- vor 9 Minuten
Gemeinheit, Verlogenheit, Boshaftigkeit, ja sogar Gewalttätigkeit gegenüber rechtschaffene, anständige Menschen
Frau Dr. Karin Kneissl ist die höchst qualifizierteste, best ausgebildete, Diplomatin, die Österreich jemals hatte
Hier erzählt Frau Dr. Kneissl in groben Umrissen vom widerlichen Treiben, das gegen sie läuft - und vornehmlich von Menschen, die sie gar nicht kennen
Frau Dr. Karin Kneissl ist die höchst qualifizierteste, best ausgebildete, Diplomatin, die Österreich jemals hatte
Hier erzählt Frau Dr. Kneissl in groben Umrissen vom widerlichen Treiben, das gegen sie läuft - und vornehmlich von Menschen, die sie gar nicht kennen
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00:00August, September wurde ich damals bezichtigt mit Novichok-Formel, die ich auf meinem Schreibtisch
00:05gehabt haben soll. Vielen zu unabhängig, aber ganz besonders den Freiheitlichen, die das gar
00:12nicht gerne sahen, dass man so eine selbstständige Außenpolitik macht. Ich nehme das niemandem ab,
00:17wenn man mir erklärt, es seien nur die Medien, es seien nur die sogenannten Eliten und die Leute
00:22seien doch ach so nett. Diese Härte, dieses Wegschauen, dieses Fehlen von jeder Zivilcourage,
00:28von ihr Sanftmut. Also wird Kneissl vielleicht die Staatsbürgerschaft weggenommen. Und es wurde
00:34dann ein Hund auch exhumiert und Autopsie gemacht, das erste Mal in der Justizgeschichte, um nachzuweisen,
00:41dass ich einen Hund vergiftet hätte. Und damals war mir klar, die sind verrückt geworden. Wurde ich
00:47natürlich vernichtet. Ja, ich streite das nicht ab, dass ich als Mensch vernichtet wurde, finanziell,
00:51moralisch und, und, und. Aber ich sagte mir immer wieder, ich möchte nicht so werden wie die. Ich
00:56will nicht zynisch werden. Ich will nicht bitter werden. Ich will ein Mensch bleiben. Ich danke
01:02all diesen Figuren, weil sie, sie verschaffen mir das, den Gnadenakt, dass kein Funken Heimweh aufkommt. Kein Funken.
01:14Ja, hallo und guten Tag und herzlich willkommen, liebe Zuschauer von Berlin 247. Wir sind wieder mal vor Ort
01:22aus Sevastopol zurück, weiter über Moskau nach St. Petersburg. Und ja, ich freue mich ganz besonders,
01:30dass wir heute einen Gast haben, der in Deutschland oder beziehungsweise auf jeden Fall auch in der
01:35Alternativszene nicht ganz unbekannt sein dürfte. Und dessen Wort der Einschätzung ja auch in unseren
01:44Kreisen sehr geschätzt ist. Ehemalige Außenministerin von Österreich, Karin Kneißel.
01:51Guten Abend.
01:52Ich freue mich. Herzlich willkommen.
01:53Ja, herzlich willkommen zu unserem schönen Büro hier.
01:57Willkommen in Ihrem Büro. Willkommen zu unserem Gespräch.
02:00Genau, das hat sich kurzfristig ergeben. Sie waren zu freuen. Ich habe mich auf Max angeschrieben.
02:04Und ich habe zuerst gesagt, das ist Montag, Dienstag, ist sehr voll. Und dann bin ich am Spief und habe
02:09ihnen gesagt, ich mache diese Buchpräsentation in chinesischer Version. Vielleicht wollen Sie
02:13dorthin kommen.
02:14Ja.
02:14Und sie hat gesagt, ja, ich komme. Und ich habe gesagt, nachher können wir gerne in mein Büro
02:17kommen. Und so hat sich das alles sehr spontan ergeben.
02:21Vor allen Dingen, es passt ja auch sehr gut. Die liegen ja auch gerade hier, die Bücher.
02:25Das haben wir gestern vorgestellt, die deutsche Version. Also ich habe das Buch mit Manuskript in deutscher
02:29Sprache verfasst. Ich fing dieses Buch an auf einer Matratze, auf einer Straße in Frankreich.
02:37Damals wurde mein Mietvertrag aufgelöst, auf Druck der französischen Behörden.
02:41Ich hatte ein Bauernhaus gemietet in Südostfrankreich bei Avignon. Wollte dort eigentlich neu durchstarten,
02:49nachdem ich Österreich 2020 verlassen hatte, nicht 2022, 2020. Im August, September wurde
02:56ich damals bezichtigt mit Novichok-Formel, die ich auf meinem Schreibtisch gehabt haben
03:02soll, an Hunden zu experimentieren und Hunde zu vergiften. Und es wurde dann ein Hund auch
03:11exhumiert und Autopsie gemacht, das erste Mal in der Justizgeschichte, um nachzuweisen,
03:16ein Hund vergiftet hätte. Und damals war mir klar, die sind verrückt geworden. Also ich
03:22habe Freunde, die haben mir die Frage gestellt, warum bist du? Das sind rationale Fragen, das
03:27Irrationales rundherum. Und ich habe damals beschlossen, ich war 7,56, ich gehe nach Frankreich.
03:35Ich hatte das Ministeramt beendet am 2. und 3. Juni 2019, vor genau sieben Jahren. Es implodierte
03:42die Regierung. Wir hatten überhaupt keine Zeit, um jetzt eine Übergabe zu machen oder gewisse
03:47Dinge zu beenden. Ich hatte sehr, sehr viele Projekte so halb auf Schiene, unter anderem viel
03:53mit der Türkei. Das wurde mir in Österreich sehr zum Vorwurf gemacht, vor allem von der FPÖ,
03:58die mich am liebsten am 7. oder 8. Tag meines Ministeramts wieder weggehabt hätten, weil ich
04:02ihnen zu unabhängig war. Ich war vielen zu unabhängig, aber ganz besonders den Freiheitlichen, die das gar nicht
04:09gerne sahen, dass man so eine selbstständige Außenpolitik macht und die mir das Leben sehr
04:15schwer machten. Aber ich habe einfach versucht, Probleme zu lösen und inhaltliche Arbeit zu leisten.
04:24Und 2019, nach 18 Monaten, war das die Regierung wieder zu Ende. Was ich persönlich als Mensch jetzt
04:33nicht bedauerte, weil ich war sehr müde von allem. Ich war müde von dem Druck, der von allen Seiten da
04:38war. Und ich sagte mir, ich habe meine Firma, ich gehe wieder zurück in mein kleines Büro und ich mache
04:44wieder Energieanalyse, ich unterrichte wieder. Aber ich hatte unterschätzt die Zerstörung, die danach
04:51folgte. Also es war überhaupt nicht möglich, irgendetwas wieder neu anzufangen. Auch Buchverträge, die ich
04:58abgeschlossen hatten, wurden auf politischen Druck wieder aufgelöst. Ich hatte in Österreich null
05:03Aufträge. Ich hatte Gott sei Dank in Deutschland auch vier, fünf Sachen. Dann war die Pandemie auch. Und ich
05:09hatte dann ab Frühjahr 2020 eine sehr, sehr hässliche Kampagne zu bewältigen, weil ich eben der
05:16Hundevergiftung bezichtigt wurde, weil verschiedene Dinge, auf die möchte ich jetzt gar nicht mehr eingehen.
05:24Aber ich hatte eigentlich immer für mein Land gearbeitet. Ich habe Österreich bis zum letzten Tag
05:29vertreten. Wir hatten in diesem Tuchwabo der Regierungsauflösung den UNO-Generalsekretär zu Gast.
