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Abenteuer, Antike ,Mythologie
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00:06Was, wenn der Mensch gestorben ist? Was, wenn sein Leben hier auf Erden zu Ende ist?
00:12Woher kommt der Mensch? Wohin geht er? Welchen Sinn hat sein Leben?
00:17Das sind zentrale Fragen der Menschheit, die sich wissenschaftlicher Gewissheit entziehen.
00:22Das Interesse, diesen Fragen auf den Grund zu gehen, jedoch bleibt.
00:31Kirtiswaro Prabhat ist Reinkarnationsforscher in Indien.
00:34Mehr als 80 Prozent der indischen Bevölkerung sind Hindus und mit dem Glauben an Wiedergeburt aufgewachsen.
00:41Seit 50 Jahren dokumentiert er Erzählungen von Menschen, die behaupten, sich an ein früheres Leben erinnern zu können.
00:47Heute besucht der Reinkarnationsforscher die sechsjährige Suman.
00:51Immer wieder erzählt sie von ihrem früheren Leben.
01:23Der Reinkarnationsforscher interessiert sich besonders für Erzählungen von Kindern.
01:28Er will wissen, stimmen sie mit historischen Tatsachen überein?
01:32Beschreibt das Kind Orte, die es gar nicht kennen kann?
01:35Gibt es körperliche Ähnlichkeiten zur verstorbenen Person, die das Kind vorgibt, gewesen zu sein?
01:41Für die sechsjährige Suman ist klar, sie war früher Lalita.
01:45Genau die Lalita, die vor acht Jahren ertrunken ist.
01:50Wie heisst du?
01:58Lalita.
02:00Wie bist du denn gestorben?
02:04Abi hat mich in einen See gestossen.
02:06Abi hat dich in den See gestossen? Oje.
02:10Seit Suman sprechen kann, nennt sie ihre leibliche Mutter Babi.
02:14Die Eltern der verstorbenen Lalita hingegen, Mama und Papa.
02:18Nicht einfach für Suman's leibliche Mutter und auch nicht für die Eltern der verstorbenen Lalita.
02:23Einem Kind, das von seinem früheren Leben erzählt, wird in Indien sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt.
02:39Natürlich ist Suman meine Tochter und manchmal nennt sie mich auch Mami.
02:43Und natürlich habe ich das Kind nicht in den See geschmissen.
02:47Warum auch?
02:52Warum sollte ich das tun?
02:57Selbst nach mehr als fünf Jahren scheint Suman ein grösseres Nahverhältnis zu den Eltern der verstorbenen Lalita zu haben, als
03:03zu ihren leiblichen.
03:05Das geht ja sogar so weit, dass Suman ihre leibliche Mutter Babi und die Eltern der verstorbenen Lalita Mami und
03:11Papi nennt.
03:11Selbst nach so vielen Jahren.
03:15In diesem Fall ist besondere Vorsicht geboten.
03:18Die beiden Familien kennen sich, sind Nachbarn.
03:21Sie könnten die Geschichte erfunden haben in der Hoffnung, durch vermehrte öffentliche Aufmerksamkeit das Haushaltsgeld ein wenig aufzubessern.
03:29Möglich ist auch, dass sich das Mädchen einfach selbst eine andere Identität gegeben hat.
03:34Da können also zwei Mechanismen eine Rolle spielen.
03:37Also zum einen, dass eben Kinder tatsächlich sehr sensitiv sind, also die alles quasi aufsaugen, was in der Umwelt passiert
03:47und nachahmen.
03:48Also wir haben ein System von sogenannten Spiegelneuronen, oder zumindest wird es als sehr wahrscheinlich angenommen,
03:54dass es die auch bei Menschen gibt, vielleicht sogar mehr als bei Tieren, was uns erlaubt, alles sehr exakt zu
04:03imitieren.
04:04Und die zweite Ebene, wo man argumentieren kann, ist eine neue, die nennt sich Epigenetik.
04:12Die sagt, dass die Umwelt die Gene verändert.
04:16Das heißt, wenn jetzt die Kinder einer bestimmten Umwelt ausgesetzt sind, also Eltern, nahen Verwandten, die in der einen oder
04:25anderen Form denken,
04:27dann mag sich das auf das kindliche Denken übertragen, ohne dass das irgendwie dem einen oder anderen bewusst wird.
04:39Der Reinkarnationsforscher ist unterwegs zu einem anderen Fall.
04:48Als ich von diesem Fall erfahren habe, war ich sehr interessiert daran.
04:52Zwillinge, ein Mädchen und ein Bub sprechen über ihr früheres Leben und behaupten, gemeinsam gestorben zu sein.
04:58Angeblich haben die Kinder irgendwelche Narben an ihrem Hals. Ich bin schon sehr gespannt.
05:19Kirti Swaropra hat versucht, das Vertrauen der dreieinhalbjährigen Kinder zu gewinnen.
05:23Für seine Recherche ist es wichtig, dass sie ihm möglichst unbeeinflusst von Eltern und Verwandten ihre Geschichte erzählen.
05:30Für den Reinkarnationsforscher sind jedoch auch Informationen der Angehörigen von grosser Bedeutung.
