18:19Na, ich bin immer noch stolz darauf.
18:22Also das ist jetzt schon, ja, nächstes Jahr ist 30 Jahre.
18:25Ist schon lange her.
18:27Und ich lebe ja immer noch irgendwie davon.
18:29Ich gebe immer noch Tipps und so weiter.
18:30Bin immer noch dem Radsport erhalten.
18:32Und das war natürlich, das wird man ja nie vergessen.
18:34Der größte Erfolg.
18:35Das ist ja auch die Tour de France ist ja nicht umsonst.
18:37Oder Essig ist das größte Radrennen der Welt.
18:40Weil es einfach auch das Schwerste auch ist und wo die besten Fahrer starten.
18:43Und ist medial natürlich auch das größte, größte Historie und so weiter.
18:48Und das ist auch so schwer zu gewinnen.
18:50Und das prägt einen natürlich.
18:52Das hat mein Leben damals verändert.
18:53Komplett über Nacht.
18:55Und hat mich geprägt bis heute.
18:57Rick, du hast viermal teilgenommen.
18:59Erklär uns den Mythos Tour de France.
19:02Boah, Mythos Tour de France ist wirklich, ist halt das größte Radrennen, wie man sagt.
19:06Warum?
19:08Das Medienaufkommen, ehrlicherweise, ist einfach gefühlt so.
19:11Wir fahren ja das ganze Jahr über lange Radrennen.
19:14Aber bei der Tour de France sind halt gefühlt 1000 Kameras mehr drauf.
19:17Und deswegen ist halt jede Kleinigkeit viel entscheidender.
19:19Und jede Kleinigkeit wird zu einer Story gemacht.
19:22Und dementsprechend ist es halt einfach so der Super Bowl des Radsports.
19:25Oder unsere WM.
19:26Und es ist einfach das größte Radrennen.
19:28Und immer noch jetzt auch die drei Wochen im Jahr, die am stressigsten irgendwie sind.
19:32Auch wenn man nicht mehr aktiv ist und selber in den Medien zu tun hat.
19:35Alles dreht sich um die Tour de France, ja.
19:36Ja, natürlich.
19:37Jan, wirst du das Jubiläum in deinem eigenen Museum feiern?
19:41Du hast dein eigenes Museum.
19:43Ich habe mein eigenes Museum.
19:44Tatsächlich bin ich auch stolz drauf.
19:46Und nicht den Ortstag, ne?
19:47Ich habe mir noch gar nicht so viele Gedanken gemacht wegen nächstes Jahr.
19:50Jetzt muss ich einmal dieses Jahr.
19:51Wie gesagt, ich lebe ja jetzt noch.
19:53Aber irgendwas werden wir uns schon einfallen lassen, was tolles ist.
19:55Ist ja auch ein schönes Jubiläum.
19:57Und eben die Tour de France ist wirklich, das ist ja auch drei Wochen lang.
20:02Das ist im Sommer in die Medien.
20:04Man kann wirklich, mittlerweile wird ja alles gefilmt.
20:06Wirklich hinten vorne.
20:08Es wird Geschichte geschrieben.
20:09Es werden ja Karrieren auch dort.
20:12Und deswegen ist das auch so ein Mythos.
20:14Und ja, also irgendwas werde ich mir einfallen lassen für nächstes Jahr.
20:19Lass ich mich selbst wohl überraschen.
20:21Und du hast ein eigenes Festival.
20:28Jan Ulrich hat ein eigenes Festival.
20:30Du konntest im vergangenen Jahr nicht starten, weil du dich verletzt hattest.
20:33Diesmal wird es anders?
20:35Erzähl doch von diesem Festival.
20:36Ja, letztes Jahr war das Jan Ulrich Festival das erste Jahr.
20:40Lenz Armstrong, Ridley Wickens.
20:42Also sehr, sehr viele Ex-Kollegen waren da.
20:45Moment, Lenz Armstrong.
20:46Der Lenz Armstrong kam.
20:48Genau, genau.
20:49Und viele, viele Fans sind gekommen auch.
20:53Die wollten mit mir Rad fahren.
20:54Und ich hatte knapp eine Woche vorher, habe mich ein Auto umgefahren.
20:58Und ich war dann gerade aus dem Krankenhaus da praktisch dahin.
21:00Hab mir dann sehr viel, also Schlüsselbein gebrochen.
21:03Die ganze linke Seite war kaputt.
21:04Ich konnte einfach nicht fahren.
21:07Und es wird dieses Jahr wieder ein bisschen anders.
21:09Also es wird später im September wieder stattfinden.
21:14Und dieses Jahr will ich natürlich dabei sein, klar.
21:17Das ist ganz klar.
21:18Rick, die Rolle als heute neudeutsch sagt man Content Creator.
21:24Das heißt, Instagram, das heißt soziale Medien dauerhaft zu bespielen
21:29und natürlich den Podcast so zu entwickeln, wie du es gemacht hast.
21:32Woher hast du die Idee gefunden?
