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  • vor 2 Stunden
Wer schon einmal online etwas bestellt hat, kennt das Spiel: Ein kleines Gerät, sagen wir ein Ladekabel fürs Handy, wird in einem vollkommen überdimensionierten Karton geliefert. Der Inhalt, neben dem eigentlichen Produkt, ist hauptsächlich Luft. Die EU möchte der Verschwendung von Materialien ein Ende machen. Seit 12. August gilt aus diesem Grund die EU-Verpackungsverordnung. Grundsätzlich klingt das nach einer guten Idee, doch es gibt einen Haken. Vor allem kleinere Online-Händler kämpfen mit viel neuer Bürokratie. Einige haben bereits aufgegeben, und bieten ihre Produkte nicht mehr im EU-Ausland an. Wir sprechen heute mit Andreas Danzer aus unserer Wirtschaftsredaktion darüber, wie eine womöglich gut gemeinte Idee so nach hinten losgehen kann und ob hier noch nachgebessert wird.

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Transkript
00:00Habt ihr schon mal etwas bestellt? Vielleicht etwas Kleines, sagen wir einen Ladestecker für das neue Handy.
00:06Und dann kommt dieses eigentlich kleine Gadget in einem riesengroßen Karton daher.
00:12Der Inhalt dieser Verpackung hauptsächlich Luft.
00:15Die EU möchte diesen überdimensionierten Kartons jetzt den Kampf ansagen.
00:19Seit dem 12. August ist die sogenannte EU-Verpackungsverordnung in Kraft.
00:23Die Idee eigentlich gut, aber es gibt einen riesengroßen Haken.
00:27Denn die neue Regelung soll kleineren Versandhändlern so viel Bürokratie und Kosten aufbürden,
00:33dass manche schon aufgegeben haben und jetzt nicht mehr ins EU-Ausland verschicken wollen.
00:38Wie kann ein gut gemeinter Vorschlag jetzt so nach hinten losgehen?
00:42Wie konnte Brüssel das Ganze so vergeigen? Und gibt es da noch irgendwer einen Weg raus?
00:46Darüber sprechen wir heute.
00:47Ich bin Daniel Retschitz-Ecker. Das ist Thema des Tages, der Nachrichten-Podcast des Standards.
00:56Andreas Tanzer, Wirtschaftsredakteur beim Standard heute hier im Podcast. Ich grüße dich recht herzlich.
01:00Hallo, servus. Danke für die Einladung.
01:02Andreas, am 12. August ist Sie in Kraft getreten, die sogenannte Packaging and Packaging Raced Regulation,
01:08kurz PPWR oder verständlich formuliert die EU-Verpackungsverordnung.
01:13Was besagt die denn?
01:14Ja, die ist ein ziemlich großes Ding. Und da hängt auch sehr viel dran, was da jetzt in Kraft getreten
01:21ist.
01:21Also, die hat 124 Seiten und wir könnten jetzt wirklich lang über die Details sprechen.
01:27Im Großen und Ganzen geht es darum, weniger Verpackungsmüll zu produzieren, mehr zu recyceln und die Kreislaufwirtschaft zu stärken.
01:35Und diese Verordnung gilt für praktisch alles. Egal ob Karton oder Plastik oder sonst was.
01:42Und es zieht sich durch die ganze Lieferkette.
01:45Ebenfalls ein wichtiger Punkt ist, es soll der viele Leerraum in die Packerl, der teilweise herumgeschickt wird, soll reduziert werden.
01:53Das wird ja jeder kennen.
01:54Wenn man schon mal was bestellt hat, es kommt ein kleines Ding daher in einem riesen Karton und die Luftkissen
02:00füllen das dann aus.
02:03Und es hängen vor allem auch sehr strenge Vorgaben an die Dokumentation, Kennzeichnung und Nachweispflichten jetzt daran.
02:11Und das ist alles relativ viel, was da jetzt auf einen Schlag mehr oder weniger greift.
02:16Dann gibt es noch einmal strengere Kennzeichnungspflichten und eigene Regeln für PFAS, also für Ewigkeitschemikalien.
02:23Da geht es vor allem um Lebensmittel und das klingt ja viel und schlimm und wild im ersten Moment für
02:30Konsumentinnen und Konsumenten.
02:31Allerdings soll es eigentlich einfacher werden.
