Zum Player springenZum Hauptinhalt springen
  • vor 6 Minuten
Abenteuer, Antike ,Mythologie

Kategorie

📺
TV
Transkript
00:01Ist dies der Abdruck eines Gekreuzigten?
00:05In Spanien wird ein scheinbar blutbeflecktes Tuch verehrt, das möglicherweise Jesus' Gesicht nach dessen Tod bedeckte.
00:16Eine mysteriöse Scheibe, deren Symbole durch eine Technik entstanden, die dieser Zeit weit voraus war.
00:23Wer machte sie? Und welche Geheimnisse birgt ihr dreieinhalbtausend Jahre alter Code?
00:48Die Kathedrale von Oviedo
00:51Die Gemeinde der spanischen Stadt hat sich zu einem besonderen Gottesdienst.
01:01Heute steht ein verblichenes, zerschlissenes Tuch im Mittelpunkt, das als eine der wertvollsten Reliquien der Welt gilt.
01:12Es ist Karfreitag. Hunderte strenggläubiger Christen sind aus ganz Spanien angereist, um ein einfaches Stück Stoff zu verehren.
01:24Das stark abgenutzte Tuch ist auch unter seinem lateinischen Namen Sudarium bekannt, eine Bezeichnung für ein Schweißtuch aus römischer Zeit.
01:36Viele der heute Anwesenden glauben, dass dieses Tuch nach Jesus' Tod dessen Gesicht bedeckte.
01:46Doch es könnte weit mehr sein als ein bloßer Gegenstand religiöser Verehrung.
01:51Es könnte einen Hinweis auf den genetischen Bauplan des Göttlichen enthalten.
01:59Wenn dies tatsächlich das Sudarium Jesu Christi war, könnte eine Spur seiner Existenz auf Erden darauf zurückgeblieben sein.
02:09Das Tuch scheint blutgetränkt zu sein. Ist es das Blut Jesu?
02:23Mark Gaskin ist Experte für klassische Sprachen und Autor zahlreicher Bücher.
02:32In Oviedo will er die Reliquie untersuchen, die angeblich das Gesicht Jesu bedeckte.
02:44Spanische Wissenschaftler, die sich ausschließlich mit Christus-Reliquien beschäftigen, haben das Tuch untersucht.
02:53Sie kamen zu dem Schluss, dass das Blut auf dem Tuch die Blutgruppe A, B hat.
02:58Die im Nahen Osten häufig vorkommt.
03:07Nach aktuellen Tests datiert man das Tuch auf das 8. Jahrhundert oder früher zurück.
03:15Die Ergebnisse einer Carbon-Datierung können durch verschiedene Stoffe verfälscht werden, unter anderem durch Öl.
03:22Auf dem Sudarium wurden auch tatsächlich Ölrückstände gefunden.
03:34Das Tuch wurde über Jahrhunderte in Räumen aufbewahrt, die mit Kerzen beleuchtet wurden.
03:39Auch Spuren von Kerzenwachs wurden auf dem Sudarium nachgeliesen.
03:47Mit einer Kopie des Tuches führt Gaskin Experimente durch.
03:57In der Mitte des Tuches befindet sich ein Brandmahl, ein kleines Loch, wie man auf dieser Kopie gut sehen kann.
04:07Niemand weiß, wie die Verehrungszeremonien vergangener Zeiten das Tuch kontaminiert haben und welche Auswirkungen das auf spätere Datierungsversuche hatte.
04:15Wir fanden Spuren von Lippenstift und Farbrückstände. So etwas kann leicht zu einer Fehldatierung führen.
04:24Es wird allgemein angenommen, dass Jesus nur in ein Leichentuch eingehüllt war.
04:30Doch im Johannes-Evangelium wird angedeutet, dass sein Gesicht mit einem separaten Tuch bedeckt war.
04:45In einer Bibliothek im französischen Reims hat Gaskin ein Manuskript aus dem Mittelalter entdeckt,
04:51in dem von der Verwendung eines Sudariums bereits im 6. Jahrhundert die Rede ist.
05:04Gaskin wendet sich an Michael Hesemann, den Autor zahlreicher Bücher über Reliquien.
05:10Es geht um Folgendes. Ich habe in Archiven viele Manuskripte eingesehen.
05:15In einem Text aus dem 6. Jahrhundert ist von einer Pilgergruppe ins Heilige Land die Rede.
05:20Den Pilgern zufolge soll sich das Sudarium in einem Kloster in einer Höhle nahe Jerusalem befunden.
05:28Sie sprechen sicher vom Pilger von Piacenza, der das Heilige Land im Jahr 570 besuchte.
05:35Der Pilger von Piacenza?