05:35Alle waren mit sich selbst beschäftigt. Ich habe versucht, die Fassade aufrecht zu erhalten, 40 Jahre Wiener
05:40UNO-Zentrum. Niemand war wirklich an der UNO interessiert. Es ging nur um, wie rettet man, wie bringt man seine
05:46Schäfchen jetzt trockene. Und ich habe einfach bis zum letzten Tag für Österreich gearbeitet und dachte, ich würde
05:53jetzt wieder zurückgehen in mein vorhergehendes Leben. Ich hatte eine relativ gut gehende kleine Firma
05:58geführt und dachte, ich könnte das jetzt dann wieder aufnehmen. Also wir haben da diese Pause von sechs
06:04Monaten, wo sie an sich nicht wirklich was machen durften. Aber mein Gott, ich dachte, das wird dann wieder
06:09möglich sein. Ich schreibe, ich hatte zwei Buchmanuskripte halbfertig, aber ging nicht. Und ich hatte dann, ich hatte
06:19null Einkünfte. Und ich hatte eigentlich mein Erspartes alles in verschiedenste Dinge reingesteckt. Also ich
06:26stand ohne irgendwas da. Ich habe dann eigentlich einige Monate von so circa 80, 90 Euro pro Monat gelebt und
06:37wurde
06:39dafür auch völlig angegriffen. Aber es war so. Und ich hatte dann das Riesenglück, dass ich ab Mai 2020 für
06:50RT Kommentare
06:52schreiben konnte. Und ich habe das auf Honorarbasis gemacht, Werkvertragsbasis pro Artikel, Kommentare. Und da wurde
07:01ich attackiert in einer Art und Weise, die verrückt war. Aber noch schlimmer. Naja, es war, als ich für RT
07:08anfing zu arbeiten im Jahr 2020. Ich war durch die Propagandistin des Putin-Regimes. Das war 2020. Und ich habe,
07:17Sie können sich sämtliche Artikel ansehen, die sind noch immer an meiner alten Website. Ich habe über den Nahen Osten,
07:22über Energiepolitik, über Iran geschrieben, Artikel, die ich zuvor für die NZZ oder für österreichische
07:30Medien oder für was auch immer Quartalist geschrieben habe, wo ich aber nirgendwo mehr schreiben durfte. Und wenn ich
07:36nicht diese Einkünfte damals gehabt hätte, ich habe meine Steuer 2020 und 2021 in Österreich noch
07:42eine Steuer gezahlt, ich hatte eine Nettogewinnsteuer von 18.000 Euro. Also ich habe wirklich nicht, weiß Gott,
07:48wie viel verdient. Im Jahr. Im Jahr, ja. Also das war mein Jahres, mein Jahresprofit lag bei 18.000 Euro.
07:55Aber ich war
07:56natürlich die große Chefpropagandistin der Russen und das wurde mir gewaltig zum Vorwurf gemacht. Ich war und
08:04ich bin sehr, sehr dankbar, dass damals RT mir die Möglichkeit gegeben hat, zu arbeiten. Weil ohne diese Einkünfte hätte
08:11ich das
08:12Jahr 2020 und das Jahr 2021 nicht überlebt. Es waren gewisse regelmäßig Einkünfte und ich habe dann damals
08:21angefangen, auch per Videokonferenz am GIMO zu unterrichten. Im Sommer 2020 stellte ich für mich fest, es geht
08:29nicht mehr in Österreich. Es war auch mein altes Pferd mit 38 Jahren verstorben. Und der Tod dieses Pferdes, habe
08:39ich dann
08:39gesagt, ich hätte diesem alten Pferd nie angetan, woanders hinzureisen. Ich nahm meine zwei Hunde, die Sie hier sehen, zwei
08:46Koffer und verließ
08:48Österreich in Richtung Frankreich und lebte in Airbnbs. Ich hatte Freunde in Frankreich, denen mir geholfen. Ich konnte wo am
08:56Sonntag hingehen, zum Mittagessen.
08:58Das war alles sehr hilfreich. Und ich suchte in Frankreich eine Bleibe, weil ich mir gesagt habe, in Österreich geht
09:04es nicht mehr.
09:07Ich hatte die leise Ahnung, es würde für immer sein, ich wusste es aber nicht. Und ich war im Jahr,
09:12im Frühjahr 2022, hatte ich etwas
09:15gefunden in Frankreich, ein sehr nettes Haus am Land, um weit von Avignon und wollte eigentlich dort wieder neu aufbauen.
09:23Ich habe Möbel gekauft, Bett brauchte ich und Sofa und wollte
09:29das wieder anfangen. Und mit meiner Firma noch, also als ich hatte dort auch eine Firma wieder gegründet. Ich wollte
09:37in Frankreich
09:37Steuersitzen machen. Ich hatte Karin Energie genannt und wollte Energieanalyse machen und Unterricht. Und eben in Frankreich
09:45Steuern zahlen, zu diesem Zweck brauchte ich ein französisches Bankkonto. Das wurde mir verweigert, ging bis zur Banque de France,
09:53wurde mir verweigert, ohne
09:54Annennung von Gründen. Und ein ehemaliger Studienkollege, mit dem ich an der ENA in Paris 25 Jahre vorher studiert hatte,
10:05oder 20 Jahre
10:06früher, das war 1992, der tingelte durch die Talkshows, um zu erklären, er hätte mich im Jahr 1992 ans KGB
10:15empfohlen. Ich habe von diesem
10:18Typen nichts gehört, 20 Jahre lang. Ich war mit dem nicht befreundet, das war ein Studienkollege. Freunde waren andere. Aber
10:26an dem Tag,
10:26als ich Ministerin wurde und an dem Tag, als Putin im August 2018 kam auf eine Einladung, hat der in
10:35einem fortherum berichtet,
10:36sein Name ist Sergej Schirnov. Er arbeitete wirklich für den KGB und wurde als solcher an dieser Kaderschmiede in Frankreich
10:43auch rekrutiert. Er hat die wildesten, schmutzigsten, dreckigsten Geschichten über mich in die Welt gesetzt.
10:51Ohne Beweise.
10:54Ich habe in einem BBC-Interview dann gesagt, ich hatte mit ihm keinen freundschaftlichen Kontakt. Wir saßen zufälligerweise
11:01in dem selben Jahrgang, worauf dann eine sehr seltsame Podcast-Reihe in Österreich behauptet hat, ich hätte die Unwahrheit
11:09berichtet, weil ich habe ihm im Jahr 1992 eine Weihnachtskarte geschrieben.
11:13Oh ja.
11:14Ja. Also der Typ hat offenbar eine Weihnachtskarte von mir. Ich weiß nicht mehr, wem ich alle eine Weihnachtskarte
11:20geschrieben habe, 1992. Aber das ist natürlich ein stichhaltiger Beweis angesichts gewisser selbsternannter
11:27Richter und Experten für Wald- und Wiesenforschung, die dann hochbezahlte Recherche machen. Fünf Leute
11:37abgestellt für ein paar Monate. Der Guardian hat einen Riesenartikel für mich zwei Jahre lang recherchiert.
11:43Meine Nachbarn interviewt. Die waren also alle auf der Suche, was machte sie 1992. Ich habe für das
11:52österreichische Außenministerium gearbeitet. Ich wurde also hier und werde in einer schmutzigen
12:00Fantasie durch den Dreck gezogen. Das geht bis heute. Also ich bin dann immer wieder erstaunt,
12:06auf welche Ideen diese Leute kommen. Aber ich sage das jetzt nur deswegen, weil ich hatte damals in Frankreich
12:12Probleme. Es kamen an der Präfektur die wildesten Meldungen, made in Austria, an. Also von wegen, was ich
12:21alles bin. Und eine Freundin, ich bin nicht mit vielen Menschen in Kontakt mehr. Einig verstarb leider. Ich war
12:29mit zwei Menschen regelmäßig in Kontakt. In Österreich zwei Menschen. Zwei. Es haben mir andere gesagt, Karin, du musst
12:35verstehen, wir können nicht mehr in Kontakt sein. Ich habe Sorge um mein Bankkonto. Zwei Menschen. Ich war damals
12:4156 und von einem Leben in Österreich bleiben zwei übrig. Von einem Leben. Und ich wurde damals in Frankreich, wie
12:52der
12:52der 24. Februar 2022 war. Da ging es los. Es war irre, was damals losging. Und im März, Mitte März,
13:03wurde mir dann
13:04ein Mietvertrag gekündigt. Ich bin dann im Frühjahr, ich habe dann noch zwei Monate gehabt. Und meine Vermieterin, eine
13:22und sie hat gesagt zu mir, ma Karin, wo parle ich bien l'Arab, bevor ich allez au Mont d
13:26'Arab. Ich soll in den
13:27arabischen Raum. Das ging mir nicht durch den Kopf. Ja, ich war ja Europäerin. Ich bin, ich war. Ja?
