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00:00.
00:12Mädchen, Mädchen war der erste Song, der für mein erstes Soloalbum NACKT entstanden ist.
00:22Da ich ja eh die Idee für ein Cover vom Song Mädchen schon so lange mit mir rumgetragen habe,
00:29wusste ich, das ist somit das Erste, was ich eigentlich realisieren möchte.
00:32Der war immer in meinem Hinterkopf.
00:34Alle Menschen kannten Mädchen von Lucy Electric.
00:41Ich wusste noch einfach, dass ich mich damals so empowered gefühlt habe durch den Song,
00:47stark gefühlt habe, selbstbewusst gefühlt habe.
00:50Und dieses Gefühl, das ich damals schon als Zehnjährige hatte, wollte ich irgendwie jungen Frauen und Mädchen mitgeben.
00:59Jetzt haben wir es 30 Jahre später und mich hat interessiert zu beleuchten, was haben wir geschaffen.
01:06Und da habe ich gemerkt, gar nicht so viel.
01:12Ein Cover kann man immer machen, aber es ist ja eine Neuauflage.
01:16Also ich nehme den Song und mache was Neues daraus und da müssen die Urheber zustimmen.
01:21Wir haben dann Lucy kontaktiert und ich habe das erste Mal mit ihr gesprochen am Telefon und es hat sofort
01:28geklickt.
01:29Wir haben sofort darüber geredet, um was soll es gehen, was sind eigentlich die Probleme, die wir heute noch haben.
01:35Und ich habe direkt gemerkt, wir sind auf einem Nenner.
01:51Ich bin Jennifer Weiß, ich bin 37 Jahre alt. Ich bin Musikerin, Moderatorin und Unternehmerin.
01:59Man kennt mich vielleicht als Frontfrau von Jennifer Rostock oder jetzt von meinem Solo-Projekt Jen Iver.
02:07Sexualisierte Gewalt geht immer noch am häufigsten von Männern oder männlichen Jugendlichen aus.
02:12Deswegen lade ich euch heute dazu ein, liebe Männer, nicht mehr Teil des Problems, sondern Teil der Lösung zu sein.
02:19Und wenn ich weiß, was das heißt, denn das heißt, dass das meist nicht so leicht ist für mich, wie
02:23es für dich ist vielleicht.
02:25Du sagst, wir sind gleich und du meinst, dass das reicht, weil ich ein Mädchen bin und du nicht weißt,
02:29was das heißt.
02:31Als ich noch ganz klein war, ist meine Mutter mit mir immer in so Club-Urlaube gefahren.
02:36Und da gab es dann eben auch mal eine Mini-Playback-Show.
02:39Und bei dieser Mini-Playback-Show wollte ich natürlich unbedingt mitmachen, ganz klar.
02:43Also ich war damals schon alles andere als bühnenscheu, muss man sagen.
02:47Und ja, dort habe ich dann wirklich mit meinen zehn Jahren Mädchen von Lucy Electric performt.
02:54Damals war das für mich natürlich nicht wichtig, ob dieser Song irgendwelche feministischen Aspekte erfüllt.
02:59Es ging mir eher um diesen Moment, als ich den Song zuerst einmal gehört habe, beziehungsweise damit auch auf der
03:07Bühne stand,
03:07weil der Song mir damals schon wahnsinnig viel gegeben hat.
03:14Ich bin natürlich auch mit Rollen-Klischees, mit Rollenbildern aufgewachsen.
03:20Jungs durften laut sein und selbstbewusst sein und auch mal wütend sein.
03:28Und die durften alles eigentlich. Und Mädchen mussten eigentlich nett sein und zurückhaltend.
03:33Meine Mutter hat nie gesagt, das kannst du leider nicht werden, weil du ein Mädchen bist, weil du eine Frau
03:37bist.
03:38Aber es wurde mir immer durch die Medien suggeriert.
03:41Ich erinnere mich da zum Beispiel total an Märchen oder auch Disney-Filme, ja, wo eigentlich Männer immer Helden sind.
