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00:25Hello and welcome to Sträter.
00:28Ich soll nicht immer so ewig lange Anfangsnummern machen, haben Sie gesagt.
00:33Na gut, dann eben ganz kompakt.
00:34Erstens, Caroline Herfurt ist hier, Applaus.
00:36Juchu!
00:39Dankeschön.
00:41Was ich Ihnen da draußen aber auch schon immer sagen wollte,
00:44wenn Ihnen jemand sagt, er oder Sie, gebe bei allem immer 100 Prozent,
00:48im Job, aber auch grundsätzlich immer 100 Prozent,
00:51und wenn Ihre Geschäftsleitung auch sowas sagt, wie ich erwarte von meinen Leuten immer 100 Prozent,
00:56dann nicken Sie sanft und machen weiter wie vorher, nämlich mit 8 bis 12 Prozent Leistung.
01:03Kein Mensch bringt 100 Prozent. Ist Ihnen das nicht klar? Keiner, ey.
01:07Und Leute, die sowas verlangen, sind eigentlich immer Schwachköpfe.
01:10Zum einen wissen Sie selber doch gar nicht, was bei Ihnen 100 Prozent sind.
01:14Sie haben ja jetzt keine Batterieanzeige in der Kimme.
01:16Und ich hoffe, Sie finden auch nicht raus, was bei Ihnen 100 Prozent sind.
01:21Möglicherweise müssen Sie dafür mit brennenden Schuhen, einer Kommode und am Arm durch die Fußgängerzone rennen.
01:25Man weiß das ja alles gar nicht.
01:27Geben Sie einfach, was Sie können.
01:28So viel Sie können.
01:30Wenn Sie können.
01:31Ich meine, wir sehen 100 Prozent Performance aus.
01:35Als, weiß ich nicht, Zahnarzthelferin.
01:37Wie geht das?
01:37Morgens um 8. Salto vorwärts in der Praxis übernachten oder Patienten aktiv anrufen?
01:41So Kaltakquise?
01:44Tag, zahnärztliche Praxis, Kroschonek.
01:46Sie kennen mich nicht, aber ich habe eine Frage.
01:48Riechen Sie aus dem Maul?
01:51Oder werden da alle Menschen, die in die Praxis kommen, präventiv bis unter die Augenlider betäubt?
01:55Auch wenn die nur ihren Regenschirm vergessen haben.
01:57Was sollen da 100 Prozent sein?
01:59Sie wissen doch, was zu tun ist in aller Regel.
02:01Tun Sie, was nötig ist.
02:03Und ein bisschen mehr.
02:05Dann sind das vermutlich, wenn es ein richtig harter Tag war, weiß ich nicht, 25 Prozent.
02:10Niemand sollte mehr von Ihnen verlangen.
02:11Oder wollen Sie mit 2 Prozent Restakku zu Hause ankommen?
02:14Da sind ja auch noch Leute.
02:16Und fragen Sie sich vor allem mal, Ihr Chef, gibt der Ihnen eigentlich 100 Prozent oder hält der ein bisschen
02:22was für sich zurück?
02:23Also ich würde sagen, das Wichtigste ist doch, dass es aussieht wie 100 Prozent.
02:28Teilen Sie Ihre Kraft ein.
02:30Nehmen Sie mich.
02:31Früher habe ich mir unglaublich viel Stress gemacht.
02:33Ich trug sehr, sehr gerne Boxershorts.
02:35Das ist ja auch lässig.
02:36Aber irgendwie, die sieht man doch der Anzug so.
02:38Sie tragen so auf.
02:39Und dann wälzt sich das und schiebt sich hoch.
02:41Und heute kann ich sagen, ich habe diese Probleme nicht mehr.
02:44Ich trage jetzt Bodies, die werden im Schritt geknöpft.
02:46Und man sieht nichts.
02:50Nichts.
02:58Und die Schmerzen liegen, wenn es hochkommt bei 40 Prozent.
03:01Und das, das auch nur beim Gehen.
03:04Das war kein schönes Beispiel.
03:06Was ich eigentlich sagen will, ist, egal was Sie tun, manchen Menschen ist es nie genug.
03:10Dabei ist es das eigentlich immer.
03:12Sie leisten ja, was Sie können.
03:13Und das sollte bedeuten, dass Leute, die Ihnen nur dabei zusehen, eigentlich mal an den Maul halten könnten.
03:17Nehmen Sie diese Sendung hier mit 20 Prozent Leistung geschrieben, wirkt aber wie 60 Prozent, weil ich dabei stehe.
03:26Meine Stimmung ist so auf 50 Prozent.
03:28Die anderen 50 Prozent machen, jetzt vielleicht nicht Sie, Sie.
03:32Und dann, Spaß.
03:34Wir müssen jetzt anfangen mit der Sendung.
03:36Mir ist untenrum ein Druckknopf aufgegangen.
03:38Willkommen bei Sträter.
03:44Dankeschön.
03:45Los geht's.
03:46Jetzt.
03:59Ich muss auch jetzt direkt diese Rubrik wegarbeiten, weil das mein Aggressionspegel immer senkt, wenn ich die gemacht habe.
04:05Ich bin danach viel friedlicher als vorher.
04:07Denn in dieser Rubrik geht es immer um den Schauplatz des Verbrechens, der aus unseren Mündern kommt.
04:12Nächster Halt und erste Halt also.
04:15Akte Wix.
04:17Ich möchte mich nicht nur nicht über so eingefressene, bekloppte Formulierungen ärgern.
04:22Ich mache das im Prinzip auch gar nicht mehr.
04:25Die deutsche Sprache kann so viel, vor allem mehr als die englische.
04:30Beispiel.
04:31Von jedem von uns heute schon 50 Mal benutzt.
04:33Hand aufs Herz.
04:34Okay.
04:35Das Wort okay.
04:37Stammt übrigens aus den 1830er Jahren.
04:40Damals war es Mode, absichtlich falsch geschriebene Abkürzungen für Redewendung zu benutzen.
04:44Das stimmt wirklich.
04:45Okay steht wirklich im Englischen für all correct mit O und K.
04:50Die Opfer.
04:51Eine absichtliche Verballhornung von all correct.
04:55Und das bedeutet im Amerikanischen und im Englischen alles in Ordnung.
04:59Nicht so im Deutschen.
05:00Je nachdem, wie die Stimmung Ihres Gegenübers gerade ist, bedeutet okay Folgendes.
05:06Okay.
05:07Ja.
05:09Nein.
05:10Stirb.
05:11Wie bitte?
05:12Wenn es sein muss.
05:13Was hast du gesagt?
05:14Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast.
05:16Bring mir noch ein Aperol.
05:17Und was zahlst du hier kalt?
05:18Und wenn man es ganz böse will, gibt es noch die gedehnte Variante.
05:23Die lieben wir alle.
05:23Guck mal Schatz, ich habe mir eine neue Hose gekauft.
05:26Okay.
05:28Und obwohl wir schon für nur ein Wort zig Bedeutung haben, erfinden wir immer wieder neue Begriffe.
