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eowulf ist das größte Epos der altenglischen Literatur – und eines der rätselhaftesten Werke Europas. Verfasst vor mehr als 1000 Jahren in einer Zeit von Kriegen, Wanderungen und tiefem Glauben, erzählt es die Geschichte des Geaten-Helden Beowulf, der drei schreckliche Prüfungen besteht: den Kampf gegen das Ungeheuer Grendel, gegen Grendels rachsüchtige Mutter und schließlich gegen einen feurigen Drachen.
Diese Dokumentation begibt sich auf die Spuren des Epos: Wo wurde es geschrieben? Wer war der Dichter? Welche historischen Wirklichkeiten verbergen sich hinter den Schlachten und Sagen? Sie verbindet moderne Wissenschaft, archäologische Funde und lebendige Nacherzählung – und zeigt, warum Beowulf bis heute unser Bild von Heldentum prägt.

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Transkript
00:02Er ist die mythische Heldenfigur Skandinaviens.
00:07Er kämpft allein, Mann gegen Ungeheuer.
00:11Auserkoren nicht nur eine, sondern drei fürchterliche Bestien zu besiegen.
00:16Ausschließlich für Ruhm und Ehre, selbst nach dem Tod.
00:20Dies ist die Legende des Helden Beowulf.
00:23Könnte es sich dabei jedoch um mehr als nur einen Mythos handeln?
00:27Welche verblüffenden Wahrheiten liegen in diesem alten, fiktionalen Heldengedicht verborgen?
00:53Der Gestank des Todes durchdrängt die Gemächer des Königs von Dänemark.
01:00Eine grausame Bestie treibt hier ihr Unwesen.
01:07Es ist Grendel, ein von der Gesellschaft ausgestoßener.
01:13Sein Zorn spiegelt sich in Gewalt wieder.
01:22Ich vergleiche Grendel mit einem ungeschlachten, dunklen und bedrohlichen Raubtier.
01:30Nacht für Nacht regiert der unbarmherzige Terror dieser Bestie.
01:39Er tötet Krieger, indem er sie in Stücke reißt und köpft. Überall liegen Körperteile herun.
01:48Dänemarks Ruf nach einem Helden hört laut.
01:51Das Königreich benötigt jemanden, der es mit dem Monster aufnehmen kann.
01:56Der stark genug ist, es zu töten.
01:59Dieser Held ist Beowulf.
02:03Beowulf ist der größte vorstellbare Held. Er ist zu allem fähig.
02:10Er fürchtet nicht um sein Leben. Das zeichnet einen Helden dieser Zeit aus.
02:15Der Wille für Ruhm und Ehre zu sterben.
02:19Beowulf ist kein gewöhnlicher Mensch. Er ist eine heroische Gestalt.
02:24Wie die Helden der griechischen Mythologie hat auch er übermenschliche Kräfte.
02:34In einem dunklen Zeitalter des Terrors, dem es an Helden mangelte, wurde der Beowulf-Mythos zum ultimativen Kampf zwischen Gut
02:42und Böse stilisiert.
02:47Einem Kampf zwischen einem tapferen Helden und einer Unzahl monströser Feinde.
02:54Die Legende ist ein fiktionales Gedicht, das jedoch auf Tatsachen beruht.
03:00Noch heute ist unklar, wer es verfasst hat.
03:03Man vermutet seinen Ursprung im England des 7. oder 8. Jahrhunderts nach Christus.
03:08Damit wird es zum bedeutendsten erhaltenen Einzelwerk angelsächsischer Sprache.
03:15Die Handlung findet im 6. Jahrhundert in Skandinavien statt.
03:19Doch das Gedicht wurde in England geschrieben, nach der Konversion der Angelsachsen im Jahr 665.
03:30Nur kurz bevor Beowulf geschrieben wurde, fasste das Christentum in England Fuß.
03:35Die Geschichte spiegelt eine Gesellschaft mit tiefem, heidnischem Hintergrund und deren entsprechenden Geschichten wider.
03:44Das Gedicht gibt nun diesen Geschichten einen christlichen Rahmen.
03:49So verliert der Zuhörer nicht den Kontakt zu seiner Vergangenheit, kann das Gedicht aber nach christlichen Maßstäben interpretieren.
04:02Beowulfs erster Gegner, die Bestie Grendel, weist verblüffende Verbindungen zur Bibel auf.
04:11Der Text beschreibt ihn als einen Abkömmling Kains.
04:14Dem Alten Testament zufolge ging Kain, der Sohn Adams, als erster Mörder in die Menschheitsgeschichte ein.