03:50Frauen werden erobert, sind Geliebte, sind Beiwerk.
03:54Ich erinnere mich an die Bravo oder die Zeitschrift Mädchen, wo Mädels Tipps gegeben werden, wie man am besten sein
04:03soll, damit Jungs einen gut finden.
04:06Und dieser Song hat schon in mir was ausgelöst, nämlich ein Selbstbewusstsein und auch ein Gefühl, alles werden zu können
04:15und alles machen zu können, was ich möchte.
04:17Nicht obwohl ich ein Mädchen bin, sondern weil ich ein Mädchen bin.
04:20Das hat wirklich was tief in mir berührt und hat mich stark gemacht und, ja, hat mich fühlen lassen, dass
04:29ich was verändern kann damit.
04:32Das Mädchen-Liedchen ist längst Leitmotiv für eine ganze Bewegung.
04:36Und wie heißt das Stück, weswegen eigentlich alle da sind?
04:40Mädchen!
04:41Wie?
04:42Mädchen!
04:52Was nass fühlen soll man vor der Kinder, der da neben man in Dresen steht?
04:56Nur mal rüber, Mann, was hält sich zu mir hin, weil ich ein Mädchen bin.
05:00Weil ich ein Mädchen bin.
05:01Sabine, Friederike und Maike aus Halle zeigen, wie aus ganz normalen Mädchen Girlies werden.
05:08Erste Station in Bielefeld, die Friseurin.
05:14Nun zu den Klamotten. Ganz wichtig, hohe Stiefel.
05:27Ich bin seit fünf Jahren, also was bin ich, Juror im Bundeswettbewerb Schüler machen Lieder in Berlin.
05:35Und wir haben in dem Jahr nach Spice Girls und Tic-Tac-Toe enorm viel mehr Mädchen bekommen.
05:40Dadurch entsteht eine Girly-Kultur.
05:41Komm doch mal rüber, Mann, und setz dich zu mir.
05:44Girlism.
05:45Mitte der 90er, Zauberwort für ein neues Selbstverständnis der Mädchen.
05:49Emanzipation mit Gestus statt Inhalt.
05:52Als Viva-Moderatorin wird Heike Makatsch zum Vorzeigegirly wieder willen.
05:56Es war ein Marketing, strategisches, kommerzielles Ding, womit man irgendwie Röckchen und T-Shirtchen verkaufen konnte und Girl-Power schreien
06:07kann.
06:08Ich meine, das machen die Spice Girls auch und ich weiß nicht, wie viel das mit Emanzipation oder Politik oder
06:12weiß ich nicht was zu tun hat.
06:17Das ist immer ein zweischneidiges Schwert. Wir wollen natürlich, dass es in der Gesellschaft ankommt und unsere Forderungen des Feminismus
06:23auch in der Gesellschaft ankommen.
06:24Aber wir wollen nicht, dass es ausgeschlachtet wird. Das ist ja, das ist hier immer so die zwei Seiten der
06:30Medaille.
06:30Was meinen Sie, auf welchen Gebieten ist die Frau heutzutage unterdrückt? Auf allen Gebieten?
06:35Ich muss sagen, in keiner Weise. Die Frauen haben sich gut durchgesetzt, sind im Endeffekt emanzipiert.
06:41Als der Song Mädchen von Lucy Electric rausgekommen ist, waren wir immer noch drei Jahre entfernt davon, dass Vergewaltigung in
06:48der Ehe als Straftatbestand galt.
06:51Ein heikles Thema entsprechen schwierig die Beratungen und bisher haben sie zu nichts geführt.
06:56Vergewaltigung in der Ehe ist ein Verbrechen. Strafbar ist sie jedoch nicht. Noch nicht.
07:02Zwei Drittel aller Vergewaltigungen werden in den eigenen vier Wänden verübt. Drei Viertel aller Täter sind Ehemänner.
07:07Jede siebte Frau ist betroffen. Vergewaltigung durch den eigenen Partner. Ein Verbrechen, das Frauen mehr bedroht als jedes andere.