05:36Ja.
05:38Der Reiseweg des Pilgers von Piacenza ist eine wahre Fundgrube.
05:42Man muss nur seinen Angaben folgen.
05:46Er war im Kloster des Heiligen Johannes am Jordan, an dem Ort, an dem Jesus getauft wurde, und in Jericho.
05:53Wir kennen also den Fundort.
05:54Es muss irgendwo zwischen dem Taufort und Jericho liegen, dabei aber, wie es im Text heißt, in der Nähe des
06:01Jordan.
06:01Ja, stimmt.
06:02Dann braucht man eine Felswand.
06:05Das Jordantal ist sehr flach.
06:07Felsen gibt es nur in einem Wadi, einem trockenen Flussbett.
06:12Tatsächlich gibt es nur ein Wadi zwischen dem Taufort und Jericho.
06:16Kein anderes Kloster passt auf diese Beschreibung.
06:23Auf der Suche nach einem Ort, auf den die Beschreibung des Höhlenklosters aus dem 6. Jahrhundert passt,
06:28begibt sich Gasken von Spanien ins Herz des Heiligen Landes.
06:51Der investigative Journalist Noam Shalef hat eine faszinierende Mission.
06:57Er soll den einstigen Standort des legendären Höhlenklosters finden, das möglicherweise das verehrte Sudarium beherbergt hat.
07:05Das Tuch, das das Gesicht des gekreuzigten Jesus bedeckte.
07:11Zuerst macht er sich auf die Suche nach dem Ort, an dem Jesus getauft wurde.
07:17Die Taufe soll in einem Fluss in der Nähe der altertümlichen Stadt Jericho stattgefunden haben.
07:23Doch dieser Ort liegt mitten im militärischen Sperrgebiet, an der Grenze zu Jordanien.
07:51Schalef überredet die Soldaten, ihn durchzulassen. Er muss sich jedoch von ihnen begleiten lassen.
08:09Dieses Gebiet ist eine militärische Sperrzone und sehr gefährlich.
08:16Hier stehen beeindruckende Gebäude aus der frühen Christenzeit.
08:20Doch wir dürfen sie nicht besichtigen, weil hier so viele Landminen herumliegen.
08:27Wir müssen immer auf der Straße bleiben.
08:35Einige Orte hier wurden seit Jahrhunderten nicht mehr betreten. Es ist unglaublich.
08:47Hier, an der krisengeschüttelten Grenze zwischen Israel und Jordanien, soll Jesus getauft worden sein.
09:00Ein Text aus dem Mittelalter erwähnt, dass Pilger auf ihrem Weg zu einem alten Kloster, das dem heiligen Johannes gewidmet
09:07war, hier vorbeikamen.
09:09In diesem Kloster soll das Sudarium Jesu aufbewahrt worden sein.
09:25Da steht zumindest griechisch-orthodoxes Konvent des heiligen Johannes.
09:30Ich würde gern zur Rückseite gehen, aber hier sind überall Landminen. Es sind einfach zu viele.
09:37Die Frage ist, ob diese Kirche an derselben Stelle erbaut wurde, wo einst das antike Kloster desselben Namens stand.
09:45Und gibt es in der Nähe Höhlen?
09:49In der Ferne, knapp außerhalb der Sperrzone, entdeckt Schalef eine weitere Kirche.
09:56Die Kirche des heiligen Gerasimus.
10:01Die Kirche des heiligen Gerasimus
10:28Vielleicht können Sie mir helfen.
10:30Ich suche ein Höllenkloster, das im 5. Jahrhundert hier in der Gegend existiert haben soll.
10:35Können Sie mir da weiterhelfen?
10:39Östlich von mir gibt es eine Höhle. Dort irgendwo soll auch der heilige Gerasimus gelebt haben.
10:46Dort ist ein Hügel, auf dem ein verlassener israelischer Panzer steht.
10:51Wenn Sie den sehen, ist die Höhle ganz nah.
11:01Nicht weit von der Kirche entdeckt Schalef das Wrack eines israelischen Panzers auf einem Hügel.
11:10Er beginnt seine Suche.
11:18Das könnte es sein.
11:30Befand sich an diesem verlassenen Ort tatsächlich das Kloster, das die Pilger im 6. Jahrhundert beschrieben.
11:36Und mit ihm das Versteck des Sudariums, des Speistuches von Jesus.
11:45Die Lage stimmt.
11:50Wir befinden uns zwei Kilometer vom Jordan entfernt, im Niemandsland.
11:56Der Ort ist perfekt.
12:03Der mittelalterliche Text erzählt die Schauergeschichte von sieben Kindern, die bei dem Sudarium in diesem Versteck lebten und die Höhle
12:11nicht verlassen durften.