04:20Aus Eifersucht brachte er seinen Bruder Abel um und wurde zum Symbol der schlimmsten aller Sünden.
04:28Grendel steht in dieser grausamen Tradition.
04:32Grendel beneidet die Menschen, die sich in der königlichen Halle vergnüben.
04:38Die Männer sitzen gesellig zusammen und erzählen Geschichten.
04:43Er ist neidisch, er kann niemals Teil davon sein.
04:49Seine Reaktion darauf ist Mord und Zerstörung.
04:55In dem alten Text bleibt die äußere Erscheinung Grendels der Fantasie des Lesers überlassen.
05:01Der einzige Hinweis findet sich in der Zeile, ein Unhold aus der Hölle.
05:06Grendel wird als Dämon der Finsternis beschrieben.
05:10Wo immer er auftaucht, umgibt ihn Dunkelheit.
05:16Ganze zwölf Jahre lang sucht Grendel Dänemark heim.
05:24Er tötet zwölf Mann auf einen Streich.
05:27Er ist lautlos, blutrünstig und zermalmt Knochen.
05:33Nachdem er sich der königlichen Krieger entledigt hat, richtet sich seine Wut gegen das gemeine Volk.
05:43Doch einer Person kann er nichts zu Leide tun.
05:46Dem dänischen König Hrothgar.
05:49Wie viele Könige des Mittelalters, so steht auch er direkt unter Gottesschutz.
05:56König Hrothgar wird nicht von Grendel angegriffen.
05:59Der König sitzt auf einem Thron, der von Gott beschützt wird.
06:02Grendel muss sich fernhalten.
06:07Frodgar wird von seinen Kriegern im Stich gelassen.
06:12Doch im angrenzenden südschwedischen Königreich Göterland gibt es einen Helden, der Abhilfe schaffen kann.
06:22Beowulf kommt aus Skandinavien.
06:25Er entstammt einer Linie großer Krieger und ist bekannt für seine Stärke, seinen Mut und seine Ambition, sich einen Namen
06:33zu machen.
06:39Am Anfang des Gedichts ist Beowulf ein bekannter Krieger, der eine Gruppe wandernder Söldner anführt.
06:48Doch er ist nicht per se geldgierig.
06:53Vielmehr hält er Ausschau nach einer guten Schlacht.
07:03Beowulf ist in erster Linie auf Ruhm aus, den die Angelsachsen Loth nannten.
07:09Dieser gebührt demjenigen, der seinen Verpflichtungen im Rahmen des Ehrenkodex seiner Zeit nachkommt.
07:15Das ist es, was Beowulf motiviert.
07:21Beowulf weiß, wie er sich auf ewig in das kollektive Gedächtnis einprägen kann.
07:26Er muss tun, was bisher niemand vor ihm gewagt hat.
07:29Er muss Grendel töten.
07:38Die Nacht bricht an und die königliche Halle füllt sich mit den Geräuschen feiernder Menschen.
07:46Doch dieses Mal ist es ein Trick Beowulfs, um Grendel aus seinem Versteck zu locken.
07:54Er folgt nicht dem Zeitplan der Bestie. Er provoziert einen Angriff.
07:59Dafür bedient er sich einer wissenschaftlichen Methode, indem er die Umstände des ersten Angriffs reproduziert.
08:08Gesang und Gelächter werden Grendel anlocken, denn er hat Hunger.
08:15Die Bestie dürstet nach Blut.
08:24Beowulf ist vorbereitet.
08:29In tiefster Nacht, als die Feierlichkeiten zu Ende sind, legt sich Beowulf auf die Lauer.
08:37Er wird entweder töten oder selbst getötet werden.
08:42Dann erscheint Grendel.
08:47Beowulf und seine Männer wappnen sich zum Angriff.
08:55Die Krieger ziehen ihre Schwerter und stechen auf Grendel ein.
09:00Doch Grendel scheint immun zu sein.
09:05Kein Schwert, keine Waffe aus Metall kann Grendel schaden.
09:09Er belegte diese Waffen mit einem Fluch, damit sie ihn nicht verbunden können.
09:18Er greift nach einem der Krieger, reißt ihn in zwei, trinkt dessen Blut, wirft den Kadaver weg und bewegt sich
09:26auf Beowulf zu.
09:30Soweit die Legende. Aber wo ist die Verbindung zur Realität?
09:39140 Kilometer nördlich von London liegt das Gebiet Sutton Hoo.
09:45Es wurde einst von mächtigen angelsächsischen Königen beherrscht.