07:14Nach mehr als 20-jähriger Diskussion stimmte der Bundestag heute mit großer Mehrheit einem überparteilichen Gesetzentwurf zu.
07:24Mit dem Song Mädchen Mädchen wollte ich darauf aufmerksam machen, dass sexualisierte Gewalt ein Thema in unserer Gesellschaft ist,
07:32was nicht einzelne Personen betrifft, sondern auf patriarchale Strukturen aufbaut und systembedingt ist.
07:40Natürlich wollte ich mit dem Song auf jeden Fall die Awareness schaffen, gerade von Männern.
07:45Sexualisierte Gewalt ist ein Männerproblem und das heißt, dass es auch von Männern gelöst werden muss.
07:51Ich habe mich sehr, sehr lange nicht als Feministin bezeichnet. Ich glaube, bis ich 25 war sogar, habe ich gesagt,
07:59dass ich keine Feministin bin.
08:01Ich bin dafür, dass die Frauen nicht wählen dürfen. Eine Frau gehört am Kochtopf.
08:08Ende der 60er ist plötzlich ein Klima entstanden, das Rebellion gut heißt.
08:12Wir sammeln Unterschriften für die Abschaffung des Abtreibungsparagrafen 218.
08:17Ob Sie dafür sind, dass die Vergewaltigung in der Ehe auch in das Strafgesetzbuch kommt?
08:23Nein!
08:27Das habe ich mir gedacht!
08:30Steht auf, ihr habt eure Chance, jetzt oder nie.
08:35Votiert, kommt und lasst uns zusammen etwas erreichen.
08:39Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundeswehr haben heute Frauen den Dienst an der Waffe angetreten.
08:43Die Feministin und Journalistin Alice Schwarzer ist heute unser Gast.
08:47Vor mehr als 40 Jahren gründet sie EMMA, die politische Frauenzeitschrift. Auch hier stets klare Kante.
09:04Und trotzdem weiß ich, dass du ein Problemchen damit hast, von dir selber zu sagen, hey Leute, I'm a feminist.
09:10Ich will, dass du sagst, ich bin ein Feminist. Was meinst du?
09:14Ich bin ein Feminist und ich supporte das.
09:15Nice, na also!
09:18Und dann gab es für mich so einen Schlüsselmoment.
09:21Da war ich mal mit Joe alleine. Joe ist ja der Songwriter und Keyboarder auch von Jennifer Rostock.
09:26Wir kennen uns seit dem Kindergarten und haben ja auch so Jennifer Rostock zusammen aufgebaut.
09:30Und ich glaube, Joe hat sich sehr, sehr viel früher als ich mit Feminismus beschäftigt und sich auch als Feminist
09:36bezeichnet.
09:37Und war ganz doll schockiert darüber, dass ich das nicht tue.
09:41Und dann hat er mir Sorry, Babe, You're a Feminist von Katie Goodman vorgespielt.
09:47Das ist eine Comedian aus den USA.
09:59Und da ist mir eben klar geworden, dass wir nicht weiterkommen, wenn sich nicht alle Menschen auf dieser Welt als
10:06FeministInnen bezeichnen.
10:08Weil er eben schon so viel erreicht hat und dass wir eben jetzt im Namen des Feminismus dafür sorgen sollten,
10:14dass Feminismus intersektional gedacht wird.
10:17Dass alle Lebensrealitäten sichtbar gemacht werden und alle Frauen mitgedacht werden.
10:24Ich mache ja Kunst. Musik ist Kunst und Kunst ist per se politisch.
10:29Kunst bestätigt eben bestimmte Machtverhältnisse oder prangert sie an.
10:35Und weil Kunst einfach, weil es emotionalisiert so eine große Macht hat, war es mir total wichtig, in meiner Kunst
10:40darauf aufmerksam zu machen, was für ein Ungleichgewicht in unserer Gesellschaft eben vorherrscht.
