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00:00:02Alisa.
00:00:11Man baut das zusammen.
00:00:14Es heißt Lane.
00:00:16Zeig's nochmal.
00:00:20Das bin ich, Alisa.
00:00:231991, da war ich acht Jahre alt.
00:00:27Es war eine unbeschwerte Zeit, bevor alles losging.
00:00:34Damals hat mein Vater alles Mögliche gefilmt, vor allem mich.
00:00:40Ich lebte in Srebrenica.
00:00:48Meine Mutter ist Serbin, mein Vater Bosnier. Uns war das egal.
00:00:54Bis Jugoslawien zusammenbrach.
00:01:10Ende 1991 begann die heimliche Bewaffnung.
00:01:17Jugoslawien zerfiel in sechs Länder.
00:01:20Dann kamen die Nationalisten an die Macht.
00:01:28Das Grollen des Krieges kam von Tag zu Tag näher.
00:01:32Für die deutsche Welle, es berichtet Marinko Sekulitsch-Kokese.
00:02:04Die Nachrichten
00:02:05April 1992. Die ersten Bomben fallen auf Sarajevo. Der Krieg in Bosnien beginnt.
00:02:19Als der Krieg ausbricht, ändert sich alles.
00:02:26Meine Eltern beschließen, dass ich bei meinen Großeltern bleiben werde. In Serbien, in Lubovia, weil ich dort sicher bin.
00:02:34Während des Krieges lebe ich von meinen Eltern getrennt.
00:03:05Es gibt vieles, worüber wir in meiner Familie nicht sprechen. Vor allem nicht über den Bosnienkrieg. Weder damals noch danach.
00:03:13Das einzige, was mir geblieben ist, ist ein VHS-Tape. Mein Vater hat es für mich aufgenommen.
00:03:20Und ich habe immer noch so viele Fragen. Deshalb mache ich mich auf diese Reise.
00:03:26Gehe auf die Suche nach einem Menschen. Seifudin Smilovic. Mein Vater.
00:03:43Das tut gut. Schau mal, er hat wohl Angst.
00:03:53Schau mal, er hat wohl Angst.
00:04:18Pferde
00:04:51Hi Alisa. Ich habe eine Kamera, die ich mir ab und zu ausleihen kann. Ich habe viel Material vom Krieg,
00:05:01aber ich filme auch hier bei mir die Nachbarn, die frühere Nachbarn, aber auch Geflüchtete, um dir zu zeigen, wie
00:05:09es hier jetzt ist.
00:05:10Mach dir keine Sorgen. Wir werden uns bald wiedersehen. Vergiss deinen Vater niemals.
00:05:36Ich erinnere mich eines Morgens.
00:05:39Ich schlief und er kam zu mir, hat mich geküsst und ist gegangen.
00:05:47Das war's. Danach weiß ich nichts mehr.
00:06:03Hallo.
00:06:05Hallo, Tanchen.
00:06:07Wie geht's dir, Alisa?
00:06:09Gut, und dir?
00:06:11Ich will dich was fragen.
00:06:13Klar.
00:06:14Kennst du Papas Freund, Hasan Hatic?
00:06:18Ja, den kenne ich.
00:06:20Er hat mir vor einiger Zeit getextet.
00:06:24Zum Beispiel hat er mir gesagt, was Papa ihm über mich erzählt hat.
00:06:28Hast du seine Nummer?
00:06:30Ich hoffe, er kann mir noch mehr erzählen.
00:06:35Oh, ich bin mir nicht sicher. Ich schau mal nach und geb dir Bescheid.
00:06:39Okay, super.
00:07:09Sofia, wie war denn letztendlich?
00:07:10Letzter Schultag?
00:07:12Gut.
00:07:13Sehr schön.
00:07:16Freust du dich, diesen Sommer nach Serbien zu fahren?
00:07:19Was willst du dort machen?
00:07:21Ich will im Fluss schwimmen.
00:07:24Im Fluss? In der Drina?
00:07:26Mhm.
00:07:28Und Eis essen.
00:07:30Eis essen?
00:07:32Ich kann es auch kaum erwarten.
00:07:34Ich kann es auch kaum erwarten.
00:08:04Und ich kann es auch kaum erwarten.
00:08:10Hi, Alisa.
00:08:13Ich erzähle dir jetzt von unserem letzten gemeinsamen Tag.
00:08:20It was in Lubovia, the morning, when I decided to go.
00:08:28I had to go away, she would otherwise have brought me up.
00:08:33You have slept, Alisa, I didn't want to go away.
00:08:38I gave myself to you, gave me a kiss and went.
00:08:47Nach Hause nach Srebrenica.
00:08:51Ich bin in unseren Garten gegangen, habe mich hingelegt und das Gras gerochen.
00:08:56Da wusste ich, ich bin zu Hause.
00:09:01Ich wollte nichts anderes als nach Hause zu gehen.
00:09:18Ich frage mich, warum mein Vater unbedingt zurück nach Srebrenica wollte.
00:09:22Es wäre viel sicherer für ihn gewesen, aus Bosnien wegzubleiben.
00:09:29Hey Mama!
00:09:35Ich möchte wissen, wie es anfing.
00:09:38Ich weiß wenig darüber, was passiert ist, als der Krieg ausbrach.
00:09:42Ich habe bei Oma und Opa gewohnt.
00:09:44Niemand hat mir irgendetwas erklärt.
00:09:47Selbst nach Kriegsende haben wir nie wirklich darüber gesprochen.
00:09:53Nachdem Papa Lubovia verlassen hat, weißt du, warum er nach Srebrenica zurückgekehrt ist?
00:10:00Auf dem Tape sagt er, er konnte nicht ohne Srebrenica sein.
00:10:04Dass er sich danach sehnte, das Gras in Srebrenica zu riechen.
00:10:08Zu Hause ist es am schönsten.
00:10:11Aber ich bin mir nicht sicher.
00:10:13Weißt du, was noch in ihm vorging?
00:10:15Was noch in ihm vorging?
00:10:26Entschuldigung.
00:10:29Ich werde emotional, weil...
00:10:33Ich wünschte, die Dinge wären anders gekommen.
00:10:37Wenn das, was zwischen ihm und mir passiert ist, nicht gewesen wäre.
00:10:46Ich und Seifo, wir haben uns wirklich geliebt.
00:10:50Seifo hatte eine gute Seele.
00:10:52Er war ein großartiger Mann.
00:10:55Ein Srebrenica-Patriot.
00:10:57Er hat alles idealisiert.
00:10:59Sein Heimatland, seine Freunde, die Menschen um ihn herum.
00:11:03Sie haben ihm alles bedeutet.
00:11:06Sie waren sein Leben.
00:11:08Aber vor allem du.
00:11:12Und irgendwo dazwischen haben wir uns auseinandergelebt.
00:11:16Warum ging er zurück nach Srebrenica?
00:11:19Aus mehreren Gründen.
00:11:20Zum Teil wegen mir.
00:11:22Ah, okay.
00:11:23Weil ich in Srebrenica war.
00:11:27Er hoffte so, unsere Ehe zu retten.
00:11:35Ich glaube, er hat dieses Tape für mich aufgenommen,
00:11:41damit ich eine Erinnerung an ihn habe,
00:11:45falls ihm was zustößt.
00:11:50Was denkst du?
00:11:52Hat er dir vielleicht was darüber erzählt?
00:12:00Seifo, wenn du in dieser Situation in Srebrenica bist,
00:12:05weißt du genau, du hast eine einprozentige Chance,
00:12:08zu überleben, daraus zu kommen.
00:12:18Was hältst du davon, dass ich diese Reise mache,
00:12:23um seine Freunde und seine Familie zu treffen?