09:52Im 20. Jahrhundert machten Archäologen bei Ausgrabungen hiesiger Grabhügel eine verblüffende Entdeckung.
10:02Sie fanden Hinweise auf ein brutales Massaker.
10:09Die Opfer starben gewaltsam.
10:15Plötzlich.
10:17Wie von einem Monster dahin gerafft.
10:20Viele wurden mit dem Gesicht nach unten, mit abgeschlagenen Köpfen oder gebrochenen Genitten begraben, in eigenartigen Haltungen.
10:29Kein ehrbares Begräbnis.
10:32Es sind schockierende Fundstücke aus einem einst blühenden Königreich.
10:37Aus einer Zeit, in der auch der Ursprung des Mythos vermutet wird.
10:43Experten vermuten, es handelt sich um angelsächsische Kriminelle, die vom König zum Tode verurteilt wurden.
10:50Es waren Kriminelle, die exekutiert und an diesem Ort begraben wurden, der offensichtlich von einem Heiligtum zu einer Stätte des
10:57Terrors wurde.
10:58Vielleicht nutzte der König diese öffentlichen Hinrichtungen dazu, die Ordnung im Land aufrechtzuerhalten.
11:05Das schafft die Verbindung zu Beobulf.
11:09Hätten diese grausamen Tode die Inspiration für das Blutbad im Hofstaat des Königs Hotgar liefern können?
11:16Die Jagd nach Indizien beißt zurück auf die Legende.
11:28Grendel wütet in der blutgetränkten Halle des Königs.
11:33Kein Schwert kann ihm zu Leibe rücken.
11:37Doch Beowulf gibt nicht auf.
11:39Es bleibt ihm nur noch eine Waffe.
11:42Seine bloßen Hände.
11:46Es ist der klassische Kampf zwischen David und Goliath.
11:49Mann gegen Monster.
11:51Die Zukunft des dänischen Volkes steht auf dem Spiel.
11:55Beowulf ist ihre letzte Chance.
12:09Am Hofe des dänischen Königs Hotgar herrscht Chaos.
12:14Beowulf und Grendel befinden sich in einem Kampf auf Leben und Tod.
12:21Plötzlich gewinnt der Held die Oberhand.
12:26Beowulf greift Grendels Arm und verdreht ihn.
12:30Der stärkste aller Krieger zieht mit aller Kraft an Grendels Arm.
12:36Grendel schreit.
12:38Beowulf dreht weiter und weiter an seinem Arm, bis er abreißt.
12:47Der Knochen löst sich von den Sehnen und der Muskel reißt ab.
12:54Gequälte Schreie erfüllen die Halle.
13:01Grendel flüchtet in die Nacht.
13:04Er verliert viel Blut.
13:11Grendel ist auf dem Weg in sein Versteck.
13:14Sein Leben hängt am seidenen Farb.
13:16Ihm bleibt nur noch wenig Zeit.
13:19Tief im Wald geht das verwundete Monster zu Boden und tut seinen letzten Atemzug.
13:33Beowulf triumphiert über die Bestie und hält seine Trophäe in die Höhe.
13:43Die Nachricht von Grendels Tod verbreitet sich wie ein Lauffeuer.
13:47Beowulf wird als Held gefeiert und erhält die Ehre und den Ruhm, für die er ins Feld gezogen ist.
13:59Doch schon bald sieht er sich wieder mit der harten Realität konfrontiert.
14:04Eine große Anzahl Krieger muss beerdigt werden.
14:12Das Gedicht beschreibt, wie die Krieger ihre letzte Ruhe finden.
14:17Die Beschreibungen passen zu dem, was man heute über Beerdigungen im Skandinavien des Frühmittelalters weiß.
14:25Die Toten wurden mit ihren Wertsachen, wie Gold und Silber, in brennenden Booten auf das Meer hinausgetrieben.
14:39Es war eine gewollte Vernichtung von wertvollen Gegenständen.
14:44In einer Gesellschaft, die sich nicht bereichern sollte, war es ein Zeichen der Wertschätzung für den Verstorbenen.
14:53Bei Ausgrabungen wurden Hinweise auf diese See- und Feuerbestattungen gefunden, wie sie in Beowulf beschrieben werden.
15:02Hunderte mysteriöse Hügelgräber sind über Nordeuropa verteilt.
15:07Viele von ihnen warten noch immer auf ihre Ausgrabung.
15:16Doch die Hügelgräber von Sutton Hoo brachten bereits viele erstaunliche Beweisstücke zutage.
