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  • vor 2 Stunden
Friedrich Merz hat so einige Probleme. Schlechte Umfragewerte, schlechte Wahlergebnisse, Unruhen in seiner eigenen Partei, ein unbequemer Koalitionspartner. Steht Merz also vor seinem politischen Ende als Kanzler? Kürzlich stellen sich ja die Ministerpräsidenten der Länder hinter ihren Kanzler. Problem abgewandt oder doch nur verschoben? Wir sprechen heute mit Tina Hildebrandt, Chefkorrespondentin der Zeit und Co-Host des Zeit-Podcast "Das Politikteil" über den Kanzler in der Krise und ob er da wirklich wieder rauskommt.

Foto: AFP, IMAGO/Ben Krieman

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Transkript
00:00steht der deutsche Kanzler Friedrich Merz vor seinem politischen Ende.
00:03Die Umfragen im Keller, die Wahlergebnisse eine regelrechte Katastrophe.
00:09Nicht wenige haben bereits von einem Sturz des Kanzlers in den vergangenen Tagen geschrieben.
00:14Doch jetzt bekommt er Rückendeckung und zwar von wichtigen CDU-Kranten aus den Bundesländern.
00:19Krise abgewandt oder doch nur verschoben.
00:22Und warum kann Merz eigentlich so gar nicht punkten?
00:25Darüber sprechen wir heute.
00:26Ich bin Daniel Retschitz-Egger. Das ist Thema des Tages, der Nachrichten-Podcast des Standards.
00:36Tina Hildebrand ist heute hier im Standard-Podcast.
00:38Sie ist Chefkorrespondentin der ZEIT.
00:40Sie hat das Politik-Ressort der ZEIT geleitet und moderiert auch den Politik-Podcast der ZEIT.
00:46Das Politik-Teil. Sehr viel Politik heute hier. Grüße Sie, Frau Hildebrandt.
00:49Guten Morgen. Ich freue mich sehr, dass ich hier sein kann.
00:52Frau Hildebrandt, die Ministerpräsidenten stellen sich jetzt demonstrativ hinter Ihren Kanzler Friedrich Merz.
00:59Ist die Krise des Kanzlers damit abgewandt?
01:02Kann Merz gemütlich bis zum regulären Wahltermin weiterregieren und wir diesen Podcast jetzt eigentlich beenden?
01:08Oder sieht es doch etwas komplizierter aus?
01:10Ich glaube, die Lage ist komplizierter.
01:12Erstmal fürs Erste sieht es so aus, der Aufstand ist abgeblasen.
01:16Das ist er auch auf der Oberfläche, aber jetzt wird ja schon sehr viel über diesen Brief spekuliert, wie der
01:22genau formuliert ist, dass das Wort oder der Name Friedrich Merz gar nicht drin vorkommt.
01:28Ich glaube, da gibt es auch so ein bisschen überschießende Interpretationen.
01:31Trotzdem ist es einfach so, es war ja total offensichtlich, dass nach der letzten Wahl in Sachsen-Anhalt sich niemand
01:39an seine Seite gestellt hatte.
01:41Also überhaupt gar keiner. Und er hat dann angefangen, das einzufordern, um sich abzusichern.
01:46Und wenn wir uns erinnern, es gab ja einen erzwungenen Rücktritt des Fraktionschefs Jens Spahn und der kam auch nicht
01:53von oben.
01:54Also das hatte, der war nicht sozusagen von oben abgelöst worden.
01:57Das war eine Dynamik, die sich aus der Basis ergeben hat.
02:01Und deswegen sagen jetzt auch viele, das kann dieses Mal auch passieren.
02:05Also die Ministerpräsidenten, die haben jetzt tatsächlich erstmal, würde ich sagen, die Fahne eingerollt.
02:11Die haben ja einfach das Problem, wenn man jetzt einen Kanzler austauschen wollte, dann, das ist ja gar nicht so
02:19einfach in Deutschland.
02:20Der hat eine sehr, sehr starke Stellung.
02:21Man kann den nur stürzen durch ein konstruktives Misstrauensvotum, indem man einen anderen Kandidaten aufbietet.
02:27Das so offen gegen den eigenen Kanzler zu machen, das wird eigentlich ausgeschlossen in der CDU.
02:33Der zweite Weg ist, er müsste zurücktreten, entweder mit einer Vertrauensfrage oder ohne.
02:38Und das wiederum schließt er aus.
02:40Er hat letzte Woche noch gesagt, aufgeben ist für mich keine Option und alle, die ihn so kennen und beobachten,
02:46sagen auch, das macht er nicht.
02:47Also stellt sich diese berühmte, wer sagt es ihm, Frage.
02:51Das heißt, es müssten im Grunde Leute zu ihm gehen, die einen Prokura in der Partei haben und auch Eindruck
02:58bei ihm machen und sagen, Friedrich, du hast unser Vertrauen nicht mehr.
03:02Bitte zieh dich zurück. Und das müssten im Grunde die Ministerpräsidenten sein.
03:06Und deswegen war der Fokus in der letzten Woche sehr stark auf denen.
03:10Wir hatten ja auch selber ein großes Stück auf der Seite, Operation Kanzlersturz, weil es unter denen natürlich Gespräche gibt.
03:18Wie gehen wir mit der Krise um? Was machen wir? Müssen wir was machen?
03:22Und da war es schon so, dass in der letzten Woche der Eindruck entstanden war, der Autoritätsverfall von Merz, der
03:30schreitet eigentlich schneller voran als die Suche nach einem möglichen Ausweg.
03:34Und deswegen war da ein bisschen Dynamik in die Sache reingekommen, die er jetzt erstmal erfolgreich zurückgeholt hat.
03:40Wenn ich es jetzt richtig verstanden habe, die Dynamik, die schreitet schneller voran als der Ausweg gefunden ist.
03:46Das klingt danach, dass man ihn gerne loswerden würde, aber einfach keine Alternative hat. Verstehe ich Sie da richtig?
03:52Ja und nein. Er ist wahnsinnig unbeliebt. Er ist der unbeliebteste Kanzler ever, muss man sagen.
03:59In letzten Umfragen gibt es nur noch 14 Prozent, die eigentlich sagen, sie finden ihn okay oder sogar gut.
04:05Und die Frage stellt sich natürlich immer mehr, kann man gegen 85 Prozent der Bevölkerung regieren?
04:11Und diese Regierung war ja von Anfang an, hatte die sehr, sehr schlechte Umfragewerte und es gibt im Grunde zwei
04:17Denkschulen.
04:18Also die einen, vor allem in der CDU, glauben, das liegt daran, dass man mit der SPD zusammen regiert, dass
04:23man Kompromisse machen muss,
04:24dass man im Grunde die Sozialstaatsreform, die viele in der CDU gerne machen würden, die Wirtschaftsentlastung nicht so machen kann,
04:31wie man will,
04:32dass man also die SPD loswerden müsste. Das ist so sozusagen eine Linie.
04:37Und diese Leute kommen dann immer auf die Idee, dass eine Minderheitsregierung eine gute Sache wäre, wo man also CDU
04:42pur, wie es dann immer heißt, machen kann.
04:44Und die anderen haben aber zunehmend den Eindruck, dass der Kanzler vielleicht nicht nur der nicht optimale Kanzler ist,
04:51sondern dass er selber im Grunde problemverschärfend wirkt.
04:55Und zwar einmal durch die Fehler, die er gemacht hat.
04:58Also er hat ja wirklich einige Managementfehler gemacht, aber auch durch dieses Ausmaß an Ablehnung, was ihm entgegenstößt.
05:05Das ist schon ungewöhnlich, muss man sagen. Und das Ungewöhnliche ist, dass das so überall zu sein scheint.
05:11Also bei Jungen, bei Alten, bei Schülern, bei Handwerkern.
05:15Eigentlich, es kommt immer ganz schnell, wenn das Gespräch auf Friedrich Merz kommt, sind sich alle einig, ja, der ist
05:20furchtbar.
05:21Und in der CDU kommt eben zunehmend dieser Satz auf, er kann es nicht, der kam schon relativ früh auf.
05:28Und er wird es wohl auch nicht mehr lernen, denn er ist ja gar nicht so lange im Amt, das
05:32muss man ja sagen.
05:32Und am Anfang gab es natürlich immer diese, also den Kredit, den jede Regierung zulässigerweise bekommt.
05:38Und natürlich auch die Hoffnung, das ruckelt sich irgendwie ein.
05:40Und inzwischen, muss man sagen, haben eigentlich die allermeisten die Hoffnung aufgegeben, dass er sich nochmal so ändern kann und
05:50will, dass das wirklich in einen ganz anderen Zustand kommt.
05:55Sie haben diese extrem schlechten Umfragewerte schon angesprochen und eine weitere Zahl, vielleicht mehr als vier Fünftel der Deutschen, sind
06:02mit der Arbeit von Friedrich Merz unzufrieden.
06:04Also das sind diese 85 Prozent, die Sie vorhin genannt haben.
06:07Was ich mir nicht so ganz erklären kann, auch aus der österreichischen Außenperspektive, woran liegt das?
06:12Also warum verfängt Friedrich Merz offensichtlich bei keinerlei Wehnerschichten?
06:18Also so ganz restlos muss ich Ihnen gestehen, also dieses irre Ausmaß der Ablehnung, das finde ich auch nicht hundertprozentig
06:25erklärbar.
06:27Es liegt, glaube ich, ganz, ganz stark, man muss sich ja nochmal überlegen, wie ist er eigentlich da hingekommen, wo
06:31er jetzt ist?
06:32Er war ja raus aus der Politik, also er war früher mal Fraktionsvorsitzender, hatte dann einen Machtkampf mit Angela Merkel
06:38verloren und war dann im Grunde,
06:41also jede Regierung hat ja im Prinzip so Verschleißerscheinungen und es gab im Laufe dieser 16 Jahre bei Merkel ja
06:48immer mehr so ein Unbehagen und das Gefühl,
06:50das Konservative kommt zu kurz, wir sind gar nicht mehr so eine wirklich bürgerlich-konservative Partei und er war im
06:57Grunde diese Hoffnungsfigur.
06:58Also auf ihm waren irre, irre Erwartungen und Hoffnungen und dann gab es ja, nachdem Merkel sich zurückgezogen hat,
07:06gab es ja Regionalkonferenzen, wo dann auch es einen innerparteilichen Wettbewerb gab, wer jetzt zunächst Parteivorsitzender wird und das waren
07:15erst mal zwei liberale Figuren.