10:51Wer hat sich in Ketten gelegt, Ketten aus Heber und Gold. Hast du das Heber gewählt, hast du das Heber
10:55gewohnt. Bleibst du gefällig, damit du jeden gebellt. Die Wachen meiner Frau richten sich gegen sie sich.
11:03Hengstin zum Beispiel ist ein Song, der rausgekommen ist 2016 und mit dem ich mich wirklich zu 100 Prozent identifizieren
11:11konnte.
11:11Und aber auch gleichzeitig wusste, das ist ein Anfang.
11:14Ich glaube nicht daran, dass mein Geschlechter schwach ist. Ich glaube nicht, dass mein Körper meine Waffe ist.
11:19Ich glaube nicht, dass mein Körper deine Sache ist. Und es gibt noch sehr, sehr viele andere feministische Aspekte, die
11:26ich gerne ansprechen würde, die aber vielleicht nicht so sehr ihren Platz finden können bei Jennifer Rostock, wie ich es
11:34gerne hätte, sondern dass ich dafür einfach ein Solo-Projekt brauche, um, sage ich mal, jetzt ein ganzes feministisches Album
11:40zu machen. Und deswegen habe ich das dann auch gemacht.
11:53Wir sind hier in Berlin Friedrichshain, ein Bezirk, in dem ich wohne, seit ich nach Berlin gezogen bin eigentlich, 2007.
12:02Und ich muss sagen, dass ich schon im ersten Jahr in Berlin festgestellt habe, dass Friedrichshain auch einfach mein Bezirk
12:09ist.
12:11Es ist alles so ein bisschen rougher, es ist alles so ein bisschen dirty.
12:14Und dort, wo ich sehr, sehr lange gewohnt habe, in der Rigaer Straße, kommt es noch dazu, dass es einfach
12:21wahnsinnig links und autonom war.
12:24Und mich das auch irgendwie angezogen hat, also diese Freiheit, diese Ungezwungenheit.
12:332018, als dann die letzte Tour mit Jennifer Rostock zu Ende war, brauchte ich, glaube ich, erstmal ein bisschen Zeit
12:40für mich, weil ich gefühlt mein ganzes Leben lang nur mit Musik verbracht habe.
12:44Ich habe aber schnell gemerkt, dass mir die Musik wahnsinnig fehlt und habe, glaube ich, auch schon wieder ein Jahr
12:49später angefangen, mir über mein Solo-Projekt Gedanken zu machen.
12:56Ich bin jemand, der sehr konzeptionell arbeitet, auch in der Musik.
13:01Was bedeutet, dass ich nicht einfach erstmal Songs schreibe, wahllos und dann mal schaue, sondern es gibt immer ein Oberthema.
13:09Und dieses Oberthema hatte ich eigentlich relativ schnell gefunden und wusste genau, was ich machen möchte, welche Songs was aussagen
13:19sollten, welche Inhalte ich dabei haben möchte.
13:21Da ich ja eh die Idee für ein Cover vom Song Mädchen schon so lange mit mir rumgetragen habe, wusste
13:29ich, das ist somit das Erste, was ich eigentlich realisieren möchte.
13:40Ja, in den 90er Jahren war die letzte Frauenbewegung halt schon 30 Jahre her.
13:47Ich glaube, dass es Anfang der 90er in dieser Girlie-Bewegung eher um sexuelle Befreiung ging.
13:52Dass es darum ging, also auch gerade in dem Song von Lucy darum ging, dass sich Frauen etwas nehmen können,
14:00was sonst Männern vorbehalten war.
14:02Dass Frauen aktiv auf Männer zugehen können, dass Frauen sexuelle Lust empfinden, nicht passiv sind.
14:09Und der Hintern kommt mir viele schöne Sachen und dann lädt er mich zum Essen ein.
14:14Klar lass ich mich auch ganz ohne Kohle küssen, doch wenn er meint, das muss so sein, sag ich nicht
14:18nein.