15:21Die Zeugnis über die Welt von Beowulf ablegen.
15:301939 kam ein begrabenes Schiff zum Vorschein, das auf die Zeit des Beowulf-Mythos datiert wird.
15:38Das Holz war zwar vollständig verrottet, doch konnte man die Positionen aller Planken und Spanten deutlich erkennen.
15:44Es sah aus wie ein hölzernes Schiff.
15:50Bei genauerer Untersuchung stellte sich heraus, dass es sich um mehr als nur ein Schiff handelte.
15:55Es war das Grab eines unbekannten Herrschers, der mit seinen Schätzen beigesetzt wurde.
16:02Sutton Hoo ist nicht nur das prachtvollste mittelalterliche Grab Englands, sondern ganz Nordeuropas.
16:08Es lehrt uns vieles über die Eliten mittelalterlicher Gesellschaften.
16:16Die ausgegrabenen Artefakte von Sutton Hoo werden genauso in Beowulf beschrieben.
16:22Von Wildschweinen gekrönte Helme, verzierte Schwerter mit gedrehten Griffen und so weiter.
16:28Es gibt also eine Verbindung zwischen dem Mythos und den Fundstücken aus Sutton Hoo.
16:34Die Ausgrabungen bewiesen zum ersten Mal, dass die Legende von Beowulf mehr ist als nur Fiktion.
16:42Sutton Hoo war nicht der einzige Fundort, der dem Mythos eine Basis in der Realität verschaffte.
16:55In Dänemark machten Archäologen eine ungewöhnliche Entdeckung.
17:02Sie fanden Überreste einer altertümlichen Halle.
17:06Der hölzerne Überbau verrottete vor vielen Jahrhunderten.
17:09Doch die Positionen der Stützpfosten lassen einen 45 Meter langen Raum vermuten.
17:15Eine der größten jemals gefundenen Hallen dieser Art.
17:21Könnte es sich um die schicksalsträchtige Halle König Rottgas handeln?
17:28In der Beowulf-Dichtung heißt die Szene des Angriffs von Grendel Herod, was Halle des Hirschen bedeutet.
17:36Sie ist gleichzeitig Thron und Festsaal. Hier trafen sich die Krieger zur Feier errungener Siege.
17:44Herod wird als prachtvolle Halle beschrieben.
17:48Sie ist Zeichen von Zivilisation und Raffinesse und wird als eine Art Weltwunder dieser Kultur betrachtet.
17:57Die in Dänemark entdeckte Halle befindet sich auf dem Wirkungsgebiet der Könige des Frühmittelalters.
18:05Die Kohlenstoffdatierung schreibt die Halle dem 6. Jahrhundert nach Christus zu.
18:10Wieder die Zeit, auf die auch die Legende datiert wird.
18:16Ausgrabungen in der näheren Umgebung förderten wertvolle Artefakte zutage, die nur einem mächtigen König gehört haben können.
18:26Einige sind zum täglichen Gebrauch bestimmt wie Messer und Nagel, doch es wurde auch Schmuck aus Silber und Gold sowie
18:32Münzen gefunden.
18:33Das misst dem Ort eine gewisse Bedeutung bei.
18:42Doch wer war der König hinter dieser Pracht?
18:45Könnte es auch hier eine Verbindung zu der Legende geben?
18:56Faszinierende Hinweise können in den sogenannten Vorzeitsagas gefunden werden.
19:02Dabei handelt es sich um auf Fakten basierende altnordische Bücher, die zwischen 1100 und 1400 n. Chr. geschrieben wurden.
19:11Viele der altnordischen Sagas basieren auf Familiengeschichten.
19:14Das Ergebnis ist eine sehr interessante Verknüpfung von historischem Material und mythologischen Traditionen.
19:25Die altnordische Literatur behandelt das Leben des dänischen Königs Chodgars.
19:33Wenn Chodga ein echter König war, hätte Beowulf dann auch ein echter Held gewesen sein können.
19:50In den Mooren beklagt eine Mutter den Tod ihres Sohnes.
19:56Ihr Sohn ist Grendel.
20:01Die Trauer wird zur Raserei.
20:05Der zweite monströse Feind stellt sich gegen Beowulf.
20:09Nachdem er Grendel besiegte, muss er es nun mit dessen Mutter aufnehmen.
20:16Sie ist schnell, listig und blutrünstig.
20:23Grendels Mutter ist eine mysteriöse Gestalt.
20:26Sie ist selbst abscheulicher als ihr Sohn.