07:16Das war erst Annegret Kramp-Karrenbauer und dann Armin Laschet und die sind aber beide gescheitert auf verschiedene Weise.
07:23Ich weiß nicht, ob wir da näher drauf eingehen wollen.
07:27So und dann war er aber wirklich auch aus Sicht seiner Gegner dran.
07:30Also die hatten dann wirklich das Gefühl, okay, er will es, er wird gewollt, es ist jetzt vielleicht die Zeit.
07:38Und irgendwie war immer die Erwartung, der bringt so die eigentliche CDU zurück.
07:42Also alle die, die so Entfremdungsgefühle entwickelt hatten im Laufe dieser 16 Merkel-Jahre,
07:48die hatten irgendwie so die Vorstellung, eigentlich sind wir eine andere Partei
07:52und weil er aber ja gar nicht da war, konnte man auf ihn auch unglaubliche Hoffnungen projizieren.
07:58Das ist der eine Teil und er hat dazu beigetragen, indem er unheimliche Versprechungen gemacht hat.
08:04Ich glaube, er hatte selber so ein bisschen die Vorstellung, also wenn die Ampelregierung unter dem Olaf Scholz,
08:11wenn die weg ist und ich da bin, dann wird alleine dadurch wird das eine dermaßen auflösende Wirkung haben,
08:19dass schon die halbe Miete so das ist überhaupt nicht passiert.
08:22Dann stand er ja für ein ganz, ganz, sagen wir mal, für Haushaltsdisziplin.
08:28Dann hat er ein Sondervermögen vereinbart von 500 Milliarden.
08:33Da sind schon, das hat schon seinen Mitgliedern die Schuhe ausgezogen.
08:37Viele CDU-Mitglieder, die waren fassungslos.
08:39Die haben gesagt, ich stand an Wahlständen im Wahlkampf.
08:43Ich habe erklärt, warum wir das nicht machen, warum die Schuldenbremse bleiben muss.
08:47Und was soll ich denn jetzt sagen?
08:48Also die waren wirklich richtig erschüttert.
08:51Dann hatte er noch, bevor er in der Regierung war, also er war schon gewählt, aber noch nicht im Amt,
08:56gab es eine Situation, da hat die CDU einen Antrag im Bundestag eingebracht,
09:02der dann nur mit Stimmen der, einen Entschließungsantrag, der dann nur mit Stimmen der AfD eine Mehrheit gefunden hat.
09:07Er hatte vorher gesagt, er schließt jegliche Art von irgendeiner Kooperation, Zusammenarbeit oder Wirkung aus.
09:16Auch da haben Leute gesagt, Moment mal, genau das hatten wir doch ausgeschlossen.
09:20Noch dazu war das in gewisser Weise ohne Not, weil es ging gar nicht um Gesetz.
09:24Es ging nur um Entschließungsantrag.
09:26Das waren schon mal zwei Dinge, die haben wirklich Leute verstört, muss man sagen.
09:32Also die haben Leute enttäuscht, die haben die verstört.
09:33Das hat dazu geführt, dass die Ersten angefangen haben, sich zu fragen,
09:37ist das vielleicht gar nicht der, für den wir den gehalten haben?
09:40Was macht er denn da?
09:41Gleichzeitig gab es von der, aus der liberalen, sagen wir mal, nennen wir sie mal Merkel-CDU,
09:46gab es weiterhin unheimliche Vorbehalte.
09:48Und so hat er im Prinzip die einen nicht gewonnen.
09:51Also die Liberalen hat er nicht gewonnen.
09:53Es gab ja auch immer wieder große Aufregung.
09:55Er macht ja manchmal, haut er so Sätze raus, über die sich dann alle aufregen.
09:59Die Aufregung war da meistens eher bei dem liberalen Teil.
10:02Und die Konservativen, die hatten den Eindruck, Moment mal,
10:06der hat uns doch was ganz anderes versprochen.
10:08Und jetzt kommt das nicht.
10:09Es gab zum Beispiel auch ein Versprechen, die Stromsteuer zu senken.
10:15Das ist dann nicht passiert.
10:16Man konnte dann immer erklären, warum das nicht passieren kann,
10:19weil einfach die Mittel nicht da waren.
10:21Nur hätte man das eben alles auch schon vorher wissen können.
10:23Und Leute haben es auch vorher schon gesagt.
10:25Also das war nicht so, dass sich die Dinge da ganz neu dargestellt haben.
10:32Und gleichzeitig hat er natürlich noch mal eine Beschleunigung,
10:34das muss man vielleicht auch mal zu seinen Gunsten sagen, an Krisen erlebt.
10:39Also wir haben jetzt den Konflikt da in der Straße von Hormuz.
10:45Wir haben dieses Riesenthema mit den steigenden Energiepreisen.
10:49Wir haben weiterhin den Ukraine-Krieg.
10:52Es gibt eine Situation in Gaza, die, Sie wissen,
10:56Deutschland hat ein sehr besonderes Verhältnis zu Israel,
11:00das da auch schwierig macht.
11:02Also das sind natürlich Dinge, dafür kann er nichts.
11:04Und die verschärfen die Lage.
11:06Und vor allem die Energiepreise haben natürlich ganz starke Rückwirkungen
11:09auf die Innenpolitik.
11:10Also es sind jetzt Benzinpreise an den Tankstellen von drei Euro,
11:17an die drei Euro teilweise sogar sind die erreicht oder drüber.
11:20Und es gab ja mal vor, ich weiß gar nicht mehr, wann das war,
11:23sehr lange her, da hatten die Grünen mal gesagt,
11:25fünf Mark müsste der Liter Benzin kosten.
11:27Da ist die Republik ausgerastet.
11:29Also und jetzt sind wir da im Prinzip drüber.
11:33Das heißt, da gibt es natürlich auch Rückkopplung.
11:35Und dieses alles, diese selbstgemachten Enttäuschungen
11:40durch zu viel Versprechen, diese krisenhafte Situation
11:43und dann vielleicht auch ein manchmal ungeschicktes kommunikatives Agieren,
11:49das erklärt eigentlich diese wahnsinnige Unbeliebtheit.
11:53Frau Hilgibrand, Sie haben vorher gesagt,
11:55vielleicht vertiefen wir die Situation rund um Armin Laschet,
11:58also um diesen liberalen Kurs der CDU.
12:01Ich würde das tatsächlich gerne machen.
12:02Ich hätte mir das auch aufgeschrieben.
12:04Denn was ich mir damals oder die Frage, die ich mir damals gestellt habe
12:07und sie mag vielleicht etwas naiv klingen,
12:09warum hat man von Seiten der Union eigentlich geglaubt,
12:12dass es diesen konservativen Kurs braucht?
12:15Denn man kann über die Ära Merkel sagen, was man will,
12:18man kann auch halten davon, was man will,
12:20aber dass sie wahltechnisch durchaus erfolgreich war,
12:22das ist ja unbestreitbar.
12:24Ja, das ist unbestreitbar, wobei es da auch,
12:27sie war am Anfang ja nicht so erfolgreich,
12:29dann war sie im Grunde in der, sagen wir mal, im Zenit ihrer Kanzlerschaft,
12:33da hatte sie ja so einen präsidialen Status fast oder so.
12:37Und dann gab es ja 2015 die sogenannte Flüchtlingskrise.
12:41Da sind sehr viele Menschen nach Deutschland gekommen.
12:44Und das war ein, das ist ihr im Nachhinein ja sehr stark vorgeworfen worden.
12:51Teilweise, dass sie die überhaupt hat reinkommen lassen.
12:54Teilweise auch, dass sie danach nicht genug auf Kontrolle oder Sicherheit gesetzt hat.
12:59Und es gibt ja die AfD, eine Partei,
13:03die eben da immer an diesem rechten Rand fischt
13:05und die ja verschiedene Themen am Wickel hatte.
13:07Die hatte ja mal begonnen als eine Anti-Euro-Partei.
13:12Die hatte mal einen Wirtschaftsimpuls oder ein Wirtschaftsprofil.
13:18Und die hat erkannt, dass dieses Thema Migration einfach ein Thema ist,
13:22mit dem man wahnsinnig viel Emotionen bewirtschaften kann.
13:26Und wo auch, glaube ich, wirklich es Versäumnisse gab.
13:28Und das war eigentlich so der Trigger für einmal für die AfD,
13:34die von außen Druck gemacht hat.
13:36Es waren aber auch viele in der Union unglücklich.
13:38Also es waren viele mit diesem sehr liberalen Kurs von Merkel eben nicht einverstanden.
13:45Und selbst die, die eigentlich die Entscheidung gar nicht falsch fanden,
13:48die, dass man diese Menschen in einer ganz bestimmten zugespitzten Situation hat,
13:53reinkommen lassen, fanden, dass danach zu wenig unternommen wurde,
13:57um im Grunde, das war ja immer die Wörterordnung und Kontrolle wieder reinzubringen.
14:02Also das ist ganz, ganz stark verbunden mit diesem Thema.
14:06Und die Annegret Kramp-Karrenbauer,
14:08sie war ja mal Generalsekretärin,
14:12nach Merkel die zweite Frau in dem Amt,
14:14die ja auch eine Liberale war,
14:17die hatte dann, als sie Parteivorsitzende war,
14:19hatte sie ein sogenanntes Werkstattgespräch eröffnet über die Migration.
14:23Und das war im Grunde, also sie hat es immer so dargestellt,
14:26der Versuch, die Partei zu versöhnen über dieses Thema.
14:29Denn die Partei war darüber wirklich,
14:32gespalten ist ein großes Wort,
14:33aber da war Druck auf der Pipeline.
14:36Und das wurde aber von dem,
14:38von dem Merkel war da natürlich noch viel mehr präsent als jetzt.
14:44Von denen wurde das als Kampfansage betrachtet.
14:47Die hatte also auch im Grunde schon das gleiche Problem.
14:50Damals waren die Liberalen dann enttäuscht
14:52und haben gesagt, Mensch, das ist doch gar nicht mehr unsere Annegret.
14:56Also dieses Thema, diese Polarisierung innerhalb der Partei,
15:00die zieht sich eigentlich schon relativ lange durch.
15:02Und fast jeder hatte damit zu tun,
15:04dass er dann, wenn er dran war,
15:07immer sehr stark auf den anderen Teil zugegangen ist.