14:24Bei Lucy in dem Song kommt auch noch dazu, dass sie Männerkörper sexualisiert, indem sie sagt, was das für ein
14:31wundervoller Hintern.
14:32Und der Typ, der da am Hintern noch so dran ist, sie sieht erst mal das Sexobjekt Mann.
14:37Das würde man heute nicht mehr machen, weil niemand sollte ein Sexobjekt sein, kein Körper sollte sexualisiert werden.
14:43Aber damals war das eine große Sache, weil nur Frauenkörper sexualisiert wurden.
14:48Und dass sie das gesagt hat, dass der Mann zweitrangig war und sein Arsch im Vordergrund stand, den sie sich
14:54nehmen wollte, das war damals was ganz Besonderes.
15:06Jetzt haben wir es 30 Jahre später und mich hat interessiert zu beleuchten, was haben wir geschaffen und da habe
15:13ich gemerkt, gar nicht so viel.
15:18Wir haben dann Lucy kontaktiert und ich habe das erste Mal mit ihr gesprochen am Telefon und es hat sofort
15:24geklickt.
15:25Wir haben sofort darüber geredet, um was soll es gehen, was sind eigentlich die Probleme, die wir heute noch haben.
15:31Und ich habe direkt gemerkt, wir sind auf einem Nenner.
15:36So schön zu sehen.
15:41Also ich war nicht nur dankbar, ich war arschgeschmeichelt erst mal.
15:45Ich dachte immer, dass jemand wie du dann kommt und sagt, ich möchte das gerne machen.
15:49Und das kann ich nur zurückgeben, weil ich natürlich auch wahnsinnig geschmeichelt war, dass du sofort gesagt hast, ja, da
15:54bin ich dabei.
15:55Weil natürlich du und was du mit dem Song ausgesagt hast, für mich eine absolute Idolfunktion hattest in dieser Zeit,
16:02in der er halt rausgekommen ist.
16:04Und dass du sofort gesagt hast, ja, das hat mein Herz berührt auf jeden Fall.
16:07Ich fand es so schön, ich dachte, das wird der perfekte Song, weil das war meine erste Idee, die ich
16:13hatte fürs Album, meine allererste Idee.
16:15Ich wollte und das hatte ich schon zwei, drei Jahre im Kopf.
16:17Und das Lustige ist, es kamen relativ oft Anfragen zu sagen, können wir nicht, wir haben eine Idee für irgendwas.
16:24Und du warst wirklich die allererste, wo ich, ja, wo ich wirklich das Gefühl hatte, ja, und das, das ist
16:31das, was es jetzt in die Neuzeit transportiert, wo ich auch denke, boah, wie toll ist das denn?
16:36Frag an der Bar, ist Luisa da? Zahl die Nacht auf Raten, nur die Drinks zahl ich bar.
16:41Der Song beginnt ja mit Frag an der Bar, ist Luisa da? Und ist Luisa da?
16:46Haben mich ganz viele danach gefragt, warum fragst du an der Bar, ob Luisa da ist? Was ist das für
16:52eine Textzeile?
16:53Und das ist auch wieder sowas, was ich eigentlich, eigentlich eine schöne Sache finde, weil es ist ein Safe Word.
17:01Wir können, wenn wir uns belästigt fühlen, dann können wir dieses Safe Word sagen und dann weiß das Barpersonal, diese
17:08Frau muss in Sicherheit gebracht werden.
17:09Es wird die Polizei gerufen, die Frau muss hier rausgeholt werden.
17:12Aber ich sehe das auch so ein bisschen kritisch, weil es natürlich wieder was ist, was zur Sicherheit von Frauen
17:20entworfen wurde, was aber nicht dazu dient, die Männer zurückzuhalten, dass das nicht passiert.
17:27Ja, das ist richtig. Also wir werden als Opfer dafür verantwortlich gemacht, wie wir uns verhalten. Und das ist ein
17:33Riesenproblem. Und das fängt ja bei der Sprache schon an.
17:36Es werden immer Frauen vergewaltigt, anstatt dass Männer vergewaltigen. Also es wird auch immer davon geschrieben in der Presse.