05:36Sie wurden hellhörig, als die Kinder beim Spielen immer wieder von einem Baum und einem Strick gesprochen haben.
05:44Erst seit kurzem erzählen die Kinder, wenn ich das Mädchen frage,
05:48»Chinki, wie bist du denn gestorben?«
05:50Dann sagt sie, »Ich habe mich an einem Niembaum erhängt.«
05:54Und dann erzählt sie, dass sie mit ihrem Bruder Gudu, der ja eigentlich Chintrasch heisst, gestorben ist.
05:59Ihre Ärmel waren auch irgendwie zusammengebunden.
06:02Der Bub sagt nicht viel, eher das Mädchen.
06:05Wir fragen dann nicht so viel, weil wir diese Erinnerung nicht unterstützen wollen.
06:09Aber wenn man ihn fragt, dann sagt er, »Chinki hat den Strick angebunden und aufgehängt.«
06:14»Ich habe das nicht gemacht.«
06:15Das war Chinki.
06:26Ich hatte einen Traum.
06:28In meinem Traum war ich die Mutter von Zwillingen.
06:30Aber es war komisch, die Kinder haben sich zu mir ins Bett gelegt und mich gebeten, ihnen zu helfen.
06:35Ich habe sie weggeschickt.
06:37Solche Dinge habe ich geträumt.
06:47Wenn die Kinder spielen und sich unbeobachtet fühlen, dann sagen sie, »Wir waren im Auto.«
06:53Dann haben wir den Strick vorbereitet.
06:55Wir haben Alkohol getrunken und dann unsere Hände zusammengebunden.
07:04In den meisten Fällen ist ein gewaltsamer und plötzlicher Tod eingetreten.
07:10Schon Freud sagte, die Geburt ist das erste Trauma.
07:13Sie könnte ein Auslöser dafür sein.
07:24Der Reinkarnationsforscher will die Narben sehen.
07:27Die Narben, die der Strick, von dem die Kinder erzählt haben, hinterlassen haben könnte.
07:36Seit mehr als 50 Jahren ist Kirtisvaro Bravat für seine Forschung in ganz Indien unterwegs.
07:43Bekannt wurde die Reinkarnationsforschung durch den kanadischen Psychiater Ian Stevenson.
07:48Der etablierte Wissenschaftler untersuchte mehrere tausend Fälle weltweit.
07:52Er selbst sprach jedoch nie von Beweisen der Reinkarnation, sondern lediglich von Fällen, die Reinkarnation nahelegen.
08:08Kirtisvaro Bravat hat für seine Dokumentationen in der indischen Stadt Indor ein Zentrum für Reinkarnationsforschung begründet.
08:16Jeder einzelne seiner rund 600 dokumentierten Fälle wurde daraufhin geprüft, ob es sich um Betrug, Selbstbetrug oder um sogenannte Scheinerinnerungen
08:26handelt.
08:31Hinter dem Konzept der Reinkarnation in Indien stehen zwei Begriffe oder Vorstellungswelten.
08:37Das eine ist Dharma, das andere ist Karma.
08:41Dharma bedeutet, dass die gesamte Welt eine Ordnung ist.
08:45Und zwar, dass die kosmischen Gesetze, die Gesetze der Gesellschaft, die Gesetze des Denkens, die Gesetze des Fühlens,
08:53alle miteinander zusammenhängen und, ich würde mal sagen, universelle Harmonien abbilden.
09:00Das zweite ist Karma.
09:02Und Karma heißt, dass jede Tat eine Wirkung nach außen und nach innen hat.
09:07So wie einer denkt, wie einer handelt, wie einer geht, so wird er.
09:12Sodass also mit einem bestimmten zeitlichen Ende, dem zeitlichen Ende dieses Körpers,
09:16diese karmischen Prägungen und Veränderungen nicht zu Ende sein können.
09:20Sonst wäre es keine Harmonie.
09:22Und von daraus ergibt sich für indische Verhältnisse notwendigerweise die Vorstellung von Wiedergeburt oder von Weiterleben irgendeiner Art über das
09:32Ende des physischen Körpers hinaus.
09:37Volksglaube und religionswissenschaftliche Erklärung sind, wie so oft auch in puncto Reinkarnation, unterschiedlich.
09:44Nicht um das individuelle Schicksal geht es nach hinduistischer Philosophie, vielmehr darum, das große Ganze in Einklang zu halten.
09:52Materie geht nicht zugrunde, sondern Materie verwandelt sich.
09:55Und wenn der Körper stirbt, verwandelt sie sich also zum Beispiel in Rauch und Feuer und die Asche, die übrig
10:01bleibt.
10:02Aber die feinstofflichen, geistigen Energien, die Impulse, die gehen also weiter und sind, ich würde sagen, so etwas wie energetische
10:12Felder,
10:13die dann wieder dafür sorgen, dass sich daran dann wieder materielle Formen angliedern und das wäre dann die Wiedergeburt.
10:29Während im Volksglauben vielleicht mehr die einfachere Vorstellung existiert, naja, es ist eine Seele und wenn der Körper vergangen ist,
10:38dann wirkt die weiter und nimmt einen neuen Körper an.
10:49Auch im Buddhismus spielt der Gedanke der Reinkarnation, wenn auch anders als im Hinduismus, eine große Rolle.
