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  • vor 3 Stunden
Der Fall Karl-Heinz Grasser bewegt Österreich: Der frühere Finanzminister durfte nach seiner Verurteilung im Buwog-Skandal schon nach wenigen Monaten Haft mit Fußfessel in den Hausarrest wechseln – und löste damit eine Debatte über einen „Promi-Bonus" in der Justiz aus. In dieser Folge von „Schuldfrage" analysieren Magdalena Punz, Jan Michael Marchart und Strafverteidigerin Anna Mair den Fall und klären auf: Werden prominente Häftlinge bevorzugt?

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Transkript
00:00:00Wenn man einen Vergleich mit der jüngeren Vergangenheit ziehen möchte, könnte man sagen, dass Karl-Heinz Grasse sowas wie der
00:00:05Sebastian Kurz der frühen Nullerjahre war.
00:00:08Also zuerst acht Jahre, hast du gesagt, hat er bekommen, dann hat sich das auf vier Jahre aufgrund der langen
00:00:14Verfahrensdauer reduziert.
00:00:16Ein recht rekordverdächtiger erster Haftausgang.
00:00:20Ich glaube, das wird auch noch ein Thema in Richtung Promi-Bonus oder eines vermeintlichen Promi-Bonus.
00:00:25Zu mir kommen immer wieder Mandanten, die sagen, ja, aber beim Grasse ist das auch gegangen und wieso geht das
00:00:30bei mir nicht?
00:00:30Also ich höre das sehr, sehr häufig.
00:00:32Was ist denn die Liebeszelle und glaubst du, dass Karl-Heinz Grasse die auch genutzt hat?
00:00:36Ich würde sagen, vor dem Gesetz sind alle gleich, aber vor der Anwendung des Gesetzes sind nicht alle gleich.
00:00:51Warum bekommt dieser Garnove eine Fußfessel? Der soll im Kerker bleiben.
00:00:56Das sind die Worte eines anonymen Bürgers, der seiner Wut in einem Zeitungsforum freien Lauf lässt.
00:01:02Diese Wut gilt Karl-Heinz Grasse, Österreichs Ex-Finanzminister.
00:01:06Anlass für den Wutausbruch ist eine Szene vom 2. Jänner.
00:01:10Um kurz vor 9 Uhr vormittags verlässt Grasse auf der Rückbank eines blauen Transporters die Innsbrucker Justizanstalt.
00:01:18Just an seinem 57. Geburtstag tritt Grasse seinen elektronischen Hausarrest an.
00:01:24Der unter anderem wegen Untreue verurteilte Ex-Politiker darf nach nur sechs Monaten im Gefängnis
00:01:30den Rest seiner vierjährigen Haftstrafe zu Hause bei seiner Familie im Nobelskiort Kitzbühel verbüßen.
00:01:36Die Wut entlädt sich, weil der Fall Grasse in der Gesellschaft exemplarisch für einen vermeintlichen Promi-Bonus in der Justiz
00:01:44steht.
00:01:44Denn Grasse profitierte davon, dass der Zugang zur Fußfessel nur wenige Monate nach seinem Haftantritt im Juni 2025 deutlich erleichtert
00:01:54wurde.
00:01:55Zufall oder doch ein Beweis für Zwei-Klassen-Justiz?
00:01:59Und damit herzlich willkommen zu unserem Podcast Schuldfrage.
00:02:02In diesem Podcast werfen wir einen Blick hinter die Kulissen wahrer Kriminalfälle,
00:02:07erklären, wie Strafrecht funktioniert und wo es an seine Grenzen stößt.
00:02:11Ich bin Magdalena Punz von PULS4.
00:02:13Und ich bin Jan-Michael Machert vom Standard.
00:02:16Wir begrüßen Sie ab jetzt regelmäßig gemeinsam mit den Strafverteidigerinnen David Jodlbauer und Anna Mayer,
00:02:22um gemeinsam Ermittlungen, Prozesse und Urteile zu beleuchten.
00:02:26Und heute ist die Strafverteidigerin Anna Mayer bei uns zu Gast. Hallo Anna.
00:02:29Hallo Jan, hallo Magdalena.
00:02:31In dieser Folge blicken wir auf das vorerst letzte Kapitel im Fall Karl-Heinz Grasser.
00:02:37Wir schauen hinter die Gefängnismauern und fragen, ob unsere Justiz bei Promis ein Auge zudrückt.
00:02:44Aber ich würde sagen, fangen wir von vorne an.
00:02:47Jan, vielleicht speziell auch für unsere jüngeren Zuseherinnen und Zuhörerinnen.
00:02:52Wer ist denn Karl-Heinz Grasser überhaupt?
00:02:54Wenn man einen Vergleich mit der jüngeren Vergangenheit ziehen möchte, könnte man sagen,
00:02:58dass Karl-Heinz Grasser sowas wie der Sebastian Kurz der frühen Nullerjahre war.
00:03:03Er wurde mit nur 31 Jahren Finanzminister einer schwarz-blauen Bundesregierung damals.
00:03:09Und er hat etwas gemacht, was für damalige Verhältnisse relativ ungewöhnlich war.
00:03:13Er war sehr oft in den Seitenblicken zu sehen, quasi ein Society-Image gepflegt, könnte man sagen.
00:03:20Er hat das auch für sich arbeiten lassen, sowohl für sich persönlich als auch für seine politischen Interessen.
00:03:26Und man kann nicht sagen, so ab 2005, als er dann die Swarovski-Millionen-Erbin Fiona Graffini geheiratet hat,
00:03:35ist er dann endgültig in den Society-Olymp aufgestiegen.
00:03:37Und die zwei sind auch regelmäßig gemeinsam aufgetreten, was seinen Beliebtheitswerten,
00:03:41die damals wirklich sehr hoch waren, auch zugute kam.
00:03:44Du hast es schon angesprochen, er saß damals auch sehr gerne in Fernsehstudios.
00:03:48Und ich glaube, uns allen an diesem Tisch ist hier vor allem noch ein Zitat aus dem Jahr 2011 über
00:03:54Karl-Heinz Krasser sehr gut in Erinnerung.
00:03:56Ich sehe es auch noch vor mir, ohne es live gesehen zu haben, aber ich glaube, kann man auch noch
00:04:00auf YouTube nachschauen.
00:04:02Es war damals, glaube ich, ein Diskussionsformat, eine Diskussionssendung, in der er damals gesessen ist
00:04:09und auch, glaube ich, mit den Vorwürfen, über die wir dann später sprechen, konfrontiert wurde
00:04:13und hat dann damals einen Brief vorgelesen.
00:04:15Ich glaube, bis heute ist es unklar, ob der Brief tatsächlich echt war oder nicht.
00:04:19Er hat ihn auf jeden Fall von einem weiblichen Fan bekommen, angeblich zumindest.
00:04:22Und da hat er es dann auch für sich zusammengefasst oder kann sinngemäß sagen,
00:04:28stand dann da drinnen, er wäre zu jung, zu schön und zu intelligent für diese abscheuliche Neidgesellschaft.
00:04:33Anna, kannst du dich daran auch noch erinnern?
00:04:35Ich kann mich sehr gut daran erinnern.
00:04:36Ich weiß nicht, ob ich die Diskussionssendung gesehen habe.
00:04:39Ich glaube das nicht, aber das ist eigentlich fast jedem bekannt, dieser Brief, den er da zitiert hat.
00:04:45Ich glaube, in der heutigen Zeit ist das sogar mittlerweile schon ein Meme,
00:04:48um auch die jüngeren Zuhörerinnen und Zuschauer noch einmal anzusprechen.
00:04:52Aber wir würden ja nicht über Karl-Heinz Grassas sprechen.
00:04:55Wäre da nicht noch mehr passiert, Jan?
00:04:58Genau, also 2009 folgt dann der tiefe Fall Grassas.
00:05:02Es gab damals Korruptionsvorwürfe gegen ihn.
00:05:04Und auch passend zu dem anderen Zitat, hat auch er ein eigenes geprägt,
00:05:09in dem er damals gesagt hat, sie können davon ausgehen, dass ich ein super sauberes, reines Gewissen habe.
00:05:15Also ich glaube, der Begriff super sauber hat dann auch für Erheiterung, möchte ich jetzt nicht sagen,
00:05:22aber das hat sich auf jeden Fall im Innenpolitik-Diskurs,
00:05:25ist es mittlerweile oder wurde das damals auch relativ gängig, auch bis heute.
00:05:29Genau, und dann gab es einen elendslangen Gerichtsprozess.
00:05:33Ich glaube, das ist mindestens ebenso bekannt wie die Zitate Grassas.
00:05:37Der Prozess hat sich 16 Jahre gezogen und Grassas ist am Ende auch verurteilt worden,
00:05:42nämlich 2020.
00:05:43Also wenn man jetzt hernimmt, wir haben über die Nullerjahre am Anfang gesprochen,
00:05:48jetzt sind wir schon im Jahr 2020.
00:05:50Zunächst zu acht Jahren Haft, unter anderem wegen Untreue.
00:05:53Da ging es, ich sage es jetzt sehr überschlagsmäßig, weil es sehr komplex war
00:05:56und sich auch nicht ohne Grund sehr lange gezogen hat.
00:05:58Da ging es damals um 60.000 Bundeswohnungen, die hat man Buwok genannt, in Kurzform.
00:06:05Und der Ex-Finanzminister Grassas soll damals gesteuert haben, wer diesen Zuschlag bekommt.
00:06:11Also damals war er noch Finanzminister und diesen Zuschlag für diese Wohnungen bekommt.
00:06:15Und dabei sei ein Schaden entstanden von rund 10 Millionen Euro für die Republik,
00:06:21die er quasi als Finanzminister damals angerichtet haben soll.
00:06:25So in etwa lässt sich das zusammenfassen, geht noch weit tiefer,
00:06:30aber sozusagen um es ein bisschen weniger komplex zu gestalten.
00:06:332025, also noch viel später, wurde dann diese Strafe vom obersten Gerichtshof halbiert,
00:06:41beziehungsweise reduziert auf vier Jahre, unter anderem aufgrund dieser ewig langen Verfahrensdauer.
00:06:47Im Juni 2025 hat Grassas dann seine Haft angetreten
00:06:52und nur zwei Monate später hat er dann aber schon wieder für Gerede gesorgt.
00:06:56Ich glaube, das wird auch noch ein Thema in Richtung Promibonus
00:06:59oder eines vermeintlichen Promibonus.
00:07:01Bei seinem Gefängnisfreigang, nämlich bei seinem ersten gleich,
00:07:05wurde er mit Ehefrau beim Mittagessen gesehen,
00:07:07und zwar auch nicht irgendwo, sondern in einer Nobelbar am Wörthersee in Kärnten.
00:07:12Ja, ich glaube, daran können wir uns auch noch alle ganz gut erinnern,
00:07:14was sich da auch an Schlagzeilen gezeigt hat in den unterschiedlichen Medien.
00:07:18Und da waren natürlich auch die Meinungen da,
00:07:21wenn gleich auch sehr unterschiedlich, je nachdem, wen man gefragt hat, oder?
00:07:24Genau, also wenn man Grassas langjährigen, muss man sagen, Anwalt gefragt hat danach,
00:07:30hat er gesagt, im Zitat, das ist alles legal, bei einem Freigang kann er machen, was er will.
00:07:34Und demgegenüber stand eine andere Einschätzung eines Rechtsanwalts,
00:07:38nämlich von Helmut Graupner, der gesagt hat,
00:07:40ich habe noch nie von einem so raschen Ausgang bei einer so langjährigen Haftstrafe gehört.
00:07:46Ja, ich würde sagen, wir machen hier gleich mal einen kurzen Halt.
00:07:50Anna, eine Frage an dich.
00:07:51Ist es denn üblich, dass Häftlinge nach nur zwei Monaten schon einen Ausgang erhalten
00:07:56und sich damit auch wieder den schönen Dingen im Leben hin widmen dürfen?
00:08:02Geht das bei deinen Mandanten normalerweise auch so schnell?
00:08:05Also bei einer so langjährigen Haftstrafe habe ich es persönlich bei einem meiner Mandanten noch nie erlebt,
00:08:10dass so schnell ein Ausgang gewährt wurde.
00:08:13Ich habe es immer wieder, da reden wir aber von wesentlich kürzeren Strafen,
00:08:15also wo die Leute normalerweise dann innerhalb der nächsten sechs, sieben, acht Monate entlassen werden.
00:08:21Aber das war schon außergewöhnlich rasch.
00:08:25Also hat dich selber auch überrascht?
00:08:26Das hat mich selber, nein, überrascht hat es mich eigentlich nicht, muss ich gestehen.
00:08:32Es passt ins Bild von diesem ganzen Fall, Krasser und alles, was rundherum so passiert ist.
00:08:41Insofern hat es mich nicht überrascht, aber ich weiß auch, dass es nicht üblich ist.
00:08:46Und da gibt es ja auch eine Zahl aus dem Justizministerium, Jan, die hast du dir angeschaut.
00:08:50Wie ist denn so der Durchschnitt?