13:34Du hast ja auch Europa. Ja, bis zu einem gewissen Grad. Aber für mich ist St. Petersburg nicht so richtig
13:41Russland. Also ich bin viel lieber im kleinen Dorf in Rehazan. Es ist fantastisch hier, weil es ist das, wenn
13:49ich so sagen darf,
13:50unter Anführungszeichen, mein Russland ist woanders. Wenn ich hier aus dem Fenster schaue, weiß ich nicht, wo ich bin.
13:53Wenn ich mir aus dem Fenster schaue, weiß ich, dass ich hier in Russland bin. Und ich habe damals dann
14:01eine Freundin
14:03im Libanon kontaktiert, die ihre Kinder gerade in Frankreich besuchte und gesagt, Natalie, ich glaube, ich bin in Libanon.
14:09Und sie hat mir dann geholfen und noch zwei andere, dass ich in Frankreich, in Libanon eine Möglichkeit fand,
14:16wo ich mit Tieren leben konnte. Weil ich wollte weder meine zwei kleinen Ponys noch meine Hunde
14:23einfach so zurücklassen. Die sind mir viel zu viel wichtig. Mein Hund, der da drüben schnarcht,
14:29hat mich davor bewahrt, in den Rohnfluss zu springen. Nicht, weil ich depressiv gewesen wäre.
14:34Ich bin zehn Nächte wachgelegen. Ich wusste nicht mehr, wo ich leben durfte, wo und wovon.
14:45Und der Hund hat mich gebeten, dass ich weitermache. Nur wegen des Hundes. Und ich habe dann alles in Bewegung
14:56gesetzt,
14:57dass wir in den Libanon übersiedeln. Das ist mir dann auch irgendwie gelungen. Ab Ende Mai hat mir dann auch
15:02jemand geholfen. Weil ich habe gespürt, ich habe gewusst, dass sie in Russland alle mit sich selbst
15:09beschäftigt sind. War der Bärlos. Und RT hat mir eine Producerin sehr nett mich unterstützt. Und die wollten
15:18mir auch helfen, dass ich irgendwie nach Russland käme. Aber ich hätte die Tiere nicht mitnehmen können.
15:24Die Ponys waren schon vom dritten Sanktionspaket ausgeschlossen. Also, dass man keine Pferde nach
15:30Russland aus der EU nehmen dürfte. Das ist verboten. Verboten. Das war schon damals. Das war schon im
15:34März 20 oder April schon verboten. Die Hunde hätten eine irre Odyssee machen müssen, was ich nicht wollte.
15:43Und dann habe ich gesagt, okay, dann gehe ich in den Libanon. Und es gab noch andere Gründe.
15:48Ich fand auch nicht so schnell eine Bleibe in Russland. Ich habe damals gesagt,
15:53ich kenne kein Wort Russisch. Ich kann Arabisch. Ich kann den Libanon ein- und abschätzen.
16:01Und ich sagte mir, ich gehe in den Libanon mit meinen Tieren. Das ist eine Interimslösung.
16:05Und von dort werde ich dann weiter sehen. Aber ich muss irgendwo wohnen können. Ich musste weg.
16:10Also bin ich in den Libanon gezogen. Zuerst in die Shuf-Rusen-Region. Dann später in den Norden des Libanons,
16:16wo ich ein Haus fand.
16:17Das ist ja auch ein wenig renoviert und nicht so wild, wie ich jetzt renoviere. Aber ich habe genug reingesteckt.
16:21Und ich habe dann dort meine Texte geschrieben. Ich bin alle paar Wochen nach Russland geflogen über Istanbul.
16:28Es gab dort auch keine Direktflüge mehr. Immer 23 Stunden eine Richtung unterwegs.
16:31Aber ich habe zwischen Unterricht, Schreiben, Konferenzen, irgendwie das Auslangen gefunden. Und es war hart.
16:43Wir haben im Libanon damals, es ist nicht so hart wie heute, wir wurden nicht bombardiert, aber wir hatten maximal
16:49eine Stunde Strom am Tag.
16:51Also ich hatte damals keinen Kühlschrank, weil das war auch nicht möglich. Dieser Kühlschrank hat nicht funktioniert.
16:58Dieselgenerator. Es war kein Honigstecken, aber ich habe mich im Libanon auf Arabisch und Französisch und dank einiger Freunde ganz
17:09gut über die Runden gebracht.
17:10Also ich wusste, wo ich eine Versicherung finde. Fünf Leute über fünf Ecken, ein Auto gefunden, ein uralter Kraxen.
17:18Ich habe gefunden einen Tierarzt. Ich habe gefunden verschiedenste Dinge. Ich habe einen Zahnarzt gefunden. Einfach all diese Sachen.
17:24Und dann kam im April, Mai 2023 die Möglichkeit, ein Institut zu gründen. Es gab an der Universität hier im
17:36Rektorat Beratungen, interdisziplinärer zu arbeiten.
17:40Und sie hatten mir einen Entwurf geschickt, was sie sich so vorstellen.
17:45Und ich habe dann diesen Entwurf ziemlich umgemodelt und habe gesagt, da ist zu viel drinnen.
17:49Wir müssen uns auf ein paar Themen konzentrieren. Und die hatten einen unlesbaren Titel für dieses Institut.
17:57Das bezog sich so über vier Zeilen. Und ich habe gesagt, ich habe dann eine Nacht lang überlegt.
18:02Und ich habe gesagt, wir brauchen irgendwie einen griffigen Titel.
18:05Und ich habe Rachmaninoff, Russian Analytical, was immer, send. Aber dann kam ich auf Gorky.
18:11Und ich habe halt mit Dots gemacht. Also damit es nicht mit Maxim Gorky Bibliotheken verwechselt wird.
18:16Ich habe gesagt, Gorky, G for geopolitical, O für observatory, R für Russian, K für key und I für issues.
18:26Also das observatorium für, das geopolitische Observatorium für russische Schlüsselfragen.
18:32So kam das Gorky. Das Gorky wurde mit nicht am Silbertablett serviert.
18:37Sie sehen hier diesen wunderschönen Raum. Das ist Teil des Dom Jurista. Das gehört der juristischen Fakultät.
18:43Wir sehen auch andere Büros hier. Mein Kollege hat dieses Büro für uns netterweise sozusagen organisiert.
18:49Da drüben sitzen meine Kollegin. Hier sitze ich. Wir sind das Gorky. Das sind drei Menschen, die Vollzeit hier arbeiten.
18:57Plus haben wir noch eine Studentin. Aber wir sind kein Think Tank. Wir sind ein Do-Tank.
19:02Ich habe gesagt, wir machen. We get things done. Also wir machen keine großen Forschungen.
19:07Wir machen gewisse runde Tische und den Rest können Sie von unserer Rumpetsch nachlesen.
19:11Aber wir haben im 15. September 2023 hier von null gestartet. Null.
19:17Da waren keine Möbel. Da war kein Glas Wasser. Nichts war da. Und Leute gesucht.
19:27Wir haben aber das Riesenglück, wir sind direkt in die Universität eingebaut.
19:32Das heißt, Experten, Kollegen. Sie haben heute Professor Rodionow kennengelernt.
19:38Einer meiner Lieblingskollegen. Wirklich, ich sage das aus ganzem Herzen.
19:43Mit dem ich sehr, sehr viel gemacht habe.
19:47Mitarbeiter von der wirtschaftlichen Fakultät von anderen.