15:09Das hat Friedrich Merz nicht gemacht,
15:11aber das hatte damals Kramp-Karrenbauer gemacht
15:13und auch Armin Laschet.
15:14Und dann wieder alle sozusagen die eigenen Leute verstört hat.
15:19Also das hat ganz, ganz viel,
15:21hat das aber mit diesem Thema Migration zu tun.
15:24Man muss sich nochmal erinnern,
15:25die CDU ist eine Partei,
15:28die sich sehr schwer damit getan hat zu sagen,
15:30Deutschland ist ein Einwanderungsland.
15:32Also da wurde erbittert drüber gestritten,
15:34ob das so ist, ob man das sagen darf und so weiter.
15:37Es gab Riesendebatten über die doppelte Staatsbürgerschaft.
15:42Und die Partei ist ja eine Partei,
15:44die sich selbst als Law-and-Order-Partei letztlich sieht.
15:48Und all diese Dinge,
15:49die kamen bei diesem Thema zusammen.
15:51Und gleichzeitig ist das ja,
15:53das kennen Sie ja,
15:54kennen ja alle europäischen Länder,
15:56ist das ja ein Thema,
15:57was weit über Deutschland hinausgeht.
15:59Also da war einfach Druck im Kessel.
16:03Wenn ich Ihnen jetzt richtig zugehört habe
16:05und noch einmal korrigieren Sie mich gerne,
16:07wenn ich Sie da jetzt falsch interpretiere.
16:08Wir haben hier eine Union,
16:10die zwischen ihren Flügel mehr oder weniger zerrieben wird,
16:14beziehungsweise anders formuliert.
16:16Wir haben einen Kanzler,
16:17der zwischen diesem Konservativen
16:19und dem liberalen Flügel steht
16:20und es mehr oder weniger keiner Seite recht machen kann.
16:24Gehe ich recht in der Annahme,
16:25dass wohl jeder Kanzler,
16:27egal wer jetzt in diesem Amt wäre,
16:28ähnliche Probleme hätte?
16:30Ja, natürlich.
16:32Also wenn man sich so umguckt,
16:33auch in Europa,
16:34dann haben ja alle Regierungschefs
16:36der Mitte oder der liberalen Mitte,
16:39die haben Riesenprobleme.
16:41Mich erinnert das immer so ein bisschen,
16:43also Politik ist so ein bisschen geworden
16:44wie Bullenreiten.
16:45Also es geht gar nicht mehr darum,
16:47ob man abgeworfen wird,
16:49sondern nur wie lange man sich halten kann.
16:51Also das ist so ein bisschen, glaube ich,
16:52das Gefühl oder das Bild,
16:54was einem einfällt,
16:55wenn man da drauf guckt.
16:58Andererseits, glaube ich,
17:00also wenn das bedeuten würde,
17:02alle haben dieselben Probleme,
17:04keiner kann was dafür,
17:05dann würde das ja auch heißen,
17:07dass Politik eigentlich gar nichts verändern kann.
17:09Egal wer da regiert,
17:10bei allem muss es schlecht laufen.
17:12Und ich würde es umgekehrt sehen.
17:13Ich würde sagen,
17:14gerade weil es diese Probleme gibt
17:15und der Druck so groß ist,
17:16muss man dann im Grunde alles daran setzen,
17:19das, was man in der Hand hat,
17:20also das, was man kontrollieren kann.
17:22Wir können nicht die Houthi kontrollieren im Jemen,
17:27dass man das dann gut macht.
17:28Und das war eine Sache,
17:30die Friedrich Merz eben von Anfang an,
17:32glaube ich, unterschätzt hat.
17:33Also er hatte ja,
17:34diese Regierung hat ja ganz wenig Regierungserfahrung.
17:37Also es gab ja ganz wenige in dieser Regierung,
17:39die überhaupt schon mal in einer Regierung waren.
17:41Und im Grunde ist ja Regierung ganz viel Prozesssteuerung.
17:46Und diese Prozesssteuerung,
17:47die hat nicht gut funktioniert.
17:48Deswegen, ja,
17:51die Probleme hat im Großen und Ganzen jeder,
17:54also die großen Probleme.
17:56Aber man kann, glaube ich,
17:58schon etwas geschickter damit umgehen.
18:01Jetzt muss man natürlich fairerweise dazu sagen,
18:03also das ist jetzt meine Außeninterpretation,
18:05dass wenn die CDU wahnsinnig erfolgreich wäre,
18:09sehr viele Probleme von Friedrich Merz
18:10wahrscheinlich nicht existieren würden.
18:12Also es liegt natürlich durchaus auch
18:14an der Erfolglosigkeit.
18:15und da könnte natürlich ein Politiker,
18:19der mehr Strahlkraft hat,
18:22wohl einiges erreichen.
18:23Aber bei Friedrich Merz,
18:25und jetzt kommen wir zurück zu ihm,
18:26wirklich als Person,
18:27besitzt er denn so etwas wie Charisma
18:29Ihrer Einschätzung nach?
18:30Ich weiß,
18:31das klingt jetzt wahnsinnig hart,
18:32aber in der Außenbetrachtung
18:33wirkt er immer wie ein etwas dünnhäutiger Kerl,
18:36der nicht wirklich wirkt,
18:38als würde er seine eigenen Wähler mögen.
18:39Und eigentlich ist er nur da,
18:41weil er es Angela Merkel zeigen wollte,
18:42die er ja eigentlich nicht mag.
18:45Also ich glaube,
18:46das würde ich,
18:47finde ich ein bisschen ungerecht.
18:48Ich kenne ihn tatsächlich schon sehr,
18:50sehr lange.
18:50Und das Verrückte ist,
18:52obwohl er immer so kernig gerne auftritt
18:54und so markig redet,
18:55ist er jemand,
18:56der eigentlich ein sehr,
18:57sehr großes Harmoniebedürfnis hat
18:58und sehr empfindlich ist.
19:00Und eben auch diese,
19:01er merkt das ja,
19:03er merkt ja,
19:03dass er nicht gut ankommt.
19:04Und er ist im Grunde schon jemand,
19:07der sehr gerne von einem Umfeld umgeben ist
19:10oder von einer Atmosphäre
19:11oder einer Umgebung,
19:12die ihn trägt.
19:13Ich meine,
19:13das geht natürlich jedem im Prinzip so,
19:15aber er ist da nicht so gut wie andere drin,
19:19über solche eigenen Befindlichkeiten hinweg zu sehen.
19:24Und ich finde schon,
19:26man muss nochmal sich in Erinnerung rufen,
19:28warum ist er da?
19:29Weil alle,
19:30nicht alle,
19:30aber weil viele ihn sehr,
19:31sehr gut fanden,
19:32weil man eben genau diesen Eindruck hatte,
19:33der hat Charisma,
19:34der hat Ausstrahlung,
19:36der hat auch ein internationales Auftreten.
19:38Das hat er ja auch.
19:38Das muss man sagen.
19:39Er ist ja in der Welt,
19:43ist er ja sehr akzeptiert,
19:44da bewegt er sich sehr souverän.
19:46Das ist natürlich auch ein Teil seines Problems,
19:48dass diese ganzen außenpolitischen Prozesse
19:50eben Prozesse sind.
19:52Da kann man,
19:52da kann man schlecht,
19:53da hat man schlecht eine Trophäe in der Hand,
19:55wo man sagen kann,
19:55das habe ich gemacht und das und das,
19:57sondern das ist eben dieses lange,
19:59mühsame,
20:00immer weiter reden
20:01und dann gibt es die internationalen Institutionen.
20:04Da hat er ja schon einiges geleistet
20:08und diese Ausstrahlung hatte er ja früher,
20:10absolut.
20:11Also ich finde ihn nicht uncharismatisch,
20:13aber natürlich,
20:14er hat,
20:15er strahlt sehr stark aus,
20:17das Unglück seiner Situation,
20:19man merkt ihm das an,
20:20er neigt jemand,
20:22also eine der größten Talente von Angela Merkel
20:24war ja nicht beleidigt zu sein.
20:26Ich glaube,
20:26das ist ein Riesentalent in der Politik
20:28und dieses Talent hat er nicht.
20:30Also er hat auch nicht so sehr dieses Talent der,
20:33sagen wir mal,
20:34der Selbstdistanz.
20:35Also Merkel konnte so ein bisschen neben sich stehen
20:37manchmal und sagen,
20:38ja,
20:38ach,
20:39ich wieder.
20:40Das,
20:40das hat er alles gar nicht.
20:42Aber er ist eigentlich,
20:44sagen wir mal,
20:44von Haus aus,
20:45ist er nicht so Marke Unglückswurm.
20:47Das kann man auch nicht sagen.
20:48Es gibt ja so Leute,
20:49wo man denkt,
20:50meine Güte,
20:50das ist aber auch ein Pechvogel oder so.
20:52So,
20:53das ist er eigentlich nicht.
20:54Und ich glaube,
20:54das nagt auch an ihm,
20:55weil natürlich sein Selbstbild ist natürlich ein ganz anderes.
20:58Also sein Selbstbild ist natürlich Mann von Welt,
21:02Chef der Atlantikbrücke im Gespräch mit den Großen der Welt.
21:06Und dass er dann immer so angeguckt wird,
21:09so kritisch,
21:09das ist er auch gar nicht gewöhnt,
21:12muss man sagen.
21:13Also denn er war ja lange nicht in der Politik.
21:15Er war es zwar früher,
21:16aber die Zeiten haben sich geändert.
21:18Und damit kann er nicht gut umgehen.
21:20Aber eigentlich,
21:22finde ich,
21:22war das jetzt nicht so ein Fall,
21:24wo man sagen muss,
21:24naja,
21:25das ist auch ein ganz ausstrahlungsarmer Typ.
21:28Das kann man sich schon denken,
21:29dass das so läuft.
21:31Also ich war gespannt.
21:34Ich fand,
21:34es war wirklich offen.
21:35Aber es war nicht so,
21:37dass man dachte,
21:38naja,
21:38das kann ja eh nichts werden oder so.
21:40Das nicht.
21:41Aber er hat diese Ausstrahlung
21:43wirklich sehr stark eingebüßt.
21:45und auch dieses,
21:46das,
21:47was seine Fans so gut finden,
21:48dieses Klare,
21:50diese Klarheit in der Sprache,
21:52der hat er eben keine Klarheit
21:53in den Taten folgen lassen.
