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00:00Musik
00:38Notrufzentrale Wiesbaden, wie können wir Ihnen helfen?
00:44Herr Stein, Herr Stein, auch wenn Sie nicht sprechen können, bitte bleiben Sie im Apparat. Ich schicke Hilfe.
00:52Wiesbaden 1.17 an Wiesbaden Rettung 17 mit Sondersignal.
00:57Einsatzübernahme Ludwig Stein, Thünenstraße 6, demenzkrank. Bitte bestätigen Sie.
01:04Rettung 17, bitte bestätigen Sie.
01:07Herr Stein, Sie sind bald.
01:08Guten Abend.
01:14Guten Abend.
01:18Und wann kam die Meldung?
01:20Herr Thomas.
01:21Hallo, ich muss Schluss machen und nicht melde mich.
01:23Kommt, da drüben liegt er. Ludwig Stein, 88, ehemaliger Tierarzt.
01:29Die Leitzentrale wurde über die Hausnotrufanlage verständigt.
01:33Hilfsbedürftige Person, Pflege Stufe 2, beginnende Altersdemenz.
01:37So spät noch wach?
01:39Herr Staatsanwalt.
01:41Um Sie zu sehen, würde ich morgens um drei aufstehen, Frau Dr. Brand.
01:44Und?
01:46Hypnokartnisches Ersticken.
01:48Durch die Tüte atmet man zunehmend CO2 ein.
01:50Das führt zur Apathie, Desorientierung, manchmal sogar auch zur Euphorie.
01:54Man wird schläfrig, bewusstlos, allmählich tritt der Tod ein.
01:59Selbstmord.
02:00Das könnte man vermuten.
02:02Wenn nicht...
02:04Hier.
02:05Druckstellen an den Handgelenken.
02:07Und die Schnur wurde hier an der Gürtelschlaufe befestigt, sodass man die Tüte nicht abstreifen kann.
02:15Also kein Selbstmord.
02:17Vermutlich nicht.
02:18Hier wurden die Schränke durchwühlt, genauso im Schlafzimmer und auch der Schreibtisch im Büro.
02:22Also ich vermute, der Stein hat selbst den Hausnotruf ausgelöst,
02:27während der oder die Täter die Schränke durchwühlt hatten.
02:31Aber er hatte keine Kraft mehr zu sprechen.
02:34Danke.
02:39Hallo, Bernd.
02:41Gerdin.
02:41Was gibt's bei dir?
02:43Es gibt einen Augenzeugen.
02:44Ansonsten sei wie Nachbar, er war verwirrt, schwierig und aufbrausend.
02:47Er hatte zu niemandem richtigen Kontakt.
02:50Wo ist der Augenzeuge?
02:51Die Dame da hinten, Frau Scheck.
02:53Na, komm.
02:58Guten Abend.
02:59Reuter, Kripo Wiesbaden.
03:01Guten Abend.
03:01Sie sind Frau Scheck.
03:03Ja, das bin ich, Hildegard Scheck.
03:05Können Sie nicht lesen?
03:08Oh, Entschuldigung.
03:10Frau Scheck, wohnen Sie hier irgendwo?
03:11Ja.
03:13Da oben.
03:14Ah.
03:15Sind Sie auch von der Polizei?
03:18Mein Name ist Bernd Rotter, ich bin der zuständige Staatsanwalt.
03:20Ah, so, so.
03:23Dann ist das also ein Mord.
03:26Was macht Sie da so sicher?
03:28Na ja, warum wir denn sonst so viel Polizei da haben?
03:33Frau Scheck kannte Herrn Stein.
03:35Na, ich wohne seit 30 Jahren.
03:37Wohne ich ihm gegenüber?
03:38Ja, aber natürlich kannte ich Herrn Stein.
03:41Herrn Doktor Stein.
03:43Ja, gut.
03:44Frau Scheck hat gesehen, dass jemand das Haus betreten hat und hinterher wieder gegangen ist.
03:48Das haben Sie ganz richtig verstanden, mein Fräulein.
03:51Wie war der Name?
03:53Kerstin Klar.
03:56Frau Scheck, würden Sie die Person wiedererkennen?
03:59Ja, was glauben Sie denn?
04:01Hm?
04:02Ja, natürlich.
04:03Gut.
04:04Würdest Sie denn vielleicht was ausmachen, wenn Sie mit uns ins Kommissariat kommen?
04:08Wenn Sie mich fahren?
04:10Wenn Sie das wollen.
04:12Aber was wird denn dann aus meinen Püppchen?
04:14Machen Sie sich da keine Sorgen.
04:16Werner, kannst du dich um die Puppen kümmern?
04:18Dankeschön.
04:20Danke.
04:25Grüß morgen, ja?
04:26Grüß morgen.
04:30Die Falten, die Stirn falten.
04:34So?
04:35Ja.
04:37So sah er aus.
04:39Sind Sie sicher?
04:41Ja, natürlich bin ich das.
04:42Gut.
04:43Dann läuft es jetzt noch durch die Erkennungssoftware.
04:47Thomas?
04:48Thomas?
04:49Ja?
04:49Wir haben ihn.
04:50Ja?
04:52Vielleicht kriegen wir sogar einen Namen dazu.
04:54Einen Namen habe ich auch.
04:56Sie kennen diesen Mann?
04:59Ja, natürlich kenne ich ihn.
05:02Frau Scheck, warum haben Sie das nicht gleich gesagt?
05:04Ich habe gedacht, Sie brauchen nur das Bild.
05:08Danke, Frau Scheck.
05:10Und wie heißt er?
05:21Ja, das ist er.
05:24Gottlieb Rennebach.
05:25Den hast du gesehen?
05:26Kennst du ihn?
05:26Ja, richtig.
05:27Der ist Richter hier am Amtsgericht.
05:29Hältst du die Aussage von Frau Scheck beglaubhaft?
05:32Du hast die Zeugin doch gesehen.
05:34Das heißt, du bist skeptisch?
05:36Ja, die beiden hatten ja miteinander zu tun.
05:39Dr. Stein musste betreut werden wegen seiner psychischen Auffälligkeiten.
05:42Und bei Personen ohne Familie, da findet man nicht so leicht einen Vormund.
05:46Also hat Rennebach das selbst übernommen.
05:48Ach so, Rennebach war der Vormund von Dr. Stein.
05:51Jetzt verstehe ich.
05:52Ja, und deswegen ging er auch bei Stein aus und ein.
05:54Also mich würde es nicht wundern, wenn die alte Frau da irgendwas verwechselt hat.
05:57Ja, also die ist schon ziemlich alt und vielleicht auch ein bisschen gewöhnungsbedürftig,
06:01aber geistig war die voll da.
06:04Ich meine, darum geht es.
06:06Ja, eine andere Spur haben wir nicht.
06:11Der Herr Richter kommt jeden Moment.
06:13Danke.
06:14Danke.
06:23Kanalinseln.
06:25Guck mal, da gibt es schöne Steilküsten.
06:27Das wäre doch mal was für uns.
06:28Ja.
06:41Thomas.
06:44Rennebach, guten Tag.
06:47Tut mir leid, dass Sie warten mussten.
06:49Kein Problem.
06:50Kommissarin Klar.
06:51Frau Klar, angenehm.
06:54Hauptkommissar Reuter.
06:55Herr Reuter.
06:56Reuter.
06:57Sind Sie verwandt mit dem Staatsanwalt Bernd Reuter?
07:00Ja.
07:00Ah ja.
07:01Der Sohn?
07:02Ja.
07:04Schön.
07:08Womit kann ich Ihnen denn behilflich sein?
07:11Guten Appetit, Herr Fischer.
07:13Mh, Herr Reuter.
07:14Schön, dass Sie Zeit haben.
07:16Hey, das sieht lecker aus.
07:18Ja, Fuffa.
07:18Das Essen in der Kantine wird immer schlechter.
07:20Immer nur dieses vorgekochte Convenience-Food.
07:23Nie was Frisches.