19:51Wir haben zu Versicherungsfragen. Wir haben zu Arktis. Wir haben zu unterschiedlichen energiepolitischen Fragen
19:58hier unsere runden Tische gemacht. Wir haben Empfehlungen vorgelegt.
20:03Wir haben Synthesen geschrieben.
20:06Für Ministerien, für andere. Hier ist es.
20:10Up to you, damit umzugehen.
20:12Also es geht nicht nur um Analyse, sondern um zu tun.
20:17Was sollte, könnte man tun.
20:19Genau. Also ich habe als Ministerin, habe ich vermisst, frische Ideen.
20:22Und ich brauche, ich habe keine einzige Studie angefordert.
20:25Weil wenn Sie in einem Ministerium stehen, dann kennen Sie die Zwänge dieses Ministeriums.
20:31Ja, ein Think Tank hat keine Zwänge. Ein Think Tank kann sich hundert Dinge ausdenken.
20:36Aber wenn Sie in der Verwaltung sind, können Sie ja nur innerhalb dieser Zwänge der Verwaltung arbeiten.
20:43Und da halte ich nichts von Studien, die irgendwie in Auftrag gegeben werden,
20:47wenn die Leute nicht von innen her das System kennen.
20:50Mit welchen Leuten können Sie was zu welchen budgetären Bedingungen machen.
20:54Und ich habe keine einzige Studie angefordert.
20:56Ich Ministerin war und ich will hier auch keine Studien vorlegen.
21:00Weil ich weiß nicht, wie die Zwänge in wo auch immer sind.
21:04Ja, ja. Die Frage stellt sich ja auch.
21:06Also inwieweit man so involviert ist?
21:09Nein, das will ich gar nicht.
21:11Also es wird mir in einem Fall vorgeworfen, ich sage unter Payroll of the Kremlin.
21:15Nein.
21:16Wir werden hier finanziert von Zuwendungen, von Geldern, die der Universität gehören.
21:21Oder Endowments, Stiftungen.
21:24Aber wir sind nicht unter Payroll.
21:26Ich habe mit dem Kremlin nichts zu tun gehabt seit meiner Ankunft.
21:29Ich hatte vorher nichts mit dem Kreml zu tun.
21:31Ich war die Außenministerin, deren Gegenüber Sergej Lavrov war.
21:37Und ich habe den Sochi Dialog auf Präsidentenebene mit begleitet als Ministerin.
21:47Aber dieses Büro haben wir von Null aufgebaut.
21:50Wir machen hier Ausbildung für Verhandlungen.
21:54Oben in dem schönen Raum haben Sie gesehen, diese Simulationen, die wir dort machen.
21:57Wir haben auch einige Videos auf unserem Kanal.
22:01Ja, so ist das alles entstanden.
22:03Ich habe von Anbeginn in der Region, in den Regionen auch unterrichtet.
22:08Meine erste größere Exkursion war Khabarovsk, dann Krasnoyarsk an der Universität.
22:14Ich unterrichte viel in Rehazan, meine nächste Universität.
22:17Ich bin für verschiedenste Unternehmungen auch in Willig im Aufgeroth und in Ekaterinenburg.
22:23Also wir haben mit all diesen Universitäten.
22:25Unterrichten in?
22:26In Englisch.
22:27Nee, ich meine in welcher fachlichen Richtung oder thematischen?
22:31In welcher fachlichen?
22:46Ich habe zwei Monate wirklich Tag und Nacht gearbeitet.
22:48Davon zwei Monate im Rollstuhl, weil ich hatte am 01.01.2024 einen schweren Unfall.
22:53Oh Gott.
22:54Viele gebrochene Knochen.
22:56Ein Autounfall?
22:56Nein, Gott sei Dank nicht Auto.
22:58Es war auf dem Eis und ich hatte sechs Brüche.
23:02Oh Gott.
23:03Und ich konnte, ich war wirklich immobil und bin hier mit dem Rollstuhl reingetragen worden.
23:10Es war die Hölle, aber das musste ich auch überwinden.
23:13Oh.
23:14Und ich konnte Auto fahren, bevor ich gehen konnte.
23:17Und ich bin hier in St.
23:19Pierspil und ich hatte aber zeitgleich schon eine Ruine gefunden im Rehazan Oblast.
23:25Ich wusste, dass ich nicht in St. Petersburg alt werden würde.
23:28Also die Stadt ist wunderschön, aber sie ist nicht meins.
23:30Ich bin kein Stadtmensch.
23:32Und ich hatte im Sommer 2023, als ich ein altes Haus gemietet habe, ich wollte aus dem
23:40Libanon nach Russland kommen, um mich umzusehen.
23:42Ja, ich wusste ja nichts von Russland.
23:44Und ich bin dann mit einem gemieteten Auto nach St.
23:46Petersburg gefahren.
23:47Jetzt am Samstag fahre ich wieder zurück.
23:49Ich kenne mittlerweile diese Strecke.
23:51Es sind 1000 Kilometer.
23:53Mittlerweile fahre ich sie in einem durch.
23:57Und ich wollte, für mich war klar, wenn ich jetzt diese Möglichkeit habe, nach Russland
24:04zu gehen.
24:05Und ein Kollege hat sich hier wirklich für mich eingesetzt.
24:07Bei der Uni war ich, für die war ich nicht jetzt weiß Gott wie, die haben sie nicht weiß
24:12Gott wie für mich engagiert.
24:13Das hat ein Kollege, Viktor Titov, den Sie heute gesehen haben, der hat sich wirklich
24:16ins Leut geworfen.
24:18Ich habe dann ein Arbeitsvisum am russischen Konsulat in Birut beantragt, weil ich brauchte
24:24ja ein richtiges Visum.
24:26Und alle glauben, das wurde, wie gesagt, irgendwie so organisiert.
24:30Nein, ich habe für meine gesamte Migrationsprozedur sehr, sehr viel mich angestellt.
24:36Es gibt ja auch viel Bürokratie in Russland.
24:39Wahnsinnig viel.
24:40Und das mache ich bis heute.
24:41Also ich habe viele Kilometer gemacht.
24:44Da ist nichts.
24:45Da habe ich keine Sonderbehandlung in irgendeiner Form gehabt.
24:48Null.
24:48Und wenn da nicht Viktor gewesen wäre, hätte ich das überhaupt nicht geschafft.
24:52Also der hat mich da irgendwie so durchgeleitet.
24:56Und in meiner Region habe ich das Ganze dann teilweise nochmals gemacht, weil ich mich dann
25:00dort angemeldet habe.
25:02Regionale muss man ja auch noch machen.
25:04Nochmals machen, ja.
25:06Aber mittlerweile habe ich die Aufenthaltsgenehmigung.
25:09Mittlerweile habe ich einen russischen Führerschein und habe eben ein Haus, eine Ruine gefunden,
25:16und ich renoviere und ich habe hier angefangen zu arbeiten, habe eine Wohnung gemietet.
25:20Aber sowohl Moskau als auch St. Petersburg sind mir unter anderem zu teuer.
25:27Naja.
25:28Hier finden sie nichts unter, ich weiß nicht, 30, 40, 50 Millionen.
25:32Immobilienpreise, oh mein Gott.
25:34Gewaltig.
25:35Und das, was man dafür findet, ist nicht meins, ja.
25:39Also ich hatte ein gewisses Budget und über dieses Budget wollte ich nicht raus.
25:44Ich hatte das Riesenglück, dass ich bei Rosneft im Aufsichtsrat war, 2022.
25:49Und dieses Geld war dann in Russland blockiert, dass ich in Frankreich und in Libanon war auch.
25:53Das hatte ich keinen Zugriff.
25:54Aber ich wollte dann dieses Geld möglichst rasch in ein Haus reinstecken, weil ja hier die Inflation auch hoch ist,
26:02ja.
26:03Ja.
26:03Also ich sah das Geld ja nur so davon schmelzen.
26:07Das heißt, ich wusste, ich brauche eine Immobilie, ich will nicht mieten, ich will am Land leben.