00:12:28Denkst du, es ist gut für mich, das zu tun?
00:12:32Es ist gut.
00:12:33Du wirst vieles über deinen Vater erfahren.
00:12:36Das ist sehr gut.
00:12:38Egal, ob Gutes oder Schlechtes.
00:12:41Du solltest so viel wie möglich über ihn erfahren.
00:12:45Ich bin schon ziemlich aufgeregt,
00:12:47dort hinzugehen und so viel wie möglich herauszufinden.
00:12:51Wann fliegst du nach Serbien?
00:12:52Ich fahre am 28.
00:12:54Juni?
00:12:55Ja.
00:12:56Also nach mir.
00:12:57Ja.
00:13:28Meine Mutter ist Serbin, mein Vater Bosnier.
00:13:30Es war eine sogenannte Misch-Ehe,
00:13:33so wie die Hälfte aller Ehen im ehemaligen Jugoslawien.
00:13:40Mit Beginn des Krieges 1992 wurde es auf einmal zum Problem.
00:13:49Wie haben meine Eltern gelebt?
00:13:53Haben sie versucht, weiterhin Spaß zu haben, zu lieben, das Leben zu feiern,
00:13:57obwohl sie ständig in Gefahr waren, es zu verlieren?
00:14:01Oder haben sie nur versucht, zu überleben?
00:14:13Musik
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00:14:16Musik
00:16:21Wie hat er dir das Tape geschickt?
00:16:24Ich weiß nicht, wer es war.
00:16:27Ich versuche es herauszufinden, wenn ich nach Lubovia und Srebrenica fahre.
00:16:34Vielleicht kann ich ein paar seiner Freunde fragen.
00:16:38Der Friseurladen, der Friseurladen, der Friseurladen.
00:17:08Das ist Srebrenica.
00:17:10Das ist Srebrenicas Boutique Nummer eins. Schau, Sachen wie Zufriedenszeiten.
00:17:16Warum hat er dir?
00:17:18Warum hat er dir all diese Leute gezeigt?
00:17:20Er hat mir gezeigt.
00:17:21Er hat mir einfach gezeigt, wie die Leute damals gelebt haben in Srebrenica, als Krieg war.
00:17:29Ich weiß nicht, wer sie sind, aber er hat mir gezeigt, wo sein Laden war.
00:17:36Er hat Schuhe repariert. Er war Schuhmacher. Er hatte seinen eigenen Laden. Er sagt auf dem Tape, das war mein
00:17:44Laden. Jetzt ist es eine Metzgerei.
00:17:46Es ist eher eine Schwarzmarkt-Metzgerei. Wir besuchen jetzt Mensur.
00:18:00Komm, raus hier! Mach es aus!
00:18:08Welche Haarfarbe hatte er? So wie du?
00:18:13Er hatte bräunliche Haare. Ein bisschen dunkler als meine, wie deine.
00:18:18Wie meine?
00:18:19Aber er hatte blaue Augen, wie ich.
00:18:25Also hast du seine blauen Augen und ich habe seine Haare.
00:18:29Genau.
00:18:32Siehst du, du hast auch etwas von ihm.
00:18:36Lass ihn fliegen.
00:18:38Schau mal, er hat wahrscheinlich Angst.
00:18:49Ja, hat er.
00:19:01Die Kämpfe haben begonnen.
00:19:03Alles war jetzt getrennt.
00:19:05Serbisch gegen muslimisch.
00:19:07Polizei, Regierung, Straßen und Gebiete.
00:19:11Die Saat des Völkermords wurde damals gesät.
00:19:17Berichte machten die Runde, dass kleine paramilitärische Einheiten Handlungen ethnischer Säuberung an der nicht-serbischen Bevölkerung durchführten.
00:19:28Unschuldige Zivilisten litten, manche starben, als sie friedlich zu Hause auf das Verschwinden der Kampfjets warteten.
00:19:36Bosnier befürchteten nun einen langen, qualvollen Bürgerkrieg.
00:19:56Endlich ist es soweit.
00:19:58Wie jedes Jahr fahren wir alle zurück nach Lubovia, nach Serbien, in das Haus meiner Oma.
00:20:04Meine Mutter, meine Tante, meine Tochter und ich.
00:20:08Wir alle verbringen den Sommer dort.
00:20:12Dieses Jahr werde ich Sophia bei ihnen lassen und mich auf die Suche nach der Geschichte meines Vaters machen.
00:20:20Musik
00:20:22Musik
00:20:43Tantchen!
00:20:44Tarnchen!
00:20:54Lange nicht gesehen.
00:20:59Lass dich küssen.
00:21:03Dich auch.
00:21:05Oh, ich hab sie so sehr vermisst.
00:21:08Komm her.
00:21:25Für dich, Alisa, ist es am schwersten.
00:21:32Es tut mir so leid, dass du ohne Mama und Papa aufwächst.
00:21:36Wenn dich jemand in der Schule ärgert, wäre ich oder deine Mutter da, dann könntest du sagen, mein Vater wird's
00:21:47dir zeigen.
00:21:49Dann wärst du durch uns beschützt.
00:21:54Ich weiß, du wirst vieles durchmachen müssen.
00:21:56Aber du bist stark, schlau und du wirst es schaffen.
00:22:04Jetzt erzähle ich dir, was hier passiert ist.
00:22:08Am ersten Tag saß ich in der Nähe der Brücke und eine Granate explodierte 10 Meter von mir entfernt.
00:22:15Mir ist nichts passiert.
00:22:18Wir sind bombardiert worden, wurden aus der Luft angegriffen.
00:22:2520, 25 Mal. Wir haben uns versteckt.
00:22:47Ich kann dir nicht beschreiben, wie die Leute und Kinder im Krieg leiden.
00:22:53Gut, dass dir das erspart bleibt.
00:22:57Ich habe viele Kriegsaufnahmen gedreht.
00:23:00Ich schicke sie dir lieber nicht.
00:23:02Das könntest du nicht aushalten.
00:23:05All die toten Menschen und das, was im Krankenhaus vor sich ging.
00:23:18Hallo, guten Tag. Kann ich mit Jeyfa sprechen?
00:23:22Hier ist Jeyfa.
00:23:23Hi Jeyfa. Hier ist Alisa, Seyfos Tochter.
00:23:29Deine Stimme kam mir gleich bekannt vor. Wie geht es dir?
00:23:33Mir geht's gut.
00:23:35Und dir?
00:23:36Du lachst wie deine Mutter.
00:23:40Ich wollte dich was fragen.
00:23:42Ich habe dieses Tape, das mein Papa mir geschickt hat.
00:23:45Ich weiß, ich war dabei, als Seyfo die Leute in Srebrenica gefilmt hat.
00:23:50Ja, genau.
00:23:52Ich frage mich, ob du einen Kontakt oder eine Telefonnummer hast von jemandem, der Papa kannte, den ich anrufen kann.
00:24:00Ich weiß nicht, ob sie noch leben.
00:24:04Ich kann nachsehen.
00:24:07Schau einfach, ob du etwas findest.
00:24:10Mach ich.
00:24:10Okay.
00:24:12Grüße an alle.
00:24:13Tschüss Jeyfa.
00:24:15Tschüss.
00:24:30Hallo.
00:24:31Hallo.
00:24:32Guten Abend.
00:24:33Kann ich Seyfo sprechen?
00:24:37Hier ist Seyfo.
00:24:38Wer ist da?
00:24:39Hier ist Alisa, Seyfos Tochter.
00:24:43Ah.
00:24:47Wie geht's?
00:24:49Wie geht's, meine Liebe?
00:24:51Mir geht's gut. Und dir?