00:08:52Also genau, Sporers Ministerium, also Justizministerin Anna Sporers Ministerium hat quasi mitgeteilt,
00:08:58dass der erste Ausgang normalerweise nach 5,1 Monaten durchschnittlich gewährt wird.
00:09:03Das entspricht circa 37 Prozent der Gesamtstrafe, also doch deutlich anders.
00:09:09Ja, und bei vielen hat natürlich genau diese Situation für Unmut gesorgt,
00:09:13vor allem weil der vermeintliche Promi-Bonus ja dann noch weitergegangen ist.
00:09:17Genau, weil eigentlich hatte Krasser von, kann man sagen, Beginn an recht gute Chancen,
00:09:22früher das Gefängnis wieder zu verlassen mit Fußfessel,
00:09:25weil nämlich die Bundesregierung mehr oder weniger parallel, kann man sagen,
00:09:29neue Regeln für den elektronischen Hausarrest geplant hatte und ausgearbeitet hat.
00:09:35Vielleicht Anna, bevor wir da weitergehen, was hat sich da konkret verändert?
00:09:39Es hat sich die Dauer verändert, für die eine Fußfessel möglich ist.
00:09:44Also wir hatten ja die Fußfessel vorher auch, korrekt heißt es ja elektronisch überwachter Hausarrest.
00:09:48Fußfessel ist eher umgangssprachlich, hat sich aber so eingebürgert.
00:09:52Und bis zu diesem Zeitpunkt, bis zu der Gesetzesänderung ging das,
00:09:55wenn die Reststrafe nicht länger als zwölf Monate ist.
00:09:59Und da trat eben dann sehr zeitlich angenehm für den Herrn Krasser die neue Regelung in Kraft.
00:10:06Man muss aber dazu sagen, das ist jetzt kein Gesetz, was für ihn gemacht wurde.
00:10:10Ich kann mich erinnern, seitdem ich als Anwältin oder vorher als Rechtsanwaltsanwärterin tätig bin im Jahr 2020,
00:10:19hat das angefangen, wo ich die ersten Haftbesuche gemacht habe von Mandanten,
00:10:22haben die mir schon immer erklärt, ja jetzt kommt ja bald die Fußfessel auf 18 Monate oder auf 24 Monate.
00:10:27Also das ist schon seit Jahren diskutiert worden.
00:10:30Der Entwurf lag auch schon seit mehreren Monaten oder Jahren quasi fertig in der Schublade,
00:10:34nur es wurde nie beschlossen.
00:10:35Und jetzt wurde es beschlossen und der Herr Krasser ist dann relativ einer der Ersten gewesen,
00:10:43der quasi in den Genuss gekommen ist von der neuen Regelung.
00:10:45Aber ist das grundsätzlich eine gute Idee oder woher kommt diese Idee überhaupt?
00:10:50Naja, die Idee, glaube ich, hat mehrere Ursachen.
00:10:55Eine Sache ist, dass man Menschen, die relativ kurze Strafen haben, ersparen will,
00:11:00dass sie in Haft müssen und somit alles verlieren.
00:11:03Also die Leute verlieren den Job, die verlieren die Wohnung, die verlieren das soziale Gefüge.
00:11:07Das ist gerade bei kürzeren Strafen oft eher kontraproduktiv,
00:11:11weil dann sperre ich jemanden für sechs, sieben Monate ein und zerstöre ihm seine Lebensgrundlage
00:11:16und der kommt raus und steht vorm Nichts.
00:11:19Das ist einer der Gedanken, warum man das machen kann und warum es auch sinnvoll ist, die Fußfessel.
00:11:24Und der andere Gedanke, der jetzt medial immer größer geworden ist,
00:11:29weil wir einfach eine massive Überbelastung der Justizanstalten haben.
00:11:32Wir haben nicht nur die Überbelastung, sondern wir haben auch einen Personalmangel
00:11:37und man versucht halt jetzt durch die Auswertung der Fußfessel,
00:11:41dass man die Gefängnisse quasi ein bisschen leer bekommt.
00:11:44Und natürlich auch in Richtung gedacht der Resozialisierung ist das wahrscheinlich auch gar nicht so eine schlechte Idee,
00:11:49den einen oder anderen, wo es wirklich passt, auch mit einer Fußfessel vielleicht früher rausgehen zu lassen, oder?
00:11:53Genau, natürlich, weil ich kann jemanden begleiten, auch Leute, die lange in Haft gesessen sind
00:11:59und dann den letzten Teil mit der Fußfessel verbüßen, kann ich natürlich perfekt überwachen mit der Fußfessel.
00:12:06Und bei einer bedingten Entlassung hätte ich diese Überwachungsmöglichkeiten nicht.
00:12:10Und so ist das aus meiner Sicht eine sehr, sehr gute Sache.
00:12:14Und über die Voraussetzungen werden wir ja auch sprechen.
00:12:16Also Fußfessel heißt ja nicht, dass der jetzt den ganzen Tag zu Hause dann am Sofa liegt.
00:12:21Jetzt haben wir ja schon besprochen, Grasser hat natürlich massiv davon profitiert,
00:12:24dass die Bundesregierung da jetzt dann recht schnell tätig wurde
00:12:28und die Fußfessel-Reform quasi auf den Weg gebracht hat.
00:12:32Und vielleicht hat es auch deshalb so ein bisschen ein Geschmäckle für Beobachterinnen und Beobachter
00:12:37oder für die Bürgerinnen und Bürger, weil Grassers Anwalt, ist ja auch um kein Wort verlegen,
00:12:44muss man jetzt ganz ehrlich sagen, und da auch gesagt hat, dass Grasser natürlich,
00:12:49das war relativ knapp nach seinem Haftantritt eben im Juni, gesagt hat,
00:12:53Grasser möchte natürlich in den Genuss, im Zitat, der neuen Regelung kommen.
00:12:58Und dann ging es recht schnell.
00:12:59Im September, habe ich nachgelesen, hat Grasser dann den Antrag gestellt,
00:13:04also wirklich sehr früh, also eigentlich quasi mit der neuen Regelung,
00:13:07Mitte Dezember war dann klar, dass er sie bekommt.
00:13:09Und im Jänner, das haben wir jetzt schon am Anfang gehört,
00:13:12war Grasser dann eigentlich wieder draußen, kann man sagen.
00:13:16Ja, ich glaube, wir fassen mal kurz zusammen.
00:13:19Also zuerst acht Jahre, hast du gesagt, hat er bekommen.
00:13:22Dann hat sich das auf vier Jahre aufgrund der langen Verfahrensdauer reduziert.
00:13:27Ein recht rekordverdächtiger erster Haftausgang
00:13:31und ein zeitlich besonderes Glück durch die Fußfesselreform.
00:13:35Und während die üblichen Häftlinge Gefängnisessen serviert bekommen,
00:13:42kann Grasser eigentlich jetzt in seinem Kitzbühler anwesend,
00:13:46dass er, glaube ich, auch nicht besonders klein ist,
00:13:49frei wählen, was er zu essen bekommt, was auf seinen Täler kommt.
00:13:53Anna, kannst du nachvollziehen, wenn wir das jetzt so ein bisschen zusammenfassen
00:13:58oder runterbrechen, dass Teile der Gesellschaft hier sich bei dieser Chronologie denken könnten,
00:14:03da kann sich es aber schon einer richten?
00:14:06Ja, ich höre das auch immer wieder.
00:14:07Also zu mir kommen immer wieder Mandanten, die sagen,
00:14:10ja, aber beim Grasser ist das auch gegangen und wieso geht das bei mir nicht?
00:14:13Also ich höre das sehr, sehr häufig.
00:14:15Das ist ein gewisses Problem.
00:14:17Das bringt mich dann teilweise auch in Erklärungsnot.
00:14:21Ich verstehe das schon, dass das für viele Leute so wirkt,
00:14:24als würde er gewisse Vorzüge bekommen, die, sage ich mal, der 0815-Häftling nicht bekommen würde.
00:14:32Das ist auch ganz sicher so.
00:14:34Das ist aber auch aufgrund der Gesetzeslage einfach so.
00:14:37Wenn man sich anschaut, was die Voraussetzungen für die Fußfessel sind,
00:14:40da kann natürlich ein Mensch wie der Herr Grasser viel leichter die Voraussetzungen erfüllen.
00:14:47Ich brauche eine geeignete Unterkunft.
00:14:50Das heißt, es wird für andere Häftlinge, die schon zum Teil sehr lange in Haft sind,
00:14:54einfach schwer, eine Unterkunft zu finden aus der Haft heraus.
00:14:58Das heißt, das ist bei ihm natürlich logischerweise auch durch seine Ehefrau
00:15:02und auch, dass er nicht lange in Haft war, ist das Umfeld ja gesichert.
00:15:06Dann braucht man ja eine Beschäftigung.
00:15:10Das muss jetzt nicht unbedingt ein Job sein, der bezahlt ist.
00:15:13Also man muss krank und unfallversichert sein.
00:15:14Das kann man sich aber auch selbst versichern.
00:15:16Aber man braucht eine Beschäftigung.
00:15:18Da findet jetzt jemand wie der Herr Grasser, der genügend Kontakte hat,
00:15:22auch eine Firma oder eine Institution, die ihn quasi einstellt für die Dauer der Fußfessel.
00:15:29Auch das ist für andere Häftlinge oft eine große Hürde.
00:15:32Wie komme ich jetzt an einen Arbeitsplatz?
00:15:34Das sind einmal die Hauptvoraussetzungen.
00:15:37Und dann wird geprüft von der Justizanstalt, ob irgendwelche spezial- oder generalpräventiven Gründe dagegen sprechen gegen die Fußfessel.
00:15:47Und ich denke, bei jemandem wie beim Herrn Grasser ist es natürlich,
00:15:52er hat ein gesichertes Umfeld, wo er entlassen wird.
00:15:55Er kann jetzt diese Tat, wegen der er verurteilt wurde, auch nicht mehr begehen.
00:15:58Er ist nicht mehr Finanzminister.
00:16:00Und man muss schon sagen, das Ganze ist halt sehr, sehr lange her.
00:16:03Und er war ja in der Zwischenseite, also während dieses ganze Verfahren gelaufen ist,
00:16:07war er ja auf freiem Fuß und hat keine weiteren Daten begangen.
00:16:10Also auch in dieser Hinsicht steht da bei ihm dem Ganzen nichts entgegen.
00:16:14Bevor wir so richtig in die Tiefe gehen, was das Thema Fußfessel und so weiter anbelangt,
00:16:18vielleicht einmal ganz groß gefragt, ist es eigentlich so oder stimmt dieser österreichische Grundsatz in der Verfassung,
00:16:25wonach alle Staatsbürger vor dem Gesetz gleich sind?
00:16:28Und falls er nicht gestimmt hat, also falls er gestimmt hat, hat er immer gestimmt von Anfang an.
00:16:33Oder falls sich das verändert hat, sage ich jetzt einmal, sind alle vor dem Gesetz gleich?
00:16:38Ich würde sagen, vor dem Gesetz sind alle gleich, aber vor der Anwendung des Gesetzes sind nicht alle gleich.
00:16:46Also grundsätzlich ist einmal jeder vor dem Gesetz gleich.
00:16:49Aber es gibt natürlich, und das ist jetzt keine Verschwörungstheorie oder da will ich jetzt nicht auf Bommi-Bonus,
00:16:54es ist einfach so, dass Menschen aus gewissen Milieus es schwerer haben.
00:16:59Das sind einfach ganz praktische Umstände.
00:17:02Wenn ich jemanden in Haft sitzen habe, der kein Deutsch spricht, für den ist jeder Antrag schwierig,
00:17:08für den ist jede Kontaktaufnahme schwierig.
00:17:10Da ist natürlich jemand, der die deutsche Sprache perfekt kann, ist natürlich schon mal im Vorteil.
00:17:16Das sind ganz logische Vor- und Nachteile, die es gibt.
00:17:22Und deswegen gibt es natürlich Unterschiede, aber grundsätzlich bin ich schon der Meinung,
00:17:26dass vor dem Gesetz alle gleich sind.
00:17:28Aber macht es vielleicht auch einen Unterschied, welche Anwältin und welchen Anwalt ich habe?
00:17:32Als Stichwort Pflichtverteidigung, Stichwort Wahlverteidigung?
00:17:35Ja, das natürlich.
00:17:36Das ist einfach ein Ungleichgewicht aufgrund der finanziellen Situation der Menschen.
00:17:41Es ist keiner, der jetzt in Haft ist, in Untersuchungshaft ist, steht ohne Anwalt da.
00:17:47Wenn man sich keinen leisten kann, kriegt man einen Anwalt vom Staat.
00:17:50Man muss aber dazu sagen, dass diese Anwälte, die vom Staat kommen, die bekommen keinen Cent dafür.
00:17:56Also das ist auch immer so ein Irrglaube, der herumschwirrt, dass quasi die Verfahrenshelfer bezahlt werden für ihre Arbeit.
00:18:04Das ist so nicht richtig.
00:18:05Es gibt jährlich ein Budget, das fließt in die Pensionsvorsorge der Rechtsanwälte.
00:18:11Aber der konkrete Anwalt, der da jetzt Zeit investiert und seine Expertise investiert, der bekommt das nicht bezahlt.
