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  • vor 7 Wochen
Moskau, 2006: Die Eltern von Felix treffen erstmals einen
russischen Militärstaatsanwalt. Er verspricht Aufklärung -
angeblich im Auftrag von Wladimir Putin. Doch wenig später
stirbt die Tochter des Hauptverdächtigen bei einem Unfall, die
Ermittlungen geraten ins Stocken. In Deutschland bleiben
zentrale Ermittlungsakten unter Verschluss - aus Gründen der
Geheimhaltung. Ein ehemaliger Ermittler ver

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Transkript
00:00Ich saß beim Friseur, da kam eine Kundin auf mich zu.
00:05Sind Sie die Frau?
00:07Ich guck die so an.
00:09Wie jetzt?
00:10Na, die Frau!
00:12Da hab ich dann die Worte aus dem Mund genommen und gesagt,
00:16wenn Sie die Frau meinen,
00:18der einen Babymann entführt hat vor ganz vielen Jahren,
00:21ja, die bin ich.
00:25Ich wusste das ja gar nicht, weil du ja auch vom Typ so ...
00:30immer so lebenslustig bist, hätte ich nie gedacht,
00:32dass da so eine Geschichte hinter so einem Menschen steckt.
00:36Wir können wirklich von Glück reden,
00:38dass wir wieder zwei so gesunden Kinder bekommen haben.
00:41Das stimmt, na.
00:42Felix haben wir im Alter von fünf Monaten verloren.
00:45Und beim Fabian hatte ich so gedacht,
00:47jetzt musst du erst mal älter werden,
00:49als du Felix verloren hast.
00:53Der erste richtig tolle Tag war,
00:55wo der Fabian fünf Monate ohne jeden Tag war.
01:00vielleicht gibt's noch sein Happy End.
01:02Man will das schon erleben.
01:04Ist klar, ne?
01:30Ich hatte mit der Geschichte abgeschlossen.
01:34Mein Mann hingegen,
01:36der hat immer wieder,
01:39immer wieder kamen die Gedanken und dann hab ich gedacht,
01:41okay, los Leo, gib dir einen Ruck,
01:44wir machen das gemeinsam.
01:45Das war so Mitte Juli 2000.
01:48Da haben wir dann einfach mal einen Brief geschrieben
01:50an die Staatsanwaltschaft und haben einen Antrag gestellt
01:52auf die Wiederaufnahme des Ermittlungsverfahrens.
01:55Die DDR war weg, die Sowjetunion war weg,
01:58wir waren vereintes Deutschland.
01:59Lass uns doch einfach hier nochmal auf Angriff gehen.
02:03Nach hiesiger Auffassung kein hinreichender Anlass
02:06zur Wiederaufnahme des Ermittlungsverfahrens.
02:08Neue und erfolgsversprechende Ermittlungsansätze
02:11sind nicht ersichtlich.
02:12Der Tatbestand der Kindesentziehung
02:15gemäß § 235 StGB
02:17stellte nur die Entführung einer Person unter 18 Jahren
02:22durch List, Drohung oder Gewalt unter Strafe.
02:24Da sich die neu zu führenden Ermittlungen
02:27somit von vornherein auf ein strafloses Verhalten beziehen würden,
02:31kam eine Wiederaufnahme des Verfahrens nicht in Betracht.
02:35Das ist ja...
02:36Und wer hat das geschrieben?
02:37Staatsanwalt Avenarius.
02:39Und das ist genau der Staatsanwalt, der uns dann weitergeholfen hat.
02:45Ich freue mich sehr, dass wir hier sein dürfen.
02:48Ja, genau.
02:51Die Begründung ist, wenn man es auf Deutsch sagt, herzlos.
02:56Ja.
02:57Das weiß ich selbst.
03:00Es war aber juristisch folgerichtig wohl.
03:02Und deswegen musste ich es einstellen.
03:05Und da haben wir dann gedacht,
03:06Mensch, irgendwie vermissten Anzeige von Felix.
03:10Die haben ja doch nie aufgegeben.
03:12Es ist immer eine Kindesentführung.
03:13Lass uns einfach mal aufs Polizeirevier Dresden-Mitte gehen
03:16und diese Anzeige aufnehmen lassen.
03:19Und die sagen dann, ja, ihr Sohn,
03:21also wie bleiben Sie mal ganz ruhig.
03:23Seit wie vielen Stunden?
03:25Wann ist denn das passiert?
03:27Und wir sagen, am 28.12.1984.
03:33Guckt die uns an wie, ich glaube, das Ehepaar ist verwirrt.