07:24Das macht auf Dauer nur dick.
07:25Wollen Sie?
07:28Nein, danke.
07:29Danke.
07:29Wie gesagt, ich habe gehört, dass Richter Rennebars Name in einer Ermittlungssache auftaucht.
07:34Korrekt, ja.
07:35Tee?
07:36Danke.
07:38Es gibt einen Anfangsverdacht, ja.
07:40Gegen Rennebach, ja.
07:41Wir haben eine Augenzeugung, die ist allerdings schon ziemlich alt.
07:45Zeugen sind immer so eine Sache.
07:47Aber Sie machen das schon.
07:49Ja, ja, ja.
07:51Bitte sehr.
07:53Herr Ludwig Stein.
07:57Das war ein gewitzter älterer Herr.
08:00Ehrlich gesagt, es überrascht mich nicht, dass er seinem Leben ein Ende gesetzt hat.
08:04Warum nicht?
08:05Er war sich dessen bewusst, dass seine Demenz immer weiter fortschreiten würde.
08:08Er war ängstlich, wurde immer depressiver.
08:10Wann genau haben Sie denn Herrn Stein zuletzt gesehen?
08:13Das war letzte Woche, am...
08:19Fantastisch.
08:21Dienstag, ja.
08:22Ein Treffen mit seinem Arzt.
08:24Und dann sollte ich ihn ja noch gestern Abend treffen.
08:27Ach ja?
08:28Und wann und wo?
08:29Um 22 Uhr.
08:30Wir waren verabredet im Nero-Tal, um spazieren zu gehen.
08:33So spät?
08:34Ja.
08:35Und sind Sie da hingegangen?
08:36Natürlich.
08:38Und als er nicht kam?
08:39Bin ich nach Hause gegangen.
08:40Ich habe nichts weiter gedacht.
08:41Der Herr Stein war ja schon sehr krank, oft sehr vergesslich.
08:45Und ehrlich gesagt, mir war es ganz recht.
08:48Ich konnte ja nicht wissen, dass er...
08:52Ja.
08:53Herr Redenbach, wir gehen ja davon aus, dass zur Tatzeit noch jemand in seinem Haus war.
08:58Ah.
09:00Dann ermitteln Sie wegen Verdachts auf ein Tötungsdelikt.
09:02Ja.
09:04Was haben Sie denn so genau gemacht als seinen Betreuer?
09:06Sie haben keinen Beschluss zur Akteneinsicht, nehme ich an.
09:10Nein, aber wir hoffen, dass Sie uns trotzdem helfen.
09:13Natürlich.
09:15Herr Stein hatte Schulden.
09:17Als ich die Betreuung übernahm, mussten zunächst einmal Mittelliquide gemacht werden.
09:21Ein Teil seines Grundstücks wurde veräußert.
09:22Da gab es eine Zugefrau, die bezahlt werden musste.
09:25Umbauten am Haus, die bezahlt werden mussten.
09:28Solche Dinge.
09:30Das heißt, Sie waren auch regelmäßig in seinem Haus?
09:31Ja, natürlich, als sein Betreuer.
09:34Und wer ist da noch so ein- und ausgegangen?
09:36Frau Scheck, seine Nachbarin, eine durch und durch originelle Person.
09:42Und dann die bereits erwähnte Zugefrau, deren Name mir im Moment entschlüpft ist.
09:48Frau Weller und sein Arzt natürlich.
09:52Sein Hausarzt, Dr. Fengler.
09:53Elf Dienstaufsichtsbeschwerden.
09:56Drei Petitionen.
09:57Alle gegen Rennebach und alle von Stein und ihrer Zeugin Hillegatscheck.
10:03Und keiner hat irgendetwas ergeben.
10:05Sie verstehen mein Problem?
10:08Man könnte sagen, das sind zwei alte Chirulanten, die es auf Rennebach abgesehen haben.
10:13Befangenheit, wie aus dem Lehrbuch.
10:15Das reicht nicht für eine Anhörung.
10:17Aber wir werden der Aussage von Frau Scheck natürlich gründlich nachgehen.
10:21Darf ich?
10:23Ja.
10:24Also, schönen Tag noch.
10:25Ihnen auch, danke.
10:28Herr Fischer.
10:30Warum interessiert Sie der Fall eigentlich so?
10:33Ich möchte nur, dass Sie wissen, dass Sie jederzeit mit mir rechnen können.
10:36Gerade weil es sich um einen Kollegen handelt, da reagiert die Öffentlichkeit besonders empfindlich.
10:41Klar.
10:51Was ist denn die ganze Zeit schon mal verantwortlich?
10:53Kann es sein, dass Fischer irgendwie ein Hühnchen zu rupfen hat mit Rennebach?
10:57Ja, mussten Sie das nicht?
10:58Nee, was denn?
11:00Fischers Ex-Flo ist seit einem Jahr mit Rennebach zusammen.
11:03Ehrlich?
11:04Das ist ja ein Ding. Moment mal, ja.
11:06Kerstin?
11:07Ja, Rennebach soll den Stein in der Tat noch treffen, aber der ist nie erschienen.
11:11Ja klar, wir überprüfen das.
11:14Thomas ist gerade bei der Haushälterin und ich bin auf dem Weg zu Dr. Fengler, dem Hausarzt.
11:18Dr. Fengler, warte mal.
11:20Frau Scheck ist doch Patientin von Dr. Fengler.
11:23Kerstin, es gab mal eine Anfrage vom Sozialamt wegen der Geschäftsfähigkeit von Frau Scheck.
11:28Frag ihn einfach mal, was da war, ja?
11:29Ja gut, mach ich. Tschüss.
11:34Ja, es gab Hausbesuche bei Ludwig Stein. Aber nicht an diesem Abend, da war ich zu Hause.
11:39Und wie war sein Gesundheitszustand?
11:42Fortschreitende Demenz. Vergesslich, manchmal aggressiv. Fühlte sich verfolgt.
11:49Sagen Sie, könnten Sie mal von diesem Ding da runterkommen?
11:52Belastungs-EKG zur Vorsorge. Sollten Sie auch mal machen.
12:03Kennen Sie Hildegard Scheck?
12:05Ja.
12:08Sie kam über Stein zu mir.
12:10Und da sollten Sie auch überprüfen, ob sie eventuell einen Vormund braucht.
12:14Ja, sie ist ebenfalls auffällig. Die Nachbarn haben sich beschwert.
12:16Na, dann waren die beiden ja ein perfektes Paar.
12:20Die Haushälterin war zur Tatzeit auch nicht bei Stein. Sie hat einen Termin.
12:25Hat die Spurensicherung noch was gefunden?
12:27Ja, Fingerabdrücke von Rennebach. Aber das beweist gar nichts. Er war ganz offiziell öfter da.
12:32Was uns bleibt, ist also die Aussage von Frau Scheck und die Tatsache, dass Herr Rennebach kein Ali gejagt.
12:37Oh, Herr Staatsanwalt!
12:38Frau Scheck.
12:40Haben Sie diesen, diesen Herrn Rennebach, haben Sie den jetzt verhaftet?
12:44Tut mir leid, Frau Scheck, aber zu laufenden Ermittlungen kann man nichts sagen.
12:47Ja, ja, das weiß ich. Das weiß ich, aber ich, ich habe ja gesehen, wie er reingegangen ist in das
12:53Haus von Herrn Dr. Stein.
12:55Und ich habe auch gesehen, wie er wieder rausgekommen ist.
12:58Dem muss man doch nachgehen, nicht wahr? Das tun Sie doch. Bitte.
13:02Das tun wir, Frau Scheck.
13:03Ja, das machen wir, aber das ist nicht so einfach, wie Sie sich das vorstellen.
13:06Ach, weil er ein Richter ist, ja? Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.
13:13Oder glauben Sie vielleicht, bei mir tickst du da oben nicht mehr richtig?
13:17Alte Leute, die leiden ja alle unter Verfolgungswahn, nicht wahr?
13:21Frau Scheck, das ist völliger Blödsinn.