12:14Sie verbrachten ihr Leben in Zellen und wurden von Einheimischen versorgt.
12:21Starb eines der Kinder, musste ein neues seinen Platz einnehmen.
12:31In solchen Felsspalten hat man vielleicht Kerzen oder Kreuze aufgestellt.
12:54Schalef hat verschiedene Höhlen ausfindig gemacht, die der im Manuskript beschriebenen gleichen.
13:01Doch findet er auch einen Schrein, in dem das Schweißtuch möglicherweise aufbewahrt wurde?
13:07Mal reinschauen.
13:17Es ist dunkel, abgeschieben, versteckt, perfekt.
13:24Für Schalef sind die Position und Anordnung des verlassenen Höhlenkomplexes identisch mit dem Ort, der im Manuskript von Reims beschrieben
13:32ist.
13:34Ich glaube, ich habe es gefunden.
13:36Sie haben es gefunden? Sind Sie sicher, dass es mit der Beschreibung übereinstimmt?
13:43Eine Legende besagt, dass das Schweißtuch, das das Gesicht Jesu Christi bedeckte, in den Hügeln des alten Palästina als Reliquie
13:51aufbewahrt wurde.
13:53Das ist ja fantastisch!
13:56Doch die Entdeckung eines Ortes, der dem beschriebenen scheinbar gleicht, bestätigt noch nicht die Echtheit des vermeintlichen Sudariums, das in
14:05Spanien verehrt wird.
14:09Die israelische Archäologin Orit Shamir lenkt die Untersuchungen auf die angebliche Reliquie zurück.
14:15Sie will herausfinden, ob sich das Tuch auf das erste Jahrhundert zurückdatieren lässt.
14:21Als Leiterin der Textilabteilung der israelischen Antiquitätenbehörde leitet sie die Untersuchungen an allen archäologischen Textilfunden im Land.
14:30Darf ich Ihnen Bilder vom Schweißtuch zeigen? Mikroskopaufnahmen.
14:40Oh, wunderschön! Woher sind die?
14:43Man sieht deutlich die Fasern, wie sie gesponnen und verwebt wurden. Das ist sehr gute Arbeit.
14:53Ich sehe keine Ausbesserung oder...
14:57Flicken?
14:58Flicken, genau.
15:02Da sieht man Einstichlöcher.
15:05Die sollen von Jesus' Dornenkrone stammen.
15:11Glauben Sie das auch?
15:15Schwer zu erkennen. Ich glaube nicht.
15:18Nicht?
15:18Vielleicht.
15:21Ich weiß es nicht.
15:23Maybe, maybe.
15:24I don't know.
15:30Es muss dringend geklärt werden, ob sich der Stoff des Schweißtuches auf Christus' Lebzeiten zurückdatieren lässt.
15:40Es ist eine sehr primitive Webart. Kette und Schuss sind auf einfachste Weise miteinander verbunden.
15:47Dieser Stoff erinnert mich an Textilien aus byzantinischer und römischer Zeit.
15:51Also ungefähr der Lebzeit von Jesus Christus.
15:55Oder später, zum Beispiel aus byzantinischer Zeit. Aber ganz sicher ist es kein mittelalterlicher Stoff.
16:04War diese Webart in Israel üblich?
16:07Nein, die ist europäisch. In Israel war diese Webart nicht verbreitet.
16:12Einige solcher Stoffe gab es schon, aber die wurden hier eingeführt.
16:19Für den Vergleich mit dem Schweißtuch steht nur ein einziges Exemplar eines Jerusalemer Leichentuchs aus dem 1. Jahrhundert zur Verfügung.
16:27Wie das Sudarium ist auch dieser importierte Stoff von ausgezeichneter Qualität.
16:35Das Leichentuch ist aus Wolle und stammt aus Griechenland oder Italien.
16:40Die Qualität ist sehr gut. Der Stoff weist keine Flicken oder Ausbesserung auf. Das Tuch wurde nur für diesen einen
16:48Zweck erworben.
16:51Außerdem sieht man Haar. Und das glänzt auch nach 2000 Jahren noch.
16:57Wie dieser Stoff aus dem 1. Jahrhundert scheint auch das spanische Sudarium hochwertige Importware zu sein.
17:04Und durch seine Webart könnte es sich in die gewünschte Periode einordnen lassen.
17:10Hier sind Webfehler. Das ist komisch.
17:16Doch viele angebliche Reliquien sind Fälschungen aus dem Mittelalter.
17:21Weitere Untersuchungen am Schweißtuch von Oviedo sind nötig.
17:35In Madrid analysiert eine auf Reliquien spezialisierte Gruppe von Wissenschaftlern die Verteilung der Flecken auf dem Tuch.