10:55Es ist die Aufgabe jedes gläubigen Buddhisten, in einem guten, entsagungsbereiten Leben alle Begierden zu überwinden.
11:03Wenn dies nach vielen Leben gelungen ist, dann schließt sich der Kreislauf der Wiedergeburten und der Buddhist erreicht sein Ziel,
11:10das Nirvana.
11:12Im Buddhismus ist die Geschichte ja noch einmal besonders herausgehoben, weil diese Vorstellung vom Bodhisattva eine Rolle spielt.
11:20Das heißt, dass jemand wieder zurückkommt, nicht weil er muss, weil er, wie wir vorhin sagten, noch unfinished business hat,
11:26sondern weil er will, weil er hilfreich mit heilender Hinwendung zu allen Lebewesen,
11:31Karuna ist der buddhistische Begriff, für alle da sein will, bis die ganze Welt befreit ist.
11:39Dieses Konzept vom Bodhisattva hat dann auch im tibetischen Buddhismus eine große Rolle gespielt,
11:45wie sie in keiner anderen buddhistischen oder auch hinduistischen Kultur vorkommt,
11:49nämlich das Konzept vom reinkarnierten Lama, vom Tulku.
11:56Lama Lopon Ugyen Rinpoche stammt aus Tibet und gilt als Tulku, also als anerkannte Wiedergeburt eines bedeutenden buddhistischen Lehrers.
12:05Er sei, so die Auffassung, bereits die 24. Wiedergeburt dieser Linie.
12:19Als ich noch sehr klein war, habe ich mich angeblich, so erzählen meine Eltern und Lehrer,
12:23an die persönlichen Dinge meines Vorlebens erinnert und sie als mein Eigentum wiedererkannt.
12:30Später dann, als ich zu praktizieren begann, hatte ich Visionen und Träume und ganz klare Erinnerungen an drei meiner Vorleben.
12:37Also ganz klare Erinnerungen.
13:12Ich habe mich dafür entschieden, kein millionenschwerer Kardiologe zu werden,
13:16sondern meinen Verstand und Geist freizuhalten und nicht materiellen Dingen anzuhaften.
13:27Heute lebt der promovierte Mediziner und Doktor der Philosophie im Westen Kanadas,
13:32nicht als Mönch, sondern als Familienvater.
13:35Er ist der Ansicht, dass vor allem im Westen die Angst vor dem eigenen Tod die Ursache vieler Krankheiten ist.
13:41Diese Angst verschwinde durch das Wissen um Wiedergeburt, ist der Tulku überzeugt.
13:54Der unberührbare innere Kern des Verstandes ist das Zentrum unseres Seins.
13:59Wir kennen kein Ich im Buddhismus, das existiert nicht.
14:03Wir sind alle miteinander verbunden, genauso wie ein Augenblick aus dem nächsten Augenblick entsteht.
14:11Wir sprechen über interdependenten Nationen.
14:14Alles ist dependant.
14:17Es ist wie ein Bewusstsein, das ist eine Sequenz, die aus dem vorherigen Moment produziert wurde.
14:28Hallo? Kannst du mich hören?
14:33Zitten Zöchbauer lebt seit über 20 Jahren in Wien.
14:37Für die gebürtige Tibeterin bestimmt der Gedanke der Wiedergeburt ihr Tun und Handeln im Alltag.
14:47Es ist einfach eine Tatsache, dass ich so oft, wie es notwendig ist, so oft, bis ich mein Schicksal abgetragen
14:54habe, wiedergeboren werde.
14:59Wir nennen das wie ein Samsara, Leidensweg, ja.
15:04Und ich mache Fehler und ich habe bei der nächsten Wiedergeburt Möglichkeiten, diese Fehler wieder gut zu machen, bis ich
15:10das Leben bewusst verstanden habe.
15:17Ich habe meine erste Tochter, wo sie geboren ist, habe ich sie angeschaut und habe mir gedacht, ja, wo kommst
15:24du her?
15:24Wer warst du vorher?
15:25Und in dem Moment, wo sie mich richtig angeschaut hat, bin ich wirklich erschrocken, weil sie, sie schaut mich an
15:33und ihre, sie schaute mich an und ihre Augen waren nicht die Augen von jemandem, der nichts weiß.
15:39Die Augen eines neugeborenen Babys sind so wissende Augen.
15:46Also das, das ist mir richtig eingefahren und ich habe so einen Respekt bekommen vor meinem Baby,
15:53weil sie so geschaut hat, wie ein Mensch, der schon viel erlebt hat, der viel weiß und der irgendwie etwas
16:00zu erzählen hätte.
16:04Das hat mich dann überrascht, das habe ich dann so auch nicht erwartet.
16:07Und so nach drei Monaten haben sie dann diesen großen Babyblick.
16:15Der Glaube an die Wiedergeburt bringt mit sich, dass auch das Umfeld und der Alltag anders wahrgenommen werden, erzählt Zetin
16:23Zeuchbauer.
16:24Eine buddhistische Lehre besagt, jeder Mensch auf dieser Welt war schon einmal dein Vater oder deine Mutter.
16:29Die Wiedergeburt setzt etwas voraus, dass wir uns vorstellen, dass wir schon mehrere Leben hinter uns haben.