13:24Nun, warum tun Sie denn dann nichts?
13:27Ich habe gedacht, Sie wären ein Mann von Form Art.
13:30Dabei sind Sie auch nur so ein Schmalspur-Jurist.
13:36Wir haben den Eindruck, dass Sie ein Problem mit Richter Rennebach haben.
13:40Oder warum haben Sie elf Dienstaufsichtsbeschwerden gegen ihn eingereicht?
13:43Dafür hatten wir gute Gründe.
13:46Ja?
13:47Gut, Frau Scheck, dann müssen Sie uns das auch sagen.
13:55Was halten Sie davon, wenn ich Sie zu einer Tasse Kaffee einlade?
14:00Na gut.
14:02Kennen Sie das Kaffee Wilhelm?
14:04Sie werden es mir zeigen.
14:10Dieser Rennebach verkauft den Besitz alter Leute.
14:14Das ist ein Rechtertsvormund.
14:16Er hat keinen Besitz verkaufen.
14:18Das ist manchmal die einzige Möglichkeit, um Geldmittel zu schaffen.
14:20Ja, Mann, ich mal schon, das weiß ich.
14:22Aber was Sie offensichtlich nicht wissen,
14:25wem der Rennebach all diese Häuser und Grundstücke verkauft.
14:29Na?
14:30Der Dr. Stein, der hat es genau gewusst.
14:33Was hat der Dr. Stein genau gewusst?
14:36Die Hälfte all dieser Häuser und Grundstücke,
14:40die er in den letzten Jahren verkauft hat,
14:43hat er an ein und dieselbe Firma verkauft.
14:45Und zwar für ein Appel und ein Ei.
14:49Sie meinen also,
14:51Herr Rennebach hat mit einer Immobilienfirma kooperiert?
14:54Ich meine,
14:56er hat sie an seine eigene Firma verkauft.
14:59Diese Immobilienfirma gehört dem Rennebach.
15:04Hoppla.
15:06Ludwig Stein kannte einen Finanzbeamten in London.
15:10Und der hat es herausgefunden.
15:12Alles.
15:12Auch, dass diese Firma auf Jersey ist.
15:15Er hat es mir sofort erzählt,
15:16weil er den Rennebach jetzt endlich auffliegen lassen könnte.
15:20Hat er gesagt.
15:23Frau Schick,
15:25in Ihren Dienstaufsichtsbeschwerden gegen Rennebach
15:28war immer nur von krummen Geschäften die Rede.
15:31Nie von einer Firma auf Jersey.
15:33Ja, weil wir es ja auch noch lange nicht wussten
15:35und kaum wussten wird,
15:38ist der Ludwig tot.
15:43Und wie haben Sie das herausgefunden?
15:45Haben Sie diesen Finanzbeamten in London angerufen
15:47oder die ominöse Firma auf Jersey?
15:49Ich?
15:51Nein.
15:52Sonst wäre ich vielleicht auch schon tot.
16:00Hatte Dr. Stein denn noch handfeste Beweise?
16:03Ja, schon jede Menge Unterlagen.
16:07Die sind alle noch in seiner Wohnung.
16:13Sind sie nicht.
16:18Die hat der mitgenommen.
16:22Dieser Garne.
16:24Und ich hab's gewusst.
16:27Ich hab's gewusst.
16:30Rennebach hat die Immobilien seiner Schutzbefohlenen
16:32an seine eigene Firma billig verkauft
16:34und dann teuer weiterverkauft?
16:36Nee, die Scheck erzählt doch Blödsinn.
16:38Wer kann bei Immobilien schon den genauen Wert abschätzen?
16:40Vor allem, wenn sie schnell verkauft werden müssen.
16:42Frau Scheck, behaupte es steif und fest, dass es so war.
16:45Und das ist keinem aufgefallen?
16:46Sieht zwar aus.
16:49Die Firma wird von einem Anwalt auf Jersey geführt.
16:52Ich glaube nicht,
16:52dass sie sich sowas aus den Fingern saugt.
16:54Jersey sagst du?
16:56Mhm.
16:56Und hat sie gesagt, wie die Firma heißt?
16:59Imo.
17:01Imo Zern.
17:04Außerdem hat sie gesagt,
17:05Dr. Stein habe Beweise gehabt.
17:07Gut, wir haben aber keine gefunden.
17:09Der Mörder könnte alles mitgenommen haben.
17:11Ja, aber wie willst du das beweisen?
17:14Das ist eine gute Frage.
17:15Hast du noch Mangro?
17:16Oh ja, du hast noch Mangro.
17:17Also wenn Rennebach in Steinsnamen Immobilien verkauft hat,
17:21dann muss es da doch Unterlagen geben.
17:23Dann bräuchten wir einen Durchsuchungsbeschluss.
17:25Vergiss, das dauert viel zu lang.
17:28Kommt immer drauf an, wer sich darum kümmert.
17:33Kommen Sie nur herein.
17:35Meine Sekretärin hat heute frei.
17:37Teilzeit.
17:37Sie wissen ja.
17:40Nehmen Sie Platz.
17:41Danke.
17:42Was verschafft mir denn das erneute Vergnügen?
17:45Herr Rennebach, wir bräuchten Einsicht in die Geschäftsvorgänge,
17:48die Sie im Namen von Herrn Stein getätigt haben.
17:50Hier wäre der Beschluss.
17:52Bitte.
17:53Im Schluss, ja.
17:57Tadellos.
18:00Die Unterlagen muss ich jetzt selbst erst suchen.
18:03Sie entschuldigen mich einen Moment.
18:11Wusstest du, dass er heute allein ist?
18:12Ja, und ich weiß auch, dass das Archiv drei Räume weiter ist.
18:16Ich habe Ihnen gar nichts zu trinken angeboten.
18:18Doch, das macht nichts.
18:20Möchten Sie etwas?
18:21Nein, danke.
18:22Dann.
18:35Kannst du mir mal sagen, was das soll?
18:38Thomas, was machst du denn da?
18:40Pass mir doch auf, ob er kommt, okay?
18:42Was soll denn das?
18:45Geh bitte zur Tür.
18:47Thomas, bist du verrückt?
18:49Ist doch gleich passiert.
18:57Scheiße.
18:59Was?
19:00Papierstau.
19:04Er kommt zurück.
19:06Halt ihn auf.
19:07Was ist das denn?
19:09Lass dir was einfallen.
19:14Komm, komm, komm.
19:17Was ist denn mit Sie denn hier?
19:19Oh, entschuldigen Sie.
19:21Aber ich muss hier irgendwo meine Kontaktlinse verloren haben.
19:24Helfen Sie mir suchen?
19:27Selbstverständlich.
19:33Sind Sie sicher, dass Sie sie hier verloren haben?
19:39Ja, ja, ganz sicher.
19:40Doch, doch.
19:41Beim Reinkommen?
19:43Wahrscheinlich.
19:44Das haben Sie gar nicht bemerkt?
19:46Nein.
19:51Wo ist denn Ihr Kollege?
19:52Ach, der sucht drin.
19:53Ich dachte, Sie wären sicher, dass Sie sie hier verloren haben.
19:56Ja?
19:57Ja.
20:00Ich denke, ich helfe Ihren Kollegen mal.
20:02Äh, Moment.
20:03Warten Sie.
20:05Warten Sie.
20:06Super, danke.
20:09Also, das hier sind die Vorgänge Ludwig Stein.
20:11Das.
20:13Ja, das ist, äh, das sind die Vorgänge Ludwig Stein.
20:16Sehr gut.
20:18Danke, das war's.
20:19Wenn ich nur helfen kann.
20:20Wiedersehen.
20:20Danke.
20:21Tschüss.
20:21Tschüss.
20:36Tschüss.
20:39Das war sehr gut.
20:40Sag mal, hast du sie nicht mehr alle?
20:42Wie kannst du mich in so eine Situation bringen?
20:44Und was, wenn er dich erwischt hätte?
20:45Hat er aber nicht.