17:49Sie identifizieren ein komplexes Muster aus Blut und anderen Substanzen.
17:58Die Entstehung der Blutflecken wird im Labor nachgestellt.
18:02So erfahren wir eine Menge über die Position des Körpers und wie lange er so liegen musste, um diese Flecken
18:08zu verursachen.
18:10Das Tuch wurde zuerst um den Kopf gewickelt, und zwar um den eines Mannes mit langen Haaren und einem Bart.
18:17Er war tot, denn diese Flecken wären nicht entstanden, wenn sich das Tuch beim Atmen bewegt hätte.
18:25Forensische Beweise erzählen immer eine Geschichte.
18:28Handelt es sich hier um den verstörenden Beweis einer echten Kreuzigung?
18:35Wir wissen, dass die Leiche in einer aufrechten Position war, die Arme gerade ausgestreckt.
18:41Wahrscheinlich sollte das Tuch zuerst ganz um den Kopf gewickelt werden.
18:45Doch dieser wird wohl so am Arm erstarrt sein, denn die Totenstarrer setzt nach einem nicht natürlichen, gewalttätigen Tod sehr
18:52schnell ein.
18:55Also wurde es gefaltet, so. Und dadurch ergaben sich zwei aufeinander liegende Fleckmuster.
19:06Die Leiche lag etwa 45 bis 60 Minuten in dieser Position.
19:11Dann wurden die Arme angelegt und das Tuch vollständig um den Kopf gewickelt.
19:17Die Falten hier zeigen, dass es eingeknotet wurde.
19:24Die letzten Blutflecken müssen sich beim Transport der Leiche gebildet haben.
19:29Ruckartige Bewegungen führen zum schnellen Austritt von Blut, nicht zum langsamen Ausfließen durch die Nase.
19:38Jemand hat das Blut mit dem Tuch aufzufangen versucht.
19:42Juden glauben, dass das Blut der Sitz der Seele ist.
19:45Also wurde alles unternommen, damit kein Blut verloren ging und der Mensch mit all seinem Blut begraben werden konnte.
19:55Scheinbar erzählen diese Beweise eine grausame Geschichte.
20:02Doch handelt es sich dabei um eine echte Kreuzigung?
20:11Die Blutflecken auf dem Schweißtuch, besonders die vom Hinterkopf, zeigen, dass seine Kopfhaut von verschiedenen spitzen Gegenständen durchstochen wurde.
20:21Das passt ziemlich genau zu einer Dornenkrone.
20:24Wir gehen davon aus, dass die Flecken davon stammen.
20:39Alles deutet darauf hin, dass das Tuch das Gesicht eines Gekreuzigten bedeckt haben könnte.
20:47Erstaunlicherweise könnte auch das genetische Material dieses Menschen die Jahrhunderte überdauert haben.
20:58Viele Menschen glauben, dass das sogenannte Sudarium das Tuch war, mit dem einst Jesus Gesicht bedeckt war.
21:06Wenn das der Fall sein sollte, besteht die einmalige Möglichkeit, dass das Tuch Reste von Jesus' Körper und damit auch
21:14seine DNS enthält.
21:17Dies ist die verbleibende DNS-Probe, die wir dem Sudarium entnommen haben.
21:32Das ist das Ergebnis einer fleckigen Stelle im Tuch.
21:38Man sieht die Menge an DNS, die wir haben.
21:42Das ist das Fragment.
21:46Damit führen wir eine Sequenzierung durch und können es hoffentlich vervollständigen.
21:56Die Probe aus dem Sudarium enthält definitiv mitochondriale DNS.
22:06Diese Art der DNS wird bei der forensischen Suche nach Vermissten oder zur Auswertung von Knochenfunden und Ähnlichem verwendet.
22:19Mit mitochondrialer DNS lässt sich die mütterliche Abstammungslinie verfolgen.
22:26Die DNS des Vaters ist in der Probe nicht nachweisbar.
22:32Dank der großen Fortschritte in der Genforschung beherbergt also ein spanisches Labor möglicherweise die DNS von Jesus Christus.
22:47Eine geheimnisvolle Scheibe, bedeckt mit unbekannten Symbolen, führt uns mehr als 3000 Jahre zurück in eine antike Kultur.
22:55Der Diskus von Faistos verblüfft Historiker seit seiner Entdeckung.
23:02Die Bearbeitungstechnik schien ihrer Zeit um Jahrtausende voraus gewesen zu sein.
23:08Bisher gelang es noch niemandem, die verwirrenden Zeichen zu entschlüsseln.