02:34Sprich, man soll schneller merken, woraus bestehen die Verpackungsmaterialien und vor allem wie entsorgt man sie.
02:42Das hängt auch damit zusammen, dass einfach so viel Verpackungsmüll entsteht und man von dem ein bisschen wegkommen will.
02:50Und dann verschärft sich das Ganze bis 2030.
02:54Also schrittweise kommen da jetzt Sachen dazu.
02:57Das sind Dinge wie ab 2028 müssen wiederverwendbare Takeaway-Verpackungen angeboten werden in der Gastronomie.
03:07Ab nächstes Jahr im Februar müssen die Gastronomen sozusagen es akzeptieren, wenn die Kundschaft eigene Behälter mitbringt.
03:16Ab 2030 sind diese kleinen Duschgels und Seifen in Hotels verboten.
03:23Einmal Portionierungen für Ketchup darf es dann nicht mehr geben.
03:27Und das kann man ewig lang jetzt noch weiterspielen mit Regeln, die da kommen.
03:31Und an dem Ganzen hängen, hängt ein Bußgeld von bis zu 200.000 Euro.
03:35Wenn man dagegen verstößt, aber bis dahin ist es ein langer Weg, bis dieser Verstoß tatsächlich passiert.
03:42Ich glaube jeder, der schon mal, keine Ahnung, ein kleines Gerät bestellt hat, Handyladekabel oder so,
03:47wird sich gedacht haben, was für ein Schwachsinn, das kommt in einer riesengroßen Box und ich schmeiße die jetzt weg.
03:50Was für ein Müllberg, eh klar.
03:52Das ergibt alles Sinn.
03:53Und kommen wir vielleicht auch noch ganz kurz auf den Grund, es soll einfach weniger davon geben.
03:57Also weniger Einmal-Ketchup-Packungen, die dann im Müll landen, weniger Riesen-Kartons, die dann auf irgendwelchen Deponien landen für
04:03mein Handyladekabel,
04:04was ich mir bestellt habe, weil ich zu faul war, zum nächsten Mediamarkt zu gehen.
04:08Genau.
04:09Also es ist relativ offensichtlich, dass wir weniger Verpackungsmüll produzieren sollten.
04:14Allein in Österreich sind es 300.000 Tonnen Kunststoffverpackungen in Abfallform pro Jahr.
04:22Und das Problem ist halt, davon werden zwei Drittel verbrennt.
04:25Also es wird nicht einmal recycelt, also es ist wirklich eine ziemliche Belastung für die Ressourcen, für die Umwelt, für
04:32alles Mögliche.
04:33Also das große Ziel ist einfach wegzukommen von diesen extremen Mengen, die wir jetzt produzieren
04:38und dass das Ganze ein bisschen zugeschnittener wird, damit weniger Luft herumgeschickt wird.
04:44Ich meine, wenn man so runterbricht, wie es das du jetzt gerade getan hast,
04:47klingt das ja eigentlich grundsätzlich nach einer durchaus guten Sache, oder?
04:51An dem Ziel zweifelt auch wirklich überhaupt niemand.
04:55Also ich habe jetzt mit sehr vielen Menschen von allen möglichen Seiten telefoniert
05:00und jeder sagt, das Ziel ist super und alle sehen das ein, dass wir das brauchen.
05:05Die Unternehmensberater von PwC haben kürzlich eine Umfrage gemacht, wo rausgekommen ist,
05:1184 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher wollen nachhaltigere Verpackungen,
05:17wollen kleinere Verpackungen und sie wären auch bereit längere Lieferzeiten.
05:21Dafür in Kauf zu nehmen, wenn das dafür nicht solche Auswüchse annehmen würde, wie es das momentan macht.
05:29Aber es ist halt auch alles nicht so leicht, weil da hängt eine logistische Maschinerie dahinter.
05:35Die Anbieter arbeiten größtenteils mit automatisierten Prozessen.
05:39Deswegen gibt es vereinheitlichte Standardgrößen bei den Kartons und so rennt es halt dann durch diese Logistikzentren.
05:47Und auch wenn dadurch höhere Kosten beim Transport für diese Unternehmen entstehen,
05:52das rechnet sich einfach durch die Effizienz, die sie dadurch in den eigenen Hallen gewinnen.
05:57Und jetzt habe ich mich ein bisschen verloren und bin abgeschweift.
06:02Ja, also das Ziel ist gut.