21:55Und er hat ja öfter mal Dinge gesagt,
21:58die angeeckt sind
21:59und nimmt die dann auch wieder zurück.
22:01Und dann sind natürlich hinterher alle sauer.
22:03Also die Leute,
22:04die sauer über diese Sätze waren
22:05und die,
22:06die das aber vielleicht gar nicht ganz schlecht fanden,
22:08auch.
22:09Und deswegen hat er im Grunde
22:11sein eigenes Image.
22:12Das ist so ein klar konturierter Typ
22:16mit Durchblick
22:17und der dann auch ganz erkennbar agiert.
22:20Das hat er im Grunde selber
22:21immer wieder konterkariert.
22:22Aber wer ist,
22:23Ihrer Einschätzung nach,
22:24in Friedrich Merz' Welt
22:26schuld an der Misere,
22:27in der er und die Partei steckt?
22:29Es gab ja diese Aussage von Friedrich Merz,
22:31dass,
22:32ich hoffe,
22:32ich gebe es jetzt noch richtig wieder,
22:33wohl kaum ein anderer Bundeskanzler
22:35jemals so sehr kritisiert worden ist wie er,
22:38wo sich sehr viele Beobachter gedacht haben,
22:40naja,
22:40red mal mit deinen weiblichen Kollegen,
22:41selbst auf Kreisebene
22:43kriegen die wahrscheinlich schlimmere Nachrichten als du.
22:45Allein aus Grund der Tatsache,
22:47weil sie Frauen sind,
22:47von Angela Merkel gar nicht zu sprechen.
22:49Aber irgendwie hat man ja so das Gefühl,
22:51alle anderen sind schuld,
22:52nur er nicht.
22:53Absolut.
22:53Also das ist absolut so.
22:55Jetzt muss man sagen,
22:56die Lage,
22:57also die Weltlage,
22:58die erlaubt das natürlich auch.
22:59Also wenn man diese ganzen Krisen hat,
23:01das sind natürlich auch gute Ausreden.
23:04Also wenn man jetzt dazu neigt,
23:05die Fehler nicht bei sich zu suchen
23:07und das ist bei ihm ganz bestimmt so,
23:10dann kann man natürlich auch gut sagen,
23:13ja,
23:13aber das sind natürlich auch alles Megathemen
23:15und Megakrisen
23:16und kann sich das ganz gut erklären.
23:18Dazu kommt,
23:19das hat er jetzt versucht,
23:20teilweise zu korrigieren,
23:21dass Merz jemand ist,
23:23der dazu neigt,
23:24sich mit Leuten zu umgeben,
23:25die so ähnlich denken wie er.
23:26Und die bestärken ihn natürlich auch.
23:28Also wenn man,
23:29wenn man im Prinzip,
23:30und er macht das zum Beispiel,
23:32er hat ja am Anfang sehr wenig Frauen gehabt.
23:35Das ist ja auch ein Riesenthema,
23:36Friedrich Merz und die Frauen.
23:38Er ist an sich,
23:40glaube ich,
23:41tatsächlich überhaupt nicht
23:43frauenfeindlich oder so,
23:43aber das ist halt dieses alte Muster.
23:46Ich denke drüber nach,
23:47wen könnte ich auf dem Posten befördern,
23:49wen finde ich gut,
23:50Leute, die so sind wie ich
23:51und die nehme ich dann.
23:52Und die anderen fallen mir gar nicht ein,
23:53die sehe ich vielleicht auch gar nicht so.
23:55Und so ist das eben auch gekommen,
23:57dass er vor allem am Anfang
23:59sich sehr stark mit Leuten umgeben hat,
24:00die ihn darin auch immer bestärkt haben,
24:03die immer gesagt haben,
24:04nein, das ist absolut richtig
24:05und stehen bleiben und so.
24:07Und das war schon früher so.
24:09Also er hatte schon früher,
24:10als er Fraktionschef war,
24:11ein Fäbel dafür,
24:12sich mit Leuten zu umgeben,
24:14die in dieses Pseudoknackige
24:17eher so ein bisschen reintreiben.
24:19Und jetzt hat er ja eine Kabinettsumbildung gemacht,
24:22aus Not muss man sagen,
24:24und hat versucht,
24:25das jetzt so ein bisschen zu korrigieren.
24:27Und es gibt ja viele Leute,
24:28die mit ihm sprechen
24:29und auch vor allem die Frauen,
24:31die ihm immer sagen,
24:32du musst mehr mit Leuten sprechen.
24:34Auch jetzt gab es nach der,
24:36nach dieser krisenhaften Zuspitzung,
24:38vor allem Karin Prien zum Beispiel,
24:41hat gesagt,
24:41du musst mit dem Ministerpräsidenten
24:43mehr sprechen,
24:44du musst dich austauschen,
24:45du musst auch ein bisschen werben um Leute,
24:47nicht einfach nur denken,
24:48das, was ich mache, ist das Richtige
24:50und das sehen dann schon alle.
24:53Und die können ihm nun,
24:55da er so sehr in der Krise ist,
24:57konnten die ihm auch das Argument vermitteln,
24:58dass zum Beispiel bei einer Kabinettsumbildung
25:01es ganz gut ist,
25:02auch ein paar Frauen dabei zu haben,
25:03weil es ihm auch nützt.
25:05Also gar nicht,
25:05weil man irgendwie so viel für die Frauen tun will.
25:08Und dieses Argument,
25:10das ist auch für dich von Vorteil,
25:13das hat ihm vielleicht früher weniger eingeleuchtet.
25:15Das hat er ja jetzt versucht,
25:17im Rahmen dieser Kabinettsumbildung
25:18so ein bisschen zu machen.
25:19Die ist ja jetzt noch nicht lange her.
25:21Also ob das zum Beispiel,
25:23hat jetzt eine Kanzleramtsministerin,
25:25die erste Frau überhaupt in dem Amt in Deutschland,
25:28Nina Warken,
25:29die frühere Gesundheitsministerin.
25:31Also ob sich das auswirkt,
25:32muss man mal sehen.
25:37Aber das kommt von dem.
25:39Also daher kommt das.
25:40Aber Frau Hillebrand,
25:41wir sprechen hier nicht von einem Schulsprecher.
25:43Wir sprechen hier vom Bundeskanzler,
25:45dem man offensichtlich erklären muss,
25:46dass es 50 Prozent der Deutschen gibt,
25:49die Frauen sind,
25:50also rund 50 Prozent,
25:51und die vielleicht auch eine Repräsentationsfigur
25:54in diesem Kabinett hätten.
25:55Also geben Sie ihm da nicht etwas zu viel Credit
25:57für relative basic politische Gedankengänge?
26:01Ja, das kann sein.
26:03Beziehungsweise,
26:05nochmal,
26:05ich kenne ihn sehr, sehr lange
26:06und ich kenne auch die CDU und CSU sehr, sehr lange.
26:10Und da gab es ja früher Gestalten,
26:13die sind mit Frauen in der Weise umgegangen,
26:16dass da würde man heute keine zwei Meter weit kommen.
26:19Und zu denen hat er nicht gehört.
26:21Und das ist was,
26:22was mich schon,
26:24also was heißt für ihn,
26:25eingenommen hat.
26:26Aber das war einfach ein Unterschied.
26:27Also er war nie ein Typ,
26:29der irgendwie anzüglich ist,
26:30der irgendwie abschätzige Bemerkungen macht.
26:33Und er selber, glaube ich,
26:35versteht das Problem auch gar nicht so.
26:37Weil er würde,
26:38er hat natürlich von sich,
26:40das ist das Problem,
26:41er hat einfach einen riesigen blinden Flecken
26:43und das ist diese Selbstbetrachtung.
26:45Und er selber hat ja mal so sinngemäß gesagt,
26:47ja, er hat ja eine sehr emanzipierte
26:50und selbstständige
26:51und auch beruflich erfolgreiche Frau.
26:53Das stimmt auch.
26:54Und auch Kinder
26:55und auch eine Tochter.
26:57Deswegen versteht er das im Prinzip gar nicht.
27:00Aber das ist, glaube ich, genau,
27:02Sie haben recht,
27:03die Welt ist inzwischen eine andere.
27:05und diese mangelnde Selbstkritik
27:11oder sich ins Verhältnis setzen.
27:13Also das kann man ihm,
27:14muss man ihm ankreiden
27:16oder beziehungsweise,
27:17wenn man das nicht kann,
27:17muss man sich halt Leute suchen,
27:19die einem dabei helfen irgendwie.
27:21Und das ist, glaube ich, genau das,
27:23wo viele, viele Leute empfinden,
27:25sehr besonders Frauen.
27:27Also Frauen jeden Alters
27:28haben große Probleme mit Friedrich Merz,
27:30ist so meine Erfahrung
27:31in persönlichen Gesprächen.
27:33aber eben auch andere,
27:35weil die das Gefühl haben,
27:36der ist nicht so richtig von dieser Welt.
27:41Frau Hildebrandt,
27:42das mag jetzt eine seltsame Frage sein,
27:44aber ich habe auch eine Zeit lang
27:47Politikberichterstattung gemacht
27:48beziehungsweise aus Österreich
27:49und im Gespräch
27:50und im direkten Kontakt mit Politikern
27:52ist mir ein Aspekt
27:53immer wieder aufgefallen,
27:54dass nämlich jene Politiker
27:56es leichter haben
27:57oder auch möglicherweise erfolgreicher sind,
27:59die eine gewisse Art von Humor haben,
28:02sei es Eigenhumor
28:03oder einfach generell
28:04einen gewissen Esprit
28:05in diese Richtung.
28:05Hat Friedrich Merz Humor?
28:07Darüber habe ich auch wirklich
28:08schon sehr viel nachgedacht.
28:10Also der kann schon witzig sein,
28:12der ist jetzt auch irgendwie
28:13nicht so ein staubtrockener Knochen.
28:15Also sein Vorgänger Olaf Scholz,
28:17der war ja sehr, sehr trocken und so.
28:20Das ist er gar nicht,
28:21aber wenn man mal so überlegt,
28:23also ich glaube über sich selber lachen,
28:25das kann er, glaube ich, nicht so gut.
28:26Und im Grunde ist dann die Frage,
28:28was ist Humor?
28:30Also eine Pointe setzen,
28:32das kann er schon,
28:33aber so wirklich über sich selber lachen,
28:36nicht einfach nur so hoheitlich dulden,
28:39dass auch mal ein genehmer Scherz gemacht wird
28:41oder so.