00:24:54Wie alt bist du jetzt?
00:24:56Ich bin 39.
00:25:01Meine Liebe, ist es wirklich schon so lange her?
00:25:05So ist es.
00:25:09Ich wollte dich etwas fragen.
00:25:11Ich habe ein Tape von Papa.
00:25:13Er hat es mir 1995 geschickt, kurz vor dem Fall von Srebrenica.
00:25:19Ich bin auf der Suche nach Verwandten und Freunden, um über Papa zu sprechen.
00:25:27Ich muss dich unbedingt sehen.
00:25:29Ja.
00:25:29Und dann sprechen wir, okay?
00:25:32Okay.
00:25:34Tschüss Eko.
00:25:35Ciao.
00:25:36Ciao.
00:25:54Der Krieg begann.
00:25:59Geflüchtete strömten nach Srebrenica.
00:26:02Bosnia konnten nur an Orte fliehen, die bis dahin noch nicht besetzt waren.
00:26:06Nach Srebrenica und in die umliegenden Dörfer.
00:26:20Im März 1993 besuchte der pensionierte französische General Philippe Morillon, Kommandeur der Unprofort, Bosnien und Herzegowina, wo zuvor schon mehr
00:26:33als 40.000 Bosnier Schutz gesucht hatten.
00:26:38Ich habe entschieden, hier in Srebrenica zu bleiben.
00:26:43Sie stehen von nun an unter dem Schutz der UN-Streitkräfte.
00:26:49Ruhig, ruhig!
00:26:57Eine Kleinstadt wird zum Zufluchtsort und Gefängnis für 40.000 Menschen, der sogenannte sichere Hafen Srebrenica.
00:27:37Das St successor ist Norden.
00:27:38Da ist la
00:28:06Hello, Alisa.
00:28:07Das ist die alte Sporthalle neben der Schule.
00:28:12Das war mal eine Tankstelle. Sie ist dir an.
00:28:15Sie ist inzwischen nur noch ein Treffpunkt für Geflüchtete.
00:28:18Da wohnt sogar jemand.
00:28:26Frauen waschen hier jeden Tag ihre Wäsche.
00:28:28In den Häusern gibt es kein fließendes Wasser.
00:28:33Hier sind unsere Srebrenica.
00:28:35Wie läuft's?
00:28:36Gut, bestens.
00:28:41Wo warst du?
00:28:42Arbeiten.
00:28:44Du arbeitest? Verdienst viel?
00:28:47Oh ja.
00:28:49Hier ist Turco. Er war mal unser Taxifahrer.
00:28:53Jetzt zu Fuß.
00:28:54So ist es.
00:29:01Unsere Kneipe.
00:29:05Hauptsache, wir können uns noch treffen und reden.
00:29:08So Gott will, Gila.
00:29:18Gila, das ist dein Song.
00:29:22Wie geht's?
00:29:23Hey, wie geht's?
00:29:24Gut. Und dir?
00:29:25Mein Gott, zieh dich an.
00:29:31Wie geht's dir?
00:29:32Gut.
00:29:33Bist du groß geworden?
00:29:34Ja.
00:29:41Wir sind dort zum Fluss runtergegangen.
00:29:43An dem Tag war ich dabei.
00:29:45Bin ich drauf?
00:29:48Wenn wir nicht unter Beschuss waren,
00:29:50wollten wir so normal wie möglich leben.
00:29:55Wasser.
00:29:58Seifo.
00:30:00Zulio.
00:30:02Das war der Challenge.
00:30:03Du rufst einen Namen und derjenige muss als nächstes springen.
00:30:12Er hat's überlebt.
00:30:13Gut gemacht.
00:30:18Er hat's überlebt.
00:30:19Kreia.
00:30:20Er wiegt jetzt 140 Kilo.
00:30:22Aber sieh ihn dir an.
00:30:23Wie ein Model.
00:30:33Wann hast du Papa das letzte Mal gesehen?
00:30:37So um 1995.
00:30:40Vielleicht Ende Februar.
00:30:44Danach bin ich raus aus der Enklave.
00:30:47Wir haben uns unterhalten.
00:30:52Da wusste ich noch nicht, dass ich weg musste.
00:30:54Von heute auf morgen.
00:31:00Wo bist du hin?
00:31:05Zur Offiziersausbildung nach Zenica.
00:31:09Hing Papa sehr an Srebrenica?
00:31:13Emotional?
00:31:14Und wie?
00:31:17Er war Srebrenica.
00:31:18Liebte Srebrenica.
00:31:20Die Leute.
00:31:21Alles.
00:31:23Und im Krieg, als ihr alle noch hier wart, habt ihr euch da von den UN-Truppen beschützt gefühlt?
00:31:31Oder von irgendjemandem sonst?
00:31:34Sie konnten nicht mal sich selbst beschützen.
00:31:37Ganz zu schweigen unsere Leute.
00:31:40Schau, ich bin ein Soldat.
00:31:42Ich sag dir, diese Truppen der Vereinten Nationen, ich kann diesen Jungs keine Schuld geben.
00:31:54Es waren 100 Jungs aus den Niederlanden.
00:31:57Sie waren Kinder.
00:31:58Unerfahren.
00:31:59Hatten keine Ahnung von Krieg, was Kampf heißt, wie Menschen sterben.
00:32:04Was hätten sie tun können?
00:32:05Nichts.
00:32:07Es war eine Illusion zu denken, die Blauhelme könnten uns schützen.
00:32:11Ist doch kein Geheimnis, wie man Menschen wirklich schützt, militärisch gesehen.
00:32:21Lass uns noch weiterschauen.
00:32:30Eine Granate ist hier explodiert.
00:32:32Wir nennen sie Schweine.
00:32:37Das ist eine Granate?
00:32:38Die hat diesen Mann und sein Kind getötet.
00:32:44Er ist Bego aus Lovka.
00:32:48War beim Arbeitsamt angestellt.
00:32:57Oh, liebe Alisa.
00:33:00Bleib dran, damit du deinen Vater im Gedächtnis in Erinnerung behältst.
00:33:07Er war keiner von den Schlechten.
00:33:09Er war ein Guter.
00:33:11Ja.
00:33:13Und danke fürs Erzählen.
00:33:14Natürlich.
00:33:15Es ist gut, dass du da so dran bleibst.
00:33:17Damit deine Kinder und die nächsten Generationen sehen können, wie alles war.
00:33:21Na klar, unbedingt.
00:33:23Es wird sie interessieren.
00:33:26Ja.
00:33:28Ja.
00:33:30Ja.
00:33:37Komm, nir.
00:33:38Komm, nir.
00:33:38Komm, nir.
00:33:58Come near.
00:34:38So fahren sie jeden Tag hier rum.
00:34:45Sieht so aus, als würden sie noch zehn Jahre bleiben.
00:34:52So sehen unsere Flüchtlingskinder aus.
00:34:56Sie haben nichts zum Anziehen.
00:34:58Nichts, sie kennen keine Schokolade, keine Kekse.
00:35:02Wenn die UN-Soldaten kommen, rufen sie.
00:35:04Sie nennen die UN-Soldaten Mr. Bonbon.
00:35:08Dann greift einer in die Tasche und wirft ihnen Bonbons zu.
00:35:11Und ein anderer macht Fotos von den Kindern,
00:35:14damit sie ein Souvenir haben, das sie mit nach Hause nehmen können.
00:35:20Um sich zu erinnern.
00:35:26Hier ist mein Kino.
00:35:28Jeden Tag zeige ich einen Film.
00:35:29Dafür bekomme ich Tabak, Mehl, Konserven und sowas.