20:29Ihre Gefühle sind die einer wahren Bestie.
20:31Sie sind auf Rache.
20:38Rache für den Tod ihres Sohnes, dessen abgetrennter Arm zu einer Trophäe und zum Spott wurde.
20:49Der Schmerz um den getöteten Sohn versetzt Grendels Mutter in einen Blutrausch.
20:57Dieser lässt sie ohne Rücksicht auf ihr eigenes Wohl, das Herod, angreifen.
21:07Grendels Mutter überrascht der Krieger im Schlaf.
21:24Sie schlägt mit tödlicher Brutalität zu.
21:32Wieder regiert der Tervor am Hofe des Königs.
21:37Doch Beowulf kann nicht zur Hilfe eilen.
21:40Unwissend verbringt er die Nacht nicht im Hierrod.
21:50Besudelt mit dem Blut dänischer Krieger verschwindet Grendels Mutter in die Nacht.
21:59Als Beowulf von dem Gemetzel erfährt, überkommt ihn Wut.
22:04Erst vor einigen Tagen rettete er diejenigen Krieger, die nun hingemetzelt am Boden liegen.
22:09Doch der König ist am Leben.
22:12Niedergeschlagen, aber unversehrt sitzt er auf seinem Thron.
22:18Hrothgar wurde durch den Tod seiner Krieger durch Grendel und dessen Mutter gedemütigt.
22:24Er konnte seine Leute nicht beschützen.
22:27Beowulf macht ihm klar, dass es besser ist zu handeln als zu trauern.
22:36Ein weiteres Mal muss Beowulf dem Tod ins Auge sehen.
22:42Seinen Ruf erlangte er durch seine heroischen Taten.
22:46Jetzt geht es um dessen Erhalt.
22:51An der Seite von Hrothgar und seinen Männern macht er Jagd auf Grendels Mutter.
22:59Sie folgen der Blutspur entlang eines gewundenen Pfades.
23:08Grendels Mutter lebt am Grund des Geistersees.
23:15Der See ist eine eisige Brühe, voll giftiger Schlangen und Drachen.
23:22Um zu Grendels Mutter zu gelangen, müssen zuerst die Kreaturen überwunden werden.
23:29Nun geht es darum, sich durch das Schlangenmeer zu schlagen, um einen Kampf führen zu können, an dessen Ausgang das
23:36Schicksal Dänemarks hängt.
23:37Die Gegnerin ist eine direkte Nachkommin des ersten Mörders der Bibel.
23:44Kain.
23:47Grendels Mutter hat in dem Gedicht keinen Namen, was ihrer furchterregenden Wirkung jedoch keinen Abbruch tut.
23:55Sie ist extrem gefährlich, da sie nach dem Tod ihres Sohnes der Raserei einer beraubten Mutter am Heim fiel.
24:06Bevor sich Beowulf in die eisigen Fluten stürzt, wird ihm von seinen Männern ein spezielles Schwert überreicht.
24:15Mit dieser in Blut gebeizten Klinge wurde schon manche Schlacht geschlagen.
24:25Beowulfs Gefährten können sich nicht zum Weitergang überwinden.
24:29Der Held ist auf sich allein gestellt.
24:43Unter der Wasseroberfläche warten die tödlichen Schlampe.
24:48Beowulf setzt das Schwert gegen sie ein.
24:52Doch keine von Menschenrand gefertigte Waffe kann diesen übernatürlichen Bestien etwas anhaben.
25:00Beowulf gelingt die Flucht und erfindet den Eingang zum Lager von Grendels Mutter.
25:12Zum zweiten Mal tritt Beowulf einer Bestie im Kampf gegenüber.
25:26Grendels Mutter geht direkt zum Angriff über.
25:38Er packt sie bei den Haaren und an der Schulter und wirft sie zu Boden.
25:43Sie springt auf und reißt ihm mit ihren schmutzigen Krallen eine Wunde.
25:47Er geht zu Boden.
25:54Beowulf ist in großer Gefahr.
25:57Sein Schwert zeigt sich zum wiederholten Mal in Nutzung.
26:02Es ist angeblich sehr effektiv, kann aber den schuppigen Panzer von Grendels Mutter nicht durchbrechen.
26:12Da er weckt etwas Beowulfs Aufmerksamkeit.
26:18Er sieht ein von Riesen geschmiedetes Schwert.
26:23Eine wirklich magische Waffe.
26:30Mit einem gewaltigen Hieb schlägt er damit den Kopf von Grendels Mutter ab.
26:45Mit dem Tod dieser zweiten bösen Macht wird eine neue Hoffnung geboren.