00:18:19Und da macht es natürlich einen Unterschied.
00:18:21Also wenn ich jetzt jemand bin, der die finanziellen Möglichkeiten hat, man weiß es ja auch, manche haben ein, zwei,
00:18:26drei Anwälte.
00:18:28Und natürlich, wenn ich einen Spezialisten habe, das macht einen Unterschied.
00:18:33Weil bei den Verfahrenshelfern, da wird aus der Liste der Anwälte einer bestellt.
00:18:37Und das kann sein, dass das ein Anwalt ist, der sonst nur Verträge macht oder nur Erbrecht macht.
00:18:42Und der muss plötzlich in einem Strafverfahren vertreten.
00:18:45Das macht natürlich einen Unterschied.
00:18:46Aber wie sieht das auch auf die Motivation aus, wenn ich es nicht bezahlt bekomme?
00:18:50Also ich kann jetzt nur von mir sprechen.
00:18:52Ich werde ja auch immer wieder als Verfahrenshelferin bestellt.
00:18:55Ich mache das so.
00:18:59Es kann ja auch sein, dass man in einem Zivilverfahren bestellt wird als Verfahrenshelfer.
00:19:03Die Sachen, wo ich sage, da kann ich nicht mit der Motivation nachgehen, weil es nicht mein Rechtsgebiet ist,
00:19:08die gebe ich an Kollegen weiter, die ich dann bezahlen muss, dass sie für mich das machen.
00:19:12Aber wenn ich eine Strafsache bekomme, ist das für mich wie ein bezahltes Mandat,
00:19:16weil das bin ich den Leuten schuldig, dass die genauso eine gute Vertretung bekommen.
00:19:22Im Fall von Karl-Heinz Grasser hat er ja, du hast es angesprochen, schon seit sehr, sehr vielen Jahren den
00:19:26gleichen Anwalt.
00:19:28Anna, würdest du sagen, dass Karl-Heinz Grasser ein sehr lukrativer Mandant ist für ihn,
00:19:34was jetzt auch die Bezahlung angeht?
00:19:36Ich kenne jetzt die Vereinbarung nicht, die er zwischen ihm und seinem Anwalt bestanden hat.
00:19:41Aber ich denke mal, bei einem so langjährigen Prozess und den Hintergründen wird der Kollege schon auch was verrechnet haben.
00:19:50Macht man sich da Pauschale aus vielleicht sogar?
00:19:53Das weiß ich nicht im konkreten Fall, wie das gehandhabt wurde.
00:19:57Aber natürlich, man muss schon dazu sagen, dieses ganze Verfahren war auch ein irrsinniger Aufwand.
00:20:01Das waren so viele Verhandlungstage, da ist das Anwalt, ist man einfach einmal blockiert mit diesem einen Mandat.
00:20:08Und was ja der Unterschied ist, Richter zum Beispiel, wenn die ein Großverfahren bekommen,
00:20:12also so wie die Richterin im Prozess vom Grasser, die hatte eine gesperrte Abteilung.
00:20:20Das heißt, sie hat keine neuen Aktenanfälle mehr bekommen,
00:20:23sondern sie wurde quasi freigeschaufelt nur für diesen Prozess.
00:20:26Wir Anwälte können uns das nicht leisten.
00:20:28Wir können nicht sagen, ich mache jetzt die nächsten zehn Jahre nur dieses eine Mandat.
00:20:33Ja, und jetzt ist es ja so, wir haben ja das Eingangszitat vielleicht noch im Kopf,
00:20:37wo Grasser jetzt einerseits Ganova genannt wurde und gleichzeitig so,
00:20:40wo dieser anonyme User gemeint hat, er soll quasi im Kerker fristen und eben keine Fußfessel bekommen.
00:20:47Vielleicht hängt da auch der Gedanke mit dran, dass es so wirkt vielleicht,
00:20:52dass Herr Grasser jetzt nach sechs Monaten quasi aus der Haft entlassen ist
00:20:56und die Fußfessel mehr oder weniger quasi eine Art freier Mann oder Grasser wieder eine Art freier Mann ist
00:21:03und sein luxuriöses Leben weiterleben kann.
00:21:06Ist das so?
00:21:08Nein.
00:21:08Also die Fußfessel ist mit strengen Auflagen verbunden.
00:21:11Die Fußfessel ist keinesfalls ein Luxusurlaub oder dergleichen.
00:21:16Es ist so, man hat wie einen Stundenplan in der Schule, der wird mit dem Verein Neustadt ausgearbeitet.
00:21:24Den bekommt man entweder für eine oder für zwei Wochen, je nachdem, welche Abstände man hat.
00:21:29Und da wird genau eingetragen die Zeiten, wo man wann was machen muss.
00:21:34Also zum Beispiel, was ganz typisch ist, wenn jemand eine Arbeit hat, ist eine Stunde Fahrzeit zur Arbeit hin,
00:21:39dann ist die Arbeitszeit, dann ist eine Stunde Fahrzeit nach Hause
00:21:43und dann ist eine Stunde Freizeit und dann ist zu Hause.
00:21:46Und das war es dann für den Tag.
00:21:48Dann gibt es am Wochenende gibt es dann noch, man kann sich es auch einteilen,
00:21:52gibt es dann noch eine Zeit zum Einkaufen.
00:21:54Da darf ich aber wirklich nur einkaufen gehen.
00:21:56Und dann gibt es noch eine Zeit, wo ich Freizeit habe, da darf ich allerdings nicht einkaufen gehen.
00:22:00Also ich kann mir das, da bin ich nicht frei in meiner Entscheidung.
00:22:05Und wenn es jetzt, wenn es jemand ist, der ein großes Haus hat oder ein großes Anwesen hat,
00:22:10wird die Fußfessel schon so eingestellt auf die Bereiche, die man unbedingt braucht.
00:22:15Also das kann sein, dass im Keller ein Fitnessstudio ist, eingebaut ist und da darf man aber nicht hingehen.
00:22:22Also in der Freizeit dann, aber jetzt normal, wenn man zu Hause ist, darf man da nicht hingehen.
00:22:27Da gibt es schon, es ist schon eine Freiheitsbeschränkung und ich habe von manchen Mandanten gehört,
00:22:31die haben gesagt, also die Fußfessel war mir zu stressig und zu anstrengend,
00:22:36weil man braucht ein gutes Zeitmanagement. Man schaut permanent auf die Uhr, dass sich das ausgeht,
00:22:42dass man ja nicht zu spät kommt, weil jeder kleine Verstoß wird natürlich registriert.
00:22:49Und wenn es da zu Verstößen kommt und man jetzt keine gute Begründung hat,
00:22:54dann kann die Fußfessel wieder rufen werden und dann geht es wieder zurück ins Gefängnis.
00:22:59Jan, weiß man auch, wie viele Häftlinge oder ehemalige Häftlinge in Österreich in den Genuss,
00:23:07wie man es auch nennen mag, einer Fußfessel gekommen sind?
00:23:11Also wir haben jetzt keine ganz aktuellen Zahlen, aber es waren im Oktober 2025 waren es 386
00:23:17bei rund 10.000 Häftlingen in gesamt Österreich. Also ein sehr marginaler Wert, würde ich sagen.
00:23:24Also relativ wenig, oder?
00:23:24Ich finde auch, dass es relativ wenig ist, vor allem weil wir sehr viele Häftlinge haben
00:23:30mit relativ kurzen Strafen. Man muss aber sagen, weil ich eingangs schon gesagt habe,
00:23:34was die Voraussetzungen sind. Viele können die Voraussetzungen einfach nicht erfüllen,
00:23:38weil sie draußen niemanden haben, der für sie irgendwelche Behördengänge erledigt
00:23:43oder einen Job sucht oder so. Also bei vielen scheitert es einfach an den Voraussetzungen.
00:23:48Ich würde mir wünschen, dass wesentlich mehr noch die Fußfessel haben können, weil ich glaube,
00:23:56es ist nicht nur eine Entlastung der Gefängnisse, sondern wie gesagt, es trägt zur Resozialisierung bei,
00:24:02weil ja die Beschäftigung eine große Rolle spielt. Und dann, wenn dann die Haft verbüßt ist
00:24:07und die Entlassung, man wird ja auch aus der Fußfessel dann entlassen, einfach ein fließender
00:24:12Übergang ist und nicht so abrupt zwischen wirklich Gefängnis und Freiheit.
00:24:17Das braucht jedenfalls ein gutes Netzwerk rundherum, wenn ich das richtig verstanden habe,
00:24:21einfach auch um so eine Entlassung in die Fußfessel oder ins Haus auch wirklich gut vorbereiten zu können
00:24:29und dann auch umsetzen zu können. So eine Fußfessel ist aber auch nicht ganz gratis, glaube ich, oder?
00:24:36Ich glaube, das kostet ja auch was, oder?
00:24:38Ja, sie kostet grundsätzlich bis zu 22 Euro am Tag. Das ist nicht wenig.
00:24:42Es gibt allerdings die Möglichkeit auf Verfahrenshilfe.
00:24:45Das heißt, muss man ein Formular ausfüllen, dann trägt man ein die Kosten und dann wird es berechnet.
00:24:52Manche müssen gar nichts zahlen, aber ein bisschen was bleibt meistens übrig.
00:24:55Und das summiert sich dann schon. Also bei 13 Euro am Tag, wenn man auf 13 Euro festgesetzt wird,
00:25:01sind es zwischen 300 und 400 Euro im Monat. Das ist auch nicht ganz wenig.
00:25:06Ja, auch wieder eine Kostenfrage.
00:25:07Absolut. Ich meine, jetzt haben wir sehr viel über die Voraussetzungen der Häftlinge gesprochen.
00:25:11Vielleicht auch nochmal, weil ja relativ wenige in den Genuss kommen, quasi prozentual gerechnet.
00:25:17Liegt es vielleicht auch daran, dass wir zu wenige Leute haben, die das kontrollieren können?
00:25:20Weil das ist ja auch ein Aufwand für die Justizbehörden.
00:25:22Natürlich ist es ein Aufwand. Ich weiß auch nicht genau, wo der Grund liegt, warum es eigentlich relativ wenig Zahlen
00:25:29sind.
00:25:30Ich kann aus meiner beruflichen Praxis erzählen.
00:25:33Ich habe einen Mandanten, der ist nicht in Haft, aber er hatte einen Haftantritt vor sich
00:25:39und hat vor über einem Jahr eingereicht für die Fußfessel.
00:25:41Ist eine ganz kurze Strafe und hat bis jetzt keine Entscheidung.
00:25:44Also ich glaube, es liegt zu einem Großteil auch daran, dass die Anträge teilweise sehr lange dauern in der Bearbeitung.
00:25:54Und da könnte man sich ja noch ausbauen.
00:25:56Und natürlich, das Personal brauche ich auch für die Überwachung.
00:25:59Also es gibt eine Überwachungszentrale, die ist in der Justizanstalt Wien-Josefstadt.
00:26:04Und die Fußfesseln sind mit GPS ausgestattet.
00:26:07Die Überwachungszentrale hat von jedem, der die Fußfessel trägt, auch dieses Aufsichtsprofil, wie es heißt.
00:26:13Also dieser Stundenplan, den ich angesprochen habe.
00:26:15Und die müssen immer schauen, wird das eingehalten, gibt es irgendwo einen Verstoß.
00:26:20Und das machen die auch.
00:26:21Also die rufen dann auch aktiv an, wenn irgendwie ihnen auffällt,
00:26:25okay, der ist jetzt an einem Ort, wo er nicht sein sollte, dann folgt der Anruf.
00:26:28Ja, aber was passiert zum Beispiel, wenn Grasser sich nicht an die Auflagen halten würde?
00:26:32Naja, grundsätzlich ist es so, wenn jetzt einmal ein Verstoß ist,
00:26:35wird er jetzt nicht gleich von der Polizei abgeholt werden.
00:26:38Aber da wird dann, hatte ich auch schon, werden die Leute vorgeladen zu einem Gespräch.
00:26:43Dann wird ihnen nochmal verdeutlicht, dass sie sich an die Bedingungen halten müssen.
00:26:46Und wenn dann wieder ein Verstoß ist, dann wird sie abgenommen und der Rest muss abgesessen werden.
00:26:50Aber wie schnell, kann man sich das vorstellen, wird da angerufen?
00:26:52Also wenn ich mich jetzt, sagen wir mal, zwei Minuten aus meinem Bereich heraus entferne
00:26:56oder wie kann man sich das vorstellen?
00:26:58Ja, das kommt natürlich immer ein bisschen auf die Person drauf an,
00:27:01die vom Computer sitzt und wie schnell das auffällt.
00:27:03Aber das kann durchaus auch schnell gehen.
00:27:05Also die sind da schon sehr aufmerksam.
00:27:09Und ja, ich denke, es ist nur ratsam sichern, das alles zu halten.
00:27:13Es ist natürlich so, man muss sagen, es passieren im Leben immer mal unvorhergesehene Sachen.
00:27:17Da fährt man von der Arbeit mit dem Auto nach Hause und hat irgendwo eine Reifenpanne.
00:27:21Dann geht sich das nicht aus.