20:48Was ist denn das überhaupt?
20:49Das ist ein Kontoauszug.
20:51Brown Stanley Hill Private Banking.
20:53Jersey.
20:54Jersey?
20:56Mhm.
20:57Geht es um das, was die Scheck erzählt hat?
20:59Ja, das ist mir letztes Mal schon aufgefallen auf seinem Schreibtisch.
21:03Das ist der Beweis.
21:04Das ist illegal beschafft.
21:06Schau mal, auf dem Konto ist ein siebenstelliger Betrag und die Hälfte aller Gutschriften stammen von einer Firma namens Emotzer.
21:13Es bleibt ein rechtswidrig erlangter Beweis, Thomas. Du kannst nichts damit anfangen.
21:22Zu Beginn der Betreuung hat Rennebach den Teil von Steins Grundstück verkauft.
21:26Und zwar, ich habe die Immobilienpreise verglichen, tatsächlich um 30 Prozent günstiger.
21:34Thomas, die Immobilienpreise, die wechseln wieder das Wetter, Lager, Marktsituationen.
21:41Ich meine, da kann sich Rennebach auch in einer Minute rausfinden.
21:43Da hat Bernd recht.
21:48Wir haben Jersey Werbeprospekt in Rennebachs Büro gesehen.
21:54Thomas, entschuldige, aber alles, was du mir hier aufzählst, das wird mir der Ermittlungsrichter um die Ohren hauen.
21:59Das glaube ich nicht.
22:01Fischer findet auch, wir sollten ihm ruhig auf den Zahn füllen.
22:04Was machst du denn beim Ermittlungsrichter?
22:06Tja, ich habe nur mal vorgefühlt.
22:08Also er würde Rennebach vorladen und befragen.
22:11Ja, Fischer hat ja wohl auch seine ganz speziellen Gründe dafür.
22:15Und was willst du jetzt machen? Rennebach laufen lassen?
22:23Nein.
22:25Ich werde Rennebach vorladen, ich werde aber auch Frau Scheck vorladen.
22:28Und ich werde die beiden miteinander konfrontieren.
22:30Und dann werden wir ja sehen, ob Herr Rennebach einen Fehler macht.
22:46Frau Scheck ging nicht ans Telefon.
22:48Thomas und Kerstin sind jetzt auch direkt zu ihr.
22:51Wird an von Zeit, was?
22:55So.
22:57Fischer, natürlich.
22:59Fischer.
23:00Jens Nuvila, ich vertrete Dr. Rennebach.
23:03Freut mich, Herr Vorsitzender.
23:04Mich freut es auch, ganz außerordentlich, Herr Vorsitzender.
23:11Wer sind Sie denn?
23:12Dr. Fengler.
23:13Der Mann hat mich hergebeten.
23:29Moment.
23:30Ich höre was.
23:36Hallo, Frau Scheck?
23:39Hallo, Frau Scheck?
23:40Sie sind zu spät zur Befragung.
23:42Nein.
23:44Geh Sie weg.
23:47Geh Sie weg.
23:49Das ist nicht gut drauf.
23:51Wir können hier lange über die Preisbildung bei Immobilien streiten, Herr Staatsanwalt.
23:55Aber letztlich sind das doch lächerliche Anschuldigungen.
23:58Oh, ich würde Steuerhinterziehung und Vorteilsnamen im Amt nicht gerade als lächerlich bezeichnen.
24:03Wo bitte sind denn die Beweise dafür?
24:06Wir haben eine Zeugin, die Kenntnis davon hat, dass Herr Rennebach Immobiliengeschäft im Zusammenhang mit einer Bank auf den Kanalinseln
24:13getätigt hat.
24:13Zeugin?
24:15Zeugin?
24:16Meinen Sie diese ältere Dame, deren geistiger Zustand gerade überprüft wird?
24:20Wir sollten Sie zumindest anhören, finde ich. Nicht wahr?
24:24Wie lange wird Ihnen das noch dauern?
24:26Die Zeuge müsste jeden Augenblick hier sein.
24:28Vielleicht können wir uns ja diese zweifelhafte Zeuge noch ersparen.
24:32Herr Verteidiger, es wäre wirklich reizend, wenn Sie diese abwertenden Formulierungen vielleicht unterlassen würden.
24:36Entschuldigung, vielleicht können wir uns diese Aussage ersparen, da mein Mann dann für die Tatzeit ein Alibi hat.
24:44Was denn für ein Alibi?
24:47Also meines Wissens hat das bislang noch niemand bestätigt, obwohl die Polizeizeugenaufrufe im Nero-Tal ausgehängt hat.
24:53Dr. Fengler?
24:55Es ist tatsächlich so, dass ich bestätigen kann, dass Herr Rennebach auf Herrn Stein gewartet hat.
24:59Ich war nämlich mit ihm dort im Nero-Tal.
25:03Das ist ja toll, dass ich das auch erfahre.
25:05Herr Rennebach hat das bislang nicht erwähnt.
25:07Nun, mein Mandant wurde bisher auch nicht danach gefragt.
25:11Aber als Person der Rechtspflege hat er natürlich ein großes Interesse daran, zur Aufklärung des Falles beizutragen.
25:17Ja. Bei Herrn Stein wusste man ja nie, was einen erwartet.
25:21Und so bat ich seinen Hausarzt, Herrn Dr. Fengler, mich zu begleiten.
25:27Natürlich.
25:34Diebe!
25:35Kommt, Frau Scheck!
25:37Frau Scheck, wir wollen ihn doch nur helfen!
25:38Hilfe!
25:45Frau Scheck, das ist gefährlich!
25:47Bleiben Sie hier, Frau Scheck!
25:48Boah!
25:49Boah!
25:52Wiedersehen.
25:53Ja, ja, wiedersehen.
25:54Versuchst es weiter.
26:02Was ist denn jetzt mit dieser Zeit?
26:04Muss gleich kommen.
26:05So wird das nie was.
26:09Tja, dann nutzen wir doch die Zeit.
26:13Im Zeichen seiner Kooperation und im Interesse einer sinnvolleren Ermittlung erklärt mein Mandant sich bereit,
26:19der Staatsanwaltschaft Bank unterlagen zur Einsicht zur Verfügung zu stellen.
26:24Das sind Kontoauszüge der letzten zwölf Monate von sämtlichen Privatkonten, meines Mandanten.
26:32Ganz freiwillig?
26:35Das sollte doch jeden Verdacht auf Vorteilnahme im Hand beseitigen.
26:39Mit oder ohne ominöse Zeuge.
26:42Verzeihung, ich streiche das Wort ominös.
26:44Danke, Herr Verteidiger.
26:47Gern geschehen.
26:49Frau Scheck, alles ist gut.
26:53Geben Sie mir Ihre Hand, Frau Scheck.
26:57Liebe!
26:59Frau Scheck, beanteste dich?
27:00Geben Sie mir doch Ihre Hand, Frau Scheck.
27:02Zeigen mir doch, Hilfe!
27:03Frau Scheck, geben Sie mir Ihre Hand. Ich bin nur von der Polizei, Frau Scheck.
27:07Thomas, pass auf!
27:15Thomas!
27:15Thomas!
27:17Thomas!
27:18Thomas!
27:19Thomas, ist doch okay!
27:20Aua!
27:22Aua!
27:23Alte Schachtel!
27:26Alles in Ordnung.
27:32Sag mal, kannst du fahren?
27:40Hallo?
27:41Nein, nein, nein.
27:42So wird es nichts.
27:42Sie müssen einen neuen Ansatz suchen.
27:44Okay, okay, mach ich.
27:45Einen, der vielversprechender aussieht.
27:47Und schärfen Sie endlich diese Zeugin ran.
27:49Schöne da.
27:51Kerstin!
27:53Sag mal, wo bleibt ihr denn?
27:57Ich bin noch da für fünf Minuten.
28:16Thomas!
28:20Wie geht's dir? Sehr gut. Was macht Frau Schäck?