26:50Zum wiederholten Male hat Beowulf seinen Mut bewiesen.
26:55Doch dieser Sieg geht über den mythologischen Triumph hinaus.
26:58Er steht für eine Welt im Umbruch.
27:01Eine Welt, die dem Heidentum abschwört und Christus anbetet.
27:08Man kann den Tod von Grendels Mutter als religiöse Metapher sehen.
27:12Mit ihr stirbt auch das Heidentum.
27:16Das Christentum ist auf dem Vormarsch.
27:20So wie Beowulf Rottgars Königreich befreit, so bringt das Christentum Licht in die bis dahin dunkle, heidnische Welt.
27:35Die britischen Inseln um 600 nach Christus.
27:40Eine religiöse Revolution bahnt sich ihren Weg.
27:44Römische Christen kamen in den Norden, um alle Heiden zu bekehren.
27:52Ende des 6. Jahrhunderts schickt Papst Gregor der Große Augustin nach England, um die Heiden zu bekehren.
28:01Augustin sollte die heidnischen Tempel der Angelsachsen zum christlichen Gebrauch umwandeln und die Könige konvertieren, damit ihnen ihre Untertanen nachfolgen
28:10würden.
28:17Die Angelsachsen ließen sich konvertieren.
28:20Doch ihre vorchristlichen Legenden lebten weiter.
28:25Einschließlich dem Mythos von Beowulf.
28:32Die Legende von Beowulf wird aktualisiert und transportiert antiquierte altnordische Werte in die christliche Gegenwart.
28:41So zum Beispiel Mut in Zeiten des Unglücks oder Kameradschaft.
28:49Die Christen formten den Mythos von Beowulf in eine Metapher von Gut gegen Böse rum.
29:04Beowulf taucht als Sieger aus dem Geistersee auf und macht sich auf den Weg zum Hofe König Rodgars.
29:15Am Hof hatte man Beowulf eigentlich für tot gehalten.
29:20Nun wird er von Rodgar zum Größten aller Helden erklärt.
29:31Man richtet ein großes Fest für ihn aus.
29:38Beowulf erhält die Ehren, deren Wegen er nach Dänemark gekommen ist.
29:48Jetzt möchte er so schnell wie möglich zurück in seine Heimat Göterland reisen.
29:56Dort erwarten ihm weitere Gefahren.
30:07Die Gauten sind in der Dichtung von Beowulf kein mythisches Volk.
30:12Es waren Krieger aus dem Gebiet des heutigen Südschweden und den Schreibern der Legende wohlbekannt.
30:20Das Gedicht bezieht sich auf Gauten und Schweden.
30:23Es waren zwei unterschiedliche Dynastien, deren tiefe Spaltung bis ans Ende der Wikingerzeit reichte.
30:34Die Rivalität zwischen Gauten und Schweden beherrscht das zweite Kapitel des Gedichts.
30:42Abermals liegt es an Beowulf, sein Volk in einer gewaltigen Schlacht auf einem zugefrorenen See zum Sieg zu führen.
30:57Es handelt sich um den Wänersee.
31:00Der größte Binnensee Schwedens hat eine Fläche von rund 5700 Quadratkilometern.
31:07In harten Wintern gefriert der See zu einer begehbaren Fläche zwischen zwei Territorien, die heute eine friedliche Einheit bilden.
31:18Vor 1500 Jahren war es der Beowulf-Legende zufolge jedoch Schauplatz einer blutigen Schlacht.
31:27Die der Schweden gegen die Gauten.
31:35Bei seiner Rückkehr nach Göterland findet Beowulf sein Volk in eine Fede mit den Schweden verwickelt.
31:44Ein Bürgerkrieg zwischen Mitgliedern der schwedischen Königsfamilie griff auf Beowulfs Heimat über.
31:52Wieder muss sich der Held Kampf und Tod stellen.
31:56Diesmal allerdings nicht in Form eines Monsters, sondern seiner Gefolgsleute.
32:19Beowulfs Truppen siegen. Als Dank für seine Heldentat wird ihm der Thron von Göterland versprochen.
32:27Sein Streben nach Ruhm findet nun seine Vollendung. Es ist ein ausschlaggebender Moment in der Legende.
32:34Hätte diese gewaltige Schlacht tatsächlich stattfinden können?
32:39Der altnordischen Literatur zufolge fand 530 n. Chr. eine große Schlacht auf einem gefrorenen See statt.
32:52Die Schlacht auf dem Venner See ist die entscheidende Schlacht zwischen Gauten und Schweden.