26:14Und ich habe eben dieses Geld in die Renovierung, eine Ruine reingesteckt, von der ich erst vor einigen Monaten erfuhr,
26:20dass der letzte österreichisch-ungarische Botschafter der letzte Eigentümer dieses Hauses war.
26:26Sehr verrückt.
26:27Völlig verrückt.
26:28Zufall.
26:28Völliger Zufall.
26:29Ich habe das selbst gefunden, ja.
26:31Totale Bruch.
26:32Vielleicht war das so.
26:33Also ich habe Gänsehaut bekommen, ich hatte wirklich Gänsehaut.
26:36Und alle haben gesagt, ich soll neu bauen, ich soll das abreisen.
26:39Ich habe gesagt, nein, Respekt vor der russischen Geschichte, vor den Steinen, die hier noch übrig sind.
26:44Da stand nichts mehr her.
26:45Also es waren wirklich nur ein paar Außenwände.
26:47Wir haben das renoviert.
26:49Alle Kraftwerfen.
26:51Ja.
26:52Und die vielen Gangster, mit denen man sich herumschlagen muss.
26:55Ja.
26:56Also ich habe das jetzt, wir sind im Finale.
27:01Und ich hoffe aus ganzem Herzen, dass ich dort alt werden darf, in Gesundheit, mit meinen Tieren.
27:09Ich bin, ich habe vor, dort auch für unsere Veranstaltungen hier Seminare zu machen.
27:17Wir machen Mitte Juli das erste große Seminar.
27:20The Village Feeds the City.
27:22Also das Dorf ernährt die Stadt.
27:24Aber du musst ja auch übernachtungsmittel sein.
27:26Ja, ich habe dort, ich belebe sozusagen die lokale Wirtschaft.
27:30Ja, aber wir haben, wir haben dort viel vor.
27:34Und ich bin ein Dorfmensch.
27:38Und ich…
27:39Da freue ich mich ja jetzt schon mal, da hinzukommen.
27:42Und ich bin, ich finde es so bedrückend, wie der Zustand der Dörfer ist.
27:50Ah, naja.
27:54Also es liegt, es ist nicht an mir jetzt hier irgendetwas zu kritisieren, aber die Landflucht ist gewaltig.
28:03Ja, das geht schon eine ganze Zeit.
28:06Ja, und die Bevölkerung in den Dörfern sind die Babuschkas mit den Kindern, die teilweise
28:12von den Eltern deponiert werden, weil die dann wieder irgendwo in der Stadt arbeiten.
28:16Für mich ist dieses russische Dorf, ich sehe das ohne Romantik und ohne Illusion, weil ich
28:20lebe dort.
28:21Ich lebe den Winter mit den kaputten Straßen.
28:25Ich lebe den matschigen Frühling, wo man, also wirklich wochenlang, monatelang, jetzt
28:32sind gerade die Trillionen von Moskitos unterwegs.
28:35Also Romantik kommt da keine auf, ja, aber es ist, es ist trotzdem schön.
28:43Und ich bin kein Stadtmensch, nie gewesen.
28:46Ich habe in Libanon im Dorf gelebt.
28:47Ich habe in Österreich 23 Jahre in einem Dorf gelebt, das ich unendlich liebte, wo ich auch
28:56dann spürte, wie das Dorf in einen unglaublichen Hass umschlagen kann.
29:00Im Dorf.
29:02Im Dorf.
29:02Im Dorf.
29:02Die Hexe hat schon wieder ein Tier vergiftet.
29:05Die Hexe, die mit dem Teufel tanzte und Novichok kocht und Hunde vergiftet.
29:12Als mein Pferd mit 38 Jahren starb, wurde gesagt, ich hätte auch dieses vergiftet.
29:18Und was im Dorf passierte, hat mich besonders betroffen gemacht, weil ich immer gesagt, wenn
29:24die Medien verrückt spielen oder sonst etwas, okay, Leuten begegne ich ja nicht.
29:28Aber es war das, was ich auf der Straße abspielte.
29:32Und deswegen auf Englisch gesagt, I don't buy it.
29:36Ja, also ich nehme das niemandem ab, wenn man mir erklärt, es seien nur die Medien, es
29:40seien nur die sogenannten Eliten und die Leute seien doch ach so nett.
29:43Ja.
29:44Stimmt nicht.
29:45Ja.
29:45Wie gesagt, mit zwei Menschen bin ich in Kontakt.
29:51Und das, was ich auf den Straßen von Wien erlebte, trieb mich raus.
30:00Weil und keine Arbeit mehr gehabt.
30:02Und die dauernden Morddrohungen.
30:03Also das sind nicht die sogenannten nur Medien oder was auch immer.
30:06Es war nicht die Politik, es waren die Menschen.
30:08Aber das hat hauptsächlich Sie betroffen oder noch andere aus dem Regierungskreis damals?
30:14Ich hatte mit dem Regierungskreis nichts zu tun.
30:17Die anderen haben sich das alles gerichtet.
30:19Die haben ihre Nationalratspandate.
30:21Wer fertig gemacht wurde, war Strache.
30:24Und Strache wurde von den Leuten, die er groß gemacht hatte, fertig gemacht.
30:30Also ich würde sagen, der Charakter dieser Personen hat sich offenbart im Umgang mit ihm.
30:36Aber ich habe mit niemandem einen Kontakt.
30:39Ich habe auch nicht den Kontakt gesucht.
30:41Und man hat auch zu mir nicht den Kontakt gesucht, was gut ist.
30:46Aber in Österreich bin ich mit zwei Menschen regelmäßig in Kontakt.
30:50Ja, weil wenn wir das jetzt auch betrachten, auch wie wir es heute jetzt erlebt haben,
30:54haben wir ja bei der Buchvorstellung und so weiter, also machen sich ja so zwei Walten auf.
30:59Also für die eine habe ich immer so den Begriff der Bösartigkeit, weil das trifft es glaube ich auch, denke
31:05ich, ganz gut.
31:06Niedertracht, Bosheit.
31:07Ja, Niedertracht, Bosheit, Bösartigkeit.
31:09Und auf der anderen Seite, wenn man jetzt mal die Bürokratie mal ein bisschen beiseite schiebt,
31:18Gastfreundschaft, Achtung, Respekt.
31:19Respekt, Berufliches, Miteinander. Es war hart zu bearbeiten.
31:25Also das, was für mich in Russland am Anfang besonders schwierig war, war mir den Ruf neuerlich aufzubauen,
31:32dass ich anderes kann als weiter tanzen oder dass ich jetzt nicht die Ex-Politikerin bin,
31:39die vielleicht nur mit vorgearbeiteten Notizen arbeiten kann, wie das ja für viele der Fall ist.
31:46Ich war 18 Monate Fachministerin und ich habe vorher 23 Jahre eine Firma geführt.
31:51Ich habe zuvor zehn Jahre als Diplomatin gearbeitet.
31:54Ich musste mir hier erst wieder diesen Ruf aufbauen.
31:56Also ich bin am Anfang die Universität gesagt, ich soll dahin, dorthin.
31:59Ich bin zu allen Konferenzen, zu allen Seminaren hinmarschiert und habe dort meine Vorträge gehalten.
32:06Also ich war im Dauereinsatz, ich habe publiziert, ich bin im TV für Kommentare und so weiter aufgetreten,
32:16wo mir nie irgendjemand mal gesagt hat, du musst dieses oder jenes sagen, wie das jetzt in Deutschland und Österreich.
32:21Ja, sie verkauft ihre Seele und sie bekommt Millionen für russische Propagandaarbeit.
32:26Nein, also ich erinnere mich an deutsche und österreichische Redaktionen, die mir oftmals erklärt haben,
32:31Frau Kneisen, das ist nicht unsere Plattlinie dieses oder jenes, unsere Leser wollen das nicht.
32:36So etwas habe ich in Russland nicht ein einziges Mal gehört.
32:39Ich kann das nur bestehen, also mir geht es ja auch so, wenn ich Interviews gebe hier in Russland,
32:44man kriegt die Frage, man antwortet, kommt die nächste Frage, mäßig.