17:51Es gibt ein schönes Bild. Das heißt, ein Mann, der in einen Raum voller Frauen kommt, der fängt an zu
18:03lächeln und zu strahlen, weil er sich freut.
18:05Eine Frau, die in einen Raum voller Männer kommt, kriegt Panik. Und das ist so und das stimmt so. Und
18:12ich fordere das einfach ein von Männern, dass sie den Schritt weiter gehen von, ich mach das ja nicht, hinzu,
18:20das ist ein Problem, das haben wir alle.
18:23Und deswegen möchte ich daran arbeiten, dieses Problem abzuschaffen.
18:30Ich komme aus Mecklenburg-Vorpommern, von der Insel Usedom. Da habe ich 19 Jahre gelebt, bin dort aufgewachsen und musste
18:38schon sehr früh Erfahrungen mit sexueller Belästigung, sexualisierter Gewalt machen.
18:44Habe aber, glaube ich, bis ich 25 war, gar nicht verstanden, dass es überhaupt sexuelle Belästigung, sexualisierte Gewalt war.
18:59Es haben so viele Übergriffigkeiten in meinem Leben stattgefunden, dass ich es gar nicht mehr zählen kann.
19:06Das ist von angefasst werden, obwohl man es nicht möchte. Ich bin schon aufgewacht und war mitten im sexuellen Akt,
19:15obwohl ich gar nicht wach war.
19:18Es gibt eine Situation, die ich erlebt habe auf dem Weg nach Hause von Wolgas. Da hat mein damaliger Freund
19:25gewohnt, da war ich gerade 14.
19:27Und ich bin immer mit dem letzten Zug auf die Insel zurückgefahren, Usedomer Bäderbahn. Die ist, glaube ich, so 21,
19:3421.30 Uhr vielleicht das letzte Mal gefahren.
19:37Und ich habe immer den letzten Zug genommen und bin aus der Bahn gestiegen. Ein Mann ist mir entgegengekommen, hat
19:47mich gesehen und ist dann nicht, so wie er es vorhatte, in die Bahn gestiegen,
19:51sondern hat sich dazu entschieden, mir hinterher zu laufen. Bin dann irgendwann an einem Baum vorbeigelaufen, der auf einem Grundstück
20:00stand, an dem ich vorbeigelaufen bin.
20:02Und dort hat dieser Typ auf mich gewartet, hat gewartet, bis ich an dem Baum vorbei bin und ist dann
20:07wieder hinter mir hergelaufen.
20:08Und ab diesem Zeitpunkt wusste ich, jetzt bin ich am Arsch. Jetzt habe ich ein großes Problem.
20:14Jetzt ist diese Situation, die mir immer schon erzählt wurde, pass auf, wenn du alleine nach Hause gehst.
20:22Und dann wusste ich, okay, jetzt muss ich was tun und hatte irgendwann mal gehört, dass Täter, wenn sie merken,
20:32dass das Opfer selbstbewusst ist und nicht eingeschüchtert ist,
20:35dass sie dann ablassen oder keinen Bock mehr darauf haben. Ich habe mich deshalb umgedreht und habe zu dem Typen
20:41gesagt, was willst du?
20:43Und in dem Moment hat er angefangen zu rennen. Er ist auf mich zugerannt und ich wusste, okay, ich muss
20:50jetzt auch rennen.
20:51Der hat mich dann aber eingeholt, hat mich in Gebüsch geschubst. Ich habe mich Gott sei Dank noch umgedreht gekriegt,
20:58habe mein Bein hochgenommen und habe den quasi weggetreten. Und so habe ich ein bisschen Zeit gehabt, um aufzustehen und
21:07quasi nach Hause zu rennen.
21:08Und mich immer mal wieder umgedreht, habe gesehen, er ist noch ganz nah hinter mir. Also ich muss wirklich schnell
21:14sein.
21:14Und habe mit zitternden Händen die Tür erreicht, habe den Schlüssel ins Schloss gesteckt, die Tür aufgemacht.