32:57Sie findet auf diesem riesigen, zugefrorenen Süßwassersee statt.
33:00Es ist eine der ersten bekannten Kavallerieschlachten im hohen Norden.
33:04Sie brachte viele Opfer auf beiden Seiten.
33:09Die Kämpfe fanden in der Nähe von Aranes statt.
33:13Historiker sind der Meinung, Aranes existierte wirklich an den Ufern des Venner Sees.
33:22Ein weiteres Mal decken sich geschichtliche Aufzeichnungen und Mythos.
33:29Eine tatsächlich stattgefundene Schlacht in einer authentischen Gegend.
33:35Könnte es sich bei Beowulf also auch um einen echten Helden handeln?
33:42Abermals muss auf der Suche nach Hinweisen der Mythos bemüht werden.
33:49Nach der Schlacht auf dem Venner See regiert Beowulf Goethe-Land jahrzehntelang in Frieden.
33:57Er ist nicht mehr der junge Held von Zeiten der Kämpfe mit Grendel und dessen Mutter.
34:03Er gilt jedoch immer noch als beispielhaft.
34:09Als junger Mann stillte Beowulf seine Gier nach Ruhm.
34:14Als alternder König hat er dazu keine Ambitionen mehr.
34:21Doch muss er sich trotzdem der finalen Machtprobe stellen, 50 Jahre nach seinen Heldentaten in Dänemark.
34:33Der Gegner ist der Drache von Aramäes.
34:38Er ist 15 Meter lang und bewacht einen ungeheuren Goldschutz.
34:44Drachen symbolisierten die menschliche Gier in Potenz.
34:48Das einzige Interesse dieses Ungeheuers liegt im Horten von Gold.
34:57Der Ärger beginnt, als ein junger Sklave seinem Herrn entläuft und sich in einer Höhle versteckt.
35:03Er weiß nicht, dass es die Höhle des Drachen ist.
35:11Während das Ungeheuer schläft, entdeckt der Sklave den Goldschutz.
35:16Er kann der Versuchung nicht widerstehen.
35:22Ohne es zu wissen, stiehlt der Sklave gerade den Lieblingsbecher des Drachen.
35:35Als der Drache den Diebstahl bemerkt, schwört er, Rache zu nehmen.
35:56Er beginnt, Bauernhäuser und Felder in Brand zu stecken und richtet in kürzester Zeit großen Schaden an.
36:03Der Drache bringt Verwüstung über das Land. Dann begeht er den beispiellosen Affront.
36:14Beowulfs Haus brennt ab. Er betet für die Wiederinstandsetzung und fordert Vergeltung. Er will rachen.
36:24Wieder wird der Krieger zur Verteidigung nationaler Erde aufgerufen.
36:30Zum letzten Mal stellt er sich dem Bösen.
36:36Ein Held, der sich nicht scheut, dem Tod gegenüber zu treten.
36:45Beowulf führt seine Männer in den Kampf. Diesmal stehen sein Königreich und seine Ehre auf dem Spiel.
36:57Er zieht entweder seinem letzten Triumph entgegen oder seinem tragischen Ende.
37:11Der Drache treibt weiter sein Unwesen und verwüstet das Königreich Götterland.
37:18Beowulf wappnet sich zur dritten und letzten Jagd auf ein monströses Wesen.
37:28Er scharrt die tapfersten Männer um sich.
37:33Unter ihnen befindet sich auch der Sohn eines gefallenen Kriegers. Sein Name ist Viglav.
37:41Er ist unsicher und unerfahren. Von ihm würde man am wenigsten einen entscheidenden Beitrag im Kampf gegen einen Drachen erwarten.
37:53Die Männer erreichen die Höhle des Drachen, inmitten eines dichten Waldes.
38:00Beowulf tritt vorsichtig hinein und findet das Ungeheuer schlafend vor.
38:10Doch bevor er zuschlagen kann, erwacht der Drache und greift an.
38:24Beowulf ruft seine Mitstreiter um Hilfe.
38:27Sie haben sich aber im Wald versteckt. Sie haben große Angst vor dem Drachen.
38:34Alle außer einem.
38:37Den jungen Wiglav.
38:41Einst belächelt kann er sich jetzt beweisen.
38:46Unter Lebensgefahr steht er kämpfend seinem Idol bei.
38:50Gemeinsam gehen sie gegen den Drachen vor.
38:54Soweit die Legende.
38:55Doch wo liegt hier die Verbindung zur Realität?