28:25Der Notarzt hat sie in die Psychiatrie eingewiesen. Ein psychotischer Schub. Kann vorkommen bei Altersdemenz.
28:34Oh. Super. Ja, ich hab auch Schüsse Nachrichten.
28:40Redenbach hat eine Allergie. Dr. Fengner war angeblich mit ihm im Nerotal.
28:44Na, super. Und da eine Psychose unsere Zeugin natürlich nicht gerade glaubwürdiger macht.
28:50Können wir von vorne anfangen. So sieht's aus. Aber das Ziel bleibt, Redenbach, oder?
28:55Ja, klar. Wir kriegen ihn auch. Er hat mir seine ganzen privaten Kontounterlagen zur Verfügung gestellt.
29:02Das macht man nicht, wenn man sauber ist. Das macht man, wenn man sauber erscheinen will.
29:06Hast du dir die Unterlagen schon angeschaut? Nein. Kann ich sie mal sehen.
29:15Oh. Die Ursache für Psychosen. Darüber streitet sich die Fachwelt bis heute.
29:22Man weiß aber, wovon die ausgelöst werden, oder?
29:25Ja, man weiß, dass eine erhöhte Dopaminausschüttung möglicherweise der Grund für die Wahnvorstellungen sein kann.
29:31Kann das mit einer Demenz zusammenhängen? Kann schon. Muss aber nicht.
29:39Wissen Sie was? Ich stelle immer was zu dem Thema zusammen. Ja, das wär toll.
29:47Hallo. Hallo. Was machst du denn da? Bügeln. Ja, bei was bügelst du?
29:53Was wohl? Sag mal, willst du das wirklich durchziehen? Ja, definitiv.
30:02Was? Du spinnst echt total.
30:20Na ja. Das war in den Unterlagen? Ja.
30:26Na, da hat sich ja einer ein Ei gelegt, was?
30:30Was hast du vor?
30:31Auf den Kanalinseln gilt mittlerweile EU-Recht. Und damit knack ich sie.
30:37Reuter, Herr Kollege. Sagen Sie, Sie hatten doch neulich in einem Amtshilfeverfahren mit den Kanalinseln zu tun.
30:44Ja, genau. Wir haben ja vorhin eine Situation. Wir brauchen Einsicht in das Geschäftskonto einer Firma nach englischem Recht.
30:52Das Nummernkonto haben wir, ja? Aha. Das klingt ja gut. Ich danke Ihnen.
31:03Kein Problem, sagt er.
31:10Wenn das rauskommt, das ist ein fetter Verfahrensfehler. Du kriegst tierisch Ärger und dein Vater auch.
31:16Es ist doch nur ein Stück Papier. Es dient dazu, Amtshilfe von einer Bank auf Jersey zu bekommen. Und damit
31:20nageln wir den Rennebach fest.
31:23Du kannst nicht kontrollieren, ob der Kontoauszug vor Gericht benutzt wird. Und weil du es Bernd nicht erzählt hast, kann
31:28er es auch nicht kontrollieren.
31:29Wenn ich es ihm gesagt hätte, hätte er es doch gar nicht verwendet.
31:31Ja, genau. Weil er absolut integer ist.
31:34Und wie hätten wir Rennebach sonst erwischt? Wie?
31:37Wir hätten die anderen Immobilienverkäufe durchgehen können oder neue Zeugen finden.
31:41Aber wie kriegen wir denn Akteneinsicht? Durch Suchungsbeschlüsse mit nichts als eine Aussage von einer alten Frau, die in der
31:47Psychiatrie liegt.
31:47Thomas, ich mag das nicht, wenn du sowas machst.
31:51Ich muss das machen.
31:58Die Polizei hat Informationen über Anrufe an einen Sprachcomputer. Zur Kontoführung.
32:04Aber um die zu bekommen, muss Reuter genau gewusst haben, um welches Nummernkonto es sich handelt. Woher?
32:10Ich kann mir das nicht erklären. Ich habe darüber weder mit der Polizei noch mit Reuter gesprochen.
32:15Gibt es darüber eigentliche Aufzeichnung?
32:17Ich trenne das strikt. Das Konto hat mein Mann in Jersey eröffnet. Der Rest läuft via Telefon.
32:23Zweimal im Jahr gibt es Abrechnungen, die mir mein Strohmann zuschickt.
32:30Hat da jemand Zugang?
32:38Ich melde mich.
32:43Hier, das muss man sich mal vorstellen. Die speichern sämtliche Telefondaten vier Wochen lang wegen der Beweisführung bei Regressansprüchen.
32:50Und dieser Idiot ruft während seiner Arbeitszeit von seinem Diensttelefon aus dort an. Ist doch super.
32:56Und damit kriegen wir ihn?
32:59Na ja, Vorteils haben im Amt. Verletzung zur Fürsorgepflicht, Geldwäsche, Steuertation.
33:03Wenn das rausgekommen wäre, dann hätte Rennebach seine Karriere an den Nagel hängen können. Und er wäre ins Gefängnis gekommen.
33:09Ja, ich finde auch. Es sieht so aus, als hätte Rennebach Stein umgebracht, weil es ihm langsam zu eng wurde.
33:14Genau.
33:15Und Frau Schäck?
33:16Frau Schäck, ja.
33:19Naja, die Verteidigung wird ihre psychische Situation natürlich ausnutzen.
33:23Andererseits durch die neue Beweissituation wird ihre Aussage wieder gestützt.
33:28Also ich denke, es sieht ganz gut aus.
33:33Hey.
33:35Was machst du für ein Gesicht? Du freust dich denn gar nicht.
33:38Doch, doch.
33:50Frau Weller!
33:54Ja, bitte?
33:56Holen Sie mir den Novila einen Apparat. Am Schnellen.
34:01Gut, dass du mich unterstützt.
34:02Du als Unterstützung solltest du das eigentlich nicht sehen.
34:05Ich finde nach wie vor, das Risiko ist einfach...
34:09Ah!
34:11Das Ehepaar Reuter und klar!
34:15Hallo, Herr Rennebach. Wie geht's denn so?
34:16Hallo.
34:17Die Hüter des Gesetzes.
34:20Na, geht's gut?
34:21Ich habe ein bisschen Sorgen.
34:23Ach, tut mir aber leid. Sind Sie etwa mit dem Gesetz in Konflikt?
34:27Nein, nein, nein, nicht doch. Mein Kopierer. Sie kennen doch diese kleinen Dinger im Büro. Zum Kopieren.
34:34Ja?
34:36Und meiner zieht das Papier immer falsch ein und das gibt so unschöne Knicke wie bei einer Ziehharmonika.
34:42Ja.
34:42Und das ist natürlich blöd. Gerade bei wichtigen Dokumenten.
34:46Ja, das kriegen Sie sicher wieder hin, oder?
34:48Ja.
34:49Das kriege ich wieder hin. Ich bin da ganz zuversichtlich.
34:52Schönen Tag noch.
34:53Für Sie auch.
34:58Scheiße, er weiß es. Und was machen wir jetzt?
35:02Keine Ahnung.
35:11Also gut, von mir aus können wir gleich morgen das Zwischenverfahren einleiten. Irgendwelche Einwände?
35:15Ich beantrage umgehend Akteneinsicht in das Beweismaterial der Staatsanwaltschaft.
35:21Herr Staatsanwalt?
35:22Kommt heute noch.
35:24Wunderbar. Also bis morgen.
35:26Bis morgen.
35:39Na?
35:40Hallo, Bernd.
35:43Bernd, hallo.
35:45Lecker Sushi.
35:46Ja, das ist furchtbar. Das Essen in der Kantine wird immer schlechter. Immer nur dieses vorgekochte Convenience-Zeug.
35:51Ja.
35:51Nie was Frisches. Das macht auf Dauer dick.
35:55Was ist das? Psychoseauslöser.
35:59Bitte eins?
36:00Ja, klar.
36:02Das hat mir Frau Dr. Brandt geschickt. Muss man lesen. Hochinteressant.