06:04Der Weg dorthin war sehr, sehr schwierig.
06:07Also es ist selten um etwas so viel lobbyiert und gestritten worden wie bei dieser PPWR.
06:12Mit dem Ergebnis sind doch die meisten jetzt trotzdem unzufrieden.
06:17Und es ist die Umsetzung, die halt wirklich scharf kritisiert wird von allen möglichen Seiten.
06:23Andreas, dann kommen wir zum tatsächlichen Problem dieser neuen Verordnung.
06:27Denn vor allem kleinere Händler klagen sehr lautstark über diese neue Regelung.
06:31Fritz Järgitsch, das ist der Chef der Tagespresse, der meint etwa,
06:35dass Dinge wie Abo-Geschenke oder auch Merchandise-Produkte,
06:38ich gehe mal davon aus, es werden T-Shirts oder Ähnliches sein,
06:41dass er die jetzt nicht mehr ins EU-Ausland verschicken könne.
06:44Warum ist das so?
06:45Naja, ganz so ist es nicht, dass er sie nicht mehr verschicken kann.
06:50Gehen tut es natürlich.
06:51Theoretisch, ja.
06:52Es ist nur mit einem deutlich verschärften Aufwand geht das Ganze jetzt einher.
06:58Und da gibt es im Großen und Ganzen zwei, nennen wir es einmal Problemherde,
07:03die für kleine Händlerinnen und Händler das Ganze jetzt schwierig macht.
07:07Das eine ist die Registrierung und der Bevollmächtigte
07:10und das andere ist die Verpackung per se.
07:13Das sind zwei große, komplizierte Brocken, aber fangen wir einmal bei den Bevollmächtigten
07:19und der Registrierung an.
07:21Also stellen wir uns vor, wir machen jetzt das Retschitzäcker Tanzer-Produkt.
07:26Guter Podcast.
07:28Kalligrafierte Transkripte von dem Podcast, den wir da machen und die wollen wir jetzt nach Europa verschicken.
07:35Das heißt, ich muss mich in jedem anderen Land, wo wir das hinschicken,
07:39muss ich mich registrieren, man muss die gelieferten Verpackungsmengen melden
07:43und da muss man eine Gebühr für die Entsorgung bezahlen.
07:48Und das ist einmal das eine.
07:50Und in jedem Land, wo man keinen Sitz hat, brauchst du einen Bevollmächtigten.
07:55Sprich eine Ansprechperson, die die Ansprechperson für die Behörden ist
08:01und die auch haftet für das Einhalten dieser Regeln.
08:05Und wenn es jetzt blöd rennt, brauchst du 27 Registrierungen, 27 Meldungen und 26 Ansprechpartner.
08:13Sprich 26 Bevollmächtigte, weil in irgendeinem Land hat man ja den Sitz.
08:17Und damit gehen Dokumentationspflichten etc. einher.
08:22Das ist ein irrsinniger Aufwand und halt auch Kosten.
08:26Und für große Konzerne weniger tragisch, aber für einen kleinen Händler kommt da schon echt was daher.
08:34Und da sagen jetzt viele, okay, das tue ich mir nicht an, das rechnet sich nicht, das geht sich nicht
08:39aus.
08:40Und wenn man am 12. August auf irgendeine Social Media Plattform reingeschaut hat,
08:46dann war das einfach alles voll mit kleinen Unternehmen, die sich irrsinnig beschwert haben.
08:52Mit dem Tenor, danke für nichts, liebe EU.
08:54Und dass sie ihren Versand ins EU-Ausland jetzt einstellen.
08:59Verständlich irgendwo auch, oder?
09:00Ja, natürlich. Wenn es einfach wirtschaftlich keinen Sinn ergibt und die Rahmenbedingungen saumühsam werden,
09:10naja, dann verschicken wir unsere Kalligrafie-Transkripte vermutlich auch nicht.
09:15Aber gilt das jetzt für alle Länder gleich?
09:17Also wenn ich jetzt beispielsweise Sitze in Österreich habe, macht es einen Unterschied,
09:20wenn ich, keine Ahnung, in Deutschland, Italien etc. irgendwo sitze und in irgendwelche Länder verschicken möchte?
09:24Also wir reden ja nur von der EU. Es geht jetzt nicht darum, dass sie unsere Kalligrafien in die USA
09:29beispielsweise verschicken wollen.