03:38Das war ja vor allen Dingen nachmittags.
03:40Und da war schon bei der Polizei ein bisschen Ruhe eingetreten.
03:44Und der eine Kollege da hinter der Panzerglas-Scheibe, der sagte,
03:48warten Sie mal, ich glaube, da ist noch jemand da, der den Vorgang kennt.
03:51Und der kam dann runter und sagte,
03:53und dann kam dann auch durchs Machen, sieben für Sachen.
03:55Kommen Sie mal rein.
03:56Und da hat er wirklich schön die Früßanzeige aufgenommen.
03:59Da war der nächste Schritt gemacht.
04:02Aber es war schon immer drängen.
04:04Wir mussten immer, wir mussten immer darauf drängen.
04:06Zu traurig.
04:08Du musstest, du durftest, aber wirklich gar nicht nachlassen.
04:12Ja.
04:16Und dann kam die Sache ganz langsam wieder ins Rollen.
04:20Ich habe mich gefreut, dass sie diese Vermisstenanzeige gemacht haben.
04:25Und so sind wir dann dazu gekommen, zu sagen,
04:28jedenfalls solange der Felix nicht 18 ist, kann das weiterverfolgt werden.
04:34Wir haben das Verfahren im Hinblick auf eine Gesetzesänderung,
04:38die die Verjährung etwas hinausgeschoben hat, wieder aufgenommen.
04:44Und das hat uns zunächst die Möglichkeit gegeben,
04:47um die kriminaltechnischen Untersuchungen an den Asservaten durchzuführen,
04:51die vorher nicht möglich waren.
04:53Der DNA-Befund war ja dann auch eindeutig,
04:55dass es der Felix war, der den Schnuller im Mund hatte,
05:00den der Findeljunge seinerzeit hatte.
05:04Deswegen war man spätestens zu diesem Zeitpunkt
05:08zu dem Schluss gezwungen, dass die Kinder vertauscht worden waren.
05:13Es ist alles bestätigt worden, was man damals nicht mit der Eindeutigkeit beweisen konnte,
05:19mit der man es heute beweisen kann.
05:22Bei der Durchsicht der Akten wurde uns erstmalig klar,
05:25wenn wir die Identität des Findelkindes aufklären können,
05:29dann wissen wir, unter welcher Identität unser Sohn Felix lebt.
05:41In der Annahme von Herrn Schöck, dass Juri Senko der Vater von Martin ist,
05:46brauchen wir seine DNA.
05:49Wir hoffen, diese DNA auf der Ikone zu finden.
05:53Die wird jetzt untersucht.
05:58Herr Kutteis? Guten Tag.
05:59Kunkel, wir hatten telefoniert.
06:02Zur Untersuchung, zur treuen Händen.
06:03Vielen Dank. Wir melden uns, wenn die Untersuchung abgeschlossen ist.
06:05Okay, bis dann. Tschüss.
06:06Tschüss.
06:13Und wenn wir dann auf die Person Juri Senko schauen,
06:18und wenn wir die DNA haben,
06:20dann würden wir die mit der DNA von Martin vergleichen.
06:30Wir würden auch gerne von Martin eine neue Speichelprobe haben,
06:32weil die Untersuchungsmethoden viel fahler geworden sind
06:35und man viel mehr ausformeln kann als vor 10, 15 Jahren.
06:43Martin zu finden war nicht einfach.
06:46Er war so gut wie vom Erdboden verschluckt.
06:49Und durch entsprechende Recherchen mussten wir dann leider feststellen,
06:55als wir einen Treffer erzielten, dass Martin schon im Jahr 2020 verstorben ist.
07:01Und ...
07:13Ja, guten Tag.
07:14Hallo, guten Tag.
07:15Können Sie uns sagen, was todesursächlich war, woran er gestorben ist?
07:20Hat er sich eine Krankheit eingefangen oder war es ein Unfall?
07:23Er hatte Hepatitis.
07:25Ah, ja, okay.
07:27Und dann noch Alkoholprobleme dazu.
07:30Wir denken die Tabletten an Alkohol.
07:33Meinen Sie, es war eventuell ein Suizid oder eher ein Versehen?
07:36Was meinen Sie?
07:38Nein, das glaube ich nicht versehen.
07:39Er hat dann auch mit allem abgeschlossen gehabt.
07:42Ja, er wollte nicht mehr.
07:43Nee.
08:01Den Juri Sengu hätte ich damals fragen können.
08:04Kann es sein, dass Martin dein Sohn ist?