36:05Nebenwirkung von Parkinson-Medikamenten. Ist das wie ein Frascheck?
36:10Na ja, wenn ein Angeklagter Bernd am 8 dermaßen vom Pech einer belastenden Zeugin profitiert, dann sollte man sich das
36:16wirklich mal in Ruhe anschauen.
36:17Hm.
36:19Krieg ich noch einen?
36:20Na klar. Sag mal, ich muss morgen für die Anhörung noch ein paar Sachen zusammenstellen. Kannst du mir gefallen tun?
36:26Na klar.
36:27Na klar.
36:29Guten Tag, Frau Schäck.
36:33Klar.
36:36Kerstin.
36:39Junger Polizist.
36:44Wie geht es Ihnen?
36:45Ich bin.
36:48Ich bin.
36:49Ich bin.
36:52Ich bin.
36:52Vor allem habe ich solche Angst gehabt.
36:56Frau Schäck.
36:58Sie sind krank. Sie hatten einen psychotischen Schub.
37:02Ich war nicht krank.
37:05Aber Sie haben Tabletten genommen.
37:08Ja.
37:12Meine Arthrose.
37:15Und wo sind die Tabletten jetzt?
37:19Zuhause.
37:23Im Nachttisch.
37:25Im Engelschublad.
37:39Wenn wir Glück haben, haben wir in ein paar Tagen den Termin für die Hauptfahrt.
37:42Und was meint der Richter?
37:43Oh.
37:45Herr Fischer hat gewarnt.
37:48Ich denke, eine Außenzustellung bitte heute noch.
37:50Kanzlei Noville hier in Wiesbaden.
37:52Ja?
37:52Ja.
37:53Was war das denn?
37:54Noville hat Akten an sich beantragt.
37:56Was für Akten?
37:58Na, die Beweismittel aus Jersey. Bankunterlagen, die Telefonliste.
38:02Der Konterausdruck, den er mitgegeben hat.
38:05Alles in Ordnung mit dir?
38:06Ja, alles gut.
38:07Na gut.
38:22Ja und?
38:23Laut Verpackung ist das ein Mittel gegen Gelenkschmerzen bei Arthrose.
38:26Aber drinnen ist was anderes.
38:30Transferase-Hämmer, Dopamin-Agonisten.
38:32Und was ist das?
38:33Ein Parkinson-Medikament.
38:36Parkinson?
38:37Aber Frau Schäcker hat doch kein Parkinson.
38:39Wenn man ein Parkinson-Medikament einnimmt, ohne die Krankheit zu haben und dann auch noch so hoch dosiert, kann das
38:45zu Psychosen, Angstzuständen oder Halluzinationen führen.
38:48Das ist ja wieder ein Volltreffer, dass man wieder recht gehabt.
38:50Ja, hab ich doch meistens. Jedenfalls, wenn Frau Dr. Brandt in der Nähe ist.
38:55Ja, was haltet ihr von einem Hausarzt, der einen eklatanter Medikationsfehler unterläuft?
39:01Dasselbe wie Sie, Herr Staatsanwalt.
39:06Verhandelt wird über die Zulassung zur Hauptverhandlung gegen Rennebach Gottlieb, geboren am 18.03.1960, von Beruf Amtsrichter.
39:15Der Vorwurf lautet auf Mord sowie nachzulesende beigeordnete Straftaten. Irgendwelche Anträge?
39:20Ich beantrage die Nichtzulassung der von der Staatsanwaltschaft vorgebrachten Beweise.
39:24Und wo liegt das Problem, Herr Anwalt?
39:26Nun, es gibt begründete Zweifel an der rechtmäßigen Beschaffung von Beweisstücken.
39:30Das gilt besonders für das Beweisstück 18-B der Staatsanwaltschaft.
39:3718-B. Das sind Kontounterlagen, Brown, Stanley Hill, Bank of Jersey.
39:41Jawohl.
39:45Das stimmt, ja. Frau Schäck hat Arthrose-Probleme. Nichts Ungewöhnliches bei alten Menschen.
39:49Und dann haben Sie ihr das hier verschrieben?
39:52Unmöglich.
39:53Da ist ein Aufkleber Ihrer Praxis auf der Packung.
39:56Ich gebe Medikamentenreste manchmal an Patienten weiter. Dann sparen Sie sich die Zuzahlung.
40:01Für manche ist das eine Hilfe.
40:03Sagen Sie, Parkinson-Tabletten helfen doch nicht bei Arthrose-Problemen, oder?
40:07Nein. Wieso?
40:09Weil in dieser Packung mit Arthrose-Tabletten in Wirklichkeit diese hier waren.
40:14Parkinson-Tabletten.
40:16Noch dazu sehen die sich recht ähnlich.
40:18Die muss Frau Schäck verwechselt haben.
40:21Ja, aber Frau Schäck hat doch gar keinen Parkinson.
40:23Das müssen Sie doch eigentlich wissen als Ihr Hausarzt.
40:26Und überhaupt, wie sollte eine alte Dame wie Frau Schäck an diese verschreibungspflichtigen Tabletten kommen?
40:31Nun, für das Lösen von Rätseln werden ja, wo Sie bezahlt. Ich muss mich um die Patienten kümmern. Also bitte.
40:36Wir haben auf diesem Tablettenfilm hier Fingerabdrücke sichergestellt, die nicht von Frau Schäck stammen.
40:41Wenn Sie nichts zu verbergen haben, dann könnten Sie mir doch auch eine Probe Ihrer Fingerabdrücke geben.
40:46Ich meine, dann ist es ja praktisch ausgeschlossen, dass Sie übereinstimmen.
40:50Raus!
40:54Ich hasse es immer, diese Vorladung zu schreiben.
40:57Das ist der Stapel mit den Original-Kontoauszügen, die mein Mandant zur Verfügung gestellt hat.
41:03Wie Sie sehen, sauber, gerade gelocht.
41:07Während das hier das Blatt mit den belastenden Bankdaten ist, von der Staatsanwaltschaft als Beweisstück 18-B bezeichnet.
41:17Und das war angeblich inmitten jenes Stapels.
41:23Das ist schwer vorstellbar, nicht wahr?
41:25Diese Aufnahmen wurden von einem Sachverständigen für Papiertechnik gemacht.
41:29Oben die Lochung des großen Stapels und unten die Lochung des Beweisstückes 18-B.
41:36Fehlerhaft, ausgefranst.
41:38Die genaue Papiertechnische Untersuchung können Sie gerne nachlesen.
41:44Ich fasse also nochmal zusammen.
41:47Da waren zwei Polizisten.
41:49Mehr als fünf Minuten allein im Büro meines Mandanten.
41:53Und kurz darauf taucht ein Beweisstück auf,
41:56das ganz offenbar den von meinem Mandanten freiwillig beigebrachten Unterlagen
42:01nachträglich hinzugefügt wurde.
42:05Haben Sie dazu etwas zu sagen, Herr Staatsanwalt?
42:12Nein.
42:17Kannst du mir bitte mal erklären, was ihr euch dabei gedacht habt?
42:19Kerstin hat mit der Sache nichts zu tun. Ich habe den Konto auszukopiert.
42:22Gut, dann erklär mir bitte, was du dir dabei gedacht hast.
42:25Du hast gesagt, besorg mir Beweise und ich habe sie besorgt.
42:27Als Polizist solltest du in der Lage sein, zwischen legalen und illegalen Beweisen zu unterscheiden.
42:32Ich dachte, der Anfangsbeweis spielt überhaupt keine Rolle mehr.
42:35Sobald insgesamt die Beweislast drückend genug ist und wir lagen doch verdammt nochmal richtig.
42:39Verstehst du das denn nicht? Sie sind wertlos, weil sie nicht zugelassen werden.
42:45Und weißt du, was das bedeutet, mein lieber Thomas?
42:47Das bedeutet, dass Herr Rennebach gehen kann. Einfach so.
42:50Und du kannst von sehr viel Glück reden, wenn er dich nicht alt zeigt.
42:54Mensch, warum hast du mich nicht vorgewarnt?