21:20Und das war aber so eine Tür wie in ganz vielen Neubaublöcken, wo die Tür so ganz langsam zugeht.
21:26Und dann habe ich die Tür wirklich, habe mich gegen die gestemmt und habe sie zugedrückt.
21:32Und genau in dem Moment, wo die ins Schloss gefallen ist, war der Typ eben auch angekommen an der Tür
21:39und wir haben uns noch an die Augen gesehen.
21:41Diese blauen Augen werde ich auf jeden Fall nie vergessen.
21:49Es gab in meiner Jugend ganz, ganz viele Fälle von sexuellem Missbrauch, die ich damals gar nicht so verstanden habe.
21:55Ich kam aus sehr, sehr verkrachten Familienverhältnissen und was ich eigentlich brauchte, war die Aufmerksamkeit von Erwachsenen.
22:03Und ich habe dafür mit Sex bezahlt und habe das aber nicht gemerkt.
22:06Teilweise also 40-Jährige oder so, als ich 12, 13, 14 war.
22:10Es war nicht das, was das Patriarchat unter sexualisierter Gewalt versteht.
22:15Ich habe da nicht gestanden und wurde festgehalten und habe geschrien, sondern die haben meine Situation ausgenutzt und das hätten
22:22sie nicht tun dürfen.
22:23Ich finde, es ist einer der perfidesten Mechanismen von sexualisierter Gewalt in so patriarchalen Strukturen, dass du als Opfer immer
22:35noch dafür verantwortlich gemacht wirst, ob du dich richtig oder falsch verhalten hast.
22:40Lange Zeit war es ja so, dass wenn die Frau sich nicht gewehrt hat, dann war es ja gar keine
22:45sexualisierte Gewalt.
22:46Also wenn du dann auch noch quasi nicht dein Leben für deine Unverletzlichkeit aufs Spiel gesetzt hast, dann war es
22:53ja auch keine Gewalt und dann wolltest du das ja so.
22:58In der Zeit, als das Urmädchen rauskam, war die Möglichkeit, sexualisierte Gewalt in der Art und Weise zu benennen und
23:08auch zu ahnden, das ging schon irgendwie, es war aber entfernt von dem, wie es heute ist.
23:14Me too, ich auch. Zwei kurze Worte, große Resonanz. Weltweit Millionen Kommentare in den sozialen Medien. Viele berichten von sexuellen
23:24Belästigungen, Übergriffen, Vergewaltigung.
23:27Jungs haben uns eingekreist, in die Badeanzüge geguckt, ausgelacht. Ich wollte nicht, dass Menschen mir bei meinem Kellnerjob an den
23:34Hintern greifen, also wurde ich gefeuert. Oder betatschte mich im Intimbereich.
23:39Hand aufs Glas, wenn ich feiern gehe, weil ich ein Mädchen bin, Mädchen bin.
23:44Seit ich in Clubs und Bars unterwegs bin, ist mein Ruf der so und auf der Tanzfläche gerne auch mal
23:50so.
23:51Ja, auf der Tanzfläche gerne auch mal so.
23:53Ja, wir sind im Club unterwegs und das erste, was mir einfällt, sind K.O.-Tropfen natürlich.
23:57Die Droge wird oft heimtückisch eingesetzt. Kriminelle schütten in Discos oder Bars ihren ahnungslosen Opfern ein paar Tropfen in den
24:05Drink.
24:06Es ist ein Industriereiniger, genannt GBL. Wenn man ihn konsumiert, hat er eine berauschende Wirkung.
24:14Deshalb spricht man im Volksgebrauch auch von Liquid Ecstasy. Es ist aber legal, aber wenn man das in Kombination mit
24:21Alkohol zu sich nimmt, dann ist das sehr gefährlich.
24:23Um dann ganz bewusst ein Koma herbeizuführen und beispielsweise dieses Koma für sexuellen Missbrauch auszunutzen.