39:04Drachen sind die größten Ungeheuer der Mythologie.
39:12In vielen christlichen Traditionen verkörpert der Drache die ultimative Schlange, eine riesige Manifestation des Satans.
39:21Doch in vorchristlichen Zeiten schienen Drachen eher für Kraft, Grausamkeit und Mysterium zu stehen.
39:31Die große Angst der Menschen neben den gewohnten Ängsten, die von der Umwelt produziert werden, war immer mit dem Fantastischen,
39:39Chaotischen und Unbekannten verbunden.
39:42Das unberechenbare Ungeheuer.
39:46Drachen spielen eine zentrale Rolle in den Mythen dieser Erde.
39:52Trotz riesiger, regionaler und zeitlicher Spannen zwischen den unterschiedlichen Mythen, sind deren Gemeinsamkeiten äußerst verblüffend.
40:02Die meisten Drachen haben Schuppen, schlangenartige Körper mit spitzenschwänzen und langen Hälsen, die in einem gehörmten Kopf enden.
40:11Viele speien Feuer und haben Flügel.
40:15Kann das Zufall sein?
40:18Oder hatten die Geschichtenerzähler des Altertums ähnliche Vorlagen in der Natur?
40:26Viele stellen sich die Frage nach der tatsächlichen Existenz von Drachen.
40:30Die weite Verbreitung dieser Mythen legt nahe, dass sie sich auf eine reale Basis stützen.
40:38Meine Theorie und die vieler anderer ist, dass Skelettfunde von Dinosauriern in Zentralasien die Fantasie der Menschen angeregt haben.
40:47Wenn man von den Knochen eines T-Rex auf das Tier schließt, kommt ein beängstigendes Monster zum Vorschein.
40:59Dinosaurierknochen wurden auf der gesamten Erde von frühester Zeit angefunden.
41:06Inspirierten sie das ultimative Monster der Mythologien?
41:20Beowulf attackiert den Drachen mit seinem Schwert.
41:26Der Drache schlägt zurück und verletzt Beowulf.
41:33Doch es gibt noch eine Chance zum Sieg.
41:37Der Bauch ist ein Schwachpunkt des Drachenpanzers.
41:42Während Wyclav den Drachen ablenkt, kriecht Beowulf unter dessen Körper und rammt ihm sein Schwert in den ungeschützten Bauch.
41:54Das Ungeheuer ist besiegt.
41:57Doch Beowulf bezahlt den Sieg mit seinem Leben.
42:03Der Drache biss Beowulf ins Genick.
42:05Schon während er die Bestie tötet, weiß er von seinem eigenen bevorstehenden Tod.
42:17Er sagt, bringe mir zumindest einige der Schätze, damit ich sehen kann, wofür wir gekämpft haben.
42:23Noch einmal möchte ich auf die Schätze blicken.
42:29Beowulf sagt, ich bin der Letzte meiner Familie.
42:32Ich habe keinen Erben.
42:33Weil du Mut bewiesen hast, gebe ich dir, Wyclav, mein Kettenhemd, mein Schwert und meinen Helm.
42:43Ein alternder Held stirbt, ein neuer ist geboren.
42:56Die letzten Strophen des Gedichts beschreiben Beowulfs Begräbnis.
43:02Seine sterblichen Überreste werden auf einen Scheiterhaufen gebettet und verbrannt.
43:14Beowulfs Tod steht für den Gedanken, dass alle Menschen und ihre Taten flüchtig sind.
43:21Ein großer Held, die Ikone der nordischen Krieger, ist tot.
43:26Doch seine Legende wurde im selben Moment geboren.
43:36Hunderte altertümliche Grabhügel liegen über Skandinavien verstreut.
43:41Doch viele sind noch immer nicht ausgegraben.
43:45Könnte einer von ihnen das Grab des echten Beowulfs sein?
43:52Hätte es Beowulf wirklich geben können?
43:55Natürlich.
43:56Die Legenden um ihn decken sich mit der Geschichte.
43:59Der Grund, weswegen wir diese Frage bejahen können, ist die simple Tatsache, dass Legenden mündlich verbreitet wurden und den Stoff
44:06für dieses Gedicht lieferten.
44:08Es muss etwas Wahres an der Sache sein.
44:13Ob nun Mann oder Mythos, Beowulf ist die personifizierte Tapferkeit.
44:21Im Frühmittelalter verkörperte er das Beste im Mann.
44:27Das Leben eines Kriegers.
44:30Und den Tod eines Helden.
44:33Untertitelung des ZDF für funk, 2017

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