32:47Und in Deutschland, da wird so lange nachgebohrt, bis man den bösen Satz zu hören kriegt, den man hören will.
32:55Ja, ja, da ist das Verhör.
32:56Und ich hatte hier in diesem Raum BBC, ich hatte Interviews mit Agence France-Presse,
33:02mit iranischen, chinesischen Sendern, aber österreichischen Medien und deutschen Medien gebe ich keine Interviews.
33:09Das ist mir zu blöd.
33:12Es ist ohne Niveau und es sind Verhöre und keine Gespräche.
33:16Ja, absolut.
33:18Also lieber dann mit Profis von BBC.
33:20Mediale Hinrichtungen unter uns.
33:22Ja, also BBC ist auch kein Honig lecken, aber zumindest haben sie bei BBC, haben sie da eine Reichweite,
33:28was sie bei Österreich nicht haben.
33:34Und ich habe das halt hier aufgebaut und habe mir allmählich wieder diesen Status in gewisser Weise aufgebaut,
33:42oder den Ruf, ich kann inhaltlich was.
33:45Ja, also ich bin jetzt nicht, egal wo ich dann in den Medien war, war immer die Einspielung,
33:52ja, die mit dem Präsidenten tanzte.
33:54Ja, das ist ja keine Qualifikation für irgendetwas.
33:56Ja.
33:57Und wenn sie nur auf dieses reduziert werden, ist es nicht einfach.
34:00Also das war wirklich, ich habe oft, wenn sie im Interview mit russischen Medien gesagt,
34:04sie stellen mir keine einzige Frage jetzt zu diesem Thema, keine einzige.
34:07Ja, wir unterhalten uns über die Türkei, wir unterhalten uns über den Iran, über den Ölmarkt, was auch immer.
34:11Und ich habe auch in den ersten Jahren, als ich für RT tätig war, immer gesagt, bitte nichts zu Österreich.
34:17Ja, ich will nicht zu Österreich sprechen.
34:19Ich habe diese Linie dann geändert, ab 2022, 2023, wie diese Hassorgene über mich ergingen.
34:25Dann habe ich zu Österreich das eine oder andere gesagt, was mir dann wieder einmal Österreich ausgelegt würde,
34:30als ich würde aus Russland Österreich attackieren.
34:35Sie werden nicht müde in ihrer schmutzigen Fantasie.
34:40Und ich bin jetzt hier und ich habe heute früh auch die Frage von der russischen Journalistin gehabt,
34:46ob ich plane, woanders hinzugehen.
34:48Ich habe gesagt, nein, also plane sicher nicht, ich will auch gar nichts.
34:54Ich bin jetzt 61,5, ich bin so müde.
34:59Die letzten acht Jahre haben mich aufgerieben.
35:03Und ich habe jetzt so viel Kraft und Liebe in die Renovierung hineingesteckt.
35:10Ich habe Pläne.
35:11Ja, wir haben die Drohnen, wir haben eine sehr, sehr fragile Situation.
35:17Das ist nicht in Abrede zu stellen.
35:21Aber ich werde hier, ich hoffe hier alt zu werden und ich hoffe hier zu sterben.
35:27Und ich hoffe hier meine letzte Ruhestätte zu finden.
35:31Also das war die Frage, die sich ja noch gestellt hat nach der Heimat.
35:36Heimat, Verbundenheit, Österreich, Russland.
35:39Also wie sieht es damit aus mit der Verbundenheit zum Geburtsland?
35:44Ja, ich war österreichische Patriotin.
35:47Ich habe das Ministeramt nur angenommen, nur angenommen, weil ich mir gesagt habe,
35:51es wäre, es ist so leicht in Talkshows aufzutreten.
35:54Es ist so leicht ein Buch zu schreiben.
35:57Aber es ist verdammt schwer eine Bürokratie von innen her zu bewegen.
36:01Das weiß ich.
36:02Ich habe in einer Bürokratie vorher gearbeitet.
36:05Und ich habe mir damals gesagt, es wäre feige, es nicht zu machen.
36:09Aber ich habe eine Woche lang mir das überlegt.
36:10Ich wollte das nicht.
36:11Ich habe gewusst, dass es hart wird.
36:12Ich wusste nicht, dass es so hart werden würde danach.
36:16Aber ich habe das gemacht, um dem Land zu dienen.
36:20Das war mein einziges Motiv.
36:23Und ich habe bis zum letzten Tag meinem Land gedient.
36:27Und wenn ich einen Tag in München war, habe ich alles daran gesetzt, nach Österreich zurückzufahren, weil ich Heimweh hatte.
36:35Und Gott sei Dank, diese Bosheit, diese Attacken, diese fast wöchentlichen Angriffe unterster Kategorie.
36:44Ich danke all diesen Figuren, weil sie verschaffen mir den Gnadenakt, dass kein Funken Heimweh aufkommt.
36:56Kein Funken.
36:58Da ist so viel Gemeinheit, da ist so viel Attacke, so viel Brutalität, dass ich nicht vorhabe, jemals wieder meinen
37:10Fuß nach Österreich zu setzen.
37:13Und ich habe in einem anderen Interview, und ich sage immer wieder, wenn ich etwas vermisse, dann vermisse ich Frankreich.
37:19Ich vermisse die Platanen, ich vermisse die Leichtigkeit des Seins, ich vermisse das Mittelmeer.
37:27Ich vermisse das, was ich in Frankreich erleben durfte, war Menschen, die einen nicht ausfragen.
37:37Auch in Frankreich, ich habe, ich spreche ganz gut Französisch, aber natürlich habe ich einen lechten Akzent.
37:41Aber niemand hat mir das zum Verhängnis gemacht.
37:45Und ich habe in Frankreich, ich liebe das französische Lebensgefühl.
37:49Also das vermisse ich, und das habe ich natürlich in einem russischen Dorf nicht.
37:55Aber ich lebe jetzt in einem russischen Dorf, und viele Russen verstehen das ja auch nicht.
38:01Also die haben gedacht, ich bin dort nur im Sommer.
38:03Ich habe gesagt, ich habe keine Wohnung, und ich will keine Wohnung in Moskau.
38:07Also ich lebe im Dorf, ich mache meine Zugfahrten und Autofahrten, irgendwie geht es.
38:13All along will ich mehr im Dorf sein.
38:15Ich bin viel dort, aber ich will noch mehr dort sein.
38:20Und ich habe ja auch den, die wollten mich verlängern auf fünf Jahre, ich habe nicht die Kraft die nächsten
38:25fünf Jahre.
38:25Ich mache das noch für ein akademisches Jahr.
38:30Und theoretisch werde ich es mir dann irgendwie hoffentlich einrichten können, dass ich mehr im Dorf sein kann.
38:38Vielleicht noch ein, zwei Bücher schreiben.
38:40Vielleicht in der Dorfschule Geografie unterrichten, wenn ich besser Russisch kann.
38:44Ich unterrichte an der Regionaluniversität Ryazan.
38:48Ich unterrichte dort sehr, sehr gerne.
38:49Die Studenten sind hungriger, durstiger als hier.
38:54Also an den großen Universitäten haben sie nicht diesen Durst.
39:02Und ich freue mich, wenn ich von Zeit zu Zeit nach Moskau komme.
39:07Also als das jetzt bei uns so matschig war im April, es war herrlich in Moskau zu sein und am
39:13Asphalt zu gehen.
39:14Das habe ich unheimlich genossen.
39:16Weil man bei uns in den Gummistiefeln, also ich bin Kniehochdreck runtergegangen.
39:20Ja.
39:23Aber ich habe kein Heimweh, weil die einfach so unendlich boshaft sind.
39:29Ja, weil das ist, denke ich, ein wichtiges Thema.
39:32Weil es ist ja leider auch so, dass es sie ja nicht nur alleine betrifft.
39:36Also wir kommen ja aus den Alternativmedien.
39:38Da haben einige schon auch Deutschland verlassen nach Schweden, Griechenland.
39:44Ich weiß nicht, sonst wohin haben es aufgegeben.