00:35:42Ich betreibe es schon fast ein Jahr.
00:35:45Wir haben jetzt genügend Strom.
00:35:47Ich habe einen Videorekorder, Glühbirnen,
00:35:52einen Generator.
00:35:56Den habe ich letztes Jahr im August gebaut.
00:36:01Es war der erste Generator in Petric.
00:36:04Seitdem wurden 50 davon gebaut.
00:36:17Während des Krieges lebte ich nur 16 Kilometer entfernt von meinen Eltern und von Srebrenica.
00:36:23Aber eben auf der anderen Seite der bosnisch-serbischen Grenze.
00:36:27Und die war damals unpassierbar.
00:36:34Und so war ich die Kriegsjahre über in Lubovia bei meinen Großeltern.
00:36:55Oma, lass uns ein bisschen miteinander sprechen.
00:36:59Wie war ich so als Mädchen?
00:37:02Du warst traurig.
00:37:04Warum?
00:37:05Ja, traurig.
00:37:07Wenn man hören konnte, wie in Bosnien Schüsse fielen, fand ich dich oft in meinem Zimmer.
00:37:15Du lagst dort, hast deinen Kopf gegen die Couch geschlagen.
00:37:19Warum?
00:37:20Es war eine harte Zeit für dich ohne deine Eltern.
00:37:23Und die Schüsse haben dir Angst gemacht.
00:37:27Am schlimmsten war, wenn du auf die Terrasse gegangen bist, in Richtung Bosnien gestarrt hast.
00:37:32Du hast gesagt, ich schaue.
00:37:35Ich versuche, Srebrenica zu sehen.
00:37:40Was hast du zu mir gesagt, wenn du mich so gesehen hast?
00:37:43Ich habe gesagt, du sollst da nicht hinschauen und dich beruhigen.
00:37:50Dann ging ich los, um dir ein kleines Geschenk zu kaufen.
00:37:54Um dir etwas Frieden und Liebe zu geben, damit du nicht verrückt wirst.
00:38:01Du warst ein Kind.
00:38:03Was hätte ich tun sollen?
00:38:16Habe ich oft nach meinen Eltern gefragt?
00:38:18Hast du, nach Dana.
00:38:21Dana rief ab und zu über Amateurfunk hier an.
00:38:27Wie war mein Papa?
00:38:29Kommt drauf an.
00:38:31Als Jugendlicher war er dauernd mit seiner Gang unterwegs.
00:38:35Ein vernünftiger Junge war er nicht gerade.
00:38:40Er hat gearbeitet.
00:38:42Hatte eine Schuhmacherei.
00:38:44Er arbeitete bei den Wasserwerken.
00:38:46Er hatte zwei Jobs.
00:38:48Was den Lebensunterhalt anging, hatte er zu kämpfen.
00:38:50Er tat sein Bestes.
00:38:54Es tat mir nur leid für Dana, weil sie die Schule abgebrochen hat.
00:38:59Sie schaffte es auf die Wirtschaftsuniversität.
00:39:02Hat dann aber abgebrochen.
00:39:05Nachdem sie ein Paar wurden, war er dagegen, dass sie ihre Prüfungen ablegt.
00:39:12Erinnerst du dich an das Tape, das Papa mir geschickt hat?
00:39:15Das Opa entgegengenommen hat?
00:39:17Ja, aber ich vergesse, Alisa.
00:39:20Ich habe alles vergessen, was ich damals durchstehen musste.
00:39:32Okay, Alisa, hier sind wir bei uns zu Hause.
00:39:36Nur um dir zu zeigen, wie es jetzt aussieht.
00:39:41Der Kühlschrank, der Ofen.
00:39:44Neonlichter, sehr stylisch mittlerweile.
00:39:49Hier ist dein Zimmer.
00:39:54Da ist dein Kinderbett.
00:39:59Das sind deine Spielsachen, nur ein paar.
00:40:02Erinnerst du dich?
00:40:06Und hier die VHS-Tapes.
00:40:09Das sind alles Aufnahmen vom Krieg.
00:40:11Ein bisschen Frieden, ein bisschen Krieg.
00:40:13Ich bewahre sie auf für die Zeit danach.
00:40:17Erinnerst du dich an diesen Schuhmacher?
00:40:29Hi, Alisa, ich habe dir deinen Papagei noch gar nicht gezeigt.
00:40:34Es ist deiner, es geht ihm gut.
00:40:36Der einzige Vogel, der den Krieg überleben wird.
00:40:43Vor ein paar Tagen, ich weiß nicht, ob ich es dir schon erzählt habe,
00:40:47aber deine Mutter und ich haben uns scheiden lassen.
00:40:52Frag sie warum, eines Tages.
00:40:55Ist aber auch eigentlich egal jetzt.
00:41:12Gleich siehst du deine Mutter.
00:41:16Das ist die Apotheke, in der sie gearbeitet hat.
00:41:35Ich möchte dir gerne Hallo sagen.
00:41:38Sefo nimmt es auf.
00:41:41Er und ich werden ab jetzt gute Freunde sein.
00:41:44Dieser Kiosk ist nichts Besonderes,
00:41:46aber die beste Arbeit, die man hier kriegen kann.
00:41:50Es geht mir gut.
00:41:51Naja, so gut, wie es einem in Srebrenica gehen kann.
00:41:55Es ist nicht so toll hier, aber es geht.
00:42:00Irgendwann wird es hoffentlich besser.
00:42:04Ich wollte dir nur Hallo sagen.
00:42:08Hab dich wirklich sehr lieb.
00:42:36Ich finde gerade Dinge über meinen Vater.
00:42:39Und über meine Mutter raus, von denen ich keine Ahnung hatte.
00:42:44Ich verurteile keinen von beiden.
00:42:47Ich bin erwachsen und kann beide verstehen.
00:42:52Ich hätte mir gewünscht, dass Dinge zwischen ihnen anders gewesen wären.
00:42:56Jetzt ist es zu spät, mich auf eine Seite zu schlagen.
00:43:00Sie haben mich sowieso nie gefragt, was ich von ihrer Trennung halte.
00:43:05Was die Scheidung angeht, wurde ich eh nicht einbezogen.
00:43:08Damals war ich nicht mal in Srebrenica.
00:43:18Dieser Ort, Guber, hat sich kaum verändert.
00:43:22Außer, dass er überwuchert ist.
00:43:25Sie fällen Bäume in dieser Gegend.
00:43:31Hier war der Park.
00:43:33Die Bowlingbahn und das Restaurant.
00:43:36Ja, genau, die Bowlingbahn.
00:43:38Und da unten war ein altes Gebäude.
00:43:59Das ist auf dem Video.
00:44:00Ja, das Video wurde hier gefilmt.
00:44:03Wir waren fünf oder sechs.
00:44:05Ich, Seifo, Faki, Roya, Shirley, Farid, Fakis Bruder.
00:44:14Wir haben den Sonnenaufgang eine Million Mal angeschaut.
00:44:19Wir kamen freitags her und gingen montags direkt zur Arbeit.
00:44:24Als Seifo Dana kennengelernt hat, sie war eine Wucht.
00:44:27Wir waren bei ihrer Hochzeit, bei deiner Geburt.
00:44:31Das wollten wir auf keinen Fall verpassen.
00:45:01Niemand hat daran gedacht, dass sowas passieren würde.
00:45:05Es kam alles ganz plötzlich.
00:45:08Gab es wirklich keine Anzeichen?
00:45:12Haben es die Menschen nicht geahnt?
00:45:14Nein, weil es so gemischt war.
00:45:16Die Religionen?
00:45:17Die Religionen.
