Der Hauptmann von Köpenick (1956) ist eine der bekanntesten deutschen Filmkomödien der Nachkriegszeit. Regie führte Helmut Käutner, das Drehbuch stammt von Carl Zuckmayer (nach seinem eigenen Theaterstück) und Käutner. Der Film ist in Farbe gedreht und basiert auf der wahren Begebenheit des Wilhelm Voigt aus dem Jahr 1906.
Handlung (kurz zusammengefasst)
Der kleine Handwerker und mehrfache Vorbestrafte Wilhelm Voigt (ein Schuster) wird nach langer Haft entlassen und möchte endlich ein ehrliches Leben führen. Doch das wilhelminische Deutschland mit seiner berüchtigten Bürokratie macht es ihm unmöglich: Ohne Pass bekommt er keine Arbeit, ohne Arbeit keinen Pass – ein klassischer Catch-22. In seiner Verzweiflung kauft er beim Trödler eine gebrauchte Hauptmanns-Uniform, zieht sie an und nutzt die preußische Autoritätsgläubigkeit und den blinden Gehorsam gegenüber Uniformen aus.
Als „Hauptmann“ kommandiert er kurzerhand eine Gruppe Soldaten auf der Straße, marschiert mit ihnen nach Köpenick, nimmt das Rathaus ein, verhaftet den Bürgermeister und beschlagnahmt die Stadtkasse – alles mit dem Hinweis auf „allerhöchsten Befehl“. Die Pointe: Die Uniform allein reicht, um die gesamte Obrigkeit lahmzulegen.
Der Film ist eine scharfsinnige Satire auf Militarismus, Bürokratie und Kadavergehorsam im wilhelminischen Deutschland – gleichzeitig aber auch eine sehr menschliche, oft rührende Charakterstudie.
Wichtige Darsteller (Auswahl)
• Heinz Rühmann → Wilhelm Voigt (der Schuster / „Hauptmann“)
• Martin Held → Dr. Obermüller, Bürgermeister von Köpenick
• Hannelore Schroth → Mathilde Obermüller (seine Frau)
• Willy A. Kleinau → Friedrich Hoprecht (Voigts Schwager)
• Leonard Steckel → Adolph Wormser
• Friedrich Domin → Zuchthausdirektor
• Erich Schellow → Hauptmann von Schlettow
• Walter Giller → Willy Wormser
• Wolfgang Neuss → Zuchthäusler Kallenberg
• Ilse Fürstenberg → Marie Hoprecht (Voigts Schwester)
• Joseph Offenbach → Wabschke (Trödler)
• Bum Krüger → Schutzmann Kilian
• Edith Hancke → Lieschen (krankes Mädchen)
• Siegfried Lowitz, Willi Rose, Otto Wernicke, Reinhard Kolldehoff u.v.a. in Nebenrollen
Heinz Rühmann gilt als Idealbesetzung – er spielt den kleinen, unscheinbaren, aber listigen Voigt mit viel Charme, Melancholie und leiser Ironie.
Der Film ist bis heute ein Klassiker und wird oft als eine der besten deutschen Komödien aller Zeiten bezeichnet. Er wurde sogar für einen Oscar nominiert (bester fremdsprachiger Film)
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