05:34Das macht mich komplett kaputt.
05:36Ich habe neulich wirklich im Radio folgende Formulierung gehört.
05:40Die städtische Müllverbrennungsanlage ist nur acht Autominuten entfernt.
05:46Was ist das?
05:48Eine Autominute.
05:49Wie rechnet man das?
05:51Sind acht Menschenminuten eine Autominute?
05:55Oder andersrum?
05:56Oder 45 G-Minuten?
05:57Oder was?
05:59Acht Autominuten ist mir ein bisschen ungenau.
06:02Sollte die Stimme im Radio nicht lieber sagen, wenn Sie zur städtischen Müllverbrennungsanlage wollen,
06:08dann können Sie diese mit einem technisch einwandfreien Mittelklassewagen bei komplett leerer Fahrbahn und ganz links.
06:13Und an einer Geschwindigkeit von 57 kmh, vorausgesetzt es kommen keine Tiere, in acht Minuten erreichen, ungefähr.
06:20Außer Sie halten noch am Drive-in.
06:22Dann müssen Sie von acht Autominuten eine Pommes-Minute abziehen.
06:24Was ist das für eine bekackte Formulierung?
06:27Sag doch einfach die Strecke, weißt du?
06:39Zwölf Kilometer.
06:40Ich kann mir das zu Hause selber ausrechnen.
06:42Zwölf Kilometer sind zwei Stunden zu Fuß, drei Tage auf allen Vieren.
06:47Sieben Minuten, wenn ich mir, ohne dass das Gewebe jetzt abgestoßen wird, die Schwingen eines Pelikans implantieren lasse und keckernd
06:54hinüberflatter.
06:56Oder 120 Jahre, bis die Landmasse einfach von selbst zu mir rübergespült wird.
07:00Und bei welchem Radiosender ist es überhaupt erwähnenswert, wie lange ich zu einer Müllverbrennungsanlage brauche?
07:06Jetzt mal ehrlich.
07:07Komm, ist egal.
07:09Ich wollte da nur mal so erwähnen, als Hausnummer.
07:14Meine Lieblingsformulierung von allen.
07:16Kennen Sie das, diesen Scheiß?
07:18Das ist so eine Hausnummer.
07:19Sag mal eine Hausnummer.
07:20Ich liebe das.
07:22Ich reagiere da immer falsch drauf, zu 100 Prozent.
07:25Immer so.
07:26Herr Sträter, Sie sind ja dieses Jahr viel mit dem Auto auf Tour gewesen.
07:30Haben Sie da mal eine Hausnummer für mich?
07:36Was?
07:38Haben Sie da mal eine Hausnummer für mich?
07:41Wo?
07:44Ja, irgendeine.
07:46Irgendeine was?
07:47Ja, so eine Hausnummer.
07:5117b.
07:53Was?
07:5417b, aber nicht Schellen.
07:55Der Opa schläft.
07:56Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll.
07:58Weißt du, was für scheiß Hausnummern ist?
08:00Das ist egal.
08:07Ich finde es fast noch schlimmer, dass Hausnummer auch so als Lob benutzt wird.
08:11Dieses, was?
08:13Sie haben wirklich ohne Übertreibung auf Treu und Glauben jetzt lückenlos alle Eierschlümpfe?
08:19Das ist ja mal eine Hausnummer.
08:21Ich glaube, ich will mich in der Sprache gar nicht mehr zurechtfinden.
08:24Und ich glaube, das liegt daran, dass mir, wie Ihnen auch, schon früh die deutscheste aller Fragen gestellt wurde.
08:29Die schlimmste aller Fragen, die da lautet, was sollen die Leute denken?
08:35Das habe ich 10.000 Mal gehört in meinem Leben.
08:37Was sollen die Leute denken?
08:39Ja, das ist jetzt hier die Frage.
08:42Was sollen die Leute denken?
08:44Die Leute sollen denken.
08:45Damit geht es mal los.
08:46Und wenn Sie mich fragen, sollen die Leute denken, dass alles vor die Hunde geht, wenn wir nicht beginnen, besser
08:51miteinander umzugehen, aufeinander aufzupassen.
08:53Und die Leute sollen auch denken, dass Ressourcen begrenzt sind.
08:56Sauberes Wasser, saubere Luft, Zeit, Leben, Verstand.
08:59Und ja, die Leute denken das auch ab und zu, sogar ich.
09:03Aber meistens denken die Leute gar nichts.
09:05Auch so wie ich.
09:07Oder Sie denken zumindest mal ab und zu an sich.
09:10Hören Sie auf, darüber nachzudenken, was die Leute denken.
09:12Sie kennen die doch gar nicht.
09:13Denken Sie lieber mal daran, an was Sie denken sollen.
09:15Sie sind ja schließlich auch die Leute.
09:17Und es ist als Einzelperson nicht Ihre Aufgabe, das Denken anderer Leute zu bestimmen, sondern die Qualität Ihres eigenen Denkens.
09:23Achten Sie nicht darauf, was die Leute denken.
09:25Achten Sie darauf, was Sie denken.
09:27Ich war mal im Moviepark, das ist eine andere Geschichte, ich war mal im Moviepark an meinem Geburtstag.
09:32Ich glaube, ich war 47, ich gehe immer noch hin.
09:33Dann ist der Eintritt frei.
09:36Ja, wat?
09:38Du kriegst ja nichts mehr geschenkt im Leben.
09:41Und mir war den ganzen Tag schon ein bisschen übel.
09:43Ich tippe auf Mayonnaise vom Vortag.
09:45Sicher war ich nicht.
09:47Ich hatte aber im Moviepark alles im Griff, bis ich eine runde wilde Maus gefahren bin.
09:51Das Ding, der Name täuscht.
09:54Das Ding an sich ist komplett harmlos, aber das biegt in so absolut geisteskranken rechten Winkeln ab.
10:00Darauf müssen Sie sich mal achten.
10:01Und zwar sehr ruckartig.
10:03Also habe ich, und zwar im exakt selben Rhythmus, darunter gereiert.
10:08Und auch wirklich den kompletten Wagen voll.
10:11Und vom Volumen her auch bedeutend mehr als so ein Klacks-Mayu an und für sich her geben sollte.
10:17Und ich wünsche, die Leute vorm Fahrgeschäft hätten exakt auch das gedacht.
10:21Der arme Mann.
10:23Was Falsches gegessen.
10:25Und jetzt wird sein Magen von den physikalischen Gesetzen ausgehebelt und reinigt sich notgedrungen selbst.
10:31Aber ich hatte irgendwie nicht den Eindruck, dass dies der vorherrschende Gedanke war.
10:38Den Gesichtern nach war das eher, wat kotzt der Kasper auf ner Kinderachterbahn.
10:43Man hat keinen Einfluss darauf, was die Leute denken.
10:46Eigentlich nicht.
10:48Obwohl Sie natürlich irgendwie schon die Macht haben, die Emotionen der Menschen zu steuern.