23:12Manche halten den Diskus für einen Talisman, andere für einen uralten astronomischen Kalender oder ein hochentwickeltes Navigationsinstrument.
23:23Ein Mann glaubt jedoch, kurz vor der Enträtselung der mysteriösen Scheibe zu stehen.
23:34Der geheimnisvolle Antike-Gegenstand wurde an einem der heiligsten Orte der Antike ausgegraben.
23:46Dem legendären Psyloritis, einem fast 2500 Meter hohen Berg auf der Insel Kreta.
23:57Dieser Berg entstand vor mindestens vier Millionen Jahren, lange bevor der erste Mensch auf der Erde erschien.
24:07Nach dem griechischen Mythos war dies der Geburtsort von Zeus.
24:14Vor 100 Jahren machte der italienische Archäologe Luigi Pernier hier einen sensationellen Fund.
24:28Dies ist der Diskus von Faistos.
24:31In den Ton der Scheibe wurden kleine Stempel gedrückt.
24:34Da dieses Objekt das einzige seiner Art ist, können die Zeichen nicht entziffert werden.
24:42Das Alter der mysteriösen Scheibe wird auf mehr als dreieinhalbtausend Jahre geschätzt.
24:48Der Diskus ist mit rätselhaften Zeichen bedeckt.
24:51Bisher konnte sie niemand entschlüsseln.
24:54Doch ein Mann glaubt, dieses Ziel fast erreicht zu haben.
24:59Früher lehrte Gareth Owens am Institut für Archäologie in London.
25:04Heute lebt er auf Kreta und ist fest entschlossen, den Faistos-Code zu knacken.
25:11Mein Interesse wurde vor über 20 Jahren geweckt.
25:14Der Diskus lässt einen nicht mehr los.
25:16Und umgekehrt.
25:22Historiker können nicht einmal seine Existenz genau erklären.
25:30Owens trifft sich mit einem Töpfermeister, der zu wissen glaubt, wie die Scheibe hergestellt wurde.
25:41Er wird den Vorgang unter Anwendung traditioneller Techniken nachstellen.
25:53Kalimera, wie geht's?
25:56Wie geht's?
25:57Gut, danke.
25:59Zeigen Sie mir, wie man so etwas herstellt?
26:01Ja.
26:03Insgesamt befinden sich auf dem Diskus auf Vorder- und Rückseite 242 Symbole.
26:09Sie sind in Gruppen unterteilt und bewegen sich spiralförmig auf die Mitte zu.
26:13Viele Symbole wiederholen sich.
26:16Insgesamt sind es 45 verschiedene, unbekannte Zeichen.
26:24Der Töpfer weist jedoch darauf hin, dass die Wiederholungen identisch sind.
26:30Das ist der Schlüssel.
26:32Sie müssen also gestempelt worden sein.
26:38Interessanterweise sieht man, dass jedes Exemplar eines Symbols genau gleich ist.
26:43Von Hand ist das nicht zu bewerkstelligen.
26:50Die meisten Historiker finden das erstaunlich, bedenkt man, wie alt die Scheibe ist.
27:00Das Hochdruckverfahren soll erst zweieinhalb Jahrtausende später von den Chinesen erfunden worden sein.
27:10Der Diskus scheint also das Erzeugnis einer Zivilisation zu sein, die ihrer Zeit weit voraus war.
27:21Wenn es sich beim Diskus von Faistos um eine Art Dokument handelt, was beinhaltet es dann?
27:31Owens glaubt, dass die Symbole der Schlüssel zum Geheimnis sind.
27:36Für ein Alphabet sind es zu viele Symbole und für ein Sprachsystem wie Ägyptisch oder Chinesisch zu wenige.
27:44Wenn dies eine Sprache ist, dann eine, die noch nie jemand in Schriftform gesehen hat.
27:53Sinn und Zweck des Diskurs sind heftig umstritten.
27:57Es klingt weit hergeholt, doch möglicherweise benutzte die Kultur, deren Produkt er ist, astronomische Instrumente.
28:07Kreta ist eine Insel und die alten Minoer waren eines der ersten Völker von Seefahrern.
28:13Das wissen wir durch Darstellungen von Langbooten in der minoischen Kunst.
28:22Könnte der Diskus ein leistungsfähiges Navigationsinstrument gewesen sein?
28:29Am Meer sucht Owens nach Antworten.
28:35Seit unzähligen Generationen befahren die Männer dieser Insel das Mittelmeer.
28:44Wissen Sie, was das ist?
28:46Das ist der Diskus von Faistos.
28:49Wofür wurde er benutzt?
28:52Er stand aus Faistos, aber ich weiß nicht, was man damit gemacht hat.
29:00Es heißt, er diente vielleicht der Navigation.
