- vor 11 Stunden
Oberinspektor Derrick - Horst Tappert /
Drehbuch - Herbert Reinecker /
Regie - Theodor Grädler
Drehbuch - Herbert Reinecker /
Regie - Theodor Grädler
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TVTranskript
00:00Franz Doktor
00:30Hallo. Ja, guten Morgen. Ja, ich habe rausgeschaut. Das Wetter ist prächtig. Ich wollte dich schon anrufen. Moment, das Wasser kocht. Ja, ich mache mir gerade Kaffee. Bleib am Apparat.
01:00Ich bin wieder da. Bitte. Moment, ich mache die Musik leise. Bleib am Apparat.
01:18Dann wird sie gräfisch.
01:21So, da bin ich wieder. Habe ich dir schon gesagt? Ja, das ist ein irrer Tag. Fahren ein bisschen los? Wann kommst du?
01:36Jetzt ist auch noch jemand an der Tür. Nein, leg nicht auf. Mit dir zu sprechen gehört zum Frühstück. Bleib am Apparat. Weißt du, ich erwarte nämlich niemand. Ich bin gleich wieder da.
01:48Ja, wer ist denn da? Wer sind Sie?
02:02Hallo? Hallo? Hallo?
02:07Was war denn das? Hörte sich an wie eine Schießerei.
02:19Fernsehen? Nein, dazu war es zu laut.
02:21Los, komm, schnell. Rein. Komm, schnell, komm.
02:37Ruf den Hausmeister an. Sag, dass hier etwas passiert ist. Und, dass ein Mörder gleich mit dem Fahrstuhl nach unten kommt.
02:45Ja, dann ging die Fahrstuhltüre zu und das war alles. Aber gesehen haben es dich besser nicht mehr.
02:52Nein, nein, der Fahrstuhl fuhr nach unten und...
02:55Ich krieg sie nicht auf.
02:59Danke.
03:15Der Mann ist tot. Ich mach nur noch zur Dokumentation.
03:37Ja.
03:51Ja.
03:51Ja.
04:07Was ist denn hier passiert?
04:12Mord. Hier ist jemand ermordet worden. Drei Schüsse. Durch die Tür.
04:17Ja, heutzutage kann man nicht mehr ohne Angst vor die Tür treten.
04:24Also das übliche Routineuntersuchung. Ich will wissen, wer der Mann ist.
04:29Das ist Arno Beckmann.
04:37Er wurde erschossen, als er mit mir telefonierte.
05:04Bitte, wie ist Ihr Name?
05:05Martha Hauser.
05:08Ich danke Ihnen, dass Sie gekommen sind. Sie sind eine große Hilfe für uns.
05:12Ich rief ihn an. Wir hatten uns verabredet, den Tag gemeinsam zu verbringen.
05:17Er machte sich gerade Kaffee. Ich hörte den Wasserkessel.
05:21Er sagte, bleib am Apparat.
05:23Er kam zurück und ich hörte, dass die Türglocke läutete.
05:27Wieder sagte er, leg nicht auf. Das Gespräch mit dir gehört zum Frühstück.
05:32Hat er gesagt, wer an der Tür war?
05:34Nein, er wusste es nicht. Er sagte, ich erwarte niemanden. Ich bin gleich wieder da.
05:41Und dann hörte ich die Schüsse.
05:45Entschuldigen Sie, wie ist Ihre Beziehung zu dem Toten?
05:50Er ist mein Freund.
05:51Ich gebrauche diesen Ausdruck, obwohl er missverständlich ist.
05:56Dennoch kann man von einer engen, sehr engen Beziehung sprechen.
06:01Missverständlich?
06:02Ja, im gebräuchlichen Sinn, der aber hier nicht gegeben ist. Das meine ich.
06:08Wie lange bleibt er da so liegen?
06:20Bis er abtransportiert wird ins Institut für Rechtsmedizin.
06:23Ich frage das, weil er keine Angehörigen hat.
06:28Ich will sagen, weil jemand da ist, der sich um ihn kümmert.
06:32Und natürlich auch wissen will, wer ihn umgebracht hat.
06:35Erlauben Sie, dass ich etwas trinke? Ich kenne mich hier aus.
06:38Das dürfen Sie leider nicht.
06:40Darf ich nicht?
06:41Diese Wohnung gehört mir.
06:42Ja, trotzdem.
06:46Mein Kollege hat leider recht.
06:53Können wir den Toten jetzt wegbringen?
06:58Ja, ja, natürlich. Wenn er fertig sagt.
07:12Ich will Ihnen sagen, woran ich jetzt denke.
07:39Jetzt, wo man ihn da hinausträgt.
07:41Ich denke daran, wie er hereinkam in diese Wohnung.
07:46Und wie ich ihm sagte, diese Wohnung gehört jetzt dir.
07:50Er wollte es gar nicht glauben.
07:53Nein, nein, das glaube ich nicht. Wieso mir?
07:57Oder ist das dein Ernst?
08:00Ich sag dir, wenn ich drauf komme.
08:03Ich kann mir nicht vorstellen, dass du mit sowas Spaß machst.
08:08Also sag jetzt Ja oder Nein.
08:11Ich sagte ihm, ich mache keinen Spaß.
08:14Ich sagte ihm, es ist kein Spaß.
08:16Ich möchte, dass du dich irgendwo zu Hause fühlst.
08:21Und dann ging er herum.
08:23Auf seine Weise.
08:25Er ging nicht.
08:26Er lief.
08:27Eine Küche. Eine Küche.
08:51Alles da.
08:52Er saß sich alles an.
08:58Mach dir jedes Fach auf.
09:08Was mache ich?
09:10Martha, du siehst doch, was ich mache.
09:11Ich kann das nicht.
09:13Ich habe im Leben immer nur kaputt gemacht.
09:14Und er saß da und lachte.
09:31Und lachte.
09:35Und lachte.
09:36Und dieses Lachen hat man gerade abtransportiert.
09:44Ich meine, wir müssen natürlich mehr wissen über den Toten, nicht?
09:47Wie lebte er?
09:48Was hat er gemacht?
09:49Was ist er vom Beruf?
09:50Er hatte keinen Beruf.
09:52Keine Ausbildung.
09:53Nichts.
09:55Vor einem halben Jahr lernte ich ihn kennen.
09:58Man hatte ihn gerade aus dem Gefängnis entlassen.
10:00Aus dem Gefängnis?
10:01Ja, ich nehme an, dass Sie keine Mühe haben werden, herauszufinden, wer er war.
10:07Und warum er dort war.
10:09Hier, Stefan.
10:11Arno Beckmann, sein Sündenregister.
10:13Kleine Betrüger, Partiebstähle.
10:14Nichts Großes.
10:15Aufgewachsen in einem Waisenhaus.
10:18Und gelernt hat er so gut wie gar nichts.
10:19Und dann begegnet ihm eine gebildete, wohlhabende Frau.
10:22Und sie schenkt ihm ein Apartment.
10:25Weil sie einen Geliebten gebraucht hat.
10:26Und wie sagte sie?
10:28Er war mein Freund.