28:42Das kann er, glaube ich, nicht sehr gut
28:44und bei Olaf Scholz war das so,
28:47der war umgeben von Leuten,
28:48die ihn sehr, sehr lange kannten
28:50und die teilweise mit ihm
28:51in einer Weise umgegangen sind,
28:52wo man dachte, okay, wow.
28:54Schlau, also die haben ihn
28:57der kleine Glatzkopf oder so genannt
28:59oder Schweinchen Schlau.
29:01Also das waren so Spitznamen
29:02und das wusste er aber auch.
29:04Also die Vorstellung,
29:05dass so umgegangen wird
29:07mit Friedrich Merz in seinem Umfeld
29:09und er das toleriert
29:11und nicht sagt,
29:12das lasse ich mir nicht bieten,
29:14das kann man sich irgendwie
29:14gar nicht vorstellen.
29:15Also da fehlt ihm auf jeden Fall
29:17so eine gewisse Lässigkeit.
29:20Kommen wir vielleicht zu aktuellen Ereignissen.
29:23Denn diese Folge kommt am Freitag,
29:25also am 18. September raus
29:28und am Wochenende drauf
29:29wird in Deutschland gewählt,
29:31nämlich in Berlin
29:32und in Mecklenburg-Vorpommern.
29:33Was, wenn die CDU
29:35auch hier ordentlich auf die Nase fällt?
29:37Was passiert dann mit Friedrich Merz?
29:40Ja, dann kann man auf jeden Fall
29:41diese Solidaritätserklärung
29:44der Ministerpräsidenten
29:45erstmal wieder nach hinten sortieren.
29:47Im Grunde drohen ja zwei Szenarien.
29:50Also das eine ist,
29:51dass in Mecklenburg-Vorpommern
29:52die CDU
29:54gar nicht in den Landtag kommt.
29:56Das wäre das erste Mal
29:57überhaupt in der Geschichte,
29:58dass die CDU
29:58in einen Landtag nicht reinkommt.
30:00Ich war letzte Woche
30:01oder vorletzte Woche,
30:02ich war da ein paar Mal unterwegs
30:04und habe da auch mit Leuten
30:06aus der CDU gesprochen,
30:07die waren sehr, sehr pessimistisch.
30:08Jetzt ist in den letzten Umfragen
30:10ist die CDU so bei sieben wieder.
30:14Das heißt,
30:14da könnte so ein Effekt eintreten
30:16wie bei der SPD
30:17nach Sachsen-Anhalt.
30:18Man freut sich darüber,
30:19dass man nicht an der 5%-Hürde gescheitert ist,
30:22was natürlich komplett irre auch schon ist.
30:25Also dass man dann so reagiert.
30:27Das führt ja dann zu diesen Reaktionen
30:28nach Sachsen-Anhalt war das bei der SPD so,
30:31wo Leute sagen,
30:32sag mal, sind die noch von dieser Welt,
30:33dass die jetzt ernsthaft sagen,
30:34das war gar nicht so schlecht oder so.
30:37Also das wäre das Worst-Case-Szenario
30:39und dann sagen alle,
30:41dann weiß man wirklich überhaupt nicht,
30:43was passiert.
30:45Wobei man ja andererseits sagen muss,
30:46die CDU ist ja überhaupt nicht in der Nähe,
30:50da einen Ministerpräsidenten zu stellen.
30:53Also der Wahlkampf spielt sich ganz stark ab
30:55zwischen Manuela Schwesig,
30:56der SPD-Frau und der AfD.
30:58Und das ist auch genau das Problem der CDU.
31:00Sie hat eigentlich keine Rolle.
31:01Es gibt diese Polarisierung,
31:03die Frau gegen Blau,
31:04so nennt sich Schwesig.
31:06Und damit hat sie aber auch ziemlich viel Erfolg.
31:08Sie hat jetzt aufgeholt
31:09und die CDU steht irgendwie so dazwischen
31:11und hat irgendwie nicht so richtig einen Job
31:12in diesem Wahlkampf.
31:14Und in Berlin,
31:15da hat es ja einen Rücktritt gegeben
31:19des Regierenden Bürgermeisters,
31:21der eine,
31:22ja, ich weiß gar nicht,
31:23da wollen wir vielleicht nicht so ins Detail gehen,
31:25also der gelogen hatte,
31:26als es hier einen Stromausfall gab.
31:28Das war der Tennisspieler, oder?
31:30Genau, da war er Tennis spielen.
31:32Und so,
31:33und da gibt es einen Nachfolger,
31:35der ist eigentlich ganz erfolgreich gewesen
31:39in diesem Wahlkampf,
31:40hat auch sich da nach vorne gearbeitet.
31:42Aber es gibt natürlich so eine Dynamik,
31:44nachdem in Sachsen-Anhalt
31:45die AfD so stark war,
31:47nicht ganz absolute Mehrheit,
31:48aber fast,
31:49haben eigentlich alle erwartet,
31:50dass es so einen Rebound-Effekt gibt.
31:52Dass dann Berlin,
31:53also Berlin neigt eh dazu,
31:54ist ein bisschen linker,
31:56da war die AfD immer sehr, sehr schwach,
31:59dass im Grunde dann das Pendel
32:01oder die Bewegung voll zu den Linken schwappt
32:04und dann hier Elif Eralb,
32:07das ist die Spitzenkandidatin der Linken,
32:08dass die möglicherweise regierende Bürgermeisterin wird.
32:11Also da drohen im Grunde zwei Niederlagen.
32:14Die CDU droht die Regierung in Berlin zu verlieren
32:16und zwar ausgerechnet an die Linke.
32:18Man muss sich das mal vorstellen,
32:19aus Sicht eines konservativ tickenden CDU-Mitglieds,
32:23was das heißt,
32:24dass man nicht nur verliert,
32:25sondern dann auch noch gegen die Linke,
32:27also gegen das Gegenteil,
32:28gegen eine Partei,
32:29gegen die,
32:29mit der man Unvereinbarkeitsbeschlüsse hat.
32:31Und in Mecklenburg-Vorpommern,
32:34wo man mal wirklich sehr, sehr viel Prozent hatte,
32:38auch zu Angela Merkels Zeiten,
32:40droht man eben gar nicht in den Landtag zu kommen.
32:42Und dann könnte eben dieses,
32:45aus der Basis raus,
32:46sich dieses Gefühl wieder sehr stark entwickeln,
32:49so können wir nicht weitermachen.
32:51Wir laufen sozusagen sehenden Auges in den Abgrund.
32:54Und natürlich stellen sich diese Frage
32:56auch die Ministerpräsidenten,
32:58auch wenn sie jetzt diese Erklärung unterzeichnet haben.
33:00Und im Grunde,
33:01wir haben das in einem Text so geschrieben,
33:04im Grunde stehen die vor der Frage,
33:06was ist jetzt eigentlich verantwortlich?
33:08Ist es unverantwortlich in so einer Situation,
33:11Krise, Rechtspopulisten vor der Tür,
33:13im nächsten Jahr Wahl in Frankreich,
33:15wo vielleicht der Rassemblement national erfolgreich wird?
33:19Ist es da eigentlich unverantwortlich,
33:21einen Kanzler auszutauschen?
33:23Oder ist es unverantwortlich, es nicht zu tun?
33:26Das ist im Grunde ja die Frage,
33:27vor der die stehen.
33:28Weil wenn man annimmt,
33:29dass jemand anders es besser machen könnte,
33:34dann müsste man eben argumentieren,
33:36dann müsste man jetzt wirklich dringend die Notbremse ziehen,
33:39damit diese Entwicklung,
33:40das wirkt ja so wie eine abschüssige Bahn,
33:44gestoppt wird.
33:45Gleichzeitig wissen alle,
33:47es ist ja nicht,
33:48also man kann ja nicht einen Kanzler aus dem Bild rausschneiden
33:51und dann einen anderen da reinkleben,
33:53zum Beispiel einen Hendrik Wüst,
33:55und das Bild ist immer noch dasselbe,
33:57sondern das ist natürlich gar nicht so einfach,
33:59so eine Operation.
34:01Jede Aktion in der Politik hat dann wieder Nebenwirkungen
34:04und im Grunde ist das ein riskanter Vorgang,
34:08wo man nicht weiß,
34:10ob der gelingt.
34:11Man weiß schon gar nicht,
34:13ob derjenige, der dann käme,
34:15es eigentlich wirklich so viel besser machen könnte.
34:17Aber selbst wenn man das annimmt,
34:19selbst wenn man ganz sicher ist,
34:20doch, der würde das besser machen,
34:22weiß man halt nicht,
34:23ob diese Operation irgendwie aus dem Ruder läuft,
34:25denn man kann ja nicht die Zeit anhalten.
34:27Man kann ja nicht sagen,
34:28so jetzt bitte mal alle anhalten,
34:29die CDU sortiert sich einmal neu,
34:31sondern es gibt ja eine AfD,
34:33die permanent die CDU vor sich her treibt.
34:37Es gibt andere Parteien,
34:39die Zulauf kriegen,
34:39es gibt eine Konkurrenz.
34:41Ganz kurz noch zu diesem Prozess,
34:43das würde mich nämlich auch interessieren,
34:44wenn man das theoretisch durchspielt
34:46und sagt,
34:46man tauscht den Kanzler tatsächlich aus,
34:49welche Auswirkungen
34:50oder beziehungsweise welche Prozesse
34:51gibt es da in der Koalition mit der SPD,
34:54damit das auch tatsächlich rein formal klappt.
34:58Man braucht ja erneut eine Mehrheit im Parlament,
35:00die hat ja Friedrich Merz
35:01beim ersten Mal ja gar nicht erreicht.
35:03Da gab es ja diesen bizarren Zwischenfall,
35:05dass er nochmal ran musste.
35:07Aber glauben Sie,
35:07dass das einfach theoretisch glatt
35:09über die Bühne gehen könnte
35:11und macht die SPD da mit?
35:13Also theoretisch kann er es glatt,
35:15wie gesagt, theoretisch,
35:16aber das ist eben Reißbrettdenken.
35:18Und theoretisch ist es nicht so schwer.
35:20Theoretisch,
35:20die Voraussetzung ist,
35:22der Kanzler tritt zurück.
35:24Man sagt,
35:25es gibt keine Neuwahlen.
35:26Das ist ja auch noch eine Option.