00:27:23Da muss man dann proaktiv anrufen in der Überwachungszentrale und sagen,
00:27:26ich habe ein Problem, mir ist der Reifen geplatzt oder was auch immer, ich brauche länger.
00:27:29Das ist im Regelfall auch kein Problem.
00:27:32Also da wird dann die Zeit einfach verlängert und die wissen Bescheid.
00:27:36Problematisch ist es dann, wenn man sich nicht meldet und die dann plötzlich sehen,
00:27:39okay, der sollte jetzt eigentlich zu Hause sein und steht auf der A23.
00:27:41Dann werden sie mal anrufen.
00:27:43Aber das heißt, ich muss als Häftling auch immer erreichbar sein?
00:27:46Ja, 24 Stunden, sieben Tage die Woche, rund um die Uhr.
00:27:50Das heißt, auch wenn ich schlafe, muss mein Handy immer auf laut sein?
00:27:52Ja, es muss immer auf laut sein, weil es kann jederzeit was sein.
00:27:55Es kann zum Beispiel passieren, dass es irgendeinen Systemfehler gibt
00:27:59oder dass es einen Kontaktfehler gibt mit der Fußfessel,
00:28:03dass sie nicht lädt, obwohl sie laden soll.
00:28:05Man muss die ja regelmäßig aufladen.
00:28:07Und wenn die in der Überwachungszentrale mitbekommen,
00:28:09dass der Akkustand leer ist und es ist mitten in der Nacht,
00:28:11dann rufen die an und sagen, laden Sie Ihre Fußfessel aus.
00:28:15Sie haben fast keinen Akku mehr.
00:28:17Also gut, ich glaube, das fasst schon ganz gut zusammen,
00:28:20dass die Fußfessel nicht die volle Freiheit ist,
00:28:23aber ich würde mal sagen, trotzdem besser als im Gefängnis.
00:28:26Dort war Krasa ja zumindest für einige Monate eingesperrt.
00:28:29Genauer gesagt, in der Justizanstalt in Innsbruck.
00:28:33Und diese war ja, wenn wir uns zurückerinnern,
00:28:35wirklich kurzfristig ein richtiger Promi-Häfen.
00:28:37Stichwort der Reality-Star Jimmy Blue Ochsenknecht.
00:28:41Wir erinnern uns, Hey Jimmy, ein großer Hit damals vor vielen, vielen Jahren.
00:28:45Oder auch René Benko, gerade aktuell ja auch immer wieder in den Medien.
00:28:49Und natürlich eben Karl-Heinz Krasa.
00:28:51Anna, kennst du die Justizanstalt Innsbruck?
00:28:53Weißt du da, wie das ausschaut?
00:28:54Ich kenne die Justizanstalt Innsbruck nicht,
00:28:56weil ich natürlich eher im Osten Österreichs unterwegs bin.
00:29:01Ich kenne auch, ehrlich gesagt,
00:29:04ich höre mir immer an, was meine Mandanten erzählen.
00:29:06Ich habe ja Mandanten, die kommen ein bisschen herum.
00:29:08Die kennen ja viele Gefängnisse in Österreich.
00:29:10Und ich höre mir das dann immer an, weil ich selber interessiert bin.
00:29:12Aber tatsächlich fallen mir auch keine Schilderungen ein.
00:29:15Also kann ich jetzt nicht wirklich was dazu sagen in Innsbruck.
00:29:19Schauen wir uns jetzt so ein bisschen den Gefängnisalltag grundsätzlich an.
00:29:22Und da interessiert uns natürlich, wie geht es eigentlich nach einem Urteil weiter?
00:29:25Also sprich, wenn ich da vielleicht noch nicht in Haft bin oder gerade in Haft komme,
00:29:30in Urhaft zum Beispiel.
00:29:32Wie kann man sich das vorstellen?
00:29:34Also wenn ich als neu eingelieferter Häftling, der in eine Justizanstalt komme,
00:29:37jetzt völlig unabhängig, ob Innsbruck oder wo auch immer.
00:29:40Wie schaut das aus? Wie schaut der erste Tag aus?
00:29:44Müssen wir doch eine Unterscheidung machen zwischen die, die selbst antreten,
00:29:48also die, die quasi verurteilt sind und dann die Aufforderung bekommen zum Strafantritt
00:29:51und dann reingehen.
00:29:52Und die, die jetzt schon in Urhaft sind und dann in Strafhaft kommen.
00:29:56Aber grundsätzlich alle, die ins Gefängnis reinkommen, werden einmal durchsucht.
00:30:01Also die Kleidung wird durchsucht.
00:30:02Alle Taschen werden durchsucht.
00:30:04Alles, was verboten ist, wird herausgenommen.
00:30:07Körperlich gibt es eine Untersuchung.
00:30:09Das heißt, es wird geschaut, dass nichts hineingeschmuggelt wird.
00:30:12Wir kennen das aus den Filmen.
00:30:14Jetzt bücken Sie sich bitte und husten Sie.
00:30:16Also es ist wirklich, es ist schon auch erniedrigend, ich stelle mir das schon erniedrigend vor.
00:30:21Aber es ist natürlich notwendig für die Sicherheit.
00:30:25Und dann gibt es für jeden ein Zugangspaket.
00:30:28Da sind so die notwendigsten Sachen drinnen, wie Handtücher, Zahnpaster, Zahnbürste, Rasierer.
00:30:35Und dann wird ein Haftraum zugeordnet.
00:30:39Und dann geht mir die Tür zu.
00:30:41Bei Karl-Heinz Krasse war es ja so, da war der Haftantritt dann erst sehr viel später.
00:30:45Oder nicht sehr viel, aber ein bisschen später als die Verurteilung.
00:30:47Das heißt, er hat dann auch aktiv dort anhalten müssen und gesagt,
00:30:51Hallo, ich bin jetzt da.
00:30:52Wie ist das da?
00:30:53Darf der Dinge von zu Hause mitnehmen?
00:30:55Sein Lieblingskissen oder den Pyjama?
00:30:57Ja, da gibt es eine Liste, was man mit reinnehmen darf.
00:31:01Das wird dann natürlich auch alles kontrolliert.
00:31:02Also soweit ich weiß, Kleidung darf man sowieso mit reinnehmen.
00:31:06Das ist von Anstalt zu Anstalt ein bisschen verschieden.
00:31:09Manche Anstalten geben genau vor, wie viele T-Shirts, wie viele Hosen, wie viele paar Socken.
00:31:15Bei anderen ist das nicht so streng.
00:31:17Und ich glaube, Handtücher und sogar Bettzeug darf man mitnehmen.
00:31:21Und wie triffst du deine Mandanten oder Mandantinnen?
00:31:25Also das heißt, wenn du jetzt einen Termin hast mit einem von deinen Mandantinnen oder Mandanten,
00:31:30wie kann ich mir das vorstellen?
00:31:31Wir haben jetzt schon ein bisschen angesprochen, die Serien und Filme, die wir natürlich auch schauen,
00:31:35wo dann man hinter einer Glasscheibe sitzt und nur mit einem Telefon mit seinem Mandanten oder seiner Mandantin sprechen darf.
00:31:43Ist das in Österreich auch so?
00:31:44Ja, also tatsächlich ist es so, in den meisten Justizanstalten, wo Untersuchungshäftlinge sitzen,
00:31:50ist eine Glasscheibe, in den wenigsten ist ein Telefon.
00:31:54Es gibt meistens so eine Art Gegensprechanlage.
00:31:56Ich weiß jetzt, in der Justizanstalt Krems ist ein Telefon, das aber erst seit Corona,
00:32:00weil man die Trennung einhalten wollte wegen der Ansteckungsgefahr.
00:32:06Ansonsten, wie gesagt, ist so gut wie überall eine Glasscheibe dazwischen.
00:32:11Das kann manchmal ganz angenehm sein, weil es gibt doch Gerüche, die nicht so angenehm sind
00:32:16und da schützt einen die Glasscheibe davor.
00:32:19Aus Angst brauche ich keine Glasscheibe.
00:32:21Also ich habe vor meinem Mandanten grundsätzlich keine Angst.
00:32:24Aber wie gesagt, so was Gerüche betrifft, ist manchmal eine Scheibe ganz gut.
00:32:29Aber könnte es nicht trotzdem sein, dass man hin und wieder in eine brenzlige Situation kommen könnte,
00:32:33wenn man da jetzt mit vielleicht einem emotional aufgeladenen, wütenden Mandanten sitzt,
00:32:40dass man sagt, man bringt sich da vielleicht selber, könnte sich auch in Gefahr bringen,
00:32:43wäre diese Glasscheibe da jetzt nicht da oder ist man ohnehin immer von Justizwachebeamtinnen und Beamten umgeben?
00:32:48Also man ist einerseits umgeben von Beamten, die natürlich nicht im Besprechungsraum sind,
00:32:52weil wir müssen ja, es muss ja Verschwiegenheit herrschen.
00:32:56Die Anwaltsgespräche dürfen ja nicht überwacht werden.
00:32:59Was aber schon der Fall ist, zumindest in den, ja ich glaube mittlerweile in fast allen Justizanstalten,
00:33:04dass auch in unseren Besprechungsräumen eine Videoüberwachung ist,
00:33:07die mit Echtzeit in die Zentrale geht.
00:33:10Das heißt, wenn da was vorfallen sollte, dann sieht man das auch.
00:33:14Es gibt auch, ich weiß, in der Justizanstalt Garsten, da gibt es keine Glasscheibe, das ist einfach ein Raum.
00:33:21Und man muss aber als Anwalt an einem ganz bestimmten Ort sitzen und da kriegt man dann erklärt,
00:33:27wenn der sie angreift, wenn es irgendwie Probleme gibt, dann laufen sie da durch die Wand durch.
00:33:32Und ich denke mir, welche Wand oder was ist da?
00:33:34Und dann schaue ich links von mir und das ist so eine Korkwand.
00:33:38Und dann sagt er, ja, ja, ja, wenn sie da durch diesen Kork durchlaufen, laufen sie einfach durch,
00:33:42dann sind sie im anderen Zimmer.
00:33:44Und das war für mich auch ein bisschen schräg.
00:33:46Aber es gab noch nie eine Situation, wo ich mir gedacht hätte, ich müsste jetzt Angst haben,
00:33:50weil es gibt ja durchaus Justizanstalten, gerade wo dann die Häftlinge sind,
00:33:54die in Strafhaft sind und nicht in Untersuchungshaft.
00:33:57Da sitzt man wirklich ganz normal in einem Raum, da gibt es keine Scheibe,
00:34:00da wird auch niemand mit Handschellen vorgeführt.
00:34:03Da sitzt man sich dann ganz normal gegenüber, aber ich habe da eigentlich keine Probleme.
00:34:07Und jetzt quasi wieder zurück zu Krasser und dem vermeintlichen Promi-Bonus in Haft.
00:34:13Ist es so, dass es eigentlich Regeln gibt, die starr sind für alle,
00:34:18beziehungsweise eben die Frage, gibt es vielleicht auch Vorteile für manche?
00:34:22Und da jetzt eben die Frage, weil im Boulevardstand zum Beispiel Krasser wäre zufällig
00:34:29in der neu renovierten Zelle in Innsbruck gewesen, jetzt völlig unabhängig davon,
00:34:35ob das stimmt oder nicht.
00:34:36Es gibt anscheinend in gewissen Medien beziehungsweise auch in der Bevölkerung eben das Gefühl,
00:34:42okay, wenn dann Krasser in Haft kommt, dann sehr fein.
00:34:46Ja, also es gibt sicher Regeln, die gelten für alle, zum Beispiel die Zeit zum Aufstehen,
00:34:50wenn das Licht angeht, das gilt für alle.
00:34:52Hofgang gilt grundsätzlich für alle, da werden alle eingeteilt und haben ihre Zeiten.
00:34:58Ich glaube, es gibt schon eine Ungleichbehandlung, die aber nicht die Ursache hat,
00:35:03dass man jetzt dem Herrn Krasser oder irgendeinem anderen Bekannten es jetzt schön machen will,
00:35:07sondern ich glaube, das hat einen anderen Ursprung.
00:35:09Wir haben teilweise wirklich prekäre Haftbedingungen.
00:35:12Für Innsbruck kann ich jetzt nicht sprechen, aber in der Justizanstalt Josefstadt weiß ich es.
00:35:15Und ich weiß auch, dass die alles daran setzen,
00:35:18dass das so wenig wie möglich an die Öffentlichkeit dringt, wie teilweise die Zustände sind.
00:35:23Jetzt ist natürlich, sage ich, irgendein rumänischer Einbrecher, der entlassen wird und sagt,
00:35:30wie schlimm es da drinnen ist, nicht so glaubwürdig wie ein Herr Krasser,
00:35:33der dann vielleicht gewisse Missstände aufzeigen kann.
00:35:36Ich glaube, dass man auch dem ein bisschen vorbeugen will
00:35:38und er deshalb eine gewisse Sonderbehandlung bekommt, wenn es denn so war.
00:35:44Jetzt hast du ja schon angesprochen, dass selbst Mandanten von dir selbst
00:35:48sich auf Karl-Heinz Krasser ansprechen.