16:39Ich war vielleicht mal ein Mann.
16:42Ich war vielleicht einmal ein Bettler oder vielleicht ein sehr aggressiver Ehemann.
16:48Oder ich war vielleicht einmal eine sehr arrogante Dame oder ich weiß es nicht.
16:53Aber es nimmt viele Grenzen weg und es öffnet einem andere weniger zu verurteilen, versuchen mit Verständnis auf das zuzugehen.
17:03Und es hilft einem auch, weniger eifersüchtig zu sein.
17:14Der Gedanke der Wiedergeburt im Sinne der Seelenwanderung und der Wiederverkörperung steht dem christlichen Glauben diametral entgegen.
17:23Die Existenz des Menschen, so glauben Christen, liegt darin begründet, dass Gott den Menschen als sein Ebenbild ins Dasein ruft.
17:30Der einzelne Mensch, das Individuum, die Person, ist, so die christliche Vorstellung, einzigartig und geht auch nach dem Tod nicht
17:38verloren.
17:39Der Mensch soll sein Leben leben, nicht deshalb, weil eine bestimmte Vergangenheit das erfordert und auch nicht deshalb, weil eine
17:47bestimmte Zukunft das benötigt.
17:50Für den Monotheismus, also für Judentum, Christentum und Islam, folgt die Einzigartigkeit unseres Lebens aus der Einzigartigkeit Gottes.
18:00Zunächst ist Gott einzigartig, also da sitzen nicht drei, vier, fünf, hundert im Himmel.
18:06Und wir als Geschöpfe Gottes sind einzigartig geschaffen und haben ein einzigartiges Leben.
18:14Fürs Christentum ist der Tod der Punkt, an dem der Mensch aufhört, in den Dimensionen von Raum und Zeit zu
18:23existieren.
18:24Und dahinter ist Zeitlosigkeit.
18:31Die Zisterzienserinnen im burgenländischen Marienkron leben mit der Hoffnung auf die Auferstehung.
18:36Nicht an eine Wiederverkörperung glauben sie, sondern daran, dass der Mensch nach dem Tod verwandelt wird und ganz aufgehoben ist
18:44bei Gott.
18:55Wir haben mit diesem Weg des Ordenslebens einen Weg eingeschlagen, der von der ersten Entscheidung jeder Einzelnen von uns eine
19:07feste Bindung ist.
19:10Und indem wir diese Entscheidung gefällt haben, uns an Gott zu binden, ist im Grunde das, was Tod oder danach
19:19oder Leben nach dem Tod und Auferstehung ist, das Ziel, auf das sich alles hin orientiert.
19:35Ich habe nie Bilder vor Augen von einem Paradies mit einem Garten oder so.
19:40Das, was ich da drin erlebe als Nähe, das kann nicht verloren gehen.
19:49Ich meine, das Pfund Fleisch da und ein Stück Stoff, das ist dann irgendwann weg.
19:57Aber das da, was man nicht sieht und auch kaum beschreiben kann, aber im Gespräch, das weiß dann jeder, was
20:06man meint.
20:07Das bleibt bestimmt. Also, ich glaube schon.
20:26Keiner von uns hat es erlebt. Keiner ist zurückgekommen.
20:33Wir erfinden die Sprache ja auch nicht neu oder die Bilder für das, wonach die Menschen seit Adam und Eva
20:40suchen.
20:41Und von der Bibel her, wenn einfach Gott der Gott des Lebens ist, dessen Kinder wir sein dürfen oder der
20:51uns in seine Fülle aufnimmt, dann ist danach nichts mehr denkbar.
21:01Wir sind wahrscheinlich, auch das wissen wir nicht ganz genau, die einzigen Lebewesen, wir Menschen, die wissen, dass sie sterben.
21:11Die aber eine Fantasie haben, also geistige Potenziale haben, ein Leben zu denken jenseits des Todes, was über diese Zeit
21:21hinausgeht.
21:24Und nach meiner Theorie hat Religion zwei Wurzeln.
21:28Das eine ist genau diese, wie wir in der Philosophie sagen, Kontingenz, die Zufälligkeit des menschlichen Lebens und die Endlichkeit,
21:35den Schmerz, die Krankheit, das Unerfülltsein zu kompensieren.
21:42Die zweite Wurzel der Religion ist die ekstatische Erfahrung, die Erfahrung von Schönheit, von Lust, von Freude, von absolutem Einssein,
21:49Seligkeit.
21:51Und aus diesen beiden zusammen, aus dem Unerfülltsein des Lebens und aus den Erlebnissen der Vollkommenheit und des vollkommenen Erfülltseins,
21:59bilden sich dann die Utopien.
22:03Utopie heißt ja, was keinen Ort hat, was jetzt also hier in dieser zeitlichen und räumlichen Lebenserfahrung noch nicht realisiert
22:11ist,
22:11was aber in der geistigen Welt, in der Vorstellungskraft des Menschen realisiert werden kann.
22:18Daraus bildet sich die Kunst, daraus bildet sich die Religion.
22:37Kirtisvaro Pravat will mehr wissen über den Fall der dreieinhalbjährigen Zwillinge, die behaupten, sich in ihrem früheren Leben erhängt zu
22:44haben.