39:46Also in dem Land nicht mehr.
39:48Mich haben auch schon ein paar Medienkampagnen erwischt.
39:52Aber ich bin da ein bisschen, dass das nicht so an mich reinkommt.
39:57Ich sage, gut, wenn Sie den ganzen Tag nichts zu tun haben, sollen Sie machen.
40:00Da stellt sich doch die Frage, also wo kommt diese Bösartigkeit her?
40:04Haben Sie da eine Lösung gefunden oder wo kommt das her?
40:08Ja.
40:09Also jetzt der jüngste Schritt ist ja die Einleitung eines Verfahrens zum Entzug der Staatsbürgerschaft.
40:13Ja, das ist auch eine Nummer.
40:14Also es ist unglaublich.
40:16Wird organisiert von der Partei der Außenministerin, Frau Meindl-Reisinger.
40:21Das Völkerrecht untersagt es.
40:23Aber das ist der österreichischen Regierungspartei der NEOS und das ist offenbar auch allen anderen.
40:28Ziemlich egal.
40:29Es gibt keine einzige Stimme in Österreich, die hier wirklich Lautstellung bezogen hat, um zu sagen, das geht nicht.
40:35Es hat, ich glaube, zwei, drei Leute am Artikel geschrieben, aber es gibt jetzt nicht einen Aufschrei.
40:43Ich meine, es könnte ja der Verwaltungsgerichtshofspräsident oder der Chef der Rechtsanwaltskammer,
40:49das sind alle Leute, mit denen ich studiert habe, irgendwann mal sagen, das geht nicht.
40:57Also wird Kneisen vielleicht die Staatsbürgerschaft weggenommen.
41:01Umfassbar.
41:02Mit dem Argument, ich unterrichte an der Staatlichen Universität St. Petersburg und bin damit in den Diensten des Staates Russland.
41:11Das ist die Argumentation.
41:13Also wir werden sehen, die Sachverhaltsdarstellung wurde von den NEOS eingebracht.
41:19Ob da jetzt ein Verfahren wirklich angestrengt wird und wie das ausgeht, das weiß ich nicht.
41:24Aber so sehr mich das erschüttert hat am Anfang, nämlich nicht weniger als die Tatsache, dass das so passiert, was
41:29mich erschüttert, ist die Art und Weise, wie diese Debatte in Österreich abläuft.
41:36Ja, ja, entzieht ihr die Staatsbürgerschaft, der Russensau. Die Putin-Hure muss hängen. Das ist der Thron, in dem das
41:46Ganze abläuft. Und das ist jetzt sechs Jahre, nachdem ich das Land verlassen habe. Sechs Jahre.
41:55Es gibt ja so eine These. Also ich versuche ja irgendwie auch immer so einen pragmatischen Hintergrund zu finden. Also
42:01dass es nicht nur die Schlechtigkeit des Menschen ist, sondern dass es da andere Ursachen gibt.
42:08Und bei Gesprächen in Russland sage ich ja auch immer, ihr feiert den Sieg über den Faschismus 1945, was ich
42:15für eine Verirrtung halte. Es ist die faschistische Armee besiegt worden, die Deutsche, aber nicht der Faschismus. Der ist ja
42:21nicht ausgerottet worden. Der hat ja weiter bestanden, aus meiner Sicht, weil sich die Eigentumsverhältnisse nicht erändert haben und weil
42:28die Funktionseliten nicht ausgetauscht wurden.
42:30Also ist ja im Prinzip alles weitergemacht worden wie vorher, nur unterm neuen Label. Also wenn man es jetzt nicht
42:38emotional betrachtet, also dass dieselben Ziele noch da sind, Ausdehnung nach Osten, Rohstoffe sich einverleiben und so weiter.
42:46Und wenn man das machen will, muss man die eigene Bevölkerung auf die eigene Seite kriegen. Und das funktioniert dann
42:54eben über Hass. Also Hass gegen Russland, Rousophobie, Hass gegen diese Leute, die freundschaftliche und wirtschaftlich gute Beziehungen zu Russland
43:04freuen.
43:05Also das ist so meine These. Würden Sie da mitgehen oder sehen Sie das anders?
43:12Ich habe mich jetzt mit dem Faschismus ehrlich gesagt wirklich nie auseinandergesetzt. Für mich ist Hitler ein typischer Österreicher.
43:21Und dafür wurde ich auch heftig kritisiert. Aber wenn ich sage typischer Österreicher, warum? Er war ein Blender. Er war
43:27ein perfekter Schauspieler.
43:29Sie haben diese Blenderfigur in Österreich immer wieder, die dann hochgejubelt werden, denen gewisse Leute aus der Hand fressen.
43:36Egal, ob die jetzt Immobilienskandale verursachen oder was auch immer. Aber Hitler war dieser charmante Herr aus Wien, der dann
43:45in München und in Berlin Karriere machte.
43:51Und für mich war er ein typischer Österreicher. Und ich habe erst in den letzten Jahren verstanden, wurde fürchterlich dafür
43:58attackiert, aber ich sage das immer wieder.
44:01Es war kein Begriff mit Verspätung. Es war kein Zufall, warum Hitler aus Österreich kam und jetzt nicht aus Irland
44:09oder Dagestan oder Sizilien.
44:13Er war ja groß geworden in dieser Donau-Monarchie. Und in meinem Buch Ekemen für Europa beschäftige ich mich unter
44:20anderem mit Stefan Zweig und Josef Roth, die sehr konträr waren, auch wenn sie befreundet waren.
44:26Aber Zweig gehört bis heute, der ist der Literat, der Pan-Europäer und so weiter gesehen. Zweig war ein deutschnationaler.
44:36Und Josef Roth war vielmehr dieser Europäer im Größeren. Ich beschreibe das im Buch ein bisschen, da muss ich jetzt
44:42nicht stärker drauf eingehen, aber Hitler fiel ja nicht vom Himmel.
44:46Und Hitler war nicht alleine.
44:48Ja, genau.
44:49Und die sind, aber wo sind die groß geworden? Die sind groß geworden in dieser zu Ende gehenden Belle Epoque
44:56Mitteleuropas.
45:00Und ich habe ein Leben lang meine Gesellschaft verteidigt, auch in einem BBC Hardtalk, 2018 war das, wo ich Ministerin
45:07war, gesagt, nein, die Österreicher waren nicht alle, sind nicht alle im Nationalsozialismus hinterhergelaufen.
45:14Die Menschen waren hungrig, waren arbeitslos. Ich habe das immer versucht für mich zu erklären vor diesen gesellschaftlichen, ökonomischen Bedingungen
45:21der 30er Jahre.
45:23Ich habe nie meinen Großeltern dieses oder jenes zum Vorwurf gemacht wie die 1968er Bewegung. Ich habe versucht, das zu
45:28verstehen. Die Menschen hatten Hunger.
45:31Aber wenn ich mir das ansehe, wie sich das jetzt alles sozusagen reloadet, dann sage ich für mich, als ich
45:39im Jahr 2020 auf der Straße als Russen so angespuckt wurde, da stimmt was nicht.
45:46Die Menschen haben zu essen, die fahren auf Urlaub, die haben ihre Autos, die haben ihre Bungalows. Woher kommt das?
45:51Völlig andere Situation als in den 20er Jahren.
45:54Und ich habe in Libanon, in der schlimmsten Wirtschaftskrise des Landes, nicht so viel Niedertracht und Bosheit und Empathielosigkeit erlebt
46:04wie in Österreich.
46:05Empathielosigkeit, auch ein wichtiges Stichwort.
46:08Diese Härte, dieses Wegschauen, dieses Fehlen von jeder Zivilcourage, von jeder Sanftmut, Menschlichkeit.
46:18Und ich habe nichts von diesem Zuspruch von Leuten, die ich nicht kenne, die dann auf irgendwelchen Kanälen oder wo
46:23auch immer dann sagen,
46:24ja, das sind die Eliten und ich bin immer, was weiß ich was, das ist dann sozusagen, wenn man so
46:31will, das rechterere Lage, mit dem habe ich nichts zu tun.