24:31Dadurch ist die Substanz in den letzten Jahren immer wieder in die Medien geraten.
24:35Ich habe es Gott sei Dank noch nicht selber erlebt, aber ich habe sehr viele Freundinnen, die es schon erlebt
24:40haben.
24:40Die krassesten Sachen, die wirklich nackt irgendwo auf der Straße aufgewacht sind und nicht mehr wussten, was passiert ist.
24:47Die Freundin war gerade gegangen, nee, nee, ich gehe auch in zehn Minuten, nee, nee, bis gleich und dann zack,
24:51ist es passiert.
24:52Ich kenne auch Menschen, also Frauen, denen es passiert ist, aber ich, ja, ich habe einfach Glück gehabt.
24:58Ja, ich bin so froh, dass ich ein Mädchen bin, auch wenn ich weiß, was das heißt, wenn das heißt,
25:03dass es meist nicht so leicht ist für mich, wie es für dich ist vielleicht.
25:06Du sagst, wir sind gleich und du meinst, dass das reicht, weil ich ein Mädchen bin und du nicht weißt,
25:11was das heißt.
25:11Wir haben uns überlegt, wie können wir in dem Musikvideo quasi auch die verschiedenen feministischen Wellen darstellen.
25:18Und da gibt es natürlich diese berühmte Szene, wie Lucy schaukelt.
25:23Und so wollten wir das auch mit in Mädchen, Mädchen bringen.
25:28Also erst schaukelt Lucy und ich stehe so ein bisschen daneben und dann übergibt sie mir quasi so den Staffelstab.
25:34Aber eigentlich übergibt sie mir die Schaukel und dann schaukele ich und übernehme das für meine Generation und für all
25:42die Kämpfe, die noch zu kämpfen sind.
25:44Wenn ich nach Hause gehe, dann die Hand am Spray, weil ich ein Mädchen bin.
25:54Hallo.
26:02Frag an der Bar, ist Luisa da?
26:04Zahl die Nacht auf Ratten, nur die Drinks zahl ich bar.
26:07Ach, nicht mal zwei, Jenny, bitch, mal drei.
26:09Fremde Hände, fremder Schweiß, lass mich mal vorbei.
26:12Warten, Luft ohne Bies, warten auf Godot.
26:14Zieh an meiner Woke, jeder Mann ne Show.
26:17Auch wenn bestimmt alles stimmt, weiß ich nie, ob alles stimmt, weil ich ein Mädchen bin.
26:21Halt auf Gas, wenn ich feiern geh, weil ich ein Mädchen bin.
26:26Halt nicht immer auf, ist ja kein Problem, ist ja mein Problem.
26:32Halt am Arsch, wenn ich feiern geh, weil ich ein Mädchen bin.
26:37Bin ja selber schuld, wenn ich mich bewebe, wenn ich mich bewebe.
26:42Because I'm a little man, a little man
26:44Because I'm a little man, a little man
26:52Come back up, man, and let me go to the end
26:54I have all the time, I don't know if I'm going to go to the end
26:57I make my own thing, I make my own shit
27:00I'm so happy that I'm a little man
27:02Even if I know what it means, because it means that it's not so nice
27:05For me, as it's for you, it's nice
27:07Du sagst, wir sind gleich und du meinst, dass das reicht, weil ich die Mädchen bin
27:11Und du nicht weißt, was das heißt
27:12Hand aufs Glas, wenn ich feiern geht, weil ich ein Mädchen bin, Mädchen bin
27:17Pass geht immer auf, ist ja kein Problem, ist ja mein Problem
27:22Hand aufs Arsch, wenn ich feiern geht, weil ich ein Mädchen bin, Mädchen bin
27:27Bin ja selber schuld, wenn ich mich bewegt, wie ich mich bewegt
27:32Weil ich die Mädchen bin, Mädchen bin
27:37Weil ich ein Mädchen bin, Mädchen bin
27:42Wenn ich nach Hause geh, dann die Hand am Spray, weil ich ein Mädchen bin
27:48Bin
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