35:28Aber der Bundespräsident zum Beispiel,
35:29der da auch involviert ist,
35:31von dem ist bekannt,
35:32dass er das,
35:33Frank-Walter Steinmeier,
35:34dass er das nicht befürworten würde.
35:36Der würde also sagen,
35:37nee, Leute,
35:38ihr seid gewählt,
35:39bitte sortiert euch.
35:40Und dann könnte man
35:41eine neue Person aufstellen.
35:43Und dann müsste man das natürlich
35:46genau mit dem Koalitionspartner besprechen.
35:48Und die Vermutung,
35:50dass der Koalitionspartner,
35:51also sprich die SPD,
35:52dafür auch was haben will,
35:53ist zum einen groß.
35:55Also die Vorstellung,
35:56dass man dann sehr viel
35:59deutlichere Reformen kriegt,
36:00weiß ich nicht.
36:01Also irgendwas werden die dafür haben wollen.
36:03Und es war lange Zeit so,
36:05dass diese Spiele
36:06oder diese Gedankenspiele,
36:08die laufen eigentlich schon sehr,
36:09sehr lange.
36:10Also das hat sich jetzt zwar zugespitzt,
36:12aber das ist eigentlich schon sehr lange,
36:13wird das mal so durchgenommen.
36:14Und dann überlegt man natürlich immer,
36:16wer könnte das denn sein?
36:17Und da gab es lange die Einschätzung,
36:20bestimmte Leute würden von der SPD gewählt.
36:22Also zum Beispiel Hendrik Wüst,
36:23der Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen,
36:26der sehr,
36:27früher nicht,
36:28aber der sich jetzt eher als Liberaler da etabliert hat,
36:30der mit den Grünen regiert.
36:33Während zum Beispiel Markus Söder,
36:35abgesehen davon,
36:36dass er ja auch in der CSU ist,
36:38also gar nicht in der CDU,
36:39der wäre also auch für die CDU selbst schwierig,
36:41denen,
36:42dass man denen also nicht will.
36:43In letzter Zeit ist es so,
36:45wenn man mit Leuten aus der SPD spricht,
36:47die sagen ganz ehrlich im Hintergrund,
36:49wir würden jeden wählen,
36:50weil wir selber in so einer jämmerlichen Verfassung sind,
36:55dass wir auf gar keinen Fall Neuwahlen wollen.
36:57Denn das wäre ja die Folge.
36:58Also wenn es nicht gelingt,
36:59einen Kanzler zu wählen,
37:00dann müsste es doch zu Neuwahlen kommen.
37:02Und das wollen eigentlich alle vermeiden,
37:05aber ganz besonders die SPD,
37:06weil die steht besonders schlecht da.
37:10Und sodass also im Grunde inzwischen
37:13so ein bisschen die Einschätzung ist,
37:15die würden doch sehr, sehr viele Leute akzeptieren,
37:20eigentlich fast jeden.
37:21Also SPD und Union aneinandergeketscht zum Erfolg,
37:25verdammt.
37:26Ich sehe hier große Parallelen zur Situation in Österreich.
37:28Auch hier sind die Umfragewerte wahnsinnig schlecht
37:30für die regierenden Parteien.
37:32Und ein Aufgeben ist einfach de facto nicht möglich.
37:34Aber sprechen wir wirklich jetzt kurz über diese Nachfolge,
37:37die Sie schon angesprochen haben,
37:38Markus Söder und Hendrik Wüst.
37:41Davor würde ich von Ihnen aber gerne wissen,
37:42wenn einer von diesen beiden möglichen Namen Erfolg haben will,
37:46wo liegt denn in der Union tatsächlich die Machtbasis?
37:49Also wen brauchen diese Männer,
37:51es sind ja derzeit nur Männer,
37:54hinter sich, um tatsächlich erfolgreich zu sein,
37:57zumindest innerparteilich?
37:58Wie es denn die Wähler sehen,
37:59ist ja nochmal was anderes.
38:00Naja, erstmal muss man sagen,
38:02diese Person, die da gewählt werden müsste,
38:04die müsste ja vom Bundestag gewählt werden.
38:06Und jetzt war immer die Frage SPD.
38:09Generell hat ja diese große,
38:11wir nennen sie manchmal noch große Koalition,
38:12aber diese schwarz-rote Koalition
38:14hat ja eine sehr kleine Mehrheit.
38:16Und sie müsste,
38:17und das wird manchmal gar nicht so richtig bedacht,
38:19sie müsste ja auch von der eigenen Fraktion gewählt werden.
38:22Also auch die CDU-CSU-Fraktion
38:25müsste einen Kanzler wählen.
38:26Das heißt, die Macht, wenn Sie danach fragen,
38:28liegt erstmal in den Fraktionen.
38:30Die Parteien spielen natürlich eine Rolle,
38:32aber entschieden wird das ja im Parlament.
38:34Und auch diese CDU-Fraktion ist da gar nicht so einheitlich.
38:38Da gibt es nämlich zum Beispiel viele,
38:40die einen Hendrik Wüst,
38:41die da viel größere Bedenken haben.
38:43Die CDU-Fraktion ist relativ konservativ,
38:45konservativer als die Partei.
38:47Das heißt, da gibt es also auch gar nicht
38:48eine einheitliche Linie.
38:53Und die würde unter Umständen
38:55zu ganz anderen Schlüssen kommen,
38:57wer da der geeignetste Nachfolger ist.
38:59Einer ist jetzt ja ausgeschieden,
39:01Jens Spahn.
39:02Der war ja lange,
39:02galt der im Grunde immer so als ein Konkurrent von Friedrich Merz.
39:05Der musste sich zurückziehen,
39:08nachdem er eine Leihmutter in den USA,
39:11wie sagt man das, genutzt, beauftragt,
39:14also jedenfalls mithilfe einer Leihmutter
39:16ein Kind bekommen hat.
39:17Also der ist raus aus dem Spiel.
39:21Aber die Abstimmungsmacht liegt im Bundestag bei den Fraktionen.
39:27Aber die Person müsste natürlich auch eine Unterstützung
39:31des Präsidiums haben der CDU,
39:33also auch der Führungsleute.
39:37Ich glaube, den Namen Markus Söder
39:38kennen auch sehr viele von unseren Zuhörerinnen
39:40und Zuhörern sehr gut.
39:42Er ist auch in Österreich kein Unbekannter.
39:43Wer mich mehr interessieren würde,
39:45wäre tatsächlich Hendrik Wüst,
39:47den Sie jetzt schon mehrfach angesprochen haben,
39:49Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.
39:51Was würde er quasi mitbringen?
39:54Und will er denn wirklich?
39:55Weil man hatte ja in dieser Woche dann doch das Gefühl,
39:59waren es jetzt kalte Füße
39:59oder hat er es sich anders überlegt?
40:01Wie auch immer.
40:01Aber er scheint ja nicht in diesem Moment bereit zu stehen,
40:04um den Kanzler zu stürzen.
40:06Nee, also ich weiß jetzt nicht,
40:08wie nerdig wir hier werden wollen
40:09oder wie sehr wir in die Innereien gehen wollen.
40:11Sie können abnerden, wie Sie wollen.
40:12Bitte, ich bitte Sie.
40:13Also erstmal ist er ja so ein Spiegersohn-Typ.
40:17Also er hat so ein sehr gewinnendes Auftreten.
40:19Leute mögen ihn.
40:20Also das ist schon mal ein absolutes Gegenteil
40:23zu Friedrich Merz.
40:25Und er regiert geräuschlos
40:27im Sinne von konfliktarm
40:29mit den Grünen in Nordrhein-Westfalen.
40:30Also er ist in der Lage,
40:33Prozesse offensichtlich so zu organisieren,
40:35dass sie zu Ergebnissen führen,
40:36ohne dass man sich zerlegt.
40:38Das hat er sehr stark einem Mann zu verdanken,
40:41der seine Staatskanzlei führt.
40:42Das ist Nathanael Leminski.
40:44Und das ist einer,
40:46von dem viele Leute sagen,
40:48von Anfang an gesagt haben,
40:49den hätte der Friedrich Merz
40:50besser als Kanzleramtsminister zu sich geholt.
40:53Weil der versteht sehr viel
40:54von dieser Prozesssteuerung.
40:57Und der ist wiederum aber auch im Gespräch
41:00als Nachfolger von Hendrik Wüst.
41:02Es gibt im nächsten Jahr,
41:04das muss man wissen,
41:05und das ist ganz, ganz wichtig
41:06für diese internen Debatten,
41:07gibt es eine Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen.
41:09Nordrhein-Westfalen ist das größte Bundesland
41:11in Deutschland.
41:12Da hat die meisten Einwohner.
41:13Ist super wichtig.
41:14Hat also auch immer eine große Machtbasis
41:16in der Partei.
41:17Ist bei jeder Partei so.
41:19Und diese Wahl ist super, super wichtig.
41:21Also wenn die verloren gehen würde,
41:23das wäre eine Katastrophe.
41:24Wenn sich jetzt also Hendrik Wüst
41:26vor der Wahl zurückziehen würde
41:28aus Nordrhein-Westfalen,
41:29dann wäre das Problem,
41:31dass das da prekär wird.
41:33Dass man nicht weiß,
41:34ob die CDU diese Bastion halten kann.
41:37Wenn er nach Berlin ginge,
41:39bräuchte er auch Leute.
41:40Er müsste sich ja,
41:41er müsste sich auf Leute in seinem Umfeld,
41:43das war ja ein Problem von Friedrich Merz.
41:45Er bräuchte Leute,
41:46die sich in Berlin umkennen.
41:47Das ist wirklich,
41:48auskennen,
41:48das ist wirklich ein anderes Pflaster.
41:50Es gibt sehr viele Landespolitiker,
41:52die waren hochgeschätzt,
41:54auch in der SPD,
41:55die ganzen Parteivorsitzenden der SPD,
41:57die die SPD verschlissen hat.
41:58Also Kurt Beck,
41:59Matthias Platzeck.
42:00Es waren alles ganz,
42:02ganz renommierte,
42:04erfolgreiche Landeschefs,
42:05die dann,
42:05die es wirklich zerbröselt hat in Berlin.
42:07Also da bräuchte er
42:08ein sehr stark stützendes Umfeld.
42:09Wenn er jetzt diesen Leminski mitnimmt,
42:12den ja schon Friedrich Merz,
42:14dem viele als Kanzleramtschef empfohlen haben,
42:17dann fehlt er aber natürlich
42:18in Nordrhein-Westfalen.