10:29Und bitte missverstehen Sie das nicht.
10:33Widersetzen Sie sich doch.
10:34Ja, danke.
10:41Beckmann ist ermordet worden.
10:43Ja, aber erstaunt waren Sie ja schon bei meinem Anrufdoktor.
10:48Was Sie gewundert hat.
10:51Ich will Ihnen sagen, warum.
10:53Weil es nicht zu ihm passt.
10:55Dieses Ende passt nicht zu seinem Leben.
10:58Nicht zu dem, was war.
11:00Und wenn ich Ihnen sagen soll, was Beckmann war.
11:06Ein Nichts.
11:07Was?
11:08Wann?
11:10Wann ist man ein Nichts?
11:12Wenn man kein Selbstwertgefühl hat.
11:15Und Beckmann hatte keins.
11:17Überhaupt keins.
11:19Was kein Wunder ist.
11:21Keine Eltern.
11:23Im Waisenhaus groß geworden.
11:26Woher sollte er es nehmen, ohne es zu stehlen?
11:29Und gestohlen hat er dann.
11:31Das, was andere besaßen, und er nicht.
11:33Doktor, Sie als Psychologe.
11:38Ich meine, Sie haben ihn doch betreut, nicht?
11:41Aber er war kein interessanter Fall für Sie.
11:46Im Endergebnis nein.
11:48Ich erinnere mich an meine letzte Begegnung mit ihm.
11:52Man hatte ihn gerade entlassen.
11:53Er war hier, weil ich meinen Bericht über ihn zu Ende bringen wollte.
11:57Ich sagte, Beckmann, was haben Sie nun vor?
12:01Er war umwerfend ehrlich.
12:04Ich habe keine Ahnung.
12:05Machen Sie sich denn überhaupt keine Gedanken, Beckmann?
12:08Doch.
12:10Ich mache mir Gedanken.
12:12Aber vielleicht stelle ich mir zu viel vor.
12:15Und dann geht das alles hier in meinem Kopf durcheinander.
12:20Womit er zweifellos recht hatte.
12:23In seinem Kopf herrschte in der Tat ein Durcheinander.
12:25Er besaß eine Grundintelligenz, die sich,
12:30lassen Sie es mich mal auf meine Weise sagen,
12:33die sich noch nicht die Schuhe angezogen hat,
12:36das Laufen noch nicht gewöhnt war.
12:39Ich sagte, Beckmann, Sie haben das Zeug, damit umzugehen.
12:42Warum lernen Sie so etwas nicht?
12:46Ich fing an, ihm zu erklären.
12:49Die Maus.
12:50Ich lasse die Maus laufen.
12:53Sehen Sie?
12:54Sehen Sie?
12:55Die Maus.
12:59Er spielte.
13:00Er war im Spiel wie ein Kind.
13:03Er saß da und lachte.
13:05Und lachte?
13:06Ja, er lachte.
13:09Das Lachen, das man nun abtransportiert hat.
13:13Wie?
13:14Was?
13:15Nein, nichts.
13:17Sie haben Beckmann dann aus Norden verloren, nicht?
13:19Ja, bis heute.
13:22Heute höre ich von Ihnen, dass er tot ist.
13:26Könnte man sagen, dass das Nichts jetzt endlich da ist, wo es hingehört?
13:31Beckmann hatte einen Zellengenossen, der früher als er entlassen wurde
13:34und der ihn von der Strafanstalt abholte.
13:36Der Mann heißt Leo Körner.
13:39Ein Zellengenosse verbüßte eine Strafe als Heiratschwindler.
13:45Na?
13:46Wird es jetzt interessanter?
13:47Kriminalpolizei?
13:53Das muss ein Irrtum sein.
13:55Ich bin, wie man so gerne sagt, ein gebesserter Bösewicht.
13:57Dem ich eine traurige Nachricht überbringen muss.
14:01Die nichts mit mir zu tun haben kann.
14:03Arno Beckmann ist tot.
14:05Er ist ermordet worden.
14:09Kommen Sie rein.
14:14Bitte.
14:16Der Kleine ist tot.
14:17Der Kleine?
14:18Ja, das habe ich nicht mehr genannt.
14:20Weil es war der Kleine, der Minimale.
14:24Der Kleine war als Minimaler ganz unten.
14:28Da, wo man gerade anfängt, überhaupt bemerkt zu werden.
14:30Aber hier sagen Sie mir doch mal, wer hat ihn umgebracht und wie?
14:36Täter ist noch unbekannt.
14:37Drei Schüsse durch die Wohnungstür hindurch hinter der Stand.
14:42Wohnungstür?
14:43Der Kleine hatte eine Wohnung?
14:44Ein Apartment.
14:45Frau hat es ihm geschenkt.
14:51Wissen Sie, dass Sie mich ganz fertig machen?
14:52Mach ich.
14:53Ja, mit so einer Geschichte.
14:56Eine Frau hat ihm eine Wohnung geschenkt?
15:00Ja, jetzt erzählen Sie mir doch mal, warum Sie hier sind.
15:03Doch nicht nur, um mir zu sagen, dass er tot ist.
15:06Ich muss unbedingt, unbedingt muss ich wissen, wer dieser Arno Beckmann wirklich war.
15:14Was für Töne höre ich denn da?
15:16Ein Polizist will wissen, wer man ist.
15:22Wer der Kleine war, also okay.
15:25Ich habe den Kleinen abgeholt, aus dem Knast.
15:32Ich habe ihm gesagt, so Kleiner, jetzt wird dir das Essen nicht mehr durch die Luke geschoben,
15:39sondern das musst du dich jetzt selber auf den Tisch stellen.
15:43Irgendwas musst du machen.
15:45Ist dir das klar?
15:46Ich fand ihn dann in einer Boxstuhle, in einem Ring, wo er gnadenlos verdroschen wurde.
16:00Hallo, Arno.
16:12Hallo, Leo.
16:14Ich kann nur mal erklären, was du hier machst.
16:17Gibt es in den Boxen dein Geld verdienen?
16:20Ich weiß nur, dass ich kein Boxer bin.
16:23Aber die brauchen doch immer einen, der verliert.
16:26Er sagte, die brauchen doch immer einen, der verliert.
16:29Und jetzt hat er wohl verloren.
16:36Irgendwie reicht dir das wohl nicht, was ich sage.
16:38Okay, okay.
16:40Obwohl es mir schwerfällt, hier zuzugeben, dass es vielleicht ein Fehler war,
16:45den ich gemacht habe und der, wenn es denn einer war, mir leidtut.
16:51Sie wissen wohl, weswegen ich im Knast war?
16:53Ja.
16:54Okay, okay.
16:54Okay.
16:56Ich nahm also den kleinen Verprügelten mit nach Hause.
16:59Hierher.
17:02Arno, du musst etwas loswerden.
17:05Du musst loswerden, das Verlieren dir Spaß macht.
17:09Sonst bist du verloren, wenn du dich daran gewöhnst.
17:11Und das tust du.
17:13Du hast ja recht, Leo.
17:16Aber ich kann ja nichts.
17:19Jetzt kommt es dich darauf an, was du kannst.