00:35:50Das heißt, wenn so jemand wie Karl-Heinz Krasser oder auch René Benko in Haft kommen,
00:35:55dann kennen ja auch die anderen Häftlinge deren Gesichter und deren Geschichten.
00:35:59Würdest du sagen, dass die vielleicht zum Teil aber auch gefährdeter sind
00:36:03und deswegen zu einem anderen Zeitpunkt in den Hof gehen als die anderen?
00:36:08Ja, würde ich schon sagen.
00:36:10Also es wird natürlich schon darauf geschaut.
00:36:13Das ist auch gut so, weil natürlich jemand, der bekannt ist,
00:36:17hat mehr Feinde als jemand, den niemand kennt.
00:36:22Und gerade im Gefängnis, man muss schon sagen, wir bewegen uns in einem Milieu,
00:36:27wo den Menschen sehr viel genommen wird.
00:36:30Also es ist alles reguliert.
00:36:31Es gibt da drinnen kein Bargeld.
00:36:33Es ist alles genau festgelegt, wann man was einkaufen kann, wann man was machen darf.
00:36:38Und natürlich, wenn da jetzt eine bekannte Persönlichkeit drinnen ist,
00:36:41kann der natürlich auch innerhalb der Anstalt theoretisch Opfer werden.
00:36:46Im Sinne von, dass man die Anstalt erpresst, dass man ihn irgendwie einsperrt
00:36:51oder irgendwie als Geisel, sage ich mal, unter Anführungszeichen,
00:36:55einfach von anderen Häftlingen benutzt wird, damit die an gewisse Sachen kommen.
00:37:00Also die Gefahr sehe ich schon und deswegen finde ich das nachvollziehbar,
00:37:04dass man da ein besonderes Augenmerk drauf legt.
00:37:08Und weil es mich letztens eine Schulklasse, in der ich war,
00:37:11hat mich ein Mädchen gefragt.
00:37:14Ich glaube, es war ein Mädchen oder ein Bursche, ich bin mir das nicht mehr ganz sicher.
00:37:17Aber ich habe mir eine Frage gestellt, die mich nicht losgelassen hat,
00:37:20nämlich in welcher Justizanstalt ist es am schönsten, unter Anführungszeichen,
00:37:23und in welcher am schlimmsten?
00:37:27Ich kann natürlich nur auf die Erzählungen meiner Mandanten zurückgreifen,
00:37:30weil ich sehe ja immer nur einen kleinen Teil von der Justizanstalt.
00:37:33Also was ich weiß, dass tendenziell die neuergebauten Justizanstalten,
00:37:37jetzt im Osten haben wir zum Beispiel Eisenstadt oder Korneuburg,
00:37:40die sind relativ neu, ein bisschen weiter im Westen, Salzburg,
00:37:44die sind tendenziell beliebter, weil da einfach gewisse Standards schon sind.
00:37:49Die haben Duschen in den Zellen, keine Gemeinschaftsduschen.
00:37:51In Salzburg gibt es zum Beispiel auf den Hafträumen die Telefone.
00:37:56Das heißt, da muss man sich nicht am Gang anstellen und zwei Stunden warten,
00:38:00bis man zum Telefonieren drankommt.
00:38:01Das sind so kleine Erleichterungen, die viele schätzen und natürlich auch die Sauberkeit.
00:38:07Also was ich sagen kann, ich weiß nicht, was die schönste ist,
00:38:09ich weiß aber, was die schlimmste ist,
00:38:11und das ist die Justizanstalt Josefstadt.
00:38:14Ich habe mal einen Mandanten gehabt, auch einer aus Rumänien,
00:38:18der hat so eine kleine Europatour gemacht und ist überall in jedem Land einbrechen gegangen.
00:38:23Und er hat mir dann erzählt, ich bin schon in so vielen Gefängnissen gesessen,
00:38:28in Deutschland, in Frankreich, in Rumänien, in Moldawien,
00:38:32aber nirgendwo war es so schlimm wie in der Josefstadt.
00:38:36Also wenn sogar solche Leute mir das sagen, dann glaube ich das.
00:38:40Und es wird ja gerade daran gearbeitet, dass es da Bedarf an Umgestaltung gibt,
00:38:45hat ja auch das Ministerium erkannt, dass wir da gerade die Justizanstalt renoviert.
00:38:49Vielleicht kurz zur Erklärung, die Josefstadt, von der wir hier jetzt sprechen,
00:38:52das ist eine Justizanstalt, die größte Justizanstalt in Österreich, in Wien,
00:38:57ist die direkt angeknüpft, auch an das Landesgericht in Wien,
00:39:00wo sich Untersuchungshäftlinge befinden,
00:39:03also all jene, die noch auf ihren Prozess warten.
00:39:05Vielleicht das auch noch ganz kurz zur Einordnung.
00:39:08Genau, und ich meine, wir haben es jetzt schon vorhin ein bisschen angesprochen,
00:39:11vielleicht kannst du uns da auch noch ein bisschen mitnehmen,
00:39:12was das eigentlich bedeutet, nämlich auch in der Hinsicht so können Promis
00:39:16vielleicht an die Einzelzelle abgreifen, so in die Richtung.
00:39:18Wir hören jetzt ja immer und lesen immer öfter von einer massiven Überlastung
00:39:22im Strafvollzug in Österreich, von einem massiven Überbelag vor allem.
00:39:27Was bedeutet das eigentlich in der Praxis jetzt auch,
00:39:29wenn man daran denkt, an Schließzeiten der Zelle und so weiter?
00:39:32Da weißt du sicherlich auch sehr viel.
00:39:34Ja, also ich scherze immer mit meinem Mandanten,
00:39:36wenn ich sie spät besuche.
00:39:38Spät heißt, um 13.30 Uhr, 14 Uhr, weil dann sagen sie,
00:39:41ich muss jetzt zurück in die Zelle, das Abendessen ist jetzt gekommen.
00:39:45Warum kommt das Abendessen eigentlich kurz nach der Mittagszeit?
00:39:48Weil einfach Personal fehlt und weil das Abendessen schon um diese Uhrzeit ausgegeben wird,
00:39:54weil da ein Schichtwechsel ist und dann schlicht und einfach zu wenig Personal im Dienst ist,
00:39:58um am Abend die Essensausgabe zu machen.
00:40:00Ich glaube, das beschreibt es schon mal relativ gut.
00:40:03Und was ich auch regelmäßig mitbekomme,
00:40:06ich lasse mir halt auch viel erzählen, wenn es mich interessiert,
00:40:10Hafträume sind überbelegt in der Josefstadt.
00:40:13Wir haben Hafträume, die für vier Leute eigentlich gebaut werden,
00:40:16wo acht Leute drinnen sind.
00:40:17Da hat man dann einfach Feldbetten reingestellt und Stockbetten.
00:40:20Das ist schon eine prekäre Lage.
00:40:22Und man darf nicht vergessen,
00:40:24gerade in der Justizanstalt Josefstadt
00:40:27sind in erster Linie Untersuchungshäftlinge.
00:40:29Das heißt, es sind Menschen, die noch nicht rechtskräftig verurteilt sind,
00:40:34von denen einige freigesprochen werden.
00:40:36Und das sind wirklich prekäre Bedingungen.
00:40:39Ein Mandant von mir hat mir erzählt,
00:40:40er ist froh, weil er ist in Einzelhaft,
00:40:43in einem der unteren Bereiche, wo kaum Licht hinkommt.
00:40:46Aber er hat jetzt eine Maus,
00:40:48die ist irgendwann zu ihm in die Zelle gekommen
00:40:50und die ist jetzt sein Haustier.
00:40:52Und der andere erzählt mir halt,
00:40:54dass man aufpassen muss, weil ständig die Kakerlaken,
00:40:56also es gibt wirklich Kakerlaken in der Josefstadt,
00:40:58ich habe sie selbst gesehen, die sind relativ groß.
00:41:00Das sind natürlich Zustände,
00:41:02die eigentlich einem Land wie Österreich nicht würdig sind.
00:41:06Und ich meine, das haben wir uns jetzt auch gefragt,
00:41:09vielleicht auch eine sehr banale, blöde Frage,
00:41:12aber kann man sich sein Gefängnis eigentlich aussuchen?
00:41:16Jein.
00:41:17Grundsätzlich, wenn man jetzt festgenommen wird
00:41:19und in Untersuchungshaft kommt,
00:41:20kann man sich gar nichts aussuchen.
00:41:21Da kommt man nämlich dorthin in das Gefängnis,
00:41:24wo die Staatsanwaltschaft sitzt,
00:41:25also das Zuständige.
00:41:28Wenn man dann rechtkräftig verurteilt ist,
00:41:31gibt es die sogenannte Klassifizierung.
00:41:33Das Justizministerium entscheidet, wer wohin kommt.
00:41:36Da gibt es einmal Faktoren, die kann man nicht verändern,
00:41:39weil gewisse Justizanstalten
00:41:41nur für eine gewisse Haftdauer ausgerichtet sind.
00:41:44Das heißt, wenn jemand lebenslang hat,
00:41:46wird er nicht nach Simmering kommen,
00:41:47weil Simmering dafür nicht ausgerichtet ist.
00:41:49Auch in Wien eine Justizanstalt.
00:41:50Genau, es gibt in Wien keine Justizanstalt,
00:41:53die für diese Langstrafen ausgerichtet ist.
00:41:56Aber es wird den Häftlingen quasi eine Liste vorgelegt,
00:42:00wo sie ausfüllen können, wo sie gerne hin möchten.
00:42:03Und das Justizministerium schaut schon,
00:42:05dass man da auf die Wünsche eingehen kann,
00:42:07vor allem, weil das auch immer ein bisschen im Licht
00:42:09des Artikel 8 der MRK gesehen werden muss,
00:42:11also das Recht auf Privat- und Familienleben.
00:42:13Wenn jetzt Häftlinge Angehörige oder Kinder haben
00:42:16und die sind in Wien,
00:42:17dann werde ich den kaum nach Vorarlberg verlegen können,
00:42:20weil da einfach die Distanz zu groß ist,
00:42:23damit man das Privatleben aufrechterhalten kann.
00:42:26Also es wird versucht, darauf Rücksicht zu nehmen.
00:42:28Es ist nicht in allen Fällen möglich.
00:42:30Jetzt ist die Standardantwort,
00:42:32geht nicht, weil kein Platz.
00:42:34Das trifft nur mittlerweile
00:42:35auf fast alle Justizanstalten zu.
00:42:37Also das Argument wird langsam auch schwächer werden,
00:42:39weil dann könnte ich überhaupt keine Verlegungen mehr machen.
00:42:42Und man kann auch natürlich während der laufenden Haft
00:42:45jederzeit einen Antrag stellen auf Strafvollzugsortänderung.
00:42:48Das heißt, man sagt, ich möchte woanders hin.
00:42:50Man muss das begründen können,
00:42:51dann wird das geprüft
00:42:53und entweder bewilligt oder abgelehnt.
00:42:55Aber dauert sehr lange, nehme ich an.
00:42:57Es dauert sehr lange.
00:42:58Und wie gesagt, es ist sehr schwierig,
00:42:59dass man wirklich verlegt wird.
00:43:01Man braucht wirklich gute Gründe.
00:43:03Und selbst dann ist es oft ein Kampf
00:43:05und man muss mehrere Anträge stellen
00:43:06und immer wieder urgieren.
00:43:08Ja, und Außermann ist eine Frau,
00:43:10weil die Justizanstalten für Frauen,
00:43:12da gibt es, glaube ich, nur eine in Niederösterreich, oder?
00:43:15Genau, da gibt es eigentlich nur die Justizanstalt Schwarzau.
00:43:19Natürlich sind Frauen auch in anderen Gefängnissen.
00:43:21Also es gibt in so gut wie allen Gefängnissen
00:43:23auch Frauenabteilungen,
00:43:24weil es sich natürlich nicht ganz vermeiden lässt.
00:43:26Aber für die Frauen mit längeren Freiheitsstrafen
00:43:29ist die Justizanstalt Schwarzau eigentlich die einzige.
00:43:33Also auch hier Frauen benachteiligt,
00:43:35muss man eigentlich sagen, oder?
00:43:37Ja, es ist halt eine zu kleine Gruppe,
00:43:39um wirklich offensichtlich mehr darauf einzugehen.
00:43:43Wobei man schon sagen muss,
00:43:44eigentlich sind Frauen in Haft eher bevorzugt.
00:43:47Also ich merke das immer wieder,
00:43:49auch wenn es um Sachen, wie wir vorher gesprochen haben,
00:43:51Ausgänge, Fußfessel.
00:43:54Aus meinem subjektiven Gefühl
00:43:57wird Frauen das eher bewilligt
00:43:59oder auch mal die Halbstrafe.
00:44:01Aber natürlich, was die Gefängnisse betrifft,
00:44:03aber da haben wir generell ein Problem mit Gruppen,
00:44:05was jetzt immer ein größeres Thema wird,
00:44:07werden ältere Menschen in Haft.
00:44:09Das wird überhaupt nicht eingegangen
00:44:11und das führt zu massiven Problemen.
00:44:14Die Insassen werden dement
00:44:16oder haben körperliche Gebrechen.