09:30Na ja, genau. Da fängt es auch schon an.
09:33Okay.
09:34Es ist alles wirklich sehr, sehr kompliziert.
09:38Und es war ein sehr langer Weg, bis ich irgendwie durchgefunden habe durch diesen Dschungel.
09:45Und ich weiß auch echt nicht, ob ich es bis zum Ende durchblickt habe.
09:50Und die bisherigen Regeln, es ist unterschiedlich.
09:54Also in Österreich zum Beispiel gibt es das Ganze, dieses Bevollmächtigten-Konzept, schon seit 2023.
10:02Sprich, wer von Italien, Deutschland oder sonst wo das zu uns etwas schicken will, braucht diese Person.
10:08Wenn wir etwas nach Deutschland schicken wollen, dann braucht es das nicht.
10:14Da gibt es keine Pflicht für diesen Bevollmächtigten.
10:17Denn das rauszufinden war ein langer, schwieriger Weg.
10:21Ich habe dafür das deutsche Verpackungsgesetz gelesen.
10:23Es war jetzt nie mein vorderstes Anliegen an die Welt, das zu tun.
10:27Aber in dem Fall hat sie sich als interessant und hilfreich herausgestellt.
10:33Aber ich glaube, dass ich diesen Satz jemals unironisch sagen kann.
10:38Aber ja, das Ziel ist jetzt das zu harmonisieren von der EU.
10:43Aber es ist schwierig, weil überall gilt was anderes oder hat was anderes gegolten.
10:48Jetzt soll es zu einheitlich werden, aber es ist trotzdem schwierig, weil so viele Schritte dran hängen.
10:52Und das macht es für die Kleinen halt sehr, sehr anstrengend und sehr, sehr aufwendig.
10:58Es ist ja so kompliziert, fassen wir es so zusammen.
11:01Es ist natürlich auch nicht die befriedigendste Antwort, auch für die kleinen Händlerinnen und Händler nicht.
11:05Aber kann man das irgendwie in Zahlen gießen, was das denn tatsächlich kostet,
11:09wenn jetzt eben wir beide unsere Kalligrafien in verschiedenste EU-Länder schicken wollen
11:14und eben diese 27 Ansprechpartner brauchen?
11:16Was blechen wir da?
11:18Ja, jetzt komme ich mit der nächsten Juristenantwort.
11:21Es kommt darauf an.
11:23Man kann es schwer sagen.
11:25Es kommt darauf an, wie viel verschicke ich, in wie viele Länder verschicke ich, was sind die Mengen.
11:31Weil die werden erst im Nachhinein abgerechnet.
11:32Also man weiß es im Vorhinein gar nicht schwer.
11:37Bei der WK, bei der Wirtschaftskammer haben es mir erklärt,
11:40so ein Bevollmächtigter kann ungefähr 1000 Euro kosten.
11:45Im Monat?
11:46Pro Jahr.
11:46Pro Jahr, okay.
11:48Wenn ich jetzt aber irgendwie nur vier Produkte nach Portugal oder Spanien oder was weiß ich,
11:55wohin schicke und damit einen Umsatz von 300 Euro mache,
11:59naja, werde ich nicht machen.
12:01Weil auch wenn gewisse Kosten erst im Nachhinein anfallen,
12:04dieser Bevollmächtigte, der ist zu bezahlen.
12:07Und unabhängig, ob jemand bestellt oder nicht.
12:11Ja, und dann lasst man das halt tendenziell einfach sein.
12:15Weil das Verhältnis, ja, geht sich nicht aus.
12:18Und die meisten Kleinen wissen ja, zahlt es sich aus, zahlt es sich nicht aus.
12:24Ich habe mit einer Händlerin von einem Baby- und Kindershop gesprochen in Niederösterreich.
12:30Die hat gesagt, nach Deutschland macht sie es, das rechnet sich, aber sie hat auch regelmäßig in die Benelux-Staaten,
12:38nach Italien und nach Frankreich geliefert.
12:41Das lasst sie jetzt alles sein, weil es zu aufwendig und zu teuer ist.
12:45Halt nicht unbedingt der Sinn von Binnenmarkt und freiem Warenverkehr.
12:50Andreas, machen wir es nochmal komplizierter, du hast mir vorher versprochen, es wird nicht einfach.
12:54Wir sprechen jetzt noch über die Verpackungen selbst, also über die Kartons oder in was es auch immer eingepackt ist.