08:06Ist mir dann viel zu später eingefallen, diese Frage zu stellen.
08:11Wenn wir denn seine DNA kriegen, dann wissen wir ja, hat er was damit zu tun oder nicht?
08:17Ist er es nicht, dann ist er es nicht.
08:18Dann ist diese Spur eben abgearbeitet.
08:23Aber was den Juri ja auch verdächtig macht, ist, dass der von der Krankenschwester den Namen exakt wusste.
08:32Da steht ja eh bloß der Vorname, weil die Russen auch nur mit dem Vornamen sprechen.
08:422016 in der Garage.
08:44Da hat dieser Juri von einer Krankenschwester Elena gesprochen, die wir ausfindig machen sollen.
08:52Und dann hat er uns noch als Gedankenschütze ein DIN A4-Blatt mitgegeben, auf dem stand der vollständige Name der
08:59Krankenschwester.
09:04André hatte mir das alles übersetzt und wir fanden das merkwürdig, dass wir wegen dieser Informationen überhaupt nach Kaliningrad reisen
09:13sollten.
09:14André hat gesagt, ich gehe einfach mal in das russische System, wo sich Schüler treffen.
09:20Adna Klasnicki heißt das, hat dort den Namen eingegeben, das ungefähre Alter und sofort ein Treffer.
09:26Und da hat die angerufen, die gute Frau.
09:28Und sie hat gesagt, ich habe dort gearbeitet in diesem Krankenhaus, in der Kinderabteilung.
09:33Ich hatte auch einen Freund in der Militärstaatsanwaltschaft, aber sie hatte mit dem Problem nichts zu tun.
09:38Den André, woher kennst du den?
09:40Den haben wir kennengelernt, das ist reichlich zehn Jahre her.
09:43Da waren wir auf Einladung eines russischen Fernsehsenders in Moskau und die hatten einfach mal einen Aufruf gestartet.
09:48Und dann gibt es jemanden, junge Männer, Geburtszeitraum, so ungefähr 1984, die in Dresden wohnen wurden, für ein Filmprojekt.
09:56Und da hat er sich gemeldet.
10:07Auf diese Art und Weise haben wir ihn bei der Fernsehsendung kennengelernt und wir sind in Kontakt geblieben und sind
10:13gute Freunde geworden.
10:22Das ist Herr Kunkel.
10:26Herr Kunkel.
10:28Er ist Kriminalkommissar.
10:31Und Kommissar Polizei.
10:34Herr Kunkel.
10:34Haben wir das richtig verstanden?
10:36Eigentlich wollte Juri Herrn Tschöck in die Garage holen, um ihn auf Elena hinzuweisen, um ihm eine Spur auf Elena
10:45zu geben.
10:45Ist das so richtig?
10:46Ja.
10:47Ja.
10:48Okay.
10:48Ja.
10:51So denke ich, dass Elena eine Schlüsselfigur ist in dieser Geschichte.
10:57Bestünde denn vielleicht die Möglichkeit, André, dass Sie auch nochmal jetzt versuchen, Elena telefonisch zu erreichen?
11:05Ja.
11:12Es ist jetzt wieder zehn Jahre vergangen, vielleicht ist derjenige, der die Bedrohung für Sie darstellt, vielleicht ist er inzwischen
11:22verstorben.
11:23Das wäre 40 Jahre nach dem Fall ja durchaus denkbar.
11:28Und dass Sie sagen, jetzt ist diese Gefahr für mich nicht mehr da.
11:30Ja.
11:30Vielleicht öffnet sie sich jetzt.
11:37Ich habe mit Elena gesprochen.
11:40Ja.
11:40Sie hat mich wiedererkannt.
11:45Sie hat im unteren Hospital gerade gearbeitet damals.
11:50Sie hatte keinen Zugang zu den Kindern.
11:54Ich habe das Gefühl gehabt, dass sie so schnell wie möglich dieses Telefonat beenden wollte und wollte eigentlich nichts damit
12:01zu tun haben.
12:03Ja.
12:04Also hatten Sie das Gefühl, dass sie lügt, dass sie vermutlich Angst hat?
12:08Ohne Zweifel, dass sie lügt.
12:14Wir haben 10.000 Euro Belohnung ausgesetzt für denjenigen, der uns genau den Tipp gibt, dass wir Felix finden.
12:23Hast du das in dem Gespräch mit …
12:25Moment.
12:27Du hattest das in den Gesprächen?
12:30Nein.
12:31Und mir?
12:32Ja.
12:33Ja.