10:53Hier mal für Sie von mir privat ein Tipp, wie Sie jedem Gespräch den nötigen Drall verleihen.
10:58So ein bisschen Dramatik und Schwere.
11:00Das geht unserer Kommunikation nur an mich oft ab.
11:02Rufen Sie mal irgendwen an.
11:05Ja bitte.
11:06Sträter hier.
11:07Ja.
11:08Bleib jetzt bitte ganz ruhig.
11:11Was?
11:11Bleib jetzt bitte ganz ruhig.
11:13Und dann sagen Sie irgendeine triviale Kacke.
11:16Bleib jetzt bitte ganz ruhig.
11:18Die Butterpreise sind stabil.
11:20Und dann auflegen.
11:21Das.
11:22Nie wieder anrufen.
11:23Das ist total blöde.
11:25Aber die Leute, die treten zu Hause alles kaputt.
11:28Es macht Spaß.
11:33Ich liebe das.
11:34Bleib ganz ruhig.
11:36Bist du ganz ruhig?
11:37Gut, tschüss.
11:38Sorry.
11:39Ich werde irgendwann ein Buch schreiben, wie man Freunde gewinnt.
11:42Und dann durch Telefonate wieder abbaut.
11:44In einem Arbeitsgang.
11:46Das dauert aber noch.
11:48So 50.000 Sitzminuten.
11:51Nur mal so für Sie als Hausnummer.
11:53Dankeschön.
11:53So, ich werde jetzt.
11:58Geht's mir besser.
12:01Danke.
12:03Nun.
12:04Gewiss.
12:06Hören Sie doch.
12:08Mein heutiger Gast startet schon als Kind ihre Schauspielkarriere.
12:12Ist gefeierte Regisseurin.
12:13Und das muss mir so reingeschrieben werden, weil ich das sofort nicht aussprechen kann.
12:16Aber Filmemacher klingt auch, als hätte man bei Fotopost gearbeitet.
12:19Ist gefeierte Regisseurin.
12:21Und zählt heute zu einer der einflussreichsten Frauen im deutschen Kino.
12:24Bitte grüßen Sie mit mir, Caroline Herfurt.
12:40Willkommen.
12:40Ich kann halt nicht Regisseurin.
12:42Regisseurin.
12:43Filmemacherin ist doch aber auch schön.
12:44Kann man Filmemacherin sagen?
12:46Ich finde es super.
12:47Man macht ja Filme.
12:49Ich meine, du hast ja schon wirklich so viele erfolgreiche Filme schon, in Anführungsstrichen,
12:54nur als Schauspielerin gemacht.
12:55Hier die kleine Hexe und Fakio Goethe und ich kann ja 10.000 andere noch aufzählen.
13:00Warum dann noch Regie?
13:03Das war ein Aus Versehen.
13:05Danke, nächste Frage.
13:09Wie meinst du das?
13:10Eine Freundin von mir wollte ein Schauspielvideo machen, womit man sich so bewirbt.
13:15Und hat gefragt, ob ich ihr helfe.
13:16Und ich sage, ja klar mache ich Regie.
13:17Und es hat uns so einen Spaß gemacht, dass ich gesagt habe, komm, lass mal, wir machen da mal einen
13:20Film.
13:21So mit mehreren Drehtagen.
13:22Und dann habe ich plötzlich, weil ich ja schon so ein bisschen Leute aus dem Film kannte,
13:26so ein richtiges Team gehabt und Leute aus der Schauspielschule und so.
13:30Und dann habe ich gedacht, oh shit, ich brauche noch eine Geschichte.
13:32Jetzt muss ich noch eine Geschichte schreiben.
13:34Und ich habe irgendwas geschrieben.
13:35Und das hat so einen Spaß gemacht, tatsächlich.
13:37Diese Erfahrung, dass ich gesagt habe, boah, das würde ich wahnsinnig gerne mal nochmal machen.
13:40Und diesen Kurzfilm habe ich dann in Hof auf dem Filmfestival gezeigt.
13:44Also durfte ich da zeigen.
13:45Hof ist ein Ort.
13:46Nicht, dass Sie denken.
13:47Nicht im Hof, sondern in.
13:48Ich habe den bei mir auf dem Hof gezeigt.
13:50Alle.
13:52So ein Hof.
13:53Weil ich dachte, ich habe so viel geschenkt bekommen in diesem Prozess.
13:55Ich muss irgendwie was zurückgeben und diesem Film eine Bühne geben.
13:57Ich hätte den auch einfach ins Regal schieben können.
13:59Aber ich, das, so, egal.
14:00Und dann, genau, hat der Chef von Warner Brothers Deutschland den gesehen.
14:04Und hat gefragt, ob ich nicht Lust hätte, das mal einen langen zu machen.
14:07Aber ist das nicht wirklich schlimm viel Arbeit?
14:11Ja, furchtbar.
14:12Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen.
14:14Du führst also Regie, was ja für sich schon komplex genug ist.
14:17Und dann bist du auch noch Schauspielerin.
14:20Ist das nicht so, dass du dich vor die Kamera stellst, dich fragst, sehe ich gut aus?
14:24Rennst hinter die Kamera, guckst durch und da ist keiner?
14:26Ich meine, wie, das ist jetzt stark vereinfacht ausgedrückt.
14:30Aber ist dann jemand ein Stand-in für dich?
14:33Oder?
14:37Das ist vielleicht nicht richtig gut gefragt, aber...
14:39Das ist anders als beim Fernsehen, weil wir drücken auf so Reg und dann nimmt es auf
14:43und dann kann man sich das Aufgenommene ansehen.
14:46Aber ich mache das jetzt auch nicht nach jedem Take, sondern ein bisschen nach Gefühl.
14:48Und irgendwann kennt man sich ja auch.
14:49Und den Vorteil dadurch, dass ich die Geschichten mitgeschrieben habe,
14:52ist ja auch, dass ich sehr genau weiß, was ich von dem Moment will.
14:55Und dadurch brauche ich vielleicht weniger lange, als ich es sonst bräuchte, wenn ich jetzt...
15:00Du hast einen Kino-Hit gelandet mit Wunderschönen.
15:041,7 Millionen Zuschauer.
15:07Kann man...
15:10Ja...
15:16Was unfassbar viel ist in Deutschland.
15:18Das ist richtig, richtig, richtig, richtig viel.
15:22Und der zweite Teil, wunderschöner, was mega...
15:26Ich freue mich auf den dritten Teil, gucken, wie das sprachlich löst.
15:29Der macht einen das doppelt nervös, wenn man dann noch einen Film macht,
15:35also noch einen zweiten Teil, könnte man sagen.
15:38Und der ist genauso erfolgreich, also genauso gut auch in sich.
15:41Ist das mehr Druck oder weniger?
15:45Also ich bin erstmal total erleichtert, dass der zweite Teil jetzt auch angenommen wurde,
15:50weil ich mir nicht immer hundertprozentig sicher war,
15:52weil man hat ja auch was erschaffen, was Menschen lieben dann, ne?
15:55Oder eine bestimmte Erfahrung damit verbinden.