22:44Im Archiv eines Zeitungsverlegers sucht der Reinkarnationsforscher nach Hinweisen.
22:49Gibt es vielleicht Berichte, die mit den Erzählungen der Kinder übereinstimmen?
22:57Der Verleger erinnert sich sofort an einen tragischen Doppelselbstmord aus dem Jahr 2006.
23:02Ein Paar erhängte sich an einem Neembaum aus Liebeskummer.
23:29Die Hände des Paares waren zusammengeknotet.
23:32Die Polizei vermutete deshalb Mittäterschaft.
23:35Doch die Ermittlungen wurden schliesslich eingestellt, der Fall als Selbstmord eingestuft.
23:45Wie Puzzlesteine setzt sich das Bild für Dr. Svaroob zusammen.
23:49Was genau war geschehen?
23:52Der junge Mann, Lachsmann Singh Rawat, wurde wie in Indien üblich mit einem Mädchen verheiratet.
23:58Keine Liebesheirat, sondern eine arrangierte Verbindung.
24:02Die Brautleute waren zu diesem Zeitpunkt noch sehr jung, deshalb zogen sie vorerst noch nicht zusammen,
24:07lebten weiter bei ihren eigenen Familien.
24:12Der junge Mann arbeitete als Busfahrer.
24:15Eines Tages lernte er bei einer seiner Fahrten Manschuh Canva Rega kennen.
24:19Ein Mädchen aus einer anderen Kaste.
24:22Die beiden verliebten sich.
24:24Hielten ihre Romanze jedoch geheim.
24:27Zwei Jahre später dann kündigte Lachsmanns Schwiegervater an, seine Tochter nun zu Lachsmann zu schicken.
24:32Da wurde dem jungen Mann die Ausweglosigkeit seiner Situation bewusst.
24:37Er verheiratet, seine Geliebte aus einer anderen Kaste.
24:41Niemals, so dachten beide, könnten sie ihre Liebe öffentlich zeigen, niemals wirklich glücklich miteinander werden.
24:47Als einzigen Ausweg sahen sie nur den gemeinsamen Tod.
24:50Im Abschiedsbrief steht geschrieben, in diesem Leben könnten wir nicht zusammen sein.
24:55Wir wollen zumindest im Tod und darüber hinaus zusammen sein.
25:07Der Reinkarnationsforscher will sich den Ort des Geschehens anschauen.
25:10Der Bruder des Verstorbenen führt Kirti Swarupravat zum Baum, an dem sich das Paar erhängt hatte.
25:30Es gab drei Menschen, die von einem Paar geträumt haben.
25:35Es ist im Traum erschienen und hat darum gebeten, wiedergeboren zu werden.
25:41Genau neun Monate nach dem Tod des Paares sind die Zwillinge geboren worden.
26:12Kirti Swarupravat braucht noch mehr Informationen.
26:15Er besucht die Familie des erhängten jungen Mannes und will wissen, ob sie mit der Familie der Zwillinge Kontakt hatte,
26:21ob sie einander kennen.
26:23Und er will ihre Erzählungen und Erinnerungen hören.
26:40Ich glaube schon, dass dieses Kind mein Sohn ist.
26:43Ich habe davon gehört, habe ihn aber noch nicht gesehen.
26:46Aber er muss es sein.
26:48Er ist ja auch neun Monate nach dem Vorfall wiedergeboren worden.
26:52Man hat mir erzählt, dass er im Schlaf die eine Hand in die andere legt.
26:58Es ist genau wie bei Lachsmann, der hat auch immer so geschlafen.
27:02Also bin ich überzeugt, dass er mein Sohn ist.
27:26Es wäre gut, wenn er wiedergeboren worden wäre.
27:29Dann kann er jetzt den ganzen Tag mit seiner Freundin zusammen sein.
27:33Hoffentlich kann er jetzt den Menschen heiraten, den er heiraten will.
27:37Die Leute im Dorf sagen, dass der kleine Bub Ähnlichkeiten mit meinem Bruder hat.
27:42Ich weiß nicht, was ich glauben soll.
27:44Wenn ich den Buben sehe, ändere ich vielleicht meine Meinung.
28:04Auch das Elternhaus des erhängten Mädchens, Manchu, besucht der Reinkarnationsforscher.
28:09Die Mutter ist von dem Besuch überrascht und möchte zuerst gar nicht über den tragischen Tod ihrer Tochter sprechen.
28:19Wenn ich gewusst hätte, was im Kopf meines Mädchens vorging, ich hätte es verhindert.
28:26Kein Mensch, niemand hier in der Nachbarschaft hat davon gewusst.
28:38Wenn ich das kleine Mädchen sehe, wenn ich ihr Gesicht und ihre Augen sehe, dann werde ich wissen, ob es
28:43wirklich meine Tochter ist.
28:45Jemand soll das Mädchen zu mir bringen und es bei mir lassen.
28:48Das Mädchen sollte von sich aus zu mir finden und sagen, hier ist meine Mami.
29:19Das Mädchen sollte von sich sein.
29:31Wir müssen versuchen zu verstehen, welcher Teil des Menschen bleibt erhalten, über den Tod hinaus.