17:21Sondern wer du bist.
17:22Jetzt verstehst du mich wohl nicht, ja?
17:30Naja, du, du wirst es mir ja erklären.
17:33Also gut.
17:34Ich fange mal an.
17:35Ja.
17:37Arno, du siehst gut aus.
17:38Absolut.
17:39Ich halte mal die Klappe.
17:41Ich wiederhole.
17:42Du siehst gut aus.
17:45Wenn man mal von dem blauen Auge da absieht,
17:47das in deinem Gesicht nichts verloren hat.
17:51Ich hatte eine Idee, wissen Sie.
17:53War nur noch nicht ganz sicher.
17:54Ich habe seine Chancen abgeschätzt,
17:57die er haben würde.
17:58Chancen in dem Job,
18:00den ich aufgegeben habe.
18:04Sie haben das richtig verstanden, ja?
18:07Ich sagte zu ihm,
18:09versuch dich doch mal in meinem Job.
18:11Frauen.
18:12Da musst du nichts können.
18:13Du musst doch was sein.
18:16Frauen?
18:17Irgendwie war er ganz überrascht.
18:19Als hätte ich ihm was gesagt,
18:20mit dem man nun gar nichts anfangen konnte.
18:22Du guck mich nicht an wie ein Kalb.
18:24Frauen.
18:25Ist das ein Fremdwort für dich?
18:26Nein, nein, entschuldige.
18:28Aber was meinst du, was ich da...
18:30Also, was will ich da tun?
18:32Ich habe dir doch gesagt, ich kann nichts.
18:34Bei Frauen musst du nichts können.
18:36Da musst du was sein.
18:38Hast du kein Gefühl?
18:40Das Gefühl, das musst du ihn auf den Tisch legen.
18:43Oder wohin auch immer.
18:46Wenn du gerade den richtigen Nerv triffst,
18:49dann hast du gewonnen.
18:51Dann bist du ganz oben auf.
18:53Dann wird dir das Essen nicht mehr durch die Luke zugeschoben.
18:56Dann heißt es,
18:57nehmen Sie doch Platz, Herr Beckmann.
18:59Wollen Sie sich nicht setzen, Herr Beckmann?
19:03Was darf es denn sein,
19:05Herr Beckmann?
19:05Sie sprachen also von Ihrem Job?
19:11Den ich aufgegeben habe.
19:14Ich sagte zu ihm, Ahnung, Frauen.
19:16Frauen sind großzügig, aber auch wahnsinnig leichtsinnig.
19:19Aber damit hängt das ja zusammen.
19:21Wer großzügig ist, der ist ja auch leichtsinnig.
19:23Mann, oh Mann.
19:26Wenn du da jemand hast, da sprudelt die Quelle.
19:29Aber etwas darf nie über deine Lippen kommen.
19:31Das Wort Heirat.
19:33Sie wissen, was ich meine.
19:34Ja, natürlich.
19:35Weil es keine Anleitung zu einer Straftat hat.
19:38Ja, logisch, dass ich auf diese Feststellung wertlege.
19:40Ja, aber das verstehe ich doch, du glaubst.
19:42Ja, und was war mit Arno Beckmann?
19:45Ging er auf Ihr Angebot ein?
19:46Ja.
19:48Aber irgendwie hatte ich das Gefühl,
19:51so richtig hat er mich gar nicht verstanden.
19:52Ich habe ihm dann ein paar Lehrstunden gegeben.
19:59Er war auch ganz anstellig.
20:00Ich könnte auch sagen, er war Feuer und Flamme.
20:04Ja, ich habe dich völlig verstanden, Leo.
20:06Es kommt darauf an, dass man ständig gut gelaunt ist.
20:08Die Frauen müssen das Gefühl haben, dass...
20:10Was für ein Gefühl müssen sie haben?
20:12Ja, dass sie das Größte sind.
20:14Und sie müssen das Gefühl haben, dass du einen Kopf hast.
20:17Ich spreche von deinem Kopf.
20:19Arno, hast du das mitgekriegt?
20:21Ja, Leo.
20:22In deinem Kopf, in dem sie den Platz, der da vorhanden ist,
20:26völlig ausfüllen.
20:28Das ist nämlich das größte Glück der Frauen,
20:30dass da jemand ist, der nur sie.
20:32Und nur sie im Schädel hat.
20:35Im Kopf anderer Leute, Arno,
20:37fühlen sich Frauen ungeheuer wohl.
20:41Okay, Leo, okay.
20:44Wenigstens dachte so, als ob er alles verstanden hätte.
20:47Er sagte ständig, okay, Leo, okay.
20:50Ich hätte ihm einen neuen Anzug gekauft.
20:54Der hüpfte damit herum wie ein Hahn.
20:56Ich habe es vor dem Spiegel geübt.
20:58Ich frage dich mal, Leo, kann ich jemandem so gefallen?
21:01Du musst es nicht übertreiben.
21:02Ein Mann, der einer sein will, der bewegt sich locker.
21:06Der hüpft nicht herum.
21:07Ich hüpfe herum?
21:10Ja.
21:12Du hüpfst herum.
21:14Ja, und dann?
21:16Dann war er wieder ganz bekümmert.
21:19Ich habe ihn dann auf die freie Wildbahn geschickt.
21:21Ja, wie denn?
21:22Mit einer Anzeige in der Zeitung.
21:24Aha, der Text?
21:25Ach, das Übliche.
21:28Nein, so üblich war es eigentlich nicht.
21:30Ich suchte für Arno einen besonderen Text.
21:34Hinweis für Dahn.
21:35Fehlt Ihnen ein guter Freund?
21:36Ich könnte einer sein.
21:38Schiffel und so weiter.
21:39Was sagen Sie zu dem Text?
21:42Hat sich jemand gemeldet?
21:43Ja.
21:45Ich war ganz überrascht.
21:48Er stand da.
21:50Hatte die ganze Hand voller Briefe.
21:51Ich dachte, was sehe ich denn da?
21:54So viele Frauen, die sich für einen guten Freund interessieren?
21:57Sind gute Freunde Mangelware geworden?
22:01Und der Kleine, der Minimale stand da.
22:06Völlig ratlos.
22:10Leo, was mache ich jetzt?
22:13Du setzt dich hin, liest dir alles durch und dann...
22:18Mein Gott, muss ich dir alles erklären?
22:20Muss ich dir alles sagen?
22:21Manni, Manni, Manni, das riecht man doch, wer es hat.
22:23Und wo es zu kriegen ist, ha?
22:25Ich habe ihn dann allein gelassen.
22:29Ich habe ihn überhaupt allein gelassen.
22:31Ich hatte eine Freundin.
22:32Eine, die mir verziehen hat.
22:35Mit der ich dann nach Spanien gefahren bin.
22:40Tja.
22:43Das ist das Ende meiner Geschichte.
22:46Mit meinem Zellengenossen Arno Beckmann.
22:48Vor dem Sie mir jetzt sagen, dass er tot ist.
22:53Ein klarer Fall.
22:58Arno Beckmann war nichts weiter als ein Heiratsschwindler.
23:02Grotesk eigentlich.