12:34Sie hat dann gelacht und sagte, ich kann da nichts dabei behilflich sein.
12:38Sie hat gelacht, weil sie gedacht hat, meine Gesundheit und mein Leben ist mir viel wichtiger als 10.000er Bescheuerung.
12:47Kannst du bitte noch einmal bei dem Juri in Kaliningrad anrufen?
12:58Ich habe es versucht, aber er geht nicht heran ans Telefon und tut so, als wenn er nicht existiert.
13:11Glaubst du, dass Felix bei Elena sein könnte?
13:17Ja, ich glaube nicht, dass Felix bei ihr ist, aber ich denke, sie weiß, sie kennt jemanden, der dahinter steckt.
13:25Ja.
13:32Sehr geehrte Damen und Herren, unsererseits existiert die Berliner Mauer nicht mehr.
13:37Sie ist vernichtet.
13:38Wirklichkeit.
13:39Wirklichkeit.
13:39Großartige Veränderungen in der Welt, in Europa und im Raum der ehemaligen Sowjetunion wären nicht möglich gewesen, ohne die Ereignisse,
13:48die in Russland vor zehn Jahren stattgefunden haben.
13:52Diese Ereignisse sind wichtig, um zu begreifen, was bei uns vor sich gegangen ist und was man von Russland in
13:59der Zukunft erwarten kann.
14:01Abgesehen von den objektiven Problemen schlägt unter anderem das starke, lebendige Herz Russlands, welches für vollwertige Zusammenarbeit und Partnerschaft geöffnet
14:12ist.
14:12Ich bedanke mich.
14:19Die Welt war eine andere geworden nach dem Mauerfall und man hatte seinerzeit auch ein ziemlich offenes Verhältnis zu Russland.
14:31Auch Jahrzehnte nach der eigentlichen Entführung war die Beweislage unverändert.
14:37Das bedeutete für uns, dass wir an dem einzigen Ermittlungsstrang weiterarbeiten mussten, den es gab.
14:44Da hat es sich ja geradezu aufgedrängt, dass wir versucht haben, an Sultanov heranzukommen.
14:55Es hat alles dafür gesprochen, dass er im engeren Kreis derjenigen war, die für die Entführung von Felix verantwortlich waren.
15:13Deswegen war es uns ganz, ganz wichtig, dass die russischen Behörden auch an Sultanov herantreten und ihn mit diesen ganzen
15:21Fragen konfrontieren,
15:22mit denen ihn die DDR-Ermittlungsbehörden seinerzeit nicht konfrontieren durften.
15:33Wir haben nach einer gewissen Weile tatsächlich Vernehmungsprotokolle von Sultanov erhalten.
15:44Ich bin nirgendwo hingefahren. Ich weiß genau, dass sie nach der Arbeit nirgendwo waren.
15:49Die Arbeit endete gegen 16 Uhr. Wir waren immer zu Hause.
16:00Als diese Geschichte passierte, wurde ich von der Arbeit zur Militärstaatsanwaltschaft gerufen.
16:07Dann, als ich angekommen war, fragte mich einer,
16:15Wo haben Sie diesen Hut gekauft? Ich wusste es genau, weil ich ihn kurz vor der Abreise gekauft hatte.
16:25Sie lächelten. Das war's dann.
16:32Es war völlig klar, dieser Mann will weder mit den russischen noch mit den deutschen Ermittlungsbehörden zusammenarbeiten
16:40und dem ist nicht angelegen, dass man erfährt, was aus Felix geworden ist.
16:51Wir waren auf Einladung des ersten russischen Fernsehens in einer vermissten Suchsendung,
16:57die regelmäßig 20 Millionen Zuschauer hat, wo Leute hinkommen können, die Angehörige vermissen.
17:04Wir möchten uns direkt an den jungen Mann wenden, der wahrscheinlich unser Sohn ist.
17:09Wir wollten in Dresden.
17:11Wir wollten in Dresden.
17:57Wenn das stimmt, dass dieses arme Mädchen absichtlich totgefahren wurde, dann wissen wir,
18:08wir sind auf Erreise.
18:08in der richtigen Spur.
18:11Wenn das stimmt, dann wissen wir auch, dass es jemand ist, der nicht nur eine Kindesentziehung
18:18beauftragen kann, sondern auch einen Mord beauftragen kann.
18:21Wir mussten uns immer vor Augen halten.
18:24Auch diejenigen, die jetzt unseren Rechtshilfe bitten, nachgekommen sind,
18:30hatten möglicherweise eine starke Loyalität zu denjenigen, die für die ganze Straftat verantwortlich waren.