15:57Und die möchte man natürlich nicht enttäuschen.
15:59Ich wusste aber auch, dass ich jetzt nicht einen zweiten Teil,
16:02also eine Wiederholung machen möchte,
16:04dass ich sozusagen das Versprechen einlösen kann zu hundertprozentig,
16:08dass man genau dasselbe Gefühl haben wird wie im ersten Teil.
16:10Ich wusste, ich werde ein bisschen weitergehen, thematisch und auch in der Tonalität.
16:18Und deswegen war ich mir nicht ganz so sicher,
16:19ob das dann auch eben zu Enttäuschung führen kann.
16:22Und ich war erstmal sehr erleichtert, dass das so gut funktioniert hat
16:26und so viele Menschen so mitgegangen sind.
16:28Da war ich mir einfach nicht sicher.
16:29Und das ist auch schon Druck, ja, auf jeden Fall.
16:31Weißt du schon, was du als nächstes für einen Film machst?
16:35Ich mache erstmal keinen Film in als Regisseurin.
16:37Ich möchte das auch ehrlich gesagt noch gar nicht wissen,
16:39weil ich es gerade ganz gut finde, mal eine kreative Pause zu machen.
16:43Weil dieser Film hat schon sehr viel kreative Schaffenskraft von mir verlangt.
16:52Und jetzt habe ich total Lust, mal mit weniger Verantwortung vor der Kamera zu stehen vor einer Weile
16:57und mich so ein bisschen Abstand zu gewinnen zur Regie.
17:02Ist Urlaub geplant?
17:03Urlaub, genau. Urlaub nennt man das.
17:05Genau, ja, das wollte ich sagen.
17:07Ja, also Pause ist geplant.
17:10Pause?
17:11Ja, Urlaub weiß ich gar nicht.
17:12Urlaub ist ja dann auch nicht unbedingt Pause, sondern eher so Alltag und Müßiggang.
17:18Müßiggang?
17:19Müßiggang.
17:19Ist mein neues Lieblingswort.
17:21Wo man mal denken sollte, es ist die Motorhaube.
17:25Tatsächlich, du guckst bestimmt auch Serien und Filme und so.
17:28Extrem viel.
17:28Was guckst du so?
17:29Netflix?
17:29Alles.
17:30Dein Lieblingsgenre?
17:32Momentan Cozy Crime.
17:35Cozy Crime.
17:36Ein Genre, das mir gar nicht bekannt ist, ehrlich gesagt.
17:38Cozy Crime.
17:39Gibt es gerade wieder eine schöne neue Serie.
17:42The Resident.
17:43Und Residence?
17:44Residence.
17:45Danke.
17:45Und es hat mir total Spaß gemacht.
17:47Ich habe überlegt, ob ich auch Vogelbeobachterin werde jetzt.
17:50Als Hobby.
17:50Weil ich fange an, Omi-Hobbys zu entwickeln.
17:53Ich bin ja...
17:54Ja, du hast heute noch die Gelegenheit, Vögel mit mir zu beobachten.
17:57So viel kann ich schon mal anteasern.
17:59Okay, wow.
18:00Muss ich auch erraten, was das für Wesen ist.
18:02Dauert nicht lange.
18:03Ich habe zu Ostern ein Vogelbuch geschenkt bekommen, aber ich habe noch nicht reingeguckt.
18:06Ein Vogelbuch?
18:07Ja.
18:08Aussprache, so wichtig.
18:09Tatsächlich.
18:18Ich würde gerne ein Spiel spielen, das ein bisschen überkomplex ist.
18:23Aber ich glaube, dass dieses Spiel herausfindet, was dein nächster Film ist.
18:27Oh mein Gott.
18:28Also.
18:29Wir bekommen jetzt gleich Umschläge mit Genres.
18:32Horror, Komödie, was weiß ich.
18:34Darin ist immer der erste Absatz, der Gesamtstory enthalten.
18:38Und dann bilden wir die Story weiter.
18:41Jeder einen Satz.
18:41Und zwischendurch werden noch Begriffe eingeblendet, die wir einbauen müssen.
18:46Und ich glaube, dass wir so da auch ein tragfähiges Script zusammenkriegen, über kurz oder lang.
18:50Ich tippe auf über lang.
18:51Aber wir könnten es mal probieren.
19:24Komm, wir gehen mal rüber.
19:25Ich hatte mal ein Schinken-Kostüm.
19:26Da bin ich aber als Schweinefilet im Speckmantel gegangen.
19:31An Karneval.
19:33Komm, wir mischen durcheinander.
19:34Okay, warte.
19:35Das bringt nichts, wenn die Schrift oben ist.
19:36Genau.
19:36Okay, du sagst Stopp.
19:38Stopp.
19:39Wenn du sie so mischt, ist egal, ob ich Stopp sage oder nicht.
19:42Nein, dann habe ich einen vorne.
19:43Okay.
19:44Hast du mein System nicht verstanden?
19:45Stopp.
19:47Nee, jetzt.
19:48Okay.
19:48Jetzt können Sie aber nichts entscheiden hier.
19:51Western.
19:52Oh mein Gott, da bin ich gar nicht.
19:54Ah, okay.
19:55Hier ist die Storyline.
19:56Der Beginn.
19:57Texas, 1889.
19:59Eine Bande von jungen Taugenichtsen soll eine riesige Herde über die Rocky Mountains bis nach
20:04Kalifornien treiben.
20:05Kein Wunder, dass sich für dieses Himmelfahrtskommando sonst niemand gemeldet hat, denn bei den Tieren
20:10handelt es sich um...
20:12Wildpferde.
20:14Genau.
20:17Es ist ein sehr kurzer Wästern.
20:18Das war die Gelegenheit, Velociraptoren zu sagen...
20:21Er sagt, du bist doch kein Wästern mehr.
20:24Genau, es sind Wildpferden.
20:26Ungezähmte Mustangs.
20:29Ungezähmte Mustangs.
20:31Wo sich alle gewundert haben, wie man die zu einer Härte zusammenkriegt, offensichtlich
20:35nur mit Blumendraht.
20:36Oh, du bist dran.
20:36Das größte Problem für Johnny war allerdings, dass er seine Allergie dabei nicht in den Griff
20:42bekam, denn...
20:43Er ist allergisch gegen Wildmustang-Pollen.
20:49Der normale Mustang ist außen glatt, der Wildmustang ist leicht angeraut und deswegen versetzt
20:55ihn der Geruch in eine derartige Raserei, dass er oft in eine Mordserie verwickelt wird.
20:59Zum Beispiel...
21:01Mord mit Aussicht.
21:02Nein, eine...
21:09Aber zum Glück war es Spargelsaison.
21:14Dadurch machten sie häufig Rast und Johnny hatte die Gelegenheit, sich von der Herde zu entfernen.
21:18Jeff, sein Kumpel sagte, pinkel mal dahin, ich kann im Dunkeln nichts sehen.
21:23Da!
21:25Wie schnell könnt ihr denn die einzelnen Begriffe durchsuchen, ihr Opfer?