12:58Das kleine Kalligrafie-Produkt.
13:00Denn auch das Material soll betroffen sein.
13:04Was ist denn da jetzt auf einmal das Problem?
13:05Ja, da wird es wirklich kompliziert und das fängt mit den Begrifflichkeiten an.
13:10Also die PPWR unterscheidet zwischen Herstellern und Erzeugern.
13:14Das ist schon mal eine extrem gelungene Wortwahl, damit ja, Verwirrung entsteht.
13:22Und grob heruntergebrochen kann man es so sagen, der Hersteller ist der, der tatsächlich den Karton produziert.
13:29Also aus dessen Fabrik das Backel rauskommt.
13:33Und der Erzeuger ist dann der, der sein Produkt mit dem Karton verbindet.
13:40Sprich, wer es einpackt.
13:42Und an diesem Erzeuger-Sein, da hängen jetzt viele Pflichten, viele Dokumentationspflichten.
13:47Da geht es um die technische Konformität.
13:50Sprich, man muss alle möglichen Daten zum Produktionsprozess etc. gespeichert haben.
13:57Und dann ist die Frage, wann bist du was?
14:00Wenn man jetzt nämlich, wenn wir unser Kalligrafie-Produkt verschicken und wir lassen Kartons produzieren mit dem Regicecker-Tanzer-Logo
14:08drauf,
14:08dann wären wir Erzeuger.
14:11Obwohl wir mit der Produktion sonst nichts zu tun haben, aber das Logo macht uns zu Erzeugern.
14:15Und wenn wir aber nur ein Versand-Label draufpicken, dann sind wir keine Erzeuger.
14:20Und das sind so Feinheiten, die sind erst kurz vor den Krafttreten der Verordnung dann geregelt worden.
14:27Und da gibt es noch ganz viele solche Unsicherheiten.
14:31Das macht es halt echt schwierig.
14:36Und damit kämpfen viele.
14:38Und es sind dann diese vielen Daten, die man speichern muss, damit hadern die kleinen Händler.
14:45Weil sie sagen, jetzt muss ich denen nachlaufen, den Produzenten, damit ich diese Daten irgendwie bekomme.
14:50Dann muss ich es speichern.
14:52Da fürchten sich viele ziemlich vor diesem Aufwand.
14:55Und auch davor, dass sie die notwendigen Informationen gar nicht bekommen.
15:01Und ja, also ich beneide auch ehrlicherweise niemanden darum.
15:05Es ist wirklich tatsächlich schwierig, in diesem Fall irgendwie was Positives zu finden.
15:10Versuchen wir es mal aus Sicht der EU.
15:12Denn das politische Ziel ist ja, den Binnenmarkt zu vereinheitlichen.
15:16Ich meine, das ist ja an sich, es soll ja einfacher werden.
15:18Das ist ja eigentlich immer das Ziel.
15:19Jetzt sagen aber Kritiker, und ich glaube, da haben sie auch durchaus einen Punkt,
15:22dass diese Regelung kleinere Anbieter verschwinden lässt.
15:25Und die großen Big Player, denen es völlig wurscht ist, was du jetzt gerade erzählt hast,
15:29weil die bezahlen einfach diese 27 Personen, die man im EU-Ausland braucht.
15:34Und alle Kosten, die damit einhergehen, sind sowieso nur Peanuts, beispielsweise Amazon oder so.
15:38Die würden dann im Alleingang übernehmen.
15:40Das klingt nach einer Vereinheitlichung, aber wahrscheinlich nach nicht dem, was man sich ursprünglich erwünscht hat.
15:46Was soll das Ganze also?
15:49Ja, das ist das Problem, dass halt über alle jetzt dieser einheitliche Rahmen drüber gestülpt wird
15:56und es deswegen schwierig gemacht wird, damit die Unternehmen in der EU überall nach denselben Standards liefern, produzieren etc.
16:07Die Idee dahinter ist ja okay.
16:09Also man will bessere Standards, man will bessere Bedingungen für die Umwelt etc.
16:14und es soll vermieden werden, dass Unternehmen aus Drittstaaten einfach billigst Ware zu Schleiderpreisen auch herbringen können
16:27und sich damit einen deutlichen Wettbewerbsvorteil verschaffen.
16:31Das ist nachvollziehbar.