00:44:18Das stellt natürlich auch die Beamten vor Herausforderungen.
00:44:20Da hatten wir kürzlich ja auch die Diskussion
00:44:22rund um den Inzestvater aus am Städten,
00:44:25Josef Fritzl, der ja auch als dement gilt
00:44:27und wo es wahrscheinlich auch immer schwieriger wird,
00:44:29den richtig zu verwarnen.
00:44:31Aber Anna, du hast es schon angesprochen,
00:44:33für alle fängt der Tag gleich an,
00:44:36relativ früh nämlich an.
00:44:37Wie können wir uns das da vorstellen?
00:44:39Wann musste denn damals auch Karl-Heinz Grasser aufstehen
00:44:44im Gefängnis und generell so ein Haftalltag?
00:44:47Wie schaut so ein Tagesablauf aus?
00:44:49Ja, ich weiß nicht,
00:44:50ob es in allen Justizanstalten gleich ist,
00:44:51aber so zwischen 6 Uhr und 6.30 Uhr ist Tagwache.
00:44:55Das heißt, da wird das Licht aufgedreht,
00:44:56da wird einmal geschaut, ob alle da sind.
00:44:58Er hat eine Zellenkontrolle gemacht,
00:45:00muss man ja auch machen,
00:45:02weil es kommt ja leider immer wieder vor,
00:45:03dass auch in der Nacht Sachen passieren,
00:45:05Suizide oder dergleichen.
00:45:07Das heißt, man muss einmal schauen,
00:45:09ist da alles so, wie es sein soll?
00:45:11Und dann kommt es sehr darauf an,
00:45:12wie der Unterschied zwischen
00:45:13Untersuchungshaft und Strafhaft.
00:45:15Untersuchungshaft ist leider das Problem,
00:45:17dass die meisten Häftlinge
00:45:18keine Beschäftigung in der Justizanstalt haben.
00:45:20Das heißt, die sind eigentlich 23 Stunden
00:45:22am Tag eingesperrt und haben eine Stunde Hofgang.
00:45:24Die sind dann froh, wenn der Anwalt einmal kommt,
00:45:26weil dann können sie auch raus.
00:45:27Und bei den Strafgefangenen ist es anders.
00:45:30Grundsätzlich herrscht ja Arbeitspflicht.
00:45:32Also eigentlich vom Gesetz her ist vorgesehen,
00:45:34dass jeder Häftling arbeitet.
00:45:36Da sind wir jetzt wieder Theorie und Praxis
00:45:38sehr weit auseinander.
00:45:39Faktisch ist es nämlich so,
00:45:40dass wir zwar in den meisten Justizanstalten
00:45:43Betriebe haben,
00:45:44also Tischlerei, Schlosserei,
00:45:45wo man grundsätzlich auch keine Ausbildung machen kann.
00:45:48Aufgrund des problematischen Budgets
00:45:51und des Personalmangels
00:45:52sind aber sehr, sehr viele Betriebe
00:45:53einfach geschlossen.
00:45:54Das heißt, es gibt diese Arbeitsplätze nicht.
00:45:57Und ja, dann sitzen die Leute herum,
00:46:00spielen Karten und hoffen,
00:46:01dass die Zeit vergeht,
00:46:02was natürlich auch ein Problem ist.
00:46:04Ich weiß jetzt nicht,
00:46:05ob Grasser Karten gespielt hat,
00:46:06aber zumindest laut Boulevardberichten
00:46:09soll Grasser im sogenannten Magazin
00:46:11der Innsbrucker Anstalt gearbeitet haben.
00:46:14Das heißt so viel wie,
00:46:15er hat Kleidung und Bettwäsche
00:46:16an Mitinsassen verteilt.
00:46:18Das ist ein sehr beliebter Job.
00:46:20Ein Mandant von mir arbeitet auch im Magazin,
00:46:22zwar nicht in Innsbruck,
00:46:23sondern in der Justizanstalt Stein.
00:46:25Und das ist ein sehr, sehr beliebter Job,
00:46:28den man auch nicht so einfach bekommt,
00:46:30muss man auch sagen.
00:46:31Also Romy-Bonus auch da,
00:46:32wenn man Bettwäsche austeigen kann oder wie?
00:46:35Da geht es eher um die Sicherheit.
00:46:36Man arbeitet natürlich da an einem Bereich,
00:46:39wo auch teilweise Zugang ist und so.
00:46:40Also das ist jetzt nicht die höchste
00:46:43Sicherheitsstufe im Magazin.
00:46:44Deswegen nimmt man da nur Häftlinge,
00:46:46denen man vertraut und wie gesagt.
00:46:48Aber weil man allgemein sagen muss,
00:46:50die meisten Häftlinge wollen wirklich arbeiten.
00:46:53Also das, was ich immer wieder höre,
00:46:54das Schlimmste ist,
00:46:54wenn ich nichts zu tun habe den ganzen Tag.
00:46:57Was für Jobs gibt es da,
00:46:58wenn sie offen haben und es Möglichkeiten gibt,
00:47:00es überhaupt zu arbeiten?
00:47:01Das ist ganz unterschiedlich.
00:47:03Ich habe jetzt letztens mit einem Mandanten gesprochen,
00:47:05der ist in der Justizanstalt Sonnberg.
00:47:07Die fertigen gewisse Teile für Autos an.
00:47:11In Stein gab es früher eine Druckerei.
00:47:15Ich weiß nicht, ob die noch in Betrieb ist.
00:47:17Wie gesagt, Autowerkstätten, alles Mögliche.
00:47:20Ich stelle mir vor allem gerade bei Promis wie Karl-Heinz Grasse,
00:47:25wenn man ihn so nennen mag,
00:47:26die Umstellung wahnsinnig schwer vor.
00:47:28Also Grasse hat ja ein Jet-Set-Leben geführt
00:47:30zwischen Kitzbühlen und einem Anwesen auf Capri.
00:47:33Er hat in tollen Restaurants gegessen,
00:47:34in schönen Häusern gelebt.
00:47:37Anna, hast du auch schon mal prominente Mandanten vertreten?
00:47:41Und falls ja, was erzählen die denn über diese Umstellung
00:47:43von einer Luxusvilla hin zu einer kleinen Zelle?
00:47:47Die Frage ist immer, wer ist prominent
00:47:50oder was definiert einen prominenten Mandanten?
00:47:52Ich habe natürlich auch Mandanten.
00:47:54Ich sehe jetzt gerade groß in der Zeitung.
00:47:56Ich vertrete den Egisto Ott.
00:47:58Auch der war schon zweimal in Untersuchungshaft.
00:48:01Ich glaube, die Unterscheidung ist nicht,
00:48:03ob jemand prominent ist oder nicht prominent,
00:48:05wie er damit umgeht,
00:48:06sondern es ist einfach, welcher Typ Mensch ist er.
00:48:08Egal, ob er prominent ist oder nicht.
00:48:10Ich habe Leute, die können mit dem Haftalltag
00:48:13relativ gut umgehen.
00:48:14Und dann gibt es Leute,
00:48:16da merke ich, für die ist jede Stunde
00:48:18da drinnen wirklich eine Qual.
00:48:21Das liegt, wie gesagt, einfach am Menschen an sich.
00:48:24Aber eine Frage an euch zwei,
00:48:26das interessiert mich jetzt.
00:48:28Angenommen, ihr wärt kriminell,
00:48:31was ihr ja zum Glück nicht seid.
00:48:33Aber wie stellt ihr euch das vor,
00:48:34dass es schwerer ist, wenn man auf frischer Tat
00:48:37quasi festgenommen wird und gar keine Wahl hat
00:48:39und jetzt in Untersuchungshaft kommt?
00:48:40Oder wenn man irgendwann den Zettel bekommt
00:48:42und wo draufsteht, in den nächsten vier Wochen
00:48:44musst du kommen und dich melden?
00:48:47Also ich glaube, es ist beides ganz fürchterlich.
00:48:49Vor allem die Vorstellung,
00:48:51dann in so einer Zelle zu sein.
00:48:54Ich war mal in so einer Gefängniszelle,
00:48:56Gott sei Dank, zum Arbeiten nur
00:48:57und ich durfte dann auch gleich wieder raus.
00:48:59Aber die Vorstellung,
00:49:00dann vielleicht für Monate, für Jahre
00:49:03in so einer kleinen Zelle
00:49:04meine Zeit zu fristen,
00:49:06das stellen wir ganz furchtbar vor.
00:49:08Und für mich würde es, glaube ich,
00:49:09keinen Unterschied machen,
00:49:10ob ich jetzt auf frischer Tat ertappt werde
00:49:11und dann eingesperrt werde
00:49:13oder ob ich antreten darf,
00:49:15auf eine Haft mit ein bisschen einer Schonfrist,
00:49:17wie es bei Karl-Heinz Kasser war.
00:49:19Also bei mir wäre es das Warten, glaube ich.
00:49:21Auf frischer Tat kann man da nicht nichts anderes machen.
00:49:23Aber ich glaube, das Warten,
00:49:23also wenn man dem entgegengeht,
00:49:24diesem Datum und sich denkt,
00:49:26okay, mein Leben verändert sich
00:49:27und ich habe jetzt noch sozusagen
00:49:30so die Zeit,
00:49:31die ich noch draußen verbringen kann
00:49:32und wo ich noch,
00:49:34ja sage ich mal,
00:49:35das bessere Leben fristen kann,
00:49:38ja, wäre vielleicht eher das das Problem,
00:49:40würde ich sagen.
00:49:41Aber wie groß ist denn so eine Zelle?
00:49:43Anne, meine ich,
00:49:43das ist natürlich unterschiedlich,
00:49:44aber wenn ich jetzt sage,
00:49:44in so einer klassischen Zelle,
00:49:45wie groß ist die ungefähr
00:49:47und darf ich da zum Beispiel fernschauen?
00:49:49Ich glaube,
00:49:50die Frage stellen sich auch viele.
00:49:52Es gibt eine Vorgabe,
00:49:55wie die Mindestgröße sein sollte von Zellen.
00:49:58Das ist bei Einzelzellen
00:49:59zwischen sieben und neun Quadratmetern,
00:50:01also das ist wirklich nicht groß,
00:50:02wenn man sich vorstellt,
00:50:03das ist, glaube ich,
00:50:04kleiner als der Raum,
00:50:06wo wir gerade sitzen.
00:50:09Und natürlich,
00:50:10wenn mehr Bettzellen sind,
00:50:13muss es natürlich größer sein.
00:50:15Da haben wir wieder die Problematik,
00:50:16dass wir chronisch überbelegt sind
00:50:17und somit auch der Quadratmeter Anteil
00:50:20pro Person sehr, sehr gering ist.
00:50:22Also ich habe gesprochen mit einem Mandanten,
00:50:24der hat gesagt,
00:50:24wir sind zu acht in der Zelle
00:50:26und mehr als zwei Leute gleichzeitig
00:50:27können nicht stehen.
00:50:29Also man muss sich immer ausmachen,
00:50:31wer geht jetzt vom Bett runter,
00:50:32damit man überhaupt den Platz hat,
00:50:34sich da drinnen zu bewegen.
00:50:35Aber hat man eine Toilette drinnen
00:50:36oder Waschbecken
00:50:37oder eine kleine Kochnische oder so?
00:50:38Genau, also Toilette ist drinnen,
00:50:40es ist ein Waschbecken drinnen
00:50:41und dann ein Fernseher ist grundsätzlich auch drinnen.
00:50:44Man kann das jetzt nicht vergleichen
00:50:46mit unseren Fernsehern,
00:50:47die wir draußen haben.
00:50:48Also die haben teilweise nur drei, vier Sender.
00:50:51Ich weiß, dass Puls 4 wird geschaut.
00:50:55Also das ist ein Sender,
00:50:56der übertragen wird,
00:50:57weil ich höre dann immer,
00:50:58ich habe dich bei Puls 4 gesehen
00:51:01im Interview.
00:51:04Und ansonsten,
00:51:05es haben nicht mal alle Zellen Kühlschränke.
00:51:08Das muss man auch sagen.
00:51:09Man sieht das,
00:51:09wenn man sich gerade innerhalb der Justiz
00:51:11an Schalt-Josefstadt aufhält,
00:51:13da sind die Fenster vergittert
00:51:14und die Häftlinge stellen ins Gitter
00:51:16quasi die Sachen rein,
00:51:18die gekühlt werden müssen.
00:51:19Das geht jetzt im Winter ganz gut,
00:51:20im Sommer funktioniert das nicht.
00:51:22Dann gibt es, wie gesagt,
00:51:23ganz andere Zellen,
00:51:24wo auch Dusche drinnen ist,
00:51:25wo auch eine kleine Sitzecke drinnen ist.
00:51:27Das ist sehr unterschiedlich.
00:51:29Vielleicht auch noch kurz
00:51:30zu der Fernsehgeschichte
00:51:30habe ich noch eine kleine Anekdote
00:51:32zu erzählen.
00:51:33Ja, auch ich werde erkannt
00:51:35aus dem Gefängnis heraus.
00:51:37Ich war zum Beispiel mal drehen
00:51:38am Wiener Praterstern.