21:28Könnt ihr mal warten?
21:30Noch langsamer.
21:31Ich will ein anderes Genre.
21:32Ich will ein anderes Genre.
21:33Wir nehmen ein anderes Genre.
21:34Okay, okay.
21:36Stemmst sie du.
21:38Ja.
21:39Oh, no.
21:41Highschool.
21:42Comedy.
21:43Comedy.
21:44Oh mein Gott.
21:45Oh mein Gott!
21:47Genau.
21:47Denn das Stück heißt Sandy Candy.
21:49Nur noch zwei Monate bis zum Abschlussball an der John Candy High School in San Diego.
21:54Die Supersurfer Sean und Michelle sollen zum Ballkönigspark gekrönt werden.
21:58Niemand rechnet damit, als plötzlich...
22:00Als plötzlich Steve, der ehemalige Verflossene von Sean, ah, Michelle, von Michelle, mit dem Motorrad
22:12vor der High School vorfährt und ruft, Ananas, Ananas, aber Anna ist trocken.
22:28Es war sehr heiß, die Sonne schien, er zog sich sein Flamingo aus der Hose und sagte, Zeit
22:36für frische Luft, mein Freund.
22:41Ich reagiere wenigstens auf die Begriffe, was wollt ihr?
22:46Dann stellte er das Plastiktier auf seinem Obststand ab und lächelte zu Michelle hierhin
22:52über, was Sean direkt in rasende Eifersucht versetzte.
22:54Ja.
22:55Mit der Geschichte zum Ende kommen...
22:57Ach ja, das ist an uns.
22:58Ja gut, alles klar.
22:59Ich glaube, wir haben eines der schönsten High School Dramedies geschrieben.
23:02Ich finde, dass wir das zusammen mit dem Western machen sollten.
23:05Du kannst das ja in Rückblenden erzählen.
23:07Also das ist da, wo sich Jeff und Neil...
23:09Der Spargelessende Cowboy, der war früher auf der High School und ist überhaupt nur wegen...
23:14Vor 1989?
23:16Ja, das ist ein Problem, zugegeben, aber eine Runde spielen wir noch.
23:20Fantasy.
23:21Ich lese vor.
23:22Die Elfte Elfe.
23:23Die Elfte Elfte.
23:24Die Elfte Elfte.
23:25Verlesen.
23:27Verlesen in einem viersilbigen Satz.
23:28Die Elfte Elfe.
23:30Die zwölfjährigen Zwillinge Kevin und Kira entdecken in einer Karnevalskostümkiste
23:36einen Geheimgang zu einem unentdeckten Zauberreich.
23:39Aber am Aschermittwoch soll es zu Staub verfallen, wenn es den beiden nicht gelingt...
23:44Den goldenen Apfel durch die Pforte der Zukunft zu bringen.
23:49Am besten mit Kammenbär, etwas Breiselbeeren und einem Baguette.
23:56So die Aufgabe des bösen Zauberers Rumburak.
24:01Aber...
24:03Das Verrückteste hinter dem Schrank waren die Wurzelzwerge, die die ganze Zeit Pantomime
24:08spielen wollten und sie mussten die Pantomime-Sprache erst erkennen, um den Pfad zu dem goldenen
24:14Apfel zu finden.
24:15Und alles, was die Wurzelzwerge an Pantomime konnten, war, guck mal, ich gehe eine Glasscheibe
24:19entlang.
24:20Deswegen sagte Kira, weißt du was, nichts gegen Zwerge, aber ich werde diesen stumpfen Gegenstand
24:24nehmen und alle töten.
24:34Betäuben.
24:36Schwer und lange betäuben.
24:40Achso.
24:42Die beiden, Kevin und Kira, fanden das Tandem, fuhren an den betäubten Gnomen vorbei, auf
24:49dem Pfad des goldenen Apfels und kamen in das Tal des Erntedanks.
24:53Im Tal des Erntedanks gibt es nur große, orangene Kürbisse.
25:00Diese Kürbisse haben aber ein gefährliches Gift.
25:03Ja.
25:05Pudelspucke.
25:06Eins der tödlichsten Gifte.
25:11In, wie heißt das Land eigentlich, wo die sind?
25:13Weißt du das ganz kurz?
25:15Panade.
25:19Prinzessin Panade aus Elfhausen, rief von den Zinnen ihrer Burg, Finger weg von den
25:26Gürbissen.
25:26Sie bat darum, wir müssen die Elf der Elfe finden.
25:29Nur sie weiß, wie wir mit dem Gefrierbrand den Apfel befreien.
25:34Ja.
25:35Und Gefrierbraten.
25:42Da erblickten sie ein Gebäude.
25:47Und sie versuchten, das Wort zu sagen, das über der Tür stand, aber es war nicht möglich,
25:51es normal zu sprechen.
25:53Sie mussten es singen.
25:54Musste Hausküchen, Fachgeschäft.
26:13Es ist Zeit für Buenos Dias, den Vortrag mit von hinten durchleuchteten Bildern.
26:19Sie wissen, ich bin ein Mann des Geistes.
26:22Gegen meinen Intellekt wirkt Richard David Precht wie ein Feuerlöscher mit abgekratztem
26:25Prüfsiegel.
26:26Und ich halte nichts von der Verkomplizierung der Philosophie, nur weil ich jetzt schöne
26:30Haare habe oder so.
26:31Ich möchte, dass der Mann auf der Straße, tut mir leid, dass der Mann auf der Straße
26:37sich nicht den Kopf strubbelig denkt über irgendwelche überkomplexen Philosophie-Modelle.
26:42Und das belegen auch meine beiden philosophischen Fachbücher.
26:45Ich bin, also bin ich ich.
26:48Und der gebundene Bestseller, das Ziel ist das Ziel, das davor war der Weg.
26:52Will sagen, für die meisten Probleme gibt es einfache Lösungen und erschütternd simple
26:59Betrachtung.
27:00Auch ich habe natürlich blinde Flecken in meinem Wissen, ich will Ihnen da nichts vormachen.
27:04Aber ich lese mich dann rein, und zwar intensiv und objektiv.
27:08Und ich observiere, bei mir im Garten zum Beispiel.
27:12Klar, ich kenne alle großen Denker.
27:14Heraklit, Aristoteles, Klitoris, Stalagmit.
27:17Ich habe die zeitgenössischen Standardwerke gelesen, alles.
27:22Bücher wie Das geheime Leben der Bäume, in dem sich vier Pappeln als Rentner kostümieren
27:27und per Anhalter ins Outlet nach Hermann fahren.
27:29Aber über ein Thema wusste ich bisher nichts.
27:36Vögel.
27:38Und jetzt liegt eine völlig neue Welt vor mir und vor Ihnen.
27:42Hier sind meine Top 3 der Vögel.
27:44Platz 3 der Spatz.
27:48Ich bin 58 Jahre alt und ich habe dieses Tier noch nie wahrgenommen.
27:53Ich dachte immer, das heißt Graumbraulenflimmern im Augenwinkel wäre Vitamin-D-Mangel.