29:06Kann sein, aber ich wüsste nicht wie.
29:09Soweit ich weiß, kann ihn keiner lesen.
29:17Heutzutage navigieren die kretischen Fischer mit GPS und anderen Hightech-Instrumenten.
29:22Doch die traditionellen Navigationsmethoden der vergangenen Jahrtausende haben sie nicht vergessen.
29:28Naja, damals gab es weder Radar noch GPS.
29:32Fahren Sie auch nachts raus?
29:34Na sicher.
29:36Wie navigiert man nachts? Wie machte man das, bevor es GPS gab?
29:43Früher orientierte man sich an den Sternen und hatte immer ein Auge auf die Berge an Land.
29:51Nach Owens Meinung hat bisher noch niemand die Symbole auf der Scheibe zufriedenstellend mit der Astronomie in Verbindung gebracht.
30:00Wozu diente der Diskos?
30:06Eine andere Theorie besagt, dass der Diskos von Faistos ein längst vergessenes Spiel darstellt.
30:13Das Spiralmuster soll einem Brettspiel ähneln, dessen Ursprünge im alten Ägypten vermutet werden.
30:22Es heißt, schon die alten Pharaonen sollen das königliche Gänsespiel gespielt haben.
30:28Der auf klassische Epochen spezialisierte Archäologe Sandy McGillivray fordert Owens zu einer Partie heraus.
30:36Wie Sie wissen, vermutet man, dass die Scheibe als Spielbrett diente.
30:41Man zieht mit seinen Figuren auf einer Spirale nach innen und kommt auf eine kleine Rosette in der Mitte.
30:47So ähnlich wie beim königlichen Gänsespiel.
30:53Doch anders als bei anderen Brettspielen stehen die Zeichen auf der Scheibe nicht in separaten Kästchen.
30:59Owens glaubt außerdem, dass es einfach zu viele Symbole sind.
31:03Der Blick hin zu anderen Kulturen ist wichtig, aber ich sehe eigentlich keine Hinweise auf ein Spiel.
31:08Es muss einen anderen Ansatz geben.
31:13Können Sie sich nicht minoische Priester und Priesterinnen beim Spielen vorstellen?
31:17Ich versuch's ja, aber es ist nicht leicht.
31:20Die Menschen versuchen immer den Dingen, die sie nicht logisch erklären können, mit ihrer Vorstellungskraft auf den Grund zu gehen.
31:26So finden sie eine Erklärung für das Unbekannte. Das ist immer so.
31:30Sie wollen immer alles verstehen.
31:32Ich bin aber in diesem Fall der Meinung, dass des Rätsels Lösung woanders liegt.
31:37Vom Fundort der Scheibe erhofft sich Owens überzeugendere Hinweise zu deren Zweck.
31:46Er fährt zum legendären Phaistos-Palast.
31:53Der griechischen Sage nach befand sich hier eine von König Minos gegründete Stadt.
31:58Er benannte sie nach Phaistos, dem Sohn von Herkules, der wiederum der Sohn von Zeus war.
32:06Heute kann man die Ruinen des Palastes besichtigen.
32:11Professor McGillivray berichtet jedoch von den Zweifeln einiger Gelehrter, dass Phaistos wirklich ein Palast war.
32:19Die Wahrheit ist, dass wir selbst 100 Jahre nach ihrer Ausgrabung und nach all den Studien immer noch nicht wissen,
32:25wozu diese Minoschen Paläste dienten.
32:29Aktuell verbreitet sich die Theorie, dass sie keine Königshäuser waren, sondern dass man sich in ihnen zum Vollzug bestimmte Rituale
32:37versammelte.
32:40Religiöse Artefakte und der Standort der Anlage deuten darauf hin, dass dies einst ein Tempel gewesen sein könnte.
32:48Für die alten Griechen war dies der heilige Berg des Zeus.
32:51Hier befindet sich die Idäische Grotte, ein Ort aus der Zeus-Legende.
32:58Vor Jahrtausenden zerstörte ein Erdbeben den Palast.
33:03Während das Griechische und das Römische Reich aufstiegen und zerfielen, lag der Diskus hier unentdeckt verborgen.
33:11Unter diesem Raum wurde der Diskus entdeckt.
33:17Hier zu sein, lässt mich darüber nachgrübeln, ob sich vielleicht ganz in unserer Nähe noch andere Gegenstände mit minoschen Schriftzeichen
33:23befinden.
33:24Hier liegt vielleicht der Schlüssel zu allem.
33:28Hatte der Diskus vielleicht einen religiösen oder magischen Zweck?
33:33Die Minoer unterschieden nicht eindeutig zwischen Religion und Magie.