42:19Das heißt,
42:20das ist so ein bisschen,
42:21es gibt auch irgendwie diesen Witz mit der,
42:22wo eine Ziege,
42:23einen Wolf und ein Kohlkopf
42:25über den Fluss gebracht werden sollen.
42:28Und das ist so ein bisschen das Problem.
42:30Also wenn man den Hendrik Wüst
42:31jetzt nach Berlin bringt,
42:32dann fehlt er in Nordrhein-Westfalen.
42:34Wenn er dann den einen mitnimmt,
42:37dann fehlt er da.
42:38Also das ist,
42:38man läuft immer,
42:39das war ein Satz,
42:40der war jetzt oft zu hören,
42:42letzten Endes,
42:42man läuft immer irgendwo gegen eine Wand.
42:43Also wenn man das so durchspielt,
42:45kommt man immer sehr schnell an einen Punkt,
42:46wo man sagt, das ist eigentlich auch riskant
42:50und dann auch nicht stabilitätsfördernd.
42:54Aber das ist das,
42:55was dieser Hendrik Wüst mitbringt.
42:57Er hatte sich zum Beispiel,
42:58als es um die Sozialreformen jetzt ging,
43:00die gemacht werden sollen,
43:01hatte er sehr stark gedrungen
43:03auf eine sogenannte konzertierte Aktion.
43:06Das hat der Merz dann auch so halbherzig gemacht.
43:09Also das heißt,
43:10dass man im Grunde versucht,
43:11ein großes Bündnis,
43:13früher gab es ja mal das Bündnis für Arbeit
43:15mit den Sozialpartnern,
43:17also mit den Gewerkschaften,
43:18mit den Arbeitgebern,
43:18dass man im Grunde versucht,
43:21diese Reform breit abzufedern.
43:23Also so operiert der,
43:25der versucht die Dinge
43:26auf eine breite Basis zu stellen.
43:30Obwohl er, wie gesagt,
43:31er gilt als jemand,
43:33der eben da auch die SPD sehr stark mitdenkt
43:36und regiert aber ja mit den Grünen,
43:38was sie natürlich für die Grünen
43:39zu einem sehr attraktiven,
43:41also die Grünen könnten sich sicher,
43:43glaube ich, sehr gut vorstellen,
43:44einen Hendrik Wüst zu wählen,
43:46weil dann im Grunde
43:46eine schwarz-grüne Perspektive
43:49wieder ein bisschen Fahrt gewinnen könnte,
43:51die ja zwischendurch
43:52vollkommen erledigt schien.
43:54Also das sind so die Vorstellungen,
43:57die mit Hendrik Wüst verbunden sind.
43:58Es gibt aber auch viele,
43:59die sagen im Grunde,
44:01also Beispiel Merz,
44:03vertut euch mal nicht,
44:04so toll, so schön,
44:06wie ihr euch denn jetzt redet,
44:07ist da vielleicht auch nicht
44:08und er würde auch eben
44:10riesige Probleme haben.
44:12Jede Regierung braucht ein bisschen,
44:14um sich da einzugruven irgendwie
44:16und er müsste das eben
44:17auf einer ganz anderen Bühne machen.
44:20Und es kann ja immer passieren,
44:22das ist Friedrich Merz ja auch so gegangen,
44:23dass das, wo man jetzt sagt,
44:24der ist doch sympathisch oder so,
44:25dass man schon in wenigen Monaten
44:28sagen würde,
44:28ja, der sieht zwar nett aus,
44:30aber irgendwie hat er ja doch kein Profil.
44:32Also das,
44:33sagen wir mal,
44:33wenn der Maßstab,
44:35die Messlatte,
44:35wenn die sich ändert,
44:36dann sehen die Leute
44:37auch eben oft sehr schnell
44:38sehr anders aus.
44:40Also die Gefahr besteht,
44:42dass wir dann in vielleicht
44:43einem Jahr
44:44diesen Podcast wiederholen,
44:45allerdings dann über Hendrik Wüst
44:47mögliches Ende sprechen,
44:48nicht über Friedrich Merz.
44:48Und dann sie wieder sagen,
44:50ja, aber ist er denn,
44:51also Charisma,
44:52ich weiß nicht,
44:53hat er den Charisma?
44:54Genau,
44:55könnte passieren.
44:57Bislang habe ich wenig von ihm gesehen,
44:58muss ich gestehen.
44:59Also so bekannt wie Friedrich Merz
45:00ist er in Österreich noch nicht,
45:02beziehungsweise ich glaube,
45:03wir haben uns auch ein bisschen
45:03weniger mit ihm beschäftigt
45:05als mit Friedrich Merz.
45:06Aber wir werden es sehen,
45:07vielleicht.
45:08Vielleicht ganz kurz noch
45:09Markus Söder.
45:10Ich weiß,
45:10dieser Name wird gefühlt
45:11jede zweite Woche
45:13als möglicher Kanzler genannt
45:14und dann wird es irgendwie
45:15doch nie.
45:15Was ist er denn tatsächlich
45:16noch eine Option
45:17oder kann das irgendwie
45:18keiner mehr so ganz ernst nehmen?
45:21Ja,
45:22das ist wirklich
45:22die eine Million Dollar Frage.
45:24Also ich,
45:26es gab ja,
45:27also wir erinnern uns,
45:28wir haben ja über
45:28Armin Laschet gesprochen.
45:30Der ist ja im Grunde
45:31Kanzlerkandidat geworden,
45:32weil es in der CDU,
45:34damals lebte Wolfgang Schäuble,
45:35noch ganz starke Kräfte gab,
45:37die unbedingt,
45:38die vor allem wollten,
45:39dass es Markus Söder
45:40nicht wird.
45:41Und da gibt es also
45:43ganz starke Bedenken,
45:45gegen ihn,
45:46also gegen seine,
45:48ja,
45:49seine charakterliche Integrität,
45:50muss man sagen,
45:51aber auch im Grunde
45:52seinen Kompass,
45:53weil er ja sehr viel,
45:55also er ist ja
45:56der Meister der Neuerfindung,
45:58mal hat er Bäume umarmt,
46:00dann war er wieder
46:00ganz scharf gegen die Grünen
46:02und so.
46:03Also da gibt es große Bedenken
46:04und es wäre natürlich
46:05auch eine unheimliche
46:05Machtverschiebung
46:06innerhalb der Union.
46:07Also dass diese kleinere
46:09Schwesterpartei CSU,
46:10die eine Regionalpartei ist,
46:12die es ja eigentlich
46:12nur in Bayern gibt,
46:13dass die nun
46:14diesen Kanzler stellen würde,
46:16das ist im Grunde
46:17für die CDU
46:18ja immer das Eingeständnis,
46:20wir hatten keinen.
46:21Also dass es dazu kommt,
46:22wenn man nun allerdings
46:23so selbstbewusste
46:25Ministerpräsidenten hat,
46:26ist nicht so wahrscheinlich,
46:27denn dass diese
46:28selbstbewussten
46:29Ministerpräsidenten,
46:30die ja da eine Rolle spielen,
46:32selber zu dem Schluss kommen,
46:33keiner von uns könnte das,
46:35sondern der Markus Söder
46:36könnte das besser,
46:37halte ich für nicht
46:38sehr wahrscheinlich.
46:39Ich glaube,
46:40dass auch er selber
46:42nicht unbedingt weiß
46:43oder denkt,
46:44dass das passiert,
46:45aber die meisten Politiker,
46:47die denken ja in Optionen.
46:49Also die,
46:49die denken ja im Prinzip,
46:51die wissen,
46:51es gibt manchmal Fenster,
46:52die tun sich auf
46:53und ich glaube,
46:54so denkt auch Markus Söder
46:55oder so denken viele,
46:57die haben ja nicht den Plan,
46:58dann mache ich so
46:59und dann so und dann so
46:59und dann bin ich Kanzler,
47:00sondern die versuchen,
47:01Optionen zu wahren
47:02und Söder wiederum weiß,
47:05dass wenn jetzt
47:05Hendrik Wüst in dieses Amt käme,
47:07Friedrich Merz ist 70,
47:09Hendrik Wüst ist,
47:10weiß ich gerade nicht,
47:11aber sehr viel jünger,
47:13dass so schnell
47:14sich dieses Zeitfenster
47:15für ihn,
47:16unvorausgesetzt,
47:16der würde das dann
47:17doch erfolgreich machen,
47:18so schnell nicht wieder öffnet.
47:20Deswegen hieß es lange Zeit,
47:21dass er ein großes Interesse
47:23daran hat,
47:23diesen Wüst
47:24und auch jeden anderen
47:25zu verhindern,
47:26denn die anderen
47:27sind ja alle weit
47:27unter 70.
47:29Ein Name,
47:30über den wir jetzt
47:30noch nicht gesprochen haben,
47:31ist Boris Rhein,
47:32der hessische Ministerpräsident,
47:34der kam jetzt auch mal
47:35im Rahmen der Spekulationen
47:36da ins Gespräch
47:38und
47:40sodass die Chancen
47:41für Söder,
47:42glaube ich,
47:42nach wie vor
47:42nicht sehr gut sind.
47:44Eine Sache,
47:45muss man sagen,
47:45spricht
47:46oder mehrere Sachen
47:47sprechen natürlich
47:48ganz stark für ihn.
47:49Also erstens,
47:50er hat enorme
47:52Regierungserfahrung.
47:52Er beherrscht auch dieses,
47:54es gibt ja in Deutschland
47:55die Länderkammer,
47:57den Bundesrat,
47:58es gibt die Bundesländer,
47:59die sehr mächtig sind
48:00und viele,
48:01die Frage,
48:01wie weit man mit Reformen
48:02kommt,
48:03hängt eben ja auch immer
48:03sehr stark damit zusammen,
48:05wie kann man sich mit
48:06diesen Ländern einigen,
48:07die bei der Gesetzgebung
48:08dann auch eine Rolle spielen.
48:09Dieses Geschäft
48:10beherrscht er total,
48:13nicht unbedingt zu seinem Vorteil,
48:15denn die Bayern sind ja
48:16sehr auf ihren eigenen Vorteil
48:18bedacht,
48:18das finden die anderen Länder
48:20dann immer nicht so gut,
48:20aber er kann regieren,
48:22er beherrscht dieses
48:24Tauschgeschäft,
48:24diesen Basar
48:26und er beherrscht natürlich
48:28eine Sache,
48:29er beherrscht im Grunde
48:30so eine Art von
48:31Gefühlspolitik.