23:04Als Heiratsschwindler ist er umgebracht worden.
23:06Ja, ja, schon, aber da passt Verschiedenes einfach nicht zusammen.
23:15Da schüsse durch eine geschlossene Tür hindurch, eine Art Hinrichtung eines Menschen,
23:23der von sich sagt, ich mache alles kaputt, was ich anfasse, und dabei lacht.
23:27So herzlich, dass seine Frau einem Sarg nachschaut und sagt, man hat sein Lachen abtransportiert.
23:37Er ist Menschen, der sagt, sie brauchen doch immer jemanden, der verliert.
23:44Na, und dann steht er da mit einer Handvoll Briefe und fragt einen versierten Heiratsschwindler,
23:51Leo, was mache ich damit?
23:52Text der Anzeige, fehlt Ihnen ein guter Freund?
23:58Ich könnte einer sein.
23:59Ich habe Sie schon erwartet.
24:10Danke.
24:12Haben Sie seinen Mörder ausfindig gemacht?
24:15Nein, nein, das noch nicht.
24:18Wir recherchieren noch.
24:21Die Leiche ist noch nicht freigegeben?
24:22Nein.
24:22Ich habe eine Grabstätte besorgt, für den Fall, dass es keinen anderen gibt, der sich dafür zuständig fühlt.
24:30Das ist gut.
24:30Ich sehe weit und breit niemanden, der sich, wie Sie sagen, dafür zuständig fühlt.
24:35Wollen wir eine Tasse Tee zusammentrinken?
24:37Gerne, ja.
24:38Bitte.
24:47Zitrone, Milch, Zucker?
24:48Nein, danke.
24:49Ich nehme ihn zu, danke.
24:50Ja, ich auch.
24:51Danke, Maria.
24:52Sie können mir jede Frage stellen.
25:00Also haben Sie keine Angst vor Fragen?
25:03Haben Sie mal auf einer Anzeige geschrieben, die in der Zeitung stand, unter Bekanntschaften?
25:11Fehlt Ihnen ein guter Freund?
25:12Ich könnte Ihnen einer sein?
25:15Ja, meine Freundin machte mich auf die Anzeige aufmerksam.
25:18Die sie kurios fand.
25:20Ich übrigens auch.
25:20Meine Freundin und ich haben uns unterhalten über den Begriff guter Freund.
25:26Was ist das eigentlich?
25:28Was versteht man darunter?
25:31Unsere Unterhaltung führte schließlich dahin, dass wir uns sagten,
25:34offenbar gibt es jemanden, der weiß, was ein guter Freund ist.
25:38Fragen wir ihn doch einfach.
25:39Da steht er.
25:43Da steht er.
25:45Der da?
25:47Wie er da stand, machte er keinen guten Eindruck.
25:51Es war kalt und man sah das er froh.
25:54Also mich interessiert er nicht sehr.
25:57Oder glaubst du, er kann uns sagen, wie er sich einen guten Freund vorstellt?
26:00Ehrlich gesagt, ich konnte es auch nicht.
26:05Wir lassen ihn einfach da stehen.
26:07Aber das wollte ich nicht.
26:13Er tat mir leid.
26:14Nein, da war noch etwas anderes dabei.
26:19Ich glaube, ich muss das erklären, weil es nicht unwichtig ist.
26:23Und es kommt mir sehr darauf an, von Ihnen richtig verstanden zu werden.
26:26Was war noch dabei?
26:27Eine merkwürdige Rührung beim Anblick eines zweifellos völlig unbedeutenden Menschen,
26:36der dann in der Kälte stand.
26:39Außerordentlich geduldig, denn er bewegte sich kaum.
26:45Ja, ich glaube, ich muss es wohl sagen.
26:49Ich spürte...
26:53Sagen Sie es.
26:57Einsamkeit.
27:02Meine Einsamkeit.
27:07Ich sah da jemanden stehen, mit dem ich nicht das Geringste verbannt.
27:12Aber es war eine Szene, in der ich genau das erkannte.
27:16Meine Einsamkeit.
27:21Ich sagte, ich steige aus.
27:24Ich sehe ihn mir mal an.
27:27Ich sagte, hallo.
27:37Kann das sein, dass wir beide miteinander verabredet sind?
27:40Er war ganz verwirrt.
27:41Ja, ich bin hier, weil...
27:47Weil ich bin hier verabredet mit...
27:50Ach, sind Sie das?
27:52Es sieht so aus, als ob ich es bin, mit der Sie sich verabredet haben.
27:55Warten Sie schon lange her?
28:03Nein.
28:05Das heißt, ich bin etwas früher gekommen, weil...
28:08Weil ich wollte keinen Fehler machen.
28:12Und dann hörte er auf zu reden.
28:15Sah mich nur an.
28:17Wissen Sie, er bot mir was an.
28:19Sein Lächeln.
28:23Er bot mir sein Lächeln an.
28:27Ich sagte, was machen wir denn jetzt?
28:30Er wusste es nicht, er hatte keine Idee.
28:33Du liebe Zeit, dachte ich, worauf hast du dich da eingelassen?
28:37Ich wollte ihn stehen lassen, aber ich konnte es nicht.
28:40Weil da noch etwas war.
28:41Es war seine...
28:44Ich verwende jetzt ein Wort, das Sie verwundern wird.
28:48Seine Ehrerbietung.
28:52Da ergriff ich die Initiative.
28:55Ich nahm ihn mit in ein Café.
28:58Im Handumdrehen erzählte er mir alles.
29:02Sagen wir so, bekam ich es heraus.
29:06Weißenhaus, Diebstähle, Gefängnis.
29:09Sein Freund, ein Heiratsschwindler.
29:11Hatte ihn auf die Idee gebracht, eine Anzeige aufzugeben.
29:15Er erzählte das, ohne damit eine Absicht zu verbinden.
29:18Es war reine Ehrlichkeit.
29:21Und mit dieser Ehrlichkeit,
29:23die übrigens ständig sichtbar und spürbar war,
29:27stellte sich wie von selbst etwas ein.
29:31Nähe.
29:33Nähe zu einem anderen Menschen.
29:36Die mir gut tat.
29:37Weil mir das Erlebnis,
29:41einem anderen Menschen nahe zu sein,
29:45verloren gegangen war.
29:47Guten Tag, Herr Hauser.
29:55Wir haben Besuch?
29:56Ja.
29:57Aha.
29:59So.
30:02Guten Tag.
30:03Guten Tag.
30:04Darf ich bekannt machen?
30:05Mein Mann,
30:06Oberinspektor Derek von der Mordkommission.
30:09Von der Mordkommission?
30:11Ach ja.
30:12Ach, das handelt sich da wohl um...
30:14Um Arno, ja.
30:15Um Arno.
30:17Ja, der arme Kerl wurde durch eine Tür hindurch erschossen.
30:21Aber bitte behalten Sie doch Platz.
30:23Danke.
30:23Nun, gibt es etwas Neues?
30:33Der Täter?
30:34Den haben wir noch nicht.
30:37Der Grund interessiert uns.