18:46Frau Schröder-Kopf hat mich gebeten, ihn für ihr Schreiben vom 2. Februar zu danken und ihn zu antworten.
18:52Die Schilderung der Entführung ihres Sohnes Felix und ihre umfassenden Bemühungen,
18:56ihn wiederzufinden, hat sie mit Anteilnahme gelesen.
18:59Ja, Frau vom Bundeskanzler, haben wir ja geschrieben, weil die im Jahr 2004 ein Mädchen aus St. Petersburg adoptiert hat.
19:10Und dann dachten wir, naja, also der Bezug ist da und die verkehrten ja sehr stark mit Putin.
19:18Das Bundeskanzleramt hat ihr Schreiben zum Anlass genommen, von hier aus noch einmal bei allen in Frage kommenden
19:24deutschen und russischen Behörden nachzufragen, ob sie einen Weg zur Klärung des Schicksals ihres Sohnes sehen.
19:30Leider war das Ergebnis negativ.
19:32Ich liebe diese Stadt, sagte Putin. Ich habe hier fünf Jahre gelebt. Mein Kind ist hier geboren worden.
19:41Wir sind uns sicher, dass Vladimir Putin, der russische Präsident, weiß, wer die Entführer sind.
19:46Und er auch weiß, in welcher Identität unser Sohn Felix jetzt lebt.
19:54Es wird nochmal richtig große Öffentlichkeit, am besten weltweit.
20:02Als wir zum Petersburger Dialog mit unserem Plakat am Zwinger gestanden haben,
20:08haben wir sehr wohl gemerkt, dass verschiedenste in zivil gekleidete Menschen sich unser Plakat angeschaut haben.
20:14Und es wurde auch diskutiert, das konnten wir beobachten, kann das Plakat bleiben oder muss es weg?
20:29Herr Putin!
20:31Herr Putin!
20:32Willst du mir meinen Sohn zu finden? Bitte!
20:36Stand laut!
20:37Ich bin laut.
20:39Ich werde auch nicht mehr leise.
20:42Alle sind davon ausgegangen, der hat das gehört und wenn er es nicht gehört hat, dann hat man es ihm
20:48kurz danach gesagt.
20:50Offiziell wurde über diesen Fall zumindest bislang nicht gesprochen.
20:53Ob dieses Thema beim Vier-Augen-Gespräch angesprochen wurde, das kann ich natürlich nicht sagen,
20:57aber in der Pressekonferenz gab es dazu kein Statement von Wladimir Putin oder Angela Merkel.
21:01Im Hintergrund haben wir dann erfahren, dass die politischen Kanäle sehr heiß gelaufen sind.
21:07In der Zeit ist Bewegung in die Ermittlungen gekommen.
21:17Es war dann auch tatsächlich so, als wir gedacht haben, jetzt läuft die Maschinerie langsam an und dann ist nur
21:22eine Frage der Zeit,
21:24bis man entweder Felix direkt findet oder die entscheidenden Auskünfte erhält, die einem den Weg zu Felix eröffnen.
21:392008 waren wir in Moskau. Das russische Fernsehen hat gesagt, es besteht die Möglichkeit, dass wir den ermittelten Militärstaatsanwalt treffen
21:48können.
21:49Es war aber nicht ganz klar, ob das wirklich so sein wird.
22:07Ob der Termin stattfindet, das wusste bloß der Fernsehsender.
22:10Wir waren immer gespannt, kommt jetzt der Anruf, kommt der nicht?
22:15Und als wir in Moskau waren, kam dann der Anruf, wenn, dann bitte jetzt.
22:24Das ist der wichtigste, der bedeutendste Schritt, den wir gehen können, weil wir doch ganz nah dran sind an den
22:31Ermittlern, wenn sie uns empfangen.
22:34Und so weit waren wir noch nie.
22:4231.01.2008.
22:47An der Stirnseite des Schreibtischs ist ein Tisch, gedeckt mit Tassen und einer Etagere mit Gebäck.
22:54Uns wird Kaffee und Tee angeboten.
22:58Im Zimmer ist noch eine Person in Uniform und ein Zivilist im Anzug.
23:04Eine Tür öffnet sich. Es ist das Arbeitszimmer von Oberstgeneralow.
23:09Wir begrüßen uns.
23:17Der Oberst eröffnet das Gespräch und teilt uns sehr korrekt, aber auch förmlich mit, dass am Rechtshilfersucher aus Deutschland gearbeitet
23:25wird.