21:34Wie kam das für dich?
21:36Wie kamst du zu diesem Beruf?
21:37Es ist ja ein Beruf.
21:39Ich habe ehrlicherweise als Radprofi damit angefangen,
21:43ein bisschen meinen Alltag zu begleiten und die Leute mitzunehmen.
21:47Mir hat das immer Spaß gemacht.
21:48Also das Leben als Radprofi ist jetzt auch gar nicht mal so spannend, wie man denkt.
21:52Also man trainiert halt und man hat schon auch viel Zeit.
21:54Also man kann schon auch mal ein Bild machen oder ein Video drehen und das posten.
21:57Das ist jetzt nicht das Problem.
22:00Du hast beiläufig angefangen, während der Karriere mal ein Bild online zu stellen und so ging es los.
22:05Richtig.
22:05Und ich meine, dadurch, dass ich nicht der Tour de France Sieger war, sondern ein solider,
22:08guter Profi, aber jetzt nicht der Superstar-Fahrer, habe ich dann aber irgendwie gemerkt,
22:12okay, ich bin vielleicht gut darin, Geschichten zu erzählen, die Leute mitzunehmen.
22:16Und dadurch sind mir unglaublich viele Menschen gefolgt.
22:20Ich glaube, ich bin, obwohl ich nicht der erfolgreichste war,
22:22aber so ein bisschen zu dem beliebtesten deutschen Profi geworden, als ich aktiv war.
22:27Und habe dann ehrlicherweise schon die letzten zwei, drei Jahre in meiner aktiven Zeit
22:31immer schon mit Social Media auch mehr verdient als mit dem Radprofi da sein.
22:35Und habe mir da einfach ein zweites Standbein aufgebaut.
22:38Und dann war es halt auch so, diese Entscheidung mit 30, du hast es ja gerade angesprochen,
22:42dass ich auch gemerkt habe, ich bin schon ein ehrgeiziger Typ.
22:44Also ich will schon auch was erreichen im Leben.
22:46Und habe dann aber gemerkt, okay, sportlich ist jetzt so langsam bei mir finito.
22:50Also gefühlt zieht die Weltspitze jedes Jahr weiter von mir weg.
22:54Aber ja, wenn ich mir da jetzt irgendwie einen Namen machen will,
22:56ist jetzt vielleicht ein guter Moment.
22:57Und hatte dann den Mut, diese Entscheidung zu treffen,
22:59mit der Radprofi-Karriere aufzuhören.
23:01Und bin jetzt ehrlicherweise, habe ein kleines Team.
23:04Wir sind eigentlich fast ein Produktionsteam.
23:06Wir drehen Dokus.
23:07Ich mache natürlich Videos für mich selber.
23:08Aber ich habe jetzt, glaube ich, so einen richtig coolen Speedspot gefunden,
23:11dadurch, dass ich als Ex-Profi,
23:13ich bin ja kein Journalist in dem Sinne.
23:15Das heißt, ich gehe in ein Radsport-Business rein,
23:17in verschiedene Teams, in die Rennen.
23:18Die sind alle froh, dass ich vorbeikomme.
23:20Und ich glaube, dadurch kann ich coole Videos produzieren für die Außenwelt.
23:24Und die denken sich alle so.
23:25Also ich glaube, ich kann gut das Gefühl generieren, dabei zu sein.
23:29Und wir haben einfach so locker wo im Talk.
23:31Es ist einfach so, als wenn keine Kamera da wäre.
23:32Ich glaube, das kann ich ganz gut.
23:33Deswegen mache ich das jetzt.
23:34Das gelingt dir zweifellos.
23:35Ein Buch hast du auch geschrieben.
23:37On the Road heißt es.
23:38In diesem Buch lernen wir wunderbare Begriffe kennen.
23:41Zum Beispiel den Hinterradlutscher.
23:43Jan, ganz kurz, was ist ein Hinterradlutscher?
23:47Hinterradlutscher ist derjenige, der nicht gerne im Wind fährt vorne.
23:50Also das heißt, der macht keine Führungsarbeit.
23:52Also Windschatten ist ja bei uns ein ganz großes Thema beim Radfahren.
23:55Umso schneller man fährt, umso mehr macht Windschatten auch aus.
23:58Da kann man Kraft sparen.
23:59Und wenn jetzt einige zum Beispiel in der Spitzengruppe fahren,
24:02sage ich jetzt mal ein Beispiel, drei Mann.
24:05Und zwei führen und dann lösen sich ab und machen die Arbeit im Wind.
24:10Und der Letzte tut so, als wenn er nicht kann und schlaucht halt praktisch hinten dran.
24:13Und dann sprintet er vielleicht zum Schluss vorbei.
24:16Ist unfair.
24:17Das sieht man auch nicht gerne im Radsport.
24:19Das Wort gibt es auch nicht oft.
24:22Ist keine Heldentat.
24:23Das steht bei dir im Buch auf alle Fälle drin.
24:25Jan-Ulrich Riktabel.
24:26Danke.
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