16:33Also das sind so Shops wie Timo und so beispielsweise.
16:34Ja genau, da geht es ganz viel um China.
16:37Also dieses wirtschaftspolitische Argument ist da, dass sich chinesische Unternehmen, die nach Europa liefern,
16:43dass sich die auch an diese Vorgaben halten müssen.
16:47Und daran gibt es auch nichts zu kritisieren, das ist in Ordnung.
16:53Aber ja, es rennt im Endeffekt wieder darauf zurück, was du gesagt hast.
16:58Große Konzerne haben es leichter als kleine Händler.
17:01Und die chinesischen Lieferanten, die im großen Stil nach Europa liefern,
17:07naja, das sind auch selten die kleinen Ein-Personen-Unternehmen.
17:13Und ohne das genau zu wissen, wer wirklich schickt.
17:15Aber bei Timo und Shein, naja, da wissen wir es, was für Giganten das sind.
17:20Wird das Ganze noch irgendwie verbessert?
17:22So kann es ja wohl, wenn wir uns ganz ehrlich sind, nicht bleiben,
17:24weil sonst werde ich auch zum EU-Kritiker.
17:26Das macht irgendwie keinen Sinn.
17:27Ja, da wird es durchaus kurios.
17:35Das wissen Sie in Brüssel auch, dass das alles nicht optimal ist.
17:39Aber es ist schon in Kraft.
17:40Es ist in Kraft, ja.
17:41Macht keinen Sinn.
17:43Also Entschuldigung, das ist ja absurd.
17:45Ja, kann ich eh nichts dagegen sagen.
17:48Aber Ende 2025 ist schon der Vorschlag aus Brüssel gekommen,
17:54man soll Teile dieser Pflichten innerhalb der EU einfach außer Kraft setzen.
17:59Weil es eben diese Probleme mit sich bringt, die es mit sich bringt,
18:02über die wir da jetzt gesprochen haben.
18:05Und damit fängt es dann schon an.
18:07Okay, jetzt tritt was in Kraft, wo vor einem halben Jahr die Verantwortlichen gesagt haben,
18:11lass mal einen Teil davon lieber.
18:16Aber wie es jetzt wirklich weitergeht, ich habe auch bei der Kommission nachgefragt
18:20und da hängt jetzt wieder viel dran.
18:22Im Herbst kommt der Vorschlag zum neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz.
18:26In dem könnten theoretisch so Bagatellgrenzen eingebaut werden.
18:31Für kleine Händler, wenn man nur eine gewisse Anzahl verschickt,
18:34dass dann dieser ganze Aufwand nicht mit sich kommt.
18:39Da müssen wieder viele Leute zustimmen.
18:41Und das geht wieder durch viele Instanzen und Prozesse.
18:45Ja, kann sein, dass es noch verbessert und vereinfacht wird.
18:51Ob es passiert, weiß man nicht.
18:53Es gibt auch den, sozusagen den bisschen informellen Hinweis aus Brüssel an die Mitgliedstaaten.
18:59Hey, nehmt ihr es einfach nicht ganz so streng, weil es ist schon ein bisschen schwierig.
19:04Ja, genau, dein verwirrter Gesichtsausdruck ist treffend.
19:11Das ist eine sehr österreichische Lösung.
19:13Wir haben die Regelung, aber ist irgendwie bei dir wurscht.
19:14Ja, weiß ich nicht.
19:16Wie das jetzt wirklich alles umgesetzt wird, das wird sich auch erst in den nächsten Monaten zeigen.
19:21Es ist auf jeden Fall verständlich für die ganzen Beteiligten, dass ihnen Rechtssicherheit fehlt.
19:29Das kann ich auch absolut nachvollziehen, weil du hast Regeln, dann ist bis kurz vorher unklar,
19:34wie die eigentlich ausgelegt werden.
19:36Dann greifen sie plötzlich.
19:38Und viele Unternehmen brauchen einfach Vorlaufzeit, damit sie ihre Prozesse umstellen.
19:44Und sich auf gewisse Investitionen einstellen können.
19:47Und wenn dann aber immer alles unklar ist, ja, das macht dich unglücklich.
19:53Deswegen würde es halt einfach echt einen klaren, einheitlichen Rahmen brauchen mit strikten Vorgaben.
19:59Und klaren Vorgaben, so machen wir und so funktioniert es.