30:40Nun, es interessiert uns natürlich,
30:42wer dieser Arno Beckmann eigentlich war.
30:45Und da habe ich halt Ihre Frau gefragt, weil...
30:49Weil sie ihn gut kennt.
30:50Äh, pardon.
30:50äh, gekannt hat.
30:51Verstehe.
30:53Ja, naja, ich...
30:55Ich erfuhr, dass Ihre Frau ihm eine Wohnung geschenkt hat.
30:58Na, geschenkt nun wohl gerade nicht.
31:01Sie hat ihn kostenlos wohnen lassen,
31:03was ihm sicher gut gefallen hat,
31:04nach seinen Jahren in der Gefängniszelle.
31:08Nicht?
31:08Sie wundern sich darüber.
31:11Ja, genauso wie ich mich gewundert habe.
31:13Aber, äh, ich habe es schließlich, äh, angenommen.
31:17Es war für mich so eine Art von, ähm,
31:19Gefängnisfürsorge.
31:22Oder wie haben wir das noch genannt?
31:24Du hast es so genannt.
31:26Ein karitativer Zeitvertrag.
31:29Konntest du zur Aufklärung des Falles etwas beitragen?
31:33Nein.
31:37Sind Sie mit dem Fall in Schwierigkeiten?
31:39Sind Sie in Schwierigkeiten?
31:48Ja.
31:49Ja, ja, natürlich, der Fall ist schwieriger, als ich dachte.
31:52Äh, aber...
31:54Er ist doch ganz interessant.
31:57Wenn Sie meine Meinung wissen wollen,
31:59ein kleiner Ganova,
32:01der aus seiner Ganovenwelt trotz aller Anstrengungen
32:04nicht herausgekommen ist.
32:05Ich wüsste nicht,
32:07was an diesem Fall
32:08interessant sein soll.
32:17Störe ich?
32:19Nein, du störst nicht.
32:21Das ist meine Tochter.
32:22Guten Tag.
32:24Wieso stört sie nicht?
32:26Natürlich stört sie.
32:28So wie ich auch.
32:28Komm, mein Kind.
32:33Ich habe Ihnen da ein Stichwort gegeben.
32:36Ganovenwelt.
32:38Denken Sie drüber nach.
32:39Komm.
32:40Worum geht es denn?
32:41Es geht um eine Angelegenheit deiner Mutter.
32:44Also, komm.
32:50Kann ich noch irgendetwas für Sie tun?
32:52Nein, äh...
32:53Nein, nein, ich danke Ihnen.
32:55Ach, warten Sie mal.
32:57Ich hätte gern den Namen Ihrer Freundin,
32:59mit der zusammen Sie die erste Begegnung
33:01mit Arno Beckmann hatten.
33:03Sie heißt Ilse Stein.
33:05Sagen Sie bitte,
33:06was ich noch gerne wissen möchte.
33:08Was für einen Eindruck haben Sie
33:09von Arno
33:10nach dem, was Sie so über ihn hören?
33:14Tja, das würden Sie mir nicht glauben.
33:19Es ist tatsächlich ein Freund.
33:22Ja.
33:23Ich habe ihn kennengelernt.
33:25Ich war ganz einfach neugierig.
33:30Martha sagte,
33:31er hätte etwas,
33:32was sonst keiner hat.
33:35Was Besonderes.
33:38War er denn was Besonderes?
33:41Das Erste, was er sagte,
33:43ob ich Geld hätte.
33:45Und ich dachte,
33:47so läuft das.
33:49Aber er war im Jogginganzug
33:52und fragte,
33:53ob ich mir nicht auch einen kaufen könnte.
33:56Wissen Sie, was ich getan habe?
34:00Ich habe mir den Jogginganzug gekauft
34:03und bin mit ihm losgerannt.
34:06War das das Besondere?
34:07Nein.
34:11Eigentlich war es nur komisch.
34:14Ich im Jogginganzug.
34:19Wir saßen nur da
34:21und das war
34:22irrsinnig schön.
34:24Und ich dachte mir,
34:25das ist wirklich ein netter Kerl.
34:27Es war so,
34:28als hätte er gehört,
34:29was ich nur gedacht habe.
34:30Er berührte meine Hand
34:32und irgendwie hatte ich ein Gefühl,
34:36das mir gefiel.
34:38Er berührte meine Hand
34:39und ich dachte,
34:43es könnte ruhig mehr sein.
34:46Nicht, dass Sie denken,
34:47dass ich darauf aus wäre,
34:49aber
34:49da war etwas Besonderes.
34:54Da ist jemand neben einem
34:56und
34:57man braucht nur die Hand auszustecken.
35:00Und da ist jemand.
35:09Können Sie sich vorstellen,
35:10wer ihn getötet hat?
35:13Das weiß ich doch nicht.
35:16Das kann doch keiner sagen.
35:19Ich weiß nur,
35:20dass das Ganze sehr traurig ist.
35:26In der Anzeige hieß es,
35:28fehlt Ihnen ein guter Freund.
35:30Das weiß ich ja.
35:34Ich habe die Anzeige entdeckt.
35:39Haben Sie einen guten Freund verloren?
35:45Ja.
35:45Sie sind verheiratet, verstanden?
35:56Ja.
35:57War Ihr Mann damit einverstanden,
35:59dass Sie einen guten Freund hatten?
36:01Das ging Ihnen doch nichts an.
36:05Ach so.
36:07Wollen Sie sagen,
36:07er hat sich gar nicht dafür interessiert?
36:09Er fand es nur komisch.
36:13Er hat nur darüber gedacht.
36:16Sagen Sie Ihrem Mann,
36:19sagen Sie ihm,
36:19dass ich ihn aufsuchen werde.
36:21Sie wollen ihn aufsuchen?
36:23Wozu?
36:25Ich danke Ihnen für Ihren Besuch.
36:26Ich danke Ihnen.
36:35Bitte sehr.
36:36Bitte sehr.
36:41Haben wir jetzt was Wichtiges erfahren?
36:42Ja, da war ein Satz,
36:46der sehr wichtig ist.
36:48Sie sagte,
36:49da war was Besonderes.
36:51Man braucht nur die Hand auszustecken
36:53und da ist jemand.
36:59Vielleicht ein wichtiger Satz.
37:02Ich denke,
37:04ein Schlüsselsatz.
37:07Herr Oberinspektor,
37:11Sie machen sich die Mühe,
37:13mich zu besuchen.
37:15Na ja,
37:15Sie werden wissen, warum.
37:17Gut,
37:17ich werde mir die Mühe machen,
37:19Ihnen zuzuhören.
37:20Wobei ich leider sagen muss,
37:21dass meine Zeit begrenzt ist.
37:23Ich stecke bis zum Hals in Arbeit.
37:25Ich werde Rücksicht darauf nehmen,
37:26so gut es geht.
37:28Danke.
37:31Sie kommen
37:32in der Sache Beckmann?
37:37Ja,
37:37ich komme
37:38in der Sache Beckmann,
37:41ja.
37:43Sie ist also noch nicht abgeschlossen?
37:45Nein, noch nicht.
37:47Für mich ja.