29:37Also, wenn ein Mensch stirbt, so stirbt der leibliche Körper.
29:42Ein Teil der Persönlichkeit bleibt erhalten und dieser Teil wird wiedergeboren.
29:56Für uns aus unserer westlichen wissenschaftlichen Ansicht her wäre es nur möglich, dass sich so ein Kind über irgendjemand anders
30:09Wissen angeeignet hat.
30:12Es gibt sicher sehr viel, was wir noch nicht naturwissenschaftlich erforscht haben.
30:19Es kann trotzdem sein, dass es durchaus naturwissenschaftlichen Gesetzen folgt und durch die erklärbar ist.
30:26Nur, wir haben im Moment noch nicht die Möglichkeit.
30:34Bis heute macht es in Indien einen großen Unterschied, in welche Lebenswirklichkeit ein Mensch geboren wird.
30:40Auch wenn das Kastensystem offiziell abgeschafft wurde, in der Gesellschaft Indiens ist es immer noch präsent.
30:47Lebensgestalt und Lebensform ist, so der Glaube, die Konsequenz eines vorhergehenden Lebens.
30:52Das Kastensystem ist so eine direkte soziale Anwendung dieses Prinzips.
30:57Lohn und Strafe eines gelungenen oder misslungenen Lebens wird nicht innerhalb des einen Lebens abgearbeitet, sondern zeitlich nach vorn verlagert.
31:06Reinkarnationsvorstellungen können zweierlei bewirken.
31:09Und wenn man die indische Kulturgeschichte anschaut, dann ist das auch so tatsächlich geschehen.
31:14Erstens kann man sagen, naja, du hast jetzt eine schlechte Wiedergeburt, du bist Sklave oder du bist eine bedauernswerte Person,
31:22weil du unterdrückt bist.
31:23Und wenn du das jetzt gut aushältst, dann wirst du in einer anderen Existenz wiedergeboren und dann ist alles gut.
31:29Und das benutzen die Herrscher und die Herrschenden als Ideologie, um die Unterdrückten zu befrieden.
31:37Es gibt aber genau das Umgekehrte, dass man sagt, ja, wie du jetzt handelst, dein jetziges Handeln, das entscheidet darüber,
31:45wie die Zukunft sein wird.
31:47Das heißt, dein Handeln geht weit hinaus über die kurze Lebenszeit und ist entscheidend und motivierend für dein Handeln in
31:55einer langfristigen Perspektive.
31:59Im Westen ist dieser Gedanke ja vor allem durch Gotthold Ephraim Lessing wieder eingeführt worden, und zwar aus pädagogischen Gründen.
32:09Weil er sagte und öffentlich sagte, das, was wir als Menschen sein können, erreichen fast alle von uns nicht in
32:18diesem einen Leben.
32:19Sondern wenn man genau hinschaut, ist ja angesichts des moralischen, aber auch des ästhetischen Anspruchs, die Art und Weise, wie
32:29die meisten Menschen ihr Leben,
32:31nun, ich brauche einen alten Begriff, Fristen, nicht das, was es sein sollte.
32:38Gut. Wenn ich es dann da anklipsen darf.
32:41Bitte.
32:42Ganz einfach da.
32:43Der Gedanke der Reinkarnation ist also längst in Europa angekommen, hat heute in vielen Fällen wenig zu tun mit Buddhismus
32:52und Hinduismus.
32:53Die sogenannte Rückführungstherapie hat sich längst etabliert am Markt der Lebenshilfen.
32:59Danke. Sehr gut.
33:01Hast du Geschwister?
33:02Ja.
33:03Ähnlich der Vorstellung eines bestimmenden Karma-Prinzips geht die Reinkarnationstherapie davon aus,
33:10dass Probleme im jetzigen Leben ihren Ursprung in einem früheren Leben haben.
33:14Das ist eine Idee, die du schon gemacht hast. Also Gesprächstherapie und Psychotherapie.
33:17Äh, sehr wohl.
33:19Ja.
33:20Natürlich ist das eine tolle Geschichte, wenn ich sagen kann, ich bin eigentlich gar nicht ich, sondern ich bin eine
33:26viel größere Gestalt.
33:27Und ich habe Wissen und ich habe eine Autorität, die gar nicht durch mein jetziges Handeln, Denken, Charisma, was auch
33:37immer, begründet ist,
33:39sondern in meiner Berufung auf, was weiß ich, eine große Figur, die allgemein akzeptiert ist, aber vor einigen Jahrhunderten existiert
33:46hat.
33:46Das bringt natürlich einen Prestigegewinn und damit einen Autoritätsgewinn, der sich unmittelbar in nicht nur soziales, sondern auch materiales Kapital
33:55umsetzen lässt.
33:56Und mit solchen Scharlatanerien haben wir es in der Religionsgeschichte immer zu tun und so auch heute.
34:02Von den einen als pure Geschäftemacherei verteufelt, ist die Reinkarnationstherapie für andere ein Weg, sich weiterzuentwickeln.
34:11Das ist schon geschlossen.
34:16Ich weiß und erfahre auch immer wieder von Fällen, wo es wirklich in die Abzocke hineingeht, wo Menschen, die dringend
34:26Hilfe bedürfen,
34:28wirklich tausende Euros abgeknöpft werden. Und das ist einfach unverständlich für mich.