27:57Aber ich habe gelernt, wenn Sie ein bisschen Grünfläche verwalten, gehören Spatzen zur Werkseinstellung.
28:04Ich wusste das nicht.
28:05Der Spatz gehört eigentlich zur Familie der Sperlinge.
28:08Wird aber überhaupt Null-Sperling genannt.
28:11Sie kennen das sicher von Menschen, wo einer eigentlich Hermann Markra vom Winkelbusch heißt,
28:15die man wegen seiner komischen Frisur aber nur Bumsbirne nennt.
28:17So geht es dem Spatzen auch.
28:20Spatzen interessiert sich nicht die Bohne.
28:23Der Spatz frisst alles, tritt in Gruppenstärken auf, die an die Rote Armee erinnern,
28:27umbrütet wo er will, Dachrinne in Bäumen, in ihrer Achselöhle, juckt den Null.
28:32Der Spatz als solcher wiegt knapp 30 Gramm, ist sehr robust und etwa 15 Zentimeter lang.
28:37Hat also im Prinzip die gleichen Abmessungen wie ein Schraubenzieher,
28:41ohne allerdings besonders nützlich beim Montieren von Arbeitsplatten zu sein,
28:45außer vielleicht als Klebmasse.
28:47Pfui.
28:47Der Spatz.
28:53Der Spatz ist so unfassbar unscheinbar und schmeckt vermutlich auch noch nichts,
28:57ist aber auf diese entwaffnende Art süß.
29:01Das macht den Spatz, wie ich finde, viel sympathischer als die meisten Papageienarten.
29:05Diese knallbunten Laberköppe, die immer rumäumeln,
29:08als bekämen sie gleich fünf Punkte von Harald Glöckler.
29:11Und dann, weißt du, die ganzen Blödsinn von irgendwelchen Leuten nachquatschen,
29:14als ob das ein Zeichen von Intellekt wäre.
29:16Ich finde, Papageien alle freilassen, die sollen sich in freier Wildmann ihr Futter verdienen.
29:20Weiß ich, Frau Karstadt als Ballonzauberer oder...
29:26Oder einen Podcast auf Spotify machen, weißt du, wo du zwei von so einem achtfarbigen Flitzbiepen
29:32auf den Tisch setzen, dann könnt ihr sich unterhalten.
29:33Gura, kacken, Fein.
29:35Kacken.
29:37Deutschland wäre bereit dafür und ich auch.
29:39Im Prinzip doch zurück zum Spatzen.
29:43Je länger ich über ihn rede, desto lieber mag ich ihn.
29:45In meinem Garten leben zwei.
29:48Oder 5000.
29:49Ist schwer zu sagen.
29:50Ich habe auch das Gefühl, sie haben das Haus umstellt.
29:53Von daher, der Spatz.
29:55Diese Basisausstattung der Natur, gibt's nur in Größe, Essen, Aschgrau.
30:00Kriegt aber mit zwei Arbeitskollegen Döner-Teller weggezogen.
30:03Respekt.
30:03Der Spatz.
30:05Der NPC aller Grünflächen, Platz drei.
30:09Platz zwei.
30:13Die Amsel.
30:14Der Ed Sheeran unter den heimischen Vögeln.
30:17Es gibt natürlich auch andere Singvögel, die richtig was auf dem Gefiedernkasten haben,
30:20aber dafür muss man sich oft an den Arsch der Heide begeben und mit einer Machete durch
30:24gottloses Gestrüpp kloppen.
30:25Oder sich von Krokodilen umringt und in dem Vollmond von Klabuckeneilen zusammenkauern und
30:29lauschen oder, keine Ahnung, Rassalgul eine Blume bringen, was weiß ich.
30:33Die Amsel jedoch kommt von sich aus einfach bei dir rum, rockt sich neben deinen Angebotsgrill
30:38und legt los.
30:39Sie ist der automatische Sendersuchlauf der Natur.
30:43Dann und wann geht sie sehr gerade und aufrecht durch den Garten und gibt Autogramme.
30:47Die männliche Amsel hat schwarzes Gefieder, die weibliche kauft bei Ulla Popkin und ist
30:52oft olivbraun, grau oder hat Streifen.
30:56So weit so Knorke.
30:59Die Amsel frisst so der Fachterminus das übliche Zeug und bleibt oft am Ort ihrer Geburt hängen.
31:05Sollten Sie also bei Ihnen im Garten einer Amsel entdecken, die vorher noch nie da war,
31:09wird woanders renoviert.
31:10Die Amsel hat nur einen Haken.
31:17Sie ist eine Drossel.
31:19Und zwar aus der Ordnung der Sperlinge.
31:22Ah, ha.
31:24Dann kann man es auch lassen, wenn Sie mich fragen.
31:26Ich meine, was ist das für eine Beisortierung für einen Vogel?
31:28Hi, ich bin Francesco Marzipane, Japaner aus Antalya.
31:31Was ist das für eine bekackte?
31:33Checkt man nicht.
31:34Aber, und was ist das für ein Lied dann?
31:38Amsel, Drossel, Fink und Starr.
31:40Sollte es nicht heißen Drossel nochmal Drossel?
31:42Fink und Starr?
31:44Oder aus Übersichtsgründen Vögel, Vögel, Vögel.
31:46Dann klingt es wie von Mickey Krause, aber man macht es nicht so viele Gedanken.
31:50Der Star ist übrigens wirklich ein Star.
31:58Denn er kann Geräusche imitieren, zum Beispiel Klingeltöne.
32:01Das ist wirklich wahr.
32:02Das hat er drauf.
32:03Deswegen gibt es auch immer wieder Hetzjacken durch die Rabatten,
32:05wenn genervte Gärtner versuchen, das Tier auf Vibration zu stellen.
32:10Die Amsel jedoch Drosselt sich da und sinkt nur.
32:13Deswegen Platz zwei, Platz eins.
32:18Die Elster.
32:20Ja, oder?
32:22Der absolute Überflieger.
32:24Die Elster ist schwer monochrom unterwegs, meist in schwarz-weiß und sehr intelligent.
32:29Sie misst fast 50 Zentimeter die Hälfte von Schwanz und ja, ich lasse den Gag einfach liegen.
32:33Elstern sind die einzigen Vögel, die sich im Spiegel erkennen.
32:41Vermutlich denken sie dann, ach, fuck, Spiegel.
32:43Aber sie können es.
32:45Man hat beobachtet, dass Elstern in der Lage sind, Probleme zu bewältigen und Werkzeuge zu benutzen.
32:51Außerdem klauen sie wie die Raben.
32:53Man sagt zwar, dass weder Elstern noch Raben klauen, das ist eine Legende,
32:57aber wenn sie je fasziniert an der Elster beobachteten, wie sie in die Zylinderkopfdichtung tauscht,
33:02räumt ihnen vermutlich zeitgleich eine andere Elster die Bude leer.
33:05Denken sie darüber, nein.
33:11Elstern stehlen nur so lange nicht, bis ihnen was fehlt.