00:45:18Es war so gemischt, dass wir nicht im Traum daran gedacht hätten,
00:45:21dass sowas passieren würde.
00:45:23Sie haben so gut zusammengelebt.
00:45:26Zusammengelebt, alles zusammen gemacht.
00:45:28Der Priester, Djoko.
00:45:30Ja?
00:45:32An Weihnachten hat er ein Lamm und ein Ferkel geschlachtet,
00:45:36weil wir, Serben und Muslime, an Heiligabend zu ihm kamen.
00:45:41Fast alle seine Freunde waren Muslime.
00:45:44Fantastisch.
00:45:47Wenn die Leute sich so gemocht haben,
00:45:49warum sind sie dann auf einmal aufeinander losgegangen?
00:45:53Sogar Nachbar gegen Nachbar.
00:45:56Es ist unvorstellbar, wie viel Hass sich entfachte.
00:46:02Ich weiß nicht, wie es danach war.
00:46:05Aber bis dahin war alles gut.
00:46:08Ja.
00:46:10Was sich danach in den Köpfen abgespielt hat.
00:46:13Weiß Gott.
00:46:14Ein Rätsel.
00:46:31Der Konvoi mit 17 LKWs enthielt 137 Tonnen Lebensmittel
00:46:36und medizinische Hilfsgüter
00:46:37für die belagerte bosnisch-muslimische Stadt Srebrenica.
00:46:41Die Serben verhindern, dass Hilfsorganisationen nach Bosnien gelangen,
00:46:45um gegen das Hungern in Srebrenica vorzugehen.
00:46:49Srebrenica wird seit mehreren Monaten von serbischen Truppen umzingelt.
00:46:53Hilfskräfte bezeichnen die Bedingungen in der Stadt als katastrophal.
00:46:57Das von Serben kontrollierte Wasserwerk außerhalb der Stadt ist zerstört.
00:47:02Es gibt keinen Strom.
00:47:03Laut dem Roten Kreuz sei es nur eine Frage von Wochen,
00:47:06bis hier auch Typhus und Diphterie ausbrechen.
00:47:10Die Serben machen sich nicht mehr die Mühe, die Stadt zu bombardieren.
00:47:13Es ist günstiger, die Menschen verhungern zu lassen.
00:47:19UN-Kommandeur Rose glaubt,
00:47:20dass die bosnisch-serbischen Truppen einer Waffenruhe zustimmen werden.
00:47:25Es besteht auf beiden Seiten guter Wille.
00:47:27Und ich denke, dass wir bis zum Wochenende zu einem Ergebnis kommen werden.
00:47:31Selbst General Mladic, Schlüsselfigur im Waffenstillstandsabkommen,
00:47:35sagt, die Streitpunkte seien leicht lösbar.
00:47:39UN-Kommandeur Rose
00:48:08Das sind ...
00:48:10Kennst du jemanden?
00:48:12Oh, ich bin so schlecht mit Namen.
00:48:16Es ist jetzt 26 Jahre her.
00:48:19Und ich versuche, das Ganze zu verdrängen.
00:48:24Hast du das Tape noch nie geschaut?
00:48:26Nein.
00:48:30Ich kenne ihn.
00:48:33Lebt er oder?
00:48:35Nein, er lebt nicht mehr.
00:48:36Getötet?
00:48:37Ja.
00:48:40Dieser Typ ist aus Srebrenica.
00:48:43Aber ich weiß nicht, wie er heißt.
00:48:45Aber er ist auch tot.
00:48:51Wer ist das?
00:48:52Er ist Serbe.
00:48:54Wirklich?
00:48:57Er hat oberhalb der Moschee gewohnt.
00:48:59Er hatte eine muslimische Frau während des Krieges.
00:49:04Hat er überlebt?
00:49:06Nein.
00:49:08Das ist Kakes Bruder.
00:49:10Hat er überlebt?
00:49:11Ich glaube nicht.
00:49:13Nur Kake und der Friseur.
00:49:15Und er hat einen schönen Friesen.
00:49:25Mal sehen, was hier noch ist.
00:49:34Schau dir Sefo an.
00:49:36Ich habe ihm dieses blaue Shirt gekauft.
00:49:39Hast du?
00:49:40Ja.
00:49:45Gehri, da ist Gehri.
00:49:50Schau, wie jung er war.
00:49:53Wir waren alle jung damals.
00:49:56Der Krieg hat uns unserer Jugend gerabt.
00:50:19Dieser Krieg hat mein ganzes Leben geprägt.
00:50:22Er hat kein Anfang und kein Ende.
00:50:25Meine Großmutter bat mich nicht mehr darüber nachzudenken, was während des Krieges geschah.
00:50:30Doch bevor ich ihrem Rat folge, muss ich noch ein wenig tiefer eintauchen.
00:50:36Denn dieser Krieg hat tiefe Narben bei uns allen hinterlassen.
00:50:41Bei meiner Oma, meiner Mama, meiner Tante und mir.
00:50:48Und bei Sophia wird er wohl auch Spuren hinterlassen.
00:51:18Ich werde dich aus Sarajevo anrufen, okay?
00:51:20Okay.
00:51:22Ich werde dort nur ein paar Tage sein.
00:51:24Wie lange?
00:51:25Eine Woche?
00:51:26Nein, nur ein paar Tage.
00:51:28Fünf Tage?
00:51:29Drei Tage.
00:51:30Drei Tage.
00:51:31Ja.
00:51:32Okay.
00:51:33Okay.
00:51:37Hab dich lieb.
00:51:39Ich hab dich auch lieb.
00:51:40Vermiss dich.
00:51:43Oh, du salz.
00:52:36Es ist zu früh, um mit Sophia über den Krieg im ehemaligen Jugoslawien zu sprechen.
00:52:42Sie ist zu jung dafür.
00:52:45Wenn sie ein bisschen älter ist, werde ich ihr die Dinge so erklären, dass sie es versteht.
00:52:53Nur weil es diesen Krieg gab, bedeutet das nicht, dass sie die Welt hassen muss.
00:53:06Hallo, mein Liebling.
00:53:07Hallo, Tantchen.
00:53:09Wie geht's dir?
00:53:10Gut.
00:53:15Meine Liebe, du kannst stolz auf den Vater sein, den du hattest.
00:53:21Er hat dich wirklich sehr geliebt.
00:53:25Wann hast du ihn das letzte Mal gesehen?
00:53:28Ich erinnere mich nicht genau.
00:53:30Ich habe den letzten Bus, der aus Srebrenica ging, genommen.
00:53:35Danach gab es keine Busse mehr.
00:53:38Der fuhr bis nach Deutschland.
00:53:40Irgendwie haben wir es geschafft, ich und die Kinder da noch wegzukommen.
00:53:47Warum ist Djevat in Srebrenica geblieben?
00:53:52Mein Mann Djevat wollte nicht weg.
00:53:55Ich habe ihm gesagt, er soll mitkommen.
00:53:57Aber er wollte nicht.
00:54:00Das war ein Riesenfehler.
00:54:02Aber wir hatten einen Bauernhof mit Schafen, Hühnern, einer Kuh.
00:54:06Er wollte einfach nicht.
00:54:08Hey!
00:54:11Ich bin verschwitzt.
00:54:12Macht nichts.
00:54:13Ich komme von der Arbeit.
00:54:16Tantchen und ich unterhalten uns.
00:54:18Ich sehe, dass ihr im Gespräch seid.
00:54:23Warum lachst du?
00:54:24Hallo Mama.
00:54:26Setz dich.
00:54:30Was gibt's?
00:54:31Nicht viel.
00:54:32Und die Arbeit?
00:54:33Müde.
00:54:33Du weißt, wie es ist.