33:41Wenn der Palast von Faistos tatsächlich ein Tempel war, könnten die Symbole auf der Scheibe dann eine Beschwörung oder eine
33:49Zauberformel darstellen?
34:03Die Suche nach Beweisen wird bei einer Abendandacht in einer griechisch-orthodoxen Kirche fortgeführt.
34:21Die Gebete und Gesänge werden rhythmisch und wiederholt vorgetragen.
34:26Dadurch entwickelt sich eine fast schon hypnotische Atmosphäre.
34:37Auch gereimte Texte sind ein typisches Merkmal der kirchlichen Lieder und Beschwörungen.
34:54Zeigt der Diskus vielleicht eine Melodie oder einen Rhythmus?
34:58Um das herauszufinden, besucht Owens einen Komponisten.
35:07Kostas Moskos leitet das Forschungsinstitut für Musik und Akustik.
35:14Er hat sich bereit erklärt, die Scheibe zu untersuchen.
35:21Schön, Sie zu sehen.
35:24Könnten wir uns heute den Diskus vielleicht aus einer anderen Perspektive vornehmen?
35:31Das war eine große Herausforderung.
35:33Ich habe die 45 Symbole in Gruppen aufgeteilt und diese einer diatonischen Tonleiter zugeordnet, die in der Antike sehr oft
35:43verwendet wurden.
35:48Als Instrument habe ich die Leier benutzt.
35:57Moskos ist Experte für antike Musikinstrumente.
36:02Die Leier spielte man mit einem Plektrum.
36:05Damit zupfte man die Seiten.
36:07Oder mit den Fingern.
36:12Die Trommel produziert drei verschiedene Töne.
36:16Diesen.
36:18Diesen.
36:19Und diesen.
36:22Den typischen Klang des Sistrums, einer Handklapper der minoischen Kultur.
36:28Moskos hat versucht, in der Anordnung der Symbole eine musikalische Logik zu entdecken.
36:33Er schuf aus ihnen eine Art Partitur.
36:38Würden Sie es gerne hören?
36:41Sehr gern, Kostas.
36:55Das Ergebnis ist faszinierend.
37:01Ein musikalisches Muster ist zu erkennen.
37:05Eine Sequenz sticht dabei hervor.
37:14Zwei bestimmte Töne, die sich ständig wiederholen.
37:21Musik
37:29Das hier ist der Beweis für einen musikalischen Reim.
37:34Ich habe leider kein besseres Wort dafür.
37:37Die Musik wiederholt sich jedenfalls.
37:39Das habe ich heraushören können.
37:41Haben Sie vielen Dank.
37:43Die Wiederholung legt nahe, dass ein bestimmtes Symbolpaar eine besondere Bedeutung hat.
37:49Ein Schild mit sieben Punkten und ein menschlicher Kopf scheinen den Rhythmus zu bestimmen.
37:55Doch was könnten diese Symbole bloß bedeuten?
38:02Möglicherweise ist es mithilfe der Musik gelungen, ein antikes Artefakt zu entschlüsseln,
38:07an dem schon Experten aus der ganzen Welt verzweifelt sind.
38:10Der Wissenschaftler Gareth Owens ist der Meinung,
38:13dass der Diskurs von Faistos religiöser oder magischer Bedeutung gehabt haben könnte.
38:18Auf ihm scheinen Phrasen abgebildet zu sein, die sich wiederholen.
38:22Eine Beschwörung vielleicht oder ein Gebet.
38:26Doch an welchen uns unbekannten Gott kann ein Gebet vor dreieinhalb Jahrtausenden gerichtet gewesen sein?
38:33Owens vermutet die Antwort in den beiden Symbolen,
38:36die in gleichmäßigen Abständen wiederholt in die Scheibe eingedrückt sind.
38:41Ohne jeden Zweifel hat folgende Symbolkombination die grösste Bedeutung.
38:45Zuerst der Punk und dann der Kreis mit den sieben Punkten.
38:51Diese Symbole hat der Komponist in seiner Partitur besonders betont.
38:56Doch was bedeuten sie?
39:00Der Diskurs stellt möglicherweise eine ungewöhnliche Form kretischer Hieroglyphen dar.
39:07Hieroglyphen gehören zu den frühesten Formen der Schriftsprache.
39:12Die bekannteste Hieroglyphenart ist die der ägyptischen Priester in ihren heiligen Schriften.
39:20Zuerst handelte es sich um Abbildungen verschiedener Objekte.
39:24Die Sonne, ein Haus, ein Vogel.
39:27Doch im Laufe der Zeit wurden die Zeichen immer abstrakter.
39:31Sie repräsentierten dann auch Laute, die in bestimmten Kombinationen neue Worte bildeten.