42:56Weil du die Beweise gar nicht verwendet hättest.
42:58Du hättest mir die Leviten gelesen.
42:59Ja, vielleicht. Und dann hätten wir nachgedacht.
43:01Dann hätten wir überlegt, was können wir tun ohne diese Scheißkopie.
43:10Und was willst du jetzt machen?
43:12Ich hoffe mal, dass deine Frau mich nicht genauso bestieg, als für du.
43:16Kerstin, wieso?
43:17Ja, ich bin's. Erzähl mal.
43:23Aha.
43:25Ich weiß wirklich nicht, was Sie von mir wollen.
43:28Also, ich würde ja an Ihrer Stelle vorsätzliche Körperverletzungen nicht auf die leichte Schulter nehmen.
43:34Lächerlich. Wo bleibt mein Anwalt?
43:37Ja, der wird schon gleich kommen.
43:40Aber Ihre Approbation wird ja Ihnen auch nicht dritten.
43:45Sie spinnen doch.
43:47Ach, da wäre ich mir nicht so sicher.
43:50Also, Sie haben Frau Schneck wissentlich ein falsches Medikament in einer Überdosis verabreicht.
43:56Einen Vorteil davon hatte zunächst einmal Herr Rennebach.
44:00Da frage ich mich natürlich, warum tun Sie ihm diesen Gefallen?
44:10Wie Sie wollen?
44:12Gegen Herrn Rennebach ermittle ich wegen Mordes. Gegen Sie werde ich also wegen Beihilfe zum Mord ermitteln. Schönen Tag noch.
44:19Das war Rennebach. Er hat gesagt, wenn ich Frau Schneck nicht ruhig stelle, dann fliegt uns die Sache um die
44:24Ohren.
44:25Aha. Das heißt, Sie haben direkt von Rennebachs Machenschaften profitiert.
44:29Wie lebt das dann ab?
44:32Herr Rennebach hatte Einsicht in die Akten des Sozialamtes. Er wusste, wo alte Menschen alleine leben.
44:36Also hat er sich nur lohnende Opfer ausgesucht?
44:38Und Sie haben dann die entsprechenden Gutachten geschrieben, damit die Leute unter Frau Mundschaft gestellt werden konnten.
44:43Sauber.
44:44Und wie viel sprang dabei für Sie raus?
44:47Halbe, halbe.
44:48Wie bitte?
44:49Wir haben geteilt.
44:52Mit einem Mord habe ich nichts zu tun.
44:55Das möchte ich deutlich sagen.
44:58Herr Dr. Fengner, jetzt erzählen Sie uns bitte mal ganz genau, was in der Nacht der Ermordung von Dr. Stein
45:03passiert ist.
45:06Da war ich nicht zusammen mit Herrn Rennebach im Nerotal.
45:10Bitte?
45:11Das steht im Gegensatz zu Ihrer ersten Aussage. Ist Ihnen das klar?
45:14Ja.
45:15Ist Ihnen auch klar, dass Sie hier unter Eid stehen?
45:17Ja.
45:19Gut. Erzählen Sie weiter.
45:21Herr Rennebach hat mich um die Aussage gebeten. Er sagte, er sei dort gewesen, aber es hätten sich keine Zeugen
45:26gefunden.
45:27Und da müsse ich ihm aushelfen.
45:29Und da Sie mit dem Angeklagten ohnehin in die geschilderten kriminellen Geschäfte verwickelt waren, haben Sie zugestimmt?
45:35Ja.
45:37Halten wir also fest.
45:39Das Alibi, das Herr Dr. Fengner dem Angeklagten gegeben hat, war frei erfunden.
45:44Es gibt dieses Alibi nicht.
45:47Was es aber nach wie vor gibt, ist eine Zeugin, die gesehen hat, dass der Angeklagte zur Tatzeit im Haus
45:52von Dr. Stein war.
45:54Mit bemerkenswerter krimineller Energie hat der Angeklagte mit Hilfe von Dr. Fengner versucht, die Zeugin mundtot zu machen, um eine
46:01entsprechende Aussage zu verhindern.
46:03Das ist ihm zum Glück nicht gelungen.
46:08Ja, ich war spät dran, weil ich noch die Puppen im Schaufenster umdekoriert habe im Café. Das war so gegen
46:14zehn.
46:15Und da habe ich gesehen, wie er in das Haus von Dr. Stein reingegangen ist.
46:20Und es kam mir komisch vor und da habe ich gewartet. Und so um halb elf ist er wieder rausgekommen.
46:28Sitzt der Mann, den Sie dort gesehen haben, hier im Gerichtssaal?
46:32Ja, da.
46:35Danke.
46:37Wie war das nun mit Ihrem Zustand, als wir Sie das erste Mal befragt haben?
46:43Ja, ich war sehr krank und war ganz durcheinander. Und da habe ich die Polizisten, vor denen habe ich Angst
46:51gehabt, weil ich sie für Einbrecher gehalten habe.
46:55Herr Vorsitzender, darf ich so etwas ergänzen?
46:58Die Verwirrtheit, über die uns Frau Scheck hier berichtet, wurde laut gerichtsmedizinischem Gutachten durch eine Überdosierung eines Parkinson-Medikamentes verursacht.
47:07Den entsprechenden Laborbefund finden Sie unter Ablage 2, Rümmisch 3.
47:15Ja, es tut mir sehr leid.
47:17Das muss es nicht, Frau Scheck. Dafür wird sich noch Ihr Hausarzt zu verantworten haben.
47:22So, noch irgendwelche Fragen?
47:25Danke.
47:26Herr Anwalt?
47:27Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass es keinerlei Beweise dafür gibt, dass mein Mandant Herrn Steiner mordet.
47:34Ich bin das nicht gewesen, verdammt nochmal!
47:37Ich bin Richter! Ich lasse mir hier doch keinen Mord anhängen!
47:43Entschuldigen Sie.
47:49Urteilsverkündung um 15 Uhr.
47:50Gut. Kaffee!
47:52Ah, wunderbar. Danke, Thomas.
47:54Entschuldigen Sie, man sagte mir, dass ich hier einen Herr Reuter finde.
47:58Welchen Reuter meinen Sie denn?
48:00Äh, keine Ahnung.
48:02Die Polizei sagte mir, dass ein Herr Reuter zuständig sei bei der Suche nach einem Zeugen in dieser Sache.
48:10Tut mir leid, ich habe das gestern erst gesehen.
48:14Haben Sie den mal erkannt?
48:15Ja!
48:17Ich gehe da mal spazieren mit dem Hund.
48:19Es war so 10, halb 11.
48:21Und er ist mir aufgefallen, weil er nicht wie ein Jogger angezogen war.
48:24Er hatte einen Anzug an, Krawatte und so.
48:26Okay.
48:27Wären Sie auch bereit, das vor Gericht zu bezeugen?
48:29Ja, sicher. Wenn ich helfen kann.
48:32Reuter, ich bin der zuständige Staatsanwalt.
48:34Wollen Sie bitte in meinem Büro warten?
48:35Frau Seberg zeigt Ihnen den Weg, ja?
48:37Danke.
48:38Entschuldigen Sie, Sie kennen den Mann aber nicht persönlich, oder?
48:42Nein. Nein, habe ich nie zuvor gesehen.
48:44Okay, danke.
48:46Was ist der Ding?
48:47Scheiße, den hat der Rennebach gekauft.
48:49Ja, glaube ich nicht.
48:51Wenn Rennebach zur Tatzeit wirklich im Nero-Tal war,
48:55Wer war da in der Wohnung von Dr. Stein?
49:04Danke, dass Sie gekommen sind.
49:05Ja.
49:07Frau Seck, das ist der Herr Bäumel.
49:12Und was ist mit ihm?
49:14Herr Bäumel hat in der Tat nach Herrn Rennebach gesehen, genau wie Sie.
49:19Ah.
49:21Hat er das?
49:23Aber leider an einer ganz anderen Stelle.