00:54:35Du hast noch denselben Job?
00:54:37Super.
00:54:39Vor ein paar Tagen habe ich das Tape von meinem Vater angeschaut.
00:54:44An einer Stelle ist Onkel Djevat bei Risa und Shevik zu Hause und die grüßen alle.
00:54:51Ich hole es mal.
00:54:59Dein Vater.
00:55:03Hi Alisa, ich bin's, dein Onkel Djevat.
00:55:10Djevat, wir haben uns nicht mehr.
00:55:12Bravo.
00:55:16Du hast mich vielleicht vergessen.
00:55:21Du bist ja schon eine ganze Weile weg.
00:55:24Ich bin alleine hier.
00:55:26Deine Cousins, Judah, Keka, Suat sind gefahren.
00:55:30Wir vermissen dich sehr in diesem Krieg, denken viel an dich.
00:55:36Du bist so nah und trotzdem können wir nicht zusammen sein.
00:55:39Aber Hauptsache ist doch, dass es uns allen gut geht.
00:55:42Hör auf deine Oma.
00:55:45Und auf Opa.
00:55:46Auf deinen Opa auch.
00:55:49Viele Grüße an dich.
00:55:50Ich hoffe, du bleibst wohl auf.
00:55:51Und wir hoffen euch alle bald wiederzusehen.
00:55:57Ich hoffe, duкую.
00:56:33Da war schon alles verloren.
00:57:07Srebrenica wird zu einem riesigen Schlachthaus.
00:57:10Wird irgendjemand die Tragödie bezeugen, die den Bewohnern von Srebrenica widerfährt?
00:57:15Ein abscheuliches Verbrechen gegen die bosnische Bevölkerung von Srebrenica geschieht gerade.
00:57:24Hallo, Alisa.
00:57:26Alisa, hier wird es Krieg geben.
00:57:30Es wird blutig, zumindest glaube ich das.
00:57:34Diese Leute, sie mögen uns nicht.
00:57:37Sie nennen uns Türken.
00:57:39Aber was kann ich tun?
00:57:43Ich bin ein Moslem und daran kann ich nichts ändern.
00:57:47So ist das.
00:57:53Sie säubern die Stadt.
00:57:54Du kannst einfach da runtergehen.
00:57:56Okay, ich weiß.
00:57:58Mir nach, aber langsam.
00:58:14Das holländische Bataillon rückt nach Norden vor in Richtung Potocari.
00:58:20Schätzungsweise 7000 Flüchtlinge bewegen sich gerade in Richtung Potocari.
00:58:31Los nach Potocari und dann direkt nach Pratunac.
00:58:46Sind dort Zivilisten?
00:58:49Irgendwelche Zivilisten?
00:58:51Frauen, Kinder?
00:58:52Frauen und Kinder?
00:58:52Ja.
00:58:54Ja, wie viele?
00:58:55Ungefähr?
00:58:57Ich glaube um die 4000.
00:58:58Um die 4000?
00:59:014000.
00:59:02Sind dort irgendwelche muslimischen Soldaten?
00:59:05Nein, ich kann versichern, da ist kein muslimischer Soldat.
00:59:08Kinder, Frauen, krank, gesund.
00:59:12Wie viele Männer?
00:59:15Ein paar.
00:59:17Wie alt sind sie?
00:59:19Keine bosnischen Kämpfer.
00:59:20Wie alt sind sie?
00:59:22Ich weiß es nicht.
00:59:23Ich habe sie nicht alle gesehen.
00:59:26Wie?
00:59:48Ich weiß es nicht.
00:59:50Ich habe sie nicht alle gesehen.
00:59:58Auf Befehl des militärischen Anführers Ratko Mladic trennten Soldaten muslimische Männer von ihren Frauen, Schwestern und Töchtern.
01:00:08Doch auf muslimischem Gebiet fanden sie nur Frauen und Kinder vor.
01:00:12Die Männer von Srebrenica waren verschwunden.
01:00:25Ich begreife, wie in den Tagen nach dem Fall von Srebrenica tausende Menschen versuchten, durch den Wald zu entkommen, um
01:00:32in die sichere Zone von Tuzla zu gelangen.
01:00:36Unzählige Menschen liefen hintereinander, irrten tagelang herum, in der Hoffnung, in die richtige Richtung zu gehen.
01:00:44Meine Mutter ist eine von ihnen.
01:00:53Wie habt ihr euch gefunden?
01:00:55Wir haben uns beim letzten Angriff getroffen.
01:00:59Eigentlich davor.
01:01:01Er war ein Kind.
01:01:03Er war klein.
01:01:06Es war ganz spontan.
01:01:20Wir nahmen das Essen aus den Rucksäcken der Getöteten.
01:01:23Es war das erste Mal, dass wir nach wer weiß wie vielen Tagen etwas zu essen hatten.
01:01:31Wo habt ihr Wasser gefunden?
01:01:33Wir mussten Wasser aus den Bächen trinken.
01:01:37Ich erinnere mich, einmal als wir das taten, ich weiß noch, dass ich dachte, das Wasser riecht nicht gut.
01:01:47Als ich stromaufwärts lief, etwa 50 Meter, sah ich, dass der Fluss voller Leichen ermordeter Menschen war.
01:02:01Das heißt eine Abkürzung.
01:02:03Manche sind dort langgegangen, aber wir liefen hier.
01:02:07Eine Abkürzung wohin?
01:02:08Durch den Wald.
01:02:31Alle 50 Meter konnte irgendetwas sein.
01:02:34Du wusstest jedoch nie was.
01:02:36Wer wird dort sein?
01:02:38Wir alle waren verschreckt und verängstigt.
01:03:05Und du hast nur gehofft, dass wenn du auf dem Hügel bist, dass du das Ziel vor dir siehst.
01:03:10Freiheit, nur das.
01:03:12Ja.
01:03:12Und du wusstest.
01:03:17Und du wusstest gehst.
01:03:18Und du wusstest.
01:03:42Und du wusstest trotzdem Staatsanze.
01:03:46The whole time, as we were leaving, I hoped Seifu would see.
01:03:53I wanted to know, if he was able to achieve it.
01:04:38What?
01:04:39What?
01:05:14Niemand konnte mir sagen, wie er getötet wurde.
01:05:16Es sind ja so viele Menschen gestorben, die mit ihm waren.
01:05:33Eine Zeit lang ging es darum, mir genau vorzustellen, was er durchgemacht hat.
01:05:38Aber ich habe erkannt, dass andere Dinge wichtiger sind, zum Beispiel zu wissen, wie er wirklich
01:05:44war, Geschichten von seinen Freunden zu hören.
01:05:48Das sind für mich die wesentlichen Dinge.
01:06:02Über 8000 muslimische Männer und Jungen wurden in Srebrenica ermordet, in Massengräbern
01:06:06verscharrt.
01:06:08Ihre Körperteile wurden später von den Truppen verstreut, um deren Kriegsverbrechen zu vertuschen.
01:06:20Obwohl Srebrenica offiziell zur UN-Sicherheitszone erklärt wurde, hat diese Schutzmaßnahme 27
01:06:26Monate später versagt.
01:06:29Es kam zum Genozid in Srebrenica.
01:06:32Zum größten Verbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.
01:06:37Für die Deutsche Welle berichtet aus Srebrenica Marinko Sekulitsch-Kokesa.
01:06:45Guten Morgen.
01:06:48Wie geht's?
01:06:49Gut.
01:06:53Gut dich zu sehen.
01:06:55Du siehst aus wie Seifo.
01:06:56Echt?
01:06:59Bitte komm rein.
01:07:00Vielen Dank.
01:07:06Wie nett.