34:34Ich kann eigentlich Menschen nur helfen, sich selbst zu helfen.
34:37Also ich kann mit dieser Art der Rückführungen, wie ich sie mache, den Menschen wieder eine neue Richtung geben.
34:45Und während es immer noch höher steigt, kannst du dich bereits mit der geistigen Welt verbinden und darum bitten,
34:53dass dir, wenn du oben angelangt bist, eine wunderschöne Wiese gezeigt wird.
35:00Eine Wiese und dann mehrere Wege wegführen, die dich genau in die Leben zurückbringen,
35:07die für das heutige Problem, das Thema mit deinen Beziehungen, dir gezeigt werden sollen.
35:17Ich kann nicht hin und ich kann nicht zurück.
35:21Fühl dich einmal in deinen Körper ein.
35:24Fühlst du dich als Mann oder Frau?
35:26Frau.
35:28Was trägst du für Schuhe?
35:31Irgendwas mit Holz.
35:38Welche Jahreszahl füllt dir da spontan ein?
35:4225.
35:48Was ist weiter passiert im Leben der Anna-Marie?
35:52Er zeigt, dieser Mann, der zeigt mich nicht wie eine Frau.
35:56Ich bin einfach nur eine Sklavin für ihn.
36:05Diese Bilder kommen einfach aus dem Unterbewusstsein, sind eben für den Verstand nicht greifbar.
36:12Deswegen macht man Rückführungen, um auf diese Bilder zugreifen zu können.
36:17Dann bekommt der Verstand seine Erklärung und sagt dann, aha, wenn das so ist,
36:23dann kann ich mein Leben auch anders ordnen, mein Leben auch anders leben.
36:29Ich weiß nicht, wo meine Kinder sind.
36:36Für mich sind eben Rückführungen so authentisch, weil man sieht, dass Leute einfach in Emotionen
36:43hineingehen, plötzlich zu lachen beginnen, plötzlich zu weinen beginnen und noch gar
36:51nicht wissen, was Sache ist.
36:53Und das ist für mich eben das untrügliche Zeichen, dass es wirklich frühere Leben gibt.
36:58Dass die Methode der Rückführungstherapie weder von offiziellen Berufsverbänden noch vom
37:04wissenschaftlichen Lehrbetrieb als Behandlungsmethode anerkannt ist, stört Befürworter freilich
37:09wenig.
37:09Absolut entspannt und ruhig bist du wieder ganz hier bei mir, um hier und jetzt.
37:19Ich habe mich sehr wohl in den letzten paar Tagen Gedanken gemacht, was kommt auf mich
37:23zu.
37:25Dennoch hat mich trotzdem die Rückführung dort hingebracht, wo ich mit meiner Fantasie
37:29nie hingekommen war.
37:30Eine mögliche Erklärung jetzt rein aus naturwissenschaftlicher Sicht wäre, dass der, der die Rückführung
37:37macht, so eine Art hypnotischen Zwang auf die rückgeführte Person ausübt, sodass die in
37:45einen Trance-Zustand verfällt, in einen Zustand, wo sie eher die Emotionen im Vordergrund stellt,
37:52also sagen wir auch eher wieder die rechte Hirnhälfte, und damit in einen Zustand gerät, der sie
38:00zu einem ganz anderen Menschen macht.
38:03Für gläubige Buddhisten wie Zethen Zöchbauer hat der Glaube, sich in diesem Leben ein gutes
38:09Karma für das nächste Leben zu schaffen, weitreichende Konsequenzen.
38:12Die Prioritäten im Alltag sind anders gereiht, sagt sie.
38:17Die Herausforderung, Gutes zu tun, steht für sie immer im Vordergrund.
38:31Hilflose Menschen, da kann man, das ist ein Segen.
38:36Wenn man so jemandem begegnet, ist es traurig für ihn, aber für mich ist es ein großer
38:41Segen, weil es wird mir die Möglichkeit geboten, etwas Gutes zu tun, was wieder meine nächste
38:47Wiedergeburt beeinflussen wird.
38:51Für sich bitten, das Gebet für sich bitten, das gibt es nicht.
38:55Aber wir als Beten mögen alle Lebewesen befreit sein von Leid und den Ursachen des Leidens,
39:03weil wenn alle anderen nicht mehr leiden, dann leide ich auch nicht mehr.
39:09Und wenn ich in eine tolle Position wieder geboren werde und ich habe alles, was ich mir
39:15wünsche, ein perfektes Zuhause, genug zu essen, erfolgreich, Schönheit und alles.
39:21Und ich weiß aber, irgendwo verhungert ein Kind.
39:25Kann es ja nicht sein, dass ich mit gutem Gewissen glücklich bin.
39:29Also ist es sehr wichtig, dass alle anderen befreit sind.
39:32Also dieses Omanibemahum, wo die Tibeter beten, geht ja darum, mögen alle anderen befreit
39:38sein von den Leid und den Ursachen des Leidens.
39:40Und möge ich allen anderen dienlich, nützlich sein.
39:47Nicht zuletzt die Schuldfrage macht den entscheidenden Unterschied zwischen dem asiatischen Reinkarnationsgedanken
39:53und dem christlichen Auferstehungsglauben deutlich.