23:26Und zwar so lange, bis das Ergebnis vorliegt und der Fall geklärt ist.
23:30Es werden alle in der DDR 1983 und 1984 geborenen Jungen überprüft.
23:38Dann fragt Epps den Militärstaatsanwalt direkt, hat Putin die Untersuchung veranlasst?
23:44Ohne zu zögern antwortet er, ja. Putin habe uns 2006 in Dresden wahrgenommen und seitdem liefen die Ermittlungen.
23:58Ich denke schon, dass die größte Wegstrecke gegangen ist.
24:02Du kannst dich direkt bei uns auf Russisch melden.
24:05Eins kannst du wissen. Wir werden nicht aufhören, an dich zu denken.
24:10Unsere Sehnsucht nach dir ist riesengroß. Wir lieben dich. Wir werden nicht aufhören, dich zu suchen.
24:25Die russische Staatsanwaltschaft hat gearbeitet, hat eine gewisse Bewegung ausgelöst.
24:31Dadurch, das haben wir gesehen, weil aus diesen Regionen sich wirklich Leute bei uns erkundigt haben, worum geht es eigentlich.
24:39Zum Beispiel hier der Sager aus Kaliningrad. Bei dem habe ich gedacht, das ist Felix.
24:46Weil sich in dem Gesicht auch so ein bisschen was aus meiner Familie wiederfindet.
24:51Dann gab es ja, steht da draußen dran, das See Katharinenburg, also mitten im Ural.
24:57Der hat dann gesagt, schickt aber Fotos von eurer Familie.
25:01Das ist der zweite, der Fabian ist das. Und da hat er sich so in Pose gesetzt, dass er wirklich...
25:06Das ist ja wie Fabian aussieht, ja.
25:07Da haben sich auch Frauen gemeldet.
25:10Mein Mann, der ist so gar nicht russisch. Der hält die Zigarette nicht wie ein Russe. Der trinkt nicht. Der
25:17ist so akkurat.
25:18Der ist so akkurat.
25:21Das muss in Deutschland sein. Ich bin mir gar nicht sicher, ob das wirklich ein Russe ist.
25:24Wenn die sich bei uns schon melden, dann haben sie ja Interesse daran, das aufzuklären.
25:29Bin ich vielleicht wirklich denn, ihr Sohn? Und dann sollen sie uns mal DNA-fähiges Material schicken und dann kriegen
25:35wir es raus.
25:36Das ist so.
25:37Das ist so.
25:49Das ist so.
25:53Das ist so.
25:57Das ist das erste Mal, dass er sich jetzt nur noch eine Aufklärung vorstellen kann.
26:02Dann wurde gemutmaßt, wie die Präsentation vor sich gehen wird. Ob Frau Merkel allein den Erfolg vermeldet oder mit uns
26:08gemeinsam oder auch Putin allein.
26:14Die russischen Ermittlungsbehörden haben großflächig DNA erhoben von jungen Männern, die im gleichen Jahr wie Felix geboren waren.
26:26Leider hat diese DNA-Erhebung kein zufriedenstellendes Ergebnis gebracht.
26:31Wir haben gemerkt, dass so Ende 2008 ungefähr, Anfang 2009, die Meldungen weniger wurden.
26:39Es kamen weniger E-Mails zu uns, wo sich jemand gemeldet hat. Das schlief wirklich ganz einmöglich ein.
26:43Und dann kamen auch so Meldungen dazwischen, also wie die Polizei mich befragt hat, die werden den Täter nie finden.
26:53Also hast du versucht, den Chef-Ermittler dort mal zu kontaktieren?
26:57Ja, wir haben eine gute Freundin, die perfekt Russisch spricht. Und sie hat gesagt, ich rufe den einfach mal an.
27:04Und da hat der Generalhoff, unserer Freundin, gesagt, wenn ich so arbeiten könnte, wie ich mir das vorstelle, hätte ich
27:13dann verlängst geklärt, aber ich darf nicht so arbeiten.
27:16Da war eigentlich die Katze aus dem Sack. Es wird Aktivität gezeigt, es wird viel Papier bewegt, es werden viele
27:23Menschen beauftragt, irgendetwas zu tun, aber es darf nichts rauskommen.
27:43Wir waren auf die Ermittlungen der russischen Behörden angewiesen und man hatte, um es salopp zu sagen, den Knochen abgenagt.
27:53Und dazu kam, dass inzwischen auch Verfolgungsverjährung eingetreten war.
27:59Das Strafverfahren war beendet. Es war verjährt. Ende.