01:07:09Ich erinnere mich an dich vor dem Krieg.
01:07:12Ich kannte dich zwar nicht, weil du noch klein warst, aber ich erinnere mich genau an
01:07:16Seifos Erzählung.
01:07:17Es ging immer um dich, Alisa hier, Alisa da, du warst dein Ein und Alles.
01:07:33Was meinst du denn?
01:07:35Hätte diese Tragödie in Srebrenica verhindert werden können, oder?
01:07:42Absolut, wenn sie es gewollt hätten.
01:07:45Sicher hätte es verhindert werden können, aber da war kein Wille.
01:07:50Das niederländische Bataillon ist nicht eingeschritten.
01:07:54Aber nicht nur die Niederländer, denn die Unpro vorbestand aus mehreren Ländern.
01:08:01Die Flugzeuge aus Italien, die später Serbien und die Positionen der Armee der Republika Srpska
01:08:07um Sarajevo herum bombardierten, hätten eingreifen können und es verhindern können.
01:08:14Ja, genau.
01:08:18Die Regierung in Sarajevo erinnert sich nur an Srebrenica, wenn sie Spenden brauchen.
01:08:26Hilfe, Unterstützung aus dem Westen.
01:08:32Die internationale Gemeinschaft hat ihre eigenen schmutzigen Geheimnisse.
01:08:35Und sie wollen so wenig wie möglich über Srebrenica sprechen.
01:08:43Und wer sind wir, die hier leben, die zurückgekommen sind?
01:08:47Wir sind ein Kollateralschaden, alle drei Nationen, nicht mehr.
01:08:52Deshalb gibt es hier keine jungen Leute mehr.
01:08:54Was denkst du müsste geschehen, um Frieden wieder herzustellen?
01:09:03Diejenigen, die darauf hinarbeiten, aber nie offen das Wort Krieg aussprechen, die soll man rausschaffen.
01:09:11Und Leute holen, die nicht von Nationalismus und Chauvinismus verseucht sind.
01:09:18Es gibt die jungen Leute.
01:09:22Es ist doch möglich.
01:09:25Wir, die nach Srebrenica zurückgekehrt sind, sind der Beweis dafür.
01:09:29Wir Serben, Bosnier und ein paar Katholiken.
01:09:35Wir, die ursprünglichen Leute.
01:09:37Wir sind heute wieder vereint.
01:09:40Wir haben hier einmal als Familie gelebt.
01:09:58Es ist verrückt, wie Krieg manche Menschen in Monster verwandelt.
01:10:08Das ist es, was Krieg hervorbringt.
01:10:11Es ist, als ob ich jetzt alles sagen kann, was vorher unsagbar war, weißt du?
01:10:16Jetzt darf ich endlich hassen, wen ich hassen möchte.
01:10:19Es ist so völlig absurd, dies alles zu hören.
01:10:23Und für mich ist das einfach nur Hass.
01:10:27Es ist das, was du von zu Hause hörst, was du von anderen Menschen gehört hast, deinen Eltern oder wem
01:10:32auch immer.
01:10:33Es ist einfach unglaublich.
01:10:36Es übersteigt meine Vorstellungskraft, dass selbst diese Leute, die miteinander leben, bei so etwas mitmachen.
01:10:43Es ist wahnsinnig für mich, wie sich jemand einfach über Nacht ändern kann.
01:10:49Ich meine, es ist ... Ich kann das nicht begreifen.
01:10:53Ich versuche es in meinem Kopf, aber da ist kein Verstehen, weil es einfach falsch ist.
01:10:57Ich versuche es in meinem Kopf, aber es ist einfach wichtig.
01:11:26Mehr als 8000 Bosnier werden in ungefähr zehn Tagen ermordet.
01:11:32Bis heute wurden noch nicht alle Opfer identifiziert.
01:11:38Jedes Jahr am 11. Juli werden die neu identifizierten Opfer in der Gedenkstätte in Potocari begraben.
01:11:45Ich versuche es in der Gedenkstätte in der Gedenkstätte in der Gedenkstätte.
01:12:15Ich habe keine Frage, da war kein Platz mehr.
01:12:17Als sie meinen Vater gefunden haben, haben sie noch 500 andere gefunden.
01:12:25Ein Neugeborenes war auch dabei. Es wurde nur einen Tag alt.
01:12:35Hat mein Vater dir jemals erzählt, dass er ein Tape für mich aufnimmt?
01:12:41Ich wusste nicht, dass er ein Tape eigens für dich macht.
01:12:44Aber wir, die während des Krieges nicht ins Rebrenica waren, bekamen Videonachrichten von ihm.
01:12:53Ich würde gerne wissen, was du über meinen Vater weißt.
01:12:58Ich meine, welche Erinnerungen du an ihn hast.
01:13:03Wir alle aus Rebrenica erinnern uns an ihn.
01:13:08Er war so ein positiver Mensch. Er wurde von all seinen Freunden bewundert.
01:13:16Ich habe in einem Schmuckladen gearbeitet. Und nebenan war der Schusterladen, in dem er gearbeitet hat.
01:13:24Und manchmal standen alle Arbeiter und Ladenbesitzer vor ihren Türen und riefen sich gegenseitig etwas zu.
01:13:31Und in Srebrenica gab es ein großes Lachen.
01:13:40Wir hatten keine Ahnung, was kommen würde.
01:13:43Dass die Straße nicht mehr existieren würde.
01:13:46Und dass 90 Prozent dieser Leute jetzt leider in der Gedenkstätte begraben liegen.
01:14:20Hey! Ohne dich würde mich niemand in der Welt jemals beachten. Mach weiter!
01:14:25Möge Gott mit dir sein!
01:14:27So Gott will, werde ich es schaffen.
01:14:28Aleykum Salaam!
01:14:30Ich werde deinen Gruß allen ausrichten.
01:14:32Ich wende meine Grüße an die Welt!
01:14:33Das werde ich!
01:14:34Ich werde mich nicht in der Welt jemals beachten!
01:14:53Ich bedanke mich!
01:14:54Ich werde dich nicht in der Welt!
01:15:00Aber again, ich werde mich nicht in der Welt schützen!
01:15:02Ich bin eben in der Welt.
01:15:03Ich bin eben wirklich in der Welt.
01:15:03Ich bin einger durchzugehen.
01:15:16I am from MSF. Christine. Oh, really? Oh, yeah. Oh, yeah. Oh, yeah. Oh, my God.
01:15:33Ich hätte dich niemals erkannt. Oh, mein Gott. Wunderbar, dich zu sehen. Wann bist du gegangen? 95. Ich bin durch
01:15:46den... Durch den Wald? Wald. 17 Tage. Das ist meine Tochter Alisa. Hallo, freut mich. Sie ist von Ärzte ohne
01:15:56Grenzen. Wir haben zusammengearbeitet.
01:16:02Das ist meine Tochter Alisa.
01:16:33Das ist meine Tochter Alisa.
01:16:46Manichinas
01:17:19Das ist nach der Deportation, am 12. und 13.
01:17:35Warum kommst du hierher zurück?
01:17:37Ich komme zurück, weil die Leute, die ich hier treffe, wie das medizinische Personal aus dem Krankenhaus, am besten verstehen,
01:17:46was wir alle gemeinsam durchgemacht haben.
01:17:50Ich muss das mit Menschen teilen, die das auch miterlebt haben.
01:17:55Ich möchte ein Zeichen setzen, dass das hier nicht vergessen ist, dass ich es nie vergessen werde.
01:18:01Es hat mein Leben verändert. Und ich habe viele Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass es nicht meine Schuld war,
01:18:08dass die Enklave zusammenbrach und so viele Menschen getötet wurden.