33:14Das ist meine Theorie.
33:16Man sagt, sie haben sie insbesondere auf glänzende Gegenstände abgesehen,
33:19aber ist das dann überhaupt Stehlen oder nur eine zeitlich sehr, sehr ausgedehnte Leihgabe?
33:24Und warum benennt man eine bekannte Steuersoftware nach einem klauenden Vogel?
33:29Überfragen? Überfragen?
33:42Und wenn die Elster so klug ist und so gerne glänzende Dinge abzieht, warum ist sie nicht besser getarnt?
33:47Was denkt sie, wo sie ist? In einem Bastakiten-Film? Oder was ist das für eine Farbe?
33:50Trotzdem, die Tiere sind schlau. Sie erkennen sich im Spiegel als das, was sie sind.
33:55Vogel interessieren sich für die schönen Dinge des Lebens, sind auch für gehobene Festivitäten immer passend gekleidet.
34:01Und sie schützen ihre Jungen sehr vehement vor Feinden.
34:04Fürsorglich sind sie.
34:05Vermutlich gibt es für den Nachwuchs eigene Elsternabende.
34:08Hammer.
34:09Deswegen,
34:12ich bin fast fertig.
34:13Deswegen,
34:16Platz 1.
34:16Dankeschön.
34:23So.
34:25Ein Moment innehalten.
34:27Zu sich finden.
34:29Sich selber anfassen.
34:31Kommen wir nun zu einer Rubrik mit Tino Bommelino.
34:34Geprägt und geführt von Tino Bommelino.
34:36Die Rubrik heißt Tino Bommelino und seine Einspielmusik klingt wie folgt.
34:40Geprägt und geführt von Tino Bommelino und seine Einspielmusik klingt wie folgt.
34:49Hi.
34:55Also mein Thema heute ist
34:57unangenehme Situation.
35:02Sorry, das passiert mir sonst nie hier mit dem
35:09Also das Erste, ich finde es richtig unangenehm, Geschenke zu bekommen.
35:13Weil ich finde, jedes Geschenk ist so ein bisschen viel zu große Einmischung in mein Leben.
35:18Wenn du so eine Tasse kriegst, weißt du nie, wann du die jetzt wegschmeißen darfst.
35:21Die musst du dann das ganze Leben.
35:23Und was zu essen ist noch viel schlimmer.
35:25Wenn du jetzt so einen Kuchen kriegst, dann ist es im Prinzip, sagt der andere, sagt dir dann so,
35:28so, der, der kommt jetzt schön in deinen Körper.
35:34Ist der ganz tief, nimm dir das.
35:39Wir können aber froh sein, dass wir keine Schwäne sind.
35:41Ich glaube, das ganze Leben von Schwänen ist unangenehm und peinlich.
35:45Aber die können sich nicht auseinanderhalten.
35:47Und wenn die jetzt lästern, dann sagen die so,
35:49ey, du weißt, du glaubst nicht, was der Dings gemacht hat hier.
35:54Wie heißt der?
35:55Weiß, langer Hals.
36:00Shit, was ist du?
36:03Vor allem, ich prank auch gerne Schwäne.
36:05Könnt ihr auch gerne damit nachmachen.
36:06Und zwar, wenn du nachts einfach zwei vertauschst.
36:10Das ist voll lustig, weil die wachen die auf und dann denken die so,
36:12hä, war ich nicht der Schwann da hinten?
36:17Was auch blöd sein kann, ist, wenn man was braucht,
36:19wenn man es kaufen will, irgendwas ganz Wichtiges und dann gibt es es nicht mehr.
36:22Und dann bist du irgendwie so, ja, sagst du, mein herzliches Beileid,
36:25Sie hatten leider keine Trauerkarten mehr.
36:30Oh, shit.
36:37Was auch blöd ist, ist, wenn man,
36:38wenn man denkt, man hätte was richtig Cooles erfunden,
36:40ja, und dann geht man so und denkt,
36:42stell dir das so vor, ja, und dann stellt sich raus,
36:44nee, das gibt's alles schon, ja, hier, der Zahnbesen,
36:46dann gab's schon, oder, das Sessel-Tandem.
36:50Hm, gab's alles schon.
36:52Oh, was auch richtig unangenehm sein könnte,
36:55wenn sich rausstellt, dass
36:56der Tod, die Ehe
36:58doch nicht scheidet.
37:00Ja, dass man dann,
37:02oh,
37:03ah, das war,
37:05gut, ich geh dann.
37:23Herzlich willkommen bei der letzten Rubrik des heutigen Abends,
37:26sie heißt Spiels noch einmal, Sam,
37:28und beschäftigt sich mit den Relikten und Spielzeugen meiner Kindheit.
37:31Wahnsinnig beliebt,
37:32vor allem bei mir.
37:34Wussten Sie,
37:35dass das Spiel Blinde Kuh,
37:36Sie wissen schon,
37:38der neunjährige Ronny ist auf einem Geburtstag eingeladen,
37:40kriegt die Augen verbunden
37:41und soll dann wen fangen
37:42und reißt dann in seinem Bemühen,
37:44die schnuckelige Babsi zu erwischen,
37:46acht limitierte Kunstdrucke von den Wänden,
37:47also dieses Blinde Kuh.
37:50Wussten Sie,
37:50dass dieses Spiel eigentlich die Mexikaner erfunden haben,
37:54leicht abgewandelt allerdings,
37:56denn Blinde Kuh liegt,
37:57hab ich mal irgendwo gehört,
37:58eigentlich dem mexikanischen Rodeospiel El Toro,
38:01Ciego,
38:01übersetzt der blinde Bulle zugrunde.
38:03Hierbei hat man in den ländlichen Gegenden Mexikos
38:06alljährlich einen tonnenschweren Jungbullen
38:08mit einer Vorrichtung die Sicht genommen
38:10und zusätzlich massiv die Hoden abgeschnürt.
38:14Anschließend ließ man das zu Recht konsternierte Tier
38:16in einer 20 Quadratmeter großen Arena
38:18auf sehr dumme, sehr junge Männer los.
38:21Und da gab es immer viele Verletzte.
38:23Ein großer Spaß.
38:24Ich wollte es auch nur mal gesagt haben.
38:26Falls das überhaupt stimmt,
38:27ich weiß das gar nicht.
38:29Armer Stier.
38:30Ich bin ziemlich sicher,
38:31dass auch am funierten Birkentisch
38:33von Religionslehrern Blutflöße,
38:35wenn die mit abgeschnürten Klöten
38:37die Siedler von Katan spielen müssten.
38:39Von daher.
38:41Okay, ich glaube, die Geschichte stimmt gar nicht.
38:43Darum geht es aber auch nicht.
38:44Ich habe die nur erzählt,
38:46weil diese Rubrik ja das Wort Spiel im Titel trägt
38:48und der Gegenstand, um den es heute geht,
38:51ist eigentlich gar kein Spielzeug.
38:53Aber er war das Ziel meiner Begierde
38:55im Alter zwischen sieben und zehn.