20:02Und so torpedieren wir nicht in gewisser Weise den Binnenmarkt.
20:08Ich stelle mir das auch aus Sicht beispielsweise deiner niederösterreichischen Babywarenverkäuferin
20:13wahnsinnig riskant vor.
20:15Dann ignoriert man es vielleicht ein bisschen, schickt ein paar Produkte nach Portugal
20:18und riskiert dann, dass nachher vielleicht doch extrem hohe Strafen kommen,
20:21wenn man es einfach nicht weiß.
20:23Also ich würde es gleich lassen.
20:25Wahrscheinlich wird das auch das Ergebnis sein, vermute ich mal, oder?
20:27Genau.
20:28Das kommt auch raus.
20:30Gib auf irgendeiner Plattform PPWR ein und schau, was die ganzen kleinen Händler so posten.
20:40Da stellen viele es einfach vorerst einmal ein.
20:43Sie hoffen, dass sich noch was ändert, aber sagen so, zu diesen Rahmenbedingungen momentan geht es nicht.
20:49Oder machen sie es nicht.
20:50Andreas, wir haben jetzt sehr viel über Kartons gesprochen.
20:52Die meisten Pakete kommen so, aber ich kenne das auch, wenn man bei irgendeinem Online-Händler bestellt,
20:56gewandelt man so ein Beispiel, dann kommt es in so einen Plastiksack, den ich dann aufreißen kann.
21:01Ändert sich da auch irgendwas?
21:02Da ist wahrscheinlich weniger Luft drin, weil man es besser verpacken kann.
21:05Aber es ist halt Plastik.
21:06Ja, bei den Plastikverpackungen geht es natürlich auch darum, da hängt auch das dran,
21:12da geht es um Rezyklatquoten, Recyclingfähigkeit etc.
21:16Und da beschweren sich die großen Konzerne auch sehr, dass ihnen die Rechtssicherheit fehlt,
21:23dass ihnen die Planungssicherheit fehlt, dass sie mit Investitionen beginnen müssen,
21:27obwohl gar nicht klar ist, wie das dann wirklich ausschaut.
21:31Verstehe mit der Rechtssicherheit.
21:33Man muss das Ganze aber ein bisschen relativieren, vor allem mit der Kreislaufwirtschaft und der Recyclingfähigkeit.
21:38Die EU hat jetzt nicht Kreislaufwirtschaft erfunden mit dieser Verpackungsverordnung.
21:45Die Technologie ist schon lange da und in Kreislaufwirtschaft könnte man schon sehr, sehr lange investieren.
21:52Es wäre relativ einfach, das Plastik wiederzuverwenden und daraus Verpackungen für Waschmittel oder sonst was herzustellen.
22:03Aber neues Plastik ist halt einfach viel günstiger.
22:07Und da wird es dann ein bisschen schwierig mit dem ganz großen Beschwerdenjammerei,
22:14wenn man seit weiß ich nicht wie vielen Jahren einfach die Kostenkeule schwingt
22:18und wegen 1,3 Cent pro Mini-Geschirrspülmittelflaschel oder so nicht auf Kreislaufwirtschaft setzt,
22:29dann braucht man jetzt nicht jammern, weil es halt gesetzlich daherkommt.
22:32Das wäre schon lange möglich gewesen.
22:34Das heißt, aus Sicht der Unternehmen ist da jammern eigentlich nicht wirklich angesagt?
22:39Meiner Meinung nach kann man jammern wegen der mangelnden Rechtssicherheit,
22:43aber dass jetzt die Kreislaufwirtschaft so gemein ist und das alles so unerwartet kommt,
22:47da ist es nicht angebracht.
22:49Weil das ist alles seit Ewigkeiten da.
22:51Es geht in Wahrheit nur um Kosten, wie viel die Produktion kostet von gewissen Produkten.
22:59Und die hätten schon lange auf Kreislaufwirtschaft oder zumindest auf größtenteils Recyclingprozesse umstellen können.
23:09Es gibt ja generell auch Stimmen, die meinen, dass diese Aufregung, ob es jetzt Plastik oder die Kartonsinn, übertrieben sei.
23:14Um fair zu sein, bringen wir auch diese Stimmen noch ein.
23:17Was sagen die? Was ist deren Punkt?
23:18Ja, das stimmt.
23:20Da gibt es zum Beispiel, habe ich mit dem Stefan Merl von PwC gesprochen,
23:25der hat sich auch sehr intensiv mit dieser Verordnung befasst.