37:49Die Tür ist erneuert worden,
37:51die hässlichen Löcher
37:52sind nicht mehr zu sehen.
37:53Wir werden die Wohnung verkaufen
37:54an jemanden,
37:55der dann ohne Bedenken
37:57die Tür auf und zu machen kann.
37:59Also,
38:01schießen Sie los.
38:02Haben Sie Beckmann mal kennengelernt?
38:06Ich?
38:08Ist das interessant für Sie?
38:10Na ja,
38:11ist nicht uninteressant.
38:14Okay,
38:15also,
38:15ich habe mir diesen
38:16seltsamen Vogel mal angesehen.
38:19Meine Frau
38:20hatte da
38:21mit einmal
38:22ein Fäbel,
38:24ich weiß gar nicht,
38:25wie man das anders nennt,
38:26ich habe es bis heute
38:27nicht daraus bekommen.
38:28Startet einen Menschen aus
38:29mit Wohnung,
38:31Kleidung,
38:32Essen.
38:33Ich habe gelernt,
38:36mit Geld umzugehen.
38:38Geld ist mein Geschäft.
38:40Um es auf einen
38:40populären Nenner zu bringen,
38:42man muss sorgen,
38:42dass es kommt
38:43und verhindern,
38:44dass es geht.
38:46Also habe ich mir mal
38:47angesehen,
38:48wohin es geht.
38:50Ich kam unangemeldet,
38:56sah mir den Mann an
38:57und dachte,
39:00der,
39:01was ist denn das für einer?
39:06Mein erster Eindruck war,
39:08ach was,
39:08ich hatte überhaupt keinen Eindruck.
39:11Mein Eindruck war,
39:12dass er gar keinen Eindruck verdient.
39:15Er war
39:15nichts.
39:20Sagen Sie mal,
39:27was machen Sie eigentlich?
39:29Was tun Sie?
39:30Was haben Sie gelernt?
39:33Haben Sie überhaupt etwas gelernt?
39:37Er stotterte nur.
39:39Ich habe...
39:40Wenn ich es bedenke,
39:41hat er während der ganzen Zeit
39:42keinen einzigen,
39:44vernünftigen Satz herausgebracht.
39:46Sind Sie Alkoholiker?
39:47Ich kannte die Flaschen.
39:51Den Geschmack meiner Frau.
39:53Die Marken,
39:54die sie bevorzugt.
39:56Okay.
39:59Okay.
40:02Wohin?
40:03Ich habe mir den Kleiderschrank
40:04angesehen.
40:07Mit der Garderobe
40:08kann sie sich sehen lassen.
40:09Mhm.
40:11Nichts dagegen.
40:13Naja.
40:14Wenn meine Frau
40:15schon mal mit Ihnen ausgeht,
40:16dann sollen die Leute
40:17ja nicht sagen können,
40:18was ist denn das für ein Sträuß.
40:20Obwohl Sie natürlich einer sind.
40:25Darf ich Sie mal fragen,
40:28wie Sie hier schlafen?
40:31Das war eigentlich alles.
40:34Haben Sie mit Ihrer Frau
40:35darüber gesprochen?
40:36Ja.
40:37Natürlich.
40:38Ich sagte ihr,
40:40ich habe mir diesen Mann angesehen
40:42und ich kann nur fragen,
40:45was zum Teufel ist los mit dir?
40:48Du hältst dir da so etwas
40:49wie einen Kanarienvogel
40:51in einem ziemlich teuren Vogelbauer
40:53und worauf sie sagte,
40:55ist es das, was dich stört?
40:58Und sie sagte,
40:59den Vogelbauer,
41:00den bezahle ich mit meinem Geld.
41:02Womit sie recht hat,
41:03denn sie hat genug eigenes Geld.
41:05Okay, sagte ich.
41:07Das ist deine Sache.
41:10Verstehen Sie mich richtig?
41:12Ich bin nicht mehr daran interessiert,
41:15länger daran interessiert,
41:16über diesen Mann weiter nachzudenken.
41:19Reiner Zeitverlust.
41:22Haben wir es jetzt?
41:24Was?
41:24Oh ja, wir haben es jetzt.
41:27Ja.
41:27Stören wir?
41:33Nein, nein, bleibt nur hier.
41:35Es wird euch interessieren,
41:36wer gerade bei mir ist.
41:38Oberinspektor Derrick
41:39von der Mordkommission.
41:42Es geht da um den Tod
41:43dieses kleinen Ganoven.
41:46Bitte, Sie werden mir
41:47diese Bezeichnung nicht verübeln.
41:48Für mich ist er es.
41:50Für Sie doch wohl auch.
41:52Ihr wisst doch,
41:52der da erschossen worden ist
41:54und zwar durch eine Tür hindurch
41:57von jemandem,
41:58den ich einmal die Zeit hatte,
41:59abzuwarten,
42:00bis die Tür aufgemacht wurde.
42:02Das ist mein Partner,
42:04Herr Stein,
42:06mein Schwiegersohn,
42:07Herr Trenk,
42:08Abteilungsleiter
42:08in meiner Firma.
42:11Herr Derrick wollte gerade gehen.
42:14Oh ja, ja.
42:15Herr Stein,
42:23Ihre Frau hat ja auch
42:24diesen kleinen Ganoven gekannt.
42:28Ich würde gerne mit Ihnen
42:29darüber sprechen.
42:30Aber es leider nicht geht.
42:32Nicht jetzt und nicht hier.
42:34Wir haben eine Besprechung,
42:35die wichtig ist
42:36und nicht aufgeschoben werden kann.
42:39Darf ich dann mal
42:40bei Gelingert nachfragen,
42:43wenn es Ihnen recht ist?
42:44Und Ihnen.
42:47Bei Gelingert mal, ja.
42:50Wir werden nichts dagegen haben.
42:54Wir werden nichts dagegen haben.
42:57Wir.
42:58Wir werden nichts dagegen haben.
43:02Ziemlich kluger Mann.
43:03Aber da hat er einen Fehler gemacht.
43:05Hat er?
43:07Ja.
43:08Er hat mir deutlich zu verstehen gegeben,
43:11das ist nicht die Sache
43:11eines Einzelnen.
43:12Das ist eine
43:14Wir-Angelegenheit.
43:18Guten Tag,
43:19wir haben uns schon kennengelernt.
43:20Im Hause Ihrer Mutter,
43:21vielleicht erinnern Sie sich.
43:24Ja?
43:26Darf ich reinkommen?
43:27Ach so, ja, natürlich.
43:29Danke sehr.
43:29Vielen Dank.
43:32Ich werde Sie gar nicht lange aufhalten.
43:34Ich habe eigentlich nur eine Frage.
43:36Kannten Sie Arno Beckmann auch?
43:39Nein, ich nehme an,
43:40dass Sie ihn erkannt haben.
43:41Er war ein guter Freund Ihrer Mutter.
43:42Sie hat mir sehr viel von ihm erzählt.
43:45Eigentlich so viel,
43:46dass ich einen ganz guten Eindruck habe.
43:48Sie brauchte da eine Formulierung,
43:50die ich nicht vergessen habe.