00:51:39Das ist so ein Ort,
00:51:41wenn man jetzt nicht aus Wien ist,
00:51:42wo sich sehr viele Jugendliche
00:51:44auch treffen
00:51:45und zum Teil eben auch
00:51:46kriminelle Sachen passieren.
00:51:47Und ich war da auf der Suche
00:51:48nach einem jungen Drogendealer,
00:51:50einfach irgendjemand,
00:51:51der mir da ein bisschen was
00:51:51aus seiner Arbeit erzählen könnte,
00:51:53für eine Reportage.
00:51:54Und er hat mich angeschaut und gesagt,
00:51:55ja, ich kenne Sie eh aus Gefängnis.
00:51:58Sie sind eine Legende im Gefängnis.
00:52:00Da habe ich gedacht,
00:52:01na schau,
00:52:01seine Fans kann man sich
00:52:02offenbar nicht aussuchen,
00:52:03aber es war trotzdem sehr nett von ihm,
00:52:06dass ihm das aufgefallen ist.
00:52:07Ne, und wir beide haben ja auch
00:52:08einmal jemanden getroffen,
00:52:09der uns erzählt hat,
00:52:10im freien Vollzug,
00:52:11dass man dann gemeinsam schaut
00:52:13und dass man dann auch schaut,
00:52:14wer kommt bald rein,
00:52:15möglicherweise.
00:52:18Ins Gefängnis rein, nämlich.
00:52:19Genau, und eine kleine Anekdote auch noch,
00:52:22weil wir eben gesagt haben,
00:52:23es gibt ja nur, wenn überhaupt,
00:52:24ein paar Sender.
00:52:25Wir haben ja auch einen Fall
00:52:27vor kurzem gehabt,
00:52:28vor ein paar Monaten erst,
00:52:30aus der Justizentschalt Graz-Kalau,
00:52:32wo ein USB-Stick herumgereicht wurde,
00:52:34also oft sind die Häftlinge sehr kreativ.
00:52:37Und da waren sozusagen neben Liedern und Filmen
00:52:41unter anderem die Serie Prison Break drauf,
00:52:43das erwähnen wir deshalb,
00:52:44wenn wir es besonders lustig finden,
00:52:46weil es da, sage ich mal,
00:52:48staffelweise um einen geplanten Gefängnisausbruch geht.
00:52:51Gut, man muss sagen,
00:52:52in der Justizanstalt Graz-Kalau sitzen
00:52:54die meisten mit Langstrafen,
00:52:55die haben natürlich viel Zeit,
00:52:56um sich das anzuschauen,
00:52:58wie das bei Prison Break funktioniert hat
00:52:59und das dann eventuell umzusetzen.
00:53:02Das hoffen wir natürlich nicht.
00:53:04Aber die Frage,
00:53:05die wir uns natürlich auch stellen,
00:53:06Mann,
00:53:06Anno, du hast das schon kurz angesprochen,
00:53:08die dürfen sich die Kleidung
00:53:09von draußen mit reinnehmen
00:53:10oder sie werden dann auch damit versorgt,
00:53:13vielleicht von Familienmitgliedern
00:53:14bei einem Haftbesuch.
00:53:15Also es ist jetzt nicht so,
00:53:16dass sie alle so wie in den amerikanischen Gefängnissen
00:53:19mit einem Orangen-Overall da drinnen sitzen?
00:53:22Nein.
00:53:23Also in Österreich kann jeder
00:53:24seine Privatkleidung tragen.
00:53:26Es gibt schon eine Gefängniskleidung.
00:53:29Ich muss gestehen,
00:53:30ich habe das auch zum ersten Mal wahrgenommen.
00:53:32Ich habe,
00:53:33wir können uns, glaube ich,
00:53:34alle noch an den Terroranschlag 2020
00:53:36in Wien erinnern
00:53:37und ich habe dann vertreten
00:53:39in der Berufungsverhandlung
00:53:40Jahre später
00:53:42und da waren alle schon aufgeteilt
00:53:44auf verschiedene Justizanstalten.
00:53:45Also der eine ist aus der Klau gekommen,
00:53:47der andere aus der Justizanstalt Hirtenberg
00:53:49und die haben die wirklich
00:53:51in Gefängnis-Overalls vorgeführt
00:53:53mit Fußketten
00:53:55und Armketten
00:53:56und Bauchgurt.
00:53:58Für mich war das
00:53:59eine ganz schlimme Erfahrung,
00:54:01weil ich das nicht kannte.
00:54:02Also wir kennen das alle aus Filmen
00:54:03mit diesen Orangen-Overalls,
00:54:05aber ich kannte das in meiner Praxis,
00:54:07in meiner Arbeit nicht
00:54:09und da wurde das gemacht.
00:54:11Ich weiß bis heute nicht, warum,
00:54:13weil in der Anstalt
00:54:14tragen sie natürlich
00:54:15ihre normale Kleidung.
00:54:18Für mich hat das so gewirkt,
00:54:19als wollte man da noch einmal
00:54:21wirklich zeigen,
00:54:23ihr seid jetzt ganz unten angekommen.
00:54:25Vor Gericht dürft ihr nicht
00:54:26mehr ihre eigene Kleidung,
00:54:27sondern wirklich diese
00:54:28diese Overalls haben auch ausgeschaut,
00:54:30als wären sie die letzten
00:54:3140 Jahre im Keller gelegen.
00:54:32Also das war wirklich
00:54:33für mich sehr erschreckend,
00:54:35aber grundsätzlich
00:54:37darf jeder
00:54:38seine Kleidung tragen.
00:54:39Es gibt schon noch
00:54:40eine andere Art
00:54:41der Gefängniskleidung
00:54:42und zwar von denen,
00:54:43die drinnen arbeiten
00:54:44in der Justizanstalt Josefstadt.
00:54:45Da haben zum Beispiel
00:54:46die Hausarbeiter
00:54:47grüne T-Shirts,
00:54:49dann gibt es noch blaue T-Shirts,
00:54:50das sind die von der Wäscherei,
00:54:51damit man die schneller erkennt,
00:54:53wo die arbeiten,
00:54:54wo die hingehören.
00:54:55Und was mich auch
00:54:57schon sehr lange interessiert,
00:54:58und da kenne ich mich auch
00:54:59noch immer viel zu wenig aus,
00:55:00ist das sogenannte Haftkonto.
00:55:01Ich glaube,
00:55:01das wissen auch die wenigsten,
00:55:02dass es sowas überhaupt gibt.
00:55:04Also vielleicht auch da,
00:55:05die Überfrage,
00:55:06reagiert auch da sozusagen
00:55:08um die Außenwelt
00:55:09wieder an zu sprechen,
00:55:10reagiert auch da
00:55:11Geld die Welt sozusagen?
00:55:13Also sprich,
00:55:13hat da vielleicht
00:55:13Grasser einen Vorteil
00:55:14gegenüber anderen?
00:55:16Und vor allem,
00:55:17was vielleicht auch
00:55:18viele interessiert,
00:55:19es gibt ja anscheinend
00:55:19auch einen Haftshop,
00:55:21wo ich Sachen einkaufen kann.
00:55:22Was gibt es dort eigentlich?
00:55:24Also da hat Grasser
00:55:26keinen Vorteil
00:55:27gegenüber anderen Häftlingen.
00:55:28Jeder hat ein Häftlingskonto,
00:55:30auf das muss von außen
00:55:31eingezahlt werden.
00:55:32Manche Justizanstalten
00:55:33limitieren,
00:55:35wie viel man drauf spielen kann
00:55:36und limitieren dann auch,
00:55:38wie viel man ausgeben darf
00:55:39für gewisse Dinge.
00:55:40Also da sind wirklich
00:55:41alle gleich.
00:55:42Da gibt es jetzt für ihn
00:55:43keinen Bonus.
00:55:44Bargeld gibt es ja überhaupt
00:55:45nicht in den Justizanstalten.
00:55:47Das heißt,
00:55:47mit diesem Haftkonto
00:55:48wird alles bezahlt.
00:55:50Da werden die Essenseinkäufe
00:55:52bezahlt,
00:55:52aber auch die Telefonkarte.
00:55:54Also wenn jemand
00:55:55telefonieren will,
00:55:55auch dafür muss man ja zahlen,
00:55:57wird die Telefonkarte
00:55:58aufgeladen.
00:55:58Wenn jemand eine
00:55:59Ordnungsstrafe hat,
00:56:00weil er zum Beispiel
00:56:01den Haftraum nicht putzt
00:56:02und er kriegt 20 Euro
00:56:03Ordnungsstrafe,
00:56:03wird das auch vom
00:56:04Haftkonto abgezogen.
00:56:06Und ja,
00:56:07wie du gesagt hast,
00:56:08es gibt Gefängnisshops
00:56:09unter Anführungszeichen.
00:56:11Das ist auch von Justizanstalt
00:56:13zu Justizanstalt
00:56:14unterschiedlich.
00:56:15Es gibt in manchen
00:56:17Justizanstalten wirklich
00:56:18wie so kleine
00:56:20Einkaufsgeschäfte,
00:56:21wo man auch
00:56:22so Wagerl hat.
00:56:23Also da kann man auch
00:56:23durchfahren.
00:56:25In anderen Justizanstalten
00:56:27funktioniert es mit
00:56:27einem Bestellservice,
00:56:28also mit Formular.
00:56:29Schickt man dann die
00:56:30Lieferung nach Hause.
00:56:32Nach Hause.
00:56:33Direkt vor die Tür.
00:56:35Also es gibt
00:56:35Unterschiede.
00:56:36Was gibt es für Sachen?
00:56:37Es gibt grundsätzlich
00:56:38ganz normal Sachen,
00:56:40Süßigkeiten,
00:56:41Getränke.
00:56:41Es gibt natürlich
00:56:42keinen Alkohol.
00:56:44Das muss man schon
00:56:45dazu sagen.
00:56:46Aber sonst alles,
00:56:47was man so gerne hätte,
00:56:48Brot, Aufstriche.
00:56:50Und das kann man sich,
00:56:52wie gesagt,
00:56:52dazukaufen.
00:56:53Man muss aber dazu sagen,
00:56:54es ist relativ teuer.
00:56:56Es sind so vergleichbar
00:56:57mit Tankstellenpreisen.
00:56:58Also das geht schon
00:56:59ordentlich ins Geld.
00:57:01Also auch hier,
00:57:02wer es sich leisten kann,
00:57:03kann es sich auch vielleicht
00:57:04ein bisschen besser richten
00:57:05im Gefängnis.
00:57:06Aber wir sehen,
00:57:07der Gefängnisalltag
00:57:08von Karl-Heinz Kasser
00:57:09so kurz jetzt auch gewesen sein
00:57:11mag,
00:57:11hat sich kaum vom Alltag
00:57:12eines anderen
00:57:14Mitinsassen
00:57:16unterschieden.
00:57:16Im Detail dann
00:57:17allerdings schon,
00:57:20wie wir gehört haben.
00:57:21Eine Sache,
00:57:22die im Gefängnis
00:57:23ja auch immer wieder
00:57:23auftaucht,
00:57:24ist,
00:57:26dass Insassen
00:57:27ein Handy haben.
00:57:28Ich glaube,
00:57:28das ist nicht erlaubt,
00:57:29Anna.
00:57:29Oder wie kommen die denn
00:57:30ins Gefängnis?
00:57:31Handys?
00:57:32Nein,
00:57:32es ist nicht erlaubt,
00:57:34ein Handy zu haben.
00:57:35Dennoch gibt es sehr,
00:57:36sehr viele Handys
00:57:36in den Justizanstalten.
00:57:38Wie die Handys reinkommen,
00:57:39auf unterschiedlichsten Wegen.
00:57:40Also manchmal werden sie
00:57:42über Mauern geschmissen
00:57:43und drinnen
00:57:44während des Besuchs,
00:57:45während des Hofgangs
00:57:47dann aufgesammelt.
00:57:48Jetzt teilweise werden sie
00:57:50mit Drohnen abgeworfen
00:57:51über dem Gefängnis.
00:57:53Viel wird auch
00:57:54beim Besuch geschmuggelt,
00:57:55also beim Angehörigenbesuch.
00:57:58Schmuggel findet auch
00:57:59durch Freigänger statt,
00:58:01also Häftlinge,
00:58:02die schon draußen arbeiten.
00:58:05Und teilweise,
00:58:06ich hatte erst vor zwei Wochen
00:58:08in Graz eine Verhandlung,
00:58:09teilweise kommt es natürlich
00:58:10auch durch
00:58:11Justizwachebeamten rein.
00:58:12Ich meine,
00:58:13ich habe da vielleicht
00:58:14eine Spezialfrage,
00:58:15aber gibt es einen Unterschied
00:58:16zwischen dem offenen
00:58:18Strafvollzug
00:58:18oder dem vollen
00:58:20und der Urhaft?
00:58:20Weil ich hatte jetzt den Fall,
00:58:22auch wieder Innsbruck betreffend,
00:58:24wo zwei Ur-Häftlinge
00:58:25sehr schnell
00:58:26an ein Handy gekommen sind.
00:58:27Also die sind
00:58:28nach Innsbruck geliefert worden,
00:58:29waren dann relativ,
00:58:30nach ein paar Wochen
00:58:31haben die beide
00:58:32ein Handy gehabt.