49:27Heißt das, dass der Rennebach jetzt ungeschoren davon kommt?
49:30Nein.
49:32Die Mordanklage muss ich natürlich fallen lassen, aber für die anderen Delikte werde ich ihn zur Verantwortung ziehen.
49:37Und dafür kommt er ins Gefängnis?
49:40Dafür würde ich sorgen.
49:43Ja.
49:43Ja, das ist gut.
49:46Ja, dann werde ich Ihnen wohl doch noch einiges erzählen müssen.
49:54Ich glaube, das wäre gut.
49:58Was halten Sie davon, wenn ich Sie jetzt zu einer Tasse Kaffee einlade?
50:03Gerne.
50:06Danke, Herr Bäumel.
50:07Danke, Herr Bäumel.
50:18Wissen Sie, wie viele Menschen in diesem Lande unter Vormundschaft gestellt sind?
50:23Oh.
50:25Das muss ich schätzen, 100.000, 200.000?
50:29Ungefähr 1,2 Millionen.
50:31Nein.
50:33Ich habe den Dr. Stein vor ungefähr 30 Jahren kennengelernt.
50:39Damals hat er noch praktiziert.
50:41Wir haben uns oft gesehen und immer sehr gut verstanden.
50:44Auch später, als er immer vergesslicher und verwirrter wurde.
50:49Trotzdem.
50:50Er war ein sehr feiner Mensch.
50:54Die Nachbarn hatten sich beschwert, er hätte ihre Kinder bedroht.
50:58Mit der Gartenschaufel sei er auf sie losgegangen und sie hätten große Angst gehabt.
51:03Lächerlich.
51:05Also hat er einen Vormund bekommen.
51:07Und dieser saubere Herr Richter hat nach und nach alles verkauft, was dem Ludwig gehört hat.
51:14Hinter seinem Rücken.
51:15Als er gemerkt hat, war es schon zu spät.
51:18Manchmal haben wir Britz gespielt.
51:20Mit anderen alten Leuten im Britz-Club.
51:22Und einigen von denen war dasselbe passiert.
51:26Mit dem Rainer Bach.
51:27Und da ...
51:30Da haben wir eben ...
51:33Beschlossen.
51:36Ja.
51:38So ist es gekommen, dass ich ...
51:44Also alles erfunden.
51:47Kein Finanzbeamter in London.
51:49Keine Beweise.
51:55Wer hat die Wohnung durchgewühlt nach dem Mord?
51:59Den Finanzbeamten gab es natürlich.
52:04Aber einen Mord würde ich es nicht nennen.
52:08Weil ...
52:09Weil?
52:11Ach.
52:13Mit dem Ludwig ging es immer weiter bergab.
52:16Er konnte kaum mehr laufen.
52:18Er hatte schreckliche Angst, seinen Verstand zu verlieren.
52:21Er wollte ganz einfach nicht mehr leben.
52:24Und da habe ich zu ihm gesagt, wenn du schon Schluss machen willst, dann wenigstens so, dass es einen Sinn
52:29macht.
52:30Auch für die anderen.
52:34Dr. Stein wollte also sterben.
52:36Und wir wussten, wie es geht.
52:41Am besten sanft und ohne Schmerzen.
52:45Die Tüte, verstehen Sie?
52:48Sie wissen ja gar nicht, worüber alte, verzweifelte Menschen alles so reden.
52:55Und den ganzen Rest haben Sie inszeniert?
52:59Ja.
53:01Sie haben ihm die Schnur fest verknotet und an der Gürtelschlaufe befestigt,
53:05damit er sich die Plastiktüte nicht wieder vom Kopf ziehen konnte.
53:08Und die Hände haben Sie ihm auf dem Rücken gefesselt.
53:11Ja.
53:12Nein.
53:14Hinterher.
53:15Als er schon tot war.
53:18Ich hätte die Tüte jederzeit wieder abstreifen können, wenn er es gewollt hätte.
53:22Aber er war fest entschlossen.
53:24Ich habe ihn bei den Händen gehalten, damit er mir ein Zeichen geben kann, falls er ...
53:31Ich habe sie ihm gehalten.
53:34Bis zum Schluss.
53:38Das war nicht leicht für mich.
53:42Das müssen Sie mir glauben.
53:44Sie haben dann die Wohnung durchwühlt und den Notruf verständigt?
53:49Ja.
53:51Habe ich.
53:53Nicht schlecht, meine Inszenierung.
53:57Für eine alte, schwache Frau.
54:02Bevor er starb, hat Dr. Stein Rennebach ins Nerotal bestellt, damit Rennebach kein Alibi hat, richtig?
54:07Ja, wir haben alles gemeinsam durchdacht. Es hatte Sinn.
54:14Und das alles, um Rennebach zur Verantwortung zu ziehen.
54:20Jemandem einen Mord anzuhängen, nur aus Rache.
54:24Das ist nicht in Ordnung, Frau Schäck.
54:26Aber doch nicht irgendjemandem.
54:29Einem skrupellosen Kerl, einem Richter, der sein Amt missbraucht,
54:33um alte Menschen zu betrügen, der sie entmündigen lässt, um sich an ihnen zu bereichern.
54:40Ach.
54:41Und niemand, aber auch schon gar niemand, hat sich dafür interessiert.
54:45Und wissen Sie, warum?
54:47Weil wir Alten doch für alle nur eine Last sind.
54:51Also weg mit diesen Tatterkreisen, die nur die Renten auffressen,
54:56die die Jungen für uns erarbeiten müssen.
54:59Sagen Sie, hätten Sie genauso hartnäckig ermittelt,
55:03wenn es sich nur um den Selbstmord eines alten verwirrten,
55:07hilflosen Mannes gehandelt hätte?
55:12Ich fürchte nein.
55:15Tja.
55:19Ja?
55:22Danke.
55:22Danke.
55:26Wir müssen gehen, Frau Schäck.
55:28Was passiert jetzt mit mir?
55:30Werde ich verhaftet?
55:32Ja.
55:35Haben Sie Kinder?
55:37Ich habe einen Sohn, ja. Warum?
55:39Ah.
55:40Dann schicke ich.
55:48Danke.
55:56Es tut mir leid, Herr Vorsitzender. Es hat sich eine neue Sachlage ergeben.
55:59Ich muss die Anklage wegen Mordes fallen lassen.
56:02Alle anderen Klagepunkte bleiben bestehen.
56:03Ich bitte?
56:04Was soll das heißen?
56:05Das soll heißen, dass die Staatsanwaltschaft nicht mehr glaubt,
56:08dass ihr Mandant den Mord begangen hat.
56:10Ich bitte darum, die Urteilsverkündung auszusetzen.
56:12Ich werde Ihnen die neue Klageschrift umgehend nachreichen.
56:21Die Urteilsverkündung wird ausgesetzt.
56:22Die Verhandlung wird um 24 Stunden unterbrochen.
56:29Nee, lass mal.
56:31Ich denke, das wird nicht nötig sein.
56:32Frau Schäck wird nicht weglaufen, oder?
56:34Danke.
56:37Dankeschön für alles.
56:39Alles Gute, Frau Schäck.
56:50Wissen Sie, was sie mir zu schaffen macht?
56:52Was?
56:53Ich finde, sie hat ja recht.
57:01Und mit was muss sie rechnen?
57:02Tötung auf Verlangen, Meinheit, Behinderung an der Strafverfolgung.
57:06Wenn sie viel Glück hat, kommt sie mit an, wir befinden uns sofort.
57:10Na gut.
57:11Hallo.
57:13Thomas, ich hab noch was für dich. Warte mal.
57:24Ja.
57:24Dann hat sie mir für dich gegeben.
57:27Also, aus dem Alter bin ich doch raus.
57:29Also, ich noch lange nicht.
57:30Komm, ich bring den Benni mit.
57:32Nein, das ist meiner, so weit kommt das noch.
57:34So, wir fahren zu Hause.
57:36Viel Spaß.
57:36Also, tschüss.
57:37Tschüss.
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