39:38So wurden Bilder allmählich zu Schriftzeichen.
39:42Diese gezackte Linie stellte bei den Ägyptern Wasser dar.
39:46Im Altertum lautete das semitische Wort für Wasser Mem.
39:51Nach und nach verschmolzen einige Symbole und Laute miteinander.
39:56Ägyptologen glauben, dass hier der Ursprung des heutigen Buchstabens M zu finden ist.
40:07Obwohl Owens die Bedeutung der beiden wichtigsten Symbole verborgen bleibt,
40:11glaubt er, herausfinden zu können, welchem Klang sie entsprochen haben.
40:17Wahrscheinlich steht jedes dieser Zeichen für einen Laut.
40:19Zusammen bilden sie Wörter.
40:21Das ist für mich der Schlüssel.
40:28Nachdem Owens die Häufigkeit des Vorkommens der Symbole analysiert hat,
40:32sucht er nach ähnlichen Symbolen in zwei anderen antiken Schriften, die auf Kreta gefunden wurden.
40:38Linearschrift A und B.
40:41Dieser Kopf steht in 90 Prozent aller Fälle am Anfang eines Wortes
40:45und repräsentiert in anderen kritischen Schriftfunden den Laut A.
40:50Dieses Zeichen steht nach einem Vergleich mit den Linearschriften A und B für Quell.
40:56Vielleicht haben wir also den Wortanfang, der den Diskurs verständlich macht.
41:0013 von 61 Wörtern beginnen mit A Quell.
41:09Owens vermutet, dass der Kopf für den Laut A steht und der Kreis mit den sieben Punkten für Quell.
41:18Dass sie zusammen 13 Mal wiederholt werden, deutet darauf hin,
41:22dass diese Lautkombination entscheidend für die Entzifferung der Scheibe sein könnte.
41:26Doch was bedeutet A Que?
41:30Ich glaube, dass A Que etwas mit dem indoeuropäischen Wort Ako zu tun haben könnte,
41:35das erwiesenermaßen Mutter bedeutet.
41:38Die alten Griechen nannten sie Ako.
41:41Die Römer nannten sie Aka-Larenzia.
41:45Und die Germanen nannten sie Mada-Aka.
41:50Ihr Name zieht sich durch die Geschichte.
41:53A-Que, Ako, Aka.
41:58Es bedeutet immer große Muttergöttin.
42:02Die Entstehungskraft hinter allem.
42:13Der Diskurs von Faistos könnte also das früheste bekannte Gebet zu Ehren der minoischen Götter auf Kreta sein.
42:23Es hieß, der mächtige Zeus sei in diesen Bergen geboren worden.
42:28Doch Owens glaubt, dass die Schöpfer der Scheibe eher zu dessen Mutter beteten.
42:40Auf einer der heiligsten Städten der minoischen Kultur, dem Berg Juktas,
42:46steht nun eine Kirche an der Stelle der früheren heidnischen Tempel.
42:57Owens hat sich mit dem Priester, der auch die griechische Archäologiebehörde auf Kreta vertritt, verabredet.
43:15Beim Betreten der Kirche bemerkt Owens eine beeindruckende Anzahl an Abbildungen von der Jungfrau Maria, der Mutter Gottes.
43:23Er fragt sich, ob sie hier deshalb so stark verehrt wird, weil auf diesem Berg bereits vor Jahrtausenden ein ähnlicher
43:30Kult betrieben wurde.
43:33Zuerst kommt natürlich die Mutter Erde. Sie ist die Mutter aller, auch von Gott.
43:42Sie ist immer mit ihrem jungen Sohn dargestellt, den die Kreten früher als den Gott Zeus ansahen.
43:50Doch unsere Geburt und unser Leben verdanken wir allein ihr.
43:57Vielleicht wird der rätselhafte Diskurs von Faistos sein Geheimnis nie preisgeben,
44:01doch Owens glaubt wenigstens einen ersten Hinweis gefunden zu haben.
44:06Wir hoffen, dem Verständnis der Wörter, die darauf abgebildet sind, vielleicht etwas näher gekommen zu sein.
44:12Ganz sicher ist es eine Inspiration für weitere Ansätze zur Entzifferung.
44:16Ich weiß nicht, wie viel noch vor uns liegt, aber ich glaube, wir haben ein Stück geschafft.
44:21Falls die Symbole ein Gebet darstellen, werden wir dessen Inhalt wohl nie erfahren.
44:25Doch Gareth Owens glaubt wenigstens zu wissen, an wen es gerichtet gewesen sein könnte.
44:30Ich weiß nicht, wie viel noch vor uns liegt, wie viel noch vor uns liegt.

Empfohlen