01:18:15Wann kamst du nach Srebrenica?
01:18:17Am 24. Juni.
01:18:191995?
01:18:20Ja.
01:18:22Und dann fing es mit den Bomben an.
01:18:25Und deine Mutter arbeitete in einer der Ambulantes um Srebrenica.
01:18:30Und als ich sie gestern traf, war das wundervoll.
01:18:35Hast du Erinnerungen an den Tag, an dem die Truppen einmarschierten, als sie nach Srebrenica kamen?
01:18:40Ja.
01:18:43Ja, ich erinnere mich an eine Situation am 13. Juli, als ein bosnisch-serbischer Soldat vollbewaffnet zu mir kam mit
01:18:54einem Schäferhund.
01:18:57Ein muslimischer Mann war bei ihm, der, das konntest du in seinen Augen sehen, sehr gestresst und verängstigt war.
01:19:05Er hatte sein Baby auf dem Arm. Es war vielleicht ein Jahr alt.
01:19:11Und ich sprach kein Bosnisch, aber ich habe verstanden, dass der Vater sagte, dass er niemanden für das Baby hat.
01:19:19Die Mutter war vermisst oder tot, und er wollte mir das Baby geben.
01:19:27Und es wurde nicht gesagt, aber mir war in dem Moment klar, dass er getötet werden sollte.
01:19:34Er wurde später in einem Massengrab gefunden.
01:19:37Und er gab mir sein Baby.
01:19:41Und das ist für mich die symbolische Situation.
01:19:44Die Trennung eines Kindes von seinem Vater.
01:19:48Ich glaube, ich kann mir den Schmerz kaum vorstellen, den du fühlen musst, da du deinen Vater verloren hast.
01:19:57Ja.
01:19:59Zehn Jahre lang nicht zu wissen, wo er war, war das Schlimmste.
01:20:04Und ich habe in der Zeit sehr gelitten, weil mich niemand getröstet hat, keiner mit mir darüber gesprochen hat.
01:20:11Ich musste mit meinem Schmerz allein klarkommen.
01:20:14Das muss sehr schwer gewesen sein.
01:20:16Ja, das war es. Es war sehr, sehr hart.
01:20:19Und als ich 2005 erfahren habe, dass sie ihn gefunden haben, war das.
01:20:25Ich war sehr, sehr traurig.
01:20:29Aber es war auch eine Erleichterung, ein Grab zu haben, an das ich gehen kann.
01:20:36Ich glaube, das war, als dieser unglaubliche, gewaltige Schmerz langsam anfing zu verschwinden, weil ich glaube, das Schlimmste ist, wenn
01:20:48du nicht weißt, wo derjenige ist.
01:20:53Aber hast du das Gefühl, du kannst jetzt Frieden finden?
01:20:59Ja, weißt du auch warum?
01:21:02Weil ich akzeptiert habe, was passiert ist.
01:21:06Und ich bin ihm so dankbar, dass er dieses Tape für mich aufgenommen hat.
01:21:12Für mich ist das ein Schatz.
01:21:16Ja.
01:21:17Und ich weiß, dass mein Vater sehr glücklich darüber wäre, dass ich das hier tue.
01:21:36Alisa, ich muss dir etwas erzählen.
01:21:40Ich habe eineinhalb Jahre allein gelebt, aber nachdem Großmutter starb,
01:21:47habe ich beschlossen zu heiraten.
01:21:52Ihr Name ist Zadika.
01:21:56Und wir haben eine Tochter.
01:21:58Sie ist deine Schwester.
01:22:00Ihr Name ist Fatima, wir nennen sie Mima.
01:22:10Sie sieht dir sehr ähnlich.
01:22:12Das sagt auch deine Mutter.
01:22:15Vergiss nicht, sie ist deine Schwester.
01:22:29Hey, meine schöne Kleine.
01:22:31Hey, Du.
01:22:53Schwester, gut siehst du aus.
01:22:55Du auch.
01:22:56Das Alter kann dir nichts anhaben.
01:22:58Dir auch nicht.
01:23:01Na ja, ich werde nächstes Jahr 30 und ich habe Angst.
01:23:04Wofür?
01:23:07Weil 30-jährige alte Leute waren, als ich klein war.
01:23:13Für Sie.
01:23:17Danke.
01:23:18Danke.
01:23:20Ich wollte dir sagen, ich habe Papas Tape angeschaut, das ich dir kopiert habe.
01:23:27Ja.
01:23:29Bevor ich herkam, habe ich mit ein paar seiner Freunde Kontakt aufgenommen.
01:23:39Ich habe mit Gero gesprochen, mit...
01:23:44Tut mir leid, aber ich kenne sie nicht.
01:23:46Stimmt, du kennst keinen von ihnen.
01:23:48Was hast du rausgefunden?
01:23:51Er liebte Musik.
01:23:55Mama hat mir von der Zeit erzählt, als sie sich gerade kennengelernt haben.
01:23:59Damals hat er sich immer wie John Travolta gestylt.
01:24:02Ich stelle es mir gerade vor.
01:24:04Er hatte diesen speziellen Gang, so ein bisschen angeberisch, so mit schwungvollen Schritten.
01:24:16Ich wünschte, ich könnte mich irgendwie an meine kurze Zeit mit ihm erinnern.
01:24:23Klar, verstehe ich.
01:24:27Es tut mir so leid, dass du ihn nie kennengelernt hast.
01:24:31Dass du dich nicht erinnerst, wie du seine Hand gehalten, ihn umarmt hast.
01:24:36Weißt du, wie schlecht ich mich manchmal fühle?
01:24:42Dass wir so weit entfernt voneinander sind, ist so schade.
01:24:48Ich wünschte, wir wären näher beieinander, um Zeit zusammen zu verbringen, darüber zu reden.
01:24:53Ich glaube, das würde uns beiden helfen.
01:24:56So fühlte er bestimmt auch.
01:24:58Deshalb hat er dir auf dem Tape gesagt, du hast eine Schwester, Fatima, und ich werde ihr von dir erzählen.
01:25:06Ich weiß schon mein ganzes Leben von dir.
01:25:12Hey, du bist meine schönste Erinnerung an Papa.
01:25:22Alisa, das wär's erst mal.
01:25:24Ich liebe dich sehr.
01:25:26Ich bin dein Vater.
01:25:28Ich weiß nicht, wann du dieses Tape bekommst.
01:25:32Schreib mir.
01:25:33Vergiss mich nicht.
01:25:42Seifo wollte, dass ich mich auf die Reise mache, um ihn zu finden und um herauszufinden, wer er war.
01:25:49Vor allem wollte er mir beibringen, jeden Augenblick zu genießen und für andere zu sorgen, wie er es tat.
01:25:58Er liebte eine serbische Frau.
01:26:00Er liebte mich, seine bosnisch-serbische Tochter, bedingungslos.
01:26:05Er hatte Freunde, egal welcher Religion oder Ethnie, bis zuletzt.
01:26:10Für mich ist es das, was von ihm bleibt, zusammen mit der Freiheit, mich nicht für eine Seite entscheiden zu
01:26:16müssen,
01:26:16weil ich seine Tochter, eine Tochter dieser Freiheit bin.
01:26:26Dank meines Vaters kann ich frei von allen Konflikten leben, auf dem Hass tanzen und das Misstrauen übergehen,
01:26:33das mein serbischer Akzent bei den einen und mein bosnischer Nachname bei den anderen verursacht.
01:26:40Er zeigte mir auf Vorurteile, ethnischen und religiösen Hass und Rassismus zu pfeifen.
01:26:49Das ist, was er an mich weitergab und was ich an Sophia weitergeben möchte.
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