43:52Sie sagte,
43:54er bot mir sein Lächeln an.
43:57Es hat mir gefallen.
43:59Also, ich wiederhole meine Frage.
44:01Kannten Sie Arno Beckmann?
44:05Ja, ich kannte ihn.
44:07Gut, dann sage ich Ihnen mal
44:09den Eindruck,
44:10den ich von ihm habe,
44:11ohne dass ich ihn gekannt habe.
44:13Sehen Sie,
44:13als ich ihn zuerst mal sah,
44:15da war er ja schon tot.
44:18Und, äh,
44:19na ja,
44:20es ist ein ungewöhnlicher Mann gewesen.
44:22Sein Lebensweg war ungewöhnlich,
44:24aufgewachsen in einem Waisenhaus.
44:26Keine Liebe,
44:27die gerade in seinem Alter
44:29sehr wichtig für ihn gewesen wäre.
44:31Und seine Liebe,
44:33die, na ja,
44:34die wurde ja auch nicht verlangt,
44:35nicht wahr?
44:37So sehe ich ihn,
44:39ohne dass ich ihn je gekannt habe.
44:41Sie haben ihn gekannt.
44:43Habe ich da ein bisschen recht?
44:48Er,
44:49er war sehr komisch.
44:57Dann habe ich es versucht.
45:23Ich sagte ihm,
45:24ich war noch nie auf dem Eis.
45:27Ich versuchte es trotzdem.
45:32Was nicht gut ging.
45:35Ich sagte ihm,
45:36das wird schon wieder.
45:39Er wollte ununterbrochen
45:40den Arzt holen.
45:41Er war ganz außer sich.
45:45Kommen Sie doch rein.
45:57Er war ganz außer sich.
46:10Hatten Sie ein
46:11intimes Verhältnis?
46:14Waren Sie seine Geliebte?
46:15Ja, kommt es denn darauf an?
46:21Wenn er es gewollt hätte,
46:23hätte er es haben können.
46:26Aber warum begreift das denn keiner?
46:28Es war nicht so wichtig.
46:30Hatte Ihr Mann von dieser Szene erfahren?
46:33Ich habe es ihm gesagt.
46:34Er hat es nicht verstanden, was?
46:35Nein.
46:38Er sagte keinen Kontakt mehr zu diesem Mann.
46:40Du gehst da nicht mehr hin
46:41und du triffst ihn nicht mehr.
46:45Sie haben ihn
46:46nicht mehr getroffen?
46:48Ich habe mit Arno darüber gesprochen.
46:54Ich habe ihm gesagt,
46:55mein Mann möchte nicht mehr,
46:56dass wir uns sehen.
46:58Er war ganz erschrocken.
46:59Er verlor fast seine Fassung.
47:01Ihr Mann hat sicher recht.
47:02Und wir sollten tun, was er sagt.
47:04Ja, was tun wir denn?
47:06Wir verbringen ein bisschen Zeit miteinander.
47:08Und ich frage mich,
47:09warum ich das aufgeben soll.
47:11Ja, weil Ihr Mann...
47:13Ihr Mann...
47:14Ja, muss ich tun, was er sagt?
47:17Er machte mir einen Vorschlag.
47:19Er sagte,
47:19ich weiß, wie wir uns sehen können,
47:21ohne dass es Ihrem Mann missfällt.
47:23Er nannte mir einen Platz.
47:25Wir haben uns dort öfter getroffen.
47:27Ich kannte also den Platz.
47:29Und er sagte,
47:31ich werde dort stehen.
47:32Und wenn Sie mit dem Wagen vorbeifahren,
47:34dann winken Sie.
47:36Und ich winke zurück.
47:38Was sagen Sie dazu?
47:41Ja, ich...
47:42Haben Sie getan,
47:44was er Ihnen vorgeschlagen hat?
47:47Ja.
47:48Ich habe den Wagen angehalten
48:00und bin hingegangen.
48:05Ich habe ihn gefragt,
48:07wie lange stehen Sie schon da?
48:08Ach, schon eine ganze Weile.
48:10Vielleicht schon den ganzen Morgen?
48:12Das spielt doch keine Rolle.
48:13Ich habe doch Zeit.
48:16Ich wollte da sein,
48:16wenn Sie vorbeifahren.
48:19Wissen Sie,
48:20dass das ein großes Erlebnis
48:21für mich war?
48:22eines der schönsten,
48:25das ich je hatte.
48:28Können Sie das verstehen?
48:31Ja, ich glaube,
48:32ich verstehe es.
48:36Guten Tag.
48:37Guten Tag.
48:38Das ist Herr Derrick
48:39von der Mordkommission.
48:41Wir kennen uns schon.
48:42Ja, ja.
48:44Warum sind Sie hier?
48:45Sagen Sie es ihm.
48:49Er hat mich nach Arno Beckmann gefragt.
48:52Was kannst du dazu sagen?
48:54Du hast den Mann
48:54noch kaum gekannt.
48:55Sie wollen zu mir?
49:12Ja, zu ihm.
49:13Sie haben sich nicht angemeldet?
49:14Ja, das ist wahr.
49:15Es war so ein spontaner Entschluss.
49:17Ah.
49:25Sie sagten ein spontaner Entschluss?
49:39Ja, ja, ja.
49:41Ja,
49:41was ist mein Beruf?
49:44Aufklärung von Morden.
49:46Was natürlich bedeutet,
49:47dass ich im Verlauf der Ermittlungen
49:48durch das Leben
49:49mir völlig fremder Menschen wandle.
49:52Sie wandern auch durch meines?
49:54Ja,
49:54auch durch das Ihre.
49:56Ich habe mit ihrer Tochter gesprochen.
49:58Sie hat es mir erzählt.
50:00Ja,
50:00wie,
50:01wie hat sie eigentlich
50:03Arno Beckmann kennengelernt?
50:05Durch mich.
50:06Ich sagte ihr,
50:07du würdest jemanden kennenlernen,
50:08der dir gut tut.
50:10So lernte sie ihn kennen.
50:13Und er tat ihr gut.
50:15Aber ihr Schwiegersohn,
50:16der hat diese Ansicht nicht geteilt.
50:19Nein,
50:19das hat er nicht.
50:22Er kam zu mir.
50:24Allein.
50:26Nein.
50:28Nein,
50:29er kam nicht allein.
50:32Sie kamen zu dritt.
50:35Mein Mann,
50:37sein Partner,
50:38Herr Stein,
50:39und eben
50:40mein Schwiegersohn.
50:42Sie stellten Forderungen.
50:45Sie forderten,
50:46wirf diesen Kerl hinaus.
50:47Schick ihn dorthin,
50:49wo er hergekommen ist.
50:53Oder?
50:54Ich habe den dreien gesagt,
50:55ihr habt das Wesentliche
50:56überhaupt nicht begriffen.
50:58Aber ich konnte es Ihnen nicht erklären.
51:01Es ging über Ihre Vorstellungskraft.
51:04Haben Sie Arno gesagt,
51:05dass es einen Koffer packen muss?
51:07Ich habe damit gewartet.
51:12Tagelang.