48:32Also wir reden ja jetzt
48:33sehr viel darüber,
48:34was hat die AfD
48:35so erfolgreich gemacht
48:36und die Parteien
48:38reden sehr viel darüber,
48:39wie könnten wir denn
48:40auch selber wieder
48:41mehr Erfolg haben
48:42und da gibt es ja immer
48:45diesen Befund,
48:46dass die in einer Weise
48:47eben die Emotionen
48:48mobilisieren,
48:49wie das die anderen
48:50nicht schaffen,
48:50dass sie im Grunde,
48:51dass das Gefühl
48:52eigentlich nach rechts
48:53gewandert ist,
48:54also die Leidenschaft
48:57so und da ist natürlich
49:00Markus Söder ist natürlich
49:01ein begnadeter
49:01Gefühlspolitiker,
49:02also wahrscheinlich ist er
49:04von all diesen,
49:04über die wir jetzt
49:05gesprochen haben,
49:06absolut der Begabteste
49:07und das wäre
49:10früher immer so ein bisschen
49:11unter B-Note
49:12abgehakt worden,
49:13aber in einer
49:15Auseinandersetzung
49:16mit der AfD
49:17ist das eine Ressource,
49:20die vielleicht gar nicht
49:20so unwichtig ist,
49:21trotzdem aus den
49:23anderen genannten Gründen
49:25spricht glaube ich
49:26nicht so viel dafür,
49:27dass er dahin kommt.
49:29Frau Hildebrandt abschließend,
49:32wenn wir dieses Szenario
49:34jetzt weiterspinnen
49:35und möglicherweise
49:36davon ausgehen,
49:37dass die Kanzlerschaft
49:38von Friedrich Merz
49:39früher oder später
49:40zu Ende gehen könnte,
49:41mit Betonung auf könnte,
49:43wie würden wir denn
49:44auf diese kurze Ära
49:45Merz zurückblicken?
49:46Was bleibt?
49:49Was bleibt?
49:51Also es bleibt glaube ich,
49:52dass er Deutschland
49:55zu einem akzeptierten,
49:58wichtigen Partner
49:59in Europa
50:01und in der Welt
50:02gemacht hat.
50:03Also darüber reden
50:04wir jetzt gar nicht mehr,
50:05aber es gab ja diese Besuche
50:06da bei Donald Trump,
50:08wo ja reihenweise Leute
50:09auf der Weltbühne
50:11gedemütigt wurden,
50:12wir erinnern uns alle.
50:14Also er hat da
50:16Deutschland auf jeden Fall
50:18zu einem Akteur gemacht,
50:19auch im Konzert mit
50:21in Europa,
50:22mit diesem sogenannten
50:23E3-Format
50:24mit Großbritannien
50:25und Frankreich.
50:26Also das würde,
50:28glaube ich,
50:28schon bleiben.
50:29Er war,
50:30er hat sehr viel getan,
50:32um die Ukraine
50:32zu unterstützen.
50:34Deutschland ist,
50:36glaube ich,
50:36inzwischen sogar
50:37der größte Zahler.
50:38Vorher waren wir
50:39das nach den USA.
50:41Ich glaube,
50:41nachdem die USA
50:42sich zurückziehen,
50:43sind wir inzwischen
50:44sogar der größte Unterstützer.
50:45Das würde auch bleiben
50:47und das sind natürlich
50:48alles wahnsinnig wichtige Sachen,
50:50das muss man natürlich sagen.
50:51Das ist ja,
50:52wir reden jetzt nur
50:52über Innenpolitik im Moment,
50:54aber das sind natürlich
50:55enorm wichtige Linien.
50:56Also das würde bleiben.
50:59Innenpolitisch,
51:00ich glaube,
51:00man würde sagen,
51:01das war irgendwie ein Irrtum.
51:03Das war,
51:04der hatte sich,
51:04das war eine Hoffnungsfigur,
51:06mit dem waren Erwartungen,
51:08vielleicht war das auch
51:09ein notwendiger Übergang
51:10in der CDU.
51:12Es gab ja Olaf Scholz,
51:13da haben wir drüber gesprochen,
51:13aber nach dieser langen Regentschaft
51:16von Angela Merkel,
51:18manchmal ist das dann
51:20einfach auch so,
51:20dass so eine Partei
51:21nach so einer langen Zeit
51:22länger braucht,
51:24um sich dann wieder
51:25irgendwie neu zu sortieren
51:26und dann wäre er
51:28in seiner Partei
51:29letztlich dann doch
51:30ein Übergangskanzler gewesen.
51:34Vielleicht auch,
51:35um was Positives zu sagen,
51:36damit mir dann nachher
51:37niemand vorwirft,
51:38dass ich eine ungesunde,
51:39negative Fixierung
51:40auf den deutschen Kanzler hätte.
51:42Ich habe immer so das Gefühl
51:43und korrigieren Sie mich
51:44da erneut gerne,
51:45dass wenn es um den Umgang
51:46mit Russland und der Ukraine geht,
51:48Merz ein Politiker ist,
51:50der sich a von Putin
51:51nichts vormachen lässt,
51:53also der diese Lügen
51:55aus dem Kreml nicht schluckt
51:56und b auch deutlich weniger Angst
51:58vor ihm hat als andere.
52:00Und ich glaube,
52:00das kann man ihm durchaus
52:01hoch anrechnen, oder?
52:03Ja, auf jeden Fall.
52:04Wobei man sagen muss,
52:06wir sollten auf jeden Fall
52:08auch ein gutes Haar
52:08an Friedrich Merz lassen,
52:09aber es war ja so,
52:11dass er selber
52:11immer den Olaf Scholz
52:13sehr gezwiebelt hatte,
52:16dass er da also
52:16nicht genug unterstützt
52:17und den Taurus nicht liefert
52:19und so weiter.
52:20Und er hat es dann zum einen
52:21bis heute,
52:22soweit man das weiß,
52:23das ist ja alles
52:24eigentlich geheim,
52:25aber soweit man es weiß,
52:27hat er es auch nicht gemacht.
52:28Und ich habe mich immer gefragt,
52:30warum Olaf Scholz,
52:31der hat ja immer
52:31sehr, sehr vorsichtig agiert
52:33und hatte immer
52:33dieses Eskalationsargument.
52:35Der hatte immer
52:35dieses Argument,
52:36im Grunde,
52:37wenn du dich mit einer
52:38Atommacht anlegst,
52:39dann bist du besser
52:40sehr zurückhaltend.
52:42Und da stand ja immer
52:43so im Raum,
52:43es könnte zu einer
52:44Eskalation kommen
52:45und so weiter.
52:46Und ich habe mich immer gefragt,
52:47warum eigentlich Friedrich Merz,
52:49obwohl er ja dieselben
52:51Geheimdienstinformationen hat,
52:51also die Kanzler werden ja
52:52von den Diensten gebrieft,
52:54wie die Lage ist,
52:55warum der die Lage
52:56so vollkommen anders einschätzt.
52:58Und die Frage
53:01habe ich auch vielen gestellt
53:02und die Antwort war,
53:03also ob das sozusagen
53:04eine Charakter- oder
53:05Temperamentsfrage ist,
53:06ob die das einfach
53:07anders sortieren.
53:08Und die Antwort war im Grunde
53:10immer, weil die Lage anders ist,
53:12weil zu den Zeiten,
53:13als Olaf Scholz sich
53:14mit dieser Frage beschäftigt hat,
53:16Russland sehr, sehr stark
53:17unter Druck war
53:18und in der Defensive
53:19und im Grunde diese Vorstellung
53:21aus dieser Defensive raus
53:23könnte Putin eskalieren,
53:25weil er mit dem Rücken
53:26zur Wand steht, plausibler war
53:28als jetzt.
53:28Also das nur zum Hintergrund,
53:31das ist unter Umständen
53:32nicht nur eine
53:32charakterliche Frage,
53:33trotzdem haben sie recht,
53:34er hat da auf jeden Fall
53:37einen totalen,
53:38also das ist ein Thema,
53:39bei dem er einen
53:39total klaren Kompass hat
53:41und zwar nicht nur
53:42in der Frage,
53:43was er richtig findet,
53:44sondern auch,
53:45er hat das auch immer
53:46so verfolgt.
53:46Also da gab es keine
53:47Situation bezogen auf die Ukraine,
53:50wo man zwischendurch dachte,
53:51Moment mal,
53:52was ist das jetzt,
53:52ein Kurswechsel oder so.
53:53Also das stimmt,
53:55da war er ganz,
53:56ganz verlässlich
53:59und auch ganz,
54:00ganz sicher
54:01in seinem Urteil.
54:03Tina Hildebrandt war das
54:04von der Zeit.
54:06Vielen Dank
54:06für Ihre wirklich spannenden
54:08und ausführlichen
54:09Einordnungen und Einschätzungen
54:10heute rund um den
54:11deutschen Kanzler Friedrich Merz.
54:12Alles Gute,
54:13beste Grüße.
54:14Dankeschön,
54:15ich freue mich,
54:15dass ich da sein konnte.
54:16Mir ist jetzt aufgefallen,
54:17wir haben über den Friedrich Merz
54:18jetzt immer in so einer
54:20Vergangenheitsform,
54:21er war oder so.
54:21Also man sollte nochmal sagen,
54:23es kann gut sein,
54:24dass auch gar nichts passiert
54:25und er bleibt.
54:27Das ist auch eine Option.
54:29Vielen Dank für die Einladung.
54:30Ich freue mich,
54:32dass ich hier sein konnte.
54:33Es hat Spaß gemacht.
54:34Und wenn euch Thema
54:35des Tages gefallen hat,
54:36dann abonniert den Kanal
54:37auf der Podcast-Plattform
54:38eurer Wahl
54:39oder auch auf YouTube.
54:40Da sind wir immer öfter
54:41mit Videopodcasts vertreten.
54:42Einfach Kanal abonnieren
54:43und nicht vergessen,
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54:45Ich bin Daniel Retschitz-Egger.
54:46Vielen Dank fürs Dabeisein.
54:47Bis zum nächsten Mal.
54:48Bis zum nächsten Mal.
54:49Tschüss.
54:50Tschüss.
54:50Tschüss.
54:50Tschüss.
54:50Tschüss.
54:50Tschüss.
54:51Tschüss.
54:51Vielen Dank.
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