00:58:33Der eine mit vollem
00:58:34Internetzugang,
00:58:35hat Onlinespiele gespielt,
00:58:36hat ein vollwertiges
00:58:38Facebook-Profil gehabt
00:58:40und sich, glaube ich,
00:58:41mit der Außenwelt
00:58:42sehr gut ausgetauscht
00:58:43und den anderen
00:58:44hat man telefonierend
00:58:45angetroffen in der Zelle.
00:58:47Wie geht das?
00:58:48Also gibt es einen Unterschied
00:58:49zwischen Urhaft
00:58:50und dem vollen Verzug?
00:58:52Von den Handys her meinst du?
00:58:54Also sprich vom Zugang.
00:58:55Also ist die Urhaft
00:58:56vielleicht besser abgeschirmt?
00:58:59Naja, man muss dazu sagen,
00:59:00bei der Urhaft,
00:59:02ich werde ja meistens
00:59:03vom Fleck weg festgenommen
00:59:04und meistens nimmt mir
00:59:05die Polizei mein Handy weg.
00:59:06Das heißt,
00:59:07da habe ich dann
00:59:07überhaupt kein Handy mehr,
00:59:09das ich irgendwie
00:59:09reinschmuggeln könnte.
00:59:11Vom Freigang natürlich,
00:59:13das sind Leute,
00:59:13die gehen ja ständig
00:59:15aus und ein.
00:59:16Also der geht ja jeden Tag
00:59:17rein und raus.
00:59:17Der sieht natürlich auch
00:59:18die Schwachstellen.
00:59:20Der beobachtet die Beamten,
00:59:22wer schaut,
00:59:23wer kontrolliert besser,
00:59:24wer kontrolliert schlechter.
00:59:25Das sind ja alles,
00:59:26das sind ja nicht nur
00:59:27dumme Menschen in Haft.
00:59:29Und die wissen natürlich schon,
00:59:30wie sie Schwachstellen ausnützen.
00:59:32Das ist sicher im Freigang
00:59:33leichter als in der Urhaft.
00:59:34Aber die Handys werden ja
00:59:35natürlich auch
00:59:36innerhalb der Anstalt
00:59:37weitergegeben.
00:59:39Aber ich meine jetzt
00:59:40sozusagen auch
00:59:40zwischen Urhaft
00:59:41und dann der echten Strafhaft
00:59:43sozusagen.
00:59:44Gibt es da einen Unterschied?
00:59:45Also ist die Urhaft
00:59:45da eine Stärke im Fokus?
00:59:47Ja, die Urhaft ist
00:59:48wesentlich strenger.
00:59:49Das ist eigentlich
00:59:50ein bisschen paradox,
00:59:51weil die Urhaft ja
00:59:53der höchste
00:59:54Freiheits- oder
00:59:54der stärkste
00:59:56Freiheitseingriff
00:59:56ist, den wir haben,
00:59:57weil da haben wir Leute,
00:59:58die sind nicht verurteilt.
00:59:59Also wir werfen denen
01:00:00nur was vor.
01:00:01Und die Urhaft hat
01:00:02aber die meisten
01:00:03Einschränkungen,
01:00:04die dann lockerer werden,
01:00:06wenn jemand in Strafhaft ist.
01:00:08Also wir sehen schon,
01:00:09wir könnten über
01:00:09unfassbar viele Dinge
01:00:11sprechen,
01:00:11wenn es um die
01:00:12Justizanstalt geht.
01:00:12Eine Sache,
01:00:13die ich aber noch
01:00:14ganz kurz ansprechen
01:00:15wollen würde,
01:00:16Anna, weil wir das
01:00:16auch kürzlich besprochen haben
01:00:18und Jan, ich glaube,
01:00:18du warst eh da auch dabei.
01:00:20Und zwar hast du uns
01:00:21hier von einer Liebeszelle
01:00:22erzählt.
01:00:23Jetzt würden wir natürlich
01:00:24gerne wissen,
01:00:25was ist denn die Liebeszelle
01:00:26und glaubst du,
01:00:27dass Karl-Heinz Krasser
01:00:27die auch genutzt hat?
01:00:29Also ich muss gestehen,
01:00:30ich war einmal
01:00:30in der Liebeszelle,
01:00:32aber...
01:00:33Privat oder beruflich?
01:00:35Aber beruflich
01:00:36und zwar war ich
01:00:37in der Justizanstalt
01:00:38Simmering
01:00:38in der Liebeszelle
01:00:39zu Corona-Zeiten.
01:00:41Wir können uns
01:00:42alle erinnern,
01:00:43da durfte man sich
01:00:44nicht in engen Räumen
01:00:45treffen,
01:00:45weil alle Panik hatten,
01:00:46dass man sich ansteckt.
01:00:48Und ich hatte
01:00:49eine Anhörung
01:00:50zur Fußfessel,
01:00:50passt heute zum Thema
01:00:51und die fanden normalerweise
01:00:53in den kleinen Büros
01:00:54statt.
01:00:55Und da man das
01:00:55da nicht machen wollte,
01:00:57wurde die Anhörung
01:00:58in die Liebeszelle
01:00:59verlegt.
01:00:59Und deswegen konnte
01:01:00ich einmal
01:01:01mir so eine anschauen.
01:01:02Das ist in erster Linie
01:01:04eigentlich eine Zelle
01:01:05für Familienbesuche.
01:01:07Da ist eine Ecke
01:01:09mit Spielzeug
01:01:09für die Kinder,
01:01:10es gibt eine kleine Küche
01:01:11und alles.
01:01:12Aber es gibt auch
01:01:13ein Bett
01:01:14mit Nachtkästchen
01:01:15und auf den Nachtkästchen
01:01:16liegen die Kondome.
01:01:18Also
01:01:20ist grundsätzlich
01:01:21für Häftlinge,
01:01:22die sich gut führen
01:01:22und die keine Probleme
01:01:23machen,
01:01:24einmal im Quartal
01:01:25möglich.
01:01:27Ob der Herr Grasser
01:01:28in der Liebeszelle war,
01:01:30das weiß ich jetzt nicht.
01:01:32Ich weiß nicht,
01:01:32ob ihr da vielleicht
01:01:33bessere Quellen habt
01:01:34in die High Society Welt,
01:01:35um das rauszufinden.
01:01:37Leider nicht.
01:01:37Ich weiß da nichts davon.
01:01:39Gar keiner.
01:01:40Aber die Frage,
01:01:40die es vielleicht klären kann,
01:01:41ist,
01:01:42wie schnell kann man die beantragen?
01:01:43Also einmal im Quartal,
01:01:45aber geht sich das überhaupt aus,
01:01:46wenn man ein halbes Jahr
01:01:47in Haft ist?
01:01:48Also wenn man nur ein halbes Jahr
01:01:49in Haft ist,
01:01:49geht sich das grundsätzlich nicht.
01:01:51Wobei beim Herrn Grasser
01:01:52ist einiges schneller gegangen
01:01:53als sonst.
01:01:55Nein,
01:01:56aber normalerweise
01:01:56ist das wirklich
01:01:57für die Häftlinge,
01:01:59die lange Strafen haben.
01:02:00Und
01:02:01da man da ja
01:02:02jemanden
01:02:03unbeobachtet lässt,
01:02:04Normalerweise
01:02:05die normalen Angehörigenbesuche
01:02:06finden ja beobachtet statt.
01:02:08Also da sind die Beamten,
01:02:09da gibt es Videoüberwachung.
01:02:10Aber in der Liebeszelle
01:02:11gibt es natürlich
01:02:12keine Videoüberwachung.
01:02:13Das heißt,
01:02:14man muss die Häftlinge
01:02:15sehr gut kennen
01:02:16und beurteilen können,
01:02:19ob das gefährlich wird
01:02:20oder nicht.
01:02:20Das heißt,
01:02:21das dauert.
01:02:21Da muss ein Vertrauensverhältnis
01:02:23auch aufgebaut werden,
01:02:24dass das überhaupt genehmigt wird.
01:02:25Jedenfalls
01:02:26der Haftalltag
01:02:27von Karl-Heinz Grasser
01:02:28hat uns
01:02:29und die Öffentlichkeit
01:02:30sehr stark beschäftigt.
01:02:32Jetzt haben wir,
01:02:32wenn wir ein Fazit ziehen wollen,
01:02:34Gesehene unterscheidet sich
01:02:35eben, wie gesagt,
01:02:36nicht besonders
01:02:36vom Haftalltag
01:02:38anderer Häftlinge
01:02:39oder anderer
01:02:40Mitinsassen.
01:02:43Aber wenn man sich
01:02:44so anschaut,
01:02:45wie schnell es dann doch
01:02:46zum ersten Haftausgang
01:02:47gekommen ist
01:02:48oder eben auch
01:02:49zur Fußfessel,
01:02:51kann man schon
01:02:51ein bisschen nachvollziehen,
01:02:52dass das für Außenstehende
01:02:54für Unmut sorgt,
01:02:55Jana, oder?
01:02:56Ich denke schon.
01:02:57Also beziehungsweise
01:02:58auch vielleicht
01:02:59die Frage an dich,
01:03:00Anna,
01:03:00kann man in Österreich
01:03:02dahingehend auch
01:03:03von einer Zwei-Klassen-Justiz
01:03:04sprechen?
01:03:04Also jetzt,
01:03:05wir haben heute viel gehört,
01:03:07es gibt ja Unterschiede.
01:03:10Gibt es das in Österreich?
01:03:11Ja.
01:03:11Ist das so?
01:03:12Definitiv.
01:03:13Also jemand,
01:03:14der Kontakte hat,
01:03:16über die finanziellen
01:03:16Mittel verfügt,
01:03:17das fängt ja schon an
01:03:19bei einer allfälligen
01:03:21Polizeieinvernahme
01:03:22oder beim Ermittlungsverfahren.
01:03:23Ich meine,
01:03:24wenn wir uns anschauen,
01:03:25wie gut die Anwälte
01:03:27gearbeitet haben
01:03:28im Fall Grasser,
01:03:29also da war ja auch
01:03:30viel Taktik dabei,
01:03:31auch dass das Verfahren
01:03:32natürlich ein bisschen
01:03:32länger gedauert hat,
01:03:33lag auch ein bisschen
01:03:34an den Anwälten,
01:03:35was ihnen nicht vorzuwerfen ist,
01:03:36weil die nur die Rechte
01:03:37genützt haben.
01:03:38Aber das war natürlich
01:03:39taktisch schon sehr gut
01:03:41und das muss sich auch
01:03:43einer leisten können,
01:03:44über so eine lange Zeit
01:03:45einen Anwalt zu finanzieren.
01:03:48Also definitiv gibt es
01:03:49Unterschiede
01:03:50in gewissen Bereichen.
01:03:52Es gibt aber auch
01:03:52wieder Bereiche,
01:03:54wo es keine Unterschiede gibt.
01:03:55Also wenn man in die
01:03:56Justizanstalt kommt
01:03:57und man muss sich ausziehen
01:03:58und man wird durchsucht,
01:03:58da gibt es definitiv
01:03:59keine Unterschiede.
01:04:00Ja,
01:04:01ein sehr spannender Einblick
01:04:02war das heute
01:04:03in den Fall
01:04:05Karl-Heinz Grasser
01:04:06und vor allem aber auch
01:04:07im Blick hinter
01:04:07die Gefängnismauern.
01:04:09Wir haben also heute gesehen,
01:04:10ein prominenter Name
01:04:12bewahrt nicht
01:04:13vor einer Verurteilung,
01:04:14aber er sorgt dafür,
01:04:15dass jede Haftlockerung
01:04:16im grellen Scheinwerferlicht
01:04:18der Öffentlichkeit steht.
01:04:20Karl-Heinz Grasser
01:04:20verbüßt seine Strafe
01:04:22nun mit Fußfessel
01:04:23im elektronisch überwachten
01:04:25Hausarrest unter strengen Kontrollen,
01:04:27wie wir heute gehört haben,
01:04:29und klaren Auflagen.
01:04:30Ob man das als gerechte
01:04:32Resozialisierung
01:04:33oder als Promi-Bonus
01:04:34empfindet,
01:04:35sagt am Ende
01:04:36oft mehr über
01:04:37unser Vertrauen
01:04:38in den Rettstatt aus,
01:04:39als über diesen einen Fall.
01:04:41Danke, Anna Mayer,
01:04:42für deinen unglaublich
01:04:43spannenden Einblick
01:04:44heute in deine Arbeit.
01:04:45Ich sage danke.
01:04:46Danke, Jan,
01:04:47dass du diesen Fall
01:04:48heute auch mit mir
01:04:49gemeinsam erzählt hast.
01:04:50Gerne.
01:04:52Ja, das war eine weitere Folge
01:04:54unseres Podcasts
01:04:55Schuldfrage.
01:04:56Vielen Dank auch Ihnen
01:04:56fürs Zuhören
01:04:58und fürs Zusehen.
01:04:59Wir hoffen natürlich
01:05:00bis bald,
01:05:01wenn es wieder heißt
01:05:02keine Strafe ohne Schuld.
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