28:03Es ist jetzt leider so, dass wir den größten Teil der Akten aus der Neuzeit bis ungefähr 2016 nicht bekommen
28:10haben.
28:11Ich wollte die Akten der Neuzeit, wie ich immer sage, ich wollte die sehen, ich wollte die haben, wollte die
28:16lesen, wollte schauen, ob es da nicht doch noch irgendwelche Ermittlungsansätze gibt.
28:20Wir haben dann eine Bitte um Akteneinsicht ans Staatsarchiv in Dresden geschickt.
28:27Diese Antwort, die hatte es in sich. Ich zitiere mal, was dazu geschrieben wurde, dass ein Teil der Akten leider
28:34nicht für die Einsicht freigegeben werden kann, weil sie Schrift gut enthalten, das besonderen Geheimhaltungsvorschriften des Bundes unterliegt.
28:47Klammer, Patientengeheimnis, Adoptionsgeheimnis.
28:50Diese Frau, die das geschrieben hat, die hat doch die 50 Akten nicht durchgeblättert und kann deshalb sagen, es geht
28:56hier um Adoptionsgeheimnis.
28:57Also es steht vorne ganz groß auf irgendeinem Deckel, steht geheim.
29:02Und da habe ich mir so meine Gedanken gemacht. Es war möglicherweise eine Straftat von Besatzungstruppen und es wurde möglicherweise
29:12durch die DDR-Führung verhindert, dass diese Straftat aufgeklärt wird.
29:16Dann haben wir ein Kriminalitätsfeld der sogenannten Vereinigungskriminalität, Regierungs- und Vereinigungskriminalität.
29:25Und dafür gab es eine Sondereinheit in Berlin und dann hat man den Bundesnachrichtendienst informiert.
29:31Ich könnte mir vorstellen, dass man zu dem Zeitpunkt wusste, wer in Dresden kommandiert hat, wer in Dresden Vertreter war,
29:40wer sonst noch was in Dresden bei den Russen zu sagen hatte.
29:44Und diese Person, die konnte man jetzt finden in der UdSSR. Man konnte ja rüberfahren.
29:52Und der BND hat jemanden losgeschickt, der diesen Fall aufgeklärt hat, in die Richtung, dass man wusste, wer der Anstifter
29:59war und der Geldgeber bei dieser Entführung von Felix.
30:02Das kann ein ganz hochgestellter Offizier gewesen sein und dem hat man gesagt, pass auf, du hast eine Leiche im
30:09Keller, wir wissen das.
30:10Und haben das als Druckmittel verwandt, um von ehemaligen Militärs oder noch aktiven, hohen Militärs Informationen zu bekommen.
30:22Theorien.
30:25Sie meinen also, dass der BND durchaus Kenntnis hat, wie das gelöst werden könnte, aber eben seine Geheimnisse nicht preisgibt.
30:33Genau so sehe ich das.
30:37Wenn rauskommt, dass wir einen General oder einen ähnlich hohen Offizier erpresst haben, das wäre absolut unverantwortlich.
30:47Wenn man tatsächlich meint, aus Geheimschutzinteressen Leute schützen zu müssen und die Eltern haben immer noch nichts gehört, wo ihr
30:55Sohn sein könnte.
30:56Also es ist eine wahnsinnige Schweinerei, wenn da tatsächlich etwas ist, was in Richtung ihrer Theorie geht, die ich für
31:04durchaus denkbar halte.
31:09Es wird sich niemand um Aufklärung bemühen, weil dafür ist die Sache zu heiß.
31:13Ich glaube, diese Akten kriegen wir nie zu sehen.
31:15Ich glaube, diese Akten kriegen wir nicht zu sehen.
31:53Ich habe es in der Garage und habe es von der Hand genommen, also wirklich so, und da hat es
31:57mit der Hand gedrückt.
32:04Ich habe natürlich ähnlich das angefasst.
32:08Es ist tatsächlich so, dass manche Menschen eher DNA hinterlassen als andere.
32:13Das Erste, was wir gemacht haben, das ist vielleicht so der einfachste Teil, ist, dass wir die Rückseite des Bildes,
32:18was Sie auf der linken Seite sehen, dass wir diese abgerieben haben.
32:25Und wir haben auch diesen Rahmen bearbeitet.
32:29Und zwar haben wir, Sie sehen diese Auflagefläche da, diese Auflagefläche haben wir gesondert.
32:34Weil die Überlegung da ist, dass vielleicht jemand anderes als Sie bei der Erstellung des Bildes, beim Aufhängen des Bildes
32:40Kontakt da hatte.