46:37Ich habe einfach nur versucht, als unabhängige Fachministerin meine Arbeit zu machen, aber das wurde als solches nie registriert.
46:48Und weil sie die Faschismusfrage aufgeworfen haben, ich habe den Zweiten Weltkrieg ein Leben lang in Österreich serviert bekommen als
46:58Holocaust.
46:59Zweiter Weltkrieg war Holocaust.
47:00Bei allem Respekt für die sechs Millionen Toten, für die Vernichtungsmaschinerie, aber es waren 54 Millionen Tote und als die
47:10deutsche Wehrmacht in den Osten zog, kam man ja nicht nur Juden ums Leben.
47:15Und in Österreich wurde eine jüdische Intelligenz ausgerottet, ja, aber darüber hinaus hat man ja noch viele andere ausgerottet.
47:31Und ich habe den Zweiten Weltkrieg nie in der Wucht als diesen Hass auf alles Slawische erlebt.
47:47Also, und sie haben eine Konfrontation in Österreich, in der Donnermanachie gehabt, genau zu diesem Thema.
47:58Also, insofern, gut, dass Sie nochmal das Buch angesprochen haben, darauf wollen wir ja noch kurz zu sprechen kommen.
48:06Der Titel sagt ja im Prinzip schon alles.
48:08Ja, ist das jetzt so ein, auch aus der Situation geboren, aus Ihrem Erleben jetzt der letzten Jahre, dass es
48:16zu diesem Buch gekommen ist?
48:17Ja, im Mai 2022, im Mai 2022 saß ich auf einer Matratze in Frankreich, auf einer Matratze.
48:24Und ich wusste nicht, wovon ich leben würde.
48:27Und ich habe zum ersten Mal in meinem Leben einen Buchtitel im Kopf gehabt, bevor ich das Buch anfing zu
48:31schreiben.
48:32Weil für mich, hier in Russland wird oftmals in Debatten aufgeworfen, der Verlust der christlichen Werte und so weiter.
48:39Ich habe immer gesagt, für mich war, ich bin ein säkularer Mensch.
48:41Ich war immer für die Trennung von Politik und Religion.
48:45In Russland ist das anders, das respektiere ich, ich bin hier zu Gast.
48:49Aber ich bin aufgewachsen in der französischen Tradition, der Trennung von Politik und Kirche.
48:57Und für mich ist Europa immer gewesen in aller Dankbarkeit, das Europa des Rechtsstaates und das Europa der Freiheiten, der
49:09bürgerlichen Freiheiten.
49:10Er kämpft in verschiedensten Religionskriegen und Revolutionen.
49:16Und dieses Europa habe ich damals, als ich auf der Matratze saß und ich ausgewiesen wurde aus Frankreich,
49:25das habe ich damals, ich habe mir gedacht, das ist ja weg, das ist plötzlich weg.
49:30Und ich war nie stolz auf dieses Europa, weil ich habe nicht dafür gekämpft.
49:34Das waren andere Generationen vor mir.
49:36Ich war immer nur dankbar.
49:38Und was mich sehr berührt hat heute seitens der Übersetzerin, die gesagt hat, sie spürte beim Übersetzen mein Bedauern.
49:50Und ich bedauere sie, es ist keine Abrechnung.
49:53Alles, was ich sage, hier ist alles keine Abrechnung.
49:55Das sehen die da drüben so, weil sie das so sehen.
49:58Es ist ein Ausdruck des Bedauerns.
50:02Und ich wurde, ich habe auch in verschiedenen Phasen, wurde ich natürlich vernichtet.
50:09Ja, ich streite das nicht ab, dass ich als Mensch vernichtet wurde, finanziell, moralisch und, und, und.
50:14Aber ich sagte mir immer wieder, ich möchte nicht so werden wie die.
50:17Ich will nicht zynisch werden.
50:19Ich will nicht bitter werden.
50:21Ich will ein Mensch bleiben.
50:23Und ich will weiterhin zu anderen Menschen Vertrauen fassen können.
50:28Das habe ich mir jeden Tag aufs Neue gesagt.
50:30Und dazwischen wurde ich aber ziemlich vernichtet.
50:33Und werde es weiterhin.
50:35Aber die geografische Distanz hilft.
50:41Und dieses Europa des Rechtsstaates und der Freiheit ist für mich vorerst mal in, ja, es kann ja sein, dass
50:52es irgendwann wieder weiter geht, aber, ähm, und es hat ja erst angefangen, ja.
51:01Das ist noch nicht der Tiefpunkt.
51:02Ja.
51:02Das wird noch schlimmer.
51:04Ja.
51:04Noch haben sie alle zu essen, noch fahren viele auf Urlaub.
51:06Nicht alle, aber sehr viele.
51:09Das ist leider kein sehr schöner Schlusswort, wenn wir das jetzt so nehmen wollen.
51:14Und Requiem für Europa, ja.
51:17Also es gibt ja viele, die sagen, dass der Hauptleidtragende dieser eigenen Bösartigkeit und der eigenen Politik ja eigentlich, ich
51:26sage immer Westeuropa, weil geht ja bis zur Moral.
51:29Also deswegen, ja, Westeuropa eigentlich hauptsächlich Westeuropa ist und da hauptsächlich wieder Deutschland.
51:35Und da kann man eigentlich nur hoffen, dass das irgendwann nach jedem Tiefpunkt, sagt man doch, geht's wieder aufwärts.
51:42Ja, aber wir sind noch nicht am Tiefpunkt.
51:43Ja, aber wir sind noch nicht am Tiefpunkt.
51:45Leider kein sehr schönes Schlusswort, aber die Realität sieht so aus.
51:50Ich bedanke mich herzlich für das Gespräch, kann das Buch nur empfehlen.
51:54Ich weiß nicht, ob es da noch in Deutschland ist.
51:56Nein, die Sanktionen, es ist an der, ich habe viele Anfragen bekommen, aber ich habe auch überhaupt kein Interesse gehabt,
52:03das in Deutschland in irgendeiner Weise zu vertreiben.
52:05Dafür, dass ein Verlag es gut macht, nein.
52:09Also ich habe das Buch auf Deutsch verfasst, es wurde in Russisch vor zwei Jahren zum ersten Mal gedruckt.
52:14Mein Kollege hat sich dann eingesetzt, dass wir die chinesische und deutsche Ausgabe jetzt machen.
52:19Wir werden dann im Herbst vorstellen, die französische und spanische, die konnte ich nachlesen, aber wer will, kann es einem
52:27im Geschäft der Universität kaufen.
52:31Das ist drüben, wo wir waren heute.
52:33Dort ist sozusagen der Universitätsshop, der University Press, also des Universitätsverlages.
52:41Und dort kann man es kaufen und dort kann man, man kann ja nach Russland reisen, das ist kein Problem.
52:47Man kann in die Universität gehen, man kann es über Ozon bestellen, aber es ist nicht in der EU zu
52:55vertreiben und ich habe auch gar kein Interesse.
52:57Das wäre im Prinzip so etwas wie Exepüri, man kann sich ja nur befreunden, wenn man sich kennenlernt.
53:04Insofern ein guter Tipp.
53:05Ich meine, wir sind auch in Russland, wie gesagt, Sevastopol, Moskau, jetzt St. Petersburg.
53:12Das ist eine große Empfehlung.
53:14Kommen Sie, kaufen Sie es im Universitätsshop.
53:16Universitätsshop.
53:17Genau.
53:18Russland ist eine Reise wert.
53:19Petersburg ist eine schöne Stadt.
53:21Wir hatten sehr anhenehmes Gespräch.
53:24Ich bedanke mich und kann nur empfehlen, nachmachen, herkommen, sich kennenlernen, Hass abbauen, Vorurteile abbauen, was für Verständigung und Frieden
53:34tun.
53:35Insofern vielen Dank für die Aufmerksamkeit und bis zu unserem nächsten Gespräch vor Ort.
53:40Vielen Dank.
53:40Vielen Dank.
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