51:14Ich wollte es ihm am Telefon sagen.
51:19Und dann hörte ich,
51:20dass er erschossen wurde.
51:21Sie sind da.
51:33Sie sehen es.
51:35Wir sind hier.
51:37Aufgrund einer Vorladung.
51:38Wieso eigentlich Vorladung?
51:40Worum geht es hier?
51:42Das werden Sie schon noch erfahren.
51:43Ich muss Sie bitten,
51:44hier zu warten,
51:45bis Sie aufgerufen werden.
51:46Warten?
51:47Setzen Sie sich.
51:48Wissen Sie,
51:49was wir am wenigsten haben?
51:51Zeit!
51:52Du lässt Sie warten?
51:54Ja.
51:55Ich lasse Sie warten.
51:57Was haben wir eigentlich
51:58in der Hand gegen Sie?
52:00Nichts.
52:02Aber du weißt,
52:02was du tust?
52:03Ja.
52:08Wissen Sie,
52:21wie lange wir schon
52:22da draußen warten?
52:24Eine geschlagene Stunde.
52:26Was fällt Ihnen ein,
52:27mich bei meiner Arbeit
52:28hier zu stören?
52:29Gehen Sie raus.
52:31Ich werde Sie rufen,
52:32wenn ich Sie brauche.
52:33Also tun Sie,
52:34was ich Ihnen sage.
52:35Ich werde mich
52:36über Sie bestimmen.
52:36Ja, machen Sie nur.
52:37Aber jetzt gehen Sie raus
52:39und warten Sie gefälligst.
52:42Das ist unglaublich.
52:44Absolut unglaublich!
52:49Sag mal,
52:50willst du,
52:51dass er seine Fassung verliert?
52:52Ja, genau das will ich.
53:01Kommen Sie, bitte.
53:07Ich sage Ihnen,
53:09das wird ein Nachspiel
53:11für Sie haben.
53:14Was ist denn das eigentlich hier?
53:16Ein Verhör?
53:18Eine Unterhaltung.
53:20Eine Unterhaltung?
53:23Und über was
53:23wollen Sie sich mit uns unterhalten?
53:26Arno Beckmann.
53:29Über diesen Mann
53:29unterhalte ich mich nicht mit Ihnen.
53:31Dieser Mann ist für mich kein Thema.
53:33Für niemanden von uns.
53:34Aber für mich,
53:36für mich ist der Mann
53:38sehr interessant.
53:40Aber für mich nicht.
53:41Und ich wiederhole es,
53:42für niemanden von uns.
53:43Aber er war es für Ihre Frau.
53:45Ach, was Sie überschätzen.
53:46Absolut überschätzen.
53:46Aber doch,
53:47Ihre Frau fand diesen Mann,
53:48den Sie so uninteressant finden,
53:50Sie fand ihn großartig.
53:51Das ist doch Blödsinn!
53:52Was denn?
53:53Sie hat es mir doch gesagt.
53:54Was hat sie gesagt?
53:55Sie hat gesagt,
53:55dass dieser Mann ein Erlebnis sei.
53:57Ach, ein Erlebnis?
53:58Ja, und er habe ihr etwas geschenkt.
54:00Die Nähe.
54:01Die Nähe?
54:02Ja.
54:03Darunter können Sie sich nicht mal
54:03was vorstellen.
54:04Nein, nein, nein.
54:04Absolut nichts.
54:06Sie meinte wohl die Nähe,
54:07die grundsätzliche Nähe,
54:08die sich dann einstellt,
54:09wenn man zu einem anderen Menschen
54:10eine Beziehung hat.
54:11Klar.
54:12Und Sie verlangen,
54:12dass das ein normaler Mensch versteht.
54:14Ja, wieso denn nicht?
54:15Ich verstehe es doch.
54:16Ja, dann machen Sie sich mal die Mühe
54:17und erklären Sie mir das.
54:18Ja, gerne.
54:19Es geht ja wohl um die langsame Zunahme
54:21der Vereinsamung in der Welt,
54:22nicht wahr?
54:23Das wird so eine Art Krankheit,
54:24wissen Sie?
54:25Wollen Sie mal meine Meinung dazu sagen?
54:26Eine Krankheit,
54:27die Ihre Frau befallen hat.
54:29Das ist Schwachsinn!
54:30Nein, das ist kein Schwachsinn.
54:32Ihre Frau ist befallen,
54:33Ihre Frau ist befallen
54:34und Ihre Frau ist befallen.
54:36Seine Frau ist Ihre Tochter.
54:37Erinnern Sie sich vielleicht noch daran?
54:39Lieben Sie Ihre Tochter?
54:40Ja, natürlich liebe ich meine Tochter.
54:41Und?
54:42Aber Ihren seelischen Zustand,
54:43den haben Sie nicht erkannt.
54:45Und Sie auch nicht.
54:46Ich weiß gar nicht,
54:47wovon Sie sprechen.
54:48Ich habe bis jetzt kein Wort davon verstanden.
54:50Ich spreche davon,
54:52was sich einstellt,
54:54wenn man die Hand ausstreckt.
54:56Und da ist keiner.
54:59Arno Beckmann,
55:00den Sie einen kleinen Ganoven nennen,
55:03der brachte Ihrer Frau
55:04das Gefühl für die Nähe
55:05anderer Menschen zurück.
55:07Und Ihrer Frau,
55:08aber vor allem Ihrer Tochter.
55:10weil nämlich dieser kleine Ganoven
55:12sich das Gefühl
55:13für die Nähe
55:14der anderen Menschen bewahrt hatte
55:15und wahrscheinlich auch,
55:16weil er selber
55:17darauf angewiesen war natürlich.
55:19Ihre Frau sagte,
55:20Arno Beckmann bot mir
55:22sein Lächeln an
55:23und von da an
55:24war ich nicht mehr allein.
55:27Hören Sie mal,
55:28Sie singen mir hier
55:29das hohe Lied
55:29eines kleinen Gauners.
55:30Ich werde Ihnen sagen,
55:31was er für mich ist.
55:32Für mich ist er eine Ratte.
55:33Eine Ratte?
55:33Ja.
55:34Und so viel wert
55:35wie eine Ratte.
55:35Eine Ratte,
55:36die man umbringt
55:37und die man umgebracht hat.
55:44Herr Trenk,
55:45ich nehme Sie fest,
55:47weil Sie Arno Beckmann
55:48durch eine geschlossene Tür hindurch
55:50mit drei Schüssen getötet haben.
55:52Sie sind verrückt geworden.
55:54Ja glauben Sie denn,
55:55der hat das gemacht,
55:56der doch nicht
55:57und der auch nicht.
55:59Ich war das.
56:01Ich habe diese Arbeit gemacht.
56:07Herr Staatsanwalt,
56:17jetzt beginnt Ihre Arbeit.
56:18Ich habe diese Arbeit gemacht.
56:48Ich habe diese Arbeit gemacht.
56:56Ich habe diese Arbeit gemacht.
56:57Ich habe diese Arbeit gemacht.
56:58Untertitelung des ZDF, 2020
57:28Untertitelung des ZDF, 2020
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