32:41Und wir dann wollen würden, dass wir diese DNA isoliert bekommen.
32:45Von der Vorderseite haben wir die Bernsteine selber mit einem Wattestiel-Tupfer, haben wir versucht, da DNA, wenn sie denn
32:52da ist, abzulegen.
32:58Tatsächlich war es so, dass wir, als wir das untersucht haben, sehr, sehr wenig DNA gefunden haben.
33:02Und zwar auch nur an einer Stelle.
33:04Wenn Sie sich die Rückseite des Bildes nochmal angucken, dann sehen Sie, dass die Rückseite so ein bisschen pappartig ist.
33:10Ja.
33:10Also creppartig.
33:11Und das eignet sich oft recht gut, wenn man das anfasst, dass da kleinste Hautzellen oder so eben hängenbleiben.
33:17Und dadurch eben DNA sichtbar gemacht werden kann.
33:21Das heißt, wir haben daraufhin die DNA aufkonzentriert.
33:33Wir haben DNA-Merkmale von Ihnen gefunden auf der Rückseite.
33:37Von mir?
33:37Ja.
33:38Ja, wir haben sonst, haben wir nicht auswertbare DNA gefunden.
33:42Also steht immer noch die Frage im Raum, ist Juri der Vater von Martin oder ist es tatsächlich nicht?
33:47Das konnte nicht bewiesen werden.
33:48Das konnte nicht gezeigt werden.
33:51Schade.
33:54Genau.
33:55Dann sage ich auch herzlichen Dank für Ihre Bemühungen.
33:58Und dann müssen wir wieder zu.
34:01Ja.
34:01Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.
34:03Vielen Dank.
34:03Dankeschön.
34:11Wenn ich mich so zurückerinnere.
34:18Ich sehe immer nur den kleinen Felix, diesen Säugling im Alter von fünf Monaten.
34:25Man fühlt sich sofort zurückversetzt.
34:27Man ist die junge Frau, der das passiert ist.
34:31Und heute fühlt es sich für mich so an, als wäre das ein zweiter Teil von mir.
34:37Also es gibt da die ganz glückliche Lenore, der das gar nicht passiert ist.
34:43Und dann gibt es auch immer wieder die Momente, wo ich denke, meine Güte, musste das alles sein?
34:49Du kommst irgendwann mal an deine Grenzen und dann sagen wir uns, also wir müssen auch das normale Leben so
34:56normal wie möglich führen.
34:58Und dann hören wir manchmal ein bisschen auf.
35:02Es gab mal so eine Phase, der Vater sagte dann jedes Mal zu mir, da hat wieder jemand geschrieben.
35:07Da habe ich immer nur gedacht, da würde auch wieder nichts bei rauskommen.
35:11Und dann habe ich zu dir sogar mal gesagt, lass das mal, tu mir das mal nie jedes Mal mitteilen.
35:16Ich brauche das nicht ständig.
35:17Und dann kommt mal was Wichtiges und dann sagen wir auch gemeinsam los, jetzt geht es wieder los.
35:23Ich bin davon überzeugt, dass man den Felix finden wird.
35:26Ob wir das alle erleben, das weiß ich nicht.
35:29Aber ich weiß, dass die Antwort auf die Frage, wo er ist, irgendwann beantwortet wird.
35:33Wenn ich tippen sollte, wo Felix ist, vermutlich ja tatsächlich in Russland und kriegt von all dem nichts mit.
35:44Hoffentlich geht es ihm gut.
35:51Felix wäre jetzt 41 Jahre alt.
35:54Also was wäre so schlimm daran, diese Frage einfach zu beantworten?
35:57Er müsste ja auch jetzt nicht hierher kommen und sein Leben hier weiterführen.
36:00Und es geht ja einfach darum, dass man weiß, stimmt meine Vorstellung von dem Haus im Grün und den zwei
36:06Kindern, geht es ihm gut?
36:08Dass einfach meine Eltern vielleicht auch ein Stück weit Gewissheit haben und dieses Thema tatsächlich abschließen können.
36:16Ich glaube nicht, dass er mir fremd ist.
36:20Also wenn er, wenn er mich auch sehen will, dann wird das eine ganz warme Atmosphäre sein.
36:28Und dann gucken wir uns bloß an.
36:40Bitte helfen Sie meinen Eltern, mich zu finden.
36:43Jeder Hinweis kann helfen, meine wahre Identität aufzudecken.
37:12Ich hoffe, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!
37:30Untertitelung des ZDF, 2020

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