38:57Viele werden das Teil vielleicht gar nicht kennen
38:59und sich fragen, was das jetzt hier wird.
39:01Aber das hat mich ja noch nie abgehalten.
39:03Von daher.
39:07Das Fadenmesser.
39:10Kennen Sie?
39:11Nice.
39:12Nicht verwechseln mit dem Fadenschreiber.
39:14Was kommt vorne in dem?
39:16Jeder echte Junge wollte ein Fadenmesser.
39:19Also quasi ein Messer mit feststehender Klinge.
39:22Fadenmesser.
39:23Fadenmesser.
39:23Das waren die Werkzeuge von Abenteurern,
39:25von Färtenlesern und Fadfindern.
39:27Und wenn wir einst damals auf keinen Fall waren,
39:30dann Abenteurer oder Färtenleser oder Fadfinder.
39:32Aber ich wollte trotzdem so ein Messer.
39:34Nachdem ich meinen Vater lange angebettelt hatte,
39:37bitte Fati,
39:38o du, mein Erschaffer,
39:39Herr der Welten,
39:41Lebemann und Ernährer,
39:42bitte schenke mir ein Fadenmesser.
39:43Ich will ein Mann sein wie du,
39:45hart und erdig und so voll von Verantwortung,
39:47dass die Leute rufen,
39:48hui, da ist aber einer voll von Verantwortung.
39:50Ich werde das Messer hüten wie meinen Schatz
39:53und damit agieren wie ein erwachsener Mensch
39:55im Einklang mit anderen Menschen,
39:57Tier, Natur und Gegenständen.
39:59Mein Vater blieb lange skeptisch.
40:01Also drehte ich immer noch mehr auf.
40:03Vater, o Vater,
40:06ich bitte euch sehr vor Gottes Gnaden,
40:08schenkt mir ein Messer,
40:10auf das ich Faden unternehme,
40:11euch zu ehren
40:12und euren Namen hinaus zu tragen
40:14in alle Winde.
40:16Gut will ich sein und ritterlich
40:18und von Verantwortung trunken.
40:19Vater, bei meiner Treue,
40:21nehmt mich beim Worte jederzeit.
40:23Irgendwann konnte mein Vater nicht mehr
40:25und gab nach.
40:26Und ich erhielt mein eigenes Fadenmesser so.
40:29Geh damit verantwortungsvoll um,
40:31sagte mein Vater,
40:32mahnt und legt es in meine Hände.
40:33Es hatte, so ähnlich wie hier,
40:35ein Futeral aus Leder.
40:36Ja, Futeral.
40:39Man könnte auch sagen,
40:41Köcher oder Hülle.
40:43Aber ich wähle stolz
40:44den Begriff Futeral.
40:46Denn wer Elster-Schwänze-Gags liegen lässt,
40:48sagt nicht ohne Not Scheide.
40:50Und mein Messer
40:55hatte damals einen Griff,
40:56der aussah wie ein Wildschweinfuß,
40:58aber aus Plastik.
40:58Keine Ahnung, was das für ein Tier war.
40:59Aber ich befestigte das Fadenmesser
41:03sofort am Gürtel,
41:04da ist so eine kleine Halterung,
41:06und wandte es zusätzlich
41:08mit der beiligen Lederstrippe
41:09an meinem Oberschenkel fest,
41:10damit es beim Rennen
41:11nicht herumschlockerte.
41:12Und sagte meinem Vater
41:14mit fester Stimme,
41:16ich danke euch, oh Vater,
41:18für dieses Zeichen des Vertrauens.
41:20Dies Messer wird mir Mahnung sein
41:22wie Stütze.
41:23Und euch nicht zu enttäuschen
41:25oder Kram über euer Haus zu bringen,
41:27mein oberstes Ziel.
41:28Dann ging ich.
41:30Ich zog hinaus
41:31und tat gute Dinge.
41:33Und Wohlstand und Gerechtigkeit
41:35widerfuhren vielen Menschen
41:37durch meine Hand.
41:39Mit stolzrotem Anlitz
41:40verfolgte mein Wirken der Vater
41:43oben von den Zinnen
41:44unserer Mietwohnung.
41:45Und dann?
41:47Ich war gerade elf geworden
41:49und vom Knaben zum Manne gereift.
41:52Fand ich eine Gruppe Jüngling
41:54um einen Stein versammelt,
41:56die sich mühten,
41:56um ein weiteres Fadenmesser
41:58aus eben diesem zu ziehen.
42:00Ich trat hin und griff zu.
42:02Ich tat es einfach.
42:03Die Klinge glitt aus dem Gestein.
42:06Und ich hob das Messer
42:07über den Kopf,
42:08denn es war nicht irgendein Messer.
42:10Es war das legendäre
42:11magische Fadenmesser Ingeborg.
42:13Und so
42:14wurde ich König von Lünenbrambauer.
42:19Es war ein bisschen anders,
42:20ehrlich gesagt.
42:21Nämlich
42:25so.
42:27Sieben Uhr morgens.
42:28Mein Vater gibt mir das Messer
42:29und sagt,
42:30geh verantwortungsvoll damit um.
42:31Ich nicke.
42:33Sieben Uhr 25.
42:34Ich stehe im gerammelt
42:35vor dem Schulbus,
42:36ziehe das Messer
42:36und brülle.
42:37Messer, Messer, Messer,
42:38ihr Pimmel!
42:40Dann bremst der Busfahrer
42:42abrupt und ich ramme mir
42:43versehentlich das Messer
42:43ins Bein.
42:47Sieben Uhr 44.
42:49Mein Vater wirft
42:50das Messer in die Mülltonne,
42:51dann Krankenhaus.
42:53Ich habe in meinem gesamten Leben
42:55genau 44 Minuten lang
42:56ein Fadenmesser besessen.
42:59Das war nicht gut.
43:00War aber nicht schlimm rückblickend.
43:02Ich war ruckzuck drüber weg.
43:04Sollte man gar nicht denken.
43:06Aber damals war mein Denken
43:07so sehr davon bestimmt,
43:08so ein Fadenmesser zu besitzen.
43:10Und so schnell
43:11war ich dann doch wieder
43:13davon abgerückt.
43:13Weil ich einfach
43:14dumm war wie Brot
43:15seiner Zeit.
43:16Und um das zu erkennen,
43:17reicht ein 500 Meter
43:18Fahrt mit dem Bus.
43:21Ich glaube,
43:21wegen dieses Vorfalls
43:22sagt man heute auch,
43:23was man nicht im Kopf hat,
43:24muss man in den Beinen haben.
43:27Naja.
43:29Und das nächste Mal dann.
43:31Meine Oma hat acht Schichten.
43:33Return of the Matroschka
43:34Stapelpuppe.
43:35Danke, tschüss.
43:35Das war Greta.
43:38Sie sind auch meine Gäste.
43:39Caroline Herpurt
43:40und Sino Bommelin.
43:41Ich weiß nicht,
43:45ich weiß.
43:45Oh, yeah, yeah.
43:46Oh, yeah.
43:47Oh, yeah.
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