39:57Christen glauben, dass Gott selbst das drückende Problem der Schuld löst und auf sich nimmt,
40:02was der Mensch nicht tragen kann.
40:08Im Zusammenhang jetzt mit der Berufung zum Klosterleben ist das wie ein Auftrag für
40:15mich, das Gebet für diese Versöhnung oder dass es auf der ganzen Welt so zugeht und wie
40:23wir eigentlich nur über den Frieden des Herzens Frieden schaffen können.
40:32Jeder für sich, nicht indem ich andere erschieße, weil damit zufriedlich werden oder so.
40:38Und das war Christus.
40:40Der hat einmal nicht zurückgehauen.
40:44Wir leben auch in den Grenzen von Raum und Zeit, in den Verflechtungen von Schuld.
40:56Und bei allem guten Willen entkomme ich nicht dem, dass ich vielleicht ein Wort sage, was
41:03jemand anderen dann stört oder einen Schritt tue, wo ich jemandem auf die Zehen trete oder
41:10eine Mahlzeit zu mir nehme, wo jemand anders für unterdrückt wurde und so.
41:14Ich entkomme dem ja nicht.
41:16Aber für mich ist das nicht eine Frage des Wissens, dass ich erlöst bin.
41:22Das ist so ein Wort, sondern auch von dem Vertrauen an die Erlösung.
41:32Gott ist Vollendung und Himmel ist ja kein Ort, sondern ist das Sein bei Gott in Vollendung.
41:41Und deswegen ist klar, dass das, was im Leben unerledigt geblieben ist, oder noch schlimmer,
41:46das, was im Leben schiefgegangen ist, Schuld, dass das irgendwie aufgearbeitet werden muss.
41:52Das kann man sich ein bisschen schwierig vorstellen, denn beim Tod verlässt man ja sozusagen die Zeit.
41:59Also da gibt es jetzt nicht richtig einen Schule- oder einen Nachholunterricht.
42:03Das Gängste-Bild ist das sogenannte Fegefeuer.
42:07Das ist ein problematisches und provokantes Bild, aber doch nicht so schlecht.
42:11Es meint, dass durch Reue, also durch eine Art von geistlicher Entwicklung, von einer geistlichen Wiedergeburt,
42:21das Versäumte nachgeholt und das Verpatzte von Gott in Ordnung gebracht werden muss.
42:29Lasset uns beten, allmächtiger Gott, du hast gewollt, dass dein Volk Kirche heißen.
42:35Die Frage der Schuld also, vor allem aber auch die Frage, welchen Stellenwert das Individuum einnimmt,
42:42unterscheiden östliche und westliche, buddhistische, hinduistische und christliche Glaubensvorstellungen.
42:48Sie haben dann aber doch wieder etwas Gemeinsames.
42:57Die ganze Frage des Individuellen ist schwierig.
43:01Der Buddhismus sagt, es gibt gar kein Ich und keine Seele in einem Sinne der Unveränderlichkeit.
43:07Auch in Indien ist es sehr schwierig, dass es da auch keine individuelle Seele gibt, die der Zeit enthoben wäre,
43:15sondern es ist der Atman, der eigentlich die letzte Substanz ist.
43:20Aber der Atman, das ist das große Eine, das unveränderliche Eine.
43:25Wenn das so ist, dann sind individuelle Erfahrungen oder individuelle Erinnerungen an ein voriges Leben völlig irrelevant,
43:34denn das ist zeitlich, das ist vergänglich, auch wenn es in zwei oder drei Leben vorkommt und sich darüber hinweg
43:39pflanzt,
43:40sondern was der Mensch erkennen soll nach dieser Philosophie, ist gerade das, was nicht zeitlich ist.
43:45Seine Identität ist gerade nicht die Wiederholbarkeit von XY, von Leben zu leben,
43:51sondern die ewig unveränderliche göttliche Natur in ihm.
43:55In dieser Vorstellung, die sehr stark vom Buddhismus beeinflusst ist, ist es nun nicht individuelle Seelen,
44:02die von einem Körper zum nächsten gehen, sondern es ist die eine göttliche Energie,
44:08die sich in verschiedenen individuellen Lebensformen ausdrückt.
44:17Was, wenn der Mensch gestorben ist?
44:20Was, wenn sein Leben hier auf Erden zu Ende ist?
44:24Das Bedürfnis, den Dingen auf die Spur zu kommen, bleibt.
44:29Kirtiswarob Rawat hat sich als Reinkarnationsforscher dieser Suche verschrieben.
44:39Als Wissenschaftler glaube ich, wo Rauch ist, da muss auch Feuer sein.
44:44Es gibt noch keinen hundertprozentigen Beweis, dass es Reinkarnation tatsächlich gibt.
44:49Diesen Beweis haben wir noch nicht gefunden.
44:52Es existieren allerdings etwa 50 Fälle weltweit, die sich nur durch Reinkarnation erklären lassen.
45:14Beweise wird es wohl auch in nächster Zukunft nicht so schnell geben.
45:19Woher kommt der Mensch? Wohin geht er?
45:23Diese Fragen bleiben.
45:32Bis zum nächsten Mal.