23:29Der sagt, diese ganze Aufregung ist übertrieben,
23:32vor allem auch, weil sehr viele falsche Informationen im Internet herumgeistern
23:38und weil das halt alles viel komplizierter wirkt, als es ist.
23:42Er sagt, du hast auch als kleiner Händler jetzt eine Dokumentationspflicht.
23:47Sprich, du musst beim Kartonproduzenten, der die entsprechenden Daten und Werte alle hat und haben muss,
23:55die muss man einfach nur abfragen und speichern.
23:57Und im Notfall bzw. gegebenenfalls muss man diese Daten dann herzeigen, wenn eine Kontrolle kommt.
24:07Demzufolge ist das alles relativ easy.
24:10Okay, aber Kosten tut es ja trotzdem was.
24:12Also wir haben ja jetzt auch über die Kosten gesprochen, das ist ja nicht weg.
24:15Die Kosten, die streitet auch der nicht ab,
24:19aber sozusagen dieser extreme bürokratische Aufwand, über den die meisten klagen,
24:26da sagt er, dass der in Wahrheit nicht so schlimm ist, wie alle glauben.
24:30Und dass da im Internet viel Hysterie herumgeistert, die nicht wirklich angebracht ist.
24:38Ich bin mir ziemlich sicher, dass sehr viele falsche Informationen auch bei diesem Thema kursieren,
24:42so wie bei allen Themen, dass es dennoch ein Problem ist.
24:45Ich glaube, das haben wir jetzt gerade, oder beziehungsweise du hast das jetzt gerade sehr deutlich gemacht.
24:49Deswegen abschließend, kannst du dir erklären, wie die EU es geschafft hat,
24:53diese ganze Kiste so dermaßen zu vergeigen?
24:55Ich meine, der Grundgedanke, das haben wir ja jetzt schon durchbesprochen, der ist ja wirklich gut.
24:58Aber die Ausführung, die ist wirklich bescheiden.
25:03Ja, und das ist nicht neu.
25:09Das kennen wir in vielen anderen Beispielen auch aus Brüssel,
25:14dass die Intention in Ordnung ist oder erstrebenswert und die Umsetzung dann halt einfach mangelhaft,
25:22weil da dann so ein kompliziertes Regelwerk daherkommt,
25:27für so viele Beteiligte und im Endeffekt hängen dann so wahnsinnige bürokratische Hürden
25:35und Aufwände dran, dass es einfach nur mühsam ist.
25:42Es widerstrebt mir, dass ich das jetzt sagen muss,
25:46aber ja, der größte Feind von gut ist gut gemeint.
25:48Diese Phrase nervt mich zwar, aber sie gehört gedroschen.
25:53Leider.
25:54Ja, Ziel war gut.
25:55Weniger Verpackungsmüll, mehr Recycling, einheitliche Regeln.
25:59Passt.
26:00Aber mit so einem komplexen Regelwerk, wo es dann so schwierig wird für so viele Beteiligte.
26:07Naja.
26:10Das könnte schon echt besser gehen.
26:15Und unterm Strich, also es ist ja relativ klar, wann rauskommt,
26:19dass ganz viele kleine Unternehmen oder auch mittlere Betriebe,
26:25die wie wir wissen in Europa die wichtigsten sind,
26:28sagen, ich schicke nicht mehr ins Nachbarland.
26:30Ja, das kann nicht die Idee sein oder das kann nicht das Ziel einer solchen Verordnung sein.
26:38Andreas Danzer war das.
26:39Vielen Dank für deine Ausführungen.
26:41Wir werden schauen, ob sich da tatsächlich noch was zum Positiven ändert
26:43und vielleicht dann noch einmal drüber sprechen.
26:46Vielen Dank auf jeden Fall.
26:47Danke für die Einladung.
26:48Und wenn euch Thema des Tages gefallen hat,
26:49dann abonniert den Kanal auf der Podcast-Plattform eurer Wahl
26:52oder auch auf YouTube.
26:53Da sind wir immer öfter mit Videopodcasts vertreten.
26:55Einfach Kanal abonnieren und nicht vergessen, Glocke drücken.
26:57Ich bin Daniel Retschitz-Ecker.
26:59Vielen Dank fürs Dabeisein.
27:00Bis zum nächsten Mal.
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